Neu im Kino/Filmkritik: Klingaling! Eli Roths „Ice Cream Man“ ist da

August 6, 2026

Bayleen Bay ist eine typische US-amerikanische Kleinstadt. Brave Kinder, freundliche Nachbarn, saubere Straßen und gepflegte Vorgärten. Als eines Tages ein „Ice Cream Man“ auftaucht und aus seinem Wagen heraus Eis verteilt, ändert sich das radikal. Das Eis macht die Kinder, sobald sie eine bestimmte Melodie hören, zu mordgierigen, seelenlosen Zombies. Fortan bringen sie ihre Eltern und andere Erwachsene auf die denkbar gemeinsten Arten um. Und Regisseur Eli Roth zeigt das ausführlich, ziemlich detailliert und fast immer gut sichtbar im hellen Licht des Tages. Das ist, verglichen mit anderen Horrorfilmen, die so dunkel sind, das oft nur noch erahnbar ist, was zu sehen sein könnte, erfreulich.

Das war es dann so ziemlich mit den erfreulichen Dingen in einem überraschend zahmen und sich, trotz seiner kurzen Laufzeit von unter neunzig Minuten, länger anfühlendem Film. Denn „Ice Cream Man“ hat kein Thema und keine größere Zielgruppe. Sie beschränkt sich auf Eli-Roth-Fans und die Ich-sehe-mir-jeden-Film-an-wenn-das-Blut-spritzt-Splatter-Community. In anderen Splatterfilmen sind die Zielgruppe Teenager und Anfang-Zwanzigjährige, die sich auf der Leinwand sehen, und die, meistens, vor Sex vor der Ehe und dem Konsum von Drogen gewarnt werden. In „Ice Cream Man“ könnten es Kinder sein, die vor einem Rattenfänger gewarnt werden. Dafür spräche auch die Wahl der Hauptpersonen. Die Protagonisten sind einige Kinder, vor allem Jared (Charlie Zeltzer), der wegen seiner Laktoseintoleranz kein Eis aß, seine ältere Schwester Lizzie (Sarah Abbott) und ihr etwas dümmlicher Ex-Freund Chris (Dylan Hawco). Die Erwachsenen sind nur austauschbares Schlachtfutter ohne irgendeinen Hauch von Individualität.

Die Kinder hatten wahrscheinlich auch viel Spaß bei den Dreharbeiten. Aber sie dürfen den Film nicht sehen, weil die Altersfreigaben durchgehend deutlich höher sind. In Deutschland ist die Splatter-Komödie FSK-18. Alle Über-12-Jährigen haben kein direktes Identifikationsangbot. Sie wissen, dass sie von Fremden kein kostenloses Eis annehmen sollen. Sie interessieren sich für Sex & Drugs & Rock’n’Roll.

Für eine Horror-Comedy gibt es nicht genug Lacher. Außer man lacht konstant bei den Morden und den vorher erfolgenden Verletzungen, von denen einige im Trailer gezeigt werden. In die steckte Eli Roth eine beträchtliche Fantasie, die er besser in ein gescheites Drehbuch gesteckt hätte.

Neben der Idee, dass Kinder durch Eis zu mordenden Zombies werden, hat er mit dem Eisverkäufer, genaugenommen Eisverschenker (Ari Millen, grandios ohne eine Dialogzeile) und dem Eiswagen einen erinnerungswürdige Bösewicht und ein ebenso erinnerungswürdiges und bedrohliches Gefährt.

Aber ohne ein alles zusammenhaltendes Thema ist „Ice Cream Man“ nur, wenn die Kinder auf dem Schulhof mit den Innereien der Lehrer spielen oder Erwachsene gerade möglichst abstrus töten, eine Abfolge von schön drapierten Horror-Tableaus, ein Best-of der aus Horror- und Splatterfilmen bekannten und angedeuteten Mordmethoden, eine ausdehnte Sammlung von Filmzitaten und viel Leerlauf.

Ice Cream Man (Ice Cream Man, Kanada 2026)

Regie: Eli Roth

Drehbuch: Eli Roth, Noah Belson

mit Ari Millen, Benjamin Byron Davis, Eli Roth, Karen Cliche, Dylan Hawco, Sarah Abbott, Shiloh O’Reilly, Kiori Mirza Waldman, Charlie Zeltzer, Charlie Storey

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Ice Cream Man“

Metacritic über „Ice Cream Man“

Rotten Tomatoes über „Ice Cream Man“

Wikipedia über „Ice Cream Man“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)

Meine Besprechung von Eli Roths „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)

Meine Besprechung von Eli Roths „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ (The House with a Clock in its Walls, USA 2018)

Meine Besprechung von Eli Roths „Thanksgiving“ (Thanksgiving, USA 2023)

Meine Besprechung von Eli Roths „Borderlands“ (Borderlands, USA 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: „Nightborn“ – Troll oder Baby?

August 6, 2026

Abgelegen von jeder Zivilisation liegt das schon vor Ewigkeiten der Natur überlassene Elternhaus von Saga. Objektiv ist das in Finnland im Wald liegende Haus eine Ruine. Der Wald wirkt eher sumpfig-bedrohlich als freundlich-beschützend. Trotzdem ziehen Saga und ihr Mann Jon dort ein. Hier und nicht in London wollen die Finnin und der Brite eine Familie gründen. Sie richten das Holzhaus wohnlich her und bekommen einen Sohn. Aber Saga verhält sich nach der Geburt seltsam. Ihr Kind ebenso.

Ihr Sohn ist ungewöhnlich behaart. Viel mehr sehen wir von ihm nicht. Sein Gesicht sehen wir erst am Ende. Er beißt Saga. Er fügt ihr Quetschungen zu. Es ist, als ob sie ein Monster an ihrer Brust ernähre. Ist er vielleicht ein Troll? Ihr Mann und auch alle anderen Menschen halten Sagas Kind dagegen für ein ganz normales, süßes Baby.

Hannah Bergholms Quasi-Ein-Personenstück „Nightborn“ changiert arg vorhersehbar und unglücklich zwischen Folk-Horror und einer Studie über eine Depression nach der Geburt eines Kindes. Denn Bergholm will sich nicht entscheiden, ob sie eine traditionelle Horrorgeschichte oder die Geschichte einer postpartalen Depression erzählt. Trotz der Kürze ist die sich so entwickelnde Beziehungsgeschichte eine ziemlich zähe Angelegenheit, garniert mit viel Blut und Flüssigkeiten.

Danach erschient „Lamb“ in einem deutlich milderem Licht.

Nightborn (Yön lapsi, Finnland/Litauen/Frankreich/Großbritannien 2026)

Regie: Hanna Bergholm

Drehbuch: Ilja Rautsi, Hanna Bergholm

mit Seidi Haarla, Rupert Grint, Pamela Tola, Pirkko Saisio, Rebecca Lacey, John Thomson

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Nightborn“

Metacritic über „Nightborn“

Rotten Tomatoes über „Nightborn“

Wikipedia über „Nightborn“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Nightborn“


TV-Tipp für den 6. August: Ray & Liz

August 5, 2026

3sat, 22.25

Ray & Liz (Ray & Liz, Großbritannien 2018)

Regie: Richard Billingham

Drehbuch: Richard Billingham

Fotograf Richard Billingham erzählt in seinem präzise fotografiertem Filmdebüt die Geschichte seiner Eltern Ray und Liz, die in Birmingham zur unteren Arbeiterklasse gehören. Es sind deprimierende Bilder aus deinem deprimierendem Leben. Danach möchte man, um sich besser zu fühlen, mindestens ein Feelbad-Movie sehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ella Smith, Justin Salinger, Patrick Romer, Deirdre Kelly, Tony Way, Sam Gittins, Joshua Millard-Lloyd

Hinweise

Moviepilot über „Ray & Liz“

Metacritic über „Ray & Liz“

Rotten Tomatoes über „Ray & Liz“

Wikipedia über „Ray & Liz“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Billinghams „Ray & Liz“ (Ray & Liz, Großbritannien 2018)


TV-Tipp für den 5. August: Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush

August 4, 2026

BR, 23.40

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Deutschland/Frankreich 2022)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Laila Stieler

Wenige Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 wird in Pakistan der neunzehnjährige Murat Kurnat verhaftet und nach Guantanamo gebracht. Die Presse nennt ihn „Bremer Taliban“.

Seine Mutter Rabiye Kurnaz will ihren Jungen aus der Gefangenschaft befreien. Zusammen mit dem Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke setzt sie Himmel und Hölle in Bewegung.

Sehr gelungenes, unterhaltsames, nah an den Fakten entlang erzähltes Drama, mit einer ordentlichen Portion Humor.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Charly Hübner, Nazmi Kirik, Sevda Polat, Abdullah Emre Öztürk

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Moviepilot über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Rotten Tomatoes über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Wikipedia über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Andres Dresens „Gundermann“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ (Deutschland/Frankreich 2022)

Meine Besprechung von Andres Dresens „In Liebe, eure Hilde“ (Deutschland 2024)


TV-Tipp für den 4. August: Der gute Hirte

August 3, 2026

Weil das CIA-Biopic so selten gezeigt wird; für Nachteulen zeigt Kabel 1 um 02.10 Uhr Martin Scoreses „Kap der Angst“ (mit Robert De Niro als Bösewicht)

ZDFneo, 22.45

Der gute Hirte (The good Shepherd, USA 2006)

Regie: Robert De Niro

Drehbuch: Eric Roth

Hochkarätig besetztes CIA-Biopic, das die Geschichte des Geheimdienstes zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den sechziger Jahren anhand des Lebens von Edward Wilson von der Spionageabwehr erzählt.

„Der gute Hirte“ war für mehrere renommierte Preise nominiert, wie den Oscar für die Ausstattung, und erhielt auch einige. Hauptsächlich für die Ausstattung und, auf der Berlinale, für das Ensemble.

Auch für den Edgar war Eric Roths Drehbuch nominiert. Den Preis der International Thriller Writers (ITW) als bester Thriller erhielt „Der gute Hirte“.

Und das fand ich dann doch ziemlich rätselhaft. Denn letztendlich ist Robert De Niros Film doch nur gut ausgestattetes, gut besetztes, ziemlich zähes Ausstattungskino.

Mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, Martina Gedeck, William Hurt, Timothy Hutton, Gabriel Macht, Joe Pesci, John Turturro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der gute Hirte“

Wikipedia über „Der gute Hirte“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. August: Truman Capote und „Kaltblütig“

August 2, 2026

Arte, 22.05

Truman Capote und „Kaltblütig“ – Eine mörderische Nacht (Frankreich 2024)

Regie: Frédéric Bas, Julien Gaurichon

Drehbuch: Frédédric Bas, Julien Gaurichon

Neue 53-minütige Doku über den von Truman Capote geschriebenen, 1966 erschienen True-Crime-Klassiker.

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 1. September 2026)

Wikipedia über Truman Capote (deutschenglisch)und sein Buch „Kaltblütig“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Ande Parks/Chris Samnees Bildergeschichte „Capote in Kansas“ (Capote in Kansas, 2005) (Yep, ebenfalls über die Arbeit an „Kaltblütig“)


TV-Tipp für den 2. August: Better Man – Die Robbie Williams Story

August 1, 2026

Pro7, 20.15

Better Man – Die Robbie Williams Story (Better Man, Australien/USA 2024)

Regie: Michael Gracey

Drehbuch: Simon Gleeson, Oliver Cole, Michael Gracey

TV-Premiere. Überzeugendes Biopic über Robbie Williams. Das liegt vor allem an der bestehend einfachen, genialen und unglaublich viele typische Biopic-Probleme lösenden Idee, Robbie Williams als im Motion-Capture-Verfahren computergenerierten Schimpansen zu zeigen. Dazu erzählt Williams, sich nicht schonend, seine Geschichte.

Ich bin kein Fan von „Take That“ oder Robbie Williams, aber dieses Musiker-Biopic gefiel mir.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Robbie Williams, Jonno Davies, Steve Pemberton, Damon Herriman, Raechelle Banno, Alison Steadman, Kate Mulvany, Frazer Hadfield, Tom Budge, Anthony Hayes, Jake Simmance, Asmara Feik, Carter J. Murphy

Wiederholung: Samstag, 8. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Better Man – Die Robbie Williams Story“

Metacritic über „Better Man – Die Robbie Williams Story“

Rotten Tomatoes über „Better Man – Die Robbie Williams Story“

Wikipedia über „Better Man – Die Robbie Williams Story“ (deutsch, englisch) und Robbie Williams (deutsch, englisch)

AllMusic über Robbie Williams

Meine Besprechung von Michael Graceys „Better Man – Die Robbie Williams Story“ (Better Man, Australien/USA 2024)


TV-Tipp für den 1. August: Die Unbestechlichen

Juli 31, 2026

WDR, 01.00

Die Unbestechlichen – The Untouchables (The Untouchables, USA 1987)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: David Mamet

Grandioser Gangsterfilm über den Kampf von Eliot Ness und seiner unbestechlichen Mitstreiter gegen Al Capone.

„Mit der ihm eigenen formalen Brillanz hat Brian De Palma diesen authentischen Fall inszeniert. Seine Liebe zum Detail, ausgeklügelte Kamerafahrten und Einstellungen, Ennio Morricones emotionaler Soundtrack und die lakonisch-präzise Charakterisierung der Personen machen den Film zu einem Augen- und Ohrenschmaus.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Sean Connery gewann den Oscar als bester Nebendarsteller.

Mit Kevin Costner, Robert de Niro, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia, Jack Kehoe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „ Die Unbestechlichen“

Wikipedia über „Die Unbestechlichen“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkriik: „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski“ und die perfekten Blüten

Juli 31, 2026

Hätte einer der vielen französischen Unternehmer, denen er in den vierziger Jahren seine damals visionären Erfindungen zeigte, sie gekauft oder ihn angestellt, wäre der polnische Flüchtling Jan Bojarski (Reda Kateb) vielleicht nie zum „Leonardo da Vinci der Geldfälscher” und zum „Cézanne des Falschgeldes” geworden. Schon während des Zweiten Weltkriegs fälscht er in Frankreich Pässe. Später, um seine Familie zu ernähren, französische Geldscheine. Die meiste Zeit seiner Karriere arbeitet er allein. Mit den brachialen Methoden einer Gangsterbande, zu der er in den frühen fünfziger Jahren kurz gehört, ist er nicht einverstanden. Er ist ein Gewalt ablehnender Tüftler.

Fortan stellt er die Blüten im heimischen Keller her. Die Druckplatten, die Farben, das Papier (mit in ganz Frankreich zusammengekauftem OCB-Zigarettenpapier als Grundlage) und die Druckerpresse stellt er in zeitintensiver Heimarbeit selbst her. Anschließend verteilt er die Blüten im ganzen Land. Dabei befolgte er einige Regeln, die seine Entdeckung verhindern sollen und die dazu führen, dass die Polizei vermutet, dass die bewundernswert guten Blüten, die in Details sogar besser als die Originale sind, von einer mehrköpfigen Bande in Umlauf gebracht werden.

Währenddessen jagt ihn Kommissar Mattei (Bastien Bouillon). Er ist von den handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten des Fälschers fasziniert und frustriert, weil er über Jahre, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, keine heiße Spur.

Einmal treffen Bojarski und Mattei, so erzählt Jean-Paul Salomé es in seinem Krimi „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski”, in Vichy in einer Hotelbar aufeinander. Das Gespräch erinnert Krimifans selbstverständlich an das Gespräch zwischen Al Pacino und Robert De Niro in Michael Manns Neo-Noir-Gangsterthrillerklassiker „Heat”. Auch wenn Mattei Bojarski ähnlich obsessiv jagt, ist Salomés Film kein Actionthriller, sondern ein traditionsbewusster Noir, der sich gekonnt in die Tradition des französischen Kriminalfilms der fünfziger und sechziger Jahre stellt. Er hat, passend zur Profession des Protagonisten, einen Blick für Details und viel Geduld beim Erzählen seiner Geschichte. Salomés Fokus beim Erzählen liegt auf den Figuren, ihren Handlungen und Beziehungen.

Der perfekte Schein” basiert auf der wahren Geschichte von Jan Bojarski (15. Oktober 1912 in Lancut, Österreich-Ungarn – 2. Mai 2003 in Saint-Sauveur, Départment Isere). Im Januar 1964 wurde er durch eine Verkettung von Zufällen verhaftet und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen guter Führung wurde er nach 13 Jahren entlassen.

Weil etliche Details in Bojarskis Leben als Verbrecher nicht vollständig geklärt sind, beispielsweise, was seine Frau wusste, nahm Salomé sich Freiheiten. Das Ergebnis ist ein stimmiger Retro-Krimi – mit einem äußerst sympathischem, introvertiertem Verbrecher, der einfach nur ein kleinbürgerlich-gutes Leben für seine Familie und sich will, als Protagonisten.

Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski (L’Affaire Bojarski, Frankreich 2025)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Jean-Paul Salomé, Bastien Daret, Delphine Gleize (in Zusammenarbeit mit) (nach einer Idee von Marie-Pierre Huster)

mit Reda Kateb, Sara Giraudeau, Bastien Bouillon, Pierre Lottin, Quentin Dolmaire, Victor Poirier, Olivier Loustau

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski”

Moviepilot über „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski”

Wikipedia über „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski” (englisch, französisch) und über Czesław Jan Bojarski (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Die Gewerkschafterin“ ( La Syndicaliste, Frankreich/Deutschland 2022)

 


TV-Tipp für den 31. Juli: Kingsman: The Golden Circle

Juli 30, 2026

Pro 7, 20.15

Kingsman: The Golden Circle (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Regie: Matthew Vaughn

Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn

LV: Mark Millar/Dave Gibbons: The Secret Service, 2012/2013 (Secret Service) (naja, eigentlich „Inspiration“)

Nachdem Bösewichter die Zentrale der Kingsman zerstörten, müssen die distinguierten britischen Agenten Eggsy und Merlin sich mit ihrer US-amerikanischen Partnerorganisation, den Statesman, deren Zentrale in Kentucky einer Whiskey-Destillerie ist, zusammentun.

Witzige, mit hundertvierzig Minuten zu lang geratene Agentenkomödie, mit einer chaotischen Story und viel Action, die um 20.15 Uhr wahrscheinlich in einer gekürzten Version gezeigt wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Taron Egerton, Julianne Moore, Colin Firth, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Edward Holcroft, Elton John, Hanna Alström, Tom Benedict Knight, Michael Gambon, Sophie Cookson, Björn Granath, Lena Endre, Poppy Delevingne, Bruce Greenwood, Emily Watson

Wiederholung: Sonntag, 2. August, 23.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Kingsman: The Golden Circle“

Metacritic über „Kingsman: The Golden Circle“

Rotten Tomatoes über „Kingsman: The Golden Circle“

Wikipedia über „Kingsman: The Golden Circle“ (deutschenglisch)

zu Matthew Vaughn

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Kingsman: The Golden Circle“ (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „The King’s Man – The Beginning“ (The King’s Man, USA/Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Argylle“ (Argylle, USA 2024)

zu Mark Millar

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Olivier Coipels „The Magic Order“ (The Magic Order # 1 – 6, 2018/2019)

Mein Besprechung von Mark Millar/Wilfredo Torres‘ „Jupiter’s Circle“ (Jupiter’s Circle # 1 – 6, 2015; Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6, 2015/2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerques „Prodigy: Die böse Erde“ (Prodigy: The evil earth # 1 – 6, 2019)

Meine Besprechung von Mark Millar/Simone Bianchis „Sharkey the Bounty Hunter – Krawall im All“ (Sharkey the Bounty Hunter # 1 – 6, 2020)

Verfilmungen

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Kingsman: The Golden Circle“ (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „The King’s Man – The Beginning“ (The King’s Man, USA/Großbritannien 2021)

Andere Autoren in Millarworld

Meine Besprechung von Jeff Lemire/Eduardo Rissos „Hit-Girl in Kanada“ (Hit-Girl (2018) # 5 – 8, 2018)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Rom“ (Hit-Girl (2018) # 9 – 12, 2018/2019)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Hollywood“ (Hit-Girl (2018) Season Two #1 – 4, Februar 2019 – Mai 2019)

Meine Besprechung von Steve Niles/Marcelo Frusins „Kick-Ass – Frauenpower (Band 2)“ (Kick-Ass (2018) # 7 – 12, September 2018 – Februar 2019)

Meine Besprechung von Steve Niles/Marcello Frusins „Kick-Ass: Frauenpower (Band 3)“ (Kick-Ass (2018) # 13 – 18, April 2019 – Oktober 2019)

Meine Besprechung von Steve Niles/Marcello Frusins „Kick-Ass: Frauenpower (Band 4)“ (Kick-Ass vs Hit-Girl # 1 – 5, November 2020 – März 2021)

Meine Besprechung von Rob Williams/Simon Frasers „Kingsman: Jagd auf Red Diamond“ (Kingsman: The Red Diamond # 1 – 6, September 2017 – Februar 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Pedro Almodóvars „Bitteres Fest“

Juli 30, 2026

2026 sitzt ein Mann in einem großen, im brutalistischen Stil gebautem, mit teuren Kunstwerken dekoriertem Haus in seinem Arbeitszimmer an seinem Laptop. Der ungefähr sechzigjährige Filmregisseur Raùl Rossetti (Leonardo Sbaraglia) schreibt gerade an seinem neuen Drehbuch.

Im Dezember 2004 stürzt sich die Werbefilmregisseurin Elsa (Barbara Lennie) in die Arbeit. Nach einer Panikattacke beginnt sie über ihr Leben nachzudenken. Vor Jahren inszenierte sie zwei Flops, die zu Kultfilmen wurden. Vielleicht könnte sie wieder einen Film drehen. Sie beginnt eine Geschichte zu schreiben.

Elsa existiert nur in der Fantasie von Raùl. Sie, ihr Umfeld und ihre Erlebnisse setzten sich aus den Menschen und deren Erlebnissen zusammen, die der sehr zurückgezogen lebende Regisseur kennt.

Nachdem Pedro Almodóvar in „Leid und Herrlichkeit“ (2019) deutlich gelungener von der Sinnkrise eines Regisseurs erzählte und munter spekuliert wurde, wie nah der Film an Almodóvars Leben ist, treibt er dieses jetzt Spiel weiter voran. Er schichtet mehrmals Metafiktion und Reflektion über Metafiktion auf Metafiktion und Reflektion über Metafiktion. Beginnend mit dem Regisseur, der einen autofiktionalen Text über eine Regisseurin schreibt, die ein Drehbuch schreibt und mit ihren Figuren redet.

Als intellektuelles Spiel und seine Konstruktion offen ausstellendes und ständig thematisierendes Gedankengebäude ist diese Herangehensweise als formales Experiment interessant. Als Film nicht unbedingt.

In diesem Fall ergibt das intellektuelle Spiel mit den verschiedenen Ebenen einen hermetisch abgeschlossener Raum, inszeniert mit starren Einstellungen, wenig Bewegung von der Kamera und den Schauspielern und noch weniger Geschichte. Almodóvar präsentiert vor allem Episoden und reflektierende Gespräche darüber. Wunderschön in ihrer Absurdität ist beispielsweise die Episode, in der eine Ärztin bei ihrer Patientin Elsa einen Mann wiedererkennt, ihn fragt, woher sie ihn kenne und sich anschließend mit ihm sehr interessiert über seine Arbeit unterhält. Überlang sind, nach „Magic Mike“, die Striptease-Szenen. Welche Figur in Elsas Plot welche Figur in Raùls Leben ist, bleibt dabei durchaus offen für Interpretationen. Das liegt auch daran, dass Almodóvar eher wenig über Raùls Leben erzählt und erfundene Geschichten immer wieder verändert werden können. Aber Raúls Assistentin Mónica erkennt sich in der ersten Fassung des von Raùl geschriebenem Drehbuch sofort wieder.

Eigentlich erzählt Almodóvar in seinem neuesten Film „Bitteres Fest“ die Geschichte vor der eigentlichen Filmgeschichte. Er räumt den Schreibtisch auf, ehe er sich an den Computer setzt, „Szene 1“ tippt und beginnt eine Geschichte zu erzählen, die auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick nichts mit ihm zu tun hat.

Das ist, wie gewohnt bei Pedro Almodóvar, fein inszeniert, gut gespielt und auch gut konstruiert in seiner multiplen Verschachtelung zwischen Zeitebenen, Plots und Interpretationsmöglichkeiten. Aber es fehlen die aus seinen früheren Filmen bekannte Lebendigkeit und Lebensfreude. „Bitteres Fest“ überzeugt nur als intellektuelles, sich selbst genügendes, braves Gedankengebäude. Für einen Almodóvar-Film ist das etwas wenig.

Bitteres Fest (Amarga Navidad, Spanien 2026)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

mit Barbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit, Quim Gutiérrez, Rossy de Palma, Carmen Machi, Gloria Muñoz, Amaia Romero

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Internationaler Titel: Bitter Christmas

Hinweise

Moviepilot über „Bitteres Fest“

Metacritik über „Bitteres Fest“

Rotten Tomatoes über „Bitteres Fest“

Wikipedia über „Bitteres Fest“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“ (Dolor y gloria, Spanien 2019)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Parallele Mütter“ (Madres paralelas, Spanien 2021)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „The Room next Door“ (The Room next Door/La habitación de al lado, Spanien 2024)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „The Invite“, jetzt in der US-Version

Juli 30, 2026

Es war einmal; – eigentlich ist es noch nicht so lange her: 2020 inszenierte Cesc Gay, basierend auf seinem Theaterstück, die spanische Komödie „Sentimental“. Seitdem gab es Remakes in Italien, der Schweiz, Frankreich und Südkorea. Und jetzt gibt es ein US-Remake. Olivia Wilde verlegte das spanische Stück, ohne große Änderungen, nach San Francisco.

Wieder geht es um eine nachbarschaftliche Einladung zum Kennenlernen bei einem Abendessen. Angela (Olivia Wilde) hat die neuen Mieter Hawk (Edward Norton) und Pina (Penélope Cruz) eingeladen. Ihr Mann Joe (Seth Rogen) ist nicht begeistert über diese spontane Einladung. Der Musikprofessor hat sich auf einen ruhigen Abend eingestellt. Mit den neuen Mietern, die ihn vor allem mitten in der Nacht mit lauten Geräuschen von ihrem extrem lustvollem Geschlechtsverkehr stören, will er nichts zu tun haben. Jedenfalls nicht heute Abend.

Aber da klingeln sie schon. Das anschließende Gespräch entwickelt sich anders als geplant. Zuerst entschuldigen Pina und Hawk sich für ihren lauten Sex. Sie und einige ihrer Freunde, die teils für den extrem hörbaren Geschlechtsverkehr verantwortlich sind, würden einfach manchmal alles um sich herum vergessen. Notgedrungen erklärt Joe, dass sie das nicht störe. Hawk nennt ihn lächelnd einen Lügner. Munter umkreisen die beiden Ehepaare sich. Während Angela und Hawk schon seit fünfzehn Jahren verheiratet sind und ihre Ehe zu einer öden Zweckgemeinschaft verkommen ist, genießen Hawk und Pina ihre noch junge offene und offen ausgelebte Liebe. Immer geht es bei den Gesprächen um Sex, Beziehungen, Enttäuschungen, emotionale Verletzungen und die Nähe zwischen beiden Wohnungen. Denn man hört nicht nur Geräusche, sondern kann auch in die andere Wohnung blicken. Irgendwann erfährt Joe, dass Hawk so seine nackte Frau ansehen kann und sie es genießt, von ihm angesehen zu werden.

Etwas später fragt der ehemalige, in sich ruhende Feuerwehrmann Hawk, ob sie nicht jetzt sofort alle zusammen Sex haben sollten. Kondome habe er dabei und er freue sich schon auf einen Partnertausch.

Bei Disney heißt es Live-Action-Remake und die Kritiken sind teils desaströs. Ein Grund ist, dass die gut verfügbaren Originale allseits bekannt und beliebt sind. Im Fall von „The Invite“ (und anderer Remakes, bei denen eigentlich nur Schauspieler und Drehort ausgetauscht wurden) sind das Original und die anderen Versionen unbekannter. Da drängt sich dann eher der Vergleich zum Theater auf. Dort ist es normal, wenn ein anderer Regisseur auf einer anderen Bühne mit anderen Schauspielern das gleiche Stück nochmal inszeniert. Es ja auch nicht so, dass man eine Inszenierung, wie einen Film, immer und überall sehen kann.

Außerdem wurden wegen der bekannten Unlust der US-Amerikaner, synchronisierte oder untertitelte Filme anzusehen, schon immer starbesetzte 1-zu-1-Remakes von Filmen gemacht, die in anderen Ländern ein Publikumserfolg waren. Für die Kenner des Originals sind diese Remakes oft in verschiedenen Abstufungen uninteressant.

Das gilt auch für „The Invite“. Die Schauspieler – Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz und Edward Norton – sind gut. Wobei ich mich fragte, warum Seth Rogen und Edward Norton nicht ihre Rollen tauschten. Denn Edward Norton wirkt als sexpositiver Feuerwehrmann nie glaubwürdig.

Die sich in einer Wohnung spielende Geschichte weckt auf den ersten Blick Erinnerungen an Roman Polanskis Theaterverfilmung „Der Gott de Gemetzels“. In diesem Vier-Personenstück eskaliert die gänzlich andere Geschichte allerdings konsequenter und glaubwürdiger.

In „The Invite“, das ebenfalls auf einem Theaterstück basiert, wirkt die Geschichte immer wieder formelhaft. Die Wendungen ergeben sich nicht aus der Geschichte, sondern dem Wunsch des Drehbuchautors, alle zehn Minuten eine überraschende Wendung zu präsentieren.

Da ist die in der ARD-Mediathek bis zum 22. August 2026 verfügbare schweizer Verfilmung des Stücks, „Die Nachbarn von oben“, von Sabine Boss mit Roeland Wiesnekker, Ursina Lardi, Sarah Spale und Max Simonischek durchgehend glaubwürdiger und organischer durchkomponiert als Abfolge sich von der ersten Begegnung andeutender und sich daraus ergebender Verwicklungen.

P. S.: Für nächstes Jahr ist eine niederländisch-belgische Verfilmung des Stücks angekündigt. Irgendetwas muss dieses Gespräch über Sex und Beziehungen haben.

The Invite (The Invite, USA 2026)

Regie: Olivia Wilde

Drehbuch: Will McCormack, Rashida Jones (basierend auf dem Theaterstück „Los vecinos de arriba“ von Cesc Gay)

mit Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz, Edward Norton

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Invite“

Metacritic über „The Invite“

Rotten Tomatoes über „The Invite“

Wikipedia über „The Invite“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 30. Juli: Being Hipp – First Lady of European Jazz

Juli 29, 2026

MDR, 22.40

Being Hipp – First Lady of European Jazz (Deutschland 2025)

Regie: Anna Schmidt

Drehbuch: Anna Schmidt

55-minütige Doku über die in Leipzig geborene Jazz-Pianistin Jutta Hipp (1925 – 2003), die in den 50er Jahren in den USA erfolgreich war und auch auf Blue Note veröffentlichte.

Jutta Hipp war die Inspiration für die Jazzpianistin Martha Kiesler, der Protagonistin in Robert Bracks neuestem Roman „Die nackte Haut“.

Danach geht’s jazzig weiter mit „Louis Armstrong & His All Stars“ (Friedrichstadtpalast 1965, um 23.35 Uhr), „James ‚Blood‘ Ulmer sowie Barbara Dennerlein“ (Jazzbühne Berlin 1985 und 1988, um 01.25 Uhr) und „Betty Carter & her Trio“ (Jazzbühne Berlin 1985, um 02.50 Uhr).

Hinweise

MDR über die Doku (mit Film)

Film in der ARD-Mediathek

Homepage zum Film

Wikipedia über Jutta Hipp (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Spider-Man: Brand New Day“ mit vielen alten Bekannten

Juli 29, 2026

Spider-Man, der freundliche Superheld aus und für die Nachbarschaft ist zurück. Wieder wird er von Tom Holland gespielt. MJ (Zendaya) und Ned Leeds (Jacob Batalon) sind wieder dabei. Aber nachdem Spider-Man vor vier Jahren die Welt rettete, musste er dafür sorgen, dass sich niemand mehr an Peter Parker erinnert.

Jetzt dreht sich in Spider-Mans Welt alles um das Schnappen von die Nachbarschaft und die Stadt in Angst und Schrecken versetzende Räuber. Die Kriminalitätsrate sinkt immer weiter. Die New Yorker können wieder Subway fahren und nach Einbruch der Dunkelheit ohne Angst vor Überfällen nach Hause gehen.

Und nun kommen wir zu einem zweigeteilten Probleme. Einerseits bittet der Verleih, wie immer bei Blockbustern, um spoilerfreie Besprechungen, andererseits hat der Film auch wenig „Geschichte“. Der „Gegner“ von Spider-Man ist etwas, das von einem Mensch zu einem anderen Mensch springen und seinen Körper und Geist übernehmen kann. Er kann aber nicht in den Geist von Spider-Man dringen. In dem Moment und lange ist unklar, ob dieses Wesen wirklich in diesem Film Spider-Mans Hauptgegner oder nur ein Handlanger des Bösewichts ist. Das erste Mal trifft Spider-Man auf dieses Wesen, als es den Verbrecher Scorpion aus einem Hochsicherheitsgefängnis befreit.

Im folgenden treten dann viele alte Bekannte aus dem Spider-Man- und Marvel-Universum auf. Teils in der aktuellen Hauptgeschichte, teils in Erinnerungen (was ein eleganter Weg ist, um auch einigen Verstorbenen einen weiteren Auftritt zu verschaffen). Die meisten dieser kurzen Auftritte sind nicht störender Fan-Service. Das gilt auch für den „Punisher“ Frank Castle (Jon Bernthal), der in der zweiten Hälfte des Films eine größere Rolle hat. Der skrupellos Bösewichter tötende Rächer ist in fast jeder Beziehung der Gegenentwurf zu Spider-Man. Dies führt, sobald sie gemeinsam gegen den Bösewicht vorgehen, zu einigen hitzigen Wortgefechten.

Trotz zahlreicher ziemlich spektakulärer Actionszenen (wobei das Finale in dieser Hinsicht enttäuscht) erzählt Destin Daniel Cretton in seinem ersten Spider-Man-Film keine Geschichte, in der der Held gegen den Bösewicht der Woche kämpft und die Stadt vor dem Untergang rettet. Er konzentriert sich einerseits auf Peter Parkers Erwachsenwerden und seinen damit verbundenen Abschied von seiner Jugend. Die Schule ist vorbei. MJ und Ned schließen gerade ihr Studium ab. Freundschaften können zerbrechen. Er muss seine Identität verbergen.

Dieser thematisch wenig spannende, aber in vielen Episoden, wenn er MJ und Ned trifft, vergnügliche Strang gehört zum festen Spider-Man-Repertoire, wie in den Batman-Geschichten Diskussionen über Vigilantentum und die Ähnlichkeit zwischen Batman und den Bösewichtern, gegen die er kämpft.

Deutlich interessanter und zum Nachdenken anregend ist der zweite thematische Strang des Superheldenfilms. Schon am Anfang, wenn Spider-Man im Department of Damage Control (DODC) einer Gruppe begegnet, die er früher bekämpfte, wird die Botschaft des Films angesprochen. Jetzt kämpften sie, so erklärt DODC-Direktor Bill Metzger (Tramell Tillman) Spider-Man, auf der Seite der Guten. Die Aufgabe seiner Behörde sei es, Schäden zu verhindern. Das gelinge vor allem, indem sie die Fähigkeiten der Menschen in die richtigen Bahnen lenkten. Fundamental dafür ist die Annahme, dass Menschen und in verschiedenen Abstufungen nichtmenschliche Wesen (wir sind hier ja in der Welt der Superhelden und Superschurken) sich ändern können und dass „gut“ und „böse“ keine unveränderlichen Zuschreibungen sind. Metzger sagt es nicht ausdrücklich, aber natürlich erinnert dieser Ansatz an Professor Charles Francis Xaviers School for gifted Youngsters; – wobei Xavier seine Schüler in den X-Men-Geschichten vor allem lernte, mit ihren Fähigkeiten verantwortungsvoll umzugehen.

Dieser Ansatz und der den ganzen Film durchziehende Glaube an das Gute im Menschen und die Veränderbarkeit des einzelnen Menschen machen aus „Brand New Day“ einen Gegenentwurf zur Tagespolitik, vor allem in den USA, wo sich die einzelnen politischen Lager immer mehr in ihre Schützengräben zurückziehen, dem Gegner alle Schandtaten unterstellen, Empathie für eine Schwäche halten und nicht daran glauben, dass Menschen sich verändern können.

Der Preis für diesen sehr sympathischen Ansatz ist, dass sich schon lange vor dem Filmende die Frage stellt, wer denn der Bösewicht des Films ist. Angesichts der vielen Marvel-Bösewichter der vergangenen Jahren, an die man sich schon einige Minuten nach dem Abspann kaum noch erinnern konnte, ist das nicht wirklich ein Makel. Es ist eher die konsequente Fortführung eines Konzepts.

Davon abgesehen setzt Destin Daniel Cretton nahtlos den Stil der vorherigen drei „Spider-Man“-Filme fort. Die liefen zwischen 2017 und 2021 im Kino, wurden von Jon Watts inszeniert und Holland spielte immer Peter Parker.

P. S.: Dank der Magie der Fördergelder ist „Brand New Day“ auch ein deutscher Film.

P. P. S.: Nach dem Abspann gibt es eine Miniszene, eigentlich nur ein kurzer Witz, und das, wenig überraschende Versprechen, dass es einen weiteren Spider-Man-Film geben wird.

Spider-Man: Brand New Day (Spider-Man: Brand New Day, USA 2026)

Regie: Destin Daniel Cretton

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Justin Kuritzkes (basierend auf der von Stan Lee und Steve Ditko erfundenen Figur)

mit Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Mark Ruffalo, Sadie Sink, Jon Bernthal, Michael Mando, Marvin Jones III, Zabryna Guevara, Tramell Tillman, Liza Colón-Zayas, Florence Pugh

Länge: 146 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Spider-Man: Brand New Day“

Metacritic über „Spider-Man: Brand New Day“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: Brand New Day“

Wikipedia über „Spider-Man: Brand New Day“ (deutsch, englisch)

zu Destin Daniel Cretton

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Schloss aus Glas“ (The Glass Castle, USA 2017)

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Just Mercy“ (Just Mercy, USA 2019)

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ (Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, USA 2021)

zu Spider-Man-Filmen

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ (The Amazing Spider-Man, USA 2012)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ (The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, USA 2013)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Homecoming“ (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Far From Home“ (Spider-Man: Far From Home, USA 2019)

Meine Besprechung von Jon Watts „Spider-Man: No Way Home (Spider-Man: No Way Home, USA 2021)

Meine Besprechung von Bob Persichetti, Peter Ramsey, Rodney Rothmans „Spider-Man: A new Universe“ (Spider-Man: Into the Spider-Verse, USA 2018)

Meine Besprechung von Joaquim Dos Santos/Kemp Powers/Justin K. Thompsons „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ (Spider-Man: Across the Spider-Verse, USA 2023)


TV-Tipp für den 29. Juli: Vera Drake

Juli 28, 2026

Arte, 20.15

Vera Drake (Vera Drake, Großbritannien/Frankreich/Neuseeland 2004)

Regie: Mike Leigh

Drehbuch: Mike Leigh

London in den Fünfzigern: Die aus der Arbeiterklasse kommende Vera Drake ist eine herzensgute Seele und führt kostenlos Abtreibungen durch. Sie will den Schwangeren helfen. Als die Polizei ihr auf die Schliche kommt und Anklage erhoben wird, steht ihre Familie vor der Frage, wie sie damit umgehen soll.

Hochgelobtes Drama, das unter anderem mit drei BAFTAs (Regie, Hauptdarstellerin und Kostüme) und sechs British Independent Film Awards (Bester britischer Independent-Film, Regie, Hauptdarstellerin, Hauptdarsteller, Nebendarsteller und beste Produktion) ausgezeichnet wurde.

mit Imelda Staunton, Richard Graham, Eddie Marsan, Anna Keaveney, Alex Kelly, Daniel Mays, Phil Davis, Lesley Manville, Sally Hawkins

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Vera Drake”

Wikipedia über “Vera Drake” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Leighs “Mr. Turner – Meister des Lichts” (Mr. Turner, Großbritannien 2014)


TV-Tipp für den 28. Juli: Winner

Juli 27, 2026

Mal wieder Nachmitternachtskino

ZDF, 00.55

Winner (Winner, Kanada/USA 2024)

Regie: Susanna Fogel

Drehbuch: Kerry Howley, Susanna Fogel

LV: Kerry Howley: Who Is Reality Winner? (New York Magazine, 25. Dezember 2017, Reportage)

In dem schwarzhomorigen Biopic wird die Geschichte der Whistleblowerin Reality Winner erzählt. Sie war von 2010 bis 2016 in der United States Air Force. Danach arbeitete sie für ein NSA-Subunternehmen (National Security Agency). Dort entdeckte sie einen NSA-Report über einen Versuch russicher Hacker, die US-Präsidentenwahl von 2016 zu beeinflussen. Sie gab den Bericht zur Veröffentlichung an „The Intercept“ weiter. Anschließend wurde sie verhaftet und im August 2018 zur bislang längsten Strafe für die nicht autorisierte Weitergabe von staatlichen Informationen an die Medien (63 Monate) verurteilt.

Im Juni 2021 wurde sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Ihre Bewährung endete im November 2024.

Kurz nach der Premiere von „Winner“ auf dem Sundance Film Festival kam bei uns „Reality“ (Reality, USA 2023) in die Kinos. Tina Satter konzentriert sich in ihrem grandiosen Film auf das erste Gespräch zwischen Reality Winner (Sydney Sweeney [grandios!]) und den FBI-Beamten, die sie wegen Geheimnisverrats verhaften wollen.

mit Emilia Jones, Connie Britton, Zach Galifianakis, Kathryn Newton, Danny Ramirez, Kristian Jordan

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Winner“

Wikipedia über „Winner“ (deutsch, englisch) und und Reality Winner (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Susanna Fogels „Bad Spies“ (The Spy who dumped me, USA 2018)

Meine Besprechung von Susanna Fogels „Cat Person“ (Cat Person, USA 2023)


TV-Tipp für den 27. Juli: Im Rausch der Tiefe

Juli 26, 2026

NDR, 22.45

Im Rausch der Tiefe – The Big Blue (La grand bleu, Frankreich/USA/Italien 1988)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson, Roger Garland

Bildgewaltiges Drama über zwei Kinderfreunde, die begeisterte Taucher sind und jetzt gegeneinander antreten. Es geht um den Weltrekord im Tauchen ohne Sauerstoffgerät.

Ein frühes Werk von Luc Besson, das in Frankreich ein Kassenhit war.

mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, Paul Shenar, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Griffin Dunne

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Rausch der Tiefe“

Wikipedia über „Im Rausch der Tiefe“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Léon – Der Profi“ (Léon, Frankreich 1994)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Anna“ (Anna, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Dogman“ (Dogman, Frankreich/USA 2023)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Dracula – Die Auferstehung“ (Dracula: A Love Tale, Frankreich/USA 2025)

Luc Besson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Juli: James Bond 007: Casino Royale

Juli 25, 2026

RTL, 20.15

James Bond 007: Casino Royale (Casino Royale, USA 2006)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.

Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet. Die weiteren Craig-Bonds sind dann eine erstaunlich zwiespältige Angelegenheit.

Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini

Wiederholung: Montag, 27. Juli, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage (in der aktuell erhältlichen Ausgabe)

Ian Fleming: Casino Royale

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

240 Seiten

11,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Martin Campbells TV-Serie “Am Rande der Finsternis” (Edge of Darkness, GB 1985 – DIE Vorlage für “Auftrag Mord”)

Meine Besprechung von Martin Campbells „Green Lantern” (Green Lantern, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Campbells „The Foreigner“ (The Foreigner, Großbritannien/China 2017) (mit Jackie Chan und Pierce Brosnan)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond: Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: GoldenEye“ (GoldenEye, 1995)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: KALT“ (COLD, 1996)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022) (ein Spionageroman aus der Welt von James Bond)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

Meine Besprechung von Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick (Being Bond: A Daniel Craig Retrospective, 2024)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. Juli: Die wandernde Erde II

Juli 24, 2026

Tele 5, 20.15

Die wandernde Erde II (liúlàng dìqiú II, China 2023)

Regie: Frant Gwo

Drehbuch: Yang Zhixue, Gong Geer, Frant Gwo, Ruchang Ye

LV (Idee): Cixin Liu: liúlàng dìqiú (Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in Science Fiction World, Juli 2000) (deutsche Veröffentlichung: Die wandernde Erde, 2019)

Was geschah, bevor die Erde sich, um einer explodierenden Sonne zu entgehen, auf die hundert Generationen dauernde Wanderschaft in ein anderes Sonnensystem begab?

Dieses gut dreistündige Science-Fiction-Spektakel beantwortet diese Frage höchst kurzweilig im Geist von Roland Emmerich.

Und weil dieser zweite Teil die Vorgeschichte zum ersten Teil erzählt, muss man sich den ersten Teil nicht vor dem zweiten Teil ansehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andy Lau, Jing Wu, Zhi Wang, Xuejian Li, Yi Sha, Ning Li, Yanmanzi Zhu, Jing Wu

Die Vorlage 

Cixin Liu: Die wandernde Erde

(übersetzt von Karin Betz, Johannes Fiederling und Marc Hermann)

Heyne, 2019

688 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Liulang diqiu

Beijing Wenyi Chubanshe, 2008

Hinweise

Moviepilot über „Die wandernde Erde II“

Metacritic übr „Die wandernde Erde II“

Rotten Tomatoes über „Die wanderde Erde II“

Wikipedia über „Die wandernde Erde II“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Frant Gwos „Die wandernde Erde II“ (liúlàng dìqiú II, China 2023)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Spiegel“ (Jingzi, 2004)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Die drei Sonnen“ (San Ti, 2008) (und der anderen Werke von Liu)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Die wandernde Erde“ (Liulang diqiu, 2008)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Der Blick von den Sternen“ (A View from the Stars, 2024)

Meine Besprechung von Baoshus „Botschafter der Sterne – Ein Trisolaris-Roman“ (三体X:观想之宙, 2011) (Roman spielt in der von Cixin Liu erfundenen Welt)

Mene Besprechung von Christophe Bec/Stefano Raffaele: Die wandernde Erde (2020) (Comicversion von Cixin Lius Geschichte)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Michel Francos „Dreams – Gefährliches Verlangen“

Juli 24, 2026

Beginnen wir mit der offiziellen Kurzsynopsis von „Dreams – Gefährliches Verlangen“:

„Jennifer ist ebenso reich wie attraktiv und genießt ein glamouröses Leben als Philanthropin in der amerikanischen High Society. Niemand ahnt, dass sie während ihrer regelmäßigen Aufenthalte in Mexiko eine leidenschaftliche Beziehung mit dem jungen Balletttänzer Fernando führt – einem vielversprechenden Talent ihrer Kulturstiftung. Verliebt und voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft in den USA wagt Fernando eines Tages den gefährlichen Weg über die Grenze. Als er plötzlich in Jennifers luxuriösem Apartment in San Francisco auftaucht, gerät ihre sorgfältig kontrollierte Welt aus den Fugen.“

Michel Franco beginnt seinen neuen Film mit dem illegalen Grenzübertritt von Fernando, der damit endet, dass ihr Schleuser sie irgendwo in der Wüste ohne Wasser zurücklässt. Fernando schlägt sich auf eigene Faust nach San Francisco durch. Immerhin weiß er, wo Jennifers Wohnung ist und wo sie ihren Wohnungsschlüssel versteckt. So kann er sie am Abend in ihrem Bett überraschen.

In Rückblenden erzählt Franco dann die aus der Synopsis bekannte Vorgeschichte. Er tut das eher zäh als in das Geschehen involvierend und mit vielen offenen Fragen, die im Film nicht gestellt werden, weil dann das gesamte Erzählkonstrukt schwuppdiwupp zusammenbräche. Zum Beispiel, wird nicht gefragt, warum Jennifer McCarthy (Jessica Chastain) ihrem Liebhaber Fernando Rodríguez (gespielt von Ballettstar Isaac Hernández in seinem Schauspieldebüt) kein Visum besorgte. Wirklich geheim hielt sie ihre Beziehung nie und bei ihrem riesigen Familienvermögen und den guten Beziehungen der Familie McCarthy sollte das problemlos bewilligt werden. Auch Fernando bemühte sich um kein Visum, obwohl er als überaus talentierter Künstler wenigstens für einen kurzen Arbeitsaufenthalt auch im heutigen Trump-Amerika sicher eines bekommen hätte. Stattdessen überquert er mit Dutzenden weiterer illegaler Einwanderer die Grenze zu den USA auf dem denkbar gefährlichsten Weg. Das sind nur zwei Fragen, die die Glaubwürdigkeit der Liebesgeschichte unnötig strapazieren. Eine Beantwortung hätte allerdings die zunehmend unglaubwürdige, im Finale komplett aus dem Ruder laufende Geschichte zerstört.

Dreams“ ist eine unterkühlte Studie in Abhängigkeit, die kein Drama und, vor allem, auch wenn die Synopse und die Seherfahrung danach klingen, kein Erotik-Thriller sein will. Das ganze wirkt mit seinen überlangen Sexszenen und seiner rückblendenreichen Erzählstruktur vor allem wie ein todernst durchgezogene Übung in Klischee-Didaktik mit einigen wenigen Ballettszenen.

Dreams – Gefährliches Verlangen (Dreams, USA/Mexico 2025)

Regie: Michel Franco

Drehbuch: Michel Franco

mit Jessica Chastain, Isaac Hernández, Rupert Friend, Marshall Bell

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dreams“

Metacritic über „Dreams“

Rotten Tomatoes über „Dreams“

Wikipedia über „Dreams“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Dreams“

Meine Besprechung von Michel Francos „Sundown – Geheimnisse in Acapulco“ (Sundown, Mexiko/Frankreich/Schweden 2021)