Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodóvar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.
Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.
Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die brandneue einstündige Doku „Penélope Cruz: Diva im Spiegel“ (Frankreich 2022).
mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas
Rififi (Du rififi chez les hommes, Frankreich 1954)
Regie: Jules Dassin
Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton
LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953
Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.
Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen)
Am Montag, den 25. Juli, zeigt Arte um 20.15 Uhr „Topkapi“ (USA 1964), Dassins gelungene und überaus beliebte „Rififi“-Parodie.
Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)
Jetzt geht die unappetitliche, kommerziell sehr erfolgreiche „Monsieur Claude“-Filmserie in die dritte Runde. Der erste Auftritt des nationalistischen Provinzanwalts lockte in Frankreich über zwölf Millionen Zuschauer in die Kinos. In Deutschland waren es gut vier Millionen. Der zweite Teil lockte in Frankreich immer noch 6,8 Millionen in die Kinos. Damit stehen beide Filme in den Top 100 der größten Erfolge in der Geschichte des französischen Films. In Deutschland sahen sich im Kino knapp 1,4 Millionen Zuschauer die Komödie an. Damit landete sie mühelos in den Top Twenty der meistbesuchten Filme des Jahres. Der dritte „Monsieur Claude“-Film hat in Frankreich bereits fast 2,5 Millionen Zuschauer erreicht. Bei uns startet er in über sechshundert Kinos.
Dieses Mal dreht sich die Filmgeschichte vor allem um den vierzigsten Hochzeitstag von Claude Verneuil und seiner Frau Marie. Während der Pensionär diesen Tag ohne größeres Aufsehen begehen möchte, planen seine vier Töchter in aller Heimlichkeit ein großes Fest, zu dem selbstverständlich auch die in der ganzen Welt verstreut lebenden Schwiegereltern eingeladen werden.
Das Chaos ist vorprogrammiert und natürlich gibt es, wenn die verschiedenen Generationen und durchweg grenzwertigen Familien aufeinanderprallen, genug Raum für Witze. Und damit kommen wir zu dem unappetitlichem Teil der Serie. Sie pflegt und bejaht fröhlich konservative und reaktionäre Ressentiments und Vorurteile.
So wird in „Monsieur Claude und seine Töchter“ (2014) zuerst postuliert, dass wir alle Rassisten sind. Das am Filmende empfohlene Gegenmittel gegen den Rassismus ist der Nationalismus in der Form des Gaullismus. In „Monsieur Claude 2“ (2019) wird das heile Provinzleben gegen das schlimme, in Kriminalität, Aggression und Hass versinkende Großstadtleben empfohlen. Am Ende der Komödie ziehen Monsieur Claudes Töchter und ihre Männer in die Provinz, in der es – abseits aller Fakten – keinen Rassismus gibt.
Im dritten „Monsieur Claude“-Film wird sich, ähnlich eindimensional, das nächste konservative Lieblingsthema vorgenommen: die angestammte Rolle der Frau, die hier, wieder einmal, auf die drei Ks „Kinder, Küche, Kirche“ reduziert wird.
Monsieur Claudes Töchter haben, zum Entsetzen des katholischen Monsieur Claude in „Monsieur Claude und seine Töchter“, einen Juden, einen algerischstämmigen Muslim, einen Chinesen und einen Schwarzafrikaner geheiratet. Die kindsköpfigen Männer verdienen jetzt in dem Dorf Chinon das Geld als Unternehmer, Anwalt, Bankier und Schauspieler. Ihre Frauen ziehen die vielen Kinder groß, besuchen die Kirche, schmeißen klaglos den Haushalt und können sich kein anderes Leben vorstellen. Sie und alle anderen Frauen in dem Film finden ihre Erfüllung in diesen Tätigkeiten.
Quasi nebenbei werden die künstlerischen Ambitionen von Monsieur Claudes Tochter Ségolène, die in der Familie geduldet werden, als talentloses, modernistisches Geschmiere abgewatscht. Wieder einmal werden die moderne Kunst und berufliche Ambitionen von Frauen der Lächerlichkeit preisgegeben. Es sind billige Pointen, die schon vor vierzig, fünfzig Jahren einen leicht ranzigen Geschmack hatten. Ebenso nebenbei bekommen im dritten „Monsieur Claude“-Film Veganer eine Klatsche. Eine Tochter von Monsieur Claude ist jetzt Veganerin. Die von ihr aufgetischten veganen Platten sind eine ausgesprochen lieblose Präsentation von Gemüse.
Diese rückwärtsgewandten Ansichten werden glorifiziert. Es wird also nicht über Monsieur Claude und seine reaktionären Ansichten gelacht, sondern es wird mit ihm gelacht. Die Filme bestätigen und verstärken so die angesprochenen Vorurteile. Eben diese Haltung macht die „Monsieur Claude“-Filme zu so unappetitlichen Komödien.
Monsieur Claude und sein großes Fest(Qu’est-ce qu’on a tous fait au Bon Dieu?, Frankreich 2022)
Regie: Philippe de Chauveron
Drehbuch: Guy Laurent, Philippe de Chauveron
mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan, Medi Sadoun, Frédéric Chau, Noom Diawara, Frédérique Bel, Émilie Caen, Élodie Fontan, Alice David, Pascal N‘Zonzi, Salimata Kamate, Daniel Russo, Nanou Garcia, Abbes Zahmani, Farida Ouchani, Bing Yin, Li Heling, Jochen Hägele
Die in Wuppertal in der Psychiatrie arbeitende und lebende Pflegerin Sissi (Franka Potente) will unbedingt den Mann finden, der nach einem Autounfall ihr Leben rettete. Aber er ist zunächst nicht zu finden, will sich dann nicht mit ihr treffen und ist in einen Banküberfall verwickelt. Nichts davon hält Sissi ab. Denn Bodo ist nicht nur ihr Lebensretter, sondern auch der Mann ihres Lebens.
Nach dem Welterfolg „Lola rennt“ war sein nächster Film „Der Krieger und die Kaiserin“, wieder mit Franka Potente in der Hauptrolle, das Kontrastprogramm: anstatt knapp achtzig Minuten Tempo gibt es Langsamkeit in epischer Länge. Trotzdem ist das über deutlich über zweistündige Märchen sehenswert. Und eine Liebeserklärung an Tykwers Geburtsort, der hier zu einem Ort wird, in dem die profane Realität nicht mehr existiert.
„Eine faszinierende filmische Entdeckung der Langsamkeit, die in der urbanen Architektur Wuppertals ein reizvolles Sinnbild entdeckt.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Franka Potente, Benno Fürmann, Joachim Król, Lars Rudolph, Melchior Beslon, Ludger Pistor, Jürgen Tarrach, Natja Brunckhorst, Marita Breuer
Harper will einige Tage allein in Cotson Manor verbringen und den Tod ihres kürzlich verstorbenen Ehemannes verarbeiten. Sie fühlt sich für James‘ Tod wenigstens mitverantwortlich. Nach einem Streit stürzte er in London vom Balkon des Hauses, in dem sie wohnen. Die genaueren Umstände erzählt Alex Garland in seinem neuen Film „Men – Was dich sucht, wird dich finden“ in mehreren kurzen Rückblenden. Im Zentrum des Horrorfilms stehen Harpers Tage in Cotson. Sie streift durch den menschenleeren Wald, sieht in einer Ruine einen nackten Mann, der später in ihr Haus eindringen will. Und sie trifft andere Männer, wie den Vermieter, einen Pfarrer, Polizisten und einen einen eine Maske tragenden Jungen, die sich alle etwas seltsam und bedrohlich verhalten.
Nach zwei überzeugenden Science-Fiction-Spielfilmen – „Ex Machina“ (Ex Machina, USA/Großbritannien 2014) und „Auslöschung“ (Annihilation, USA 2018) – widmet Alex Garland sich in „Men“ dem Horrorfilm. Vor allem dem Folk-Horrorfilm und dem psychologischen Horrorfilm. Garland übernimmt vollständig den Blick seiner Hauptperson. Er erzählt seine Geschichte eindeutig aus Harpers Perspektive. Ihre Trauer, Schuldgefühle und Ängste bestimmen die Geschichte. Deshalb ist es nur konsequent, Rory Kinnear (Tanner in den Daniel-Craig-James-Bond-Filmen) fast alle Männer spielen zu lassen. Für Harper sind nach dem Tod ihres gewalttätigen Ehemannes alle Männer bedrohlich und sie sehen auch alle, mehr oder weniger, gleich aus. Sie werden auch, mehr oder weniger schnell, mehr oder weniger eindeutig, übergriffig. Der überaus servile Besitzer von Cotson Manor ist zu höflich, macht unpassende Anspielungen und stellt, als er ihr sein Haus zeigt, unverschämte Fragen, der Grüne Mann ist aufdringlich nackt und bedrohlich, der Pfarrer ist schon bei der ersten Begegnung zu besorgt und, anstatt Harper Trost zu spenden, verstärkt er ihre Schuldgefühle, der neunjährige Samuel verströmt hinter seiner Maske eine irritierende Mischung aus Unverschämtheit und Höflichkeit, der Polizist und die im Pub Bier trinkenden Männer scheinen nur daran interessiert zu sein, Harper die Schuld für ihre Probleme zuzuschieben. Wie es schon ihr tödlich verunglückter Mann getan hat.
Sie ist ein Opfer, sie soll sich als Opfer fühlen und wird von den Männern als passives Objekt ihrer Begierden betrachtet. Für Harper sollen die Tage in Cotson Manor, jedenfalls hat sie das so geplant, auch dazu dienen, sich aus dieser passiv duldenden Rolle zu befreien. Also vom Objekt zum Subjekt ihres Lebens zu werden; – wobei, je mehr wir über James‘ Tod erfahren, diese eindeutige Zuordnung diffuser wird.
Garland lotet in seiner Folk-Horror-Geschichte geduldig, mit einem präzisen Blick für religiös und mythologisch aufgeladene Details (wie die Äpfel und der Grüne Mann), in langen stummen Szenen und wenigen Dialogen Harpers Gefühlsleben aus. Dabei vertraut er auf Jessie Buckley („The lost Daughter“), die Harper spielt, ihren von Rory Kinnear gespielten Antagonisten und die Bilder von seinem Stamm-Kameramann Rob Hardy. Mit ihren intensiven Farben und dem präzise komponiertem Bildaufbau verstärken sie schon von der ersten Minute an die beunruhigende Atmosphäre.
So gelungen dieser Spannungsaufbau ist, so schnell ist auch klar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Außerdem ist das Body-Horror-Finale etwas zu lang geraten.
Men – Was dich sucht, wird dich finden (Men, Großbritannien 2022)
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
mit Jessie Buckley, Rory Kinnear, Paapa Essiedu, Gayle Rankin, Sarah Twomey, Zak Rothera-Oxley, Sonoya Mizuno
Drehbuch: Ali Abbasi, Isabella Eklöf, John Ajvide Lindqvist (nach der Erzählung „Gräns“ von John Ajvide Lindqvist)
Zollbeamtin Tina kann Gefühle erschnüffeln. Bei der Jagd auf Verbrecher ist dieses Talent ein Vorteil. Als sie bei einer Zollkontrolle Vore trifft, versagt ihr Geruchssinn. Aber sie weiß, dass er etwas verbirgt und dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt.
Zu Recht hochgelobtes genreüberschreitendes Drama. „Das grandiose Drama verwebt sozialen Realismus, Fantasy und skandinavische Mythologie zu einem zwitterhaften Werk, in dem aktuelle gesellschaftliche Debatten um Identitat, Ausgrenzung und Rassismus anklingen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitender Ausnahmefilm.“ (Lexikon des internationalen Films; dort auch in der Liste der 20 besten Kinofilme des Jahres 2019)
Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien (Deutschland 2020)
Regie: Bettina Böhler
Drehbuch: Bettina Böhler
TV-Premiere. Zweistündige Doku über Christoph Schlingensief (1960 – 2010), dem wir etliche spektakuläre Kunstaktionen, die Partei „Chance 2000“ („Scheitern als Chance“), Theateraufführungen und einige Perlen der Filmkunst, wie „100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker“, „Das deutsche Kettensägenmassaker“, „Terror 2000 – Intensivstation Deutschland“ und „Die 120 Tage von Bottrop“, verdanken.
Für ihre Doku montierte Bettina Böhler vorhandenes, teils bis dahin unbekanntes Archivmaterial zu einem überzeugenden und auch für Schlingensief-Kenner sehenswertem Porträt.
Die Musik ist von Helge Schneider.
Mit Christoph Schlingensief, Margit Carstensen, Udo Kier, Sophie Rois, Bernhard Schütz, Helge Schneider, Dietrich Kuhlbrodt, Susanne Bredehöft, Alfred Edel, Irm Hermann, Martin Wuttke, Tilda Swinton (natürlich alles Archivmaterial)
Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)
Regie: Jean-Paul Salomé
Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)
LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)
Patience Portefeux (Isabelle Huppert) kommt als schlecht bezahlte Übersetzerin für das Pariser Drogendezernat gerade so über die Runden. Als sie bei einem Telefonat von einem großen Drogendeal erfährt, in den der Sohn einer Pflegerin ihrer Mutter involviert ist, hat sie eine Idee. Kurz darauf hat sie anderthalb Tonnen Haschich im Keller eines Mietshauses gelagert und sie beginnt die Drogen an die richtigen Männer zu verkaufen. Während die Polizei unbedingt die neue Drogengroßhändlerin schnappen will.
TV-Premiere der wundervollen Krimikomödie zu einer wenig berauschenden Uhrzeit.
Staatssekretär Stephen Fleming (Jeremy Irons) beginnt eine Affäre mit Anna Barton (Juliette Binoche), der künftigen Ehefrau seines Sohnes. Keine gute Idee.
Ob eine solche außereheliche Beziehung heute noch ein Skandal wäre? In jedem Fall ist sie die Ausgangslage für ein überaus gelungenes Filmdrama.
„eine der formal geschlossensten Inszenierungen des international tätigen Franzosen. (…) Ein Thriller, der vor der psychologischen und erotischen Provokation nicht zurückschreckt und Tabus, wie eh und je bei Malle, mit analystischer Nüchternheit und kühler, beherrschter Leidenschaft bricht.“ (Fischer Film Almanach 1994)
Mit Jeremy Irons, Juliette Binoche, Miranda Richardson, Rubert Graves, Leslie Caron, Ian Bannen, Gemma Clarke, Peter Stormare
Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück(Deutschland/Luxemburg/Frankreich 2015)
Regie: Florian Gallenberger
Drehbuch: Torsten Wenzel, Florian Gallenberger
Chile, 1973: Als ihr Freund während des Militärputschs verschwindet, macht Lena sich auf die Suche nach ihm. Sie glaubt, dass er in der Colonia Dignidad festgehalten wird. Als unlängst zum Christentum Bekehrte schleust sie sich in die von dem Deutschen Paul Schäfer geleitete, abgeschottet im Süden Chiles residierende Sekte ein. Dort entdeckt sie ein Terrorregime, das eine äußerst genaue Beschreibung des Lebens in der Colonia Dignidad ist. Sie wurde 1961 von dem ehemaligen evangelischen Jugendpfleger, Laienprediger und Pädophilen Paul Schäfer gegründet. In ihr sollte ein urchristliches Leben geführt werden. Seine Jünger, alles Deutsche, verehrten ihn.
Insgesamt sehenswerter Polit-Thriller, der zum Kinostart mit einer erfundenen Geschichte (Lena und ihr Freund Daniel sind erfundene Charaktere) ein unrühmliches Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückholte: die Colonia Dignidad, ihre Unterstützung durch die deutsche Politik (vor allem durch CSU-Politiker) und ihre Beziehungen zum chilenischen Pinochet-Folterregime.
Duplicity – Gemeinsame Geheimsache (Duplicity, USA 2009)
Regie: Tony Gilroy
Drehbuch: Tony Gilroy
Nach Agententhriller (die “Bourne”-Serie) und Politthriller (“Michael Clayton”) ist Tony Gilroy jetzt bei der romantischen Thriller-Komödie mit Screwball-Elementen angelangt: zwei Industriespione, die eine Liebe-Hass-Beziehung (ersteres persönlich, letzteres beruflich) pflegen, beschließen, ihre Bosse um einige Millionen zu erleichtern. Aber können sie sich trauen? Und können sie mit dem Geld entkommen?
Die Kritiken tendieren zu einem leichten „ich hätte mehr erwartet“, aber zwei Stunden gepflegte Unterhaltung sind garantiert. „Mit viel doppelbödigem Charme und herausragendem Ensemble macht Tony Gilroy aus der Agentenromanze einen wunderbaren Film.“ (Thomas Klein, tip 10/2009)
Mit Julia Roberts, Clive Owen, Tom Wilkinson, Paul Giamatti, Ulrich Thomsen (als Big Swiss Suit; – was einiges über die Größe der Rolle aussagt)
Little Big Soldier (Da bing xiao jiang, China/Hongkong 2010)
Regie: Sheng Ding
Drehbuch: Jackie Chan
Ein Soldat (Jackie Chan), der mit seiner äußerst unheroischen Kampftechnik „Toter Mann“ eine Schlacht überlebt, kann danach einen gegnerischen General gefangennehmen. Er will ihn zu seinem König bringen und die Belohnung in Empfang nehmen.
In „Little Big Soldier“ gibt es, wie man es von Jackie Chan kennt, Action und Komik. Aber auch beträchtliche Schauwerte und eine zeitlose Antikriegsbotschaft. Ein sehr sympathischer Film.
Neben den professionelle Pornodarstellern gibt es, wie ein Blick auf die einschlägigen Pornoportale verrät, ‚Amateur Porn‘. Das sind dann Filme von nicht-professionellen Darstellern (was andeutet, dass sie damit kein oder eher wenig Geld verdienen) und Paaren, die Sex vor der Kamera haben.
Eines dieser Paare porträtiert Joscha Bongard in seinem Dokumentarfilm „Pornfluencer“.
Andreea und Nico leben mit ihren Katzen auf Zypern. In ihren Pornos treten sie als Jamie Young und Nico Nice bzw. Youngcouple9598 auf und sie verdienen mit ihren ungefähr zweihundert Filmen und damit zusammenhängenden Aktivitäten viel Geld. Im ersten Monat waren es, wie Nico erzählt, über zehntausend Euro. Während der Dreharbeiten für „Pornfluencer“ launchen sie ihre eigene Homepage und sie wollen nach Prag expandieren. Damit stellt sich dann auch irgendwann die Frage, wie sehr Andreea und Nico noch Amateure oder nicht inzwischen schon professionelle Darsteller sind, die eine Firma aufgebaut haben, auf der auch Filme mit anderen Frauen präsentiert werden.
Diese, zugegeben eher unwichtige Frage nach der Trennung zwischen Amateur- und professioneller Pornographie, interessiert Joscha Bongard nicht weiter. Das globale Geschäft mit Internet-Pornos wird in einem kurzen, animierten Erklärclip behandelt. Im Mittelpunkt von Bongards Dokumentarfilm stehen Andreea und Nico. Er zeigt, wie die beiden auf Zypern leben. Sie erzählen von ihrem Leben. Seit 2018 drehen sie Pornos. Für Andreea ist es die erste Beziehung. Nico kaum auf die Idee mit den Pornos, nachdem er im Internet nach Möglichkeiten suchte, schnell viel Geld zu verdienen.
Anfangs erscheinen sie – Andreea ist 22 Jahre, Nico 25 Jahre alt – als sympathisches junges Paar, das sich liebt, neckt, miteinander lacht, zusammen arbeitet und jetzt erst einmal viel Geld verdienen will. In dem Rahmen kann die Zustimmung zu dem Porträt als Imagepflege und Erschließen neuer Kundenkreise gesehen werden.
Bongard konzentriert sich in seinem Dokumentarfilm auf Andreea und Nico. Familienmitglieder und Freunde kommen nicht vor. Ob das daran liegt, dass Bongard sich nur auf das Paar konzentrieren wollte oder ob sie gegen Interviews mit Familienmitglieder und Freund waren oder ob Familienmitglieder und Freunde Interviews ablehnten, ist unklar. Jedenfalls, auch weil sie sich auf Zypern mit niemandem unterhalten, entsteht mit der Zeit das Bild eines vollständig isoliert lebenden Paares.
Später wird die traditionelle Rollenverteilung zwischen ihnen immer deutlicher. Nico war früher in der Pick-Up-Szene aktiv. Er will täglich Sex haben. Mit Andreea oder einer anderen Frau. Die Idee eines Dreiers findet er charmant. Andreea wäre damit einverstanden, wenn Nico es unbedingt will. Ansonsten will sie treu sein. Wenn sie ihre Filme drehen oder Fotos machen, schlägt er ihr immer wieder vor, was sie zu tun habe. Nicht immer ist sie einverstanden. Meistens schon.
Interessant und gelungen umgesetzt ist Bongards Idee, den Film so zu präsentieren, als betrachte man einen Computerbildschirm und bewege sich zwischen verschiedenen Tabs. Die beiden für den Film befragten Experten Sylvia Sadzinski und Andreas Baranowski werden wie ein YouTube-Clip, mit zusätzlichen Informationen unter dem Bild, in den Film eingefügt. Und der Abspann ist dem Impressumsteil mit den dortigen rechtlichen Erklärungen nachempfunden. Das ist eine schöne, im Rahmen dieses Films sehr gut funktionierende Idee.
Pornfluencer (Deutschland 2022)
Regie: Joscha Bongard
Drehbuch: Joscha Bongard, Wolfgang Purkhauser
mit Andreea (aka Jamie Young), Nico (aka Nico Nice), Sylvia Sadzinski, Andreas Baranowski
Sag nicht, wer du bist! (Tom à la ferme/Tom at the Farm, Kanada/Frankreich 2013)
Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan, Michel Marc Bouchard
LV: Michel Marc Bouchard: Tom at the Farm (Theaterstück)
Werbetexter Tom (Xavier Dolan) fährt zur Beerdigung seines Freundes aus Montreal in die tiefste kanadische Provinz. Dort wird er von dem gewalttätigem Bruder seines Freundes gehindert, die Farm zu verlassen.
„Sag nicht, wer du bist!“ ist nicht Dolans stärkster Film. Dafür ist alles zu gekünstelt und die Hauptfiguren verhalten sich seltsam.
Vor seinem Durchbruch arbeitete der am 13. Juli 1942 in Chicago geborene Harrison Ford in Hollywood schon zehn Jahre als Schauspieler. Ohne einen großen Eindruck zu Hinterlassen. Immerhin spielte er in George Lucas‘ „American Graffiti“ und Francis Ford Coppola „Der Dialog“ und, weil sein Kurzauftritt bereits im März 1976 gedreht wurde, in „Apocalypse Now“ mit.
Also dachte Ford ernsthaft daran, nur noch als Tischler zu arbeiten. Immerhin bezahlte diese Arbeit zuverlässig seine Miete.
Dann bot George Lucas ihm die Rolle des Han Solo in seinem neuen Film „Krieg der Sterne“ an. Der Science-Fiction-Film kam 1977 in die Kinos. Seitdem tischlert Harrison Ford nur noch in seiner Freizeit.
Danach spielte er, nach einer Idee von Lucas und Steven Spielberg, in dem Steven-Spielberg-Abenteuerfilm „Jäger des verlorenen Schatzes“ den Schatzsucher Indiana Jones. Der Film war ein Riesenerfolg. Drei weitere Filme folgten und aktuell wird ein fünfter Indiana-Jones-Film gedreht.
Kommerziell weniger erfolgreich war damals „Blade Runner“. Ridley Scotts Philip-K.-Dick-Verfilmung ist inzwischen ein Klassiker, dessen Einfluss auf den Science-Fiction-Film nicht überschätzt werden kann.
In den folgenden Jahren, vor allem in den Achtzigern und Neunzigern folgten ungefähr im Jahresturnus, weitere Hits, wie „Der einzige Zeuge“, „Mosquito Coast“, „Frantic“, „ Aus Mangel an Beweisen“, „Auf der Flucht“ und „Air Force One“. Zweimal spielte Ford in den Tom-Clancy-Verfilmungen „Die Stunde der Patrioten“ und „Das Kartell“ den CIA-Analysten Jack Ryan, der immer wieder den von ihm geliebten Schreibtisch verlassen und sich ins Getümmel stürzen muss, um die Welt zu retten. Er arbeitete, oft mehrmals, mit Peter Weir, Roman Polanski, Alan J. Pakula, Sydney Pollack, Mike Nichols, Phillip Noyce, Wolfgang Petersen, Robert Zemeckis, Kathryn Bigelow, Jon Favreau, Brian Helgeland, Gavin Hood, J. J. Abrams und Denis Villeneuve zusammen. Mit diesen Regisseuren drehte er einige Komödien und, oft mit einer ordentlichen Portion Action, viele anspruchsvolle Unterhaltungsfilme, die bei Publikum und Kritik gut ankamen und immer noch regelmäßig im Fernsehen laufen. In all den Jahren pflegte er auch seinen Ruf als Handwerker, der nicht gerne über seine Arbeit redet. Ihm eilte der Ruf eines schwierigen Interviewpartners voraus. Das scheint sich, wenn ich mir jüngere Interviews und TV-Auftritte mit ihm ansehen, in den letzten Jahren etwas geändert zu haben. Auch wenn er in dem „Vanity Fair“-Rückblick auf seine Filmkarriere jeden dort genannten Film gut findet, die beteiligten Kollegen lobt und er mit monotoner regelmäßig sagt, er habe die Rolle wegen dem Drehbuch und dem Regisseur angenommen. Aber vor allem wegen dem Drehbuch.
Die wiedergefundene Zeit (Le temps retrouvé, Frankreich/Italien 1999)
Regie: Raúl Ruiz
Drehbuch: Gilles Taurand, Raúl Ruiz
LV: Marcel Proust: Le Temps retrouvé, 1927 (Die wiedergefundene Zeit)
Kurz vor seinem Tod erinnert Marcel sich an sein Leben und er begibt sich so auf „Die Suche nach der verlorenen Zeit“.
TV-Premiere; erstaunlicherweise erst über zwanzig Jahre nach seiner Premiere in Cannes 1999. Danach lief der Film auch in unseren Kinos und die Besetzung ist vorzüglich.
Ruiz verfilmte den letzten Band von Marcel Prousts „Die Suche nach der verlorenen Zeit“ als episches, gut dreistündiges Werk. „Mit einer komplizierten Technik der erzählerischen Darbietung versucht Ruiz, die einzigartige Schreibweise Prousts ins filmische Medium zu übertragen. Das gelingt ihm im Großen und Ganzen auch.“ (Reinhard Kleber, Filmecho-Filmwoche 51/2000) „Für Proust-Liebhaber kann das alles ein Ansporn sein, die Analogien zwischen Film und Buch zu suchen, für Nichtleser stellt ‚Die wiedergefunene Zeit‘ jedoch einen opulenten eigenständigen Film dar, der sich ganz und gar selbst erzählt.“ (Marli Feldvoß, epd-Film 1/2001) „Vielleicht die beste Proust-Verfilmung – denn Raúl Ruiz geht es weniger um die Geschichte als um deren Struktur.“ (Anke Leweke, tip 3/2001)
Na, das klingt doch vielversprechend.
mit Catherine Deneuve, Emmanuelle Béart, Vincent Perez, John Malkovich, Pascal Greggory
Zwischen 1962 und 2008 schrieb P. D. James vierzehn Rätselkrimis mit dem Scotland-Yard-Ermittler Adam Dalgliesh. In den meisten Romanen hat er den Rang eines Commanders. Die bei Krimifans beliebten Romane erhielten mehrere Daggers und zahlreiche weitere Preise. 1987 erhielt P. D. James den CWA Cartier Diamond Dagger für ihr Lebenswerk. 1999 wurde sie von den Mystery Writers of America zum Grandmaster ernannt.
Im Fernsehen wurde Dalgliesh bereits von Roy Marsden und Martin Shaw (yep, „George Gently“) gespielt. Und jetzt in der TV-Serie „Adam Dalgliesh – Scotland Yard“ von Bertie Carvel. Der Theaterschauspieler spielte in der Miniserie „Jonathan Strange & Mr Norrell“ Jonathan Strange.
Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, wurde die TV-Serie um eine zweite und dritte Staffel verlängert. Die Dreharbeiten für die zweite Staffel sollen im Sommer beginnen.
Bei uns erschien jetzt auf DVD die aus drei spielfilmlangen Fällen bestehende erste Staffel. Die Filme spielen Mitte der siebziger Jahren. Als Grundlage für die Filme dienten drei Romane, von denen zwei in den Siebzigern und einer in den Achtzigern veröffentlciht wurde.
Im ersten Fall „Tod im weißen Häubchen“ stirbt in einer Krankenpflegeschule während einer Übung eine der Schülerinnen. Adam Dalgliesh soll herausfinden ob es ein Unfall (war es nicht) oder ein Mord war. Und den Täter finden.
Im zweiten Fall „Der schwarze Turm“ geht es an die Küste. Dalgliesh will einen alten Freund und Mentor, der inzwischen in einem Sanatorium lebt, besuchen. Als er dort ankommt, erfährt er, dass sein Freund verstorben ist. Dalgliesh will trotzdem einige Tage bleiben. Als er sich in dem einsam gelegenem Sanatorium umsieht, stößt er auf einige seltsame Todesfälle und einen spirituellen Berater, der für die im Sanatorium lebenden, in ihrer Mobilität oder anderweitig eingeschräkten Menschen ein Guru ist.
Im dritten Fall „Der Beigeschmack des Todes“ ermittelt Dalgliesh erstmals in London. In der Kirche St. Matthew werden zwei Männer mit durchgeschnittener Kehle gefunden. Einer der Toten ist ein obdachloser Alkoholiker, der andere ein kürzlich zurückgetretener Minister Ihrer Majestät.
Obwohl dieser Fall in London spielt und die Straßen fotogen mit Obdachlosen gesäumt sind, ist er ähnlich zeitlos wie die beiden vorherigen Fälle. Das liegt auch daran, dass die Ermittlungen vor allem im historischen Kirchengebäude und einem herrschaftlichem Anwesen stattfinden.
Adam Dalgliesh ist ein angenehm altmodischer Ermittler, der an erster, zweiter und dritter Stelle ein Ermittler ist. Der Tod seiner Frau und seine Karriere als Dichter werden zwar in jeder Folge angesprochen, aber sie haben keine Auswirkung auf die Krimihandlung. Er ist einfach ein Ermittler, der den Täter sucht. Dafür befragt er Zeugen und Verdächtige, sammelt Beweise und überführt ihn am Ende. Genauso, wie es vor ihm schon zahlreiche andere Ermittler taten.
Helfen tut ihm im ersten Fall der ruppige Kriminalpolizist Charles Masterson (Jeremy Irvine), der etwas zu penetrant seine Vorurteile gegen Minderheiten und Frauen pflegt. Im zweiten Fall ist die junge Polizistin Kate Miskin (Carlyss Peer) seine Mitarbeiterin. Die Schwarze arbeitet auf der dortigen Polizeistation und hilft Dalgliesh etwas abseits von den Dienstvorschriften. Im dritten Fall helfen beide Dalgliesh bei den Ermittlungen und zoffen sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten etwas.
Die Filme sind altmodische Rätselkrimis, die in den Siebzigern spielen, aber vollkommen zeitlos sind. Es gibt kein nennenswertes Zeitkolorit. Es gibt keine Neubetrachtungen der Vergangenheit aus der heutigen Perspektive (wie in den schon erwähnten George-Gently-Krimis). Das liegt auch daran, dass Adam Dalglieshs Fälle an Orten spielen, die von der restlichen Welt abgeschottet sind und die sich in den vergangenen hundert Jahren (oder mehr) kaum veränderten.
Wer also einen Rätselkrimi sehen möchte, der direkt aus den Siebzigern (oder Jahrzehnte früher) stammen könnte, sollte sich die Adam-Dalgliesh-Krmis ansehen.
Und, wie immer bei Romanverfilmungen, kann man die Filme als einen Anlass nehmen, die ausgezeichneten Romane wieder (?) zu lesen.
Adam Dalgliesh, Scotland Yard – Staffel 1 (Dalgliesh, Großbritannien 2021)
mit Bertie Carvel (Adam Dalgliesh), Jeremy Irvine (DS Charles Masterson), Carlyss Peer (DS Kate Miskin)
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Die Fälle der ersten Staffel
Tod im weißen Häubchen(Shroud for a Nightingale)
Regie: Jill Robertson
Drehbuch: Helen Edmundson
LV: P. D. James: Shroud for a Nightingale, 1971 (Tod im weißen Häubchen)
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Der schwarze Turm (The black Tower)
Regie: Andy Tohill, Ryan Tohill
Drehbuch: Stephen Greenhorn
LV: P. D. James: The Black Tower, 1975 (Der Schwarze Turm)
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Der Beigeschmack des Todes (A Tast for Death)
Regie: Lisa Clarke
Drehbuch: Helen Edmundson
LV: P. D. James: A taste for death, 1986 (Der Beigeschmack des Todes)
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DVD
Edel Motion
Bild: PAL 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 272 Minuten (6 x 45 Minuten, 2DVDs)
FSK: ab 16 Jahre (wegen des dritten Falls; obwohl da auch eine FSK-12 möglich gewesen wäre)
Tatort: Platzverweis für Trimmel (Deutschland 1973)
Regie: Peter Schulze-Rohr
Drehbuch: Peter Schulze-Rohr, Friedhelm Werremeier
LV: Friedhelm Werremeier: Platzverweis für Trimmel, 1972
Im Tor liegt ein ermordeter Mann. Und Hauptkommissar Paul Trimmel hat einen neuen Fall, der ihn auch in die gar nicht so heile Welt des Profi-Fußballs führt.
„Platzverweis für Trimmel“ verarbeitet den heute möglicherweise sogar bei historisch bewanderte Fußballfans unbekannten Bundesligaskandal aus den frühen siebziger Jahren. Die Idee für die Geschichte hatte Trimmel-Erfinder Friedhelm Werremeier schon davor. Zur Neuausgabe seines damals „’historischen‘ Romans“ schrieb Friedhelm Werremeier 1985: „Clevere Ganoven spielen (und kassieren) bekanntlich seit eh und je überall dort mit, wo großes Geld umgesetzt wird – und dieses ‚Gesetz des Ungesetzlichen‘ dürfte seine Gültigkeit deshalb gerade im internationalen Profifußballgeschäft nie verlieren.“
Insofern ist es erstaunlich, wie wenige Skandale es im Fußball gibt.
Ansonsten: toller alter „Tatort“, der inzwischen ein ‚historischer Film‘ ist, nach einem tollen Roman.
mit Walter Richter, Edgar Hoppe, Ulrich von Bock, Joachim Richert, Christa Berndl, Klaus Stieringer
In einer südfranzösischen Industriestadt hilft Doktor Valerio seinen armen Patienten und gerät darüber in Streit mit einem bösartigem Industriellen. Während seine Ehe darüber zerbricht, hält eine vermögende Gönnerin zu ihm.
Fast unbekanntes, selten gezeigtes Werk von Luis Buñuel, dem Regisseur von, u. a., „Der andalusische Hund“, „Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz“, „Belle de Jour“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“, „Das Gespenst der Freiheit“ und „Dieses obskure Projekt der Begierde“.
mit Georges Marchal, Lucia Bosé, Gianni Esposito, Nelly Bourgeaud, Julien Bertheau
Nur die Sonne war Zeuge (Plein soleiel, Frankreich/Italien 1960)
Regie: René Clément
Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?
Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.
Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.
Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.