TV-Tipp für den 18. Februar: The Road

Februar 17, 2022

3sat, 22.25

The Road (The Road, USA 2009)

Regie: John Hillcoat

Drehbuch: Joe Penhall

Vorlage: Cormac McCarthy: The Road, 2006 (Die Straße)

In einer postapokalyptischen, fast menschenleeren Welt wandern ein Vater und sein Sohn in Richtung Küste. Wenn sie nicht vorher sterben.

TV-Premiere. Starkes, zum Nachdenken anregendes Endzeit-Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce, Michael K. Williams, Garret Dillahunt, Molly Parker

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Road“

Wikipedia über „The Road“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)

Meine Besprechung von John Hillcoats „Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)

Meine Besprechung von John Hillcoats „Triple 9“ (Triple 9, USA 2016)

Die Vorlage

Cormac McCarthy: Die Straße

(übersetzt von Nikolaus Stingl)

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008

256 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Rowohlt Verlag, 2007

Originalausgabe

The Road

Alfred A. Knopf, New York, 2006


Neu im Kino/Filmkritik: „Uncharted“ in vertrauten Gewässern

Februar 17, 2022

Erstens: ich kenne das gleichnamige Computerspiel nicht.

Zweitens: ich will es auch nicht kennen lernen.

Aber das kein Problem, weil der Abenteuerfilm die Vorgeschichte, also wie sich Nathan Drake und Victor ‚Sully‘ Sullivan kennen lernen, erzählt und außerdem muss der Film als Film überzeugen. Deshalb geht es in den folgenden Zeilen um den Abenteuerfilm „Uncharted“ und wie sehr es ihm gelingt, zwei Stunden zu unterhalten.

Bis heute wurden von den sechs „Uncharted“-Computerspielen über 44 Millionen Exemplare verkauft und natürlich eignet sich eine sich über mehrere Kontinente erstreckende Schatzsuche gut für einen entsprechenden Film. Die ersten Pläne für eine Verfilmung des Computerspiels sind von 2008. Im Lauf der Jahre waren verschiedene Regisseure und Schauspieler im Gespräch. So sollte Mark Wahlberg ursprünglich – und damit vor Jahren – Nathan Drake spielen. Jetzt spielt er den väterlichen Freund von Drake. Drake wird jetzt von Tom Holland gespielt, der hier einfach noch einmal ‚Spider-Man‘ Peter Parker spielt.

Die Story der in der Gegenwart spielenden Geschichte ist einfach. Victor ‚Sully‘ Sullivan (Mark Wahlberg) ist ein halbseidener Schatzsucher. Um den riesigen, seit Ewigkeiten verschwundenen Goldschaftz von Ferdinand Magellan zu finden, benötigt er die Hilfe von Nathan Drake (Tom Holland). Dieser arbeitet in New York als Barkeeper und Taschendieb, vermisst immer noch seinen vor Ewigkeiten spurlos verschwundenen Bruder (den Sully kennt) und er interessiert sich wahnsinnig für Geschichte, Legenden und verschollene Schätze. Ihr Konkurrent bei der Schatzsuche ist Santiago Moncada (Antonio Banderas). Er glaubt, dass seiner Familie das Gold rechtmäßig gehört. Schließlich raubte Magellan es in ihrem Auftrag zusammen. Und schon entspinnt sich eine Verfolgungsjagd um die halbe Welt. Von New York geht es über Barcelona in die Philippinen.

Jedenfalls im Film. Denn gedreht wurde in Spanien, vor allem Barcelona, ein wenig in Berlin (die Filmauktion wurde in der Deutsche Telekom Hauptstadtrepräsentanz gedreht) und im Studio Babelsberg. Das fehlende Lokalkolorit wird dann durch Actionszenen und CGI-Schauwerte ausgeglichen, über die wirklich nicht nachgedacht werden sollte. Da werden uralte Segelschiffe an Hubschraubern durch die Luft befördert, während unsere Helden sich auf dem Schiffsdeck kloppen. Da findet in der Luft ein epischer Kampf auf und unter mehreren Frachtboxen statt, die an einem fliegendem Flugzeug hängen, und Nathan Drake springt, wie Spider-Man, von einer Box zur nächsten in Richtung Flugzeug. Das ist nicht ‚möglich, aber unwahrscheinlich‘, sondern schlichtweg unmöglich.

Das unterscheidet „Uncharted“ dann auch von den Abenteuerfilmen, die ihn inspirierten. Das sind vor allem die Indiana-Jones-Filme. Aber auch die drei Dan-Brown-Verfilmungen mit Tom Hanks als Professor Robert Langdon, vor allem die flotte dritte Verfilmung „Inferno“, und, auch wenn es keine Abenteuerfilme sind, die James-Bond-Filme mit ihren exotischen Drehorten und ausufernden Actionszenen sind zu nennen.

Gegenüber all diesen Filmen wirkt „Uncharted“ dann doch sehr bieder, künstlich und auch langweilig. Denn die Witze und Frotzeleien zwischen den Figuren zünden nicht richtig. Die Actionszenen sind mit zu viel CGI aufgepimpt. Die Musik klingt immer wie ein provisorisch eingefügter, nur eine Rhythmus vorgebender Temp Track.

Die Geschichte verlässt sich viel zu oft auf unmögliche Zufälle. So soll eine fünfhundert Jahre alte Schatzkarte heute immer noch akkurat zum Ziel führen. So sollen vor fünfhundert Jahren im Untergrund von Barcelona erbaute, bislang nicht entdeckte Gänge und Fallen heute noch genauso schmeidig wie am ersten Tag funktionieren. Das Versteck des Goldes sieht dann zwar prächtig aus, aber mehr auch nicht.

Außerdem sind alle Hauptfiguren schnöde Grabräuber, die an dem Gold nur wegen des Goldes und der damit verbundenen persönlichen Bereicherung interessiert sind. Alles andere ist ihnen egal. Für über hundert Jahren war das eine ausreichende Motivation. Schon Indiana Jones interessierte sich aus anderen Gründen für die alten Legenden und Gegenstände. Heute wird über die Rückgabe der kolonialen Raubkunst diskutiert.

Uncharted (Uncharted, USA 2022)

Regie: Ruben Fleischer

Drehbuch: Rafe Lee Judkins, Art Marcum, Matt Holloway (nach einer Geschichte von Rafe Lee Judkins, Jon Hanley Rosenberg und Mark D. Walker)

mit Tom Holland, Mark Wahlberg, Antonio Banderas, Sophia Ali, Tati Gabrielle, Steven Waddington, Pingi Moli, Tiernan Jones, Rudy Pankow

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Uncharted“ (das Studio Babelsberg gehört zu den beteiligten Produktionsfirmen und es wurde auch dort gedreht)

Moviepilot über „Uncharted“

Metacritic über „Uncharted“

Rotten Tomatoes über „Uncharted“

Wikipedia über „Uncharted“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Venom“ (Venom, USA 2018)

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Zombieland: Doppelt hält besser“ (Zombieland: Double Tap, USA 2019)


TV-Tipp für den 17. Februar: Punch-Drunk Love

Februar 16, 2022

https://www.youtube.com/watch?v=TeJLobFy51k

Servus TV, 20.15

Punch-Drunk Love (Punch-Drunk Love, USA 2002)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus nette Lena.

Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.

mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel

Wiederholung: Freitag, 18. Februar, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Punch-Drunk Love“

Wikipedia über „Punch-Drunk Love“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)


Über Rick Remenders „Deadly Class“ und „Fear Agent“

Februar 16, 2022

Werfen wir schnell einen weitgehend spoilerfreien Blick auf zwei Serien von Rick Remender. Die eine spielt im Weltraum und ist abgeschlossen. Die andere in einer Schulklasse. In den USA steuert sie langsam auf ihr Ende zu und sie inspirierte eine kurzlebige TV-Serie. Das ist nachvollziehbar. Denn die Prämisse von „Deadly Class“ liest sich wie ein archetypischer Pitch für eine erfolgreiche Streaming-Serie. „Deadly Class“ spielt in den achtziger Jahren. Marcus Lopez, die Hauptfigur, wird in das King’s Dominion aufgenommen. Das ist ein nobles Internat, in das er überhaupt nicht hinein passt. Seine Mitschüler sind die Kinder von Verbrecherbossen, Killern, Terroristen und Agenten. Neben den normalen Teenagerproblemen (die erste Liebe, der erste Rausch) und dem normalen Unterricht, werden sie auch umfassend als Profikiller ausgebildet. Sie sollen, ohne Spuren zu hinterlassen, Menschen auf tausend Arten töten können. Diese Fähigkeit wenden sie auch außerhalb des Unterrichts an.

Nach einem furiosen Start und einer idiotischen Versetzungsprüfung, in der sie sich gegenseitig umbringen müssen, plätschert die von Autor Rick Remender, Zeichner Wes Craig und Colorist Jordan Boyd erzählte Geschichte zunehmend vor sich hin. Es gibt zwar immer wieder Kämpfe und Morde, aber die normalen libidösen Teenagerprobleme nehmen zunehmend Zeit in Anspruch. Wie sie die Geschichte voranbringen könnten, ist dagegen nicht erkennbar. Denn ein Finale, das lediglich die Versetzungsprüfung wiederholt, wäre doch etwas enttäuschend.

Mit dem 52. Heft soll „Deadly Class“ enden. Bei uns sind, gesammelt in neun Bänden, die ersten vierundvierzig Hefte übersetzt. Der zehnte Band ist für Mai angekündigt.

Fear Agent“ heißt eine von Rick Remender geschriebene, von Tony Moore (Hauptzeichner), Jerome Opeña und Mike Hawthorne gezeichnete Weltraumserie, die ursprünglich zwischen 2005 und 2011 erschien und 2018 in einer „Final Edition“ wieder veröffentlicht wurde. Diese Ausgabe wurde für die deutsche Veröffentlichung genommen.

Fear Agent“ kann als Mix aus brutaler Science-Fiction-Abenteuergeschichte und schwarzhumoriger Klamotte beschrieben werden kann. Heath Huston ist der letzte Fear Agent. Die Fear Agents waren eine aus Texas stammende Gruppe von Kämpfern, die vor einigen Jahren gegen Aliens kämpften.

Jetzt treibt Heath mit seinem Raumschiff durch das All, trinkt zu viel, erinnert sich an seine große Liebe und erlebt abstruse Abenteuer, die eben genau deswegen so witzig und gelungen sind. Es handelt sich sozusagen um die Deadpool-Ausgabe der „Guardians of the Galaxy“.

Im zweiten und dritten Sammelband der Serie gibt es jeweils zwei Geschichten, die weitgehend unabhängig voneinander gelesen werden können und bei denen unklar ist, ob es den Machern eher um spaßige Weltraumabenteuer oder um eine zusammenhängende Geschichte geht, die mit einigen langen Abschweifungen Themen von Schuld und Sühne behandelt.

Denn in „Der Abschied“ (in Fear Agent, Band 2) erinnert Heath sich an die Zeit, als mehrere Alienrassen die Erde zu ihrem Kampfplatz auswählen. Heath war damals ein glücklich mit Charlotte verheirateter Redneck-Trucker. Er schließt sich mit anderen Texanern zusammen, um gegen die Aliens zu kämpfen. Dabei tötet er eine gesamte Alienrasse.

In den darauf folgenden drei Geschichten – „Alle gegen einen“, „Ich gegen mich“ und „Aus dem Schritt“ – erlebt Heath, unter anderem auf einem Western-Planeten, wilde Abenteuer mit anderen Menschen, Aliens, Tieren und Robotern.

Mitte April erscheint der vierte „Fear Agent“-Sammelband. Er enthält Geschichten von Chris Burnham, Rafael Albuquerque, Kieron Dwyer, Francesco Francavilla, Ivan Brandon und Eric Nguyen erzählte Geschichten aus dem „Fear Agent“-Kosmos.

Rick Remender/Wes Craig/Jordan Boyd: Deadly Class: Blutige Liebe – 1988 (Band 7)

(übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2021

136 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class – Volume 7: Love like blood (# 32 – 35)

Image Comics, 2018

Rick Remender/Wes Craig/Jordan Boyd: Deadly Class: Kein Zurück – 1988 (Band 8)

(übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2021

136 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe/enthält

Deadly Class – Volume 8: Never go back ( # 36 – 39)

Image Comics, 2019

Deadly Class: Killer Set, FCBD Special (Free Comic Book Day Special)

Image Comics, 2019

Rick Remender/Wes Craig/Jordan Boyd: Deadly Class: Knochenmaschine – 1989 (Band 9)

(übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2021

136 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class – Volume 9: Bone Machine (# 40 – 44)

Image Comics, 2020

Rick Remender/Tony Moore/Jerome Opeña: Fear Agent – Band 2

(übersetzt von Christof Bango)

Cross Cult, 2021

250 Seiten

26 Euro

Originalausgabe

Fear Agent: Final Edition, Volume 2

Image Comics, 2018

Rick Remender/Tony Moore/Mike Hawthorne: Fear Agent – Band 3

(übersetzt von Christof Bango)

Cross Cult, 2021

250 Seiten

26 Euro

Originalausgabe

Fear Agent: Final Edition, Volume 3

Image Comics, 2018

Hinweise

Homepage von Rick Remender

Wikipedia über Fear Agent“ und „Deadly Class“ (Comic) (TV-Serie: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rick Remenders „Punisher 4: Frankencastle 2“ (FrankenCastle # 17 – 19, 2010)

Meine Besprechung von Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridges „Deadly Class: 1987 – Die Akademie der tödlichen Künste (Band 1)“ (Deadly Class Volume 1: Reagan Youth, 2014)

Meine Besprechung von Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridges „Deadly Class: 1988 – Kinder ohne Heimat (Band 2)“ (Deadly Class Volume 2: Kids of the Black Hole, 2015)

Meine Besprechung von Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridges „Deadly Class: 1988 – Die Schlangengrube (Band 3)“ (Deadly Class Volume 3: The Snake Pit, 2019)

Meine Besprechung von Rick Remender/Wes Craig/Jordan Boyds „Deadly Class: 1988 – Stirb für mich (Band 4)“ (Deadly Class Volume 4: Die for me, 2020)

Meine Besprechung von Rick Remder/Wes Craig/Jordan Boyds „Deadly Class: 1988 – Karussell (Band 5)“ (Deadly Class Volume 5: Carousel, 2017)

Meine Besprechung von Rick Remender/Wes Craig/Jordan Boyds „Deadly Class: 1988 – Nicht das Ende (Band 6)“ (Deadly Class Volume 6: This is not the end, 2017)

Meine Besprechung von Rick Remender/Tony Moore/Jerome Opeñas „Fear Agent – Band 1“ (Fear Agent: Final Edition, Volume 1, 2018)


TV-Tipp für den 16. Februar: Abschied von der Nacht

Februar 15, 2022

Arte, 20.15

Abschied von der Nacht (L’adieu à la nuit, Frankreich/Deutschland 2019)

Regie: André Téchiné

Drehbuch: Léa Mysius, André Téchiné

Als die in den Pyrenäen lebende Pferdezüchterin Muriel (Catherine Deneuve) erfährt, dass ihr Enkel Alex mit seine radikalen Freundin in den Dschihad ziehen will, versucht sie das zu verhindern.

TV-Premiere. Drama, das 2019 auf der Berlinale uraufgeführt wurde, aber nie regulär im Kino lief. Der Film ist die achte Zusammenarbeit von Téchiné und Deneuve.

Mit Catherine Deneuve, Kacey Mottet-Klein, Oulaya Amamra, Stéphane Bak, Mohamed Djouhri

Wiederholung: Montag, 21. Februar, 14.15 Uhr

Hinweise

Abschied in der Nacht“ in der Arte-Mediathek (bis 17. März 22)

Filmportal über „Abschied von der Nacht“

AlloCiné über „Abschied von der Nacht“

Rotten Tomatoes über „Abschied von der Nacht“

Wikipedia über „Abschied von der Nacht“


Cover der Woche

Februar 15, 2022


TV-Tipp für den 15. Februar: Tatort: Katjas Schweigen

Februar 14, 2022

WDR, 23.40

Tatort: Katjas Schweigen (Deutschland 1989)

Regie: Hans Noever

Drehbuch: Uwe Erichsen

Bei einer Einbruchsserie wird ein Polizist getötet. Thanner verdächtigt den bereits straffällig gewordenen Jugendlichen Tommy Schaaf. Sein Kollege Schimanski hält Tommy für unschuldig. Schließlich ist Tommy der Spielführer in der von ihm trainierten Footballmanschaft.

Ein weiterer alter Schimanski-“Tatort“ mit Katja Riemann in einer ihrer ersten Rollen als titelgebende schweigsame Katja, die auch Tommys Schwester ist.

mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Gerhard Olschewski, Katja Riemann, Ulrich Pleitgen

Hinweise

Host-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über „Tatort: Katjas Schweigen“

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Uwe Erichsen


Kleinkram aus der Welt des Films

Februar 14, 2022

Heutet startet das „Japanese Film Festival“. Bis zum 27. Februar können 15 japanische Filme online kostenlos angesehen. Es sind auch brandneue Filme dabei. Sechs Filme haben auch deutsche Untertitel. Einen Überblick über die Fime gibt es hier und hier ist die Festivalseite.

Die „Best of Cinema“-Filme für dieses Jahr sind:

Dienstag, 1. März: Total Recall

Dienstag, 5. April: Grüne Tomaten

Dienstag, 3. Mai: Die fabelhafte Welt der Amélie

Dienstag, 7. Juni: La Boum

Dienstag, 5. Juli: Léon, der Profi (der war vor kurzem 4K-restauriert wieder im Kino)

Dienstag, 2. Augut: Tiger & Dragon

Dienstag, 6. September: Highlander

Dienstag, 4. Oktober: Reservoir Dogs

Dienstag, 1. November: Die Klapperschlange

Dienstag, 6. Dezember: African Queen

Feines Programm.

Viel Filmwissen gibt es auf dieser neuen Homepage.Sie soll vor allem „jungen Nutzer:innen einen interaktiven und spielerischen Einstieg in die Filmgeschichte und Filmsprache, gepaart mit jeder Menge kurioser Fakten zu Film und Kino“ ermöglichen. Sieht auf den ersten Blick gut und umfangreich aus.

Für die Qualität des Kooperationsprojekts bürgen die verantwortlichen Institutionen schon mit ihrem Namen. Es sind die Deutsche Filmakademie, DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt, das Filmmuseum Düsseldorf, CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung, das Haus des Dokumentarfilms Stuttgart, die Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen Berlin und das Filmmuseum Potsdam.

Nachdem Arte „Zombie 2″ (Day of the Dead, USA 1985) schon vor einigen Tagen aus seiner Mediathek genommen hat, hat Thomas Groh ein lesenswertes Essay über die anhaltenden Indizierungen und Verbote von Splatterfilmen geschrieben: „Aus dem Giftschrank gepurzelt“. Es geht darum, dass Filme (und andere Kunstwerke) die in Deutschland einmal verboten wurden, es für immer bleiben. Diese nach § 131 Strafgesetzbuch verbotenen Filme dürfen nicht mehr verkauft werden. Auch nicht an Erwachsene. Wer das tut, begeht eine Straftat.

(Wer darüber mehr wissen will, kann auch einen Blick auf meine Besprechung vom „Texas Chainsaw Massacre“ werfen.)

 


TV-Tipp für den 14. Februar: Ich küsse nicht

Februar 13, 2022

Arte, 21.55

Ich küsse nicht (J’embrasse pas, Frankreich/Italien 1991)

Regie: André Téchiné

Drehbuch: Jacques Nolot, Michel Grisolia, André Téchiné, Isabelle Coudrier-Kleist (Mitarbeit)

Landei Pierre flieht aus der Enge Pyrenäen nach Paris. Dort will er Karriere als Schauspieler machen. Aber er gerät ins Homosexuellen- und Strichermilieu.

Bei uns lief 1992 eine um ungefähr zehn Minuten gekürzte Fassung in den Kinos. Arte zeigt heute die Originalfassung dieser beeindruckenden Milieustudie.

Eine Reise in die Nacht, wo sie am finstersten und schmutzigsten ist. (…) Téchiné (…) weiß seine Inszenierung durch jene Poesie zu adeln, mit der ein Baudelaire, ein Rimbaud die Abgründe der Seele erleuchten, mit der ein Balzac seine Neuankömmlinge das Sozialgefüge der großen Stadt durchstreifen läßt.“ (Fischer Film Almanach 1993)

mit Manuel Blanc, Philippe Noiret. Emmanuelle Béart, Hélène Vincent, Ivan Desny, Christophe Bernard, Roschdy Zem, Raphaëline Goupilleau, Michèle Moretti

Hinweise

Arte küsst nicht (aber vielleicht die Mediathek)

AlloCiné über „Ich küsse nicht“

Rotten Tomatoes über „Ich küsse nicht“

Wikipedia über „Ich küsse nicht“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 13. Februar: Predestination

Februar 12, 2022

Tele5, 22.15

Predestination (Predestination, Australien 2014)

Regie: Michael Spierig, Peter Spierig

Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig (aka The Spierig Brothers)

LV: Robert A. Heinlein: All you Zombies -, 1960 (Kurzgeschichte, Entführung in die Zukunft)

Ein Zeitreise-Agent soll in der Vergangenheit einen Anschlag verhindern. Auf seiner Mission trifft er als Barkeeper auf einen Mann, der früher eine Frau war und bei einem Raumfahrprojekt mitmachen sollte. Verwirrt?

Gut. Denn die Spierig-Brüder erzählen in „Predestination“ mit einem überschaubarem Budget, guten Ideen und einem straffem Drehbuch eine wundervoll verzwickte Zeitreise-Geschichte. Außerdem ist Ethan Hawke als Zeitreise-Agent und Barkeeper dabei.

Mehr in meiner ausführllichen Besprechung.

mit Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor, Christopher Kirby, Christopher Sommers

Hinweise

Moviepilot über „Predestination“

Metacritic über „Predestiantion“

Rotten Tomatoes über „Predestination“

Wikipedia über „Predestination“ (deutsch, englisch) und Robert A. Heinlein (deutsch, englisch)
Homepage von Robert A. Heinlein

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Daybreakers“ (Daybreakers, Australien/USA 2009)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Predestination (Predestination, Australien 2014)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Winchester – Das Haus der Verdammten“ (Winchester, USA 2018)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Mondspuren“ (The Moon is a harsh Mistress, 1966; Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Revolte auf Luna“ und „Der Mond ist eine herbe Geliebte“)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Raumjäger“ (Have Space Suit – Will Travel, 1958; Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Piraten im Weltraum“, „Kip überlebt auf Pluto“ und „Die Invasion der Wurmgesichter“)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Die Invasion“ ( The Puppet Masters, 1951; Frühere deutsche Übersetzungen als „Weltraum-Mollusken erobern die Erde“, „Die Marionettenspieler“)


Neu im Kino/Filmkritik: „Was geschah mit Bus 670?“ Was geschah mit meinem Sohn?

Februar 12, 2022

Seit Monaten hat Magdalena nichts mehr von ihrem Sohn Jesús gehört. Der Teenager verabschiedete sich vor einigen Monaten. Mit seinem besten Freund wollte er von Zentral-Mexiko im Bus 670 nach Nord-Mexiko und dann in die USA fahren. Jetzt wurde die Leiche seines Freundes gefunden. Von Jesús fehlt jede Spur. Die Polizei glaubt, dass er ebenfalls tot ist.

Trotzdem macht sich Magdalena auf den Weg nach Nord-Mexiko. Auf der Suche nach ihrem Sohn erlebt sie eine Odyssee durch das gefährliche Grenzgebiet, in dem Drogen- und Menschenschmuggler sich mit der Polizei einen erbarmungslosen Kampf liefern.

Was geschah mit Bus 670?“ ist der Debütfilm von Fernanda Valadez. Seit seiner Premiere beim Sundance Film Festival 2020 lief er erfolgreich auf etlichen Festivals, erhielt Preise und viel Kritikerlob.

Valadez musste den Film mit der Hälfte des ursprünglich geplanten Budgets realisieren. Ausstattung, Personal und Drehorte wurden reduziert. Die Inszenierung veränderte sich. Aus Valadez‘ Sicht wurde die filmische Sprache interessanter. Sie konzentriert sich im Film auf Magdalena, glaubhaft gespielt von Mercedes Hernández. Die einzige weitere wichtige Person ist der junge Miguel (David Illescas), den sie auf ihrer Suche trifft und mit dem sie mehr Zeit verbringt. Weitere Figuren tauchen nur in wenigen Szenen auf. Bei Gesprächen mit Beamten über ihren Sohn bleibt die Kamera unbeirrt auf Magdalenas Gesicht gerichtet. Diese Polizisten sind nur zu hören, aber nie zu sehen.

Sie beobachtet in langen Szenen, wie Magdalena und Miguel durch das Grenzgebiet irren. Es sieht wie eine menschenleere Kriegszone aus. Es wird wenig gesprochen. Valadez erklärt nichts. Sie lässt ihre Bilder sprechen.

Das führt dann dazu, dass ihr extrem langsam und spröde erzähltes Arthouse-Drama sich vor allem an Menschen richtet, die schon davon überzeugt sind, dass die Situation an der mexikanisch-amerikanischen Grenze nicht hinnehmbar ist.

Was geschah mit Bus 670? (Sin señas particulares, Mexiko/Spanien 2020)

Regie: Fernanda Valadez

Drehbuch: Astrid Rondero, Fernanda Valadez

mit Mercedes Hernández, David Illescas, Juan Jesús Varela, Ana Laura Rodríguez, Armando García

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Was geschah mit Bus 670?“

Metacritic über „Was geschah mit Bus 670?“

Rotten Tomatoes über „Was geschah mit Bus 670?“

Wikipedia über „Was geschah mit Bus 670?“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Februar: Tatort: Wohnheim Westendstraße

Februar 11, 2022

BR, 20.15

TATORT: Wohnheim Westendstraße (Deutschland 1976)

Regie: Alex Corti

Drehbuch: Herbert Rosendorfer

Ein italienischer Bauarbeiter wird tot auf dem Gelände der Bundesbahn gefunden. Alles sieht nach einem Unfall aus, bis Kommissar Veigl und seine Jungs Ungereimtheiten feststellen.

Als Krimi und als Milieustudie gelungener Tatort mit Münchner Charme.

Zum 100. Geburtstag von Veigl-Darsteller Gustl Bayrhammer gibt es im BR einen Veigl-Abend. Um 22.00 Uhr gibt es „Das Mädchen am Klavier“ (Deutschland 1977) und um 23.30 Uhr das „Ende der Vorstellung“ (Deutschland 1979).

Mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Hans Baur, Renzo Martini, Piero Gerlini, Veronik Fitz, Jörg Hube

Hinweise

Tatort-Fans über „Wohnheim Westendstraße“

Wikipedia über „Wohnheim Westendstraße“ und Herbert Rosendorfer


Neu im Kino/Filmkritik: Wie war das nochmal mit „Love, Sex and Pandemic“?

Februar 11, 2022

Der Titel „Love, Sex and Pandemic“ führt schon etwas in die Irre. Sicher, es geht um Liebe, wir sehen viel Sex und der Film spielt auch während der Coronavirus-Pandemie. Aber die erste Stunde spielt vor der Pandemie und auch in der zweiten Hälfte hatte ich zunehmend den Eindruck, dass die Pandemie sich, nach einem ruhigen Intermezzo, nur noch auf das gelegentliche Tragen von Masken beschränkt.

Dieses Intermezzo ist ein letztendlich für die weitere Geschichte bedeutungsloser Ruhepunkt, in dem es Bilder von einem menschenleeren Warschau gibt. Die Figuren hängen in ihren Wohnungen allein auf dem Sofa ab und videotelefonieren. Einmal sind die vier Hauptfiguren auch in einer Kirche in einer Art Privat-Gottesdienst, in dem sie, wegen der Maskenpflicht, maskiert über ihre Gefühle reden.

Danach geht es weiter, als hätte es diesen kollektiven Moment der Reflektion nicht gegeben. Sowieso drängt sich der Eindruck auf, dass Patryk Vega dieses Intermezzo nur einfügte, weil es während der Dreharbeiten zu seinem Ensemblefilm über Liebe und Sex geschah.

Im Mittelpunkt von „Love, Sex and Pandemic“ stehen die drei Freundinnen Olga, Kaja und Nora, die alle in den Vierzigern, beruflich gut situiert und emanzipiert sind, und der deutlich jüngere Bart, den sie am Filmanfang in einer Bar treffen und mit dem sie während der Pandemie einen Gottesdienst besuchen.

Bart wuchs als Zeuge Jehovas auf. Der schüchterne Mittzwanziger ist noch Jungfrau, sucht verzweifelt eine Freundin, trennt sich darüber von seiner strenggläubigen Familie und wird Stripper. Bei dieser Arbeit verliebt er sich in Roksana. Erst später erfährt er, dass sie ihr Geld als Luxus-Callgirl verdient. Und das ist für ihn ein Problem.

Kaja arbeitet als Journalistin für eine Boulevardzeitung. Ihre neueste Story geht um einen Aufreißer-Guru, der in seinen Seminaren behauptet, schon mit über neunhundert Frauen geschlafen zu haben. Kaja will ihn als Aufschneider enttarnen. Das gelingt ihr. Aber dann schlägt der Pick-Up Artist zurück und zwischen ihnen entbrennt ein zunehmend erbarmungsloser, tödlich endender Kampf, in dem sie die Existenz des anderen vernichten wollen.

Nora arbeitet als Fotografin. Für ihr neuestes Projekt fotografiert sie in ihrem Studio Paare beim Sex. Dabei verliebt sie sich in Alf, der gerne als Schauspieler berühmt werden würde. Nora fragt sich, ob sie ihm helfen soll und ihn damit verlieren würde oder ob sie ihn an sich binden soll.

Olga arbeitet als Staatsanwältin. Sie ist eine glühende Feministin, die Muslime wegen ihres archaischen Frauenbildes hasst. In dem Punkt ist sie eine ebenso überzeugte Rassistin. Da trifft sie auf Baha, der sie mit seiner Performance auf einer Lesebühne und seinen sensiblen Gedichten beeindruckt. Er ist der fleischgewordene, aus dem Morgenland kommende Traumprinz. Sie wirft ihren Mann, mit dem sie ein kleines Kind hat, aus ihrer Wohnung. Baha zieht ein und schon beim Einzug entspricht er dem Prototyp eines frauenverachtenden Machos. Olga erduldet das alles mit einer Eselsruhe. Doch wie lange?

Die meisten Geschichten in Vegas Film gehen schlecht aus. Am Ende kommen beide Geschlechter denkbar schlecht weg (So dürften sich die Sympathien für einen Profi-Verführer, der einen sehr tiefen Fall erlebt, in denkbar engen Grenzen halten.), aber die Frauen kommen noch schlechter weg und in fast jeder Geschichte stellt sich die Frage, was uns der Regisseur damit sagen will und ob er uns genau das sagen will. Das kann einerseits daran liegen, dass die Tabus der polnischen Gesellschaft nicht die Tabus westlicher Gesellschaften sind. Die Kirche ist hier weniger mächtig. Nackte Busen (eigentlich durchgehend nur angedeutet) und Penisse (öfters lange im Bild) taugen bei uns schon lange nicht mehr zum Skandal. Andererseits ist „Love, Sex and Pandemic“ deutlich für einen internationalen Markt inszeniert. Die geleckten, aber auch anonymen Filmwohnungen unterscheiden sich nicht von den Wohnungen, die wir aus deutschen, europäischen oder amerikanischen Filmen kennen. Dito die Bars, in denen sich getroffen wird oder polnischen Stripper vor erregten Fraun auftreten. Dito die Kleider und Frisuren. Dito die Schauspieler. Das könnte alles ebenso in Berlin, Paris oder Hollywood gedreht worden sein. Und natürlich gibt es auch an diesen Orten diese Männer, Frauen, Verhaltensweisen und Probleme.

Weil sich diese Bilder und der Erzählstil radikal von Vegas vorherigen Filmen, die harte Thriller sind, unterscheiden, könnte das auch eine Kritik an dem westlichen Lebensstil sein. Vor allem Barts und Olgas Geschichte, also die Geschichte einer Befreiung aus einer gläubigen Familie, die am Ende wieder bei der Kirche und einem Spendenaufruf für ein von Nonnen in Afrika geführtes Projekt endet und die Geschichte einer emanzipierten Frau, die sich von einem Mann unterdrücken lassen will, böten eine solche Interpretationsmöglichkeit an. Olgas Geschichte kann auch als sich selbst bestätigende Anklage gegen alle aus dem arabischen Raum kommende Männer interpretiert werden.

Dann stünde am Ende des Ensemblefilms die Erkenntnis, dass nur aus dem Glauben Gutes wächst und Frauen unterdrückt werden wollen. „Love, Sex and Pandemic“ wäre also ein konservativ-religiöses Pamphlet. Ob das die von Vega intendierte Aussage ist, weiß ich nicht. Ausgehend von seinen früheren Filmen, in denen Religion und antimuslimischer Rassismus keine Rolle spielten, wohl eher nicht.

Es gibt ständig Irritationen, Leerstellen und Widersprüche in den Figuren und Geschichten. Einiges kann daran liegen, dass er vier Geschichten in unter zwei Stunden erzählt. Einiges kann daran liegen, dass er, wie in seinen anderen Filmen, provozieren will. Mit einem Gebräu aus Sex, Glaube, Sympathie für eine Profi-Aufreißer und negativer Zeichnung von Frauen sollte das wenigstens einige Tugendwächter, Feministinnen und Ausländerfreunde auf die Barrikade bringen. Einiges kann auch ganz einfach Vegas Ansicht über Sex, Liebe und Frauen sein. Einiges kann auch anders gemeint sein, aber bei vier kruden Geschichten, die vor allem mehrmals provozieren sollen, geht es dann nicht mehr um eine reflektierte Analyse oder einem der Gesellschaft und dem eigenen Milieu den Spiegel vorhalten, sondern um Provokation.

Letztendlich sind die vier erzählten Geschichten arg plakativ geraten. Fast so, als habe sie sich der Produzent einer Reality-Show ausgedacht. Und diese Shows haben, wie der Name verrät, nichts mit der Realität zu tun.

Entsprechend gering ist der Erkenntnisgewinn über das Leben von Frauen in der Midlife-Crisis in Polen. Aber man kann nach dem Film gut darüber diskutieren. Und in punkto „Auswirkungen der Pandemie auf unser Liebesleben“ hat er dann doch eine beruhigende Botschaft: nichts wird sich verändern.

Love, Sex and Pandemic (Milosc, seks & pandemia, Polen 2022)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Olaf Olszewski, Patryk Vega

mit Anna Mucha, Malgorzata Rozenek-Majdan, Zofia Zborowska-Wrona, Michal Czernecki, Dawid Czuprynski, Sebastian Dela, Tomasz Dedek, Leonardo Marques

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Love, Sex and Pandemic“

Rotten Tomatoes über „Love, Sex and Pandemic“

Wikipedia über „Love, Sex and Pandemic“

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Bad Boy“ (Bad Boy, Polen 2020)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Small World (Small World, Polen 2021

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Pitbull – Exodus“ (Pitbull, Polen 2021) 


TV-Tipp für den 11. Februar: Brimstone – Erlöse uns von dem Bösen

Februar 10, 2022

3sat, 22.25

Brimstone (Brimstone, Niederlande/Großbritannien/Deutschland/Belgien/Schweden 2016)

Regie: Martin Koolhoven

Drehbuch: Martin Koolhoven

Die stumme Liz arbeitet im Wilden Westen in einer frommen Gemeinde als Hebamme. Als sie den neuen Prediger sieht, ist sie entsetzt. Sie reagiert, als habe sie den Leibhaftigen gesehen.

TV-Premiere. Umständlich in Rückblenden erzählter Noir-Western, der wegen seiner Struktur sein Potential nie voll ausschöpft. Für Fans des Spät- und Italowestern oder von Tom Franklins „Smonk“ ist „Brimstone“ allerdings allemal einen Blick wert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Dakota Fanning, Guy Pearce, Kit Harington, Carice van Houten, Carla Juri, Emilia Jones

Hinweise

Filmportal über „Brimstone“

Moviepilot über „Brimstone“

Metacritic über „Brimstone“

Rotten Tomatoes über „Brimstone“

Wikipedia über „Brimstone“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Koolhovens „Brimstone“ (Brimstone, Niederlande/Großbritannien/Deutschland/Belgien/Schweden 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: It’s the End of the World and – „Moonfall“ is happening

Februar 10, 2022

Die meisten Kritiken sind nicht sonderlich freundlich, aber ich fand „Moonfall“, den neuen Film von Roland Emmerich, überraschend gelungen. Natürlich ist es kein Meisterwerk, kein Filmkunstwerk und er wird zum Jahresende auch in keinen Jahresbestenlisten auftauchen. Die Dialoge und die Tricks sind oft schlecht. Die Story ist vollkommen gaga. Es geht darum, dass der Mond seine Umlaufbahn verlässt und auf die Erde stürzt.

Als erstes entdeckt das Dr. K. C. Houseman (John Bradley; natürlich nur ein selbsternannter Doktor und der typische dickliche Nerd). Die NASA ignoriert diese durchgeknallte, offensichtlich verrückte Witzfigur zunächst. Aber dann kann auch sie die nahende Kollision nicht mehr leugnen. Als der Chef der Weltraumbehörde das erkennt, übergibt er sofort seiner Stellvertreterin Jocinda ‚Jo‘ Fowler (Halle Berry) den Job und haut ab. Jetzt soll sie die unaufhaltsame Katastrophe verhindern oder sie gegenüber der Presse verteidigen.

Inzwischen konnte Houseman den Ex-Austronauten Brian Harper (Patrick Wilson) von seinen Berechnungen überzeugen. Ihnen gelingt es Harpers ehemalige Kollegin Fowler zu überzeugen und sie entwerfen einen Plan. Mit einem alten Space-Shuttle könnten sie zum Mond fliegen und ihn mit der Hilfe einer neuen und ultrageheimen EMP-Waffe in seine alte Umlaufbahn zurückbefördern. Damit das funktioniert, ist ein Low-Key-Technikansatz nötig.

Buchstäblich in letzter Sekunde machen sich Fowler, Harper und Houseman auf den Weg zum Mond – und in das Innere des Mondes.

Spätestens in diesem Moment lässt Emmerich alle Vernunft fahren. Und ich könnte problemlos einen Totalverriss schreiben. Und ihn mühelos mit all den Filmen garnieren, die Emmerich zitiert. Inclusive seiner eigenen Filme, aber dieses Mal ohne die Zerstörung des Weißen Hauses. Dafür befördert er ein New Yorker Wahrzeichen in die Horizontale.

Emmerich erzählt seine hanebüchene, aber auch wahnsinnig unterhaltsame Geschichte flott in zwei Stunden. Die kollektiven Plünderungen, die es nach der Nachricht von der nahenden Katastrophe gibt, werden in einem kurzen Newssegment abgehandelt; so nach der „Ihr wisst ja was passiert, daher muss ich es nicht länger ausführen“-Methode. Die Zerstörung der Welt erfolgt ebenfalls schnell, weil der Mond sich schnell der Erde nähert. Die Helden sind eine muntere Truppe. Und damit meine ich nicht nur unsere drei Mondreisenden, sondern auch deren Familien, die derweil auf der Erde um ihr Überleben kämpfen.

Moonfall“ ist Big-Budget-Blockbuster-Katastrophenkino, der auf ein möglichst großes globales Publikum zielt. Das erklärt dann auch einige Entscheidungen zur Geschichte, den Handlungsorten und der Besetzung. Deshalb setzt sich die Besetzung meist aus den größten Stars der Zielmärkte zusammen und, weil China inzwischen für Hollywood ein wichtiger Markt ist, ist inzwischen auch immer etwas für den chinesischen Markt dabei. Es sind auch immer einige Altstars dabei, die das ältere Publikum ansprechen sollen. Das ist eine von ökonomischen Gesichtspunkten diktierte Diversität, die es schon immer in Katastrophenfilmen gab.

Auch Emmerich folgt diesen Regeln. Trotzdem setzt er eigene Akzente und teilweise unterläuft er die Regeln und Sehgewohnheiten fast schon subversiv.

Es sind diese kleinen Details, die Emmerich von anderen Big-Budget-Regisseuren, wie Michael Bay, unterscheidet. So erhält Jocinda Fowler (Halle Berry) in dem Moment das Kommando, als ihr Chef (ein nicht ganz so alter weißer Mann) bemerkt, dass sich gerade eine Katastrophe anbahnt, für die er definitv nicht die Verantwortung übernehmen will. So ist Brian Harpers Ex-Frau inzwischen mit Tom Lopez (Michael Peña) verheiratet. Der Latino ist ein erfolgreicher mittelständischer Geschäftsmann und liebevoller Vater. Er ist auf den ersten und zweiten Blick ein Vorzeigebürger, der samstags sicher den Rasen vor dem Haus mäht. Die Chinesen, die bei der Mondmission mithelfen, werden nur erwähnt, aber nicht prominent ins Bild gebracht. Die Bösewichter, also die Plünderer und bewaffneten Räuber, sind durchgängig Weiße. Das Militär, das mit Atombomben den Mond gerne in seine Umlaufbahn zurückschicken würde und dafür etwaige Kollateralschäden auf der Erde in Kauf nimmt, wird an die Seitenlinie verbannt. Und das Ende, das hier nicht verraten werden soll, ist anders als erwartet.

Viele Besetzungsentscheidungen können natürlich mit dem seit Jahren erkennbaren Trend zu mehr Diversität im Blockbusterkino erklärt werden. Disney und Marvel tun es und veröffentlichen jedes Mal lange Statements darüber. Allerdings besetzte Emmerich, der als Einwanderer in die USA einen anderen Blick auf die US-amerikanische Gesellschaft als ein gebürtiger US-Amerikaner hat, schon immer so. Das bekannteste Beispiel für diese Art der Rollenbesetzung ist in „Indepence Day“ die Besetzung des Retters der Welt mit dem damaligen TV-Serienschauspieler Will Smith. Damals war das eine Rolle, die exclusiv für einen weißen Schauspieler reserviert war. Emmerich zeichnet in den Haupt- und Nebenrollen oft auch einige Klischeecharaktere anders, als man es aus anderen Blockbustern kennt. So ist der Protagonist in „The Day after Tomorrow“ ein Schüler, der in New York an einer Wissensolympiade teilnimmt und sich vor den Folgen des Klimawandels in der Bibliothek versteckt, mit einer Bibliothekarin, einem Obdachlosen und einem Büchernarr. Also den Nerds, die man so in jeder öffentlichen Bibliothek antrifft und die in einem normalen Katastrophenfilme als erste sterben.

Das sind, wie gesagt, alles Details, über die Emmerich in Interviews und im Pressematerial nicht weiter spricht und die nichts daran ändern, dass „Moonfall“ lautes Katastrophenkino ist, das Wahrscheinlichkeit, Logik, Mathematik und Physik achselzuckend ignoriert zugunsten des Versprechens, einfach zwei Stunden Spaß zu haben.

P. S.: Im Film gibt es kein „Bad Moon Rising“. Dafür wird über „Africa“ diskutiert.

Moonfall (Moonfall, USA/Kanada/China 2022)

Regie: Roland Emmerich

Drehbuch: Roland Emmerich, Harald Kloser, Spenser Cohen

mit Halle Berry, Patrick Wilson, John Bradley, Charlie Plummer, Kelly Yu, Carolian Bartczak, Eme Ikwuakor, Michale Peña, Donald Sutherland

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche acebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Moonfall“

Metacritic über „Moonfall“

Rotten Tomatoes über „Moonfall“

Wikipedia über „Moonfall“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „White House Down“ (White House Down, USA 2013)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Stonewall“ (Stonewall, USA 2015)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Independence Day: Wiederkehr (Independence Day: Resurgence, USA 2016)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Midway – Für die Freiheit“ (Midway, USA 2019)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Kenneth Branagh ist wieder Hercule Poirot in Agatha Christies „Tod auf dem Nil“

Februar 10, 2022

Als Hercule Poirot in Ägypten vor einer Pyramide meditiert, wird er von einem alten Bekannten gestört. Der bringt den belgischen Privatdetektiv mit der sehr reichen, sehr schönen und überaus jungen Erbin Linnet Ridgeway zusammen. Sie ist, mit ihrer Entourage, unzähligen Koffern und einer Tanzband gerade auf ihrer mondänen Hochzeitsreise. Alles könnte perfekt sein, wenn sie und ihr Mann Simon Doyle nicht von Jacqueline De Bellefort, der vorherigen Freundin ihres Ehemannes, verfolgt würden. De Bellefort machte sie miteinander bekannt. Jetzt ist sie eine vom Hass auf das glückliche Paar zerfressene Stalkerin.

Linnet Ridgeway (bzw. nach der Heirat Doyle) lädt den berühmten Detektiv Poirot ein, sie und ihre Hochzeitsgesellschaft auf den von ihr gemieteten Luxus-Schaufelraddampfer S. S. Karnak zu begleiten. Die Millionenerbin hofft, dass sie so De Bellefort entkommen kann.

Aber kurz darauf ist De Bellefort trotzdem auf dem Dampfer. Etwas später liegt Linnet Ridgeway erschossen in ihrer Kabine im Bett.

Hercule Poirot beginnt den Täter zu suchen. Denn er ist noch auf dem Schiff und er mordet munter weiter; – was natürlich auch eine Methode ist, um die Zahl der Tatverdächtigen zu verkleinern. Denn jeder Schiffspassagier hat ein gutes Mordmotiv.

Angekündigt wurde diese Nilfahrt bereits 2017 am Ende von „Mord im Orientexpress“, dem ersten Auftritt von Kenneth Branagh als Hercule Poirot. Sein zweiter Auftritt sollte bereits im Oktober 2020 im Kino starten. Ein dritter Film ist bereits geplant. Seit dem ursprünglich geplantem Kinostart sorgte die Coronavirus-Pandemie und andere Probleme für mehrere Verschiebungen des Starttermins. Doch jetzt ist es soweit.

Michael Green schrieb wieder das Drehbuch. Kenneth Branagh übernahm wieder die Regie und er spielt wieder Hercule Poirot. Dieses Mal allerdings mit einem deutlich gestutztem Oberlippenbart. In einem vollkommen überflüssigem Prolog wird erzählt, wie er zu seinem Bart kam. Danach soll der Oberlippenbart eine hässliche Kriegsverletzung auf seiner rechten Gesichtshälfte verdecken. Das würde mit diesem Bart allerdings nicht gehen. Und bis jetzt hat wohl kein Poirot-Fan darüber gerätselt, warum Poirot einen Bart hat. Denn der belgische Ermittler hat einfach einen Oberlippenbart. Er hat, wie es damals üblich war, auch keine nennenswerte Vergangenheit, keine ausformulierte Biographie und damit auch kein eindeutig bestimmbares Alter. So hielt Agatha Christie ihn bei seinem ersten Auftritt 1920 schon für eine älteren Mann. 1975 erschien ihre letzte Poirot-Geschichte. Insgesamt ließ sie ihn in 33 Romanen, über fünfzig Kurzgeschichten und zwei Theatestücken ermitteln. Seit 2014 schrieb Sophie Hannah, im Auftrag der Erben von Agatha Christie, vier Poirot-Romane. Für seinen dritten Poirot-Film könnte Branagh also mühelos eine Geschichte verfilmen, die, im Gegensatz zu seinen ersten beiden Poirot-Filmen, noch nicht für das Kino verfilmt wurden.

Das Opfer und die Verdächtigen werden, wie schon in „Mord im Orientexpress“, von bekannten Schauspielern gespielt. Gal Gadot spielt Linnet Ridgeway (bzw. in dem Moment, wegen der Heirat, Doyle), Armie Hammer spielt ihren Mann Simon Doyle und Emma Mackey spielt Jacqueline De Bellefort als Doyles frühere Freundin. Außerdem spielen, in keiner bestimmten Ordnung, Annette Beining, Tom Bateman, Russell Brand, Ali Fazal, Rose Leslie, Jennifr Saunders, Dawn French, Sophie Okonedo und Letitia Wright mit.

Die Pyramiden, das Schiff und die Kostüme sind überaus fotogen. Wobei die meisten Aufnahmen von den Pyramiden, dem Hotel, dem Dampfer und somit Ägypten im Studio entstanden.

Das folgt dem Rezept der bekannten Agatha-Christie-Kinoverfilmungen, in denen viele bekannte Schauspieler an einem fotogenem Ort versammelt werden und jeder Schauspieler irgendwann seinen großen Auftritt als Verdächtiger hat. Das Erzähltempo ist betulich und alles ist beruhigend altmodisch.

In diesem Fall ist auch die Geschichte bekannt. Agatha Christie veröffentlichte den Poirot-Roman „Der Tod auf dem Nil“ 1937. Er wurde seitdem mehrmals verfilmt. Die bekannteste Verfilmung ist John Guillermins Verfilmung von 1978 mit Peter Ustinov als Hercule Poirot. Sie läuft regelmäßig im Fernsehen und sie wurde vor wenigen Tagen wieder im Kino gezeigt.

Genau wie Guillermins Verfilmung ist Branaghs Verfilmung kulinarisches Kino, verschwenderisch in seiner Pracht, schön anzusehen und in Nostalgie badend. Wie der Roman und wie eigentlich alle Rätselkrimis spielt die Geschichte in einer Parallelwelt, in der der Mord als intellektuelles Puzzle betrachtet wird und in dem aktuelle politische Probleme ignoriert werden. So ist in dem Roman nichts vom heraufziehenden Zweiten Weltkrieg zu spüren. Der Kolonialismus ist auch kein Problem. Ägypten ist einfach nur die austauschbare Kulisse. Eine Fototapete eben, vor der weiße, vermögende Engländer sich gegenseitig umbringen. Die Einheimischen kommen höchstens als namenlose Kofferträger vor. Die Tanzband ist im Film eine großzügig gezeigte Jazzband mit zwei schwarzen Sängerinnen. Aber ob der Film 1937 oder dreißig Jahre früher oder später spielt, ist egal.

Somit ist alles angerichtet für einen traditionellen Rätselkrimi.

Allerdings haben Drehbuchautor Michael Green und Branagh erstaunliche Probleme, die Geschichte zu erzählen. „Tod auf dem Nil“ ist, wie gesagt, ein Rätselkrimi mit den entsprechenden Konventionen. So geschieht der Mord ungefähr in der Filmmitte. Bis dahin macht sich jeder der Passagiere hinreichend verdächtig. Und De Bellefort ist von Anfang an schon so verdächtig, dass sie als Mörderin ausscheidet; – wenn das nicht eine von ihr gelegte falsche Spur ist. Nach dem Mord beginnt Poirot mit seinen Ermittlungen, in denen jedes Mitglied der Reisegruppe noch verdächtiger wird. Sie haben selbstverständlich bombenfeste Alibis, die sich wenige Minuten später als Lügengebilde herausstellen. Und am Ende, das normalerweise ungefähr das letzte Viertel bis Drittel der Geschichte einnimmt, versammelt der Detektiv alle in einem Raum und erklärt ihnen nacheinander, welches Motiv jeder von ihnen gehabt hätte, wie er den Mord hätte begehen können und warum er doch nicht der Täter ist. Es werden also mehrere mögliche Tatabläufe präsentiert, ehe am Ende der Täter enttarnt wird.

Diesem Plot folgt Branagh auch. Aber es gelingt ihm nie, Poirots Ermittlungen nachvollziehbar zu gestalten. Dafür bleiben alle Tatverdächtigen und ihre Motive viel zu diffus. Keiner von ihnen wird zu einer erinnerungswürdigen Figur. Die meisten haben noch nicht einmal erinnerungswürdige Auftritte.

Das Finale, die groß angelegte Enttarnung des Bösewichts, ist eine hastig hingeschluderte Enttarnung, die kaum im Gedächtnis bleibt. Dabei sollte sie der mit vielen Wendungen und Einzeilern gestaltete Höhepunkt des Rätselkrimis sein.

So ist „Tod auf dem Nil“, auch in den engen Konventionen des Rätselkrimis betrachtet, ein enttäuschendes und oft langweiliges Werk. Darüber kann der ins Leere laufende Bombast der Inszenierung nicht hinwegtäuschen.

Tod auf dem Nil (Death on the Nile, USA/Großbritannien 2022)

Regie: Kenneth Branagh

Drehbuch: Michael Green

LV: Agatha Christie: Death on the Nile, 1937 (Der Tod auf dem Nil)

mit Kenneth Branagh, Gal Gadot, Armie Hammer, Rose Leslie, Emma Mackey, Letitia Wright, Annette Bening, Russell Brand, Tom Bateman, Jennifer Saunders, Dawn French, Ali Fazal, Sophie Okonedo

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (zum Kinostart mit neuem Cover – in der Übersetzung von Pieke Biermann liest sich die Geschichte überaus flott mit einem angenehm humorvollem Unterton. So hatte ich den „Tod auf dem Nil“ nicht in Erinnerung.)

Agatha Christíe: Der Tod auf dem Nil – Ein Fall für Poirot

(übersetzt von Pieke Biermann)

Atlantik Verlag, 2022

320 Seiten

12 Euro

Originalausgabe

Death on the Nile

HarperCollins, London 1937

Zahlreiche frühere Übersetzungen und Ausgaben.

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Tod auf dem Nil“ (2022)

Metacritic über „Tod auf dem Nil“ (2022)

Rotten Tomatoes über „Tod auf dem Nil“ (2022)

Wikipedia über „Tod auf dem Nil“ (2022) (deutsch, engllisch)

Thrilling Detective über Hercule Poirot

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von John Guillermins Agatha-Christie-Verfilmung “Tod auf dem Nil” (Death on the Nile, Großbritannien 1978)

Meine Besprechung von Michael Winners Agatha-Christie-Verfilmung „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenner Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“ (Crooked House, USA 2017) (und Buchbesprechung)


TV-Tipp für den 10. Februar: Berlinale 2022: Die Eröffnung

Februar 9, 2022

3sat, 19.20

Berlinale 2022: Die Eröffnung

Am Mittwoch wurde die diesjährige, für den 17. bis 20. März geplante Leipziger Buchmesse abgesagt. Zu viele Verlage wollten wegen der unklaren Entwicklung der Coronavirus-Pandemie nicht teilnehmen.

Heute, am Donnerstag, startet die diesjährige Berlinale als reine Präsenzveranstaltung, weil, nun, weil Filme ins Kino gehören und es, so hört man in den dunklen Gassen der Hauptstadt, um das Überleben des Festivals geht.

Das soll mit weniger Festivaltagen, weniger Filmen, weniger verfügbaren Sitzplätzen (jeder zweite Platz bleibt leer), Maskenpflicht auch am Sitzplatz, Tests (2G+, teilweise mehr), weniger internationalen Stars und dem Verzicht auf Partys und Empfänge funktionieren.

Das könnte wirklich zu einem sicheren Festival führen. Auch wenn sich so wohl kein richtiges Festivalgefühl einstellen wird.

Zum Abschluss noch einige Links (hier, hier, hier, hier, hier und hier) zu einigen Artikeln über das Festival, das Programm, den Umgang des Festivals mit Journalisten und deren Bedenken. Immerhin gehören sie zu den Menschen, die an den Festivaltagen fast nur im Kino sitzen müssen. Die Maske kann, zwischen den Filmen, zum Luftschnappen vor dem Kino und zum Schlafen abgesetzt werden. 

Hinweise

Homepage der Berlinale

rbb-Seite zur Berlinale

Filmportal über die Berlinale


TV-Tipp für den 9. Februar: Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Februar 8, 2022

Arte, 20.15

Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Deutschland 1981)

Regie: Ulrich Edel

Drehbuch: Herman Weigel

LV: Kai Hermann/Horst Rieck: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, 1978

Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigte, an der Kinokasse erfolgreiche Verfilmung des immer noch erhältlichen gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers der „stern“-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck über die titelgebende drogensüchtige dreizehnjährige Christiane F. und ihre drogensüchtigen Freunde am Bahnhof Zoo in den Siebzigern.

Auf ein Problem von diesem und anderen, ähnlich gelagerten Filmen wies damals der Fischer Film Almanach hin: „So paradox es klingt: Glaubwürdig hätten sie wohl nur dadurch bleiben können, dass sie diesen Film nicht gemacht hätten, sie alle, die an ihm beteiligt sind, die anonyme Christiane, die vor einigen Jahren die traurige Geschichte ihrer Sucht den beiden ’stern‘-Reportern Kai Hermann und Horst Rieck auf Band gesprochen und zusammen mit ihnen die Verfilmungsrechte verkauft hat; der ehrgeizige junge Produzent Bernd Eichinger, der das Projekt – vom kaufmännischen Standpunkt aus – perfekt durchgehogen hat; der Autor Herman Weigel und der Regisseur Ulrich Edel, der sich gleich bei seinem ersten Spielfilm an solch einen Stoff wagen durfte – und mit ihm, zwangsweise, scheitern musste. Ihnen allen sollen die Redlichkeit und Ehrlichkeit ihrer Absichten gar nicht bestritten werden, nämlich unter weitgehendem Verzicht auf Spekulation einen ungeschminkten Report über die Szene der jugendlichen Fixer und Prostituierten abzuliefern (…) Sie wollen niemandem weh tun; deshalb ist aus ihrem Film nichts Richtiges geworden. Sie hätten den Mut haben müssen, Wut auszulösen, Betroffenheit. Sie begnügen sich mit dem beifällig gemurmelten: ‚So ist’s‘ – und das ist zu wenig.“ (Fischer Film Almanach 1982)

Vor Edel sollte Roland Klick das Buch verfilmen. Er hatte einen anderen Film geplant. Ob es ein besserer Film geworden wäre, werden wir nie erfahren.

Nach dem Film zeigt Arte um 22.20 Uhr die neuen Dokus „Kino im Rausch – Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (über die Dreharbeiten) und um 23.15 Uhr „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo – Lost Generation“ (über die beim Dreh noch aktuellen, heute historischen Hintergründe der Filmgeschichte).

Und um 00.10 Uhr gibt es, als TV-Premiere, die isländische Komödie „Milchkrieg in Dalsmynni“. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

mit Natja Brunkhorst, Thomas Haustei, Jens Kuphal, Reiner Wölk, David Bowie

Hinweise

Arte über den Spielfilm, das Making of und den Hintergrundbericht

Filmportal über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Rotten Tomatoes über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Wikipedia über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (deutsch, englisch)

Eine Radio-Bremen-Doku von 1983 über Christiane Felscherinow (aka Christiane F.) und ihren damaligen Mitbewohner/Freund Alexander von Borsig (bzw. Alexander Hacke [Einstürzende Neubauten])


Cover der Woche

Februar 8, 2022


TV-Tipp für den 8. Februar: Gold

Februar 7, 2022

HR, 00.00

Gold (Deutschland/Kanada 2013)

Regie: Thomas Arslan

Drehbuch: Thomas Arslan

Wilder Westen, 1898: eine Gruppe deutschstämmiger Siedler will am Klondike River Gold suchen. Aber der Weg dorthin ist beschwerlich, kräftezehrend und gefährlich.

Berliner Schule goes Wilder Westen – und die Kritiker sind begeistert.

mit Nina Hoss, Marko Mandic, Lars Rudolph, Uwe Bohm, Peter Kurth, Rosa Enskat

Hinweise

Filmportal über „Gold“

Moviepilot über „Gold“

Rotten Tomatoes über „Gold“

Wikipedia über „Gold“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Arslans „Helle Nächte“ (Deutschland 2017)