ZDF, 22.00 Inspector Banks: Eine seltsame Affäre(Großbritannien 2012, Regie: Tim Fywell)
Drehbuch: Robert Murphy
LV: Peter Robinson: Strange Affair, 2005 (Eine seltsame Affäre)
Als DCI Alan Banks von seinem Bruder Roy einen Anruf erhält, in dem er sagt, dass er in Schwierigkeiten stecke, beginnt Banks seinen spurlos verschwundenen Bruder zu suchen. Deshalb erfährt er auch erst viel später, dass sein Bruder in einen Mordfall verwickelt ist und seine neue Kollegin DI Helen Morton (die Schwangerschaftsvertretung für DS Annie Cabbot) ihn als Tatverdächtigen sucht.
„Eine seltsame Affäre“ ist der Auftakt der neuen „DCI Banks“-Staffel, die in England bereits vor zwei Jahren lief und als düster grundierte Polizeifilme gut unterhalten. Auch wenn „Eine seltsame Affäre“, weil es sich um einen persönlichen Fall handelt und wir die gesamte Familie Banks kennen lernen, ein eher schwacher Auftakt ist.
Die nächsten beiden Fälle „Die letzte Rechnung“ und „Der unschuldige Engel“ folgen am 16. und 23. November zur gewohnten Sonntagabendkrimizeit.
In England wurden Anfang des Jahres drei weitere „DCI Banks“-Fälle gezeigt.
mit Stephen Tompkinson, Andrea Lowe, Caroline Catz, Lorraine Burroughs, Jack Deam, Nick Sidi, Keith Barron, David Westhead, Eve Matheson, Alan Park Wiederholung: Montag, 3. November, 00.50 Uhr (Taggenau!) Hinweise
Der letzte Scharfschütze (USA 1976, Regie: Don Siegel)
Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout
LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)
Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.
Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.
„Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)
Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.
Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine
„Pioneer“ ist der neue Film von Erik Skjoldbjærg, dessen Spielfilmdebüt „Todesschlaf“ (Insomnia, 1997) fünf Jahre später von Christopher Nolan ein Hollywood-Remake erhielt, das dem Original nichts Wesentliches hinzufügte. Auch für „Pioneer“ hat Hollywood sich schon die Remake-Rechte gesichert. George Clooney ist als Produzent im Gespräch.
„Pioneer“ basiert, wie „Pride“, auf wahren Ereignissen, die sich in den frühen Achtzigern ereigneten. Aber es ist kein Feelgood-Movie, sondern ein altmodischer Paranoia-Thriller.
Mitte der Siebziger, kurz nach der Ölkrise, die uns in Deutschland autofreie Sonntage bescherte, wurden auch vor Norwegen in der Nordsee riesige Öl- und Gasvorkommen entdeckt. Norwegen will diesen neuen Reichtum bergen. Dummerweise liegt das Öl so weit unter der Meeresoberfläche, dass die Förderung extrem schwierig ist, weil es keine Erfahrungen mit Tauchgängen in diesen Tiefen gibt und die Anlagen vor Ort montiert und zusammengeschweist werden müssen. Auch heute, gut vierzig Jahre später, liegen die Rekorde beim Tiefseetauchen bei 332 Meter im Gerätetauchen und, seit 2006, bei 610 Metern beim Tauchen mit einem Panzertauchanzug.
Diese gefährliche Arbeit wird von Tiefseetauchern, wie Petter (Aksel Hennie) und seinem Bruder Knut (André Eriksen) erledigt, denen wir zum ersten Mal bei einem simuliertem Tauchgang bis 500 Meter Tiefe in einer Dekompressionskammer begegnen. Dabei soll getestet werden, ob und wie Menschen in dieser Tiefe überleben können und wie sich ihre Wahrnehmung verändert. Schon bei diesen simulierten Tauchgängen arbeitet die norwegische Regierung, die das Nordseeöl fördern will, mit der US-amerikanischen Firma Deep Sea Diving zusammen, die den Tauchern eine spezielle Sauerstoffmischung gab, die sie wie den Heiligen Gral hütete.
Als Petter und Knut drei Monate später den ersten Tauchgang des Projekts auf offener See unternehmen, geschieht in 320 Meter Tiefe ein Unfall, bei dem Knut stirbt. Ferris (Stephen Lang), der Leiter des US-Unternehmens, und seine norwegischen Kollegen versuchen Petter, der sich für den Tod seines Bruders verantwortlich fühlt, zu beruhigen. Unfälle passieren halt. Niemand ist dafür verantwortlich.
Aber Petter stellt Fragen. Denn er glaubt, dass es kein bedauerlicher Unfall war, sondern dass Knuts Tod vermeidbar gewesen wäre.
„Pioneer“ steht gelungen in der Tradition des US-Polit-Thrillers der siebziger Jahre. Erik Skjoldbjærg nennt als Inspiration „Der Dialog“, „Chinatown“ und „Die Unbestechlichen“. Er hätte auch noch „Zeuge einer Verschwörung“ und „Die heiße Spur“ nennen können und wie viele dieser Filme zieht er einen beträchtlichen Teil seiner Spannung aus dem Nichtwissen um die Hintergründe und der Paranoia des Protagonisten. Bis zum Schluss läßt uns Skjoldbjærg nämlich im Ungewissen darüber, ob Petter wirklich einer großen Verschwörung auf der Spur ist oder ob er einfach nur von Schuldgefühlen geplagt ist und diese auf Ferris und die anderen US-Amerikaner lenkt. Es ist auch unklar, wie sehr seiner Wahrnehmung vertraut werden kann. Also ob er nicht nur paranoid ist, sondern Halluzinationen hat.
Und wenn am Filmende das ganze Ausmaß der Verschwörung deutlich wird, wirft Erik Skjoldbjærg elegant die vorherigen Gewissheiten über Bord.
Heute verdankt Norwegen seinen Reichtum dem Nordseeöl. 2013 stellte der Europäische Gerichtshof fest, dass es mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen bei Tauchgängen gab, die zum Tod von Tauchern führten.
Großbritannien, 1984: Premierministerin Margaret Thatcher regiert mit harter Hand das Land. Die streikenden Berg- und Minenarbeiter, die gegen zahlreiche Zechenstilllegungen und Entlassungen von über 20.000 Arbeitern protestierten, werden von der Polizei zusammengeknüppelt und die konservativen Medien schlagen verbal auf die Arbeiter ein.
In London bemerkt der junge Aktivist Mark Ashton Parallelen zwischen der Situation der auf dem Land lebenden Arbeiter und seinem Leben als Homosexueller. Auch er kennt, wie alle Schwulen, die Anfeindungen der Konservativen und die Schläge der Polizei. Also entschließt er sich, ihnen zu helfen und er versucht, zunächst erfolglos, seine schwulen Freunde zu überzeugen, Geld für die Arbeiter zu sammeln. Mit einigen Freunden gründet er die LGSM (Lesbians and Gays Support the Miners). Sie sammeln, wenn sie nicht zusammengeschlagen werden, Geld, das die Gewerkschaft nicht annehmen will. Denn ihre Situation ist nicht und wird niemals schlecht genug sein, um sich von den Perversen aus der Großstadt helfen zu lassen.
Per Zufallsprinzip wählen Mark und seine Freunde, die das gesammelte Geld unbedingt spenden wollen, den kleinen Walisischen Ort Onllwyn aus, der irgendwo im Nirgendwo ist. Die dort lebenden Menschen können jeden Cent gut gebrauchen. Denn sie haben, wie die anderen Streikenden, kein Einkommen, erhalten keine Unterstützung von der Regierung, Strom und Gas wurden abgestellt und die Kinder von der Schulspeisung ausgeschlossen. Der Gemeindevorstand Dai, der den Namen am Telefon nicht richtig versteht, fährt nach London, um das Geld abzuholen. Es ist immerhin die größte Einzelspende, die sie bislang erhielten.
In London kann Dai seinen ersten Schock nur mühsam verbergen. Aber er ist dankbar für das Geld, durchaus offen und er hält es für selbstverständlich, die LGSM nach Onllwyn einzuladen, was für Probleme, neue Einsichten und, auf lange Sicht, zu überraschenden Bündnissen führt.
Denn bis dahin lebten die Arbeiter und die Schwulen in verschiedenen Welten, die nichts miteinander zu tun hatten, außer ihrer tiefen Abneigung gegen die rückständigen Arbeiter (aus Schwulensicht) und die perversen Schwulen, die man ungestraft beleidigen und schlagen durfte (aus Arbeitersicht).
Das unglaublichste an der Geschichte von „Pride“, die sich wie die Geschichte eines auf die Tränendrüse drückenden Feelgood-Movies liest, ist, dass er auf Tatsachen basiert und den historischen Ereignissen auch, abgesehen von kleinen Änderungen, genau folgt.
Die LGSM, die letztendlich elf Abteilungen in Großbritannien hatte, war eine der zahlreichen Unterstützergruppen für die Streikenden, die es damals gab. Sie warb am lautesten für die Solidarität mit den Streikenden und die Londoner Gruppe, die auch das erfolgreiche Benefiz-Konzert „Pits and Perverts“ mit Bronski Beat und anderen Band organisierte, sammelte für die Streikenden mehr Geld als jede andere Gruppierung. Über 20.000 Pfund sammelte sie, was damals ungefähr 80.000 Deutsche Mark waren. Den heutigen Euro-Wert könnt ihr selbst ausrechnen.
Drehbuchautor Stephen Beresford und Regisseur Matthew Warchus, beides vor allem Theatermänner, entfalten in ihrem Film ein großes Ensemble unterschiedlicher Charaktere, von denen jeder, auch dank der guten Schauspieler, schnell zu einem dreidimensionalem Charakter mit nachvollziehbaren Wünschen und Problemen wird. Sie erzählen, kurzweilig und pointiert, immer witzig, mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und ohne Beschönigungen, viele kleine Episoden aus dem Kampf der Arbeiter und der LGSM, welche gegenseitigen Vorurteile sie überwinden mussten und wie sie zu Verbündeten und Freunden wurden. Dabei zerfasert „Pride“ nie und bricht auch nicht unter der Last seiner vielen Charaktere und Plots zusammen. Denn in jeder Sekunde geht es um das titelgebende Thema „Stolz“ beziehungsweise Selbstbewusstsein geht. Jede Handlung hat damit zu tun. Jeder Charakter muss für sich und in seinem Verhältnis zu den anderen klären, was für ein Mensch er sein will und wie stolz er auf sich und seine Fähigkeiten ist.
„Pride“ ist einer der schönsten Filme des Jahres. Erzählt in einem rauhen, unsentimentalem, aber auch humorvollem Tonfall, der das Herz wärmt und zeigt, wie Veränderungen geschehen können. So ist das Schlussbild, wenn die Bergarbeiter im gespendeten LGSM-Bus nach London kommen und bei dem Gay-Pride-Marsch mitdemonstrieren ein schönes Schlussbild. Der Schlusstext erwähnt dann noch weitere Veränderungen, die durch die LGSM angestoßen wurden.
Es ist eine unschöne Entscheidung, die der Chef an seine Angestellten weiterleitete und, beeinflusst durch den sanften Druck des Vorarbeiters, entschieden die Angestellten einer kleinen Firma sich dafür, dass ihre Kollegin Sandra entlassen wird und sie eine Bonuszahlung erhalten. Sandra war die letzten Monate sowieso nicht da, weil sie eine Depression auskurierte.
Aber beeinflusst durch eine Arbeitskollegin und ihren Mann entschließt Sandra sich, nachdem der Chef am Freitag, nach Feierabend, sich einverstanden erklärt, am Montag noch einmal abstimmen zu lassen, an dem Wochenende um ihren Job zu kämpfen. Sie hat die titelgebenden „Zwei Tage, eine Nacht“, in der sie ihre Arbeitskollegen, die sie bislang fast alle nur von der Arbeit kannte, zu Hause besucht, Einblicke in deren Leben erhält und immer wieder sieht, wie dringend viele den Bonus brauchen. Aber sie braucht die Arbeit für sich und ihre Familie.
„Zwei Tage, eine Nacht“ von Jean-Pierre und Luc Dardenne („Der Junge mit dem Fahrrad“, „Das Kind“) ist eine konsequent zugespitzte Versuchsanordnung, die glasklar eine Frage formuliert: Sandra oder Bonus?
Denn welcher Chef lässt nicht gerne seine Angestellten mitbestimmen, wenn er sich so um eine unbequeme Entscheidung drücken oder sich eines Problemes elegant entledigen kann? Dass in dem Moment die Angestellten mit einer Frage konfrontiert werden, die sie eigentlich nicht entscheiden sollten, die nach ihrer Menschlichkeit fragt und die Solidarität der Arbeiter untereinander auf die Probe stellt, ist dem Chef egal oder vielleicht sogar gewünscht. Denn solange die Arbeiter miteinander beschäftigt sind, solidarisieren sie sich nicht.
Und so ist „Zwei Tage, eine Nacht“ mit einer grandiosen Marion Cotillard als zerbrechliche Sandra eine präzise Bestandsaufnahme des Kapitalismus und wie er funktioniert. Der Film stellt Fragen, verurteilt nicht und regt zum Nachdenken an. Es ist auch ein spannendes Drama, weil Sandra die Mehrheit ihrer Kollegen überzeugen muss. Was ihr manchmal gelingt, manchmal nicht; während wir Einblicke in das Leben der Arbeiter und ihrer Nöte erhalten, die niemals gekünstelt wirken. Sowieso ist „Zwei Tage, eine Nacht“ wahrhaftiger als es eine Dokumentation jemals sein könnte.
Wenn Wim Wenders einen Dokumentarfilm dreht, will er nicht über Mißstände aufklären (das macht Michael Moore) oder in neue Welten vorstoßen (das macht Werner Herzog), sondern er will von Künstlern und Dingen, die ihm etwas bedeuten, erzählen. Eigentlich sind seine Dokumentation eine Entschuldigung, um Künstlern Nahe zu sein, die er bewundert. So erzählt er in „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“ von dem japanischen Modemacher Yohji Yamamoto. „Buena Vista Social Club“ und „Viel passiert – Der BAP-Film“ waren Musikfilme. „Pina – Ein Tanzfilm in 3D“ eine Liebeserklärung an Pina Bausch und ihr Tanztheater. Oft waren diese persönlichen Filmessays an der Kinokasse sogar sehr erfolgreich.
In „Das Salz der Erde“ porträtiert er den Fotografen Sebastião Salgado, dessen Bilder ihn beeindruckten: „Ich kenne Sebastião Salgados Arbeit seit fast 25 Jahren. Ich habe damals zwei Fotoarbeiten von ihm erworben, die mich wirklich tief berührten. Ich habe sie rahmen lassen und seitdem hängen sie über meinem Schreibtisch. Inspiriert von diesen Fotografien, habe ich dann auch die Ausstellung ‚Workers‘ gesehen, die mich ebenfalls sehr beeindruckte. Seitdem habe ich die größte Hochachtung vor Sebastiãos Arbeit.“
Diese aufrichtige Bewunderung für ein Werk und seine Zuneigung zu dem Porträtierten sind für eine kritische Dokumentation natürlich Gift. Wenders ist ein Fanboy und „Das Salz der Erde“ erzählt von seinem Fantum, gewohnt respektvoll und, hauptsächlich, in atemberaubenden Schwarz-Weiß-Bildern, weil Sebastião Salgado ebenfalls in Schwarz-Weiß fotografiert und immer einen sehr kunstvollen Bildaufbau hat.
Wenders inszenierte den Dokumentarfilm zusammen mit Salgados Sohn Juliano Ribeiro, weil Vater und Sohn Salgado für ihr schon länger geplantes Projekt über den fotografierenden Vater einen Blick von Außen haben wollten. Mit Wim Wenders haben sie den richtigen Partner gefunden.
So beeindruckend die Bilder des Films auch sind, so herkömmlich ist die gewählte Struktur, die einfach Salgados Leben chronologisch nacherzählt und auf genauere Nachfragen oder einen kritischeren Blick verzichtet. Denn bei seinen monatelangen Reisen zu den Krisenherden der Welt und in abgelegene Gebiete war Sebastião Salgado für seinen 1974 geborenen Sohn und seine Frau Lélia Wanick, mit der er seit über fünfzig Jahren verheiratet ist und die anscheinend die Geschäfte führt, nicht erreichbar. Aber das wäre ein anderer Film geworden. Ein Film, an dem Wim Wenders, wie in seinen anderen Dokumentationen, kein Interesse hatte. Er wollte die Arbeit von Salgado einem breiten Publikum vorstellen. Dafür erzählt er chronologisch dessen Leben von seiner Kindheit in Brasilien, seiner kurzen Karriere als Ökonom in London, seinen Anfängen als Fotograf ab 1973 und schließlich seine großen, oft in jahrelanger Arbeit erstellten Projekte, die auch zu gefeierten Bildbänden wurden, wie „Other Americans“, „Sahel“, „Workers“, „Exodus“ und „Afrika“ bis hin zu seinem neueste Projekt „Genesis“, das er 2004 begann und in dem er, nachdem er vorher das Elend der Welt in seinen Bildern zeigte, sich der Natur und Gemeinschaften, die im Einklang mit ihren Traditionen leben, widmet. Auch dafür reist er, öfters begleitet von seinem Sohn Juliano Ribeiro Salgado, an entlegene Orte. Gleichzeitig widmet er sich einem Wiederaufforstungsprojekt auf der Familienranch der Salgados in Aimorés. In diesen Momenten stellt sich auch eine gewisse Langeweile ein: noch ein Projekt, noch eine Ausstellung, die buchhalterisch hintereinander von Wenders und Salgado abgehakt werden.
Dalton Russell überfällt eine Wall-Street-Bank. Schnell wird sie von der Polizei umzingelt und Detective Keith Frazier beginnt mit den Verhandlungen. Spätestens als Madaline White als Unterhändlerin des Bankgründers auftaucht und sich in die Verhandlungen einmischt, weiß er, dass er es nicht mit einem normalen Banküberfall zu tun hat.
„‘Inside Man’ ist ein typischer Spike-Lee-Film, insofern er in jeder Sekunde ein bisschen mehr ist al ein reiner Genrefilm. Er macht böse Witze ebenso über den kulturellen Reichtum New Yorks wie über Post-9/11-Paranoia und War-on-Terror-Vorurteile. Er analysiert die Mechanik der Macht, verbindet sie mit gesellschaftlicher Hierarchie und bricht sie an der Politik der Hautfarben.“ (Alexandra Seitz: Inside Man, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)
Ein feiner Thriller
mit Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Willem Dafoe, Chiwetel Ejiofor, Christopher Plummer
Natürlich könnte man „5 Zimmer Küche Sarg“ schauspielerische und technische Unzulänglichkeiten vorwerfen.
Ebenso natürlich könnten die Macher erwidern, dass das zum Konzept ihrer Pseudo-Dokumentation über Vampire gehört. Sie schildern das Leben einer Fünfer-Wohngemeinschaft von Vampiren in Wellington (Neuseeland), beginnend mit dem Aufstehen (zum Sonnenuntergang) und der WG-Sitzung, die auch bei Vampiren genauso ätzend wie bei Menschen ist. Denn das schmutzige Geschirr stapelt sich seit Ewigkeiten und es gibt Probleme beim Putzen. Danach erfahren wir mehr über die Bewohner der WG, die sich in die Kamera sprechend, leicht unbeholfen, vorstellen und von sich, ihrer Herkunft und ihren Hobbys erzählen. Wir begleiten sie bei ihren Ausflügen in die Stadt, beim Abendessen mit Menschen (deren Überlebensaussichten denkbar gering sind) und dem großen Ereignis der Vampir-Community, dem alljährlichen Maskenball. Wir erfahren auch, dass die Vampire Ärger mit den Werwölfen haben.
Die Regisseure Jemaine Clement und Taika Waititi inszenieren diesen Einblick in das Vampir-WG-Leben wie eine dieser menschelnden, aber auch gähnend langweiligen Privat-TV-Dokumentationen. Aufgrund des Sujets ist „5 Zimmer Küche Sarg“ dann doch ziemlich witzig geraten. Einfach weil vieles genau beobachtet und vollkommen absurd ist.
Dabei wird die satirische Qualität von „Mann beißt Hund“ nie erreicht. In der medien- und gesellschaftkritischen Pseudo-Dokumentation begleitet ein dreiköpfiges Reporterteam einen Auftragskiller und hilft ihm auch bei der Arbeit. Die Reporter in „5 Zimmer Küche Sarg“ greifen dagegen niemals in das Geschehen ein.
Für Horror- und Vampirfilmfans ist „5 Zimmer Küche Sarg“ (nicht „5 Zimmer, Küche, Sarg“) ein kurzweiliges Halloween-Vergnügen, das allerdings nie über einen eher groben Spaß für die Horrorfilmfangemeinde hinausgeht.
Also: zuerst „The Unforgiven“ (so der derzeitige deutsche Titel für „Yurusarezaru Mono“)
Und jetzt „Erbarmungslos“
Kabel 1, 20.15
Erbarmungslos (USA 1992, R.: Clint Eastwood)
Drehbuch: David Webb Peoples
Wyoming, 1880: Als der ehemalige Revolverheld William Munny erfährt, dass die Huren von Big Whiskey ein Kopfgeld von 1000 Dollar auf zwei Cowboys aussetzten, die eine von ihnen verstümmelte, schnallt er wieder seinen Colt um. Denn er braucht das Geld für sich und seine beiden Kinder; – auch wenn er es mit zwei Gefährten teilen muss.
„‘Erbarmungslos’ ist offensichtlich ein feinfühlig gemachter und ausbalancierter Film, und, wenn man seine Einsichten in die menschliche Natur bedenkt, so düster, wie ein Genrefilm überhaupt nur sein kann. Aber er präsentiert sich nicht finster, was er teilweise seinen Autoren verdankt. (…) Abgesehen von ‘revisionistisch’ , war das von den Kritikern am häufigsten verwendete Wort ‘Meisterstück’.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)
„ein vorzüglicher Spätwestern, der wie seit Peckinpahs ‘The Wild Bunch’ nicht mehr verstört.“ (Fischer Film Almanach 1993)
„Erbarmungslos“ erhielt vier Oscars, unter anderem als bester Film. Clint Eastwood erhielt für seine Regie und sein Spiel zahlreiche Preise und Nominierungen.
Das Drehbuch war für den Edgar, Oscar, Golden Globe und WGA Award nominiert und erhielt von den Western Writers of America den Spur Award als bestes Western-Drehbuch.
Außerdem erhielt „Erbarmungslos“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards.
Bei Rotten Tomatoes liegt der Frischegrad für diesen Western bei 96 Prozent.
Auf einer 2008 veröffentlichten Liste der zehn besten Western setzte das American Film Institute „Erbarmunglos“ auf den vierten Platz.
mit Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Richard Harris, Jaimz Woolvett, Saul Rubinek, Francis Fisher, Jeremy Ratchford
Eine richtige Lesung, in der der Autor seinen Text herunternuschelt und schüchtern die Fragen des wohlgesonnenen und gesitteten Publikums beantwortet, wird es am Samstag, den 1. November, im Alabama Kino (Jarrestraße 30, 22303 Hamburg) ab 21.00 Uhr nicht geben. Frank Göhre wird zwar seinen neuen Text „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (Culturbooks) vorstellen, aber zwei gut abgehangene, immer noch und immer wieder sehenswerte Filme werden die meiste Zeit beanspruchen. Denn zwischen den Leseteilen gibt es, endlich mal wieder im Kino, „Supermarkt“ (1973) von Roland Klick und „Rocker“ (1972, ursprünglich ein TV-Film) von Klaus Lemke.
Beide Filme spielen in Hamburg in den frühen Siebzigern und Zeigen die Schattenseiten der Großstadt. In „Supermarkt“ will ein kleinkrimineller Achtzehnjähriger einem Mädchen helfen, indem er einen Geldtransporter überfällt. In „Rocker“ rutscht ein Fünfzehnjähriger, nachdem sein älterer Bruder ermordet wird, in die Welt der Rocker und Zuhälter ab.
Frank Göhre, der mit seinen Romanen in den vergangenen Jahrzehnten eine Gegenchronik zu Hamburgs offizieller Stadtgeschichte schrieb, befasste sich in mehreren Essays auch mit anderen Autoren und Filmen, die ebenfalls die verbrecherische Seite Hamburgs zeigen.
In seiner Ankündigung schreibt CulturBooks: Zu mehreren Hamburg-Filmen hat der Krimi- und Drehbuchautor Frank Göhre zwei eBooks veröffentlicht: „Du fährst nach Hamburg, ich schwör´s dir“ (CulturBooks, Mai 2014) und „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (CulturBooks, November 2014). Er erinnert an Filme, deren großes Thema die Stadt ist, oder besser, das Porträt eines Stadtviertels: Hamburg St. Pauli im Wandel der Zeit. Hier haben so unterschiedliche Regisseure wie Francesco Rosi, Jürgen Roland, Klaus Lemke, Roland Klick und Vadim Glowna ihre Geschichten von Gastarbeitern, Gangstern und anderen Ausgegrenzten erzählt. Zugleich aber lässt sich in ihnen die Entwicklung der Organisierten Kriminalität verfolgen. Von der „rechten Hand“ des berühmt-berüchtigten Mafiosi Lucky Luciano bis hin zur Etablierung der „Hell´s Angels“ und dem Auftraggeber des St. Pauli Killers Werner Pinzner spannt sich der Bogen dieser „Heimatfilme“. Frank Göhres Texte eröffnen eine neue Sicht auf sie. Es ist der stadtgeschichtlich erhellende Film aus Worten hinter den Kinofilmen, ein Stück Kultur- und Sittengeschichte der Freien und Hansestadt Hamburg. Frank Göhre: Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir CulturBooks, 2014 65 Seiten
4,99 Euro
– Frank Göhre: Die Härte, der Reichtum und die Weite CulturBooks, 2014 45 Seiten
3,99 Euro
–
Snatch – Schweine und Diamanten (Großbritannien/USA 2000, Regie: Guy Ritchie)
Drehbuch: Guy Ritchie
Franky Four Fingers klaut in Antwerpen einen wertvollen Diamanten. Zurück in London kriegt er Ärger mit einem Russengangster, alle wollen den Stein haben, Gangster werden verletzt und sterben, die Gypsies spielen mit und dann gibt es noch einen Boxkampf, bei dem jeder jeden betrügt.
Wie schon in seinem Debüt „Bube, Dame, König, GrAs“ und seinem neuesten Werk „RocknRolla“ ist die Handlung ein einziges Chaos aus größeren und kleineren Katastrophen, die meisten Gangster sind geistig eher minderbemittelt und latschen, zu unserem Vergnügen, von einem Missgeschick in das nächste, meist ebenso blutige, Missgeschick.
Mit Benicio Del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Sherbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Goldie
No Country for Old Men (USA 2007, Regie: Ethan Coen, Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005
Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.
Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).
Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald
Sin Nombre – Zug der Hoffnung (Mexiko/USA 2009, Regie: Cary Jôji Fukunaga)
Drehbuch: Cary Jôji Fukunaga
Was machte Cary Fukunaga vor „True Detective“? Zum Beispiels „Sin Nombre“, ein allgemein abgefeiertes und ausgezeichnetes Gangsterdrama, über einen Teenager, der in Mexiko Mitglied einer großen Gangsterbande ist und, nachdem er in Ungnade fällt, auf einem Zug in die USA flüchten will. Verfolgt von seinen alten Freunden. Auf seiner Reise verliebt er sich in ein Mädchen, das aus Honduras ebenfalls illegal in die USA einreisen will.
„Überzeugend verbindet das Drama Genre-Elemente aus Road Movie und Liebesfilm und verdichtet sie zur eindringlichen Bestandsaufnahme der tatsächlichen Verhältnisse, die Menschen Richtung USA treiben, sowie der Gefahren, die sie auf der Flucht erwarten.“ (Lexikon des Internationalen Films)
Mit Paulina Gaitan, Edgar Flores, Kristian Ferrer, Tenoch Huerta Mejía, Luis Fernando Peña, Diana Garcia
Tele 5, 20.15 Wild Bill (USA 1995, Regie: Walter Hill)
Drehbuch: Walter Hill
LV: Pete Dexter: Deadwood, 1986 (Deadwood), Thomas Babe: Fathers and Sons, 1978 (Theaterstück)
Walter Hills Biopic über Wild Bill Hickock, das der Revolverheld sich in seinen Opiumträumen zusammenspinnt. Ein top besetzter, ziemlich abgefahrener und auch zerfahrener Western, der an der Kinokasse selbstverständlich kein Erfolg war, aber für Western-Fans einiges zu bieten hat.
Hill drehte die Helden-Demystifikation zwischen dem Western „Geronimo – Eine Legende“ und dem Quasi-Western „Last Man Standing“.
Die Musik ist von Van Dyke Parks.
mit Jeff Bridges, Ellen Barkin, John Hurt, Diane Lane, Keith Carradine, Christina Applegate, Bruce Dern, James Gammon, James Remar Wiederholung: Montag, 27. Oktober, 02.10 Uhr (Taggenau! – Und dann auch wohl in der ungekürzten FSK-16-Version) Hinweise Rotten Tomatoes über „Wild Bill“ Turner Classic Movies über „Wild Bill“
Wikipedia über „Wild Bill“ (deutsch, englisch)
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Brian Helgeland
LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)
In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.
Für das Update des 1973er Thriller-Klassikers „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ von Joseph Sargent, nach einem Drehbuch von Peter Stone, mit Walter Matthau, Robert Shaw und Martin Balsam musste Brian Helgeland nicht viel tun. Denn Romanautor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen. Tony Scott bebilderte dann das ganze mit einer für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltenden Regie.
Aber während die 1973er-Version immer noch thrillt, bedient Scott einfach nur ziemlich glatt und damit auch vorhersehbar-langweilig die Spannungsmachinerie. Es ist nicht wirklich Falsches in „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“, aber auch nichts, was zum wiederholten Ansehen reizt.
mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini
Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters (Großbritannien 2007, Regie: David Mackenzie)
Drehbuch: David Mackenzie, Ed Whitmore
LV: Peter Jinks: Hallam Foe, 2001 (Über roten Dächern)
Der 17-jährige Außenseiter Hallam Foe glaubt, dass seine Stiefmutter seine Mutter ermordet hat. Da trifft er die Hotelpersonalchefin Kate. Sie ist das Ebenbild seiner Mutter.
„Einfach mitreisend ist dieser Abenteuertrip eines jungen Ausreißers, faszinierend mühelos changiert das freche Szenario zwischen Murder Mystery mit Gothic Touch und moderner Lovestory. Ein Film, der ganz tief im Zuschauer seinen Widerhall findet.“ (Programm Fantasy Filmfest 2007)
„A viewing delight.“ (Variety)
Mit Jamie Bell, Sophia Myles, Ciarán Hinds, Claire Forlani
Die ersten Minuten sind grandios: In einer langen, ungeschnittenen Szene ist die Kamera auf Brendan Gleeson gerichtet, der den irischen Dorfpriester James Lavelle spielt. Er sitzt im Beichtstuhl. Ein Gläubiger beichtet ihm, dass er als Kind von einem Geistlichen sexuell missbraucht wurde und dass er sich jetzt dafür rächen will, indem er eine Person umbringt, die nichts mit den damaligen Taten zu tun hat, die vollkommen edel ist und ein Repräsentant der Kirche ist. Der Beichtende sagt Lavelle, dass er ihn in einer Woche am Strand umbringen werde.
Was für ein Auftakt. Was für eine tolle Ausgangsidee – und wie wenig macht John Michael McDonagh (The Guard – Ein Ire sieht schwarz) daraus. Denn Lavelle, der den Beichtenden kennt, unternimmt in den folgenden Tagen nichts. Er verrichtet einfach seine gewohnte Seelsorgerarbeit bei seinen Schäfchen, die alle etwas speziell sind. Iren halt. Er wird von seiner Tochter besucht. Er besucht einen US-Schriftsteller, der auf einer Insel seine Bücher schreibt. Sie unterhalten sich über Gott und die Welt. Und immer wieder geht es um Schuld und Sühne, aber weil Lavelle nichts unternimmt, langweilt dieser Reigen für die Prämisse belangloser Episoden schnell. Denn sie sind einfach nur die Chronik einer x-beliebige Woche aus dem Leben eines Geistlichen. Weder regelt Lavelle seine Angelegenheiten, noch versucht er seinen Mörder, den er kennt, von der Tat abzuhalten. Lavelle akzeptiert die Nachricht von seinem Tod so, wie andere Menschen die Nachricht, dass kommende Woche das Heizöl geliefert wird, akzeptieren.
Diese überwältigende Schicksalergebenheit Lavelles, der als wahrer Gläubiger klaglos das ihm von Gott auferlegte Schicksal gleichgültiger als Jesus akzeptiert, ist als dramaturgische Idee, die die Todesankündigung und das damit verbundene potentielle Drama total sabotiert, zwar interessant, aber für mich funktionierte sie nicht.
Da können auch die guten Schauspieler und einzelne gute Szenen nichts ausrichten.
Es begab sich im Jahr 873 des Herrn eine Horde ausgestoßener Wikinger nach Britannien, wo sie das Kloster Lindisfarne zwecks Rehabilitierung plündern wollten. Aber zuvor stießen sie, nach einem Schiffbruch, auf eine schöne und äußerst wehrhafte Jungfrau von königlichem Blut. Sie befreiten sie gar blutig von ihren Bewachern, die sie zu einer arrangierten Hochzeit bringen sollten, nahmen sie geschwind als Geisel und erbaten von ihrem Vater, einem schottischen König, Geld. Dieser schickte eine überall gefürchtete Söldnerbande, das aus den Karpaten kommende blutrünstige, aber nicht blutsaugende Wolfsrudel, los, seine Tochter zu befreien. Oder umzubringen. Jedenfalls sollen sie die Wikinger nach Walhalla schicken.
Schnell geht es mächtig rund in der einsamen schottischen Landschaft. Neben all dem Morden gibt es auch etwas Liebe, denn die schöne Maid verliebt sich, oh große Überraschung, in einen der ungewaschenen Wikinger. Und sie treffen einen äußerst wehrhaften Mönch, der in einem Turm mit tödlichen Fallen und Notausgang lebt. Die Kampfkunst beherrst der Mann Gottes ebenfalls.
Bei vielen Kritikern kam „Northmen – A Viking Saga“ nicht besonders gut an, wobei ich den Film nicht so schlecht fand, weil er ziemlich genau das liefert, was er verspricht: eine niemals innovative Schlachtplatte, in der immer genug passiert, um nicht gelangweilt zu werden. Garniert mit prächtigen Landschaftsaufnahmen, die zeigen, dass Südafrika, mit der Hilfe von Farbfiltern, sehr gut für Schottland herhalten kann.
Man sollte allerdings nie nach so etwas wie „Logik“ fragen. Da werden die Nordmänner dann ziemlich ungnädig.
Northmen – A Viking Saga(Northmen – A Viking Saga, Schweiz/Deutschland/Südafrika 2014)
Regie: Claudio Fäh
Drehbuch: Bastian Zach, Matthias Bauer
mit Tom Hopper, Ryan Kwanten, Ken Duken, Charlie Murphy, James Norton, Leo Gregory, Darrell D’Silva, Mark Strepan, Richard Lothian, Ed Skrein, Anatole Taubman, Johan Hegg, Danny Keogh
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Film-Zeit über „Northmen“ Moviepilot über „Northmen“ Rotten Tomatoes über „Northmen“ Wikipedia über „Northmen“
–
Und jetzt den Lautstärkeregler auf volle Leistung schieben
Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag, Ang Lee!
3sat, 22.25 Taking Woodstock – Der Beginn einer Legende (USA 2009, Regie: Ang Lee)
Drehbuch: James Schamus
LV: Elliot Tiber/Tom Monte: Taking Woodstock: A true story of a riot, a concert and a life, 2007 (Taking Woodstock)
Von „Woodstock“, dem berühmten Musikfestival haben wir alle schon einmal gehört. Viele haben auch die LP (oder CD). Aber was vor dem Festival in Woodstock los? Ang Lee erzählt die Vorgeschichte zum Festival.
„Geschickt re-inszeniert der Film das Festival als fernes Echo, wobei ihm spannende zeithstorische Bezüge gelingen.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Demetri Martin, Henry Goodman, Imelda Staunton, Emile Hirsch, Liev Schreiber, Paul Dano, Jeffrey Dean Morgan Wiederholung: Samstag, 25. Oktober, 01.35 Uhr (Taggenau!) Hinweise Deutsche Homepage zum Film Rotten Tomatoes über „Taking Woodstock“
Wikipedia über „Taking Woodstock“ (deutsch,englisch)
–
Als Bonus gibt es ein Gespräch mit Ang Lee und James Schamus, der die Bücher für fast alle seine Filme schrieb
Dass Kenia irgendwo in Afrika liegt, dürften die Meisten wissen. Aber erst seitdem Marie Steinmann und Tom Tykwer mit „One Fine Day Films“, der DW Akademie und der kenianischen Produktionsfirma „Ginger Ink.“ dort Filme mit einheimischen Filmemachern produzieren und diese Filme einen Einblick in das dortige Leben und die Probleme geben, wissen wir mehr. Bislang liefen bei uns die sehenswerten Filme „Soulboy“, „Nairobi Half Life“ und „Something Necessary“. Auch in „Veve“, dem neuesten Film des Kooperationsprojekts, geht es um Verbrechen.
Regisseur Simon Mukali verfolgt in „Veve“ die Schicksale von einem guten Dutzend Menschen in der Region Maua, deren Leben vom Veve-Anbau und Handel betroffen ist. Veve ist der Slangausdruck für Khat oder Miraa, eine Pflanze, die eine berauschende Wirkung hat und in einigen Ländern, wie Deutschland, verboten ist.
Halbwegs im Mittelpunkt des Films steht Amos, ein Lokalpolitiker, der für den Gouverneursposten kandidiert und einen Geschäftskonkurrenten aus dem lukrativen Khat-Geschäft drängen will. Auf ihn verübt Kenzo, der Amos für den Tod seines Vaters verantwortlich macht, einen Anschlag. Später lernt er, eher zufällig über einen Job als Fahrer, Esther, die Frau von Amos kennen. Sie beginnt eine Affäre mit ihm.
Gleichzeitig gründen die ortsansässigen Bauern, um ihre Forderung nach einem besseren Verdienst besser durchzusetzen, eine Gewerkschaft. Deren Arbeit wird von Clint, einem Möchtegern-Dokumentarfilmer, dokumentiert. Er versucht auch, filmische Beweise für das verbrecherische Tun von Amos zu bekommen.
Und dann gibt es noch Sammy, die rechte Hand von Amos. Er hat allerdings gerade Probleme mit seinem Sohn, der ständig Klebstoff schnüffelt und ein Drogenwrack ist.
Diese viele Plots führen allerdings nicht, wie geplant, zu einer multiperspektivischen Betrachtung des Veve-Handels. Denn keine Geschichte ist wirklich packend, es entsteht auch nie eine auf ein Ziel gerichtete Dynamik. Und so plätschert „Veve“ eher vor sich hin, spricht vieles an, lässt aber für ein westliches Publikum vieles im Dunkeln. Denn Kath ist eine bei uns eher unbekannte Droge, der halblegale Handel ebenso und damit auch die Verflechtung zwischen normaler Wirtschaft und Verbrechen in Kenia.
Daran ändert auch der weiße Pseudo-Videojournalist nichts. Über ihn erfahren wir zwar einiges über den Anbau von Kath, aber letztendlich wird er als Fremdkörper in der Geschichte mitgeschleppt, bis er spurlos aus ihr verschwindet.
Das Hauptproblem des Films ist allerdings, dass gleichzeitigi viel zu viele Geschichten erzählt werden. Hätten die Macher sich auf ein, zwei Geschichten, zum Beispiel der Kampf der Arbeiter zur Gründung einer Gewerkschaft oder die Rachegeschichte von Kenzo konzentriert, hätte aus „Veve“ ein ähnlich starker Film wie die anderen „One Fine Day Films“ werden können.
Veve(Kenia/Deutschland 2014)
Regie: Simon Mukali
Drehbuch: Natasha Likimani
mit Emo Rugene, Lizz Njagah, Conrad Makeni, Lowry Odhiambo, Adam Peevers, Victor Munyua, David Wambugu, Abudakar Mire, Joseph Peter Mwambia, Delvin Mudigi, Gerald Langiri
Länge: 94 Minuten
FSK: ?
– Hinweise Facebook-Seite zum Film Homepage von One Fine Day Films (dort kann der Film für Kinovorführungen bestellt werden) Rotten Tomatoes über „Veve“
Wikipedia über „Veve“ (deutsch, englisch)