DVD-Kritik: „Leverage – Die finale Staffel“ ist erschienen

September 2, 2014

Nachdem am Ende der vierten Staffel das „Leverage“-Team seine Zentrale in Boston aufgeben musste, trennten sich ihre Wege. Jeder nahm, auf seine eigene Art, eine Auszeit in fremden Städten und füllte sie auch mit einigen nicht ganz legale Tätigkeiten. Jetzt kommen Nathan Ford (Timothy Hutton), Ex-Versicherungsdetektiv und Kopf des „Leverage“-Teams, Sophie Deveraux (Gina Bellman), Schwindlerin und gar nicht so verhinderte Schauspielerin, die in dieser Staffel auch Leiterin eines Theaters wird, Eliot Spencer (Christian Kane), Schläger, Alec Hardison (Aldis Hodge), Hacker, und Parker (Beth Riesgraf), artistische Einbrecherin, in Portland, Oregon, wieder zusammen. In einem neuen Quartier. Sie firmieren wieder als „Leverage Consulting & Associates“, aber das vernachlässigbar-nichtssagende Firmenschild ändert nichts daran, dass sie pro bono immer noch Menschen helfen, die von Konzernen, Wirtschaftsbossen, Politikern und anderen Weiße-Kragen-Kriminellen hereingelegt wurden und denen das Recht nicht hilft. Dann sorgt das „Leverage“-Team für ausgleichende Gerechtigkeit, indem sie die Betrüger betrügen und bloßstellen. Unblutig, clever und mit Stil.

Außerdem betreiben sie das im Erdgeschoss liegende Lokal, wo sie sich mit den Hilfesuchenden treffen und Alec als Brauer verschiedene Biersorten von anscheinend zweifelhafter Qualität ausprobiert, während Eliot, der ein begnadeter Koch ist (wie „Trüffeljagd“ beweist), nicht in der Küche steht, aber eine auf Biersorten abgestimmte Speisekarte für fast unmöglich hält.

Die Fälle der fünften und leider auch letzten Staffel, die im Original immer „Jobs“ heißen und ebenso anspielungsreiche wie witzige Titel haben (Wer denkt beim „The Long Good-bye Job“ nicht sofort an den gleichnamigen Roman von Raymond Chandler? Wer denkt bei „The French Connection Job“ nicht an den Drogenschmuggelthriller „The French Connection“?), sind, im Gegensatz zu den vorherigen „Leverage“-Jobs formal offener, obwohl „Leverage“ nie eine so starre Struktur wie beispielsweise „Law & Order“ oder „CSI“ hatte.

Neben den üblichen und immer witzigen Gauner-legen-Gauner-Geschichten gibt es dieses Mal auch einen „24“-Thriller, eine „Das Fenster zum Hof“-Variante, einen Agatha-Christie-Rätselkrimi und einen Ausflug in die siebziger Jahre, der eigentlich ebenfalls ein Rätselkrimi ist. Denn in „Die wilden Siebziger“ (The D. B. Cooper Job) sollen Nathan und die „Leverage“-Mitglieder herausfinden, was mit D. B. Cooper, dem legendären Flugzeugentführer, der 1971 mit seiner Beute aus einem Flugzeug in ein Waldgebiet sprang und spurlos verschwand, geschah. In den Rückblenden spielen die „Leverage“-Mitglieder die damaligen Charaktere, stilecht angezogen und frisiert. Es gelingt ihnen sogar, D. B. Cooper zu finden.

Es gibt auch wieder zwei Folgen, in denen das „Leverage“-Team getrennt ist. In „Der Anschlag“ (The Rundown Job) sind Eliot, Alec und Parker in Washington, D. C., wo sie innerhalb weniger Stunden einen Terroranschlag verhindern müssen. Das ist dann hemmungsloses wildern in „24“-Gefilden und als Thriller entsprechend humorfrei. Zur gleichen Zeit besuchen Sophie und Nathan eine Auktion, auf der ein besonders wertvolles Gemälde verschwindet. In „Echt gefälscht“ (The Frame-Up Job) müssen sie einerseits ihren alten Bekannten, den Interpol-Agenten Jim Sterling, der sie natürlich verhaften will, überzeugen, dass Sophie das Bild nicht klaute. Gleichzeitig müssen sie den Mord an dem reichen Besitzer der Bilder aufklären und den Urheber etlicher Kunstfälschungen finden.

In „Parker allein zu Haus“ (The Broken Wing Job) erhält Parker, die sich mit einem gebrochenen Bein in der Wohnung langweilt, eine ganze Episode. Als sie zufällig hört, dass zwei Lokalbesucher ein Verbrechen planen, will sie den Überfall auf ein benachbartes Geschäft verhindern; was mit einem Gipsbein gar nicht so einfach ist.

Selbstverständlich kämpfen Nate Ford, Sophie Deveraux, Eliot Spencer, Alec Hardinson und Parker (was für ein schöner Name!) auch gegen Großverbrecher und miese Kapitalisten, die hemmungslos ihre Mitarbeiter ausbeuten und für den Profit über Leichen gehen. Manchmal inszenieren sie dafür eine große Charade, wie in der Auftaktepisode „Bruchlandung“ (The Very Big Bird Job) mit einem Flug in Howard Hughes‘ legendärem Flugzeug „Spruce Goose“ oder in „Wir sind nicht allein“ (The First Contact Job) mit einem Besuch von Außerirdischen. Da ist dann „Die Oldtimer-Show“ (The Real Fake Car Job) mit vielen Oldtimern schon eine leichte Übung.

Eine besonders witzige Variante von diesem Kampf gegen skrupellose Profiteure ist „Sport ist Mord“ (Gimme a K Street Job). Um gegen gefährliche Machenschaften bei Cheerleader-Wettbewerben vorzugehen, gehen sie nach Washington, D. C.. Sie wollen wichtige Kongressmitglieder überzeugen, einem Gesetz zuzustimmen, das aus den Cheerleader-Wettbewerben einen Sport mit höheren Sicherheitserfordernissen machen würde. Das müsste doch, immerhin ist Washington für seine korrupten Politiker bekannt, ganz einfach sein. Aber dann erhalten die „Leverage“-Mitglieder einige Lektionen im politischen Geschäft.

Auch der Kampf gegen eine neu eröffnete Billigkette in einer Provinzstadt, die alle alteingessenen Geschäfte innerhalb weniger Monate vernichtet, in „Kaufrausch“ (The Low Low Price Job), nimmt einen vollkommen anderen Verlauf, als geplant. Denn die Filialleiterin schmettert alle Angriffe ab. Diese sind allerdings auch eher auf dem Niveau einer Sponti-Gruppe. Durchaus spaßig, aber nicht so gut wie die Weihnachtsfolge „Kein Kinderspiel“ (The Toy Job), in dem sie gegen den Besitzer eine Firma vorgehen, der gefährliche Kuscheltiere an Kinder verkaufen möchte. Das wäre legal, weil der frühere Waffenhändler die freiwilligen Produkttests entsprechend manipulierte.

Auch mit gepanschtem Wein, Ausbeutung der Arbeiter und der chemischen Keule kann man einen erklecklichen Profit machen. Als auf dem Weingut ein Arbeiter stirbt, macht das „Leverage“-Team in „Edler Tropfen“ (The Corkscrew Job) sich auf den Weg zum Weingut und dem neuen Besitzer, dem die Qualität seines Weins egal ist, solange der Profit stimmt.

Während sie auf dem Weingut allen Erntearbeitern helfen, müssen sie in „Auf dünnem Eis“ (The Blue Line Job), auf Wunsch seines minderjährigen Sohnes, nur einen Eishockey-Spieler, der unbedingt weiterspielen will, vor einer weiteren Kopfverletzung retten. Eine Verletzung, die der Besitzer des Teams herbeisehnt und dafür auch Spiele manipuliert.

In „Charlie und die Traumfabrik“ (The White Rabbit Job) müssen sie dann – entgegen ihren sonstigen Gepflogenheiten – einen Firmenerben so manipulieren, dass er wieder zu seinen ursprünglichen Werten zurückkehrt. Wie in „Inception“ manipulieren sie sein Unterbewußtsein.

Das Serienfinale „Das schwarze Buch“ (The Long Good-bye Job) ist dann eine eher zwiespältige Angelegenheit. Sie wollen das titelgebende Buch, in dem die Namen der Profiteure der Finanzkrise von 2007/2008 stehen, aus einem bestens gesichertem Gebäude klauen. Auf den ersten Blick geht der Job schief. Für meinen Geschmack wirkte dieser letzte Job, nach 76 erfolgreichen Jobs, wie eine hastig zum Abschluss erklärte Folge. Dieser Eindruck verstärkt sich auch, weil in den vorherigen Jobs der fünften „Leverage“-Staffel keine folgenübergreifenden Geschichte erzählt wird und so auch nichts das große Finale andeutet.

Das ändert aber nichts daran, dass auch in der fünften und leider letzten Staffel „Leverage“ immer noch eine vergnügliche, witzige und sehr kurzweilige Robin-Hood-Serie ist. Und insgesamt 77 Episoden und drei Romanen („The Con Job“ von Matt Forbeck, „The Zoo Job“ von Keith R. A. Decandido und „The Bestseller Job“ von Greg Cox), die nach dem Ende der Serie veröffentlicht wurden, sind keine schlechte Bilanz.

Leverage - Staffel 5 - DVD-Cover

 

Leverage – Staffel 5 (Leverage, USA 2012)

Erfinder: John Rogers, Chris Downey

mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Deveraux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardinson)

Gäste (Yeah, es waren wieder einige bekannte Gesichter dabei): Gary Elwes, Adam Baldwin, Treat Williams, Thure Riefenstahl, Fred Ward, Monte Markham, Gregg Henry, Catherine Dent, Mark Sheppard

DVD

Edel

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Geschnittene Szenen, Hinter den Kulissen (naja, ein Gag Reel) (insgesamt 13 Minuten)

Länge: 609 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die finalen Jobs des „Leverage“-Teams

Bruchlandung (The (Very) Big Bird Job)

Regie: John Rogers

Drehbuch: John Rogers

Auf dünnem Eis (The Blue Line Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: M. Scott Veach, Paul Guyot

Wir sind nicht allein (The First Contact Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Aaron Denius Garcia

Trüffeljagd (The French Connection Job)

Regie: Tawnia McKiernan

Drehbuch: Paul Guyot

Sport ist Mord (The Gimme a K Street Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Jeremy Bernstein

Die wilden Siebziger (The D. B. Cooper Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Chris Downey

Die Oldtimer-Show (The Real Fake Car Job)

Regie: John Harrison

Drehbuch: Josh Schaer

Parker allein zu Haus (The Broken Wing Job)

Regie: John Harrison

Drehbuch: Rebecca Kirsch, M. Scott Veach

Der Anschlag (The Rundown Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: Chris Downey, John Rogers, Josh Schaer

Echt gefälscht (The Frame-Up Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: John Rogers, Geoffrey Thorne, Jeremy Bernstein

Kaufrausch (The Low Low Price Job)

Regie: Tawnia McKiernan

Drehbuch: Rebecca Kirsch

Charlie und die Traumfabrik (The White Rabbit Job)

Regie: PJ Pesce

Drehbuch: Geoffrey Thorne

Edler Tropfen (The Corkscrew Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Jenn Kao

Kein Kinderspiel (The Toy Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Joe Hortua

Das schwarze Buch (The Long Good-bye Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: John Rogers, Chris Downey

Hinweise

TNT über „Leverage“

Vox über „Leverage“

Serienjunkies über “Leverage”

Wikipedia über „Leverage“ (deutsch, englisch)

“Leverage”-Wiki

Kung Fu Monkey (Blog von Serienerfinder John Rogers)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel II” (Leverage – Season II, USA 2009/2010)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel III” (Leverage – Season III, USA 2011)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel IV” (Leverage – Season IV, USA 2011/2012)


TV-Tipp für den 2. September: The Score

September 1, 2014

RTLnitro, 20.15

The Score (USA/Deutschland 2001, R.: Frank Oz)

Drehbuch: Kario Salem, Lem Dobbs, Scott Marshall Smith (nach einer Geschichte von Daniel E. Taylor und Kario Salem)

Hehler Max überredet den immer allein arbeitenden Profieinbrecher Nick Wells zu einem Einbruch ins ausgezeichnet gesicherte Zolllager von Montreal. Dort ist für einige Tage ein wertvolles Königszepter. Die Pläne erhält Nick dank eines Insiders. Dummerweise will der Insider bei dem Coup nicht nur helfende Hand sein.

Drei Schauspielgiganten in einem amüsanten Caper. Was will man mehr an einem matschigen Novemberabend?

“The Score” ist der letzte Film von Marlon Brando. Nach mehreren, sehr höflich formuliert, schlechten Werken, gelang ihm mit dem elegant, altmodischen “The Score” ein würdevoller Abschied.

Mit Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett, Gary Farmer, Paul Soles

Wiederholung: Mittwoch, 3. September, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „The Score“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “The Score”

Metacritic über “The Score”

Cineclub unterhält sich mit Frank Oz über “The Score”


TV-Tipp für den 1. September: Two Lovers

August 31, 2014

Eins Festival, 20.15/23.55

Two Lovers (USA 2008, Regie: James Gray)

Drehbuch: James Gray, Rick Menello

Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.

Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.

mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Wikipedia über “Two Lovers” (deutsch, englisch)

IFC: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Spout Blog: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Coming Soon: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

Collider: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

IndieWire: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

Meine ausführliche Besprechung von “Two Lovers” (Two Lovers, USA 2008 – mit weiteren Informationen)

 

Der Buchtipp

Roesler-Keilholz - Keilholz HRSG - James Gray

96 Seiten – das täuscht. Denn der von Silke Roesler-Keilholz und Sascha Keilholz herausgegebene Sammelband „James Gray – Der filmische Raum zwischen Nähe und Distanz“ ist extrem klein gedruckt. Andere Verlage hätten den Text locker auf gut 192 Seiten verteilt und es würde sich immer noch niemand über den Platz zwischen den Buchstaben beschweren.

In dem Sammelband sind Analysen von James Grays Filmen „Little Odessa“, „The Yards“, „We own the Night“ und „Two Lovers“ und ein Interview mit James Gray. Klingt doch gut?

Silke Roesler-Keilholz/Sascha Keilholz (Hrsg.): James Gray – Der filmische Raum zwischen Nähe und Distanz

Schüren, 2012

96 Seiten

14,90 Euro


TV-Tipp für den 31. August: George Gently – Der Unbestechliche: Blinder Hass

August 31, 2014

ZDF, 22.15

George Gently – Der Unbestechliche: Blinder Hass (Großbritannien 2012, Regie: Gillies Mackinnon)

Drehbuch: David Kane

LV: Charakter von Alan Hunter

Northumberland, 1968: Am Straßenrand wird Dolores Kenny gefunden. Die junge Frau wurde erschlagen – und sie ist eine Farbige. Inspector George Gently und sein Kollege John Bacchus ermitteln – und der Krimi wird schnell zu einer ebenso gelungenen, wie bedrückenden Gesellschaftsanalyse. Denn damals gab es in Pensionen Schilder, die sagten „Keine Schwarzen, keine Iren, keine Hunde“ (wobei die Wirtin bei den Hunden sicher eine Ausnahme gemacht hätte). Einer der größten Rassisten organisierte Tanzabende mit Northern Soul, auf denen Schwarze und Weiße miteinander zu Soul-Musik (die es auch reichlich zu hören gibt) tanzten, während in der eigenen Familie penibel auf die Rassentrennung geachtet wurde.

Wie sich dann die Konflikte verschärfen und die Familie Kennedy mit dem Tod eines Familienmitglieds zurechtkommen müssen, ist absolut sehenswert. Auch wenn am Ende nur der Fall, aber kein einziger Konflikt gelöst ist.

Blinder Hass“ (Gently Northern Soul) ist der grandiose Auftakt der fünften „George Gently“-Staffel, der wieder einmal zeigt, was diese Krimiserie von anderen Krimiserien unterscheidet: der Blick auf gesellschaftliche und soziale Konflikte.

mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Pippa Bennett-Warner, Lenora Crichlow, Craig Conway, Philip Correia, Gary Carr, Eamonn Walker, John Bowler

Wiederholung: Montag, 1. September, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Fantastic Fiction: Bibliographie Alan Hunter

BBC über George Gently (Pressematerial zu „George Gently“)

ZDF über George Gently

Telegraph: Interview mit Martin Shaw und Lee Ingleby zu „George Gently“ (5. Juli 2008)

Wikipedia über “George Gently – Der Unbestechliche”(deutsch,englisch)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 1)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 2 und 3)


TV-Tipp für den 30. August: The Fog of War

August 30, 2014

Phoenix, 22.30

The Fog of War (USA 2003, Regie: Errol Morris)

Drehbuch: Errol Morris

Doku-Filmer Erroll Morris (The Thin Blue Line, The Unknown Known) interviewt Robert McNamara, Ex-US-Verteidigungsminister, Präsident der Weltbank und Lieblingsfeind der Linken.

Die Doku gewann unter einem einen Oscar als bester Dokumentarfilm.

„Ich komme aus der Studentenbewegung der 60er Jahre, und McNamara galt als unser absolutes Feindbild, als Architekt des Vietnamkrieges und Chefideologe. (…) Ich versuche ihn zu verstehen. Meine Ansicht über den Vietnamkrieg hat sich nicht geändert, aber meine Ansicht über McNamara.“ (Errol Morris, AZ, 30. Juni 2004)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Wikipedia über „The Fog of War“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „The Fog of War“

Rotten Tomatoes über „The Fog of War“

Meine Besprechung von Errol Morris‘ „The Unknown Known“ (The Unknown Known, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Rick Ostermanns Spielfilmdebüt „Wolfskinder“

August 28, 2014

Trotz der unzähligen Filme über den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegsjahre gibt es immer noch Geschichten, die noch nicht erzählt wurden. Wie die der Wolfskinder; Kinder, die in den letzten Kriegswirren von ihren deutschen Eltern getrennt wurden und sich alleine im nördlichen Ostpreußen durchschlagen mussten.

In seinem Debütfilm „Wolfskinder“ erzählt Rick Ostermann die Geschichte von einer handvoll Kinder, die 1946 ohne ihre Eltern alleine durch die litauischen Wälder streifen und versuchen zu überleben. Im Mittelpunkt steht der vierzehnjährige Hans (Levin Liam), der nach dem Tod seiner Mutter (Jördis Triebel), mit seinem jüngerem Bruder Fritz (Patrick Lorenczat) versucht auf ein Landgut zu gelangen, in dem sie 1945 lebten. Ihre Mutter sagte, dass die dortige Bäuerin sie aufnehmen werde.

Auf dem Weg erleben sie zahlreiche Abenteuer, die immer wieder, ohne nennenswerte Variation, bittere Episoden von Tauschhandel erzählen. Ein Stofftier gegen eine Mahlzeit. Ein Kind gegen drei Äpfel. Die Erwachsenen sind immer wieder Menschen, die ihnen böse gesinnt sind. Die sie, wenn sie Soldaten sind, sofort töten wollen. Und die von Hans mehr oder weniger angeführte Gruppe von Kindern verändert sich auf ihrem ziellos erscheinendem Weg in ihrer personellen Zusammensetzung immer wieder. Er verliert seinen Bruder, der anscheinend im Fluss von Soldaten erschossen wurde. Bei dieser Flußüberquerung trifft er zwei Mädchen.

Gemeinsam setzten sie ihren Weg, der immer sinnloser wird. fort. Auch weil sein Ziel, der Hof, immer mehr wie eine Fata Morgana wirkt, die Hans immer weiter antreibt, auch wenn er auf seiner Reise immer wieder die Chance hätte, irgendwo unterzukommen.

Ostermann erzählt diese Geschichte, die in Litauen gedreht wurde, mit beindruckenden Landschaftsaufnahmen fast als Stummfilm, der allerdings nie wirklich packt. Denn obwohl es die Wolfskinder wirklich gibt, wirkt die Situation und die Reise der Kinder in „Wolfskinder“ immer künstlich und, auch weil die historische Situation nie thematisiert wird, erscheint das Verhalten der gesichtslosen Soldaten, die Kinder nur als Zielscheiben benutzen, seltsam. Auch dass die Kinder die Landessprache nicht verstehen, erscheint seltsam. Weil aber diese Dialoge nicht untertitelt sind, die deutschen Dialoge der Kinder oft im Off sind (meistens sehen wir das sprechende Kind nicht) und deren Spiel extrem ausdrucksarm ist, verstärkt sich das Gefühl, außerhalb der Geschichte zu stehen, die letztendlich mehr an eine der aktuellen, ungleich packenderen, in der mehr oder weniger nahen Zukunft spielenden Dystopien, wie „The Road“, „The Walking Dead“ oder, um auch einen deutschen Film zu nennen, „Hell“ erinnert.

Allerdings erreicht „Wolfskinder“ niemals die Qualität dieser Geschichten. Ostermann will in seinem Film einerseits konkret von einem historischen Ereignis erzählen, ohne die Hintergründe, die Vorgeschichte, zu thematisieren. Daher nimmt er die Perspektive der Kinder ein, die nichts von den vorherigen Ereignissen wissen. Und wir wissen nichts über die Eltern dieser Kinder. Sie sind einfach da. Gleichzeitig will Ostermann abstrakt eine Parabel mit offenem Ende über Kinder als Opfer von Kriegen erzählen. Das funktioniert in diesem Fall nicht, weil sich die verschiedenen Erzählhaltungen und Perspektiven und unser historisches Wissen, immerhin sollen wir mit den Kindern von Tätern sympathisieren, diametral gegenüber- und im Weg stehen.

Außerdem fragte ich mich, warum Rick Ostermann bis zum geht nicht mehr abstrahiert, anstatt konkret von einem Schicksal, einem wahren Fall, zu erzählen.

Wolfskinder - Plakat

 

Wolfskinder (Deutschland 2013)

Regie: Rick Ostermann

Drehbuch: Rick Ostermann

mit Levin Liam, Helena Phil, Jördis Triebel, Vivien Ciskowska, Patrick Lorenczat, Willow Voges-Fernandes, Til-Niklas Theinert

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Wolfskinder“

Moviepilot über „Wolfskinder“

Filmportal über „Wolfskinder“


TV-Tipp für den 29. August: Jackie Brown

August 28, 2014

ZDFneo, 22.15

Jackie Brown (USA 1997, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)

Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.

Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)

Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.

Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“

Wiederholung: Samstag, 30. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Jackie Brown”

Rotten Tomatoes über “Jackie Brown”

Wikipedia über “Jackie Brown” (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Can a Song save your Life?“ lässt Keira Knightley singen

August 28, 2014

Der Film beginnt in einer dieser schummerigen Bars, die anscheinend seit den seeligen Tagen des Greenwich-Village-Folk-Booms in den frühen Sechzigern nicht verändert wurden. Gretta (Keira Knightley) soll, aufgefordert von ihrem alten Freund Steve (James Corden), gegen ihren Willen, ein Lied spielen und bereits nach den ersten schüchtern vorgetragenen Tönen von „A Step you can’t take back“ ist Dan (Mark Ruffalo) fasziniert. Der Plattenproduzent hört nicht eine Engländerin und eine Gitarre, sondern schon ein ganzes Arrangement, das es locker mit einem alten Cat-Stevens-Song aufnehmen kann. Er bietet ihr an, eine Platte mit ihr zu produzieren.

Aber Gretta ist skeptisch. Sie wollte nämlich am nächsten Tag zurück nach London fliegen. Ihr Freund Dave (Adam Levine), mit dem sie nach New York kam, hat gerade eine CD aufgenommen. Die Plattenfirma steckte ihn in den großen Showzirkus, pimpte die von ihr und Dave geschriebenen und in England gemeinsam gesungenen Songs etwas auf und Dave ging an der Westküste fremd. Für Gretta ist die Beziehung vorbei und auch New York hat sie abgehakt.

Auch Dan befindet sich an einem Tiefpunkt in seinem Leben. Zu seiner Frau Miriam (Catherine Keener) und seiner Tochter Violet (Hailee Steinfeld) hat er, trotz gelegentlicher Treffen, den Kontakt verloren. Er trinkt zu viel. Sein letzter Erfolg liegt schon Ewigkeiten zurück und vor wenigen Stunden wurde er aus der von ihm mitgegründeten Plattenfirma herausgeworfen. Aber jetzt hat er eine neue Stimme entdeckt und er hat eine Vision für eine Platte: die Lieder werden auf der Straße aufgenommen und zu einem Porträt der Stadt und ihrer Menschen.

Gretta lässt sich überzeugen, eine Band wird zusammengestellt und quer durch New York, in Gassen, auf U-Bahnstationen und Dächern werden die Lieder aufgenommen.

Währenddessen lernen Gretta und Dan sich besser kennen und wie sich die Beziehung zwischen diesen beiden Musikliebhabern entwickelt, gehört zu den großen Pluspunkten des Films, der souverän die Kitschfallen umschifft. Denn John Carney („Once“) verzichtete glücklicherweise auf eine Liebesgeschichte zwischen den Beiden, auch wenn sie in einer wunderschönen romantischen Szene durch das nächtliche New York streifen und sich gegenseitig ihre Lieblingslieder vorspielen. Stattdessen versucht Gretta die Ehe von Dan zu kitten, redet mit seiner Tochter, die auch bei einem Lied mitspielen darf, und sie muss sich entscheiden, ob sie es doch noch einmal mit ihrem Freund Dave versuchen will.

Can a Song save your Life?“ ist ein Feelgood-Film mit guter Musik (eine dicke Kaufempfehlung für die Soundtrack-CD!), der durch das natürliche Spiel seiner Schauspieler für sich einnimmt. Dass man über das Musikgeschäft nichts substantielles erfährt und die Idee, eine Platte mit vor Ort aufgenommenen Songs, inclusive Umgebungsgeräuschen, spätestens seit Michelle Shockeds „The Texas Campfire Tapes“ nicht mehr brandneu ist, ist da egal.

Can a Song save your Life - Plakat

 

Can a Song save your Life (Begin again, USA 2013)

Regie: John Carney

Drehbuch: John Carney

mit Keira Knightley, Mark Ruffalo, Hailee Steinfeld, Adam Levine, James Corden, Yasiin Bey (aka Mos Def), Ceelo Green, Catherine Keener, Rob Morrow

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Die CD

Zum Filmstart erschien jetzt auch bei uns die CD mit den gefälligen Filmsongs, die es als Import-CD unter dem englischen Originaltitel „Begin again“ schon länger gibt. Sie enthält sechzehn Songs (vier davon sind „Bonus Tracks“) aus und inspiriert vom Film und die poppigen Songs, oft in Richtung Folk gehend, gefallen. Sie sind fast alle von Gregg Alexander (The New Radicals) geschrieben und gesungen von Adam Levine (Maroon 5), Keira Knightley und Gregg Alexander (bzw. dem Cessyl Orchestra). Einige Songs gibt es in mehreren Versionen, wie „Lost Stars“, das zweimal von Adam Levine, einmal im sehr poppigen „Into the Night Mix“, und einmal von Keiira Knightley gesungen wird.

Insgesamt eine abwechslungsreiche knappe Stunde.

Can a Song save your Life - CD-Cover

 

Can a Song save your Life? – Music from and inspired by the Orginal Motion Picture

Interscope/Universal Music

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Can a Song save your Life?“

Moviepilot über „Can a Song save your Life?“

Metacritic über „Can a Song save your Life?“

Rotten Tomatoes über „Can a Song save your Life?“

Wikipedia über „Can a Song save your Life?“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Können die „Guardians of the Galaxy“ das Universum retten?

August 28, 2014

Schon die ersten Bilder und Trailer weckten vor Ewigkeiten freudige Erwartungen. Wir sahen eine Gruppe seltsamer Wesen. Denn neben einem Mensch, einer an ihrer Hautfarbe erkennbaren außerirdischen Schönheit, einem Muskelprotz (auch, erkennbar an seiner Hautfarbe, nicht-irdischen Ursprungs), starrten uns ein Waschbär (mit einem beeindruckendem Sündenregister) und ein Baumwesen an. Diese Gruppe Misfits sollten die Beschützer der Galaxis sein? Naja, immerhin nur selbsternannt. Und dann gab es noch bunte Bilder von fremden Planeten, Weltraumschlachten, Witze und gut abgehangene Siebziger-Jahre-Musik. Yeah, da konnte man schon „Hooked on a Feeling“ sein, ein episches Weltraumabenteuer, wie es seit „Krieg der Sterne“ (die Originaltrilogie!) nicht mehr im Kino lief, erwarten und, man hat ja schon tausende Trailer gesehen, die besser als der Film waren, befürchten, dass sich die ersten Bilder später, beim Ansehen des Films, als heiße Luft entpuppen.

Nun, sie tun es nicht. „Guardians of the Galaxy“ ist ein zünftiges, von James Gunn („Slither – Voll auf den Schleim gegangen“, „Super“) flott und über etwaige Logiklöcher lässig hinweggehendes Weltraumabenteuer, bei dem man die fast schon Marvel-üblichen Story-Schwächen gerne verzeiht. Denn der Gegner der Guardians of the Galaxy ist schwach, austauschbar und langweilig. Eine ziemliche Nullnummer. Aber immerhin will Ronan (Lee Pace) den Orb (so ein Ding, mit dem man Herrscher über den gesamten Kosmos wird) haben und den Planeten Xandar vernichten.

Gegen ihn bringen sich die Guardians in Stellung und sie sind ein so herrlich abgedrehter Haufen von Außenseitern, dass da schon fast egal ist, um was es geht, solange es genug Action und flotte Sprüche gibt. Beides gibt es in rauhen Mengen. Immerhin müssen Peter Quill (Chris Pratt), intergalaktischer Vagabund, der sich selbst Star-Lord nennt, als Kind von der Erde entführt wurde (was die Musik erklärt) und jetzt das aktuelle „Han Solo“-Update ist, Gamorra (Zoe Saldana), hübsche Killerin mit einer Mission, Rocket Racoon (im Original: Bradley Cooper), genetisch veränderter, kybernetisch manipulierter Waschbär, Kopfgeldjäger, Söldner und waffenverliebt (vor allem wenn die Waffe seine Körpergröße topt), sein Kumpel Groot (im Original Vin Diesel), eine humanoide Baumkreatur mit besonderen Fähigkeiten und eingeschränktem Vokabular, und Drax the Detroyer (Dave Bautista), der den Tod seiner Familie rächen will und dafür Leichenberge hinterlässt, sich in diesem Abenteuer zusammenraufen. Trotz unterschiedlicher Interessen haben sie, wie sie nach einigen Kämpfen gegeneinander und Verhandlungen miteinander erkennen, immerhin ein gemeinsames Ziel: Ronan.

Und das verfolgen sie über mehrere Planeten, inclusive einem Gefängnisausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, und Begegnungen mit mehr oder weniger menschlichen Wesen, die oft höchst egoistische Interessen haben und nicht vor Gewalt zurückschrecken.

„Guardians of the Galaxy“ ist, endlich wieder, ein witziges Weltraumabenteuer – und das ist gut so.

Guardians of the Galaxy - Plakat

Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy, USA 2014)

Regie: James Gunn

Drehbuch: James Gunn, Nicole Perlman

LV: Comic/Charaktere von Dan Abnett und Andy Lanning

mit Chris Pratt, Zoe Saldana, David Bautista, Vin Diesel (nur Stimme), Bradley Cooper (nur Stimme), Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro, Gregg Henry, Stan Lee, Nathan Fillion (nur Stimme), James Gunn

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Guardians of the Galaxy“

Moviepilot über „Guardians of the Galaxy“

Metacritic über „Guardians of the Galaxy“

Rotten Tomatoes über „Guardians of the Galaxy“

Wikipedia über „Guardians of the Galaxy“ (deutsch, englisch)

Noch mehr „Guardians of the Galaxy“ (hier besprochen)

Bendis - Guardians of the Galaxy - Collection

Brian M. Bendis/Steve McNiven/Sara Pichelli: Guardians of the Galaxy – Collection (Marvel Now)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini, 2014

188 Seiten

16,99 Euro

enthält

Guardians of the Galaxy 0, 1 – 7

Marvel, 2013

Bendis - Guardians of the Galaxy - 3

Brian M. Bendis/Francesco Francavilla/Kevin Maguire: Guardians of the Galaxy – Kampf um die Erde (Band 3) (Marvel Now)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini, 2014

100 Seiten

12,99 Euro

enthält

Guardians of the Galaxy 8 – 10

Guardians of the Galaxy: Tomorrow’s Avengers (2013) 1

Marvel 2013/2014

Abnett-Lanning - Guardians of the Galaxy - Vorgeschichte

Dan Abnett/Andy Lanning/Wellinton Alves: Guardians of the Galaxy – Die offizielle Vorgeschichte zum Film

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini, 2014

52 Seiten

4,99 Euro

enthält

Guardians of the Galaxy – Prelude

Marvel, 2014


TV-Tipp für den 28. August: Face/Off – Im Körper des Feindes

August 28, 2014

Vox, 22.10

Face/Off – Im Körper des Feindes (USA 1997, Regie: John Woo)

Drehbuch: Mike Werb, Mike Colleary

FBI-Cop Sean Archer kann den Terroristen Castor Troy verhaften. Naja, fast. Denn Castor liegt jetzt im Koma und niemand weiß, wo in Los Angeles die von Castor deponierte Atombombe ist. Also lässt Archer sich auf eine gefährliche und geheime Operation ein: er nimmt das Gesicht von Troy an und schleicht sich in dessen Bande ein. Dummerweise erwacht Castor aus dem Koma und er beginnt Archer zu verfolgen. Mit der gesamten Polizei als Helfer, für die der Terrorist jetzt der tapfere Polizist Archer ist.

Grandioser Actionfilm von John Woo, der ihn auf dem Höhepunkt seiner Hollywood-Karriere zeigt. Und das Spiel von John Travolta und Nicolas Cage als Feinde, die ihre Identität wechseln, ist ein großer Spaß.

Eine faszinierende, atemberaubende Symphonie – virtuos von John Woo komponiert und dirigiert. (…) Hervorragend.“ (Fischer Film Almanach 1998)

mit John Travolta, Nicolas Cage, Alessandro Nivola, Gina Gershon, Dominique Swann, Nick Cassavetes, Colm Feore, CCH Pounder

Wiederholung: Freitag, 29. August, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Face/Off – Im Körper des Feindes“

Wikipedia über „Face/Off – Im Körper des Feindes“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. August: Die Entführung des Michel Houellebecq

August 26, 2014

Arte, 21.40

Die Entführung des Michel Houellebecq (Frankreich 2014, Regie: Guillaume Nicloux)

Drehbuch: Guillaume Nicloux

September 2011: die angekündigte Lesereise von Michel Houellebecq („Ausweitung der Kampfzone“, „Elementarteilchen“) fällt aus. Der französische Bestsellerautor und Provokateur war damals von drei Amateur-Kidnappern entführt worden und führte mit ihnen tiefsinnige Debatten über Gott und die Welt.

Ein Spaß; vor allem natürlich für Houellebecq-Fans.

Das Drehbuch wurde beim Tribeca Filmfestival ausgezeichnet.

mit Michel Houellebecq, Mathieu Nicourt, Maxime Lefrançois, Françoise Lebrun, Luc Schwarz

Hinweise

Arte über „Die Entführung des Michel Houellebecq“

Berlinale über „Die Entführung des Michel Houellebecq“

Rotten Tomatoes über „Die Entführung des Michel Houellebecq“

Wikipedia über „Die Entführung des Michel Houellebecq“

Meine Besprechung von Guillaume Niclouxs „Die Nonne“ (La religiouse, Frankreich/Deutschland 2012)


TV-Tipp für den 26. August: The Killer inside me

August 26, 2014

Tele 5, 22.40

The Killer inside me (The Killer inside me, USA 2010)

Regie: Michael Winterbottom

Drehbuch: John Curran

LV: Jim Thompson: The Killer inside me, 1952 (Der Mörder in mir)

Texas, fünfziger Jahre: Sheriff Lou Ford ist allgemein beliebt – und ein eiskalter Killer.

Etwas zu werkgetreue und zu distanzierte, aber insgesamt sehenswerte Jim-Thompson-Verfilmung mit dem so furchtbar harmlos aussehendem, netten Casey Affleck als Bösewicht. Einen besseren Lou Ford hätten sie nicht finden können. 

Meine ausführliche Besprechung gibt es hier.

mit Casey Affleck, Jessica Alba, Kate Hudson, Bill Pullman, Simon Baker, Elias Koteas, Ned Beatty, Tom Bower

Wiederholung: Donnerstag, 28. August, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

 

Rotten Tomatoes über „The Killer inside me“

Wikipedia über „The Killer inside me“ (deutsch, englisch)

Berlinale: Roter Teppich und Pressekonferenz zu „The Killer inside me“

Kriminalakte über „The Killer inside me“

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Wikipedia über Jim Thompson (Englisch)

Kirjasto über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Meine Besprechung von Jim Thomspsons „Jetzt und auf Erden“ (Now and on Earth, 1942)

Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung “The Killer inside me” (The Killer inside me, USA 2010)

 Kriminalakte über Jim Thompson


TV-Tipp für den 25. August: Blutrot

August 25, 2014

Eins Festival, 20.15/23.45

Blutrot (USA 2008, Regie: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)

Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.

Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.

Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

Wiederholung: Samstag, 30. August, 23.50 Uhr

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums „The Lost“ (The Lost, 2001)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)

Meinbe Besprechung von Jack Ketchums/Lucky McKees „Beuterausch“ (The Woman, 2011 – und der Verfilmung)

Jack Ketchum in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. August: George Gently – Der Unbestechliche: Adel verpflichtet

August 24, 2014

ZDF, 22.00

George Gently – Der Unbestechliche: Adel verpflichtet (Großbritannien 2012, Regie: Gillies Mackinnon)

Drehbuch: Peter Flannery

LV: Charakter von Alan Hunter

Northumberland, 1968: In einem Auto, das im Fluss liegt, wird die Leiche einer jungen Musikerin gefunden. Von dem Fahrer fehlt jede Spur, aber der Wagen gehörte dem Adligen Hector Blackstone und sein Sohn James ist in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen. Inspector George Gently und sein Kollege John Bacchus ermitteln.

Spannender Krimi, der dieses Mal ein Bild der Klassenkonflikte zwischen Bürgerlichen und gar nicht mehr so adligen Adligen um 68 zeichnet und als bitteres Familiendrama endet. Garniert mit einer ordentliche Portion zeitgenössischer Musik. Das ist dann doch meilenweit von „Inspector Barnaby“ entfernt.

mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Robert Lloyd Pack, Geraldine Sommerville, James Norton, Ebony Buckle, Christopher Fairbank

Wiederholung: Montag, 25. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Fantastic Fiction: Bibliographie Alan Hunter

BBC über George Gently (Pressematerial zu „George Gently“)

ZDF über George Gently

Telegraph: Interview mit Martin Shaw und Lee Ingleby zu „George Gently“ (5. Juli 2008)

Wikipedia über “George Gently – Der Unbestechliche”(deutsch,englisch)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 1)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 2 und 3)


TV-Tipp für den 23. August: Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter

August 23, 2014

3sat, 22.05

Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter (Deutschland 2013, Regie: Sandra Prechtel)

Drehbuch: Sandra Prechtel

Spielfilmlange Doku über Roland Klick, der am 4. Juli 75 Jahre alt wurde. Er drehte „Bübchen“, „Deadlock“, „Supermarkt“ und die vergessene Johannes-Mario-Simmel-Verfilmung „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ (Hey, die könnte mal im Fernsehen laufen!). Er erhielt Preise, aber er passte mit seinen Genrevariationen nicht in die deutsche Filmwelt der siebziger Jahre zwischen dem Neuen Deutschen Film und dem „Schulmädchenreport“-Kommerzkino. Heute hat er Kultstatus.

Sein letzter deutscher Film war 1992 „Schluckauf“. Danach drehte er unter einem bislang nicht enthülltem Pseudonym mehrere Filme für das US-Fernsehen.

3sat zeigt am Sonntag um Mitternacht „Deadlock“ und danach, um 01.30 Uhr „White Star“

Mit Roland Klick, Otto Sander, Hark Bohm, David Hess, Eva Mattes, Jost Vacano

Hinweise

Homepage zum Film 

Homepage von Roland Klick

Wikipedia über Roland Klick 

Filmportal zum Film 

taz: Thomas Groh über den Film 

3sat über den Film (dort kann man ihn sich auch in ganzer Länge ansehen)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Göttliche Lage“ im Ruhrpott

August 22, 2014

Göttliche Lage“ – was für ein Filmtitel, der sofort Assoziationen weckt und dann ist die Dokumentation nur eine nette Chronik, die genau die Zuspitzungen und Konflikte vermissen lässt, die ich erwartet hätte und die es in Berlin mit Sicherheit gegeben hätte. Denn Ulrike Franke und Michael Loeken zeigen in einer Langzeitbeobachtung, wie in Dortmund-Hörde auf dem Gelände einer Zeche ein Nobelwohngebiet mit künstlichem See errichtet wird, das unbestritten die Lebensqualität verbessert, aber auch zu einer massiven Gentrifizierung führen wird. Denn die Mieten in den Wohnungen um die stillgelelgte Zeche des Stahlwerkes Phoenix-Ost sind niedrig. Die Mieter leben eher von Hartz IV als von Chefarztgehältern. Sehenswürdigkeiten gibt es keine. Das Viertel ist ziemlich heruntergekommen und von der Welt vergessen. Da wird das Projekt auch im Umfeld zu steigenden Mieten führen.

Gegen solche Bauprojekte gibt es in Berlin, zum Beispiel in Kreuzberg, massive Proteste, die es teilweise in die „Tagesschau“ schaffen, wie der legendäre Besuch von „Looking for Freedom“-Sänger David Hasselhoff an der East Side Gallery (einem Teil der Berliner Mauer), die ein Investor zugunsten von Wohnungen für solvente Mieter abreißen wollte.

In Dortmund-Hörde scheint es, wie „Göttliche Lage“ zeigt, dagegen keine Proteste und keine nennenswerten Konflikte gegeben zu haben. Einige Anwohner sind skeptisch, einige befürchten steigende Mieten, aber die meisten denken, dass das halt der Lauf der Dinge ist. Es gibt nur einige kleinere Konflikte mit Gänsen, die sich – entgegen der Planung – in dem künstlich errichteten Phoenix-See ansiedeln. Die Phoenix See Entwicklungsgesellschaft würde gerne etwas dagegen tun, aber die Belange des Naturschutzes stehen dem entgegen. Und nachdem die Siedlung errichtet ist, gibt es kleinere Probleme mit ortsansässigen Jugendlichen, die – verständlich – halt gerne am See sitzen und ein Bier trinken. Aber dafür gibt es den Wachschutz und eine schon fast satirisch anmutende Liste von Verboten, die alle, fein säuberlich, auf einem Schild den Besuchern verkündet werden.

Diese wenigen, kleinen Konflikte trüben allerdings nicht das entstehende Bild eines rundum positiv aufgenommenen und akzeptierten 300-Millionen-Euro-Bauprojektes, das schnell und problemlos vollendet wurde.

Der Film selbst wirkt daher einfach nur wie eine Mischung aus Hofberichterstattung (ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass alles so harmonisch und problemlos ablief) und langer TV-Reportage für den WDR.

Göttliche Lage - Plakat - 4

 

Göttliche Lage (Deutschland 2014)

Regie: Ulrike Franke, Michael Loeken

Drehbuch: Ulrike Franke, Michael Loeken

mit Ursula Klischan, Heinz Hüppe, Ludger Schürholz, Frank A. Kirsch, Willi Garth, Joachim Wegner

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Göttliche Lage“

Moviepilot über „Göttliche Lage“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Xavier Dolan meint „Sag nicht, wer du bist!“

August 22, 2014

Der 1989 geborene Kanadier Xavier Dolan ist so etwas wie ein Wunderkind und ein Kritikerliebling. Innerhalb weniger Jahre schrieb und inszenierte er fünf Spielfilme. Sein vierter Film, „Sag nicht, wer du bist!“, ist jetzt bei uns angelaufen und, im Gegensatz zu seinen anderen Filmen, verarbeitete er hier eine fremde Vorlage. Nämlich ein Theaterstück von Michel Marc Bouchard. Die meisten Kritiker sind wieder begeistert und vergleichen das Werk mit Hitchcock und Highsmith, wobei ich den Hitchcock-Vergleich nicht nachvollziehen kann. Highsmith schon eher. Immerhin stehen zwei Männer im Mittelpunkt.

Der Film beginnt mit Tom (Xavier Dolan), der in die tiefste kanadische Provinz zur Beerdigung seines Freundes Guillaume fährt. Allerdings wird er auf dem einsamen Hof nicht erwartet. Guillaumes älterer Bruder Francis (Pierre-Yves Cardinal), ein nicht verheirateter Macho vor dem Herrn, macht ihm schnell und handgreiflich klar, dass Tom nicht sagen soll, dass sein jüngerer Bruder schwul war. Vor allem die Mutter Agathe (Lise Roy) darf es nicht erfahren. Also verleugnet Tom seine Liebesbeziehung. Stattdessen sagt er Agathe, sie seien Arbeitskollegen und Guillaumes Freundin habe leider nicht kommen können.

Tom bleibt dann länger auf der Farm. Er beginnt eine seltsame Beziehung mit Francis, bei der in der Schwebe gehalten wird, ob Francis mit Tom spielt und ob der sensible Tom wirklich „verliebt“ in den gewalttätigen Macho mit Stallgeruch ist.

Seltsam beschreibt den gesamten Film ziemlich gut. Denn auch die Mutter verhält sich seltsam. Als sie Tom zum ersten Mal in ihrer Wohnung trifft, verhält sie sich gegenüber dem fremden Mann so, als sei er ein zufällig vorbeischauender Nachbar, dem man halt einfach etwas zu Essen anbietet. Auch später wirkt sie immer so, als ob sie schauspielere, als ob sie wisse, dass Tom der Freund ihres toten Sohnes war und als ob sie wisse, dass Francis auch mindestens latent homosexuell ist, was immerhin erklären würde, weshalb er keine Ehefrau hat, die ihm auf dem Hof hilft.

Diese Familie lebt seltsam getrennt von der restlichen Welt und den Dorfbewohnern, was auch daran liegen kann, dass sie Angst vor dem gewalttätigen Francis haben.

Auch Tom verhält sich seltsam. Denn er nimmt von seinem Job in Montreal eine längere Auszeit, quartiert sich auf der Farm ein und bleibt ohne einen ersichtlichen Grund dort. Denn seine, uhm, „Liebe“ zu Francis wirkt nie glaubhaft. Genauso wie ich keinen Konflikt des Films glaubte und keinen Charakter in seinem Verhalten nachvollziehbar fand. Denn Tom hätte jederzeit die Farm verlassen können. Ebenso Francis. Und Agathe, die nie besonders religiös oder konservativ wirkte, hätte man sicher auch sagen können, dass ihr Sohn homosexuell ist.

Daher war auch nie klar, wo die mehr oder weniger ausgesprochenen (Schein-)Konflikte zwischen den drei Menschen, die sich selbst über ihre Gefühle nie ganz klar waren, hinführen sollten. Letztendlich mäandert „Sag nicht, wer du bist!“ so vor sich hin, bis Tom das tut, was ich schon nach der ersten Nacht auf der Farm getan hätte.

Am Ende fühlt „Sag nicht, wer du bist!“ sich länger an als Dolans gut doppelt so langer vorheriger Film „Laurence Anyways“.

Sein neuester Film „Mommy“, der dieses Jahr in Cannes Premiere hatte und den Preis der Jury erhielt, startet, nach Vorführungen bei den Filmfesten in Hamburg und Leipzig im September, am 13. November in unseren Kinos.

Sag nicht wer du bist - Plakat

 

Sag nicht, wer du bist! (Tom à la ferme/Tom at the Farm, Kanada/Frankreich 2013)

Regie: Xavier Dolan

Drehbuch: Xavier Dolan, Michel Marc Bouchard

LV: Michel Marc Bouchard: Tom at the Farm (Theaterstück)

mit Xavier Dolan, Pierre-Yves Cardinal, Lise Roy, Évelyne Brochu, Manuel Tadros, Jacques Lavallée, Anne Caron

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sag nicht, wer du bist!“

Moviepilot über „Sag nicht, wer du bist!“

Metacritic über „Sag nicht, wer du bist!“

Rotten Tomatoes über „Sag nicht, wer du bist!“

Wikipedia über „Sag nicht, wer du bist!“ 

Meine Besprechung von Xaxier Dolans „Laurence Anyways“ (Laurence Anyways, Kanada/Frankreich 2012)

Als Zugabe gibt es die Venedig-Pressekonferenz mit Xavier Dolan zu „Sag nicht, wer du bist“ in französisch

und die Cannes-Pressekonferenz zu „Mommy“. Ebenfalls französisch.


Neu im Kino/FIlmkritik: Lasse Hallström, „Madame Mallory und der Duft von Curry“

August 22, 2014

Nachbarn. Man muss sich halt irgendwie mit ihnen arrangieren. Aber Madame Mallory fällt das bei den neuen Nachbarn sichtbar schwer. Sie betreibt im südfranzösischen Städtchen Saint-Antonin-Noble-Val seit Jahrzehnten das ländlich gelegene Edelrestaurant „Le Saule Pleureur“. Einen Michelin-Stern hat sie. Einen zweiten will sie seit Jahren für ihren Tempel der französischen Eßkunst bekommen.

Da zieht in das gegenüberliegende Haus, eine Ruine, die mal ein Restaurant war, eine indische Familie ein. Die Kadams mussten aus Mumbai fliehen. Dort betrieben sie ein erfolgreiches und gutes Restaurant. Sie waren in England. Aber die Lebensmittel gefielen ihnen nicht. Jetzt fahren sie durch Europa auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich niederlassen können. Nachdem an ihrem Auto die Bremsen versagen, müssen sie notgedrungen in Saint-Antonin-Noble-Val pausieren. Als sie bei Marguerite essen, ist das Familienoberhaupt begeistert. Diese Lebensmittel haben, wie die indischen, eine Seele.

Kurz darauf entdeckt er ein altes, zum Verkauf stehendes baufälliges Haus und er sieht in ihm sofort den Ort, an den sie das Schicksal geführt hat. Hier werden sie ihr Restaurant eröffnen und die Franzosen für die indische Küche begeistern. Sein Sohn Hassan, selbst ein begeisterter Koch, hält die Idee für wahnsinnig. Immerhin ist doch bekannt, was die Franzosen essen und was sie von nicht-französischer Küche halten.

Dennoch setzt Papa seinen Willen durch. Sie renovieren das Haus, was Madame Mallory überhaupt nicht gefällt und was sie mit zahlreichen kleinen Sticheleien und Beschwerden beim Bürgermeister zu verhindern versucht. Trotzdem gelingt es den Kadams, die „Maison Mumbai“ zu eröffnen und der Kleinkrieg zwischen den beiden Restaurantchefs und ihren gegensätzlichen Philosophien, vor allem hinsichtlich des richtigen Essens, eskaliert.

Zwischen ihnen steht Hassan, der nicht nur ein begeisterter, sondern auch ein begnadeter Koch ist, der auch die Geheimnisse der französischen Küche kennenlernen will. Was am Besten in der auf der anderen Straßenseite liegenden „Le Saule Pleureur“ gehen würde.

Außerdem ist er in Marguerite, Madame Mallorys Sous-Chefin, verliebt, die aber glaubt, dass Köche sich nicht ineinander verlieben sollten.

Und weil „Madame Mallory und der Duft von Curry“ ein romantisches Feelgood-Movie ist, ist auch schon von den ersten Minuten an klar, wie der Film enden wird. Auch der Weg dorthin ist ziemlich offensichtlich, aber dank der guten Besetzung – Helen Mirren als Madame Mallory, Om Puri als Papa, Manish Dayal als Hassan und Charlotte Le Bon als Marguerite -, dem feinen, wohldosiert mit Humor gewürztem Drehbuch von Steven Knight (u. a. „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“ und „No Turning Back – Locke“) und der gewohnt feinfühligen Regie von Lasse Hallström, der für solche Feelgood-Movies bekannt und beliebt ist, ist dieser Zusammenprall unterschiedlicher Welten ein Vergnügen. Denn natürlich bedeutet der kurze Weg über die Straße, von einem Haus zu einem anderen Haus, auch den Weg in eine andere Welt und er zeigt, wie die Verständigung zwischen verschiedenen Weltvorstellungen und Kulturen gelingen kann. Durch gegenseitigen Respekt, Anerkennung von Fähigkeiten, Neugierde und Toleranz.

Allerdings sollte man sich den kurzweiligen Feelgood-Film gut gesättigt ansehen. Denn die Kocherei und die vielen, liebevoll präsentierten Gerichte, vor allem natürlich die üppigen indischen Gerichte, die die Tische biegen und herzhaft gegessen werden, machen hungrig und dann würde „Madame Mallory und der Duft von Curry“ zu einem Magenknurren verursachendem Feelbad-Movie werden.

Madame Mallory - Plakat

 

Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Steven Knight

LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)

mit Helen Mirren, Om Puri, Manisch Dayal, Charlotte Le Bon, Farzana Dua Elahe, Amit Shah, Aria Pandya, Dillon Mitra, Michel Blanc

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Moviepilot über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Metacritic über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Rotten Tomatoes über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Wikipedia über „Madame Mallory und der Duft von Curry“ 

Homepage von Richard C. Morais

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms “Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht” (Safe Haven, USA 2012)

Ein etwas älteres Interview mit Lasse Hallström (zu „Der Hypnotiseur“, aber auch zu anderen Themen)


Neu im Kino/Filmkritik: Der sanfte Coming-of-Age-Horrorfilm „When Animals dream“

August 22, 2014

Die Pubertät ist die Hölle und in einem Fischerdorf auf Jütland, auf dem die Freizeitgestaltung zwischen Abhängen an der Bushaltestelle (falls es eine gibt) und abendlichem Fernsehprogramm schwankt, ist es noch eine Spur schlimmer. Denn wer sich nicht anpasst, ist in so einem Dorf schnell der Außenseiter. Die schüchterne Marie (Debütantin Sonia Suhl) bekommt das zu spüren. In einer Fischfabrik wird sie zuerst einem unappetitlichem Begrüßungsrituale unterzogen und ein Kollege stichelt sie. Immer genug, damit sie sich unwohl fühlt, aber nie genug, um zum Chef zu gehen. Ihre Mutter sitzt gelähmt in einem Rollstuhl, liebevoll gepflegt von ihrem Vater (Lars Mikkelsen). Warum sie gelähmt ist, erfährt Marie nicht.

Da spürt sie, wie sich ihr Körper verändert. Der Hausarzt verschreibt ihr gegen diese Veränderungen eine Medizin.

Jonas Alexander Arnby führt in seinem Debütfilm „When Animals dream“ den Horrorfilm von CGI-Spektakeln und Blutbädern wieder zu seinen Ursprüngen zurück, indem er eine Geschichte über verdrängte Sexualität erzählt. Im Film verwandelt Marie sich in einen Werwolf. Wie ihre Mutter. Diese Transformation ist auch eine Metapher für die Verwandlung vom Kind zur Frau – und sie steht auch für Maries Emanzipation von der Dorfgemeinschaft, einer in sich verschworenen Gruppe, die wissend schweigt, und keine Fremden und keine Abweichler duldet.

Das ist durchaus faszinierend. Vor allem weil Arnby die Geschichte angenehm ruhig und mit vielen Andeutungen inszeniert. Allerdings erzählt er diese etwas andere Coming-of-Age-Geschichte für meinen Geschmack etwas zu minimalistisch und zu langsam. Denn während die schweigsamen Dorfbewohner wissen, was geschah, erfährt Marie es nicht von ihnen. Sie scheinen auch zu wissen, was mit Marie geschehen wird und sie sind bereit, etwas dagegen zu unternehmen.

So bleibt der Film, der keine Erklärungen gibt, was vor allem gegen Ende stört, sehr offen für verschiedene Interpretationen.

When Animals dream - Plakat

 

When Animals dream (Når dyrene drømmer, Dänemark 2014)

Regie: Jonas Alexander Arnby

Drehbuch: Rasmus Birch

mit Sonia Suhl, Lars Mikkelsen, Sonja Richter, Jakob Oftebro, Mads Riisom, Gustav Dyekjaer Giese

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „When Animals dream“

Moviepilot über „When Animals dream“

Rotten Tomatoes über „When Animals dream“

Wikipedia über „When Animals dream“


TV-Tipp für den 22. August: Der Knochenjäger

August 22, 2014

ZDFneo, 22.10

Der Knochenjäger (USA 1999, Regie: Philip Noyce)

Drehbuch: Jerome Iacone

LV: Jeffery Deaver: The bone collector, 1997 (Die Assistentin, Der Knochenjäger)

Der fast vollständig gelähmte Superdetektiv Lincoln Rhyme sucht mit seinem Assistenten, der Streifenpolizistin Amelia Donaghy, einen Serienkiller.

Nach all den Serienkiller-Filmen ist der Whodunit „Der Knochenjäger“ ziemlich langweilige Kost.

Mit Denzel Washington, Angelina Jolie, Ed O´Neill, Michael Rooker, Queen Latifah, Luis Guzman

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Knochenjäger”

Wikipedia über “Der Knochenjäger” (deutsch, englisch)

Homepage von Jeffery Deaver

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche Ein James-Bond-Roman” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Angebetete“ (XO, 2012)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Todeszimmer“ (The Kill Room, 2013)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte