Programmiert den Videorecorder für diese selten gezeigte Perle, die es auch nicht in der Arte-Mediathek geben wird
Arte, 14.00
Razzia in Paris (Frankreich 1955, Regie: Henri Decoin)
Drehbuch: Henri Decoin, Maurice Griffe
LV: Auguste le Breton: Razzia sur la chnouf, 1954
Ein Polizist ermittelt undercover gegen eine Bande von Rauschgifthändlern.
Dies ist wahrscheinlich Decoins bester Film: ein halbdokumentarischer, eher unbekannter, trotzdem wichtiger film policier, der ein genaues Bild des Drogenhandels in Paris in den Fünfzigern liefert. Außerdem verschwimmen, wie später bei Melville, die Grenzen zwischen Gut und Böse.
Auf einen Spoiler-Alarm kann man bei dem Titel „The Revenant – Der Rückkehrer“ wohl verzichten und das ist auch kein großes Problem. Denn im Mittelpunkt von Alejandro G. Iñárritus neuestem Werk steht der Weg, den Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) durch die Wildnis in die, hm, Zivilisation zurücklegen muss. Glass wird 1823, nachdem er von einem Grizzlybären angegriffen und schwer verletzt wurde, von seinen Kameraden in der Wildnis, in der sie Tiere wegen ihres Fells jagten, zurückgelassen. Sie glauben, dass Glass sowieso bald sterben wird.
Aber John Fitzgerald (Tom Hardy) irrt sich. Glass macht sich auf den langen und beschwerlichen Weg zum nächsten, über dreihundert Kilometer entfernten Fort.
Das ist, bis auf einen actionhaltigen (und eigentlich überflüssigen) Epilog, der all die Schießereien und Faustkämpfe enthält, die zu einem normalen Western gehören, die ganze Geschichte des über 150-minütigen, fast stummen Films, der durch seine Bilder, seine langen Szenen, die teils, wie am Filmanfang der Überfall der einheimischen Arikara-Indianer auf das Lager der Pelzjäger, komplizierte Plansequenzen sind, und das Spiel von Leonardo DiCaprio beeindruckt.
Denn Alejandro G. Iñárritu hatte die Idee, den Film chronologisch an abgelegenen Gebieten in Kanada und Argentinien zu drehen, die an die abgelegenen Gebiete um den Missouri River in Perkins County, South Dakota, vor gut zweihundert Jahren erinnern. Gedreht wurde nur mit natürlichem Licht, was die mögliche Drehzeit verringerte. An den abgelegenen Drehorten war es oft erbärmlich kalt und jeden Tag, nachdem man endlich am Drehort angekommen war, blieben nur wenige Stunden für die Dreharbeiten. So fing Emmanuel Lubezki, derzeit Terrence Malicks Kameramann und, u. a., „Children of Men“, „Gravity“ und „Birdman“, mythisch überhöhte Bilder ein, die immer wieder an Aleksei Germans „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ (der vor einigen Monaten in einigen Kinos lief) erinnern. Iñárritu ließ sich vor dem Dreh für die poetische Bildgestaltung von der Malerei und für den dreckigen Look von Andrej Tarkowskis „Andrej Rubljow“ inspirieren.
Vor dieser imposanten Naturkulisse schleppt Leonardo DiCaprio sich als Schwerverletzter, der zuerst nur kriechen kann und seine Wunden mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verarztet, was kaum mehr als ein brennender Ast ist. Er muss vor der Kälte flüchten, was in der menschenleeren, unbesiedelten Landschaft, höchstens das Fell oder der Körper eines toten Tieres ist. Er muss sich vor ihn verfolgenden Indianern verstecken, was auch mal eine Biege im Fluss sein kann. Habe ich erwähnt, dass der Fluss kalt ist? Kälter als derzeit irgendein Fluss in Deutschland.
Weil jeder sich die Leiden und Schmerzen, die der von DiCaprio mit vollem Körpereinsatz (im wahrsten Sinn des Wortes) verkörperte Hugh Glass überlebte, aus eigener, viel harmloserer Erfahrung nachvollziehen kann, wirken sie schlimmer, als wenn in einem Film mal wieder ein Charakter von einem Alien verspeist wird. Und weil Iñárritu gerade in diesen Szenen nicht oder nur extrem selten schneidet, wirken die Qualen von Glass noch unvermittelter. Da bleibt wenig Raum für irgendeine Art von Schauspiel.
Deshalb ist „The Revenant“ kein Film, den man sich schnell hintereinander, wie den neuen „Star Wars“-Film, mehrmals ansehen möchte. Aber es ist schon jetzt ein heißer Anwärter für etliche Jahresbestenlisten und einige Preise.
Der Hinweis im Film, dass „The Revenant“ auf wahren Ereignissen und teilweise auf einem Buch basiert, ist eher störend für den Filmgenuss. Denn es lädt zu einem überflüssigen Überprüfen der Fakten ein, während Iñárritus Film schon von der ersten Sekunde an ganz klar als eine in jeder Beziehung überwältigende künstlerische Vision über den Überlebenswillen des Einzelnen und über den Ursprung unserer Zivilisation aus dem Dreck angelegt ist.
Da kann man getrost die wenigen historisch verbürgten Fakten über Hugh Glass ignorieren.
In England sind die Kray-Brüder legendär. Auch heute noch. Obwohl die Zwillinge Reginald ‚Reggie‘ Kray und sein Bruder Ronald ‚Ronnie‘ Kray, geboren am 24. Oktober 1933, bereits 1968 verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, schon einige Jahre tot sind. Ronnie starb am 17. März 1995. Reggie am 1. Oktober 2000.
Reggie und Ronnie Kray waren in den sechziger Jahren die Unterweltkönige im Londoner East End. Sie hielten alten Damen die Tür auf und herrschten gleichzeitig brutal über die Halb- und Unterwelt und betrieben Clubs, in denen sich die High Society traf, um etwas echte Halbweltluft zu schnuppern.
So populäre Verbrecher werden, vor allem wenn ihr Verhalten durch eine gewisse gewissenlose Unberechenbarkeit und ein pompöses öffentliches Auftreten geprägt ist, dann auch schnell in zahlreichen Gerüchten, Legenden und Erzählungen weiter popularisiert. 1972 erschien John Pearsons mit dem Edgar ausgezeichnetes, mehrfach neu aufgelegtes Sachbuch „The Profession of Violence“. 1990 drehte Peter Medak mit Gary und Martin Kemp (besser bekannt als „Spandau Ballet“) das bei uns zu unrecht ziemlich unbekannte Gangster-Biopic „Die Krays – Zwei mörderische Leben“ (The Krays).
Jetzt wagte Brian Helgeland, der, neben eigener Regiearbeiten, wie „Payback“ und „42“, auch die Drehbücher für „L. A. Confidential“ und „Mystic River“ schrieb, sich an eine neue Interpretation der Geschichte der Kray-Brüder, die vor allem als Schauspielerkino mit einer ordentlichen Portion Zeitkolorit (und einem entsprechendem Soundtrack) begeistert. Denn Tom Hardy (derzeit auch mit „The Revenant – Der Rückkehrer“ im Kino) spielt beide Brüder und manchmal kann man schon zweifeln, ob es wirklich der gleiche Schauspieler ist. Während Reggie Kray der vernünftige der beiden Brüder ist, ist Ronnie ein Psychopath, bei dem paranoide Schizophrenie diagnostiziert wurde, der am Filmanfang in einer Irrenanstalt sitzt und mit Medikamenten mit Müh und Not zu einem halbwegs funktionierendem menschlichen Wesen gemacht werden kann. Er bekennt sich auch offen zu seiner Homosexualität und er spricht unverblümt aus, was er denkt. Das ist manchmal intelligent, oft auch erschreckend einfältig und moralfrei. Brutal und gewissenlos sind beide Brüder. Eigentlich ist Ronnies Aufenthalt in einer geschlossenen Anstalt ein Segen für die Menschheit.
Aber Reggie will, dass sein Bruder in Freiheit bei ihm in London lebt. Also besticht er einige Gutachter und die beiden Brüder können ihren Stadteil unsicher machen, während die Medien sie feiern und die Polizei versucht, sie hinter Gitter zu bringen. In diesen Jahren, vor dem Hintergrund der Swinging Sixties, entstand die Legende der Kray-Brüder, in denen sich Wahrheit und mehr oder weniger erfundene Geschichten miteinander vermischten. In „Legend“ erzählt Helgeland diese erfolgreichen Gangsterjahre bis zur Verhaftung der Kray-Brüder,
Im Gegensatz zu Scott Coopers kürzlich gestartetem Gangsterbiopic „Black Mass“ über die unheilige Allianz des FBI mit dem Bostoner Gangsterboss Whitey Bulger, in dem keine Erzählhaltung erkennbar war und der Film zu einem quälend langweiligen Monument verpasster Chancen wurde, erzählt Helgeland seine Geschichte aus der Sicht von Frances Shea, die später auch Reggies Frau wurde. Sie war, wie Helgeland bei seinen Recherchen von dem Kray-Komplizen Chris Lambrianou erfuhr, „der Grund, warum wir alle in den Knast gingen“. Danach wusste Helgeland, wie er seine Geschichte über die beiden Brüder erzählen konnte. Shea erzählt auch, oft als Voice-Over, die Geschichte der beiden Brüder und ihre Beziehung zueinander.
Allerdings wirkt der Film, vielleicht auch, weil man schon im Vorspann liest, dass Amazon Prime Instant Video einer der Geldgeber ist, immer wie ein gut ausgestatteter und gut gespielter TV-Film, dessen zahlreichen Innenaufnahmen ihre wahre Heimat eher auf dem kleinen Bildschirm finden. Auch das eher gemächliche Erzähltempo, die zurückhaltende Inszenierung und dass Helgeland seine Geschichte strikt chronologisch und konzentriert auf wenige Personen erzählt, trägt zu diesem Eindruck bei.
Vor einem halben Jahr hatten in „Unknown User“ die Freunde von Laura Barns Ärger mit ihrem todbringenden Geist, der sich in einen ihrer Chats einmischte und sie tötete. Bei dem Horrorfilm beeindruckte vor allem die Idee, den gesamten Film aus der Perspektive einer vor dem Computerbildschirm sitzenden Person zu erzählen. Neunzig Minuten starrte man im Kino einen Computerbildschirm an und es war, trotz absurder Geschichte, erstaunlich spannend.
„Unfriend“ klingt jetzt, wegen ähnlicher Prämisse und eines Titelwirrwarrs zwischen Produktionstitel, Originaltitel und deutschem Titel, wie das Gleiche noch einmal. In „Unfriend“ nimmt die beliebte Studentin Laura die Freundschaftsanfrage der seltsamen Marina an. Marina ist neu an der Universität, künstlerisch begabt, schweigsam und immer, dank ausgelebter Gothic-Vorliebe, schwarz gekleidet. Laura wird, obwohl sie das hundertprozentige Gegenteil von Marina ist, Marinas erste Freundin auf ihrem Facebook-Profil.
Als Marina zunehmend obsessiv Laura verfolgt, will Laura die Freundschaft beendeten. Aber ein „Unfriend“ geht nicht und schnell wird Lauras Leben zum Höllentrip. Sie soll äußerst geschmacklose und schlimme Videos, auch Videos, in denen der Tod von mit ihr befreundeten Studenten gezeigt wird, posten. Immer mehr ihrer Freunde wollen keinen Kontakt mehr zu ihr haben und Laura kann nichts gegen die Posts auf ihrer Facebook-Seite machen. Denn sie kann ihr Profil, das anscheinend von einer anderen, sehr dunklen Macht gekapert wurde, nicht löschen.
Laura glaubt, dass Marina die Ursache ihrer Probleme ist.
„Unfriend“ erfindet den Horrorfilm nicht neu. Denn, und da verrate ich keine großen Geheimnisse, Marina ist ein Dämon und alles läuft auf eine finale Konfrontation zwischen Laura und Marina in der realen Welt (naja, so real eine Welt mit Dämonen halt ist) hinaus. In Teilen ist er auch, weil er einfach den Genreregeln folgt, erbärmlich unlogisch. Denn warum sucht Laura keine Hilfe, als sie ihr Facebook-Profil nicht löschen kann? Warum nervt sie die Anbieter der Seite nicht mehr? Es gibt nur einen ergebnislosen Anruf bei der Hotline. Warum informiert sie die Universitätsleitung, mit der sie mehrere Gespräche hat, nicht über ihr Problem? Vor allem: Warum redet sie nicht mit der Polizei darüber? Immerhin sind, nach den ersten schrecklichen Vorfällen, zwei durchaus hilfsbereite Polizisten in den Fall involviert. Hier hätten ein, zwei erklärende Szenen geholfen, ehe Laura sich allein auf den Weg zur Ursache ihrer Probleme macht. Diese Ursache und die damit zusammenhängende Mythologie werden dann allerdings sehr nachvollziehbar erklärt und Marinas Zeichnungen und Videoclips bieten Hinweise auf die Lösung. Und es gibt ein immer wieder gelungenes Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, die natürlich in bestimmten Momenten, wenn einer der Charaktere alleine durch seine dunkle Wohnung geht, erwarten, dass etwas unheimliches geschieht.
Außerdem ist „Unfriend“ angenehm altmodisch aufgenommen. Das heißt: die Wackelkamera hat gottseidank ausgedient. Die unbekannten Schauspieler machen ihre Arbeit gut und am Ende, beim Lesen des Abspann, gibt es eine große Überraschung. Denn so amerikanisch „Unfriend“ auch aussieht und der Film wurde für den amerikanischen und internationalen Markt gemacht, ist er in weiten Teilen eine deutsche Produktion. Regie, Drehbuch, Kamera, Produktion undsoweiter sind fest in deutscher Hand. Gedreht wurde vor allem in Kapstadt, Südafrika. Eigentlich kamen nur die Schauspieler nicht aus Deutschland. Aber das sieht man dem Film in keiner Sekunde an.
Als ein Anschlag auf eine Drogenbaron in Bolivien grandios schiefgeht, wissen Clay und sein Team, dass ihr Auftraggeber, der geheimnisvolle Max, ein ganz hohes Tier im US-amerikanischen Geheimdienst und zuständig für die wirklich schmutzigen Aktionen, sie umbringen will. Sie beschließen, es ihm heimzuzahlen.
Das bessere A-Team und der bessere „A-Team“-Film, dank eines selbstironischen Tons, guter Schauspieler und ordentlicher Action.
Die Vorlage, der Comic von Andy Diggle und Jock, ist auch einen Blick wert.
mit Jeffrey Dean Morgan, Zoe Saldana, Chris Evans, Idris Elba, Columbus Short, Oscar Jaenada, Jason Patric
James Bond: Im Geheimdienst ihrer Majestät (GB 1969, Regie: Peter Hunt)
Drehbuch: Richard Maibaum
LV: Ian Fleming: On her Majesty´s Secret Service, 1963 (007 James Bond im Dienst Ihrer Majestät; 007 James Bond im Geheimdienst Ihrer Majestät; 007 James Bond und sein gefährlichster Auftrag)
James Bond trifft in den Alpen auf seinen Erzfeind Blofeld.
Der Daily Herald meinte, „On her Majesty´s Secret Service“ sei das bis dahin beste Bond-Buch. Und der Film, der sich an die Buchvorlage hält, wäre auch der beste Bond-Film, wenn nicht George Lazenby, sondern Sean Connery die Hauptrolle gespielt hätte.
JAMES BOND: Man lebt nur zweimal (GB 1967, Regie: Lewis Gilbert)
Drehbuch: Roald Dahl
LV: Ian Fleming: You only live twice, 1964 (Man lebt nur zweimal)
Blofeld kapert Raumkapseln. James Bond wird losgeschickt dem schändlichen Treiben ein Ende zu bereiten. In Blofelds Zentrale, einem erloschenen Vulkan, treffen beide aufeinander.
Die erste Begegnung zwischen den Herren Bond und Blofeld (im Film – in den Büchern war die Reihenfolge etwas anders). Der Film ist eine ziemlich ermüdende Materialschlacht mit einem als Japaner verkleideten Bond.
„You only live twice“ ist das vorletzte Bond-Buch von Ian Fleming. Für den Film wurde eine vollkommen neue Story entworfen. Nur der Gegner (Blofeld) und der Ort der Handlung (Japan) sind gleich.
Ein interessanten Blick auf den damaligen Presserummel findet sich in Erich Kocians Buch „Die James Bond Filme“ (Heyne Filmbibliothek, Auflage egal). Kocian berichtete damals aus Japan über die Dreharbeiten unter ständiger Belagerung von Reportern und Fans.
Mit Sean Connery, Karin Dor, Donald Pleasence, Akiko Wakabayashi, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn, Charles Gray
RTL II, 22.30 Bram Stoker’s Dracula (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: James V. Hart
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Francis Ford Coppolas Interpretation der bekannten Geschichte von Graf Dracula. Nicht schlecht und allein schon wegen der Besetzung einen Blick wert.
mit Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, Richard E. Grant, Cary Elwes, Bill Campbell, Sadie Frost, Tom Waits, Monica Bellucci Hinweise Rotten Tomatos über „Bram Stoker’s Dracula“
Wikipedia über „Bram Stoker’s Dracula“ (deutsch, englisch)
Normalerweise hat man, wenn man die am Film beteiligten Personen, die Synopse und den Trailer kennt, eine ziemlich genaue Vorstellung, was für einen Film man demnächst sieht. Deshalb heißt es ja auch „der neue Woody-Allen-Film“ oder „der neue Star-Wars-Film“. „Joy – Alles außer gewöhnlich“ ist der neue Film von David O. Russell, der zuletzt die mit Preisen überschütteten Dramen „The Fighter“, „Silver Linings Playbook“ und „American Hustle“ inszenierte. Jennifer Lawrence, Robert De Niro und Bradley Cooper sind wieder dabei. Edgar Ramirez (demnächst „Point Break“), Isabella Rossellini, Diane Ladd und Virginia Madsen spielen ebenfalls mit. Entsprechend hoch sind die Erwartungen.
Bei „Joy – Alles außer gewöhnlich“ hatte ich trotztdem absolut keine Vorstellung, was für ein Film mich erwartet, weil die Synopse und der Trailer nicht zusammen passten. Der Trailer ist zwar stimmungsvoll, aber im Hinblick auf irgendeine Geschichte ziemlich nichtssagend. Während die Synopse etwas von einer sich über vier Jahrzehnte (bzw. laut Presseheft sogar vier Generationen, was eigentlich einige Jahre mehr wären) erstreckende Geschichte über eine alleinerziehenden Mutter, die zu einer Großunternehmerin, Herrscherin über ein Geschäftsimperium und Matriarchin wird (Ah, wer denkt da nicht an „Dallas“ und „Der Denver-Clan“?), erzählt, hat der Trailer offensichtlich nichts mit einer Generation und Jahrzehnte überspannenden Familien- und Firmensaga zu tun. Eher schon mit einer Kleinen-Leute-Komödie, die während eines biographisch kleinen Zeitabschnittes, einige Monate, vielleicht ein, zwei Jahre, spielt.
Auch das Filmplakat (das mir gefällt) verrät absolut nichts über den Film. Außer dass eine Frau im Mittelpunkt steht; – was jetzt keine große intellektuelle Leistung ist. Denn Joy ist der Name der Protagonistin, sie wird von Jennifer Lawrence gespielt und sie ist die sonnenbebrillte, gen Himmel blickende Blondine auf dem Plakat, das auch das Plakat für irgendeine fundamentalistische Heilsbringer-Geschichte sein könnte.
Diese unterschiedlichen Signale verraten immerhin, dass „Joy – Alles außer gewöhnlich“ kein gewöhnlicher Film, kein 08/15-Biopic oder wasauchimmer ist. Das kann natürlich ein grandioser Film oder ein Komplettdesaster sein. Jedenfalls ist es ein Film, bei dem die Werbeabteilung nicht weiß, wie sie ihn bewerben soll. Im Gegensatz zum neuen „Star Wars“-Film, der sich vor allem über die Botschaft „Keine Panik. Es wird alles wie früher.“ verkaufte.
Nun, „Joy“ ist dann die immer wieder komödiantisch gebrochene Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die mit einer Idee (ein neuer Wischmopp) ein Geschäft startet und gerade am Anfang gegen einige Widerstände kämpfen muss.
Es ist allerdings auch ein Film, der in seine Einzelteile zerfällt und, abgesehen von einer unangenehm vulgärkapitalistischen Botschaft, die sehr amerikanisch ist, nie seine Stimme findet und auch nicht weiß, was er wie erzählen will. So ist Joys Familie eine Ansammlung absurder Charaktere. Joys Mutter (Virgina Madsen) liegt im Bett und sieht sich nur Soaps an. Ihr Vater Rudy (Robert De Niro), Inhaber einer schlecht gehenden Autorwerkstatt mit anliegendem Schießstand, zieht wieder bei ihnen ein und weil die abbruchreife Bretterbude klein ist, muss er in den Keller ziehen. Dort lebt Joys Ex-Mann Tony (Édgar Ramirez), ein Latino-Sänger, der, nun, auch finanzielle Probleme hat. Joys Großmutter (Diane Ladd) als guter Geist und Joys Kinder, die ab und an durchs Bild laufen, sind auch in dem Haus; womit wir dann auf vier Generationen kämen. Sie alle leben am unteren Ende des amerikanischen Traums. Aber es geht auch herzlich laut zu. So, wie wir diese hyperagilen italienischen Filmfamilien kennen, in denen die Erwachsenen sich anbrüllen und lautstark versöhnen, während die Kinder durch die Wohnung toben. Weil man dieser Familie alles außer ihrer Lebensfreude nehmen kann.
Da hat Joy, nachdem sie, mal wieder zu von allen ungeliebten und vermiedenen Putzarbeiten verdonnert wird, die Idee von einem Wischmopp, den sie nicht von Hand ausdrücken muss. Die Anschubfinanzierung kommt von Rudys neuer Freundin, einer vermögenden, italienischen Witwe (Isabella Rossellini), die auch keine Unternehmerin ist, aber dafür die Ratschläge ihres verstorbenen Gatten befolgt.
Als Joys erste Verkaufsbemühungen nicht erfolgreich sind, erhält sie die Chance, ihren Wischmopp im Verkaufsfernsehen anzupreisen. Auftritt von Bradley Cooper als TV-Manager mit dem goldenen Herz und als Quasi-Love-Interest.
Bis jetzt war der Film, der in den späten Achtzigern spielt, von einer seltsamen Atmosphäre (so kann man die Handlungszeit nie genau lokalisieren) und satirisch überspitzten Charakteren und ebenso überspitzten bis grotesken Situationen geprägt. Das reale Leben von Joy und ihrer Familie wurde mit dem in den Seifenopern präsentiertem Leben mehr oder weniger konterkariert. Jetzt, in dem Home-Shopping-Sender (der Bodensatz des Fernsehens, der, weil er eine einzige Werbesendung ist, nicht von Werbung unterbrochen wird), wird der Film plötzlich vollkommen unwitzig und unironisch. Home Shopping wird als eine hochseriöse Angelegenheit, in der jeder seine Chance erhält, präsentiert. Damit steht der TV-Sender in der Filmmoral weit über dem normalen Unternehmertum der Einzelhändler, bei denen Joy vorher vergeblich ihr geniales Putzutensil anbot, weil deren Regale nur von Großhändlern bestückt werden.
Die weiteren Wendungen ihrer Firmengründung folgen dann der normalen Dramaturgie über die Anfangsjahre erfolgreicher Firmengründer, wobei sie in „Joy“ besonders unpackend sind. Sie wirken wie ein ungeliebtes, schnell abgehandeltes Pflichtprogramm, in dem die superschlaue Joy immer wie die geistig nicht besonders helle Hausfrau von nebenan wirkt. Aber solange ihre Gegner noch blöder sind, ist das kein Problem.
Sowieso sind alle Charaktere meist nur als grelle Parodie erträglich. Allerdings bleibt unklar, was David O. Russel parodieren wollte und damit was er erzählen wollte.
Am Ende des Films bleiben dann viele gelungene Szenen, die zusammenhanglos neben einander stehen und, als kleinster gemeinsamer Nenner, eine schlecht verpackte, sehr amerikanische, vulgärkapitalistische Botschaft.
Dass Natalie Portman mit Waffen umgehen kann, wissen wir seit „Leon – Der Profi“. Dass sie auch in einem waschechten Western eine gute Figur macht, sehen wir in „Jane got a Gun“. Portman spielt die titelgebende Jane Hammond, die mit ihrem Mann Bill (Noah Emmerich) in New Mexico in einer einsam gelegenen Holzhütte das karge bäuerliche Landleben fristet. Als ihr Mann schwer verletzt von einer längeren Reise zurückkehrt und ihr sagt, dass John Bishop auf dem Weg ist, weiß sie, dass sie bald um ihr Leben kämpfen muss.
Denn John Bishop (Ewan McGregor) ist der skrupellose Anführer einer Verbrecherbande. Vor Jahren gehörten Jane und ihr Mann zu seiner Bande. Nach einem Streit verließen sie ihn. Seitdem sucht Bishop sie. Denn niemand verlässt Bishops Bande ungefragt und ungestraft.
Den einzigen Mann, den Jane in der Einöde um Hilfe bitten kann, ist Dan Frost (Joel Edgerton), ein früherer Freund von ihr, der nichts mehr mit ihr zu tun haben will.
Dieses „High Noon“-Szenario ist für Westernfans nichts neues und Gavin O’Connor („Das Gesetz der Ehre“, „Warrior“) folgt den bekannten Regeln ohne postmoderne Brechungen. „Jane got a Gun“ ist ein klassischer, geradliniger, in neunzig Minuten erzählter B-Movie-Western mit einem überschaubarem Personal und einer Schießerei am Ende. Weil der Film vor Ort in New Mexico gedreht wurde, gibt es auch leinwandfüllende, das Auge erfreuende Landschaftsaufnahmen.
Das ist durchaus ansehbares, wenn auch, abgesehen von der starken Heldin, wenig überraschendes und erstaunlich traditionelles Genrefutter, das die Zeit mit hohem „Star Wars“-Faktor (wobei Portman und McGregor hier, wie auch in eigentlich all ihren anderen Filmen, eine wesentlich bessere Figur machen) gut die Tage bis zu Quentin Tarantinos Drei-Stunden-Schnee-Western „The Hateful Eight“ überbrückt.
Seine letzten beiden Filme „Devil’s Knot“ und „The Captive“ erhielten bei uns, trotz gewohnt hochkarätiger Besetzung, nur einen DVD-Start. Mit „Remember – Vergiss nicht, dich zu erinnern“ kehrt Kritikerliebling Atom Egoyan wieder zurück in die Kinos mit einer ziemlichen Kolportage-Geschichte.
Nach dem Tod seiner Frau macht sich Zev Guttman (Christopher Plummer), ein an Demenz erkrankter KZ-Überlebender, auf den Weg. Sein im Rollstuhl sitzender Altersheim-Freund Max Zucker (Martin Landau), der ebenfalls mit ihm im KZ war, hat einen Hinweis auf den als Rudy Kurlander unerkannt in Nordamerika lebenden KZ-Aufseher gefunden, der Zev Guttmans Familie ermordete.
Max schickt Zev, dessen wichtigstes Gepäckstück ein Zettel ist, auf dem die vier Adressen, an denen die verschiedenen Kurlanders leben, und Verhaltensanweisungen für ihn stehen. Ohne den Zettel und die Telefonate mit Max wüsste Zev nicht, was er tun soll.
Aus dieser Prämisse macht Atom Egoyan erschreckend wenig. Denn Egoyan wurde bekannt durch kluge und zum Nachdenken anregende Reflexionen über die Gesellschaft und kunstvoll verschachtelte Filme, die dennoch auch für ein Mainstream-Publikum immer gut ansehbar blieben. Die von Benjamin August geschriebene Geschichte folgt dagegen einer altbekannten Dramaturgie: bei jedem seiner Besuche erlebt Zev, der seinem Auftrag wie ein Terminator mit Anwandlungen von Menschlichkeit folgt, eine Überraschung, die eine neue Facette des Themas zeigt. So ist ein Rudy Kurlander ein unter falschem Namen lebender KZ-Überlebender, ein anderer schon verstorben und sein Sohn, wie sein Vater, ein glühender Nazi, der Zev gleich etliche Nazi-Erinnerungsstücke zum Kauf anbietet. Erst als er den vierten Rudy trifft, ist er am Ziel seiner Reise. Es gibt dann noch eine Überraschung, die man aber schon spätestens nachdem Zev das Altersheim verlässt, ahnt.
Das ist dann nicht mehr als der gut gemachte Fernsehfilm der Woche, mit deutlicher Botschaft und guten Schauspielern. Neben den Einzelauftritten von Bruno Ganz, Heinz Lieven, Jürgen Prochnow und Dean Norris in ihrer Rudy-Kurlander-Szene trägt Christopher Plummer als vergesslicher, von Hass getriebener alter Mann den Film, der als altmodisches Rachedrama okay ist.
Für einen Atom-Egoyan-Film, der „Der Schätzer“, „Exotica“, „Das süße Jenseits“, „Felicia, mein Engel“ und „Wahre Lügen“ inszenierte, ist „Remember“ allerdings eine Enttäuschung, die immer wie eine Auftragsproduktion wirkt.
Coogans großer Bluff (USA 1968, Regie: Don Siegel)
Drehbuch: Herman Miller, Dean Reisner, Howard Rodman (nach einer Story von Herman Miller)
Ein Sheriff aus Arizona verfolgt in New York einen flüchtigen Mörder.
Die erste Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood ist eine Vorstudie für „Dirty Harry“ und war der beginn einer jahrelangen Freundschaft. Der Film kam beim Publikum gut an, aber ich stimme Richard Schickel zu: „Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, (…) dass es sich um einen verworrenen und im Ton vergriffenen Film handelt, der nie sein eigentliches Ziel findet, sondern von Schlüsselszene zu Schlüsselszene wandert – beziehungsweise kriecht.“ (Clint Eastwood – Eine Biographie)
„Coogans großer Bluff“ war auch das Vorbild für die TV-Serie „Ein Sheriff in New York“ (McCloud, mit Dennis Weaver).
mit Clint Eastwood, Lee J. Cobb, Susan Clark, Tisha Sterling, Don Stroud, Seymour Cassel
Eins Plus, 20.15 (VPS 20.14) Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Deutschland/Dänemark/Schweden 1996, Regie: Bille August)
Drehbuch: Ann Biderman
LV: Peter Høeg: Frøken Smillas fornemmelse for sne, 1992 (Fräulein Smillas Gespür für Schnee)
Für die Polizei ist der Tod des kleinen Jungen ein tragischer Unfall. Für Fräulein Smilla ist es Mord. Die Suche nach dem Mörder führt sie in die Arktis.
Erstklassig besetzte, eher durchschnittliche Literaturverfilmung. Ist halt Qualitätskino ohne Ecken und Kanten.
Mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Richard Harris, Vanessa Redgrave, Robert Loggia, Mario Adorf Hinweise Rotten Tomatoes über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“
Wikipedia über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ (deutsch, englisch)
3sat, ab 06.20 Pop around the Clock
Inzwischen gibt es das 24-Stunden-nur-Konzerte-zeigen-Programm auch an anderen Tagen und auf anderen Sendern, wie auf ZDFkultur, ZDFneo und Eins Plus (dort wird ab 17.45 Uhr gerockt mit dem Reeperbahn Festival). Aber nicht in dieser Menge. Außerdem sind die meisten Konzertmitschnitte (oder Ausschnitte) brandneu und erstmals (und oft auch letztmals) im Fernsehen zu sehen.
Es beginnt um 06.20 Uhr bluesig mit Joe Bonamassa. Um 07.05 Uhr gibt es dreißig Minuten B. B. King. Danach folgen, unter anderem, um 08.20 Uhr Frank Sinatra (Dank eines runden Geburtstages in aller Munde.), um 10.25 Uhr die Rolling Stones, um 11.00 Uhr die Dire Straits, um 12.15 Uhr Deep Purple, um 14.00 Uhr Shania Twain, um 14.45 Uhr Lynyrd Skynyrd, um 15.45 Uhr Bruce Springsteen, um 18.00 Uhr Eric Clapton (von seinen diesjährigen Royal-Albert-Hall-Konzerten, die ich besprochen habe), um 19.15 Uhr Jeff Lynne’s ELO (soll inzwischen ja musikalisch rehabilitiert sein) und danach wird es sehr uninteressant. Da helfen auch Aerosmith um 21.15 Uhr, die Fantastischen Vier um 01.30 Uhr und Lenny Kravitz um 4.15 Uhr nicht wirklich. Immerhin gibt es um 5.15 Uhr mit „The Who“ (das 2015er Hyde-Park-Konzert) und um 06.15 Uhr, als Abschluss, mit Status Quo, mit ihren größten Hits ein weniger popiges Ende. Das vollständige Programm gibt es hier und etliche Konzerte bis Mitte Januar in der Mediathek.
No Way Out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, Regie: Roger Donaldson)
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Und wer danach noch nicht ins Bett will, sollte auf Eins Festival umschalten. Dort läuft ab 00.15 Uhr die gesamte britische Spionageserie „The Game“ über die Arbeit des MI5 in den frühen Siebzigern. Die Geheimagenten wollen eine große KGB-Operation vereiteln und einen Verräter in den eigenen Reihen finden. Meine Besprechung der deutlich von John le Carré beeinflussten Miniserie gibt es die Tage.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton
Tatort: Reifezeugnis (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld
Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.
Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.
Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)
Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)
Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.
mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen
Robert De Niro, die nächste. Nach der Komödie „Man lernt nie aus“, in der er immerhin eine Hauptrolle hatte und vor „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (läuft am Donnerstag an), in der er eine Nebenrolle hat, und vor „Dirty Grandpa“ (der am 17. März bei uns anlaufen soll und nach der Ansicht des klamaukigen Trailers – naja, eigentlich genügt schon der Titel – eine weitere überflüssige Studie in Vulgärhumor verspricht), gibt es „Bus 657“, einen Thriller von Scott Mann, der vor einigen Jahren den Killer-bringen-sich-in-einem-Wettbewerb-um-Film „The Tournament“ inszenierte. Schon für die FSK-18-Freigabe wurde der brutale Film geschnitten.
Dieses Mal geht es gewaltfreier zu. Auch wenn viel Blut fließt, wild herumgeschossen wird und einige Menschen eines gewaltsamen Todes sterben, geht es weniger graphisch zu. Und Robert De Niros Rolle ist als Bösewicht des Films etwas größer als man erwarten konnte. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt er trotzdem nicht. Er spielt seine Rolle ohne erkennbares Engagement nach Schema F in einem Film, der nach Schema F abläuft, hinunter.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Vaughn (Jeffrey Dean Morgan), ein Mann mit Talenten aus der „Taken“-Schule und einem Herz aus Gold, der dringend über 300.000 Dollar für eine lebenswichtige Operation seiner todsterbenskranken Tochter benötigt. Vaughn arbeitet auf dem Casino-Schiff von „The Pope“ (Robert De Niro), der ihm, trotz einer immer ominös bleibenden gemeinsamen Geschichte, das Geld nicht geben will. Also nimmt Vaughn den Vorschlag des neuen Türstehers Cox (Dave Bautista), das Casino auszurauben, an. Weil in Popes Casino auch Geld gewaschen wird, kann er nicht zur Polizei gehen. So der geniale Plan der Räuber.
Selbstverständlich geht schon der Raub schief und auf ihrer Flucht entführen die Geldräuber, von denen einer einen Bauchschuss hat, den titelgebenden Bus 657, in dem die üblichen gelangweilten Frühmorgenpassagiere, inclusive einer Schwangeren und einer Tiermedizinstudentin, sitzen. Schon nach wenigen Metern werden sie von der Polizei verfolgt.
Nein, auch für Nicht-Genre-Junkies birgt „Bus 657“ keine großen Überraschungen und das Ende ist eines dieser Enden, über das nicht allzu genau nachgedacht werden sollte. Auch nicht über Vaughns genialen Plan (oder war das schon Plan B? C? D? E?).
Aber als erstaunlich prominent besetztes B-Picture (wahrscheinlich wollten alle ihre Szene mit Robert De Niro haben), das seine Geschichte ebenso flott wie überraschungsfrei in knapp neunzig Minuten erzählt, ist „Bus 657“ als schnelles Futter für den Genrejunkie okay. Allerdings hätte man bei dieser Besetzung einen besseren Film erwarten können.
So ist es halt nur ein weiterer vollkommen austauschbarer 08/15-Thriller, der immerhin so gut ist, De Niros Ruf nicht weiter zu demolieren. Das hat er in den vergangenen Jahren ja oft genug in anderen Filmen gemacht.
Bus 657(Heist, USA 2015)
Regie: Scott Mann
Drehbuch: Stephen Cyrus Sepher, Max Adams (nach einer Geschichte von Stephen Cyrus Sepher)
mit Jeffrey Dean Morgan, Dave Bautista, D. B. Sweeney, Robert De Niro, Gina Carano, Morris Chestnut, Mark-Paul Gosselaar, Kate Bosworth
ursprünglich angekündigt als „Die Entführung von Bus 657“ (was an „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ erinnert, wo die Verbrecher einen, ähem, besseren Plan hatten)
– DVD Ascot Elite
Bild: 2,39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Wendecover
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Moviepilot über „Bus 657“ Metacritic über „Bus 657“ Rotten Tomatoes über „Bus 657“ Wikipedia über „Bus 657“
3sat, 22.00 Berüchtigt (USA 1946, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Ben Hecht
Ein romantischer Thriller über eine Frau, die als Tochter eines Nazis zwischen zwei Männern steht (naja, am Ende eher liegt): einem FBI-Agenten, der Nazis jagt und sie daher undercover zu einem Freund ihres Vaters schicken will, und einem Schurken, der sie heiraten will. Oder in den Worten der großen Filmkritikerin Frieda Grafe: in dem Film geht es „um Männer, die Frauen verachten, weil sie tun, wozu Männer sie zwingen.“
Truffaut nannte „Notorious“ Hitchcocks Quintessenz. Recht haben beide.
In Deutschland wurde “Berüchtigt” zuerst, in den Fünfzigern, als “Weißes Gift” gestartet und aus den Nazis wurden Drogenhändler.
Anschließend, um 23.35 Uhr, gibt es, ebenfalls von Hitchcock, den „Fall Paradin“.
Mit Ingrid Bergman, Gary Grant, Claude Rains, Louis Calhern
ZDF, 22.00 Das finstere Tal(Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute. Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner Wiederholung: Montag, 28. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)
Die lesenswerte Vorlage
Thomas Willmann: Das finstere Tal Ullstein, 2014 320 Seiten
9,99 Euro
– Erstausgabe
Liebeskind, 2010
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