Neu im Kino/Filmkritik: Mark Wahlberg ist „The Gambler“

Januar 16, 2015

Neben „Annie“ ist „The Gambler“ der zweite Film, der diese Woche startet und der ein Remake ist. Und wie bei „Annie“ ist auch bei uns das Original, der Spielfilm „Spieler ohne Skrupel“ (The Gambler, USA 1974) von Karel Reisz mit James Caan in der Hauptrolle, fast unbekannt; was auch in diesem Fall vor dem „das Original ist besser“-Spruch bewahrt und eine unvoreingenommene Betrachtung des Werkes fördert.
Mark Wahlberg hat in dem Remake die Rolle des titelgebenden Spielers übernommen. Rupert Wyatt, der vorher „Planet der Affen: Prevolution“ inszenierte, die Regie. William Monahan („The Departed“, „Der Mann, der niemals lebte“, „London Boulevard“) überarbeitete das alte, autobiographisch inspirierte Drehbuch von James Toback. Außerdem hat Monahan inzwischen, nach seinem Drehbuch, mit Mark Wahlberg den Thriller „Mojave“ inszeniert.
Bei so viel Talent steigen natürlich die Erwartungen – und entsprechend groß ist dann auch die Enttäuschung. Dabei ist die Charakterstudie „The Gambler“ kein wirklich schlechter Film, es ist nur ein Film, bei dem ich immer den Eindruck hatte, dass er immer deutlich unter seinen Möglichkeiten bleibt. Er begeisterte mich nicht. Er riss mich emotional nie so mit, wie ich es erhofft hatte. Stattdessen verfolgte ich eher gelangweilt das Schicksal des Spielers Jim Bennett (Mark Wahlberg), einem Literaturprofessor aus reichem Haus, der hoch verschuldet ist und sich, um seine Schulden zu bezahlen, weiter verschuldet. Mit diesem Geld und immer höheren Einsätzen spielt er, in der Hoffnung auf den großen Gewinn, weiter, als ob alles in bester Ordnung sei. Immerhin kann er ja beim nächsten Spiel gewinnen und dann sein Schulden zurückzahlen – oder weiter spielen.
Weil von der ersten Sekunde an eine pessimistische Noir-Stimmung über dem Film liegt, braucht es nicht den siebentätigen, rückwärts gezählten Countdown, um sich auszurechnen, wohin Jim Bennetts Leben steuert.
Innerhalb dieser Woche im sonnigen Los Angeles lernen wir seine Mutter (Jessica Lange), die ihm kein Geld mehr geben will, einen Kredithai (John Goodman, nackt, mit Glatze und einem uneingeschränkten Mut zur Hässlichkeit), der ihm, garniert mit schier endlosen Reden, Geld gibt und eine seiner Studentinnen (Brie Larsen), die in einem illegalen Casino bedient, kennen.
Sie, die später seine Freundin wird, stellt er zunächst vor seinen Studenten in einem langen Monolog bloß, der, wie die vielen anderen Monologe im Film von Bennett und seinen Antagonisten (vor allem von John Goodman) eher vor sich hin mäandern als wirklich zielführend zu sein.
Das sind dann Momente, die Schauspieler als große Auftritte lieben, die aber den Film nicht wirklich voranbringen und die auch wenig über Bennett verraten. Oft glaubt man, dass der Film aus einer Aneinanderreihung von Monologen besteht, die vor allem dazu dienen, den Charakter über irgendetwas mehr oder weniger tiefschürend philosophieren zu lassen.
So bleibt „The Gambler“ eine Charakterstudie, ein Noir, der immer auf einen besseren Film hoffen lässt.

The Gambler - Plakat

The Gambler (The Gambler, USA 2014)
Regie: Rupert Wyatt
Drehbuch: William Monahan (nach dem Drehbuch „The Gambler“ von James Toback)
mit Mark Wahlberg, Brie Larson, John Goodman, Jessica Lange, Michael Kenneth Williams, Alvin Ing, Anthony Kelley, Emory Cohen, George Kennedy
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Gambler“
Moviepilot über „The Gambler“
Metacritic über „The Gambler“
Rotten Tomatoes über „The Gambler“
Wikipedia über „The Gambler“

–

Ein Gespräch mit Regisseur Rupert Wyatt über diesen und seine anderen Filme

Und eines mit Mark Wahlberg über „The Gambler“ und andere Dinge


TV-Tipp für den 16. Januar: Die Träumer

Januar 16, 2015

3sat, 22.35

Die Träumer (Großbritannien/Italien/Frankreich 2002, Regie: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Gilbert Adair

LV: Gilbert Adair: The holy innocents – A Romance, 1988 (später überarbeitet zu „The Dreamers“ und dann auf Deutsch als „Träumer“ erschienen)

Paris, Frühling 1968: Die Cinémathèque Francaise wird geschlossen. Drei Studenten, Matthew und die Zwillinge Isabelle und Theo, ziehen sich in die riesige Wohnung der Zwillinge zurück und spielen anfangs Filme nach. Später wird es immer mehr zu einem Spiel sexueller Obsessionen.

Bertoluccis Liebeserklärung an das Kino und sein bester Film seit langem. Adair meinte, so sein Agent in einem Gespräch, Bertolucci habe in dem Film das gesagt, was er in seinem Roman habe sagen wollen. Ein schöneres Kompliment hat wahrscheinlich noch kein Regisseur gehört.

Mit Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Anna Chancellor, Robin Renucci, Jean-Pierre Kalfon, Jean-Pierre Léaud

Wiederholung: Sonntag, 18. Januar, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Die Träumer“

Moviepilot über „Die Träumer“

Metacritic über „Die Träumer“

Rotten Tomatoes über „Die Träumer“

Wikipedia über „Die Träumer“ (deutsch, englisch)

The Oxonian Review: Jenni Quilter über „The holy innocents“, die Verfilmung, das Buch „The Dreamers“ und Gilbert Adair


Neu im Kino/Filmkritik: „Frau Müller muss weg“ – darüber muss nicht diskutiert werden

Januar 15, 2015

Ein Elternabend ist es nicht, sondern ein Elternnachmittag an einem Samstag in einer verlassenen Grundschule und es sind auch nicht alle Eltern da, sondern nur eine kleine Abordnung, die ein klares Ziel hat: „Frau Müller muss weg“. Denn die Empfehlungen für den Schulwechsel stehen an. Alle Eltern möchten ihre Kinder auf das Gymnasium schicken, aber die Leistungen ihrer Kinder verschlechterten sich in den vergangenen Monaten rapide und Schuld daran ist natürlich die Klassenlehrerin, die jetzt halt in einem Gespräch überzeugt werden soll, die Klasse freiwillig aufzugeben. Die Sprecherin der Eltern ist die in einem Ministerium arbeitende Karrierefrau Jessica Höfel (Anke Engelke). Im Businesskostüm und kalt wie eine Klapperschlange. Verluste sind ihr, solange sie ihr Ziel erreicht, egal. Deshalb kandidierte sie auch als Elternsprecherin und selbstverständlich wird sie bei diesem Treffen das Reden übernehmen.
Begleitet wird sie von einigen Eltern, die vor allem ein schweigender Chor sein sollen. Es sind Wolf Heider (Justus von Dohnány), ein arbeitsloser Ossi, der seine Tochter ständig überwacht, die alleinerziehende Katja Grabowski (Alwara Höfels), deren Sohn Klassenbester ist, und das aus dem Westen kommende Ehepaar Patrick (Ken Duken) und Marina Jeskow (Mina Tander), deren hochbegabter und sehr sensibler Sohn früher in einer Waldorf-Schule war und viel Aufmerksamkeit benötige.
Aber Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) ist nicht bereit, so einfach ihre Klasse aufzugeben und sie teilt gegenüber den Eltern aus. Vollkommen überzeugt von ihrem pädagogischen Konzept und ihren Leistungen nennt sie die Probleme der Kinder beim Namen und verlässt wutentbrannt über den Wunsch der Eltern das Klassenzimmer.
Leicht konsterniert bleiben diese zurück. Immerhin hat Frau Müller ihre Tasche vergessen. Sie wird also wieder zurückkommen. Nach einigen Minuten beschließen sie, in der Schule nach ihr zu suchen. Während der Suche erfahren wir dann auch mehr über die Eltern.
„Frau Müller muss weg“ basiert auf dem Theaterstück von Lutz Hübner, das 2010 in Dresden seine erfolgreiche Premiere hatte und auch dort spielt, obwohl es überall in Deutschland spielen könnte. Zusammen mit Sarah Nemitz (mit der bereits mehrere Stücke schrieb) und Oliver Ziegenbalg („Russendisko“) adaptierte er es für die Verfilmung. „Der bewegte Mann“ Sönke Wortmann inszenierte den Film, nachdem er das Stück bereits in Berlin im GRIPS-Theater inszenierte.
Der Film selbst, auch weil er keine Eins-zu-Eins-Abfilmung des Stückes ist, fühlt sich trotzdem nie wie ein routiniert abgefilmtes Theaterstück an. Die Schauspieler sind gut, die Dialoge sind glaubwürdig und kein Charakter, auch wenn wir ihre Motive gut verstehen, ist einem sympathisch. Eigentlich sind alle, die Eltern und die Lehrerin, mehr oder weniger unsympathisch, aber genau deshalb sind sie glaubwürdig. Denn wir verstehen ihre Sorgen und Wünsche, aber rundum identifizieren können wir uns nicht mit der selbstgerechten Lehrerin, an deren Panzer jede Kritik abprallt. Oder den Eltern, die zwar immer nur das beste für ihre Kinder wollen, dabei aber nur den Maßstab „was gut für mein Kind ist, ist gut“ kennen und diesen Maßstab ausschließlich aus ihrer Perspektive und für ihr Kind anlegen. Deshalb benötigen sie die Empfehlung für das Gymnasium. Ob das gut für das Kind ist, ist den Eltern egal.
Und so betrachtet ist dann auch Katja ein zwiespältiger Charakter. Weil ihr Sohn der Klassenbeste ist, wird er sowieso auf das Gymnasium gehen. Entsprechend leicht kann man da mit den schwächeren Eltern solidarisch sein und gleichzeitig Verständnis für die Lehrerin haben. Außerdem hat sie, während die anderen anwesenden Mütter und Väter verheiratet sind, eine Beziehung zu einem verheirateten Mann.
Wortmanns Kammerspiel „Frau Müller muss weg“ ist die gelungene Filmadaption eines erfolgreichen Theaterstücks, die vor allem als sanfter Denkanstoß funktioniert. Das ist viel mehr, als man über andere deutsche Filme sagen kann.

Frau Müller muss weg - Plakat

Frau Müller muss weg (Deutschland 2014)
Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Lutz Hübner, Sarah Nemitz, Oliver Ziegenbalg
LV: Lutz Hübner: Frau Müller muss weg, 2010 (Theaterstück)
mit Cabriela Maria Schmeide, Justus von Dohnány, Anke Engelke, Ken Duken, Mina Tander, Alwara Höfels, Rainer Galke, Jürgen Maurer, Dagmar Sachse
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Frau Müller muss weg“
Film-Zeit über „Frau Müller muss weg“
Moviepilot über „Frau Müller muss weg“


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Die Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung – Die Fasanentöter“

Januar 15, 2015

Es hilft nichts. Auch die Veränderungen im Drehbuch von Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg machen aus Jussi Adler-Olsen spannungsloser Geschichte „Schändung“ keinen Thriller. Die Täter sind beide Male von Anfang an bekannt, was ja nicht unbedingt ein Nachteil ist. So basiert die grandiose Krimiserie „Columbo“ auf dieser Idee. Aber in „Columbo“ sind die Verbrecher intelligent, die Konfrontationen zwischen dem Ermittler und dem Mörder sind vergnügliche Schlagabtäusche, Katz-und-Maus-Spiele zwischen intelligenten Kontrahenten, und in jeder Szene erfahren wir etwas neues.
In „Schändung“, und da unterscheiden sich der Roman seine Verfilmung nicht, ist es anders. Es gibt einfach keine nennenswerten Konfrontationen und, nachdem wir die Ausgangssituation kennen, auch keine neuen Erkenntnisse. Die gesamte Geschichte quält sich über 450 Seiten (im Roman) oder gut 120 Minuten (im Film) auf ihr Ende zu. Schon am Anfang erfahren wir, dass eine Gruppe stinkreicher Internatsschüler vor zwanzig Jahren zwei Jugendliche ermordeten. Bjarne Thøgersen gestand den Doppelmord und sitzt dafür im Gefängnis. Der Fall ist offiziell abgeschlossen.
Jetzt beginnt Carl Mørck vom Sonderdezernat Q, der Abteilung für alte, nicht abgeschlossene Fälle, den Fall neu aufzurollen. Im Roman weil die Akte wie von Geisterhand auf seinem schon gut gefülltem Schreibtisch auftaucht und es, anstatt sich irgendeinen ungeklärten alten Mordfall vorzunehmen, natürlich grundvernünftig ist, einfach einen geklärten alten Mordfall noch einmal zu untersuchen. Vielleicht haben die Kollegen ja Mist gebaut und vielleicht ist der geständige Täter, der sein Geständnis nicht widerrufen möchte, doch nicht der Täter. Wer jetzt glaubt, dass Mørcks Verhalten idiotisch ist, wird an Adler-Olsens Roman keine Freude haben. Aber eigentlich sollte er nach dem ersten Sonderdezernat-Q-Roman „Erbarmen“ schon vorgewarnt sein.
Im Film ist Mørcks Verhalten immerhin besser motiviert: Eines Nachts begegnet er im Regen (wegen der atmosphärischen Bilder) einem offensichtlich verwirrten Mann, der ihm die alte Akte gibt. Am nächsten Tag ist er tot. Suizid. Er war ein Ex-Polizist und der Vater der beiden toten Teenager. Getrieben von dem Gefühl, dem Mann nicht geholfen zu haben, sieht Mørck sich den Fall wieder an.
Zur gleichen Zeit läuft die Obdachlose Kimmie durch Kopenhagen. Sie ist eine der damaligen Täter und jetzt will sie sich an den anderen Tätern rächen. Ohne jetzt allzutief in die Psychologie einzusteigen: weil Jussi Adler-Olsen es so will und es in der Theorie doch gut klingt: während die Polizei die Täter sucht, will einer der Täter die anderen umbringen und jetzt haben wir einen Wettlauf mit der Zeit. Denn wer erreicht zuerst sein Ziel? Die Ausführung steht dann auf einem anderen Blatt und das Ende bringt diese beiden Plots mit mehr Zufall als Verstand oder innerer Logik zusammen.
Unglaubwürdige Charaktere, eine unplausible Geschichte, fehlende Konfrontationen, fehlende Konflikte – das ist das Rezept für einen veritablen Langweiler, der in diesem Fall immerhin Mørcks Privatleben links liegen lässt. Dieses Fazit gilt für den Roman und die Verfilmung.

Schändung - Plakat

Schändung – Die Fasanentöter (Fasandræberne, Dänemark/Deutschland/Schweden 2014)
Regie: Mikkel Nørgaard
Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
LV: Jussi Adler-Olsen: Fasandræberne, 2008 (Schändung)
mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Pilou Asbaek, David Dencik, Danica Curcic, Johanne Louise Schmidt
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage

Adler-Olsen - Schändung - Movie-Tie-In

Jussi Adler-Olsen: Schändung
(übersetzt von Hannes Thiess)
dtv, 2015 (Filmausgabe)
464 Seiten
9, 95 Euro
–
Deutsche Erstausgabe
dtv premium, 2010
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Originalausgabe
Fasandræberne
Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008
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Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Schändung“
Moviepilot über „Schändung“
Rotten Tomatoes über „Schändung“
Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Meine Besprechung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ (Kvinden i buret, 2008)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013) (DVD)


Neu im Kino/Filmkritik: „Annie“ – altes Broadway-Musical, neue Bearbeitung

Januar 15, 2015

Bei uns ist „Annie“ vor allem als der John-Huston-Film bekannt, den John-Huston-Fans nicht sehen wollen und galant ignorieren. Immerhin hat er davor, beginnend mit „Die Spur des Falken“ (The Maltese Falcon), einige Klassiker gedreht und auch sein Werk nach der Auftragsarbeit „Annie“ ist nicht schlecht. Denn „Annie“ ist ein Musical über ein Waisenkind, das von einem stinkreichen Frühkapitalisten aufgenommen wird. Das passt nicht in Hustons sonstiges Werk.
In das Werk von Will Gluck („Einfach zu haben“, „Freunde mit gewissen Vorzügen“), der jetzt ein zeitgemäßes Update von „Annie“ vorlegte, schon eher. Er hat allerdings in den USA, wo das Musical „Annie“ wohl so etwas wie ein heiliges Kulturgut und für Viele eine wunderschöne Kindheitserinnerung ist, mit anderen Problemen zu kämpfen. So spielt sein „Annie“-Film in der Gegenwart. Das Musical und Hustons Film spielen in den Dreißigern. Die ersten „Little Orphan Annie“-Comics, auf denen das Musical basiert, schrieb Harold Gray bereits 1924 für die „New York Daily News“.
Glucks Annie ist eine Afroamerikanerin. Die Musical- und Comic-Annie ist ein Rotschopf. Die Songs, Gassenhauer wie „It’s the hard-knock life“, „Maybe“ und „Tomorrow“, wurden modernisiert vom Broadway-Bigband-Schmalz zu eher banalen, aber immer eingängigen Pop-Songs. Alle diese Veränderungen wurden in den USA heftig kritisiert. Immerhin trampelt Gluck auf ihren Kindheitserinnerungen herum.
Dieses Problem hat „Annie“ für uns nicht. Denn wer kennt hier schon „Annie“? Die Comics, das Broadway-Musical, die Verfilmungen? Herrje, sogar die John-Huston-Verfilmung läuft bei uns nie im TV.
Für eine vorurteilsfreie Betrachtung ist das natürlich gut. Die Story selbst ist, typisch für ein Musical, absolut vorhersehbar und vernachlässigbar. Annie (Quvenzhané Wallis, „Beasts of the Southern Wild“) ist ein quietschfideles, immer gut gelauntes zehnjähriges Pflegekind, das einmal pro Woche zu dem Restaurant geht, in dem ihre Eltern sie aussetzten. Vielleicht kommen sie ja wieder zurück. Ihre Pflegemutter Miss Hannigan (Cameron Diaz im grotesken Overacting-Modus) ist eine ihrer halben Minute hinterhertrauernde Schnapsdrossel und ein wahrer Hausdrache, der sich bemüht, die Kinder, die sie in ihrer Obhut hat, möglichst schlecht zu behandeln. Zufällig läuft Annie in New York Will Stacks (Jamie Foxx) über den Weg und diese Begegnung, als er sie vor einem fahrenden Laster rettet, wird ein YouTube-Hit.
Der allein lebende Mogul ist so von seiner Arbeit besessen, dass er keine Augen für seine linke Hand Grace (Rose Byrne) hat. Außerdem kandidiert er für das Bürgermeisteramt. Aber der Snob, der keinen Kontakt zum Leben und den Sorgen seiner Wähler hat, ist nicht besonders populär. Sein Wahlkampfmanager Guy (Bobby Cannavale) empfiehlt ihm, ein Treffen mit Annie vor laufender Kamera – und schon steigen seine Popularitätswerte. Sie würden noch weiter steigen, wenn er sich öfter mit Annie sehen lassen würde.
Also nimmt der Mann, der nichts mit Kindern anfangen kann, Annie bis zum Wahlsonntag bei sich auf und was dann passiert, kann man sich denken.
Das hat so viel Zuckerguss und Ignoranz gegenüber der Realität in jeder Form, dass man schon nicht mehr von einer rosaroten Version der Wirklichkeit reden kann. „Annie“ spielt in einem Paralleluniversum, das zufällig aussieht wie New York. Ohne den Schmutz und den Lärm. Ohne die Probleme des Kapitalismus.
Und, wie es sich für ein Musical gehört, wird in den unpassendsten Momenten, also ungefähr immer, gesungen und getanzt. Im Original singen die Schauspieler selbst. In der deutschen Fassung, die erstaunlich schlecht synchronisiert ist, werden die Lieder von Sängern gesungen, während Synchronsprecher die restlichen Dialoge übernahmen.
Das liest sich jetzt, als ob „Annie“ eine filmische Vollkatastrophe ist.
Aber dennoch hat mir „Annie“ – sogar in der deutschen Fassung (das war einer der wenigen Filme, bei dem ich während der Vorführung die Dialoge immer wieder ins Original zurückübersetzte) – gefallen. Es ist ein quietschbuntes Musical, bei dem alle hyperaktiv und übertrieben fröhlich agieren. Annie ist immer liebenswert. Die Schauspieler hatten ihren Spaß, der sich auch in den Saal überträgt und ich verließ den Kinosaal mit einem Lächeln, weil – well – „You’re never fully dressed without a smile“.

Annie - Plakat

Annie (Annie, USA 2014)
Regie: Will Gluck
Drehbuch: Will Gluck, Aline Brosh McKenna
LV: Thomas Meehan: Annie, 1977 (Musical), Harold Gray: Little Orphan Annie (Comic Strip)
mit Quvenzhané Wallis, Jamie Foxx, Rose Bynre, Cameron Diaz, Bobby Cannavale, David Zayas, Stephanie Kurtzuba, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Tracie Thoms, Dorian Missick, Michael J. Fox, Sia, Mila Kunis, Ashton Kutcher, Rihanna
Länge: 119 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Der Soundtrack

Im Film werden auch die Songs auf Deutsch gesungen; was aber ziemlich gruselig ist, weil die deutschen Texte nicht gut und noch nicht einmal annäherungsweise lippensynchron sind. Aber, und das ist die gute Nachricht, auch bei uns wurde der Originalsoundtrack veröffentlicht. Zusätzlich gibt es bei der deutschen Veröffentlichung des Soundtracks den von Chelsea Fontenel gesungenen Bonussong „Schon morgen“ und allein dieses eine Lied zeigt, dass es eine kluge Entscheidung war, die deutschen Versionen der Songs von Komponist Charles Strouse und Texter Martin Charnin nicht zu veröffentlichen.
So können wir hören, wie Quvenzhané Wallis, Jamie Foxx, Rose Bynre, Cameron Diaz, Bobby Cannavale und einige weitere Schauspieler die bekannten und drei brandneue Lieder („Who am I?“, „Opportunity“ und „The City’s yours“) singen.
Außerdem gibt es „Moonquake Lake“, ein fröhlicher Singalong-Song von Sia und Beck, der gut zwischen die modernisierten Songs von Strouse/Charnin passt.
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V. A.: Annie – Original Motion Picture Soundtrack
Rocnation/Overbrook/Madison Gate/RCA/Sony Music/Columbia Pictures
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Annie“
Moviepilot über „Annie“
Metacritic über „Annie“
Rotten Tomatoes über „Annie“
Wikipedia über „Annie“ 


TV-Tipp für den 15. Januar: Jesse Stone: Totgeschwiegen

Januar 15, 2015

ZDFneo, 20.15

Jesse Stone – Totgeschwiegen (USA 2006, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: J.T. Allen, Tom Selleck, Michael Brandman

LV: Robert B. Parker: Death in Paradise, 2001 (Die Tote in Paradise)

Dritter Jesse-Stone-Film nach dem dritten Jesse-Stone-Roman. Dieses Mal muss Kleinstadtcop Jesse Stone den Mord an einer 14-jährigen aufklären. Seine Ermittlungen führen ihn in die besseren Kreise von Boston.

Ein weiterer feiner Polizeifilm.

Danach läuft „Jesse Stone: Alte Wunden“ und davor, um 16.20 Uhr, gibt es zwei Folgen „Magnum“.

Und bei Pendragon ist vor wenigen Wochen „Tod im Hafen“ (Sea Change, 2006), ein weiterer Jesse-Stone-Roman von Robert B. Parker, erschienen.

Mit Tom Selleck, Edward Edwards, Viola Davis, John Diehl, William Devane

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Die Tote in Paradise” (Death in Paradise, 2001)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Eiskalt” (Stone Cold, 2003)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Die Wildgänse kommen“ – immer noch?

Januar 14, 2015

In den späten Siebzigern war „Die Wildgänse kommen“ im Kino ein Riesenhit. In Deutschland hatte er fast vier Millionen Besucher und er belegte den sechsten Platz der deutschen Kinocharts von 1978. Selbstverständlich gab es danach weitere Söldnerfilme und auch „Missing in Action“ klopfte eine Jahre später an die Tür.
Als ich den Film vor Ewigkeiten im Kino sah, war ich begeistert und, das kann schon jetzt verraten werden, ich erinnere mich sehr genau an viele Szenen. Eigentlich an fast den gesamten Film. Aber natürlich ist man als Jugendlicher, wenn man höchstens einmal im Monat ins Kino geht, es auch an der Kasse vorbei schafft und sich einen Film anzusehen kann, den man noch nicht ansehen darf (ja, ich war noch Unter-16), wesentlich einfacher zu beeindrucken.
Naja, damals überlegte ich auch, wie ich mir einen „Eis am Stil“-Film ansehen kann. Denn die waren damals noch verbotener. Heute frage ich mich, nachdem ich mir auf YouTube einige Minuten angesehen habe, warum jemals irgendein Lebewesen sich einen solchen Mist ansehen möchte.
Daher fragte ich mich vor dem Ansehen der jetzt erschienenen, neu restaurierten Fassung (für mein Empfnden ist das Bild am Anfang zu Hell, aber insgesamt ist es gut und anscheinend deutlich besser als bei den vorherigen Ausgabe), ob mir „Die Wildgänse kommen“ heute immer noch gefällt.
Schon bei dem Vorspann fällt auf, wie viele bekannte Namen dabei sind. Die Produzenten Euan Lloyd und Erwin C. Dietrich wollten, sicher beflügelt durch den Erfolg von Sam Peckinpahs Weltkrieg-II-Film „Steiner – Das eiserne Kreuz“, mit viel Geld einen Kassenhit produzieren.
Der vor allem für sein kompetentes Handwerk bekannte Andrew V. McLaglen übernahm die Regie. Er inszenierte davor etliche Western, wie „MacLintock“, „Der Mann vom großen Fluß“, „Der Weg nach Westen“, „Bandolero“, „Chisum“, „Geier kennen kein Erbarmen“ und den unterschätzten Western „Der Letzte der harte Männer“ (mit Charlton Heston und James Coburn). Öfters arbeitete er mit James Stewart und John Wayne zusammen.
John Glen übernahm, wie schon vorher bei zwei James-Bond-Filmen und bei „Superman“, die Second-Unit-Regie. Später inszenierte er fünf James-Bond-Filme.
TV-Veteran Reginald Rose („Die zwölf Geschworenen“) schrieb das dichte Drehbuch, das die Geschichte ohne Hänger, aber auch ohne große Überraschungen, gradlinig vorantreibt.
Joan Armatrading, damals noch am Anfang ihrer Karriere, schrieb und sang das Titellied „Flight of the Wild Geese“.
Roy Budd schrieb die beschwingte Marschmusik, die das ganze Abenteuer wie einen Lausbubenstreich wirken lässt. Budd schrieb davor auch die Musik für „Get Carter“, „Fluchtpunkt Marseille“ und „Die schwarze Windmühle“; alle mit Michael Caine.
Und dann die Schauspieler, die ein kleines Who-is-Who der damaligen Stars sind. Heute erinnert so eine Ansammlung natürlich an die „Expendables“-Filme. Jedenfalls übernahm Richard Burton die Hauptrolle. Roger Moore, der damals James Bond war, spielt mit. Ebenso Stewart Granger, Hardy Krüger, Richard Harris (davor „Der Mann, den sie Pferd nannten“, „18 Stunden bis zur Ewigkeit“ und „Robin und Marian“), Barry Foster („Frenzy“ und die Hauptrolle in der englischen Krimiserie „Van der Valk“), Frank Finlay (Richard Lesters „Die drei Musketiere“-Filme und der deutsche „Van der Valk“) und einige Gesichter, die man aus damaligen englischen Spielfilmen kennt, ohne ihre Namen zu kennen. Es sind Charaktergesichter, die so heute kaum noch in Filmen auftreten.
Die Story selbst ist denkbar einfach. Colonel Allen Faulkner (Kann ein Ex-Militär einen Militärrang haben?) soll, im Auftrag von einem britischen Banker, in einem afrikanischen Land einen totgeglaubten Politiker aus der Gefangenschaft befreien. Faulkner stellt ein Team aus alten Kameraden und Neulingen zusammen. Sie trainieren. Am Heiligabend (das ist wahrscheinlich der einzige Weihnachtsfilm, bei dem es keine Weihnachtsbäume gibt) führen sie dann die Mission aus. Sie springen über dem Land ab, töten alle Bewacher von Präsident Julius Limbani, befreien ihn, gehen zum nächsten Flughafen, an dem sie von einem Flugzeug abgeholt werden sollen. Weil der Bankier mit den neuen Machthabern zu einer lukrativen Vereinbarung gekommen ist, cancelt er den Auftrag und das Flugzeug landet nicht. Jetzt sind die Söldner auf sich allein gestellt und sie schlagen sich, verfolgt von Feinden, durch das Land zu einem weiter entfernt liegendem Flugplatz.
Das ist effektiv erzählt und trotz der Länge von 129 Minuten erstaunlich kurzweilig. Es ist auch, wenn wir uns an neuere Aktionen von Söldnerfirmen in Afrika erinnern – ich sage nur „Executive Outcomes“ –, erstaunlich aktuell. Es ist auch, in seiner Glorifizierung des Söldnertums, ein Werbefilm für diese freischaffenden Soldaten, die ihre Talente dem höchsten Bieter zur Verfügung stellen und deren Moral niemals auch nur ansatzweise hinterfragt wird. Dass sie in „Die Wildgänse kommen“ letztendlich für die gute Sache kämpfen und der Rassist zum Freund des bei der Bevölkerung beliebten Revolutionärs (so eine Art Nelson-Mandela-Vorläufer) wird, verleiht den Söldnern einen Glorienschein, den sie nicht verdient haben. Immerhin bringen sie bei der Befreiung von Limbani ohne Skrupel mehrere hundert, größtenteils schlafende Soldaten um.
Sowieso sind die Söldner in „Die Wildgänse kommen“ echte Männer, die ihre Erfüllung im Dienst an der Waffe finden und sich dazwischen eher langweilen. Seelische Probleme haben sie nicht und wenn getrunken wird, dann aus Langeweile.
Die DVD enthält, neben dem Originaltrailer, auch einen, auf dem Cover nicht erwähnten Audiokommentar mit Euan Lloyd, John Glen und Roger Moore.

Die Wildgänse kommen - DVD-Cover - Master 2014

Die Wildgänse kommen (The Wild Geese, Großbritannien/Schweiz 1978)
Regie: Andrew V. McLaglen
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Daniel Carney: The Wild Geese, 1977 (Die Wildgänse kommen)
mit Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris, Hardy Krüger, Stewart Granger, Jeff Corey, Frank Finlay, Barry Foster, Ronald Fraser, Kenneth Griffith, John Kani, David Ladd, Rosalind Lloyd, Winston Ntshona, Jake Watson
–
DVD
Ascot Elite
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar, Originaltrailer, Wendecover
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Die Wildgänse kommen“
Wikipedia über „Die Wildgänse kommen“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. Januar: This is England – Ende einer Kindheit

Januar 14, 2015

Eins Plus, 22.15

This is England – Ende einer Kindheit (Großbritannien 2006, Regie: Shane Meadows)

Drehbuch: Shane Meadows

England während der Thatcher-Jahre: der zwölfjährige Skinhead Shaun findet in einem Exknacki einen Vaterersatz. Als dieser die Skins zu einer Nazigruppe machen will, folgt Shaun ihm blind.

Rabiates, autobiographisch gefärbtes, hochgelobtes Jugenddrama, das den British Independent Film Award und den BAFTA-Award als bester britischer Film erhielt und bei uns seine Premiere auf DVD erlebte.

„Der bewegende Film zeichnet das Porträt einer verlorenen Generation und zugleich die Studie einer in emotionaler Kälte erstarrten Gesellschaft.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Stephen Graham, Thomas Turgose, Jo Hartley, Andrew Shim, Vicky McClure

Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „This is England“

Rotten Tomatoes über „This is England“

Wikipedia über „This is England“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 13. Januar: Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen

Januar 13, 2015

Arte, 21.45 (VPS 21.44)
Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen (Großbritannien 2014, Regie: Andre Singer)
Drehbuch: Lynette Singer
Sehenswerte Doku über die von Alfred Hitchcock geplante Dokumentation für die Deutschen über die Konzentrationslager – und warum der Film nach dem Kriegsende nicht fertiggestellt wurde.
Auf der Berlinale 2014 wurde neben dieser Doku auch die rekonstruierte Fassung von Hitchcocks Lehrfilm gezeigt.
mit Alfred Hitchcock, Sidney Bernstein, Billy Wilder
Hinweise
Arte über „Night will fall“
Berlinale über „Night will fall“
Rotten Tomatoes über „Night will fall“ (Frischegrad: 100 %)
Wikipedia über „Night will fall“
Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Hunted – Vertraue Niemandem“ in der Welt der Agenten

Januar 12, 2015

Ich könnte jetzt die Schauspieler und die Optik loben und sagen, dass „Hunted – Vertraue Niemandem“ gar nicht so schlecht ist, aber allein schon die Zeit, die ich benötigte, um mir die achtstündige TV-Serie anzusehen, liebevoll gestreckt mit tagelangen Pausen und Filmen, die schon seit Jahren auf meiner Festplatte liegen, sagt genug: „Hunted“ ist eine schlechte Agentenserie.
Dabei ist der Auftakt gar nicht so schlecht: Während einer Mission in Tanger wird Sam Hunter (Melissa George) verraten. Bei einem Treffen soll sie ermordet werden. Schwer verletzt überlebt sie den Anschlag, lässt einige Leichen zurück und taucht unter.
Ein Jahr später meldet sie sich in London bei ihrem früheren Arbeitgeber, der privaten Sicherheitsfirma Byzantium, zurück. Als beste Agentin der Firma wird sie auch sofort wieder aufgenommen und sie darf auch gleich bei einer Operation mitmachen. Obwohl keiner ihrer Kollegen weiß, was damals in Tanger geschah und wo sie seitdem war. Naja, sie vertraut ihren Kollegen auch nicht. Denn sie will den Verräter finden und einer ihrer Kollegen ist es. Sie würde auch gerne wissen, warum sie verraten wurde.
Nach dem durchaus spannenden Anfang, bei dem vor allem die klischeehaften Dialoge stören, geht es abwärts. Die Mission plätschert vor sich hin. Sie sollen für einen unbekannten Auftraggeber Informationen über Jack Turner, den Bösewicht der Serie, beschaffen. Es geht um irgendeinen großen Wirtschaftsdeal. Das „warum“ und „wieso“ ist diesen Söldnern egal. Immerhin stimmt die Kohle.
Für diese selbstverständlich gefährliche und für einige Menschen auch tödliche Mission wird Hunter in die Familie Turner eingeschleust. Schnell erwirbt sie das Vertrauen von Stephen Turner und seinem Sohn Edward, der immer noch seiner verstorbenen Mutter hinterhertrauert.
Die Beziehung von ihr zu Edward ist gänzlich konfliktfrei. Der Junge fasst sofort Vertrauen zu ihr und sie wird seine über alles geliebte Ersatz-Mutter. Auch Stephen verknallt sich in die nette Frau, während der immer misstrauische Jack Turner ihr nicht traut.
Die Beziehung von Stephen zu seinem Vater Jack Turner, dem Chef des Unternehmens, plätschert ebenfalls ohne eine Entwicklung vor sich hin. Meistens gehen die Konfrontationen zwischen Vater und Sohn so: „Papa, ich will Verantwortung in der Firma übernehmen.“ – „Du bist ein Weichei.“ – „Oh, gut, dann halt nicht.“ Dieses Gespräch dürfen wir mindestens einmal pro Folge miterleben und auch beim dritten Mal erfahren wir nichts, was wir nicht schon nach dem ersten Vater-Sohn-Gespräch wissen.
Sam Hunter darf mindestens einmal pro Folge einige böse Jungs verkloppen, was auch keine großen Erkenntnisse bringt, aber immerhin etwas von ihrer ergebnislosen Suche nach dem Verräter ablenkt. Es ist nicht so, dass sie eine Spur verfolgt und dann die nächste. Sie stochert etwas herum. Ihre Strategie scheint darin zu bestehen, dass der Verräter sie wieder verraten wird und sie ihn dann enttarnen kann.
Es gibt einige Flashbacks aus ihrer Vergangenheit, die natürlich irgendetwas mit dem Mordkomplott gegen sie zu tun haben sollen. Als Kind soll sie irgendetwas gesehen haben, weshalb sie jetzt sterben muss. Der Mord an ihrer Mutter, mitten in England, kann es nicht gewesen sein. Die Flashbacks werden am Ende der ersten Staffel, die aufgrund sinkender Quoten auch das Ende der Serie war (jedenfalls sieht es immer noch so aus), nur andeutungsweise aufgelöst. Doch zum kryptischen Ende komme ich später.
Denn vor dem Ende wird noch alles in die Geschichte hineingeworfen, was zu einem Agententhriller gehört: böse multinationale Unternehmen, globale, sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte erstreckende Verschwörungen, der britische Geheimdienst, unmoralische Geschäfte in Dritte-Welt-Ländern (heuer Pakistan), eine verkorkste Kindheit (inclusive ermordeter Mutter, Gefangenschaft in einem Verlies mitten in England und sexuellem Missbrauch), Verrat an jeder Ecke, Explosionen und unzählige Tote, die immer dann in die Geschichte eingefügt werden, wenn es langweilig werden könnte. Da hat dann die Explosion eines Bürogebäudes keine Auswirkung auf die Geschichte. Außer dass Jack Turner danach sein Kaufangebot erhöhen kann. Aber es gibt keine Polizei und keinen Geheimdienst, der nach den Bombenlegern fahndet. Auf ein ausländisches Staatsoberhaupt wird ein Anschlag verübt und einer aus dem Team soll als Strohmann für die Tat herhalten. Ein Polizist wird ermordet und mitten in London, der Stadt mit der höchsten Dichte an Überwachungskameras, auf einer Straße, wie ein benutztes Butterbrotpapier, abgelegt. Kurz darauf ist er schon vergessen.
Sowieso wird in „Hunted“ unglaublich viel unglaublich pompös aufgebaut und irgendwann, wie ein plötzlich uninteressant gewordenes Spielzeug, schnöde links liegengelassen. Die Wohnung, in der Sam Hunter ihre Informationen über ihren Verräter gesammelt hat, taucht irgendwann nicht mehr auf. Der Plot mit dem britischen Geheimdienst wird, nachdem der MI6-Abteilungsleiter Ballard (so ein George-Smiley-Typ) hinterhältig auf offener Straße ermordet wurde, nicht mehr weiterverfolgt. So als sei der Mord an ihm der ultimative Beweis dafür, dass es dort keine wichtigen Informationen gibt, weshalb seine designierte Nachfolgerin auch erst einmal aus der Geschichte verschwindet und später etwas anderes zu tun hat, als sich um die Hinterlassenschaft ihres ermordeten Chefs zu kümmern.
Ein geheimnisvoller Killer wird eingeführt. Der ist so gut, dass Hunters Firma nichts, aber auch absolut nichts über diesen Über-Killer weiß und auch wir erfahren nicht mehr über Sams Schutzengel. Später wird von einer überraschend auftauchenden Superduperkillerin (sexy in Leder) behauptet, er wolle Hunter töten. Warum er das eine oder das andere tun will, wird dagegen nicht erklärt.
Undsoweiterundsofort.
Außerdem zeigt „Hunted“, wieder einmal, dass einige Ideen in einem ersten Entwurf gut klingen, aber letztendlich normalerweise nicht funktionieren. Es ist eine ganz schlechte Idee, wenn der Held keinen klaren Gegner hat. Es ist auch nicht gut, uns über die Mission, deren Sinn und Ziel im unklaren zu lassen. Das mag als Analogie zum Spionagegeschäft ganz gut klingen. Es kann auch als Metapher für das moderne Leben verkauft werden, in dem wir uns als Marionetten fühlen und Aufträge erfüllen, ohne ihre Bedeutung und Sinn zu überblicken. Aber es führt auch dazu, dass das Interesse an der Geschichte schnell erlischt. Denn, und das ist eine uralte Dramaturgie-Regel, der Protagonist muss ein klares, schwer erreichbares Ziel haben. Wir müssen das Ziel kennen und jede Handlung des Protagonisten muss auf dieses Ziel gerichtet sein.
Das Ende von „Hunted“ – immerhin war sie als achtstündige Miniserie geplant, mit der Möglichkeit einer Verlängerung – ist dann eine Frechheit, weil letztendlich nichts auch nur halbwegs ordentlich aufgelöst wird.
Ich kann mir zwar zusammenpuzzeln, wie vieles davon gemeint war, wenn ich die Plotlöcher großzügig mit eigenen Vermutungen ausfülle und viele Verästelungen als ‚falsche Spuren‘ ignoriere. Aber genau das sollte von den Serienmachern erledigt werden. Und eine Serie sollte in den wichtigsten Punkten zu einer Lösung kommen. Also hier: wer war der Verräter in Tanger? Warum soll Sam Hunter sterben? Worum ging es bei dem Auftrag? Wobei diese Frage noch am befriedigsten geklärt wird. Naja, so befriedigend, wie sich mit Leichtbier betrinken.
Dabei war „Hunted“ von der BBC als Nachfolgeserie zur erfolgreichen Geheimdienstserie „Spooks“, die von 2002 bis 2011 lief, geplant. Diese Qualität erreicht die von Frank Spotnitz erfundene Serie nie.
Er hat bei bei den TV-Serien „Millenium“, „Akte X“ und „Strike Back“ mitgearbeitet. Aber auch bei „Transporter – Die Serie“. Und er schrieb das Drehbuch für die Philip-K.-Dick-Miniserie „The Man in the High Castle“. Ab dem 15. Januar kann die erste Episode bei Amazon Prime Instant Video angesehen werden.
Als Bonusmaterial gibt es knapp zwölf Minuten „geschnittene Szenen“.
Ab Dienstag, den 13. Januar, zeigt RTL II, nach „Game of Thrones“, „Hunted“ in Doppelfolgen. Der Auftakt ist um 23.30 Uhr. Eine Woche später geht es bereits um 22.25 Uhr los.

Hunted - DVD-Cover

Hunted – Vertraue Niemandem (Hunted, Großbritannien 2012)
Regie: S. J. Clarkson, Daniel Percival, Alrick Riley, James Strong
Drehbuch: Frank Spotnitz, Simon Allen, Smita Bhide, Amira El-Nemr, Christian Spurrier
Erfinder: Frank Spotnitz
mit Melissa George, Stephen Dillane, Adam Rayner, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Morven Christie, Stephen Campbell Moore, Oscar Kennedy, Patrick Malahide, Lex Shrapnel, Tom Beard, Maddy Griffiths, Jane Riley, Doc Brown, David Sterne, Souad Faress, Scott Handy, Indira Varma
–
DVD
Entertainment One
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Geschnittene Szenen
Länge: 480 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
BBC über „Hunted“
Wikipedia über „Hunted“


TV-Tipp für den 12. Januar: Stieg Larsson: Verblendung

Januar 12, 2015

ZDF, 22.15

Stieg Larsson: Verblendung (Schweden/Deutschland/Dänemark 2009, Regie: Niels Arden Oplev)

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

Journalist Mikael Blomkvist soll im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger herausfinden, was im September 1966 mit seiner Lieblingsnichte Harriet geschah. Das beziehungsgestörte Computergenie Lisbeth Salander hilft ihm beim Stochern in der Geschichte der Familie Vanger.

Heute läuft die Kinofassung der Verfilmung des ersten Wälzers von Stieg Larsson. Im Kino hat mir der Whodunit, der von David Fincher geremaked wurde, gut gefallen.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Wiederholung: Mittwoch, 14. Januar, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Seite zum Film

Film-Zeit über „Verblendung“

Schnittberichte: Vergleich der Kinofassung mit der TV-Fassung von “Verblendung”

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanardo Manco/Andrea Muttis “Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2″ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

 Meine Besprechung von Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fusos „Stieg Larsson – Millennium: Verdammnis – Band 1“ (The Girl who played with Fire – Book One, 2014)


DVD-Kritik: Überzeugen die „Guardians of the Galaxy“ auch im Puschenkino?

Januar 11, 2015

Im Kino war die neueste Marvel-Verfilmung „Guardians of the Galaxy“ überraschend erfolgreich und natürlich soll sich der Erfolg jetzt auch im heimischen Kino fortsetzen. Zum Kinostart schrieb ich:

Schon die ersten Bilder und Trailer weckten vor Ewigkeiten freudige Erwartungen. Wir sahen eine Gruppe seltsamer Wesen. Denn neben einem Mensch, einer an ihrer Hautfarbe erkennbaren außerirdischen Schönheit, einem Muskelprotz (auch, erkennbar an seiner Hautfarbe, nicht-irdischen Ursprungs), starrten uns ein Waschbär (mit einem beeindruckendem Sündenregister) und ein Baumwesen an. Diese Gruppe Misfits sollten die Beschützer der Galaxis sein? Naja, immerhin nur selbsternannt. Und dann gab es noch bunte Bilder von fremden Planeten, Weltraumschlachten, Witze und gut abgehangene Siebziger-Jahre-Musik. Yeah, da konnte man schon „Hooked on a Feeling“ sein, ein episches Weltraumabenteuer erwarten, wie es seit „Krieg der Sterne“ (die Originaltrilogie!) nicht mehr im Kino lief, und, man hat ja schon tausende Trailer gesehen, die besser als der Film waren, befürchten, dass sich die ersten Bilder beim Ansehen des Films als heiße Luft entpuppen.
Nun, sie tun es nicht. „Guardians of the Galaxy“ ist ein zünftiges, von James Gunn („Slither – Voll auf den Schleim gegangen“, „Super“) flott und über etwaige Logiklöcher lässig hinweggehendes Weltraumabenteuer, bei dem man die fast schon Marvel-üblichen Story-Schwächen gerne verzeiht. Denn der Gegner der Guardians of the Galaxy ist schwach, austauschbar und langweilig. Eine ziemliche Nullnummer. Aber immerhin will Ronan (Lee Pace) den Orb (so ein Ding, mit dem man Herrscher über den gesamten Kosmos wird) haben und den Planeten Xandar vernichten.
Gegen ihn bringen sich die Guardians in Stellung und sie sind ein so herrlich abgedrehter Haufen von Außenseitern, dass da schon fast egal ist, um was es geht, solange es genug Action und flotte Sprüche gibt. Beides gibt es in rauhen Mengen. Immerhin müssen Peter Quill (Chris Pratt), intergalaktischer Vagabund, der sich selbst Star-Lord nennt, als Kind von der Erde entführt wurde (was die Musik erklärt) und jetzt das aktuelle „Han Solo“-Update ist, Gamorra (Zoe Saldana), hübsche Killerin mit einer Mission, Rocket Racoon (im Original: Bradley Cooper), genetisch veränderter, kybernetisch manipulierter Waschbär, Kopfgeldjäger, Söldner und waffenverliebt (vor allem wenn die Waffe seine Körpergröße toppt), sein Kumpel Groot (im Original: Vin Diesel), eine humanoide Baumkreatur mit besonderen Fähigkeiten und eingeschränktem Vokabular, und Drax the Destroyer (Dave Bautista), der den Tod seiner Familie rächen will und dafür Leichenberge hinterlässt, sich in diesem Abenteuer zusammenraufen. Trotz unterschiedlicher Interessen haben sie, wie sie nach einigen Kämpfen gegeneinander und Verhandlungen miteinander erkennen, immerhin ein gemeinsames Ziel: Ronan.
Und das verfolgen sie über mehrere Planeten, inclusive einem Gefängnisausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, und Begegnungen mit mehr oder weniger menschlichen Wesen, die oft höchst egoistische Interessen haben und nicht vor Gewalt zurückschrecken.
„Guardians of the Galaxy“ ist, endlich wieder, ein witziges Weltraumabenteuer – und das ist gut so.

Auch beim zweiten Ansehen gefällt „Guardians of the Galaxy“ wegen der Helden, ihren Sprüchen und ihren Konflikten. Untereinander und mit anderen Wesen. Nur der Bösewicht bleibt – in jeder Beziehung – arg blass.
Das Bonusmaterial bei der DVD befindet sich ungefähr an der Wahrnehmungsschwelle. Es gibt nämlich nur ein zweiminütiges Werbefeaturette über die Dreharbeiten zum nächsten Marvel-Film „Avengers: Age of Ultron“ und die allseits bekannte Szene mit dem lachenden Rocket, die sich so in einer späteren Version auch im Film befindet.
Auf der Blu-ray soll es dann mehr Bonusmaterial geben.

Guardians of the Galaxy - DVD-Cover

Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy, USA 2014)
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn, Nicole Perlman
LV: Comic/Charaktere von Dan Abnett und Andy Lanning
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, David Bautista, Vin Diesel (nur Stimme), Bradley Cooper (nur Stimme), Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro, Gregg Henry, Stan Lee, Nathan Fillion (nur Stimme), James Gunn
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DVD
Marvel/Walt Disney Company
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch, italienisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Türkisch
Bonusmaterial: Featurette, Zusätzliche Szene
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Guardians of the Galaxy“

Moviepilot über „Guardians of the Galaxy“

Metacritic über „Guardians of the Galaxy“

Rotten Tomatoes über „Guardians of the Galaxy“

Wikipedia über „Guardians of the Galaxy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Gunns „Guardians of the Galaxy“ (Guardians of the Galaxy, USA 2014)

Meine Besprechung von mehreren „Guardians of the Galaxy“-Comics

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Und hier noch einige Clips, die es so oder in einer längeren Version wohl auf die Blu-ray geschafft haben


TV-Tipp für den 11. Januar: Flammender Stern

Januar 11, 2015

BR, 22.00

Flammender Stern (USA 1960, Regie: Don Siegel)

Drehbuch: Clair Huffaker, Nunnally Johnson

LV: Clair Huffaker: Flaming Lance, 1958

Texas, 1878: Das junge Halbblut Pacer Burton muss sich entscheiden, wem seine Loyalität gehört. Den Weißen oder den Indianern. Dabei möchten er und seine Familie doch nur ihre Ruhe haben.

Pessimistischer Western über die Verpflichtungen und Anforderungen an Menschen, die zwischen zwei verfeindeten Gruppen stehen – und wissen, dass jede Entscheidung falsch ist.

„Es liegt durchaus eine gewisse Tragik darin, dass Elvis sein filmisches Meisterwerk nicht wirklich dominieren konnte, weil der Part überwiegend passiver Natur und ‚Flaming Star’ von seiner Struktur her ein Ensemblestück ist. Und in seiner nüchtern-illusionslosen Grundhaltung macht ‚Flaming Star’ natürlich überdeutlich klar, dass Don Siegel keineswegs der tumbe, rechtslastige Law-and-Order-Bolzen sein konnte, den spätestens nach ‚Dirty Harry’ viele partout in ihm sehen wollten, allerdings auch kein den Zeitgeist hofierender und auf verlogene Sentimentalitäten und Versöhnlichkeiten (die in diesem Fall die amerikanische Realgeschichte schon gar nicht hergab) setzender Liberaler.“ (Ulrich van Berg in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)

„Es wird immer Menschen geben, deren Vorurteile so tief sitzen, dass für sie keine Hoffnung besteht.“ (Don Siegel in Stuart M. Kaminsky: Don Siegel: Director)

Mit Elvis Presley, Dolores del Rio, Steve Forrest, John McIntire, Barbara Eden, Richard Jaeckel, L. Q. Jones

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flammender Stern“

TCM über „Flammender Stern“

Wikipedia über „Flammender Stern“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


TV-Tipp für den 10. Januar: Air Force One

Januar 10, 2015

Vox, 20.15

Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Andrew W. Marlowe

Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)

Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.

Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.

Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.

Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)

Wiederholung: Sonntag, 11. Januar, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Air Force One“

Wikipedia über „Air Force One“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Allan Collins

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “Der erste Quarry” (The first Quarry, 2008)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Two for the Money“ (2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „The last Quarry“ (2006)

Meine Besprechung von „Der letzte Quarry“ (The last Quarry, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“ (Bones: Buried deep, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes“ (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Das Dämonenhaus“ (Demon House, 2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise“ (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003)

Max Allan Collins in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“ und dann gibt’s halt Tote

Januar 9, 2015

Nach den ersten furiosen Minuten ist klar, dass Damián Szifrón mit „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“ keine Gefangenen machen will und man fragt sich ängstlich, ob er das Niveau des ersten Kurzfilms halten kann. „Pasternak“ ist von der Länge her ein Sketch über zwei, drei, vier, viele Passagiere in einem Flugzeug, die zufällig einen gemeinsamen Bekannten haben. Die Geschichte entwickelte sich so absurd schnell zur grandiosen Pointe, dass ich mich fragte, wie Szifrón das übertreffen will und wie er das Niveau halten will.
Denn „Wild Tales“ besteht aus sechs Kurzfilmen, in denen jemand Unrecht geschieht und er sich rächen kann. Manchmal, weil sich gerade eine günstige Gelegenheit ergibt. Manchmal, weil es einfach zu viel ist. Aber wollen sie das auch? Über hehre moralische Grundsätze wird dagegen weniger gesprochen. So trifft in einem Schnellimbiss eine Bedienung auf den Kredithai, der ihren Vater in den Selbstmord trieb – und die Köchin bietet ihr an, das Essen mit etwas Rattengift abzuschmecken. In der nächsten Geschichte überholt auf einer einsamen Landstraße ein junger Geschäftsmann einen langsameren Autofahrer und zeigt ihm dabei den Mittelfinger. Kurz darauf hat er eine Reifenpanne – und was folgt erinnert natürlich an „Duell“, weil jeder Film mit zwei Fahrzeugen auf einer einsamen Straße an „Duell“ erinnert, aber in „Straße zur Hölle“ ist der Verlauf noch tödlicher bis zur liebevollen Schlußbemerkung. In „Bombita“ will ein Sprengstoffexperte und Familienvater nicht mehr akzeptieren, dass eine Abschleppfirma willkürlich auch sein Auto abschleppt. In „Die Rechnung“ überfährt ein Magnatensohn im Drogenrausch eine Schwangere. Sein Vater und der Familienanwalt wollen das Problem aus der Welt schaffen, indem sie den Hausgärtner überzeugen, für etwas Geld die Schuld und die Haft auf sich zu nehmen. In der sechsten und letzten Geschichte erfährt die Braut während der Hochzeit, dass ihr Mann sie betrügt. Für eine heißblütige Südamerikanerin gibt es nur eine Antwort auf diese Schmach.
Szifrón schrieb die Geschichten, während er verschiedene Filmprojekte nicht realisieren konnte, zur Entspannung. Schnell bemerkte er, dass sie sich immer mit Vergeltung, Katharsis und auch den verständlichen, aber nicht immer unbedingt gerechtfertigten Reaktionen auf Ungerechtigkeiten beschäftigen. Manchmal liegt die Ungerechtigkeit im Verhältnis zwischen den Beteiligten, manchmal an den Strukturen der kapitalistischen und argentinischen Gesellschaft. Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, wie eine Geste, manchmal mehr. Aber immer beschließt ein Handelnder, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen und weil niemand nachgeben will, entwickelt sich eine teils slapstickhafte Dynamik zwischen den Kontrahenten, die hier allerdings mit so viel schwarzem Humor, Sarkasmus und Satire abgeschmeckt wird, dass das Lachen immer einen bitteren Beigeschmack hat. Auch weil es die Selbsterkenntnis gibt, dass man selbst auch gerne einmal so durchdrehen würde.
Natürlich knüpft „Wild Tales“ an thematische Anthologien an, die es in Buchform immer noch gibt (in Deutschland allerdings selten, weil die Kurzgeschichte hier nicht wirklich gepflegt wird), im Fernsehen früher gab (ich sage nur „The Twilight Zone“ und „Alfred Hitchcock präsentiert“/“Alfred Hitchcock zeigt“) und im Kino immer eine Nischenexistenz hatte und es in diesen Kinofilmen oft Füller-Geschichten gibt.
In „Wild Tales“ gibt es keine einzige schwache Geschichte und auch wenn man nach einigen Geschichten das unbarmherzige Prinzip der Geschichten verstanden hat, wird es nie langweilig oder wirklich vorhersehbar.
Außerdem helfen die „Wild Tales“, den Frust über einen desaströsen Tag abzubauen. Zur Nachahmung sind sie allerdings nicht empfohlen.
In Argentinien war der Episodenfilm an der Kinokasse der erfolgreichste argentinische Film bis jetzt (was ja nichts über die Qualität aussagt) und er erhielt, was einiges über die Qualität aussagt, zehn argentinische Filmpreise, unter anderem als bester Film, für das beste Drehbuch und die beste Regie. In elf weiteren Kategorien war er, teilweise mehrfach, nominiert. Kein Wunder, dass Argentinien den Film für die diesjährigen Oscars einreichte.

Wild Tales - Plakat

Wild Tales – Jeder dreht mal durch! (Relatos Salvajes, Argentinien/Spanien 2014)
Regie: Damián Szifrón
Drehbuch: Damián Szifrón
mit Ricardo Darin, Dario Grandinetti, Oscar Martinez, Leonardo Sbaraglia, Érica Rivas, Rita Cortese, Julieta Zylberberg, Maria Marull, Mónica Villa, César Bordón, Walter Donado, Ricardo Darín, Nancy Dupláa, María Onetto, Alan Daicz, Osmar Núnez, German de Silva, Diego Gentile
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Wild Tales“
Moviepilot über „Wild Tales“
Metacritic über „Wild Tales“
Rotten Tomatoes über „Wild Tales“
Wikipedia über „Wild Tales“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Januar: Big Fish

Januar 9, 2015

Disney Channel, 21.55

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, Regie: Tim Burton)

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Rotten Tomatoes über “Big Fish”

Wikipedia über “Big Fish” (deutsch, englisch)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Arte über die Tim-Burton-Reihe

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts “The Nines” (The Nines, USA 2007)


Neu im Kino/Filmkritik: „St. Vincent“ ist ein seltsamer Heiliger

Januar 8, 2015

Das ist die Magie des Kinos. Ich meine nicht die großen Weltraumschlachten, Monster und sich durch Großstadtschluchten schwingende Superhelden. Das erinnert eher an eine Geisterbahn, die man auf einem Jahrmarkt besucht, um sich erschrecken zu lassen und man schon beim Lösen der Eintrittskarte seinen Unglauben über die kommenden Ereignisse ignoriert.
Nein, es geht um Charaktere wie Vincent. Ein Stinkstiefel, Spieler und Alkoholiker, mit dem wir im wirklichen Leben keine fünf Minuten verbringen möchten. Aber im Kino freuen wir uns auf zwei Stunden mit ihm. Dass er von Bill Murray gespielt wird, hilft. Und dass „St. Vincent“ als Komödie angelegt ist, ebenfalls. So sind seine Ausfälle gegenüber Mitmenschen, seine katastrophale finanzielle Situation (Pleite ist gar kein Ausdruck), seine vollkommen vermüllte Wohnung und seine stockbesoffene Heimfahrt, bei der er beim Einparken seinen Gartenzaun überfährt und er anschließend in seiner Wohnung slapstickhaft hinfällt, gut für einige Lacher.
Auch als er am nächsten Morgen von zwei ununterbrochen redenden Möbelpackern geweckt wird, die beim Einparken auf dem Nachbargrundstück seinen Baum touchieren. Ein Ast fällt krachend auf Vincents Rostlaube, die er als Antiquität bezeichnet. Selbstverständlich will er eine finanzielle Wiedergutmachung für seinen Schaden haben und er lernt gleich seine neuen Nachbarn kennen: Maggie (Melissa McCarthy) und ihren elfjährigen Sohn Oliver (Jaeden Lieberher). Sie befindet sich gerade in einem Scheidungsverfahren, das später zu einem Sorgerechtsstreit wird.
Während sie im Krankenhaus als Schwester Überstunden schiebt, bittet sie – aus reiner Verzweiflung – Vincent, auf ihren Sohn aufzupassen – und selbstverständlich entwickelt sich, zwischen Rennbahn (wegen den Wetten), Bar (wegen dem Alkohol), Strip-Club (wegen einer „Lady of the Night“), Altersheim (wegen einer anderen Frau) und Schule (wegen Olivers Klassenkameraden) eine Beziehung zwischen den Beiden. Vincent wird für Oliver zu einem Vater, den er nie hatte, und einem Onkel, mit dem man Abenteurer erleben kann.
Ted Melfi erzählt, nach einem TV-Film, mehreren Kurz- und Werbefilmen (unter anderem der „Pizza Guy“-MTV-Spot), diese Geschichte in seinem Kinodebüt flott in vielen pointierten Szenen, die gelungen die Tiefen des Stoffes umschiffen. Die Charakterstudie „St. Vincent“ ist als Komödie angelegt, die vor allem ein Bill-Murray-Showcase ist.
Naomi Watts darf als Freundin und schwangere Prostituierte (im Original mit einem dicken russischen Akzent) etwas Gossencharme versprühen.
Und wer Melissa McCarthy nur aus ihren letzten Filmen als großkotzig aufspielendes, wandelndes Katastrophengebiet kennt, wird erstaunt sein, wie zurückgenommen sie hier eine alleinerziehende Mutter spielt, weshalb in ihrer großen dramatischen Szene, wenn sie vor dem Schuldirektorund Olivers Klassenlehrer ihre Probleme schildert, kaum geschnitten wird.
Aber solche Szenen sind rar. Normalerweise sucht und findet Melfi immer eine Pointe, einen witzigen oder absurden Aspekt. Und wenn es nur Vincents bewegungslos in die Kamera blickende Katze oder Bill Murrays ebenso bewegungsloser Blick ist.
Dennoch – oder gerade deswegen – ist „St. Vincent“ ein herzerwärmender Film, der mit der titelgebenden Heiligsprechung von Vincent endet.
Nächste Woche zeigt Rupert Wyatt in dem Drama „The Gambler“ mit Mark Wahlberg in der titelgebenden Hauptrolle die andere Seite der Spielsucht.

St Vincent - Plakat

St. Vincent (St. Vincent, USA 2014)
Regie: Ted Melfi
Drehbuch: Ted Melfi
mit Bill Murray, Melissa McCarthy, Naomi Watts, Jaeden Lieberher, Chris O’Dowd, Terrence Howard
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „St. Vincent“
Moviepilot über „St. Vincent“
Metacritic über „St. Vincent“
Rotten Tomatoes über „St. Vincent“
Wikipedia über „St. Vincent“ (deutsch, englisch)

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Ein Q&A zum Film von eher historischem Wert


Neu im Kino/FIlmkritik: „96 Hours – Taken 3“, jetzt wird es wirklich persönlich

Januar 8, 2015

Nachdem „Taken“, der bei uns „96 Hours“ hieß, ein Überraschungserfolg war, der Liam Neeson als Actionhelden etablierte, gab es natürlich „Taken 2“, der ebenfalls sehr erfolgreich lief und, trotz der Beteuerungen der Macher, dass es kein „Taken 3“ geben werde, gibt es jetzt „Taken 3“, weil man natürlich nicht wirklich gegen die nackten Zahlen argumentieren will. Denn an der Kinokasse war der Film sehr erfolgreich und für „Taken 3“ sehen die Prognosen ähnlich gut aus. Was natürlich nichts über die Qualität des Films sagt.
Jedenfalls ist das alte Team, vor und hinter der Kamera, wieder zusammen gekommen und dieses Mal wird auch wirklich eine andere Geschichte erzählt. Allerdings keine bessere als in „Taken 2“ oder in den zahllosen anderen Luc-Besson-Produktionen.
In „96 Hours – Taken 3“ wird Lenore Mills (Famke Janssen), die Ex-Frau von Bryan Mills (Liam Neeson), ermordet. In seinem Bett und, als hätten die Bösewichter sich nicht schon genug Mühe gegeben, ihn zum Täter zu machen, fasst der Ex-CIA-Agent mit den besonderen letalen Fähigkeiten die Tatwaffe, ein großes Messer, an. Sofort taucht die Polizei auf und nach einer Verfolgungsjagd über mehrere Hinterhöfe kann Mills durch die Kanalisation entkommen. Er wird jetzt den Mörder seiner Frau jagen, während er von der Polizei gejagt wird.
Das ist natürlich ein klassischer Krimiplot, der hier mit einer ordentlichen Portion Action aufgebrezelt wird. Es ist allerdings auch ein Plot, der wohl selten so lieblos und so unlogisch erzählt wurde. Das mündet in der Schlussszene, wenn Mills und Frank Dotzler (Forest Whitaker), der Polizist, der ihn verfolgte, zusammensitzen und Dotzler Mills sagt, dass er von Anfang an gewusst habe, dass er nicht der Mörder sei. Nur, warum hat er dann den ganzen Film damit verbracht, die halbe Polizei von Los Angeles hinter einem Unschuldigen hinterherlaufen zu lassen? Warum hat er nicht nach dem wirklichen Täter gesucht?
Immerhin haben wir bis dahin die Kameraden von Mills, die dieses Mal eine größere Rolle übernehmen dürfen, besser kennen gelernt.
Aber wegen des diffizilen Plots sieht sich niemand einen „Taken“-Film an. Schon im ersten „Taken“-Film war die Entführung von Mills‘ Tochter in Paris die Entschuldigung für ein brachiales Actionfeuerwerk der eher altmodischen Sorte, das genau deshalb gefiel. In „Taken 3“ enttäuschen die wenigen Actionszenen. Sie sind wieder einmal so zerschnipselt, dass letztendlich nichts wirklich erkennbar ist. Die ganzen Abläufe sind nur noch erahnbar und wenn dann auf einem Highway etliche Autos geschrottet werden, fragt man sich, warum das nicht wie früher gezeigt wird, als man sich an den Zerstörungsorgien erfreuen konnte. Jetzt ist man damit beschäftigt, den Ablauf zu rekonstruieren.
Da bleibt Olivier Megaton („Transporter 3“, „Columbiana“, „Taken 2“) sich treu. Viele Schnitte und Farbfilter – wie man es bei Michael Bay und den anderen Filmen der Besson-Fabrik kennt.
Und, auch wenn viel geballert wird, sterben, so mein Eindruck, in „96 Hours – Taken 3“ deutlich weniger Menschen als in den vorherigen „Taken“-Filmen. Was sicher daran liegt, wie wir spätestens seit „The Rock – Fels der Entscheidung“ wissen, dass ein guter Amerikaner keine Landsleute tötet. Jedenfalls keine Unschuldigen.
Letztendlich ist „96 Hours – Taken 3“ ein weiteres liebloses Produkt aus der Besson-Fabrik, das dieses Mal sogar den Humor des zweiten Teils vermissen lässt. Denn die Standortbestimmung mit Handgranaten tagsüber im Zentrum von Istanbul und die von Bryn Mills für seine fahrunerfahrene Tochter gegebene Fahrstunde, sie sie wie eine Rennfahrerin durch die Innenstadt brettern lässt, waren hirnverbrannt, dass sie schon wieder witzig waren.
Aber, auch wenn die Macher im Presseheft betonen, dass „Taken 3“ das Ende einer Trilogie sei, wird es, wenn die Kasse stimmt, einen vierten Teil geben. Dann ist es halt eine aus vier Teilen bestehende Trilogie. Mit Tochter und Enkeltochter gibt es am Ende von „Taken 3“ ja noch genug Familienmitglieder, die von Bösewichtern belästigt werden können. Zum Beispiel mexikanische Drogenkartellbabyhändler, die das Baby wegen irgendwelcher Organe oder eine extrem seltenen Blutgruppe entführen…

96 Hours - Taken 3 - Plakat

96 Hours – Taken 3 (Taken 3, Frankreich 2014)
Regie: Olivier Megaton
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen
mit Liam Neeson, Forest Whitaker, Maggie Grace, Famke Janssen, Dougray Scott, Sam Spruell, Leland Orser
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „96 Hours – Taken 3“
Moviepilot über „96 Hours – Taken 3“
Metacritic über „96 Hours – Taken 3“
Rotten Tomatoes über „96 Hours – Taken 3“
Wikipedia über „96 Hours – Taken 3“
Meine Besprechung von Olivier Megatons „96 Hours – Taken 2“ (Taken 2, Frankreich 2012)


Neu im Kino/Filmkritik: „Let’s be Cops – Die Party Bullen“ sind keine Zierde

Januar 8, 2015

Das muss für Jüngere angesichts von Filmen wie „Let’s be Cops – Die Party Bullen“ wie ein Märchen aus einer weit, weit entfernten Galaxis klingen: es gab einmal eine Zeit, als man sich auf die nächste Buddy-Cop-Komödie freute. Das waren Filme, in denen es reichlich Humor und Action gab. Ich sage nur „48 Stunden“, „Red Heat“, „Zwei stahlharte Profis“ (Lethal Weapon) und „Bad Boys“. Oft gab es erfolgreiche Fortsetzungen und sogar in schlechteren Buddy-Cop-Komödien, wie „Diese zwei sind nicht zu fassen“ (Running Scared), gibt es reichlich Humor und Action.
In „Let’s be Cops“ gibt es keine nennenswerten Action-Szenen und die, die es gibt, wären schon vor dreißig Jahren in einer TV-Serie verbraten worden. Der Humor bewegt sich konstant auf Blödel-Niveau. Das mag witzig gemeint sein, ist aber nur nervig im Eddie-Murphy-Gedächtnismodus.
Die Story: Ryan (Jake Johnson) und Justin (Damon Wayans Jr.) sind zwei erfolglose Mitt-Dreißiger, die schon vor Ewigkeiten aus der Kleinstadt nach Los Angeles gezogen sind. Der eine arbeitet als erfolgloser Schauspieler, der andere ist nachrangiger Spieleentwickler in einer großen Firma. Eines Tages ziehen sie als Party-Kostüm ein Polizeiuniformen an, werden für Polizisten gehalten und genießen den Respekt der Bevölkerung. Dummerweise legen sie sich mit einem Gangstersyndikat an und, nun, die Dinge laufen etwas aus dem Ruder.
Irgendwann läuft Andy Garcia auf der Suche nach seiner Lohntüte durch das Bild und wahrscheinlich freut er sich, dass dieses Werk nicht mit seinem Namen beworben wird.
Und weil der Film in den USA locker sein Budget einspielte, wird es sicher eine Fortsetzung geben.

Let s be Cops - Plakat

Let’s be Cops – Die Party Bullen (Let’s be Cops, USA 2014)
Regie: Luke Greenfield
Drehbuch: Luke Greenfield, Nicholas Thomas
mit Jake Johnson, Damon Wayans Jr., Rob Riggle, Nina Dobrev, James D’Arcy, Keegan-Michael Key, Andy Garcia, Jonathan Lajoie, Tom Mardirosian
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Let’s be Cops“
Moviepilot über „Let’s be Cops“
Metacritic über „Let’s be Cops“
Rotten Tomatoes über „Let’s be Cops“
Wikipedia über „Let’s be Cops“ 


Neu im Kino/Filmkritik: „The Best of Me – Mein Weg zu dir“ und weg von der Filmkunst

Januar 8, 2015

Natürlich erwartet niemand von einer Nicholas-Sparks-Verfilmung hohe Filmkunst. Immerhin liefen in den vergangenen Jahren acht Sparks-Verfilmungen erfolgreich im Kino unter dem Etikett „Schmonzette“ und auch in der neuesten Sparks-Verfilmung „The Best of Me – Mein Weg zu dir“ geht es um Liebe.
Nach zwanzig Jahren, nach dem Tod von Onkel Tuck, treffen sich Amanda (Michelle Monaghan) und Dawson (James Marsden) wieder in dessen Haus, in dem sie viel Zeit verbrachten. Sie erinnern sich nach den zwei Jahrzehnten, in denen sie getrennte Leben führten, an ihre Vergangenheit und Michael Hoffman illustriert die Erinnerungen von Dawson, einem linkischen jungen Mann, der ein begeisterter Automechaniker ist und in einer White-Trash-Familie lebt, und Amanda, einer Schönheit aus besserem Haus, die sich natürlich sofort in den Jüngling verliebt. Nachdem Dawson aus dem Haus seiner Familie flüchtet, wird er von Tuck, einem Witwer und Besitzer einer Autowerkstatt, aufgenommen. In Tucks Haus verleben Dawson und Amanda (jaja, Romeo und Julia) glückliche Tage, bis es zu Ereignissen kommt, die zu der jahrelangen Trennung führten und die erst gegen Filmende aufgelöst werden.
In den viel zu langen Rückblenden werden die Liebenden von Luke Bracey und Liana Leberato gespielt, die beide höchstens eine entfernte Ähnlichkeit mit Marsden und Monaghan haben. Dass das besser geht, hat die Krimiserie „Cold Case“, in der die Aussagen der von den Polizisten befragten Personen immer mit Rückblenden illustriert wurden, in denen ein jüngeres Alter Ego des Befragten agierte, sieben Jahre lang bewiesen.
Michael Hoffman (zuletzt die unwitzige Komödie „Gambit – Der Masterplan“) erzählt diese Südstaaten-Schnulze mit schönen Bildern, viel Kitsch und Schmonzettentunke. Wenn nicht Onkel Tuck (gespielt von Gerald McRaney, ein Bruder des Privatdetektivduos „Simon & Simon“) einige knorrige Auftritte hätte, wäre „The Best of Me“ ein vollkommen ungenießbares Kitschfest, das sogar die Die-hard-Fans von James Marsden und Michelle Monaghan enttäuschen würde. Denn beide haben eigentlich nur Nebenrollen und die Rückkehr des verlorenen Sohns, der sich prompt wieder in die Angelegenheiten seiner Verbrecherfamilie einmischt, überzeugt noch nicht einmals gutwillige Geister.
Was hätte Lasse Hallström, der ja auch zwei Sparks-Romane verfilmt hat, aus dieser Geschichte gemacht? In jedem Fall einen besseren Film. Ein Film mit mehr Gefühl und weniger Kitsch.

The Best of Me - Plakat

The Best of Me – Mein Weg zu dir (The Best of Me, USA 2014)
Regie: Michael Hoffman
Drehbuch: J. Mills Goodloe, Will Fitters
LV: Nicholas Sparks: The Best of Me, 2011 (Mein Weg zu dir)
mit Michelle Monaghan, James Marsden, Luke Bracey, Liana Liberato, Gerald McRaney, Sebastian Arcelus, Robby Rasmussen, Sean Bridgers, Jo Tenney
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Best of Me“
Moviepilot über „The Best of Me“
Metacritic über „The Best of Me“
Rotten Tomatoes über „The Best of Me“
Wikipedia über „The Best of Me“ (deutsch, englisch)

Homepage von Nicholas Sparks

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)