Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Red Joan und das „Geheimnis eines Lebens“

Juli 5, 2019

Geheimnis eines Lebens“ ist lose inspiriert von dem Fall Melita Norwood. Sie wurde 1999 als Spionin enttarnt. Zu dem Zeitpunkt war die Spion-Oma bereits 87 Jahre alt. Sie studierte kurz und ohne Abschluss Latein und Logik am University College of Southampton. Sie war Mitglied der britischen Kommunistischen Partei. Für verschiedene sowjetische Geheimdienste war sie von 1937 bis 1972, ihrer Pensionierung bei der British Non-Ferrous Metals Research Association, als Spionin tätig. Sie verriet Geheimnisse über die britische Atomforschung. Der KGB hielt sie für wertvoller als den bekannten Cambridge-Five-Spionagering. Aufgrund ihres Alters wurde die 1912 geborene Spionin nicht verurteilt.

Dieser Fall inspirierte Jennie Rooney zu ihrem 2013 erschienenen Roman „Geheimnis eines Lebens“ (Red Joan), der mit den wahren Ereignissen so gut wie nichts zu tun hat. Das ist eigentlich kein Problem. Schließlich handelt es sich um einen Roman und kein Sachbuch. Ein Romanautor kann, ausgehend von einer x-beliebigen Zeitungsmeldung, seiner Fantasie freien Lauf lassen. Man sollte in diesem Fall von dem Roman und dem Film, trotz der Hinweise auf den wahren Fall, keine Aufklärung über die wahren Ereignisse erwarten. Man hätte bei der Werbung vielleicht auch auf die prominenten, etikettenschwindlerischen Hinweise auf den wahren Fall verzichten können.

In dem Roman und der dem Roman weitgehend folgenden Verfilmung von Trevor Nunn wird Joan Stanley 2000 (im Roman 2005) verhaftet. Der Geheimdienst MI5 beschuldigt die Frau, vor langer Zeit Staatsgeheimnisse verraten zu haben. Joan Stanley, die einen großen Teil ihres Lebens in Australien lebte und nach dem Tod ihres Ehemannes nach England zurückkehrte, soll eine Spionin sein.

Während sie verhört wird, erinnert sie sich an ihre Vergangenheit, als sie 1938 in Cambridge Physik studiert, den Vamp Sonya kennenlernt und sich in Leo Galisch, Sonyas Cousin, verliebt. Er ist ein überzeugter Kommunist. Sie besuchen Parteiveranstaltungen. Joan schließt ihr Studium erfolgreich ab und erhält während des II. Weltkriegs eine Stelle in einem geheimen Forschungsprojekt. Sie verliebt sich in Max Davis, den unglücklich verheirateten Leiter des Atombombenprojekts. Er erwidert ihre Liebe.

Jetzt arbeitet Joan an einem Ort, von dem aus sie die Sowjetunion mit wichtigen Informationen versorgen könnte. Leo bittet sie auch darum.

Ob und, wenn ja, welche Informationen sie an die Sowjetunion weitergibt und warum sie das tut (oder auch nicht), wird erst am Ende von „Geheimnis eines Lebens“ verraten. Damit konzentrieren sich der Roman und die Verfilmung offensichtlich auf die Frage, ob Joan Landesverrat begangen hat. Und was sie tut, um ihre Unschuld zu beweisen oder einer Enttarnung zu entgehen; – sofern sie überhaupt daran ein Interesse hat und nicht einfach den Vorwurf, eine Spionin zu sein, als Gelegenheit benutzt, um reinen Tisch zu machen.

Für diesen Thrillerplot interessieren die Macher sich nicht. Denn Joans Erinnerungen werden in Rückblenden strikt chronologisch erzählt, es handelt sich dabei immer um die Wahrheit und es ist unklar, ob sie den MI5-Beamten und ihrem Sohn, der später bei den Verhören dabei ist, das oder etwas anderes erzählt.

Daneben gelingt es ihnen auch, alle weiteren Tiefen und interessanten Aspekte der Geschichte von Joan Stanley zugunsten einer im Akademikermilieu spielenden Liebesgeschichte zu umgehen. Vor allem das erste Drittel des Romans, wenn die Liebesbeziehung zwischen Joan und Leo an der Universität im Mittelpunkt steht, liest sich wie ein Loreroman, in dem das schüchterne Landei sich in den feschen, charismatischen Russen verliebt. Danach, wenn sie die Stelle in dem streng geheimen Forschungsprojekt erhält, wird es nicht besser.

Aus einem drögen Roman wurde eine biedere Literaturverfilmung, die den Roman mit all seinen Schwächen illustriert ohne eigene Akzente zu setzen.

Geheimnis eines Lebens (Red Joan, USA 2018)

Regie: Trevor Nunn

Drehbuch: Lindsay Shapero

LV: Jennie Rooney: Red Joan, 2013 (Geheimnis eines Lebens)

mit Judi Dench, Sophie Cookson, Stephen Campbell Moore, Tom Hughes, Tereza Srbova, Ben Miles, Freddie Gaminara

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage

Jennie Rooney: Geheimnis eines Lebens

(übersetzt von Stefanie Retterbush)

Goldmann, 2019

560 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Red Joan

Chatto & Windus, London, 2013

Hinweise

Moviepilot über „Geheimnis eines Lebens“

Metacritic über „Geheimnis eines Lebens“

Rotten Tomatoes über „Geheimnis eines Lebens“

Wikipedia über „Geheimnis eines Lebens“ (deutsch, englisch)


Wie „Die Zauberlehrlinge“ einen Rechtsbruch herbeifantasierten

Juli 1, 2019

Der Untertitel „Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch“ beschreibt ziemlich genau den Inhalt von Stephan Detjen und Maximilian Steinbeis‘ lesenswertem Sachbuch „Die Zauberlehrlinge“. Detjen, Chefkorrespondent des Deutschlandfunk, und Steinbeis, Gründer und Chefredakteur des „verfassungsblog.de“, zeichnen detailliert die Geschichte vom behaupteten Rechtsbruch und der „Herrschaft des Unrechts“ nach. Danach habe Angela Merkels Beschluss die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen zu einer „Herrschaft des Unrechts“ geführt. Diese zuerst von Horst Seehofer als Appetitanreger für das jährliche CSU-Aschermittwochsdrama ins Gespräch gebrachte Behauptung entwickelte schnell ein Eigenleben. Besonders die AfD, ihr Umfeld und konservative Staatsrechtler rezipierten sie eifrig, während die Bundesregierung eisern schwieg. Dabei – und das zeichnet „Die Zauberlehrlinge“ detailliert nach – hätten hier einige klärende Worte die falsche Behauptung schnell widerlegen können.

Denn, so Detjen und Seinbeis: „Die Flüchtlinge waren nicht aufgrund irgendeiner besonderen Anordnung nicht nach Österreich zurückgeschickt worden, sondern weil dies in den Augen der Verantwortlichen das europarechtlich korrekte Vorgehen war. Nicht das deutsche Asylgesetz mit seinem § 8 war die Norm, die in dieser Konstellation zur Anwendung kam, sondern die Dublin-III-Verordnung, die im Konfliktfall als vorrangiges Europarecht das nationale Recht verdrängt.“

Letztendlich beruht, wie die beiden Autoren ausführlich und nachvollziehbar begründen, das Gerede vom Rechtsbruch auf einer konsequenten Missachtung von europäischem und internationalem Recht. Außerdem wird in diesen Kreisen das deutsche Volk als eine Blutsgemeinschaft gesehen. In fast allen anderen Ländern besteht dagegen das Staatsvolk aus den auf dem Staatsgebiet geborenen Menschen.

Interessant sind in „Die Zauberlehrlinge“ vor allem die Teile, in denen sie die Ereignisse im Sommer 2015 und den folgenden Monaten chronologisch nachzeichnen und sie einen Einblick in die Gemeinschaft der deutschen Rechtsgelehrten geben. Vor allem die Staatsrechtler, vor allem wenn sie schon etwas älter sind, sind eine konservative bis sehr konservative Gemeinschaft, die eine Lesart des Verfassungsrechts hat, das sich deutlich von anderen Ländern unterscheidet. Oder anders formuliert: sie nehmen am internationalen Diskurs nicht teil.

Detjen und Steinbeis zeichnen den damaligen Diskurs nach, der dazu führte, dass nationalpopulistische Meinungen hoffähig wurden.

Auch wenn Detjen und Steinbeis einen Teil der Schuld bei den Medien sehen, die entsprechend der Aufmerksamkeitsökonomie berichteten und die schon lange keine auch nur halbwegs tiefschürenden juristischen Analysen und Diskurse initiieren und moderieren, liegt die größte Schuld bei der Regierung. Die CDU erklärte und verteidigte ihre Politik nicht, sondern schwieg und erging sich anschließend in nebulösen Erklärungen. Die CSU spielte, mal wieder, Opposition in der Regierung. So verfestigte sie den Eindruck, dass es einen Rechtsbruch und eine „Herrschaft des Unrechts“ gegeben habe.

Die hat es allerdings nie gegeben.

Detjen und Steinbeis erklären das sehr schlüssig in ihrem Sachbuch, das auch einen gelungenen Einblick in die Kaste der Staatsrechtler liefert.

Stephan Detjen/Maximilian Steinbeis: Die Zauberlehrlinge – Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch

Klett-Cotta, 2019

272 Seiten

18 Euro

Hinweise

Verfassungsblog

Perlentaucher über „Die Zauberlehrlinge“ (aktuell noch keine Rezensionsnotiz)

Verfassungsblog: Prof. Dr. Daniel Thym: Der Rechtsbruch-Mythos und wie man ihn widerlegt (juristisch argumentiert)


Fast normaler Schulunterricht in der „Deadly Class“

Juni 24, 2019

Schule ist, wie wir vor allem aus US-Highschoolfilmen wissen, die Hölle. Bei uns gibt es ja nur Paukerfilme, „Fack ju Göhte“ und die eigenen, gar nicht so schlimmen Erfahrungen. Jedenfalls im Vergleich zu dem, was an US-Schulen passiert.

Für Marcus Lopez ist eine Schule allerdings in mehrfacher Hinsicht ein Fortschritt. Er muss dann nicht mehr in San Francisco auf der Straße leben, er erhält Bildung, ein Dach über dem Kopf und, in dieser Schule, sogar eine Zusatzausbildung als Profikiller. Denn selbstverständlich muss auch die Kunst des Tötens gelehrt werden. An der elitären, im Geheimen existierenden Kings-Dominion-Schule der Tödlichen Künste, in der meistens schon die Eltern und Großeltern der jetzigen Schüler das Assassinen-Handwerk lernten, steht auch die Kunst des Tötens auf dem Lehrplan.

Gerade diese Ausbildung gefällt Marcus besonders gut. Denn er will Ronald Reagan töten. Der hat nämlich dafür gesorgt, dass alle psychiatrischen Anstalten kein Geld mehr erhalten. Also entließen die Anstalten ihre Patienten und eine der Entlassenen tötete Marcus‘ Eltern.

Bevor Marcus den Präsidenten der USA töten kann, muss er sich mit den normalen Schulproblemen herumschlagen: strenge Lehrer und schnöselige Schulkameraden und -kameradinnen. Diese Blicken, auch wenn Marcus nicht direkt von der Straße gekommen wäre, auf den Neuling herab. Davon abgesehen zerfallen sie in verschiedene Cliquen, die auch von den 80er-Jahre-Subkulturen beeinflusst sind. Sie sind die Söhne und Töchter von CIA-Agenten, Arischen Brüdern, Rednecks, Drogenbossen, South-Central-LA-Gangstern und Yakuza-Killern.

Die Coming-of-AgeProbleme zwischen Krach mit diesen verschiedenen Cliquen, Freundschaften, erster Liebe und ersten (?) Drogenerfahrungen nehmen dann auch in „Deadly Class“ einen großen Raum ein.

Rick Remender erfand vor sechs Jahren die Serie „Deadly Class“, die viele Reminiszenzen an achtziger Jahre (seine Schulzeit) enthält und von eigenen Erinnerungen inspiriert ist. Obwohl er damals in Phoenix Skatepunk hörte und San Francisco ganz weit weg war. Zeichner Wes Craig und Kolorist Lee Loughridge setzen die Geschichte in bunten Hardboiled-Noir-Bildern um, die gekonnt die Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit schlagen.

Über die spannende Handlung kann ich allerdings wenig schreiben, weil der zweite Band an den ersten anknüpft.

Der dritte „Deadly Class“-Band „Die Schlangengrube“ ist für Mitte August angekündigt. Und weil die Serie in den USA seit Januar 2014 veröffentlicht wird und seitdem fast jeden Monat ein weiteres „Deadly Class“-Comicheft erscheint, ist für Nachschub gesorgt.

Inzwischen wurde aus dem Comic eine Syfy-Serie, die bei uns auf verschiedenen Streaming-Plattformen gezeigt wird. Nach dem stylischen Trailer sieht die Serie mehr nach den achtziger Jahren aus, als die achtziger Jahre jemals aussahen:

Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridge: Deadly Class: 1987 – Die Akademie der tödlichen Künste (Band 1)

(neu übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2019

176 Seiten

16, 80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class Volume 1: Reagan Youth

Image Comics, 2014

enthält

Deadly Class # 1 – 6

Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridge: Deadly Class: 1988 – Kinder ohne Heimat (Band 2)

(neu übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2019

176 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class Volume 2: Kids of the Black Hole

Image Comics, 2015

enthält

Deadly Class # 7 – 11

Die deutschen Erstausgaben erschienen bei Panini Comics und wurden von Marc-Oliver Frisch übersetzt.

Hinweise

Homepage von Rick Remender

Wikipedia über „Deadly Class“ (Comic) (TV-Serie: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rick Remenders „Punisher 4: Frankencastle 2“ (FrankenCastle # 17 – 19, 2010)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Verachtung“ in der vierten Runde

Juni 20, 2019

Wer hätte das gedacht? Nachdem die ersten drei Jussi-Adler-Olsen-Verfilmungen „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“ massive Probleme hatten, machen die Macher bei der vierten Verfilmung alles richtig. Jedenfalls wenn man auf skandinavische Krimis steht und sich nicht an den oft elaborierten Plänen der Bösewichter und den Logiklöchern stört. Dass für die Verfilmung der Plot des Romans für den Film stark verändert wurde, kennen die Adler-Olsen-Fans von den vorherigen Sonderdezernat-Q-Verfilmungen.

Carl Mørck und sein Kollege Assad vom Sonderdezernat Q, der in den Keller verbannten Cold-Case-Abteilung der Polizei von Kopenhagen, stehen im Film „Verachtung“ vor einem wahrlich bizarren Rätsel. Als die Mietwohnung von Gitte Charles von Handwerkern aufgebrochen wird, entdecken sie eine luftdicht abgeschlossene Kammer. In dieser Kammer sitzen drei mumifizierte Menschen an einem Tisch. Ein Platz ist noch frei und die Mieterin der Wohnung, die seit zwölf Jahren pünktlich die Miete zahlt, ist verschwunden.

Durch die Rückblenden und den Subplot mit Dr. Curt Wad und der von ihm angeführten rechtsradikalen Partei kann man sich in Christoffer Boes Thriller schnell zusammenreimen, wie alles miteinander zusammenhängt. Entsprechend uninteressant ist für uns Zuschauer die Frage, wer der Mörder ist.

Im Roman wird das Zimmer mit den fünf Leichen erst kurz vor dem Finale entdeckt und geöffnet. Hier beginnen die Ermittlungen, weil Mørck und Assad sich wieder den Fall der 1987 spurlos verschwundenen ‚erotischen Tänzerin‘ Rita Nielsen vornehmen. Aufgrund der Umstände ihres Verschwindens glauben sie die offizielle These, dass sie sich selbst umbrachte, nicht. Als die Ermittler nach weiteren nicht gelösten Vermisstenfällen suchen, entdecken sie mehrere ähnlich gelagerte Fälle aus dem Jahr 1987. Sie fragen sich, ob es einen Zusammenhang gibt. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie ebenfalls auf Dr. Wad und die Mietwohnung, die im Film von Gitte Charles, im Roman von Nete Rosen, geborene Hermansen, seit Jahren pünktlich bezahlt wird.

Weil Jussi Alder-Olsen den Roman auf zwei bis drei Zeitebenen (der Roman spielt 2010 und 1987, wo die Täterin sich an ihre Kindheit und Jugend in den fünfziger Jahren erinnert) spielen lässt, gibt es hier für den Leser ebenfalls keine großen Überraschungen. Der Roman zerfällt letztendlich in eine 1987 spielende Rachegeschichte und einen 2010 spielenden Ermittlerkrimi.

Der Film legt dagegen den Schwerpunkt auf den Thrillerplot, in dem Mørck und Assad gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner kämpfen müssen. Damit entwickelt sich die sinnvoll entwickelte Geschichte, mit deutlichen Unterschieden zur Romangeschichte, spannend auf die finale Konfrontation(en) zwischen Mørck, Assad, Gitte Charles/Nete Hermansen (der Mieterin der Wohnung mit dem Todeszimmer) und Dr. Wad und seiner Organisation.

Außerdem gibt es im Film zwei wichtige, im Buch nicht enthaltene Subplots. In dem einen kümmert sich Assad um eine junge, schwangere Nichte. Weil ihr Vater davon nichts erfahren soll, geht sie zu dem renommierten Abtreibungsarzt Dr. Wad, der immer noch die Gesellschaft vor lebensunwertem Leben beschützen will.

Gleichzeitig will Assad aufgrund einer Beförderung das Team verlassen. Mørck, der immer behauptet, es sei ihm egal, ist nicht damit einverstanden. Aber er sagt es nicht.

Trotzdem, und das ist die schon seit dem ersten Film überfällige Veränderung, arbeiten sie, wozu auch ihre Assistentin Rose gehört, zusammen und sie werden erstmals als sich ergänzendes und sich vertrauendes Team gezeigt. Außerdem ist Mørck nicht mehr, wie in den vorherigen Filmen (und auch noch im Buch) der blindgeleitete Sturkopf, der ohne irgendwelche Beweise Spuren verfolgt, ständig Grundlagen des Ermittlerhandwerks ignoriert und alle beleidigt. Er war bis jetzt das unaufmerksame Kind, das man mit einem Gameboy in die Ecke setzt, damit die Erwachsenen ihre Arbeit tun können. In „Verachtung“ arbeitet er endlich mit. Er ist Teil des Teams.

Das Thema des Films ist historisch verbürgt, erschreckend, immer noch aktuell und wird als Mordmotiv im Trailer noch deutlicher verraten als im Klappentext des Buches.

Von 1923 bis 1961 wurden auf der Insel Sprogø Frauen gebracht, die mit dem Gesetz oder den damaligen Moralvorstellungen in Konflikt gerieten oder für debil erklärt wurden. Dort wurden sie drangsaliert und sterilisiert. Diese Sterilisationen geschahen aufgrund damals gültiger Gesetze zur Rassenhygiene und Eugenik. In Dänemark waren für diese Gesetze und ihre Durchführung sozialdemokratische Regierungen verantwortlich.

Zwischen 1929 und 1967 wurden in Dänemark etwa elftausend Personen, vor allem Frauen, sterilisiert. Etwa die Hälfte der Fälle waren Zwangssterilisationen. In „Verachtung“ führt Dr. Wad, ein glühender Anhänger der Rassenlehre, diese Sterilisationen ohne das Einverständnis der Frauen durch.

So ist der Thriller eine willkommene Ergänzung im Feld der skandinavischen Kriminalfilme und die bislang beste Adler-Olsen-Verfilmung. All die von den Drehbuchautoren Nikolaj Arcel, Drehbuchautor der vorherigen Adler-Olsen-Verfilmungen „Erbarmen“, Schändung“ und „Erlösung“, Mikkel Nørgaard, Regisseur der Adler-Olsen-Verfilmungen „Erbarmen“ und „Schändung“, und Bo Erhard Hansen gemachten Änderungen stärken die Geschichte, ohne sie zu verraten. Im Rahmen eines konventionellen Thrillerplots wird sogar Adler-Olsens Anklage gegen die staatlich verordneten Zwangssterilisationen und sein Hinweis auf das Fortbestehen rassistischen Denkens deutlicher.

Der Roman selbst ist ein langweiliges Desaster. Über viele Seiten herrscht immer wieder Stillstand. Überraschende Wendungen gibt es nicht. Und auch sonst fehlt „Verachtung“ alles, was man von einem Thriller erwartet. Naja, eigentlich erwartet man von einem Thriller nur diese atemlose Spannung, die einen immer weiter lesen lässt, auch wenn langsam die Sonne aufgeht.

Inzwischen ist mit „Marco effekten“ für 2020 eine fünfte Sonderdezernat-Q-Verfilmung angekündigt. Dann allerdings mit Ulrich Thomsen und Zaki Youssef als Carl Mørck und Assad.

Verachtung (Journal 64, Dänemark/Deutschland 2018)

Regie: Christoffer Boe

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Bo Erhard Hansen, Mikkel Nørgaard

LV: Jussi Adler-Olsen: Journal 64, 2010 (Verachtung)

mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Johanne Louise Schmidt, Søren Pilmark, Fanny Leander Bornedal, Clara Rosager, Luise Skov, Amanda Radeljak, Anders Hove, Nicolas Bro, Elliott Crosset Hove, Birthe Neumann, Anders Juul, Michael Brostrup, Marianne Høgsbro

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

(zum Filmstart mit neuem Cover)

Jussi Adler-Olsen: Verachtung

(übersetzt von Hannes Thiess)

dtv, 2019 (Filmausgabe)

544 Seiten

10,95 Euro

Deutsche Erstausgabe (als Gebundene Ausgabe)

dtv, 2012

Originalausgabe

Journal 64

Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2010

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Verachtung“

Rotten Tomatoes über „Verachtung“

Wikipedia über den Roman „Verachtung“

Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Meine Besprechung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ (Kvinden i buret, 2008)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013) (DVD)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung – Die Fasanentöter“ (Fasandræberne, Dänemark/Deutschland/Schweden 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Hans Petter Molands „Erlösung“ (Flaskepost fra P, Dänemark/Deutschland/Schweden/Norwegen 2016)


„Berlin Prepper“, man muss ja vorbereitet sein

Juni 20, 2019

Der Titel und das Cover sind schon einmal zu gute Argumente, um das Buch zu lesen. Also jedenfalls, um mit der Lektüre zu beginnen. Auch der Klappentext klingt interessant.

Aber das heißt vor allem, dass die Werbeabteilung gute Arbeit geleistet hat.

Fachlicher ist da schon die Krimibestenliste. Dort steht Johannes Groschupfs „Berlin Prepper“ auf dem ersten Platz.

Groschupf, ein früherer Reisejournalist und Jugendbuchautor, erzählt in „Berlin Prepper“ eine Geschichte nah an den aktuellen Schlagzeilen und gesellschaftlichen Problemen. Sein Ich-Erzähler, der Mittvierziger Walter Noack, ist Content Moderator einer großen Zeitung (die ungefähr im Axel-Springer-Hochhaus beheimatet ist). Er liest und löscht unzählige Leserkommentare. Im Sekundentakt muss er entscheiden, ob ein pöbelnd-hetzerischer Kommentar gegen die Regierung und Flüchtlinge noch gerade zu tolerieren ist oder gelöscht werden muss.

In seiner Freizeit ist er ein Prepper. In seiner Wohnung lagert er Vorräte für mehrere Monate und alle erdenklichen Katastrophen (Kleiner Hinweis: es gibt auch andere Dosennahrung als Ravioli). In der Stadt hat er einige Verstecke mit Vorräten angelegt. Er treibt Sport, lebt allein und hat sporadisch Kontakt zu seinem erwachsenem Sohn Nick.

Eines Nachts wird er beim Verlassen des Redaktionsgebäudes zusammengeschlagen. Der Täter kann unbekannt entkommen.

Wenige Wochen später wird seine Kollegin Peppa, eine Studentin, mit der er befreundet ist, ebenfalls vor dem Redaktionsgebäude angegriffen. Sie kann sich allerdings wehren und beißt dem Angreifer in die Hand.

Die an den Ermittlungen desinteressierte Polizei kommt bei ihren Ermittlungen nicht weiter. Also beginnen Noack, Nick und Peppa den Täter zu suchen. Er soll aus dem Containerdorf für Flüchtlinge kommen.

Zur gleichen Zeit gerät Noack immer stärker in die rechte und Reichsbürgerszene, die sich für einen kommenden Krieg präpariert und sehr gute Kontakte zur Polizei hat.

Das liest sich jetzt vielleicht wie der Auftakt für einen spannenden Thriller. Immerhin wird „Berlin Prepper“ als Thriller angekündigt. Aber das ist er nicht. Eher schon ein Roman und das Psychogramm eines Mannes, der ein Prepper ist und der etwas ins rechte Milieu hineinschnuppert.

Groschupf schildert das mit einem Blick für Details, die für ein authentisches Berlin-Feeling sorgen. Die zahlreichen Nennungen von Straßen und Plätzen tragen ebenfalls dazu bei. Auch sprachlich überzeugt der Roman, der nicht witschig sein will und auch dem Leser auch nicht die richtige Meinung einhämmern will. Kühl, fast wie ein objektiver Beobachter, schildert Noack sein Leben und warum es sinnvoll ist, sich auf Katastrophen vorzubereiten. Er selbst erlebte als Jugendlicher Tschernobyl und die darauf folgende Angst vor Strahlen. Ältere Berliner erinnern sich noch an die Luftbrücke und noch immer gibt es von der Regierung Hinweise für den Fall einer Katastrophe. Ein ausreichender Vorrat von Lebensmitteln gehört dazu.

Umso enttäuschender ist der Plot. Wenn man „Berlin Prepper“ streng innerhalb der Konventionen eines Thrillers betrachtet, muss man sogar von einem Reinfall sprechen.

Noack findet viel zu leicht heraus, wer die Straftaten begangen hat. Letztendlich gestehen die Täter ihm frank und frei, was sie warum getan haben und das Finale (laut Klappentext: „während der brutalen Sommerhitze zu Großbränden, Unruhen und offener Anarchie kommt“) enttäuscht. In dem Moment will auch keine Spannung aufkommen, weil es keinen Antagonisten gibt und es auch vollkommen unklar ist, auf welchen finalen Konflikt die Geschichte sich hinbewegt. Denn die verschiedenen Täter sind schon vor dem Finale überführt und, was entscheidender ist, Noack interessiert sich nicht weiter für sie. Die im Finale folgenden Ereignisse haben dann auch keine sich aus den vorherigen Ereignissen ergebenden Konsequenzen, weil sie mit diesen Ereignissen nichts zu tun haben. Emotional berühren sie nicht.

Als Roman, sozusagen als verspätete Coming-of-Age-Geschichte, in der der Protagonist am Ende der Geschichte endlich seinen Heimatort verlässt, ist das etwas anderes. Aber mit dieser Leseerwartung bin ich nach Cover und Klappentext nicht an „Berlin Prepper“ herangegangen.

Letztendlich ist „Berlin Prepper“ ein Roman, der eine gute Idee, aber keinen Plot hat. Er ist nicht wirklich schlecht, aber auch nie so gut, wie die Werbeabteilung verspricht und man nach dem ersten Platz auf der Krimibestenliste glauben könnte.

Johannes Groschupf: Berlin Prepper

Suhrkamp, 2019

240 Seiten

14,95 Euro

Hinweise

Suhrkamp über Johannes Groschupf

Perlentaucher über „Berlin Prepper“


Jim Nisbet, USA, „Welt ohne Skrupel“

Juni 17, 2019

Klinger, der vornamenlose Protagonist in Jim Nisbet neuestem Noir „Welt ohne Skrupel“, ist ein kleiner Verbrecher. Ganz unten auf der Futterleiter. Seine Coups gehen meistens schief. Immerhin gelingt es ihm immer wieder, in San Francisco der Polizei zu entkommen. Danach muss er seine Ex-Frau um Geld bitten. Dass Klinger jemals seine Schulden bezahlt, erwartet sie nicht. Auch der Wirt in Klingers Stammlokal und der Vermieter in der billigen Absteige, in der er übernachtet, sind erstaunt, wenn Klinger mal etwas Geld hat, mit dem er mehr als eine Nacht bezahlen kann und sogar seine Schulden etwas abstottern kann.

Als er nach einem Taschendiebstahl, bei dem er assistierte, das Smartphone eines App-Entwicklers hat, verändert sich sein Leben. Denn der Entwickler hat sich gerade mit seiner Geschäftspartnerin zerstritten (sie hat ihn finanziell gnadenlos über den Tisch gezogen) und jetzt will sie unbedingt dieses Telefon haben.

Plötzlich ist Klinger in einer Welt, die er bisher nicht kannte. Nicht, weil er keinen Computer besitzt, sondern weil hier Geldsummen bewegt werden, von denen er bislang nicht zu träumen wagte.

Unter Noir-Fans ist der 2017 von San Francisco nach Sausalito umgezogene Jim Nisbet ein bekannter Name. Bei Pulp Master erschienen in den vergangenen Jahren seine tiefschwarzen Romane „Dunkler Gefährte“, „Der Krake auf meinem Kopf“ und „Tödliche Injektion“. Der Noir, inzwischen ein kleiner Klassiker, erschien in den USA erstmals im kultigen Black Lizard Verlag.

Welt ohne Skrupel“ ist ein weiterer tiefschwarzer Noir. Wie der Titel schon andeutet, ist die von Jim Nisbet präzise gezeichnete Welt eine Welt, in der jeder jeden betrügt und Nächstenliebe eine Mischung aus etwas Geld und einem kostenlosen Drink ist. Viel mehr soll über die sparsame Handlung dieser starken Charakterstudie eines alternden Möchtegern-Verbrechers, dessen Leben bislang sogar für eine richtige Gefängniskarriere zu uninteressant war, nicht verraten werden.

Nisbet zeichnet eine kalte Welt ohne Skrupel und auch ohne Mitleid. Aber einer wie Klinger lässt sich davon nicht unterkriegen. Oder doch?

Jim Nisbet: Welt ohne Skrupel

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

pulp master, 2019

240 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

Snitch World

PM Press, 2013

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Tödliche Injektion“ (Lethal Injection, 1987)

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Dunkler Gefährte“ (Dark Companion, 2006)

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Der Krake auf meinem Kopf“ (The Octopus on my Head, 2007)

Mein Interview mit Jim Nisbet

Jim Nisbet in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 10. Juni: Das Tagebuch der Anne Frank

Juni 10, 2019

ZDF, 22.00

Das Tagebuch der Anne Frank (Deutschland 2016)

Regie: Hans Steinbichler

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

TV-Premiere. Die Geschichte von Anne Frank, die sich mit ihrer Familie von 6. Juli 1942 bis 4. August 1944 in Amsterdam in einem Hinterhaus vor den Nazis versteckte. Bis zu ihrer Entdeckung schrieb sie ein Tagebuch, das, neben weiteren Schriftstücken aus dem Archiv des Anne Frank Fonds, die Grundlage für das berührende Drama bildete.

Nach ihrer Entdeckung werden sie nach Auschwitz gebracht. Bis auf Anne Franks Vater Otto sterben sie in verschiedenen KZs. Anne Frank stirbt an Typhus Ende Februar/Anfang März 1945 im Lager Bergen-Belsen.

Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ ist, nach einem Drehbuch von Fred Breinersdorfer, der erste deutsche Kinofilm, der die Geschichte von Anne Frank erzählt. Es ist ein sehr sehenswerter Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Stella Kunkat, André Jung, Margarita Broich, Leonard Carow, Arthur Klemt, Gerti Drassl, Stefan Merki

Die Vorlage

Anne Frank - Gesamtausgabe TB - 4

Wer nach (oder vor) dem Film so richtig in die Schriften von Anne Frank einsteigen möchte, sollte sich die Gesamtausgabe, die auch ganz banal „Gesamtausgabe“ heißt, zulegen. In ihr sind die verschiedenen Versionen ihres Tagebuchs (es gibt das ursprüngliche Tagebuch, eine von ihr für eine Veröffentlichung schon überarbeitete Fassung, die von ihrem Vater Otto Frank für die Veröffentlichung erstellte Fassung und die von Mirjam Pressler 2001 im Auftrag des Anne Frank Fonds erstellte und autorisierte „Version d“, die die heute verbindliche Fassung ist und in der für frühere Veröffentlichungen gekürzte und weggelassene Teile wieder aufgenommen wurden), die „Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus“ (ihre Erzählungen, die teils auf selbst Erlebtem basieren und die auch teils von ihr in ihr Tagebuch übernommen wurden), weitere Erzählungen, Briefe, Einträge in Poesiealben, „Das Schöne-Sätze-Buch“ (das hauptsächlich eine Sammlung von Texten, die ihr gefielen und die sie im Versteck abschrieb, ist) und ‚Das Ägyptenbuch‘ (das ebenfalls vor allem aus anderen Texten besteht und das Anne Franks Faszination für das alte Ägypten dokumentiert) abgedruckt. Damit ist ihr schriftstellerisches Gesamtwerk in diesem Buch enthalten.
Ergänzt wird der Sammelband durch Fotos und Dokumente über sie und ihre Familie und vier Aufsätze über Anne Frank, ihre Familie, den zeitgeschichtlichen Kontext und die Rezeptionsgeschichte.
Diese umfassende Ausgabe eignet sich vor allem für das vertiefte und auch vergleichende Studium.
Für den Hausgebrauch reicht natürlich auch die Ausgabe ihres Tagebuchs.

Anne Frank: Gesamtausgabe
(herausgegeben vom Anne Frank Fonds)
(übersetzt von Mirjam Pressler)
Fischer, 2015
816 Seiten
12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe
Fischer, 2013

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Das Tagebuch der Anne Frank“
Moviepilot über „Das Tagebuch der Anne Frank“
Wikipedia über „Das Tagebuch der Anne Frank“ (deutsch, englisch) und Anne Frank (deutsch, englisch)
Der Anne Frank Fonds

Anne-Frank-Seite des Fischer Verlags

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ (Deutschland 2016)

 


TV-Tipp für den 6. Juni: Meine Tochter Anne Frank

Juni 6, 2019

HR, 22.50

Meine Tochter Anne Frank (Deutschland 2015)

Regie: Raymond Ley

Drehbuch: Hannah Ley, Raymond Ley

LV: Anne Frank: Das Tagebuch der Anne Frank

Die bekannte Geschichte der am 12. Juni 1929 geborenen Anne Frank, die sich in Amsterdam während des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Familie in einem Hinterhaus versteckte, erzählt Raymond Ley primär aus der Sicht von Annes Vater Otto Frank, der den Krieg überlebte.

Die künstlerisch ambitionierte Collage setzt sich eindrucksvoll aus Spielszenen und dokumentarischen Einsprengseln zusammen.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Mala Emde, Götz Schubert, Axel Milberg, Lion Wasczyk, Harald Schrott, André M. Hennicke

Wiederholung: 3sat, Mittwoch, 12. Juni, 22.25 Uhr (Anne Franks Geburtstag

Hinweise

Wikipedia über „Meine Tochter Anne Frankund Anne Frank (deutsch, englisch)

Der Anne Frank Fonds

Anne-Frank-Seite des Fischer Verlags

Meine Besprechung von Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ (Deutschland 2016)

Die Lektüre zum Film

Anne Frank - Gesamtausgabe TB - 4

Wer nach (oder vor) dem Film so richtig in die Schriften von Anne Frank einsteigen möchte, sollte sich die Gesamtausgabe, die auch ganz banal „Gesamtausgabe“ heißt, zulegen. In ihr sind die verschiedenen Versionen ihres Tagebuchs (es gibt das ursprüngliche Tagebuch, eine von ihr für eine Veröffentlichung schon überarbeitete Fassung, die von ihrem Vater Otto Frank für die Veröffentlichung erstellte Fassung und die von Mirjam Pressler 2001 im Auftrag des Anne Frank Fonds erstellte und autorisierte „Version d“, die die heute verbindliche Fassung ist und in der für frühere Veröffentlichungen gekürzte und weggelassene Teile wieder aufgenommen wurden), die „Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus“ (ihre Erzählungen, die teils auf selbst Erlebtem basieren und die auch teils von ihr in ihr Tagebuch übernommen wurden), weitere Erzählungen, Briefe, Einträge in Poesiealben, „Das Schöne-Sätze-Buch“ (das hauptsächlich eine Sammlung von Texten, die ihr gefielen und die sie im Versteck abschrieb, ist) und ‚Das Ägyptenbuch‘ (das ebenfalls vor allem aus anderen Texten besteht und das Anne Franks Faszination für das alte Ägypten dokumentiert) abgedruckt. Damit ist ihr schriftstellerisches Gesamtwerk in diesem Buch enthalten.
Ergänzt wird der Sammelband durch Fotos und Dokumente über sie und ihre Familie und vier Aufsätze über Anne Frank, ihre Familie, den zeitgeschichtlichen Kontext und die Rezeptionsgeschichte.
Diese umfassende Ausgabe eignet sich vor allem für das vertiefte und auch vergleichende Studium.
Für den Hausgebrauch reicht natürlich auch die Ausgabe ihres Tagebuchs.

Anne Frank: Gesamtausgabe
(herausgegeben vom Anne Frank Fonds)
(übersetzt von Mirjam Pressler)
Fischer, 2015
816 Seiten
12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe
Fischer, 2013


„Firefly: Großer, verdammter Held“ hat Ärger im ersten offiziellen Roman zur TV-Serie

Juni 5, 2019

Für eine erfolglose TV-Serie ist „Firefly“ erstaunlich langlebig. Zwischen September und Dezember 2002 wurden in den USA elf Folgen ausgestrahlt, ehe die Serie eingestellt wurde. Die restlichen drei bereits produzierten Folgen zeigte Fox im Juni und Juli 2003. Aber die DVD verkaufte sich prächtig. 2005 kam der die Serie fortsetzende Film „Serenity – Flucht in neue Welten“ in die Kinos. In Deutschland erschien die DVD mit allen Serienfolgen parallel zum Filmstart und 2009 zeigte Super RTL sie. Nach dem Serienende gab es mehrere Comics, eine Romanfassung des Kinofilms und jetzt den ersten offiziellen Roman zur von Joss Whedon erfundenen humorvollen Science-Fiction-Westernserie.

Im Mittelpunkt der Serie steht Captain Malcolm ‚Mal‘ Reynolds, ein ehemaliger Soldat des Widerstands gegen die Allianz im Vereinigungskrieg. Die Seite, auf der er kämpfte, verlor. Bei der Buchlektüre musste ich, auch wenn wir letztendlich nichts über die Hintergründe des Krieges erfahren, immer an den US-amerikanischen Bürgerkrieg denken und damit wäre Reynolds ein Südstaatler, der immer noch nicht verwinden kann, dass er zu den Kriegsverlierern gehört. Seit dem Kriegsende düst Reynolds mit seinem Schiff, der Serenity, als Abenteurer und Halunke durch das Weltall.

Zur Besatzung der Serenity gehören Zoë Washburne, Erster Offizier der Serenity und eine alte Kampfgefährtin von Reynolds bei ihrem Kampf gegen die Allianz, Zoës Mann Hoban ‚Wash‘ Washburne, der begnadete und humorvolle Pilot der Serenity, die ebenso begnadete Schiffsmechanikerin Kaywinnit Lee „Kaylee“ Frye und der einfältige Söldner Jayne Cobb. Die ständigen Schiffsgäste und letztendlich inzwischen auch Teil der Besatzung sind der Companion (vulgo Kurtisane) Inara Serra, der geheimnisumwitterte Geistliche Shepherd Derrial Book, und die Geschwister Dr. Simon und River Tam. Er ist ein Arzt. Sie eine Hochbegabte, mit ungewöhnlichen geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Deswegen wurde sie von der Allianz mit einem Stipendium geködert und dann gefoltert. Er befreite seine Schwester. Seitdem werden sie von der Allianz gejagt. Die Männer und Frauen der Serenity sind eine bunte Mischung liebenswerter Charaktere.

Ihre Abenteuer erleben sie meistens auf abgelegenen Planeten, auf denen die Technik noch nicht so wahnsinnig weit entwickelt ist und im Zweifelsfall das Recht des Stärkeren und die Ganovenehre gelten. Wie im Wilden Westen.

Die Serie ist ein netter Zeitvertreib, die niemals ihr Potential auch nur halbwegs ausschöpfen konnte. Das lag auch daran, dass die Serie unentschlossen zwischen durchgehender Geschichte und Einzelgeschichten pendelt und so nie klar wird, in welche Richtung Joss Whedon die Serie über mehrere Staffeln entwickeln wollte.

In dem jetzt erschienenem, ersten offiziellem Roman zur TV-Serie hat die Serenity auf Persephone gerade mehrere Kisten hochexplosiven Sprengstoff geladen. Vor dem Abflug will Malcolm Reynolds sich noch mit Hunter Covington treffen. Der ihm unbekannte Mann übergibt Reynolds bei ihrem Treffen dann allerdings nicht die versprochene Ware, sondern nimmt ihn gefangen und entführt ihn an einen unbekannten Ort.

Während die Mannschaft der Serenity Reynolds sucht, muss er sich einer illegalen Gerichtsverhandlung stellen. Ihm wird vorgeworfen, seine Freunde im Vereinigungskrieg verraten zu haben.

Großer, verdammter Held“ ist der erste „Firefly“-Roman von James Lovegrove. Er schrieb ihn nach einem Story-Konzept von Nancy Holder. Lovegrove war für den Arthur C. Clarke Award und den John W. Campbell Award nominiert. Er schrieb mehrere Sherlock-Holmes-Romane und die Cthulhu Casebooks. Sein Debüt „The Hope“ (1990) erschien 1998 im Heyne-Verlag als „Die Hoffnung“ und ist nur noch antiquarisch erhältlich.

In seinem ersten „Firefly“-Roman erzählt er jetzt eine Geschichte, die tief in Reynolds Vergangenheit eintaucht. Auch über Sheperd Book erfahren wir einige Details aus seiner Vergangenheit, während die Geschichte zwischen den verschiedenen Handlungssträngen hin und herspringt. Denn, wie in der TV-Serie, muss jede Figur etwas zu tun haben. Dabei wird Reynolds, auch wenn er sich über viele Buchseiten an seine Jugend auf dem Planeten Shadow erinnert, zu einer auf seinen Prozess und seine Rettung wartenden Nebenfigur. Er wird von seinen Entführern, meistens betäubt, zum Ort der Verhandlung transportiert, die mit seinem Tod enden soll.

Währenddessen gestaltet sich die Suche der „Serenty“-Besatzung nach dem spurlos verschwundenen Reynolds schwierig. Das liegt vor allem daran, dass die in der „Firefly“-Welt verwandte Technik sogar aus heutiger Sicht ziemlich altmodisch ist. Mit einem GPS-Tracker wären unsere Helden von der Serenity nämlich schnell am Ziel gewesen. So sind schnell gut dreihundertfünfzig Seiten mit farbenprächtigen Abenteuer auf fremden Welten gefüllt sind.

Großer, verdammter Held“ ist natürlich vor allem für die Fans der Serie geschrieben. So erzählt Lovegrove wenig über die Serenity-Besatzung. Schließlich wissen die Fans der Serie alles über sie und für sie müssen die Charaktere und ihre Geschichte nicht über viele Seiten vorgestellt werden. Der Tonfall ist in diesem Roman weniger humoristisch als in der TV-Serie, was natürlich auch daran liegt, dass wir im Roman nicht Nathan Fillion, der Captain Malcolm Reynolds spielt, sehen können.

In den USA erschien Ende März „The Magnificent Nine“, Lovegroves zweiter „Firefly“-Roman. Schon der Titel klingt nach einer waschechten „Firefly“-Geschichte. Die TV-Serie ist ja deutlich vom Western beeinflusst und spielt immer wieder mit Western-Motiven. Mit „The Ghost Maschine“ hat Lovegrove bereits einen dritten „Firefly“-Roman geschrieben.

James Lovegrove: Firefly: Großer, verdammter Held

(nach einem Story-Konzept von Nancy Holder, basierend auf der TV-Serie von Joss Whedon)

(übersetzt von Claudia Kern)

Panini, 2019

352 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Firefly: Big Damn Hero

Titan Books, 2018

Hinweise

Homepage von James Lovegrove

Wikipedia über „Firefly“ (deutsch, englisch) und James Lovegrove (deutsch, englisch)


Hat Dave Robicheaux “Sumpffieber”?

Mai 28, 2019

Zwischen die neuen, noch nicht übersetzten Dave-Robicheaux-Romane schiebt der Pendragon-Verlag ältere, bereits übersetzte und seit Ewigkeiten nicht mehr erhältliche Robicheaux-Romane. Wie jetzt „Sumpffieber“. Dabei handelt es sich um den im Original 1998 erschienenen zehnten Robicheaux-Roman „Sunset Limited“, der zwei Jahre später bei Goldmann in einer deutschen Übersetzung erschien.

In dem Kriminalroman kehren Megan und Cisco Flynn nach New Iberia zurück. Sie sind die Kinder von Jack Flynn, einem Gewerkschaftler, der vor Jahrzehnten vom Klan mit 16-Penny-Nägeln an Fuß- und Handgelenken an eine Scheunenwand genagelt wurde. Robicheaux entdeckte damals die Leiche (jau, langjährige Robicheaux-Fans wissen, dass der junge Dave als Jugendlicher anscheinend täglich über Leichen stolperte). Flynns Mörder wurde nie gefunden (auch das dürfte langjährigen Robicheaux-Lesern bekannt vorkommen).

Jetzt sind seine beiden Kinder zurück in New Iberia und sie interessieren sich für den Kleingangster Cool Breeze Broussard. Der behauptet, im Gefängnis misshandelt worden zu sein. Broussard hat außerdem Ärger mit dem Giacano-Klan und das FBI möchte sich nicht um seinen Kronzeugen kümmern. Broussard hat Angst um sein Leben. Seine Angst ist berechtigt. Denn ein Killer ist auf ihn angesetzt.

Die Flynns und Broussard haben eine für Robicheaux zunächst undurchschaubare Beziehung zu dem reichen und entsprechend einflussreichem Plantagenbesitzer Archer Terrebonne.

Sumpffieber“ ist einer dieser alten Robicheaux-Romane, die mir deutlich besser als die neueren Robicheaux-Romen gefallen. Das kann daran liegen, dass ich diese Romane zuerst las und mir daher in den neueren Robicheaux-Romanen vor allem die Wiederholungen und Plotschwächen auffallen. Das kann auch daran liegen – und diese Erklärung bevorzuge ich -, dass die alten Robicheaux-Romane einfach besser waren. In ihnen entwickelte sich Robicheaux weiter. In „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987) ist Dave Robicheaux noch Mordermittler in New Orleans und Trinker. Später kämpft er mit seinem Alkoholismus, geht zu den Anonymen Alkoholikern, zieht nach New Iberia, betreibt eine Bootsvermietung und Köderladen, hat eine Adoptivtochter und arbeitet als Detective bei der örtlichen Polizei. Das und seine wichtigsten Freundschaften sind in „Sumpffieber“ fest etabliert, aber noch nicht zur Routine erstarrt und weil James Lee Burke damals seinen Charakter noch in Echtzeit altern ließ, konnte man sich Robicheaux vor zwanzig Jahren mühelos als rüstigen Vietnam-Veteran, der keinen Gedanken an seine Pensionierung verschwendet, vorstellen.

In „Sumpffieber“ erzählt Burke, mit viel Südstaaten-Feeling, eine ziemlich komplizierte, mehrere Familien und Generationen betreffende, sich langsam entwickelnde Geschichte von Schuld und Sühne. Weil mehrere Plots sich kreuzen, sollte man nicht zu viele Seiten überblättern.

Der Roman erhielt 1998 den Dagger-Preis als bester Roman und war für den Dily Award nominiert.

James Lee Burke: Sumpffieber

(übersetzt von Christine Frauendorf-Mössel) (überarbeitete Neuausgabe)

Pendragon, 2019

456 Seiten

18 Euro

Deutsche Erstausgabe

Goldmann, 2000

Originalausgabe

Sunset Limited

Doubleday, 1998

Hinweise

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Homepage von James Lee Burke

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Mein Porträt von James Lee Burke

James Lee Burke in der Kriminalakte

„In the Electric Mist“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Flucht nach Mexiko – Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ (Crusader’s Cross, 2005 )

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)


Ein noch vor der Wahl von Donald Trump von Denis Scheck mit James Lee Burke geführtes Interview


Black History Tage: Über Attica Lockes Kriminalroman „Bluebird, Bluebird“

Mai 20, 2019

So langsam – der Beginn war am 28. Februar mit „The Hate U Give“ – sind es Monate und Attica Lockes Kriminalroman „Bluebird, Bluebird“ passt nur so halb hinein. Obwohl Attica Locke eine Afroamerikanerin ist und ihr Romanheld, der Texas Ranger Darren Mathews, ein Afroamerikaner ist und es auch um Rassismus geht.

In Lark, einem Dorf in Osttexas, werden die weiße, zwanzigjährige, verheiratete Dorfschönheit Melissa ‚Missy‘ Dale und der durchreisende afroamerikanische, in Chicago lebende, fünfunddreißigjährige, ebenfalls verheiratete Anwalt Michael Wright ermordet. Zuerst findet man Wrights Leiche im Attoyac Bayou. Einige Tage später findet man Dales Leiche.

Mathews vermutet selbstverständlich einen rassistischen Hintergrund. Der Dorfsheriff ist anderer Ansicht. Trotzdem ermitteln sie, nachdem die Kompetenzen geklärt sind, mehr oder weniger gemeinsam.

Das ganze Set-Up erinnert sehr an John Balls 1966 von Norman Jewison verfilmten Roman „In der Hitze der Nacht“(In the Heat of the Night). Damals war der Afroamerikaner ein gebildeter, höflicher Mann, der dem Dorfpolizisten in jeder Beziehung haushoch überlegen war. Gebildet ist auch Mathews. Er ist allerdings – so haben sich die Zeiten geändert – ein Alkoholiker mit Eheproblemen. Diese und Mathews Erinnerungen nehmen einen großen Teil von Attica Lockes Roman „Bluebird, Bluebird“ ein. Der Kriminalfall selbst ist dagegen vernachlässigbar und auch bei den allzu oft alkoholdurchtränkten Ermittlungen muss sich Mathews mit der für die Lösung des Falls schon auf den ersten Blick erkennbar unwichtigen Vergangenheit der in den Fall involvierten Personen herumschlagen.

Insofern funktioniert „Bluebird, Bluebird“ nur bedingt als Polizeiroman. Dafür wird der Plot zu wenig vorangetrieben. Dafür wird ein fast schon episches Bild der Rassenkonflikte in Texas und vor allem in Lark entworfen.

Deshalb funktioniert „Bluebird, Bluebird“ besser, wenn man an das Buch mit den Leseerwartungen an einen Roman oder literarischen Kriminalroman herangeht. Dann kann man das ruhige, fast schon meditative Erzähltempo genießen. Wirklich überzeugend ist die dröge erzählte Geschichte auch dann nicht.

Vor allem wenn man „Bluebird, Bluebird“ mit anderen Romanen vergleicht, die das gleiche Thema behandeln. Mit dem Rassismus in Texas beschäftigt Joe R. Lansdale sich deutlich kurzweiliger. Mit dem Rassismus in den USA, wobei Washington, D. C., seine Spielwiese ist, George Pelecanos. Um nur zwei auch sprachlich überzeugendere Autoren zu nennen.

In den USA erhielt der Roman letztes Jahr zahlreiche Preise. Zu den für Krimifans wichtigen Preisen gehören der Edgar Award for Best Novel, Anthony Award for Best Novel und der CWA Ian Fleming Steel Dagger Award und die Nennungen in Listen wie der Washington Post 10 Best Thrillers and Mysteries of 2017 und der Kirkus Best Mysteries and Thrillers of 2017.

Attica Locke: Bluebird, Bluebird

(übersetzt von Susanna Mende)

Polar Verlag, 2019

336 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Bluebird, Bluebird

Mulholland Books/Little, Brown and Company, 2017

Hinweise

Homepage von Attica Locke

Polar über Attica Locke

Wikipedia über Attica Locke (deutsch, englisch)

Perlentaucher über „Bluebird, Bluebird“


Tito Topin meint „Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter“

Mai 15, 2019

In naher Zukunft wurde Frankreich zu einem Gottesstaat, weil – und diese unglaubwürdige Prämisse muss man einfach akzeptieren – die monotheistischen Religionen sich gegen die Ungläubigen zusammenschlossen. Zuerst gab es Umerziehungslager. Aber als auch in ihnen nicht alle Gottlosen bekehrt werden konnten, begannen die religiösen Regierungen die Atheisten zu verfolgen. Inzwischen gibt es nur noch wenige Zufluchtsorte.

Der Journalist Boris hat es sich mit den neuen Machthabern gründlich verscherzt, weil er in einer Reportage einen Bischof der Pädophilie beschuldigt hat. Auf seiner Flucht von Frankreich nach Spanien nimmt er, zur Tarnung, die schwangere Anissa mit.

Später stoßen noch seine Ex-Freundin Soledad, bei der sie kurz untertauchen konnten, und der alte Bankräuber Pablo, dessen Auto sie klauen, zu ihnen.

Dieses Quartett wird von der Polizistin Gladys Le Querrec, einer anderen Ex-Freundin von Boris, und Abdelmalec Chaambi, einem von den religiösen Oberhäuptern beauftragten Killer, nach Lissabon verfolgt.

Mit Fluchtgeschichten hat Tito Topin seine Erfahrung. Er wurde 1932 in Casablanca geboren, emigrierte nach Brasilien, kehrte 1962 zurück und zog 1966 nach Paris. Dort arbeitete er als Illustrator und Autor. Sein erster Kriminalroman erschien 1982 bei Gallimard in der Série Noire. Damit dürfte schon klar sein, wo seine literarischen Vorbilder zu suchen sind. Er schrieb auch Drehbücher, vor allem für TV-Filme und Serien, und er erfand die TV-Serie „Navarro“ (Kommissar Navarro). In Frankreich ein langlebiger Hit. In Deutschland wurden in den Neunzigern einige Folgen von ProSieben gezeigt und von kabel eins wiederholt.

Er schrieb auch den Noir „Exodus aus Libyen“ (Libyan Exodus, 2013) über eine während des Bürgerkriegs auf ihrer Flucht aus dem nordafrikanischen Staat zusammengewürfelte Gruppe.

Sein neuester Roman „Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter“ variiert auf den ersten Blick diese Geschichte. Mit einem anderen Ziel der Flucht. Seine Figuren stammen aus der gut etablierten Welt des Polar, der französischen Version des US-amerikanischen Hardboiled-Krimis und des Film Noir. Sie wirken daher auch etwas aus der Zeit gefallen. Das ist nämlich näher bei Ross Thomas und Jean-Patrick Manchette, als bei der Gegenwart.

Und die Idee eines katholischen Gottesstaates ist angesichts der rapide schwindenden Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen doch etwas utopisch.

Das gesagt, ist „Tanzt! Sing!“ ein flott zu lesender Polar, der wohlige Erinnerungen an die Zeiten weckt, als harte Männer böse Dinge taten, lässig noch bösere Bösewichter besiegten und selbstverständlich jede Frau bekamen. Es sind die flott geschriebenen pulpigen Abenteuergeschichten der sechziger, siebziger und auch noch achtziger Jahre, die man heute noch vereinzelt in Antiquariaten findet und die eine wunderschön-entspannte Retro-Lektüre sind.

Außerdem ist Tito Topin inzwischen in dem Alter, in dem von einem Künstler nicht mehr jugendliche Revolten, sondern ein gesittetes Alterswerk erwartet wird. Ein Buch halt, das noch einmal alle Themen der vorherigen Werke quasi archivarisch bündelt, während der Held an Altersgebrechen leidet und sich an seine Vergangenheit erinnert. So ein sentimentaler Schmonz interessiert Topin nicht. Sein Roman ist wie ein Punksong; auch von der Länge. Sein Held ist Mitte Dreißig. Sein Kampfgeist ist ungebrochen. Denn sein Leben liegt noch vor ihm. Und das will er nicht in einem Gottesstaat verbringen.

Tito Topin: Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2018

192 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

L’exil des mécréants

SL Publications, Paris, 2017

Hinweise

Homepage von Tito Topin

Distel Literaturverlag über Tito Topin

Wikipedia über Tito Topin

Perlentaucher über Tito Topin

Meine Besprechung von Tito Topins „Exodus aus Libyen“ (Libyan Exodus, 2013)

Meine Besprechung von Tito Topins „Fieber in Casablanca“ (55 de fièvre, 1983)


Gratis-Comic-Tag, Runde 10 am Samstag – und noch mehr Comics in Berlin

Mai 10, 2019

Morgen, am Samstag, den 11. Mai, ist es wieder soweit. Der Gratis-Comic-Tag lädt Comic-Fans (nicht nur die pickeligen Nerds, sondern auch Kinder, ihre Eltern, Großeltern, Erwachsene, Fans aller möglichen Genres und einfach nur Neugierige) ein, in einem von bundesweit vierhundertfünfzig Geschäften in den Comics zu stöbern und kostenlose Comics mitzunehmen. Dieses Jahr gibt es 34 verschiedene Gratis-Comics. Insgesamt wurden über 600.000 Hefte gedruckt. Beim ersten Gratis-Comic-Tag waren es 170.000 speziell für diesen Tag gedruckte Hefte, in denen Verlage manchmal ein ganzes Comicalbum, manchmal nur einige Seiten aus einem Comic (das ist dann nicht so spannend), manchmal eine oder mehrere Einzelgeschichten und manchmal sogar eine speziell für diesen Tag geschriebene und gezeichnete Geschichte veröffentlichen.

So präsentiert Schreiber & Leser mit „Bouncer“ und „Ghost Money“ jeweils das erste Album. „Bouncer“ ist ein düsterer Western von Alejandro Jodorowsky, der deutlich konventioneller als seine psychedelischen Kino-Meisterwerke („El Topo“, „Montana Sacra – Der heilige Berg“) ist. Es geht um Rache und die Suche nach einem riesigen Diamanten

Ghost Money: Die Dame aus Dubai (Band 1)“ von Thierry Smolderen und Dominique Bertail ist in Frankreich bereits 2008 erschienen. Das ergibt jetzt eine interessante Meta-Ebene, weil die Geschichte 2024, also demnächst, spielt und sie sich ausdrücklich auf 9/11 bezieht. US-Geheimdienste suchen immer noch nach dem Geld von Al-Kaida und die schöne, vermögende, geheimnisvolle Chamza scheint der Schlüssel dazu zu sein. Da will man unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Andere Hefte sind vom Carlsen Verlag, Cross Cult, Egmont, Panini Comics, Reprodukt, Splitter Verlag, Kazé Manga, dani books, Kult Comics, Dantes Verlag, Plem Plem Productions, Weissblech Comics, TheNextArt und Tokyopop. Einige Verlage sind seit dem ersten deutschen Gratis-Comic-Tag dabei, andere sind später dazugestoßen.

Sieben Comichefte sind speziell für Kinder. Die restlichen 27 Hefte richten sich an ein älteres Publikum. Es gibt Geschichten mit teils seit Jahrzehnten bekannten Figuren. Zum Beispiel eine neue „Werner“-Geschichte. „Donald Duck“ (bei den Kindern), „Lucky Luke“ (das komplette „Hommage 2 – Jolly Jumper antwortet nicht“-Album), „Spider-Man“, „Conan“ und „Captain Berlin“ (Yeah, Lokalpatriotismus) sind ebenfalls alte Bekannte.

Zu den neueren Namen gehören Olivia Viewegs in Deutschland spielende, inzwischen verfilmte Zombie-Apokalypse „Endzeit“, Warren Ellis‘ pulpige Abenteuergeschichte „Simon Spector: Apparat“, Régis Hautières „Der Krieg der Knirpse 1: Das Haus der Findelkinder“ (ebenfalls der gesamte erste Band) und Greg Ruckas in der Zukunft spielende Thrillerserie „Lazarus“ (dito).

Außerdem ist der asiatische Raum mit mehreren Comics und Mangas, die unbekümmert die verschiedensten Genres vermischen, vertreten. Es gibt die Cyberpunk-Geschichte „Ex-Arm“ von HiRock und Shinya Komi, Tsuyoshi Takakis in Frankreich beliebten Fantasy-Horror „Black Torch“, den Westernspaß „Renjoh Desperado“ von Ahndongshik und Jimmy Liaos Bilderbuch für Erwachsene „Reiche der Fantasie“.

Neben den Gratis-Comic-Heften haben einige Comicläden noch ein Programm organisiert. Details dazu gibt es hier.

Außerdem geibt es in Berlin am Samstag und Sonntag im Museum für Kommunikation die ComicInvasionBerlin.


TV-Tipp für den 6. Mai: Verräter wie wir

Mai 6, 2019

ZDF; 22.15

Verräter wie wir (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Regie: Susanna White

Drehbuch: Hossein Amini

LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)

Während eines Urlaubs in Marrakesch lernen der rundum harmlose Oxford-Dozent für Poesie Perry und seine Frau Gail den feierwütigen Dima, der immer von einem Hofstaat begleitet wird, kennen. Dima bittet Perry um einen Gefallen. Er soll dem MI6 einen USB-Stick mit Daten überbringen. Denn Dima, der ein Geldwäscher für die Russenmafia ist, fürchtet um sein Leben und Perry und Gail sollen ihm den Weg in die Sicherheit ebnen.

Der ruhige Thriller ist eine weitere gelungene John-le-Carré-Verfilmung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)

Wiederholung: Mittwoch, 8. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

le Carre - Verräter wie wir - Movie-Tie-In 4

John le Carré: Verräter wie wir

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2016 (für die Filmausgabe)

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2010

Originalausgabe

Our Kind of Traitor

Viking, London, 2010

Hinweise

Moviepilot über „Verräter wie wir“

Metacritic über „Verräter wie wir“

Rotten Tomatoes über „Verräter wie wir“

Wikipedia über „Verräter wie wir“ (deutsch ,englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


DVD-Kritik (+ Lesehinweise): „No second Chance“ für Harlan Coben?

Mai 3, 2019

Als Dr. Alice Lambert im Krankenhaus auf der Intensivstation erwacht, ist ihr Leben zerstört. Sie wurde von einem Unbekannten in ihrem Vorstadthaus angeschossen. Ihr Mann ist tot und ihre kleine Tochter Tara verschwunden. Kurz darauf erhält sie eine Lösegeldforderung mit den üblichen Bedingungen. Ihre Schwiegereltern, die ein nobles Landhotel betreiben, können das Lösegeld beschaffen. Aber die Übergabe – bei der dann doch die Polizei dabei ist – geht schief.

Zwei Jahre später erhält Lambert eine Nachricht von den Entführern. Ihre Tochter lebt noch.

Spätestens in diesem Moment weiß der geübte Thrillerfan, dass es sich um keine normale Entführung handelt.

Die französische sechsteilige Miniserie „No second Chance“, die in Frankreich ein Hit war, basiert auf Harlan Cobens Bestseller „Keine zweite Chance“ (No second chance, 2003).

Der Roman war, nach mehreren hochgelobten und ausgezeichneten Myron-Bolitar-Privatdetekivromanen, ein weiterer Einzelroman. Mit ihnen gelang Cobens der Durchbruch beim breiten Publikum. Diese Thriller sind im Kern alle ähnlich aufgebaut. Immer geht es um Verbrechen und Geheimnisse in der Vorstadt. Immer stehen ganz normale (naja, mehr oder weniger normale) Menschen im Mittelpunkt der Geschichte. Und immer erfährt der Protagonist dass er sich einige tiefgreifende Illusionen über sein Leben gemacht hat.

Selbstverständlich interessierte Hollywood sich schnell für diese Bestseller. Jeder von Cobens Romanen hat das Potential für einen spannenden Thriller. Aber bis jetzt gibt es keine Hollywood-Verfilmung eines Coben-Romans. Dafür gibt es mehrere französische Verfilmungen, in denen die Geschichten von den USA nach Frankreich verlegt werden und erstaunlich gut funktionieren. Bei „No second Chance“ wurde auch, mit Cobens Einverständnis, das Geschlecht der Hauptperson geändert. Aus Marc Seidman wurde Alice Lambert. Es gibt noch einige weitere Änderungen, die so gelungen sind, dass sie jederzeit wirken, als stünden sie genau so im Roman.

Die Macher der Miniserie jonglieren über sechs Stunden gelungen zwischen verschiedenen Handlungssträngen. Vor allem aus dem Wechsel zwischen Lamberts Versuchen, ihre Tochter wiederzubekommen, während sie sich fragt, wem sie überhaupt vertrauen kann, und den Ermittlungen der Polizei, entsteht eine beträchtliche Spannung. Die Ermittler versuchen einerseits, die Entführer zu finden, verdächtigen dabei auch Lambert (Warum wurde sie in den Rücken geschossen, wenn die Einbrecher doch die Haustür gewaltsam aufbrachen?) und sie haben Ärger mit anderen Abteilungen und Anweisungen, die ihre Ermittlungen immer wieder behindern. Vor allem die Rolle von Richard Millot ist unklar. Er ist Lamberts Jugendfreund. Jetzt, nachdem er jahrelang keinen Kontakt zu ihr hatte, hilft er ihr anscheinend selbstlos und er ist ein Agent mit unklarer Zuständigkeit und Auftrag.

Alle Figuren sind knapp und präzise gezeichnet. Die Story bewegt sich mit zahlreichen überraschenden Wendungen und Cliffhangern ständig vorwärts.

Die Schauspieler, Ausstattung und Locations überzeugen. Damit ist alles vorhanden für sechs spannende Stunden oder eine schlaflose Nacht. Aber daran sind Coben-Fans von seinen Romanen gewohnt.

Die Miniserie „No second Chance“ ist auch deutlich gelungener als „Just one Look“, die zweite TV-Miniserie, die ebenfalls auf einem Roman von Harlan Coben basiert und ebenfalls von Sydney Gallonde für das Fernsehen bearbeitet wurde.

Für Coben-Fans und Thrillerfans ist „No second Chance“ daher eine klare Empfehlung. Außerdem hat Harlan Coben in der letzten Folge einen längeren Auftritt.

No second Chance (Une chance de trop, Frankreich 2015)

Regie: François Velle

Drehbuch: Delinda Jacobs, Patrick Renault, Emilie Clamart-Marsollat, Frédéric Chansel, Olivier Kohn, Kristel Mudry, Mehdi Ouahab, Sébastien Vitoux

Erfinder: Sydney Gallonde

LV: Harlan Coben: No second Chance, 2003 (Keine zweite Chance)

mit Alexandra Lamy, Pascal Elbé, Lionel Abelanski, Hippolyte Girardot, Charlotte Des Georges, Lionnel Astier, Samira Lachhab, Francis Renaud, Arielle Sémenoff, Geoffroy Thiébaut, Yoli Fuller, Jean-François Vlerick, Dana Delany, Harlan Coben

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 336 Minuten (6 Folgen auf 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Harlan Coben: Keine zweite Chance

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2005

448 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

No Second Chance

Dutton, 2003

Neu von Harlan Coben

Bei einem Überfall wird Maya Burketts Mann Joe ermordet. Kurz nach seiner Beerdigung sieht sie ihn auf neuen Aufnahmen ihrer Nanny-Cam mit ihrer Tochter spielen. Maya, eine Ex-Soldatin mit Kampferfahrung, fragt sich, ob sie ihren Augen trauen kann. Sie will herausfinden, was hinter den Bildern steckt. Sie muss sich dafür auch mit Joes vermögender Familie anlegen.

In ewiger Schuld“ ist ein weiterer Einzelroman von Harlan Coben und, nun, eine Lösung können wir schon jetzt ausschließen.

Harlan Coben: In ewiger Schuld

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2019

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Fool me once

Dutton, 2016

Hinweise

AlloCiné über „No second Chance“

Wikipedia über „No second Chance“

Homepage von Harlan Coben

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Meine Besprechung von Ludovic Colbeau-Justin Harlan-Coben-Verfilmung „Just one Look“ (Juste un regard, Frankreich 2017)

Harlan Coben in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: die Ferdinand-von-Schirach-Verfilmung „Der Fall Collini“

April 18, 2019

Ein Gerichtsthriller aus Deutschland. Wann gab es das zuletzt im Kino?

Halbwegs spontan fallen mir Hark Bohms „Der Fall Bachmeier – Keine Zeit für Tränen“ (1984 – fast zeitgleich drehte Burkhard Driest mit „Annas Mutter“ die deutlich sensationslüsterne Version des wahren Falls der Mutter, die den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschoss), Roland Suso Richters „Nichts als die Wahrheit“ (1999 – mit Götz George als Dr. Josef Mengele) und, auch wenn hier die Gerichtsverhandlung eine Travestie ist, Fatih Akins „Aus dem Nichts“ (2017) ein. Reinhard Hauffs „Stammheim“ (1986), der den Prozess gegen die Baader-Meinhof-Gruppe nachinszenierte, würde ich nicht als Gerichtsthriller bezeichnen. Eher als Theaterstück oder Reenactment.

Und dann gibt es noch Hans W. Geissendörfers Friedrich-Dürrenmatt-Verfilmung „Justiz“ (1993).

An diese Geschichte erinnerte Ferdinand von Schirachs „Der Fall Collini“ mich spontan. Dürrenmatt erzählt die Geschichte von Regierungsrat Isaak Kohler, der in Zürich in einem vollen Nobelrestaurant Professor Winter erschießt. Er wird verhaftet und verurteilt. Danach beauftragt er den jungen Anwalt Felix Spät, den Fall neu aufzurollen unter der Prämisse, dass er unschuldig ist.

In dem Roman und der Verfilmung geht es um Moral, Justiz und Gerechtigkeit.

Der Fall Collini“ beginnt ähnlich. 2001 ermordet Fabrizio Collini (Franco Nero) in Berlin in einem Nobelhotel Hans Meyer (Manfred Zapatka). An der Täterschaft des siebzigjährigen, bislang gesetzestreuen Gastarbeiters besteht kein Zweifel. Der junge Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) übernimmt den Fall als Pflichtverteidiger (und spätestens seit dem NSU-Prozess wissen wir, dass Pflichtverteidiger nicht so einfach ihr Mandat niederlegen können). Weil Collini beharrlich schweigt, beginnt Leinen in Collinis und Meyers Vergangenheit nach dem Grund für die Tat zu suchen.

Emotional komplizierter wird der Fall für Leinen, als er erfährt, wer der Ermordete ist. Hans Meyer förderte ihn in seiner Kindheit und Jugend. Für ihn ist der Großindustrielle ein liebevoller Vaterersatz; – behauptet zumindest der Film.

Und das ist ein Problem von Marco Kreuzpaintners „Der Fall Collini“. Er wirkt durchgehend konstruiert und damit wirken die Konflikte unglaubwürdig. Wir sehen in Rückblenden die Beziehung zwischen Leinen und Meyer. Wir wissen, dass er ihn förderte. Aber wir wissen nicht, welche emotionale Verbindung sie hatten und was Leinen von Meyer lernte. Dass Meyer seine Ausbildung finanzierte, verpflichtet ihn zunächst einmal zu nichts und „Dankbarkeit“ ist in einer Filmgeschichte eine eher schlechte Motivation. Vor allem wenn die Person, der er dankbar sein könnte, tot ist. Bestimmte Prinzipien, eine bestimmte Einstellung zum Leben oder eine emotionale Abhängigkeit schon.

Ein anderes Problem der Geschichte ist die Aufdeckung des Motivs. Sie erfolgt im Buch und Film als Höhepunkt. Damit steht sie am Ende des Films und das erschwert eine durchaus beabsichtigte Diskussion darüber ungemein. Auch wenn das Mordmotiv und der damit verbundene Skandal nicht wirklich überraschend sind. Jedenfalls wenn man etwas bewandert in der bundesdeutschen Geschichte ist und man sich fragt, warum die Geschichte 2001 spielt. Schon von Schirach ließ sie in der Vergangenheit spielen (sein Roman erschien 2011) und Kreuzpaintner änderte daran nichts.

In dem Moment, in dem Collinis Motiv enthüllt wird, wird gleichzeitig Collinis Selbstjustiz die Absolution erteilt. Es geht um ein Gefühl von Rache, aber nicht um das Funktionieren des Rechtssystems und wie Rechtsnormen angewandt und auch neu interpretiert werden.

Dabei ist in einem Punkt der Lösung das sogenannte Dreher-Gesetz wichtig. Eduard Dreher, damals Leiter der Strafrechtsabteilung im Bundesjustizministerium, schmuggelte 1968 in das „Einführungsgesetz zum Ordnungswidrigkeitengesetz“ (EGOWiG) einen Passus, der dazu führte, dass viele Nazi-Verbrecher plötzlich juristisch nicht mehr für ihre Taten bestraft werden konnten, weil ihre Taten verjährt waren. Die Richter und Staatsanwälte hätten dem Gesetz nicht folgen müssen. Sie hätten bestimmte Mörder immer noch als Mörder anklagen können. Sie taten es nicht. Schließlich waren sie Alt-Nazis, die sich über dieses Geschenk freuten. Später wurden von jüngeren Anwälten SS-Mitglieder und KZ-Aufseher für ihre Taten angeklagt. Und selbstverständlich ist die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur nicht nur eine juristische, sondern eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.

In „Der Fall Collini“ geht es am Ende nicht um klar angesprochene Defizite innerhalb des Rechtssystems und wie sie behoben werden können. Es geht auch nicht darum, wie bestimmte ältere Normen und Rechtsanwendungen neu interpretiert werden können oder verändert werden müssen. All das wären interessante Fragen, die der Strafverteidiger von Schirach hätte ansprechen können. Er stellt sich allerdings einseitig und bedingungslos auf Collinis Seite und erteilt ihm auf den letzten Seiten die Absolution. Diese Rechtfertigung von Selbstjustiz hinterlässt dann doch einen schalen Nachgeschmack.

Vor allem wenn die Selbstjustiz erst Jahrzehnte nach der Tat erfolgt, der Täter vorher nur einmal etwas tat, um Meyer für seine Tat zur Rechenschaft zu ziehen und er seine Tat kaltblütig plante und brutal durchführte.

Der Film folgt dem Roman, abgesehen von einigen eher kleineren, für eine Verfilmung notwendigen Abweichungen, sehr genau. Durch die Veränderungen, die neuen Figuren und mit ihnen zusammenhängenden Plots gibt es auch einige Akzentverschiebungen. So wird im Film Leinens emotionale Bindung an Meyer stärker betont. So schenkt er dem Arbeiterkind ein Auto und finanziert seine Ausbildung. Im Buch erscheinen Leinens Eltern vermögender zu sein, was dazu führt, dass Leinen und Meyer der gleichen gesellschaftlichen Schicht angehören. Weil von Schirach in seinem dünnen Roman, eigentlich eher eine Novelle oder eine Romanskizze, über Leinens Familie nichts schreibt, bleibt dieser Punkt im Dunkeln.

Leinens sexuelle Beziehung zu seiner Jugendliebe und Meyers Nichte Johanna (Alexandra Maria Lara) wird im Roman ausführlicher geschildert. Für die Handlung ist diese Bettgeschichte im Buch und im Film in jeder Beziehung egal.

Das größte Problem des Romans ist, dass von Schirach nie zuspitzt. „Der Fall Collini“ liest sich daher nicht wie ein Gerichtsthriller, sondern wie ein Protokoll. Wahlweise eines emotional desinteressierten Journalisten oder eines Gerichtsschreibers.

Der Film spitzt dagegen stärker zu und liefert auch einige Thrillerelemente, die im Film fehlen. Zum Beispiel wenn Leinen nachts durch das riesige Haus der Meyers schleicht und er eine Pistole sucht oder wenn er, mit einer Übersetzerin (die im Roman nicht vorkommt), nach Italien fährt und dort endgültig erfährt, warum Collini Meyer ermordete. Selbstverständlich gibt es auch einige juristische Winkelzüge und Konfrontationen zwischen der Vorsitzenden Richterin (Catrin Striebeck), Oberstaatsanwalt Reimers (Rainer Bock) und Nebenklage-Anwalt Richard Mattinger (Heiner Lauterbach mit furchtbarer Haartolle und böser als im Roman) im Gerichtssaal.

Und der Film hat Elyas M’Barek, der den Strafverteidiger Leinen glaubhaft verkörpert und aus der sparsam skizzierten Rolle des unerfahrenen Junganwalts viel herausholt.

Am Ende ist „Der Fall Collini“, trotz der guten Schauspieler, der eindeutig die große Leinwand anvisierenden Bilder von Kameramann Jakub Bejnarowicz („Gnade“, „Der Mann aus dem Eis“, „Abgeschnitten“) und Kreuzpaintners gediegener Inszenierung nur eine brave Verfilmung eines nicht besonders guten Romans. Dank einiger neuer Figuren, kleinerer Änderungen und kluger filmischer Zuspitzungen ist Kreuzpaintners Geschichtsstunde sogar besser als die Vorlage.

Der Fall Collini (Deutschland 2019)

Regie: Marco Kreuzpaintner

Drehbuch: Christian Zübert, Robert Gold, Jens-Frederik Ott

LV: Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini, 2011

mit Elyas M’Barek, Franco Nero, Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach, Manfred Zapatka, Jannis Niewöhner, Rainer Bock, Catrin Striebeck, Pia Stutzenstein, Peter Prager, Hannes Wegener

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini

btb, 2019 (Filmausgabe)

208 Seiten

10 Euro

Erstausgabe

Piper Verlag, 2011

Hinweise

Filmportal über „Der Fall Collini“

Moviepilot über „Der Fall Collini“

Wikipedia über „Der Fall Collini“

Homepage von Ferdinand von Schirach

btb über Ferdinand von Schirach

Perlentaucher über „Der Fall Collini“


„Kick-Ass: Frauenpower“, „Hit-Girl in Kolumbien“, „Hit-Girl in Kanda“ – das ist verdammt viel Frauenpower aus dem Haus von Mark Millar

April 17, 2019

Ein bisschen sind die neuen Geschichten von Hit-Girl und Kick-Ass wie eine Rückkehr zu alten Erfolgen, aber Mark Millar wäre nicht Mark Millar, wenn er einfach nur die alten Erfolge wiederholen würde. So schickt er Hit-Girl auf Weltreise und lässt ihre Abenteuer von anderen Autoren erzählen. Und Kick-Ass ist jetzt nicht mehr der Hänfling Dave Lizewski, der von einer Karriere als Superheld träumt, sondern ein Label, unter dem aktuell eine Frau gegen Verbrecher kämpft.

Doch beginnen wir, für alle, die die vorherigen Comics von Autor Mark Millar und Zeichner John Romita, Jr. nicht mehr präsent haben, mit einem kurzen Rückblick: In „Kick-Ass“ wollte Dave Lizewski ein Superheld sein. Seine ersten Versuche waren desaströs. Anstatt Verbrecher zu verprügeln, verprügelten sie ihn. Er trifft Hit-Girl, die zwölfjährige Mindy McCready, die gefährlicher als alle aus Comic und Film bekannten Kampfamazonen ist und die Verbrecher schneller massakriert, als andere Mädchen Aknepickel ausdrücken.

Das Duo Infernale erlebt mehrere Abenteuer (über die ich hier und hier schrieb) und sie werden älter. Mindy muss einmal sogar die Schule besuchen und sich wie eine brave Schülerin benehmen. Das war nichts für sie.

Nach den erfolgreichen Comics entstanden zwei ziemlich brutale und absurd witzige Actionfilme. Einer von Matthew Vaughn, einer von Jeff Wadlow. Einen dritten wird es nicht geben, weil Hit-Girl-Schauspielerin Chloë Grace Moretz inzwischen einfach zu alt ist, um ein zwölfjähriges Mädchen zu spielen.

Dieses Problem haben Comics nichts. Und so schickt Mark Millar seine kultige Kämpferin auf Weltreise. Die Auftaktgeschichte „Hit-Girl in Kolumbien“ schrieb er selbst. Jeff Lemire schrieb mit „Hit-Girl in Kanada“ die zweite Geschichte. Die dritte Geschichte „Hit-Girl in Rom“, angekündigt für Ende April, ist von Rafael Albuquerque. Und in den USA erscheint gerade eine von Kevin Smith geschriebene „Hit-Girl“-Geschichte.

In „Hit-Girl in Kolumbien“, geschrieben von Mark Millar, gezeichnet von Ricardo Lopez Ortiz, macht Mindy McCready sich auf den Weg nach Kolumbien. Dort hofft sie einen neuen Kampfgefährten zu finden. Ihr Auge fällt auf Fabio ‚Mano‘ Mendoza, einen gefürchteten Auftragskiller des Kartells. Sie befreit ihn aus dem Gefängnis und erpresst ihn, einige der Männer umzubringen, die Manu eh umbringen will. Gemeinsam würden sie die kolumbianischen Drogenkartelle besiegen. Und Mindy hätte, so sagt sie zu Mano, endlich wieder einen Partner beim Kampf gegen das Verbrechen.

Wegen dieser überkomplizierten und auch durch Mindys Erklärung nicht glaubwürdiger werdenden Prämisse agiert Mindy während fast der gesamten Geschichte wie ein vor Liebe gehirnamputierter Teenager. Das ist nicht das Hit-Girl, das wir kennen und lieben.

Nach diesem nicht so gelungenem Auftakt liefern Autor Jeff Lemire und Zeichner Eduardo Risso mit „Hit-Girl in Kanada“ dann das, was man von einer Hit-Girl-Geschichte erwartet. Mindy ist in Kanada um den Drogenboss Billy Baker umzubringen. Er hat in New York miesen Stoff verkauft und, als er erfuhr, dass Hit-Girl ihn töten will, hat er sich in einer Jagdhütte bei Kashechewan, mitten im schneebedeckten Nirgendwo, versteckt.

Die schon auf den ersten Seiten sehr blutige, mit schwarzem Humor gesättigte Schlachtplatte hat alles, was man von einer Hit-Girl-Geschichte erwartet.

In „Kick-Ass: Frauenpower“ führen Mark Millar und sein Stammzeichner John Romita Jr., die auch die gemeinsamen Schöpfer von Kick-Ass sind, nicht die Geschichte von Dave Lizewski fort. Er war, so müssen wir nun sagen, der erste Kick-Ass. Er ging als anfangs glückloser Kämpfer für die Gerechtigkeit viral, wurde älter, hatte keine Lust mehr, verprügelt zu werden und hängte sein billiges Superheldenkostüm in den Schrank.

In „Kick-Ass: Frauenpower“ zieht deshalb die ehemalige US-Soldatin Patience die Kick-Ass-Maske über. In Afghanistan kämpfte sie gegen die Taliban. Zurück in ihrer Heimat Albuquerque, New Mexico, muss Patience sich mit den alltäglichen Problemen einer alleinerziehenden Mutter herumschlagen. Ihr Mann, den sie all die Jahre durchfütterte, ist mit einer anderen Frau durchgebrannt. Er geht nicht ans Telefon und selbstverständlich denkt er nicht daran, Alimente für ihre Kinder zu zahlen. Patience findet nur einen schlecht bezahlten Job als Kellnerin, während die Rechnungen sich stapeln und ihre Pläne für die Zukunft sich in Luft auflösen.

Als sie erfährt, dass sie außerdem für die Schulden ihres Mannes aufkommen muss, beschließt sie, das örtliche Drogenkartell zu bestehlen. Verkleidet als Superheld.

Das ist auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick eine „Punisher“-Geschichte mit einer Frau als nahkampferprobte Kämpferin und Killerin.

Frauenpower“ ist die sehr gelungene, allerdings auch deutlich konventionellere Fortführung des „Kick-Ass“-Mythos mit einem neuen Charakter. Immerhin ist sie kampferprobter als Dave Lizewski und ihre Motive sind nicht so edel wie die des selbstlosen Schülers. Auch wenn Patience, wie Robin Hood, die Hälfte der Beute verschenken will.

Ein zweites Abenteuer mit Kick-Ass Patience ist für Ende Juni angekündigt. Erzählt von Von Steve Niles (30 Days of Night) und Marcelo Frusin (Helllblazer).

Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz: Hit-Girl in Kolumbien

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2018

116 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Hit-Girl (2018) # 1 – 4

Image Comics, Februar – Mai 2018

Jeff Lemire/Eduardo Risso: Hit-Girl in Kanada

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini,2019

100 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Hit-Girl (2018) # 5 – 8

Image Comics, Juni – September 2018

Mark Millar/John Romita Jr.: Kick-Ass: Frauenpower

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2018

164 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass (2018) # 1 – 6

Image Comics, Februar – Juli 2018

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Jeff Lemires „The Nobody“ (The Nobody, 2009)


TV-Tipp für den 17. April: Beuys

April 16, 2019

ARD, 22.45

Beuys (Deutschland 2017)

Regie: Andres Veiel

Drehbuch: Andres Veiel

Sehr gelungener Dokumentarfilm über Joseph Beuys.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joseph Beuys (Archivmaterial), Caroline Tisdall, Rhea Thönges-Stringaris, Franz Joseph van der Grinten, Johannes Stüttgen, Klaus Staeck

Wiederholung: Donnerstag, 18. April, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Buchhinweis

Brandneu und, so mein erster Eindruck, sehr, sehr lesenswert. Claudia Lenssen hat sich für ihr Buch über Andres Veiel ausführlich mit dem Künstler unterhalten (über fünfzig Seiten) und stellt auf den verbleibenden Seiten seine Filme, Theaterstücke und Inszenierungen von Veiel ausführlich vor. Eine überschaubar Zahl an Bildern ergänzt den Text.

Wenn mir jetzt noch jemand verrät, wo ich mir seine Theaterstücke ansehen kann, bin ich rundum glücklich.

Claudia Lenssen: Andres Veiel – Streitbare Zeitbilder

Schüren Verlag, 2019

320 Seiten

28 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Beuys“

Wikipedia über „Beuys“ (deutsch, englisch) und Joseph Beuys (deutsch, englisch)

Berlinale über „Beuys“

Meine Besprechung von Andres Veiels „Beuys“ (Deutschland 2017)

 


Neu im Kino/Filmkritik – und ein höllischer Buchtipp: „Hellboy – Call of Darkness“ – bekannter Charakter, neuer Schauspieler, viel rustikaler Spaß

April 11, 2019

Beginnen wir mit der großen Frage: wie schlägt sich der neue Hellboy-Darsteller? Ron Perlman, der Hellboy in zwei kultisch verehrten Filmen wahrlich verkörperte, ist für viele Hellboy. Für sie kann es keinen anderen geben. So wie die ganz alten James-Bond-Fans immer noch Sean Connery für den einzig wahren 007 halten. Die ersten Bilder und Trailer scheinen ihnen recht zu geben.

Im Film verschwinden die Bedenken gegen „Stranger Things“-Star David Harbour schnell. Das liegt auch daran, dass die Macher sich keine zwei Sekunden damit aufhalten, den Schauspielerwechsel zu erklären oder zu erzählen, wie Hellboy Hellboy wurde.

Hellboy – Call of Darkness“ beginnt mitten in der Geschichte. In Tijuana soll Hellboy einen vermissten Kollegen finden und zurückholen. Er findet ihn bei einem Wrestling-Kampf und, weil der Kollege nicht freiwilig mitkommen will, muss Hellboy sich mit ihm im Ring kloppen. Die die engen Grenzen des Rings überschreitende, alle Regeln brechende Schlägerei geht viral – und ab da, eigentlich schon ab dem ersten Moment, als Harbour als Hellboy durch eine dunkle Gasse stampft, hatte ich keine Probleme mehr mit dem neuen Hellboy.

Neil Marshall („The Descent“, „Doomsday“) inszenierte seinen „Hellboy“-Film „Call of Darkness“ mit punkiger No-Nonsense-Attitüde mehr down to earth als Guillermo del Toro seine beiden „Hellboy“-Filme. Alles ist düsterer, der Humor robuster und die Schlägereien sind ebenfalls ziemlich robust. „Hellboy – Call of Darkness“ ist wie der Besuch in einem Pub mit viel Bier, Hausmannskost, derben Sprüchen, Abschweifungen und, Gott bewahre, einer Kneipenschlägerei.

Das vermittelt genau den rotzfrechen Spaß, den „Hellboy“-Erfinder Mike Mignola seit 1993 in seinen Comics vermittelt. Und jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu erklären, wer Hellboy ist. Hellboy ist ein im zweiten Weltkrieg von den Nazis mit der Hilfe von Rasputin aus der Hölle zurückgeholtes Wesen. Als er in unsere Welt zurückkehrte, war er ein Baby mit Hörnern. Professor Trevor ‚Broom‘ Bruttenholm (Ian McShane) rettet das kleine Wesen aus der Hölle, während er und seine Kampfgefährten die Nazis und alle anderen höllischen Wesen töten. Anschließend erzieht Broom das Kind aus der Hölle. Hellboy wird, als muskelbepacktes Mannsbild mit Höllenschwanz, aber ohne Hörner (die hat er sich abgeschnitten und rasiert sie fast täglich nach), zu einem Kämpfer gegen andere Wesen aus der Hölle, Dämonen, Hexen und was es sonst noch so gibt an Monstern und unmenschlichen Bösewichtern. Dabei helfen ihm seine Freunde aus der B. U. A. P. (Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, bzw. im Original B. P. R. D. – Bureau for Paranormal Research and Defense). Seine Kampfgefährten verfügen ebenfalls über besondere Fähigkeiten. Ihre Einsätze sollen unter dem Radar der Öffentlichkeit ablaufen. Hellboy gelingt das nicht immer.

In seinem neuen Kinoabenteuer (das lose auf dem neunten „Hellboy“-Sammelband „The Wild Hunt“ [Ruf der Finsternis] basiert) treten einige der aus den vorherigen beiden „Hellboy“-Filmen und den Comics bekannten Nebencharaktere nur kurz auf. Ihre Auftritte sind Cameos, während Hellboy fast im Alleingang gegen die Bluthexe Nimue (Milla Jovovich) kämpfen muss.

Nimue wurde, wie wir im Prolog des Films erfahren, 517 von König Artus getötet. Sie wurde zerstückelt und ihre Leiche in kleinen, versiegelten Truhen über das gesamte Königreich verteilt. Sie sollte auf Ewigkeiten zerstückelt bleiben. Denn wenn jemand ihre Einzelteile wieder zusammenfügt, kann die Hexe ihr Zerstörungswerk fortsetzen.

Noch bevor Nimue ihr Werk fortsetzen kann, wird Hellboy von Professor Broom nach England geschickt. Er soll dem Osiris-Club bei der Jagd nach Riesen helfen. Der Osiris-Club ist, salopp gesagt, das britische Pendant zur B. U. A. P..

Die Einladung zur Jagd ist eine Falle. Hellboy gelingt es, seine Häscher und die im Wald hausenden Riesen zu töten.

In London trifft er auf Alice Monaghan (Sasha Lane [„American Honey“]) und Ben Daimio (Daniel Dae Kim [„Hawaii Five-0“]), die ihm bei der Jagd nach Nimue und ihrem Gehilfen Gruagach helfen. Die übernatürlich begabte Alice lernte er vor Jahren kennen. Als Baby wurde sie von bösen Feen entführt und er sie rettete. Ben, der sich in einen Werjaguar (nicht Werwolf, aber so ähnlich) verwandeln kann, lernt er jetzt kennen.

Zu dritt ziehen sie in den Kampf gegen Nimue, die jetzt ihr vor Jahrhunderten begonnenes Werk beenden will. Und Hellboy erfährt dabei einige Dinge über seine Herkunft und Bestimmung, die ihm nicht gefallen.

So viel zu der nicht sonderlich wichtigen Story von „Call of Darkness“. Denn letztendlich ist der düstere Film eine herrliche mit One-Linern und Abschweifungen gesättigte Klopperei, in der es oft handfest und drastisch zur Sache geht – und David Harbour ist der Hellboy für eine neue Generation. Wie Roger Moore, Pierce Brosnan und Daniel Craig die neuen James Bonds für neue Generationen waren. Die kurzen Gastspiele von George Lazenby und Timothy Dalton (wobei der sich tapfer schlug) lassen wir mal weg.

P. S.: Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, David Harbour. Der war am 10. April.

Hellboy – Call of Darkness (Hellboy, USA 2019)

Regie: Neil Marshall

Drehbuch: Andrew Crosby

LV: „Hellboy“-Comics von Mike Mignola

mit David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Daniel Dae Kim, Sasha Lane, Thomas Haden Church, Brian Gleeson

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Mehr Hellboy? Die brandneue literarische Ergänzung zum Film

Pünktlich zum Filmstart erscheint der dritte von Christopher Golden herausgegebene Sammelband mit Hellboy-Kurzgeschichten. Wieder sparsam illustriert von Hellboy-Erfinder Mike Mignola. Die brandneuen Geschichten (jedenfalls als „Oddest Jobs“ 2008 in den USA erschien) wurden von namhaften Autoren geschrieben:

Joe R. Lansdale: Mit Schatten und Drachen und langen schwarzen Zügen das Tanzbein schwingen

Mark Chadbourn: Pur, ohne alles

John Skipp & Cody Goodfellow: Zweite Flitterwochen

Ken Bruen: Danny Boy

Garth Nix: Merkwürdiger Angelausflug in den westlichen Highlands

Brian Keene: Salamander Blues

Tad Williams: Die Donnerstagsmänner

Amber Benson: Leckerbissen

Barbara Hambly: Rückeroberung

Gary A. Braunbeck: In Geschirrschränken und auf Bücherborden

Rhys Hughes: Die Flüsse des Skiron

Stephen Volk: Monster Boy

Don Winslow: Evolution im Hellhole Canyon

China Miéville: Ein eigenes Zimmer

Muss ich noch mehr sagen?

Christopher Golden (Hrsg.): Hellboy: Leckerbissen

(illustriert von Mike Mignola) (übersetzt von Verena Hacker und Aimée de Bruyn Ouboter)

Golkonda, 2019

ca. 360 Seiten

16,90 Euro (gedruckte Ausgabe)

9,99 Euro (E-Book)

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hellboy – Call of Darkness“

Metacritic über „Hellboy – Call of Darkness“

Rotten Tomatoes über „Hellboy – Call of Darkness“

Wikipedia über „Hellboy – Call of Darkness“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mike Mignola

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)


Aus dem Archiv: Meine Besprechung von John le Carrés „Marionetten“ (A most wanted man)

April 10, 2019

Wie die Zeit vergeht. Nachdem die Berliner Literaturkritik (eigentlich müsste man sie irgendwie wiederbeleben) in den letzten Jahren inaktiv war, soll sie im Mai 2020 offline gehen.

Zeit also, mal in meinen alten Texten zu stöbern und einige der alten Besprechungen in der Kriminalakte abzulegen. Bevorzugt von Büchern, die immer noch gut erhältlich sind oder die wichtig sind oder aus irgendeinem anderen nichtigen Grund.

Zur heutigen TV-Premiere von „A most wanted man“ gibt es daher meine Besprechung von John le Carrés Roman:

Der dreiundzwanzigjährige muslimische Tschetschene Issa Karpow reist als Flüchtling über Stockholm in die Europäische Union ein. Sein Ziel ist Hamburg. Dort findet er bei einer gastfreundlichen türkischen Familie Unterschlupf. Issa möchte Arzt werden. Dafür nimmt er über die Fluchthafen-Anwältin Annabel Richter Kontakt mit dem schottischen Privatbankier Tommy Brue auf. Er soll ihm helfen. Denn Issa ist der Sohn eines verstorbenen russischen Mafiosi und er hat den Schlüssel zu einem Geldwäsche-Konto. Aber er will nicht das Geld, sondern Schutz.

Während Brue und Richter versuchen, Issa zur Annahme des Vermögens zu bewegen, werden sie vom deutschen Geheimdienst, unter der Leitung von Günther Bachmann, und einigen anderen, nicht immer unbedingt deutschen Organisationen, beobachtet. Denn für die Geheimdienste ist der mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte Issa Karpow kein harmloser Flüchtling, sondern ein bereits mehrmals aus der Haft ausgebrochener gefährlicher Terrorist.

Dass ihre Beweise eher dünn sind und dass es immer wieder Indizien gibt, die auf die Harmlosigkeit von Issa Karpow hinweisen, stört die Geheimdienstler nicht. Denn der „Most wanted man“, so der Originaltitel, ist, wie alle Charaktere in dem Roman am Ende nur eine „Marionette“, der seine Rolle als Bauer in einem größeren Plan des deutschen Geheimdienstes, in Absprache mit befreundeten Geheimdiensten, spielen soll.

In „Marionetten“ schreibt John le Carré über die Geheimdienste nach dem 11. September und ist dabei wieder in der Welt, in der er sich am Besten auskennt. Während die Geheimdienste sich nach dem Ende des Kalten Krieges neu orientieren mussten, schrieb John le Carré mehrere Rückblicke auf den Kalten Krieg und wandte sich verschiedenen Themen, wie internationaler Waffenhandel, Medikamententests in Afrika und dem internationalen Finanzmarkt, zu. Beide wurden von dem Al-Kaida-Attentat am 11. September 2001 und dem damit verbundenen Aufstieg des islamistischen Terrorismus als internationalem Phänomen überrascht. Die westlichen Geheimdienste fanden schnell zu ihrem vertrauten Repertoire, Folter und Verschleppungen, mit einem anderen Gegner, zurück. Nur handelt der islamistische Terrorismus als Graswurzelbewegung nicht so vernünftig wie der sowjetische Geheimdienst. Es ist ein asymmetrischer Krieg.

Aber John le Carré schreibt nicht über die Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Gegner des Westens. Darüber soll der Leser selbst nachdenken. Er erzählt in „Marionetten“ nur von einer kleinen Operation des Geheimdienstes und macht so die Gegenwart in einer spannenden Geschichte begreifbarer als in seinen vorherigen Romanen.

Denn nachdem seine letzten Werke immer wieder an einer schwachen Geschichte (siehe „Absolute Freunde“ und „Geheime Melodie“), zu einfältigen Charakteren (dito, aber vor allem „Geheime Melodie“) und einem zunehmend belehrendem Tonfall (wieder „Geheime Melodie“ und „Der ewige Gärtner“) litten, macht er dieses Mal wieder alles richtig.

John le Carré breitet das Drama gemächlich bis zu dem alle vorherigen Bemühungen des deutschen Geheimdienstes ad absurdum führendem Ende aus. Dieses Ende ist überraschend, aber zuerst auch enttäuschend. Doch letztendlich ist es folgerichtig und beendet die Aktion des deutschen Geheimdienstlers Bachmann mit einer bitteren Pointe.

John le Carré: Marionetten

(aus dem Englischen von Sabine Roth und Regina Rawlinson)

Ullstein, Berlin 2008

368 Seiten

22,90 Euro (gebundene Ausgabe)

9,99 Euro (Taschenbuch)

Originalausgabe

A most wanted man

Hodder & Stoughton, London 2008

Hinweise

Wikipedia über John le Carré (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte