Cover der Woche

Mai 21, 2024

„Jetzt ist schon wieder was passiert.“

Und der Brenner ermittelt dieses Mal im katholischen Knabeninternat.

 


TV-Tipp für den 21. Mai: Kinderschänder im Visier

Mai 20, 2024

Arte, 20.15

Kinderschänder im Visier (Frankreich 2024)

Regie: Laetitia Ohnona

TV-Premiere. Spielfilmlanger Dokumentarfilm über Pädokriminelle und die Jagd nach ihnen. Für diese Doku recherchierte Laetitia Ohnona vier Jahre lang in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Nordamerika und den Philippinen bei den zuständigen Behörden, der Europäischen Kommission und Kinderschutzorganisationen.

Hinweis

Arte über die Doku (bis zum 26. August 2024 in der Mediathek)


TV-Tipp für den 20. Mai: Ein verborgenes Leben

Mai 19, 2024

Arte, 20.15

Ein verborgenes Leben (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

TV-Premiere. Malicks meditatives Biopic über Franz Jägerstätter, einen in Oberösterreich lebenden tiefgläubigen Bauern, der 1939 den Treueeid auf Adolf Hitler und irgendeine Teilnahme am Krieg verweigert, ist sein bester und zugänglichster Film seit „Der schmale Grat“ (The thin red Line).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit August Diehl, Valerie Pachner, Maria Simon, Karin Neuhäuser, Tobias Moretti, Ulrich Matthes, Matthias Schoenaerts, Franz Rogowski, Karl Markovics, Bruno Ganz, Michael Nyqvist, Martin Wuttke, Sophie Rois, Alexander Fehling, Joel Basman, Jürgen Prochnow

Wiederholung: Mittwoch, 22. Mai, 14.15 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Ein verborgenes Leben“

Moviepilot über „Ein verborgenes Leben“

Metacritic über „Ein verborgenes Leben“

Rotten Tomatoes über „Ein verborgenes Leben“

Wikipedia über „Ein verborgenes Leben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Ein verborgenes Leben“ (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Pierfrancesco Favino ist „Der Kolibri“

Mai 19, 2024

Francesca Archibugi verfilmte, prominent besetzt mit Pierfrancesco Favino als Marco Carrera und Bérénice Bejo, Laura Morante und Nanni Moretti in wichtigen Nebenrollen, Sandro Veronesis mit dem Premio Strega ausgezeichneten Roman „Der Kolibri“.

Sie erzählt Carreras Leben, wie Veronesi in seinem Roman, nicht chronologisch, sondern assoziativ zwischen den Zeiten springend. Dabei vermeidet sie alles, was einem eine Orientierung geben könnte. Das ist anfangs, wenn mit einem Kameraschwenk Jahrzehnte überbrückt werden, faszinierend. Später frustrierend. Es gibt keine Geschichte, keine Biographie, sondern nur nicht datierte Schnappschüsse aus dem Leben eines 1959 geborenen, zum Großbürgertum gehörenden Italieners, der eine glückliche Jugend erlebt, sich, und das markiert ungefähr den Anfang der nicht chronologisch erzählten Filmgeschichte, als Teenager verliebt, als Erwachsener eine andere Frau heiratet, von seiner Frau betrogen wird, seine Tochter bei einem Unfall verliert, erfolgreich als Augenarzt praktiziert, Abende mit Kartenspielen in mondänen Villen verbringt und als alter Mann im Kreis seiner großen, ihn liebenden Familie und seiner Freunde stirbt.

Carreras Leben wird erzählt als eine ab den frühen siebziger Jahren bis in die nahe Zukunft (Carrera stirbt in der Zukunft) erstreckende Abfolge von mehr oder weniger rätselhaften, nichtssagenden und gleichermaßen bedeutsamen Episoden ohne Anfang und Ende, ohne eine erkennbare Dramaturgie und mit vielen mehr oder weniger großen Auslassungen. Für den Zuschauer ergibt sich höchstens aus der Zahl der grauen Haare auf Carreras Kopf so etwas wie eine rudimentäre, mühsam zusammengepuzzelte Chronologie. Nichts wird konsequent zu Ende erzählt. Alles hängt offen für Interpretationen in der Luft. Am Ende ist nichts wichtig. Carreras Schicksalschläge berühren nicht. Auch weil höchstens erahnbar ist, wie sie Carrera berühren. So wird der Unfalltod seiner Tochter mehrmals als wichtiges Ereignis in Carreras Leben angedeutet, aber schon während ihres Todes gerät sie in Vergessenheit. Er sieht nicht ihre Leiche, es gibt keine Beerdigung, keine Gespräche mit Verwandten und Freunden über ihren Tod und auch keine Trauer. Sie verschwindet einfach, ohne eine Spur zu hinterlassen, aus dem Film. Oder er befreundet sich mit dem Mann, der ihm am Filmanfang von der Untreue seiner Frau erzählt. Wie und warum sie danach zu Freunden werden, bleibt der Fantasie das Zuschauers überlassen. Undsoweiterundsofort.

Der Kolibri“ reiht nur zufällige Ereignisse in einer zufälligen Reihenfolge aneinander und überlässt es dem Zuschauer, darin den Sinn eines Lebens zu entdecken.

Da kann auch der gewohnt überzeugende Pierfrancesco Favino nichts retten.

Der Kolibri (Il colibrì, Italien/Frankreich 2022)

Regie: Francesca Archibugi

Drehbuch: Francesca Archibugi, Laura Paolucci, Francesco Piccolo

LV: Sandro Veronesi: Il colibrì, 2019 (Der Kolibri)

mit Pierfrancesco Favino, Nanni Moretti, Kasia Smutniak, Bérénice Bejo, Laura Morante, Sergio Albelli, Alessandro Tedeschi

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Der Kolibri“

Rotten Tomatoes über „Der Kolibri“

Wikipedia über „Der Kolibri“ (deutsch, englisch, italienisch)

 


Die Glauser-Gewinner 2024

Mai 19, 2024

Am 18. Mai 2024 verlieh das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, in Hannover auf der Criminale die diesjährigen Glauser-Preise (benannt nach Friedrich Glauser). Gewonnen haben:

Bester Roman

Joachim B. Schmidt: Kalmann und der schlafende Berg (Diogenes)

nominiert:

Vera Buck: Wolfskinder (Rowohlt Polaris)

Sabine Kunz: Die Saubermacherin (Gmeiner)

Elsemarie Maletzke: Agathes dunkler Garten (Schöffling & Co.)

Sven Stricker: Sörensen sieht Land (rororo)

Bester Debütroman

Caroline Seibt: Gestohlenes Kind (dp Digital Publishers)

nominiert:

Andrea Bonetto: Abschied auf Italienisch (Droemer)

Oliver Juli: Das Gebot des Bösen (Emons)

Bester Kurzkrimi

Franziska Henze: Grenzerfahrung. In: Tatort Nord 2 – Urlaubskrimis von Helgoland bis Usedom (HarperCollins)

nominiert:

Rita M. Janaczek: Gabriel und die Frau in Schwarz. In: Gabriel und die Frau in Schwarz (Machandel)

Christian Kuhn alias Fynn Jacob: Pakjesavond, Tatort: Amsterdam. In: Tatort Weihnachten – Weihnachtskrimis mit Rezepten (Penguin Random House)

Sunil Mann: Old School. In: MordsSchweiz 2 (Gmeiner)

Roland Spranger: Malaise. In: Jugendstil und Heinerblut – Kriminelle Geschichten aus Darmstadt (KBV)

Bester Jugendkrimi

Ursula Poznanski: Oracle (Loewe)

nominiert:

Monika Feth: Und du wirst lächelnd sterben (cbj)

Colin Hadler: Exilium (Planet!)

Ehren-Glauser

Paul Ott


TV-Tipp für den 19. Mai: Eine Farm in Montana

Mai 18, 2024

Arte, 20.15

Eine Farm in Montana (Comes a Horseman, USA 1978)

Regie: Alan J. Pakula

Drehbuch: Dennis Lynton Clark

Nach dem zweiten Weltkrieg kehrt Frank Athearn nach Montana zurück. Er will dort eine Farm betreiben, gerät in einen Konflikt mit einem Viehbaron, der das Land aufkaufen will, verbündet sich mit einer Rancherin, die ebenfalls um ihr Land kämpft, und eine Ölfirma will Öl fördern.

Schöner, melancholischer Spätwestern, der damals nicht gut aufgenommen wurde. Denn: „Sie erwarteten von Pakula neue Impulse für das Western-Genre. Doch viele der Überzeugungen, die die Figur von Jane Fonda auszeichnen und die Jane Fonda selbst damals vertrat, gehören zur Grundausstattung des Westerns: die Schlechtigkeit der Großgrundbesitzer, die Liebe zur Natur und die Nähe der Ölmanager zum Gaunertum. In einem Film der fest in der Jetztzeit angesiedelt ist, wären diese Motive revolutionär, aber im Western klingen sie abgedroschen.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

Das Drehbuch erhielt 1979 den Spur Award der Western Writers of America.

Beginn eines fondastischen Abends. Danach, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die Doku „Jane Fonda – Eine Rebellin in Hollywood“ und um 23.05 Uhr den SF-Klassiker „Barbarella“.

mit James Caan, Jane Fonda, Jason Robards, George Grizzard, Richard Farnsworth, Jim Davis, Mark Harmon, James Keach

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Eine Farm in Montana”

Wikipedia über „Eine Farm in Montana“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 18. Mai: Jurassic Park

Mai 17, 2024

ZDFneo, 20.15

Jurassic Park (Jurassic Park, USA 1993)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Michael Crichton, David Koepp

LV: Michael Crichton: Jurassic Park, 1990 (DinoPark, Jurassic Park)

Milliardär John Hammond will einigen Wissenschaftlern vor der großen Eröffnung seinen neuen Vergnügungspark präsentieren. Auf einer Tropeninsel hat er ein Disneyworld mit echten Dinosauriern erschaffen. Dummerweise geht bei der Präsentation etwas schief und die Dinos beginnen die Menschen über die Insel zu jagen.

Unglaublich erfolgreiche Bestsellerverfilmung mit mehreren direkten Fortsetzungen. Sensationell waren damals die am Computer entstandenen Dinosaurier; wobei Spielberg sich auch auf bewährtes Trickhandwerk verließ.

Um 22.10 Uhr zeigt ZDFneo „Vergessene Welt: Jurassic Park“ (USA 1997) und um 00.05 Uhr „Jurassic Park 3“ (USA 2001).

mit Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum, Richard Attenborough, Bob Peck, Martin Ferrero, B. D. Wong, Samuel L. Jackson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jurassic Park“

Wikipedia über „Jurassic Park“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von J. A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ (Jurassic World: Dominion, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „IF: Imaginäre Freunde“ auf der Suche nach neuen und alten Freunden

Mai 17, 2024

Die zwölfjährige Bea muss in New York einige Tage bei ihrer Oma, die sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, verbringen. Ihr Vater, ein immer gut gelaunter Spaßmacher, der sich seine kindliche Seite bewahrt hat, liegt dort im Krankenhaus. Der alleinerziehende Witwer wartet auf eine Operation, über die wir nichts genaues erfahren, weil seine Krankheit nicht im Zentrum der Filmgeschichte steht.

Bea wird in ihrem Kinderzimmer einquartiert. Zufällig entdeckt sie, dass in dem Apartment über ihrem Zimmer einige ungewöhnliche und seltsam aussehenden Wesen leben, die nur sie sehen kann. Diese Wesen, wie eine Schmetterlingsdame mit riesigen Augen, verschiedene Teddybären und ein riesiges, unförmiges Plüschwesen, waren früher „Imaginäre Freunde“ von Kindern. Als die Kinder älter wurden, haben sie ihre imaginären Freunde vergessen. Einige IFs leben zusammen mit Cal. Viele weitere IFs leben in einem Altersheim für IFs, das sie lieber gestern als heute verlassen würden. Für diese IFs sucht Cal Kinder, die sie als IFs akzeptieren. Das ist leichter gedacht als verwirklicht. Eine Freundschaft kann nämlich nur entstehen, wenn das Kind ein IF erkennt. Und Kinder können da sehr wählerisch sein.

Bea, die in New York keine Freunde hat, will Cal und den IFs helfen. Als die Suche nach neuen Freunden für die IFs erfolglos verläuft, schlägt sie vor, anstatt neue Freunde zu suchen, einfach wieder die alten Freunde zu besuchen und sie zu fragen, ob sie ihre Freundschaft zu ihrem imaginärem Freund erneuern wollen. Auch das ist leichter gesagt als getan.

Das Konzept eines Imaginären Freundes ist ohne große Erklärungen verständlich und ein Imaginärer Freund kann einem Kind bei seiner Entwicklung helfen. Es scheint sich dabei um eine Idee zu handeln, die in den USA verbreiteter als in Deutschland ist. Jedenfalls zuckten die Eltern, mit denen ich mich in den vergangenen Tagen und Wochen darüber unterhielt, hilflos mit den Schultern. Sie oder ihre Kinder hatten fast alle keine imaginären Freunde. Ob solche imaginären Freunde jetzt etwas gutes oder etwas schlechtes sind, mögen andere beurteilen.

Im Film „IF: Imaginäre Freunde“ sind sie jedenfalls gute, nette, wohlwollende, manchmal tapsige Gesellen und eine Verbindung zur Fantasie der Kindheit. Geschrieben und inszeniert wurde der Film von John Krasinski, der zuletzt Horror- und Science-Fiction-Fans mit seinen beiden „A Quiet Place“-Filmen begeisterte. Jetzt drehte er einen Film, der wohl eine Fantasy-Komödie für Kinder mit Disney-Touch sein soll und bei dem die Schauspieler mit animierten Figuren interagieren. Früher, beispielsweise in „Elliot, das Schmunzelmonster“ oder in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, agierten Schauspieler mit Zeichentrickfiguren. Heute agieren sie mit CGI-Figuren, die in diesem Fall auf den ersten Blick als Trickfiguren erkennbar sind. Das ist durchaus gut gemacht.

Aber ein Film besteht nicht nur aus bunten Bildern. Und schon sind wir bei den Problemen von „IF: Imaginäre Freunde“. Für eine Komödie gibt es zu wenig zu lachen. Auch schmunzeln fällt schwer. Es herrscht immer ein forcierter Humor. Er missachtet die Regeln die er aufstellt, nach Belieben. So sollen nur Bea, Cal und der Freund des IFs einen IF sehen können. So sind IFs imaginäre Wesen. Trotzdem gibt es immer wieder Szenen, die gegen diese Regeln verstoßen. Die Story ist während des Sehens nicht erkennbar. Es ist einfach unklar, worum es geht und warum es wichtig ist, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Es ist auch unklar, warum es wichtig ist einen IF zu haben; oder anders gesagt: was tut ein IF für seinen Freund? Die Schlußpointe erklärt dann einiges. Gleichzeitig hat sie ihre eigenen Probleme. Das erkennbare Thema des Films, der Verlust der Kindheit und die Aufforderung sich diese Kindheit zurückzuholen, richtet sich dann nicht an Kinder (die haben ihre IFs ja noch), sondern an Erwachsene; also an die Erwachsenen, die einen IF hatten und jetzt die Gefühle und Freundschaften ihrer Kindheit verdrängt haben.

IF: Imaginäre Freunde“ ist ein Möchtegern-Disney-Film, dem die Magie und der Charme eines guten Disney-Films fehlt.

IF: Imaginäre Freunde (IF, USA 2024)

Regie: John Krasinski

Drehbuch: John Krasinski

mit Cailey Fleming, Ryan Reynolds, John Krasinski, Fiona Shaw, Liza Colón-Zayas, Alan Kim

(im Original den Stimmen von) Steve Carell, Phoebe Waller-Bridge, Louis Gossett Jr., Emily Blunt, Matt Damon, Maya Rudolph, Jon Stewart, Sam Rockwell, Sebastian Maniscalco, John Krasinski, Christopher Meloni, Richard Jenkins, Awkwafina, George Clooney, Keegan-Michael Key, Matthew Rhys, Bradley Cooper, Blake Lively, Amy Schumer, Brad Pitt

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Rick Kavanian, Christiane Paul, Lina Larissa Strahl, herrH

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „IF: Imaginäre Freunde“

Metacritic über „IF: Imaginäre Freunde“

Rotten Tomatoes über „IF: Imaginäre Freunde“

Wikipedia über „IF: Imaginäre Freunde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place“ (A quiet Place, USA 2018)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place 2“ (A Quiet Place: Part II, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Nightwatch: Demons are forever“ in der Leichenhalle

Mai 17, 2024

Dreißig Jahre nach seinem Debüt, dem international erfolgreichen Thriller „Nightwatch – Nachtwache“, erzählt Ole Bornedal die Geschichte von seinem immer noch bekanntesten Film mit den damaligen Hauptdarstellern Nikolaj Coster-Waldau, Kim Bodnia und Ulf Pilgaard und einigen Neuzugängen weiter.

Zuerst wirkt Bornedals Fortsetzung „Nightwatch: Demons are forewer“ wie ein Remake des grandiosen Originals mit geänderten Geschlechterrollen. Damals arbeitete Jurastudent Martin (Nikolaj Coster-Waldau) als Nachtwächter in der Gerichtsmedizin. Er begegnete dabei dem Serienmörder Wörmer (Ulf Pilgaard), der ihn, seinen besten Freund Jens (Kim Bodnia) und seine Freundin töten wollte.

Heute, dreißig Jahre später, nimmt Martins Tochter Emma, gespielt von Ole Bornedals Tochter Fanny Leander Bornedal mit einnehmendem Das-Mädchen-von-nebenan-Charme, einen Job als Nachtwächterin in eben diesem Institut für Rechtsmedizin Kopenhagen an. Die Medizinstudentin will mehr über die damaligen Ereignisse erfahren – und hält eine Arbeit an dem Ort, an dem es vor dreißig Jahren geschah, für einen guten Startpunkt für ihre Erforschung der Familiengeschichte.

Während sie in ihren Nachtwachen das Institut erkundet und mit ihren Freunden abhängt, lungert ihr Vater antriebslos auf der Couch herum. Meist schafft er es noch nicht einmal, die ihm von seinem Arzt verschriebenen Tabletten einzunehmen. Er hat offensichtlich die dreißig Jahre zurückliegenden Ereignisse immer noch nicht verarbeitet.

In dem Moment weiß Emma noch nicht, dass auch der Serienmörder Wörmer die Nacht überlebt hat. Er sitzt in einer Psychiatrie. Und jetzt begebe ich mich in das Minenfeld zwischen spoilern und ‚ist doch eh klar‘: Wörmer hat eine Tochter, deren Identität erst im Finale enthüllt wird, und es gibt jemand, der wie Wörmer mordet. Das erste Mal ungefähr in der Mitte des Films.

Bis dahin gibt es Trauer auf der Couch, Langeweile am Arbeitsplatz und Abhängen mit anderen Studierenden.

Bornedal schleppt den schon am Filmanfang angedeuteten, äußerst vorhersehbaren Thrillerplot ziemlich unlustig durch den Film. Er zieht sich wie Kaugummi und wird immer wieder über weite Strecken ignoriert. Beispielsweise wenn Martins Freund Jens nach jahrzehntelanger Abwesenheit in Thailand überraschend nach Dänemark zurückkehrt, er mit Martin in Erinnerungen schwelgt und sie nachts ein menschenleeres Fußballstadion besuchen. In den Momenten ahnt man, dass es Bornedal weniger um einen weiteren vorhersehbaren Serienkillerthriller, sondern mehr um eine psychologische Studie und eine Auseinandersetzung mit der Verabeitung traumatischer Erlebnisse geht. Dummerweise bleibt er hier an der Oberfläche. Alle, die damals involviert waren, scheinen die damaligen Ereignisse auf die gleiche Art zu verarbeiten. Nach den damaligen Gewalterfahrungen kapseln sie sich über dreißig Jahre ein. Eine Therapie lehnen sie ab. Sie würde eh nichts ändern.

Das verkürzt die Erkenntnisse der Traumaforschung und wie Trauma teils über Generationen weitergegeben werden, auf nur eine einzige Form der Verarbeitung. Das ist Quatsch und in dieser Häufung in der Realität unrealistisch. Im Film ist das anders. Da kann der Regisseur sich Freiheiten nehmen. Wenn es sich nicht um die möglicherweise sogar grotesk übersteigerte Reaktion einer Figur auf ein Ereignis handelt, kann das zu einem spannendem Film führen. Wenn, wie hier, in einem Film ungefähr alle Hauptpersonen gleich auf ein Ereignis reagieren, langweilt man sich dagegen schnell.

In Bornedals Remake/Reboot/Weitererzählung seines Spielfilmdebüts behindern die einzelnen Teile und Plots sich gegenseitig. Für einen Thriller ist „Nightwatch: Demons are forever“ zu lahm. Für eine psychologische Studie zu oberflächlich. Und für ein Coming-of-Age-Drama zu wenig interessiert an Emma. Immerhin wissen wir, mit einem Blick auf Martin, Jens und den Filmtitel „Demons are forever“, welche ewig währenden dämonischen Nachwirkungen ein Kampf gegen einen Serienkiller auf die Psyche hat.

Nightwatch: Demons are forever (Nattevagten 2 – Dæmoner går i arv, Dänemark 2023)

Regie: Ole Bornedal

Drehbuch: Ole Bornedal

mit Fanny Leander Bornedal, Nikolaj Coster-Waldau, Kim Bodnia, Sonja Richter, Paprika Steen, Vibeke Hastrup, Ulf Pilgraad

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Nightwatch: Demons are forever“

Metacritic über „Nightwatch: Demons are forever“

Rotten Tomatoes über „Nightwatch: Demons are forever“

Wikipedia über „Nightwatch: Demons are forever“ (deutsch, dänisch)

Meine Besprechung von Ole Bornedals „Small Town Killers“ (Dræberne fra Nibe, Dänemark 2016)


TV-Tipp für den 17. Mai: Selma

Mai 16, 2024

SWR, 00.15

Selma (Selma, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Ava DuVernay

Drehbuch: Paul Webb

Mit friedlichen Protestmärschen will Dr. Martin Luther King 1965 in Selma, Alabama, für das allgemeine Wahlrecht kämpfen. Denn dort ist die Diskriminierung der Afroamerikaner besonders deutlich. Und dort eskaliert die Situation in auch von King ungeahnter Weise. Ein Diakon wird von Weißen erschlagen. Auf der Edmund Pettus Bridge werden die friedlich Demonstrierenden mit Tränengas und nackter Gewalt zurückgedrängt. Die Bilder wurden im Fernsehen ausgestrahlt. An dem Abend schlagen Klu-Klux-Klan-Mitglieder drei weiße Geistliche zusammen. Einer stirbt an den Verletzungen.

Der dritte Versuch, friedlich von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt von Alabama, zu marschieren wird dann zwischen dem 21. und 25. März 1965 zu einem Triumphzug für die Bürgerrechtsbewegung.

Das grandiose und wichtige Drama/Biopic „Selma“ setzt King und seinen Mitkämpfern ein würdiges Denkmal. DuVernays Film wurde von der Kritik abgefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Tim Roth, Cuba Gooding Jr., Alessandro Nivola, Carmen Ejogo, Lorraine Toussaint, Ophrah Winfrey, Tessa Thompson, Giovanni Ribisi, Common, Dylan Baker, Wendell Pierce, Stan Houston

Hinweise

Moviepilot über „Selma“

Metacritic über „Selma“

Rotten Tomatoes über „Selma“

Wikipedia über „Selma“ (deutsch, englisch) und Martin Luther King (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ava DuVernays „Selma“ (Selma, USA/Großbritannien 2014 – mit etlichen YouTube-Clips) und der DVD


Für den Glauser-Preis 2024 nominiert: Joachim B. Schmidt: Kalmann und der schlafende Berg

Mai 16, 2024

Der erste „Kalmann“-Roman stand dreimal auf die Krimibestenliste und wurde 2021 mit dem Crime Cologne Award ausgezeichnet.

Joachim B. Schmidts zweiter Roman mit Kalmann steht auf die Nominierungsliste für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis. Dieser wird am Samstag, den 18. Mai 2024, vom Syndikat, dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, in Hannover im Rahmen der Criminale verliehen.

Neben „Kalmann und der schlafende Berg“ sind in der Kategorie „Bester Roman“

Vera Buck: Wolfskinder (Rowohlt Polaris)

Sabine Kunz: Die Saubermacherin (Gmeiner)

Elsemarie Maletzke: Agathes dunkler Garten (Schöffling & Co.)

Sven Stricker: Sörensen sieht Land (rororo)

nominiert. Keiner dieser Romane stand in den vergangenen Monaten auf der monatlichen Krimibestenliste.

Für Spannung ist bei der Preisverleihung also gesorgt; was über Schmidts auf Island spielenden Roman nicht unbedingt gesagt werden kann. Der im Buchtitel genannte Kalmann Óðinsson ist der selbsternannte ‚Sheriff von Raufarhöfn‘ und der naiv-kindliche Erzähler der Geschichte. Eines Tages stirbt sein schon ziemlich betagter und in einem Heim lebender Großvater. Nói, ein mit Kalmann befreundeter Computernerd, setzt ihm den Floh ins Ohr, dass sein Großvater ermordet wurde. Beweise für seine Behauptung hat Nói nicht.

Ungefähr am Ende des ersten Drittels des Romans wird Kalmann von seinem Vater in die USA eingeladen. Kalmann fliegt hin, erfährt einiges über die US-amerikanische Kultur, begleitet seinen Vater und dessen Trump-begeisterten Freunde am 6. Januar 2021 nach Washington, D. C.. Beim Sturm auf das Kapitol wird er verhaftet. Das FBI verhört ihn und wirft ihn umstandlos aus dem Land. Davor erfährt er vom FBI, dass sein Großvater Óðinn ein kommunistischer Spion war und nicht mehr in die USA einreisen darf.

Zurück in seiner Heimat – wir sind jetzt bereits auf Seite 163 von dreihundert Seiten – will er mehr über diesen Teil von Óðinns Biographie erfahren. Aber zuerst muss er nach der Einreise, wegen der Coronavirus-Pandemie, einige Tage in Quarantäne verbringen. Und dann, immerhin sind wir schon im letzten Drittel des Romans, geht alles ziemlich flott.

Sicher, es gibt ein, zwei Morde und der Täter, der sich selbst enttarnt und gegenüber Kalmann sofort alles gesteht, wird am Ende seiner gerechten Bestrafung zugeführt. Aber der Krimianteil in „Kalmann und der schlafende Berg“ ist verschwindend gering und über weite Strecken der Geschichte nicht vorhanden. Stattdessen gibt es beschauliche Beschreibungen von der Landschaft und von den Menschen, denen Kalmann in Island und den USA begegnet. Der von Joachim A. Schmidt erfundene Ich-Erzähler Kalmann ist dabei immer ein naiver und freundlicher Zeitgenosse, der keine Vorurteile hat und keinen Haß empfindet.

Das liest sich, dank Schmidts süffiger Schreibe, flott weg.

Nur einen Preis als bester Kriminalroman des Jahres würde ich „Kalmann und der schlafende Berg“ niemals geben. Ich würde den Roman noch nicht einmal als Kriminalroman bezeichnen.

Nachtrag (19. Mai 2024, nach der Preisverleihung): „Kalmann und der schlafende Berg“ hat den Glauser als bester Kriminalroman des Jahres erhalten.

Die Jury begründet ihre Entscheidung so:

„In „Kalmann und der schlafende Berg“ begegnet uns eine der liebenswertesten und eindrücklichsten Figuren der gegenwärtigen Kriminalliteratur zum zweiten Mal.

Erinnerungen durch den eingeschränkten Blick eines naiven Erzählers zu filtern, ist ein genialer Kunstgriff des Autors. Selbst epochale Weltgeschichte können wir so in einem neuen Licht betrachten, bar jeder herkömmlichen Bewertung. Eine Fähigkeit, die uns in medial verhetzten Zeiten nahezu verlorengegangen ist.

Kalmann beobachtet, analysiert und handelt nach einfachen Regeln: Wenn jemand Hilfe braucht, hilft man. Wenn man verloren geht, bleibt man stehen. Das ist ein Naturgesetz.

Mit starken Bildern führt uns der Autor an die raue, pittoreske Natur Islands und seine Bewohner heran. Die passgenaue Wortwahl lässt uns mit seinem Helden staunen, stöhnen, lachen und zittern. Denn es wird auch brandgefährlich. Nicht nur für den Sheriff, der erneut die Welt retten muss – und uns grübelnd zurücklässt, ob der Mann mit der Fischsuppe im Kopf nicht doch der Klügere ist.

„Kalli minn, du bist ein Weiser“, sagt seine Mutter. „Korrektomundo“, sagen wir und ergänzen: „Joachim B. Schmidt, du bist ein magischer Autor.““

Joachim B. Schmidt: Kalmann und der schlafende Berg

Diogenes, 2023

304 Seiten

24 Euro

Hinweise

Homepage von Joachim B. Schmidt

Diogenes über Joachim B. Schmidt

Wikipedia über Joachim B. Schmidt


Im Verhörzimmer: Stefán Máni („Abgrund“) und Anthony J. Quinn („Frau ohne Ausweg“) über Verbrechen in Island und Irland/Nordirland

Mai 16, 2024

Interview each of them individually or together? When I had the opportunity for an interview with Stefán Máni and Anthony J. Quinn at the Leipzig Book Fair, it was an academic question. After all, both authors live on an island. Máni in Iceland, Quinn in Ireland, specifically in Northern Ireland. They deal in their crime novels with the social and political problems of their homeland and the myths that exist there. Both write standalone novels and long-running series. Quinn wrote five police novels starring Detective Celcius Daly. Daly investigates on the border between Ireland and Northern Ireland, especially during the pre-Brexit period. In his cases he must deal with the aftermath of the Troubles. The extremely bloody Northern Ireland conflict ended 1998 with the Good Friday Agreement.

Máni has invented with Hörður Grímson an investigator who is popular in his homeland but is still unknown in Germany due to a lack of translations. In “Hyldýpi“ (German title: Abgrund) Grimson makes his first appearance. He has only a supporting role. The focus is on a boy who is looking for a missing girl because he believes he saw her ten years ago when he almost drowned in a lake.

Both authors are published in Germany by the Polar Verlag. This should also make it clear that Máni and Quinn write noirs.

At the Leipzig Book Fair we talked about their crime novels, which are worth reading. We focused on the novels, which were recently published in German. That’s Stefán Mánis standalone psychological thriller “Hyldýpi” which also contains some fantastic elements and Anthony J. Quinns second Celcius Daly police thriller “Border Angels” (German title: Frau ohne Ausweg). They talked also about Hardboiled and Noir, how they invented their heroes and what their series heroes Grimson and Daly mean to them and their fans.

Und jetzt die deutsche Version

Einzeln oder zusammen interviewen? Als sich während der Leipziger Buchmesse die Gelegenheit für ein Interview ergab, war das für mich bei Stefán Máni und Anthony J. Quinn eine akademische Frage. Schließlich leben beide Autoren auf einer insel. Máni auf Island, Quinn auf Irland, genaugenommen in Nordirland. Beide beschäftigen sich in ihren Romanen mit den sozialen und politischen Problemen ihre Heimat und den dort vorhandenen Mythen. Beide schreiben Einzelromane und langlebige Serien. Quinn schrieb fünf Polizeiromane mit Detective Celcius Daly. Drei sind inzwischen ins Deutsche übersetzt. Daly ermittelt an der irisch-nordirischen Grenze vor allem während der Prä-Brexit-Zeit. Er muss sich immer mit den Nachwirkungen des 1998 mit dem Karfreitagsabkommen befriedeten, äußerst blutig geführten Nordirlandkonflikts, den Troubles, auseinandersetzen.

Máni hat mit Hörður Grímson einen in seiner Heimat beliebten, in Deutschland mangels Übersetzungen noch unbekannten Ermittler erfunden. In „Abgrund“ hat Grimson seinen ersten Auftritt. Er hat nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der ein verschwundenes Mädchen sucht, weil er glaubt, sie vor zehn Jahren gesehen zu haben als er in einem See fast ertrank.

Beide Autoren werden in Deutschland vom Polar Verlag verlegt. Damit dürfte auch klar sein, dass Máni und Quinn Noirs schreiben.

Auf der Leipziger Buchmesse unterhielt ich mich mit ihnen auf Englisch über ihre zuletzt auf Deutsch erschienenen lesenswerte Kriminalromane. Von Stefán Máni erschien zuletzt der einige fantastische Elemente enthaltende Standalone-Psychothriller „Abgrund“. Von Anthony J. Quinn erschien zuletzt der zweite Celcius-Daly-Polizeithriller „Frau ohne Ausweg“. Sie sprachen außerdem über Hardboiled und Noir, wie sie ihre Helden erfanden und was ihre Serienhelden Grimson und Daly für sie und ihre Fans bedeuten.

Bei Polar sind von Stefán Máni und Anthony J. Quinn erschienen:

Stefán Máni: Abgrund

(übersetzt von Karl-Ludwig Wetzig)

Polar Verlag, 2023

240 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Hyldýpi

2009

Anthony J. Quinn: Frau ohne Ausweg

(übersetzt von Sven Koch)

Polar Verlag, 2023

304 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Border Angels

Mysterious Press, 2013

Erste UK-Ausgabe: Head of Zeus, 2015

Anthony J. Quinn: Auslöschung

(übersetzt von Sven Koch)

Polar Verlag, 2021

424 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Disappeared

Mysterious Press, 2012

Erste UK-Ausgabe: Head of Zeus, 2014

Anthony J. Quinn: Gestrandet

(übersetzt von Robert Brack)

Polar Verlag, 2019

320 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Undertow

Head of Zeus, 2017

Hinweise

Isländische Seite über Stefán Máni

Polar über Stefán Máni

Wikipedia über Stefán Máni (deutsch, isländisch)

Meine Besprechung von Óskar Thór Axelsson Stefán-Máni-Verfilmung „Black’s Game – Kaltes Land“ (Svartur á leik, Island 2012)

Homepage von Anthony J. Quinn

Polar über Anthony J. Quinn


TV-Tipp für den 16. Mai: Jackie Chan – Stadt der Gewalt

Mai 15, 2024

https://youtu.be/6-H8QdkCSMc

Tele 5, 22.05

Stadt der Gewalt (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)

Regie: Derek Yee (Pseudonym von Tung-Shing Yee)

Drehbuch: Tung-Shing Yee, Tin Nam Chun

In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts reist der arme chinesische Arbeiter Tietou (Jackie Chan) illegal nach Japan. Er sucht seine Freundin Xiu Xiu und schlägt sich in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku mit schlechtbezahlten Jobs und kleinen Gaunereien durch. Da erfährt er, dass Xiu Xiu inzwischen die Frau eines Yakuza-Bosses ist.

TV-Premiere – eines Jackie-Chan-Films der bei uns bereits 2010 auf DVD erschien. Noir-Drama mit einer ordentlichen Portion Action, das vor allem als Gangsterdrama mit Botschaft überzeugt. Ebenfalls überzeugend ist Jackie Chan in einer ungewohnt ernsten Rolle, die ihn vor allem als Schauspieler fordert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jackie Chan, Naoto Takenaka, Daniel Wu, Xu Jinglei

Wiederholung: Freitag, 17. Mai, 23.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Stadt der Gewalt“ 

Wikipedia über „Stadt der Gewalt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Yees „Stadt der Gewalt“ (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)


Im Verhörzimmer: Christine Lehmann über ihren neuen Lisa-Nerz-Kriminalroman „Alles nicht echt“

Mai 15, 2024

Wenige Tage vor der Leipziger Buchmesse veröffentlichte Christine Lehmann ihren dreizehnten Lisa-Nerz-Kriminalroman. In „Alles nicht echt“ sucht Lisa Nerz undercover als Jungredakteurin in der Nachrichtenredaktion eines Öffentlich-rechtlichen Senders nach der Person, die für eine größeren Datendiebstahl verantwortlich ist. Während der Tätersuche taucht Lisa Nerz tief in die Welt des Nachrichtenjournalismus ein, sucht einen Mörder und schlägt sich mit einer ortsansässigen Rechtsaußen-Politikerin herum, die in den Radiosendungen immer wieder prominent gefeatured wird.

Auf der Leipziger Buchmesse unterhielten wir uns mit Christine Lehmann über „Alles nicht echt“, Lisa Nerz, die unterschiedlichen Milieus, in die sie in den vergangenen Jahrzehnten mit Lisa Nerz eintauchte, die Arbeit in einer Nachrichtenredaktion, die Verantwortung der Medien und ob es einen Frauenkrimi gibt.

Christine Lehmann arbeitete 25 Jahre als Nachrichten- und Aktuellredakteurin beim SWR. In Stuttgart ist sie seit 2015 für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Gemeinderats. Ihren ersten Roman, den Hundekrimi „Kynopolis“, veröffentlichte sie 1994. Seitdem schrieb sie zahlreiche weitere, von der Kritik gefeierte Romane, Kurzgeschichten, Hörspiele und auch Sachbücher.

Ihren ersten Lisa-Nerz-Kriminalroman „Vergeltung am Degerloch“ (ursprünglich „Der Masochist“) veröffentlichte sie 1997. „Alles nicht echt“ ist der dreizehnte Lisa-Nerz-Kriminalroman.

Christine Lehmann: Alles nicht echt

Ariadne/Argument Verlag, 2024

336 Seiten

16 Euro

Hinweise

Ariadne über den Roman

Homepage von Christine Lehmann (umfangreich)

Krimi-Couch über Christine Lehmann

Lexikon deutscher Krimiautoren über Christine Lehmann (im Moment: „last update: 12. 11. 2011“)

Perlentaucher über Christine Lehmann

Wikipedia über Christine Lehmann (umfangreich)

 


TV-Tipp für den 15. Mai: Titane

Mai 14, 2024

Arte, 22.15

Titane (Titane, Frankreich 2021)

Regie: Julia Ducournau

Drehbuch: Julia Ducournau

Seit ihrer Kindheit hat Alexia (Agathe Rousselle) in ihrem Kopf eine Titanplatte. Als junge Frau arbeitet sie als Tänzerin in einer sexuell extrem aufgeladenen Autoshow und hat Ärger mit einem übergriffigem Gast. Sie tötet ihn – und tötet, ohne an die Konsequenzen zu denken, munter weiter.

Kurz darauf wird sie als Serienkillerin gesucht. Sie nimmt eine falsche Identität an und versteckt sich in einer einsam gelegenen Feuerwehrstation unter den jungen Feuerwehrmännern.

TV-Premiere. Gutaussehender, auf Skandal getrimmter Body-Horrorfilm, der vor allem in der ersten Hälfte blutig überzeugt. In Cannes gab es dafür 2021 die Goldene Palme.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Vincent Lindon, Agathe Rousselle, Garance Marillier, Lais Salameh

Hinweise

AlloCiné über „Titane“

Moviepilot über „Titane“

Metacritic über „Titane“

Rotten Tomatoes über „Titane“

Wikipedia über „Titane“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Julia Ducournaus „Titane“ (Titane, Frankreich 2021)


Cover der Woche

Mai 14, 2024

telepathisch begabte Kuh, deren Besitzer auf einer Mission sind.


Vincent Maillard entdeckt „Lebowskis Knochen“

Mai 14, 2024

Jim Carlos arbeitet als Landschaftsgärtner. Sein Hund Lebowski, benannt nach dem legendären Big Lebowski, ist ein bewegungsfauler Golden Retriever. Dieser entdeckt auf dem riesigen Anwesen der Loubets einen Knochen, der ein Menschenknochen sein könnte.

Die Loubets sind eine sehr vermögende, zur französischen Oberschicht gehörende, sich liberal gebende Familie, die Jim den Klassenunterschied zwischen ihnen und ihrem für einen Job engagierten Gärtner immer spüren lässt – und die möglicherweise einige echte Leichen in ihrem Keller und auf ihrem Anwesen vergraben hat.

Seine Arbeit bei den Loubets und wie er versucht, mehr über den von Lebowski gefundenen Knochen, herauszufinden, schildert der spurlos verschwundene Jim Carlos in mehreren Schreibheften. Sie könnten Hinweise auf den Grund seines Verschwindens und, falls er ermordet wurde, seinen möglichen Mörder geben.

Jedenfalls liest Ermittlungsrichterin Carole Tomasi Carlos‘ Aufzeichnungen mit großem Interesse. Sie werden, auch ohne Leiche, die Grundlage für ihre Anklage gegen Carlos‘ mutmaßlichen Mörder.

Lebowskis Knochen“ steht in der Tradition der absurden französischen Kriminalromane. Die Hauptpersonen, teils auch ich-Erzähler, sind oft nicht die typischen, aus unzähligen anderen Kriminalromamen vertrauten Protagonisten, wie Polizisten, Privatdetektive, Anwälte und Journalisten. Sei sind, wie hier, ein Gärtner. Sie sind nicht immer zuverlässige Erzähler. Manchmal wird die Geschichte auch aus der Perspektive eines Tieres erzählt, das kopfschüttelnd das mörderische Verhalten der Menschen beobachtet. Die Geschichte wird gerne mit Perspektivwechseln und Zeitsprüngen erzählt. Die Bourgeoisie wird seziert – und wer glaubt, dass die französische Klassengesellschaft ein Relikt der Vergangenheit ist, muss sich nur „Monsieur Claude und seine Töchter“ ansehen. In diesen Krimis ist der Klassenkampf immer präsent. Mal als großer politischer Kampf, mal als kleine Rache an dem Mitglied der Bourgeoisie. Das ist formidabel geschrieben, sehr unterhaltsam, oft sehr witzig und immer sehr noir.

All das trifft auch auf Vincent Maillards „Lebowskis Knochen“ zu. Es ist sein dritter Roman; und der erste, der auf Deutsch veröffentlicht wurde. Maillard arbeitet außerdem als Dokumentarfilmregisseur.

Lebowskis Knochen“ ist eine sehr vergnügliche, kurzweilige und angenehm kurze Lektüre.

Vincent Maillard: Lebowskis Knochen

(übersetzt von Cornelia Wend)

Edition Nautilus, 2024

224 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

L’os de Lebowski

Éditions Philippe Rey, 2021

Hinweis

Edition Nautilus über den Roman

 


TV-Tipp für den 14. Mai: Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel

Mai 13, 2024

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel (Deutschland 2014)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Während der „Ab-in-die-Wüste-Schlussmacherwoche” eines Radiosenders macht Pizza-Bote Mufti via Radio und Moderatorin, die seine Freundin Sharronda über die Trennung informieren soll, mit ihr Schluß. Sharronda flippt aus, überfällt den Blumenladen, in dem sie arbeitete, und das krisenerprobte Team vom Kriminaldauerdienst hat eine neue arbeitsreiche Nacht vor sich.

Denn nachdem die Geiselnahme beendet ist, wird Mufti von einem maskierten Mann auf offener Straße erschossen und Sharrondas Brüder Dexter und Gordon, zwei Schläger mit Nazi-Vergangenheit, haben die Tat gesehen.

Gewohnt kurzweiliger, top besetzter „Nachtschicht“-Krimi mit absurden Situationen und viel Wortwitz. Dieses Mal, wegen des Radiosenders, der eine wichtige Rolle hat, sogar mit vielen bekannten Rocksongs.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Christoph Letkowski, Özgür Karadeniz, Alina Levshin, Katrin Bauerfeind, Clemens Schick, Margarita Broich, Tristan Seith, Edin Hasanovic, Chiara Schoras, Hans Jochen Wagner, Kida Khodr Ramadan

Hinweise

Wikipedia über Lars Becker

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Im Verhörzimmer: Kristina Schippling über ihren Roman „Intoxikation“

Mai 13, 2024

Mitten in der Nacht hört Kara Kowalski in ihrem Atelier ein Geräusch. Sie sieht eine Gestalt, hält sie für einen Einbrecher und stößt ihn über das Treppengeländer. Als die Malerin das Licht einschaltet, sieht sie, dass der Einbrecher ihr Ex-Freund Leon Löschner ist. Weil sie befürchtet, dass sie als Mörderin angeklagt und ihre Karriere als erfolgreiche Künstlerin vorbei wäre, ruft sie nicht die Polizei an, sondern versteckt die Leiche in ihrer Badewanne. Mit der Hilfe verschiedener Chemikalien will sie die Leiche spurlos in die Kanalisation verschwinden lassen.

Kurz darauf erhält sie eine Erpresser-E-Mail mit einem Video, das sie mit der Leiche zeigt. Als sie die Epresserin kennen lernt, verliebt sie sich sofort in die gut aussehende, jüngere Malina Morgenstern und will ihr bei der Publikation ihres ersten Romans helfen. Diese scheint ihre Gefühle zu erwidern.

Mit ihrem Psychothriller „Intoxikation“ haben Kristina Schippling und Matthias A. K. Zimmermann einen Berlin-Krimi geschrieben, der mit einigen ungewöhnlichen Figuren und unvorhersehbaren Wendungen prächtig unterhält und nichts mit dem deutschen Krimieinerlei von Serienkillerthrillern, Regiokrimis und Krimischnurren zu tun hat.

„Intoxikation“ beginnt als fast normaler Kriminalroman mit einer Mörderin, einer Erpresserin, neugierigen Nachbarn und einem penetranten Kommissar. Dann schwenkt er Richtung Psychothriller, zwinkert Richtung Magischem Realismus und endet als Horrorroman.

Für die Kriminalakte war das ein guter Grund sich mit Kristina Schippling über „Intoxikation“, ihre Zusammenarbeit mit Matthias A. K. Zimmermann und ihre weiteren Arbeiten, wie den hochgelobten Dokumentarfilm „The Sound of Cologne“ über die aus Köln kommende elektronische Musik, zu unterhalten.

Das Interview wurde am 2. Mai 2024 in Berlin (Moabit) aufgezeichnet.

Kristina Schippling/Matthias A. K. Zimmermann: Intoxikation

Kulturverlag Kadmos, 2024

336 Seiten

25 Euro

Lesung

Am Donnerstag, den 6. Juni 2024, stellt Kristina Schippling im Buchstabenmuseum (Stadtbahnbogen 424, Hansaviertel, 10557 Berlin, Nähe S-Bahnhof Bellevue, Nähe U-Bahnhof Hansaviertel) um 18.00 Uhr im Rahmen einer Type&Wine-Veranstaltung ihren Roman „Intoxikation“ vor. Anmeldung zur Lesung hier.

Im Roman besuchen Kara und Malin, frisch verliebt, einmal das Buchstabenmuseum und sehen sich die Ausstellung an.

Hinweise

Kulturverlag Kadmos über den Roman

Homepage von Kristina Schippling

Homepage von Matthias A. K. Zimmermann

Wikipedia über Kristina Schippling und über Matthias A. K. Zimmermann


TV-Tipp für den 13. Mai: Nordsee ist Mordsee

Mai 12, 2024

NDR, 23.15

Nordsee ist Mordsee (Deutschland 1976)

Regie: Hark Bohm

Drehbuch: Hark Bohm

Die Vierzehnjährigen Uwe Schiedrowsky (Uwe Enkelmann, heute bekannter als Uwe Bohm und am 8. April 2022 viel zu früh verstorben) und Dschingis Ulanow (Dschingis Bowakow) leben in einem Sozialen Wohnungsbau auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg. Zuerst streiten sie sich. Später fahren sie auf einem selbst gebauten Schiff Richtung Nordsee.

Ein Klassiker des deutschen Films und des Jugendfilms, der damals für Kontroversen sorgte und ein Kinohit war.

Heute ist der Jugendfilm fast vergessen. Deshalb könnte die heutige Ausstrahlung für einige eine Wiederentdeckung, für andere eine Neuentdeckung sein. Für Kinder und Jugendliche, die Zielgruppe des Films, sollte er natürlich nicht um Mitternacht, sondern am Nachmittag gezeigt werden.

Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ und Fatih Akins Verfilmung verdanken diesem Film einiges.

Die Musik ist von Udo Lindenberg.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung, die auch die damalige Kontroverse um die Freigabe des Films beleuchtet.

mit Uwe Enkelmann, Dschingis Bowakow, Marquard Bohm, Herma Koehn, Katja Bowakow, Günter Lohmann, Corinna Schmidt, Ingrid Boje, Gerhard Stöhr, Rolf Becker

Hinweise

Filmportal über „Nordsee ist Mordsee“

Wikipedia über „Nordsee ist Mordsee“

Die Zeit: Hans C. Blumenberg über „Nordsee ist Mordsee“ (30. April 1976)

Meine Besprechung von Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ (Deutschland 1976)

Meine Besprechung von Hark Bohms „Moritz, lieber Moritz“ (Deutschland 1978)