Die zwei Gesichter des Januars (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)
Regie: Hossein Amini
Drehbuch: Hossein Amini
LV: Patricia Highsmith: The two Faces of January, 1964 (Unfall auf Kreta, Die zwei Gesichter des Januars)
Athen, 1962: Der kleine Betrüger Rydal (Oscar Isaac) schlägt sich als Fremdenführer durch, trifft das amerikanische Ehepaar Chester MacFarland (Viggo Mortensen) und Colette (Kirsten Dunst) und wird in einem Mordfall verwickelt. Denn auch Chester ist in betrügerische Geschäfte verwickelt.
Verrat auf Befehl (The Counterfeit Traitor, USA 1962)
Regie: George Seaton
Drehbuch: George Seaton
LV: Alexander Klein: The Counterfeit Traitor, 1958
Schweden, 1942: der schwedische Ölindustrielle Eric Erickson wird von den Allierten gezwungen, die Nazis bei einem groß angelegtem Scheingeschäft auszuspähen. Dummerweise verliebt er sich in die Gattin eines deutschen Offiziers.
George Seatons heute fast unbekannter Agentenfilm lief zuletzt vor 25 Jahren im TV.
„Obgleich auf Tatsachen beruhend, besonders im zweiten Teil mehr turbulentes Abenteuer als Zeitschicksal.“ (Lexikon des Internationalen Films)
mit William Holden, Lilli Palmer, Wolfgang Preiss, Hugh Griffith, Holger Hagen, Carl Raddatz, Charles Regnier, Wolfgang Preiss, Ingrid van Bergen, Werner Peters, Klaus Kinski, Erik Schumann
Bevor am Donnerstag der „Todesmarsch“ startet (Besprechung folgt), gibt es ein Wiedersehen mit einem King-Klassiker
Tele 5, 22.10
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (Carrie, USA 1976)
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Lawrence D. Cohen
LV: Stephen King: Carrie, 1974 (Carrie)
In der Schule wird Carrie von ihren Klassenkameradinnen gemobbt. Zu Hause wird sie von ihrer fanatisch-religiösen Mutter zum Gebet gezwungen. Als sie vom Schulschönling zur Abschlussfeier eingeladen wird, reagiert die telekinetisch begabte Carrie etwas übertrieben.
Horrorfilmklassiker und die erste Verfilmung einer Geschichte von Stephen King.
„Brian De Palma demonstriert in dieser ultimativen Rachefantasie mit elaborierten Kamerafahrten, exzessivem Zeitlupeneinsatz und farblichen Manipulationen sein filmisches Repertoire. Unterstützt wird er dabei von großartigen Jungdarstellern, von denen viele eine erfolgreiche Hollywood-Karriere schafften.“ (Frank Schnelle/Andreas Thiemann: Die 50 besten Horrorfilme, 2010 – in dem Metaranking kommt „Carrie“ auf den zehnten Platz)
mit Sissy Spacek, Piper Laurie, Amy Irving, William Katt, John Travolta
Nach einem Bankraub flüchten zwei Bankräuber in ein verlassenes Kaff – und liefern sich schnell mit den dort lebenden Goldgräbern ein tödliches Duell.
Ein deutscher Genrefilm, ein in der Gegenwart spielender Western, der wirklich nichts von der Biederkeit und Langeweile vieler anderer deutscher Genrefilme der letzten Jahrzehnte hat, sondern originäres Kino ist.
„Ein Quasi-Western, ein Reißer und ein lyrisches Gespinst aus Farben, flirrendem Licht, Wüstensand und schemenhaften Figuren.“ (Wolf Donner, Die Zeit)
Die Musik ist von „The Can“, die Bilder von Robert Van Ackeren („Harlis“, „Die flambierte Frau“).
mit Mario Adorf, Anthony Dawson, Mascha Elm Rabben, Marquard Bohm, Sigurd Fitzek, Betty Segal
Am 19. Februar 2020 ermordet der 43-jährige Rechtsextremist Tobias Rathjen in Hanau innerhalb weniger Minuten neun junge Menschen mit Migrationsbiographie: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Sechs weitere Menschen verletzt er teilweise schwer. Anschließend erschießt Rathjen seine Mutter und sich selbst.
Marcin Wierzchowski begann unmittelbar danach mit seinem Dokumentarfilm „Das Deutsche Volk“. Er befragt die Angehörigen und auch die Überlebenden des Anschlags. Er lässt sie reden. Er beobachtet sie und hält sich dabei unauffällig im Hintergrund. Über mehrere Jahre begleitet er sie und zeigt auch, wie sie um Informationen, Anerkennung ihres Leids und die richtige Form des Gedenkens kämpfen.Er zeigt, wie Rathjens Tat ihr Leben beeinflusst.
Das hat unbestritten viele starke Momente. Auch Wierzchowskis Entscheidung, den Film als SW-Film in ruhigen Bildern zu präsentieren, gefällt. Weniger, viel weniger gefällt, dass Wierzchowski sein Material chronologisch, weitgehend in der Form eines beobachtenden Dokumentarfilms präsentiert. Eine chronologische Anordnung des Materials ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Vor allem wenn diese chronologische Erzählung von einem Verfahren oder Ereignissen eingerahmt werden, die ihr eine Dramaturgie mit einem klaren Anfang und Ende geben. Eine polizeiliche Ermittlung, ein Gerichtsverfahren oder ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sind solche Verfahren. Wierzchowski belässt es bei der mit der Tat beginnenden chronologischen Aneinanderreihung von Ereignissen und wahrscheinlich immer zu diesem Zeitpunkt aufgenommenen Statements Betroffener. Es ist eine auf kein eindeutiges Ende fokussierte, ermüdende Und-dann-Dramaturgie. Irgendwann hört „Das Deutsche Volk“ ainfach auf.
Das andere große Problem ist das eklatante Missverhältnis zwischen investierter Zeit – „Das Deutsche Volk“ dauert 138 Minuten – und Informationsgewinn. Als Zuschauer muss man sich mühsam aus Nebensätzen zusammenreimen, was in der Nacht geschah und in welcher Beziehung die sprechenden Köpfe zu den Ermordeten stehen. Wierzchowski verzichtet auf ein Voice-Over. Er verzichtet auf erklärende Texteinblendungen, wozu auch Namenseinblendungen gehören. Er verzichtet auf eine Einordnung der Statements. Bei aller berechtigten, notwendigen und wichtigen Konzentration auf die Menschen, die sonst keine Stimme haben und die nach meiner Meinung schon seit Jahrzehnten zu Deutschland gehören, wäre das notwendig. So bleiben nur subjektive Statements.
Mit seinem geringen Erkenntnisgewinn ist „Das Deutsche Volk“ bestenfalls eine kleine, bewusst parteiische Ergänzung zum öffentlichen Diskurs über rechtsextremistische Taten.
Das Deutsche Volk (Deutschland 2025)
Regie: Marcin Wierzchowski
Drehbuch: Marcin Wierzchowski
mit Cetin Gültekin, Armin Kurtovic, Said Etris Hashemi, Niculescu Păun, Emis Gürbüz, Piter Minnemann
Die Mutter ist Alkoholikerin. Ihre älteste Tochter Tilda (Luna Wedler) kümmert sich um sie und ihre elfjährige Schwester Ida, studiert an einer nahe gelegenen Universität Mathematik und jobbt an der Kasse des Supermarktes. In einem Gedankenspiel versucht sie anhand der gekauften Lebensmittel zu erraten, wer sie kauft. Sie ist nur mäßig erfolgreich bei diesem Ratespiel. Zur Ruhe kommt sie im Freibad beim Schwimmen von 22 Bahnen.
„22 Bahnen“ ist auch der Titel von Caroline Wahls Bestseller-Debütroman „22 Bahnen“, der jetzt von Mia Maariel Meyer, nach einem Drehbuch von Elena Hell, mit Luna Wedler und Jannis Niewöhner in den Hauptrollen verfilmt wurde.
Nachdem die Grundpfeiler von Tildas Leben schnell etabliert sind, gerät ihr chaotisches, aber durchgeplantes Leben etwas in Unordnung. Im Freibad trifft sie auf Viktor (Jannis Niewöhner), den älteren, geheimnisumwitterten Bruder einer fünf Jahre zurückliegenden Beziehung, und ihr Lehrer informiert sie über eine Promotionsstelle in Berlin, die sie mühelos bekommen könnte. Aber dann müsste Tilda die Kleinstadt verlassen und ihre schutzbedürftige Schwester mit ihrer Mutter zurücklassen.
Als Charakterstudie und feinfühlige Beschreibung einer jungen Frau und ihres allernächsten Umfelds ist „22 Bahnen“ durchaus gelungen. Aber vieles bleibt oberflächlich und wird eher angedeutet als auserzählt. Dazu gehört auch der Plot, in dem Tilda versucht, das Selbstvertrauen ihrer jüngeren Schwester zu stärken. Er wird mit einem Voice-Over-Satz angedeutet. Es gibt später ein, zwei entsprechend interpretiertbare Szenen und dann, viele Filmminuten später, das Ergebnis ihrer Bemühungen.
Letztendlich ist „22 Bahnen“ eine weitere deutsche Coming-of-Age-Geschichte, in der die Hauptperson während des gesamten Films darüber räsoniert, dass das Leben im Dorf furchtbar sei und sie eigentlich in die große Stadt ziehen möchte. Über neunzig Minuten dreht sich die Geschichte im Kreis. Dann passiert ein Unglück, beispielsweise ein Autounfall, und die Hauptfigur verlässt das Dorf, ihre Familie und Freunde. Niemand hindert sie daran, das zu tun, was sie schon vor langer Zeit hätte tun können.
Meyer variiert diesen Grundplot an einigen Stellen. Aber die meiste Zeit des Films wird nur eine statische Situation beschrieben.
P. S.: Keine Ahnung, warum Tilda immer 22 Bahnen schwimmt.
P. P. S.: Es gibt verschiedene Hilfsangebote, die von Betroffenen und deren Umfeld in Anspruch genommen werden können und sollten.
22 Bahnen (Deutschland 2025)
Regie: Mia Maariel Meyer
Drehbuch: Elena Hell
LV: Caroline Wahl: 22 Bahnen, 2023
mit Luna Wedler, Zoë Baier, Laura Tonke, Jannis Niewöhner, Zoe Fürmann, Eleanor Reissa, Kosmas Schmidt, Ercan Karacayli
Der Körper meines Feindes (Le corps de mon ennemi, Frankreich 1976)
Regie: Henri Verneuil
Drehbuch: Michel Audiard, Félicien Marceau, Henri Verneuil
LV: Félicien Marceau: Le Corps de mon ennemi, 1975
Leclerq saß sieben Jahre unschuldig im Knast. Jetzt kehrt er in sein stinkkorruptes Heimatstädtchen zurück und will sich rächen.
Ein Belmondo ohne Action und einer rückblendenlastigen Erzählstruktur. Das war damals eine Ausnahme im Belmondoschen Ouevre. Daher ist „Der Körper meines Feindes“ vor allem etwas für die Freunde des gut abgehangenen französischen Polit-Thrillers.
Mit Jean-Paul Belmondo, Bernard Blier, Marie-France Pisie, Charles Gérard, Daniel Ivernel, Claude Brosset, Nicole Garcia
Beginne eine Geschichte immer möglichst nahe am Höhepunkt und erzähle die Geschichte chronologisch. Das sind zwei gängige und gute Tipps aus Schreibratgebern. An einen Ratschlag hält sich „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“. An den anderen nicht. Und das ist durchaus ein Problem.
1986 gehen – ich folge der Filmgeschichte – die Geisterjäger Ed und Lorraine Warren (wieder gespielt von Patrick Wilson und Vera Farmiga) in das Haus der Smurls in West Pittston, Pennsylvania. In dem Duplex leben drei Generationen auf engstem Raum zusammen. Seit der Konfirmation ihrer Tochter Heather werden sie von übernatürlichen Erscheinungen heimgesucht.
In dem Jahr waren die Ed und Lorraine Warren eigentlich schon im Ruhestand. Aber nach dem Tod von Pater Gordon und nachdem ihre Tochter Judy von etwas in dem Haus angezogen wurde, übernehmen die Warrens den Fall. Ihr Freund Pater Gordon wurde möglicherweise irgendwie von einem Dämon, der auch in dem Smurl-Haus lebt, getötet. Judy, die die übersinnliche Begabung ihrer Mutter geerbt hat, spürt irgendeine Verbindung zu dem Haus.
Dieser für die Warrens weitgehend normale Fall soll, wie der Filmtitel andeutet, das Ende der „Conjuring“-Filmreihe sein. Jedenfalls der Hauptreihe mit Farmiga und Wilson, aber nicht der ähnlich lukrativen anderen Filmreihen und potentiellen Filmreihen aus dem „Conjuring“-Universum. Denn Judy (Mia Tomlinson) und ihr Freund und zukünftiger Ehemann Tony Spera (Ben Hardy), die hier eindeutig Nebenfiguren sind, die dem Publikum vorgestellt werden, können weitere Fälle übernehmen. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und es können noch etliche weitere Fälle der real existierenden Warrens als Inspiration für Filme genommen werden.
Ed und Lorraine Warren waren in den USA bekannte Geisterjäger. Ed lebte von 1926 bis 2006, Lorraine von 1927 bis 2019. Aktiv waren sie ab 1952. Ihre Tätigkeit erstreckte sich dabei nicht nur auf das Jagen von Dämonen und Geistern, sondern auch auf die Vermarktung ihrer Erlebnisse in Büchern, Filmen und Vorträgen. Kritiker hielten ihre Erklärungen für die seltsamen Ereignisse weitgehend für Unfug.
Beginnen tut „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ allerding nicht 1986, sondern 1964. Während die hochschwangere Lorraine Warren gerade mehr über einen Dämon und einen Spiegel herausfinden will, setzen die Wehen ein. Wenig später wird ihre Tochter Judy in einem Krankenaus geboren.
Von dieser Geburt an erzählt Michael Chaves seinen Film chronologisch und zwischen den Ereignissen in der Smurl-Familie und den Warrens wechselnd. Während es bei den Smurls zunehmend dämonische Erscheinungen gibt, halten die Warrens Vorträge über ihre Arbeit, treffen sich mit Freunden, essen gemeinsam zu Abend und begutachten Tony, den neuen Freund ihrer Tochter. Auch die aus zwei Solo-Filmen bekannte besessene Puppe Annabelle ist, ohne irgendetwas zur Filmgeschichte beizutragen, mehrmals im Bild.
Diese Ouvertüre vor dem Betreten des Hauses und der anschließenden Dämonenaustreibung dauert gut neunzig Minuten (bzw. ungefähr 2/3 des Film). Sie ist nur erträglich, weil klar ist, dass es sich um vorbereitende Szenen für die irgendwann stattfindende Dämonenaustreibung handelt.
Spannend ist das allerdings nicht. Eine stärkere Identifikation mit den einzelnen Figuren will sich nicht einstellen. Die Smurl-Familie bliebt eine austauschbare Großfamilie ohne besondere Eigenschaften. Ed und Lorraine Warren sind natürlich die Hauptfiguren, aber die meiste Zeit sind sie nicht im Film und wenn doch, dann bei alltäglichen Arbeiten wie dem Haushalt (sie) und dem Abchecken des neuen Freundes ihrer Tochter beim Tischtennis, dem Reparieren des Motorrads und dem Erzählen von Geschichten (er) beschäftigt. Mit ihrer Arbeit als Geisterjäger hat das nichts zu tun. Vera Farmiga und Patrick Wilson spielen diese Szenen aus dem Leben einer glücklichen Vorstadtfamilie als habe man sie aufgrund bestehender Verträge dazu genötigt, diese banalen Szenen zu spielen. Keine dieser Szenen ist wirklich schlecht, aber jede in diesen Szenen präsentierte Information hätte man bei der Geisterjagd im Smurl-Haus wirkungsvoller präsentieren können.
Die Entscheidung der Drehbuchautoren Ian Goldberg, Richard Naing und David Leslie Johnson-McGoldrick und von Regisseur Michael Chaves (der davor „Lloronas Fluch“, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ und „The Nun II“ inszenierte) die Geschichte chronologisch zu erzählen macht aus „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ einen behäbigen Film. Es dauert einfach viel zu lange, bis die Geschichte wirklich beginnt. Das ist der Moment, dem Ed und Lorraine Warren das Smurl-Haus betreten und mit ihrer Arbeit beginnen.
Der potentiell spannende Fall wird dann in einem halbstündigem Budenzauber erledigt, der fast alles hat, was das Herz des Geisterhaus-Horrorfilmfans begehrt. Auf Suspense und potentiell interessante Hintergründe über die in dem Haus, uh, lebenden Dämonen wird verzichtet. Ihr schreckliches Aussehen und die entsetzten Reaktionen der Menschen müssen genügen.
So ändert auch „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ nichts an der Tatsache, dass die ersten beiden „Conjuring“-Filme, beide inszeniert von James Wan, die besten Filme der Serie und des gesamten Conjuring-Universum sind und dass Michael Chaves ein bestenfalls mittelmäßiger Horrorfilmregisseur ist. Wenn man keinen traditionellen Geisterhaushorrorfilm erwartet, in dem ein Haus und die Jagd nach dem unerwünschten Hausgast im Mittelpunkt stehen, ist „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ der okaye, aber letztendlich enttäuschende Abschluss der „Conjuring“-Serie. Er ist mehr Familien- als Horrorfilm und mehr Judys Film als der Film ihrer Eltern.
Deshalb kann dieser schwache Abschluss der Serie mit den Erlebnissen von Ed und Lorraine Warren auch der Start der Erlebnisse ihrer Tochter als Dämonenjägerin sein.
Conjuring 4: Das letzte Kapitel (The Conjuring: Last Rites, USA/Großbritannien 2025)
Regie: Michael Chaves
Drehbuch: Ian Goldberg, Richard Naing, David Leslie Johnson-McGoldrick (nach einer Geschichte von David Leslie Johnson-McGoldrick und James Wan, basierend auf von Chad Hayes und Carey W. Hayes erfundenen Figuren)
mit Vera Farmiga, Patrick Wilson, Mia Tomlinson, Ben Hardy, Steve Coulter, Rebecca Calder, Elliot Cowan, Kila Lord Cassidy, Beau Gadsdon, John Brotherton, Shannon Kook, Molly Cartwright, Tilly Walker, Peter Wight, Kate Fahy
Nach einer aus dem Ruder gelaufenen Party hat die 17-jährige Anna (Franka Potente) Hausarrest. Weil sie in München an einem Casting teilnehmen will, haut sie ab. Ihre Eltern suchen sie.
Äußerst gelungene Komödie über Kinder und ihre Eltern.
mit Franka Potente, Axel Milberg, Dagmar Manzel, Farina Brock, Sibylle Canonica, Peter Ender, Thomas Schmauser, Johann von Bülow
Conjuring – Die Heimsuchung (The Conjuring, USA 2013)
Regie: James Wan
Drehbuch: Chad Hayes, Carey W. Hayes
Bevor am Donnerstag „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ mit den real existierenden Geisterjägern Lorraine und Ed Warren startet, gibt es die Gelegenheit, sich die beiden ersten, besten und erfolgreichsten „Conjuring“-Filme anzusehen (innerhalb des „Conjuring“-Franchise war nur „The Nun“ an der Kinokasse erfolgreicher).
In „Conjuring – Die Heimsuchung“ kämpfen die Warrens 1971 gegen einen Geist, der die neuen Bewohner eines Hauses auf Rhode Island terrorisiert.
James Wans Film ist ein feiner Old-School-Grusler, der eine vertraute Geschichte gut erzählt.
mit Vera Farmiga, Patrick Wilson, Ron Livingston, Lili Taylor, Joey King, Shanley Caswell, Hayley McFarland, Mackenzie Foy, Kyla Deaver, Sterling Jerins
Die drei Tage des Condor (Three Day of the Condor, USA 1975)
Regie: Sydney Pollack
Drehbuch: Lorenzo Semple jr., David Rayfield
LV: James Grady: Six days of the Condor, 1974 (Die 6 Tage des Condor)
Joe Turner ist ein Büromensch und Angestellter der CIA. Als er nach einem Einkauf in das Büro zurückkommt sind seine Kollegen tot und er wird gejagt. Von den eigenen Leuten, wie Turner schnell herausfindet. Turner kämpft um sein Leben.
Der spannende Thriller entstand unmittelbar nach der Watergate-Affäre und fängt – wie einige andere fast zeitgleich entstandene Filme – die damalige Atmosphäre von Mißtrauen und Paranoia gut ein.
Das Drehbuch erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Mit Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman
Agent Trouble – Mord aus Versehen (Agent Trouble, Frankreich 1987)
Regie: Jean-Pierre Mocky
Drehbuch: Jean-Pierre Mocky
LV: Malcolm Bosse: The Man who loved Zoos, 1974
Im Elsass stürzt ein Reisebus mit fünfzig Fahrgästen in einen Bergsee. Ein tragischer Unfall, heißt es. Aber Tierschützer Victorien weiß, dass die Passagiere schon vorher tot waren. Kurz darauf wird er ermordet – und seine Tante Amanda (Catherine Deneuve) beginnt den Mörder zu suchen.
Diese Quasi-TV-Premiere (1990 strahlte RTL plus den Film aus; weitere TV-Ausstrahlungen sind nicht bekannt) dürfte Catherine Deneuves unbekanntester Film sein. Seine deutsche Premiere erlebte er 1989 auf Video.
Könnte trotzdem eine Entdeckung sein.
„Agent Trouble“gehört „als Hommage an den klassischen englischen Kriminalfilm, zu seinen diszipliniertesten Arbeiten, wenngleich er seine spezifische Handschrift auch hier in keiner Weise verleugnet.“ (Fischer Film Almanach 1990)
mit Catherine Deneuve, Richard Bohringer, Tom Novembre, Dominique Lavanant, Sophie Moyse, Kristin Scott Thomas, Sylvie Joly, Pierre Arditi
Regie: Quentin Tarantino (Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth)
Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)
Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.
Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.
Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.
mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)
Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (Big Fish, USA 2003)
Regie: Tim Burton
Drehbuch: John August
Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)
Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.
Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet, ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.
Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)
TV-Premiere. Christian Petzold erzählt von vier jungen Menschen, die an der Ostsee in einem abgelegenem Ferienhaus einige Tage gemeinsam verbringen, prokrastinieren, reden und sich verlieben.
Definitv nicht sein bester Film. Aber das ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau.
Auf der Berlinale gab es für seinen Sommerfilm viel Kritkerlob und den Silbernen Bären.
Wenige Tage nach der Meldung, dass „In die Sonne schauen“ der deutsche Kandidat für den Auslandsoscar ist, läuft Mascha Schilinskis in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichneter Film im Kino an. Begleitet wird er von euphorischen Kritiken, denen ich mich nicht anschließen kann.
Schilinskis Drama spielt in Sachsen-Anhalt in der Altmark auf einem Vierseitenhof. Sie erzählt auf vier kaum zu unterscheidenden Zeitebenen – nämlich den zehner, vierziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts und den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts – von jungen Frauen, eher noch Kinder oder Mädchen, ihrem Leben und wie ihre Leben, auch wenn sie sich nicht kennen, miteinander verflochten sind. Möglicherweise sind sie noch nicht einmal miteinander verwandt. So steht in dem in den 2020ern spielenden Geschichte eine aus Berlin kommende, renovierungsfreudige Familie, über die wir nichts erfahren und die offensichtlich nichts mit den Vorbesitzern zu tun hat, im Mittelpunkt. Es geht immer um „unausgesprochene Ängste, verdrängte Traumata, verschüttete Geheimnisse“ und ihre Leben sind „auf unheimliche Weise miteinander verwoben“ (Synopsis, Presseheft).
Daraus entsteht keine herkömmliche Geschichte. Es entsteht auch kein eindeutig interpretierbares Geflecht von Bildern. Der Film ist eher ein frei flottierender Bewusstseinsstrom von Bildern und Assoziationen, ohne Ursache und Wirkung. „In die Sonne schauen“ kann als lyrisches Gedicht gesehen werden, das diese Zeitebenen und Frauenschicksale miteinander verbindet und dabei das genaue „wie“ und „warum“ der Verbindung der Kombinationsfreude des Zuschauers überlässt. Naheliegende Interpretationen, wie sexuelle Gewalt, Frauen unterdrückende Machtverhältnisse und wie sie sich dagegen wehren, können in den Film interpretiert werden. Schließlich wird das alles angesprochen. Oder präziser: es gibt Bilder, die mühelos so interpretiert werden können. Allerdings kann das in fast jeden Film hineininterpretiert werden; vor allem, wenn man gerade nicht weiß, um was es geht und man schlau wirken möchte. Bei „In die Sonne schauen“ verbleibt jede Interpretation auf einer rein assoziativen Ebene. Sie erklärt nichts. Sie ist willkürlich. Sie behauptet Zusammenhänge zwischen früheren und Jahrzehnte späteren Ereignissen. Aber mit der Interpretation, dass es um Macht und die Unterdrückung von Frauen geht, kann ich gut leben.
Die Regisseurin deutet allerdings eine andere Interpretation an: „Hinter ihrem assoziativen Bilderstrom werden immer mehr Zusamenhänge sichtbar, Muster von Wiederholungen. (…) Es geht darum, was in uns durch die Zeiten hindurch lebt, uns bestimmt und uns vielleicht sogar aus der Zeit heraus, aus der Zukunft anblickt. (…) Es geht auch um die Frage, was eventuell in unseren Körpern eingraviert ist, was vielleicht lange vor unserer Geburt geschah. (…) Es sollte ein Gefühl entstehen, als hinterließen die Erlebnisse unserer Vorfahren in unseren Körpern Spuren.“
Als Beispiele nennt sie auf den ersten Blick rätselhaften Geschichten von einem Kind, das Kindheitserlebnisse seines Vaters träumt, einem Jungen, der nach einer Explosion durch den Wald läuft und an einem Ort gefunden wird, an dem sich seine Familie während des Zweiten Weltkriegs vor Angriffen versteckte und von einem Mädchen, das in einer Therapie von sexuellem Missbrauch erzählt, den ihre Mutter erfahren hat.
Diese Interpretation führt dann geradewegs ins esoterische Geschwurbel, das hier ernsthaft diskutiert werden soll. Dann geht es um irgendwelche Dinge, die unter einigen der teils nicht miteinander verwandten Bewohner des Hofes nach irgendeinem Zufallsprinzip weitergegeben werden, weil das in diesem Haus so ist.
So betrachtet ist „In die Sonne schauen“ sich in rätselhaften Andeutungen ergehendes, mit zweieinhalb Stunden Laufzeit überlanges New-Age-Geschwurbel;- und wahrscheinlich ist das genau der Grund, warum mich das Arthaus-Drama in keinster Weise ansprach und unendlich langweilte.
Einer der uninteressantesten Filme des Jahres.
In die Sonne schauen (Deutschland 2025)
Regie: Mascha Schilinski
Drehbuch: Mascha Schilinski, Louise Peter
mit Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Zoë Baier, Hanna Heckt, Lea Drinda, Luise Heyer, Greta Krämer, Filip Schnack
Das ist jetzt ein Film für den Noir- und Hardboiled-Fan und die Fans von Krimiautor Charlie Huston, der ab 2004 mehrere grandiose Romane, drei davon mit ‚Prügelknabe‘ Hank Thompson und fünf mit Joe Pitt schrieb. Die Pitt-Romane sind eine gelungene Mischung aus Hardboiled-Privatdetektiv- und Vampirroman. Im letzten Jahrzehnt orientierte Huston sich Richtung Hollywood, unter anderem als Autor und Produzent der TV-Serie „Gotham“. Die Huston-Fans dürfen sich freuen, dass jetzt sein erster Hank-Thompson-Roman fürs Kino verfilmt wurde. Und zwar von keinem geringerem als Darren Aronofsky. Zu seinen vorherigen Filmen gehören „The Whale“, „Black Swan“, „The Wrestler“ und „Requiem for a Dream“. Das sind alles hochgelobte und vielfach ausgezeichnete Arthaus-Filme. Manchmal geht es in seinen Filmen in Richtung Horrorfilm, aber bislang nie in Richtung Kriminalfilm. Und trotzdem ist er, das kann schon jetzt verraten werden, eine ausgezeichnete Wahl. Wobei ‚Wahl‘ etwas missverständlich ist. Denn, so Aronofsky, der Hustons Roman kurz nach seinem Erscheinen las und seitdem an eine Verfilmung dachte: „I was so entertained and pumped by the book when I first read it 18 years ago. Then a bunch of time passed, and Charlie tracked me down with an email out of the blue—they now controlled the book and had written a screenplay.”
Huston ergänzt: „I wrote this book way back in 1998, the year the story is set in. There’s a ton of my own lived experience in the story’s main character. When Darren Aronofsky reached out to me 18 years ago to say that he was interested in the book, it was super exciting. I loved the idea of Darren taking his visual sensibility and the dynamism of his storytelling and applying it to this story.”
Wie gesagt, schrieb Charlie Huston das Drehbuch. Aus Hank Thompson wurde Hank Thomas. Gespielt wird er von „Elvis“ Austin Butler.
Hank hatte bis zu einem fatalen Autounfall eine glänzende Karriere als Baseball-Spieler vor sich sich. Jetzt, was in diesem Fall 1998 ist, jobbt er in New York in der Lower East Side in einer Kaschemme, in der sich die trinkfreudige Nachbarschaft trifft. Er ist mit der Rettungssanitäterin Yvonne liiert. Er lebt in einem dieser heruntergekommenen New-Yorker-Apartments, die zuletzt vor Jahrzehnten renoviert wurden. Seine Nachbarn sind – naja, auch keine Millionäre. Einer ist Russ, ein Punk, der jetzt unbedingt nach London zu seinem im Sterben liegendem Vater muss. Er bittet Hank, auf seine über alles geliebte Katze aufzupassen.
Der gutmütige Hank sagt zu und gerät in Teufels Küche. Denn Russ hat anscheinend ungefähr mit allen örtlichen Verbrechergangs und der Polizei Ärger. Sie wollen etwas von Russ und sie glauben, dass Hank weiß, wo der gesuchte Gegenstand ist. Keiner dieser ungefragt in seiner Wohnung auftauchenden Gangster schreckt vor Gewalt zurück. Seine Chancen, die Geschichte lebendig zu überleben, tendieren, wie ihm eine Polizistin erklärt, gegen Null.
„Caught Stealing“ ist ein schön schwarzhumoriger Hardboiled-Krimi mit einem gut aufgelegtem Ensemble und einer Menge überraschender Wendungen. Aronofsky, der damals, wie Huston, in dem Viertel lebte und der dort auch sein Spielfilmdebüt „Pi“ inszenierte, skizziert schnell die verschiedenen Gruppen und Ethnien und ihre Besonderheiten. Ein Höhepunkt sind dabei die beiden jiddischen Gangster, die gleichzeitig orthodoxe Juden und Brüder sind.
Der mit einigen selten gezeigten Stadtansichten von New York garnierte Krimi ist definitiv keine Kopie von Quentin Tarantino (der in den Neunzigern von jedem zweiten Regisseur schlecht kopiert wurde) oder Guy Ritchie (dem englischen Pendant zu Tarantino, der dann zu sehr in dicke Muckis, harte Jungs und filmische Spielereien verliebt ist). „Caught Stealing“ ist ein absolut eigenständiger Krimi – und ein willkommener Anlass, die aktuell nur noch antiquarisch erhältlichen Hardboiled-Krimis von Charlie Huston im nächsten Antiquariat zu…kaufen.
Caught Stealing (Caught Stealing, USA 2025)
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Charlie Huston
LV: Charlie Huston: Caught Stealing, 2004 (Der Prügelknabe)
mit Austin Butler, Regina King, Zoë Kravitz, Matt Smith, Liev Schreiber, Vincent D’Onofrio, Griffin Dunne, Benito A Martínez Ocasio, Carol Kane, Laura Dern
Eine gute Idee kann gerne mehrmals verwendet werden. Schließlich protestiert niemand gegen die nächste Shakespeare-Aufführung und Verfilmung mit dem Hinweis, dass das Stück bereits präsentiert wurde.
Darum spricht auch nichts gegen eine neue Verfilmung von Warren Adlers „The War of the Roses“, das in Deutschland zuerst als „Der Rosenkrieg“ erschien und jetzt, in einer neuen Übersetzung, als „Die Rosenschlacht“ veröffentlicht wurde.
Adler erzählt schwarzhumorig und unerbittlich an der Eskalationsschraube drehend den Scheidungskrieg des Ehepaares Rose. Als sie sich kennen lernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten. Er macht als Anwalt Karriere. Sie zieht die Kinder groß und richtet das Haus ein. Zwanzig Jahre nach ihrer ersten Begegnung wird Jonathan in ein Krankenhaus eingeliefert. Er vermutet, er habe einen Herzinfarkt und liege im Sterben. Es ist nur ein harmloser Zwerchfellbruch. In dem Moment – auf Seite 49 in der aktuellen deutschen Ausgabe des Buches – erkennt Barbara, dass sie ihren Mann nicht mehr liebt und künftig ohne ihn leben will. Sie will die Scheidung und das Haus. Er will ebenfalls das Haus.
Auf den folgenden Seiten des 270-seitigen Romans erzählt Adler, wie sie mit immer drastischeren Mitteln um das Haus kämpfen und dabei physisch und psychisch immer mehr verfallen.
1990 verfilmte Danny DeVito die Geschichte mit Michael Douglas und Kathleen Turner in den Hauptrollen. „Der Rosenkrieg“ ist eine hundsgemeine schwarze Komödie mit einer ordentlichen Portion Slapstick. Der Film war ein Hit und ist heute ein Klassiker.
Jetzt verfilmte Jay Roach („Bombshell“), nach einem Drehbuch von Tony McNamara („The Favourite“, „Poor Things“), die Geschichte wieder. Benedict Cumberbatch und Olivia Coleman übernahmen die Hauptrollen. Die Geschichte wurde selbstverständlich aktualisiert. Auch wenn in dem Roman und der ersten Verfilmung kaum erkennbar ist, wann die Geschichte spielt, macht es einen Unterschied, ob die Geschichte 1981 (Roman), 1990 (erste Verfilmung) oder 2025 (die aktuelle Verfilmung) spielt. Die Zeit, die Gesetze und die Ansichten über Scheidung und die Rolle der Frau änderten sich; – obwohl sie in dem konservativen, vermögendem Milieu, in dem Geschichte spielt, eher gleich blieben. Die Geschichte spielt immer in den USA, aber sie könnte, mit kleinsten Veränderungen, genauso gut in einem anderen Land spielen. Solange der Kern der Geschichte – der eskalierende Krieg der Roses gegeneinander – erhalten bleibt, ist es der Rosenkrieg.
Auch in Jay Roachs Film fetzten sich die Roses. Bis es dazu kommt vergeht allerdings viel Filmzeit. Und auch dann ändert sich nichts an den grundsätzlichen Problemen dieser Komödie. Denn Roach trifft so viele falsche Entscheidungen bei den Figuren und der Story, die aus einem angekündigtem Krieg ein laues Lüftchen machen.
Das beginnt schon bei der ersten Begegnung von Jonathan und Barbara (so heißen sie im Roman) bzw. von Oliver und Barbara (so heißen sie in DeVitos Film) bzw. von Theo und Ivy (so heißen sie in Roachs Film).
Bei Warren Adler und Danny DeVito ist die erste Begegnung der Beiden bei einer Auktion. Sie bieten gegeneinander um den selben Gegenstand und verlieben sich sofort ineinander. DeVito zeigt außerdem vom ersten Moment, dass es später Probleme in ihrer Beziehung geben wird.
Bereits in diesem Moment präsentieren Adler und DeVito das künftige Traumpaar als äußerst wettbewerbsorientierte Menschen, die, wenn sie eine Sache haben wollen, nur sehr schwer bis überhaupt nicht nachgehen können. Entsprechend schwer fallen ihnen, weil sie dann ja verlieren, Kompromisse. Wie schwer, zeigt dann die Geschichte ihrer Scheidung.
Roach führt sie dagegen mit einem Gespräch bei einer Paartherapeutin ein. Sie sollen zehn Dinge nennen, die sie bei dem anderen schätzen. Es wird eine Liste von Beleidigungen; wobei Theo die letzten Beleidigungen von Ivy zustimmend lachend als ziemlich witzig bezeichnet. Als die Therapeutin meint, sie könne nichts tun und eine Trennung empfiehlt, wenden die Roses sich spontan gegen sie und drohen, sie zu verklagen. Vor der Praxis der Therapeutin klatschen sie sich ab. Die Botschaft ist klar: die beiden gehören zusammen.
Dann zeigt Roach, wie sie sich kennen lernen. Er ist Architekt (bei Adler und DeVito ist er ein Anwalt). Mit seinen Kollegen ißt er in einem noblen Restaurant. Gelangweilt von den Gesprächen seiner Kollegen geht Theo in die Küche. Dort trifft er die von ihrer Arbeit gelangweilte Ivy. Es ist Liebe auf den ersten Blick. In dieser Szene nimmt Roach den unbedingten Willen der Figuren, um jeden Preis zu gewinnen, aus der Geschichte. Schließlich konkurrieren sie nicht um die selbe Sache. Aber sie sind sich einig, dass ihre Talente von ihren Chefs nicht geschätzt werden.
Beide Szenen schwächen die Grundidee der ursprünglichen Geschichte.
Das setzt sich durch den gesamten Film fort bis zur letzten Szene. Diese hat nichts von der Eindeutigkeit und Schärfe des Buchendes oder des in Details anderen Endes von DeVitos Film.
Das zweite große Problem des Films ist, dass der titelgebende Rosenkrieg in Roachs Film erst im dritten Akt wirklich beginnt. Weil der Film in dem Moment fast vorüber ist, muss er atemberaubend schnell eskalieren.
Bis dahin plätschert die Geschichte vor sich hin. Ungefähr zwanzig Beziehungsjahre, in denen die beiden Kinder erwachsen werden und die unterschiedlichen Karrieren von Theo, der mit seinen Architekturprojekten keinen Erfolg hat, und Ivy, die mit ihrem Restaurant erfolgreich ist, werden in epischer Breite geschildert. Kleinere Verstimmungen zwischen den beiden Eheleuten werden gezeigt, aber sie könnten auch immer wieder als kleine Unaufmerksamkeiten oder Neckereien oder halt die üblichen Streitereien, die es in jeder Ehe gibt, betrachtet werden. Schließlich verstehen sich die Roses verdammt gut, lieben, schätzen und helfen sich auch. So übernimmt der von zu Hause aus arbeitende Architekt Theo klaglos die Erziehung der Kinder, während Ivy ihr expandierendes Restaurant führt. Später ermöglicht sie ihm den Bau seines Traumhauses. Das ist die Geschichte einer Ehe.
Im Roman und in DeVitos Film beginnt der Scheidungskrieg, ohne ein langes Vorspiel, ziemlich früh in der Geschichte. Beide Male nimmt er den größten Teil der Geschichte ein. Beide Male haben die Erzähler viel kreative Energie auf das Eskalieren des Konflikts verwendet.
Roachs Rosenkrieg verplempert seine Zeit mit der nicht so wahnsinnig interessanten, weitgehend vollkommen austauschbaren Vorgeschichte und handelt den Krieg in einer Randnotiz mit offenem Ende ab.
Die vielen auf dem Filmplakat abgebildeten bekannten Schauspieler haben in dieser Ehegeschichte nur kurze, weitgehend folgenlose Auftritte.
Insgesamt ist „Die Rosenschlacht“ eine Komödie voller verpasster Möglichkeiten. Da können Benedict Cumberbatch und Olivia Colman nichts retten.
Die Rosenschlacht (The Roses, USA 2025
Regie: Jay Roach
Drehbuch: Tony McNamara
LV: Warren Adler: The War of the Roses, 1981 (Der Rosenkrieg, Die Rosenschlacht)
mit Benedict Cumberbatch, Olivia Colman, Andy Samberg, Allison Janney, Belinda Bromilow, Ncuti Gatwa, Sunita Mani, Zoë Chao, Jamie Demetriou, Kate McKinnon
James Bond 007: Sag niemals nie (Never say never again, USA 1983)
Regie: Irvin Kershner
Drehbuch: Lorenzo Semple jr.
LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)
James Bond bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika. Dort kämpft er gegen den Schurken Largo, der zwei Atombomben klauen will.
Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.
„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.
mit Sean Connery, Klaus Maria Brandauer, Kim Basinger, Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey, Rowan Atkinson, Alec McCowen
Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)
Die friedlichen Farmer von Rose Creek heuern sieben Revolverhelden an. Sie sollen sie gegen eine skrupellosen Minenbesitzer und seine gesetzlosen Handlanger beschützen.
Überaus gelungene und hundertfünfzigprozentig eigenständige Neuadaption von „Die sieben Samurai“, die schon einmal als Western geremaked wurden.
Zünftiger Auftakt eines Westernabends. Danach, um 23.00 Uhr, zeigt Kabel 1 die neue Doku „Die besten Western aller Zeiten“ (während die alten Westernfans sich über fehlende Klassiker aufregen, erhalten junge Westernfans vielleicht einige Anregungen für den nächsten Heimkinoabend) und um 00.15 Uhr „True Grit“ (die Coen-Version).
mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer