Alice im Wunderland (Alice in Wonderland, USA 2010)
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Linda Woolverton
LV: Lewis Carroll: Alice’s Adventures in Wonderland, 1865 (Alice im Wunderland), Through the Looking-Glass, 1871 (Alice hinter Spiegeln)
Tim Burtons Interpretation der allseits bekannten Geschichte von Alice, die als Kind im Wunderland phantastische Figuren trifft und phantastische Abenteuer erlebt. Bei Burton kehrt sie als junge Erwachsene zurück in das Wunderland, wo sie ihre alten Freunde wieder trifft und ihnen beim Kampf gegen die böse Rote Königin helfen soll.
mit Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Crispin Glover, Matt Lucas
Regulär startet die grandios aussehende 4K-Restaurierung von Jonathan Demmes „Stop Making Sense“ erst am 28. März. Aber bereits am 22., 23. und 24. März gibt in zahlreichen Kinos Previews, für die sich bereits einige Tage vorher einige Karten gekauft werden können. Und, ja, es lohnt sich, den Konzertfilm wieder oder erstmals im Kino zu sehen. Nicht umsonst wird „Stop Making Sense“ immer noch, vierzig Jahre nach seiner Premiere, als einer der besten Konzertfilme genannt. Das liegt an der betont minimalistischen Inszenierung. Nichts lenkt von dem Konzert der Talking Heads und seiner ebenso einfachen, wie durchdachten, schlüssigen und überzeugenden Dramaturgie ab. Jonathan Demme verzichtet auf die bei Rockkonzerten immer wieder nervende Kamera, die hektisch wackelt und zoomt als gäbe es kein Morgen und die nur eine Aufgabe erfüllt: vom Spiel der Band abzulenken. Gleiches gilt für die Bilder vom begeistert klatschendem und mitgröhlendem Publikum. In „Stop Making Sense“ ist das Publikum erst am Filmende für einige Sekunden zu sehen. Bis dahin wird nur die Bühne und was auf ihr geschieht, gezeigt. Ohne Brimborium und von der Musik und dem Spiel der Musiker ablenkenden Effekthaschereien.
An drei Abenden im Dezember 1983 nahm „Das Schweigen der Lämmer“-Regisseur Jonathan Demme mit sieben Kameras im Pantages Theater in Hollywood, Los Angeles, die Konzerte der Talking Heads auf. Dabei konzentrierten sich die Kameras an jedem Abend auf einen anderen Teil der Bühnenpräsentation. Deshalb sehen wir in den Totalen von der Bühne keine Kameras auf der Bühne. Damit es beim späteren Zusammenschnitt keine Probleme mit den Outfits der Musiker gab, trugen sie während der Konzerte immer das gleiche Outfit. Bevorzugt nicht reflektierende dunkle oder neutrale Kleidung. Kein Bandmitglied sollte besonders hervorhoben werden und so den Gesamteindruck stören. Für die Abwesenheit von Publikumsbildern gibt es, auch wenn heute unklar ist, ob das von Anfang an so geplant oder eine glückliche Fügung war, eine einfache Erklärung. An einem Abend wurden auch das Publikum aufgenommen. Dafür musste im Saal Licht eingeschaltet werden. In dem beleuchteten Saal und vor den Kameras reagierte das Publikum verhaltener als in den anderen Shows und die Band spielte, so heißt es, ihr vielleicht schlechtestes Konzert.
Es waren also einige Zufälle und technische Notwendigkeiten, die zu dem gelungenen Gesamteindruck beitragen. Dass an mehreren Abende gefilmt wurde, half. Ebenso dass die Talking Heads für dieses Konzert ein ebenso einfaches, wie überzeugendes, in der vorherigen Tour erprobtes Konzept hatten. Mit jedem Song, beginnend mit David Byrnes Solo-Interpretation von „Psycho Killer“, betreten weitere Bandmitglieder die Bühne. Bühnenarbeiter schieben während der einzelnen Songs immer mehr Bühnenteile und Instrumente auf die zunächst leere Bühne. Später verändert sich das Bühnenbild mit minimalen Mitteln. Während des Konzerts werden auf die hintere Wand der Bühne nur einige Bilder projeziert. Das Bühnenlicht setzt einige Akzente. Es gibt eine schon damals schreiend altertümliche Stehlampe. Und David Byrne tritt in einem Big Suit auf.
Dabei fällt in der Physiognomie eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Band-Mastermind David Byrne und „Oppenheimer“-Schauspieler Cillian Murphy auf. Falls es also demnächst ein Biopic über die Talking Heads gibt, wäre der Hauptdarsteller schon gefunden.
Für die jetzige Kinopräsentation wurde der Film vom Original-Negativ, das seit 1992 unangetastet bei MGM im Filmlager lag, in 4K und Dolby Atmos restauriert. Das Ergebnis überzeugt restlos und die Musik, über die ich jetzt kein Wort verloren habe, ist immer noch grandios.
Stop Making Sense(Stop Making Sense, USA 1984)
Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Jonathan Demme, Talking Heads
mit David Byrne, Chris Frantz, Jerry Harrison, Tina Weymouth, Ednah Holt, Lynn Mabry, Steve Scales, Alex Weir, Bernie Worrell
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Regulärer Kinostart: 28. März 2024
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Die Previews (sortiert nach Ort, Tag, Kino – Mein Tipp: das größte Kino mit dem besten Sound wählen)
DDR, 1980: nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hat, erhält die Charité-Ärztin Barbara Wolff ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann: eine Stelle in einem Krankenhaus an der Ostseeküste. Dort plant sie ihre Flucht und fragt sich, wem sie vertrauen kann.
Gewohnt gelungener Film von Christian Petzold.
mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Rainer Bock, Christina Hecke, Claudia Geisler, Mark Waschke, Jannik Schümann (sein Kinodebüt)
Gekaufte Politik? Europa in der Korruptionskrise(Deutschland 2023)
Regie: Helmar Büchel
Drehbuch: Helmar Büchel
Spielfilmlange Doku über Korruption in der Europäischen Union. Im Mittelpunkt steht dabei die Rekonstruktion des Katar-Korruptionsskandals von 2022, auch bekannt als „Katargate“. Es geht um den Verdacht, dass Abgeordnete und Beamte sich von den Regierungen von Katar, Marokko und Mauretanien bestechen ließen.
Dokumentarisch und ohne Pausen geht es weiter. Um 21.55 Uhr gibt es die Doku „Bittere Früchte – Ausbeutung in der Landwirtschaft“ (Deutschland 2023) und um 23.25 Uhr „Die Unsichtbaren“ (Tschechien/Frankreich 2023; über osteuropäische Billigarbeitskräfte). Alle drei Dokumentarfilme werden zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt.
I killed my Mother (J’ai tué ma Mère, Kanada 2009)
Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan
Xavier Dolans semi-autobiographisches, mitreißendes Debüt über die schwierige Beziehung eines 17-jährigen zu seiner Mutter. Von der Kritik abgefeiert und der Beginn einer erstaunlichen Karriere.
Davor, um 20.15 Uhr zeigt One Dolans zweiten Spielfilm ‚“Herzensbrecher“, um 21.50 Uhr die Kurzdoku „Xavier Dolan – Wunderkind oder Enfant terrible“ und, als Wiederholung, um 23.45 Uhr „Matthias & Maxime“. Ein wahrlich dolanesker Abend
mit Xavier Dolan, Anne Dorval, François Arnaud, Suzanne Clément, Patricia Tulasne
Wiederholung: Samstag, 23. März, 00.05 Uhr (Taggenau! – nach „Herzensbrecher“ um 22.30 Uhr)
Xavier Dolans bester Film (laut Rotten-Tomatoes-Tomatometer): die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Beziehung zu ihrem anstrengendem Sohn, der seine Mutter über alles liebt.
Wenige Tage vor einem zweijährigen Aufenthalt in Australien küsst Maxime, während einer Party mit seinen langjährigen Freunden, aufgrund einer Wette, für einen Studentenfilm seinen Sandkastenfreund Matthias. Daraus ergeben sich einige Gefühlskonfusionen, die ihre Beziehung auf die Probe stellen.
In seinem achten Film bewegt Xavier Dolan (der auch Maxime spielt) sich auf vertrautem Terrain. Aber dieses Mal ist alles ruhiger, normaler und weniger hysterisch als in seinen vorherigen Filmen.
Am 20. März feiert Xavier Dolan seinen 35. Geburtstag. Für One ist das der willkommene Anlass für eine kleine Werkschau. Anschließend, ab 22.05 Uhr zeigt One als TV-Premiere Dolans Miniserie „Die Nacht, als Laurier erwachte“. Am Sonntag, den 17. März, um 23.15 Uhr „Mommy“. Am Montag, den 18. März, um 20.15 Uhr „Herzensbrecher“, um 21.50 Uhr das Kurzporträt „Xavier Dolan – Wunderkind oder Enfant Terrible“ und um 22.10 Uhr sein Regiedebüt „I killed my Mother“.
Mit Xavier Dolan, Gabriel D’Almeida Freitas, Anne Dorval, Harris Dickinson, Catherine Brunet
Vor fünfzehn Jahren verließ Khédidja Korsika. Jetzt kehrt sie für einige Wochen, als Kindermädchen eines vermögenden Pariser Ehepaares, zurück. Begleitet wird sie von ihren beiden Töchtern: der achtzehnjährigen Jessica und der fünfzehnjährigen Farah. Während Khédidja arbeitet, erkunden Jessica und Farah die Insel. Dabei verliebt Jessica sich in Gaïa, die Tochter von Khédidjas Arbeitgebern. Farah stürzt sich dagegen von einer schwierigen Situation in die nächste. Sie legt sich mit einigen Halbstarken an, klaut deren Gras und verkauft es. Sie wird von den Besitzern der Drogen erwischt und verbringt einige Zeit mit Orso, deren Anführer.
In ihrem neuen Film pendelt Catherine Corsini zwischen den drei Frauen und ihren Erlebnissen auf der Mittelmeerinsel. Dabei interessiert sie sich, entgegen des Filmtitels „Rückkehr nach Korsika“ (Le retour), mehr für Jessica und Farah als für deren Mutter Khédidja. Die einzelnen Szenen sind gut beobachtet, auch intensiv gespielt, aber insgesamt plätschert „Rückkehr nach Korsika“ zwischen den einzelnen Geschichten und Ferienepisoden unentschlossen hin und her, ohne dass sich eine wirklich übergreifende Geschichte oder Dramaturgie zwischen den Geschichten, die sie in Haupt- und Nebengeschichten trennen würde, herauskristallisiert. Alles ist ungefähr gleichberechtigt. Vieles wird angesprochen, wenig wird konsequent vertieft. Sogar die viel Filmzeit einnehmenden Liebesgeschichten bleiben eher an der Oberfläche. So haben wir Jessicas Geschichte, die sich in eine Gleichaltrige verliebt und deren Liebe von ihren Eltern umstandslos akzeptiert wird. Gaïas Eltern wollen Jessica, die studieren möchte, sogar mit einer Mietwohnung in Paris unterstützen. Jessica besucht, zusammen mit Gaïa das Haus ihrer Mutter und erlebt eine Überraschung. Daneben erzählt Corsini die Geschichte von Jessicas renitenter Schwester, die sich immer wieder in Schwierigkeiten bringt, Drogen nimmt und natürlich zu viel Zeit mit dem falschen Jungen, einem einheimischen, halbstarken Kleingangster, verbringt. In diesen beiden Handlungssträngen erzählt Corsini auch sehr freizügig von den sexuellen Erlebnissen der beiden Teenagerinnen. Und wir haben die Geschichte von deren Mutter Khédidja. Nach ihrer Abreise aus Korsika brach sie alle Verbindungen zur Insel ab. Jetzt trifft sie wieder einen alten Bekannten und Freund ihres damals verstorbenen Mannes und Vater ihrer Kinder. Sie verbringt einige Zeit mit ihm. Das führt dazu, dass sie sich mit ihrer Vergangenheit, ihrem Leben auf Korsika, auseinandersetzen muss. In einem gewissen Rahmen geht es dabei immer um die Zugehörigkeit zu Gruppen und dem Gefühl, nicht dazu zu gehören. Aber nichts davon hat mehr Folgen oder Bedeutung als ein Urlaubsplausch, der mit der Abreise von dem Urlaubsort endet.
Das hat nie die Qualität von „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und „In den besten Händen“ (La Fracture, Frankreich 2021), ihren beiden vorherigen Filmen.
Rückkehr nach Korsika (Le retour, Frankreich 2023)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Naïla Guiguet, Catherine Corsini
mit Aïssatou Diallo Sagna, Suzy Bemba, Esther Gohourou, Lomane de Dietrich, Cédric Appietto, Harold Orsoni, Marie-Ange Geronimi, Virginie Ledoyen, Denis Podalydès
Der beste Film aller Zeiten (Competencia oficial, Spanien/Argentinien 2021)
Regie: Gastón Duprat, Mariano Cohn
Drehbuch: Andres Duprat, Gastón Duprat (Co-Autor), Mariano Cohn (Co-Autor)
Ein Konzernchef möchte der Welt etwas Bleibendes hinterlassen. Nämlich den besten Film aller Zeiten. Er kauft die Rechte an dem Roman eines Nobelpreisträgers, engagiert eine bei der Kritik beliebte Regisseurin und zwei Stars. Was kann da schiefgehen?
TV-Premiere. Köstliche Farce über Künstler, ihre aufgeblasenen und zerbrechlichen Egos und den Dreharbeiten für ein Meisterwerk, das alle Filmpreise erhalten wird. Wenn es denn jemals fertig gestellt wird..
Was für ein Idiot denkt der geneigte Zuschauer. Denn auch wenn Jonathan Miller (Martin Freeman), verheirateter Lehrer an einer Schule im ländlichen Tennessee, als verkopfter Literaturprofessor keine Filme kennen würde und er nur „Lolita“ als Studie über die verhängnisvolle Beziehung eines älteren Mannes zu einer deutliche jüngeren Frau gelesen hätte, wüsste er, in welchem politischen Klima er in den heutigen USA unterrichtet und welche Dienstanweisungen er unterschrieben hat. Und da steht drin: keine Beziehung zu Schülern. Kein Kontakt zu ihnen außerhalb der Schule. Und sich mit ihnen unter keinen Umständen an einem Ort treffen, an dem es keine Zeugen gibt. Wenn also seine überaus begabte Schülerin Cairo Sweet (Jenny Ortega), die allein in der riesigen Villa ihrer sich ständig auf Reisen befindenden Eltern lebt, ihre Reize spielen lässt, dann gibt es für einen Lehrer nur eine Handlungsoption: Weg! Auf dem schnellsten und kürzesten Weg.
Weil das für einen Film natürlich keine Option ist – dann wäre „Miller’s Girl“ noch vor dem Vorspann um -, beginnen sie eine Beziehung, die letztendlich für ihn problematischer als für sie ist. Mehr soll hier nicht verraten werden; wobei die größte Überraschung in Jade Halley Bartletts Regiedebüt ist, dass ihr Erotik-Thriller harmloser und züchtiger als andere Erotik-Thriller, vor allem natürlich die Erotik-Thriller der neunziger Jahre, ist.
In „Miller’s Girl“ gibt es Anspielungen, die zeigen, dass Drehbuchautorin und Regisseurin Bartlett das Subgenre des Erotik-Thrillers kennt und sie es in raren Momenten auch parodiert. Wegen der zahlreichen Anspielungen und Zitate, die leicht zu entschlüsseln sind, ist „Miller’s Girl“ ein Meta-Erotik-Thriller, der als Versuchsanordnung zum Verhältnis zwischen Literatur und realem Leben gelesen werden kann. In dieser Versuchsanordnung ist auch unklar, wer hier wen warum verführt. Ein guter Thriller ist es nicht. Dafür ist alles zu spannungsfrei, zu künstlich und, letztendlich, zu unglaubwürdig.
Das liegt auch an Szenen von atemberaubender Dümmlichkeit. So ist Miller einverstanden, dass Cairo eine Literaturarbeit im Stil von Henry Miller schreibt. Als sie ihr Henry-Miller-Stück abliefert, ist er entsetzt über den pornographischen Inhalt des Textes. In dem Moment fragte ich mich, was er denn erwartet hat. Eine züchtige, jugendfreie, keine anstößigen Inhalte enthaltende Version einer Henry-Miller-Geschichte?
Und das beschreibt „Miller’s Girl“ ziemlich treffend: ein mit Jenny Ortega und Martin Freeman in den Hauptrollen prominent besetzter, von seiner intellektuellen Brillanz überzeugter Meta-Erotik-Thriller ohne Erotik und Thrill, mit etwas Südstaaten-Schwüle.
Miller’s Girl (Miller’s Girl, USA 2024)
Regie: Jade Halley Bartlett
Drehbuch: Jade Halley Bartlett
mit Martin Freeman, Jenna Ortega, Bashir Salahuddin, Gideon Adlon, Dagmara Dominczyk, Christine Adams, Augustine Hargrave, Elyssa Samsel
Gut, Hipgnosis ist kein ‚englisches‘ Wort, das einem einfach über die Lippen geht und die meisten Menschen werden wahrscheinlich noch nie etwas von Hipgnosis gehört haben. Aber sie kennen deren Bilder. Denn Aubrey ‚Po‘ Powell und Storm Thorgerson, die Gründer von Hipgnosis, einem aus „hip“ und „gnostic“ zusammengesetztem Kunstwort, erschufen zwischen 1968 und den frühen achtziger Jahren, vor dem Siegeszug der CD, zahlreiche legendäre Schallplattencover. Als Richtschnur kann gelten, dass wenn du dich an ein LP-Cover aus den Siebzigern erinnerst, es sehr wahrscheinlich von Hipgnosis ist. Besonders lange und produktiv war, beginnend mit „A Saucerful of Secrets“, ihre Zusammenarbiet mit Pink Floyd. Es folgten für die Band die Covers für deren nächsten LPs. Für „Atom Heart Mother“ fotografierten sie eine Kuh auf einer Wiese. Keiner weiß, was die Kuh bedeuten soll, aber noch heute ist das Cover bekannt. Noch bekannter sind die nächsten beiden für Pink Floyd gestalteten Covers, nämlich das in seiner Einfachheit legendäre Cover für „The Dark Side of the Moon“ auf dem ein Prisma einen weißen Lichtstrahl in seine Spektralfarben bricht und, für „Wish you where here“, das Foto eines brennenden Mannes im Anzug, der einem anderen Mann die Hand gibt. Und, ja, der Mann stand in Flammen, er wurde mehrmals, bis der Wind die Flammen in die richtige Richtung bewegte, angesteckt und er verbrannte sich dabei. Für „Animals“ ließen sie in London zwischen den Schornsteinen eines Kohlekraftwerks ein riesiges aufgeblasenes Schwein aufsteigen.
Die Story, wie dieses Cover letztendlich entstand, ist, auch wenn sie in Fankreisen bekannt ist, zu gut, um sie hier zu verraten. Das geschieht in Anton Corbijn gelungen zwischen SW und, für die Plattencover, Farbe wechselndem Dokumentarfilm „Squaring the Circle – The Story of Hipgnosis“. Wegen den im Film gezeigten, von Hipgnosis gestalteten LP-Covern sollte er unbedingt im Kino gesehen werden. Schon ein LP-Cover ist mit 31,5 cm x 31.5 cm groß. Ein Klappcover ist noch größer, aber auch die kleinste Kinoleinwand ist noch größer und in diesem Fall ist Größe ein wichtiger Faktor. Formal setzt Corbijn auf die aus unzähligen anderen Dokumentarfilmen bewährte Mischung aus historischen Aufnahmen und neuen Interviews. Chronologisch erzählt er die Geschichte der Grafikdesign-Agentur und wie einige ihrer legendären Covers entstanden sind, nach. Durch den Nebel von teils widersprüchlichen Erinnerungen entsteht so auch ein Bild des Exzesses, der damals im Musikbusiness möglich war, und der zu den teilweise extrem kostspieligen Covers von Hipgnosis führte.
Corbijns erster Dokumentarfilm, nach mehreren Spielfilmen und einer langen und erfolgreichen Karriere als Fotograf von Künstlern, vor allem Musiker, und Regisseur von Musikvideos, ist eine süffige Mischung aus Anekdoten, unterlegt von einer fast schon dauerpräsenten pink-floydschen Gitarre und Bildern von Schallplattencovern, bei denen die Grafikdesigner und die Musiker sie als eigenständige Kunstwerke verstanden wissen wollten.
„Squaring the Circle – The Story of Hignosis“ ist das filmische Äquivalent zu einem Gang durch eine gut kuratierte, ästhetisch ansprechend gestaltete Ausstellung, die kurzweilig und gelungen Musik- und Designgeschichte vermittelt und einen in eine Zeit zurückversetzt, als ein LP-Cover als eigenständiges Kunstwerk betrachtet werden konnte. Manchmal war das Cover gelungener als die Musik.
Squaring the Circle – The Story of Hipgnosis (Squaring the Circle – The Story of Hipgnosis, Großbritannien 2022)
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Trish D Chetty
mit Aubrey „Po“ Powell, Paul McCartney, Jimmy Page, Robert Plant, David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters, Noel Gallagher, Glen Metlock, Graham Gouldman, Peter Gabriel, Peter Saville, George Hardie, Humphrey Ocean, Roger Dean, Jill Furmanovsky, Andrew Ellis, Richard Evans, David Gale, Alex Henderson, Jenny Lesmoir-Gordon, Richard Manning, Merck Mercuriadis, Carinthia West
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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und der Musik von (selbstverständlich wird nicht jedes Lied ausgespielt und die Pink-Floydsche Gitarre dominiert den Film, aber die unten stehenden Bands und Musiker geben einen Eindruck von den gezeigten LP-Covern)
Pink Floyd (Shine On You Crazy Diamond, Interstellar Overdrive, Wish You Were Here, Let There Be More Light, Set The Controls For The Heart Of The Sun, A Saucerful Of Secrets, Pow R. Toc H., Atom Heart Mother Suite, Money, Breathe, Time, Shine On You Crazy Diamond Prts 1-5, Exposure, Dogs, Pigs)
Led Zeppelin (The Ocean, No Quarter, The Ocean Live MSG 1973, Nobody’s Fault But Mine, Black Dog)
Wings (Band on the Run, You Gave Me the Answer, My Carnival Live, Letting Go)
10CC (I’m not in Love, Honeymoon with B Troop, The Things We Do For Love, Art For Art’s Sake)
The Nice (Elegy, Hang On To A Dream)
Peter Gabriel (Down The Dolce Vita)
Depeche Mode (I Just Can’t Get Enough)
Throbbing Cristle (Hamburger Lady)
John Coltrane (I’m A Dreamer, Aren’t We All)
Syd Barrett (Baby Lemonade)
Chico Hamilton (Repulsion)
Soft Machine (Hope for Happiness)
Christopher Gunning (Black Magic Theme)
Berliner Philharmoniker (The Blue Danube)
Royal Conertgebouw Orchestra (Also Sprach Zarathustra!)
Der neueste Streich aus dem Haus Blumhouse ist ein weiterer Horrorfilm, der, dank seines geringen Budgets, sein Geld einspielen und der konstant unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dabei sieht die Traumwelt, das Niemals-Jemals, als blaugefärbtes Escher-Labyrinth mit unnatürlichen Bewohnern gut aus und ist, jenseits von Raum, Zeit und Logik, gut für einige überraschende Momente und Bilder. Diese sind vor allem im letzten Drittel des Films. In den ersten Minuten des Films gibt es auch einige Bilder aus dem Niemals-Jemals, die furchteinflößender sind, als alles, was in den folgenden neunzig Minuten passiert.
Zusammen mit ihrem neuen Ehemann, dem tourenden Musiker Max, und den beiden Stieftöchtern, der sechzehhnjährigen Taylor und ihrer jüngeren Schwester Alice zieht die Illustratorin und Kinderbuchautorin Jessica in ihr altes Vorstadt-Elternhaus. Während Jessica für ihr neues Buch Spinnenwesen zeichnet, versucht sie die Vorbehalte, die Taylor und Alice gegen sie haben, zu überwinden. Sie will eine gute Mutter für Max‘ Kinder sein.
Im Keller entdeckt Alice hinter einem Schrank und einer Tür, die einen in schönster Horrorfilm-Tradition anschreit „Nicht öffnen!“, einen Teddy. Sie nennt ihn Chauncey und macht ihn zu ihrem ständigen Begleiter. Der Teddy ist, wie der Titel „Imaginary“ andeutet, ein Imaginärer Freund. Das scheint es bei Kindern öfter zu geben. Auch wenn ich und die Kollegen, mit denen ich mich nach der Pressevorführung über den Film unterhielt, früher keinen Imaginären Freund hatten und niemand Kinder kannte, die einen solchen Imaginären Freund haben oder hatten.
Jedenfalls hat Alice jetzt so einen imaginären Freund, der zunehmend besitzergreifend, bedrohlich und gefährlich wird. Für Alice ist er ein realer Feind, den sie für einen Freund hält. Jessica versucht das Schlimmste zu verhindern – und jetzt kommt einer dieser abgeschmackten Sätze, der das Niveau des Films ziemlich genau beschreibt – um Alice zu retten, muss Jessica sich ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit stellen. Denn Chauncey war auch ihr Imaginärer Freund/Feind.
„Imaginary“ ist auch für den geneigten, jeden Schund akzeptierenden Horrorfilmfan Graubrot. Eine dämonische Puppe und aus der Vergangenheit zurückkehrende böse Geister sind nichts neues im Genre und die meisten Filme mit besessenen Puppen, die in den letzten Jahren im Kino liefen, waren nicht besonders gut. Das gilt auch für „Imaginary“. Die Story recycled vertraute Figuren und Handlungselemente aus älteren Filmen. Die Handlung beschränkt sich budgetschonend weitgehend auf einen Schauplatz und eine Niemals-Jemals-Fantasiewelt, die aus im Studio errichteten alptraumhaften Wänden und Türen besteht. Der Cast besteht aus einer vierköpfigen Familie und einige kurzen Gastauftritten. Die Größe des Casts gibt dem Horrorfilmfan dann auch schon einen Hinweis auf die Zahl der Toten. Es werden nicht viele sein, die einen schrecklichen Horrorfilmtod erleiden könnten.
Immerhin ist „Imaginary“, dank des Verzichts auf eine wackelige Wackelkamera, professionell gefilmt.
Imaginary (Imaginary, USA 2024)
Regie: Jeff Wadlow
Drehbuch: Greg Erb, Jason Oremland, Jeff Wadlow
mit DeWanda Wise, Tom Payne, Taegen Burns, Pyper Braun, Veronica Falcon, Betty Buckley
Nach der Ermordung seines Sohnes beginnt ein Ex-Polizist einen blutigen Rachefeldzug. Sein Ziel ist der von Steven Seagal gespielte Gangsterboss.
TV-Premiere. Soll das wirklich der schlechteste Film von Steven Seagal sein? Will das jemand wirklich wissen? Außer „Alarmstufe Rot“ hat Seagal ja keinen Must-See-Film gemacht. Dann gibt es noch „Einsame Entscheidung“ und „Machete“. Die sind auch gut, aber in diesen Actionfilmen tritt er nur kurz auf und niemand ging wegen ihm ins Kino. In jedem Fall ist „Beyond the Law“ sein bislang letzter Film.
„Ein fader Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Steven Seagal, Johnny Messner, DMX, Zack Ward, Bill Cobbs
Ein Mann für gewisse Stunden (American Gigolo, USA 1980)
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Paul Schrader
„American Gigolo“ Julian (Richard Gere) lebt in Los Angeles als Callboy für die Damen der Oberschicht. Das ist kein Problem, bis sich eine Politkergattin in ihn verliebt und er in ein Mordkomplott hineingezogen wird.
Für Richard Gere war der an der Kinokasse erfolgreiche Film der große Durchbruch als Schauspieler und Paul Schrader, der davor unter anderem das Drehbuch für „Taxi Driver“ schrieb, hatte als Regisseur plötzlich ein ganz anderes Standing in Hollywood.
Heute ist die Charakterstudie eines einsamen Mannes ein Klassiker, der damals allerdings von der Kritik nicht so geliebt wurde: „Paul Schrader hat so gut wie alle Möglichkeiten des Themas verschenkt. (…) Das Produkt verkommt in der Kulisse.“ (Fischer Film Almanach 1981) oder „Elegant inszeniert, mit überlegenswerten Zwischentönen, aber insgesamt in der Behandlung des Themas zu oberflächlich, kommt der Film über anspruchsvollere Unterhaltung nicht hinaus.“ (Lexikon des intenationalen Films)
Dabei ist Julian doch der Prototyp eines oberflächlichen Mannes, der sich (auch berufsbedingt) durch Äußerlichkeiten definiert und der in einer Welt des schönen Scheins lebt. Und Schraders Film eine Vorschau auf die achtziger Jahre.
2007 drehte Paul Schrader mit „The Walker – Ein Freund gewisser Damen“ ein Quasi-Remake/Fortsetzung. Woody Harrelson spielt darin den eleganten Beglücker älterer Damen.
Mit Richard Gere, Lauren Hutton, Hector Elizondo, Nina von Pallandt, Bill Duke
Becoming Nawalny – Putins Staatsfeind Nr. 1 (Deutschland 2024)
Regie: Igor Sadreev, Aleksandr Urzhanov
Drehbuch: Igor Sadreev, Aleksandr Urzhanov
Spielfilmlange Doku, die seit Alexei Nawalnys Tod am 16. Februar 2024 in einem sibirischen Straflager auch online verfügbar ist.
Igor Sadreev und Aleksandr Urzhanov unterhielten sich für ihre Doku über Nawalnys Leben mit Weggefährte, Freunden und Kritikern des Mannes, der zum weltweit bekanntesten russischen Oppositionellen und erbitterten Gegner Putins wurde.
Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan (nach einer Geschichte von Christopher Nolan und David S. Goyer, basierend auf der DC-Comics-Figur)
In Gotham City kämpft ‚Batman‘ Bruce Wayne gegen das Verbrechen.
Heath Ledger, der hier Batmans Gegner, den Joker, spielt, erhielt posthum für diese Rolle einen Oscar als bester Nebendarsteller.
Überzeugender Mittelteil von Christopher Nolans überzeugender Batman-Trilogie. Er zeigte, dass Superheldenfillme nicht blöd sein müssen.
Weil die Oscars zwischen dem Online-Stellen dieses TV-Tipps und der Ausstrahlung des Films verliehen werden, ich sie mir hier in Berlin im Kino ansehen werde (anscheinend gibt es dieses Jahr nur im Hackesche Höfe Kino ein Public Viewing der Preisverleihung), werden die Ergebnisse irgendwann nach Sonnenaufgang nachgetragen. Nolans „Oppenheimer“ ist der große Favorit; Wim Wenders würde ich für seinen neuen Film „Perfect Days“ ebenfalls einen Oscar gönnen.
mit Christian Bale, Michael Caine, Heath Ledger, Gary Oldman, Aaron Eckhart, Maggie Gyllenhaal, Morgan Freeman, Eric Roberts, Michael Jai White
Bevor Christopher Nolan in wenigen Stunden für seinen neuen Film „Oppenheimer“ einige Oscars erhalten wird (sagt das Orakel), können wir uns ein gelungenes Frühwerk ansehen
Arte, 20.15
Insominia – Schlaflos (Insomnia, USA 2002)
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Hillary Seitz (nach dem Drehbuch von Nikolaj Frobenius für Erik Skjoldbjaergs „Insomnia“)
L.-A.-Cop Will Dormer soll zusammen mit seinem Kollegen in Alaska einen Mordfall aufklären. Dabei kämpft er gegen eine interne Korruptionsermittlung und Fehler, die er während der Ermittlungen begeht – und die ihn erpressbar machen.
Gelungenes US-Remake des norwegischen Thrillers „Todesschlaf“, das zwar nicht den rauen Charme des Originals, aber mit Al Pacino und Robin Williams zwei tolle Gegenspieler hat. Und Alaska bietet auch etwas für das Auge.
„Das mag niemanden überzeugen, dem Kinothriller zu formelhaft sind – aber wer solche Genrespiele mag, bekommt hier ein intensives Beispiel geboten.“ (Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 10. Oktober 2002)
Das Drehbuch war für den Edgar Allan Poe Award nominiert.
mit Al Pacino, Robin Williams, Hilary Swank, Maura Tierney, Martin Donovan
Eine Großstadt in Südkorea, Gegenwart: Familie Kim lebt in einer verwanzten, auch mal überschwemmten, viel zu kleinen Kellerwohnung. Die ebenfalls vierköpfige Familie Park lebt in einem schicken Haus. Als der Sohn der Familie Kim bei den Parks einen Job als Nachhilfelehrer erhält, öffnet sich für die Kims die Tür zu einem besseren Leben, die sie skrupellos wahrnehmen.
„Parasite“ ist eine tiefschwarze, sehr präzise Gesellschaftssatire, bei der schnell unklar ist, wer die titelgebenden Parasiten sind. Nachdem der in jeder Beziehung überzeugende Thriller in Cannes abgefeiert wurde, erhielt er u. a. den Oscar als bester Film und den Oscar als bester ausländischer Film.
Bundesdeutsche Provinz, 1971: Drei Kinder hat die Metzgersgattin Erika Gerlach (Anna Schudt) schon. Das Vierte will sie nicht mehr. Die damals noch illegale Abtreibung bringt sie fast um. Danach hilft ihr nur ihre Schwester Charly (Alwara Höfels), die, feministisch bewegt, in Köln in einer Kommune lebt. Mit ihren Kindern zieht Erika bei ihr ein und sie wird, je mehr sie sich ihrer Situation und ihrer Unterdrückung durch ihren Mann und die Verhältnisse bewusst wird, Teil der Frauenbewegung.
TV-Drama, das mit viel Zeitkolorit und glaubwürdigen Figuren ein stimmiges Bild der damaligen Konflikte zeichnet.
mit Anna Schudt, Christian Erdmann, Alwara Höfels, Marie-Anne Fliegel, Lene Oderich, Charlie Schrein, Milla Hammann, Carol Schuler
Sicher nicht ganz zufällig startet einen Tag vor dem Internationalen Frauentag „Sultanas Traum“ im Kino. Bei dem Trickfilm handelt es sich auch um eine Verfilmung von Rokeya Hussains 1905 geschriebener Science-Fiction-Kurzgeschichte „Sultanas Traum“.
Das Problem des Films liegt in dem „auch“. Denn neben der SF-Geschichte (dazu später mehr) geht es auch und vor allem um Ines, ihr Leben, ihre Gedanken und Gefühle. Diese Coming-of-Age-Geschichte nimmt mit ungefähr einer Stunde den weitaus größten Teil des 87-minütigen Films ein.
In Indien entdeckt die Erzählerin des Films, die Künstlerin Inés, in einer Buchhandlung eine Kopie von Hussains 1905 erstmals veröffentlichter Kurzgeschichte „Sultanas Traum“. In wenigen Zeilen (es ist eine sehr kurze Kurzgeschichte) entwirft sie das Bild einer Gesellschaft, in der Geschlechterverhältnisse anders als in der Reallität sind. In der Kurzgeschichte sind die Frauen mächtig, die Männer ohnmächtig und es herrschen paradiesische Zustände. Ausgehend von dieser feministischen Utopie interessiert Inés sich für die Autorin. Regisseurin Isabel Herguera illustriert in ihrem Langfilmdebüt die Kurzgeschichte und die Biographie ihrer Autorin in ausdrucksstarken Bildern. Beide Erzählblöcke erzählt sie sehr fokussiert; – auch wenn es sich einmal um eine verfilmte Kurzgeschichte und einmal um ein Mini-Biopic handelt, das nicht tiefgründiger als der englischsprachige Wikipedia-Artikel ist. Es sind letztendlich zwei Kurzfilme.
Der dritte und umfangreichste Teil des Trickfilms erzählt dann eine sich über den halben Globus erstreckende, nicht so wahnsinnig interessante Coming-of-Age-Geschichte. Jedenfalls irgendwie. Dieser Teil besteht aus Episoden und Begegnungen, die normalerweise zu einem späteren Zeitpunkt nicht wieder aufgenommen werden. Es wird immer unklarer was Herguera erzählen will. „Sultanas Traum“ wird in diesem Erzählblock immer mehr zu einer Meditation mit unklarer Botschaft.
Durchgehend überzeugend sind die in verschiedenen Stilen angefertigten Zeichnungen von traditionellen Aquarellanimationen (für Inés‘ Reise) über Schattentheater (für Hussains Leben) und Animationen im Mehndi-Stil (für die Kurzgeschichte). Das ist eine ornamentale Körperbemalung, für die ausschließlich Henna verwandt wurde.
Sultanas Traum(El sueño de la sultana, Spanien/Deutschland 2023)
Regie: Isabel Herguera
Drehbuch: Isabel Herguera, Gianmarco Serra
LV: Rokeya Hussain (aka Begum Rokeya bzw. Rokeya Sakhawat Hussain): Sultana’s Dream, 1905 (Kurzgeschichte, erschienen in The Indian Ladies Magazine) (Sultanas Traum)
mit (den Stimmen von) Paul B. Preciado, Mary Beard, Miren Arrieta, Mireia Gabilondo
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahre (Uhuh – und hier in Berlin läuft er in der Startwoche in den wenigen Kinos, die den Trickfilm zeigen, nachmittags)