Der erste, von aus dem arabischen Raum kommenden Terroristen durchgeführte Befreiungsversuch geht schief. Am Ende sind zwei Menschen tot und der in U-Haft sitzende Professor, den sie befreien wollten, sitzt immer noch in U-Haft. Für ihren nächsten Versuch entführen sie den Sohn von Schimanskis Freundin und erpressen den Kommissar. Ob sie jetzt erfolgreicher sind?
296.000 Besuchern kamen dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse. Das waren 13.000 Besucher mehr als 2024. Entsprechend begeistert sind die Veranstalter. 2040 Aussteller aus 45 Ländern und das diesjährige Gastland Norwegen präsentierten Bücher und manchmal auch andere Dinge. Vom Donnerstag, den 27. März, bis zum Sonntag, den 30. März, gab es mit 2800 Lesungen und Diskussionen an 330 Leseorten ein ziemlich volles Programm auf dem Messegelände und in Leipzig.
Schon Tage vorher wurde der Vorverkauf von Eintrittskarten für den Samstag eingeschränkt.
Auch am Freitag, meinem Messetag, ist es gut voll. Vor allem in der Comic- und Mangahalle ist zwischen den Cosplayern (viele, sehr viele, wirklich sehr viele) und den nicht verkleideten Manga-Fans kein Durchkommen. In den anderen Hallen geht es dagegen deutlich ruhiger zu und in all dem Gedränge bleibt Zeit für Gespräche mit alten und neuen Bekannten, die ich hoffentlich alle spätestens nächstes Jahr wieder sehen werde.
Sebastian Fitzek signiert laut Ankündigung (ich habe nicht neben ihm gestanden und die Zeit gestoppt) mehrere Stunden Bücher.
Bei den anderen Autoren sind die Signierstunden laut Ankündigung kürzer. Mein Eindruck ist allerdings, dass sie auch außerhalb der Signierstunde gerne Bücher signieren oder spontan Bilder hineinmalen.
Und es werden überall wie verrückt Bücher gekauft. Die Verleger freuts, weil sie die Heimfahrt mit deutlich weniger Gepäck antreten können.
Das Wetter ist tagsüber fantastisch. Nachdem ich schon eine verschneite Messe erlebte und es letztes Jahr so kalt nieselte, dass schon ein kurzes Luftschnappen eine Zitterpartie war, ist es dieses Jahr so warm und sonnig, dass ein guter Teil des Messetrubels nach Außen verlagert wird.
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Nachdem meine letzte Bücher-Jahresbestenliste rein männlich war, will ich dieses Mal wieder mehr Romane von Frauen drin haben. Die druckfrischen Debüts von Anna Mai und Malin Thunberg Schunke – die ich beide zufällig traf – sind dabei heiße Anwärterinnen für einen solchen Platz.
Anna Mai mit ihrem Roman „Broilerkomplott“ (Ariadne/Argument Verlag) und ihrer Verlegerin Else Laudan (in diesem Fall von rechts nach links)
Malin Thunberg Schunke mit ihrem Roman „Ein höheres Ziel“ (Polar Verlag), ausgezeichnet als bestes Debüt von der Schwedischen Krimi Akademie
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Mit dem Feierabend-Gongschlag geht es dann in Richtung Sonnenuntergang:
Die KDD-Fahnder Bo Erichsen und Tülay Yildirim beobachten, wie eine Bundespolizistin einen abgelehnten Asylbewerber erschießt, der ihren Kollegen als Geisel genommen hat. Ein auf den ersten Blick klarer Fall von Notwehr. Aber Erichsen und Yildirim haben Fragen. Auf der Suche nach Antworten stoßen sie auf illegale Machenschaften bei der Bundespolizei.
TV-Premiere. Bewährtes Team in einer erwartbar unruhigen Nacht am Puls der Zeit
mit Armin Rohde, Idil Üner, Özgür Karadeniz, Minh-Khai Phan-Thi, Albrecht Ganskopf, Rocío Luz, Sogol Faghani, Maximilian Brückner, Nadeshda Brennicke
Bringen wir den peinlichen Anfang gleich hinter uns. „Haps – Crime doesn’t pay“ beginnt in der deutschen Fassung mit den eingeblendeten Worten „Berlin, Germany“ und „Prison“. Die deutschen Worte hätten es auch getan und sie hätten sich weniger peinlich gelesen. Außerdem ist ziemlich klar, dass Alexander Rothstein gerade in ein Gefängnis eingeliefert. Er soll ein Drogenhändler sein. Dabei sieht der Untersuchungshäftling wie der nette Schwiegersohn aus. In diesem hoffnungslos versifftem Gefängnis voller gewaltbereiter Wärter und aus allen möglichen Länder kommenden Mitinsassen, das direkt aus den schlimmsten Alpträumen über heruntergekommene Klischee-Dritte-Welt-Gefängnisse stammt, wird er schnell unter die Räder geraten.
In den folgenden zwei Stunden zeigt Ekrem Engizek dann, wie der ständig seine Unschuld beteuernde, aus vermögenden Verhältnissen kommende Rothstein dieses Multikulti-Gefängnis überlebt, sich irgendwann die Haare abrasiert (spätestens seit „Taxi Driver“ wissen wir, was das bedeutet) und in der Hierarchie aufsteigt bis zum erwartbaren Ende.
„Haps – Crime doesn’t pay“ badet förmlich in den unzähligen B-Pictures endlos wiederholten Gefängnisfilmklischees. Die Dialoge sind oft schlecht. Das Voice-Over peinlich. Die sprunghaft erzählte Story und die Figuren sind zu eindimensional, um wirklich zu begeistern. Die clever gemeinte Schlusspointe, in der mehr über Rothsteins Vergangenheit verraten wird, verrät letztendlich den gesamten Film.
Für den Film spricht allerdings auch einiges. So stilisierte Engizek, der auch das Drehbuch schrieb und produzierte, sein Knastdrama konsequent durch. In keiner Sekunde könnte man dieses Gefängnis mit einem realen Gefängnis verwechseln.
Letztendlich ist „Haps – Crime doesn’t pay“ bei all seinen unbestreitbaren Mängeln ein für deutsche Verhältnisse überraschend gelungenes und eigenständiges Genrewerk, das die Kinoleinwand im Blick hat.
Fehlt nur noch ein gutes Drehbuch.
Haps – Crime doesn’t pay (Deutschland 2025)
Regie: Ekrem Engizek
Drehbuch: Ekrem Engizek
mit Constantin von Jascheroff, Kais Setti, Cem Öztabakci, Korkmaz Aslan, Amir Aschenberg, Xenia Assenza
Ein letzter Job(King of Thieves, Großbritannien 2018)
Regie: James Marsh
Drehbuch: Joe Penhall
Auf einer Trauerfeier trifft Brian Reader (Michael Caine) einige alte Kumpels wieder. Sie schwelgen in Erinnerungen an frühere Verbrechen. Danach beschließen die Berufsverbrecher, im Londoner Diamantenviertel die Schließfächer der Hatton Garden Safe Deposit zu leeren. Es soll ihr letzter Job vor dem Ruhestand werden.
Harmlos nostalgischer Spaß, mit einem Top-Ensemble.
Drehbuch: Wes Oliver, Kieran Fitzgerald, Tommy Lee Jones
LV: Glendon Swarthout: The Homesman, 1988 (The Homesman – Es führt ein Weg zurück)
Nebraska, 1854: Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) soll drei verrückt gewordene Frauen nach Hebron, Iowa in ein Sanatorium bringen. Der Strauchdieb George Briggs (Tommy Lee Jones) soll ihr helfen. Gemeinsam machen sie sich auf die über sechshundert Kilometer lange, mehrere Woche dauernde Reise.
„grandioser, wahrhaftiger, aufbauender, aber auch deprimierender Film, in dem der Wilde Westen als eine von nicht vollkommen zurechnungsfähigen, fehlerhaften Menschen bevölkerte, weitgehend menschenleere Landschaft gezeigt wird; was mit Sicherheit viel näher an der Wirklichkeit ist, als die üblichen Hollywood-Western.
Einer des schönsten Filme des Kinojahres.“ schrieb ich schwer begeistert zum Kinostart.
mit Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Hailee Steinfeld, Meryl Streep, Grace Gummer, John Lithgow, Miranda Otto, Sonja Richter, James Spader, John Lithgow, William Fichtner
Lawrence ist ein kleiner dicker Junge mit einem Hobby und einem Ziel. Nach der Schule will er in New York an der Filmschule studieren. Dummerweise verlangt die eine saftige Aufnahmegebür. Das Geld hat er nicht. Er hat kaum genug Geld, um sich all die Filme, die er sehen möchte, auszuleihen. Auch seine alleinerziehende Mutter hat nicht so viel Geld. Deshalb rät sie ihm zu einer kanadischen Filmuniversität. Die seien auch gut.
Zum Glück sucht die eine örtliche Videothek, in der er Stammkunde ist, einen Service-Mitarbeiter. Für Lawrence ist das ein Traumjob: endlosen Zugang zu Filmen, tägliche Gespräche über Filme und dabei das Geld für die Universität verdienen. Kurz darauf hat er einen Job bei „Sequels“ und in den doch etwas seltsamen Arbeitskollegen findet er neue Freunde.
Chandler Levack erzählt in ihrem autobiographisch inspiriertem Indie-Spielfilmdebüt in vielen kurzen Episoden von Lawrence letzten Monaten 2003 in seiner Heimatstadt Burlington, Kanada. Dabei ist Lawrence nicht irgendein Filmfan, sondern ein Über-Nerd, mit einem großen Filmego, der im zwischenmenschichen Umgang sprunghaft, schwierig und oft unausstehlich ist. Oft möchte man ihn auch einfach in den Arm nehmen und trösten.
Levack erzählt das als humorvolle, ihre Figuren niemals diskriminierende Erinnerung an auch ihre Highschool-Zeit und als liebevolle Liebeserklärung eines Filmfans an andere Filmfans. Sie erfreuen sich am gewählten Academy-Filmformat und Lawrences offenherzig geteiltem Filmwissen. So empfiehlt er in der Videothek einem filmsuchendem Liebespaar als ernst gemeinten Tipp Todd Solondz‘ „Happiness“ als Liebesfilm für einen gemeinsamen Abend. Ob Quentin Tarantino das auch gemacht hätte?
I like Movies (I like Movies, Kanada 2022)
Regie: Chandler Levack
Drehbuch: Chandler Levack
mit Isaiah Lehtinen, Romina D’Ugo, Krista Bridges, Percy Hynes White, Alex Ateah
In den 80er Jahren treffen sich Clotaire und Jackie in Nordfrankreich. Der 17-jährige Clotaire ist ein aus einem Problembezirk kommender Halbstarker, der statt die Schulbank zu drücken, mit seinen Freunden vor der Schule posiert und eine Karriere als Verbrecher anvisiert. Die 15-jährige Jackie ist eine neue, strebsame Schülerin. Sie kommt aus einem gutbürgerlichen Haus und lässt sich von ihm und seinen Jungs nicht einschüchtern. Sofort verliebt er sich in die schlagfertige Schönheit. Auch sie verliebt sich in ihn.
Während sie immer mehr Zeit miteinander verbringen, rutscht er immer weiter ins kriminelle Milieu ab. Als er für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird, trennen sich ihre Wege.
Zehn Jahre später wird er entlassen. Die inzwischen 25-jährige Jackie ihr eigenes bürgerliches Leben. Der 28-jährige Ex-Sträfling besucht sie nicht, sondern versucht sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen und dabei einige alte Rechnungen begleichen.
Und mehr soll, nachdem ich jetzt fast den gesamten Film verraten habe, verraten werden. „Beating Hearts“ ist der neue Film von Gilles Lellouche, der vor allem für die nette Komödie „Ein Becken voller Männer“ bekannt ist. Sein neuester, fast drei Stunden langer Film ist dagegen ein wild pulsierendes Drama, das gerade bei den in den 80er Jahren spielenden Szenen einen starken „Betty Blue“-Vibe verströmt. Auch später befolgt Lellouche das „Mehr ist mehr“-Prinzip. Aber die vielen Szenen, in denen Jackie und Clotaire nach Clotaires Gefängnisaufenthalt getrennt ihr Leben leben, sind größtenteils langweilige Zeitfüller bis sie sich endlich wieder begegnen und ihre Beziehung wieder aufnehmen.
Trotzdem ist „Beating Hearts“ ein insgesamt gelungener, keine Exzesse scheuender Liebesfilm und Gangsterfilm.
mit Adèle Exarchopoulos, François Civil, Mallory Wanecque, Malik Frikah, Alain Chabat, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Élodie Bouchez, Karim Leklou
Seit 25 Jahren lebt eine namenlose Familie mit ihren wenigen Angestellten in einem hermetisch von der Außenwelt abgeschlossenem Salzbergwerk. Aufgrund eines ökologischen Kollapses ist die Welt unbewohnbar. In ihrem Bunker habe sie sich eine eigene Welt aufgebaut, die wie eine leicht verschobene Version unserer Welt wirkt. Tägliche Routinen geben ihrem Leben eine Struktur.
Als eines Tages ein Schwarzes Mädchen bei ihnen auftaucht, könnte das für die Familie der Beginn von großen Veränderungen sein. Aber dann läuft doch alles seines gewohnten Gang weiter: das Mädchen wird in die Familie aufgenommen, es wird gesungen und eine Scheinnormalität aufrecht gehalten.
Während Joshua Oppenheimer („The Act of Killing“, „The Look of Silence“) mit einem Top-Cast – Tilda Swinton als Mutter, Michael Shannon als Vater, George MacKay als ihr Sohn und Moses Ingram als das Mädchen – dieses Leben in schönster Slow-Cinema-Manier über epische 149 Minuten zelebriert und die Schauspieler dreizehn verschiedene Lieder singen und unaufgeregt durch die Räume wandeln, konnte ich darüber nachdenken, warum sie nicht mehr von dem Mädchen wissen wollen, warum sie nicht verzweifelt nach der potentiell tödlichen Lücke in ihrem Sicherheitssystem suchen, durch die das Mädchen in ihren Bunker gelangte und warum sie nicht die Außenwelt, auf der man anscheinend wieder leben kann, erkunden. Keine dieser Fragen und möglichen Antworten interessierte Oppenheimer in seinem Irgendwie-Endzeit-Musical.
Wir erfahren auch nichts, über die Katastrophe, die die Welt unbewohnbar macht, über die Familie, die seit einem viertel Jahrhundert in diesem Bunker lebt und einen durchaus putzigen Wohlstandswahnsinn entwickelte. Über diese Wahnsinn können wir ebenfalls nachdenken, während die Kamera das fotogene Salzbergwerk zeigt.
Am Ende des merkwürdigen, zwischen allen Stühlen und Erwartungen sitztenden Films bleibt nur schön gefilmte Langeweile.
The End (The End, Deutschland/Irland/Italien/Schweden/Großbritannien 2024)
Regie: Joshua Oppenheimer
Drehbuch: Joshua Oppenheimer, Rasmus Heisterberg
mit Tilda Swinton, Michael Shannon, George MacKay, Moses Ingram, Bronagh Gallagher, Tim McInnerny, Lennie James, Danielle Ryan
An Silvester versammeln sich in dem einsam im Wald gelegenem aus von Vincent seine halbe biologische und verbrecherische Familie – und bevor uns langsam die Verwandschaftsverhältnisse erklärt werden und Anwesenden sich erklären, warum sie sich umbringen wollen, wird endlos über Gott und die Welt geredet und tiefsinnig gemeinte Lebensweisheiten geteilt.
Das gelungene Retro-Plakat, die Besetzung und der Trailer wecken Erwartungen, die Dito Montiels umständlich erzählte Gangsterkomödie „Riff Raff – Verbrechen ist Familiensache“ nie auch nur im Ansatz einlöst. Die wenigen Gewaltspitzen reißen einem mit den lauten Pistolenschüssen aus dem Schlaf. Der schwarze Humor ist altbacken. Die Dummheit der Verbrecher ist atemberaubend.
Das Ergebnis ist Pseudo-Tarantino mit minimalstem Krimi-Anteil und maximalst langweiligem Familien-Gedöns-Anteil.
Riff Raff – Verbrechen ist Familiensache (Riff Raff, USA 2025)
Regie: Dito Montiel
Drehbuch: John Pollono
mit Jennifer Coolidge, Ed Harris, Gabrielle Union, Lewis Pullman, Emanuela Postacchini, Miles J. Harvey, Bill Murray, Pete Davidson
Eigentlich hat Ramona (Danielle Deadwyler) genug eigene Probleme. Vor kurzem starb ihr Mann bei einem Autounfall. Sie wurde dabei schwer am Bein verletzt und humpelt, betäubt von Schmerzmitteln, immer noch an Krücken durch das einsam gelegene Farmhaus. Ihr 14-jähriger Sohn Taylor (Peyton Jackson) hilft bei den Hausarbeiten. Ihre sechsjährige Tochter Annie (Estella Kahiba) verursacht dagegen mehr Arbeit.
Und dann sitzt da plötzlich eine schwarz gekleidete, vollständig verschleierte Frau (Okwui Okpokwasili) auf einem Stuhl in ihrem Vorgarten. Sie sitzt nur da und sagt zu Ramona: „Heute ist der Tag.“
Vom ersten Augenblick an geht von dieser verschleierten Frau eine unheimliche, todbringende Präsenz aus. Dazu tragen auch ihre wenigen, seltsam ruhig gesprochenen Sätze und ihre manchmal blutigen Hände bei.
„The Woman in the Yard“ gehört unbestritten zu den besseren Blumhouse-Horrorfilmen. Regisseur Jaume Collet-Serra knüpft hier wieder an seine Horrorfilm-Anfänge an. Bis auf eine kurze Rückblende ist „The Woman in the Yard“ ein an einem Ort spielendes Vier-Personen-Stück.
Mit minimalen Effekten, wie sich falsch bewegenden Schatten, vielen kleinen Details und klug gewählten Bildern, wie der im Vorgarten sitzenden schwarzumhüllten Frau, beschwört Collet-Serr eine unheimliche Atmosphäre herauf.
Das Ergebnis ist ein gelungener kleiner Horrorfilm über Schuld und Sühne, der seine in vielen Momenten vertraute Geschichte angenehm flott in etwas über achtzig Minuten erzählt.
Jaume Collet-Serra ist bekannt für die Horrorfilme „House of Wax“, „Orphan – Das Waienkind“ und „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (ein Ein-Personen-Thriller) und die gelungenen Liam-Neeson-Actionthriller „Non-Stop“, „Run all Night“, und „The Commuter“. Zu seinen letzten Werken gehören „Jungle Cruise“ und „Black Adam“.
The Woman in the Yard (The Woman in the Yard, USA 2025)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Sam Stefanak
mit Danielle Deadwyler, Okwui Okpokwasili, Peyton Jackson, Estella Kahiha, Russell Hornsby
Gut, die Überschrift ist jetzt – ungefähr genauso kreativ wie der von David Ayer nach einem Drehbuch von Sylvester Stallone inszenierte Film.
Jason Statham spielt den Bauarbeiter Levon Cade. Als bei einer Kneipentour mit ihren Freundinnen die 19-jährige Tochter seines Chefs entführt wird, sucht der Ex-Elitesoldat Cade sie. Dabei legt er sich mit der Russenmafia an, die Frauen entführt und als Sexsklavinnen verkauft.
„A Working Man“ ist ein typischer rechtslastiger 70er/80er-Jahre-Actionthriller mit minimalsten Anpassungen an den Zeitgeist. Damals wie heute heiligt der Zweck die Mittel. Gewalt ist kein Problem sondern die Lösung und nur ein toter Russe ist ein guter Russe. Rambo avanti.
Das Trio Ayer-Stallone-Statham, das in den vergangenen Jahren bereits in verschiedenen Zusammensetzungen zusammenarbeitete, liefert genau das, was man von ihnen erwartet.
Und das schöne für die Macher ist, dass – wenn das Einspielergebnis stimmt – bereits für Nachschub gesorgt: Chuck Dixon, der Autor der Romanvorlage, hat bereits elf weitere Selbstjustiz-Thriller mit Levon Cade veröffentlicht. Dixon ist vor allem als Comicautor, unter anderem für Batman und The Punisher, bekannt.
A Working Man (A Working Man, USA 2025)
Regie: David Ayer
Drehbuch: Sylvester Stallone
LV: Chuck Dixon: Levons Trade, 2021
mit Jason Statham, Jason Flemyng, Merab Ninidze, Maximilian Osinski, Cokey Falkow, Michael Peña, David Harbour, Noemi Gonzalez, Arianna Rivas, Emmett J. Scanlan, Eve Mauro
Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Smilla’s Sense of Snow, Deutschland/Dänemark/Schweden 1996)
Regie: Bille August
Drehbuch: Ann Biderman
LV: Peter Høeg: Frøken Smillas fornemmelse for sne, 1992 (Fräulein Smillas Gespür für Schnee)
Für die Polizei ist der Tod des kleinen Jungen ein tragischer Unfall. Für Fräulein Smilla ist es Mord. Die Suche nach dem Mörder führt sie in die Arktis.
Erstklassig besetzte, eher durchschnittliche Literaturverfilmung. Ist halt Qualitätskino ohne Ecken und Kanten.
Mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Richard Harris, Vanessa Redgrave, Robert Loggia, Mario Adorf
Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Debütroman folgende Krimis nominiert:
Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)
Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)
Beginnen wir die Lektüre der nominierten Krimis mit Susanne Tägders „Das Schweigen des Wasser“. Schon vor der Veröffentlichung wurde mir der Roman vom Verlag wärmstens empfohlen. Er stand einmal auf der Krimibestenliste und erhielt jetzt, im Rahmen der Stuttgarter Kriminächte, den Wittwer-Thalia-Debütkrimipreis.
Die 1968 in Heidelberg geborene Susanne Tägder war in Karlsruhe Sozialrichterin. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Schweiz in der Nähe von Zürich und in Kalifornien im Silicon Valley. Für ihre Texte erhielt sie den Walter-Serner-Preis und den Harder Literaturpreis. „Das Schweigen des Wassers“ ist ihr erster Kriminalroman.
Im Herbst 1991 wird in der fiktiven mecklenburgischen Kleinstadt Wechtershagen am Seeufer die Leiche von Siegmar Eck gefunden. Auf den ersten Blick sieht es nach einem Tod durch Ertrinken aus. Aber der 32-jährige Eck war ein guter Schwimmer und kurz vor seinem Tod behauptete er gegenüber Kriminalhauptkommissar Arno Groth, er werde verfolgt.
Der aus Hamburg in seinen Geburtsort zurückgekommene Groth beginnt zu ermitteln. Er stößt auf eine Verbindung zu einem zehn Jahre zurückliegenden Mordfall. Damals wurde die Abiturientin Jutta Timm auf dem Heimweg von einer Tanzveranstaltung ermordet. Eck war verdächtig. Er wurde gefoltert und gestand die Tat. Später nahm er sein Geständnis zurück. Außerdem stand er zur Tatzeit als DJ auf der Bühne.
Während seiner Ermittlungen trifft Groth die 22-jährige Kellnerin Regine Schadow. Sie arbeitete vorher in Berlin im Kempinski. Jetzt kellnert sie in einem am See gelegenem Restaurant und traf sich öfter mit Eck, der neben dem Restaurant Boote verlieh. Und ich verrate erfahrenen Krimilesern kein Geheimnis, wenn ich jetzt schreibe, dass Regine Schadow etwas mit Ecks Tot und der vor zehn Jahren ermordeten Jutta Timm zu tun hat.
„Das Schweigen des Wassers“ beginnt als atmosphärischer, gut geschriebener Detektivkrimi, der sich dann allerdings nicht für die normalen Rätselkrimispiele interessiert. Tägder lässt ihren Ermittler nicht verschiedene Verdächtige befragen und Indizien für die Schuld und Unschuld einzelner Verdächtiger sammeln. Sie ist auch nicht an der typischen Thrillerspannung mit einer Rettung in letzter Minute interessiert. Und der Täter ist keiner dieser Spiele treibenden durchgeknallten Serienkiller.
Stattdessen entfaltet sich, wie in einem herkömmlichen Roman, der Fall mit seinen verschiedenen Verdächtigen und Motiven langsam vor dem Leser. Es gibt keine falschen Fährten. Einige Enthüllungen erfolgen früher, andere später. So verrät Tägder erst sehr spät, warum Schadow nach Wechtershagen gekommen ist.
Das Ende ist eine ziemliche Enttäuschung. Nicht weil der Täter nicht verhaftet oder bestraft wird, sondern weil es am Ende nur, aufgrund kaum vorhandener Indizien und wilder Spekulationen, eine plausible Vermutung gibt, wer der Täter ist.
Wer mit so einem Ende leben kann, kann sich mit „Das Schweigen des Wassers“ auf eine Zeitreise in die Zeit kurz nach der Wende begeben.
Die schönen Tage(Les beaux Jours, Frankreich 2013)
Regie: Marion Vernoux
Drehbuch: Marion Vernoux, Fanny Chesnel
LV: Fanny Chesnel: Une jeune fille aux chevaux blancs, 2010
Zu ihrer Pensionierung erhält die immer noch mitten im Leben stehende, verheiratete Zahnärztin Caroline von ihren Töchtern einen Gutschein für den titelgebenden Seniorenclub „Die schönen Tage“. Als sie dorthin geht, lernt sie den zwanzig Jahre jüngeren, überaus charmanten Computerlehrer Julien kennen.
„Die schönen Tage“ ist ein feinfühlig erzähltes Melodrama, das im positiven Sinn an die Filme von Claude Lelouch, Claude Sautet und Francois Truffaut erinnert, die sich auch immer wieder mit den Fallstricken der Liebe beschäftigten.
Ihre verspielten Nana-Figuren kennt wahrscheinlich jeder. Aber diese fröhlichen, bunten und voluminösen Frauenfiguren, für die Niki de Saint Phalle (1930 – 2002) bekannt ist, tauchen in dem nach ihr benannten Biopic nicht auf. Das Biopic konzentriert sich auf die frühen fünfziger Jahre und endet 1960. Also Jahre vor ihrem Durchbruch und den ersten Nana-Figuren. Die entstanden 1965.
Auch ihre vor den Nana-Figuren entstandenen Werke, wie die ‚Schießbilder‘, mit denen sie 1956 erstmals auf sich aufmerksam machte, werden nicht gezeigt. Regisseurin Céline Sallette zeigt nur, immer aus der Sicht des Werkes, wie Niki de Saint Phalle sie anfertigt und ihre und die Reaktionen anderer Menschen auf diese Werke.
„Niki de Saint Phalle“ ist ein Film über eine Künstlerin ohne ein Werk von ihr zu zeigen. Und das funktioniert als Künstler-Biopic überhaupt nicht.
Als Biopic ist Céline Sallette „Niki de Saint Phalle“ eine Abfolge falscher Entscheidungen. Das eine ist der bereits erwähnte Verzicht darauf, die Werke der Künstlerin zu zeigen. Im Film ist Niki de Saint Phalle nur eine Frau, die irgendetwas tut. Ob das gut, schlecht oder revolutionär ist, bleibt der Phantasie und dem möglicherweise vorhandenem Wissen des Zuschauers überlassen. Ob wir als Zuschauer die gleich Reaktion haben, wie die Betrachter des Werkes im Film, bleibt pure Spekulation. Die einen finden Bilder von XXXX fantastisch, die anderen gruselig.
Die nächste falsche Entscheidung ist die Konzentration auf eine Phase in Niki de Saint Phalles Leben, die für ihre künstlerische Selbstfindung möglicherweise entscheidend war, aber sie fand Jahre vor ihrem Durchbruch statt. Allein vom Film können wir nicht beurteilen, wie sehr ihre allerersten Arbeiten irgendetwas mit ihren späteren Arbeiten zu tun haben. Wir sehen keinerlei künstlerische Entwicklung. Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen ihren frühesten, nicht gezeigten Arbeiten und ihren späteren, ebenfalls nicht gezeigten Arbeiten.
Das ist, als ob man ein Biopic über Angela Merkel inszeniert und sich dabei ausschließlich auf ihre Jahre in der Grundschule konzentriert. Das mag einen interessanten Film ergeben, ist aber nicht das, was uns am Leben von Angela Merkel interessiert.
Und dann wird Niki de Saint Phalles gesamtes künstlerisches Schaffen nur als eine Reaktion auf jahrelange Vergewaltigungen in ihrer Kindheit interpretiert. Das verkleinert ihr Werk und Wirken.
„Niki de Saint Phalle“ ist kein Film über die bekannte Künstlerin der Moderne, sondern ein Film über eine junge verheiratete Mutter mit massiven psychischen Problemen, die behauptet seit ihrem elften Lebensjahr von ihrem Vater über Jahre missbraucht worden zu sein und die in einer Therapie eine Beschäftigung findet, in der sie ihre Gefühle verarbeitet. Ihr Hobby ist die Malerei. Es könnte auch irgendetwas anderes sein.
Aber auch dann würde ich unbedingt sehen wollen, wie die Protagonistin ihre Gefühle in ihren Zeichnungen verarbeitet.
Niki de Saint Phalle (Niki, Frankreich/Belgien 2024)
Regie: Céline Sallette
Drehbuch: Céline Sallette, Samuel Doux
mit Charlotte Le Bon, John Robinson, Damien Bonnard, Judith Chemla, Alain Fromager, Virgile Bramly, Grégoire Monsaingeon, Nora Arnezeder, John Fou, Quentin Dolmaire
Wenige Tage bevor Volker Schlöndorff am 31. März seinen alljährlichen Geburtstag feiert, zeigt Arte einen Film aus seiner amerikanischen Phase
Arte, 22.10
The Handmaid’s Tale – Der Geschichte der Dienerin(The Handmaid’s Tale, USA/Deutschland 1989)
Regie: Volker Schlöndorff
Drehbuch: Harold Pinter
LV: Margaret Atwood: A Handmaid’s Tale, 1985 (Der Report der Magd)
In der tiefgläubig-faschistoiden Republik Gilead werden gebärfähige Frauen als Dienerinnen gehalten. Ihre Aufgabe ist es, Kinder zu gebären. Eine Dienerin verstößt gegen die Regeln des Systems.
Damals, als Margaret Atwood ihre Antiutopie schrieb, war es nur ein gallige Satire auf damalige christliche Fanatiker und Konservative. Gleiches galt für Volker Schlöndorffs gewohnt hochkarätig besetzte Verfilmung nach einem Drehbuch von Harold Pinter.
Heute erscheint „Die Geschichte der Dienerin“ wie ein Blick in eine erschreckend reale mögliche USA.
Schlöndorff war von dem Film nicht so begeistert: „Ich schob diese Auftragsarbeit ein, um Geld zu verdienen. Keine sehr gute Idee, wie sich herausstellte, denn diese ‚Geschichte der Dienerin‘ lag mir nicht, trotz Pinter und Duvall.“
Bei der damaligen Kritik kam der Film (im Gegensatz zum Roman) nicht gut an. Trotzdem ist er einer von Schlöndorffs bekanntesten Filmen.
mit Natasha Richardson, Faye Dunaway, Robert Duvall, Aidan Quinn, Elizabeth McGovern, Victoria Tennant