TV-Tipp für den 11. Mai: Die Blechtrommel – Director’s Cut

Mai 11, 2018

3sat, 23.00

Die Blechtrommel – Director’s Cut (Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)

LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959

Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.

Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg. 3Sat zeigt heute den längeren „Director’s Cut“, der möglich wurde, weil 2010 in den Geyer-Kopierwerken Negative von 1979 weggelassenen Szenen entdeckt wurden.

Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Blechtrommel“

Wikipedia über „Die Blechtrommel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Rampage – Big meets Bigger“ in der Großstadt

Mai 10, 2018

Wir haben

Dwayne Johnson

einen riesigen Affen

zwei andere Tiere

und

ein Ausmaß an Zerstörung, das ganze Versicherungen ruinieren kann.

Wir haben einen spaßigen, familienfreundlichen Sommerblockbuster, der nie mehr verspricht, als er einhalten will. Und das alles bei einer Laufzeit von unter zwei Stunden.

Es beginnt mit einem fehlgeschlagenen Experiment. Im Erdorbit forscht Energyne an Geneditierungen, mit der unheilbare Krankheiten behandelt werden können. Oder auch etwas anderes, das so schrecklich ist, dass die Geneditierung wegen ihres Missbrauchspotentials, schon vor den Energyne-Forschungen, als Waffe der Massenvernichtung eingestuft wurde.

In letzter Sekunde kann eine Wissenschaftlerin mit einem Koffer voller Behälter mit Forschungsmaterial die Rettungskapsel besteigen, die im Erdorbit verglüht. Drei der feuerfesten Behälter landen leicht ramponiert auf der Erde. Die in ihnen enthaltenen Viren infizieren einen Wolf, ein Krokodil und, in San Diego in einem Zoo, einen Affen. Die Tiere werden schnell größer und aggressiver. So vernichtet der Wolf in Sekunden eine Spezialeinheit furchtloser Söldnern und holt ihren Hubschrauber vom Himmel.

Claire Wyden (Malin Akerman), die eiskalte Chefin von Wyden Technologies, der Muttergesellschaft von Energyne, hat trotzdem einen Plan für diese unvorhergesehene Situation. Sie lockt mit einem Funksignal die drei Monster nach Chicago. In ihrem Labor hat sie ein Gegenmittel und damit einen Plan, wie sie sich als Retter des Planeten inszenieren und die Machtposition ihrer Firma ausbauen kann. Denn, wie alle durchgeknallten Firmenbosse und Mad Scientists (auch wenn sie es mit der Laborarbeit nicht so hat) glaubt sie, alles zu kontrollieren.

Ebenfalls auf den Weg nach Chicago machen sich Davis Okoye (Dwayne Johnson) und Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris). Die Gentechnikerin war an den Forschungen von Energyne beteiligt und möchte jetzt ihren Fehler rückgängig machen.

Okoye ist im San Diego Wildlife Sanctuary ein respektierter Primatenforscher, der ein vertrauliches Verhältnis zu George hat. George ist ein intelligenter, gewitzter, unglaublich seltener Albino-Silberrücken-Gorilla. Seit Ewigkeiten sind sie beste Freunde. Selbstverständlich ist Okoye besorgt über die Veränderungen bei seinem besten Freund und er möchte ihn retten. Denn George ist ein Guter. Auch wenn er sich durch die Mutationen nicht normal verhält.

Zu ihnen stößt Agent Harvey Russell (Jeffrey Dean Morgan), ein, ähem, sagen wir einfach, ein Mitglied einer „Mission Impossible“-Truppe, die es überhaupt nicht gibt. Auch wenn sie im Film lässig „Other Government Agency“ (OGA) genannt wird.

Rampage – Big meets Bigger“ ist nach „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“ und „San. Andreas“ die dritte Zusammenarbeit zwischen Regisseur Brad Peyton und Dwayne Johnson. Dieses Mal basiert der Film auf einem Videospiel aus den Achtzigern. Die Macher übernahmen aus dem Spiel einige Ideen; vor allem natürlich die auch nicht brandneue Idee mit den riesigen Tieren. Davon ausgehend erfanden sie eine Geschichte, die sich nicht weiter um die Dramaturgie eines primitiven Computerspiels kümmert. Die von vier Autoren geschriebene Geschichte funktioniert als Filmgeschichte, die nichts neue erfindet. Und das auch überhaupt nicht will.

Der Katastrophenfilm erzählt eine B-Picture-Geschichte. Bekannte Elemente werden lustvoll, mit kleinen Variationen und einer, oft elliptisch erzählten, aber immer nachvollziehbaren und stringenten Geschichte aneinandergereiht. Die Charaktere bewegen sich quer durch die USA nach Chicago, wo der Film in einer großen Schlacht endet. Das Militär versucht – erfolglos – die Lage zu kontrollieren, während die drei Riesentiere Autos, Busse und Flugzeuge wie Spielzeug durch die Luft werfen und durch Gebäude springen. George zelebriert auf einem Wolkenkratzer seine King-Kong-Gedächtnisveranstaltung. Okoye, Caldwell und Russell versuchen, die Tiere zu besiegen, während Wyden und ihr ängstlicher Bruder (halt der typische Sidekick) versuchen, unbeschadet aus dem Chaos herauszukommen.

George ist dabei, dank des Motion-Capture-Spiels von Jason Liles, auch während dieser Schlacht, eine gequälte Kreatur, die versucht mit der plötzlichen, für ihn unbegreiflichen Verwandlung und den ebenso unbegreiflichen aggressiven Schüben umzugehen. Schon davor wurde die tiefe Freundschaft zwischen ihm und Okoye fest etabliert. Dwayne Johnson verleiht Okoye sein gewohntes Charisma, das ihn zu dem idealen Mann für die Aufgabe – George und die Welt retten – macht. Die anderen Schauspieler sind vor allem Stichwortgeber in einem Film, der ihnen keine Oscars einbringen wird.

Wegen des humorvollen, leicht selbstironischen Untertons und den sympathischen Charakteren gefällt die Blockbuster-Zerstörungsorige auf der großen Leinwand ausnehmend gut. In diesem Fall ist nämlich die Größe der Leinwand entscheidend. 

Rampage – Big meets Bigger (Rampage, USA 2018)

Regie: Brad Peyton

Drehbuch: Ryan Engle, Carlton Cuse, Ryan J. Condal, Adam Sztykiel (nach einer Geschichte von Ryan Engle)

mit Dwayne Johnson, Naomie Harris, Malin Akerman, Jeffrey Dean Morgan, Jake Lacy, Joe Manganiello, Marley Shelton, P.J. Byrne, Demetrius Grosse, Jack Quaid, Breanne Hill, Matt Gerald, Will Yun Lee, Jason Liles

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Rampage“

Metacritic über „Rampage“

Rotten Tomatoes über „Rampage“

Wikipedia über „Rampage“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Peytons „San Andreas“ (San Andreas, USA 2015)

Die Europapremiere in London

 


TV-Tipp für den 10. Mai: The Interview

Mai 10, 2018

RTL, 23.45

The Interview (The Interview, USA 2014)

Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen

Drehbuch: Dan Sterling

TV-Moderator Dave Skylark (James Franco) und sein Redakteur Aaron Rapaport (Seth Rogen) gelingt das Unmögliche: der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un (Randall Park) lädt die beiden Klatschreporter für ein Interview mit ihm nach Nordkorea ein. Skylark ist begeistert. Auch nachdem die CIA die beiden Medienleute sie auffordert, Kim Jong-un zu ermorden.

TV-Premiere einer Komödie, die zum Politikum wurde, weil Nordkorea zuerst verlangte, dass der Film nicht gezeigt werde und die Computer von Sony gehackt wurden. Danach fiel die Kinoauswertung des Sony-Films deutlich anders als geplant aus.

Der Film selbst ist ein ziemlich infantiler Klamauk, der Blödeleien mit treffender Satire verwechselt.

Mit James Franco, Seth Rogen, Lizzy Caplan, Randall Park, Diane Bang, Timothy Simons, Reese Alexander

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Interview“

Wikipedia über „The Interview“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Mai: Cannes, die unglaubliche Geschichte

Mai 9, 2018

Arte, 21.35

Cannes, die unglaubliche Geschichte (Frankreich 2017)

Regie: Frédéric Chaudier

Drehbuch: Frédéric Chaudier

Während in Cannes wegen des alljährlichen Filmfestivals Ausnahmezustand herrscht, wirft Arte einen einstündigen Blick auf die Anfänge des Festivals.

Hinweise

Arte über die Doku (die bis zum 15. Mai in der Mediathek verfügbar ist)

Wikipedia über Cannes (deutsch, englisch)

Homepage vom Cannes Filmfestival


TV-Tipp für den 8. Mai: Irreversibel

Mai 8, 2018

Tele 5, 00.15

Irreversibel (Irrversible, Frankreich 2002)

Regie: Gaspar Noé

Drehbuch: Gaspar Noé

TV-Premiere eines Skandalfilms über eine Rache und eine Vergewaltigung, bei dem vor allem über eine neunminütige Vergewaltigungsszene gesprochen wurde. „Diese Wahrnehmung verkürzt den Film auf ungerechte Weise. Tatsächlich handelt es sich sowohl um einen zwar überaus drastischen, aber ernst zu nehmenden Kommentar über filmische Dramaturgie als auch um eine durchaus moralisch fundierte Äußerung zur Phänomenologie zwischenmenschlicher Gewalt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Anders: „Jenseits de exzessiv beschriebenen Gewalt bleibt ein Gefühl der Leere zurück.“ (epd-Film)

Der Film ist „frei ab 18 Jahre“.

mit Monica Bellucci, Vincent Cassel, Albert Dupontel, Jo Prestia

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Irreversibel“

Wikipedia über „Irreversibel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gaspar Noés „Love 3D“ (Love, Frankreich/Belgien 2015)


TV-Tipp für den 7. Mai: La Grande Bellezza – Die große Schönheit

Mai 7, 2018

Arte, 21.50

La grande Bellezza – Die große Schönheit (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino, Umberto Contarello

Kurz vor seinem 65. Geburtstag streift Jep Gambardella (Toni Servillo, grandios!) durch sein geliebtes Rom und denkt über sein Leben als gescheiterter Romancier und erfolgreicher Klatschreporter und Chronist einer sich nur um sich selbst drehenden, sich an ihrer Dekadenz und Überflüssigkeit berauschenden Gesellschaftsklasse nach.

Ein wundervoller Film, ein Abgesang und eine Liebeserklärung an Rom in all seinen Facetten und an Federico Fellini.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Buccirosso, Iaia Forte, Pamela Villoresi

Hinweise

Film-Zeit über „La grande Bellezza“

Rotten Tomatoes über „La grande Bellezza“

Wikipedia über „La grande Bellezza“ (englisch, italienisch) und über Paolo Sorrentino (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“


TV-Tipp für den 6. Mai: Boiling Point – Die Bombe tickt

Mai 6, 2018

3sat, 00.40 Uhr

Boiling Point – Die Bombe tickt (Boiling Point, USA 1993)

Regie: James B. Harris

Drehbuch: James B. Harris

LV: Gerald Petievich: Money men, 1981 (Sumpfblüten, Boiling Point)

Innerhalb einer klassischen Genre-Geschichte (ein Cop jagt den Mörder seines Partners) präsentiert Harris eine melancholische und desillusionierte Charakterstudie über Männer, deren gescheiterte Beziehungen und großspurigen Pläne. Dabei laufen die Geschichten weitgehend unverbunden nebeneinander. Kein Klassiker, aber ein unterschätzter Film, der im Trailer zu Unrecht als Action-Film verkauft wird und viel zu wenig von Dennis Hopper zeigt. Aber Wesley Snipes war damals mit den erfolgreichen Filmen „New Jack City“, „Weiße Jungs bringen’s nicht“ und „Passagier 57“ der aufstrebende Star. „Demolition Man“ und „Die Wiege der Sonne“ starteten kurz darauf und festigten seinen Status; – auch wenn das angesichts der letzten Filme von Wesley Snipes heute schwer vorstellbar ist.

James B. Harris produzierte die frühen Kubrick-Filme, wie “Die Rechnung ging nicht auf” und “Lolita”.

Mit Wesley Snipes, Dennis Hopper, Viggo Mortensen, Lolita Davidovich, Seymour Cassel, Tony Lo Bianco, Tobin Bell, Dan Hedaya, Paul Gleason

Hinweise

Homepage von Gerald Petievich

Rotten Tomatoes über „Boiling Point“

Wikipedia über „Boiling Point“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „No Way Out – Gegen die Flammen“kämpfen die „Granite Mountain Hotshots“

Mai 6, 2018

Hach, das ist wieder ein deutscher Titel, der für Verwirrung sorgen wird. Also: „No Way Out – Gegen die Flammen“ ist ein Film über Feuerbekämpfer, der nichts, aber auch absolut nichts mit dem Kevin-Costner-Thriller „No Way Out – Es gibt kein Zurück“ zu tun hat. Außerdem ist der Originaltitel von „No Way Out – Gegen die Flammen“ „Only the Brave“. Aber die Werbeabteilung hat sich sicher etwas dabei gedacht. Und gegen Flammen müssen die „Granite Mountain Hotshots“ kämpfen.

In den USA erreichten die Feuerbekämpfer am 30. Juni 2013 traurige Berühmtheit. Mit anderen Feuerwehrmännern bekämpften sie nahe der Kleinstadt Yarnell Hill, Arizona einen durch einen Blitzschlag verursachten Brand. Es war ein Routine-Einsatz, bei dem die Flammen, aufgrund starker Windböen, unvorhergesehene Wege einschlugen und das Feuer sich schneller als gedacht bewegte. Neunzehn der aus zwanzig Männern bestehenden Hotshot-Einheit starben in den Flammen. Es war der größte Verlust von Feuerwehrmännern nach 9/11.

Kurz nach dem Unglück schrieb Sean Flynn für die „GQ“ die Reportage „No Exit“. Sie war die Grundlage für Joseph Kosinskis beeindruckendes Drama „No Way Out – Gegen die Flammen“. Er erzählt die Geschichte der „Granite Mountain Hotshots“, der ersten kommunalen Hotshot-Einheit. Normalerweise unterstehen sie Bundesbehörden. Aktuell gibt es in den USA 107 Hotshot-Crews. Jede Einheit besteht aus 20 Feuerwehrleuten. Die Hotshots sind Feuerbekämpfer, die vor allem deshalb als Eliteeinheit bezeichnet werden, weil sie in den USA tagelang gegen die riesigen Brandherde kämpfen. Dabei geht es vor allem um das Schlagen von Schneisen und Anlegen von Hindernissen, die das Feuer in geordnete Bahnen lenken. Auch gezielte Brände gehören dazu. Es ist harte, körperliche Arbeit, die meistens von jungen Männern durchgeführt wird. In der mehrere Monate dauernden Brandsaison sind sie fast ununterbrochen unterwegs.

In „No Way Out“ wird die Geschichte der „Granite Mountain Hotshots“ chronologisch erzählt. Vor ihrer Hotshot-Zertifizierung ist die von Eric Marsh (Josh Brolin) geleitete Einheit die Feuerwehr der Kleinstadt Prescott, Arizona, die vor allem ihren Ort vor Feuer beschützt. Vor ihrer Hotshot-Zertifizierung 2008 trainieren sie jahrelang, erfüllen die Anforderungen für eine Zertifizierung und werden erfolgreich geprüft. Es ist ein hartes Verfahren für eine harte und gefährliche Arbeit.

Im Verlauf des über zweistündigen Films lernen wir die Feuerwehrleute und ihre Familien kennen. Vor allem Eric Marsh und Brandon ‚Donut‘ McDonough (Miles Teller) stehen im Mittelpunkt. McDonough hatte vorher eine lange Karriere als vorbestrafter Junkie hinter sich. Die Einheit ist für ihn die letzte Chance auf ein Leben, das sich vollkommen von seinem Junkie-Leben unterscheidet. Wir begleiten die Feuerwehrmänner auf verschiedenen Einsätzen, die vor allem auf der großen Leinwand ihre gesamte Wirkung entfalten.

Kosinski („Tron: Legacy“, „Oblivion“) erzählt diese Geschichte ganz traditionell als eine sich über mehrere Jahre erstreckende, für den Film etwas komprimierte Chronik. Es ist schnörkelloses, klassisches Hollywood-Erzählkino. Chronologisch werden Episoden aus dem Berufs- und Privatleben der Feuerwehrmänner erzählt, bis es zu dem katastrophalen letzten Einsatz kommt. Den inszeniert Kosinski dann auch so, dass schon von der ersten Minute an – wenn die „Granite Mountain Hotshots“ noch an einen Routine-Einsatz glauben – als einen Einsatz, der in einer Katastrophe enden wird.

No Way Out“ ist ein würdiges Denkmal für diese Einheit.

No Way Out – Gegen die Flammen (Only the Brave, USA 2017)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Ken Nolan, Eric Warren Singer

LV: Sean Flynn: No Exit (GQ, 27. September 2013, Reportage)

mit Josh Brolin, Miles Teller, Jeff Bridges, Taylor Kitsch, Jennifer Connelly, James Badge Dale, Andie MacDowell, Alex Russell, Ben Hardy, Scott Haze, Geoff Stults

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „No Way Out“

Metacritic über „No Way Out“

Rotten Tomatoes über „No Way Out“

Wikipedia über „No Way Out“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood sucht in den Flammen nach den Fakten

GQ: Sean Flynn: No Exit

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Ein etwas überfülltes Gespräch mit Brandon McDonough (dem überlebenden Mitglied der Granite Mountain Hotshots), den Schauspielern und dem Regisseur in der Build-Gesprächsreihe


TV-Tipp für den 5. Mai: Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille

Mai 5, 2018

ARD, 01.10

Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (La French, Frankreich/Belgien 2014)

Regie: Cédric Jimenez

Drehbuch: Audrey Diwan, Cédric Jimenez

Marseille, siebziger Jahre: Richter Pierre Michel will den lokalen Drogenlord Gaetano Zampa zur Strecke bringen.

Toller Franco-Thriller, der die französische Seite der „French Connection“ zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechungen.

mit Jean Dujardin, Gilles Lellouche, Céline Sallette, Mélanie Doutey, Benoît Magimel, Guillaume Gouix, Bruno Todeschini, Féodor Atkine, Moussa Maaskri

Hinweise

AlloCiné über „Der Unbestechliche“

Rotten Tomatoes über „Der Unbestechliche“

Wikipedia über „Der Unbestechliche“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Cédric Jimenez‘ „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ (La French, Frankreich/Belgien 2014)

Bonushinweis

Der neue Film von Cédric Jimenez, „Die Macht des Bösen – The Man with the Iron Heart“, erscheint am 17. Mai auf DVD. Davor ist er im Verleih und digital erhältlich. Meine Besprechung gibt es demnächst.


Neu im Kino/Filmkritik: „7 Tage in Entebbe“: deutsche Flugzeugentführer, israelische Geisel und eine Befreiung

Mai 5, 2018

Am 27. Juni 1976 entführen Mitglieder der deutschen Terrorgruppe „Revolutionäre Zellen“ und der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ die Air-France-Maschine 139, Das Linienflugzeug landet mit 270 Menschen (12 Besatzungsmitglieder, 258 Passagiere) in Entebbe, wo sie von dem ugandischen Diktator Idi Amin aufgenommen werden. Er quartiert sie in einem leerstehenden Bereich des Flughafens ein.

Die Entführer versuchen in den nächsten Tagen ihre Geisel in der heißen und stickigen Flughafenhalle ruhig zu halten. Sie fordern die Freilassung von 53 in Israel, Frankreich, Deutschland und der Schweiz inhaftierten Terroristen und fünf Millionen US-Dollar.

In Israel fragen sich Premierminister Yitzhak Rabin und sein Verteidigungsminister Shimon Peres, der eine harte Keine-Verhandlungen-Linie verfolgt, wie sie mit der Geiselnahme umgehen sollen. Letztendlich – und das ist für alle, die sich auch nur oberflächlich mit der Geschichte des internationalen Terrorismus in den siebziger Jahren beschäftigten, eine vertraute und bekannte Geschichte – schickt Israel, unter der Leitung von Brigadegeneral Dan Schomron, eine Einheit des Militärs zur Befreiung der über hundert Geisel.

Diese erfolgreiche Befreiung, bei der alle sieben Geiselnehmer, ungefähr zwanzig ugandische Soldaten, ein israelischer Soldat und drei Geisel starben, wurde anschließend mehrmals verfilmt. Wenige Monate nach der Befreiung konkurrierten drei hochkarätig besetzte Filme um die Aufmerksamkeit des Publikums. Am bekanntesten ist heute noch Irvin Kershners „…die keine Gnade kennen“ (mit Charles Bronson, Peter Finch und Horst Buchholz). Unbekannter sind Marvin J. Chomskys „Unternehmen Entebbe“ (mit Burt Lancaster, Elizabeth Taylor und Anthony Hopkins) und Menahan Golans „Operation Thunderbolt“ (mit Klaus Kinski und Sybill Danning).

7 Tage in Entebbe“-Regisseur José Padilha kämpft in seiner Version der damaligen Ereignisse nicht nur gegen diese Filme an, sondern auch gegen die zahlreichen anderen Thriller, die Flugzeugentführungen schildern und dabei mehr oder weniger dicht an zahllosen weiteren wahren Fällen bleiben. Zum Beispiel der Chuck-Norris-Trash „Delta Force“, der von der Entführung des TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 inspiriert war und durchaus eindrucksvoll das Leid der entführten Passagiere und Besatzungsmitglieder schildert. Oder Roland Suso Richters überzeugender Thriller „Mogadischu“ über die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ am 13. Oktober 1977 und die erfolgreiche Geiselbefreiung durch die GSG 9. Um nur zwei Filme zu nennen, in denen eine Flugzeugentführung mit anschließender erfolgreicher Befreiung durch eine Spezialeinheit im Mittelpunkt stehen.

Gegenüber diesen Werken muss ein Remake gerechtfertigt werden. Es muss der bekannten Geschichte neue Facetten abgewinnen.

Drehbuchautor Gregory Burke und Regisseur José Padilha schienen dafür eine gute Wahl zu sein. Gregory Burke schrieb das Drehbuch für den grandiosen, dialogarmen IRA-Thriller „71 – Hinter feindlichen Linien“. José Padilha bewies mit „Tropa de Elite“, „Elite Squad – Im Sumpf der Korruption“ und der Netflix-Serie „Narcos“, dass er in einer Actiondramaturgie gut komplexe Sachverhalte erzählen kann. Mit seinem „Robocop“-Remake setzte er selbstbewusst eigene Akzente. Auch weil er konsequent die naheliegenden Actionszenen vermied. Mit ihnen als Macher und den neuen Erkenntnissen, die sie in ihrem Film verarbeiteten, durfte man auf eine faszinierende, spannende und informative Nacherzählung der damaligen Ereignisse erwarten.

Umso enttäuschender ist dann der Film. Er folgt den historisch verbürgten Ereignissen. Aber er hat überhaupt kein Interesse daran, sie für ein breites Publikum verständlich zu machen. Die Zuschauer, die nichts über den damaligen Linksterrorismus wissen, verstehen nichts. Die Motive der Entführer bleiben rätselhaft. Mehr als einige Soundbytes aus einer Filterblase, deren Bedeutung man nur mit dem nötigen Hintergrundwissen erfasst, bleiben nicht übrig. Entsprechend blass bleiben die Entführer. Das gilt vor allem für Daniel Brühl als Wilfried Böse und Rosamund Pike als Brigitte Kuhlmann. Die anderen Entführer sind noch nicht einmal bessere Nebendarsteller. Die Geisel bleiben eine austauschbare und geduldige Verfügungsmasse, über die man nichts erfährt und für die man sich daher nicht weiter interessiert.

Nur bei den Diskussionen und Machtkämpfen zwischen Yitzhak Rabin und Shimon Peres wird es spannend. In diesen Szenen duellieren sich Lior Ashkenazi (zuletzt, neben Richard Gere, in „Norman“) als Yitzhak Rabin und, gewohnt brillant, Eddie Marsan als Shimon Peres. Sie ringen mit der Frage, wie sie auf die Entführung reagieren sollen und gleichzeitig kämpfen sie um ihre politische Machtposition.

Ein dritter Erzählstrang ist die Vorbereitung und Durchführung der Geiselbefreiung. Für diesen Plot und die Befreiung, die in einem anderen Film die große Actionsequenz wäre, interessiert Padilha sich kaum. Noch konsequenter als in „Robocop“ vermeidet er hier die üblichen Bilder. Anstatt im Detail zu zeigen, wie die Befreiung abläuft, schneidet er in diesen Momenten immer wieder zu dem Stuhltanz aus Ohad Naharins von der Batsheva Dance Company gespieltem Tanzstück „Echad Mi Yodea“. Der Tanz verarbeitet den Zuzug jüdischer Menschen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Palästina. Während der Performance legen die Tänzer immer mehr Kleider ab. Ein Tänzer legt seine Kleidung nicht ab. Er rutscht immer wieder von seinem Stuhl herunter. Der Tanz ist selbstverständlich eine Metapher, die im Rahmen des Films verschieden interpretiert werden kann. Das ist eine interessante Idee, die nicht funktioniert. Der Tanz bleibt ein Fremdkörper im Film.

Dem Film selbst gelingt es nie, die Relevanz der damaligen Ereignisse für die Gegenwart deutlich zu machen. Und als Geschichtsstunde funktioniert er auch nur bei den Menschen, die über ein ordentliches Hintergrundwissen zu den damaligen Ereignissen, Diskussionen und Auswirkungen verfügen.

Für alle anderen bleibt nur ein beliebiger Entführungsthriller mit viel 70-Jahre-Patina und etwas Revolutionärskitsch.

7 Tage in Entebbe (7 Days in Entebbe, USA/Großbritannien 2018)

Regie: José Padilha

Drehbuch: Gregory Burke

mit Daniel Brühl, Rosamund Pike, Eddie Marsan, Lior Ashkenazi, Denis Menochet, Ben Schnetzer, Nonso Anozie

Länge: 107 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „7 Tage in Entebbe“

Metacritic über „7 Tage in Entebbe“

Rotten Tomatoes über „7 Tage in Entebbe“

Wikipedia über „7 Tage in Entebbe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von José Padilhas „Tropa de Elite“ (Tropa de Elite, Brasilien/USA 2007)

Meine Besprechung von José Padilhas „Robocop“ (Robocop, USA 2014)

Meine Besprechung von José Padilhas „Narcos – Die komplette erste Staffel“ (Narcos, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „HERRliche Zeiten“ werden angekündigt

Mai 4, 2018

Betrunken verfasst Claus Müller-Todt eine Anzeige, in der er einen Hausangestellten sucht. Er schreibt allerdings nicht ‚Mädchen für alles gesucht‘, sondern ‚Sklave gesucht‘ und – Überraschung! – es melden sich viele Interessenten. Nachdem Müller-Todt die halbe städtische SM-Szene abgewiesen hat, bleibt nur noch Bartos übrig. Ein sehr höflicher, konservativ gekleideter Mann mit guten Manieren, einer überzeugenden CV und noch überzeugenderen Gehaltsvorstellungen. Er will eigentlich, wie es sich für einen Sklaven gehört, nur ein Dach über dem Kopf und etwas zu Essen haben. Für sich und seine jüngere, gut aussehende Frau, die ebenfalls den Müller-Todts als Sklavin dienen will.

Schon während der Probezeit sind Claus und seine Frau Eva Müller-Todt restlos begeistert von ihrem Sklaven Bartos, der ihnen jeden Wunsch erfüllt. Meist schon, bevor sie ihn äußern.

Diese Idee einer in die Gegenwart verlegten spätrömischen Dekadenz-Sklavenhaltergesellschaft werden einige von Thor Kunkels tiefschwarzer Satire „Subs“ kennen. Vor allem in den Nuller-Jahren sorgten seine Romane, auch außerhalb der engen Grenzen des Feuilletons, immer wieder für heftige Diskussionen. Kritisiert wurden sein Umgang mit der NS-Vergangenheit und die in den Romanen durch seine Figuren transportierten politischen Ansichten. Er erhielt auch viel Kritikerlob und wurde vielfach ausgezeichnet. Nach „Subs“ veröffentlichte er keine weiteren Romane. Zuletzt wurde ausführlich über seine Beratertätigkeit für die Bundestagswahlkampagne der AfD berichtet. Mit dieser Arbeit und verschiedenen politischen Äußerungen schoss er sich ins Abseits. Die Neuauflage von „Subs“ erschien, laut Ankündigung, jetzt im rechten Manuscriptum-Verlag. Und das ist ein eindeutiges, etwaige Unklarheiten beseitigendes Statement.

Auch Oskar Roehler, der jetzt Kunkels Roman als „HERRliche Zeiten“ verfilmte, ist nie um eine Provokation verlegen. Seine Filme sind nicht immer gelungen, aber sie haben immer eine persönliche Handschrift, eine Vision und sie sind nicht langweilig.

Vor dem Kinostart kam es hinter den Kulissen zu einem Streit, der bei der „Zeit“ (mit kostenpflichtiger Anmeldung) nachgelesen werden kann. Es ging um die Nennung von Kunkel als Drehbuchautor und als Autor der Vorlage. Als Drehbuchautor werde er nicht genannt, weil Jan Berger („Der Medicus“) ein neues Drehbuch schrieb, das mit dem Roman nur noch wenig zu tun hat. Und in der Werbung wird nur noch im Kleingedruckten auf die Vorlage hingewiesen. Das ist angesichts Kunkels derzeitiger Prominenz nachvollziehbar.

Insgesamt haben die Beteiligten in den letzten Wochen, mehr oder weniger geplant, alle Signale in Richtung „Provokation“ gestellt und, wie das so ist mit geplanten Skandalen: sie funktionieren nicht wie geplant.

Das liegt vor allem an dem Film, der jetzt endlich im Mittelpunkt der Besprechung stehen soll. Immerhin geht es um ihn. Da sind die politischen Ansichten der Macher und ihre in den Medien geäußerten Provokationen erst einmal und auf lange Sicht egal. Schließlich sind Autor und Werk nicht unbedingt identisch. Und das Werk kann intelligenter als der Autor sein.

Oskar Roehler und sein Drehbuchautor Jan Berger übernahmen für ihren Film „HERRliche Zeiten“ letztendlich nur die Prämisse und einige Szenen aus dem Roman „Subs“. Vor allem ab der Mitte erzählen sie eine vollkommen andere Geschichte, die aus Kunkels bitterböser, schwarzhumoriger Vision einer dekadenten Gesellschaft einen handelsüblichen Rachekrimi macht. Mit einer netten Idee am Anfang („Sklave gesucht“), einer römischen Dekadenzparty in der Mitte und viel langweiligem Klamauk.

Anstatt eine künstlerische Vision zu entwickeln, die als Satire provoziert und den Zuschauern eine Spiegel vorhält, wagt Roehler hier nichts. Das Kammerspiel ist unauffällig inszeniert und gut gespielt. Samuel Finzi als distinguierter Sklave und Katja Riemann als nervige Ehefrau sind gewohnt gut. Und Oliver Masucci geht wieder vollkommen in seiner Rolle auf. Bekannt wurde er als Adolf Hitler in „Er ist wieder da“. Zuletzt spielte er in „Spielmacher“ einen Gangsterboss. Jetzt ist er der Sklavenhalter und Schönheitschirurg Claus Müller-Todt. Ein einfältiger Unsympath, der sich rührend und überaus besorgt um seine Frau kümmert und ansonsten das Sinnbild des kleinbürgerlichen Großkotzes ist, der fasziniert die Partys seines Nachbarn verfolgt, aber niemals auf die Idee käme, selbst eine Party zu veranstalten.

HERRliche Zeiten“ ist keine provozierende Satire über die deutsche Gesellschaft, sondern ein pseudokritischer TV-Film, der konsequent auf eine beruhigende 20.15-Uhr-TV-Dramaturgie für Über-Sechzigjährige eingedampft wurde. Da provoziert nichts. Da regt nichts zum Nachdenken an. Die Komödie ist ein Kammerspiel, das so auch jeder andere Regisseur hätte inszenieren können.

Für einen Film von Oskar Roehler ist das eindeutig zu wenig. Denn eines konnte man bislang nicht über einen Roehler-Film sagen: dass er langweilig ist. Und genau das ist „HERRliche Zeiten“.

HERRliche Zeiten (Deutschland 2018)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Jan Berger (frei nach Motiven des Romans „Subs“ von Thor Kunkel)

mit Katja Riemann, Oliver Masucci, Samuel Finzi, Lize Feryn, Yasin El Harrouk, Margarita Broich, Andrea Sawatzki, Alexander Beyer, Katy Karrenbauer, Aslan Aslan

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „HERRliche Zeiten“

Moviepilot über „HERRliche Zeiten“

Wikipedia über „HERRliche Zeiten“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Thor Kunkels „Kuhls Kosmos“ (2008)

Meine Besprechung von Thor Kunkels „Schaumschwester“ (2010)

Meine Besprechung von Thor Kunkels „Subs“ (2011)


TV-Tipp für den 4. Mai: Sugarland Express

Mai 4, 2018

3sat, 22.25

Sugarland Express (The Sugarland Express, USA 1974)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Hal Barwood, Matthew Robbins (nach einer Geschichte von Steven Spielberg, Hal Barwood und Matthew Robbins)

Die junge Mutter Lou Jean befreit ihren Mann aus dem Gefängnis. Gemeinsam wollen sie ihr Baby vor einer Zwangsadoption bewahren. Auf ihrer Fahrt zu den Pflegeeltern werden sie, verfolgt von einer Polizeiarmada, zu Volkshelden.

Steven Spielbergs erster Spielfilm (denn „Duell“ war ein Fernsehfilm, der auch im Kino ausgewertet wurde) ist einer seiner schönsten Filme.

„‘The Sugarland Express’ ist größtenteils eine ausgelassene, verrückte, kapriolenreiche Verfolgungskomödie – eine lebendige Situationskomödie nach Art der Roadrunner-Zeichentrickfilme, nur in Spielfilmlänge.“ (Variety)

Sein nächster Film war „Der weiße Hai“ und der Rest ist Geschichte.

mit Goldie Hawn, Ben Johnson, Michael Sacks, William Atherton, Gregory Walcott, Harrison Zanuck, Louise Latham

Hinweise

Wikipedia über „Sugarland Express“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Sugarland Express“

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Mai: Einsatz in Hamburg: Rückkehr des Teufels

Mai 3, 2018

ZDFneo, 20.15

Einsatz in Hamburg: Rückkehr des Teufels (Deutschland 2002, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Fabian Thaesler, Lars Becker

Diesen Fall hat Kommissarin Jenny Berlin schnell gelöst: In der Nähe einer in einem Müllcontainer liegenden Frauenleiche wird ein Mann gesehen. Kurz darauf wird er verhaftet. Doch nachdem er sich beim Verhör aus dem Fenster stürzt, zweifelt Berlin. Sie rollt den Fall wieder auf.

Dritter „Einsatz in Hamburg“-Krimi, inszeniert von dem immer zuverlässigen Lars Becker.

Mit Aglaia Szyszkowitz, Hannes Hellmann, Rainer Strecker, Harald Schrott, Christoph Bach, Hans Diehl, Ercan Durmaz, Oliver Franck, Sonja Kirchberger, Jessica Schwarz

Hinweise

Wikipedia über „Einsatz in Hamburg“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Mai: Rockpalast Kult: Faith No More

Mai 1, 2018

MDR, 00.35

Rockpalast Kult: Faith No More

In der gut sortierten „Rockpalast“-Mediathek ist das Konzert nicht zu finden und um die Uhrzeit dürfte es, in der richtigen Lautstärke genossen, für Ärger mit den Nachbarn sorgen. Dennoch ein Leckerbissen für Musikfans: „Faith No More“ rocken 2009 das Area4-Festival.

Hinweise

WDR über den Rockpalast

Wikipedia über Faith No More (deutsch, englisch)

Homepage von Faith No More


TV-Tipp für den 1. Mai: 12 Years a Slave

April 30, 2018

Pro7, 20.15

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.

Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup. Der vielfach ausgezeichnete und hochgelobte Film erhielt, unter anderem, den Oscar als Bester Film.

Mehr über den Film gibt es in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Wiederholung: Mittwoch, 2. Mai, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens „12 Years a Slave“ (12 Years a Slave, USA 2013)


TV-Tipp für den 30. April: Only Lovers left alive

April 30, 2018

Arte, 20.15

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit gezeigt wird.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


TV-Tipp für den 29. April: The Unforgiven

April 28, 2018

Pro7, 23.40

The Unforgiven (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)

Regie: Lee Sang-Il

Drehbuch: Lee Sang-Il (nach dem Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples)

Ein inzwischen als Bauer lebender Samurai wird von einem alten Kampfgefährten überredet, noch einmal in den Kampf zu ziehen. Einige Huren haben nämlich ein Kopfgeld auf zwei Freier, die eine Hure verunstalteten, ausgesetzt.

Grandioses Samurai-Remake von Clint Eastwoods Westernklassiker „Erbarmungslos“ (Unforgiven, USA 1992), das der bekannten Geschichte fast schon sklavisch folgt und ihr trotzdem neue Facetten abgewinnt. Sehr, sehr sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ken Watanabe, Jun Kunimura, Shiori Kutsuna, Yuya Yagira, Akira Emoto, Eiko Koike, Yoshimasa Kondo

Wiederholung: Montag, 30. April, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Japanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Unforgiven“
Moviepilot über „The Unforgiven“
Rotten Tomatoes über „The Unforgiven“
Wikipedia über „The Unforgiven“
Kriminalakte über „Erbarmungslos“

Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)


TV-Tipp für den 28. April: Scarface

April 28, 2018

ZDF, 01.00

Scarface – Toni, das Narbengesicht (Scarface, USA 1983)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: Oliver Stone

LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)

Buch zum Film: Paul Monette: Scarface, 1983 (Scarface – Der Mann mit der Narbe)

De Palma aktualisierte „Scarface“, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, und schuf ein packendes Sittengemälde des Verbrechens in Florida in den frühen Achtzigern.

Damals wurde die Sprache („Fuck“) und die Brutalität kritisiert. Heute wäre es die grauenhafte, altmodische Disco-Musik von Giorgio Moroder. Ansonsten ist „Scarface“ in der ungekürzten Fassung inzwischen einer der Klassiker des Gangsterfilms.

Mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scarface“

Wikipedia über „Scarface“ (deutsch, englisch)

Movie Addiction über “Scarface”

New York Times: Vincent Canby: Besprechung von “Scarface” (9. Dezember 1983)

Roger Ebert über “Scarface” (9. Dezember 1983, 28. September 2003)

Angel Fire: Brian-de-Palma-Fanseite über “Scarface”

Schnittberichte: Vergleich der FSK-16-Fassung (ein trauriger Torso) mit der Kinoversion

Meine Besprechung von Christian De Metter/Armitage Trails „Scarface“ (Scarface, 2011) (Comic, der auf Armitage Trails Roman basiert)


TV-Tipp für den 27. April: Der freie Wille

April 27, 2018

3sat, 22.25

Der freie Wille (Deutschland 2006)

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Matthias Glasner, Judith Angerbauer, Jürgen Vogel

Nach der Haft will Serienvergewaltiger Theo neu anfangen. Nettie könnte ihm helfen.

Starkes, von der Kritik abgefeiertes, gut dreistündiges Drama.

mit Jürgen Vogel, Sabine Timoteo, Manfred Zapatka, André Hennicke, Judith Engel

Hinweise

Filmportal über „Der freie Wille“

Moviepilot über „Der freie Wille“

Rotten Tomatoes über „Der freie Wille“

Wikipedia über „Der freie Wille“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matthias Glasner „Gnade“ (Deutschland/Norwegen 2012)

Meine Besprechung von Matthias Glasners „Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „A beautiful Day“. Nicht wirklich

April 26, 2018

Joe (Joaquin Phoenix) ist ein Problemlöser. Sein Arbeitsgebiet ist das Befreien entführter Kinder. Ohne zeitraubende Verhandlungen und ohne das Bezahlen von Lösegeld löst er das Problem. Seine Vorgehensweise ist brachial. Am liebsten erschlägt er mit einem handelsüblichen Hammer seine Gegner und beseitigt danach die Spuren (Kleiner Tipp für Möchtegern-Nachahmer: bei anderen Waffen werden für die CSI-Jungs weniger Spuren hinterlassen).

Sein neuester Auftrag unterscheidet sich zunächst nicht von seinen vorherigen Aufträgen: er soll die halbwüchsige Tochter eines New Yorkers Senators aus einem Bordell, in dem sie festgehalten wird, befreien. Weil gerade Wahlkampf ist, möchte der Politiker Schlagzeilen über seine Tochter vermeiden. Joe soll sie ohne großen Presserummel aus dem Bordell befreien.

Als „A beautiful Day“ letztes Jahr beim Filmfestival in Cannes seine Weltpremiere hatte, erhielt Regisseurin Lynne Ramsay („We need to talk about Kevin“) den Preis für das beste Drehbuch und Joaquin Phoenix wurde als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Auch von der Kritik wird der extrem düstere Thriller abgefeiert.

Für mich ist der Noir ein einziger großer Langweiler; – was auch eine ziemlich perfekte Spiegelung des seelischen Zustandes von Joe ist. Ramsay ist so nah bei Joe, dass wir ihn öfter nicht beobachten, sondern in seinem Kopf sind. Wir sind förmlich gefangen in seiner Welt. Es ist eine brutale Welt. Es ist eine emotionslose Welt, in der sogar unklar ist, ob es überhaupt jemals Emotionen gab, die wieder erweckt werden können. Joe schleppt sich, wie ein Boxer nach einem Kampf, nur noch durch sein Leben. Er ist von früheren Erfahrungen traumatisiert. Sie tauchen als Flashbacks immer wieder auf. Seitdem ist für ihn das Befreien der Kinder aus den Händen von Pädophilen eine Mission. Er lebt immer noch in seinem heruntergekommenen Geburtshaus. Dort lebt er seine Mutter zusammen, die inzwischen all die Gebrechen eines alten Menschen hat und zunehmend pflegebedürftig wird. Er kümmert sich liebevoll um sie. Er ist ein großer Schweiger, der paranoid viel Wert auf seine Anonymität legt – und dann doch, ohne zu Zögern, einen Auftrag in seiner Heimatstadt New York übernimmt. Neben seiner Mutter hat er nur zu seinem Mittelsmann, der ihm seine Aufträge verschafft, eine dauerhafte Beziehung.

Joe ist eine mythische Figur. Ein Racheengel, den es so nur im Film und der Literatur gibt. „A beautiful Day“ ist die Verfilmung von Jonathan Ames‘ hundertseitiger Novelle „You were never really here“.

Schon die Ausgangslage der Geschichte stammt aus einer dystopischen Parallelwelt. Denn warum sollten Bordellbetreiber ausgerechnet Kinder wohlhabender Familien entführen und als Prostituierte gefangen halten? Und warum sollten die anscheinend ehrenwerten und absolut bürgerlichen Eltern der entführten Kinder ausgerechnet Verbrecher um Hilfe bitten? Die Welt in „A beautiful Day“ ist eine „John Wick“-Welt, die in diesen Thrillern mit einer ordentlichen Portion Action und Humor präsentiert wird.

Dagegen ist „A beautiful Day“ konsequent düster, pessimistisch und todernst. Ramsay erzählt ihre sattsam bekannte, arg minimalistische Geschichte als einen assoziativen Albtraum in dem die Erklärungen nur aus den bekannten Genretopoi bestehen, die in Halbsätzen und Bildfetzen als Interpretationshilfen angeboten werden. Ob sie wirklich zusammenpassen ist egal.

In diesem Kontext ist Joes ausführlich geschilderte Beziehung zu seiner Mutter und Ramsays konsequente Vermeidung von Actionszenen ungewöhnlich. Sie verweigert in ihrem Film die Katharsis, die Gewalt in solch düsteren Geschichten ja haben kann. Bei Ramsay bleibt nur die bleierne Leere, die Joes Leben in seiner selbst gewählten Isolation seit Ewigkeiten bestimmt.

A beautiful Day (You were never really here, Großbritannien 2017)

Regie Lynne Ramsay

Drehbuch: Lynne Ramsay

LV: Jonathan Ames: You were never really here, 2013

mit Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov, Judith Roberts, John Doman, Alex Manette, Alesssandro Nivola, Frank Pando, Vinicius Damasceno

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „A beautiful Day“

Metacritic über „A beautiful Day“

Rotten Tomatoes über „A beautiful Day“

Wikipedia über „A beautiful Day“ (deutsch, englisch)

Die Cannes-Pressekonferenz

David Fear (Rolling Stone) unterhält sich mit Lynne Ramsay über den Film

DP/30 unterhält sich mit Jonathan Ames