Neu im Kino/Filmkritik: Herr Anderson schickt Frau Jovovich „In the Lost Lands“

März 6, 2025

In einer postapokalyptischen „Mad Max“-Welt (für Jüngere: „Borderlands“), in der die Zivilisation, wie wir sie kennen, zusammengebrochen ist, es wieder Hexen, Zauberei und alles was dazu gehört, gibt und Herrschaft wieder über irgendwelche monarchistischen Thronfolgen und Intrigen geregelt wird, erfüllt die Hexe Gray Alys (Milla Jovovich) Wünsche. Allerdings werde das Ergebnis, warnt sie die Bittsteller immer, nicht unbedingt so sein, wie der Wünschende es sich wünscht. In den gefährlichen Lost Lands kann sie Dinge und Wesen finden, die sonst niemand finden kann.

Jetzt soll die Hexe Gray Alys für eine liebestrunkene Königin einen Werwolf. Er soll sich in den Lost Lands am Skull River aufhalten soll. Bei der Suche hilft ihr der immer einen Cowboyhut tragende Jäger Boyce (Dave Bautist). Er ist auch so etwas wie der Erzähler des Films.

Zu zweit machen sie sich auf den Weg – und schnell fliegen Pixelwolken, die Blut symbolisieren sollen, über die Leinwand.

Geschrieben und inszeniert wurde „In the Lost Lands“ von Paul. W. S. Anderson. Basieren tut der Fantasyfilm auf drei von George R. R. Martin in den siebziger und frühen achtziger Jahren geschriebenen Kurzgeschichten. Ab 1996 veröffentlichte Martin die Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ (A Song of Ice and Fire), die als „Game of Thrones“ verfilmt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bei den beteiligten Personen, u. a. Paul W. S. Anderson und Milla Jovovich (um nur die bekanntesten Namen zu nennen), erwartet niemand ein zum Nachdenken anregendes Arthauswerk. Man erwartet ein trashiges B-Movie-Spektakel im Stil von „Resident Evil“. In der an der Kinokasse erfolgreichen SF-Actionreihe inszenierte Anderson seine Frau Milla Jovovich als schlagkräftige Actionheldin. Das tut er hier wieder. Die Welt ist eine dieser Ramschladen-“Mad Max“-Welten, in der überall Schrott herumliegt, exzessiv mit Farbfiltern gearbeitet wird und die raren Actionszenen in einem Chaos von Schnitte enden. Zum Western wird „In the Lost Lands“ wegen des Sandes, den Pferden und einigen Waffen, die es schon im Wilden Westen gab. Oder die aussehen, als hätte es sie damals gegeben. Die Story bemüht am Ende mit einigen Twist dem vorher gezeigten eine neue Bedeutung zu geben. Aber wen interssiert das in dem Moment noch?

Sogar mit der reduzierten Erwartung, eine „Resident Evil“-Variante mit Western-Touch zu erleben, langweilt „In the Lost Lands“ auf ganzer Linie.

In the Lost Lands (In the Lost Lands, Deutschland/Kanada/USA 2025)

Regie: Paul W. S. Anderson

Drehbuch: Constantin Werner (nach einer Geschichte von Paul W. S. Anderson und Constantin Werner)

LV: George R. R. Martin: The Lonely Songs of Laren Dorr (1976), Bitterblooms (in Cosmos Science Fiction and Fantasy Magazine, November 1977), In the Lost Lands (in Amazons II, DAW Collectors #485, 1982)

mit Milla Jovovich, Dave Bautista, Arly Jover, Amara Okereke, Fraser James

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „In the Lost Lands“

Moviepilot über „In the Lost Lands“

Metacritic über „In the Lost Lands“

Rotten Tomatoes über „In the Lost Lands“

Wikipedia über „In the Lost Lands“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Monster Hunter“ (Monster Hunter, Deutschland/Kanada/China/Japan 2020)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ sollen raus aus ihrem Viertel

März 6, 2025

Für seinen zweiten Spielfilm bleibt Ladj Ly in der Pariser Banlieue – und erzählt eine gänzlich andere Geschichte. Am besten betrachtet man „Die Unerwünchten – Les Indésirables“ als gelungene Ergänzung zu seinem Debüt „Die Wütenden – Les Misérables“, das 2020 bei uns im Kino lief.

In ihm erzählt er die Geschichte von drei Zivilpolizisten und, nachdem ein Löwenjunge aus einem Zirkus gestohlen wird, einer etwas aus dem Ruder laufenden Schicht, Dabei entsteht das gelungene Porträt von einem Stadtviertel in Paris, in dem sich die sozialen Probleme ballen und die Stimmung ständig kurz vor dem Siedepunkt ist.

In „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ konzentriert er sich auf die städtische Angestellte Haby Keita (Anta Diaw) und den Arzt Pierre Forges (Alexis Manenti). Er wird, nachdem der Amtsinhaber überraschend stirbt, von seiner Partei zum Bürgermeister befördert.

Beide leben in verschiedenen Welten. Sie lebt in Les Grands Bosquets, kennt die Bewohner seit ihrer Kindheit und hilft ihnen. Sie ist eine von ihnen.

Er lebt in seiner noblen Vorstadtvilla und kennt den sozialen Brennpunkit Les Grands Bosquets letztendlich nur aus den Schlagzeilen der Tageszeitung. Politik ist, auch wenn sie hier noch auf lokaler Ebene praktiziert wird und Pierre keine Ahnung von der Politik hat, ein Teil des Lebensstils des etablierten Bürgertums. Es ist keine Notwendigkeit, sondern ein Hobby, bei dem man sein soziales Engagement beweisen kann. Wie dieses Engagement dann mit eigenen Interessen verknüpft ist, zeigt Ladj Ly in „Die Unerwünschten“.

Zwischen den Geschichten von Haby und Pierre herrscht ein Ungleichgewicht, das sich durch den ganzen Film zieht. Sie ergänzen sich nicht, sondern stehen sich im Weg. Ihre Geschichte ist formal ein klassisches Sozialdrama und eine dichte Milieustudie im Ken-Loach-Stil. Seine Geschichte ist dagegen ein Politdrama, die Geschichte eines Mannes, der von der Macht verführt wird. Das ist formal aufklärerisches und die Herrschenden anklagendes Polit-Kino, wie man es aus den siebziger Jahren und von Regisseuren wie Constantin Costa-Gavras kennt.

Dabei ist Pierres Geschichte die eindrucksvollere. Ladj Ly zeigt, wie aus einem politisch unbedarften Arzt ein Menschen verachtendes Monster wird. Von seinen Parteifreunden wird er in den Job gestoßen, um die Zeit bis zur Wahl zu überbrücken. Er ist ein Übergangs- und Verlegenheitskandidat, von dem nur erwartet wird, dass er keine großen Fehler macht. Aber dann will er das Werk seines Vorgängers fortsetzen und das Leben der Menschen in dem Viertel verbessern. Darunter versteht er reaktionäre und ausländerfeindliche Aktionen, die immer noch gerade so legal sind. So lässt er das schon seit Ewigkeiten baufällige Banlieue-Mietshaus in dem arme Einwanderer leben, an Weihnachten räumen, weil der Bau angeblich akut einsturzgefährdet sei. Das ist Quatsch, aber so kann er seine unnötig gemeine Aktion mit Wohltätigkeit und Besorgnis um die Menschen tarnen. Was nach der rücksichtslos durchgeführten Räumung mit den auf der Straße sitzenden Mietern passiert, ist ihm egal. Außerdem ist so der Weg frei für ein schon lange geplantes Bauprojekt. Bislang konnte es nicht verwirklicht werden, weil die Mieter nicht ausziehen wollten.

In Pierres Geschichte zeigt Ladj Ly, wie Politik funktioniert, wie aus einem halbwegs anständigem Mann ein eiskalter Rechtspopulist wird. Seine Untaten ummäntelt er mit Wohltätigkeit. Dabei entwickelt er ein auch seine Parteikollegen überraschendes politisches Talent und Bosheit beim Durchsetzen seiner Ziele.

Bei einer ihrer Begegnungen entschließt Haby sich spontan, gegen ihn zu kandidieren. Ihre Familie wanderte aus Mali ein. Sie ist in dem Viertel verwurzelt, weil sie dort lebt und arbeitet und alle kennt. Sie ist, auch ohne es zu ahnen, die gute Seele des Viertels. In dem Moment ist es nur eine in ohnmächtiger Wut getanene Ankündigung auf die zunächst keine Taten folgen. Auch später wird ihr Wahlkampf mehr mitgeschleppt als konsequent erzählt. Offensichtlich interessiert Ladj Ly sich nicht für diese eigentlich interessante Geschichte. So bleibt Habys Geschichte vor allem eine nah an den Menschen erzählte Milieustudie.

Beide Geschichten bieten Stoff für einen guten Film. Beide Geschichten könnten auch in einem Film gut erzählt werden, wenn die richtigen Momente ausgewählt würden und die richtige Balance zwischen Haupt- und Nebengeschichte gefunden würde. In „Die Unerwünschten“ stehen sie sich im Weg. Zu vieles wird angerissen und dann nicht richtig weiter erzählt. Das macht „Die Unerwünschten“ nicht zu einem schlechten Film, sondern zu einem Film, der besser hätte sein können. Sehenswert ist er trotzdem und eine gelungene Ergänzung zu seinem Debüt „Die Wütenden“.

Das war jetzt die Empfehlung für ein Double Feature.

Die Unerwünschten – Les Indésirables (Les Indésirables/Bâtiment 5, Frankreich 2023)

Regie: Ladj Ly

Buch: Giordano Gederlioni, Ladj Ly, Dominique Baumard

mit Anta Diaw, Alexis Manenti, Aristote Luyindula, Steve Tientcheu, Aurélia Petit, Jeanne Balibar, Judy Al Rashi

Länge: 105 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

AlloCiné über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

Metacritic über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

Rotten Tomatoes über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

Wikipedia über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Ladj Lys „Die Wütenden – Les Misérables“ (Les Misérables, Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Jonathan Eusebios Actionkomödie „Love hurts – Liebe tut weh“

März 6, 2025

In „Love hurts – Liebe tut weh“, dem Debütfilm von Jonathan Eusebio, gibt es reichlich gewalttätige Action. Die schwer malträtierten Männer tauchen nach jedem Kampf, egal wie sehr sie in ihm verletzt wurden und wie oft sie eigentlich tot oder im Krankenhaus sein müssten, in der nächsten Szene wieder auf. Etwas lädiert vielleicht, aber ungebrochen in ihrer Lust auf die nächste Verletzung ihres Körpers. Sie sind Cartoon-Figuren in menschlicher Gestalt.

Das verwundert wenig. Denn „Love hurts – Liebe tut weh“ ist der neue Film der Produzenten von „Nobody“, „Violent Night“ und „The Fall Guy“. Wobei „Nobody“ der passende Referenzfilm ist. „Nobody“ ist auch der bessere Film.

Protagonist von „Love hurts – Liebe tut weh“ ist Marvin Gable, ein überaus dienstbeflissener Immobilienmakler in Milwaukee. Er ist höflich, nett, harmlos. Und ein ehemaliger Auftragskiller. Seinen letzten Auftrag führte er nicht aus. Er ließ das Opfer Rose Carlisle entkommen und begann sein neues, gänzlich andere Leben.

Jetzt kehrt Rose zurück und plötzlich muss Marvin sich mit ihr, seinem verbrecherischen Bruder und ener Bande überaus mordgieriger Killer herumschlagen.

Ke Huy Quan, der vor vierzig Jahren in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ als kleiner Junge und Begleiter des Helden bekannt wurde, später ungefähr zwanzig Jahre als Schauspieler pausierte (er arbeitete hinter und abseits der Kamera weiter im Filmgeschäft) und für seine Rolle in der allseits beliebten SF/Fantasykomödie „Everything Everywhere all at Once“ den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, übernahm die Hauptrolle. Er spielt Marvin als brutales Update von Jackie Chan.

Die Story selbst ist ziemlich einfach. Aber sie wird denkbar chaotisch präsentiert. Die Action ist selbstverständlich handgemacht und gelungen. Eigentlich ist „Love hurts“ eine Bewerbungsmappe des bereits bekannten und bewährten Stuntteams für ihren nächsten Film, garniert mit plakativem Humor und einigen einfallsreichen Bildern bei den Kämpfen, in denen alle möglichen Geräte und Gegenstände, die sich in einem Haushalt befinden oder gerade in Griffnähe sind, gegen Menschen eingesetzt werden.

Das Ergebnis ist ein kurzweiliger, durchaus derber Spaß irgendwo zwischen Jackie Chan und Hongkong-Actionkino mit, wie der Titel andeutet, etwas Liebe. Und keine Minute zu lang.

Jonathan Eusebio war als Stuntman und Second-Unit-Regisseur unter anderem in „Violent Night“, „The Fall Guy“, die „John Wick“-Filme, etliche Superheldenfilme wie „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“, „Deadpool 2“, „Black Panther“, „Doctor Strange“ und „The Avengers“ und Actionfilme wie „Fast & Furious 8“, „Matrix Resurrections“ und „Haywire“ involviert.

Love hurts – Liebe tut weh (Love Hurts, USA 2025)

Regie: Jonathan Eusebio

Drehbuch: Matthew Murray, Josh Stoddard, Luke Passmore

mit Ke Huy Quan, Ariana DeBose, Daniel Wu, Mustafa Shakir, Lio Tipton, Cam Gigandet, Marshawn „Beastmode“ Lynch, Sean Astin

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

ursprünglicher US-Titel: With love

Hinweise

Moviepilot über „Love hurts“

Metacritic über „Love hurts“

Rotten Tomatoes über „Love hurts“

Wikipedia über „Love hurts“


TV-Tipp für den 6. März: Der Glanz der Unsichtbaren

März 5, 2025

WDR, 23.40

Der Glanz der Unsichtbaren (Les Invisibles, Frankreich 2018)

Regie: Louis-Julien Petit

Drehbuch: Louis-Julien Petit, Marion Doussot, Claire Lajeunie

LV: Claire Lajeunie: Sur la route des invisibles, femmes dans la rue

Eine Tagesstätte für obdachlose Frauen soll geschlossen werden. Leiterin Manu (Corinne Masiero) und ihr Team erhalten von der Stadtverwaltung eine letzte Frist, die sie mit dem Mut der Verzweifelten nutzen.

Wunderschöne Feelgood-Komödie mit Ken-Loach-Touch und vielen Laienschauspielerinnen, die sich selbst spielen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Audrey Lamy, Corinne Masiero, Noémie Lvovsky, Déborah Lukumuena, Adolpha van Meerhaeghe, Patricia Mouchon, Khoukha Boukherbache, Assia Menmadala, Marianne Garcia, Laetitia Grigy

Hinweise

Moviepilot über „Der Glanz der Unsichtbaren“

AlloCiné über „Der Glanz der Unsichtbaren“

Rotten Tomatoes über „Der Glanz der Unsichtbaren“

Wikipedia über „Der Glanz der Unsichtbaren“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Louis-Julien Petits „Der Glanz der Unsichtbaren“ (Les Invisibles, Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Louis-Julien Petits „Die Küchenbrigade“ (La brigade, Frankreich 2022)


Johannes Groschupf erzählt von der „Skin City“

März 5, 2025

Berlin im Sommer 2024: Die Polizistin Romina Winter will herausfinden, wer ihre kleine Schwester zusammengeschlagen hat. Später will die Romni auch Wissen, wer für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Sie glaubt, dass beide Straftaten miteinander zusammen hängen. Als Polizistin soll sie mit ihrem älteren Kollegen gegen eine Bande Einbrecher ermitteln, die im Stadtgürtel von Berlin und im Umland Villen ausrauben. Koba gehört zu dieser dreiköpfigen aus der georgischen Hauptstadt Tiflis kommenden Bande. Ihre Einbrüche arbeiten sie nach einem vorher von ihrem Boss festgelegten Plan ab. Bei einem Einbruch verletzt Koba sich an einer Fensterscheibe und fällt für einige Tage aus. Danach möchte er in Kanada ein neues Leben beginnen.

Ebenfalls zur gleichen Zeit wird Jacques Lippold aus dem Gefängnis entlassen. Er verbüßte eine zweijährige Strafe wegen Betrugs. Kurz nach seiner Entlassung beschließt er, als Kunstberater Geld zu verdienen. Auch wenn er einiges über Kunst weiß, ist er nicht am Aufbau eines ehrlichen Geschäfts interessiert. Entsprechend zielgenau auf die Erwartungen seiner vermögenden Kundschaft inszeniert er in der verlassenen Lungenheilstätte am Grabowsee seinen ersten Maler, der sich sehr seltsam benimmt und kurz vor seinem großen Durchbruch stehen soll. Die potentiellen Käufer sind begeistert.

Gleich drei Geschichten erzählt Johannes Groschupf auf schlanken 240 Seiten in seinem neuen Thriller „Skin City“. Zuerst gibt es keine offensichtliche Verbindung zwischen ihnen. Aber das ändert sich ziemlich schnell. Und wie Groschupf diese dann am Ende anders als erwartet zusammenbringt, ist große Krimikunst. Die Figuren sind, wie in seinen vorherigen Noirs, aus dem Berliner Großstadtleben gegriffen und eng mit der Metropole verknüpft. Geschrieben hat Groschupf seine Geschichte dann entlang der Hintergrundgeschichten aktueller Schlagzeilen.

Johannes Groschupf: Skin City

Suhrkamp, 2025

240 Seiten

17 Euro

Hinweise

Suhrkamp über Johannes Groschupf

Wikipedia über Johannes Groschupf

Meine Besprechung von Johannes Groschupfs „Berlin Prepper“ (2019)

Meine Besprechung von Johannes Groschupfs „Die Stunde der Hyänen“ (2022)

Johannes Groschupf stellt „Skin City“ vor

Mittwoch, 5. März

Berlin

Veranstalter: Georg Büchner Buchladen, Suhrkamp Verlag

Mittwoch, 12. März

Berlin

Veranstalter: Bezirksamt Reinickendorf

Freitag, 21. März

Berlin

Veranstalter: Berlin-Instanbul Literaturtage

Montag, 28. April

Oranienburg

Veranstalter: Landkreis Oberhavel, Regionalmuseum Oberhavel

Samstag, 14. Juni

Seddiner See

Veranstalter: Heimvolkshochschule Seddiner See


„Mal goes to War“, der neue Roman von „Mickey 7“/„Mickey 17“-Autor Edward Ashton

März 5, 2025

Bevor in wenigen Stunden die Verfilmung von Edward Ashtons bekanntestem Roman „Mickey 7“ ins Kino kommt – und allein schon, dass „Parasite“ Bong Joon-ho die Regie und Robert Pattinson die Hauptrolle übernommen haben, weckt das Interesse des Filmfans an „Mickey 17“ – werfen wir einen Blick auf seinen neuen Roman. „Mal goes to War“, sein fünfter Science-Fiction-Roman, erschien vor wenigen Tagen in der deutschen Übersetzung bei Heyne.

Der titelgebende Mal ist eine künstliche Intelligenz, die problemlos von Wirt zu Wirt springt und ihn mehr oder weniger umfassend kapert. Als seine Verbindung zum Infospace, seiner Heimat, abgeschnitten wird, muss er sich überlegen, wie er zu einem Ort gelangen kann, an dem er wieder eine Verbindung zum Infospace aufbauen und dorthin zurückkehren kann. Bis dahin flüchtet er sich zuerst in die Hightech-Implantate der toten Söldnerin Mika. Mika soll auf die wie ein Teenager aussehende Kayleigh aufpassen. Sie ist in Wirklichkeit schon viel älter und genetisch verändert. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg durch ein zukünftiges Amerika, in dem zwischen Federales, die ihre Körper durch Implantate und Genmanipulationen veränderten, und Humanisten, die solche Veränderungen ablehnen, Bürgerkrieg herrscht.

Auf ihrem gemeinsamen Weg erleben sie viele Abenteuer, ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten (und dass Mals Wissen über die Menschen vor allem aus alten Hollywood-Filmen kommt [die für ihre präzise Darstellung des Lebens von Liebespaaren und Soldaten bekannt sind]) sorgen für amüsante Wortgefechte. Ihr Umgang mit Gefahren sorgt für überraschende Kampfverläufe. So kann Mal schwuppdiwupp von einem Körper zum nächsten wechseln. Und Kayleigh verhält sich nicht wie ein kleines Mädchen.

Kurz nach dem Beginn ihrer Reise nehmen sie Asher gefangen. Der Soldat wird ihr widerspenstiger Kriegsgefangener.

Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht: einen witzigen Science-Fiction-Roman über ein Amerika im Krieg mit sich selbst und über Künstliche Intelligenz und was sie in Zukunft tun kann, zu schreiben. Die Idee, die Geschichte aus der Sicht einer KI zu erzählen, verspricht eine neue Perspektive. Die Geschichte entwickelt sich nach dem alten Groschenheft-Prinzip „wenn ich nicht weiter weiß, taucht einfach ein Mann mit einer Pistole auf“. Es passiert ständig etwas, aber nichts davon bleibt im Gedächtnis. Das liegt daran – und das wird bei dem konfusen Ende überdeutlich -, dass Ashton keine Idee davon hat, was Mal will, welches Ziel er erreichen will und was passiert, wenn er es nicht erreicht. Mal entwickelt auch keine eigene Persönlichkeit.

Das gleiche gilt für die anderen Figuren. Sie bleiben austauschbare Schießbudenfiguren.

Über den Krieg zwischen den einzelnen Fraktionen und was sie in diesem Krieg erreichen wollen, erfahren wir auch nichts. Und natürlich ist KI in diesem Fall nur ein Gimmick. Mal und die anderen KIs, die er trifft, sind einfach nur dumme Computerprogramme.

Der Humor ist von der nett-harmlosen, sich weitgehend in Blödeleien erschöpfenden Art. Das kann man erkältet auf der Couch oder, in einigen Monaten, schwitzend am Strand weglesen, während man darüber spekuliert, was John Scalzi aus dieser Idee gemacht hätte.

Meine Besprechung der Edward-Ashton-Verfilmung „Mickey 17“ gibt es zum Filmstart. Hier gibt es schon einmal den vielversprechenden Trailer:

Edward Ashton: Mal goes to War – Ein KI-Thriller

(übersetzt von Felix Mayer)

Heyne, 2025

400 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Mal goes to War

St. Martin’s Press, 2024

Hinweise

Homepage von Edward Ashton

Heyne über Edward Ashton

 


TV-Tipp für den 5. März: Das Ereignis

März 4, 2025

Arte, 20.15

Das Ereignis (L’événement, Frankreich 2021)

Regie: Audrey Diwan

Drehbuch: Audrey Diwan, Marcia Romano, Anne Berest

LV: Annie Ernaux: L’événement, 2000 (Das Ereignis)

Frankreich, 1963: die kurz vor dem Abschluss ihres Studiums stehende Anne wird ungewollt schwanger. Zu dem Zeitpunkt sind Schwangerschaftsabbrüche strafbar und alle, mit denen sie über einen möglichen Abbruch spricht oder die ihr auch nur irgendwie dabei helfen (oder nicht die Polizei informieren) machen sich ebenfalls strafbar. Eine heimlich durchgeführte Abtreibung ist auch gefährlich.

TV-Premiere. Das intensive Drama erhielt 2021 in Venedig den Goldenen Löwen als Bester Film.

Weil in den USA mit einer Gerichtsentscheidung das Recht auf Abtreibung abgeschafft wurde, gibt es jetzt in immer mehr US-Bundesstaaten mehr oder weniger drakonische Verbotsregeln. Was diese Verbote anrichten, zeigt Audrey Diwan in ihrem auf einer wahren Geschichte beruhendem Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Anamaria Vartolomei, Kacey Mottet Klein, Luàna Bajrami, Louise Orry-Diquéro, Louise Chevillotte, Pio Marmaï, Sandrine Bonnaire

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Das Ereignis“

Moviepilot über „Das Ereignis“

Metacritic über „Das Ereignis“

Rotten Tomatoes über „Das Ereignis“

Wikipedia über „Das Ereignis“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Audrey Diwans „Das Ereignis“ (L’événement, Frankreich 2021)


Cover der Woche

März 4, 2025

Grandioses Buch, grandiose Verfilmung.


TV-Tipp für den 4. März: Super 8

März 3, 2025

ZDFneo, 21.45

Super 8 (Super 8, USA 2011)

Regie: J. J. Abrams

Drehbuch: J. J. Abrams

Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.

Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)


Die Nominierungen für die ITW Thriller Awards 2025

März 3, 2025

Die International Thriller Writers (ITW) hat die Nominierungen für die diesjährigen ITW Awards veröffentlicht.

Wer also auf der Suche nach thrillendem Lesestoff, Herzrasen und damit verbundenen schlaflosen Nächten – also einem Rundumsorglospaket – ist, sollte mal einen Blick auf diese Kriminalromane werfen:

BEST STANDALONE THRILLER NOVEL

Kimberly Belle — THE PARIS WIDOW (Harlequin – Park Row)

Will Dean — THE CHAMBER (Emily Bestler Books)

T.J. Newman — WORST CASE SCENARIO (Little, Brown & Co.)

Jason Rekulak — THE LAST ONE AT THE WEDDING (Flatiron Books)

Lisa Scottoline — THE TRUTH ABOUT THE DEVLINS (Penguin/Putnam)

BEST STANDALONE MYSTERY NOVEL

Libby Cudmore — NEGATIVE GIRL (Datura Books)

Laura Dave — THE NIGHT WE LOST HIM (Simon & Schuster)

Kellye Garrett — MISSING WHITE WOMAN (Mulholland Books)

Harry Hunsicker — THE LIFE AND DEATH OF ROSE DOUCETTE (Oceanview Publishing)

Dervla McTiernan — WHAT HAPPENED TO NINA? (William Morrow)

Lori Roy — LAKE COUNTY (Thomas & Mercer)

BEST SERIES NOVEL

David Baldacci — TO DIE FOR (Grand Central Publishing)

Eric Beetner — THE LAST FEW MILES OF ROAD (Level Best Books)

Ann Cleeves — THE DARK WIVES (Minotaur)

Meg Gardiner — SHADOWHEART (Blackstone Publishing)

Iris Johansen, Roy Johansen — FLASHBACK (Grand Central Publishing)

Isabella Maldonado — A FORGOTTEN KILL (Thomas & Mercer)

BEST FIRST NOVEL

Kate Brody — RABBIT HOLE (Soho Crime)

Jaime deBlanc — AFTER IMAGE (Thomas & Mercer)

Carinn Jade — THE ASTROLOGY HOUSE (Atria)

Alejandro Nodarse — BLOOD IN THE CUT (Flatiron Books)

Marie Tierney — DEADLY ANIMALS (Henry Holt & Co.)

BEST AUDIOBOOK

Sally Hepworth — DARLING GIRLS (Macmillan) – Narrated by Jessica Clarke

Jon Lindstrom — HOLLYWOOD HUSTLE (Dreamscape Media) – Narrated by Jon Lindstrom

Kate Alice Marshall — NO ONE CAN KNOW (Macmillan Audio) – Narrated by Karissa Vacker

Hilton Reed — BEYOND ALL DOUBT (Dreamscape Media) – Narrated by George Newbern

Amy Tintera — LISTEN FOR THE LIE (Macmillan) – Narrated by January LaVoy and Will Damron

BEST YOUNG ADULT NOVEL

Adam Cesare — INFLUENCER (Union Square & Co., LLC)

Ripley Jones — THE OTHER LOLA (Wednesday Books)

Marisha Pessl — DARKLY (Delacorte)

Natalie Richards — 49 MILES ALONE (Sourcebooks Fire)

Melanie Sumrow — GIRLS LIKE HER (Balzer + Bray)

BEST SHORT STORY

Stefanie Leder — NOT A DINNER PARTY PERSON (Soho Crime)

Twist Phelan — DOUBLE PARKED (Ellery Queen Mystery Magazine)

Ivy Pochoda — JACKRABBIT SKIN (Amazon Original Stories)

Lisa Unger — THE DOLL’S HOUSE (Amazon Original Stories)

Joseph S. Walker — AND NOW, AN INSPIRING STORY OF TRAGEDY OVERCOME (Wildside Press)

Die Preisverleihung ist am Samstag, den 21. Juni 2025, im New York Hilton Midtown (New York City) während dem ThrillerFest XX.


Die Oscars 2025

März 3, 2025

Nachdem ich die Preisverleihung mit einigen guten Bekannten und netten Menschen live verfolgte (was die Verleihung sehr kurzweilig machte), gibt es schon jetzt die vollständige Liste der Oscar-Gewinner und -Nominierten. Bei den Gewinnern gab es einige Überraschungen, nämlich dass „Anora“ so einen grandiosen Durchmarsch machte (hatte ich zwar gehofft, aber ich gab dem typischen Oscar-Drama „The Brutalist“ und diesem Timothée-Dylan-Film die höheren Chancen), dass Demi Moore keinen Oscar erhielt und dass „Emilia Prez“, nachdem der Film in den letzten Wochen viel Gegenwind erhiet, sich doch ziemlich gut schlug.

Insgesamt bin ich zufrieden mit den Gewinnern und insgesamt gab es, auch wenn es in einigen Kategorien keinen eindeutigen Favoriten gab, erstaunlich wenig Überraschungen.

Hier die vollständige Liste der 97. Oscar-Preisverleihung:

Best Picture

GEWINNER “Anora” (Neon)

“The Brutalist” (A24)

“A Complete Unknown” (Searchlight)

“Conclave” (Focus Features)

“Dune: Part Two” (Warner Bros.)

“Emilia Pérez” (Netflix)

“I’m Still Here” (Sony Pictures Classics) („Für immer hier“ startet am 13. März und wird dann abgefeiert)

“Nickel Boys” (Orion Pictures/Amazon MGM Studios)

“The Substance” (Mubi)

“Wicked” (Universal)

Directing

GEWINNER “Anora” (Neon) Sean Baker

“The Brutalist” (A24) Brady Corbet

“A Complete Unknown” (Searchlight) James Mangold

“Emilia Pérez” (Netflix) Jacques Audiard

“The Substance” (Mubi) Coralie Fargeat

Writing (Adapted Screenplay)

“A Complete Unknown” (Searchlight) Screenplay by James Mangold and Jay Cocks

GEWINNER “Conclave” (Focus Features) Screenplay by Peter Straughan

“Emilia Pérez” (Netflix) Screenplay by Jacques Audiard, in collaboration with Thomas Bidegain, Léa Mysius and Nicolas Livecchi

“Nickel Boys” (Orion Pictures/Amazon MGM Studios) Screenplay by RaMell Ross & Joslyn Barnes

“Sing Sing” (A24) Screenplay by Clint Bentley, Greg Kwedar; story by Clint Bentley, Greg Kwedar, Clarence Maclin, John “Divine G” Whitfield

Writing (Original Screenplay)

GEWINNER “Anora” (Neon) Written by Sean Baker

“The Brutalist” (A24) Written by Brady Corbet, Mona Fastvold

“A Real Pain” (Searchlight) Written by Jesse Eisenberg

“September 5” (Paramount) Written by Moritz Binder, Tim Fehlbaum; co-Written by Alex David

“The Substance” (Mubi) Written by Coralie Fargeat

Actor in a Leading Role

GEWINNER Adrien Brody in “The Brutalist” (A24)

Timothée Chalamet in “A Complete Unknown” (Searchlight)

Colman Domingo in “Sing Sing” (A24)

Ralph Fiennes in “Conclave” (Focus Features)

Sebastian Stan in “The Apprentice” (Briarcliff Entertainment/Rich Spirit)

Actress in a Leading Role

Cynthia Erivo in “Wicked” (Universal)

Karla Sofía Gascón in “Emilia Pérez” (Netflix)

GEWINNER Mikey Madison in “Anora” (Neon)

Demi Moore in “The Substance” (Mubi)

Fernanda Torres in “I’m Still Here” (Sony Pictures Classics)

Actor in a Supporting Role

Yura Borisov in “Anora” (Neon)

GEWINNER Kieran Culkin in “A Real Pain” (Searchlight)

Edward Norton in “A Complete Unknown” (Searchlight)

Guy Pearce in “The Brutalist” (A24)

Jeremy Strong in “The Apprentice” (Briarcliff Entertainment/Rich Spirit)

Actress in a Supporting Role

Monica Barbaro in “A Complete Unknown” (Searchlight)

Ariana Grande in “Wicked” (Universal)

Felicity Jones in “The Brutalist” (A24)

Isabella Rossellini in “Conclave” (Focus Features)

GEWINNER Zoe Saldaña in “Emilia Pérez” (Netflix)

Cinematography

GEWINNER “The Brutalist” (A24) Lol Crawley

“Dune: Part Two” (Warner Bros.) Greig Fraser

“Emilia Pérez” (Netflix) Paul Guilhaume

“Maria” (Netflix) Ed Lachman

“Nosferatu” (Focus Features) Jarin Blaschke

International Feature Film

GEWINNER “I’m Still Here” (Brazil) („Für immer hier“ startet am 13. März und wird dann abgefeiert)

“The Girl with the Needle” (Denmark)

“Emilia Pérez” (France)

“The Seed of the Sacred Fig” (Die Saat des heiligen Feigenbaums) (Germany)

“Flow” (Latvia) (startet am Donnerstag und wird dann abgefeiert)

Animated Feature Film

GEWINNER “Flow” (Sideshow/Janus Films) (startet am Donnerstag und wird dann abgefeiert)

“Inside Out 2” (Walt Disney)

“Memoir of a Snail” (IFC Films)

“Wallace & Gromit: Vengeance Most Fowl” (Netflix)

“The Wild Robot” (Universal)

Documentary Feature Film

“Black Box Diaries” (MTV Documentary Films)

GEWINNER “No Other Land”

“Porcelain War” (Picturehouse)

“Soundtrack to a Coup d’Etat” (Kino Lorber)

“Sugarcane” (National Geographic Documentary Films)

Film Editing

GEWINNER “Anora” (Neon) Sean Baker

“The Brutalist” (A24) David Jancso

“Conclave” (Focus Features) Nick Emerson

“Emilia Pérez” (Netflix) Juliette Welfling

“Wicked” (Universal) Myron Kerstein

Production Design

“The Brutalist” (A24) Production Design: Judy Becker, Set Decoration: Patricia Cuccia

“Conclave” (Focus Features) Production Design: Suzie Davies, Set Decoration: Cynthia Sleiter

“Dune: Part Two” (Warner Bros.) Production Design: Patrice Vermette, Set Decoration: Shane Vieau

“Nosferatu” (Focus Features) Production Design: Craig Lathrop, Set Decoration: Beatrice Brentnerová

GEWINNER “Wicked” (Universal) Production Design: Nathan Crowley, Set Decoration: Lee Sandales

Costume Design

“A Complete Unknown” (Searchlight) Arianne Phillips

“Conclave” (Focus Features) Lisy Christl

“Gladiator II” (Paramount) Janty Yates and Dave Crossman

“Nosferatu” (Focus Features) Linda Muir

GEWINNER “Wicked” (Universal) Paul Tazewell

Music (Original Score)

GEWINNER “The Brutalist” (A24) Daniel Blumberg

“Conclave” (Focus Features) Volker Bertelmann

“Emilia Pérez” (Netflix) Clément Ducol and Camille

“Wicked” (Universal) John Powell and Stephen Schwartz

“The Wild Robot” (Universal) Kris Bowers

Music (Original Song)

GEWINNER “El Mal” from “Emilia Pérez” (Netflix) Music by Clément Ducol and Camille, Lyric by Clément Ducol, Camille and Jacques Audiard

“The Journey” from “The Six Triple Eight” (Netflix) Music and Lyric by Diane Warren

“Like A Bird” from “Sing Sing” (A24) Music and Lyric by Abraham Alexander and Adrian Quesada

“Mi Camino” from “Emilia Pérez” (Netflix) Music and Lyric by Camille and Clément Ducol

“Never Too Late” from “Elton John: Never Too Late” (Disney+) Music and Lyric by Elton John, Brandi Carlile, Andrew Watt and Bernie Taupin

Live Action Short Film

A Lien

Anuja

GEWINNER I’m Not a Robot

The Last Ranger

The Man Who Would Not Remain Silent

Animated Short Film

Beautiful Men

GEWINNER In the Shadow of the Cypress

Magic Candies

Wander to Wonder

Yuck!

Documentary Short Film

“Death by Numbers” Kim A. Snyder and Janique L. Robillard

“I Am Ready, Warden” (MTV Documentary Films) Smriti Mundhra and Maya Gnyp

“Incident” (The New Yorker) Bill Morrison and Jamie Kalven

“Instruments of a Beating Heart” (The New York Times OpDocs/Cineric Creative) Ema Ryan Yamazaki and Eric Nyari

GEWINNER “The Only Girl in the Orchestra” (Netflix) Molly O’Brien and Lisa Remington

Makeup and Hairstyling

A Different Man

Emilia Pérez

Nosferatu

GEWINNER The Substance

Wicked

Sound

A Complete Unknown

GEWINNER Dune: Part Two

Emilia Pérez

Wicked

The Wild Robot

Visual Effects

Alien: Romulus

Better Man

GEWINNER Dune: Part Two

The Kingdom of the Planet of the Apes

Wicked

 


TV-Tipp für den 3. März: Grifters

März 2, 2025

Arte, 20.15

Grifters (The Grifters, USA 1990)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Donald Westlake

LV: Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen, Die Abzocker)

Roy Dillon schlägt sich als kleiner Trickbetrüger mehr schlecht als Recht durch. Als er an eine größere Menge Geld kommt, haben seine Freundin Mary und seine Mutter Lilly plötzlich Interesse an ihm; – besonders an dem Geld.

Der potentielle Klassiker basiert auf einem der besten und düstersten Bücher von Jim Thompson. Donald Westlake (aka u. a. Richard Stark) schrieb ein grandioses Drehbuch, und das gesamte Team (es wäre wirklich unfair, eine einzelne Person herauszuheben) gab ihr bestes. „The Grifters ist ein starkes Stück Kino, ein Krimi, der seinen Alptraum formvollendet präsentiert.“ (Fischer Film Almanach)

Mit Anjelica Huston, John Cusack, Annette Bening, Pat Hingle, Charles Napier, J. T. Walsh, Xander Berkeley, Stephen Tobolowsky, Jeremy Piven

Wiederholung: Donnerstag, 6. März, 14.00 Uhr

P. S.: Der Film ist FSK-16, aber Arte darf das.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Grifters“

Wikipedia über „The Grifters“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

zu Stephen Frears

Meine Besprechung von Stephen Frears „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Meine Besprechung von Stephen Frears “Philomena” (Philomena, GB 2013)

Meine Besprechung von Stephen Frears „The Program – Um jeden Preis“ (The Program, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Florence Foster Jenkins“ (Florence Foster Jenkins, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „Victoria & Abdul“ (Victoria & Abdul, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „The Lost King“ (The Lost King, Großbritannien 2022)

zu Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)

zu Jim Thompson

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Meine Besprechung von Jim Thompsons „Jetzt und auf Erden“ (Now and on Earth, 1942)

Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (The Killer inside me, USA 2010)


TV-Tipp für den 2. März: Halbblut

März 1, 2025

Arte, 20..15

Halbblut (Thunderheart, USA 1992)

Regie: Michael Apted

Drehbuch: John Fusco

FBI-Agent Ray Levoi soll einen mysteriösen Mord im Sioux-Indianerreservat aufklären. Das Halbblut Levoi muss sich während der Ermittlungen auch seinen verleugneten indianischen Wurzeln stellen – und er entdeckt, dass die Morde mit Bohrungen nach Uran zusammenhängen.

„Halbblut“ ist ein spannender Thriller mit einem politischen Anliegen. Denn die Filmgeschichte beruht auf wahren Ereignissen aus dem Pine-Ridge-Reservat in South Dakota in den 70er Jahren. Michael Apted drehte vor dem Spielfilm die Dokumentation „Zwischenfall in Oglala“ (Incident at Oglala, USA 1992) darüber.

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die fast zweistündige Doku „Val Kilmer – Ein Leben zwischen ‚Top Gun‘ und ‚The Doors'“ (USA 2021).

mit Val Kilmer, Sam Shepard, Graham Greene, Fred Ward, Fred Dalton Thompson, John Trudell, Rex Linn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Halbblut“

Wikipedia über „Halbblut“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Curtis Hanson/Michael Apteds „Mavericks – Lebe deinen Traum“ (Chasing Mavericks, USA 2012)

Meine Besprechung von Michael Apteds „Unlocked“ (Unlocked, USA 2017)


TV-Tipp für den 1. März: Der Pate

Februar 28, 2025

BR, 22.55

Der Pate (The Godfather, USA 1972)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola

LV: Mario Puzo: The Godfather, 1969 (Der Pate)

Die Mafia als gepflegter Familienbetrieb. Ein immer wieder gern gesehener Klassiker.

Mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, John Cazale, Robert Duvall, Diane Keaton, Sterling Hayden, Al Lettieri, Talia Shire

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Pate“

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) „Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)“ (2011)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Meine Besprechung von Franics Ford Coppolas „Megalopolis“ (Megalopolis, USA 2024)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Roy Thomas/Mike Mignolas „Bram Stoker’s Dracula“ (Bram Stoker’s Dracula 1-4, 1993) (der Comic-Version von Coppolas Film)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)


R. i. P. Gene Hackman

Februar 28, 2025

R. i. P. Gene Hackman (30. Januar 1930, San Bernardino, Kalifornien/USA – Februar 2024, Santa Fe, New Mexico/USA)

Am Mittwoch, den 26. Februar, wurden die Leichen von Gene Hackman, seiner Frau Betsy Arakawa, mit der seit 1991 in zweiter Ehe verheiratet war, und einem ihrer Hunde in ihrem Haus in Santa Fe gefunden. Das genaue Todesdatum und die genaue Todesursache sind noch unklar.

Seinen letzten Film drehte Hackman 2004. Die eher belanglose Polit-Komödie „Willkommen in Mooseport“ (Welcome to Mooseport) war ein okayer Abschluss einer langen Karriere mit etlichen Klassikern, inszeniert von einigen der besten damals in Hollywood arbeitenden Regisseure und mit einigen der größten Stars. Teils wurden sie erst mit diesen Filmen zu Stars.

Zu den wichtigsten Filmen des Charakterdarstellers Hackman gehören (und das ist jetzt eine kleine, unvollständige Liste mit Filmempfehlungen. Denn auch wenn der Film kein unbedinger Klassiker ist, ist es ein Film mit Gene Hackman)

Bonnie und Clyde (Bonnie & Clyde, 1967 – Klassiker!)

Bullen, wie lange wollt ihr leben (The Split. 1968 – eine Richard-Stark-Verfilmung)

Die den Hals riskieren (The Gypsy Moths, 1969)

Schußfahrt (Downhill Racer, 1969)

Brennpunkt Brooklyn (The French Connection, 1971 – Klassiker! Oscar als bester Hauptdarsteller)

Der Dialog (The Conversation, 1974 – Klassiker! Und immer noch brennend aktuell.)

Frankenstein Junior (Young Frankenstein, 1974)

French Connection II (1975 – nicht jede Fortsetzung ist schlecht)

700 Meilen westwärts (Bite the Bullet, 1975)

Die heiße Spur (Night Moves, 1975 – Klassiker!)

Superman (1978 – naja, ein Superheldenfilm…Hackman spielte noch in zwei weiteren „Superman“-Filmen mit)

Reds (1981)

Under Fire (1983)

Target – Zielscheibe (Target, 1985 – nach „Bonnie und Clyde“ und „Die heiße Spur“ seine letzte Zusammenarbeit mit Arthur Penn)

No Way Out – Es gibt kein Zurück (No Way Out, 1987 – ein immer wieder im TV gezeigter Noir.)

Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses (Mississippi Burning, 1988 – Klassiker!)

Eine andere Frau (Another Woman, 1988 – ein Treffen mit Woody Allen)

Erbarmungslos (Unforgiven, 1992 – Klassiker von Clint Eastwood; Oscar als bester Nebendarsteller)

Die Firma (The Firm, 1993 – nach einem Roman von John Grisham)

Geronimo – Eine Legende (Geronimo: An American Legend, 1993)

Wyatt Earp – Das Leben einer Legende (Wyatt Earp, 1994)

Crimson Tide – In tiefster Gefahr (Crimson Tide, 1995 – mit einigen von Quentin Tarantino geschriebenen Szenen)

Schnappt Shorty (Get Shorty, 1995 – Klassiker! Und eine gelungene, immer wieder gern gesehene Elmore-Leonard-Verfilmung)

The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel (The Birdcage, 1996 – erfolgreiches Remake einer erfolgreichen französischen Komödie, mit Robin Williams)

Absolute Power (1997 – eine weitere Zusammenarbeit mit Clint Eastwood)

Der Staatsfeind Nr. 1 (Enemy of the State, 1998 – damals zutreffend als Update von „Der Dialog“ gesehen)

Die Royal Tenenbaums (The Royal Tenenbaums, 2001 – Regie: Wes Anderson. Muss ich noch mehr sagen?)

Heist – Der letzte Coup (Heist, 2001 – vielleicht noch kein Klassiker, aber ein David-Mamet-Film)

Das Urteil (Runaway Jury, 2003 – noch eine John-Grisham-Verfilmung und der erste gemeinsame Film von Gene Hackman und Dustin Hoffman, die seit ihrem Schauspielstudium miteinander befreundet waren)

undsoweiter


TV-Tipp für den 28. Februar: Alien – Meisterwerk aus dem Weltraum

Februar 27, 2025

Arte, 22.40

Alien – Meisterwerk aus dem Weltraum (Frankreich 2024)

Regie: Anne Cutaia, Sophie Peyrard

Brandneue 52-minütige Doku über „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“.

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 29. März 2025)

Rotten Tomatoes über „Alien“

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch) und das Alien-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus (Alien: Romulus, USA 2024)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Blutlinien (Band 1)“ (Alien (2021) # 1 – 6, Mai – Oktober 2021)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Erweckung (Band 2)“ (Alien (2021) # 7 – 12, September 2021 – Juni 2022; Alien Annual (2022) 1, September 2022)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Julius Ohta: Alien: Icarus (Band 3) (Alien (2022) # 1 – 6, November 2022 – April 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardos „Alien: Tauwetter (Band 1)“ (Alien (2023) # 1 – 5, April 2023 – August 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardo/Danny Earls‘ „Alien: Descendant (Band 2)“ (Alien Annual (2023) 1, Dezember 2023; Alien (2023 B) # 1 – 4, Januar – April 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: Über James Mangolds Bob-Dylan-Biopic „Like a Complete Unknown“

Februar 27, 2025

Als Bob Dylan (Timothée Chalamet) im Januar 1961 in New York ankommt, wartet niemand auf ihn. Er ist nur ein weiterer junger Mann mit einer Gitarre und dem Wunsch als Folk-Musiker Geld zu verdienen.

Wahnsinnig schnell steigt er, mit ein wenig väterlicher Hilfe von Pete Seeger (Edward Norton), den er am Krankenbett von seinem Idol Woody Guthrie trifft, zum Star und zur Stimme einer Generation auf.

Fünf Jahre später wagt er den Bruch mit der Folk-Szene. Er stöpselt seine Gitarre ein – und der Rest ist Rockgeschichte.

James Mangold der Regisseur des Johnny-Cash-Biopics „Walk the Line“, beschäftigt sich in seinem neuesten Film „Like a Complete Unknown“ mit diesen fünf entscheidenden Jahren in Bob Dylans Karriere. In diesen Jahren legte er das Fundament. Er schrieb viele Songs, die heute immer noch fest im kollektiven Gedächtnis verhaftet sind. Er elektrifizierte, mit einigen begnadeten Begleitmusikern, die Folkmusik zum Folkrock. Es ist auch eine Zeit, die musikhistorisch gut aufgearbeitet ist. Genannt seien hier, neben zahlreichen Büchern und Reportagen, Martin Scorseses vorzüglicher Dokumentarfilm „No Direction Home“, der sich ebenfalls mit diesen Jahren in Bob Dylans Leben beschäftigt, und die vielen CDs in Dylans „The Bootleg Series“, die sich intensiv mit diesen Jahren beschäftigen und bei Fans immer wieder für Erstaunen sorgen. Denn gerade wenn man glaubt, auch wirklich den allerletzten Alternate Take eines Songs gehört zu haben, veröffentlicht Dylan einen weiteren Alternate Take.

Über Dylans Privatleben ist weniger bekannt, was auch daran liegt, dass in Musikzeitschriften, LP-Kritiken und Dokumentarfilmen sich auf das Werk und damit zusammenhängende Äußerungen des Künstlers konzentriert wird. In einem Spielfilm ist das dann anders. Entsprechend großen Raum nehmen Dylans Beziehung zur Folk-Ikone Joan Baez (Monica Barbaro) und zu Suze Rotolo ein. Im Film heißt die politische Aktivistin und Friedenskämpferin Sylvie Russo (Elle Fanning). Beide animierten Dylan zu mehr politischen Liedern. Ein klassischer Polit-Sänger wurde er nie und er benimmt sich ihnen gegenüber immer wieder, wie Mangold in seinem Biopic zeigt, wie ein Arschloch. Seine erste Ehefrau, Sara Lownds, die er 1965 heiratete, wird im Film nicht erwähnt.

James Mangold stellt diese Zeit detailgetrau nach. Bei den Fakten nimmt er sich Freiheiten, die Dylan-Fans teilweise die Wände hochlaufen lassen. Salopp gesagt: die Gitarre stimmt, die Frisur stimmt, die Kleider stimmen, wahrscheinlich stimmt sogar Dylans Unterhose, die Lampe im Hintergrund sowieso, aber dann singt Dylan sein großes Liebeslied vor der falschen Frau oder zum falschen Zeitpunkt. „Like a complete unknown“ ist wahrlich kein verfilmter Wikipedia-Artikel, sondern ein Dylan-Biopic, das ein Gefühl von Dylans Aura vermitteln will und ihn als jungen, von Erfolg zu Erfolg eilenden Künstler zeigt, während Timothée Chalamet die unkaputtbaren Songs von Bob Dylan spielt.

Like a complete unknown“ kann daher gut als Startpunkt für weitere Dylan-Studien verwendet werden. Außerdem hat Bob Dylan, geboren 1941 als Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota, schon am Beginn seiner Karriere einer guten Geschichte immer den Vorzug gegenüber der historischen Wahrheit gegeben.

Der Film selbst wirkt dabei immer wie der Besuch in einem Museum. Es ist informativ und kurzweilig in seiner Mischung aus Information und Musik. Vieles wird angesprochen, aber nie aus einer bestimmten Perspektive, sondern nüchtern-objektiv wie ein Text in einer Ausstellung, in dem dann steht, dass Dylan 1965 in Newport nicht mit der im Folk akzeptierten Akustikgitarre, sondern mit einer E-Gitarre auftrat und er von einer Rockband begleitet wurde. Teile des Publikums buhten über diesen Verrat an der Folkmusik. Dieser Auftritt bildet den Höhepunkt und das krachende Finale des Biopics. Die Songs funktionieren, das um den Auftritt ausbrechende Chaos verfolgt man eher ungerührt, weil einerseits an der Mythenbildung weitergearbeitet wird und andererseits nicht wirklich erfahrbar gemacht wird, wie groß der Bruch mit damaligen Folk-Szene war.

Like a complete unkown“ bleibt in diesem Moment, wie während des gesamten Films, an der glänzenden Oberfläche, die nichts von den Leiden und Selbstzweifeln eines Künstlers verrät. Dylan tut, was Dylan tun muss. Die Folk-Szene und seine Beziehungen bleiben der folkloristische Hintergrund für ikonische Bilder. Das ist nie wirklich schlecht und immer gut gemacht, aber auch nie wirklich befriedigend.

Wer mehr über die damalige Folk-Szene und deren Innenleben erfahren möchte, sollte sich „Inside Llewlyn Davis“ ansehen. Der Film der Coen-Brüder endet mit der Ankunft von Dylan in Greenwich Village. Trotzdem ist es der bessere Film über Bob Dylan, die damalige Folk-Szene und die inneren und äußeren Kämpfe eines Musikers. Und dann gibt es noch Martin Scorseses bereits erwähnten Dokumentarfilm „No Direction Home“ über diese erste Schaffensphase in dem an Irrungen, Wirrungen, Ab- und Umwegen reichen Werk von Bob Dylan und seinen Erforschungen der amerikanischen Seele.

Like a complete unknown (A complete unknown, USA 2024)

Regie: James Mangold

Drehbuch: James Mangold, Jay Cocks

LV: Elijah Wald: Dylan Goes Electric!, 2015

mit Timothée Chalamet, Edward Norton, Elle Fanning, Monica Barbaro, Boyd Holbrook, Dan Fogler, Norbert Leo Butz, Scott McNairy

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Like a complete unknown“

Metacritic über „Like a complete unknown“

Rotten Tomatoes über „Like a complete unknown“

Wikipedia über „Like a complete unknown“ (deutsch, englisch) und Bob Dylan (deutsch, englisch)

AllMusic über Bob Dylan

Homepage von Bob Dylan

Meine Besprechung von James Mangolds “Wolverine – Weg des Kriegers” (The Wolverine, USA 2013)

Meine Besprechung von James Mangolds „Logan – The Wolverine“ (Logan, USA 2017)

Meine Besprechung von James Mangolds „Le Mans 66: Gegen jede Chance“ (Ford v Ferrari, USA 2019)

Meine Besprechung von James Mangolds „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ (Indiana Jones and the Dial of Destiny, USA 2023)


TV-Tipp für den 27. Februar: Green Book – Eine besondere Freundschaft

Februar 26, 2025

RBB, 20.15

Green Book – Eine besondere Freundschaft (Green Book, USA 2018)

Regie: Peter Farrelly

Drehbuch: Peter Farrelly, Nick Vallelonga, Brian Currie

Gut gemachtes, auf einer wahren Geschichte basierendes Feelgood-Movie über die sich während einer Konzerttour durch die Südstaaten in den frühen sechziger Jahren entwickelnde Freundschaft zwischen dem Konzertpianisten Don Shirley (Mahershala Ali) und seinem für diese Tournee engagiertem Fahrer und Rausschmeißer Tony ‚The Lip‘ Vallelonga (Viggo Mortensen).

Der allgemeine Jubel über den Film, die zahlreichen Preise, unter anderem der Oscar als bester Film des Jahres (Spike Lee hatte mit seinem Wutausbruch, dass jeder andere nominierte Film den Oscar mehr verdient hätte als „Green Book“, vollkommen recht), können nicht über die doch ziemlich altbackene Ideologe des Films (der weiße Mann als Retter des Schwarzen und mit etwas gutem Willen kann der Rassissmus besiegt werden) hinwegtäuschen. „Green Book“ ist halt perfektes Hollywood-Wohlfühlkino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Sebastian Maniscalco, Dimiter D. Marinov, P. J. Byrne

Wiederholung: Freitag, 28. Februar, 22.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Green Book“

Metacritic über „Green Book“

Rotten Tomatoes über „Green Book“

Wikipedia über „Green Book“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood sieht sich diese Männerfreundschaft an

Meine Besprechung von Peter Farrellys „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ (Green Book, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Heldin“, Chronik einer Schicht im Leben einer Krankenschwester

Februar 26, 2025

Petra Volpes neuer Film beginnt mit dem Beginn der Spätschicht in einem Schweizer Krankenhaus. Und er endet ungefähr acht Stunden später mit dem Ende der Schicht. Dazwischen erzählt Volpe („Die göttliche Ordnung“), strikt chronologisch, mit minimalen Verdichtungen und Dramatisierungen, was in dieser einen Schicht passiert.

Im Mittelpunkt steht die von Leonie Benesch famos gespielte Pflegefachkraft Floria. Nach der Krankmeldung einer Kollegin ist sie mit einer zweiten Fachkraft und einer Erstsemester-Studentin für 26 Patienten verantwortlich. Diese bilden das gesamte Patientenspektrum ab von leicht bis schwer, teils im Sterben liegenden Pflegebedürftigen. Einige sind freundlich, einige fordernd. Einige haben Allergien, andere nicht. Floria muss immer darauf aufpassen, dass sie ihnen die richtigen Medikamente gibt und, egal wie stressig es gerade ist, freundlich und geduldig sein.

Es ist eine ganz normale Schicht ohne besondere Vorkommnisse.

Diese Konzentration auf eine Schicht ist der Vor- und Nachteil des Dramas. So kann Petra Volpe in die Tiefe gehen und einen guten Eindruck von der Arbeit vermitteln. Das macht sie letztendlich mit den Mitteln des Direct Cinema. Die Kamera verfolgt Floria durch die hellen Gänge des Krankenhauses. Sie beobachtet in oft in langen Szenen das Geschehen. Sie verzichtet weitgehend auf Dramatisierungen. Es gibt kein Voice-Over und keine Erklärdialoge. Es gibt nur die Dokumentation der Arbeit. Und diese fängt sie präzise ein. Einige Rollen wurden von Laien und Pflegefachkräften übernommen. Die Macher und die Schauspieler informierten sich vor dem Dreh über die Arbeit auf einer Krankenstation. Hauptdarstellerin Leonie Benesch absolvierte ein Praktikum im Kantonsspital Liestal. Diese Vorbereitung und die Anwesenheit von Fachpersonen beim Dreh führen dazu, dass die Abläufe, die Bewegungen und auch der Tonfall bei Patientengesprächen stimmen.

Fehlen tut allerdings der für Außenstehende nonchalante und verstörende Umgang mit intimen Details und der im Pflegeteam und mit den Patienten vorhandene Humor, ohne den die Arbeit nicht leistbar wäre.

Der Nachteil der von Volpe gewählten Herangehensweise ist, wenn man es denn überhaupt als Nachteil sieht, dass „Heldin“ keine Analyse des Gesundheitssystems, seiner Probleme und möglicher Lösungen ist. Volpe erzählt auch keine Geschichte im klassischen Sinn. Dafür bleibt alles zu sehr im Episodischen einer Schicht. Sie zeigt auch nichts, was nicht auch im Rahmen eines Dokumentarfilms gezeigt werden könnte.

P. S.: Ich habe den sehenswerten Film in der hochdeutschen Synchronisation gesehen. Bei dieser Fassung störte mich der durchgehend klinisch reine Ton und das lehrbuchhafte Hochdeutsch, das immer etwas abgekoppelt von den Geschnissen auf der Leinwand ist. Die Originalfassung scheint – so mein Eindruck vom Trailer – in dieser Hinsicht, obwohl auch hier viel Hochdeutsch gesprochen wird, stimmiger und natürlicher zu sein. Wer also zwischen beiden Fassungen wählen kann, sollte sich unbedingt die Originalfassung ansehen.

Heldin (Schweiz/Deutschland 2025)

Regie: Petra Volpe

Drehbuch: Petra Volpe

mit Leonie Benesch, Sonja Riesen, Alireza Bayram, Selma Aldin, Urs Bihler, Margherita Schoch, Albana Agaj, Ridvan Murati, Urbain Guiguemdé

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Heldin“

Moviepilot über „Heldin“

Rotten Tomatoes über „Heldin“

Wikipedia über „Heldin“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Heldin“

Meine Besprechung von Petra Volpes „Die göttliche Ordnung“ (Schweiz 2017)


TV-Tipp für den 26. Februar: Ein Prophet

Februar 25, 2025

ZDFneo, 23.15

Ein Prophet (Un Prophète, Frankreich/Italien 2009)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

Ein Bildungsroman der anderen Art: der 19-jährige Malik kommt in den Knast und lernt dort alles, was er für das Leben braucht. Dummerweise macht ihn nichts davon zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft.

In Cannes erhielt „Ein Prophet“ den Großen Preis der Jury, bei den Cesars und den Étoiles d’Or (dem Preis der französischen Filmjournalisten) räumte er ab, er war den Oscar und Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert, die Kritiker feiern den Film ab, Knackis (von denen etliche bei der Produktion beteiligt waren) loben die Authentizität des Films, es wurde über den Zustand und die Lebensbedingungen in den Knästen diskutiert und über 1,5 Millionen Franzosen lösten ein Kinoticket. In Deutschland war das Knastdrama nicht so erfolgreich.

mit Tahra Rahim, Nils Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb

Hinweise

Moviepilot über „Ein Prophet“

Metacritic über „Ein Prophet“

Rotten Tomatoes über „Ein Prophet“

Wikipedia über „Ein Prophet“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ (Les Olympiades, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „Emilia Pérez“ (Emilia Pérez, Frankreich 2024)