Schon August und noch keinen Sonnebrand gehabt. Das liegt allerdings weniger am Wetter, sondern mehr an meiner Keine-Nachmittage-in-der-prallen-Sonne-im-Schwimmbad-liegen-Politik. Außerdem kann ich an schattigen Orten besser lesen. Beispielsweise die Empfehlungen der aktuellenKrimibestenliste, wie gewohnt präsentiert von Deutschlandfunk Kultur:
1 (–) Garry Disher: Funkloch
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Unionsverlag, 350 Seiten, 24 Euro
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2 (4) Nicola Lagioia: Die Stadt der Lebenden
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
btb, 508 Seiten, 25 Euro
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3 (2) Yves Ravey: Taormina
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller
Liebeskind, 112 Seiten, 20 Euro
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4 (1) Erin Flanagan: Dunkelzeit
Aus dem Englischen von Cornelius Hartz und Stefanie Kremer
Atrium, 365 Seiten, 25 Euro
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5 (3) Yasmin Angoe: Echo der Gewalt
Aus dem Englischen von Karin Diemerling
Suhrkamp, 424 Seiten, 18 Euro
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6 (10) Anjali Deshpande: Mord
Aus dem Hindi von Almuth Degener
Draupadi, 207 Seiten, 19,80 Euro
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7 (–) Jacob Ross: Shadowman
Aus dem Englischen von Karin Diemerling
Suhrkamp, 462 Seiten, 16,95 Euro
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8 (–) William Boyle: Shoot the Moonlight Out
Aus dem Englischen von Andrea Stumpf
Polar, 349 Seiten, 26 Euro
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9 (–) Denise Mina: Fester Glaube
Aus den Englischen von Karen Gerwig
Ariadne/Argument, 299 Seiten, 24 Euro
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10 (8) Anthony McCarten: Going Zero
Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf Allié
Diogenes, 454 Seiten, 25 Euro
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Einiges liegt auch auf meinem riesigen Zu-lesen-Stapel. Neben dem neuen Robicheaux von James Lee Burke, der es noch (?) nicht auf die Bestenliste geschafft hat.
James Bond 007: Octopussy (Octopussy, Großbritannien/USA 1983)
Regie: John Glen
Drehbuch: George MacDonald Fraser, Richard Maibaum, Michael G. Wilson
LV: Ian Fleming: Octopussy, 1966 (Kurzgeschichte, veröffentlicht in „Octopussy and The Living Daylights“) (Octopussy und andere riskante Geschäfte; Octopussy)
James Bond kämpft gegen General Orlov, Kamal Khan und Octopussy. Sie möchten in Deutschland auf einem US-Militärstützpunkt eine Atombombe zünden und so die Abrüstungsverhandlungen sabotieren. Kann Bond die Katastrophe verhindern?
1983 gab es das Kinoduell zwischen Roger Moore und Sean Connery, der in „Sag niemals nie“ wieder James Bond spielte. Connerys Bond-Film ist der bessere Bond-Film.
Moores Bond-Film ist Klamauk.
Eine zeitgenössische Kritik: „John Glens Film wirkt recht blaß und langatmig, ja von der Geschichte her ist es eines der schwächsten James-Bond-Abenteuer.“ (Fischer Film Almanach 1984)
Danach, um 23.05 Uhr, zeigt Pro7 mit „In tödlicher Mission“ einen weiteren Roger-Moore-James-Bond-Film.
mit Roger Moore, Maud Adams, Louis Jordan, Kristina Wayborn, Kabir Debi, Steven Berkoff, David Meyer, Desmond Llewelyn, Lois Maxwell
Ein Mann liebt eine Frau. Zu einem Problem für ihre Mitmenschen wird das in „Im Herzen jung“, weil sie Siebzig und er in den Vierzigern ist. Oh, und er ist glücklich verheiratet mit mehreren Kindern.
Carine Tardieu erzählt diese Liebesgeschichte, top besetzt mit Fanny Ardant, Melvil Poupaud und Cécile de France als betrogene Ehefrau, feinfühlig, aber auch auf dem Niveau einer beliebigen TV-Romanze.
Mehr fällt mir, nach langem Nachdenken und einem wiederholten Blick in meine umfangreicheren Notizen, zu dieser „Love Story“ nicht ein.
Im Herzen jung (Les jeunes amants, Frankreich/Belgien 2021)
Regie: Carine Tardieu
Drehbuch: Agnès de Sacy, Carine Tardieu, Sólveig Anspach
mit Fanny Ardant, Melvil Poupaud, Cécile de France, Florence Loiret-Caille, Sharif Andoura, Sarah Henochsberg, Martin Laurent
Nach zwei ziemlich misslungenen Realverfilmungen ist der neueste „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Film wieder ein Animationsfilm. Und das ist gut so.
Die Teenage Mutant Ninja Turtles sind, wie ihr Name verrät, mutierte Schildkröten, die im Teenager-Alter sind, sich so benehmen und als Ninjas gut kämpfen können. Sie leben in New York in der Kanalisation. Ihr Vater/Lehrmeister ist Splinter, eine ältere, mutierte Ratte. Ihren ersten Auftritt hatten Teenage Mutant Ninja Turtles 1984 in einem Comic von Kevin Eastman und Peter Laird. Die Parodie auf Superheldencomics war als Einzelwerk geplant. Doch es kam anders. Das Heft war schnell ausverkauft. Sie schrieben eine zweite Geschichte. Und weitere Geschichten. Schnell kamen eine langlebige Zeichentrickserie (weitere folgten) und mehrere Spielfilme dazu. Kindern liebten die mutierten Turtles. Ihre Eltern hatten öfter das Gefühl, dass Benjamin Blümchen und Pumuckl doch nicht so nervig sind.
In dem neuen Film „Mutant Mayhem“ befinden sich die Teenage Mutant Ninja Turtles Leonardo, Raphael, Donatello und Michelangelo in einer Sinnkrise. Einerseits tun sie gute Dinge, indem sie gegen Verbrecher kämpfen, andererseits fehlt ihnen die öffentliche Anerkennung. Und Splinter hat sie, nachdem das Besorgen von Essen mehr Zeit als nötig beanspruchte und sie sich in einem Open-Air-Kino einen Film ansahen, zu einem längeren Hausarrest verurteilt. Splinter ist, aufgrund eigener negativer Erfahrungen mit den Menschen, überzeugt, dass die Menschen sie niemals akzeptieren werden.
Trotzdem wagen die vier Turtles sich wieder unter die Menschen, treffen April O’Neil, die für eine Schülerzeitung schreibt, und sie nehmen den Kampf gegen den Schurken Superfly auf. Er will eine Welt ohne Menschen erschaffen.
Ein Blick auf die kreativen Köpfe hinter dem Film zeigt schon, in welche Richtung es geht.
Das Drehbuch ist von Seth Rogen, Evan Goldberg, Jeff Rowe, Dan Hernandez und Benji Samit. Zu Rogen und Goldbergs früheren Drehbucharbeiten gehören „Superbad“, „Ananas Express“, „Bad Neighbors 2“ und „Sausage Party – Es geht um die Wurst“. Sie gehören auch zu den Produzenten des Films.
Dan Hernandez und Benji Samit schrieben die Drehbücher zu „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“, „Die Addams Family 2“ und der Disney-Jugendserie „Ultra Violet & Black Scorpion“
Regisseur Jeff Rowe war vorher Co-Regisseur und Drehbuchautor bei „Die Mitchells gegen die Maschinen“. Ko-Regisseur Kyler Spears arbeitete bei diesem Film als Storyboard-Artist.
Produziert wurde der Film von Seth Rogen, Evan Goldberg und ihrem langjährigem Produktionspartner James Weaver. Damit dürfte klar sein, in welche Richtung sich der Humor des Films bewegt.
Der war in ihren vorherigen Filmen immer etwas versaut, pubertär und die Grenzen des guten Geschmacks austestend. Oder, anders gesagt, die ideale Kombination für einen „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Film. Entsprechend nah an dem mir aus den Comics bekanntem derben Humor ist dann dieser Animationsfilm. Auch die Optik des Films orientiert sich gelungen an Comiczeichnungen.
Ein Manko des derben Spaßes ist die finale Schlacht. Sie ist einfach viel zu lang und viel zu viele Figuren, die einem letztendlich egal sind, kloppen sich in New York. Da wäre weniger mehr gewesen. Doch das dürfte für Fans der Turtles ein eher kleiner Einwand sein.
Außerdem ist „Mutant Mayhem“ mit knapp hundert Minuten erfreulich kurz geraten.
Drehbuch: Seth Rogen, Evan Goldberg, Jeff Rowe, Dan Hernandez, Benji Samit (nach einer Geschichte von Brendan O’Brien, Seth Rogen, Evan Goldberg und Jeff Rowe) (basierend auf den Charakteren von Peter Laird und Kevin Eastman)
mit (im Original den Stimmen von) Micah Abbey, Shamon Brown Jr., Hannibal Buress, Rose Byrne, Nicolas Cantu, John Cena, Jackie Chan, Ice Cube, Natasia Demetriou, Avo Edebiri, Giancarlo Esposito, Post Malone, Brady Noon, Seth Rogen, Paul Rudd, Maya Rudolph
Porträt einer jungen Frau in Flammen (Portrait de la jeune fille en feu, Frankreich 2019)
Regie: Céline Sciamma
Drehbuch: Céline Sciamma
1770 soll die Malerin Marianne die junge Héloise porträtieren. Es gibt nur ein Problem: Héloise will nicht gemalt werden. Und sie möchte den reichen, ihr unbekannten Italiener, mit dem ihre Mutter sie verkuppeln will und für den das Porträt sein soll, nicht heiraten.
Dialogarmes, sehr langsam und minimalistisch erzähltes Drama einer lesbischen Liebe und der damaligen gesellschaftlichen Konventionen (vulgo Machtverhältnisse), die Frauen in ein bestimmtes Leben pressten.
Vier Jahre nach den Ereignissen in Steve Altens Thriller „Meg“ (die Verfilmung nimmt sich da einige Freiheiten) fristet ein Carcharodon Megalodon, kurz Meg, in einer riesigen künstlichen Lagune in Monterey, Kalifornien, sein Dasein als Touristenattraktion. Der Megalodon ist ein riesiger Hai, der nicht vor Ewigkeiten, ungefähr zur Zeit der Dinosaurier, ausstarb, sondern im Marianengraben überlebte. Der Hai lebt dort in über zehn Kilometern Tiefe in einer warmen Wasserschicht, über der kaltes Wasser ist. Das eiskalte Wasser hinderte ihn am Auftauchen. Bis die Menschen in seinen Lebensbereich eindrangen und ihn aus seinem natürlichen Lebensbereich herauslockten. Mit fatalen Folgen für etliche Boote und Menschen, die zu Fischfutter wurden.
Eines Tages bricht Angel, so heißt der in Gefangenschaft lebende zweiundzwanzig Meter große, 28 Tonnen schwere Hai, aus. Ehe er sich auf seinem Weg nach Norden durch die Strände an der Ostküste der USA frisst und dabei nicht unterscheidet zwischen anderen Fischen, Menschen und Boten, versucht Jonas Taylor ihn wieder zu fangen. Genaugenommen will er ihn dieses Mal nicht fangen, sondern töten.
Währenddessen wird seine Frau Terry, die aus „Meg“ bekannte Tochter von Masao Tanaka, dem vermögenden Gründer des Tanaka Oceanographic Institute, von dem milliardenschwerden Energiemagnaten Benedict Singer gebeten, herauszufinden, was mit einem Mini-U-Boot und einigen unbemannten nautischen Informationssonden im Marianengraben geschah. Um an die Daten von dem für vier Männer tödlichen Unfall heranzukommen, muss sie in ein sich im Mariannengraben befindendes U-Boot in das ursprüngliche Jagdrevier des Riesenhais begeben. Das müssen wir einfach als eine Mischung aus altmodischer Computertechnik (der Roman erschien vor über zwanzig Jahren) und Suspension of Disbelief akzeptieren. Denn wenn Terry nicht in das U-Boot geht, kann Singer seinen bösen Plan nicht ausführen. Singer ist einer der typischen, skrupellosen, vermögenden James-Bond-Bösewichter.
Neben dem Meg sind noch einige andere sehr, sehr große Fische im Mariannengraben, vor allem in dem titelgebenden und für Singer wichtigen „Höllenschlund“. An dem Ort begegnete Jonas vor elf Jahren erstmals dem Megalodon.
In seinem Debütroman „Meg“ erzählte Steve Alten eine Geschichte. Es handelt sich um eine klassische Urviecher-gehen-auf-Menschen-los-Geschichte. Die Fortsetzung „Meg: Höllenschlund“, die vollkommen unabhängig von „Meg“ gelesen werden kann, erzählt parallel zwei Geschichten. Jonas‘ Geschichte ist eine Jagdgeschichte. Er will nur den aus der Lagune geflüchteten Fisch fangen, ehe er zu viele andere Fische, Menschen und Boote vernichtet. Und er will, weil Angel gerade brünstig ist, verhindern, dass der Hai sich paart und Nachkommen zeugt. Alten wechselt bis zum Finale zwischen diesen beiden Erzählsträngen.
Beide Bücher sind Thriller, Pageturner und…früher nannte man sie Strandkorb- oder Airportlektüre. In jedem Fall sind es Schmöker für einen laaangen Nachmittag außerhalb der Hai-Gefahrenzone.
Am Donnerstag, den 3. August, läuft die Verfilmung „Meg 2: Die Tiefe“ an. Nach den Trailer sieht der Filme mehr wie ein Remake von „Meg“ mit mehr Urviechern als wie eine sklavische Verfilmung von Altens Roman aus. Weil es trotz einem an der Kinokasse erfolgreichem Teil, einer guten Besetzung (Jason Statham spielt wieder Jason Taylor) und einem guten Regisseur (Ben Wheatley) keine Pressevorführung gab, wird es keine Besprechung des Films geben.
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Steve Alten: Meg: Höllenschlund
(übersetzt von Bernhard Kleinschmidt)
Heyne, 2018
9,99 Euro (E-Book; die gedruckte Ausgabe ist nicht mehr erhältlich)
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Originalausgabe
The Trench
Kensington Books, 1999
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Die Verfilmung
Meg 2: Die Tiefe (Meg 2: The Trench, USA/Volksrepublik China 2023)
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber, Dean Georgaris
LV: Steve Alten: The Trench, 1999 (Meg: Höllenschlund)
mit Jason Statham, Wu Jing, Sophia Cai, Page Kennedy, Sergio Peris-Mencheta, Skyler Samuels, Cliff Curtis
Zum Filmstart schrieb ich ziemlich begeistert über Hirokazu Kore-edas neuen Film:
In Südkorea nehmen Sang-hyun und Dong-soo in einer Kirche die Babys aus einer Babyklappe, legen sie in ein Bett und registrieren sie. Anschließend kommen sie in ein Waisenhaus. Einige der von ihren Müttern in der Babyklappe abgegebenen Babys pflegen sie nicht ein. Sie nehmen sie mit und verkaufen sie an Wohlhabende, die zu ihrem Glück noch ein Baby brauchen, aber aus verschiedenen Gründen keine Kinder adoptieren dürfen. Es ist ein illegales Geschäftsmodell, das allerdings niemand wirklich schädigt und von den Tätern rührig unbeholfen ausgeführt wird. Es gerät in Gefahr, als So-young, die in einer regnerischen Nacht ihr Baby in die Babyklappe legte, wider alle Erwartungen zurückkehrt und ihr Baby wieder haben will. Sang-hyun, der Kopf des Unternehmens und Betreiber einer kleinen Wäscherei, erklärt ihr, dass sie die besten Eltern für Woo-sung finden wollen. Nach kurzem Zögern will sie Sang-hyun und Dong-soo in ihrem klapprigen Mini-Van begleiten und ein Wort bei der Adoption mitreden. Die beiden Kindervermittler, die sich mit diesen Geschäften und anderen Arbeiten ein bescheidenes Einkommen erzielen, sind einverstanden. Sie haben auch keine andere Wahl.
Gemeinsam fahren sie los und je länger Hirokazu Kore-eda in seinem neuen Film „Broker – Familie gesucht“ sie bei ihren Versuchen, eine Familie für Dong-soo zu finden, verfolgt, umso mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass Sang-hyun und Dong-soo die untauglichsten Männer für den Job sind, weil sie die besten Ersatzväter sind, die es gibt.
Auf ihrer Odyssee durch das Land werden sie unerbittlich von Su-jin und ihrer jüngeren Kollegin Lee verfolgt. Sun-jin ist eine ständig schlecht gelaunte, ihren Arbeitsplatz Auto mit Essen zumüllende Polizistin, die aus dem Klischeebuch des Hardboiled-Detektivs stammen könnte. Sie treibt die Ermittlungen voran, weil sie San-hyun und Dong-soo für wichtige Mitglieder einer großen Menschenhändlerbande hält.
„Broker – Familie gesucht“ ist kein Hardboiled-Krimi und kein anklagendes Sozialdrama, sondern eine sehr warmherzige Komödie, die von einem sanften Humor und einer großen Liebe zu den Figuren geprägt ist. Wie sich Sang-hyun, Dong-soo und So-young während des Films näher kommen erzählt Hirokazu Kore-eda gewohnt zurückhaltend und mit einem genauen Blick auf kleine Nuancen. Sein neuester Film ist ein Wohlfühlfilm, der nichts mit den Filmen zu tun hat, die normalerweiser als Wohlfühlfilme gelabelt werden und die vor allem verlogener Kitsch sind.
Wer frühere Filme von Hirokazu Kore-eda, wie „Like Father, like Son“ (Japan 2013), „Unsere kleine Schwester“ (Japan 2015) und „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018) kennt, wird in seinem neuen Film viele vertraute Themen und Motive erkennen. Wieder geht es um Familien, echte und falsche, und die Frage, was eine Familie ausmacht. Es geht um Glück an Orten, an denen man es nicht erwartet.
Dieses Mal erzählt er davon in der Form eines entspannt-humorvollen Roadmovie-Märchen mit einer kleinen Noir-Krimibeigabe. Denn jedes gute Märchen hat eine böse Hexe.
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„Ich wollte auf keinen Fall, dass mein Film den Kindern am Ende suggeriert, es sei schlecht, geboren zu werden. Oder, dass ihre Mutter die Geburt bereut hätte. Ich wollte, dass der Film ganz klar sagt: ‚Es ist gut, geboren zu werden‘. In dieser Hinsicht ist ‚Broker‘ ein Film über das Leben.“
Hirokazu Kore-eda über seinen Film
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Auf den ersten Blick hat die DVD erfreulich viel Bonusmaterial mit einem Cannes Special, Cast Greetings, Character Trailer, „Making of“-Featurette, Interviews mit Hirokazu Kore-eda und Bae Doona, Online Clip und dem Trailer. Das ist, nachdem die goldene Zeit des Bonusmaterials der Vergangenheit angehört und inzwischen auch neue Filme ohne Bonusmaterial (was doch eigentlich ein Kaufgrund ist) auf den Markt geworfen werden, eine erfreuliche Ausnahme.
Beim Ansehen fällt dann auf, dass fast alle Beiträge kurzes, wenig informatives Promo-Material sind. Die Ausnahme sind die zur DVD-Veröffentlichung gemachten Interviews mit Regisseur Hirokazu Kore-eda und Schauspielerin Bae Doona. Sie sind mit knapp sechzehn und achtzehn Minuten deutlich länger als das restliche Bonusmaterial, das in knapp fünfzehn Minuten vollständig angesehen werden kann. Aber auch die beiden Interviews sind nur begrenzt informativ. So beschäftigt sich die Hälfte des Interviews mit Kore-eda mit seinen Lieblingsgerichten und Eßerfahrungen in Südkorea und Japan.
Broker – Familie gesucht (Beurokeo, Südkorea 2022)
mit Song Kang-ho, Gang Dong-won, Bae Doona, Lee Ji-eun, Lee Joo-young, Im Seung-soo, Park Ji-yong
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DVD
Plaion Pictures
Bild: 1.85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Koreanisch (5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Cannes Special, Cast Greetings, Character Trailer, Featurette, Making of, Interviews mit Hirokazu Kore-eda und Doona Bae, Online Clip, Trailer
Länge: 124 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Bonusmaterial auf der Blu-ray und dem 4K-Mediabook identisch.
Drehbuch: François Ozon (freie Adaption des Stücks „Der Junge aus der letzten Reihe“ von Juan Mayorga)
Kleinstadt-Lehrer Germain ist begeistert von den gut geschriebenen Aufsätzen seines sechzehnjährigen Schülers Claude. Der schleicht sich in die Familie eines Mitschülers ein. Germain fordert Claude auf, weiterzuschreiben. Und wir fragen uns, wie nah Claude bei der Wahrheit bleibt.
Ein auf mehreren Ebenen, mit einer ordentlichen Portion Claude Chabrol,.gekonnt und gewitzt erzählter Krimi ohne Mord und Totschlag.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Fabrice Luchini, Ernst Umhauer, Kristin Scott Thomas, Emmanuelle Seigner, Denis Ménochet, Bastien Ughetto, Jean-François Balmer, Yolande Moreau, Catherine Davenier
Grandiose Doku über Frauen, die während der Bonner Republik im Bundestag saßen und über die Widerstände und Vorurteile, gegen sie kämpfen mussten. Torsten Körner montiert sehr pointiert aktuelle Interviews mit historischen Aufnahmen, die heute teils sprachlos machen.
La belle saison – Eine Sommerliebe (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss
1971 trifft die 23-jährige Delphine in Paris die Aktivistin Carole. Sie verlieben sich ineinander. Aber dann muss Delphine zurück auf den Hof ihrer Eltern. Carole folgt ihr in eine für sie vollkommen fremde Welt.
Wunderschöne, politisch grundierte Sommerromanze, die auch viel über die frühen Siebziger Jahre in Frankreich erzählt
In einem Nobellokal in Zürich erschießt Regierungsrat Isaak Kohler vor Zeugen den Jura-Professor Winter. Er wird für den Mord verurteilt. Anschließend bittet er den jungen Rechtsanwalt Felix Spät, sich des Falles wieder anzunehmen. Spät soll dabei von seiner Unschuld ausgehen.
Selten gezeigte, prominent besetzte Dürrenmatt-Verfilmung: „ein moralischer Krimi um den möglichen Unterschied zwischen Justiz und Gerechtigkeit, der bei aller Nachdenklichkeit die Spannung nicht zu kurz kommen läßt.“ (Fischer Film Almanach 1994)
mit Maximilian Schell, Thomas Heinze, Anna Thalbach, Mathias Gnädinger, Norbert Schwientek, Ulrike Kriener, Suzanne von Borsody, Hark Bohm, Martin Semmelrogge
Tel Aviv on Fire (Tel Aviv on Fire, Luxemburg/Frankreich/Israel/Belgien 2018)
Regie: Sameh Zoabi
Drehbuch: Dan Kleinman, Sameh Zoabi
An der Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland erhält der palästinensische Schluffi Salam von einem der Zöllner ein Angebot, das er am liebsten ablehnen möchte, aber nicht ablehnen kann. Denn der israelische Zöllner Assi kontrolliert ihn täglich und kann ihm das Leben zur Hölle machen. Außerdem ist er ein großer Fan der TV-Seifenoper „Tel Aviv on Fire“ und er hat einige Vorschläge zur Handlung. Salam soll sie in die Drehbücher der nächsten Folgen einarbeiten.
TV-Premiere. Gelungene, etwas harmlos geratene Komödie.
Elf Jahre sind seit Emanuele Crialeses letztem Film „Terraferma“, einem Drama über afrikanische Flüchtlinge in Lampedusa, vergangen. Für seinen neuen Film „L’immensita – Meine fantastische Mutter“ ließ er sich von seinen Erinnerungen an seine Kindheit in den Siebzigern in Rom inspirieren.
Im Mittelpunkt steht die fünfköpfige Borghetti-Familie. Sie sind am Stadtrand von Rom gerade in ein großzügiges Apartment gezogen, das in einem der damals bei Stadtplanern beliebten großen Wohnblöcke ist. Auf den ersten Blick sind die Borghettis eine glückliche, vorbildliche Familie. Doch der Schein trügt.
Die älteste Tochter, die zwölfjährige ‚Adri‘ Adriana, hadert mit ihrer sexuellen Identität. Viel lieber wäre sie ein Junge. Die Haare sind schon schön kurz geschnitten. Ihr Körper ist jungenhaft stämmig. Wenn sie gefragt wird, sagt sie, sie heiße Andrea. Ihre neuen Freunde, vor allem Sara, die hinter einen Schilffeld in einer temporären Barackensiedlung für Hilfsarbeiter leben, halten Adri deshalb für einen Jungen.
Adris Mutter Clara, eine angeheiratete Spanierin, hat psychische Probleme. Sie ist der in der Siedlung, der Wohnung und der Ehe eingesperrte, sich immer wieder kindlich benehmende Paradiesvogel. Bei ihr artet das Decken des Esstisches schon einmal zu einer veritablen Gesangs- und Tanznummer zu italienischen Schlagern aus. Ihre Kinder singen und tanzen mit. Ihr Ehemann Felice würde das niemals tun. Er ist ein klassischer Patriarch der alten Schule: streng, fordernd, humorlos, auch gewalttätig und fremd gehend. Entsprechend wenig hält er von Adris Zweifel an ihrem Geschlecht. Clara ist da viel verständnisvoller.
Crialese entwirft in seinem neuen Film das letzendlich enttäuschende Soziogramm einer dysfunktionalen Familie. Anstatt sich für eine Perspektive, eine Geschichte und einen Konflikt zu entscheiden, reiht er weitgehend zufällige und unverbundene Episoden aneinander, die sich innerhalb weniger Sommerwochen in Rom und, bei einem längerem Ausflug nach Ansedonia, auf den am Meer gelegenen Landsitz von Felices Mutter ereignen. Es geht um Adris und Claras Probleme und ihre Beziehung zueinander. Denn Clara versucht nicht, Adri zu bevormunden. Es geht auch um Rassismus, Gewalt und psychische Probleme. Jede dieser Episoden ist gut inszeniert. Meistens in Richtung Neorealismus. Es gibt auch einige pompöse Shownummern, in denen Adri und Clara sich in Schlager-TV-Shows hineinfantasieren. Die Ausstattung ist stimmig. Penélope Cruz ist gewohnt überzeugend. Sie zieht unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich.
Doch am Ende ist das einfach zu wenig, um wirklich zu überzeugen.
James Bond 007: In tödlicher Mission (For your eyes only, Großbritannien 1981)
Regie: John Glen
Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson
LV: Ian Fleming: For you eyes only, 1960 (Für Sie persönlich, Kurzgeschichte), Risico, 1960 (Riskante Geschäfte, Kurzgeschichte)
James Bond sucht im Mittelmeer ein verschwundenes Gerät zur Steuerung der U-Boot-Flotte, das ATAC. Es wurde von dem griechischen Millionär Kristatos geklaut, der es an die Sowjets verkaufen will.
Einer der guten Roger-Moore-Bonds. „Variety“ hielt „In tödlicher Mission“ sogar für einen der durchgehend erfreulichsten aller bis dahin gedrehten zwölf Bond-Filme. Andere Kritiker meinten, es sei ein Remake von „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (Hm.) und eine einzige Verfolgungsjagd (Gut!) mit viel Werbung (Schlecht!). Jedenfalls kam diese Mischung dem Talent von John Glen entgegen und Roger Moore bewältigte seine Arbeit mit der Hilfe von fast fünfzig Stuntmännern.
Mit Roger Moore, Carole Bouquet, Julian Glover, Chaim Topol, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn
Bei den „Pirates of the Caribbean“ hat es sehr gut funktioniert: aus einer Vergnügungspark-Attraktion wurde ein Film gemacht, der zum Kassenhit wurde. Disney zählte die Einnahmen, freute sich und produzierte mehrere Fortsetzungen.
Bei der „Haunted Mansion“ könnte es – so jedenfalls das Gedankenspiel der Produzenten – auch funktionieren. Ein Film über ein Haus voller Geister. Er gibt wohlige Gänsehaut bei Kindern und Erwachsenen. Erstere freuen sich über die furchterregenden Geister und die Gags. Letztere freuen sich über die Anspielungen. Schließlich ist die Villa bewohnt von Geistern und Horror-Gestalten, die seit Jahrzehnten durch Filme, Comics und Bücher zu einem Teil des popkulturellen Gedächtnisses wurden.
Die Geschichte ist in ihren Grundzügen schnell gefunden. Sie muss eigentlich nur die Story der Vergnügungspark-Attraktion leicht variieren. Dort betreten die Besucher, seitdem 1969 in Disneyland die erste Haunted Mansion eröffnet wurde, das Spukhaus. Sie begegnen etlichen Geistern, lassen sich erschrecken, bekommen eine Gänsehaut und verlassen dann das Haus.
Im Film betreten einige Menschen die titelgebende „Geistervilla“. Schnell treffen sie auf die Geister, die das Haus bewohnen. Ben (LaKeith Stanfield) ist ein ehemaliger Astrophysiker, der immer noch in Trauer über den Tod seiner Frau ist und jetzt, wenn er ansprechbar ist, sein Geld als schlecht gelaunter Touristenführer verdient. Er erzählt ihnen von den in New Orleans lebenden Geistern. Selbst glaubt er nicht an Geister. Neben ihm sind Gabbie (Rosario Dawson) und ihr neunjähriger Sohn Travis (Chase W. Dillon), die Mieter der Geistervilla, der Geistliche Father Kent (Owen Wilson), Professor Bruce Davis (Danny DeVito), der die Geschichte der Geister von New Orleans erforscht, und das Medium Harriet (Tiffany Haddish) in der Geistervilla. Sie alle werden, nachdem sie die Villa betreten haben, von den Geistern in ihr festgehalten. Später kommt noch Madame Leota (Jamie Lee Curtis) dazu. Sie wird in einer Glaskugel gefangen gehalten.
Aus diesem Setting machen Regisseur Justin Simien und Drehbuchautorin Katie Dippold eine erschreckend belang- und humorlose CGI-Schlacht in meist dunklen und sehr dunklen Räumen. Simien inszenierte den in Deutschland nicht veröffentlichten Ensemblefilm „Dear White People“ und die bei uns auf DVD veröffentlichte Horrorkomödie „Bad Hair“.
Dippold schrieb die Drehbücher für die von Paul Feig inszenierten Komödien „Taffe Mädelds“ (The Heat) und „Ghostbusters“. Im Gegensatz zu den unzähligen gehässigen Kommentaren der fanatischen Fans der ursprünglichen Ghostbusters-Filme, die zu dem Zeitpunkt den Film noch nicht gesehen hatten, fand ich die 2016 entstandene Version mit weiblichen Geisterjägern durchaus unterhaltsam.
Das kann über „Geistervilla“ nicht gesagt werden. In der Villa sind zwar viele Geister, aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt kein Geist. Die Geisterjäger sind eine moralisch bestenfalls zweifelhafte Truppe uncharmanter Gestalten. Einige von ihnen sind Betrüger; was kein Problem wäre, wenn es irgendwelche Gründe gäbe, ihnen die Daumen zu drücken. Auch von ihnen bleibt niemand länger im Gedächtnis. Die beiden Mieter der Villa, die alleinstehende Mutter und ihr Sohn, haben bestenfalls eine Nebenrolle. Dabei hätte, wenn ein jüngeres Publikum angesprochen werden soll, Travis durchaus die Rolle des Protagonisten übernehmen können.
Bevor man diese „Geistervilla“ besucht, sieht man sich besser noch einmal Tim Burtons „Beetlejuice“ oder Rob Lettermans R.-L.-Stine-‚Verfilmung‘ „Gänsehaut“ an. Das sind, auch für Kinder, die viel, viel besseren Horrorkömodien mit eindrucksvollen Geistern und Menschen, treffsicherem Humor und gelungenen filmischen Anspielungen.
Geistervilla(Haunted Mansion, USA 2023)
Regie: Justin Simien
Drehbuch: Katie Dippold
mit LaKeith Stanfield, Tiffany Haddish, Owen Wilson, Danny DeVito, Rosario Dawson, Chase W. Dillon, Dan Levy, Jamie Lee Curtis, Jared Leto, Hasan Minhaj, Marilu Henner
Die neueste Mutprobe unter Teenagern in einer australischen Kleinstadt ist das Anfassen einer Skulptur. Sie hat die Form einer Hand und sie ist nicht irgendeine Hand, sondern ein Tor in das Reich der Toten. Wenn man während einer Séance in Trance die Hand anfasst, hat man den Kontakt zur Geisterwelt. Es ist eine Mutprobe, die strengen Regeln folgt. So darf der Kontakt darf nur neunzig Sekunden dauern. Und er wird mit einer Videokamera aufgenommen. Danach können die Schulkameraden sich immer wieder an dem Ausflippen der von einem Geist bessessenen Person erfreuen.
Auch Mia will die geheimnisvolle Hand berühren. So will sie mit ihrer vor zwei Jahren verstorbenen Mutter in Kontakt treten. Weil es sich bei diesen Begegnungen zwischen vergnügungssüchtigen Teenagern und Geistern immer um Zufallsbegegnungen handelt, ist es äußest unwahrscheinlich, dass Mia ihrer Mutter begegnet. Doch genau das geschieht. Und sie hält in dem Moment die Hand länger als erlaubt in ihrer Hand.
Danach ist das für Mia, ihre Freundin Jade, ihre Mitschüler und die Organisatoren der Séancen, die bis dahin den Charme von Drogenhändlern hatten, kein Spiel mehr.
„Talk to me“ ist das hochgelobte Spielfilmdebüt der australischen Zwillingsbrüder Danny und Michael Philippou. Bekannt wurden sie mit ihrem mehrfach ausgezeichnetem YouTube-Kanal „RackaRacka“. Dort veröffentlichten sie Action-Comic-Horror-Videos. Auch ihr Spielfilmdebüt ist ein Horrorfilm. Aber keine Horrorkomödie und Action gibt es auch nicht. „Talk to me“ ist ein atmosphärischer Geisterhorror. Durchaus gelungen, aber auch – jedenfalls wenn man schon einige dieser Horrorfilme gesehen hat – arg vorhersehbar bedient er bekannte Genretopoi.
Das tun die Philippou-Brüder so souverän, dass „Talk to me“ neugierig auf ihren nächsten Film macht.
Talk to me(Talk to me, Australien 2022)
Regie: Danny Philippou, Michael Philippou
Drehbuch: Danny Philippou, Bill Hinzman (basierend auf einem Konzept von Daley Pearson)
mit Sophie Wilde, Alexandra Jensen, Joe Bird, Otis Dhanji, Miranda Otto, Zoe Terakes, Chris Alosio, Marcus Johnson, Alexandria Steffensen
Drehbuch: Lillian Hellman, Michael Wilson (ungenannt), Horton Foote (ungenannt), Ivan Moffat (ungenannt)
LV: Horton Foote: The Chase (Bühnenstück 1952, später zu einem Roman verarbeitet)
In einer texanischen Kleinstadt jagt ein rachsüchtiger Mob einen entflohenen Häftling. Der Sheriff versucht die Katastrophe zu verhindern.
Hellman jammerte später, die ungenannten Drehbuchautoren hätten ihr Buch verhunzt, Penn autorisierte den Film nicht und dem Studio gefielen die Einnahmen nicht. Kurz: ein ziemliches Desaster, das auch im Rückblick, trotz gelungener Momente, nicht viel besser wird.
„Ein Mann wird gejagt“ ist ein Film, „der über weite Strecken hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Seine Bildsymbolik…ist allzu dick aufgetragen, die Topographie der Ortschaft sowie die Hierarchie ihrer Bewohner sind dagegen nicht sorgfältig genug ausgearbeitet, das grandiose Darstellerensemble bleibt sträflich unterfordert.“ (Michael Omasta in Lars-Olav Beier/Robert Müller: Arthur Penn)
Mit Marlon Brando, Robert Redford, Jane Fonda, Angie Dickinson, E. G. Marshall, Robert Duvall
Die Wege der Programmverantwortlichen sind unergründlich: heute ist, so 3sat in seiner Ankündigung, die deutsche TV-Premiere dieses Kinofilm, der damals auch in den deutschen Kinos lief, vom ZDFkoproduziert wurde, prominent besetzt ist und von Markus Fischer inszeniert wurde. Er ist auch für mehrere „Tatorte“ und Hunkeler-Krimis verantwortlich. Kurz: es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum der Krimi noch nie im Fernsehen lief.
Es geht um den Privatdetektiv Peter Keller (Bruno Ganz), der im Emmental in seinem Heimatdorf einem alten Freund will. Der soll eine Frau vergewaltigt und ermordet haben. Schnell gerät Keller in einen wunderschön verschachtelten Hardboiled-Plot, der seine Vorbilder nie versteckt und sie – im Buch und im Film (beides gefiel mir damals) – gelungen auf schweizer Verhältnisse überträgt.
Der Roman erhielt 1987 Friedrich-Glauser-Preis.
Die damalige Kritik: „herrlich ironischen Krimi (…) Philip Marlowe und Kemal Kayankaya sind wie Peter Keller Brüder im Geiste: zwar sarkastisch und bitter, aber nie traurig oder selbstmitleidig.“ (Fischer Film Almanach 1994)
Eine lohnenswerte Entdeckung (und vielleicht läuft der Krimi demnächst öfter im Fernsehen)
mit Bruno Ganz, Barbara Auer, Rolf Hoppe, Ueli Jäggi, Suzanne von Borsody, Dietmar Schönherr, Katja Peter