Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)
Als ihr Zuhälter eine junge Prostituierte brutal zusammenschlägt, beschließt Robert McCall, dem Schläger eine Lektion zu erteilen. Die Sache läuft dann aus dem Ruder.
Spannender Actionthriller, der nur sehr lose von der gleichnamigen TV-Serie inspiriert ist.
mit Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Haley Bennett, Bill Pullman, Melissa Leo, David Meunier, Johnny Skourtis, Alex Veadov
Hochkarätig besetztes CIA-Biopic, das die Geschichte des Geheimdienstes zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den sechziger Jahren anhand des Lebens von Edward Wilson von der Spionageabwehr erzählt.
„Der gute Hirte“ war für mehrere renommierte Preise nominiert, wie den Oscar für die Ausstattung, und erhielt auch einige. Hauptsächlich für die Ausstattung und, auf der Berlinale, für das Ensemble.
Auch für den Edgar war Eric Roths Drehbuch nominiert. Den Preis der International Thriller Writers (ITW) als bester Thriller erhielt „Der gute Hirte“.
Und das fand ich dann doch ziemlich rätselhaft. Denn letztendlich ist Robert de Niros Film doch nur gut ausgestattetes, gut besetztes, ziemlich zähes Ausstattungskino.
Mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, Martina Gedeck, William Hurt, Timothy Hutton, Gabriel Macht, Joe Pesci, John Turturro
Nehmen wir uns noch schnell zwei Komödien vor, die bereits am Donnerstag anliefen. In der einen fühlen die Protagonisten sich im falschen Film. In dem anderen Film fühlen wir uns im falschen Film.
Dieser ist die „Lesbian Space Princess“. Science-Fiction-Filme, in denen ein strahlender, oft überaus wohlproportionierter Held die Welt und nebenbei das Universum rettet, haben wir schon einige gesehen. Auch Filme, in denen der Held viele fremde Welten besucht, kennen wir einige. In dem Animationsfilm von Leela Varghese und Emma Hough Hobbs werden zuerst einmal die Geschlechterverhältnisse auf den Kopf gestellt. Die Lesben sind die Guten. Die Straight White Maliens die Bösen. Und das gesamte Universum ist hundertfünfzigprozentig queer. Die Lesbian Space Princess ist am Filmanfang eine introvertierte, absolut nicht abenteuerlustige junge Prinzessin. Als ihre Freundin, die Kopfgeldjägerin Kiki entführt wird, beginnt für Prinzessin Saira das Abenteuer ihres Lebens. Denn sie muss ihre Freundin und die Ordnung des Universums retten.
Der auf der Berlinale 2025 mit dem Teddy-Award und dem 2. Platz beim Panorama-Publikumspreis ausgezeichnete Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ ruht sich leider etwas zu sehr auf der konsequent umgesetzten Idee aus, die Geschlechterverhältnisse umzudrehen. Das sich dann entwickelnde Abenteuer folgt den bekannten Plotmodellen mit den bekannten Figuren; nur dass hier die Geschlechter vertauscht wurden und Frauen Frauen lieben. Das ist für einen Film für Erwachsene etwas zu eindimensional. Und an die richtet sich, wie ein Blick auf die FSK-16-Freigabe zeigt, das spaßige und überaus bunte Weltraumabenteuer.
In der französischen Komödie „Die progressiven Nostalgiker“ glauben die beiden Protagonisten, dass sie plötzlich im falschen Film sind. Michel (Didier Bourdon) und Hélène Dupuis (Elsa Zylberstein) leben 1958 in Frankreich in einer kleinbürgerlichen Bilderbuchvorstadt eine Vorzeigeehe. Er ist in einer Bank angestellt und grundsätzlich ablehnend gegenüber neuen Erfindungen und Ideen. Sie macht den Haushalt und kümmert sich liebevoll um ihren Mann und die Kinder. Es ist perfekt. Sie können sich kein anderes Leben vorstellen.
Dann kommt es im Keller zu einem Unglück mit der nagelneuen Waschmaschine und schwuppdiwupp landen sie in der für sie überaus schockierenden Gegenwart. Plötzlich dürfen Frauen nicht nur Auto fahren, sondern auch anspruchsvolle Führungsaufgaben übernehmen. So leitet jetzt Hélène eine Bank und sagt den ihr untergebenen Männern, was sie tun sollen. Computer und all die Dinge, die es vor siebzig Jahren noch nicht gab, sind vor allem für Michel ein Buch mit mehr als sieben Siegeln. Die Hausarbeit, zu der er von seiner berufstätigen Frau verdonnert wird, überfordert ihn. Das hat damals Hélène doch alles klaglos übernommen. Und da reden wir noch nicht von der Politik. In den Fünfzigern hatte Frankreich noch wundervolle Kolonien.
Wie bei der „Lesbian Space Princess“ ist auch in den „Progressiven Nostalgikern“ ein Tausch der Perspektive die Hauptinspirationsquelle des Films. Vinciane Millereauie fragte sich, wie Menschen aus den fünfziger Jahren die Gegenwart erleben würden und malt das überaus detailfreudig in den schönsten Farben aus. Dass sich aus dieser Idee keine richtige Story entwickelt verzeiht man angesichts des konstant zum Schmunzeln anregenden Gagfeuerwerks, den spielfreudigen Schauspieler und der durchgehend gelungenen Ausstattung gerne.
Lesbian Space Princess (Lesbian Space Princess, Australien 2025)
Regie: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
Drehbuch: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
mit (im Original den Stimmen von) Shabana Azeez, Bernie Van Tiel, Gemma Chua-Tran, Jordan Raskopoulos
(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Genet Zegay, Lana Cooper, Lena Urzendowsky, Katy Karrenbauer, Jasmin Tabatabai
Gelungenes, mit dem Deutschejn Fernsehpreis ausgezeichnetes Dokudrama über die 1921 geborene Holcaust-Überlebende Margot Friedländer. Ihr Leben wird in einer Mischung aus Spielszenen und Interviews erzählt.
mit Margot Friedländer, Julia Anna Grob, Ilona Schulz, Hannah Ley, Cai Cohrs, Peter Lewys Preston, Iris Berben, Charly Hübner, Axel Prahl, Herbert Knaup
Nach ihrem weitgehend ungeliebtem Ausflug ins Superheldengenre mit dem Marvel-Film „Eternals“ kehrt „Nomadland“-Regisseurin Chloé Zhao mit „Hamnet“ wieder in irdische Gefilde zurück und reist weit in die Vergangenheit in das Zeitalter von William Shakespeare. Basierend auf Maggie O’Farrells Roman „Judith und Hamnet“ erzählt sie, strikt chronologisch, die Geschichte von Agnes (Jessie Buckley), ihrem Mann William (Paul Mescal), ihrem früh verstorbenen Sohn Hamnet und wie die Eltern die Trauer über den Pesttod ihres elfjährigen Sohnes verarbeiten. William schreibt das Theaterstück „Hamlet“. Als Agnes es sieht, hat es eine ungeahnt befreiende, über den Tod Hamnets tröstende Wirkung auf sie.
William ist nämlich William Shakespeare. Der Film erzählt eine mehr oder weniger frei erfundene Geschichte aus seinem Leben. Er verficht dabei die These, dass Shakespeare in seinem Stück „Hamlet“ seine Trauer über den Tod seines Sohnes verarbeitet. Ob das stimmt und über das genaue Verhältnis von Wahrheit und Fiktion können sich die Shakespearianer den Kopf zerbrechen. Für den Zuschauer bleibt, uh, nach allgemeiner Einschätzung ein grandioses, zutiefst bewegendes Drama über Shakespeares Frau Agnes, Shakespeare, ihre Liebe und die Kraft der Kunst. Die meisten Kritiken versprechen auch einem erhöhten Taschentuchkonsum, der sich vor allem im Finale niederschlägt. Inzwischen ist „Hamnet“ ein vielfach ausgezeichnetes, unter anderem der diesjährige Golden Globe für den besten Film, und für weitere wichtige Preise, unter anderem den Oscar als bester Film des Jahres, nominiertes Drama.
Im Mittelpunkt des Dramas steht allerdings nicht der Dichter, sondern die Frau des Dichters. Agnes ist eine allein lebende Frau mit einer tiefen Verbindung zur Natur. Sie sammelt Kräuter und heilt. Sie findet gefallen an den von William geschriebenen Versen und dem Poeten. Als sie sich kennen lernen, arbeitet er als Lehrer an der Dorfschule. Sein späterer Ruhm ist in dem Moment noch nicht einmal erahnbar. Sie heiraten und kriegen Kinder.
Weil er in London sein muss, um als Dichter bekannt zu werden, schickt sie ihn nach der Hochzeit dorthin. Er soll seiner Berufung nachgehen. Sie bleibt im ländlichen Straford-upon-Avon, zieht ihre gemeinsamen Kinder groß, lebt im Einklang mit der Natur und sammelt weiterhin im Wald Heilkräuter. Es ist ein ruhiges Leben ohne große Konflikte. Wenn ein Kind sehr krank ist oder im Sterben liegt, eilt William aus London herbei und verschwindet schnell wieder aus Agnes‘ Leben und der Filmgeschichte.
Diese Konzentration auf die Frau des Künstlers, die in der hochgelobten Romanvorlage funktionieren kann, funktioniert im Film nicht. Über Shakespeare und sein Leben in London erfahren wir nichts. Er könnte, ohne dass man etwas im Film ändern müsste (gut, das Finale mit der Theateraufführung müsste wohl etwas anders begründet werden), genausogut ein Seefahrer sein. Er ist nicht da. Er hat keinen Einfluss auf das Leben von Agnes und ihren Kindern. Er ist der prototypische abwesende Mann.
Trotzdem könnte eine interessante Geschichte erzählt werden. Aber Agnes ist so sehr mit sich im reinen, dass ihre Geschichte kein dramatisches Potential hat. Es gibt keine Konflikte. Nie muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr schwer fällt. Ihren Mann schickt sie kurz nach der Hochzeit weg. Er soll seinen Traum leben. Schlimme Ereignisse, wie Hamnets Tod durch die Pest, kann sie nicht beeinflussen. Er passiert einfach. Ihr Leben ist nur eine Abfolge zufälliger Ereignisse, die mit dem Besuch einer Theateraufführung endet, die uns als wichtig verkauft wird. Zhao inszeniert das in schönen Bildern. Max Richter unterlegt es musikalisch.
Hamnet (Hamnet, USA 2025)
Regie: Chloé Zhao
Drehbuch: Chloé Zhao, Maggie O’Farrell
LV: Maggie O’Farrell: Hamnet, 2020 (Judith und Hamnet)
mit Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, Joe Alwyn, Jacobi Jupe, Olivia Lynes, Justine Mitchell, David Wilmot, Louisa Harland
Saul Ausländer ist 1944 einer der Juden im Sonderkommando im KZ Auschwitz-Birkenau. Als ein Junge zunächst die Gaskammer überlebt, möchte er ihn später nach jüdischem Ritus beerdigen.
Beeindruckendes, aufwühlendes Drama, das zahlreiche Preise erhielt: unter anderem den FIPRESCI und den Großen Preis der Jury in Cannes und den Bafta, Golden Globe und Oscar als bester ausländischer Film. „Son of Saul“ gelingt es das Grauen des KZ zu zeigen, ohne es zu zeigen.
Albert Nobbs (Albert Nobbs, Großbritannien/Irland 2011)
Regie: Rodrigo García
Drehbuch: Gabriella Prekop, John Banville, Glenn Close, István Szabó (Filmgeschichte)
LV: George Moore: The Singular Life of Albert Nobbs, 1918 (erstmals erschienen in „A Story-Teller’s Holiday“)
Dublin, Ende des 19. Jahrhunderts: Albert Nobbs ist in einem piekfeinen Hotel ein tadelloser Butler. Niemand ahnt, dass Nobbs eine Frau ist. Eines Tages verliebt er sich in den Maler Hubert. Ebenfalls eine Frau. Sie beschließen gemeinsam ein Geschäft zu eröffnen.
Klassisches Schauspielerkino mit einem starkem Ensemble,
Glenn Close spielte Albert Nobbs erstmals 1982 im Theater. Sie war auch die treibende Kraft hinter der Verfilmung, der ihr verdiente Nominierungen als beste Hauptdarstellerin für den Oscar, den Golden Globe und den Preis der Screen Actors Guild einbrachte.
„Die Stimme von Hind Rajab“ basiert auf einer wahren Geschichte. Kaouther Ben Hania erzählt sie packend als Thriller mit einer klaren Zuordnung von Gut und Böse.
Und ungefähr in diesem Moment beginnen die Probleme.
Hind Rajab war ein sechsjähriges Mädchen, das am 29. Januar 2024 die Notrufzentrale des Palästinensischen Roten Halbmonds, dem dortigen Roten Kreuz, anrief. Sie versteckt sich in einem unter Beschuss stehendem Auto.
Bei uns würde in dem Moment der Rettungswagen losgeschickt. Einige Minuten später – hier in Berlin um, meistens unter, zehn Minuten – wäre das Mädchen gerettet. Im Gazastreifen ist das nicht so einfach. Vor einer Rettung muss ein sicherer, penibel geplanter Rettungsweg organisiert werden. Das bedeutet Absprachen mit den Israelis und anderen Konfliktparteien. Denn der Schichtleiter will keine weiteren seiner Sanitäter im Kugelhagel verlieren. Die Israelis sind in dem Kriegsgebiet in dem Moment die größte Konfliktpartei. Sie können die Rettung ermöglichen. Oder verhindern. Als gesichtslose Bösewichter des Films zögern und verhindern sie die Rettung.
Kaouther Ben Hania konzentriert sich in ihrem Spielfilm auf die Notrufzentrale und die dort anwesenden Menschen, die am Telefon Anrufe entgegennehmen und Rettungswagen und Ärzte losschicken. Omar nimmt den aus Gaza kommenden Anruf von Hind Rajab entgegen. Er redet mit ihr. Wenn es für ihn zu viel wird, übernehmen Kollegen das Gespräch. Er ist von Hinds Leid emotional so betroffen, dass er auch hinter dem Rücken von seinem Chef versucht, Hilfe zu organiseren.
Von Hind Rajab hören wir in der Originalfassung nur ihre Stimme am Telefon. Und hier wird es schwierig. Denn Kaouther Ben Hanian hat die Originalaufnahmen verwendet. Hinds Mutter war mit der Verwendung der Stimme ihrer Tochter einverstanden. Der Thriller entstand in Zusammenarbeit mit dem Palästinensischen Roten Halbmond. Ben Hania geht offen damit um. Und das macht es vielleicht sogar noch schwieriger.
Denn diese Originalaufnahmen entfalten eine beträchtliche emotionale Wirkung. Es sind die letzten Worte eines zu Tode geängstigten Kindes. Verantwortlich für Hinds Tod ist allein Israel.
„Die Stimme von Hind Rajab“ erzählt nicht nur eine spannende Geschichte, ähnlich den Thrillern „The Guilty“ (Dänemark 2018) und „The Call – Leg nicht auf“ (USA 2013), sondern er ist auch Propaganda, die eben durch das Verwenden der Originaltonbänder berührt und emotionalisiert. Schnell ergreift man für eine Seite in dem Konflikt Partei.
Inwiefern man diese Verwischen der Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm goutiert, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich selbst habe da ein eher schlechtes Gefühl, das ich auch hätte, wenn die Orginalstimme von einem in Brandenburg verunglücktem Brandburger käme, der bei der dortigen Rettungsstelle anruft und auf Hilfe wartet, während er verblutet. Im schlechtesten Fall würde die Originalstimme für einen billigen dramaturgischen Effekt benutzt, im besten Fall – und das ist „Die Stimme von Hind Rajab“ – emotionalisiert sie und lässt einen bedingungslos für eine Seite Partei ergreifen. Zu diesem Effekt trägt auch bei, dass Ben Hania idealtypisch und gekonnt die Thrillerkonventionen benutzt, wie eine kurze Meldung in einer Tageszeitung nur einen kleinen Ausschnitt aus der Realität betrachtet und folgerichtig auf jede Analyse verzichtet.
Als Fazit dieser Zerrisenheit bleiben drei Worte: sehenswert, diskussionswürdig, problematisch.
Die Stimme von Hind Rajab (The Voice of Hind Rajab/Sawt Hind Rajab, Tunesien/Frankreich 2025)
Regie: Kaouther Ben Hania
Drehbuch: Kaouther Ben Hania
mit Saja Kilani, Motaz Malhees, Clara Khoury, Amer Hlehel
All eure Gesichter (Je verrai toujours vos visages, Frankreich 2023)
Regie: Jeanne Herry
Drehbuch: Jeanne Herry, Chloé Rudolf
TV-Premiere. Karg inszeniertes, sich auf seine Schauspieler, die sich teils im Stuhlkreis, teils direkt gegenüber sitzen, konzentrierendes, sehenswertes Dialogdrama, das anhand einier Beispielfälle zeigt, wie die Idee der ‚restorative justice‘ (bei uns vergleichbar mit dem Täter-Opfer-Ausgleich) angewandt wird.
Dieses mal wollen „Die drei ???“ ihren Ferien nicht mit einem neuen Fall, sondern mit – nun, der andere Plan wird aufgeschoben, weil jetzt erst einmal das Telefon klingelt und sie dann doch einen Fall haben. Der Fall hat etwas mit dem Geschäftsmann, Miliardär und Wohltäter von Rocky Beach, Joseph Saito Hadden, zu tun und es geht um einen ebenso geheimnisvollen wie wertvollen Schatz, der auf der Pazifikinsel Makatao versteckt sein soll. Ein Betreten der als Toteninsel bekannten Insel ist lebensgefährlich, weil sie eine heilige Stätte und Ruhestätte von Toten ist und der auf der Insel aktive Vulkan demnächst ausbrechen könnte. Es gibt also zwei gute Gründe, Makatao nicht zu betreten.
Eine mehr als halbseidene Gruppe Schatzsucher mit wissenschaftlichem Background und zunächst unklaren Verbindungen zu dem Geheimbund Sphinx, tut es, weil Hadden sie dafür fürstlich entlohnt.
Die drei ??? – das sind die drei jugendlichen Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, die in Rocky Beach, einem Vorort von Los Angeles, zur Schule gehen (der uninteressante Teil ihres Lebens) und Kriminalfälle lösen (der interessante Teil ihres Lebens) – machen sich auf den Weg zur Insel, weil Peter durch eine Verkettung unglücklicher Umstände von den Schatzsuchern auf ihrem Schiff mitgenommen wird. Sie wollen ihren Freund retten. Außerdem sind sie sehr neugierige Teenager.
„Die drei ??? – Toteninsel“ ist der dritte Film mit Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl als jugendliche Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Jördis Triebel und Florian Lukas spielen wieder Tante Mathilda und Onkel Titus, die Zieheltern von Justus. Dieses Mal haben sie nur einen kurzen Auftritt am Filmanfang und -ende. Die Regie übernahm wieder Tim Dünschede. Das Drehbuch ist wieder von Anil Kizilbuga. Für Kontinuität ist also in jeder Beziehung gesorgt.
Wie schon in dem ersten Film „Erbe des Drachen“ geht es wieder auf Reisen.
Aber bis Justus, Peter und Bob in Richtung Makatao aufbrechen, ermitteln sie einen großen Teil der Filmzeit in Rocky Beach.
Während der erste „Die drei ???“-Film mit diesem Team (es gibt auch ältere „Die drei ???“-Filme mit anderen Schauspielern) mit einem Filmdreh in einem Schloss in Transsylvanien ein wenig in Richtung Horrorgeschichte zwinkerte und fiel Potential in punkto filmischer Anspielungen unnötig verspielte, gefiel „Die drei ??? und der Karpartenhund“ als ziemlich überzeugend geplottete Rätselkriminalgeschichte mit einigen passenden Anspielungen. „Toteninsel“ ist nun eine Abenteuergeschichte und eine Schatzsuche, die in Richtung „Uncharted“, den „Die Mumie“-Filmen (mit Brendan Fraser), Tomb Raider und Indiana Jones zwinkert.
Erwachsene dürften etwas enttäuscht über den Mangel an lustvoll zitierten Abenteuerfilm-Klassikern sein. Sie dürften sich auch über die Motivation des Bösewichts und seinen Plan, mit dem er in den Besitz des Schatzes von Makatao gelangen will, ärgern. Der Fall selbst entwickelt sich flott und in schönster Pulp-Manier, in dem eine überraschende Wendung auf die nächste überraschende Wendung folgt und ein Rätsel auf das nächste Rätsel aufgetürmt wird, bis wahrscheinlich sogar der Autor der Geschichte den Überblick verliert.
Für Kinder ist „Toteninsel“ eine unterhaltsame und spannende Abenteuergeschichte, die sich vor allem an Kinder vor der Pubertät richtet.
Zum Schluss muss noch eine neue Entwicklung in der Welt der „Drei ???“ angesprochen werden. Am Ende von „Die drei ??? und der Karpatenhund“ erhalten die Detektive einen MG. Nachdem die drei Detektive vorher über Jahrzehnte nicht alterten, hat Peter seinen Führerschein gemacht und er darf jetzt Auto fahren. Justus und Bob sind demnächst alt genug für ihre Führerscheine. In ihrem neuesten Film sitzen sie öfter im Auto. Handlungsentscheidend ist das nicht.
Verglichen mit der neuesten Entwicklung im „Die drei ???“-Kosmos war das allerdings nur eine kleine Änderung. Dieses Mal hilft ihnen Jelena Charkova. Bob lernte die Rollstuhlfahrerin im Krankenhaus kennen, befreundete sich mit ihr und ist begeistert von ihren Fähigkeiten am Computer. Sie ist die beste Hackerin von Rocky Beach. Mühelos dringt sie in jede Datenbank ein. Im Lauf der Geschichte muss sie das öfter tun. Auch wenn sich in diesem Fall ihre Arbeit auf reine Zuarbeit beschränkt, wildert sie in Bobs Arbeitsgebiet „Recherchen und Archiv“ und stört das fein austarierte, seit Ewigkeiten in vielen Abenteuern etablierte Gleichgewicht zwischen den drei ???. Sie ist keine Bereicherung des Teams, sondern nur eine überflüssige Figur, die eine Aufgabe übernimmt, die schon einer der drei Fragezeichen erledigte. Insofern wirkt sie wie ein überflüssiges Zugeständnis an den Zeitgeist. Mit einem weiblichen Detektivtrio, das mit den drei ??? konkurriert, hätte ich dagegen kein Problem. Auch nicht mit einer Kinderserie (und das sind „Die drei ???“), in der nur Mädels ermitteln. Gemischte Ermittlerteams gab es ja schon bei Enid Blyton.
Doch zurück zum Film. „Die drei ??? – Toteninsel“ ist ein spannender Abenteuerfilm für Kinder, den sie sich ohne erwachsene Begleitung ansehen können. Trotzdem hätte die Story besser konstruiert und die Dialoge besser geschrieben sein können. Gleiches gilt für die schauspielerischen Leistungen.
André Marx schrieb wieder einen reichhaltig illustrierten Filmroman, in dem er die Filmgeschichte gelungen nacherzählt.
Die drei ??? – Toteninsel (Deutschland 2026)
Regie: Tim Dünschede
Drehbuch: Anil Kizilbuga, André Marx (dramaturgische Beratung)
LV: André Marx: Die drei ??? – Toteninsel, 2001
mit Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl, Andreas Pietschmann, Jannik Schümann, Jördis Triebel, Florian Lukas, Filip Schnack, Katja Lechthaler, Philipp Christopher, Momo Beier, Pascal Buchsbaum, Amal Keller, Simon Kluth, Florentine Behrend
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 6 Jahre (und primär, wie die Bücher, bis 12/14 Jahre)
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Der Roman zum Film (mit vielen Filmbildern – eine gut geschriebene und entsprechend lesenswerte Romanfassung des Films)
Drehbuch: Earl W. Wallace, William Kelley (nach einer Geschichte von William Kelley, Pamela Wallace und Earl W. Wallace)
In Philadelphia beobachtet ein achtjähriger Amish-Junge einen Polizistenmord. Auf dem Polizeirevier kann der Junge die Mörder identifizieren: es sind Kollegen des ermittelnden Detective John Book. Book muss mit dem Zeugen und seiner Mutter bei den Amish untertauchen. Dort entdeckt er eine Welt, die absolut nichts mit seiner Welt zu tun hat.
Polizeifilmklassiker, der im Genrekostüm die Geschichte eines Culture Clash erzählt.
„Weir hat einen überaus spannenden (Kriminal-)Film geschaffen, der auf Action – mit Ausnahme der gewalttätigen Schlusssequenz, die sich aber aus der Fabel völlig motiviert – weitgehend verzichten kann, weil er von Menschen handelt, die von sich aus faszinierend genug sind.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Das Drehbuch erhielt den Edgar Allan Poe Award, den Writers Guild of America Award (WGA Award) und den Drehbuchoscar. Peter Weir und Harrison Ford waren für Oscars nominiert und als bester Film war „Der einzige Zeuge“ ebenfalls nominiert. Die Schmonzette „Jenseits von Afrika“ erhielt dann den Oscar als bester Film.
mit Harrison Ford, Kelly McGillis, Jan Rubes, Josef Sommer, Lukas Haas, Alexander Godunov, Danny Glover, Viggo Mortensen (Debüt)
Mit „Barmherzigkeit“ oder „Gnade” hat das „Mercy”-Programm nichts zu tun. Es wurde in Kalifornien installiert als Mittel gegen die überbordende Kriminalität. Das Programm simuliert ein Gerichtsverfahren mit Verteidigung, Jury und Richter mittels den in verschiedenen Datenbanken erhältlichen Informationen und Künstlicher Intelligenz. Am Ende steht das Urteil. Meistens die Todesstrafe, die sofort vollstreckt wird. Das Programm ist der feuchte Traum eines Law&Order-Fanatikers – und der Alptraum jedes Menschen, der auch nur im Ansatz an so etwas wie ein faires Gerichtsverfahren und den Rechtsstaat glaubt.
Die Regierung ist über die hundertprozentige Verurteilungsrate und die spürbar abgenommene Kriminalität hocherfreut.
Jetzt, wir schreiben den 14. August 2029, erwacht LAPD-Detective Chris Raven (Chris Pratt), einer der ersten und lautstärksten Befürworter des Programms, in einem Mercy-Gerichtssaal. Judge Maddox (Rebecca Ferguson), eine KI-Visualisierung, sagt ihm, dass er angeklagt sei, seine Frau ermordet zu haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass er die Tat begangen hat, liegt in diesem Moment bei fast 100 Prozent. Raven kann jetzt sofort die Tat gestehen, oder in den folgenden neunzig Minuten, die im Film in Echtzeit gezeigt werden, seine Unschuld beweisen. Dafür kann er alle im System gespeicherten Daten, wozu auch Bodycam-Aufnahmen, diverse Überwachungskameras, Smartphone-Aufnahmen und Chats gehören, anfordern und bestimmte Menschen anrufen.
Raven beteuert seine Unschuld. Und obwohl der Fall auf den ersten Blick wasserdicht ist, beginnt er zu kämpfen.
Timur Bekmambetow („Wanted“, „Ben Hur“) erzählt die Geschichte in Echtzeit und in einem Raum, der im Film pompös groß ist. Raven ist an einen ebenso pompösen Rollstuhl gefesselt. Er kann nur seine Finger bewegen. Mit diesen und seiner Stimme kann er Programme und Dateien aufrufen. Diese Dateien schweben dann durch den Raum. Aber all der visuelle Bohei kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Mercy” ein Desktop-Thriller ist, wie die von Bekmambetow produzierten Thriller „Searching“ (2018)
und „Missing” (2023). In diesen beiden sehenswerten Filmen, die ausschließlich vor einem Computerbildschirm spielen, beeindruckte, wie gut der Blick auf die relevanten Informationen gelenkt wurde. In „Missing“ war außerdem schockierend, auch wenn die Macher sicher etwas übertrieben, wie viele Informationen über einen Menschen in öffentlichen zugänglichen Datenbanken gefunden werden können.
In „Mercy” erledigen diese Blickführung des Zuschauers eine extrovertierte Kamera, viele Schnitte und teils die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitenden Dialoge zwischen Raven und Maddox in einem Pseudo-Gerichtsprozess. In ihm werden alle Regeln eines ordnungsgemäßen Gerichtsverfahrens ignoriert zugunsten einer schlechten TV-Show, in der der Angeklagte sich zum Schein verteidigen darf. Er hat keinen Anwalt, kennt die Beweise gegen ihn nicht, hat in den meisten Fällen keine Ahnung, wie er seine Unschuld beweisen kann, und er ist unter extremem Zeitdruck. Da würde sogar Perry Mason ins Schwitzen geraten.
Judge Maddox verhält sich öfter wie eine schlecht programmierte Software. In der einen Sekunde klingt sie wie eine unparteiische Richterin, in der nächsten wie ein schlecht programmiertes altertümliches Sprachprogramm, das, eine bestimmte Antwort erwartend, stupide die letzte Frage wiederholt, im übernächtsten pocht sie auf Regeln, die sie einige Sekunden später über den Haufen wirft und am Ende agiert sie vollkommen frei.
Der Plot ist, wenn wir das ganze technische Brimborioum weglassen, ein Standard-Noir-Plot: ein Unschuldiger muss beweisen, dass er ein Verbrechen (meistens einen Mord) nicht begangen hat. Auch wenn wir in diesem Fall nicht wissen, ob Raven unschuldig ist, ändert das nichts an dem Plotmuster.
Bekmambetow erzählt, nach einem Drehbuch von Marco van Belle, diese Geschichte mit vielen technischen Spielereien in Echtzeit. Und damit ungeduldige Zuschauer immer darüber informiert sind, wann der Film endet, blinkt eine rückwärts ablaufende Uhr in Richtung spätestem Prozessende. Denn selbstverständlich kann der Angeklagte mit einem Geständnis den Prozess jederzeit verkürzen. (Mich lenkte diese Uhr immer wieder ab, weil sie mir zuverlässig verriet, an welchem Punkt in der Geschichte wir sind und wann das Drama endet.)
Über die Story selbst sollte nicht weiter nachgedacht werden. Zu vieles ist dann unlogisch oder nicht konsequent durchdacht. Das gilt für den Kriminalfall und die Welt, in der der Thriller spielt.
Am Ende ist „Mercy“, auch wegen der Optik, nur ein vernachlässigbarer Streamingfilm, der sich ins Kino verirrt hat.
Mercy (Mercy, USA 2026)
Regie: Timur Bekmambetow
Drehbuch: Marco van Belle
mit Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Kali Reis, Annabelle Wallis, Chris Sullivan, Kylie Rogers
In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini
Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.
Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!
Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Geburtstag, Oskar Roehler!
Arte, 22.55
Bad Director(Deuschland 2023)
Regie: Oskar Roehler
Drehbuch: Oskar Roehler
LV: Oskar Roehler: Selbstverfickung, 2017
Regisseur Gregor Samsa (Oliver Masucci) ist dauerfrustriert und findet alles zum Kotzen. Bis er sich in eine Prostituierte verliebt.
TV-Premiere. Ein typischer Roehler. „Bad Director“ ist kein perfekter Film, sondern eine über zweistündige bewusst dilettantische Dauerprovokation, ein gnadenloser Rundumschlag – und eine köstliche, vor Selbstironie strotzende Mediensatire, die mit 131 Minuten, wie jeder Rant, zu lang geraten ist.
Anatomie eines Falls (Anatomie d’une chute, Frankreich 2023)
Regie: Justine Triet
Drehbuch: Justine Triet, Arthur Harari
Fiel Samuel Maleski aus dem Fenster oder half seine Frau Sandra Voyter etwas nach? Über zweieinhalb spannende Stunden rollt Justine Triet diesen Fall akribisch auf.
Die untreue Frau (La Femme infidéle, Frankreich/Italien 1968)
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol
Anwalt Charles glaubt, dass seine Frau Hélène ihn betrügt. Ein von ihm engagierte Privatdetektiv bestätigt Charles‘ Verdacht. Er besucht den Nebenbuhler und tötet ihn im Affekt. Wie wird seine Frau darauf reagieren?
Da wurde ja etwas Feines in den Archiven gefunden: das 1996er Loreley-Konzert von David Bowie.
David Bowie (vocals), Reeves Gabriels (guitar), Gail Ann Dorsey (bass), Zach Alford (drums) und Mike Garson (keyboard) spielen sich durch etliche seiner bekanntesten Songs.
Zur Einstimmung gibt es ab 23.35 Uhr die Doku „David Bowie – Der letzte Akt“ (Großbritannien 2025).
Der Manchurian Kandidat (The Manchurian Candidate, USA 2004)
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris
LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)
Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.
Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“ (USA 1962). Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute (2004) schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des Informationsüberschusses, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.
Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.
Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet
Aisha lebt in Kairo im Ain-Sham-Viertel. Die 26-jährige Sudanesin versucht als häusliche Pflegekraft und Mädchen für alles über die Runden zu kommen. Ihre Tage sind von langen Fahrten durch Kairo und ihre Nächte von Schießereien zwischen verfeindeten Banden vor ihrer Haustür bestimmt. Für einen lokalen Gangsterboss stiehlt sie von ihren Kunden die Schlüssel.
Auf dem Papier klingt die Story interessant. Es werden auch all die Trigger-Worte für den kulturbewussten Horrorfilmfan genannt und das für das Plakat benutzte Bild einer jungen Frau mit einer Batman-Maske ist ein gerade wegen seiner Einfachheit neugierig machender Hingucker.
Aber am Ende entscheiden die Story und die Präsentation, ob ein Film gelungen ist. Morad Mostafa erzählt in seinem Spielfilmdebüt „Aisha can’t fly away“ das Leben seiner Protagonistin in schönster Slow-Cinema-Manier. Aisha fährt durch die Stadt. Sie putzt eine Wohnung. Sie sieht aus dem Fenster. Sie ist meistens allein; wenn sie unter Menschen ist, redet sie wenig. Und dann beginnt alles wieder von vorne, während die Straßengangs vor ihrer Haustür herumballern und sie dem lokalen Gangsterboss, der sie dafür mietfrei wohnen lässt, die Schlüssel von den Wohnungen besorgt, in denen sie arbeitet. Anschließend klaut er aus den Wohnungen die Wertsachen. Dass er glaubt, mit dieser Methode in mehrere Wohnungen einbrechen zu können, beweist, dass er ein ziemlicher Dummkopf ist. Denn natürlich fällt der Polizei auf, dass Aisha in all diesen Wohnungen arbeitete.
Als Aisha spät im Film Veränderungen an sich bemerkt, sie einen Kunden hat, der sie zu sexuellen Handlungen zwingt und die Grenze zwischen Realität und Fantasie etwas zu verschwimmen beginnt, wird aus dem Slow-Cinema-Sozialdrama ein bisschen ein ebenso langsam und distanziert erzählter, ebenso wortkarger Horrorfilm.
Flucht von Alcatraz (Escape from Alcatraz, USA 1979)
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Richard Tuggle
LV: J. Campbell Bruce: Escape from Alcatraz, 1963
Frank Lee Morris plant das Unmögliche: eine Flucht von Alcatraz. Am 11. Juni 1962 gelingt dem Sträfling die Flucht; – jedenfalls verschwanden er und seinen beiden Mitflüchtlingen spurlos.
„Flucht von Alcatraz“ ist die fünfte und letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood. Der auf einem wahren Fall beruhende, beklemmende und realistische Knastthriller wurde auf Alcatraz gedreht.
Danny Glover gibt hier in einer Nebenrolle als Häftling sein Filmdebüt.
Mit Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thibeau, Fred Ward, Paul Benjamin, Larry Hankin, Bruce M. Fischer, Frank Ronzio, Danny Glover