1965, auf einer kleinen Insel vor der Küste Neuenglands: ein zwölfjähriger Pfadfinder verlässt ohne Erlaubnis das Lager der Pfadfinder, seine gleichaltrige Freundin die elterliche Wohnung. Während sie in einer Bucht glückliche Stunden verbringen, werden sie von den Erwachsenen, die ihre eigenen Probleme haben, gesucht.
Wes Anderson!!! Wie gewohnt locker die Genres vermischend mit skurrilen Figuren, zahlreichen Anspielungen, lakonischen Dialogen und vielen bekannten Schauspielern.
mit Bruce Willis, Edward Norton,Bill Murray, Frances McDormand, Tilda Swinton, Jared Gilman, Kara Hayward, Jason Schwartzman, Bob Balaban, Harvey Keitel
Ihr müsst jetzt tapfer sein. Also wirklich tapfer. Denn der Gratis Comic Tag 2021 fällt aus.
Aber 2022 gibt es wieder einen GCT. Wieder am zweiten Samstag im Mai. Das ist 2022 der 14. Mai – und dann ist hoffentlich die Pandemie vorbei. Sonst müssen wir alle wie Deadpool, Iron Man oder Spider-Man herumlaufen.
In ihrem dritten Spielfilm setzt sich Margarethe von Trotta mit der deutschen Nachkriegsgeschichte anhand der Biographie zweier im Zweiten Weltkrieg geborener Schwestern auseinander. Die Inspiration dafür waren Christiane und Gudrun Ensslin. Christiane Ensslin gehört zu den Mitbegründerinnen der Frauenzeitschrift „Emma“; Gudrun Ensslin wurde Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). Und damit ist die Frage des Films doch offensichtlich.
„Die bleierne Zeit“ ist ein Frühwerk von Margarethe von Trotta, die damals für ihren Film als erste Frau in Venedig den Goldenen Löwen erhielt. Neben einigen weiteren Preisen. Erwähnenswert ist, im Rahmen des Deutschen Filmpreises von 1989, der Sonderfilmpreis „40 Jahre Bundesrepublik Deutschland“ (gemeinsam mit „Abschied von gestern“, „Die Brücke“ und „Die Ehe der Maria Braun“).
„In einer sehr differenziert angelegten Rekonstruktion wird – auch durch dokumentarische Einschübe, historische Filmausschnitte und durch Zitate – deutsche Geschichte und Zeitgeschichte, die uns hierzulande angeht, für ein Szenarium adaptiert, das sich konkret auf soziale und politische Realitäten bezieht. (…) Trotz der nicht völlig ’schlackenfreien‘ Realisation eines so komplexen, von rechts und links gleichermaßen beargwöhnten Unternehmens zählt ‚Die bleierne Zeit‘ zu den wenigen und wichtigen bundesdeutschen Filmen, die versuchen, einen Beitrag zur Aufarbeitung jüngster deutscher Vergangenheit zu leisten. (…) Dass der Film auch liberal-demokratische Positionen vertritt, ist der Trotta hier und da angelastet worden. Dass er keinen lupenreinen Klassenstandpunkt bezieht, wen sollte das wundern? Dennoch gehört er in unserer bundesdeutschen Filmlandschaft zu den beeindruckendsten, ehrlichsten und in manchen Sequenzen ungemein beklemmenden Zeitfilmen dieses Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1982)
mit Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Rüdiger Vogler, Verenice Rudolph, Luc Bondy, Doris Schade, Franz Rudnick
Der Einsendeschluss ist vorbei, die Glücksfee rotierte und schickte den armen Blogger mit zwei Paketen zur Post, die an
Helke R. aus Heidelberg
Reinhold H. aus Waldkraiburg
adressiert sind.
Herzlichen Glückwunsch!
Der Anlass für die Verlosung des schwarzhumorigen Noirs „Die Alte“ von Hannelore Cayre ist der Kinostart von „Eine Frau mit berauschenden Talenten“, der äußerst gelungenen Verfilmung des Romans von Jean-Paul Salomé mit der wundervollen Isabelle Huppert:
Darum geht es im Roman: Als die Polizeidolmetscherin Patience Portefeux bei einer Überwachung bemerkt, dass sie die Mutter des Drogenkuriers als liebevoller Pflegerin ihrer Mutter kennt, greift sie spontan in die polizeiliche Maßnahme ein. Vor seiner Verhaftung kann der Kurier die Ware verstecken. Kurz darauf bringt Patience die riesige Menge Haschisch in ihren Besitz. Verkleidet als Madame Ben Barka verkauft sie es an die Pariser Drogenhändler, während die Polizei nach der plötzlich aufgetauchten Drogenverkäuferin fahndet.
Das Urteil: köstliche schwarzhumorige Noir-Gaunerkomödie. Absolut lesenswert und mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.
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Hannelore Cayre: Die Alte
(übersetzt von Iris Konopik)
Argument Verlag, 2019
208 Seiten
18 Euro
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Originalausgabe
La daronne
Éditions Métailié, Paris 2017
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Die Verfilmung
Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)
Regie: Jean-Paul Salomé
Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)
Die Braut trug Schwarz (La Mariée était en noir, Frankreich/Italien 1967)
Regie: François Truffaut
Drehbuch: François Truffaut, Jean-Louis Richard
LV: William Irish (Pseudonym von Cornell Woolrich): The Bride wore black, 1940 (Die Braut trägt Schwarz)
Wenige Sekunden vor der Hochzeit wird der Mann von Julie Kohler erschossen. Sie beschließt, seine Mörder umzubringen.
François Truffauts Hommage an Alfred Hitchcock und eine fast schon chabrolhafte Abrechnung mit der Bourgeoisie.
„Truffaut auf einem ersten Höhepunkt seines Könnens“ schreibt Willi Winkler in „Die Filme von Francois Truffaut“ über „Die Braut trug Schwarz“. Davor drehte Truffaut „Sie küssten und sie schlugen ihn“, „Schießen Sie auf den Pianisten“, „Jules und Jim“, „Die süße Haut“ und „Fahrenheit 451“.
Heute wird „Die Braut trug Schwarz“, wegen einiger Plot-Ähnlichkeiten, oft als Vorbild für „Kill Bill“ genannt. Quentin Tarantino sagt zwar, dass er Truffauts Film nie gesehen habe, was angesichts seines Filmkonsums unwahrscheinlich erscheint. Wahrscheinlich hat er nur vergessen, dass er den Film vor langer, langer Zeit einmal gesehen hat.
Anschließend, um 22.00 Uhr zeigt mit „Der Wolfsjunge“ (Frankreich 1969) einen weiteren Truffaut-Film.
Mit Jeanne Moreau, Claude Rich, Jean-Claude Brialy, Michel Bouquet, Michel Lonsdale, Charles Denner
LV: Robert Sheckley: The Prize of Peril, in „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“, Mai 1958 (Der Tod spielt mit, Kurzgeschichte)
Bernhard Lotz macht bei dem Millionenspiel mit. Die Spielregeln sind ganz einfach: wenn er, gejagt von drei Killern und immer beobachtet von Kameras, eine Woche in Deutschland überlebt und es in das Fernsehstudio schafft, dann erhält er eine Million DM.
Die brilliante, schwarze Satire war wegen eines Rechtsstreits (Menge verwandte Sheckleys Kurzgeschichte ohne Genehmigung) über dreißig Jahre im Giftschrank. Ein TV-Klassiker, der etliche aktuelle Produktionen alt aussehen lässt.
Die Idee einer Menschenjagd vor laufender Kamera wurde auch – ebenfalls auf Sheckleys Kurzgeschichte basierend – in „Kopfjagd – Preis der Angst“ (F 1982, Regie: Yves Boisset, mit Gérard Lanvin, Michel Piccoli) verwandt. Stephen King (aka Richard Bachman) schrieb mit „Menschenjagd“ seine Version. Sie war die Vorlage für den Arnie-Action-Kracher „Running Man“ (USA 1987, Regie: Paul Michael Glaser). Oh, und Sheckley selbst wandelte die Idee für den italienischen Pop-Art-Science-Film-Film „Das zehnte Opfer“ (I/F 1965, Regie: Elio Petri) etwas ab.
Mit Jörg Pleva, Dieter Thomas Heck, Dieter Hallervorden, Peter Schulze-Rohr, Elisabeth Wiedemann, Heribert Fassbender, Ralf Gregan
LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)
Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.
Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.
Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe. Den Edgar gab es natürlich ebenfalls.
mit Kevin Spacey, Russell Crowe, Guy Pearce, James Cromwell, Kim Basinger, Danny DeVito, David Strathairn, Ron Rifkin, Paul Guilfoyle, Simon Baker
„Jener Sturm“ (This Storm, 2019), der zweite Band von James Ellroys zweitem L.A.-Quartett, ist seit einigen Tagen erhältlich.
Die 1942 in Los Angeles spielende, Wahrheit und Fiktion vermischende Story schließt an „Perfidia“, den ersten Band an. „Der Schock von Pearl Harbour sitzt tief. Ansässige Japaner werden zusammengetrieben und interniert. Es gibt ein mörderisches Feuer und einen Goldraub. Es gibt einen Verrat subversiver Kräfte auf amerikanischem Boden. Es gibt einheimische Nazis, Kommunisten und Betrüger. Es ist der Aszendent des Populismus. Es gibt zwei tote Polizisten in einer Spelunke auf dem Jazz-Club-Strip. Und drei Männer und eine Frau haben ein heißes Date mit der Geschichte.“ (so der Verlag vielversprechend über das Buch).
Im Moment steht der Schmöker (gut tausend Seiten!) auf dem siebten Platz der Krimibestenliste.
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James Ellroy: Jener Sturm (Das zweite L.A.-Quartett 2)
(aus dem Amerikanischen übersetzt von Stephen Tree)
Es war einmal – – – ein Mädchen, das anstatt die Schule zu besuchen, sich vor das schwedische Parlament setzte und protestierte. ‚Klimastreik‘ nannte sie ihre Aktion, mit der sie vor den Wahlen auf die schlimmen Folgen der Erderwärmung für ihre Generation hinwies. Und durch Gründe, die in der Doku „I am Greta“ nicht erklärt werden, wurde aus diesem Sitzen vor dem Parlament und ihrer gar nicht so revolutionären Forderung an die Politiker, die Klimakatastrophe ernst zu nehmen, das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 umzusetzen und so die Lebenschancen für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, eine weltweite Bewegung. Überall schlossen Schüler sich in der Bewegung „Fridays of Future“ zusammen. Freitags boykottierten und boykottieren sie den Schulunterricht (gut, in Zeiten von Home-Schooling ist das jetzt etwas anders) und gehen auf die Straße, um für das Klima zu protestieren.
Greta Thunberg, die bei ihren ersten Protesten im August 2018 fünfzehn Jahre alt war, wurde zu einem weltweit gefeierten Idol. Sie wurde auf internationale Konferenzen eingeladen, trat bei Demonstrationen auf und traf sich mit Staatschefs. Denen erklärte sie, dass sie jetzt etwas tun müssen, um das Klima und damit die Lebenschancen künftiger Generationen zu bewahren. Diese nickten meist verständnisvoll.
In seinem chronologisch erzähltem Dokumentarfilm „I am Greta“ verfolgt Regisseur Nathan Grossman Greta Thunberg auf ihrem Weg von Stockholm nach New York zur UN-Klimakonferenz. Er bleibt immer nah an ihr. Neben Greta sind alle anderen Menschen Statisten. Nur ihr Vater ist neben ihr öfter im Bild und redet ausführlicher mit ihr. Das führt zu einigen intimen Momenten, aber die meiste Zeit ist „I am Greta“ das filmische Äquivalent zu einem Starschnitt.
Damit ähnelt „I am Greta“ auf den ersten Blick der Al-Gore-Show „Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft“ (An Inconvenient Sequel: Truth to Power, USA 2017). Auch Al Gore reiste für den Film um die Welt, besucht die Orte, an denen die Folgen der Erderwärmung schon gesehen werden, lässt sich von Experten das Gesehen erklären, redet vor Interessierten und seinen ‚Climate Leaders‘. In diesen Momenten gibt es auch Informationen über die Erderwärmung und Hinweise auf Hoffnung machende Projekte. Das fehlt „I am Greta“. Hier geht es nur um sie. Die Ausschnitte aus ihren öffentlichen Auftritten enden normalerweise nach ihren Eingangsworten, in denen sie ihren Namen und ihr Alter nennt. Ihre Forderungen bleiben diffus. Außer dass das Pariser Abkommen umgesetzt werden soll.
Es wird auch noch nicht einmal versucht zu erklären, warum Greta Thunberg ein weltweites Phänomen werden konnte. Das um sie herum entstandene Netzwerk an Freunden und Unterstützern wird ignoriert. „Fridays for Future“ existiert nur als Plattform für ihre Auftritte. Statements von ihren Eltern, Bekannten, Verwandten, Freunden, Unterstützern und Fachleuten fehlen. Es wird auch jeder Anschein einer Analyse vermieden. Stattdessen gibt es unkommentierte Szenen mit Greta Thunberg im Mittelpunkt: mal auf verschiedenen Bühnen, mal privat im Elternhaus oder im Hotelzimmer und auf dem Segelschiff, in dem sie von Plymouth nach New York zum im September 2019 stattfindendem UN-Klimagipfel fuhr.
Dieser Fokus auf Greta Thunberg und ihre öffentlichen Auftritte ignoriert dann auch die weltweite Klimaschutzbewegung in der Vergangenheit und Gegenwart. Es ist ja nicht so, dass es vor Greta Thunberg keine Umweltschützer gab. In „I am Greta“ sind sie, sofern sie überhaupt auftauchen, Staffage.
Deutlich gelungener in dieser Hinsicht ist Jim Raketes Debütfilm „Now“, in dem er mehrere Klimaaktivisten porträtiert. Der Film startet am 12. November 2020. Jim Rakete ist als Fotograf von Rockmusikern bekannt und die Musik im Film ist auch ziemlich gut.
„I am Greta“ ist dagegen eine einzige Enttäuschung. Jedenfalls wenn man mehr als eine unkritische Ikonenverehrung möchte.
I am Greta (I am Greta, Schweden/Deutschland/USA/Großbritannien 2020)
Regie: Nathan Grossman
Drehbuch: Peter Modestij (Idee und Konzept)
mit Greta Thunberg, Svante Thunberg, Emmanuel Macron, Justin Trudeau, Luisa Neubauer, Anuna De Wever
LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)
Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die danach folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.
Cixin Liu ist Schuld. Seine mit „Die drei Sonnen“ fulminant beginnende Trisolaris-Trilogie war ein weltweiter Erfolg dank einer Übersetzung ins Englische 2014, einem gewonnenem Hugo Award als bester Roman, Nominierungen für den Nebula Award, den Locus Award, den Prometheus Award und den John W. Campbell Memorial Award, und Lob von Präsident Barack Obama, Mark Zuckerberg und George R. R. Martin. Diese Übersetzung ins Englische führte zu weiteren Übersetzungen (die deutsche Ausgabe erschien 2017). Science-Fiction-Fans verschlangen Cixin Lius dicke Bücher. Aber auch Leser außerhalb der Science-Fiction-Szene griffen zu und waren begeistert. Das Interesse an Zukunftsgeschichten aus China stieg. Nur: welche Autoren sollen gelesen werden?
Um sich einen schnellen Überblick über die chinesische Science-Fiction-Szene zu verschaffen und um neue Autoren zu etablieren, ist daher ein Sammelband eine gute Gelegenheit. Vor allem wenn der Sammelband genau mit dem Ziel zusammengestellt wurde, um chinesische Science-Fiction-Autoren einem nicht-chinesischem Publikum vorzustellen.
Mit „Quantenträume – Erzählungen aus China über Künstliche Intelligenz“ legt der Heyne-Verlag jetzt innerhalb eines halben Jahres einen zweiten Band mit chinesischen Science-Fiction-Geschichten vor. Der erste Sammelband „Zerbrochene Sterne“, zusammengestellt von Ken Liu, gab (und gibt) einen guten Überblick über die chinesische Science-Fiction-Szene hinsichtlich wichtiger Autoren, Stile und Themen. Es wird auch deutlich, wie sehr sich chinesische Science-Fiction-Geschichten von den uns vertrauteren angloamerikanischen Science-Fiction-Geschichten unterscheiden. Die Geschichten reflektieren auch immer die Gesellschaft in der sie spielen und wie in ihnen das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft gesehen wird. In den in „Zerbrochene Sterne“ gesammelten Geschichten ist das Individuum öfter Teil eines Kollektivs. Außerdem spielen sie oft in der Vergangenheit oder in Fantasy-Welten.
„Quantenträume“ konzentriert sich dagegen auf das Thema der künstlichen Intelligenz und der damit verbundenen Frage, was eine künstliche Intelligenz von einem Menschen unterscheidet. Also ob eine Künstliche Intelligenz einen eigenen Willen haben kann und ob ihr die Rechte zugeschrieben werden können und sollen, die ein Mensch hat. Oder ob eine Künstliche Intelligenz letztendlich nur eine Sache ist, die wie ein Staubsauger benutzt werden kann. Die von Xia Jia, Liu Yang, Fei Dao, Sun Wanglu, Luo Longxiang, Shuang Chimu, Qiufan Chen, Gu Shi, Liu Weijia, Wang Jinkang, Hao Jingfang, Baoshu, A Que, Ling Chen und Han Song geschriebenen Geschichten sind dabei deutlich weniger von einem bestimmten Gesellschaftsbild geprägt als die in „Zerbrochene Sterne“ publizierten Geschichten. Künstliche Intelligenz, Computer und die Ideen für eine Interaktion zwischen Mensch und Computer unterscheiden sich in ihrer Anwendung und theoretischen Diskussion darüber zwischen dem Westen und China kaum. Im Westen werden diese Fragen in Geschichten (und uns hier nicht interessierenden Sachbüchern, Aufsätzen, Essays und Berichten) schon lange diskutiert, während Myriaden mehr oder weniger intelligenter und bedrohlicher Roboter den Menschen helfen oder ihnen das Leben zur Hölle machen. Manchmal machen sie ihnen das Leben zur Hölle, indem sie ihnen helfen wollen.
Auch wenn die Autoren in ihren zwischen 2000 und 2020 in der Zeitschrift „Renmin Wenxue – Volksliteratur“ erschienenen Geschichten immer wieder eigene Akzente setzen, drängt sich immer wieder der Eindruck auf, dass man diese Geschichten so ähnlich schon einmal gelesen hat und die Pointe deshalb kennt.
Im Gegensatz zu „Zerbrochen Sterne“, der die Tür weit aufstieß zu einer bislang unbekannten Science-Fiction-Kultur, ist „Quantenträume“ insgesamt etwas enttäuschend. Die fünfzehn Geschichten sind okay, aber keine begeistert wirklich. Letztendlich wirken sie oft wie die Versuche eines durchaus begabten Schülers, der seinen Meister nachahmt.
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Jing Bartz, Shi Zhanjun, in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift ‚Renmin Wenxue – Volksliteratur‘ (Hrsg.): Quantenträume – Erzählungen aus China über künstliche Intelligenz
(mit einem Vorwort von Cixin Liu)
(übersetzt von Karin Betz, Johannes Fiederling, Marc Hermann, Michael Kahn-Ackermann und Eva Lüdi Kong)
Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)
Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.
Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.
Der Joker, Black Mask, Sinestro, der Riddler, Harley Quinn, Lex Luthor und Ocean Master sind die Namen einiger Bösewichter, die DC-Fans aus unzähligen Comics und inzwischen sehr vielen Filmen kennen. Besiegt werden diese Bösewichter immer wieder von den DC-Helden Batman, Superman, Green Lantern und Aquaman, die ihre sinistren Pläne immer wieder in letzter Minute verhindern.
Um frisches Leben in diese Routine der Verbrechensbekämpfung zu bringen, hat Bösewicht Lex Luthor jetzt „Das Jahr des Schurken“ ausgerufen. Damit das Jahr ein voller Erfolg für das Verbrechen wird, bietet er den Superbösewichtern alles an, um ihre Träume zu verwirklichen und ihren Heldenerzfeind endgültig zu vernichten.
Das ist die Prämisse, die den jetzt in zwei Sammelbänden vorliegenden Geschichten zugrunde liegt. Die kurzen Geschichten können unabhängig voneinander gelesen werden.
Im ersten Sammelband sind „Der Joker. Das Jahr des Schurken“ (geschrieben von John Carpenter [der bekannte Horrorfilmregisseur] und Anthony Burch, gezeichnet von Philip Tan), „Black Mask: Das zweite Gesicht“ (geschrieben von Tom Taylor, gezeichnet von Cully Hamner), „Sinestro: Mikronen-Management“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Yildiray Cinar) und „Der Riddler: Danke für Nichts“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Scott Godlweski) enthalten.
Im zweiten Sammelband sind „Lex Luthor: Nur Luthor“ (geschrieben von Jason Latour, gezeichnet von Bryan Hitch), „Ocean Master: König“ (geschrieben von Dan Watters, gezeichnet von Miguel Mendonca) und „Harley Quinn: Harley Quinns Schurke des Jahres“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Mike Norton) enthalten.
Auf den ersten Blick ist es eine schöne Idee, den bekannten Schurken eine eigenständige Geschichte zu geben. Sie zum Protagonisten einer Geschichte zu machen und ihre Wünsche Realität werden lassen. Auf den zweiten Blick bemerkt man schnell ein Problem, das in den Geschichten nicht oder nur unbefriedigend gelöst wird. Denn jetzt müssen die Bösewichter irgendwie zu einem Werkzeug für das Gute werden oder sich einem bislang unbekanntem persönlichen Problem, das einem bis dahin herzlich egal war, stellen. Die Bösewichter dürfen letztendlich das Angebot von Lex Luthor, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Gegner zu töten, nicht annehmen.
Dabei gefällt einem bei den Comicbösewichtern gerade, dass sie so unverhohlen, ungebremst, radikal Böse sind. Und ihre grandiosen Pläne in schönster Regelmäßigkeit scheitern, weil die Superhelden doch schlauer sind. .
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Das Jahr des Schurken – Band 1
Panini Comics, 2020
140 Seiten
16,99 Euro
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enthält
The Joker: Year of tje Villain 1 (Dezember 2019)
Black Mask: Year of the Villain 1 (Oktober 2019)
Sinestro: Year of the Villain 1 (Oktober 2019)
The Riddler: Year of the Villain (Dezember 2019)
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Das Jahr des Schurken – Band 2
Panini Comics, 2020
108 Seiten
13 Euro
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enthält
Lex Luthor: Year of the Villain 1 (November 2019)
Ocean Master: Year of the Villain 1 (Februar 2020)
Harley Quinn’s Villain of the Year 1 (Februar 2020)
LV: José Saramago: O Homen Duplicado, 2002 (Der Doppelgänger)
Uniprofessor Adam Bell entdeckt in einem Spielfilm einen Statisten, der sein Doppelgänger sein könnte. Er beginnt ihn zu suchen, trifft ihn – und es wird immer undeutlicher, was real ist, was nicht und was das alles miteinander zu tun hat.
Herrlicher Mindfuck von Denis Villeneuve, der gerade mit „Dune – Der Wüstenplanet“ beschäftigt ist. Seine hochkarätig besetzte Frank-Herbert-Verfilmung soll, nach aktueller Planung, irgendwann Ende 2021 (und damit ungefähr ein Jahr später als ursprünglich geplant) in unsere Kinos kommen.
LV: Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer, 2006
Eisenhüttenstadt, DDR, 1956: eine Abiturklasse steht spontan für eine Schweigeminute für die Opfer des ungarischen Volksaufstands auf. Der Regierung gefällt das überhaupt nicht. Sie will unbedingt den oder die Rädelsführer dieser subversiven, staatsgefährdenden Tat finden.
TV-Premiere der äußerst gelungenen politischen Version von „Der Club der toten Dichter“. Kraumes Drama ist ein überzeugendes, auf einer wahren Geschichte basierendes Plädoyer für Zivilcourage.
mit Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Jonas Dassler, Isaiah Michalski, Ronald Zehrfeld, Jördis Triebel, Florian Lukas, Burghart Klaußner, Michael Gwisdek
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Die lesenswerte Vorlage (hier die Ausgabe zum Filmstart)
Eine reine Formalität(Una pura formalità, Italien/Frankreich 1993)
Regie: Giuseppe Tornatore
Drehbuch: Giuseppe Tornatore, Pascal Quignard (Dialoge)
Ein Inspector (Roman Polanski) verhört den bekannten Schriftsteller Onoff (Gérard Depardieu). Er glaubt, Onoff habe einen Mord begangen.
In CinemaScope gedrehtes Kammerspiel, das bei uns seine Premiere im Fernsehen hatte.
„Brillanter mysteriöser Psychothriller, der durch die kafkaeske Atmosphäre und die vielen ungelösten Fragen einen intensiven Grad der Verstörung erreicht.“ (Fischer Film Almanach 1999)
Zu Giuseppe Tornatores anderen Filmen, zu denen er auch normalerweise das Drehbuch schrieb, gehören „Cinema Paradiso“ (Nuovo Cinema Paradiso, 1989), „Allen geht’s gut“ (Stanno tutti bene, 1990), „Die Legende vom Ozeanpianisten“ (Novecento – La leggenda del pianista sull’oceano, 1998) und „Der Zauber von Malèna“ (Malèna, 2000).
mit Gérard Depardieu, Roman Polanski, Sergio Rubini, Nicola Di Pinto, Tano Cimarosa, Paolo Lombardi
Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississipi, Frankreich/Italien 1969)
Regie: François Truffaut
Drehbuch: François Truffaut
LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)
Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.
Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)
Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die spielfilmlange Doku „Belmondo, der Unwiderstehliche“ (Frankreich 2017)
Am Montag, den 19. Oktober, präsentiert Arte einen François-Truffaut-Abend mit „Die Braut trug schwarz“ (Frankreich/Italien 1968; ebenfalls nach einem Roman von Cornell Woolrich) (um 20.15 Uhr) und „Der Wolfsjunge“ (Frankreich 1969) (um 22.00 Uhr).
mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet, Nelly Borgeaud, Marcel Berbert
Dank der netten Pressedamen, die mir ein Angebot machten, das ich nicht ablehnen konnte (Drogen waren nicht im Spiel), kann ich zwei Exemplare von Hannelore Cayres „Die Alte“ verlosen.
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Die Verlosung der zwei Romane endet am Freitag, den 16. Oktober, um Mitternacht (also um 23.59 Uhr).
In den Betreff müsst ihr „Verlosung Cayre“ schreiben und in der Mail an info@axelbussmer.de muss eine deutsche Postadresse stehen.
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Darum geht es im Roman: Als die Polizeidolmetscherin Patience Portefeux bei einer Überwachung bemerkt, dass sie die Mutter des Drogenkuriers als liebevolle Pflegerin ihrer Mutter kennt, greift sie spontan in die polizeiliche Maßnahme ein. Vor seiner Verhaftung kann der Kurier die Ware verstecken. Kurz darauf bringt Patience die riesige Menge Haschisch in ihren Besitz. Verkleidet als Madame Ben Barka verkauft sie es an die Pariser Drogenhändler, während die Polizei nach der plötzlich aufgetauchten Drogenverkäuferin mit er 1-A-Ware fahndet.
Das Urteil: köstliche schwarzhumorige Noir-Gaunerkomödie. Absolut lesenswert und mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.
–
Hannelore Cayre: Die Alte
(übersetzt von Iris Konopik)
Argument Verlag, 2019
208 Seiten
18 Euro
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Originalausgabe
La daronne
Éditions Métailié, Paris 2017
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Die Verfilmung
Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)
Regie: Jean-Paul Salomé
Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)
1648: Zwei Jesuitenpater reisen in das gottlose Japan. Dort soll ihr Mentor Gott abgeschworen haben.
Alle paar Jahre dreht Martin Scorsese einen seiner religiösen Filme. „Silence“ ist, trotz beeindruckender Bilder, sein schwächster dieser Filme. Das Drama ist ein religiöses Erbauungstraktat, das mit gut drei Stunden Laufzeit auch die Geduld des langmütigsten Zuschauer über Gebühr strapaziert.
Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.
Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.
Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.
Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.
Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.
Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.
Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.
Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.
Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.
Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.
Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.
Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.
Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.
Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.
„Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).
Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.
Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.
2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.
Vergiftete Wahrheit(Dark Waters, USA 2019)
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan
LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)
mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper
Länge: 128 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des sehenswerten (Habe ich das schon einmal gesagt?) Justizthrillers