TV-Tipp für den 12. Mai: Tatort: Kneipenbekanntschaft

Mai 11, 2026

NDR, 22.00

Tatort: Kneipenbekanntschaft (Deutschland 1974)

Regie: Jörg-Michael Baldenius

Drehbuch: Hans Drawe, Rüdiger Humpert

Mitten in der Nacht wird in Hannover in einem Park eine lebenslustige, wohlhabende Witwe (das waren damals mindestens zwei Mordmotive) ermordet. Kommissar Heinz Brammer ermittelt.

Erster von vier Brammer-Krimis, der unabhängig von der Qualität des Falls als zeithistorisches Dokument interessant ist. Außerdem sehen wir Hobby-Musiker Brammer beim Besuch eines Udo-Lindenberg-Konzerts.

Die restliche Musik ist von Rolf Kühn.

mit Knut Hinz, Peter Kuiper, Rosemarie Fendel, Dieter Prochnow, Edda Pastor, Klaus Schwarzkopf, Udo Lindenberg & das Panikorchester

Hinweis

Wikipedia über „Tatort: Kneipenbekanntschaft“


Über die Ausstellung „Inventing Queer Cinema“ in der Deutschen Kinemathek

Mai 11, 2026

Die erste Ausstellung der Deutschen Kinemathek an ihrem Übergangsstandort präsentiert auch ein Stück Berlin-Geschichte, das nur möglich wurde, weil das Archiv des Filmverleihs Salzgeber geöffnet wurde. Der Filmverleih wurde 1985 von Manfred Salzgeber in West-Berlin gegründet mit dem Ziel, schwule Filme zu verleihen. Und Berlin war und ist für den queeren Film wichtig.

Schon vor der Gründung des Verleihs – Salzgeber fand 1985 für den Film „Buddies“, den ersten Spielfilm über AIDS, keinen Verleiher oder TV-Sender – engagierte der 1943 geborene und 1994 verstorbene Filmfanatiker sich für schwule Belange. Unter anderem bei der Gründung des Internationalen Forums des Jungen Films, später bei der Berlinale, als Kinobetreiber und gut vernetzter Entdecker und Förderer von Filmen abseits des Mainstreams, die nach seiner Überzeugung gesehen werden sollten. Mit Wieland Speck schuf er 1987 im Panorama der Berlinale den Teddy Award, den weltweit ersten offiziellen queeren Filmpreis auf einem A-Festival.

Viele Filme über queeres Leben entstanden in Berlin. Rosa von Praunheim lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Berlin. Sein Spielfilm „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) kann für die schwule und lesbische Community und ihr Selbstbewusstsein nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Konzipiert und kuratiert wurde die Ausstellung von Björn Koll, der sich mit ihr einen Traum erfüllte. Seit 1989 arbeitet er in verschiedenen Funktionen bei Salzgeber. 1994 wurde er Eigentümer und wurde 2007 alleiniger Geschäftsführer der Salzgeber & Co. Medien GmbH. Zur Ausstellung sagt er: „Es geht bei ‚Inventing Queer Cinema‘ (…) nicht um die Frage, wer was erfunden hat. Das queere Kino ist ein imaginärer Raum und Traum, der von Millionen Menschen auf der Welt gespeist und geteilt wird. Der Wunsch, sich selbst zu sehen unf für andere sichtbar zu werden, war dabei immer stärker als alle Widrigkeiten bei Produktion und Herausbringung.“

Die Ausstellung nutzt die Räumlichkeiten des E-Werk, einem seit 1987 denkmalgeschütztem Umspannwerk, und zeigt gleichzeitig die Begrenzungen auf. Denn so hoch die Eingangshalle mit 8,75 Meter ist, so wenig Platz ist für die Präsentation all der in Jahrzehnten gesammelten und jetzt zu einem kleinen Teil ausgestellten Exponate. Dafür laden die frei schwebenden Plakate und Bilder zum Assozieren und Erinnern ein.

Die Ausstellung in der Eingangshalle teilt sich auf ein einen Prolog, der auf die Geschichte des queeren Film in den zwanziger Jahren in der Weimarer Republik eingeht. Es gibt die schon erwähnten, den Raum dominierenden Visuals und etwas abgeschottete Ecken für Rosa von Praunheim, eine Box für Manfred Salzgeber und eine auf drei Leinwände aufgeteilte Präsentation.

Bei Rosa von Praunheim wird sich in einer auf sechs Monitoren aufgeteilten Präsentation auf „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ und die Wirkungsgeschichte des Films konzentriert. In „Manfreds Box“ gibt es einen Einblick in das Wirken von Manfred Salzgeber mit 1993 entstandenen Mitschnitten aus seiner Einführung in die queere Filmgeschichte und Interviews mit Kollegen und Freunden. Im Fokus Fernsehen wird gezeigt, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten in Talkshows, im Kinderfernsehen und in Filmen und Serien die Präsentation queerer Menschen veränderte.

Ein weiterer Blickfang ist die Installation „Celebrating Queer Cinema“. Auf drei Leinwänden werden Ausschnitte aus 22 Filmen gezeigt.

Im Schaltwerk werden erstmals Dokumente und Gegenstände aus dem Archiv des Filmverleih Salzgeber präsentiert. Es gehört jetzt zum Bestand der Stiftung Deutsche Kinemathek.

Während die Ausstellung primär eine Einführung in das Thema ist, gibt es zur Vertiefung eine Filmreihe und begeltende Veranstaltungen.

Die Filmreihe besteht aus 96 Filmen, die zwischen 1924 (Carl Theodor Dreyers „Michael“) und 2023 (Paul B. Preciados „Orlando, meine politische Biografie“, Vuk Lungulov-Klotz‘ „Mutt“, Hannes Hirschs „Drifter“, Harvey Rabbits „Captain Faggotron saves the Universe“ und Malgorzata Szumowska/Michal Englerts „Frau aus Freiheit“) ihre Premiere hatten. Fast die Hälfte der teils mehrfach gezeigten Filme stammen aus den siebziger, achtziger und neunziger Jahren. Es werden Filmen von Elfi Mikesch, Ulrike Ottinger, Rosa von Praunheim, Monika Treut und Frank Ripploh gezeigt. Es gibt auch Entdeckungen wie „100 Tage, Genosse Soldat“. Der sowjetische Film von 1990 über fünf junge Männer, die ihren Militärdienst nicht überleben, ist, je nach Sicht, immer noch oder wieder aktuell.

Zu den begleitenden Veranstaltungen gehören Drehbuchlesungen und Publikumsdiskussionen. Zu den Gästen gehören Monika Treut, Angelina Maccarone, Elfi Mikesch, Wieland Speck und Jochen Hick.

Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, sich nach dem Besuch der Ausstellung weiter in das Thema zu vertiefen. Und vielleicht gibt es auch irgendwann noch ein von Björn Koll angedachtes Buch zur Ausstellung.

Die Ausstellung „Inventing Queer Cinema“ ist in der Deutschen Kinemathek (Mauerstraße 79, Berlin) von jetzt bis zum 13. September 2026.

Sie ist von Donnerstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Alle weiteren Informationen zur Ausstellung, der Filmreihe und den weiteren Angeboten findet ihr auf der Seite der Deutschen Kinemathek.


TV-Tipp für den 11. Mai: Jesse James – Mann ohne Gesetz

Mai 10, 2026

Weil ich die Till-Raether-Verfilmung „Danowski – Neunauge“ (Premiere um 20.15 Uhr im ZDF, inszeniert von Jonas Grosch mit Milan Peschel wieder als Kommissar Adam Danowski) noch nicht gesehen habe:

Arte, 20.15

Jesse James – Mann ohne Gesetz (Jesse James, USA 1939)

Regie: Henry King

Drehbuch: Nunnally Johnson (nach historischen Recherchen von Rosalind Shaffer und Jo Frances James)

Ein Westernklassiker, der die Geschichte der Brüder Frank und Jesse James erzählt, die sich an der Eisenbahngesellschaft für erlittenes Unrecht rächen wollen und zu Verbrechern werden.

mit Tyrone Power, Henry Fonda, Nancy Kelly, Randolph Scott, Henry Hull, Brian Donlevy, John Carradine, Lon Chaney jr.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jesse James – Mann ohne Gesetz“

Wikipedia über „Jesse James – Mann ohne Gesetz“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Mai: Minari – Wo wir Wurzeln schlagen

Mai 9, 2026

Arte, 22.20

Minari – Wo wir Wurzeln schlagen (Minari, USA 2020)

Regie: Lee Isaac Chung

Drehbuch: Lee Isaac Chung

TV-Premiere. Feinfühlig und die üblichen dramatischen Spannungsmomente ignorierend erzählt Lee Isaac Chung die Geschichte seiner aus Korea in die USA eingewanderten Familie und seiner Kindheit in den achtziger Jahren im ländlichen Arkansas.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Steven Yeun, Yeri Han, Alan Kim, Noel Kate Cho, Yuh-Jung Youn, Scott Haze, Will Patton, Darryl Cox, Esther Moon

Hinweise

Moviepilot über „Minari“

Metacritic über „Minari“

Rotten Tomatoes über „Minari“

Wikipedia über „Minari“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Isaac Chungs „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ (Minari, USA 2020)

Meine Besprechung von Lee Isaac Chungs “Twisters” (Twisters, USA 2024)


TV-Tipp für den 9. Mai: Macbeth

Mai 8, 2026

3sat, 23.25

Macbeth (Macbeth, Großbritannien 1971)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski, Kenneth Tynan

LV: William Shakespeare: The Tragedy of Macbeth, 1606 (Macbeth)

Roman Polanskis selten gezeigte werktreue und gewalttätige Verfilmung von Shakespeares „Macbeth“. Damals kontrovers aufgenommen und ein Kassenflop, heute ein Klassiker.

mit Jon Finch, Francesca Annis, Martin Shaw, Nicholas Selby, John Stride, Stephen Chase

Hinweise

3sat über „Macbeth“ (Film sollte anschließend in der Mediathek verfügbar sein)

Rotten Tomatoes über „Macbeth“

Wikipedia über „Macbeth“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Palace“ (The Palace, Italien/Polen/Schweiz/Frankreich 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Sie tragen „Das Gewicht der Welt“

Mai 8, 2026

Ein Dokumentarfilm über die Klimakatastrophe und Wissenschaftler, die versuchen sie zu verhindern, und in dem nicht die üblichen Verdächtigen kluge Statements abgeben, ist natürlich erfreulich.

Und jetzt kommen wir schon zum Aber.

In seinem beobachtendem Dokumentarfilm „Das Gewicht der Welt“ porträtiert Florian Heinzen-Ziob mit großer Geduld und Sympathie Maria Hörhold, Doktorin der Glaziologie, Sebastian Seiffert, Professor für Physikalische Chemie, und Nana-Maria Grüning, Doktorin der molekularen Biologie, bei ihrer Arbeit, ihrem umweltpolitischem Engagement und im Privatleben. Sie forschen. Sie halten Vorträge vor Studierenden (gut, das ist ihre Arbeit und gleichzeitig ein eleganter Weg, einige Fakten einzustreuen). Sie reden auch vor Nicht-Akademikern. Sie treffen sich mit Kollegen. Sie engagieren sich. Maria Hörhold bei „Scientist 4 Future“. Nana-Maria Grüning ist Gründungsmitglied von „Scientist Rebellion Deutschland“. So nennt sich die Wissenschaftler-Ausgabe der „Letzten Generation“. Die im Film gezeigten öffentlichen Aktionen von „Scientist Rebellion Deutschland“ sind dann der von der „Letzten Generation“ bekannte öffentlichkeitswirksame Mix aus Festklebe- und Farbverteilaktionen. Bei der Bevölkerung, die überzeugt werden sollte, stießen sie zu großen Teilen auf Unverständnis und Ablehnung.

In der Dokumentation selbst gibt es, abgesehen von wütenden Autofahrern, keine Gegenstimmen oder eine Reflektion, die über das hinausgeht, was die Protagonisten selbst sagen. Damit entfällt auch eine Diskussion über den präzisen Sinn der Aktionen und ob sie ihr Ziel erreichen. Stattdessen wollen sie bei „Scientist Rebellion Deutschland“ so weitermachen.

Maria Hörhold und Sebastian Seiffert versuchen es mit Aufklärung und der Gründung eines Unternehmens zur Meerwasserentsalzung.

Das Gewicht der Welt“ beschränkt sich auf die Beobachtung der drei Filmprotagonisten, die besorgt über den Zustand der Welt sind und die sich, teilweise rührend naiv, engagieren. Das führt in dem Film dazu, dass es fast keine Analyse des individuellen Handelns gibt, dass dieses Handeln nicht in eine Beziehung zur Gesellschaft, zur Politik und zur Wissenschaft gesetzt und kritisch hinterfragt wird. Also ob eine bestimmte Protestform ein wirksames Mittel ist, um bei der Bevölkerung das Bewusstsein über die Klimaktastrophe zu schärfen und diese dann zu einem bestimmten Handeln zu animieren. Es wird auch nicht gefragt, warum sie diese und keine andere Form des Engagements wählen. Beispielsweise beim „Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland“ (BUND) oder in einer Partei.

Der vor kurzem angelaufene Dokumentarfilm „Blame“ über mehrere Wissenschaftler, die zum Coronavirus forschen und sich während und nach der Pandemie fragten, warum plötzlich niemand mehr auf sie hörte, gibt einen viel besseren Einblick in das Denken und Wirken von Wissenschaftlern. Die Wissenschaftler und der Regisseur versuchen auch zu verstehen, wie es zu dem Backlash kam.

Wer wissen möchte, wie schlimm die Umweltzerstörung ist und was dagegen getan werden kann, kann sich Al Gores ebenfalls im Kino gezeigten Dokumentarfilme „Eine unbequeme Wahrheit“ (2006) und „Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft“ (2017) ansehen.

Oder er/sie/es besucht die örtliche, teilweise seit Jahrzehnten bestende Umwelt- und Naturschutzgruppe und erfährt einiges über ihre lange Geschichte, wie sie ihre Ziele umsetzen, welche Rolle ziviler Ungehorsam dabei spielt und wer ihre Gegner sind.

Das Gewicht der Welt (Deutschland 2025)

Regie: Florian Heinzen-Ziob

Drehbuch: Florian Heinzen-Ziob

mit Nana-Maria Grüning, Maria Hörhold, Sebastian Seiffert

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Gewicht der Welt“

Moviepilot über „Das Gewicht der Welt“

 


TV-Tipp für den 8. Mai: Baby Driver

Mai 7, 2026

Nitro, 22.00

Baby Driver (Baby Driver, USA 2017)

Regie: Edgar Wright

Drehbuch: Edgar Wright

Mit Musik geht bei ‚Baby‘ nicht alles besser. Bei geht alles nur mit Musik. Zum Beispiel wenn er als Fluchtwagenfahrer einigen Gangstern bei der Flucht vor der Polizei hilft. Als er sich verliebt, will er aus dem Verbrecherleben aussteigen. Davor soll er noch bei dem berühmten letzten großen Überfall mitmachen.

Harter Gangsterthriller mit einer Portion Humor und so viel gut ausgewählter Musik, dass er sich mühelos zum Gangster-Musical qualifiziert. Und ich meine das lobend!

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ansel Elgort, Kevin Spacey, Lily James, Jon Hamm, Jamie Foxx, Eiza González, Jon Bernthal, Micah Howard, Morse Diggs, CJ Jones, Sky Ferreira, Lance Palmer, Flea, Lanny Joon, Big Boi, Killer Mike, Paul Williams, Jon Spencer, Walter Hill

Hinweise

Moviepilot über „Baby Driver“

Metacritic über „Baby Driver“

Rotten Tomatoes über „Baby Driver“

Wikipedia über „Baby Driver“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The World’s End“ (The World’s End, Großbritannien 2013)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Baby Driver“ (Baby Driver, USA 2017)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The Sparks Brothers“ (The Sparks Brothers, USA 2021)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Last Night in Soho“ (Last Night in Soho, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The Running Man“ (The Running Man, USA 2025)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Titel, der alles sagt: „Mortal Kombat II“

Mai 7, 2026

Mortal Kombat II“ ist der Mittelteil einer Trilogie, der nicht mit den üblichen Mittelteilen einer Trilogie zu kämpfen hat. Das liegt daran, dass es in dem Videospiel „Mortal Kombat“ und auch in dem vorherigen „Mortal Kombat“-Film (davor gab es schon zwei Kinofilme und mehrere Animationsfilme) nicht um ein „Herr der Ringe“-würdiges Worldbuilding geht. Es geht, wenn wir die ‚Mortal Kombat‘-Mythologie um die Outworld, Earthrealm (aka die Erde), Zauberer und auserwählten Kämpfern auf ihren Kern herunterbrechen, geht es um einen in zehn Turnieren ausgetragenen Kampf um die Zukunft des Universums. Bestritten werden diese Turniere von auserwählten Kämpfern mit besonderen Fähigkeiten in verschiedenen Kampfarenen.

Die Dramaturgie unterscheidet sich nicht von einer Abfolge von Boxkämpfen um den Weltmeistertitel. Da muss man auch nicht wissen, was vor oder nach dem Kampf geschieht. Man muss auch nichts über die Kämpfer wissen; außer, vielleicht, ihren Fähigkeiten im Ring. Eine Dramaturgie, abseits von einem ‚Der Gewinner kommt in die nächste Runde‘ gibt es nicht. Man muss also nicht alle vorherigen; – eigentlich muss man keinen vorherigen Kampf gesehen haben, um den letzten Kampf zu verstehen. Das ist in Zeiten, in denen in anderen Filmuniversen, wie dem MCU, das Wissen um alle vorherigen Filme und TV-Serien vorausgesetzt wird, erholsam und angenehm altmodisch.

Ging es Simon McQuoid in „Mortal Kombat“ (2021), zwischen vielen, langen Kämpfen, noch um die Aufnahme von Cole Young in das Team Erde, geht es ihm jetzt um die Aufnahme von Johnny Cage (Karl Urban) in die Gruppe der Champions von Earthrealm. Sie müssen die Schreckensherrschaft von Shao Khan, dem Herrscher über die Outworld, beenden. Cage ist ein abgehalfterter, stramm auf die Pensionsgrenze zugehender Actionstar, dessen Karriere-Höhepunkt in in Achtzigern und frühen Neunzigern in B-Pictures war. Aber irgendeine besondere Fähigkeit muss er haben; neben dem ikonischen Aufsetzen seiner Sonnenbrille und pseudocoolen One-Linern, die direkt aus einem dummen 80er-Jahre-Actionfilm stammen könnten.

Bis auf diesen prominenten und einige weniger prominente Neuzugänge und einigen mehr oder weniger überraschenden Auftritten von Kämpfern aus „Mortal Kombat“ (2021), die dort möglicherweise starben, unterscheidet sich „Mortal Kombat II“ kaum von seinem Vorgänger. Die Minimal-Story dient nur dazu, die fast die gesamte Filmzeit in Anspruch nehmenden Kämpfe mit vielen, vielen, sehr vielen Kämpfern zu verbinden. Laut Produzent E. Bennett Walsh gibt es in dem Fantasy-Actionfilm 18 Hauptcharaktere. Damit auch Zuschauer, die sich nicht für das dem Film zugrunde liegenden Computerspiele interessieren, die Figuren unterscheiden können, verfügen sie über weniger Eigenschaften und ein oft erinnerungswürdiges Aussehen.

Erzählerisch bewegt sich die Geschichte auf der Stufe eines Kinderfilms mit klar gezeichneten eindimensionalen Figuren, deren Existenzberechtigung in der Teilnahme an den Kämpfen besteht. Diese sind dann so brutal, dass „Mortal Kombat II“, im Geist der Spielvorlage, beileibe kein Kinderfilm ist. Er ist eher das filmische Äquivalent zu einem Wrestling-Kampf mit spritzendem Blut und anderen Dingen.

Die Fantasy-Welt, in der die Geschichte spielt, stammt selbstverständlich aus dem Computer. Die bewusst amateurhaft gestalteten Kulissen und Effekte sehen durchgehend wie die Kulisse für ein vor Jahrzehnten gedrehtes Fantasy-B-Picture aus. Das sind Bilder, die bereits ab 1936 in den „Flash Gordon“-Serials kultiviert wurden. Damals wurden die Kulissen gemalt. Es gab Lichteffekte und Blitze. Halt alles, was gut aussieht und mit einem Minibudget hergestellt werden kann. Darum finden die Kämpfe in „Mortal Kombat II“ fast immer ohne Publikum, aber dafür mit Donner und Blitzen, an absolut austauschbaren, dunklen Orten statt.

Weil in „Mortal Kombat II“ die Bilder und die Art, wie die Geschichte erzählt wird, durchgehend aus der Vergangenheit kommen, gehört Simon McQuoids Fantasy-Film, wie die letzte Woche gestartete Komödie „Der Teufel trägt Prada 2“, zu den Filmen, die vor allem nostalgische Gefühle bedienen. „Mortal Kombat II“ wirkt durchgehend wie ein 80er-Jahre-Actionfilm. Die Fans von „Mortal Kombat“ (2021) werden sich freuen, dass sie viele, auch aus den Computerspielen bekannte Figuren ohne störende Überraschungen auf der Kinoleinwand sehen können.

Sie dürfen sich auch auf den dritten und abschließenden Film der Trilogie freuen. Wieder mit Simon McQuoid als Regisseur, Jeremy Slater als Drehbuchautor und, nun, den überlebenden Kämpfern dieses Turniers.

Mortal Kombat II (Mortal Kombat II, USA 2026)

Regie: Simon McQuoid

Drehbuch: Jeremy Slater (basierend auf dem Videospiel „Mortal Kombat“ von Ed Boon und John Tobias)

mit Karl Urban, Adeline Rudolph, Jessica McNamee, Josh Lawson, Ludi Lin, Mehcad Brooks, Tati Gabrielle, Lewis Tan, Damon Herriman, Martyn Ford, Max Huang, Chin Han, Tadanobu Asano, Joe Taslim, Hiroyuki Sanada

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Mortal Kombat II“

Metacritic über „Mortal Kombat II“

Rotten Tomatoes über „Mortal Kombat II“

Wikipedia über „Mortal Kombat II“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 7. Mai: Juliet, Naked

Mai 6, 2026

One, 20.15

Juliet, Naked (Juliet, Naked, Großbritannien/USA 2018)

Regie: Jesse Peretz

Drehbuch: Evgenia Peretz, Tamara Jenkins, Jim Taylor

LV: Nick Hornby: Juliet, Naked, 2009 (Juliet, Naked)

Duncan Thomson (Chris O’Dowd) ist begeistert. Der Überfan ist in den Besitz bislang unbekannter Demoaufnahmen von seinem großen Idol Tucker Crowe gelangt. Er schreibt einen langen Text über dieses Meisterwerk. Duncans langjährige Freundin Annie Platt (Rose Byrne) sieht es anders und schreibt in einem Tucker-Crowe-Fanforum, dass “Juliet, Naked” nicht so großartig sei. Kurz darauf meldet sich der seit 25 Jahren untergetauchte Tucker Crowe (Ethan Hawke) bei ihr. Etwas später klopft er an ihre Haustür.

Warmherzige RomCom über alles, was wir in den Werken von “High Fidelity” Nick Hornby lieben.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rose Byrne, Ethan Hawke, Chris O’Dowd, Lily Brazier, Ayoola Smart, Azhy Robertson, Phil Davis

Hinweise

Moviepilot über „Juliet, Naked“

Metacritic über „Juliet, Naked“

Rotten Tomatoes über „Juliet, Naked“

Wikipedia über „Juliet, Naked“

Meine Besprechung von Jesse Peretz‘ “Juliet, Naked” (Juliet, Naked, Großbritannien/USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Don’t „Whistle“, denn dann kommt der Tod

Mai 6, 2026

Wer den Ton der aztekische Todes-Pfeife hört, wird kurz darauf sterben.

Jetzt bläst eine Schülerin der Pellington High, als sie mit vier Schulkameraden eine nächtliche Mini-Party feiert, in diese Pfeife.

Fortan müssen sie um ihr Überleben kämpfen. Aus dieser Prämisse, die Horrorfans möglicherweise an die „Final Destination“-Filme erinnert, macht Corin Hardy einen gradlinigen Horrorfilm mit ordentlichen Effekten, einer durchaus überschaubaren Zahl von Toten und vielen Suspense-Momenten.

Weil die Erscheinungsform, die der Tod annimmt, durchgehend CGI-generiert ist, sind Effekte möglich, die sonst nicht möglich wären. Schließlich sind Gelenke nicht endlos biegsam.

Corin Hardy präsentiert mit „Whistle“ einen sich kurzweilig und gelungen innerhalb bekannter Bahnen bewegenden Horrorfilm. Die im Abspann versteckte Schlusspointe sollte man besser nicht als einen direkten Hinweis auf eine sich direkt an diesen Film anschließende Fortsetzung sehen. Man sollte sich auch nicht zu sehr mit Fragen der Logik beschäftige, wie beispielsweise der Frage, warum der Schulspind der neuen Schülerin in den vergangenen Monaten, nach dem entsetzlichen Tod eines anderen Schüler (den wir am Filmanfang sehen), nicht geöffnet und ausgeräumt wurde.

Whistle (Whistle, Kanada 2025)

Regie: Corin Hardy

Drehbuch: Owen Egerton

mit Ali Skovbye, Dafne Keen, Jhaleil Swaby, Nick Frost, Percy Hynes White, Sky Yang, Sophie Nélisse

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 7. Mai 2026

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Whistle“

Metacritic über „Whistle“

Rotten Tomatoes über „Whistle“

Wikipedia über „Whistle“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Corin Hardys „The Nun“ (The Nun, USA 2018)


TV-Tipp für den 6. Mai: Leid und Herrlichkeit

Mai 5, 2026

Arte, 20.15

Leid und Herrlichkeit (Dolor y gloria, Spanien 2019)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

In seiner Wohnung dämmert Salvador Mallo (Antonio Banderas) vor sich hin. Er leidet an zahlreichen Krankheiten, die ihn am Arbeiten hindern. Als der Regisseur einen seiner früheren Filmen, der inzwischen als Meisterwerk gilt, zusammen mit seinem damaligen Hauptdarsteller präsentieren soll, erinnert er sich an sein Leben und ihre gemeinsame Zeit. Dummerweise haben sie sich damals heillos zerstritten.

Wie wir es von Pedro Almodóvar gewohnt sind: ein grandioses Drama und ein großer Spaß.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.05 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Antonio Banderas/Pedro Almodóvar: Der Meister und seine Muse“ (Frankreich 2022).

mit Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Leonardo Sbaraglia, Nora Navas, Julieta Serrano, César Vicente, Asier Flores, Penélope Cruz, Cecilia Roth, Susi Sánchez, Raúl Arévalo, Pedro Casablanc, Julián López, Rosalía

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Leid und Herrlichkeit“

Metacritic über „Leid und Herrlichkeit“

Rotten Tomatoes über „Leid und Herrlichkeit“

Wikipedia über „Leid und Herrlichkeit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Fliegende Liebende“ (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“ (Dolor y gloria, Spanien 2019)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Parallele Mütter“ (Madres paralelas, Spanien 2021)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „The Room next Door“ (The Room next Door/La habitación de al lado, Spanien 2024)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. Mai: A Haunting in Venice

Mai 4, 2026

RTL, 20.15

A Haunting in Venice (A Haunting in Venice, USA 2023)

Regie: Kenneth Branagh

Drehbuch: Michael Green

LV: Agatha Christie: Hallowe’en Party, 1969 (Die Schneewittchen-Party; Die Halloween-Party, und neuerdings A Haunting in Venice)

Hercule Poirot wird 1947 in Venedig zu einer Séance eingeladen. Poirot glaubt nicht an den Hokuspokus. Als eine der Anwesenden stirbt, will Poirot den Mörder finden.

TV-Premiere. Dritter und bislang schwächster Hercule-Poirot-Film von und mit Kenneth Branagh. Ein Grund ist, dass der Filmfall nichts mit dem Romanfall zu tun hat. Ein anderer ist, dass Drehbuchautor Michael Green und Branagh keinen Rätselkrimi, sondern eine Spukgeschichte erzählen. Das ist als überkandidelter Gothic-Horror-Versuch halbwegs unterhaltsam, hat aber mit Agatha Christie und Hercule Poirot nichts zu tun.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kenneth Branagh, Kyle Allen, Michelle Yeoh, Camille Cottin, Jamie Dornan, Tina Fey, Jude Hill, Ali Khan, Emma Laird, Kelly Reilly, Riccardo Scamarcio

Die Vorlage in der Filmausgabe

Agatha Christie: A Haunting in Venice

(übersetzt von Hiltgunt Grabler) (mit einem Vorwort von Michael Green)

Atlantik, 2023

256 Seiten

14 Euro

Ältere deutsche Titel

Die Schneewittchen-Party (ursprünglicher Titel)

Die Halloween-Party (Titel der Neuausgabe von 2018)

Originalausgabe

Hallowe’en Party

Harper Collins, London 1969

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „A Haunting in Venice“

Metacritic über „A Haunting in Venice“

Rotten Tomatoes über „A Haunting in Venice“

Wikipedia über „A Haunting in Venice“ (deutsch, englisch), die Vorlage (deutsch, englisch), Hercule Poirot (deutsch, englisch) und Agatha Christie (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Hercule Poirot

zu Kenneth Branagh

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs „Jack Ryan: Shadow Recruit“ (Jack Ryan: Shadow Recruit, USA 2013)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs „Cinderella“ (Cinderella, USA 2015)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, USA/Großbritannien 2022)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs „Belfast“ (Belfast, USA 2021)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „A Haunting in Venice“ (A Haunting in Venice, USA 2023) (und Buchbesprechung)

zu Agatha Christie

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von John Guillermins Agatha-Christie-Verfilmung “Tod auf dem Nil” (Death on the Nile, Großbritannien 1978)

Meine Besprechung von Michael Winners Agatha-Christie-Verfilmung „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenner Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“ (Crooked House, USA 2017) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, USA/Großbritannien 2022) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „A Haunting in Venice“ (A Haunting in Venice, USA 2023) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Agatha Christies „Weihnachten mit Agatha Christie – Alle Geschichten zum Fest“ (2023)


TV-Tipp für den 4. Mai: Das Lehrerzimmer

Mai 3, 2026

ZDF, 20.15

Das Lehrerzimmer (Deutschland 2023)

Regie: İlker Çatak

Drehbuch: İlker Çatak, Johannes Duncker

Eine junge engagierte Lehrerin auf Kollisionskurs mit Kollegen, Schülern und Eltern.

Intensives, mit vielen Preisen ausgezeichnetes und für den Auslandsoscar nominiertes Drama, in dem die Schule zum Terrorhaus wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Leonie Benesch, Michael Klammer, Rafael Stachowiak, Eva Löbau

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Lehrerzimmer“

Moviepilot über „Das Lehrerzimmer“

Rotten Tomatoes über „Das Lehrerzimmer“

Wikipedia über „Das Lehrerzimmer“

Berlinale über „Das Lehrerzimmer“

Meine Besprechung von İlker Çataks „Das Lehrerzimmer“ (Deutschland 2023)

Meine Besprechung von İlker Çataks „Gelbe Briefe“ (Deutschland/Frankreich/Türkei 2026)

 


TV-Tipp für den 3. Mai: Donnie Brasco

Mai 2, 2026

Arte, 20.15

Donnie Brasco (Donnie Brasco, USA 1997)

Regie: Mike Newell

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990

FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.

Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.

Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche

Wiederholung: Montag, 11. Mai, 21.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Donnie Brasco”

Wikipedia über „Donny Brasco“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Newells „Deine Juliet“ (The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society, USA/Großbritannien 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Ulrich Köhlers „Gavagai“

Mai 2, 2026

Da kommt einiges zusammen: Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) will in Afrika den klassischen Medea-Stoff neu und in jeder Beziehung korrekt verfilmen. Also radikal neu interpretiert, feministisch, antikolonial und in keinster Weise ausbeuterisch.

Das geht schon während der Dreharbeiten schief. Auch im Senegal gibt es unter den Einheimischen eine Klassengesellschaft. Immer wieder kollidiert das europäische Bild von Afrika mit der Realität. Das gut gemeinte ist eben nicht immer unbedingt das Gute. Dazu kommt das Ego der Regisseurin zwischen hochfliegenden künstlerischen Ambitionen und der Blindheit für die Realität.

Ein halbes Jahr nach dem Ende der Dreharbeiten soll der Film in Berlin auf der Berlinale seine glorreiche Premiere feiern. Nourou (Jean-Christophe Folly), der aus dem Senegal kommende, zur dortigen Oberschicht gehörende Star des Films, wird eingeflogen. Beim Einchecken in seinem Hotel gerät er mit einem Security-Mitarbeiter in einen Streit. Maja (Maren Eggert) macht daraus einen rassistischen Vorfall und inszeniert sich, ohne auch nur eine Zehntelsekunde über ihre Privilegien und ihre Rolle nachzudenken, als „White Savior“. Dabei könnte es auch einfach ein Missverständnis gewesen sein. Die Missverständnisse, die auch bewusste oder unbewusste Diskriminierungen und Überschreitungen von Grenzen sind, gehen weiter. Denn Maja und Nourou hatten während der Dreharbeiten eine Beziehung. Jetzt ist Maja wieder bei ihrer Familie.

Das Spannende bei Ulrich Köhlers neuem Film „Gavagai“, der aus zwei Teilen besteht, die mühelos vollkommen unabhängig voneinander gesehen werden können, ist dieser fast schon wissenschaftlich-objektive Blick auf Grenzen und Strukturen. Er zeigt sie, ohne zu urteilen oder anzuklagen. Er inszeniert immer so, dass alle Szenen offen für vollkommen gegensätzliche Interpretationen sind. Das Urteil überlässt Köhler dem Zuschauer.

Das macht den Film als Versuchsanordnung mit vielen verschiedenen Situationen interessant für lange Diskussionen nach dem Film über Missverständnisse, richtiges und falsches Verhalten. War der Vorfall in dem Hotel wirklich eine Diskriminierung aufgrund von Rasse und Hautfarbe oder nur ein durch Schwierigkeiten bei der Verständigung entstandenes Missverständnis oder hat Nourou gegen Regeln verstoßen? Nourou möchte die Sache auf sich beruhen lassen. Maja, die nicht die ganze Zeit dabei war, ist überzeugt, dass Nourous Hautfarbe entscheidend war. Sie beschwert sich beim Hoteldirektor und löst eine Kettenreaktion aus.

Diese durchgehende Offenheit macht „Gavagai“ gleichzeitig unbefriedigend als Spielfilm. Keine Person lädt zur Identifikation ein. Sie bleiben Stichwortgeber für die Diskussion nach dem Film. Es entsteht keine Geschichte. „Gavagai“ bleibt eine Abfolge von mehr oder weniger skurrilen, mehr oder weniger entlarvenden Situationen, einige mit einem mehr oder weniger großem Fremdschäm-Potential. Immerhin zeigt sich so, wie schwierig Verständigung ist und wie sehr vorgefasste Ansichten eine Verständigung erschweren.

Gavagai (Deutschland/Frankreich 2025)

Regie: Ulrich Köhler

Drehbuch: Ulrich Köhler

mit Jean-Christophe Folly, Maren Eggert, Nathalie Richard, Anna Diakhere Thiandoum

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Gavagai“

Moviepilot über „Gavagai“

Metacritic über „Gavagai“

Rotten Tomatoes über „Gavagai“

Meine Besprechung von Ulrich Köhlers „In my Room“ (Deutschland/Italien 2018)


TV-Tipp für den 2. Mai: Teufel in Blau

Mai 1, 2026

ZDFneo, 23.45

Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Wiederholung: Sonntag, 3. Mai, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teufel in Blau“

Wikipedia über „Teufel in Blau“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Easy Rawlins

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Kriminalakte: Walter Mosley erhält den CWA Diamond Dagger 2023


Neu im Kino/Filmkritik: „Friendly Fire – Erich Fried“, betrachtet durch die Brille eines seiner Söhne

Mai 1, 2026

Wer einen normalen Dokumentarfilm über Erich Fried (6. Mai 1921, Wien – 22. November 1988, Baden-Baden) erwartet, in dem das Leben und Wirken des bedeutenden und viel gelesenen Dichters chronologisch nacherzählt wird mit Statements von Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Bewunderern, wird enttäuscht sein. In einem x-beliebigem Lexikonartikel erfährt er mehr.

Klaus Fried verfolgt in seinem herausforderndem Film „Friendly Fire – Erich Fried“, zusammen mit seiner Co-Regisseurin Julia Albrecht, einen ganz anderen Ansatz. Er ist einer der Söhne von Erich Fried. Er glaubt, dass sein Vater ihn am wenigsten von allen seinen Kindern gekannt habe.

Jetzt will er mehr über ihn erfahren. Seine Suche führt ihn vor allem zu anderen Mitgliedern der großen Fried-Familie. Erich Fried war dreimal verheiratet und hat aus diesen Ehen sechs Kinder. Sie reden miteinander. Auch über ihren Vater. Dazwischen gibt es einen sehr kryptischen Blick in Erich Frieds Leben und sehr wenige Einblicke in sein Werk.

In seinem essayistischen, enorm dicht erzählten Dokumentarfilm geht es Klaus Fried und seiner Co-Regisseurin Julia Albrecht, die auch für die Montage und das Sounddesign verantwortlich ist, um Verzerrungen, Irritationen und Unwohlsein. Dazu gehört auch der exzessive Einsatz von Avantgarde-Musik und wie Klaus Fried sich immer wieder als Getriebenen ins Bild setzt. Einmal stolpert er über einen Friedhof und sucht während eines Sturms ein Grab. Die Gespräche verlaufen oft etwas anders als in konventionellen Dokumentarfilmen. Fried und Albrecht zeigen auch Momente, in denen das Gespräch kurz vor einem Abbruch steht. Immer wieder zeigen sie, teilweise quälend lang, Momente und Szenen, die in anderen Dokumentarfilmen noch nicht einmal in die erste Fassung aufgenommen würden. Die während der Coronavirus-Pandemie vorgeschriebenen Atemschutzmasken verstärken das Gefühl, das etwas ver-rückt ist.

Friendly Fire – Erich Fried“ ist kein Film über das Werk von Erich Fried, sondern über die Suche nach einem Vater, der gleichzeitig ein von der ganzen Welt bewunderter Dichter und politischer Essayist war.

Das gewollt sperrige Ergebnis ist definitiv ein Film, der Reaktionen herausfordert.

Friendly Fire – Erich Fried (Deutschland/Österreich 2025)

Regie: Klaus Fried, Julia Albrecht (Realisation)

Drehbuch: Klaus Fried, Andrew Hood

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Friendly Fire – Erich Fried“

Moviepilot über „Friendly Fire – Erich Fried“

Wikipedia über „Friendly Fire – Erich Fried“ und Erich Fried (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Uta Briesewitz‘ „American Sweatshop“

Mai 1, 2026

Die 25-jährige Daisy Morris (Lili Reinhart) arbeitet als Content Cleanerin für ein soziales Netzwerk, in das Videos hochgeladen werden können. Sie und ihre Kollegen sollen in Florida in dem Großraum-Büro von Paladin Control im Sekundentakt Videos entfernen, die gegen die Richtlinien des Netzwerkes verstoßen. Dafür müssen sie sich die Videos mehr oder weniger lange ansehen. Pornografie ist einfach, weil Pornografie verboten ist. Bei anderen Bildern wird es schwieriger. Und natürlich spielt der politische und kulturelle Kontext eine Rolle. 2018 gab der sehenswerte Dokumentarfilm „The Cleaners“ einen guten Einblick in diese deprimierende Arbeit.

Trotz aller professionellen Distanz geht Daisy ein Video mit dem Titel „Nailed it“ nicht mehr aus dem Kopf. Sie beschließt, den Täter zur Verantwortung zu ziehen. Nachdem die Polizei ihr nicht helfen will, weil unklar ist, ob die Tat in Florida geschah oder das Video in Florida hochgeladen wurde, begibt sie sich auf eigene Faust auf die Suche nach den Tätern.

In dem Moment könnte Uta Briesewitz‘ Spielfilmdebüt „American Sweatshop“ den Weg eines x-beliebigen Selbstjustiz-Thriller beschreiten. Für die Erfordernisse einer solchen Geschichte interessiert Briesewitz sich kaum. Der Thrillerplot dient ihr nur als strukturierendes Element einer Arbeitsplatzstudie.

In dem Thrillerplot versucht Daisy sich als Amateurdetektivin. Aber in erster Linie zeigt Briesewitz im Rahmen dieses Plots, wie Daisy eine Entscheidung fällt. Die anschließende Umsetzung und die damit verbundenen Folgen werden nicht mehr gezeigt. Dabei bleibt nebulös, was genau dieses Video für sie schockierender als alle anderen Videos, die sie sich bis dahin ansehen musste, macht. Aber vielleicht war dieses Video auch nur das eine Video zu viel. Im Film selbst sind von diesem Video nur einige Bilder zu sehen. Von den anderen Videos, die sich die Content Moderatoren ansehen müssen, zeigt sie noch weniger. Sie zeigt ihre Reaktionen auf die Bilder.

Viel mehr interessiert Briesewitz sich für die Arbeit der Content Moderatoren und wie sie mit den Bildern umgehen, die sie sich ansehen müssen. Der eine Kollege brüllt durch das Büro. Andere gehen in ein eigens dafür hergerichtetes Zimmer. Einige fressen die Bilder in sich hinein. Andere kündigen. Teilweise schon am ersten Tag. Alle können mit dem Betriebspsychologen reden. Trotz der vielen Filmzeit, die Briesewitz ihnen und ihrer Arbeit widmet, bleibt sie zu sehr an der Oberfläche.

Die in Leverkusen geborene Uta Briesewitz arbeitete als Kamerafrau für TV-Serien wie „The Wire“, „LAX“, „Hung – Um Längen besser“ und „True Blood“. Zu ihren Kinoarbeiten gehören „Session 9“, „Walk Hard: The Dewey Cox Story“ und „Die Herrschaft der Schatten“. Seit 2010 arbeitete sie, beginnend mit „Hung – Um Längen besser“, auch als Regisseurin für zahlreiche TV-Serien. Sie inszenierte Episoden für „Fear the Walking Dead“, „Orange is the new Black“, „Westworld“,, „Stranger Things“, „Black Mirror“, „Marvel’s Jessica Jones“, „Severane“ und „The Pitt“. „American Sweatshop“ ist ihr Spielfilmdebüt.

American Sweatshop (USA/Deutschland 2025)

Regie: Uta Briesewitz

Drehbuch: Matthew Nemeth

mit Lili Reinhart, Daniela Melchior, Christiane Paul, Jeremy Ang Jones, Josh Whitehouse

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Filmportal über „American Sweatshop“

Moviepilot über „American Sweatshop“

Metacritic über „American Sweatshop“

Rotten Tomatoes über „American Sweatshop“

Wikipedia über „American Sweatshop“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. Mai: Snowpiercer

April 30, 2026

3sat, 23.15

Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Regie: Bong Joon-ho

Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson

LV: Jacques Lob/Benjamin Legrand/Jean-Marc Rochette: Le Transperceneige, 1984 (Schneekreuzer)

Nach der Klimakatastrophe ist die Erde ein Eisplanet. Ein Zug fährt ohne Unterbrechung um die Erde, versorgt sich autark und die Zugbewohner leben in einer radikalen Klassengesellschaft. Da entschließen sich die Unterdrückten, die in den hinteren Zugabteilen vegetieren, zum Aufstand. Ihr Ziel: der erste Wagon.

Satirischer Science-Fiction-Actionthriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Evans, Jamie Bell, John Hurt, Ed Harris, Tilda Swinton, Song Kang-ho, Ko Asung, Octavia Spencer, Ewan Bremner, Tómas Lemarquis

Hinweise

Moviepilot über „Snowpiercer“

Metacritic über „Snowpiercer“

Rotten Tomatoes über „Snowpiercer“

Wikipedia über „Snowpiercer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Okja“ (Okja, USA/Südkorea 2017)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Parasite“ (Gisaengchung, Südkorea 2019)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Mickey 17“ (Mickey 17, USA 2025)


Neu im Kino/Filmkritik: Sandra Hüller ist „Rose“

April 30, 2026

Während des Dreißigjährigen Krieges taucht in einem protestantischem Dorf ein unbekannter Mann auf. Der schweigsame, sich abweisend gebende Ex-Soldat legt Papiere vor, die ihn zum Erben eines Gutshof machen. Dieser ist schon lange verlassen und entsprechend heruntergekommen. In mühseliger Arbeit richtet er ihn wieder her. Er gewinnt den Respekt der Dorfbewohner. Schließlich bietet ihm der Großbauer, im Zusammenhang mit einem Grundstückgeschäft, seine Tochter Suzanna als Frau an.

Der Fremde nimmt an. Dass der Fremde eine Frau ist, wissen die Dorfbewohner nicht. Sie ahnen es noch nicht einmal. Das Kinopublikum weiß das schon vor dem Film. Denn der Fremde heißt Rose (wie der Filmtitel) und er wird von Sandra Hüller als Frau in unförmigen Männerkleidern gespielt. Dafür erhielt sie auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bär als beste Schauspielerin. Hüller verleiht diesem kantigen, schweigsamen Einzelgänger schnell durch ihre Handlungen, Bewegungen, Blicke und die wenigen Sätze, die sie sagt, eine individuelle Persönlichkeit. Über ihre Vergangenheit müssen wir nichts erfahren; auch wenn Regisseur Markus Schleinzer („Michael“, „Angelo“) zur Vorbereitung unzählige Seiten füllte und für sich einen dicken Roman über Rose schrieb. Sie wird zum Mann, verleugnet alles erkennbar Weibliche und kann so unter falscher Identität ein Leben jenseits der damals gültigen Konventionen leben.

Auch Suzanna sieht es ähnlich. Sie kommt, was zu dem Zeitpunkt weder ihr Vater noch Rose wissen, schwanger in die Ehe. Später sieht sie Rose nackt. Anstatt Rose zu verraten, deckt sie sie. Im Haus genießt sie die Freiheit, von keinem Mann unterdrückt zu werden; außerhalb des Hauses tritt sie zunehmend auch als Gutsherrin auf. Gemeinsam führen die beiden Frauen fortan den Hof. Solange die Dorfbewohner nicht zu neugierig werden.

Markus Schleinzer erzählt diese Geschichte in atmosphärischen Schwarzweiß-Bildern. Die durchkomponierten, kargen Bilder tragen dazu bei, dass „Rose“ als in sich geschlossenes Kunstwerk überzeugt. Die Bilder, die Schauspieler, die Dialoge und der distanzierte Bericht der Erzählerin fügen sich zu einem geschlossenem Bild zusammen. Schleinzer erzählt eine Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit und fragt, was Freiheit ist.

Rose (Österreich/Deutschland 2026)

Regie: Markus Schleinzer

Drehbuch: Markus Schleinzer, Alexander Brom

mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Maria Dragus, Annalisa Hohl, Robert Gwisdek, Augustino Renken, Maurice Leonhard

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Rose“

Moviepilot über „Rose“

Metacritic über „Rose“

Rotten Tomatoes über „Rose“

Wikipedia über „Rose“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Rose“