Neu im Kino/Filmkritik: „28 Years later: The Bone Temple“, ein netter Zombie, böse Menschen und ein merkwürdiger Doktor

Januar 15, 2026

Etliche Wow- und What-the-Fuck-Momente, einen nackten Zombie in voller Mannespracht (das sind die mit dem Rage-Virus Infizierten in dem „28 Days later“-Franchise letztendlich) und eine eher vernachlässigbare, vor sich hin plätschernde Story präsentiert Nia DaCosta dem Publikum in „28 Years later: The Bone Temple“. Ihr Horrrorfilm schließt unmittelbar an die Ereignisse von Danny Boyles „28 Years later“, der im Sommer im Kino lief, an. Aber man muss Boyles Film, der der Auftakt einer Trilogie ist, nicht gesehen haben, um den neuen Film zu verstehen.

Der zwölfjährige Spike (Alfie Williams), der am Ende des ersten Teils seine auf einer vom Festland abgetrennten Insel lebende Gemeinschaft und Familie verlies und sich einer Gruppe Jugendlicher anschloss, kämpft jetzt darum, in die von Sir Jimmy Crystal (Jack O’Connell) angeführte Gruppe aufgenommen zu werden. Gleichzeitig fragt Spike sich, ob er wirklich ein Mitglied dieser marodierenden Jugendgang werden will, die von einem offensichtlich machttrunkenem, minder begabtem Satanisten geführt wird.

Doktor Ian Kelson (Ralph Fiennes) forscht weiter und errichtet weiter den titelgebenden „Bone Temple“, eine riesige Installation von Knochen und Schädeln. Jetzt vermutet der bekennende Atheist, dass er ein Medikament gefunden hat, das die Infizierten wieder zu Menschen zurückverwandelt. Samson (Chi Lewis-Parry), der nackte riesige Alpha-Zombie aus „28 Years later“, ist dieser Zombie, der zum Menschen werden könnte. Bis dahin verbringen Samson und Kelson entspannte Nachmittage am Fluss. Kelson redet, Samson hört zu.

Nia DaCosta („Candyman“) erzählt diese beiden Plots parallel und vollkommen unabhängig voneinander in langen Erzählblöcken. Erst zum Ende führt sie die beiden Erzählstränge zu einem Finale zusammen, das eine beeindruckende Mischung aus Orgie und orgiastischem Heavy-Metal-Gottesdienst ist.

Diese Lärmorgie lockt seltsamerweise keine Zombiehorden an. Sowieso sind sie, egal wieviel Lärm die Menschen machen, in diesem Film seltsam abwesend. Bis auf wenige Momente sind sie nur noch eine abstrakte Gefahr.

Nach Dr. Kelsons Messe ist nur noch Zeit, um den dritten Teil anzudeuten. Wann der kommt, ist noch unklar. Klar ist, dass Alex Garland, der die Drehbücher zum ersten und zweiten „28 Years later“-Film schrieb und der zusammen mit Regisseur Danny Boyle diese Welt 2003 in „28 Days later“ erfand, wieder das Drehbuch schreibt. Ob er oder Danny Boyle die Regie führen wird, ist anscheinend noch unklar.

Doch zurück in die Gegenwart und damit zu DaCostas „The Bone Temple“. Der Horrorfilm überzeugt, wie schon „28 Years later“, als Abfolge eindrücklicher Szenen, die in einer liebevoll ausgemalten und gestalteten postapokalyptischen Welt spielen. Die kaum vorhandene Filmgeschichte erschöpft sich in zwei weitgehend getrennt voneinander präsentierten Charakterstudien. Erst am Ende treffen Dr. Kelson und Jimmy Crystal aufeinander. Spike ist das verbindende Glied zwischen dem ersten und dem dritten Film, der hier eine andere, ähnlich gewalttätige Gemeinschaft kennen lernt und wieder Dr. Kelson trifft.

P. S.: RTL II zeigt am Freitag, den 16. Januar, um 22.35 Uhr „28 Days later“. Wer also wissen will, wie alles begann. Oder wer noch einmal sehen will, wie Cillian Murphy durch ein menschenleeres London geht und sich fragt, in welchem Alptraum er gelandet ist.

28 Years later: The Bone Temple (USA 2026)

Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Alex Garland

mit Ralph Fiennes, Jack O’Connell, Alfie Williams, Erin Kellyman, Chi Lewis-Parry, Connor Newall, Erin Kellyman, Maura Bird, Ghazi Al Ruffai, Robert Rhodes, Emma Laird, Sam Locke

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „28 Years later: The Bone Temple“

Metacritic über „28 Years later: The Bone Temple“

Rotten Tomatoes über „28 Years later: The Bone Temple“

Wikipedia über „28 Years later: The Bone Temple“ (deutsch, englisch)

zu Danny Boyle

Meine Besprechung von Danny Boyles „Trance – Gefährliche Erinnerung“ (Trance, GB 2013)

Meine Besprechung von Danny Boyles „Steve Jobs“ (Steve Jobs, USA 2015)

Meine Besprechung von Danny Boyles „T2 Trainspotting“ (T2 Trainspotting, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Danny Boyles „28 Years later“ (28 Years later, Großbritannien/USA 2025) (nach einem Drehbuch von Alex Garland)

zu Alex Garland

Meine Besprechung von Alex Garlands „Ex Machina“ (Ex Machina, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Alex Garlands Jeff-VanderMeer-Verfilmung „Auslöschung“ (Annihilation, USA 2018)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Men – Was dich sucht, wird dich finden“ (Men, Großbritannien 2022)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Civil War“ (Civil War, USA 2024)

Meine Besprechung von Alex Garland/Ray Mendozas „Warfare“ (Warfare, USA/Großbritannien 2025)

zu Nia DaCosta

Meine Besprechung von Nia DaCostas „Candyman“ (Candyman, USA 2021)

Meine Besprechung von Nia DaCostas „The Marvels“ (The Marvels, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ was in der Villa lauert…

Januar 15, 2026

Millie Calloway (Sydney Sweeney) ist die titelgebende ‚Housemaid‘. In ihrer Bewerbung verschweigt sie, dass sie auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wurde und ihr aktueller Wohnsitz ihr Auto ist. Dafür wirkt sie mit ihrer großen Brille wie eine ehrbare Studentin.

Ihrer künftigen Arbeitgeber, die vermögende Famillie Winchester, verschweigt ebenfall einiges. Sie besteht aus der etwas überspannten Nina Winchester (Amanda Seyfried), ihrem überaus gutaussehendem Sonnyboy-Man und Frauenschwarm Andrew (Brandon Sklenar), der seine Bürozeit offensichtlich vor allem in einem Fitnessstudio verbringt, und ihre pausbäckige Ekeltochter Cecilia (Indiana Elle). Die Geheimnisse der Winchesters werden – und das ist jetzt kein Spoiler, weil „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ auf einem Bestseller beruht, ein Blick auf ein Regal in einer Buchhandlung, verrät, dass es mehrere „The Housemaid“-Thriller gibt und wer dann noch den Klappentext liest, sehr gut über die Filmgeschichte informiert ist – im Lauf des Films von Millie gelüftet und ziemlich endgültig gelöst. Wozu die Polizei rufen, wenn man so eine Haushaltshilfe hat.

The Housemaid“ ist ein Vorstadt-Thriller und Erotik-Thriller, der mit 133 Minuten ungefähr dreißig Minuten zu lang ist. Bis zum, zugegeben, blutigen und entsprechend fetzigem Finalen vergeht einfach viel zu viel Zeit, in der die Filmgeschichte ohne ein erkennbares Ziel und Story über weite Strecken vor sich hin plätschert. Mal geht es mehr in die eine, dann in die andere Richtung. So als würden sie beim Drehen die Story entdecken und verschiedene Möglichkeiten verwerfen. Dazwischen dürfen Sydney Sweeney und Brandon Sklenar, wie es sich für einen Neunziger-Jahre-Erotik-Thriller im „Basic Instinct“-Fahrwasser gehört, ausführlich ihre gut gebauten Oberkörper ohne störende Bekleidung präsentieren.

Während der Film als Satire über, je nach Gusto, das vom äußeren Schein besessene US-Vorstadtleben oder den kompromisslos ausgetragenen Klassenkampf zwischen armen Angestellten und moralisch verkommenen stinkreichen Arbeitgebern versagt, er nie wirklich eine Liebesgeschichte zwischen einem Familienvater und seinem Hausmädchen oder ein Ehedrama sein möchte, erreicht er als überlanger Erotik-Thriller mit umgedrehten Geschlechterrollen und einigen ‚Überraschungen‘ mühsam die Ziellinie. Dass der vor allem für sei Komödien bekannte Paul Feig es auch in diesem Genre besser kann, bewies er 2018 mit „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple favor).

In den USA läuft der Thriller im Kino seit dem 19. Dezember ziemlich erfolgreich. Insofern ist diese Meldung keine Überraschung: demnächst wird der zweite „The Housemaid“-Thriller verfilmt. Wieder mit Sydney Sweeney in der Hauptrolle und Paul Feig als Regisseur.

The Housemaid – Wenn sie wüsste (The Housemaid, USA 2025)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Rebecca Sonnenshine

LV: Freida McFadden: The Housemaid, 2022 (Wenn sie wüsste)

mit Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar, Michele Morrone, Elizabeth Perkins, Indiana Elle, Amanda Joy Erickson, Megan Ferguson, Ellen Tamaki

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Housemaid“

Metacritic über „The Housemaid“

Rotten Tomatoes über „The Housemaid“

Wikipedia über „The Housemaid“ (deutsch, englisch)

Homepage von Freida McFadden

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Feigs „Last Christmas“ (Last Christmas, Großbritannien 2019)


TV-Tipp für den 15. Januar: Destination Wedding

Januar 14, 2026

One, 20.15

Destination Wedding (Destination Wedding, USA 2018)

Regie: Victor Levin

Drehbuch: Victor Levin

Frank (Keanu Reeves) und Lindsay (Winona Ryder), die sich vom ersten Augenblick nicht ausstehen können, verbringen auf einer Hochzeit die meiste Zeit miteinander, weil sie die anderen Hochzeitsgäste noch weniger ausstehen können. So können sie wenigstens gemeinsam ablästern – und wir wissen schon von der ersten Begegnung der beiden Nicht-Turteltauben an, was passieren wird.

TV-Premiere. Herrlich entspannte Anti-Rom-Com-Rom-Com.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Keanu Reeves, Winona Ryder

Wiederholung: Freitag, 16. Januar, 22.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Destination Wedding“

Metacritic über „Destination Wedding“

Rotten Tomatoes über „Destination Wedding“

Wikipedia über „Destination Wedding“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Victor Levins „Destination Wedding“ (Destination Wedding, USA 2018)


TV-Tipp für den 14. Januar: Es

Januar 13, 2026

Pro7,  22.50

Es (It, USA 2017)

Regie: Andy Muschietti (eigentlich Andres Muschietti)

Drehbuch: Chase Palmer, Cary Fukunaga, Gary Dauberman

LV: Stephen King: It, 1986 (Es)

Alle 27 Jahre taucht in der Kleinstadt Derry, Maine, der Mörderclown Pennywise aus der Kanalisation auf und schnappt sich einige Kinder. Sieben Kinder, die sich der Club der Loser nennen, wollen nicht zu Pennywises Opfern werden.

Sehr gelungene und an der Kinokasse sehr erfolgreiche Verfilmung von Stephen Kings sehr dickem Horrorroman.

Der zweite Teil folgt am kommenden Mittwoch, den 21. Januar, um 22.35 Uhr.

Mehr in einer ausführlichen Besprechung (Teil 1, Teil 2)

mit Jaeden Lieberher, Jeremy Ray Taylor, Sophia Lillis, Finn Wolfhard, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer, Wyatt Oleff, Bill Skarsgård, Nicholas Hamilton, Jake Sim, Logan Thompson, Owen Teague, Jackson Robert Scott, Stephen Bogaert, Stuart Hughes

Wiederholung: Samstag, 17. Januar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage (hier mit dem Filmcover)

Stephen King: Es

(übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber, bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann)

Heyne, 2017 (Movie Tie-In)

1536 Seiten

18 Euro (aktueller Preis)

Erstausgabe der ungekürzten Übersetzung: 2011

Ältere Ausgaben enthalten eine gekürzte Übersetzung.

Originalausgabe

It

Viking, 1986

Hinweise

Moviepilot über „Es“

Metacritic über „Es“

Rotten Tomatoes über „Es“

Wikipedia über „Es“ (deutsch, englisch) und Stephen King (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Mama“ (Mama, Spanien/Kanada 2012)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis Stephen-King-Verfilmung „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2“ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „The Flash“ (The Flash, USA 2023)

zu Stephen King

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

den Romanen von Stephen King

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Doctor Sleep“ (Doctor Sleep, 2013)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Später“ (Later, 2021)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

den Verfilmungen, teils mit Besprechungen der Romane

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ (Doctor Sleep, USA 2019) (wahrscheinlich einer der Filmtitel, die kein Mensch an der Kinokasse vollständig ausgesprochen hat)

Meine Besprechung von Rob Savages Stephen-King-Verfilmung „The Boogeyman“ (The Boogeyman, USA 2023)

Meine Besprechung von Kurt Wimmers „Kinder des Zorns“ (Children of the Corn, USA 2020)

Meine Besprechung von Osgood Perkins‘ Stephen-King-Verfilmung „The Monkey“ (The Monkey, USA/Großbritannien 2025)

Meine Besprechung von Mike Flanagans Stephen-King-Verfilmung „The Life of Chuck“ (The Life of Chuck, USA 2024)

Meine Besprechung von Franics Lawrences Stephen-King-Verfilmung „The long Walk – Todesmarsch“ (The long Walk, USA 2025)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The Running Man“ (The Running Man, USA 2025)


TV-Tipp für den 13. Januar: Grönland – Der neue Rohstoffrausch

Januar 12, 2026

Arte, 21.45

Grönland – Der neue Rohstoffrausch (Frankreich 2025)

Regie: Jean Yves Cauchard, Vivien Meltz

Drehbuch: Jean Yves Cauchard, Vivien Meltz

Brandneue und, angesichts der Schlagzeilen, brandaktuelle, knapp einstündige Doku über Grönland.

Die Doku wird im Rahmen eines Themenabends gezeigt, der um 20.15 Uhr mit „Ein Land unter Trump – Macht, Wandel, Widerstand“ (Deutschland 2025) beginnt und um 22.45 Uhr mit der 55-minütigen Doku „Trump, mein Vater und ich“ (Dänemark 2025) mehr oder weniger endet. Denn die anschließenden Dokus passen dazu: um 23.40 Uhr „Tracks East: Provokation und Empörung“, um 00.15 Uhr „8 m² Einsamkeit – Lebenslänglich in Virginia“ (USA 2016) und um 01.40 Uhr „Die USA und der Holocaust“ (USA 2022 – bis 03.25 Uhr werden die ersten beiden Teile der sechsteiligen Serie gezeigt).

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 12. April 2026 in der Mediathek)

Wikipedia über Grönland (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Januar: Der schwarze Sergeant

Januar 11, 2026

Arte, 20.15

Der schwarze Sergeant (Sergeant Rutledge, USA 1960)

Regie: John Ford

Drehbuch: James Warner Bellah, Willis Goldbeck

Arizona, 1881: Armee-Sergeant Braxton Rutlege (Woody Strode) soll ein weißes Mädchen vergewaltigt und ermordet haben. Vor einem extrem parteiischen Militärgericht wird sein Fall verhandelt.

Eine besondere Stellung erhält John Fords Western „Der schwarze Sergeant“ durch die Hautfarbe des Angeklagten. Es war der erste große Hollywood-Western in dem ein Schwarzer der Protagonist war und Rassismus thematisiert wurde.

Der Western, einer seiner letzten Filme, ist nicht John Fords bestes Werk und heute wohl eher von historischem Interesse. Schon damals wurde kritisiert, wie Ford die Rassenfrage behandelte.

Anschließend zeigt Arte um 22.00 Uhr die spielfilmlange Doku „Black Far West – Nicht alle Cowboys waren weiß“ (Frankreich 2022).

Mit Woody Strode, Jeffrey Hunter, Constance Towers, Willis Bouchey, Juano Hernández, Billie Burke

auch bekannt als: Mit einem Fuß in der Hölle

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der schwarze Sergeant“

Wikipedia über „Der schwarze Sergeant“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Österreichisches Filmmuseum/Viennale (herausgegeben von Astrid Johanna Ofner und Hans Hurch) „John Ford“ (2014)

 


TV-Tipp für den 11. Januar: Der Galgenbaum

Januar 10, 2026

Arte, 20.15

Der Galgenbaum (The Hanging Tree, USA 1959)

Regie: Delmer Daves

Drehbuch: Wendell Mayes, Halsted Welles

LV: Dorothy M. Johnson: The Hanging Tree, 1957 (Der Galgenbaum)

Montana, 1873: In dem Goldgräberdorf Skull Creek will Dr. Joseph Frail (Gary Cooper) seine Vergangenheit vergessen. Er hilft einer blinden Frau, wieder sehen zu können und verliebt sich in sie. Als ein Goldsucher sie vergewaltigen will, erschießt er ihn. Dafür soll er an dem titelgebendem Galgenbaum gehängt werden.

Selten gezeigter Western und „Coopers letzte große Western-Rolle“ (Holmer Dickens: Gary Cooper und seine Filme, 1982)

Von Dorothy M. Johnson sind auch die Vorlagen für „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ und „Ein Mann, den sie Pferd nannten“.

mit Gary Cooper, Maria Schell, Karl Malden, Ben Piazza, George C. Scott, Karl Swenson

auch bekannt als „Rivalen am Gold River“

Wiederholung: Donnerstag, 15. Januar, 14.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Galgenbaum“

Wikipedia über „Der Galgenbaum“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Delmer Daves‘ „Der letzte Wagen“ (The last wagon, USA 1956)


TV-Tipp für den 10. Januar: Chinatown

Januar 9, 2026

ZDFneo, 22.05

Chinatown (Chinatown, USA 1974)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in eine Verschwörung, die er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Die Originale könnten im Rahmen einer kleinen Serie über die Schwarze Serie auch mal wieder gezeigt werden.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Wiederholung: Sonntag, 11. Januar, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chinatown“

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Palace“ (The Palace, Italien/Polen/Schweiz/Frankreich 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Glücklich mit einer „Rental Family“?

Januar 9, 2026

Phillip Vandarpleog (Brendan Fraser) ist ein Schauspieler, den es im Kino immer so gibt. In Japan ist er immer noch bekannt für einen sieben Jahre alten Zahnpasta-Werbespot. Abgesehen davon ist seine Karriere seit Jahren nicht existent. Der in Tokio allein lebende, an Geldnot leidende US-Schauspieler hat also genug Zeit, um jeden anderen Job anzunehmen. In diesem Fall ist es, für eine „Rental Family“-Agentur in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Entsprechend der Wünsche des Auftraggebers spielt er unterschiedliche Rollen. Mal direkt für den Auftraggeber, mal für Menschen, denen der Auftraggeber helfen möchte. Mal spielt Phillip den Bräutigam (die Eltern der lesbischen Auftraggeberin sind begeistert über den weißen Ehemann), mal den Vater (der echte ist abwesend, aber die Schule verlangt einen anwesenden Vater), mal einen Journalisten, der einen zunehmend dementen alten Schauspieler interviewen soll.

Diese Arbeit könnte für Phillip eine neue, gute und mühelose Einkunftsquelle sein. Er spielt den Menschen vor, was sie sehen wollen oder sehen sollen, macht sie glücklich und nimmt das Geld. Dummerweise fällt es ihm schwer, zwischen der Rolle und seinem emotionalem Investment in die Rolle zu unterscheiden. Er mischt sich in das Leben der Personen ein, für die er eine Rolle spielt.

Und schon haben wir eine Geschichte über zwei verschiedene Kulturen, kulturelle Missverständnisse und wie guter Wille und eine gehörige Portion Tollpatschigkeit, alles etwas aus dem Ruder laufen lassen. Hikari inszeniert dies feinfühlig als warmherziges Low-Key-Feelgood-Movie mit vorhersehbaren Verwicklungen und nur die guten Aspekte solcher ‚gemieteten Freunde‘ betonend. Brendan Fraser spielt diesen Phillip Vandarpleog etwas eindimensional als großes, schüchtern lächelndes Kind, das immer noch mit den japanischen Sitten und Gebräuchen fremdelt.

Rental Family (Rental Family, USA/Japan 2025)

Regie: Hikari

Drehbuch: Hikari, Stephen Blahut

mit Brendan Fraser, Takehiro Hira, Mari Yamamoto, Akira Emoto, Shannon Gorman

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Rental Family“

Metacritic über „Rental Family“

Rotten Tomatoes über „Rental Family“

Wikipedia über „Rental Family“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Song Sung Blue“ – kein Neil-Diamond-Biopic

Januar 9, 2026

basierend auf einer wahren Geschichte“ heißt es am Filmanfang. Treffender wäre „inspiriert von einer wahren Geschichte“. Oder, noch besser: man hätte diesen Hinweis vollständig weggelassen. Denn Craig Brewer, Autor und Regisseur von „Song Sung Blue“ nimmt sich, wie schon die flüchtige Lektüre der Wikipedia-Artikel über Mike Sardina und Claire Stingl/Claire Sardina (im Film Stengl) verrät, viele Freiheiten. Außerdem ist die Geschichte einer regional erfolgreichen Coverband nicht besonders einzigartig.

Und das ist „Lightning and Thunder“. Sie spielen die bekannten Mitsing-Gassenhauer von Neil Diamond nach. Kern und Gründer der Band sind Sänger Mike Sardina (Hugh Jackman), ein Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, und Sängerin Claire Stengl (Kate Hudson). Sie ist die Liebe seines Lebens. Und umgekehrt. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen. Beide haben psychische Probleme. Beide schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Denn sie Leben für die Musik. Auf der Bühne können sie sich, wenn sie bekannte Songs anderer Künstler singen, verwirklichen.

In den frühen neunziger Jahren beginnen sie die Lieder von Neil Diamond zu interpretieren. In ihrem Heimatstaat Milwaukee kommen sie mit diesem Programm gut an. Einmal – und das dürfte der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen sein – sind sie die Vorband von Pearl Jam.

Alles ist perfekt, bis es zu einem grotesken Unfall kommt, der, wie in „Million Dollar Baby“, aus der fröhlichen Aufsteigergeschichte einen ganz anderen Film macht.

Die ziemlich frei erfundene Geschichte spielt in den Neunzigern. Aber abgesehen von dem Auftritt von Pearl Jam sieht Brewers Milwaukee wie die siebziger Jahre mit etwas Patina aus. Die oft schon seit Jahrzehnten so oder so ähnlich existierenden Auftrittsorte, die schon etwas älteren Wohnungseinrichtungen, die funktionale Kleidung, Hugh Jackmans Frisur und natürllich die gespielten Songs, die teilweise schon in den Siebzigern Oldies waren, die das Publikum immer wieder gerne mitsingt, verleihen der Geschichte von Mike und Claire etwas Zeitloses. Brewer erzählt sie aufrichtig, mit spürbarer Sympathie für seine Figuren und ohne einen Anflug von Ironie. Wenn für Lightning und Thunder die Songs von Neil Diamond das Größte sind, was es gibt, dann erzählt Brewer es auch, ohne irgendeine Distanzierung, genau so.

Song Sung Blue“ gefällt mit seinem spielfreudigem Ensemble, vor allem den beiden singenden Hauptdarstellern die jeden Neil-Diamond-Hit von der ersten bis zur letzten Note nachsingen, als Liebeserklärung an Cover-Bands und als aufbauendes Feelgood-Drama über die heilende Kraft von Musik.

Song Sung Blue (Song Sung Blue, USA 2025)

Regie: Craig Brewer

Drehbuch: Craig Brewer (basierend Greg Kohs‘ Dokumentarfilm „Song Sung Blue“, 2008)

mit Hugh Jackman, Kate Hudson, Michael Imperioli, Ella Anderson, Mustafa Shakir, Fisher Stevens, Jim Belushi, King Princess, Hudson Hensley, John Beckwith, Jackie Cox, Cecelia Riddett, Sean Allan Krill

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Song Sung Blue“

Metacritic über „Song Sung Blue“

Rotten Tomatoes über „Song Sung Blue“

Wikipedia über „Song Sung Blue“ (deutsch, englisch)

AllMusic über Neil Diamond


Neu im Kino/Filmkritik: „Greenland 2“, die Reise geht weiter

Januar 9, 2026

Seit fünf Jahren – und damit seit dem Filmende von Roman Ric Waughs bei der Kritik und dem Publikum überraschend erfolgreicher Dystopie „Greenland“ – leben John Garrity (Gerard Butler), seine Frau Allison (Morena Baccarin) und ihr inzwischen fünfzehnjähriger Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) in Grönland in einem Schutzbunker. Sie mussten dorthin flüchten, weil der Einschlag des Kometen Clarke auf der Erde das Klima, die Luft und die Landschaft veränderte. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Radioaktivität, Stürme und unvorhersehbare Einschläge von weiteren Teilen des Kometen machen sie in weiten Teilen unbewohnbar. Das Leben im Bunker ist das neue Normal. Und, obwohl der Bunker langsam auseinanderbricht und sich zu viele Menschen mit zu wenig Nahrung in ihm aufhalten, werden weitere Menschen aufgenommen.

Ausgehend von den ihnen zur Verfügung stehenden lückenhaften Daten, verfechten Wissenschaftler die Theorie, dass an dem Ort, an dem Clarke in Südfrankreich einschlug, neues Leben, möglicherweise sogar in bislang ungeahnter Pracht und Vielfalt, entstehen könnte. Ein Garten Eden.

Als ein Erdbeben den Bunker zerstört, machen die Garritys und einige weitere Bunker -Bewohner sich auf den Weg zu dem Krater. Ihre erste Station ist Großbritannien, oder genauer gesagt, die jezt halb unter Wasser liegende Stadt Liverpool.

Greenland 2“ schickt die Familie Garrity wieder auf die Reise. Nur dass sie dieses Mal nicht von Florida nach Grönland, sondern von Grönland nach Südfrankreich, ihrem neuen Sehnsuchtsort, gehen soll. Und wie es sich für eine Reisegeschichte gehört, ist der Weg das Ziel. Auf ihrer Reise treffen die Garritys ihnen mehr oder weniger freundlich gesonnene Menschen, die sich mehr oder weniger gut in dieser Welt eingerichtet haben und sie müssen viele Gefahren überstehen.

So weit, so konventionell. „Greenland 2“ ist, wie „Greenland“, dystopisches Katastrophenkino, das sich immer in den bekannten Genrekonventionen bewegt und sich dabei auf eine ganz normale Familie ohne besondere Eigenschaften und Fähigkeiten konzentriert. Das ist immer wieder kitschig, manchmal auch brutal und die Spezialeffekte sind immer wieder erstaunlich schlecht. Für die Ansichten zerstörter Großstädte gilt dies nicht. Und die Landschaftsaufnahmen – es wurde auf Island gedreht – gefallen.

Gefallen tut auch, dass es Regisseur Ric Roman Waugh, auch dank des Drehbuchs und den in ihren Rollen glaubwürdigen Schauspielern, gelingt, mit wenigen Strichen Figuren zu zeichnen, die schnell eine eigene Identität erhalten und als klar unterscheidbare Individuen im Gedächtnis bleiben. Das gilt sogar für Figuren, die nur einen kleinen Auftritt (wie eine im Rollstuhl sitzende Frau) oder, kurz vor dem Ziel ihrer Reise, nur einen sekundenlangen Auftritt als Leiche haben. Und es gibt einige gute Action- und Suspense-Szenen. Beispielsweise bei der der Logik des Spannungskinos gehorchenden Überquerung des Ärmelkanals.

Das alles bewegt sich, bodenständig und ohne besondere Innovationen, in dem bekannten Rahmen solcher Filme. Angenehm überraschend ist dagegen die Sicht der Macher auf diese Welt und die Gesellschaft nach der Apokalypse.

Im Gegensatz zu gängigen negativen US-amerikanischen Dystopien entwerfen die Macher von „Greenland 2“ eine positive Dystopie. In US-Dystopien werden nach einer Katastrophe meist alle zivilisatorischen Errungenschaften auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Gemeinschaften sind faschistoide, religiöse und kultische Zwangsgemeinschaften mit einem skrupellosen, oft auch durchgeknalltem Diktator als Anführer. Es gilt das gnadenlos durchgesetzte Recht des Stärkeren. Eine Kugel ersetzt jedes Argument. In „Greenland 2“ wird dagegen immer der Wert von Zusammenarbeit, Vertrauen, Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft betont. Es geht, ausgehend von der Kleinfamilie, um den Aufbau von friedlichen Gemeinschaften und einer inklusiven Gesellschaft in einer Welt, in der eben diese Gesellschaften und das Leben auf der Erde durch eine Katastrophe vernichtet wurden. Die Garritys bewegen sich auf ihrer Reise von Grönland nach Südfrankreich durch eine Welt, in der Gewalt allgegenwärtig ist und die Menschheit um ihr Überleben kämpft. Trotzdem werden christliche und humanistische Werte immer noch befolgt und es haben sich mehr oder weniger große, mehr oder weniger beständige Notgemeinschaften gebildet. Staatliche und quasi-staatliche Strukturen bestehen ebenfalls weiterhin; in welchem Umfang bleibt in dem Film, der sich auf die Erlebnisse einer Familie konzentriert, allerdings im Dunkeln. Auch für den überaus normalen und gewöhnlichen Familienvater John Garrity sind Gewalt und Gegengewalt niemals das präferierte Mittel um seine Familie zu beschützen und an das Reiseziel zu gelangen.

Das macht „Greenland 2“ zu einem europäischen Gegenentwurf zu US-amerikanischen Dystopien. Es macht den Katastrophenfilm auch zu einer überraschend positiven Dystopie.

P. S. 1: Als Titel ist „Greenland“, wenn man ihn als ‚Grönland‘ übersetzt, sinnfrei. Wenn man ihn als ‚Grünes Land‘ übersetzt, ist das etwas anderes.

P. S. 2: Der Film wurde, wie gesagt, auch auf Island gedreht. Im Film ist Island untergegangen.

Greenland 2 (Greenland 2: Migration, USA 2025)

Regie: Ric Roman Waugh

Drehbuch: Chris Sparling, Mitchell LaFortune

mit Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis, Amber Rose Revah, William Abadie, Sophie Thompson, Trond Fausa, Nelia Valery Da Costa, Ken Nwosu, Denez Raoul

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Greenland 2“

Metacritic über „Greenland 2“

Rotten Tomatoes über „Greenland 2“

Wikipedia über „Greenland 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Snitch – Ein riskanter Deal“ (Snitch, USA 2013)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Angel has fallen“ (Angel has fallen, USA 2019)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Greenland“ (Greenland, USA 2020)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Kandahar“ (Kandahar, USA 2023)


TV-Tipp für den 9. Januar: Jack Reacher

Januar 8, 2026

Pro7, 20.15

Jack Reacher (Jack Reacher, USA 2012)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie

LV: Lee Child: One Shot, 2005 (Sniper)

Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.

„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher.

2016 hatte Tom Cruise in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back) seinen zweiten und bislang letzten Auftritt als Jack Reacher. 2022 übernahm Alan Ritchson (1,88 Meter) für Amazon Prime die Rolle für eine bei den Fans beliebte, insgesamt nur okaye Streamingserie.

mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)

Hinweise

Metacritic über „Jack Reacher“

Rotten Tomatoes über „Jack Reacher“

Wikipedia über „Jack Reacher“ (deutsch, englisch), Jack Reacher (deutsch, englisch) und Lee Child (deutsch, englisch)

zu Lee Child und Jack Reacher

Homepage von Lee Child

Meine Besprechung von Lee Childs „Größenwahn“ (Killing Floor, 1997)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Gejagten“ (Never go back, 2013)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Ermittler – Ein Jack-Reacher-Roman“ (Night School (21 Reacher), 2016)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Spezialist“ (Past Tense (Reacher 23), 2018)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Held“ (The Hero, 2019)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Edward Zwicks „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back, USA 2016)

Meine Besprechung der Amazon-Prime-Video-Serie „Reacher“ (Reacher, USA 2022) (Staffel 1) (Verfilmung des Jack-Reacher-Romans „Größenwahn“ [Killing Floor, 1997])

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“

zu Christopher McQuarrie

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ (Mission: Impossible – The Final Reckoning, USA 2025)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Jafar Panahis „Ein einfacher Unfall“

Januar 8, 2026

Zweite Kinowoche des Jahres und zweiter empfehlenswerter Arthaus-Film des Jahres. Denn heute startet Jafar Panahis mit vielen Preisen – beginnend mit der Goldene Palme in Cannes und, zuletzt, drei Gotham Awards und einem AFI Award -, zahlreichen Nominierungen – unter anderem für den Golden Globe und den Europäischen Filmpreis in den wichtigen Kategorien – und Vorschusslorbeeren bedachter neuer Film „Ein einfacher Unfall“. Wie seine vorherigen Filme drehte der Iraner ihn in seinem Heimatland in Teheran und Umgebung unter erschwerten Bedingungen. Seit über zwanzig Jahren ist er als Regimegegner Repressionen ausgesetzt. Seine Filme wurden im Iran verboten. Er wurde mehrmals inhaftiert und mit einem Arbeitsverbot belegt. Panahi antwortete darauf mit Filmen, die er unter dem Radar des Regimes drehte und die weltweit gefeiert wurden. Das Arbeitsverbot wurde inzwischen aufgehoben. Aber Panahi geht davon aus, dass die Behörden seine Filme weiterhin nicht genehmigen würden und er keine Drehgenehmigung erhalten würde. Deshalb drehte er auch seinen neuesten Film „Ein einfacherUnfall“ ohne eine Drehgenehmigung. Probleme gab es, wie er in einem Interview im Presseheft sagt, nicht. Und dem fertigen Film, der sich auf wenige Personen und Schauplätze und das Dilemma der Personen konzentriert, merkt man diese Beschränkungen nicht an.

Die Filmgeschichte beginnt mit einer zufälligen Begegnung. Als ein Ehemann und Vater sein Auto nach einem Unfall mitten in der Nacht in eine Werkstatt bringt, glaubt der Mechaniker Vahid, dass dieser Mann ihn im Gefängnis folterte. Er hat sein Gesicht nie gesehen, aber er erkennt ‚Holzbein‘ an dem unverkennbarem Quietschen seiner Beinprothese. Jetzt will Vahid sich an dem Folterer rächen. Er verfolgt ihn, entführt ihn und will ihn in der Wüste lebendig vergraben.

Als dieser seine Unschuld beteuert, beginnt Vahid zu zweifeln. Er sucht einige Menschen auf, die damals mit ihm im Gefängnis waren. Sie wurden ebenfalls von Eghbal, so nannte sich ihr Folterer im Gefängnis, gefoltert. Sie sollen ihm die Gewissheit geben, die er für seinen Mord benötigt.

Anhand dieser Personen, die verschiedene Oppositionsgruppen und Haltungen zur Frage des Tyrannenmords repräsentieren, und die für einen Tag eine Gemeinschaft bilden, entwirft Jafar Panahi ein Bild des Irans und der Opfer des Terrorregimes. In der Geschichte konzentriert er sich in langen Szenen auf die Ausgangsfrage und das für die betroffenen Personen daraus entstehende Dilemma. Plötzlich stehen sie konkret vor der Frage, ob sie den Menschen wirklich töten wollen und können, der sie im Auftrag der Regierung folterte. Aus einer Rachefantasy, die sie vielleicht hatten, wird plötzlich die reale Option, sich zu rächen.

Ein einfacher Unfall“ ist ein sehenswerter Film mit zwei Problemen. Für mich war von der ersten Sekunde an klar, dass Vahid und die anderen im Film gezeigten Opfer des Folterer, eine Gruppe sympathischer, harmlos-gutwilliger Menschen, nicht in der Lage sein werden, ihn zu töten. Das raubte der Geschichte einen großen Teil seiner Spannung.

Das zweite Problem ist das von Jafar Panahi gewählte offene Ende. Er bricht, je nach Lesart, etwas zu früh oder zu spät ab.

Ein einfacher Unfall (Yek taṣādof-e sāde, Iran/Frankreich/Luxemburg 2025)

Regie: Jafar Panahi

Drehbuch: Jafar Panahi

mit Vahid Mobasseri, Mariam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten, Majid Panahi, Mohamad Ali Elyasmehr, Georges Hashemzadeh, Delmaz Najafi, Afssaneh Najmabadi

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Internationaler Titel: It was just an accident

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein einfacher Unfall“

AlloCiné über „Ein einfacher Unfall“

Metacritic über „Ein einfacher Unfall“

Rotten Tomatoes über „Ein einfacher Unfall“

Wikipedia über „Ein einfacher Unfall“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 8. Januar: Nymphomaniac 1

Januar 7, 2026

3sat, 22.25

Nymphomaniac – Teil 1 (Nymphomaniac – Volume 1, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Regie: Lars von Trier

Drehbuch: Lars von Trier

Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt einem älteren Mann, der ihr verständnisvoll zuhört, wie sie zur Nymphomanin wurde. Zwischen ihren Erinnerungen unterhalten sie sich tiefsinnig über ihr Leben und analysieren es in einer köstlichen Mischung aus Tief- und Flachsinn.

3sat zeigt heute und morgen ab 22.25 Uhr die Kinofassung von Lars von Triers „Nymphomaniac“. Beide Teile erschienen auch in einem deutlich längeren Director’s Cut.

Eine ziemlich spaßige Angelegenheit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, Jesper Christensen

Hinweise

Moviepilot über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Metacritic über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Rotten Tomatoes über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Wikipedia über „Nymphomaniac“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Nymphomaniac – Teil 1 (Nymphomaniac – Volume 1, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Nymphomaniac – Teil 2“ (Nymphomaniac – Volume 2, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Lars von Triers „The House that Jack built“ (The House that Jack built, Dänemark/Schweden/Frankreich/Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Geister – Exodus“ (Riget: Exodus, Dänemark 2022)

Die Berlinale-Pressekonferenz, die zum Stadtgespräch wurde:


TV-Tipp für den 7. Januar: Das Verhör

Januar 6, 2026

Arte, 20.15

Das Verhör (Garde à vue, Frankreich 1981)

Regie: Claude Miller

Drehbuch: Claude Miller, Jean Herman, Michel Audiard

LV: John Wainwright: Brainwash, 1979 (Gehirnwäsche)

In der Neujahrsnacht verhört Inspektor Gallien (Lino Ventura) den angesehenen Notar Maitre Jérôme Martinaud (Michel Serrault). Er glaubt, dass der Notar innerhalb weniger Tage zwei achtjährige Mädchen vergewaltigte und anschließend ermordete.

In den richtigen Händen genügen zwei Schauspieler und ein gutes Drehbuch für atemlose Hochspannung.

Mit Lino Ventura, Michel Serrault, Guy Marchand, Romy Schneider

Hinweise

AlloCiné über „Das Verhör“

Rotten Tomatoes über „Das Verhör“

Wikipedia über „Das Verhör“ (deutsch, englisch, französisch) und John Wainwright (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. Januar: Venezuela – Maduros Machtkampf

Januar 5, 2026

Arte, 22.10

Venezuela – Maduros Machtkampf (Frankreich 2024)

Regie: Paul Cabanis

Drehbuch: Paul Cabanis

Aktuelle Ergänzung zu dem von Arte für heute geplanten Themenabend, der um 20.15 Uhr mit der brandneuen, zweiteiligen Doku „Europas Drogenmafia“ (Frankreich 2025) beginnt und jetzt um 23.05 Uhr mit der ebenfalls brandneuen, 53-minütige Doku „Drogenkrieg in Ecuador“ (Spanien 2025) endet.

Venezuela – Maduros Machtkampf“ ist eine 52-minütige Doku über Nicolás Maduro, den am 3. Januar 2026 im Rahmen einer nach allgemeiner Einschätzung völkerrechtswidrigen US-Militäroperation von Venezuela in die USA entführten Präsidenten von Venezuela.

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 15. Februar 2026)

Wikipedia über Nicolás Maduro (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Januar: The Revenant – Der Rückkehrer

Januar 4, 2026

Pro7, 20.15 (möglicherweise gekürzt, weil der Film FSK 16 ist)

The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)

Regie: Alejandro G. Iñárritu

Drehbuch: Mark L. Smith, Alejandro G. Iñárritu

LV („based in part on the novel“): Michael Punke: The Revenant, 2002 (Der Totgeglaubte)

1823: Als Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) in den eiskalten Rocky Mountains auf der Pelztierjagd von einem Grizzly schwer verletzt wird, lassen ihn seine Jagdgefährten zum Sterben zurück. Aber Glass stirbt nicht, sondern er beginnt sie, zuerst mehr kriechend als gehend, zu verfolgen.

Unter extrem schwierigen Bedingungen gedrehtes, visuell überwältigendes Überlebensdrama, das mit Preisen überschüttet wurde. Unter anderem drei Oscars für Leonardo DiCaprio (Hauptrolle), Alejandro G. Iñárritu (Regie) und Emmanuel Lubezki (Kamera).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 23.15 Uhr, zeigt Pro7 Quentin Tarantinos Geschichtsstunde „One upon a Time in…Hollywood“, ebenfalls mit Leonardo DiCaprio und ebenfalls sehenswert.

mit Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Duane Howard, Arthur Redcloud

Wiederholung: Dienstag, 6. Januar, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Revenant“

Metacritic über „The Revenant“

Rotten Tomatoes über „The Revenant“

Wikipedia über „The Revenant“ (deutsch, englisch) und Hugh Glass (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „The Revenant“ (als ginge es in dem Film um Faktentreue)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Biutiful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (Birdman, USA 2014)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten“ (Bardo, falsa crónica de unas cuantas verdades, Mexiko 2022)


TV-Tipp für den 4. Januar: Spencer

Januar 3, 2026

One, 23.15

Spencer (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)

Regie: Pablo Larraín

Drehbuch: Steven Knight

Prinzessin Diana besucht zu Weihnachten 1991, als ihre Ehe mit Charles bereits kriselt, den königlichen Landsitz in Norfolk, trifft die gesamte Königsfamilie und leidet unter dem routiniert gnadenlos durchgezogenem Protokoll.

Gandioses und grandios durchgeknalltes Biopic, das sich wenig für Fakten und noch weniger für Edelkitsch-Seligkeit interessiert, sondern das Leben am Hof als Horrorfilm, Unterabteilung Psychohorror, zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Timothy Spall, Sally Hawkins, Kack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Richard Sammel, Elizabeth Berrington, Lore Stefanek, Amy Manson

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Spencer“

Moviepilot über „Spencer“

Metacritic über „Spencer“

Rotten Tomatoes über „Spencer“

Wikipedia über „Spencer“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood konstatiert einen weitgehenden Sieg der künstlerischen Freiheit

Meine Besprechung von Pablo Larrains „El Club“ (El Club, Chile 2015)

Meine Besprechung von Pablo Larraíns „Jackie: Die First Lady“ (Jackie, USA 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Neruda“ (Neruda, Chile/Argentinien/Frankreich/Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Spencer“ (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Maria“ (Maria, Deutschland/Italien/USA 2024)


TV-Tipp für den 3. Januar: Papillon

Januar 2, 2026

One, 22.00

Papillon (Papillon, USA 1973)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“, in dem er von seinem weiteren Leben erzählt, war dann episodischer.

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffman, Victor Jory, Woodrow Parfrey, Robert Deman, Anthony Zerbe, Don Gordon, William Smithers, Val Avery, Dalton Trumbo

Wiederholung: Dienstag, 6. Januar, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Papillon”

Wikipedia über “Papillon” (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über François Ozons Albert-Camus-Verfilmung „Der Fremde“

Januar 2, 2026

Meursault ist der Ich-Erzähler in Albert Camus‘ „Der Fremde“, einem 1940 geschriebenem, 1942 erschienenem kurzen, in der damaligen Kolonie Algerien spielende Roman, der schnell zum Klassiker und einem der wichtigsten Werke des Existentialismus wurde.

Dieser Meursault ist ein 1938 in Algier allein lebender dreißigjähriger kleiner Angestellter. Er erzählt zuerst von der Beerdigung seiner entfernt in einem Altersheim verstorbenen Mutter, von seinem halbseidenem Nachbarn, von seiner unmittelbar nach der Beerdigung seiner Mutter beginnenden Affäre mit einer ehemaligen Kollegin, wie er scheinbar grundlos einen jungen Araber tötet und für diese Tat vor Gericht gestellt wird. In der Verhandlung geht es dann vor allem um sein Verhalten.

Jetzt verfilmte François Ozon diesen Klassiker sehr nah an der Vorlage entlang in wunderschönen SW-Bildern. In jedem Moment ist der Respekt vor der Vorlage spürbar.

Ozon erfindet viele Dialoge, die im Roman nur zusammengefasst zu lesen sind. Er zeigt in eindrucksvollen Bildern, was im Roman der Erzähler, der alles ohne erkennbare Regung verfolgt, in wenigen Worten erzählt. Das damalige Leben in der Kolonie wird fassbar. Ebenso Meursaults Lebenseinstellung.

Diese wird schon deutlich, wenn Meursault erfährt, dass seine Mutter verstorben ist und er diese Nachricht ohne eine erkennbare Gefühlsregung aufnimmt. Die Trauerfeierlichkeiten beobachtet er eher von außen. Die erforderlichen Rituale, die für ihn keine Bedeutung haben, vollzieht er, nachdem er dazu aufgefordert wird, quasi automatisch. Damals – wie gesagt, die Geschichte spielt 1938 und damals hatte die Religion in der Gesellschaft eine andere Bedeutng als heute – war sein Verhalten, wie auch später Aussagen von Charakterzeugen vor Gericht zeigen, verstörend und schockierend. Schockierend und gegen alle Trauer-Konventionen ist auch, dass Meursault unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter sich am Strand vergnügt und eine Beziehung mit einer jungen Frau beginnt. Auch hier folgt er emotionslos den Konventionen, denen ein Verliebter folgen soll. Später ermordet er ohne einen erkennbaren Grund einen Araber. Die anschließende Gerichtsverhandlung verfolgt er ebenso ungerührt. Das war damals sicher zutiefst verstörend und ungewöhnlich. Heute ist das anders.

Entsprechend offensichtlich ist die Botschaft des Films und entsprechend überflüssig ist Meursaults Verteidiungsrede am Filmende. Sie wiederholt nur in epischer Länge noch einmal das bereits Gesagte.

Damit kämen wir zum Problem des Films. Mit etwas über zwei Stunden ist „Der Fremde“ einer der längsten Filme von François Ozon. Nur „Gelobt sei Gott“ ist länger. Während das in dem auf Tatsachen basierendem Drama kein Problem war, ist die Ozon-unübliche Länge in „Der Fremde“ ein Problem. Überraschende Wendungen – wenn wir von Meursaults Mord absehen – gibt es nicht. Ozon erzählt Meursaults Geschichte, wie Camus, chronologisch als eine weitgehend zufällige Abfolge von Ereignissen, die auch wegen der strengen Inszenierung als Passionsgeschichte ohne Gott und ohne eine höhere Bedeutung gelesen werden kann.

Das ist allerdings nur ein kleiner Kritikpunkt an einem ansonsten gelungenem Film. Die SW-Fotografie verleiht dem Drama das Aussehen eines vergessenen Meisterwerks aus den fünfziger Jahren. Die Schauspieler sind gut. Die einzelnen Szenen sind kluge Übertragungen vom Roman in den Film. Ozon verdeutlicht Dinge, die Camus nur in Halbsätzen schilderte. Er erfand viele Dialoge. Und die Geschichte über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und die Anforderungen der Gesellschaft an den Einzelnen ist immer noch aktuell.

Damit ist „Der Fremde“ der erste Höhepunkt des Kinojahres.

Der Fremde (L’Étranger, Frankreich 2025)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, Philippe Piazzo

LV: Albert Camus: L’Étranger, 1942 (Der Fremde)

mit Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud, Christophe Malavoy, Nicolas Vaude, Jean-Charles Clichet, Mireille Perrier, Hajar Bouzaouit, Abderrahmane Dehkani, Jérôme Pouly, Jean-Claude Bolle-Reddat, Christophe Vandevelde, Jean-Benoît Ugeux

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Internationaler Titel: The Stranger

Hinweise

Allociné über „Der Fremde“

Moviepilot über „Der Fremde“

Metacritic über „Der Fremde“

Rotten Tomatoes über „Der Fremde“

Wikipedia über „Der Fremde“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von François Ozons „Peter von Kant“ (Peter von Kant, Frankreich 2022)

Meine Besprechung von François Ozons „Mein fabelhaftes Verbrechen“ (Mon Crime, Frankreich 2023)