Blu-ray-Kritik: Andrea Riseborough, Clive Owen und der „Shadow Dancer“

Mai 28, 2014

 

Im Kino ging „Shadow Dancer“ fast sang- und klanglos unter. Der zeitgleich gestartete Action-Kracher „White House Down“ war dann doch eher für die Massen, während James Marsh stiller, aber intensiver Polit-Thriller über den Nordirland-Konflikt eher das überschaubare Arthaus-Publikum ansprach.

Colette McVeigh (Andrea Riseborough) wird 1993 in London verhaftet. Für die IRA sollte sie in einer vollbesetzten U-Bahn eine Bombe zünden. Dass sie noch nicht einmal den Zünder aktiviert hatte, interessiert MI5-Mann Mac (Clive Owen) nicht. Er will sie als Spitzel haben und er macht ihr ein Angebot, das sie als liebende Mutter nicht ablehnen kann: entweder arbeitet sie für ihn oder sie landet für Jahre in einem englischen Gefängnis weitab von ihrer Heimat Belfast.

Sie geht notgedrungen auf das Angebot ein.

Aber der überhaupt nicht zimperliche IRA-Mann Kevin vermutet einen Spitzel in den eigenen Reihen. Ganz oben auf seiner Liste steht, nach dem missglückten Attentat, Colette.

Aus dieser überschaubaren Ausgangslage macht James Marsh einen ruhig erzählten Polit-Thriller mit einem Minimum an Dialog. Die starken Bilder und die Schauspieler erzählen, vor dem Hintergrund des heute bei uns fast vergessenen Nordirland-Konflikts, eine komplexe Geschichte von Lüge, Betrug, Verrat und der alle Beziehungen zerstörenden Kraft des Misstrauens. Ein Spiel, in dem keiner gewinnen kann.

Shadow Dancer“ ist ein in jeder Beziehung überzeugender Polit-Thriller mit einem überraschendem und explosivem Ende.

 

Shadow Dancer - Blu-ray-Cover

 

Shadow Dancer (Shadow Dancer, Großbritannien/Irland/Frankreich 2012)

Regie: James Marsh

Drehbuch: Tom Bradby

LV: Tom Bradby: Shadow Dancer, 1998 (Schattentänzer)

mit Andrea Riseborough, Clive Owen, Gillian Anderson, Aidan Gillen, Domhnall Gleeson

Blu-ray

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur James Marsh und Autor Tom Bradby, Making of (9 Minuten), Deutscher Trailer, Originaltrailer

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Film-Zeit über „Shadow Dancer“

Moviepilot über „Shadow Dancer“

Metacritic über „Shadow Dancer“

Rotten Tomatoes über „Shadow Dancer“

Wikipedia über „Shadow Dancer“

ITV über Tom Bradby

Twitter-Account von Tom Bradby

Krimi-Couch über Tom Bradby

The Telegraph: Tom Bradby: How I brought „Shadow Dancer“ to the Screen (24. August 2012)

Meine Besprechung von James Marshs David-Peace-Verfilmung „1980“ (Red Riding: In the Year of Our Lord 1980, Großbritannien 2009)

Ein Gespräch mit Regisseur James Marsh

 


TV-Tipp für den 28. Mai: Verschwörung gegen die Freiheit: Big Brother im Weißen Haus

Mai 28, 2014

ZDF, 22.55 (VPS 22.45)
Verschwörung gegen die Freiheit: Big Brother im Weißen Haus (Deutschland 2014, Regie: Elmar Theveßen)
Drehbuch: Elmra Theveßen
Zweiter Teil der Doku von Elmar Theveßen über die Überwachung der Gesellschaft. Nachdem gestern der erste Teil zu einer zuschauerfreundlichen Zeit lief, ist heute „Der Quiz-Champion 2014“ wichtiger. Heute geht es um den Ausbau der NSA nach 9/11 unter George W. Bush und wie Präsident Barack Obama dessen Arbeit bruchlos fortführte.
Man kann sich die Doku auch in der Mediathek ansehen.
Hinweis
ZDF über „Verschwörung gegen die Freheit: Big Brother und seine Helfer“ und über „Verschwörung gegen die Freiheit: Big Brother im Weißen Haus“


TV-Tipp für den 27. Mai: Jesse Stone – Eiskalt

Mai 27, 2014

ZDFneo, 20.15

Jesse Stone – Eiskalt (USA 2005, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: John Fasano, Michael Brandman

LV: Robert B. Parker: Stone Cold, 2003 (Eiskalt)

Das Städtchen Paradise hat zwei neue Einwohner: die Lincolns. Sie sind Serienkiller und der Polizeichef von Paradise, Jesse Stone, beginnt sie zu jagen.

Neben der erfolgreichen Spenser-Serie und der unter Fans gehassten Sunny-Randall-Serie schrieb Robert B. Parker auch die Jesse-Stone-Romane. In ihnen ist ein geschiedener L.-A.-Cop mit einem Alkoholproblem, der in der Kleinstadt Paradise bei Boston zur Ruhe kommen will, der Held. Gerade die ersten Romane waren düsterer als von Robert B. Parker gewohnt und sorgfältiger konstruiert als die Spenser-Romane, die von Parker teilweise per Autopilot geschrieben werden.

„Stone Cold“ ist der vierte Jesse-Stone-Roman, aber die erste Jesse-Stone-Verfilmung. Der angenehm altmodische Thriller wurde positiv aufgenommen. Insgesamt wurden acht Jesse-Stone-Filme im US-TV ausgestrahlt.

Mit Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers, Mimi Rogers

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Die Tote in Paradise” (Death in Paradise, 2001)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Eiskalt” (Stone Cold, 2003)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Mai: Mord in Aschberg

Mai 26, 2014

ZDF, 20.15
Mord in Aschberg (Deutschland 2014, Regie: Markus Imboden)
Drehbuch: Holger Karsten Schmidt
Privatdetektiv Finn Zehender hat einen neuen Fall: Simone Albrecht beauftragt ihn, ihren Mann, einen vollkommen unauffälligen Filialleiter einer dörflichen Dorfbank, zu überwachen. Sie glaubt, dass er sie betrügt. Als Zehender Albrecht beobachtet, wird er Zeuge, wie auf Albrecht und dessen Freund geschossen wird. Der Freund stirbt. Kurz darauf wird Zehender von Albrecht beauftragt, den Mörder zu suchen. Denn er glaubt, dass der Mörder – ein Scharfschütze – auch ihn umbringen will.
Was die beiden Männer nicht wissen: auch der Scharfschütze wird von Simone Albrecht bezahlt. Und das ist nicht die erste Überraschung in diesem lakonisch erzähltem Dorfkrimi, der sich etwas zu sehr auf seinen Charakteren ausruht, während die Geschichte eher vor sich hin mäandert.
Die neueste Zusammenarbeit von Markus Imboden und Holger Karsten Schmidt ist ein gediegener, in Norddeutschland spielender Regiokrimi mit überschaubarer Spannungskurve, der sicher gerne „Fargo“ wäre, aber niemals diese coensche Qualität erreicht.
mit Hinnerk Schönemann, Thomas Thieme, Katja Danowski, Stephanie Eidt, Julischka Eichel, Florian Lukas, Peter Schneider
Hinweise
ZDF über „Mord in Aschberg“ (Achtung: ein sehr wichtiger Plot-Point wird verraten!)
ZDF über Finn Zehender
Fernsehserien über Finn Zehender

Meine Besprechung von Markus Imbodens „Am Hand“ (Schweiz/Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 25. Mai: Der Kommissar und sein Lockvogel

Mai 25, 2014

Arte, 20.15

Der Kommissar und sein Lockvogel (Frankreich/Italien 1969, Regie: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965

Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen finden.

Ein eher selten gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.

„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)

Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin

Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)

Wiederholung: Mittwoch, 28. Mai, 13.40 Uhr

Hinweise

Arte über „Der Kommissar und sein Lockvogel“ und über Lino Ventura

Schnitt über „Der Kommissar und sein Lockvogel“

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, französich)

Meine Besprechung des Films “Die Abenteurer” (nach einem Buch von José Giovanni, mit Lino Ventura)

Kriminalakte über José Giovanni und Lino Ventura


TV-Tipp für den 24. Mai: Insider

Mai 24, 2014

EinsFestival, 21.45

Insider (USA 1999, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Eric Roth, Michael Mann

LV: Marie Brenner: The Man who know too much, 1996 (Artikel Vanity Fair)

TV-Journalist Lowell Bergman will eine Story über die miesen Geschäfte der Zigarettenindustrie landesweit ausstrahlen. Sein Kronzeuge ist Jeffrey Wigand, ehemaliger Chef der Forschungsabteilung eines Zigarettenkonzerns. Dummerweise wollen die Senderbosse und die Zigarettenindustrie die Story verhindern.

Hochspannender 157-minütiger Thriller, der einen gelungen Einblick in die Medienwelt und die Wirtschaft und ihre Strukturen liefert, getragen von einem fantastischen Ensemble.

mit Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Lindsay Crouse, Debi Mazar

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Insider“

Wikipedia über „Insider“ (deutsch, englisch)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Mai: Bank Job

Mai 23, 2014

ZDFneo, 20.15/23.25

Bank Job (GB 2008, Regie: Roger Donaldson)

Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais

Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).

Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.

Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.

Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bank Job“

Rotten Tomatoes über “Bank Job”

Wikipedia über „The Bank Job“ (Englisch, mit Informationen zu den wahren Hintergründen)

Mirror über die wahren Hintergründe: Bank job that opened the door on a royal sex scandal (16. Februar 2008 )

Telegraph schreibt über die wahren Hintergründe und redet mit Dick Clement: Revisiting the riddle of Baker Street (15. Februar 2008 )

Noir of the Week über “The Bank Job”


Neu im Kino/Filmkritik: „Words and Pictures“ dreht sich um Worte und Bilder

Mai 22, 2014

Als Jack Marcus (Clive Owen) und Dina Delsanto (Juliette Binoche) sich im Lehrerzimmer das erste Mal begegnen, ist klar, dass sie ein Liebespaar werden. Denn so abweisend wie die neue Kunstlehrerin auf den arroganten Englischlehrer reagiert, der sie mit seinem kindischen Wortsuchspiel herausfordert, kann es nur in die Gefilde einer Screwball-Comedy gehen, in der die Beiden sich gegenseitig verbal züchtigen.
Jack und Dina haben ihre beste Zeit hinter sich. Jack war einmal eine große Literaturhoffnung. Inzwischen ist ein Trinker mit einem kaputten Familienleben. Sein Sohn bemüht sich erfolgreich, möglichst wenig Zeit mit seinem Vater zu verbringen. Dina ist noch eine erfolgreiche und gefeierte Malerin. Allerdings hat sie die Stelle in der ländlich gelegenen Schule in Maine angenommen, weil sie Arthritis hat. Ihre derzeitige Ausstellung wird die letzte mit echten Delsanto-Bildern sein. Nur ihre engsten Freundinnen wissen von ihrer Kranheit.
Als Jack erfährt, dass sie in ihrem Unterricht behauptete, die Malerei sei die höherwertige Kunst, behauptet er das Gegenteil und schnell bricht ein wahrer Zickenkrieg zwischen den beiden aus, in den sie auch ihrer Schüler einspannen. Denn die sollen in einem Wettbewerb begründen, ob die Malerei oder die Schriftstellerei die höherwertige Kunst sei.
„Words and Pictures“ ist eine romantische Komödie, die von den beiden Hauptdarstellern und ihren spitzen Dialogen lebt. Außerdem ist ein Film, der hemmungslos zwei der schönen Künste feiert und die beiden Hauptdarsteller fast endlos über die Malerei und die Schriftstellerei und die Bedeutung der Kunst für unser Leben räsonieren lässt, grundsympathisch. Während Juliette Binoche ihre Bilder für den Film selbst malte, bedient Clive Owen sich bei den großen Autoren der letzten Jahrhunderte, die er ausgiebig und frei vor seinen Schülern collagenhaft zitiert.
Dass beide als Lehrer katastrophale Fehlbesetzungen sind, die im wirklichen Leben spätestens nach zwei Wochen gefeuert würden, ist in diesen Momenten egal. Immerhin geht es in „Words and Pictures“ nicht um die banale Realität, sondern um Worte und Bilder, die – schließlich muss der Scheinkonflikt zwischen ihnen bis zum Ende angeheizt werden – über weite Strecken des kurzweiligen Films als deutlich voneinander getrennte Künste betrachtet werden, wie Feuer und Wasser und nicht wie Yin und Yang.

Words and Pictures - Plakat

Words and Pictures (Words and Pictures, USA 2013)
Regie: Fred Schepisi
Drehbuch: Gerald Di Pego
mit Clive Owen, Juliette Binoche, Valerie Tian, Navid Negahban, Bruce Davison, Amy Brenneman, Adam DiMarco
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Words and Pictures“
Moviepilot über „Words and Pictures“
Metacritic über „Words and Pictures“
Rotten Tomatoes über „Words and Pictures“
Wikipedia über „Words and Pictures“ (deutsch, englisch)

Ein Gespräch mit Fred Schepisi über „Words and Pictures“

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Jake Gyllenhaal und sein „Enemy“

Mai 22, 2014

Geschichtsprofessor Adam Bell (Jake Gyllenhaal) hat sich in seinem Leben in einem betont tristem Beton-Toronto eingerichtet. Die Arbeiten der Studenten werden gelangweilt benotet. Mit seiner Freundin hat er Sex, aber sonst wenig gemeinsam. Etwas Abwechslung kommt in sein Leben durch die Besuche in einem exklusiven Sexclub, der sich, nur nach vorheriger Einladung, an seltsamen Orten in Torontos Unterwelt trifft.
Eines Abends sieht er sich einen aus der Videothek ausgeliehenen Film an. Im Hintergrund einer Szene entdeckt er einen Schauspieler, der sein Zwillingsbruder sein könnte.
Zunehmend obsessiv sucht er ihn – und zunehmend diffuser wird sein Kontakt zur Realität, wobei Regisseur Denis Villeneuve (zuletzt, ebenfalls mit Gyllenhaal, „Prisoners“) offen lässt, ob Adam und sein Doppelgänger Anthony wirklich zwei Menschen sind oder ob sich nicht alles in Adams Kopf abspielt oder ob es eine andere Erklärung gibt.
Das ist als intellektuelles Spiel um Identitäten, Realität und Fantasie und um Obsessionen vor allem am Anfang durchaus vergnüglich und Jake Gyllenhaal darf hier in einer Doppelrolle brillieren, in der die beiden Charaktere bewusst sehr ähnlich angelegt sind.
Allerdings ist „Enemy“ zu offen und zu abstrakt um wirklich zu begeistern. Denn Villeneuve bietet absolut keine Erklärungen an. Im Gegenteil: eine rationale Erklärung nach der nächsten wird verneint. Stattdessen türmt er ein Rätsel auf das nächste und entlässt am Ende den Zuschauer mit einem surrealem Bild, das genau deswegen auch verblüfft. Eine Erklärung oder eine Pointe, wie man sie am Ende einer „Twilight Zone“-Episode hat, liefert dieses Bild aber auch nicht.
Wegen seiner offenen Machart lädt der Film zum Nachdenken und Diskutieren an. Allein schon darüber, welche Geschichte erzählt wurde beziehungsweise wie die einzelnen Szenen zusammenhängen und ob es den Doppelgänger wirklich gibt.

Enemy - Poster

Enemy (Enemy, Kanada/Spanien 2013)
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Javier Gullón
LV: José Saramago: O Homen Duplicado, 2002 (Der Doppelgänger)
mit Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Sara Gadon, Isabella Rossellini, Josh Peace
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Enemy“
Moviepilot über „Enemy“
Metacritic über „Enemy“
Rotten Tomatoes über „Enemy“
Wikipedia über „Enemy“ (deutsch, englisch)

Und noch zwei Interviews mit Denis Villeneuve, primär zu „Prisoners“, den er nach „Enemy“ drehte, aber auch zu „Enemy“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ – und die Gegenwart?

Mai 22, 2014

Großes Familientreffen im „X-Men“-Kosmos: in der nahen Zukunft, die mächtig an die ersten Minuten von James Camerons „Terminator“ erinnert, kämpfen die letzten Mutanten gegen die Sentinel, mächtige sechs Meter große Roboter, die sie reihenweise umbringen. Ihre letzte Chance ist, in der Zeit zurückzuspringen und diese für Mutanten extrem ungastliche Zukunft zu korrigieren. Zum Glück kennen die X-Men das auslösende Ereignis für das ihr Überleben bedrohende Sentinel-Programm. 1973 tötete Raven Darkholme, aka Mystique (bzw., wer Lücken in seinem „X-Men“-Wissen hat: das blaue Wesen, das ständig ihr Aussehen ändern kann), Dr. Bolivar Trask, der die Mutanten als Bedrohung für die Menschheit ansah. Bei der US-Regierung warb der Unternehmer um Geld für ein entsprechendes Forschungsprogramm. Nach seinem Tod – immerhin wurde er von einer Mutantin ermordet – wurde das Geld bewilligt.
Die einzige Person, die den Zeitsprung überleben kann, ist Logan, aka der unsterbliche Wolverine, dessen Zellen sich wahnsinnig schnell regenerieren. Er springt zurück und versucht Professor Charles Xavier, den Gründer der X-Men, zu überzeugen, zusammen mit seinem Erzfeind Erik Lehnsherr, aka Magneto, gegen die Bedrohung für ihr Überleben zu kämpfen. Es gibt nur zwei Probleme: Professor X gefällt sich drogenkonsumierend im Selbstmitleid und Magneto sitzt als John-F.-Kennedy-Attentäter, in einem Hochsicherheitsgefängnis.
Und in den folgenden Minuten sehen wir in der nahen Zukunft die X-Men aus den ersten drei „X-Men“-Filmen, also Patrick Stewart, Ian McKellen, Halle Berry und Hugh Jackman, plus einige vernachlässigbare Cameos und Neuzugänge, und in der schön stylischen Siebziger-Jahre-Vergangenheit die X-Men aus dem vorherigem „X-Men“-Film „Erste Entscheidung“, also James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence und Nicholas Hoult, gegen böswillige Menschen kämpfen.
Inszeniert wurde die Geschichte von Bryan Singer, der die ersten beiden „X-Men“-Filme inszenierte. Brett Ratner inszenierte den dritten „X-Men: Der letzte Widerstand“, der allgemein wenig gemocht wird. Den grandiosen Neustart „X-Men: Erste Entscheidung“ inszenierte „Kick-Ass“-Regisseur Matthew Vaughn, der seinen Film in eine alternative Zeitlinie verlegte, weshalb er dann auch die Dinge, die ihn bei den vorherigen „X-Men“-Filmen störten, ignorieren konnten und mit seiner alternativen Interpretation der Kuba-Krise lieferte er, auch dank des überzeugenden Bösewichts Sebastian Shaw (Kevin Bacon), einen tollen Film ab, der natürlich die Erwartungen für den fünften „X-Men“-Film steigerte.
Allerdings funktioniert in „Zukunft ist Vergangenheit“ die gesamte Geschichte nicht mehr. Denn durch das Spiel mit alternativen Zeitlinien und Zeitreisen ist alles egal, weil letztendlich jeder Fehler berichtigt werden kann. Damit hat nichs endgültige Konsequenzen. So hat Magneto, der am Ende von „Der letzte Widerstand“ seiner Mutantenkräfte beraubt wurde, diese wieder – oder, immerhin sind wir ja schon in einer alternativen Zeitlinie, diese immer noch. Professor Xavier ist wieder lebendig, obwohl er in „Der letzte Widerstand“ starb (jaja, nach dem Abspann gab es eine Szene, die schon auf sein Überleben hindeutete). Aber vielleicht hat in der Zeitlinie, in der „Zukunft ist Vergangenheit“ spielt, „Der letzte Widerstand“ einfach nicht stattgefunden. Und als wir den jüngeren Professor zum ersten Mal in „Zukunft ist Vergangenheit“ sehen, kann er gehen, weshalb wir zunächst vermuten, dass auch die zehn Jahre früher spielende „Erste Entscheidung“ nicht oder anders stattfand.
Denn jetzt kann im „X-Men“-Kosmos alles korrigiert werden. Wenn nicht beim ersten Mal, dann beim zweiten oder dritten Versuch. Damit hat aber auch keine Tat mehr endgültige Konsequenzen. Kein Tod ist endgültig. Entsprechend spannungslos plätschert der Film vor sich hin. Denn warum soll ich mein Taschentuch zücken, wenn der Tote in wenigen Minuten wieder quicklebendig durch das Bild läuft?
Da hilft auch nicht die Größe, mit der die Shakespeare-Minen Patrick Stewart und Ian McKellen den größten Unfug todernst deklamieren, als seien sie gerade bei „Sein oder Nichtsein“; – was natürlich besonders in der Originalfassung spaßig ist.
Sowieso gibt es, wie auch bei den vorherigen „X-Men“-Filmen an der Besetzung nichts zu mäkeln. Es zahlt sich halt aus, wenn echte Schauspieler engagiert werden.
Der sechste „X-Men“-Film ist schon angekündigt. Derzeit heißt er „Apocalypse“, er soll Ende Mai 2016 starten und in den Achtzigern spielen. Dann erfahren wir sicher, wie der Kalte Krieg beendet wurde.

X-Men Zukunft ist Vergangenheit - Plakat

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (X-Men: Days of Future Past, USA 2014)
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg (nach einer Geschichte von Jane Goldman, Simon Kinberg und Matthew Vaughn)
LV (inspiriert): Chris Claremont, John Byrne: The Uncanny X-Men: Days of Future Past, 1981
mit Hugh Jackman, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, James McAvoy, Patrick Stewart, Ian McKellen, Halle Berry, Ellen Page, Nicholas Hoult, Anna Paquin, Peter Dinklage, Shawn Ashmore, Omar Sy, Evan Peters, Josh Helman
Länge: 132 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“
Moviepilot über „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“
Metacritic über „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“
Rotten Tomatoes über „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“
Wikipedia über „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (deutsch, englisch)

Die „X-Men“-Filme
X-Men (X-Men – Der Film, USA 2000, Regie: Bryan Singer, Drehbuch: David Hayter)
X-Men 2 (X-Men 2, USA 2003, Regie: Bryan Singer, Drehbuch: Michael Dougherty, Dan Harris, David Hayter)
X-Men: The last Stand (X-Men – Der letzte Widerstand, USA 2006, Regie: Brett Ratner, Drehbuch: Simon Kinberg, Zak Penn)
X-Men: First Class (X-Men: Erste Entscheidung, USA 2011, Regie: Matthew Vaughn, Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Jane Goldman, Matthew Vaughn)


TV-Tipp für den 22. Mai: Tod im Spiegel

Mai 22, 2014

Im Gedenken an den am 29. April verstorbenen Bob Hoskins

ARD, 01.55

Tod im Spiegel (USA 1991, R.: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Wolfgang Petersen

LV: Richard Neely: The plastic nightmare, 1969 (später auch „Shattered“, Tod im Spiegel)

Dan verliert bei einem Autounfall sein Gedächtnis. Jetzt will er herausbekommen, was er vergessen hat.

Petersens Hollywood-Debüt ist ein solider, niemals wirklich berührender Psychothriller mit Noir-Touch.

mit Tom Berenger, Bob Hoskins, Greta Scacchi, Joanne Whalley-Kilmer

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Tod im Spiegel“

Wikipedia über „Tod im Spiegel“ (deutsch, englisch)

Variety über “Shattered”

Roger Ebert über „Shattered“

New York Times: Janes Maslin über “Shattered” (11. Oktober 1991)

“Die besten Horrorfilme” über “Tod im Spiegel”

Fantastic Fiction über Richard Neely

Ed Gorman über Richard Neely


Blu-ray-Kritik: Drei Kult-Regisseure erzählen „Außergewöhnliche Geschichten“

Mai 21, 2014

Das ist schon etwas außergewöhnlich: Jane Fonda, Alain Delon, Brigitte Bardot, Terence Stamp und ein vor „Easy Rider“noch unbekannter Peter Fonda in einem Film, der 1968 seine Premiere auf dem Filmfest in Cannes hatte; der von Roger Vadim, Louis Malle und Federico Fellini inszeniert wurde; dessen Geschichten, wie einige damals erfolgreiche Filme von Roger Corman, die heute Kultfilme sind, auf Erzählungen von Edgar Allan Poe basierten, und der Film erscheint erst jetzt in Deutschland.
Das wäre eine außergewöhnliche Geschichte, ein lange vergessener filmischer Missing Link, wenn „Außergewöhnliche Geschichten“ keiner dieser Omnibusfilme wäre, in denen bekannte Regisseure Kurzfilme drehen, die dann hintereinander als ein Film gezeigt werden. In den sechziger Jahren war das ein bei Produzenten seltsamerweise beliebtes Subgenre, das sich meistens kommerziell nicht besonders lohnte und auch künstlerisch höchstens zwiespältige Ergebnisse zustande brachte.
Sowohl als Einzelfilm, bei dem die verschiedenen Herangehensweisen der Regisseure für produktive Reibungen sorgen könnten, als auch im Oeuvre des Regisseurs, wo es oft noch nicht einmal als Nebenwerk oder Experiment interessant ist. Da ist es fast überflüssig zu sagen, dass Omnibusfilme fast nie im Fernsehen gezeigt werden und als Einzelfilm fast unbekannt sind. Manchmal sind einzelne Kurzfilme, die dann auch als Einzelwerk gezeigt werden, beliebter. Auch „Außergewöhnliche Geschichten“ gehört in diese Kategorie der von der Allgemeinheit schnell vergessenen Filme.
Roger Vadim erzählt in „Metzengerstein“ die Geschichte der schönen Contessa Frederique de Metzengerstein (Jane Fonda), die noch nie von einem Mann zurückgewiesen wurde. Als ihr Cousin, mit dessen Familien die Metzengersteins schon seit Generationen verfeindet sind, es doch tut, nimmt das Schicksal, also eine von ihr angestoßene Verkettung unglücklicher Umstände die immer weiter ins Verderben führt, seinen Lauf.
Wer von einem Film mehr als eine durch die Landschaft reitende und alte Gemäuer stolzierende Jane Fonda erwartet, wird enttäuscht werden.
Der zweite Kurzfilm, „William Wilson“ von Louis Malle, ist die beste außergewöhnliche Geschichte. Zum ersten Mal begegnete der Sadist William Wilson (Alain Delon) seinem Doppelgänger in der Schule. Schon damals sabotierte der Doppelgänger Wilsons Stellung. Später begegnet er ihm immer wieder und ihr Kampf findet seinen Höhepunkt, als er, inzwischen ein geachtet-gefürchteter Offizier, gegen eine dunkelhaarige Schönheit (Brigitte Bardot mit schwarzen Haaren) Karten spielt.
„William Wilson“ ist ein schöner, eher kühl inszenierter Abstieg in den Wahnsinn eines arroganten Arschlochs, der von seinen Dämonen gejagt wird. Louis Malle inszenierte die Geschichte in Rückblenden. Der ängstliche Wilson beichtet einem Priester seine Sünden. Er behauptet, von einem Dämon verfolgt zu werden, dem er zum ersten Mal als Jugendlicher begegnete. Durch diese Struktur stehen wir auf der Seite des verfolgten Wilson und wir sind gespannt auf die Auflösung der Geschichte.
Federico Fellinis „Toby Dammit“ ist ein Über-Fellini, der Rom als eine alptraumhafte Dystopie zeichnet und auch eine Satire auf den Kunstbetrieb ist. In diesem Film wird der englische Filmstar Toby Dammit (Terence Stamp), eine Art Über-Richard-Burton-Marlon-Brando-auf-Droge, nach Italien eingeladen, um dort einen Film zu drehen. Doch vor dem Dreh muss er in einer TV-Sendung auftreten und einer Preisverleihung beiwohnen. Gut, dass es überall Drogen und Frauen gibt.
„Toby Dammit“ ist, wie Vadims „Metzengerstein“ eindeutig zu lang geraten, was auch daran liegen kann, dass diese Geschichte, wie die beiden vorherigen, zielstrebig auf den Tod des nicht besonders liebenswerten Protagonisten zusteuert. Aber während man bei William Wilson noch, bedingt durch die Struktur der Geschichte – sie entfaltet sich in Rückblenden während einer Beichte -, sein Leid mitfühlen kann und Contessa Frederique de Metzengerstein als zurückgewiesene Braut immerhin schön anzusehen ist, ist Toby Dammit einfach nur ein seelisches Wrack auf Droge. Immerhin benimmt er sich so schlecht, dass das schon wieder witzig ist.
Im Bonusmaterial besteht die Möglichkeit, die Filme einzeln anzusehen. Und wahrscheinlich sollte man die Filme als Einzelwerke genießen.
Insgesamt ist es schön, dass diese Lücke geschlossen wurde, aber letztendlich ist „Außergewöhnliche Geschichten“ doch nur etwas für Komplettisten, die jeden Film von Louis Malle oder Federico Fellini haben wollen. Bei Roger Vadim genügt wohl „Barbarella“ mit Jane Fonda.

Außergewöhnliche Geschichten - Blu-ray

Außergewöhnliche Geschichten (Histoires Extraordinaires, Frankreich/Italien 1968)
Regie: Roger Vadim, Louis Malle, Federico Fellini
Drehbuch: Roger Vadim, Pascal Cousin, Louis Malle, Daniel Boulanger, Clement Biddle Wood, Federico Fellini, Bernardino Zapponi
LV: Edgar Allan Poe: Metzengerstein (1832), William Wilson (1839), Never bet the Devil your Head (1841)
mit Jane Fonda, Peter Fonda, Philippe Lemaire, Alain Delon, Brigitte Bardot, Katia Cristina, Umberto d’Orsi, Terence Stamp, Vincent Price (Erzähler in der englischen Version)

Blu-ray
Koch Media (Masterpieces of Cinema)
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch, Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Französischer Trailer, Bildergalerie
Länge: 121 Minuten
FSK: frei ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Außergewöhnliche Geschichten“
Wikipedia über „Außergewöhnliche Geschichten“ (deutsch, englisch, französisch)
Die Geschichten „Metzengerstein“ (1832) (deutsch), „William Wilson“ (1839) (deutsch) und „Never bet the Devil your Head“ (1841) von Edgar Allan Poe
Meine Besprechung von Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ (L’Ascenceur pour l’échafaud, Frankreich 1957)


TV-Tipp für den 21. Mai: Verlockende Falle

Mai 21, 2014

Kabel 1, 20.15
Verlockende Falle (USA 1999, Regie: Jon Amiel)
Drehbuch: Ronald Bass, Michael Hertzberg
Versicherungsdetektivin Virginia ‚Gin‘ Baker (Catherine Zeta-Jones) glaubt, dass der vermögende Kunstsammler MacDougal (Sean Connery) ein Dieb ist, der zuletzt ein Rembrandt-Gemälde stahl. MacDougal nimmt die Herausforderung an und das Katz-und-Maus-Spiel kann beginnen.
Einer der letzten Leinwandauftritte von Sean Connery und ein rundum ansehbarer, altmodischer, leichtgewichtiger, eskapstischer Gangsterkrimi mit einer Prise Humor und ohne Gewalt.
mit Sean Connery, Catherine Zeta-Jones, Ving Rhames, Will Patton, Maury Chaykin, Kevin McNally
Wiederholung: Donnerstag, 22. Mai, 01.30 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Verlockende Falle“
Wikipedia über „Verlockende Falle“ (deutsch, englisch)
Sean Connery in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. Mai: Jesse Stone: Knallhart

Mai 20, 2014

ZDFneo, 20.15

Jesse Stone – Knallhart (USA 2006, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: Tom Epperson

LV: Robert B. Parker: Night Passage, 1997 (Das dunkle Paradies)

Der zweite Jesse-Stone-Film erzählt die Vorgeschichte: in ihr tritt Jesse Stone seinen Job in Paradise an und muss zuerst den Kleinstadtsumpf ausmisten. Denn – Überraschung! – Stone hat den Job nur wegen seines Lebenslaufs (und dem Fazit: kaputter Verlierer) bekommen.

Im Buch endet die Ankunft von Jesse Stone in Paradise in einem Western-Showdown. Im Film ist es etwas weniger dramatisch. Aber auch der zweite Jesse-Stone-Film ist gute altmodische Unterhaltung, bei der die Charaktere im Mittelpunkt stehen.

„No fools over at CBS, the net quickly followed one of last year’s best TV movies, „Stone Cold,“ with this equally first-rate prequel.” (Variety)

Mit Tom Selleck, Stephanie March, Stephen Baldwin, Saul Rubinek, Viola Davis, Kohl Sudduth

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die Tote in Paradise“ (Death in Paradise, 2001)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Eiskalt“ (Stone Cold, 2003)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Fanny Ardant erlebt „Die schönen Tage“

Mai 19, 2014

Fanny Ardant, die seit „8 Frauen“ nicht mehr im deutschen Kino zu sehen war, deren neueren Film- und TV-Auftritte höchstens vereinzelt im TV liefen und die Cineasten seit den Francois-Truffaut-Filmen „Die Frau nebenan“ und „Auf Liebe und Tod“ in ihr Herz geschlossen haben, hat mit „Die schönen Tage“ endlich wieder einen Kinofilm gedreht, der auch in unseren Kinos lief, gute Kritiken erhielt und jetzt auf DVD vorliegt.
Ardant, die für meinen Geschmack hier etwas zu zurückhaltend und ätherisch spielt, spielt Caroline, eine frisch pensionierte Zahnärztin, die auch den Tod ihrer besten Freundin verarbeiten muss, und die von ihren beiden Töchtern einen Gutschein für „Die schönen Tage“, einen Seniorenclub, geschenkt bekommt. Sie fühlt sich in dem Club reichlich deplatziert, aber als sie dort Julien, den 39-jährigen Computerlehrer, kennen lernt, verbringt sie mit ihm einige schöne Tage – und wir mit dem Liebespaar einige schöne Minuten.
Denn Marion Vernouxs Film ist mit 94 Minuten ziemlich kurz geraten. Sie erzählt auch nur eine Episode aus dem Leben einer reifen Frau mit der Leichtigkeit, die wir aus französischen Filmen kennen. Denn natürlich hat die Liebe zwischen Caroline und Julien keine Zukunft. Es ist ein Seitensprung, der frei von den falschen Illusionen der Jugend ist, die bei jeder neuen Liebe an die ewige Liebe glauben. Es ist für Caroline eine Auszeit, in der sie sich ihrer Attraktivität vergewissert, während Julien, der einfach alle Frauen liebt, ihr schon am Anfang sagt, dass sie vor ihm wisse, wann die Beziehung vorüber sei. Er erhebt auch keine weiteren Ansprüche – und Carolines Mann, der schon früh von der Affäre erfährt, weiß, dass sie mehr verbindet, als eine flüchtige Bettgeschichte.
„Die schönen Tage“ ist ein feinfühlig erzähltes Melodrama, das im positiven Sinn an die Filme von Claude Lelouch, Claude Sautet und Francois Truffaut, um nur einige zu nennen, erinnert, die sich auch immer wieder mit den Fallstricken der Liebe beschäftigten.
Für Fanny-Ardant-Fans gibt sogar zwei Premieren: sie hat ihre Haare blond gefärbt und sie trägt erstmals Jeans in einem Film.

Die schönen Tage - DVD-Cover - 4

Die schönen Tage (Les beaux Jours, Frankreich 2013)
Regie: Marion Vernoux
Drehbuch: Marion Vernoux, Fanny Chesnel
LV: Fanny Chesnel: Une jeune fille aux chevaux blancs, 2010
mit Fanny Ardant, Laurent Lafitte, Patrick Chesnais, Jean-Francois Stévenin, Fanny Cottencot, Chatherine Lachens

DVD
Wild Bunch/Alive
Bild: 2,35:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Französisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial (angekündigt): Deleted Scene, Making of „The Beach“, B-Roll, Trailer
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Film-Zeit über „Die schöne Taget“
Moviepilot über „Die schöne Tage“
Metacritic über „Die schöne Tage“
Rotten Tomatoes über „Die schöne Tage“
AlloCine über „Die schöne Tage“
Wikipedia über „Die schöne Tage“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 19. Mai: Die Haut, in der ich wohne

Mai 19, 2014

Arte, 22.00
Die Haut, in der ich wohne (La Piel que habito, Spanien 2011)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
LV: Thierry Jonquet: Mygale, 1984 (Die Haut, in der ich wohne)
Doktor Robert Ledgard, ein begnadeter plastischer Chirurg, forscht an einer künstlichen Haut, die er offiziell an Mäusen testet. Aber in seinem Anwesen hat er ein Hich-Tech-Labor und er hält eine junge Frau in einem Ganzkörperanzug gefangen.
Schon schnell vermuten wir, dass Ledgard an ihr seine künstliche Haut ausprobiert. Aber warum? Und wer ist diese Person?
Ein grandioser, düsterer Almodóvar mit etlichen gemeinen Überraschungen. Dass er dabei sehr freizügig mit Thierry Jonquets lesenswertem Roman umgeht, sei ihm verziehen.
mit Antonio Banderas, Elena Anaya, Marisa Paredes, Blanca Suárez, Jan Cornet, Edard Fernández, Ana Mena, Roberto Alamo
Wiederholung: Freitag, 23. Mai, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Thierry Jonquet

Wikipedia über Thierry Jonquet (englisch, französisch)

Krimi-Couch über Thierry Jonquet

Film-Zeit über “Die Haut, in der ich wohne”

Rotten Tomatoes über „Die Haut, in der ich wohne“
Wikipedia über „Die Haut, in der ich wohne“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Thierry Jonquets Roman „Die Haut, in der ich wohne“ (Mygale, 1984)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)


TV-Tipp für den 18. Mai: Solo für Klarinette

Mai 18, 2014

BR, 22.55
Solo für Klarinette (Deutschland 1998, Regie: Nico Hofmann)
Drehbuch: Susanne Schneider
LV: Elsa Lewin: I Anna, 1984 (Solo für Klarinette)
Ein Kommissar mit desaströsem Familienleben verknallt sich bei den Ermittlungen in die Tatverdächtige.
Die bislang letzte Regiearbeit von Nico Hofmann ist ein beeindruckendes Krimidrama, das Berlin zu Klein-New-York stilisiert. Beim Kinoeinsatz gab es einen kleinen Skandal wegen der Sexszenen (Bild fungierte mal wieder eifrig als Lautsprecher der Werbekampagne) und einige Kritiker verrissen den Film über Gebühr (z. B. „Einer der ärgerlichsten Versuche, das deutsche Serienkrimiformat auf die Leinwand zu übertragen. Ein an Banalität kaum überbietbares Drehbuch, schematische Charaktere und der peinlich anbiedernde Versuch, über die engsten Genregrenzen hinaus etwas zu sagen, stellen eine gewaltige Herausforderung an den Langmut der Zuschauer dar.“ Multimedia). Insgesamt muss sich die intensiv-düstere Charakterstudie „Solo für Klarinette“ nicht vor us-amerikanischer Ware verstecken.
Weil der Film, der aus meiner Erinnerung vor allem in den problematischen Teilen ziemlich nah am Buch ist, seit fast zehn Jahren nicht mehr im TV lief, ist es auch fast eine Wiederentdeckung.
Eine zweite Verfilmung von Lewins Roman entstand 2012. Unter der Regie von Barnaby Southcombe spielten Gabriel Byrne und Charlotte Rampling in „I, Anna“ das Liebespaar.
Mit Götz George, Corinna Harfouch, Tim Bergmann, Barbara Auer, Barbara Rudnik, Christian Redl, Tobias Schenke, Katharina Thalbach, Rita Russek, Heinrich Schafmeister

Hinweise

Filmportal über „Solo für Klarinette“

Wikipedia über „Solo für Klarinette“


TV-Tipp für den 17. Mai: Elf Uhr nachts

Mai 17, 2014

WDR, 00.30

Elf Uhr nachts (Frankreich/Italien 1965, Regie: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Lionel White: Obsession, 1963

Ferdinand stolpert in eine undurchsichtige Mordgeschichte und flüchtet mit seiner Ex Marianne quer durch Frankreich auf eine einsame Insel.

Auch bzw. besser bekannt als „Pierrot le fou“. Die Krimifarce hat mit dem Buch wenig bis nichts zu tun, aber viel mit Godard, seinem filmischen Kosmos und dem Lebensgefühl der Sechziger.

Mit Jean-Paul Belmondo, Anna Karina

Hinweise

Arte über „Elf Uhr nachts“

Mordlust über Lionel White

Wikipedia über Lionel White

Wikipedia über „Elf Uhr nachts“ (deutsch, englisch, französisch)

Film-Rezensionen über „Elf Uhr nachts“ (17. November 2009)

Films de France über „Elf Uhr nachts“

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (F 1959 – dem Durchburch von Jean-Paul Belmondo)

Kriminalakte über  Jean-Paul Belmondo


TV-Tipp für den 16. Mai: Ein Fall für zwei: Mörderisches Vertrauen

Mai 16, 2014

ZDF, 20.15
Ein Fall für zwei: Mörderisches Vertrauen (Deutschland 2014)
Regie: Andreas Herzog
Drehbuch: Florian Oeller
Anwalt Benni Hornberg und sein Freund, der Irgendwie-Privatdetektiv Leo Oswald, haben einen neuen Fall: Amy Beck soll ihren Freund Tim Kortner erschlagen haben. Gemeinsam haben sie mit dem Klauen von Nobelkarossen ihr Geld verdient. Hornberg und Oswald glauben an ihre Unschuld.
Der zweite Fall des neuen „Ein Fall für zwei“-Teams ist immerhin etwas besser als ihr erster Fall „Verhängnisvolle Freundschaft“. Denn die Geschichte entwickelt sich halbwegs schlüssig und wir erfahren auch am Anfang, was Amy Beck vorgeworfen wird. Allerdings gibt es wieder ärgerliche Plotschlampereien (Gibt es wirklich neue Nobelkarossen ohne GPS? Gibt es in Frankfurt am Main kein Akteneinsichtsrecht des Verteidigers? Und warum bestehen die Ermittlungen von Oswald vor allem darin, ständig einzubrechen?). Die Zusammenarbeit zwischen Verteidigung und Anklage funktioniert in den falschen Momenten aus den falschen Gründen viel zu reibungslos. Die Aufklärung zieht sich, dank redundanter Dialoge und zäher Nebenplots, wie Kaugummi. Die Zahl der Verdächtigen ist mehr als überschaubar und der wahre Täter ist schon früh bekannt ist. Der entscheidende Hinweis erfolgt – unabhängig von einem Blick auf die Besetzung – bereits ganz am Anfang des zweiten Drittels.
Es gibt ungefähr einen Schnitt pro Sekunde und alles wird in einer Michael-Bay-“CSI: Miami“-Optik präsentiert. Das ist hier allerdings nicht cool oder hip, sondern einfach nur nervig.
mit Wanja Mues, Antoine Monot, Jr., Thomas Thieme, Christina Hecke, Anna Brüggemann, Marc Hosemann, Jan Hendrik Stahlberg, Pjotr Olev

Hinweise
ZDF über „Ein Fall für zwei“
Fernsehserien über „Ein Fall für zwei“
Wikipedia über „Ein Fall für zwei“

Meine Besprechung von „Ein Fall für zwei: Verhängnisvolle Freundschaft“ (Deutschland 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Kaputtmachen mit „Godzilla“

Mai 15, 2014

Es ist nur ein kleines Problem, das aber auf ein viel größeres Problem hinweist: Beim Ansehen von „Godzilla“ überlegte ich ständig, wie groß die verschiedenen Monster sind und ich hatte immer den Eindruck, dass ihre Größe sich immer wieder veränderte; – was zu einem Teil sicher auch an den irritierendem 3D-Effekt lag, bei dem die Dimensionen immer etwas verschoben waren. Meistens hatte ich den Eindruck, dass die Menschen im Vordergrund zu klein oder zu groß für die etwas hinter ihnen stehenden Fahrzeuge waren.
Wenn ich allerdings, wie bei „King Kong und die weiße Frau“, vollständig in dem Film versunken wäre, hätte es mich nicht gestört.
Außerdem ist „Godzilla“ als zweistündiger Film eine sehr schwerfällige, sich im Schneckentempo auf das Finale zubewegende Angelegenheit, die „Pacific Rim“ (eine ziemlich schamlose „Godzilla“-Kopie) mit „World War Z“ verknüpft und die gelungenen Teile der beiden Filme links liegen lässt.
Gareth Edwards, der mit seinem Low-Budget-Debütfilm „Monsters“ begeisterte, beginnt sein Blockbuster-Debüt mit einer schön gestalteten Titelsequenz, in der auf die Atomexperimente nach dem zweiten Weltkrieg hingewiesen wird.
Nach der Titelsequenz erzählt Edwards in epischer Breite weiter: wie die Monster 1999 auf den Philippinen wieder auftauchen und kurz darauf in Japan das AKW Janjira vernichten. Dabei stirbt Sandra Brody; – gespielt von Juliette Binoche in einer Kürzestrolle.
Fünfzehn Jahre später ist ihr Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) US-Soldat mit Frau und Kind. Ihr Ehemann Joe (Bryan Cranston), der damals im AKW als Wissenschaftler arbeitete, will immer noch herausfinden, was damals geschah. Denn er glaubt nicht, dass die anormalen Klangmuster, die kurz vor der Katastrophe aufgezeichnet wurden, von einem Erdbeben kamen. Nachdem er wieder einmal im Gefängnis landete, fliegt Ford nach Japan. Joe kann ihn überzeugen, das Sperrgebiet zu betreten – und in dem zerstörten AKW entdecken sie, dass dort ein riesiges Tier von Militärs gefangen gehalten wird und sich, wie die anormalen Ausschläge auf dem Seismographen zeigen, ein weiteres Tier nähert. In der folgenden Schlacht, die natürlich mitten in der Nacht stattfindet, sehen wir erstmals die Monster. Denn in diesem „Godzilla“-Film genügt nicht ein Godzilla, sondern es gibt mehrere Riesenmonster, die sich munter bekämpfen, paaren und Eier legen. Das kennen wir aus „Pacific Rim“, wo es ja auch verschiedene Monsterarten gab, die gerne Großstädte verwüsteten.
Jedenfalls machen sie sich jetzt auf den Weg nach Osten. Über Hawaii (Remember Pearl Harbor?) geht es nach San Francisco. Immer begleitet vom Militär, zwei Wissenschaftlern und Ford, der einfach immer so mitgenommen. Denn vor allem nach dem Tod seines Vaters, der ja immerhin noch über einige nützliche Informationen verfügen könnte, ist Ford aus militärischer Sicht einfach nur Ballast, der – und hier wird die Story zunehmend abstruser – zufälligerweise immer an den Orten ist, wo gerade etwas für die Filmgeschichte wichtiges passiert. Denn Ford ist ein Soldat auf Urlaub, ein Zivilist, ein Mann, der keinen Auftrag und auch kein dramaturgisches Ziel hat. Dass er seine Eltern rächen will oder dass er zu seiner Familie zurück möchte (die zufälligerweise in San Francisco wohnt) können wir uns vielleicht denken, aber für die Filmgeschichte ist es egal. Deshalb ist Ford ein absolut blasser Held. Der langweiligste Charakter im ganzen Film; was jetzt nicht heißt, dass die anderen Charaktere wesentlich interessanter wären.
Gerry Lane, der Held von „World War Z“, dessen Reise um den halben Globus auch teilweise absurde Züge hatte, hat im Gegensatz zu Ford ein Ziel: er musste den Patient Null, den Ausbruch der Zombie-Seuche und ein Gegenmittel finden.
Die wenigen Frauen im Film sind beschränken sich weitgehend auf das Halten von Akten oder das Kreischen. Beides ist nicht sonderlich beeindruckend und unterfordert die Schauspielerinnen – wir reden von Juliette Binoche, Elizabeth Olsen und Sally Hawkins – sträflich.
Und die Filmgeschichte selbst, eigentlich ein unglaublich langer Prolog, der in „Pacific Rim“ in den ersten Minuten beeindruckend konzentriert abgehandelt wurde, der zur finalen Schlacht führt, wird weitgehend von Zufälligkeiten zusammengehalten. Es wird vieles angesprochen, was dann doch keine Folgen für die Geschichte hat. Das gilt auch für viele Episödchen, wie die Rettung eines Kindes auf Hawaii durch Ford oder die Rettung eines mit Kindern vollbesetzten Schulbusses in San Francisco durch den afroamerikanischen Busfahrer. Und vieles ist schlichtweg erschreckend unlogisch. So schickt das Militär immer weitere Flugzeuge los, obwohl es weiß, dass die Monster einen elektronischen Fallout produzieren können, der dazu führt, dass die komplette Elektronik versagt und die Maschinen wie Steine abstürzen lässt.
Allerdings geht es in einem Godzilla-Film nicht wirklich um dreidimensionale Charaktere und eine ausgefeilte Story, sondern um Godzilla, der durch Großstädte stampft und dabei Wolkenkratzer zerstört.
Das wird auch gezeigt und Gareth Edwards gelingen hier einige beeindruckende apokalyptische Bilder. Und Godzilla, der erst nach ungefähr 75 Minuten erstmals in seiner ganzen computergenerierten Pracht zu sehen ist, ist als 108 Meter (Presseheft) großes Monster auch furchterregend. Jedenfalls bis der Wissenschaftler Dr. Ishiro Serizawa (Ken Watanabe) den bösen Godzilla schnell in einen guten Godzilla umdeutet, der die anderen Monster, die Alpha Predator (so eine Art Flugsaurier) vernichten will. Godzilla wird zu einem „Pacific Rim“-Riesenroboter.
Insgesamt ist „Godzilla“ ein ziemlich enttäuschender Monsterfilm, der schwerfällig auf sein Ende zustampft, den gesamten Cast sträflich unterfordert und Godzilla nur selten zeigt.

Godzilla - Plakat

Godzilla (Godzilla, USA 2014)
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Max Borenstein (nach einer Geschichte von David Callahan)
mit Aaron Taylor-Johnson, Ken Watanabe, Elizabeth Olsen, Juliette Binoche, Sally Hawkins, David Strathairn, Bryan Cranston
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Godzilla“
Moviepilot über „Godzilla“
Metacritic über „Godzilla“
Rotten Tomatoes über „Godzilla“
Wikipedia über „Godzilla“ (deutsch, englisch)