Neu im Kino/Filmkritik: Prinzessin „Scarlet“ auf Rachefeldzug in der Anderswelt

Februar 25, 2026

Dänemark, im 16. Jahrhundert: zuerst bringt König Claudius den rechtmäßigen und guten König Amleth um. Später tötet er Amleths Tochter, Prinzessin Scarlet, die sich nicht seinen Wünschen beugen möchte.

Scarlet landet nach ihrem Tod nicht im Himmel oder in der Hölle, sondern in der Anderswelt, einem bedrohlichem Zwischenzustand jenseits von Raum und Zeit, mit Drache und Monstern und vielen Gefahren und einem unklaren Verhältnis zum Tod. So ist Hijiri, ein etwas später in der Anderswelt eintreffender junger Mann überzeugt, nicht tot zu sein. Er war als Notfallsanitäter doch gerade in der Gegenwart (also dem 21. Jahrhundert) in Tokio in einem Einsatz.

Scarlet und Hijiri bilden in Mamoru Hosadas neuem Fantasy-Anime „Scarlet“ das gegensätzliche Paar. Sie ist die vom Hass auf den Mörder ihres Vaters und ihren Mörder besessene Kriegerin, die keinem Kampf ausweicht und skrupellos tötet. Jetzt sucht sie in der Anderswelt König Claudius. Sie will ihn endgültig töten und in die Hölle schicken.

Hijiri ist das komplette Gegenteil von Scarlet. Er ist aus einem anderen Jahrhundert, einer anderen Welt und Kultur. Er ist mitfühlend, glaubt an das Gute, rettet und heilt jeden, der seine Hilfe benötigt, und er ist grundsätzlich optimistisch.

In „Scarlet“ präsentiert Mamour Hosoda seine sich viele Freiheiten nehmende Version von William Shakespeares Rachetragödie „Hamlet“. Zu Hosodas früheren Werken gehören „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ (2018), nominiert für den Oscar als bester Animationsfilm, und „Belle“ (2021), das in Cannes seine Premiere hatte. „Belle“ ist an der Kinokasse sein bislang erfolgreichster Film.

Scarlet“ hatte bei den Filmfestspielen in Venedig letztes Jahr seine Premiere und er kam bei der Kritik gut an. Denn obwohl Hosoda seine Geschichte primär für ein junges weibliches Publikum erzählt, ist sein Anime keine banale Liebesgeschichte für Teenager.

Er erzählt eine spannende und zum Nachdenken anregende Geschichte. Im Mittelpunkt stehen dabei eine starke Heldin, die wirklich keinen Mann benötigt, um sie aus gefährlichen Situationen zu retten, und ihr sehr sympathisches Love-Interest. Der kann dann, auch dank seinem gut gefülltem Notfallrucksack, ihre Wunden heilen. Zuerst die körperlichen, später auch die seelischen.

Hosoda erzählt Scarlets Geschichte bildgewaltig und sich sehr komplex zwischen verschiedenen Zeiten und Welten bewegend.

Scarlet (Hateshinaki Sukāretto, Japan 2025)

Regie: Mamoru Hosoda

Drehbuch: Mamoru Hosoda

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Scarlet“

Metacritic über „Scarlet“

Rotten Tomatoes über „Scarlet“

Wikipedia über „Scarlet“

Meine Besprechung von Mamoru Hosodas „Belle“ (Ryū to Sobakasu no Hime, Japan 2021)


TV-Tipp für den 25. Februar: Fallende Blätter

Februar 24, 2026

Arte, 20.15

Fallende Blätter (Kuolleet Lehdet, Finnland/Deutschland 2023)

Regie: Aki Kaurismäki

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Verkäuferin Ansa und Arbeiter Holappa sind zwei einsame Menschen. Sie verlieben sich ineinander und müssen viele Hindernisse überwinden, bevor sie zueinander finden.

TV-Premiere. Gewohnt lakonisches Drama von Aki Kaurismäki, der hier einen Nachschlag zu seiner „Proletarischen Trilogie“ liefert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Alma Pöysti, Jussi Vatanen, Janne Hyytiäinen, Nuppu Koivu

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Fallende Blätter“

Moviepilot über „Fallende Blätter

Metacritic über „Fallende Blatter“

Rotten Tomatoes über „Fallende Blätter“

Wikipedia über „Fallende Blätter“ (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Le Havre“ (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Die andere Seite der Hoffnung“ (Toivon Tuolla Puolen, Finnland 2017)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Fallende Blätter“ (Kuolleet Lehdet, Finnland/Deutschland 2023)

 


TV-Tipp für den 24. Februar: Einmal ist keinmal

Februar 23, 2026

ZDFneo, 22.40

Einmal ist keinmal (One for the Money, USA 2012)

Regie: Julie Anne Robinson

Drehbuch: Stacy Sherman, Karen Ray, Liz Brixius

LV: Janet Evanovich: One for the Money, 1994 (Einmal ist keinmal)

Stephanie Plum braucht Geld. Und was liegt da näher, als sich als Kopfgeldjägerin ihre alte Liebe, den untergetauchten Cop Joe Morelli zu suchen?

Die Verfilmung des dreißig Jahre alten Krimis steckt tief in den achtziger Jahre und bietet ziemlich kurzweilig-nette Unterhaltung für Zwischendurch, die nie behauptet mehr zu sein als eine kleine Actionkomödie mit einem vernachlässigbaren Krimiplot voller Unwahrscheinlichkeiten und viel Romantic. Also genau das Richtige für einen lauschigen Abend.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Katherine Heigl, Jason O’Mara, Daniel Sunjata, John Leguizamo, Sherri Shepherd, Debbie Reynolds

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Einmal ist keinmal“

Wikipedia über „Einmal ist keinmal“

Homepage von Janet Evanovich

Deutsche Homepage von Janet Evanovich

Krimi-Couch über Janet Evanovich

Wikipedia über Janet Evanovich (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Stephanie Plum 

Meine Besprechung von Janet Evanovichs „Kuss mit lustig“ (Fearless Fourteen, 2008)

Meine Besprechung von Janet Evanovich/Lee Goldbergs „Schüsse, die von Herzen kommen – Ein Fall für Kate O’Hare“ (The Scam, 2015)

Meine Besprechung von Julie Anne Robinsons Janet-Evanovich-Verfilmung „Einmal ist keinmal“ (One for the Money, USA 2012) (mit einer Buchbesprechung)


TV-Tipp für den 23. Februar: Possession

Februar 22, 2026

Arte, 00.10

Possession (Frankreich/Deutschland 1980, Regie: Andrzej Zulawski)

Drehbuch: Andrzej Zulawski

Berlin: Marc kehrt nach einer längeren Abwesenheit zu seiner Frau Anna zurück. Sie behauptet, einen Liebhaber zu haben. Als der eifersüchtige Marc mehr herausfinden will, entdeckt er, dass sie sich mit einem krakenhaftem Monster vereint.

„Horrrovision einer zerbrochenen Beziehung und zerstörter Identitäten(…) Mit kaltem Licht, bizarren Kameraeinstellungen und Schockeffekten malt er [Zulawski] eine barocke Alptraumwelt aus Ekel und Hysterie. Wenn die Geschichte einen etwas kruden Freudianismus bemüht, so überzeugt die Umsetzung in Bilder und Farbe.“ (Fischer Film Almanach 1994; mit dem Hinweis „Verleih: offen“)

„Das im wahren Wortsinne aufopferungsvolle, an die physischen Grenzen gehende Spiel der beiden Hauptdarsteller, die unstete Kamera und die grotesken Spezialeffekte machen aus dem absurden Gewalttheater nachhaltig bewegendes Kunstkino.“ (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010, zur DVD-Ausgabe, die anscheinend auch gleichzeitig die Deutschlandpremiere des Skandalfilms war)

Isabelle Adjani erhielt in Cannes den Darstellerpreis.

„So hysterisch sie in mancher Szene scheint, so folgerichtig ist dies im Rahmen dieses exaltierten Films, der wie ein Schock wirkte und zahlreiche Kritiker nachhaltig abstieß oder zu Lobeshymnen veranlasste.“ (Meinolf Zurhorst: Isabelle Adjani, 1992)

Damals hatte der 124 minütigen Film (englische Originalfassung) gewaltige Probleme mit der Zensur. Für die US-Auswertung wurde er um 45 Minuten gekürzt, in England gehörte er zu den ‚video nasties‘ und in Deutschland kam er erst gar nicht in die Kinos. Heute ist er ein Kultfilm.

Inzwischen hat er ungekürzt eine FSK-16-Freigabe erhalten.

Auch nach über vierzig Jahren immer noch ein verstörender, herausfordernder Horrorfilm.

mit Isabelle Adjani, Sam Neill, Margit Carstensen, Heinz Bennent, Johanna Hofer, Shaun Lawton, Leslie Malton

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Possession“

Wikipedia über „Possession“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. Februar: Die Vögel

Februar 21, 2026

Arte, 20.15

Die Vögel (The Birds, USA 1963)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Evan Hunter

LV: Daphne du Maurier: The birds, 1952 (Die Vögel)

In Bodega Bay attackieren Vögel Menschen.

Nicht direkt ein Krimi, aber ein Klassiker.

„‘The Birds’ war ein Avantgarde-Hitchcock, haarsträubend und voll verschlagenem Witz. Der Held krümmt sich, und das Publikum kreischt.“ (Robert A. Harris/Michael S. Lasky: Alfred Hitchcock und seine Filme)

Alfred Hitchcock verwandte von du Mauriers Kurzgeschichte nur den Grundgedanken (rätselhafte Attacken von Vögel auf Menschen). Evan Hunter kennen wir auch als Ed McBain (87. Polizeirevier).

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die knapp einstündige Doku „Tippi Hedren und die wilden Tiere“ (Deutschland 2021)

Mit Rod Taylor, Tippi Hedren, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright, Ethel Griffies, Charles McGraw, Ruth McDevitt

Wiederholung: Montag, 2. März, 21.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Vögel“

Wikipedia über „Die Vögel“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

zu Alfred Hitchock

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

zu Daphne du Maurier

Meine Besprechung von Daphne du Mauriers “Der Apfelbaum” (The Appletree, 1952)

zu Ed McBain

Homepage von Ed McBain

Meine ausführliche Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions)

Meine Besprechung von Ed McBains „Die Gosse und das Grab“ (The Gutter and the Grave, 2005, Originalausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


Neu im Kino/Filmkritik: „Souleymans Geschichte“ oder Zwei Tage aus dem Leben eines Fahrradkuriers und Asylbewerbers

Februar 21, 2026

Sie gehören zum Bild der Großstädte: Fahrradkuriere, die bei Wind und Wetter Essen ausliefern. Souleyman ist einer von ihnen. Er fährt, immer unter Zeitdruck, durch Paris, trifft viele Menschen, teils Bekannte, teils Arbeitskollegen, teils Menschen, die ihm mehr oder weniger eigennützig helfen, und er bereitet sich auf eine Anhörung bei der Asylbehörde vor. Diese Anhörung ist dann auch der Schwachpunkt von Boris Lojkines Drama „Souleymans Geschichte“. Souleyman lässt sich vor der Anhörung von einem anderen Ausländer, der daraus ein Geschäft gemacht hat, beraten. Er empfiehlt allen die gleiche Geschichte, die sie auswendig lernen und bei der Anhörung erzählen sollen. Souleyman kommt, während er die Geschichte auswendig lernt, nie auf den Gedanken, dass die Beamten der Asylbehörde diese auswendig gelernte Geschichte schon hundertmal genauso gehört haben.

Davon abgesehen taucht Lojkine tief in Souleymans Leben ein. Er verfolgt ihn bei der Arbeit, zeigt ihn in seinem Umfeld und in der Asylbewerberunterkunft. Es ist ein Leben ganz unten im Kapitalismus.

Der Rhythmus ist schnell. Ständig unter Zeitdruck hetzt Souleyman von einem Kunden zum nächsten – und versucht dazwischen seine persönlichen Angelegenheiten zu klären. Die Monotonie des immer gleichen in dem Hamsterrad, in dem Souleyman sich befindet, ebenso.

Lojkines Film steht in der Tradition von Ken Loach und des sozialkritischen Kinos. Allerdings verzichtet er auf den bei Loach immer vorhandenen erzählerischen und analytischen Überbau. Wie ein Reporter beobachtet Lojkine Souleyman und zeigt einfach, was an zwei ziemlich normalen Tagen passiert.

Danach wird man die Essensauslieferer mit anderen Augen sehen.

Seine Premiere hatte „Souleymans Geschichte“ 2024 in Cannes in der Reihe Un Certain Regard. Dort erhielt er den Preis der Jury und den Fipresci-Preis. 2025 erhielt „Souleymans Geschichte“ vier Césars für das Drehbuch, den Schnitt, die beste Nebendarstellerin und den besten Nachwuchsdarsteller. Abou Sangeré, der Souleyman spielt, wurde auch in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Souleymans Geschichte (L’Histoire de Souleymane, Frankreich 2024)

Regie: Boris Lojkine

Drehbuch: Boris Lojkine, Delphine Agut

mit Abou Sangaré, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo, Ghislain Mahan, Mamadou Barry, Yaya Diallo, Keita Diallo

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Souleymans Geschichte“

Moviepilot über „Souleymans Geschichte“

Metacritic über „Souleymans Geschichte“

Rotten Tomatoes über „Souleymans Geschichte“

Wikipedia über „Souleymans Geschichte“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 21. Februar: Amerikanische Fiktion

Februar 20, 2026

One, 22.00

Amerikanische Fiktion (American Fiction, USA 2023)

Regie: Cord Jefferson

Drehbuch: Cord Jefferson

LV: Percival Everett: Erasure, 2001 (Ausradiert)

Als literarischer Autor ärgert Thelonious „Monk“ Ellison (Jeffrey Wright) sich über den Erfolg von literarisch flachen, eindimensionalen, vor Klischees strotzenden Romanen über die afroamerikanische Community. Unter Pseudonym schreibt er einen Trash-Roman über das angeblich authentische Leben eines armen, ungebildeten Schwarzen – und landet einen Bestseller. Jetzt soll er Interviews über sein Leben als Schwerverbrecher im Ghetto geben.

TV-Premiere, Gelungene Tragikomödie und Satire über den US-amerikanischen Kulturbetrieb und seine identitätspolitischen Volten.

mit Jeffrey Wright, Tracee Ellis Ross, Issa Rae, Sterling K. Brown, John Ortiz, Erika Alexander, Leslie Uggams, Adam Brody

Wiederholung: Donnerstag, 26. Februar, 23.20 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Amerikanische Fiktion“

Wikipedia über „Amerikanische Fiktion“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Wer ist der „Dust Bunny“ unter meinem Bett?

Februar 20, 2026

Aurora (Sophie Sloan) hat Angst vor dem Monster unter ihrem Bett. Und weil sie zehn Jahre alt ist, ist das nicht so ungewöhnlich. Schließlich haben viele Kinder, so heißt es, Angst vor einem sich unter dem Bett versteckendem Monster. Diese Angst wird in zahlreichen Horrorgeschichten gepflegt.

In Auroras Fall existiert dieses Monster allerdings wirklich und – soviel kann verraten werden – es wächst zu wahrlich bedrohlichen Dimensionen an.

Zum Glück ist Aurora nicht auf den Kopf gefallen und sie hat ihren Nachbarn (Mads Mikkelsen) beobachtet, wie er bei einem nächtlichen Ausflug in Chinatown einen Drachen massakrierte. Wenn dieser in 5B wohnende Mann einen Drachen besiegen kann, dürfte er auch das unter ihrem Bett lebende Staubmonster besiegen können.

In dem Moment lebt Aurora bereits allein in der riesigen Mietwohnung. Denn das Monster hat ihre Eltern – es handelte sich um ihre dritte Pflegefamilie – bereits verschlungen.

Zur Bezahlung des Killers klaut Aurora die Kollekte der Kirche. Dieser namenlose Killer, den wir fortan 5B nennen, ist zwar nicht überzeugt von Auroras Monstergeschichte. Er glaubt eher, dass Killer, die ihn umbringen wollten, Auroras Pflegefamilie tötete.

Eine ziemlich schräge Idee hatte Bryan Fuller für sein Spielfilmdebüt, die er mit spürbarer Lust am Überschreiten von Genregrenzen und -konventionen und schrägem schwarzen Humor erzählt. Zu Fullers früheren Werken gehören, als Erfinder, die TV-Serien „Pushing Daisies“ und „Hannibal“ (ebenfalls mit Mads Mikkelsen) und, als Showrunner, „American Gods“ und „Star Trek: Discovery“.

„Dust Bunny“ ist ein dunkles Märchen, das in einer Fantasiewelt irgendwo zwischen Fantasy und Actionthriller spielt. Fuller inszeniert das sehr stilbewusst in Richtung Neo-Noir, aber auch sehr reduziert auf wenige Locations. Fast der gesamte Film spielt in Auroras Wohnung und im davor liegendem Flur des alten Mietshauses. Dass eine solche Reduzierung auf einen Handlungsort nicht unbedingt nachteilig sein muss, haben schon viele Filme gezeigt. So spielte, um nur drei aktuelle sehenswerte Beispiele zu nennen, „Die Stimme von Hind Rajab“ in einer Notrufzentrale, „Send help“ auf einer Insel und „Cold Storage“ in einem Self-Storage-Lagerkomplex.

Bei Fuller geht diese Reduzierung auf einen Handlungsort auch mit einer Reduzierung der Erzählgeschwindigkeit und der Emotionen einher. Der Nachbar, der als Killer seinen Lebensunterhalt verdient haben, muss natürlich seine Gefühle verbergen. Die Killer, die ihn oder Aurora umbringen wollen, ebenso. Gleiches gilt für die Polizisten. Keiner verzieht eine Miene.

Sie belauern sich oder warten regungslos auf das aus dem Fußboden auftauchende Monster.

Die Dialoge tragen zu diesem Eindruck des Stillstands bei. Sie drehen sich in schlechter Quentin-Tarantino- oder Sergio-Leone-Manier im Kreis und sind oft arg redundant. Sie sind nicht cool, sondern pseudo-cool und nervig. Das gilt auch für den Running Gag, dass 5B Auroras Namen fast immer falsch ausspricht.

Die Bilder schwanken zwischen neonbuntem Neo-Noir, der auch in „Blade Runner“ nicht negativ auffallen würde, und den poppigen Farben aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Das sieht gut aus. Die Sets sind liebevoll gestaltet, aber halt auch in erster Linie Sets, die als Zeichnung gut aussehen, in einem Film aber nie ihre Künstlichkeit verbergen können.

Die Story selbst ist, mit vielen erzählerischen Auslassungen (so erfahren wir kaum, wer warum Aurora und 5B verfolgen und wer wer ist), „Léon – Der Profi“ meets „Die fabelhafte Welt der Amélie“ irgendwo im Niemandsland zwischen Fantasy und Realismus. Auf dem Papier liest sich das dann interessanter als der Film ist. Viel zu oft ist „Dust Bunny“ eine stilbewusste Übung im Stillstand.

Das gilt auch für die Actionszenen.

Dust Bunny (Dust Bunny, USA 2025)

Regie: Bryan Fuller

Drehbuch: Bryan Fuller

mit Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Sheila Atim

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Dust Bunny“

Metacritic über „Dust Bunny“

Rotten Tomatoes über „Dust Bunny“

Wikipedia über „Dust Bunny“ (deutsch, englisch)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Wenn der Killerpilz aus dem „Cold Storage“ ausbricht

Februar 20, 2026

Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) sind die Nachtschicht in einem abgelegen in der US-amerikanischen Provinz in den Bergen liegendem Self-Storage-Lagerkomplex. Einheimische lagern in den Garageneinheiten ihr Gerümpel. Manchmal wird auch heiße Ware zwischengelagert. Geklaute Fernseher, beispielsweise.

Die Nachtschicht ist die Friedhofsschicht, in der nichts Aufregendes passiert. Außer dass Teacake sich schon seit Tagen überlegt, wie er die gut aussehende Naomi, die einen anderen Teil des riesigen Komplexes überwacht, ansprechen kann. In dieser Nacht will er außerdem eine alte Ausgabe von Jack Finneys „The Body Snatchers“ lesen. Das ist der Plan.

Aber ihn stört ein klopfendes Geräusch. Es kommt aus den nicht benutzten und unzugänglichen Teilen des unterirdischen Gebäudes. Zusammen mit Naomi will er den Grund für das Geräusch herausfinden. Sie reißen eine Wand ein, beginnen die noch nicht erkundete Gänge in dem riesigen Komplex zu erkunden und die Nacht nimmt einen in jeder Beziehung unvorhergesehenen Verlauf.

Denn der Self-Storage-Laden wurde in einer stillgelegten militärischen Anlage errichtet. Weite Teile der Anlage wurden einfach abgesperrt und vergessen. Dazu gehört auch eine unterhalb des Self-Storage-Ladens befindende Mischung aus Labor und Lager. Dort wurde ein extrem gefährlicher, sich extrem schnell verbreitender Pilz-Parasit gelagert und vergessen. In dieser Nacht mutiert dieses Überbleibsel eines Experiments auf der Suche nach Lebewesen durch die Anlage.

Und schon kämpfen die beiden Nobodys gegen ein gesichts- und gefühlloses Monster, das sie und die gesamte Menschheit innerhalb kürzester Zeit vernichten kann.

David Koepp hat sich diese Geschichte ausgedacht. Er schrieb auch die Drehbücher für „Jurassic Park“, „Panic Room“, „Mission: Impossible“, „Spider-Man“, „Premium Rush“ und jüngst „Black Bag“. Aber in diesem Fall schrieb er die Geschichte nicht als Drehbuch, sondern zuerst als Roman. 2019 war „Cold Storage – Es tötet“ (so der deutsche Romantitel) sein überzeugendes Debüt als Thrillerautor. Der Horrorthriller ist ein echter Pageturner, der sich – je nach Perspektive – wie eine grandiose Vorlage für einen Spielfilm oder ein überzeugender Filmroman liest. In jedem Fall liest sich der Thriller wie die verschriftlichte Fassung eines spannenden Horrorfilms, der seine Geschichte mit einer ordentlichen Portion selbstbewussten Humors erzählt. Denn alle wissen, in welcher Geschichte sie sind. Teacake und Naomi wissen, warum sie bestimmte Türen nicht öffnen sollen. Die rettende Kavallerie – ein im Film von Liam Neeson zupackend verkörpertes Ein-Mann-Rettungsteam – kommt immerhin früh genug, um noch einzugreifen. Koepp schrieb auch das Drehbuch, das im Großen und Ganzen der Romangeschichte folgt.

Regisseur Jonny Campbell (u. a. Folgen für die TV-Serien „Dracula“, „Westworld“, „Doctor Who“, „Ashes to Ashes“ und „Spooks“) erzählt diese sich auf einen Handlungsort konzentrierende Mischung aus „Jurassic Park“ und „Panic Room“ (um zwei Koepp-Werke zu nennen) äußerst flott und mit der richtigen Mischung aus Deadpan-Humor, Thrill und Splatter.

Das macht „Cold Storage“ zu einer äußerst vergnüglichen und kurzweiligen Angelegenheit für die Fans eines sich gleichzeitig nicht allzu ernst nehmenden und selbstbewussten B-Horrorthrillers, der einfach nur in neunzig Minuten eine spannende Geschichte erzählen will.

Cold Storage (Cold Storage, Großbritannien 2026)

Regie: Jonny Campbell

Drehbuch: David Koepp

LV: David Koepp: Cold Storage, 2019 (Cold Storage – Es tötet)

mit Joe Kerry, Georgina Campbell, Liam Neeson, Vanessa Redgrave, Sosie Bacon, Lesley Manville, Aaron Heffernan, Ellora Torchia, Gavin Spokes

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die lesenswerte Vorlage (aktuell nur als E-Book erhältlich)

David Koepp: Cold Storage – Es tötet

(übersetzt von Oliver Hoffmann)

HarperCollins, 2019

336 Seiten

4,99 Euro (E-Book)

Originalausgabe

Cold Storage

Ecco/HarperCollins Publishers, 2019

Hinweise

Moviepilot über „Cold Storage“

Metacritic über „Cold Storage“

Rotten Tomatoes über „Cold Storage“

Wikipedia über „Cold Storage“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonny Campbell/Damon Thomas/Paul McGuigans „Dracula“ (Dracula, Großbritannien 2020 – TV-Serie nach einem Buch von Mark Gatiss und Steven Moffat)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


TV-Tipp für den 20. Februar: Das unsichtbare Mädchen

Februar 19, 2026

Arte, 20.15

Das unsichtbare Mädchen (Deutschland 2011)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung

Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklich der richtige Mann verurteilt wurde.

Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung. Sie recherchierte für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy Knobloch. Diese Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.

mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann

Hinweise

Tagesspiegel, Spiegel Online über “Das unsichtbare Mädchen”

Wikipedia über “Das unsichtbare Mädchen”

zu Dominik Graf

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (2009)

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010)

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (2010)

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf” (2012)

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Meine Besprechung von Domink Graf/Felix von Boehms (Co-Regie) „Jeder schreibt für sich allein“ (Deutschland 2023)

Dominik Graf in der Kriminalakte

zu Friedrich Ani

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „M – Ein Tabor-Süden-Roman“ (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der Narr und seine Maschine“ (2018)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Dead of Winter – Eisige Stille“, tödliche Schüsse und eine Entführung

Februar 19, 2026

Heute will die in Minnesota lebende Barb (Emma Thompson im Actionheldinnenmodus) den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes erfüllen. Sie fährt zu einem einsamen, im Norden des Landes gelegenem See. Beide verbinden mit Lake Hilda Erinnerungen an glückliche Stunden. Der Höhepunkt des Tagesausflugs wird das Verstreuen der Asche ihres Mannes sein. Ihre Trauerarbeit wird unterbrochen, als sie in der winterlichen Einsamkeit eine junge Frau entdeckt, die offensichtlich entführt wurde. Barb will sie retten – und nun beginnt ein Abenteuer, das als im Schnee spielender Thriller spannend unterhält. Bis man beginnt, über die Story nachzudenken und sich fragt, warum nicht wenigstens die gröbsten Logiklöcher behoben wurden.

So spielt die Geschichte im Schnee in einer menschenleeren Gegend. Aber es scheint überhaupt keinerlei verräterische Spuren im Schnee zu geben. Egal wie oft die vier Menschen durch den Schnee stampfen, sie hinterlassen keine Spuren.

Die ziemlich durchgeknallte Entführerin ist eine begnadete Scharfschützin. Wenn es passt.

Denn Barb kann im hellen Licht des Tages und ohne irgendeinen Schutz vor neugierigen Blicken eine auf dem vereisten See stehende Hütte zu einer Todesfalle umbauen. Auch der damit verbundene Lärm lockt die Bösewichter – ein Paar, das aus der schon erwähnen skrupellosen Scharfschützin und ihrem leicht depperten Mann besteht – nicht an. Weil Regisseur Brian Kirk („21 Bridges“, „Game of Thrones“) nicht zeigt, wie Barb die Falle errichtet, sorgt ihr Zuschnappen im Film für einen vollkommen unglaubwürdigen Überraschungsmoment.

Ein weiterer Schwachpunkt ist das Motiv der Entführer. Es wird erst am Filmende enthüllt. Es ist durchaus nachvollziehbar, aber die Entführer wählen die umständlichste und ungeschickteste Methode, um an ihr Ziel zu gelangen. Sogar die dusseligen Bösewichter der Coen-Brüder machen bessere Pläne. 

Dead of Winter – Eisige Stille (Dead of Winter, USA/Deutschland/Kanada 2025)

Regie: Brian Kirk

Drehbuch: Nicholas Jacobson-Larson, Dalton Leeb

mit Emma Thompson, Gaia Wise, Judy Greer, Laurel Marsden, Marc Menchaca, Cúán Hosty-Blaney

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Dead of Winter“

Moviepilot über „Dead of Winter“

Metacritic über „Dead of Winter“

Rotten Tomatoes über „Dead of Winter“

Wikipedia über „Dead of Winter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Kirks „21 Bridges“ (21 Bridges, USA 2019)


TV-Tipp für den 19. Februar: Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush

Februar 18, 2026

RBB, 20.15

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Deutschland/Frankreich 2022)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Laila Stieler

Wenige Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 wird in Pakistan der neunzehnjährige Murat Kurnat verhaftet und nach Guantanamo gebracht. Die Presse nennt ihn „Bremer Taliban“.

Seine Mutter Rabiye Kurnaz will ihren Jungen aus der Gefangenschaft befreien. Zusammen mit dem Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke setzt sie Himmel und Hölle in Bewegung.

Sehr gelungenes, unterhaltsames, nah an den Fakten entlang erzähltes Drama, mit einer ordentlichen Portion Humor.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Charly Hübner, Nazmi Kirik, Sevda Polat, Abdullah Emre Öztürk

Wiederholung: Samstag, 21. Februar, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Moviepilot über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Rotten Tomatoes über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Wikipedia über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Andres Dresens „Gundermann“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ (Deutschland/Frankreich 2022)

Meine Besprechung von Andres Dresens „In Liebe, eure Hilde“ (Deutschland 2024)


TV-Tipp für den 18. Februar: Das Lehrerzimmer

Februar 17, 2026

Arte, 20.15

Das Lehrerzimmer (Deutschland 2023)

Regie: İlker Çatak

Drehbuch: İlker Çatak, Johannes Duncker

TV-Premiere. Eine junge engagierte Lehrerin auf Kollisionskurs mit Kollegen, Schülern und Eltern.

Intensives, mit vielen Preisen ausgezeichnetes und für den Auslandsoscar nominiertes Drama, in dem die Schule zum Terrorhaus wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Sein neuer Film „Gelbe Briefe“ feierte seine Premiere auf der Berlinale im Wettbewerb. Im Kino startet er am 5. März.

mit Leonie Benesch, Michael Klammer, Rafael Stachowiak, Eva Löbau

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Lehrerzimmer“

Moviepilot über „Das Lehrerzimmer“

Rotten Tomatoes über „Das Lehrerzimmer“

Wikipedia über „Das Lehrerzimmer“

Berlinale über „Das Lehrerzimmer“

Meine Besprechung von İlker Çataks „Das Lehrerzimmer“ (Deutschland 2023)


TV-Tip für den 17. Februar: Spy – Susan Cooper undercover

Februar 16, 2026

Kabel Eins, 20.15

Spy – Susan Cooper Undercover (Spy, USA 2015)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Paul Feig

Die Waffenhändlerin Rayna Boyanov (Rose Byrne) will eine Mini-Atombombe verkaufen. Und weil sie die Identitäten von allen CIA-Feldagenten kennt, kann nur Susan Cooper (Melissa McCarthy) das Geschäft verhindern. Denn bislang ist die CIA-Agentin, die noch keinen einzigen Außeneinsatz hinter sich hat, ein unbeschriebenes Blatt. Mit einer falschen Identität nähert sie sich in Paris Boyanov, die dort gerade die Atombombe verkaufen will.

Köstliche Agentenfilm-Parodie und Liebeserklärung an die James-Bond-Filme.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Melissa McCarthy, Jason Statham, Jude Law, Rose Byrne, Miranda Hart, Bobby Cannavale, Allison Janney, Peter Serafinowicz, Morena Baccarin, 50 Cent, Ben Falcone

Wiederholung: Mittwoch, 18. Februar, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Spy“

Metacritic über „Spy“

Rotten Tomatoes über „Spy“

Wikipedia über „Spy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Feigs „Last Christmas“ (Last Christmas, Großbritannien 2019)

Meine Besprechung von Paul Feigs „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ (The Housemaid, USA 2025)

 


TV-Tipp für den 16. Februar: Zwei Freundinnen

Februar 15, 2026

Arte, 20.15

Zwei Freundinnen (Les Biches, Frankreich/Italien 1968)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Paul Gégauff, Claude Chabrol

In Paris trifft die reiche Müßiggängerin Frédérique (Stéphane Audran) auf die Pflastermalerin Why (Jacqueline Sassard). Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine erotische Liaison. Als der Heterosexuelle Paul (Jean-Louis Trintignant) auf Frédériques Landsitz auftaucht, entsteht eine instabile Dreiecksbeziehung.

Extrem selten gezeigter Chabrol-Klassiker (was inzwischen auf ungefähr alle seine Filme zutrifft: sie werden inzwischen nur noch alle Jubeljahre gezeigt) – und Teil einer kleinen Chabrol-Retrospektive in der Arte-Mediathek.

mit Stéphane Audran, Jacqueline Sassard, Jean-Louis Trintignant, Henri Attal, Dominique Zardi, Nane Germon, Serge Bento, Claude Chabrol (als Regisseur)

Wiederholung: Mittwoch, 18. Februar, 15.40 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Zwei Freundinnen“

Rotten Tomatoes über „Zwei Freundinnen“

Wikipedia über „Zwei Freundinnen“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Februar: Lawrence von Arabien

Februar 14, 2026

3sat, 20.15

Lawrence von Arabien (Lawrence of Arabia, Großbritannien 1962)

Regie: David Lean

Drehbuch: Robert Bolt, Michael Wilson (ursprünglich ungenannt, 1978 von der WGA wieder hergestellt)

Klassiker. 210-minütiger Monumentalfilm über den britischen Offizier T. E. Lawrence, der während des Ersten Weltkriegs die arabischen Stämme im Kampf gegen die Türkei eint und anführt.

„kein Geschichtsbild, vielmehr eine höchst subjektive Zusammenfassung der historischen Ereignisse“ (Lexikon des internationalen Films)

Dem Erfolg bei der Kritik und an der Kasse tat das keinen Abbruch.

Maurice Jarre schrieb die Musik.

mit Peter O’Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, Omar Sharif, José Ferrer, Anthony Quayle, Claude Rains, Arthur Kennedy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lawrence von Arabien“

Wikipedia über „Lawrence von Arabien“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Once upon a time in Gaza“, als drei Männer sich trafen

Februar 14, 2026

Gaza, 2007: Osama, Inhaber eines Falafel-Geschäfts und Drogenhändler, Yahya, ein bei ihm angestellter Student, und Abou Sami, ein korrupter Polizist, treffen aufeinander und eine eher zufällige Abfolge von Ereignissen entwickelt sich, die zu Osamas Tod, weiteren Toten und der Mitarbeit Yahyas in einem patriotischem, palästinensischem No-Budget-Actionfilm als Hauptdarsteller führen. Anfangs lassen einige atmosphärische Nachtaufnahmen auf einen Noir-Gangsterfilm hoffen.

Diese Hoffnungen erfüllen sich nicht. Formal zerfällt das von den Zwillingsbrüdern Tarzan und Arab Nasser unglaublich dröge erzählte Drama „Once upon a time in Gaza“ in zwei fast vollständig voneinander unabhängige Kurzfilme mit viel Füllmaterial und noch mehr verpassten Gelegenheiten.

Once upon a time in Gaza (Once upon a time in Gaza, Frankreich/Palästina/Deutschland/Portugal/Katar/Jordanien 2025)

Regie: Tarzan Nasser, Arab Nasser

Drehbuch: Tarzan Nasser, Arab Nasser, Amer Nasser, Marie Legrand

mit Nader Abd Alhay, Ramzi Maqdisi, Majd Eid

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Once upon a time in Gaza“

Moviepilot über „Once upon a time in Gaza“

Rotten Tomatoes über „Once upon a time in Gaza“

Wikipedia über „Once upon a time in Gaza“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Sönke Wortmanns Jan-Weiler-Verfilmung „Die Ältern“

Februar 14, 2026

Irgendwann…also, nein, die anderen werden natürlich älter, aber man selbst fühlt sich immer noch so jung wie damals. Auch wenn die 21-jährige Tochter jetzt ausziehen will. Und die Ehefrau gleich mit. Hannes Wenger (Sebastian Bezzel), Bestsellerautor, der anscheinend sein Debüt mit abnehmendem Verkaufserfolg immer wieder recycled (Er sollte mal Herrn Fitzek fragen, wie man es anders macht.) ist schockiert. Er hat sich doch, wenn er nicht gerade am Schreibtisch Geschichten erfand, liebevoll um seine Familie gekümmert und in der großen Vorstadtvilla alle umsorgt. Jetzt sitzt er mit seinem Sohn Nick in einer unfreiwilligen Männer-WG.

Diese unfreiwillige WG-Gründung und die sich daraus ergebenden Probleme sind nicht der Beginn eines „Hangover“-ähnlichen Klamauks, sondern ein erstaunlich feinsinniger Film über Beständigkeit, Veränderungen und sanfte Neubeginne.

Die Vorlage für Sönke Wortmanns neue Komödie stammt von Jan Weiler. „Die Ältern“ ist der vierte Band seiner erfolgreichen, teils bereits verfilmten Pubertier-Reihe, in der er die Erlebnisse der Familie Wenger schildert, vor allem wie die Kinder erwachsen werden. Inzwischen steht der Auszug der Kinder auf der Agenda.

Wortmann schildert Hannes Kampf um Beständigkeit in einer sich verändernden Welt wird humorvoll im Heinz-Erhardt-Stil. Dieser zum zustimmenden Schmunzeln anregende, niemanden verletztenden, leicht selbstironische Humor wahrt immer ein bestimmtes Niveau. Die Geschichte, die die einzelnen Erlebnisse von Hannes auf seinem Weg zur Selbsterkenntnis strukturiert, stößt seine Figuren niemals in existentielle Krisen. Sie geht auch niemals sonderlich in die Tiefe, aber sie ist durchaus geeignet, auch über das eigene wohl situierte Leben und notwendige und nicht notwendige Veränderungen nachzudenken. Also, so Veränderungen, wie einmal ein anderes Restaurant auzuprobieren oder die nächsten Ferien an einem anderen Ort zu verbringen. Oder den Schreibtisch umzuräumen.

Die Ältern (Deutschland 2026)

Regie: Sönke Wortmann

Drehbuch: Jan Weiler, Robert Gold

LV: Jan Weiler: Die Ältern, 2020

mit Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Kya-Celina Barucki, Philip Müller, Judith Bohle, Thomas Loibl, Nilma Farooq

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Ältern“

Moviepilot über „Die Ältern“

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Frau Müller muss weg“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Der Vorname“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Eingeschlossene Gesellschaft“ (Deutschland 2022)

Meine Besprechung von Sönko Wortmanns „Der Nachname“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 14. Februar: The Report

Februar 13, 2026

One, 22.00

The Report (The Report, USA 2019)

Regie: Scott Z. Burns

Drehbuch: Scott Z. Burns

TV-Premiere. Hochspannender und, auch für die Menschen, die alle Fakten im Schlaf herunterbeten können, informativer Polit-Thriller über die schwierige Entstehung des „Feinstein-Reports“. 2009 beauftragte die US-Senatorin Dianne Feinstein den Senatsmitarbeiter Daniel J. Jones, einen Bericht über die ‚erweiterten Verhörmethoden‘ (Folter) der CIA nach dem 11. September zu schreiben. Er vertieft sich in die Akten und ist, obwohl die Fakten damals schon bekannt waren, schockiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Adam Driver, Annette Benning, Ted Levine, Jon Hamm, Sarah Goldberg, Maura Tierney, Michael C. Hall, Douglas Hodge, Fajer Kaisi, Jennifer Morrison, Tim Blake, Corey Stoll, Matthew Rhys

Wiederholung: Sonntag, 15. Februar, 23.15 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „The Report“

Metacritic über „The Report“

Rotten Tomatoes über „The Report“

Wikipedia über „The Report“ (deutsch, englisch) und den CIA-Folterbericht (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Scott Z. Burns‘ „The Report“ (The Report, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Zu neuesten Verfilmung von Emily Brontës „“Wuthering Heights“ – Sturmhöhe“

Februar 13, 2026

Der Roman ist ein oft verfilmter Klassiker der englischen Literatur. Die letzte bekanntere Verfilmung von Emily Brontës „Wuthering Heights“ (Die Sturmhöhe) ist von 2011. Andrea Arnold machte die Liebesgeschichte zu einen echten Arnold-Film. Die Hauptrollen spielen zwei knapp zwanzigjährige Schauspieler. Sie sind in dem Alter, das die von ihnen gespielten Figuren auch im Buch haben. Catherine stirbt im Roman als 19-jährige. Das ist kein Spoiler. Es wird schon in der Personenübersicht des Romans verraten. Heathcliff wird von einer dunkelhäutigen Person gespielt. Im Roman bleibt seine Herkunft im Dunkeln. Er sei, heißt es im Roman, ein „dunkelhäutiger Zigeuner“ oder ein Inder oder von ähnlich niedrigem gesellschaftlichem Rang. Wir reden hier, wenn wir uns auf die Jahre konzentrieren, in denen der Film spielt, von den Jahren zwischen 1771 und 1784.

Die neueste Brontë-Verfilmung ist von „Promising Young Woman“-Regisseurin Emerald Fennell. Margot Robbie und Jacob Elordi übernahmen die Hauptrollen. Sie spielen das Liebespaar Cathy und Heathcliff. Wie fast alle anderen Verfilmungen konzentriert Fennell sich auf deren Geschichte und ignoriert den umfangreicheren Rest des Romans.

Fennells Film beginnt, nachdem sie eine öffentliche Hinrichtung in drastischen Details und sensationslüsternen Kommentaren zeigt, mit der Ankunft von Heathcliff auf dem Hof der Earnshaws. Er liegt im Moor von Yorkshire. Earnshaw hat den Jungen, über dessen Herkunft nichts bekannt ist, bei einer Reise aufgenommen. Zunächst ist er für Cathy Earnshaw ein Spielkamerad. Später vertieft sich ihre Beziehung. Sie sind ineinander verliebt und würden am liebsten zusammen bleiben.

Trotzdem heiratet sie, gesellschaftlichen Konventionen folgend, den neuen Nachbarn Edgar Linton. Heathcliff verläßt den Hof. Einige Jahre später kehrt er als reicher Mann zurück. Fortan haben, unter Lintons und den Augen des Personals, Cathy und Heathcliff eine seltsam verquere Liebesbeziehung, die mit ihrem Tod endet. Damit endet auch der Film.

Emily Brontës Roman wird immer, so auch im Filmtrailer, als „größten Liebesgeschichte aller Zeiten“ gelabelt. Angesichts der Beziehung zwischen Cathy und Heathcliff wirkte das schon immer etwas seltsam. In der aktuellen Interpretation ist dieses Labeling noch seltsamer.

Sie sind zwei sehr unsympathische Menschen. Gehässig, rachsüchtig, intrigant, egoistisch. Für eine gute Filmgeschichte ist das kein Problem. Ein Problem ist, dass sie außerdem zwei uninteressante Menschen. Die anderen in der Geschichte vorkommenden Menschen sind, bis auf Edgar Linton, ähnlich uninteressante Grobiane.

Eine Liebesgeschichte erzählt „Wuthering Heights“ nur insofern, dass Cathy und Heathcliff Gefühle füreinander haben. Es ist eine toxische Beziehung, eine extreme Co-Abhängigkeit, die schon für Teenager schwierig gewesen wäre. Für Erwachsene (jedes Bild von Robbie und Elordi zeigt, dass sie schon lange keine Teenager mehr sind) sollte dieses Verhalten direkt zu einer psychiatrischen Behandlung führen.

Das was sie füreinander empfinden ist das Gegenteil von Liebe. Ihre Geschichte ist keine Liebesgeschichte, sondern die Travestie einer Liebesgeschichte. Das ist „Eine fatale Affäre“ im Moor von Yorkshire; wobei unklar ist, wer Täter und wer Opfer ist.

Jedenfalls in dem Teil, den Emerald Fennell in ihrem Film zeigt, der nur einen Bruchteil des Romans verfilmt, vieles weglässt und vieles verändert.

Sie interpretiert dabei die, uh, Liebesgeschichte mit den Gefühlsaufwallungen eines Teenagers. Sie las den Roman zum ersten Mal als Vierzehnjährige. Sie lässt alles weg, was einen Teenager nicht interessiert. Das sind die englische Klassengesellschaft und der Rassismus gegenüber dem Findelkind Heathcliff. Beides verhindert seinen gesellschaftlichen Aufstieg. Es erklärt auch seinen Hass und Rachsucht gegenüber Linton und der Gesellschaft. Im Film funktioniert diese Erklärung natürlich nicht.

Die Liebe zwischen Cathy und Heathcliff bleibt, ab dem Moment, in dem sie von Robbie und Elordi gespielt werden, reine Behauptung. Als Kinder, gespielt von Charlotte Mellington und Owen Cooper, ist die tiefe Freundschaft glaubwürdiger. Beide sind, wie oben schon angedeutet und wie die Leser des Romans wissen, keine besonders sympathischen Menschen. Sie ist manipulativ. Er ist ein Grobian. Beide sind rachsüchtig und auf sich selbst bezogen.

Alle anderen Figuren sind vernachlässigbare Nebenfiguren. Das gilt auch und vor allem für Heathcliffs Gegner Linton, den Ehemann von Cathy, der anscheinend ein ziemlich netter Kerl ist. Aber mehr als zweieinhalb weitgehend bedeutungslose Szenen hat er nicht.

Wer nach dem Trailer ein kunterbuntes Über-Kitsch-Fest erwartet, wird enttäuscht sein. Diese Bilder, die sich stilistisch an den Cover-Entwürfen für entsprechende für ein jüngeres weibliches Publikum gestaltete Romance-Novellen orientieren (Auch Fennell las den Roman erstmals in einer Ausgabe mit einem solchen Cover. Auf dem sah Heathcliff wie Elordi aus), werden fast vollständig im Trailer gezeigt.

Der Rest des deutlich über zweistündigen Films hat einige eindrucksvolle Bilder, einige könnten sogar aus einem Gothic-Horrorfilm sein, und viele unglaublich dunkle Bilder, in denen kaum erkennbar ist, was gezeigt wird. Es sind sparsam bewegte dunkle Holzschnitzereien. Das Erzähltempo ist langsam. Da sterben sogar in einer Oper die Ariensängerinnen in ihrer großen Sterbeszene schneller.

Inszeniert ist diese Version von „Wuthering Heights“ wie ein altmodischer Kostümfilm, der sich nicht darum kümmert, ob die Kleider und die Ausstattung wirklich in die Zeit passen. Solange es gut aussieht, ist es okay. Auch dass Robbie und Elordi deutlich älter sind, als die Personen, die sie spielen, ist egal. 1940 wurde sich um solche Details auch nicht gekümmert. Heute mutet diese Unbekümmertheit, trotz der Verwendung neuer Songs von Charli XCX, unglaublich altmodisch an. Oder wie die Fantasie einer Vierzehnjährigen, die sich gerade ein altes Hollywood-Melodrama angesehen hat..

Vor allem, wenn man sich an Andrea Arnolds Interpretation erinnert, in der Alter und Hautfarbe von Cathy und Heathcliff mit der des Romans übereinstimmen und deren Gefühle nachvollziehbar sind, ist Emerald Fennells in jeder Beziehung ein ziemlicher Rückschritt weit zurück in die Vergangenheit, in der erstaunlich wenig funktioniert.

P. S.: Der überkorrekte deutsche Titel ist „“Wuthring Heights“ – Sturmhöhe“. Der ebenso überkorrekte Originaltitel „Wuthering Heights“. Aber das sieht einfach zu affig aus. Jedenfalls abseits von dem Filmplakat.

Wuthering Heights“ – Sturmhöhe („Wuthering Heigths“, Großbritannien/USA 2026)

Regie: Emerald Fennell

Drehbuch: Emerald Fennell

LV: Emily Brontë: Wuthering Heights – A Novel by Ellis Bell, in Three Volumes, 1847 (Die Sturmhöhe)

mit Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Shazad Latif, Alison Oliver, Martin Clunes, Ewan Mitchell, Charlotte Mellington, Owen Cooper

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

(wer die gesamte Geschichte lesen und erfahren will, warum ein vor fast 180 Jahren erschienener Roman immer noch gelesen, interpretiert und verehrt wird)

Emily Brontë: Die Sturmhöhe

(übersetzt von Grete Rambach)

Insel Verlag, 2025

464 Seiten

16 Euro

Der Roman erschien und ist erhältlich in verschiedenen Übersetzungen bei verschiedenen Verlagen unter leicht abweichenden Titeln.

Originalausgabe

Wuthering Heights

Thomas Cautley Newby Publishers, London, 1847

Hinweise

Moviepilot über „Wuthering Heights“

Metacritic über „Wuthering Heights“

Rotten Tomatoes über „Wuthering Heights“

Wikipedia über „Wuthering Heights“ (Roman: deutsch, englisch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Emerald Fennells „Promising Young Woman“ (Promising Young Woman, USA 2020)