TV-Tipp für den 15. Januar: Brügge sehen…und sterben?

Januar 14, 2024

Arte, 21.55

Brügge sehen…und sterben? (In Bruges, Belgien/Großbritannien 2008)

Regie: Martin McDonagh

Drehbuch: Martin McDonagh

Die Profikiller Ray und sein väterlicher Freund Ken sollen nach einem leicht missglückten Mord an einem Priester für einige Tage in Brügge untertauchen. Schnell verwandeln sie die friedliche Stadt in eine Kampfzone. Denn: „Shoot first. Sightsee later.“

Grandiose, mit dem Edgar ausgezeichnete schwarze Komödie

Mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Zeljko Ivanek, Ciarán Hinds

Hinweise

Moviepilot über „Brügge sehen…und sterben?“

Metacritic über „Brügge sehen…und sterben?“

Rotten Tomatoes über „Brügge sehen…und sterben?“

Wikipedia über „Brügge sehen…und sterben?“ (deutsch, englisch)

Filmstew: Interview mit Martin McDonagh

IndieWire: Interview mit Martin McDonagh

Collider: Interview mit Martin McDonagh und Colin Farrell

Time porträtiert Martin McDonagh

New York Times ebenso

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „The Banshees of Inisherin“ (The Banshees of Inisherin, USA 2022)


TV-Tipp für den 14. Januar: Non-Stop

Januar 13, 2024

RTL II, 20.15

Non-Stop (Non-Stop, USA 2013)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: John W. Richardson, Chris Roach, Ryan Engle (nach einer Geschichte von John W. Richardson und Chris Roach)

Während eines Transatlantikflugs erhält Air Marschal Bill Marks (Liam Neeson) eine Erpresser-SMS: der Erpresser droht, bis 150 Millionen Dollar auf sein Konto überwiesen sind, alle zwanzig Minuten eine Passagier zu ermorden. Und schon stirbt der erste Passagier. Während Marks den sich an Bord befindenden Täter sucht, legt dieser Spuren aus, die Marks zum Täter machen.

Spannender Thriller; wie alle Collet-Serra/Neeson-Filme.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Liam Neeson, Julianne Moore, Scoot McNairy, Tom Bowen, Michelle Dockery, Lupita Nyong’o, Nate Parker, Corey Stoll, Omar Metwally, Jason Butler Harner, Linus Roache, Shea Whigham, Anson Mount

Wiederholung: Montag, 15. Januar, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Non-Stop“

Metacritic über „Non-Stop“

Rotten Tomatoes über „Non-Stop“

Wikipedia über „Non-Stop“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (The Shallows, USA 2016)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Commuter“ (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Jungle Cruise“ (Jungle Cruise, USA 2021)


TV-Tipp für den 13. Januar: Der Fall Richard Jewell

Januar 12, 2024

Pro7, 20.15

Der Fall Richard Jewell (Richard Jewell, USA 2019)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Billy Ray

LV: Marie Brenner: American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell (Vanity Fair, Februar 1997), Kent Alexander, Kevin Salwen: The Suspect, 2019

Atlanta, 27. Juli 1996, Olympische Spiele: während eines Konzerts entdeckt der Sicherheitsmitarbeiter Richard Jewell einen verdächtigen Gegenstand. Sofort evakuiert er den Platz und rettet so, bevor die Bombe explodiert, viele Leben. Er wird als Held gefeiert. Und kurz darauf verdächtigt, die Bombe platziert zu haben, um sich als Helden zu inszenieren. Was stimmt?

TV-Premiere. Starkes, auf einem wahren Fall basierendes Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Jon Hamm, Kathy Bates, Nina Arianda, Ian Gomez, Niko Nicotera

Hinweise

Moviepilot über „Der Fall Richard Jewell“

Metacritic über „Der Fall Richard Jewell“

Rotten Tomatoes über „Der Fall Richard Jewell“

Wikipedia über „Der Fall Richard Jewell“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Der Fall Richard Jewell“

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Filme ohne Bienen: „Im letzten Sommer“, „Animalia“, „Baby to go“, „15 Jahre“, „The Royal Hotel“

Januar 12, 2024

Beginnen wir den Überblick über die aktuellen Filmstarts (abgesehen von dem Imkerfilm) mit einem Remake, gehen dann in die Zukunft und reisen über Deutschland nach Australien.

Zehn Jahre nach ihrem letzten Film kehrt Catherine Breillat mit „Im letzten Sommer“ in die Kinos zurück. Sie erzählt die Liebesgeschichte zwischen der ungefähr fünfzigjährigen erfolgreichen Anwältin Anne (Léa Drucker) und dem siebzehnjährigen Théo (Samuel Kircher, Debüt). Théo ist der Sohn ihres Mannes aus erster Ehe. Sie gehören zur Bourgeoisie, haben zwei Mädchen adoptiert und leben ein glückliches und sorgloses Leben. Mit ihrer Affäre setzt Anne das alles aufs Spiel.

Im letzten Sommer“ ist das französische Eins-zu-eins-Remake von May el-Toukhys „Königin“ (Dronningen, Dänemark/Schweden 2019). Wie bei anderen aktuellen Remakes sind die Änderungen so gering, dass es zu einer Frage des persönlichen Geschmacks wird, welche Fassung einem besser gefällt. Und welche Schauspieler man für attraktiver hält. Also Trine Dyrholm im Original als Verführerin oder Léa Drucker. Gustav Lindh im Original als verführten und verführenden Teenager oder Samuel Kircher, der stark an Timothée Chalamet erinnert.

Größere Änderungen gibt es im dritten Akt. Sie ändern aber nichts daran, dass das Remake so nah am Original ist, dass niemand, der das Original kennt, sich das Remake ansehen muss. Es ist, als ob man einen Film, zugegebenen einen guten Film, der interessante moralische Fragen aufwirft und keine seiner Figuren verurteilt, zum zweiten Mal sieht.

Samuel Kircher erhielt die Rolle auf Empfehlung seines Bruders Paul. Der war ursprünglich für die Rolle des Siebzehnjährigen vorgesehen, aber veränderte Drehpläne verhinderten das. Er spielt jetzt in „Animalia“ eine Hauptrolle.

Im letzten Sommer (L’été dernier, Frankreich 2023)

Regie: Catherine Breillat

Drehbuch: Catherine Breillat, Pascal Bonitzer (Mithilfe) (basierend auf dem Drehbuch zu „Königin“ [Dronningen] von May el-Toukhy und Maren Louise Käehne)

mit Léa Drucker, Samuel Kircher, Olivier Rabourdin, Clotilde Courau, Serena Hu, Angela Chen

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Im letzten Sommer“

AlloCiné über „Im letzten Sommer“

Metacritic über „Im letzten Sommer“

Rotten Tomatoes über „Im letzten Sommer“

Wikipedia über „Im letzten Sommer“ (deutsch, englisch, französisch)

Animalia“ hatte seine Premiere in Cannes beim Filmfestival. In Deutschland lief Thomas Cailleys neuer Film beim letzten Fantasy Filmfest als Centerpiece. Und damit dürfte klar sein, in welche Richtung der Film geht.

In der nahen Zukunft verwandeln einige Menschen sich langsam in Tiere. Zuerst sind die Veränderungen kaum zu bemerken. Später wird aus einem Arm ein Flügel und das Sprechvermögen nimmt ab. WiesoWeshalbWarum es zu diesen Mutationen kommt, ist unklar. Aber es kann jeden treffen und der Umgang mit diesen mutierten Menschen ist schwierig. Das spüren auch der sechzehnjährige Emile (Paul Kircher) und sein Vater Francois (Roman Duris). Denn Emiles Mutter verwandelt sich in ein Tier und soll ein ein extra für die mutierten errichtetes Zentrum gebracht werden. Dort soll sie geheilt werden. Francois will in ihrer Nähe bleiben. Deshalb zieht er mit seinem Sohn um in die Provinz. Auf dem Weg zum Zentrum verunglückt der Transporter und die Passagiere flüchten in den Wald.

Während die Polizei die Flüchtlinge sucht, versuchen Francois und Emile sich in ihrem neuen Wohnort einzurichten. Francois will, während er zunehmend verzweifelt in den Wäldern seine Frau sucht, als liebender Vater und Ehemann das Richtige tun. Emilie sucht und findet neue Freunde. Da bemerkt Emilie Veränderungen bei sich. Auch er wird zu einem Tier mutieren.

Animalia“ ist ein atmosphärischer Hybrid aus Science-Fiction-, Horror- und Coming-of-Age-Film, der aus einem Minimum an Erklärungen das Maximum herausholt. Er konzentriert sich dabei auf die Vater-Sohn-Geschichte und wie sie, einzeln und gemeinsam, versuchen, mit den Veränderungen umzugehen.

Animalia (Le règne animal, Frankreich 2023)

Regie: Thomas Cailley

Drehbuch: Thomas Cailley, Pauline Munier

mit Romain Duris, Paul Kircher, Adèle Exarchopoulos, Tom Mercier, Billie Blain, Xavier Aubert, Saadia Bentaïeb, Gabriel Caballero

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (mit Eltern ab 6 Jahren erlaubt [Uhuh])

Hinweise

Moviepilot über „Animalia“

AlloCiné über „Animalia

Rotten Tomatoes über „Animalia“

Metacritic über „Animalia“

Wikipedia über „Animalia“ (deutsch, englisch, französisch)

Bleiben wir in der Zukunft und wenden uns dem Probelm der Schwangerschaft zu. Obwohl das, wenn wir uns Sophie Barthes „Baby to go“ ansehen, kein Problem mehr ist. Rachel (Emilia Clarke) und Alvy (Chiwetel Ejiofor) leben in New York in einer luxuriösen und hochmodernen Wohnung. Es ist ein Biologe, der an das Natürliche glaubt und möglichst viel von der Natur bewahren möchte. Sie ist eine aufstrebende Managerin in einem Tech-Unternehmen. Sie möchte ein Kind und ist erfreut, als sie einen der wenigen Plätze in einer Geburtsklinik bekommt. Dort könnte sie, mit einem künstlichem Brutkasten, Pod genannt, ein Kind bekommen ohne auf ihre Arbeit verzichten zu müssen. Den Pod könnte sie wie eine Babybauch-Attrappe umschnallen, sich dann wie eine normale schwangere Frau fühlen und eine innige Beziehung zu ihrem Baby aufbauen. Begleitet würde sie bei ihrer Schwangerschaft von der Künstlichen Intelligenz der Firma, die sie so anleiten würde, dass ihre Schwangerschaft für ihr Kind optimal verläuft. Auch Alvy könnte den Pod tragen und so schon vor der Geburt eine Verbindung zu seinem Kind aufbauen.

Aber Alvy würde eine natürliche Schwangerschaft bevorzugen.

Barthes‘ Idee mit den Pods für künstliche und glückliche Schwangerschaften ist bestehend. Den daraus entstehenden Konflikt zwischen künstlicher und natürlicher Schwangerschaft formuliert sie schön aus. Sie entwirft dabei, immer mild satirisch überspitzt, eine durchaus glaubwürdige Zukunft. Aber nach einem guten Auftakt wird der Film im zweiten Akt, wenn Alvy der künstlichen Schwangerschaft zustimmt, immer zäher bis hin zu einem schwachen Ende. Und so fühlt sich diese Science-Fiction-Satire trotz guter Ideen, guter Inszenierung, guten Schauspielern und liebevoller Ausstattung fast schon wie eine Zeitverschwendung an.

Baby to go (The Pod Generation, Großbritannien 2023)

Regie: Sophie Barthes

Drehbuch: Sophie Barthes

mit Emilia Clarke, Chiwetel Ejiofor, Vinette Robinson, Rosalie Craig, Jean-Marc Barr, Jelle De Beule

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

ursprünglich als „The Pod Generation angekündigt

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Baby to go“

Metacritic über „Baby to go“

Rotten Tomatoes über „Baby to go“

Wikipedia über „Baby to go“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sophie Barthes‘ „Madame Bovary“ (Madame Bovary, USA/Deutschland/Belgien 2014)

Siebzehn Jahre nach „4 Minuten“ erzählt Chris Kraus die Geschichte von Jenny von Loeben (Hannah Herzsprung) weiter. Die begnadete Pianistin saß fünfzehn Jahre für einen Mord, den sie nicht begangen hat, im Gefängnis. Ihr damaliger Freund war der Täter.

Inzwischen ist ihre Jugendliebe als Gimmiemore (Albrrecht Schuch) bekannt. Aus dem Punker wurde ein erfolgreicher Schlagersänger und er ist Jury-Mitglied einer quotenträchtigen TV-Talentshow, in dem behinderte Musiker gegeneinander antreten.

Die immer noch äußerst unberechenbare und aggressive Jenny will sich an ihm rächen. Zusammen mit einem aus Syrien geflüchteten Musiker, der dort seine Hand, aber nicht seine postivie Lebenseinstellung verlor, beteiligt sie sich an der Talentshow.

Die Story von „15 Jahre“ ist eine wüste Kolportage, die einfach alles in die Geschichte packt, was gerade aktuell ist, einen guten Film oder eine gute Szene abgeben könnte. Dass vieles dabei nicht besonders glaubwürdig und wahrscheinlich ist, nimmt Chris Kraus sehenden Auges in Kauf. Die Schauspieler – Hannah Herzsprung als beständig ausflippende und um sich schlagende Pianistin, Albrecht Schuch als Parodie eines aalglatten TV-Talentshow-Jurors mit atemberaubend schlecht sitzender Perücke – werfen sich lustvoll in die unwahrscheinliche Geschichte und Chris Kraus inszeniert das kraftvoll als Rachefantasie voller physisch und psychisch Versehrter. Das Ergebnis ist halb großartiges Kino, das weder kunstvolles Arthauskino noch banales Kommerzkino ist und nie langweilt.

15 Jahre (Deutschland 2023)

Regie: Chris Kraus

Drehbuch: Chris Kraus

mit Hannah Herzsprung, Hassan Akkouch, Albrecht Schuch, Christian Friedel, Adele Neuhauser, Stefanie Reinsperger, Katharina Schüttler, Désirée Nosbusch

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „15 Jahre“

Moviepilot über „15 Jahre“

Wikipedia über „15 Jahre“

Meine Besprechung von Chris Kraus‘ „Die Blumen von gestern“ (Deutschland 2016)

Nach Australien geht es mit den beiden Rucksacktouristinnen Hanna (Julia Garner) und Liv (Jessica Henwick). Als sie in Sydney ihren letzten Cent verfeiert haben, nehmen sie einen Job als Bedienung in dem titelgebenden „The Royal Hotel“ an. Dieses Hotel liegt im australischen Outback in der Nähe einer abgelegenen Bergbausiedlung. Es ist ein heruntergekommener Schuppen, in dem billiger Alkohol an die prollige Kundschaft, – Einheimische, Bergarbeiter und Quartalssäufer -, verkauft wird. Billy (Hugo Weaving), der Besitzer der Kneipe, heuert immer wieder arbeitssuchende Rucksacktouritinnen an. Für einige Wochen arbeiten sie als billige Arbeitskräfte im „Royal Hotel“.

Kitty Green erzählt vor allem, wie Hanna und Liv in der Kneipe arbeiten und die Kunden kennen lernen. Dabei sind sie immer wieder verstört von der australischen Saufen-bis-zum-umfallen-Trinkkultur und dem sexistischen und primitiven Verhalten der Gäste.

Viel mehr passiert bis zum Ende nicht. Es gibt keine Charakterentwicklung und keine Story, sondern nur die intensive, aber nicht sonderlich in die Tiefe gehende Beschreibung einer Situation und eines Ortes. Denn über die Trinker erfahren wir nur das, was sie in der Kneipe tun. Und das erschöpft sich im trinken und reden. Ein Film wie die Lektüre einer Feldstudie.

Die Inspiration für Kitty Green war Peter Gleesons Dokumentarfilm „Hotel Coolgardie“, den sie ziemlich genau nachstellte.

The Royal Hotel (The Royal Hotel, USA 2023)

Regie: Kitty Green

Drehbuch: Kitty Green, Oscar Redding (inspiriert von dem Dokumentarfilm „Hotel Coolgardie“)

mit Julia Garner, Jessica Henwick, Toby Wallace, Hugo Weaving, Ursula Yovich, Daniel Henshall, James Frecheville, Herbert Nordrum

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Royal Hotel“

Metacritic über „The Royal Hotel“

Rotten Tomatoes über „The Royal Hotel“

Wikipedia über „The Royal Hotel“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Januar: Freies Land

Januar 11, 2024

3sat, 22.25

Freies Land (Deutschland 2020)

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Christian Alvart, Sigfried Kamml

Drei Jahre nach dem Fall der Mauer sollen zwei Polizisten – ein Ossi und ein Wessi – in einer kleinen Gemeinde im östllichen Mecklenburg-Vorpommern zwei spurlos verschwundene Teenager-Schwestern finden. Bei ihren Ermittlungen erfahren sie, dass in den vergangenen Jahren mehrere Mädchen spurlos verschwanden.

Christian Alvarts in Ostdeutschland spielendes Eins-zu-eins-Remake von „Mörderland – La Isla Mínima“ (La Isla Mínima, Spanien 2014). Dabei ist Ostdeutschland nach dem Ende der DDR ein nie überzeugender Ersatz für das Post-Franco-Spanien. Da wäre mehr drin gewesen als ein durchschnittlicher, zu lang geratener Thriller.

Besser das kürzere, buntere und in seiner Gesellschaftsanalyse überzeugendere Original ansehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Felix Kramer, Trystan Pütter, Nora Waldstätten, Ben Hartmann, Ludwig Simon, Uwe Dag Berlin, Leonard Kunz, Michael Specht, Marc Limpach, Alva Schäfer, Nurit Hirschfeld, Alexander Radszun, Marius Marx

Hinweise

Filmportal über „Freies Land“

Moviepilot über „Freies Land“

Wikipedia über „Freies Land“

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Steig. Nicht. Aus!“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Christian Alvarts Sebastian-Fitzek/Michael-Tsokos-Verfilmung „Abgeschnitten“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Freies Land“ (Deutschland 2020)


Neu im Kino/Filmkritik: Jason Statham ist „The Beekeeper“

Januar 11, 2024

David Ayer, Jason Statham, Kurt Wimmer: das sind Namen, die bei Menschen, die auch einen Blick auf den Namen des Regisseurs und Drehbuchautors werfen, Erwartungen wecken. Kurt Wimmer schrieb das Drehbuch für „The Beekeeper“. Zu seinen vorherigen Arbeiten als Autor gehören „Die Thomas Crown Affäre“, „Street Kings“, „Salt“, „Total Recall“ (das überflüssige Remake), „Point Break“ (das nächste überflüssige Remake), „The Misfits – Die Meisterdiebe“ (verzichtbar) und, zuletzt, „The Expendables 4“. Zu seinen Regiearbeiten gehören der gelungene SF-Film „Equilibrium“, die SF-Gurke „Ultraviolet“ und, jüngst, das schlechte Stephen-King-Remake/Prequel/Reboot „Kinder des Zorns“. Das ist deutlich mehr Schatten als Licht.

David Ayer überzeugte als Regisseur mit „Harsh Times – Leben am Limit“, „Street Kings“, „End of Watch“ und „Herz aus Stahl“. „Sabotage“ und „Suicide Squad“ waren dann nicht gut. Bei „Sabotage“ lag es am Drehbuch. Bei „Suicide Squad“ wohl, was man so hört, am Studio. Oder, anders gesagt: an unterschiedlichen Vorstellungen über den Film.

Jason Statham ist, nun, einer unserer liebsten Actionhelden, der hier eine weitere Version seines „Transporters“ Frank Martin und anderer unkaputtbarer Actionhelden liefert. Sogar Superhelden haben irgendeine Achillesferse. Aber nicht dieser Beekeeper (auch in der deutschen Synchronisation wird er immer Beekeeper genannt, was dann nicht mehr bedrohlich, sondern parodistisch wirkt). Der Beekeeper ist ein grotesk unzerstörbarer Held, der mit stoischer Miene gegen ganze Armeen antritt und sie mühelos und ohne eine sichtbare Verletzung tötet.

Wer genau das will, der wird – das kann schon jetzt gesagt werden – „The Beekeeper“ lieben. Es gibt viel Statham-Action. David Ayer inszeniert das mit viel Wumms und, so gut es geht, über die mehr als offensichtlichen Schwächen des Drehbuchs hinweg. Denn das Buch von Wimmer ist so formelhaft schlecht und ambitionslos, dass ich mich fragte, wer dafür Geld ausgibt. Immerhin ist dieser Bauplan für einen Film in seiner Einfachheit und Kunstlosigkeit solide konstruiert. Jede Szene bringt die abstruse Geschichte voran.

Adam Clay (Jason Statham) führt in Massachusetts ein einfaches Leben als Bienenzüchter. Als eines Tages seine überaus nette Nachbarin Eloise Parker (Phylicia Rashad) von Internetbetrügern um ihr Vermögen gebracht wird und sie sich umbringt, beginnt Clay einen Rachefeldzug gegen die Übeltäter. Hinter dem Betrug steckt, wie er nach einem Telefonat weiß, Danford Enterprises und ihr Geschäftsführer Derek Danforth (Josh Hutcherson).

Clays erste Station auf seinem Rachefeldzug ist das Callcenter, von dem aus Eloise Parker angerufen wurde. Er geht rein, verteilt großzügig Benzin, schlägt dabei einige Männer zusammen, gibt den anderen einige Sekunden für die Flucht aus dem Gebäude und jagt das Büro und das Gebäude in die Luft. Danach mordet er sich, ohne eine Miene zu verziehen oder Gefangene zu machen, an die Spitze des Unternehmens.

Halbherzig verfolgt wird er von der FBI-Agentin Verona Parker (Emmy Raver-Lampman), der Tochter von Eloise Parker, und ihrem Partner Matt Wiley (Bobby Naderi).

Auf der Seite des Bösewichts Danforth steht der ehemalige CIA-Direktor Wallace Westwyld (Jeremy Irons). Er ist gleichzeitig Danforths Sicherheitschef und, auf Wunsch von Danforts Mutter, sein Bewacher Westwyld weiß auch, dass die Beekeeper eine geheime, also eine super-supergeheime Gruppe sind, die dann gerufen werden, wenn alle anderen Opionen versagen.

Seien wir ehrlich: „The Beekeeper“ ist ein strunzdummer 80er-Jahre-B-Actionfilm, über dessen politische Implikationen und Ansichten wir besser schweigen.

Clay ist in dieser von Kurt Wimmer geschriebenen Rachefantasie einfach nur ein Todesbote, der jeden umbringt, der sich im näheren Umfeld des Bösewichts befindet und der nicht schnell genug flüchten kann. Das tut er mit der kalten Präzision eines Schädlingsbekämpfers, der einfach seinen Job erledigt und dabei keine Rücksicht auf irgendwelche Nebenwirkungen und Kollateralschäden nimmt. Nebenwirkungen sind in diesem Fall Menschen, die er tötet, weil sie gerade im Weg sind. Er geht dabei mit der Feinfühligkeit einer Dampframme vor. Smart oder gewitzt, wie beispielsweise das „Leverage“-Team in der gleichnamigen TV-Serie, ist er dabei nie.

David Ayer inszeniert die Geschichte, die primär eine Aneinanderreihung äußerst brutaler Actionszenen ist, effizient, schnörkel- und humorlos. Unfreiwilligen Humor gibt es bei einigen absurd schlechten Dialogen. Beispielsweise wenn Adam Clay todernst banale Lebensweisheiten von sich gibt, in denen er keinen Unterschied zwischen Bienen und Menschen macht. Oder wenn er „Ich bin der Beekeeper.“ sagt. Oder wenn über ihn gesagt wird: „Er ist ein Beekeeper.“ Peinliches Schweigen gibt es dann bei den vielen beiläufig und sinnfrei eingestreuten Schimpfworten. In den USA ist das, neben Nacktszenen, der schnellste Weg zu einer hohen Freigabe. Dort erhielt er ein R-Rating. Bei uns ist er ‚frei ab 18 Jahre‘.

Also: wer einen hochenergetisch inszenierten, strunzdummen B-Actionfilm sehen will und sich schon immer fragte, wie „The Transporter“ ohne französischen Humor aussieht, wird hier gut bedient.

The Beekeeper (The Beekeeper, USA/Großbritannien 2023)

Regie: David Ayer

Drehbuch: Kurt Wimmer

mit Jason Statham, Emmy Raver-Lampman, Josh Hutcherson, Bobby Naderi, Minnie Driver, David Witts, Michael Epp, Phylicia Rashad, Jeremy Irons

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Beekeeper“

Metacritic über „The Beekeeper“

Rotten Tomatoes über „The Beekeeper“

Wikipedia über „The Beekeeper“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Ayers “End of Watch” (End of Watch, USA 2012)

Meine Besprechung von David Ayers “Sabotage” (Sabotage, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Herz aus Stahl“ (Fury, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Suicide Squad“ (Suicide Squad, USA 2016)


TV-Tipp für den 11. Januar: Jazzline

Januar 10, 2024

WDR, 01.00

Jazzline: Steve Gadd Band/Anika Nilles

Es gibt ihn: Jazz im Fernsehen. Zu einer Uhrzeit….naja, für die 9-to-5-Arbeiter gibt es die Mediathek, in der es noch mehr Jazzkonzerte gibt und die einen zuverlässig durch die Nacht und den Tag bringen.

Heute, nach der Geisterstunde, zeigt der WDR die Konzerte die die Steve Gadd Band und Anika Miles (mit Band) auf den Leverkusener Jazztagen 2023 gaben.

Schlagzeuger Steve Gadd ist bekannt als Studiomusiker und Begleiter von, um nur einige der bekanntesten Namen zu nennen, Chick Corea, Stanley Clarke, Eric Clapton, Peter Gabriel, Kate Bush, Steely Dan und Paul Simon. Auch beim legendären „Concert im Central Park“ von Simon & Garfunkel saß er am Schlagzeug.

Gadd trat mit Michael Landau (guitar), Travis Carlton (bass), Larry Goldings (keyboards) und Walt Fowler (flugelhorn, trumpet) auf.

Die deutsche Schlagzeugerin Anika Nilles ist jünger und noch unbekannter. Aber in der Szene hat sie bereits mehrere „Rising Star“-Preise bekommen und 2023 war sie für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Schlagzeug/Percussion“ nominiert.

Nilles trat mit Joachim Schneiss (guitar), Johnathan Ihlenfeld (bass), Patrick Rugebregt (keyboards), Hilde Müller (keyboards) und Santino Scavelli (percussion) auf.

Das dürfte eine satte Portion Fusion geben.

In den nächsten Wochen werden weitere Konzerte von den Leverkusener Jazztagen ausgestrahlt.

Hinweis

WDR über die 44. Leverkusener Jazztage (mehr Konzerte)


TV-Tipp für den 10. Januar: Zwielicht

Januar 9, 2024

ZDFneo, 23.15

Zwielicht (Primal Fear, USA 1996)

Regie: Gregory Hoblit

Drehbuch: Steve Shagan, Ann Biderman

LV: William Diehl: Primal Fear, 1993 (Zwielicht)

Staranwalt Vail ist im siebten Himmel: er verteidigt den jungen Messdiener, dem vorgeworfen wird, den Erzbischof von Chicago abgeschlachtet zu haben. Vail will, begleitet von kräftigem Medienrummel, die Unschuld seines Mandanten vor Gericht beweisen.

Wendungsreicher, etwas lang geratener Justiz-Thriller mit guten Leistungen der Darsteller. Vor allem Edward Norton wurde in seinem Spielfilmdebüt für etliche Preise nominiert (unter anderem ein Oscar als bester Nebendarsteller) und er erhielt auch einige, wie den Golden Globe.

Mit Richard Gere, Laura Linney, Edward Norton, Frances McDormand

Hinweise

Washington Post: Nachruf auf William Diehl (29. November 2006)

Rotten Tomatoes über „Zwielicht“

Wikipedia über „Zwielicht“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Januar: Cloud Atlas – Der Wolkenatlas

Januar 8, 2024

HR, 00.00

Cloud Atlas – Der Wolkenatlas (USA/Deutschland 2012)

Regie: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer

Drehbuch: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer

LV: David Mitchell: Cloud Atlas, 2004 (Der Wolkenatlas)

„Cloud Atlas“ ist ein dreistündiger, auf sechs Zeitebenen zwischen 1849 und 2346 spielender Trip, bei dem sechs miteinander verwobene Geschichten, die auch alle unterschiedliche Genres bedienen, zu einer Vision verbunden werden, die auch den Eindruck von viel Lärm um Nichts hinterlässt. Aber die Wachowski-Geschwister und Tom Tykwer liefern einen kurzweiligen, immer interessanten und sehenswerten Film ab, bei dem die Stars, teils kaum erkennbar, in verschiedenen Rollen auftreten.

In meiner Besprechung gehe ich ausführlicher auf die Probleme ein, die ich mit dem Film habe. Dort gibt es auch etliche Clips mit Hintergrundinformationen.

mit Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Zhou Xun, Keith David, Susan Sarandon, Hugh Grant, David Gyasi, Martin Wuttke, Götz Otto, David Mitchell (Cameo als Spion)

Hinweise

Metacritic über „Cloud Atlas“

Rotten Tomatoes über „Cloud Atlas“

Wikipedia über „Cloud Atlas“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowski/Tom Tykwers „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowskis „Jupiter Ascending“ (Jupiter Ascending, USA 2015)

Meine Besprechung von Lana Wachowskis „Matrix Resurrections“ (The Matrix Resurrections, USA 2021)

Meine Besprechung von Tom Tykwers Dave-Eggers-Verfilmung „Ein Hologramm für den König“ (Deutschland/Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 8. Januar: Face/Off – Im Körper des Feindes

Januar 7, 2024

Weil gerade John Woos neuer Film im Kino läuft und Nicolas Cage am 7. Januar seinen Geburtstag feierte

Kabel 1, 20.15

Face/Off – Im Körper des Feindes (Face/Off, USA 1997)

Regie: John Woo

Drehbuch: Mike Werb, Mike Colleary

FBI-Cop Sean Archer kann den Terroristen Castor Troy verhaften. Naja, fast. Denn Castor liegt jetzt im Koma und niemand weiß, wo in Los Angeles die von Castor deponierte Atombombe ist. Also lässt Archer sich auf eine gefährliche und geheime Operation ein: er nimmt das Gesicht von Troy an und schleicht sich in dessen Bande ein. Dummerweise erwacht Castor aus dem Koma und er beginnt Archer zu verfolgen. Mit der gesamten Polizei als willige Helfer. Denn für sie ist der böse Terrorist jetzt der tapfere Kollege Archer.

Grandioser Actionfilm von John Woo auf dem Höhepunkt seiner Hollywood-Karriere. Und das Spiel von John Travolta und Nicolas Cage als Feinde, die ihre Identität wechseln, ist ein großer Spaß.

„Eine faszinierende, atemberaubende Symphonie – virtuos von John Woo komponiert und dirigiert. (…) Hervorragend.“ (Fischer Film Almanach 1998)

mit John Travolta, Nicolas Cage, Alessandro Nivola, Gina Gershon, Dominique Swann, Nick Cassavetes, Colm Feore, CCH Pounder

Wiederholung: Mittwoch, 10. Januar, 01.15 Uhr (Taggenau! – Und dann mit Sicherheit ungekürtz. Der Film ist nämlich ‚frei ab 16 Jahre‘.)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Face/Off – Im Körper des Feindes“

Wikipedia über „Face/Off – Im Körper des Feindes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Woos „Silent Night – Stumme Rache“ (Silent Night, USA 2023)


TV-Tipp für den 7. Januar: Das Fenster zum Hof

Januar 6, 2024

Arte, 20.15

Das Fenster zum Hof (Rear Window, USA 1954)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Wiederholung: Montag, 8. Januar, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Fenster zum Hof“

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. Januar: Fatal Attraction – Eine verhängnisvolle Affäre

Januar 5, 2024

Und wieder verliebt Michael Douglas sich in die falsche Frau:

RBB, 23.30

Eine verhängnisvolle Affäre (Fatal Attraction, USA 1987)

Regie: Adrian Lyne

Drehbuch: James Dearden

Der New Yorker Anwalt Dan Gallagher ist glücklich verheiratet. Als seine Familie für ein Wochenende die Stadt verlässt, lernt er Alex Forrest kennen. Für ihn ist sie nur ein Seitensprung. Aber sie will mehr und drängt sich in sein Leben.

Erfolgreicher Thriller über die grausamen Strafen, die auf böse Taten, wie außerehelichen Sex, folgen und wie die bürgerliche Kleinfamilie bewahrt werden kann.

mit Michael Douglas, Glenn Close, Anne Archer, Ellen Hamilton Latzen, Stuart Pankin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eine verhängnisvolle Affäre“

Wikipedia über „Eine verhängnisvolle Affäre“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Hayao Miyazakis „Der Junge und der Reiher“

Januar 5, 2024

Seinen Rückzug hat Hayao Miyazaki bereits öfter angekündigt. Und hat dann einen weiteren Film gemacht. Trotzdem könnte es dieses Mal stimmen. Schließlich ist er 83 Jahre und die Produktion seines aktuellen Films hat sieben Jahre (vier Jahre länger als ursprünglich geplant) gedauert. Ein Grund war, dass für diesen Animationsfilm zugunsten von Handzeichnungen auf Computertechnik weitgehend verzichtet wurde. Natürlich verzichtet das produzierende Studio Ghibli, die weltweit erfolgreiche und bewunderte japanischen Antwort auf Walt Disney, nicht vollkommen auf Computer. Aber die klassiche Animation wird gepflegt und das sieht man in den Bildern von Hayao Miyazakis neuem Film „Der Junge und der Reiher.“

Die Geschichte spielt während des Zweiten Weltkriegs. Bei einem Luftangriff auf Tokio verliert der elfjährige Mahito seine Mutter. Er wird zu seinem Vater aufs Land geschickt. Dort kommt er in einem alten Herrenhaus, das sich auf einem riesigen Landgut befindet, unter. Für einen Jungen ist das die ideale Gegend für einsame Streifzüge an verbotene Ort und damit verbundener Abenteuer. Wenn da nicht seine alles überwältigende Trauer über den Verlust seiner geliebten Mutter und ein sprechender Graureiher, der ihn anscheinend auf Schritt und Tritt begleitet und nervt, wären.

Eines Tages entdeckt er eine verfallene Turmruine. Als er sie betritt, betritt er, wie Alice in „Alice im Wunderland“, eine andere Welt. Der Graureiher begleitet ihn als Reiseführer mit unklarer Agenda in diese Welt, in der Mahito sich mit seinen Gefühlen und Wünschen auseinandersetzen muss.

Miyazaki, der für seinen Film „Chihiros Reise ins Zauberland“ 2002 auf der Berlinale den Goldenen Bären und später auch den Oscar für den besten Animationsfilm erhielt, lässt in Mahitos Geschichte auch einige Details aus seiner Biographie einfließen. Das ist insofern ungewöhnlich, weil er das sonst nicht tut. Andererseits sind diese biographischen Details eher beliebig. So zog seine Familie während des Krieges aus der Stadt aufs Land. Sein Vater arbeitete ebenfalls in einer Fabrik, die Teile für Kampfflugzeuge herstellte. Mahito soll dem jungen Miyazaki ähneln. Allerdings wurde Miyazaki erst 1941 geboren und seine Mutter überlebte den Krieg um viele Jahre. Sie starb 1983.

Das gesagt, ändert das nichts daran, dass die Geschichte von „Der Junge und der Reiher“ persönlich und zugleich universell ist. Es geht um Trauer, Verlust und das Erwachsenwerden. Das erzählt Miyazaki ausufernd und mit vielen Anspielungen, die ohne Erklärungen wahrscheinlich nur mit der japanischen Kultur gut vertrautes Publikum versteht, in einer wunderschön gezeichneten fantastischen Welt.

In Japan, wo der Film ohne eine große Werbekampagne anlief, hatte er den besten Start eines Ghibli-Films. Auch in Frankreich und den USA war der Film in der Startwoche auf dem ersten Platz.

Und Hayao Miyazaki scheint seinen Ruhestand so zu genießen, dass er jeden Tag in sein Studio-Ghibli-Büro geht und Ideen für seinen nächsten Film aufschreibt.

Der Junge und der Reiher (Kimitachi wa Do Ikiru ka, Japan 2023)

Regie: Hayao Miyazaki

Drehbuch: Hayao Miyazaki

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (mit Eltern ab 6 Jahre – wobei ich die FSK-12 für sehr nachvollziehbar halte)

Internationaler Titel: The Boy and the Heron

Lektüretipp

Wer mehr über das Studio Ghibli und seine bisherigen Filme, die ausführlich vorgestellt werden, werden, sollte sich das informative Buch von Michael Leader und Jake Cunningham besorgen.

Michael Leader/Jake Cunningham: Ghibliothek – Der inoffizielle Guide zu den Filmen von Studio Ghibli

(übersetzt von Katrin Aust)

Panini, 2022

192 Seiten

30 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Junge und der Reiher“

Metacritic über „Der Junge und der Reiher“

Rotten Tomatoes über „Der Junge und der Reiher“

Wikipedia über „Der Junge und der Reiher“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Januar: Basic Instinct

Januar 4, 2024

3sat, 22.25

Basic Instinct (Basic Instinct, USA 1992)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: Joe Eszterhas

San Francisco: Detective Nick Curran (Michael Douglas) soll den Mord an einem ehemaligen Rockmusiker aufklären. Die Hauptverdächtige ist Catherine Tramell (Sharon Stone), Bestsellerautorin von blutigen Sensationsthrillern. Während seiner Ermittlungen verliebt Curran sich in sie.

Der Plot ist 08/15-Noir-Ware. Aber wie Paul Verhoeven das inszeniert und wie er dabei im Rahmen eines Mainstream-Thrillers auf die Skandal- und Sensationslust des notorisch prüden US-amerikanischen Publikums spekuliert, ist große Kunst.

Damals war der Erotikthriller vor allem in den USA ein heftig umstrittener Kinohit und der Beginn einer Welle zahlreicher, bis auf wenige Ausnahmen, schlechterer Erotikthriller.

Heute ist „Basic Instinct“ ein Klassiker.

Mit Michael Douglas, Sharon Stone, George Dzundza, Denis Arndt, Jeanne Tripplehorn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Basic Instinct“

Wikipedia über „Basic Instinct“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Benedetta“ (Benedetta, Frankreich 2021) und der DVD


Neu im Kino/Filmkritik: Verzichtbares „Role Play“

Januar 4, 2024

Emma Brackett (Kaley Cuoco) ist eine glücklich verheiratete Mutter von zwei Kindern und Profikillerin. Ihr Mann Dave (David Oyelowo) und ihre Kinder wissen das nicht. Sie glauben, dass Emma eine von den vielen Reisen gestresste Firmen-Beraterin ist, die auch mal den Hochzeitstag vergisst.

Die Feier soll in einem noblen Hotel in New York nachgeholt werden. Und um den Abend etwas peppiger zu gestalten, tun Emma und Dave so, als ob sie sich zufällig an der Hotelbar begegnen würden. Bevor Dave mit Emma extrem unbeholfen flirten kann, wird sie von einem älteren Mann (Bill Nighy) angesprochen. Er, Bob Kitterman (bzw. Kellerman), ist allerdings kein harmlos-nerviger Handelsreisender, sondern wie Emma ein Profikiller. Er will sie töten und so ein auf sie ausgesetztes Kopfgeld einstreichen.

Emma ist schneller. Und Bill Nighy verabschiedet sich in dem Moment aus dem Film.

Wenige Stunden später, nach einem Blick auf die Überwachungskameras und einem Gespräch mit dem Barkeeper, interessieren sich die New Yorker Polizei und höherrangige Behörden für Emma und Dave. In dem Moment ist Emma auf der Suche nach Antworten bereits in Richtung Berlin verschwunden.

Das könnte das Set-up für eine locker-flockige Actionkomödie sein, die möglicherweise auch einige ernstere Themen anspricht oder, wie Taika Waititi in seinem ebenfalls heute angelaufenem Feelgood-Sportfilm „Next Goal wins“, in einer Metaebene Genreklischees selbstironisch behandelt.

Könnte.

Denn „Role Play“, inszeniert von Thomas Vincent (u. a. einige Folgen der Serien „Bodyguard“ und „Reacher“) nach einem Drehbuch von Seth Owen (u. a. „Das Morgan Projekt“), ist ein Film, der sich nie entscheiden kann, ob er eine Komödie oder ein Thriller sein will. Unentschlossen pendelt er zwischen beiden Genres und findet niemals, oft noch nicht einmal innerhalb einer Szene, einen auch nur halbwegs einheitlichen Erzählton. Außér wir halten Witze, die nicht witzig sind und Spannungsmomente, die nicht spannend sind, für einen einheitlichen Erzählton. Die Action reicht nie über TV-Serienniveau hinaus. Und die Story ist eine vergessenswerte, wenig bis überhaupt nicht durchdachte Ansammlung vertrauter und schon lange nicht mehr ernst zu nehmender Plotelemente, über die ich hier kein weiteres Wort verlieren möchte. Das wären ja Spoiler.

Berlin und Brandenburg sind eine beliebig austauschbare Kulisse. Immerhin wurde der Film vor Ort gedreht.

Role Play (Role Play, USA/Frankreich/Deutschland 2023)

Regie: Thomas Vincent

Drehbuch: Seth Owen

mit Kaley Cuoco, David Oyelowo, Bill Nighy, Connie Nielsen, Rudi Dharmalingam

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Role Play“

Moviepilot über „Role Play“

Metacritic über „Role Play“

Rotten Tomatoes über „Role Play“

Wikipedia über „Role Play“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Taika Waititis Feelgood-Sportkomödie „Next Goal wins“

Januar 4, 2024

Nach einem cholerischen Anfall während eines Spiels haben Thomas Rongens Arbeitgeber genug. Sie entlassen den Trainer. Er ist untragbar und spätestens nach einem Blick auf die Aufzeichnung von seinem jüngsten Anfall will niemand mehr den Irren einstellen. Bis auf die Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa. Die im südlichen Pazifik liegende Inselgruppe ist ein Außengebiet der USA. Die Mannschaft steht auf der FIFA-Rangliste seit Ewigkeiten auf dem letzten Platz. 2001 stellten sie beim Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft einen desaströsen Rekord auf. Ihr Gegner Australien schoss während des Spiels 31 Tore und stellte damit den Weltrekord für den höchsten Sieg in einem Fußballländerspiel auf.

Zehn Jahre später hat sich für die Mannschaft von Amerikanisch-Samoa nichts geändert. Sie stehen immer noch auf dem letzten Platz und sie schießen immer noch keine Tore. Rongen soll das ändern. Als er die Mannschaft sieht, ist er schockiert. Es ist eine Gruppe hoffnungsloser Amateure, die begeistert spielt, aber nicht unbedingt gewinnen möchte.

Die Idee für den Film hatte Taika Waititi schon vor fast zehn Jahren als er die 2014 entstandene Doku „Next Goal wins“ sah. Sie erzählt die Geschichte der Fußballmannschaft von Amerikanisch-Samoa, ihrem Trainer Thomas Rongen und wie es ihnen gelangt, den letzten Platz auf der FIFA-Rangliste zu verlassen. Das war eine herzerwärmende Geschichte, die ein gutes Fundament für einen komischen Feelgood-Film bot. Bis es dann zu den Dreharbeiten und dem jetzt fertigen Film „Next Goal wins“ kam, vergingen einige Jahre. Waititi und sein Co-Drehbuchautor Iain Morris interessierten sich nicht für eine faktengetreue Nacherzählung des Dokumentarfilms und der wahren Geschichte; – wer sich dafür interessiert, sollte sich die spielfilmlange Doku ansehen. Sie ließen sich von der wahren Geschichte inspirieren und fantasierten munter drauflos.

Trotzdem entspricht die Figur, die auf den ersten Blick wie eine sich an den Zeitgeist anbiedernde Modernisierung wirkt, der Realität. Jaiyah Saelua ist eine Faʻafafine; ein in der samoanischen Kultur breit akzeptiertes soziales Geschlecht zwischen Mann und Frau. Sie spielte damals in der Mannschaft mit und wollte als Frau angesprochen werden. Saelua war die erste transsexuelle Spielerin in einem FIFA-Qualifikationsspiel für eine Weltmeisterschaft. Nach den im Film geschilderten Ereignissen spielte sie weiter Fußball und wurde zur FIFA-Botschafterin.

Next Goal wins“ ist sicher Waititis konventionellster Film. Er gibt sich damit zufrieden, die Konventionen eines Feelgood-Films, in dem ein Underdog (in diesem Fall ist der Underdog eine ganze Fußballmannschaft) einen für unmöglich gehaltenen Sieg erringt, zu befolgen. Dabei ironisiert er die Klischees dieser Feelgood-Sportfilme ein wenig. Das gefällt, unterhält kurzweilig, aber auch überraschungsfrei.

Das Ergebnis ist ein zur Toleranz und Akzeptanz aufrufender, altmodischer Feelgood-Film, der tief in den Klischees über das Leben auf einer malerischen Südsee-Insel badet. Die Einwohner von Amerikanisch-Samoa sind so leger und gewitzt, dass sie dem Stinkstiefel Rongen mehr als eine Lektion erteilen. Und für einen Witz hat Waititi immer Zeit.

Next Goal wins (Next Goal wins, USA 2023)

Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Taika Waititi, Iain Morris

mit Michael Fassbender, Oscar Kightley, Kaimana, David Fane, Rachel House, Boulah Koale, Uli Latukefu, Taika Waititi, Will Arnett, Elisabeth Moss

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Next Goal wins“

Metacritic über „Next Goal wins“

Rotten Tomatoes über „Next Goal wins“

Wikipedia über „Next Goal wins“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Next Goal wins“ (eindeutiger Punktsieg für Hollywood)

Meine Besprechung von Taika Waititi „5 Zimmer Küche Sarg“ (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014)

Meine Besprechung von Taika Waititis „Thor: Tag der Entscheidung“ (Thor: Ragnarok, USA 2017)

Meine Besprechung von Taika Waititis „Jojo Rabbit“ (Jojo Rabbit, USA 2019)

Meine Besprechung von Taika Waititis „Thor: Love and Thunder“ (Thor: Love and Thunder, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Sofia Coppola, „Priscilla“ und Elvis Presley

Januar 4, 2024

1959 trifft Priscilla Beaulieu in Deutschland auf einer US-Militärbasis Elvis Presley. Der 24-jährige Weltstar musste für seinen zweijährigen Militärdienst seine gut laufende Karriere als Musiker unterbrechen. Sie ist vierzehn Jahre und, wie viele Teenager, über beide Ohren verliebt in den Rockmusiker. Vor allem nachdem der an Einsamkeit und Heimweh leidende, feinfühlige und sehr höfliche Musiker sich für sie interessiert.

Ihre Eltern sind zunächst skeptisch, aber nachdem Elvis ihnen verspricht, auf Priscilla aufzupassen, darf sie ihn abends begleiten. Nach dem Ende seines Militärdienstes halten sie weiter Kontakt. 1963 zieht die siebzehnjährige Schülerin, mit dem Einverständnis ihrer Eltern, zu Elvis nach Graceland. Elvis hat ihnen versprochen, Priscilla zu heiraten, sobald sie volljährig ist. 1967 heiraten sie. Ihre 2023 verstorbene Tochter Lisa Marie Presley kommt neun Monate nach der Hochzeitsnacht auf die Welt. 1972 trennen Elvis und Priscilla Presley sich. Ein Jahr später erfolgt die Scheidung.

Das sind die historisch verbürgten, allgemein bekannten Eckpunkte, die auch den Rahmen für Sofia Coppolas neuen Film „Priscilla“ liefern. Und die sie zu einer weiteren Studie in Ennui benutzt.

Elvis hängt zwar manchmal zwischen Konzerten und Filmdrehs mit seinen Freunden in Graceland ab, aber in Coppolas Film ist er nur eine Nebenfigur. Im Zentrum steht Priscilla, die sich in Graceland langweilt, alleine ist und melancholisch aus dem Fenster starrt. Sie ist eine Quasi-Gefangene. Sie macht Hausaufgaben, während unten gefeiert wird. Sie erträgt in ihren Privatgemächern die wechselnden Launen von Elvis. Mal ist er herrisch, mal liebevoll, mal wissbegierig.

Dazu präsentiert Coppola Rocksongs, die zu Priscillas Gefühlen passen. Auch wenn die Songs erst später veröffentlicht wurden. Einige Cover-Versionen von Elvis-Presley-Songs sind auch dabei. Diesen freimütigen Umgang mit der Musik praktizierte sie erstmals in ihrem Biopic „Marie Antoinette“. In dem im 18. Jahrhundert in Versailles spielendem Historiendrama kommentieren moderne, teils bekannte Rocksongs die Handlung. Das funktioniert überraschend gut und wurde seitdem von anderen Regisseuren kopiert. Zum Beispiel zuletzt von Frauke Finsterwalder in ihrem Kaiserin-Sisi-Film „Sisi & Ich“.

In „Priscilla“ wurde ihr dieser Schritt von den Rechteinhabern der Elvis-Presley-Songs aufgezwungen. Sie verweigerten ihr die Benutzung und zwangen sie zu der jetzt zu hörenden Musikauswahl. Ihr Mann Thomas Mars und seine Indie-Rockband Phoenix waren für die Songauswahl und Teile der Filmmusik verantwortlich.

Auch sonst bewegt Sofia Coppola sich in „Priscilla“ mit vertrauten Stilmitteln auf vertrautem Terrain. Wieder, wie vor allem in „Lost in Translation“, „Somewhere“ und, mit Einschränkungen, „Die Verführten“ (The Beguiled), vermittelt sie überzeugend das Gefühl, das ihre Protagonistin in einem ereignislosen Warte- und Schwebezustand sind. Priscilla lernt Elvis als Kind kennen und verlässt ihn vierzehn Jahre später als Frau, die die Welt außerhalb ihres goldenen Käfigs nicht kennt. Dazwischen wartet sie auf ihren ständig abwesenden Mann.

Coppola inszeniert diese Ereignislosigkeit sehr gut, aber auch mit einem Hang zur gepflegten Langeweile. Die farbentsättigten Bilder gefallen, die Ausstattung ist stimmig, die Schauspieler sind gut, die Musik ist wohlig vertraut, die Story plätschert vor sich hin. Wenn Priscilla am Filmende Elvis und Graceland verlässt, passiert das weniger wegen eines bestimmten Ereignisses, sondern weil Elvis‘ Verhalten in dem Moment der berühmte letzte Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt. Es ist der Moment, in dem sie sich sagt, dass der Rest ihres Lebens anders sein soll.

Wer dagegen mehr über Priscilla Presley oder Einzelheiten über ihre Beziehung erfahren möchte, muss andere Filme und Bücher, wie Priscilla Presleys Biographie, auf der Coppolas Film lose basiert, studieren.

Priscilla (Priscilla, USA 2023)

Regie: Sofia Coppola

Drehbuch: Sofia Coppola

LV: Priscilla Presley: Elvis and Me, 1985 (Elvis und ich)

mit Cailee Spaeny, Jacob Elordi, Ari Cohen, Dagmara Domińczyk, Tim Post, Lynne Griffin

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Priscilla“

Metacritic über „Priscilla“

Rotten Tomatoes über „Priscilla“

Wikipedia über „Priscilla“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sofia Coppolas „The Bling Ring“ (The Bling Ring, USA 2013)

 


TV-Tipp für den 4. Januar: A bigger Splash

Januar 3, 2024

3sat, 22.25

A bigger Splash (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich

Die Rockmusikerin Marianne (Tilda Swinton) und ihr Freund Paul (Matthias Schoenaerts) wollen auf der italienischen Insel Pantelleria einige ruhige Tage verbringen. Als ihr Ex-Freund Harry (Ralph Fiennes) und seine Tochter Penelope (Dakota Johnson) bei ihnen auftauchen, ist in dem einsam gelegenem Haus mit der Ruhe vorbei.

Wunderschöner Sommerfilm.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson, Aurore Clement, Elena Bucci, Lily McMenamy, Corrado Guzzanti

Hinweise

Moviepilot über „A bigger Splash“

Metacritic über „A bigger Splash“

Rotten Tomatoes über „A bigger Splash“

Wikipedia über „A bigger Splash“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Call me by your Name“ (Call me by your Name, USA 2017)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Suspiria“ (Suspiria, Italien/USA 2018)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Bones and All“ (Bones and All, Italien/USA 2022)


TV-Tipp für den 3. Januar: Coppelia

Januar 2, 2024

Arte, 23.05

Coppelia (Coppelia, Niederland/Belgien/Deutschland 2021)

Regie: Jeff Tudor, Steven De Beul, Ben Tesseur

Drehbuch: Jeff Tudor, Steven De Beul, Ben Tesseur

LV: Léo Delibes: Coppélia ou La Fille aux yeux d’émail, 1870 (Coppelia oder Das Mädchen mit den Glasaugen)

TV-Premiere. Swan und ihre Freunde leben in ihrem Dorf ein mediterran entspanntes Leben. Das ändert sich als Doktor Coppelius eine Schönheitsklinik errichtet und beginnt, zusammen mit seiner Muse, der überirdisch schönen Roboterfrau Coppelia, die Dorfbewohner zu verführen. Er verspricht ihnen Schönheit, sagt aber nichts über den Preis.

Als Swans Freund in die Klinik entführt wird, versucht sie ihn zu retten. Gemeinsam mit ihren Freunden entdecken sie das Geheimnis des Doktors.

Stars der internationalen Ballettszene tanzen sich durch einen weitgehend gezeichneten Stummfilm. Das Ergebnis ist herziges Märchen mit Humor, Musik und Tanz.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Michaela DePrince, Daniel Camargo, Vito Mazzeo, Darcey Bussell, Irek Mukhamedov, Corps de Ballet des Niederländischen Nationalballetts

Hinweise

Filmportal über „Coppelia“

Moviepilot über „Coppelia“

Rotten Tomatoes über „Coppelia“

Wikipedia über das Ballett „Coppelia“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jeff Tudor/Steven De Beul/Ben Tesseurs „Coppelia“ (Coppelia, Niederland/Belgien/Deutschland 2021)


TV-Tipp für den 2. Januar: The Big Lebowski

Januar 1, 2024

Kabel 1, 20.15

The Big Lebowski (The Big Lebowski, USA 1998)

Regie: Joel Coen

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

Ein echter Kultfilm.

Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.

mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara

Hinweise

Homepage des Lebowski Fest

Drehbuch „The Big Lebowski“ von Joel & Ethan Coen

Rotten Tomatoes über „The Big Lebowski“

Wikipedia über „The Big Lebowski“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von Joel Coens „Macbeth“ (The Tragedy of Macbeth, USA 2021)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte