„Léon – Der Profi“ ist einer von Luc Bessons großen Filmen. Einer der Filme, neben „Subway“, „Im Rausch der Tiefe“ (seinen etwas unbekannteren früheren Filme), „Nikita“ und „Das fünfte Element“, die seinen Ruf als visionärer und sehr stilbewusster Regisseur begründen. Sein aktuelles Spätwerk beschränkt sich auf läppische Wiederholungen alter Erfolge. Da ist die nur am Montag, den 30. September, im Kino laufende (jaja, bei Erfolg gibt es weitere Vorführungen) in 4K restaurierte Fassung des Director’s Cut von „Léon – Der Profi“ eine willkommene Gelegenheit, sich den Film von 1994 wieder auf der großen Leinwand anzusehen. Und, ehe wir zum Film kommen: das Bild sieht fantastisch aus.
Die Geschichte dürfte bekannt sein: Léon (Jean Reno) ist ein Mafia-Profikiller, der zurückgezogen in einem New Yorker Mietshaus lebt. Als ein Nachbar, der in Rauschgiftgeschäfte verwickelt ist, und seine Familie von Norman Stansfield (Gary Oldman) und seinen DEA-Kollegen niedergemetzelt werden, muss Léon sich entscheiden, ob er die zwölfjährige Nachbarstochter Mathilda Lando (Natalie Portman) in seine Wohnung lässt. Er tut es.
Zwischen dem neunmalklugen Kind, das ihren kleinen Bruder rächen will, und dem Killer, der mental noch ein Kind ist, entwickelt sich eine Vater-Kind-Beziehung mit sexuellen Untertönen. Dieser pädophile Unterton störte mich damals im Kino nicht. Rückblickend würde ich sagen, dass ich ihn überhaupt nicht als irgendwie problematisch wahrnahm. Außerdem ist Léon ein Mann, der mit seinem kindlichen Gemüt und seinen nicht passenden Kleidern an einen traurigen Clown erinnert. Rückblickend sahen es damals auch die meisten Kritiken so. Es wurde vor problematisiert, dass ein Mann, ohne moralische Skrupel, ein Kind zu einer Killerin ausbildet, sie gemeinsam Morde begehen und der Film das als cool zeigt. Mathilda wird zu einem richtigen ‚Hit-Girl‘. Währenddessen sucht der korrupte und hoffnungslos durchgeknallte Drogenpolizist Stansfield sie.
Die finale Konfrontation zwischen ihnen ist, mit ihrer schonungslosen Gewalt und den vielen Toten, heute immer noch atemberaubend.
Im zwanzig Minuten längeren Director’s Cut, der jetzt wieder im Kino läuft, wird die Beziehung zwischen Léon und Mathilda ausführlicher gezeigt. Diese Fassung lief auch 1996 in den deutschen Kinos.
„Léon – Der Profi“ ist ein amoralisches Noir-Märchen, das dann doch einer höheren Moral gehorcht, Réno, Portman und Oldman treten in heute für sie immer noch ikonischen Rollen auf. Und Besson war damals auf dem Höhepunkt seines Könnens, der in jeder Minute Kino macht.
„Léon – Der Profi“ ist daher definitiv ein Wiedersehen auf der großen Leinwand wert.
Für den 24. Oktober hat Studiocanal, mit viel Bonusmaterial, die DVD-, Blu-ray- und 4KUHD-Veröffentlichung angekündigt.
Léon – Der Profi(Léon, Frankreich 1994)
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson
mit Jean Réno, Gary Oldman, Natalie Portman, Danny Aiello, Peter Appel, Michael Badalucco, Ellen Greene
Russland, 1953, zu Stalins Lebzeiten: der Geheimdienstler Leo Demidow wird in die tiefste Provinz verbannt. Dort stolpert er über einen Mordfall, der einem Mordfall in Moskau ähnelt. Soll es im Arbeiter- und Bauernstaat einen Serienmörder geben?
Letztendlich und gerade wegen der beteiligten Personen enttäuschende Verfilmung von Tom Rob Smiths mit mehreren Preisen ausgezeichnetem Thriller, die in Teilen besser (vor allem an Anfang) und in Teilen (vor allem am Ende) schlechter als der Roman ist. Dabei war ich von dem Roman auch nicht so wahnsinnig begeistert.
Gut, das hat man früher öfter gesagt. Bei „Sid & Nancy“, „Bram Stokers Dracula“, „Romeo is bleeding“, „Leon – Der Profi“, „Das fünfte Element“ und „Air Force One“. Meistens spielte er den Bösewicht und er okkupierte einfach den Film. In den letzten Jahren verlegte er sich auf mehr oder weniger unauffällige Kurzauftritte. Sein George Smiley in „Dame, König, As, Spion“ war die gelungene Verkörperung eines unauffälligen Mannes. In etlichen weiteren Filmen stand er ebenfalls auf der Seite der Guten.
Jetzt, in „Die dunkelste Stunde“ hat Gary Oldman in jeder Beziehung die Hauptrolle übernommen. Er spielt Winston Churchill. Unter der Maske erkennt man Oldman nicht mehr. Sein Spiel unterscheidet sich von all seinen anderen Rollen.
Churchill ist immer noch ein britisches Nationalheiligtum. Er führte im Zweiten Weltkrieg Großbritannien in den siegreichen Kampf gegen Hitler-Deutschland. Der Anfang war die Schlacht um Dünkirchen und die Rettungsoperation Dynamo, die vor einigen Monaten im Kino (und inzwischen auf DVD) von Christopher Nolan in „Dunkirk“ sehr beeindruckend geschildert wurde. Nolan verzichtet in seinem Kriegsfilm auf historische Erklärungen und Hintergründe. Die liefert jetzt Joe Wright in „Die dunkelste Stunde“. Deshalb kann man seinen Film gut als Ergänzung und, wenn man ein Double-Feature haben will, Vorfilm für „Dunkirk“ betrachten.
Wright schildert, wie Winston Churchill, ein Grantler vor dem Herrn, im Mai 1940 nach dem glücklosen Premierminister Neville Chamberlain zu seinem Nachfolger ernannt wird und wie er sich durch das Minenfeld von Parteiintrigen, die ihn als Kompromisskandidaten sehen, und einem missgünstigen König George VI (Ben Mendelsohn, grandios in einer kleinen Rolle), den Weg zu der großen, noch heute bekannten und viel zitierten Rede am 4. Juni 1940 bahnt. In dieser Rede rief er, nach der erfolgreichen Evakuierung der in Dünkirchen von den Deutschen eingeschlossenen Soldaten, zum kompromisslosen Kampf gegen Hitler-Deutschland auf.
Der Film schildert wenige Wochen, die für Churchills Nachruhm entscheidend sind.
„Die dunkelste Stunde“ ist, die britische Seele streichelndes, historisches Erbauungskino, das sich auf die Schauspieler und Dialoge konzentriert und, wenn Churchill vor seiner großen Rede in der U-Bahn die normalen Briten um Rat fragt, nicht vor Kitsch zurückschreckt. Das ist, schließlich handelt es sich um einen Spielfilm und keinen Dokumentarfilm, historisch weitgehend akkurat. So ist Churchills U-Bahnfahrt historisch nicht verbürgt. Aber er war immer wieder in Pubs und unterhielt sich mit den Gästen.
Neben Oldman werden die anderen Schauspieler, wie Kristin Scott Thomas als Churchills Frau, Lily James als seine neue Sekretärin, Ronald Pickup als Neville Chamberlain und Stephen Dillane als Viscount Halifax, zu Stichwortgebern.
Denn im Mittelpunkt von Wrights Heldensaga steht Gary Oldman mit einer Performance und einer Rolle, die nach dem Oscar für den besten Hauptdarsteller schreit. Den Golden Globe hat er schon gewonnen.
Die dunkelste Stunde (Darkest Hour, Großbritannien 2017)
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Anthony McCarten
mit Gary Oldman, Kristin Scott Thomas, Lily James, Stephen Dillane, Ronald Pickup, Ben Mendelsohn, Nicholas Jones, Samuel West, David Schofield, Richard Lumsden, Malcolm Storry
Die Ausgangslage ist etwas kompliziert: Jedenfalls erklärt sich der inhaftierte Profikiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) bereit in Den Haag am Internationalen Gerichtshof als Kronzeuge gegen den osteuropäischen Diktator Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) auszusagen, wenn dafür Kincaids ebenfalls in Holland inhaftierte Frau Sonia (Salma Hayek) freigelassen wird. Kurz nachdem Kincaid, schwer bewacht von den Besten der Besten, das Gefängnis in Nordengland verlässt, wird der Konvoi überfallen. Bis auf die unerfahrene Interpol-Agentin Amelia Roussel (Elodie Yung), die Kincaid bewachen soll, und Kincaid, der im Alleingang mindestens die Hälfte der Angreifer tötet, sterben alle.
Roussel vermutet, dass sie verraten wurden und weil Kincaid nicht allein (sein Vorschlag) in 24 Stunden nach Den Haag fahren kann, bittet sie ihren Ex-Freund Michael Bryce (Ryan Reynolds) um Hilfe. Der Auftrag soll zu seiner Rehabilitierung beitragen. Denn früher war Bryce der beste Bodyguard, den man sich für Geld kaufen konnte.
Und ab diesem Moment bewegt sich „Killer’s Bodyguard“ in den sattsam bekannten Buddy-Movie-Gewässern. Bryce, ein manischer, alles vorausplanender Kontrollfreak, der Kincaid und alles was er verkörpert hasst, und Kincaid, für den, wie für Deadpool, die ganze Selbstmordaktion ein Riesenspaß ist, machen sich auf den Weg. Begleitet von einer Armada schießwütiger Gangster, unterbrochen von langen Streitgesprächen über Berufsethik und Beziehungen, die ein altes Ehepaar nicht besser hinbekommt.
Das ist ungefähr so tiefgründig wie eine Wasserpfütze und der Humor ist reichlich grob. Aber der von Tom Hughes („Red Hill“, „The Expendables 3“) inszenierte Film macht Spaß. In der deutschen Synchronisation stimmt die Chemie zwischen Bryce und Kincaid, während dem geübten Auge auffällt, dass Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson erstaunlich selten gemeinsam im Bild sind.
Die Action ist weitgehend handgemacht. Von den Faustkämpfen über die Schießereien und Explosionen bis hin zu den Verfolgungsjagden in Autos und Booten durch die Grachten von Amsterdam. Das ist wunderschön altmodisch und, bei allem Exzess, doch glaubwürdig. Immerhin gibt es hier keine Superheldenaction, in der am Computer ganze Städte zerstört werden. Es gibt nur Autos, die danach Reif für den Schrottplatz sind. Bei einigen Actionszenen, wenn die Action in unmittelbarer Nähe der beiden Hauptdarsteller stattfindet, ist dann auch offensichtlich, dass hier Bilder übereinanderkopiert wurden. Globetrottern wird auch auffallen, dass die Macher sich bei den Orten einige Freiheiten nahmen.
„Killer’s Bodyguard“ ist einfach eine entspannende Buddy-Actionkomödie, in der laut geflucht und beleidigt und noch lauter geschossen und Gegenstände in die Luft gejagt werden und man jeden Gedanken an Anspruch schon vor dem ersten Auftritt von Samuel L. Jackson beerdigen sollte.
Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.
Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
Zugegeben, besonders plausibel ist die Geschichte nicht. Da sollen wir zuerst glauben, dass bei der ersten bemannten Mission zum Mars eine schwangere Frau mitfliegen darf, weil bei all den Untersuchungen vor dem Abflug genau das nicht bemerkt wurde. Dann sollen wir glauben, dass in einer Marsstation ein Junge aufwächst, ohne dass das über sechzehn Jahre herauskommt. Er wird von Wissenschaftlern, die auf verschiedenen Missionen auf der Station eine mehr oder weniger lange Zeit verbringen, erzogen. Und niemand, absolut niemand, von den Astronauten und dem Personal auf der Erde redet darüber. Das ist absolut unrealistisch. Wem es nicht gelingt, über diese Punkte hinwegzusehen, der wird „Den Sternen so nah“, den neuen Film von Peter Chelsom („Funny Bones“), hassen. Dabei ist die Frage, wie sich eine Schwangerschaft und Geburt im Weltraum und ein Leben auf dem Mars auf den menschlichen Körper auswirken, durchaus faszinierend. In dem Film bleibt es dann dabei, dass der Junge ein zu schwaches Herz für die Erde hat.
Gardner Elliot (Asa Butterfield), der Marsjunge, genießt auf dem Mars zwar eine gute Ausbildung mit Wissenschaftlern, seinem Roboter Centaur und Computern, aber er sehnt sich auch nach dem Kontakt zu Gleichaltrigen. Im Internet lernt er Tulsa (Brit Robertson) kennen. Sie lebt in einer Kleinstadt in Colorado, wurde in den vergangenen Jahren von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht und freut sich auf ihren achtzehnten Geburtstag. Dann ist die Outsiderin endlich frei und kann tun und lassen, was sie will. Sie skypen ohne Zeitverzögerung (scheint in knapp zwanzig Jahren zu gehen), aber sonst trennen sie Welten.
Als die Mediziner der privaten Gesellschaft Genesis Space Technologies, die für die Marsmission verantwortlich ist, eine Methode entdecken, Gardners Körper so zu verändern, dass er auf der Erde überleben kann, ist eine Rückkehr möglich.
Auf der Erde gelingt ihm schnell die Flucht aus dem Kennedy Space Center in Florida. Er will zu Tulsa und mit ihr zu seinem Vater, von dem er nur ein Bild hat. Seine Mutter starb bei seiner Geburt. Dabei entdeckt Gardner eine für ihn fremde Welt, durch die er wie David Bowie in „Der Mann, der vom Himmel fiel“ stakst und sich über den Regen freut.
Allerdings werden er und seine ‚Maude‚ Tulsa von Nathaniel Shepherd (Gary Oldman, der mehr als eine Nebenrolle hat), dem herzschwachen Gründer von Genesis Space Technologies, und seiner Marsmutter Kendra Wyndham (Carla Gugino), einer kinderlosen Ingenieurin, verfolgt. Beide haben, aus unterschiedlichen Gründen, Angst um Gardner und dass er von der Polizei und der Öffentlichkeit entdeckt wird, während er von Florida über Colorado, New Mexico, Arizona und Nevada in Richtung Kalifornien reist.
In diesen Momenten ist dann die Science-Fiction-Welt ganz weit weg. Man muss sich nicht mehr mit den Unglaubwürdigkeiten der Ausgangslage beschäftigen, sondern kann (und sollte) „Den Sternen so nah“ als eine Geschichte von zwei Outsidern, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die zusammen finden, sehen. Es ist eine Geschichte zweier Jugendlicher, die sich nach dem Sinn ihres Leben fragen und dabei ein wildes Abenteuer erleben. Gewürzt mit etwas Humor, einem zutiefst freundlichen Blick auf die Menschen, ihre Fehler, Bedürfnisse und Wünsche, schönen Bildern aus dem Hinterland (gedreht wurde vor allem in der Gegend von Albuquerque, New Mexico) und Schauspielern, die man immer gerne sieht, wie Gary Oldman, der sich in den vergangenen Jahren etwas rar machte und vor allem Nebenrollen übernahm.
Das ist immer etwas banal, nicht allzu tiefschürfend und eher für Teenager, aber mit der begrüßenswerten Botschaft.
Den Sternen so nah (The Space between us, USA 2017)
Regie: Peter Chelsom
Drehbuch: Allan Loeb (nach einer Geschichte von Stewart Schill, Richart Barton Lewis und Allan Loeb)
mit Britt Robertson, Asa Butterfield, Gary Oldman, Carla Gugino, BD Wong, Janet Montgomery
mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Simon McBurney, Kathy Burke, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, John le Carré (Komparse bei der MI6-Silvesterfeier; also genau aufpassen)
Wikipedia über die Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ (deutsch, englisch)
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Arte, 22.15
Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, Regie: Martin Ritt)
Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper
LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)
Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.
Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).
Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee
„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.
In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“
EinsPlus, 20.15 Das fünfte Element (Frankreich 1997, Regie: Luc Besson)
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Zukunft, Erde: Taxifahrer Korben Dallas (Bruce Willis), der noch nicht einmal sein Leben auf die Reihe bekommt, muss mal eben das Universum retten und besucht dafür auch einige ferne Planeten in weit entfernten Galaxien. Aliens und andere seltsame Wesen gibt es auch. Action und Spaß sowieso.
Quietschbuntes, vollkommen durchgeknalltes Science-Fiction-Abenteuer, das den Fans der „Guardians of the Galaxy“ gefallen dürfte.
Hier hat Luc Besson, nach „Subway“, „Nikita“, „Leon – Der Profi“, noch einmal gezeigt, was er kann: „ein Fest für die Augen“ (Annette Kilzer, Herausgeberin: Bruce Willis)
mit Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm, Milla Jovovich, Chris Tucker, Luke Perry, Brion James, Lee Evans, Tricky, Mathieu Kassovitz Hinweise Rotten Tomatoes über „Das fünfte Element“
Wikipedia über „Das fünfte Element“ (deutsch,englisch)
LV: Matt Bondurant: The wettest County in the World, 2008
Franklin County, Virginia, während der Prohibition: Die Bondurant-Brüder sind Schnapsbrenner und mit sich und der Welt im Reinen. Bis der skrupellose und psychopathische Bundesagent Charlie Rakes die Schnapsbrenner und alle die in das Geschäft verwickelt sind, vernichten will.
mit Shia LaBeouf, Tom Hardy, Jason Clarke, Guy Pearce, Jessica Chastain, Mia Wasikowska, Dane DeHaan, Chris McGarry, Tim Tolin, Gary Oldman, Lew Temple, Marcus Hester, Bill Camp
Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.
Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
RTL II, 22.30 Bram Stoker’s Dracula (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: James V. Hart
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Francis Ford Coppolas Interpretation der bekannten Geschichte von Graf Dracula. Nicht schlecht und allein schon wegen der Besetzung einen Blick wert.
mit Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, Richard E. Grant, Cary Elwes, Bill Campbell, Sadie Frost, Tom Waits, Monica Bellucci Hinweise Rotten Tomatos über „Bram Stoker’s Dracula“
Wikipedia über „Bram Stoker’s Dracula“ (deutsch, englisch)
Im Vorhof der Hölle (USA 1990, Regie: Phil Joanou)
Drehbuch: Dennis McIntyre
Terry Noonan kehrt zurück in sein altes Viertel Hell’s Kitchen und trifft sich auch gleich wieder mit seinen alten Gangsterkumpels. Was diese nicht wissen: inzwischen ist Terry bei der Polizei.
Klasse Neo-Noir-Krimi, der damals etwas unterging und, optisch und schauspielerisch brillant, in bekannten Gewässern fischt.
Mit Sean Penn, Gary Oldman, Robin Wright, John Turturro, Burgess Meredith, John C. Reilly
Wer den Roman „Kind 44“ von Tom Rob Smith kennt, ist in den ersten Minuten von „Kind 44“ positiv überrascht. Drehbuchautor Richard Price raffte und veränderte den Anfang so, dass die Geschichte schneller beginnt und, wer den Roman gelesen hat, sieht die ersten Minuten als eine kluge Vorschau auf die kommenden Ereignisse, bis hin zum Motiv des Mörders.
Zuerst erfahren wir einiges über Leo Demidow (Tom Hardy), das später wichtig wird: wie er aus seinem Elternhaus flüchtet, in einem Waisenhaus aufwächst, im Zweiten Weltkrieg kämpft und in Berlin für das bekannte Russischer-Soldat-hält-auf-einem Gebäude-vor-der-zerstörten-Stadt-die-Fahne-hoch-Bild poussieren muss. Seine Kampfgefährten sind Wassili (Joel Kinnaman) und Alexei Andrejew (Fares Fares). Jetzt, acht Jahre nach dem Kriegsende, sind sie seine Kollegen beim Staatssicherheitsdienst,
Auch das fröhliche Abendessen mit seinen Kollegen und ihren Frauen zeigt, dass die Ehe zwischen Leo und Raisa Demidow (Noomi Rapace) nicht glücklich ist. Er unterdrückt sie und sie lächelt notgedrungen schweigend zu seinen Ausführungen über ihre erste Begegnung. Sein Balzen war, und das zeigt diese Szene ohne dass sie es sagen muss, für sie eine Bedrohung ihres Lebens. Sie heiratete ihn, weil sie Angst vor ihm hatte und immer noch hat.
Aber dann scheitert der Film an seiner eigenen Unentschlossenheit und die Bedeutung der ersten Szenen erschließt sich eigentlich nur den Menschen, die den Roman kennen. Für alle anderen ist es vor allem eine okaye und sogar etwas längliche Einführung des Helden. Denn für die sich im folgenden eher nebenbei entwickelnde Serienkillerjagd sind seine Jugendjahre und seine Kriegserlebnisse unwichtig. Da hätte die Verfolgung eines Mannes, der der Spionage verdächtig ist, gereicht, um den Protagonisten, seine Fähigkeiten als Ermittler (sehr groß) und seine Wertesystem (sehr akzeptabel) zu etablieren. Außerdem lernen wir in diesen Minuten auch Wassili kennen. Wassili ist ein Antagonist von Demidow; er ist der Mann, der Demidow aus verschiedenen Gründen, vernichten will, indem er das System für seine Interessen benutzt. Der zweite Gegner von Demidow ist natürlich der Mörder, der fast fünfzig Kinder ermordete. Im Film ist, wie im Buch, allerdings unklar, wer der Hauptgegner von Demidow ist. Im Film führt das dazu, dass die Geschichte nicht mehr funktioniert. Storytechnisch blockieren sich die beiden Gegner. Die Geschichte wird nicht spannender, sondern langweiliger.
Dabei folgen Price, ein geachteter Roman- („The Wanderers“) und Drehbuchautor („Die Farbe des Geldes“, „Clockers“), und Daniel Espinosa („Easy Money“, „Safe House“) weitgehend der Romanhandlung: Geheimdienstoffizier Leo Demidow soll seinen Untergebenen Andrejew und dessen Familie vom Unfalltod ihres Sohnes überzeugen. Demidow erhält zwar Hinweise, dass es, wie Andrejew behauptet, ein Mord war. Er sieht sich sogar die Leiche an. Aber er verfolgt die Spuren nicht weiter. Denn im kommunistischen Paradies gibt es keine Verbrechen und damit auch keine Morde.
Nach diesem Auftakt wird der Serienmörderplot auch im Film erst einmal lange Zeit nicht weiter verfolgt. Stattdessen nimmt Demidows Privatleben einen beträchtlichen Raum ein. Denn er soll herausfinden, ob seine Frau eine feindliche Agentin ist. Als er dies nach umfangreichen Ermittlungen vor seinen Vorgesetzten verneint, werden beide nach Wualsk, einer abgelegenen Industriestadt, versetzt. Dort ist General Nesterow (Gary Oldman) sein Vorgesetzter. Ein guter Polizist, der allerdings bei weitem nicht so brillant wie Demidow ist. Deshalb wird er später auch zu Demidows Dr. Watson.
In Wualsk stößt Demidow auf einen weiteren Mord an einem Kind. Jetzt packt ihn das schlechte Gewissen. Er und Nesterow beginnen mit ihren Ermittlungen, die sie im Geheimen durchführen müssen, weil in der Sowjetunion der totalitären Stalinära reine Willkür herrschte und ihr erste Fehler sie in das nächste Gulag befördern könnte.
Diesen Serienkillerplot schleift der Film, wie der Roman, eher mit, weshalb der gesamte Mittelteil des Films über weite Strecken auf der Stelle tritt.
Anstatt kluger Verdichtungen, Verkürzungen, Dramatisierungen und einer Konzentration auf einen Hauptplot (und damit einen klar konturierten Konflikt) geht der Film in die Breite, ohne dass wir etwas substantiell neues über die Charaktere erfahren oder sich die Handlung erkennbar voranbewegen würde. Es wirkt, als habe Richard Price die Lust an seiner Geschichte verloren und sich nicht mehr darum gekümmert, ob sie in sich schlüssig ist.
Dazu kommt die im Film psychologisch kaum begründete Beziehung zwischen Leo und Raisa Demidowa. Für sie ist es eine Zwangsehe. Das gesteht sie ihm auch während der Zugfahrt nach Wualsk. Er ist natürlich entsetzt darüber, dass sie ihn nicht als galanten Liebhaber, sondern als Monster wahrnimmt. Vor allem, nachdem er jetzt sogar für sie seine Karriere geopfert hat. Aber dann wird sie, weil das Drehbuch es so will, zu seiner Verbündeten, hilft ihm bei der Aufklärung der Mordserie und begibt sich mehrmals freiwillig für ihn, den Mann, den sie hasst, der ihr Leben verpfuschte und der sie unterdrückt, in Lebensgefahr. Die Demidowas sind halt ein echtes Powerpaar.
Daniel Espinosa nimmt sich fast hundertvierzig Minuten Zeit, um seine Geschichte zu erzählen. Und dennoch wirkt der Film in seiner eigentümlichen Mischung aus Plot-Stillstand und kryptischer Erzählweise (Warum hilft Raisa ihrem Ehemann?) doch wie ein auf Kinolänge zusammengeschnittener TV-Mehrteiler, bei dem die falschen Szenen entfernt wurden.
Wenn es am Ende zur Konfrontation zwischen Demidow und dem Serienmörder kommt, wird der Kampf von einem Kellerzimmer in eine Schlammgrube im Wald verlegt; was kein großes Problem wäre, wenn dadurch nicht das Set-Up der ersten Minuten vollkommen verschenkt wäre. Ein Kreis, der sich auch optisch hätte schließen können, schließt sich nicht. Dafür gibt es eine Runde Schlammcatchen zwischen dem Mörder und dem Ehepaar Demidow.
Spontan fällt mir kein anderer hochkarätig besetzter und produzierter Mainstreamfilm ein, der sein Potential so grundlos und umfassend verschenkt.
Kind 44 (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Richard Price LV: Tom Rob Smith: Child 44, 2008 (Kind 44)
mit Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Paddy Considine, Jason Clarke, Vincent Cassel, Fares Fares, Charles Dance, Josef Altin
Länge: 138 Mnuten
FSK: ab 16 Jahre
– Die Vorlage
Im Vorhof der Hölle (USA 1990, Regie: Phil Joanou)
Drehbuch: Dennis McIntyre
Terry Noonan kehrt zurück in sein altes Viertel Hell’s Kitchen und trifft sich auch gleich wieder mit seinen alten Gangsterkumpels. Was diese nicht wissen: inzwischen ist Terry bei der Polizei.
Klasse Neo-Noir-Krimi, der damals etwas unterging und, optisch und schauspielerisch brillant, in bekannten Gewässern fischt.
Mit Sean Penn, Gary Oldman, Robin Wright, John Turturro, Burgess Meredith, John C. Reilly
Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.
Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
EinsPlus, 22.15 Das fünfte Element (Frankreich 1997, Regie: Luc Besson)
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Zukunft, Erde: Taxifahrer Korben Dallas (Bruce Willis), der noch nicht einmal sein Leben auf die Reihe bekommt, muss mal eben das Universum retten und besucht dafür auch einige ferne Planeten in weit entfernten Galaxien. Aliens und andere seltsame Wesen gibt es auch. Action und Spaß sowieso.
Quietschbuntes, vollkommen durchgeknalltes Science-Fiction-Abenteuer, das den Fans der „Guardians of the Galaxy“ gefallen dürfte.
Hier hat Luc Besson, nach „Subway“, „Nikita“, „Leon – Der Profi“, noch einmal gezeigt, was er kann: „ein Fest für die Augen“ (Annette Kilzer, Herausgeberin: Bruce Willis)
mit Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm, Milla Jovovich, Chris Tucker, Luke Perry, Brion James, Lee Evans, Tricky, Mathieu Kassovitz Hinweise Rotten Tomatoes über „Das fünfte Element“
Wikipedia über „Das fünfte Element“ (deutsch,englisch)
Und dann läuft die TV-Premiere auch noch zu einer normalen Uhrzeit, während das ZDF um 00.50 Uhr das ebenfalls grandiose Südstaatendrama „The Help“ arg lieblos versendet. Immerhin ist „The Help“ produziert von Disney, starbesetzt, Oscar-prämiert, mehrfach ausgezeichnet und war ein überraschender Kassenhit in den USA.
mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Simon McBurney, Kathy Burke, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, John le Carré (Komparse bei der MI6-Silvesterfeier; also genau aufpassen)
Als Charlton Heston am Ende von „Planet der Affen“ entdeckte, dass der fremde Planet, auf dem er nach einem ewig langem Flug durch das Weltall gelandet war und auf dem Affen Menschen bestenfalls als Haustiere betrachten, die Erde war, war der Anblick der Freiheitsstatue ein Schock und eines der ikonischen Filmenden. In den nächsten Jahren gab es etliche Fortsetzungen, ehe die Begeisterung für menschliche Affen nachließ.
Als vor drei Jahren mit „Planet der Affen: Prevolution“ (Rise of the Planet of the Apes) die Vorgeschichte, natürlich im Reboot-Modus, zum „Planet der Affen“ erzählt wurde, war Rupert Wyatts Film ein Publikums- und Kritikererfolg. Erzählt wurde die Geschichte des Forschers Will Rodman (James Franco), der nach einem Mittel gegen Alzheimer sucht, das an Tieren ausprobiert, auch an seinem Hausaffen Caesar (Andy Serkis), und dabei ein Mittel findet, das Alzheimer aufhalten kann und das Caesar intelligenter macht. Das Mittel wird dann in der Biotech-Firma GenSys an anderen Affen ausprobiert. Der Affe kann sogar sprechen! Die Versuche haben fatale Nebenwirkungen und am Ende brechen die Affen mit der Hilfe von Caesar aus. Es kommt zu einer Schlacht mit der Polizei auf der Golden-Gate-Brücke und die Affen verschwinden im Redwood-Nationalpark
So gelungen „Planet der Affen: Prevolution“ auch war, es war immer nur die Vorgeschichte zu einer größeren Erzählung mit bekanntem Ausgang. Ein Prolog eben, der jetzt in „Planet der Affen: Revolution“ das erste Kapitel einer größeren Geschichte erzählt. Denn obwohl „Planet der Affen: Revolution“ mit über zwei Stunden ziemlich lang geraten ist, ist es eigentlich nur eine zu lang geratene Episode einer TV-Serie, in der es neben der Geschichte der Woche auch etliche episodenübergreifende Handlungsstränge gibt.
Matt Reeves‘ Film beginnt zehn Jahre nach „Planet der Affen: Prevolution“. Mit dem Ausbruch der Affen aus dem Forschungslabor wurde auch ein Virus, die Simianische Grippe, freigesetzt, der die meisten Menschen tötete. Es gibt weltweit nur noch vereinzelte Enklaven. In San Francisco gibt es eine, die von Dreyfus (Gary Oldman) angeführt wird. Der Ex-Polizeipräsident und Kurzzeitbürgermeister von San Francisco ist ihr ruhig und überlegt handelnder Anführer. Ihm zur Seite steht der besonnene Malcolm (Jason Clarke), der jetzt mit einer handvoll Gefährten den Staudamm im Wald, der ihnen Strom liefern soll, wieder in Betrieb setzen soll.
Dabei treffen sie auf Caesar – und wenn wir uns jetzt an die abertausend Western erinnern, in denen Siedler auf Indianer trafen und sie zu fragilen Abkommen kamen, dann können wir uns den weiteren Plot von „Planet der Affen: Revolution“ in bester Malen-nach-Zahlen-Manier ausmalen. Dass die Dialoge der Affen, ihre Handlungen und natürlich ihre Fortbewegung (wobei ein Affe mit Gewehr auf einem Pferd natürlich cool aussieht) dabei direkt aus dem letzten Western geklaut wurde, verstärkt den Eindruck, eine in die nahe Zukunft verlegte Geschichte von einer gut abgehangenen Endlos-TV-Serie wie „Tausend Meilen Staub“ (Rawhide) oder Filmen wie „Der große Treck“ (The big Trail), in denen Siedler auf ihrem Weg durch den Wilden Westen unzählige Abenteuer erleben, sehen.
Allerdings bleibt diese Indianer-Analogie trotz ihres Potentials für die Geschichte und auch die damit verbundene Frage, wie Affen und Menschen miteinander umgehen, an der Oberfläche. Es ist bestenfalls auf dem Niveau der ersten Indianerwestern aus den Fünfzigern, in denen die Botschaft war, dass Indianer auch Menschen und keine Wilden sind, die von dem tapferen weißen Mann dutzendweise abgeknallt werden. Hier sehen wir sogar die ersten Ursprünge einer sich entwickelnden Affengesellschaft.
In diesen Momenten bleibt die Filmgeschichtesträflich unter ihren Möglichkeiten. Statt den Rassenkonflikts intelligent zu thematiseren und auf die Gegenwart zu beziehen (wie es zum Beispiel die neue Version von „Battlestar Galactica“ tat), bleibt es bei einer rein illustrativen Verwendung, bei der wir zwar Affen und Menschen sehen, es sich aber genausogut um Nachbarn handeln könnte, die ein Wasserproblem mit einigen wenigen Verhandlungen lösen, während in beiden Familien die Söhne etwas Randale machen.
Immerhin wissen wir, wie die Geschichte auf lange Sicht endet; – wenn es nicht dank der Änderung des Ursprungs der Affenherrschaft von einem Atomkrieg in dem Original-Planet-der-Affen-Film zu einer Seuche in diesem Film und des damit verbundenen Reboots, der dann auch, wie in „Star Trek“, auf einer anderen Zeitlinie spielt, in den kommenden Filmen zu einer friedlichen Koexistenz zwischen Affen und Menschen kommt, was immerhin für die Menschen (vulgo: die weißen Siedler) eine gute Nachricht wäre.
Die Tricks sind gelungen, obwohl die Affen sich in den Massenszenen immer noch merkwürdig synchron bewegen, die Proportionen in der 3D-Version öfter falsch sind und einige Bewegungen unnatürlich erscheinen. Aber insgesamt gelingt die Verbindung von realen Drehorten, oft mitten im Wald, und Spezialeffekten. Auch der Sound, der alle Boxen des Kinos, vor allem in den im Dorf der Affen spielenden Szenen, sinnvoll und differenziert ausnutzt gefällt.
Insgesamt ist „Planet der Affen: Revolution“ gelungenes Blockbuster-Kino, bei dem man sein Gehirn nicht am Eingang abgeben muss. Im Gegenteil!
Planet der Affen: Revolution (Dawn of the Planet of the Apes, USA 2014)
Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Mark Bomback, Rick Jaffa, Amanda Silver
mit Andy Serkis, Jason Clarke, Keri Russell, Gary Oldman, Judy Greer, Toby Kebbell, Kodi Smit-McPhee
Arte, 21.00 Bram Stoker’s Dracula (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: James V. Hart
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Francis Ford Coppolas Interpretation der bekannten Geschichte von Graf Dracula. Nicht schlecht und allein schon wegen der Besetzung einen Blick wert.
mit Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, Richard E. Grant, Cary Elwes, Bill Campbell, Sadie Frost, Tom Waits, Monica Bellucci Wiederholung: Donnerstag, 3. April, 23.10 Uhr Hinweise Rotten Tomatos über „Bram Stoker’s Dracula“
Wikipedia über „Bram Stoker’s Dracula“ (deutsch, englisch)