RBB, 20.15
30 Dinge, die Moabit besonders machen (Deutschland 2026)
90 Minuten über den Kiez, in dem ich wohne.
Hinweise
RBB, 20.15
30 Dinge, die Moabit besonders machen (Deutschland 2026)
90 Minuten über den Kiez, in dem ich wohne.
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Als Bauingenieur Stan (Rayane Bensetti) erfährt, dass nicht er sondern sein aasiger Erzkonkurrent befördert werden soll, reicht es ihm. Jahrelang hat er für diese Beförderung klaglos Überstunden abgeleistet, seinem Chef jeden Wunsch erfüllt und immer wieder seine Beziehung riskiert. Spontan klaut er eine Tasche mit einer Million Euro Schmiergeld. Den Schlüssel zum Safe wirft er in einen Mülleimer.
Kurz darauf erfährt er, dass Richard doch ihn befördern will. Also muss das Geld innerhalb der nächsten Stunden und bevor seine Kollegen nach Sonnenaufgang den Firmensitz betreten, zurück in den Safe.
Weil Stan kein Einbrecher ist, benötigt er die Hilfe von jemand, der verschlossene Türen öffnen kann. So einer ist Hippolyte (Christian Clavier). Der Chef eines von ihm geführten Schlüsseldienstes ist ein echter Schlawiner. Seinen Kunden bietet der Unternehmer offensiv seine Dienste ohne Rechnung an. Dann könne er auf die Steuern verzichten. Was Stan in dem Moment nicht weiß, ist dass Hippolyte auch ein Safeknacker ist, der deswegen im Gefängnis saß. Gegen eine erkleckliche Summe lässt der hochverschuldete Hippolyte sich überzeugen, dieses Mal Schlösser zu öffnen, um etwas zurückzubringen. Ohne dass sie dabei entdeckt werden.
Zwei vollkommen gegensätzliche Hauptfiguren, eine absurde Ausgangssituation, comichaft übertriebene Nebenfiguren, eine sich daraus ergebende Kaskade von irrwitzigen Problemen und fertig ist die Boulevardkomödie. In seinem zweiten Spielfilm als Regisseur präsentiert Grégoire Vigneron seine Version einer typischen überdrehten und vollkommen sinnfreien französischen Komödie aus den sechziger und siebziger Jahren. Das Erzähltempo soll über die jede Logik und Wahrscheinlichkeit ignorierende Story hinwegtäuschen. Der Humor bewegt sich auf der Ebene von Klamauk und Slapstick. Jede Figur hat ein, höflich ausgedrückt, flexibles Moralsystem.
Das Ergebnis ist solala und ziemlich altmodisch. Auch weil die Figuren, deren Verhalten und die Welt, in der sie sich bewegen, mehr an die Welt der siebziger Jahre als an die Gegenwart erinnert.
In den vergangenen Jahren schrieb Grégoire Vigneron zahlreiche Drehbücher, unter anderem für die von Laurent Tirard inszenierten Komödien „Der kleine Nick“, „Der kleine Nick macht Ferien“, „Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät“ und „Mein ziemlich kleiner Freund“.

Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris (Le Million, Frankreich 2025)
Regie: Grégoire Vigneron
Drehbuch: Grégoire Vigneron, Isabelle Jaquet, Julie Ponsonnet
mit Rayane Bensetti, Christian Clavier, Gilles Cohen, Claire Chust, Julie Ferrier, Jean-Luc Couchard
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
AlloCiné über „Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris“
Moviepilot über „Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris“
Wikipedia über „Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris“
Meine Besprechung von Grégoire Vignerons „Spurlos“ (Sans laisser de traces, Frankreich 2010)
Zuerst war das Spielzeug da. Dann wurde im Haus Mattel überlegt, wie man den Verkauf weiter ankurbeln könne. Comics und eine Zeichentrickfilmserie hatte man schon. Jemand schlug einen Spielfilm vor. Gesagt, getan. 1987 kam „Masters of the Universe“ in die Kinos. Der Film erzählt die Geschichte von He-Man (Dolph Lundgren, spärlichst bekleidet) und seinem Kampf gegen Skeletor (Frank Langella; unter der Maske nicht erkennbar). Der Kampf findet auf ihrem Heimatplaneten Eternia und der Erde statt. Vor allem auf der Erde in einem Diner, einer Schulaula und unbeleuchteten Gassen; – also kostengünstigen Drehorten.
Trotzdem soll der durchgängig wie ein billiges B-Picture aussehende Fantasy-Film 20 Millionen US-Dollar gekostet haben. Wer das jetzt angesichts aktueller Budgets für gar nicht so hoch hält, sollte einen Blick auf die Budgets einiger fast zeitgleich entstandener Kinohits werfen. Der dritte „Krieg der Sterne“-Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) soll zwischen 32 und 42 Millionen US-Dollar gekostet haben. „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) und „Conan der Barbar“ (1982) sollen jeweils 20 Millionen US-Dollar gekostet haben. „Platoon“, 1987 mit dem Oscar als bester Film des Jahres ausgezeichnet, kostete 6 Millionen US-Dollar.
In allen diesen Filmen ist das ausgegebene Geld auf der Leinwand sichtbar. Nicht so in „Masters of the Universe“, der eher wie die Restverwertung eines italienischen Sandalenfilms aus den sechziger Jahren wirkt, den man mit vielen in der Gegenwart spielenden Szenen auf Spielfilmlänge streckte. Gary Goddards Film war ein allumfassender Flop, der in den vergangenen Jahren einen gewissen Kultstatus erhielt. Und wenn man ihn damals als Teenager im Kino oder im eigenen Zimmer gesehen hat, war man wohl empfänglicher für diesen Fantasy-Film, den man mit den Mattel-Figuren nachspielen konnte. Vor allem wenn man Arnold Schwarzenegger als „Conan der Barbar“ noch nicht sehen durfte.
Pläne für einen neuen „Masters of the Universe“-Kinofilm gab es schon länger. Als Regisseure waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten John Woo, Jon M. Chu, Rian Johnson, Andrés Muschietti, Chris Sanders, Phil Lord/Christopher Miller, David S. Goyer und Aaron Nee/Adam Nee (die jetzt zu den vier genannten Drehbuchautoren gehören) im Gespräch. Drehbuchautoren schrieben mehr oder weniger detaillierte Entwürfe und selbstverständlich wurden über die Jahre verschiedene Schauspieler genannt, die die Hauptrolle spielen sollten.
Am Ende übernahm „Bumblebee“-Regisseur Travis Knight die Regie. Weil er den guten „Transformers“-Film inszenierte, könnte ihm auch diese Spielzeug-Verfilmung gelingen. Dass sein Film schlechter als der 1987er Film werden könnte, war fast ausgeschlossen. Nicholas Galitzine (zuletzt in „Glennkill“ als Journalist Elliot Matthews) spielt den teils spärlich bekleideten, edlen Helden. Wieder muss er gegen Skeletor kämpfen.
Was damals in einem Totaldesaster endete, ist jetzt eine ziemlich erfreuliche, zu lang geratene, selbstironische, überaus bunte und farbenprächtige Liebeserklärung an alte Fantasy-Filme. Den Ton setzt Travis Knight schon in den ersten Minuten, wenn Prinz Adam von seinem Leben auf seinem Heimatplaneten Eternia erzählt, wie er zum Kämpfer ausgebildet werden sollte, kläglich versagte, Skeletor (Jared Leto) sie überfiel, seine Familie und Freunde ermordete, er in letzter Sekunde mit einem magischen Schwert durch ein Portal auf die Erde geschickt wurde, dort in einem See landete und das Schwert verlor. Das erzählt Adam in einem Diner einer Verabredung, die danach fluchtartig die Gaststätte verlässt. Mit diesem Irren will sie nicht länger als nötig zusammen sein.
Kurz darauf, fünfzehn Jahre nach seiner Landung in dem See, findet er das Schwert in einem Merchandise-Geschäft. In dem Geschäft macht er sich, als er das magische Schwert in seinen Besitz bringen will, zum Vollhorst. Mit dem Schwert, das ihm offensichtlich keine magischen Kräfte verleiht, flüchtet er aus dem Geschäft. Wenige Minuten später wird er auf auf der Straße von einem Monster angegriffen. Teela (Camila Mendes), seine Liebe aus Kindheitstagen in Eternia, taucht plötzlich auf und rettet ihn. Kurz darauf sind sie zurück in Eternia. Dort muss er gegen den mächtigen Bösewicht Skeletor kämpfen. Der möchte das Schwert haben und so allmächtig werden.
Knight und seine Drehbuchautoren Chris Butler, Aaron Nee, Adam Nee und Dave Callaham zitieren lustvoll die bekannten Fantasy-Klischee und B-Picture-Klischees, brechen sie und ziehen alle Figuren durch den Kakao. Da lacht der Bösewicht sein teuflisches Lachen deutlich über die Peinlichkeitsschwelle. Seine Untertanen schauen sich betreten an. Er erklärt ihnen, dass die Szene eigentlich während seines teuflischen Lachens abbrechen sollte. Später erklärt er, dass er der Bösewicht des Films sei, er böses tue und dass das als Motivation vollkommen ausreiche.
Musikalisch unterlegt wird dies mit gut abgehangenem Hardrock, der perfekt in die Fantasy-Welt des Films passt. Die Songs sind auch immer wieder gut für einen spektakulären Auftritt, der dann in sich zusammenfällt. Und bei den für den Film von Daniel Pemberton geschriebenen Stücken ertönt öfter eine von „Queen“-Gitarrist Brian May gespielte Gitarre.
Die Spezialeffekt haben genau das richtige Maß an Schlechtigkeit um zu überzeugen. Sie sind gut, aber nie so gut, dass sie eine perfekte Illusion erzeugen.
Die Story – eigentlich sind es eine Coming-of-Age-Story und der Kampf des Helden gegen den Bösewicht – variiert gekonnt die bekannten Elemente. Dabei werden Männer durchgängig als ziemliche Waschlappen und Trottel gezeichnet. Sie überschätzen sich. Sie verhalten sich unvernünftig. Sie reagieren komplett falsch auf bestimmte Situationen. Sie interessieren sich mehr für die Pose als für das Ausfüllen dieser Pose. Und das sorgt immer wieder für Lacher.
Die Frauen neben Prinz Adam und Skeletor sind dagegen eher die treibenden und im Hintergrund agierenden Kräfte, die die Männer in die richtige Richtung – auch wenn es bei Skeletor die falsche Richtung ist – schieben. Dabei bleiben sie immer, den seit Ewigkeiten etablierten Regeln des Genres gehorchend, gut aussehende Nebenfiguren. Wobei Adam wenn er zu vom von allen herumgestoßenem sanftem und etwas trotteligem Nerd zum muskelbepacktem blonden Krieger He-Man wird, auch sehr ansehnlich ist.
„Masters of the Universe“ ist das filmische Äquivalent zu einer Nostalgia-Band, die, nach jahrelanger Trennung auf einer Reunion-Tour, mit viel Energie und Selbstironie die alten Hits noch einmal spielt, während alle im Saal in Erinnerungen baden. Die Zeiten, als sie ihre Eltern mit bestimmten LP-Covers und satanischen Beschwörungen schockieren konnten, sind vorbei. Jetzt sind sie Eltern, teils Großeltern.
Aber wenn das so gut präsentiert wird, wie jetzt in „Masters of the Universe“ kann diese Nostalgieveranstaltung ein großer Kassenhit werden. Im Abspann teasern die Macher in mehreren Mid- und einer Post-Credit-Szene mögliche weitere Filme an.
Dann gerne in unter zwei Stunden. Denn so ein Film sollte nicht über 140 Minuten dauern.

Masters of the Universe (Masters of the Universe, USA 2026)
Regie: Travis Knight
Drehbuch: Chris Butler, Aaron Nee, Adam Nee, Dave Callaham (nach einer Geschichte von Aaron Nee, Adam Nee, Alex Litvak und Michael Finch; basierend auf „Masters of the Universe” von Mattel)
mit (teilweise nur die Stimme im Original) Nicholas Galitzine, Camila Mendes, Alison Brie, James Purefoy, Morena Baccarin, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Charlotte Riley, Sasheer Zamata, Jon Xue Zhang, Christian Vunipola, Kristen Wiig, Jared Leto, Idris Elba, Artie Wilkinson Hunt, Eire Farrell, Dolph Lundgren
Länge: 142 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 4. Juni 2026
–
Hinweise
Moviepilot über „Masters of the Universe“
Metacritic über „Masters of the Universe“
Rotten Tomateos über „Masters of the Universe“
Wikipedia über „Masters of the Universe“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Travis Knights „Bumblebee“ (Bumblebee, USA 2018)
Arte, 21.45
Wie wilde Tiere (As Bestas, Spanien 2022)
Regie: Rodrigo Sorogoyen
Drehbuch: Isabel Peña, Rodrigo Sorogoyen
Ein französisches Paar will in der spanischen Provinz als Bio-Bauern und Restauratoren alter Häuser ein neues Leben beginnen. Den Einheimischen gefällt das nicht. Der Konflikt eskaliert, als die Zugezogenen den Bau von Windrädern ablehnen.
TV-Premiere. Langsam erzählter Noir-Thriller mit einem extrem schwachen letzten Drittel.
Anschließend, um 00.00 Uhr, zeigt Arte als TV-Premiere die 50-minütige Doku „Es war einmal…Wie wilde Tiere“ (Frankreich 2025) über den Film.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Denis Ménochet, Marina Foïs, Luis Zahera, Diego Anido, Marie Colomb
Hinweise
Moviepilot über „Wie wilde Tiere“
Metacritic über „Wie wilde Tiere“
Rotten Tomatoes über „Wie wilde Tiere“
Wikipedia über „Wie wilde Tiere“ (deutsch, englisch, spanisch)
Meine Besprechung von Rodrigo Sorogoyens „Wie wilde Tiere“ (As Bestas, Spanien 2022)
ZDF, 22.15
Die Anstalt (Deutschland 2026)
Ist das witzig – oder gehört das in Die Anstalt?
Hinweis
Arte, 20.15
Todesmelodie (Giù la testa, Italien 1971)
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Luciano Vincenzoni, Sergio Donati, Sergio Leone
Mexiko, 1913: Zwei Verbrecher, einer davon ist ein Sprengstoffexperte, werden während des Bürgerkriegs zu Helden wider Willen und jagen einiges in die Luft.
Der weitgehend unbeachtete (und ungeliebte) Mittelteil von Leones Amerika-Trilogie, die mit „Spiel mir das Lied vom Tod“ beginnt und mit „Es war einmal in Amerika“ endet, bietet in erster Linie rauhe Unterhaltung mit einem starken Schuss Comedy.
mit Rod Steiger, James Coburn, Romolo Valli, Maria Monti, Rik Battaglia
Hinweise
3sat, 21.45
Good bye, Lenin! (Deutschland 2003)
Regie: Wolfgang Becker
Drehbuch: Bernd Lichtenberg, Wolfgang Becker
Als Mutter Kerner ins Koma fällt, gibt es die DDR noch. Als sie wieder wach wird, gibt es sie nicht mehr. Aber weil sie eine ultrastramme Kommunistin ist und ihr Arzt meint, auch die kleinste Aufregung könne sie töten, lässt ihr Sohn Alex die DDR wieder aufleben. Das entwickelt sich schnell zu einer Herkulesaufgabe.
Die süffige, warmherzige DDR-Komödie war vor zwanzig Jahren (der Kinostart war, wenige Tage nach der Berlinale-Premiere, am 13. Februar) ein unglaublicher Kassenerfolg. In Deutschland wurden 6,4 Millionen Kinotickets verkauft. Der erfolgreichste Kinofilm des Jahres war, mit 7,7 Millionen Zuschauern, „Findet Nemo“. Auf dem zweiten Platz folgte „Der Herr der Ringe 3“ und auf dem dritten Platz „Good bye, Lenin!“.
mit Daniel Brühl, Katrin Sass, Florian Lukas, Chulpan Khamatova, Maria Simon, Alexander Beyer, Burghart Klaußner, Michael Gwisdek
Hinweise
Filmportal über „Good bye, Lenin!“
Rotten Tomatoes über „Good bye, Lenin!“
One, 20.15
Shoplifters – Familienbande (Manbiki Kazoku, Japan 2018)
Regie: Hirokazu Kore-eda
Drehbuch: Hirokazu Kore-eda
Die Familie Shibata hält sich mit kleinen Ladendiebstählen über Wasser. Aber sie sind auch eine herzensgute Familie, die spontan die kleine Yuri, die allein auf einem Balkon spielt, bei sich aufnehmen.
Gewohnt feinfühliger Film von Hirokazu Kore-eda über echte und falsche Familien, der verdient in Cannes die Goldene Palme erhielt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Lily Franky, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki
Wiederholung: 31. Mai, 23.20 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Shoplifters“
Wikipedia über „Shoplifters“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)
Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018)
Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Broker – Familie gesucht“ (Beurokeo, Südkorea 2022) und der DVD
Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Die Unschuld“ (怪物 [Kaibutsu], Japan 2023)
Über ein Jahr ist Man-su schon arbeitslos. Die finanziellen Ressourcen schwinden unaufhaltsam. Jetzt teilen er und seine Frau sich ein Auto. Außerdem arbeitet sie. Die Kinder müssen auf beliebte Streamingangebote verzichten. Ob sie ihr wunderschönes Haus mit Garten weiterhin behalten können oder in eine Mietwohnung umziehen müssen, ist noch unklar. Dennoch will er seine Familie zusammenhalten, den erreichten Lebensstandard aufrechterhalten und den Schein wahren.
Man-su wurde gleichzeitig mit vielen weiteren verdienten Kollegen aufgrund von Umstrukturierungen entlassen. Bis dahin war der passionierte Freizeitgärtner, liebevolle Familienvater und gesetztestreue Bürger Man-su fünfundzwanzig Jahre in ein und derselben Papierfabrik in leitender Position angestellt. Papier ist sein Leben. Er will auch unbedingt wieder in einer Papierfabrik arbeiten.
Dummerweise ist die Konkurrenz um die wenigen offenen Stellen groß. Wenn ein Mitbewerber nur etwas besser qualifiziert ist oder etwas umgänglicher ist, bekommt er den Job. Aber, so überlegt Man-su sich, wenn dieser Mitbewerber sich nicht auf die Stelle bewerben kann, steigen seine Chancen. Er könnte bei einem Unfall sterben. Man-su muss nur wissen, wer diese besser qualifizierten Mitbewerber sind und sie dann töten. Weil er ein exzellenter Bewerber ist, ist die Konkurrenz überschaubar.
Der grandiose Krimiautor Donald E. Westlake (er erfand auch den Profidieb Parker und den vom Pech verfolgten Einbrecher John Dortmunder) ersann diese rabenschwarze Kapitalismussatire 1997. In seinem Roman „The Ax“ erzählt er sie in tödlich präziser Konsequenz. Wie ein nur selten manchmal etwas aus dem Takt geratendes Uhrwerk arbeitet Burke Devore (so heißt der Mörder bei Westlake) die Liste seiner Mitbewerber ab. Costa-Gavras verlegte die Geschichte 2005 in seiner Verfilmung „Die Axt“ (alternativer Titel „Jobkiller“) nach Frankreich. Park Chan-wook verlegte sie jetzt nach Südkorea und widmete den Film Costa-Gavras.
Park, der zuerst Westlakes Roman und erst später Costa-Gavras Verfilmung kannte, wollte den Roman schon seit Ewigkeiten verfilmen. 2009 wurde das Projekt erstmals auf dem Busan International Film Festival angekündigt. Seitdem sagte er, wenn er danach gefragt wurde, er arbeite immer noch daran.
Fünfzehn Jahre später begannen die Dreharbeiten. Ende August 2025 hatte seine Westlake-Verfilmung bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Premiere. Und jetzt läuft sie hier in Deutschland im Kino an.
Wer den Roman, die erste und jetzt die aktuelle Verfilmung kennt, wird viele Gemeinsamkeiten und einige Unterschiede erkennen. Jede Version setzt ihre eigenen Akzente, lässt aber die absolut überzeugende und stabile Grundstruktur der von Westlake erfundenen Geschichte intakt. Die Unterschiede beschränken sich vor allem auf Anpassungen an den Handlungsort und die Zeit. So gab es 1997 noch keine Smartphones. Für die Geschichte ist das letztendlich egal. Die Kultur und die Sozialsysteme unterscheiden sich in den einzelnen Ländern. Sie verleihen jeder Version ihre besondere Duftnote.
„No other Choice“ hat nicht die gnadenlos präzise satirische Wucht von Costa-Gavras zweistündiger Version. Das kann einerseits daran liegen, dass uns die europäische Gesellschaft vertrauter als die koreanische Gesellschaft ist und wir deshalb auch subtile Anspielungen besser verstehen, andererseits kann es einfach daran liegen, dass Park sich fast 140 Minuten Zeit nimmt, um die Geschichte zu erzählen, sie gegen Ende etwas konfus wird und er bei Man-sus Morden immer wieder die Comedy-Elemente betont. So ist Man-sus erster Mord keine eiskalt geplante und schnell durchgeführte Tat, sondern eine ausartende Slapstick-Nummer.
Außerdem verfolgt Park die von Man-su erstellte Mordliste nicht so konsequent wie Costa-Gavras und vor allem Westlake, der immer eindeutig sagte, wen Devore jetzt umbringen will. Er studiert die Bewerbungen, plant die Morde sorgfältig (jedenfalls für einen Amateur) und dann folgt ein Mord nach dem anderen. Man-su geht immer etwas trotteliger und spontaner vor.
Das sind allerdings alles nur graduelle Unterschiede, kleine Verschiebungen von Gewichten mal mehr in Richtung Noir, mal mehr in Richtung Kapitalismuskritik, mal mehr in Richtung Slapstick. Die Idee und der Plot der von Westlake ersonnenen Satire sind so stark, dass niemand sie in seiner Version grundlegend veränderte. Immer bleibt der Protagonist ein Serienmörder, dem wir die Daumen drücken. Auch wenn er bei der Wahl seines gut nachvollziebaren Ziels zu den falschen Mitteln greift und er mit seinen Taten das kapitalistische System, das ihn zum Mörder macht, festigt.
P. S.: Am 3. März 2026 läuft im Rahmen der Best-of-Cinema-Reihe Park Chan-wooks „Oldboy“ wieder im Kino.
–
Wer die bitterböse Satire im Kino verpasste, kann das jetzt auf dem heimischen Sofa nachholen.
Das Bonusmaterial, insgesamt etwas über zwanzig Minuten, besteht aus einigen kurzen, weitgehend oberflächlichen Werbeinterviews mit dem Regisseur, den beiden Hauptdarstellern und weiteren am Film Beteiligten und einem Clip, in dem die Arbeit an dem Filmplakat mit dem Bonsai-Baum und den in ihm versteckten Menschen gezeigt wird.

No other Choice (Eojjeolsuga eobsda, Südkorea 2025)
Regie: Park Chan-wook
Drehbuch: Park Chan-wook, Lee Kyoung-mi, Don McKellar, Jahnye Lee
LV: Donald E. Westlake: The Ax, 1997 (Der Freisteller)
mit Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon, Lee Sung-min, Yeom Hye-ran, Cha Seung-won
Länge: 139 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
internationaler Titel: No other Choice
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Blu-ray
Bild: 2,39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Koreanisch (Sound SystemDTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Featurettes mit Regisseur und Schauspielern, Interviews
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Der Film ist auch digital, auf DVD und als Mediabook erhältlich.
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Hinweise
Moviepilot über „No other Choice“
Metacritic über „No other Choice“
Rotten Tomatoes über „No other Choice“
Wikipedia über „No other Choice“ (deutsch, englisch)
zu Park Chan-wook
Meine Besprechung von Park Chan-wooks “Stoker” (Stoker, USA 2012)
Meine Besprechung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ (The Handmaiden, Südkorea 2016)
zu Donald E. Westlake
Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake
Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake
Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“
Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“
Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“
Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)
Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“
Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake
Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)
Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)
ARD, 22.20
Deutscher Filmpreis 2026 – Die Gala
Zeitversetzte Ausstrahlung der Verleihung des Deutschen Filmpreis, liebevoll Lola genannt – und viel schöner als der Oscar.
Notiz an mich nach „Passenger“: Keine Urlaube im Wohnmobil. Niemals!
Begründung für euch: Die enden tödlich.
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.
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Das muss ich vielleicht erklären.
Also: Tyler Genocchio (Jacob Scopio) und Madi Brecker (Lou Llobell) sind schon seit drei Jahren zusammen und sie haben genug Geld, um sich in einem von ihre liebevoll ausgestattetem Mercedes Sprinter auf eine Reise durch die USA von unbekannter Dauer begeben können. Er denkt dabei so in die Richtung einer ewigen Reise im Stil von Jack Kerouacs „On the Road“. Sie will es ihm zuliebe ausprobieren.
Als sie im Hinterland mitten in der Nacht auf einer einsamen Landstraße ein verunglücktes Auto entdecken, versuchen sie dem schwer verletztem Fahrer zu helfen. Dabei nehmen sie einen „Passenger“ auf. Dieser Mitreisende ist ein Geist. Ein sehr böser Geist, der Reisende, die in der Dunkelheit unterwegs sind und anhalten, tötet. Er ist das Gegenteil von Christophorus, dem Schutzheiligen der Reisenden.
André Øvredal erzählt die Geschichte nach einem Drehbuch von Zachary Donohue und T. W. Burgess in unter neunzig Minuten mit vielen Suspense-Szene und in oft sehr langen Takes. Herausragend ist eine dreiminütige Sequenz auf einem nächtlichen Parkplatz. Madi fühlt sich von dem Dämon verfolgt, der sie umkreist, aber immer unsichtbar bleibt. Die Kamera wechselt dabei ständig die Perspektive und steigert das Gefühl von einer unsichtbaren Bedrohung. Wenn Madi kurz darauf im Van die Überwachungskameras überprüft, wird es filmisch konventioneller, aber nicht weniger spannend. Denn irgendeine Kamera sollte nicht nur den menschenleeren Parkplatz aufgenommen haben. Auch ein gemeinsamer Filmabend im Wald, der von dem unsichtbar bleibendem Dämon unterbrochen wird, gehört zu diesen langen und gelungenen Suspense-Szenen. Sie, der sardonische Humor und die atmosphärischen Bilder vom Nomadland lassen einen vergessen, dass die US-amerikanische Mythen zitierende Geschichte eher dünn ist. Ein Horrorschriftsteller hätte sie wahrscheinlich als Kurzgeschichte oder Novelle veröffentlicht.
P. S.: Sie konnten nicht darauf verzichten: zum Abspann gibt es „The Passenger“. In diesem Fall wird der Song nicht von Iggy Pop, sondern von Siouxsie and the Banshees gesungen. Dass es in dem Song um etwas anderes geht und dass Iggy Pop, so heißt es, während seiner Zeit in West-Berlin zu dem Text inspiriert wurde, als öfters in der S-Bahn durch die Stadt fuhr, muss uns in diesem Zusammenhang nicht weiter kümmern.

Passenger (Passenger, USA 2026)
Regie: André Øvredal
Drehbuch: Zachary Donohue, T.W. Burgess
mit Jacob Scipio, Lou Llobell, Melissa Leo, Joseph Lopez
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Passenger“
Als John Davidson (Robert Aramayo) 2019 von der damals schon hochbetagten und vom Volk frenetisch verehrten Queen den Orden des British Empire erhalten soll, ist er nervös. Das ist verständlich. Denn wer wäre nicht nervös, wenn er nicht in wenigen Minuten vor der Queen stehen wird?
Aber John Davidson ist aus einem anderen Grund nervös. Er hat Angst, dass er sie beleidigt und einen Skandal provoziert. Er leidet nämlich an dem Tourette-Syndrom und er soll für seinen Aktivismus ausgezeichnet werden. In den vergangenen Jahren engagierte sich der in Großbritannien bekannte John Davidson für Menschen, die das Tourette-Syndrom haben. Er gehört zu der Minderheit, die an ausgeprägter Koprolalie, also dem unkontrolliertem Ausrufen von Obszönitäten und Flüchen, leidet.
Dieser Aktivismus war dem 1971 in der schottischen Kleinstadt Galashiels geborenen Arbeiterkind nicht in die Wiege gelegt worden. Seine ersten Lebensjahre verlaufen normal. Die ersten Anzeichen hat er als Zwölfjähriger. Wahllos beleidigt er Klassenkameraden und Lehrer. Die anschließende Entschuldigung werden ihm immer weniger geglaubt. Die Bestrafungen von seinen Eltern, Lehrern und Mitschülern fallen immer drastischer aus. Um nicht zu Fluchen, versucht er, nichts zu sagen und verrenkt sich dabei komisch. Schnell wird er in seiner Schulklasse und auch der Gesellschaft zum Außenseiter.
In den frühen achtziger Jahren war das Tourette-Syndrom eine öffentlich kaum bekannte Krankheit. Das änderte sich erst in den vergangenen Jahren. Und, wenigstens in Großbritannien, ist das auch der Verdienst von John Davidson.
„Lang lebe Ned Devine!“-Regisseur Kirk Jones erzählt jetzt in dem Biopic „Verflucht Normal“ Davidsons Geschichte vom Beginn der Krankheit bis zur Ehrung durch die Queen. In bester britischer Tradition wird aus Davidsons Leben ein realistisch geerdeter, in der Arbeiterklasse spielender, pointiert erzählter Feelgood-Film zwischen herzhaftem Lachen, absurden Szenen (wie Davidsons Vorstellungsgespräch im Gemeindezentrum als Hilfe für den Hausmeister Tommy Trotter [Peter Mullan]), herzlichen Szenen (wie Davidsons erste und für sein weiteres Leben entscheidende Begegnung mit Dottie Achenbach [Maxine Peake], der Mutter seines Schulfreundes Murray, die ihn ohne Vorurteile in ihre Familie aufnimmt), Szenen, die gleichzeitig beides sind (wie das erste von Davidson organisierte Treffen von Menschen mit Tourette) und Momenten, in denen es nicht genug Taschentücher in Reichweite geben kann.

Verflucht normal (I swear, Großbritannien 2025)
Regie: Kirk Jones
Drehbuch: Kirk Jones
mit Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan, Shirley Henderson, Scott Ellis Watson, Francesco Piacentini-Smith, Steven Cree
Länge: 121 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „Verflucht normal“
Metacritic über „Verflucht normal“
RBB, 20.15
Nebraska (Nebraska, USA 2013)
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Bob Nelson
Ein alter starrköpfiger dementer Mann (Bruce Dern) macht sich zu Fuß auf den 900 Meilen langen Weg nach Lincoln, Nebraska. Dort will er einen (vermeintlichen) Millionengewinn persönlich abholen.
TV-Premiere. Ja, erst jetzt. Ist trotzdem ein sehr sehr sehenswertes Roadmovie und eine Bestandsaufnahme des amerikanischen Traums.
Ich war damals ziemlich besoffen vor Begeisterung.
Deshalb: die (nicht) andere Meinung: „Ständig auf der Grenzlinie zwischen Komödie und Tragik angesiedelt, profitiert der einfühlsame Schwarz-Weiß-Film von prägnanten Charakteren, vor allem von der bewegnden Darstellung der Hauptfigur durch Bruce Dern.“ (Lexikon des Internationalen Films – er gehörte damals auch zur Liste der besten Kinofilme des Jahres 2014)
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Stacy Keach, Bob Odenkirk, Tim Driscoll, Davin Ratray, Angela McEwan
Wiederholung: Freitag, 29. Mai, 23.45 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Nebraska“
Wikipedia über „Nebraska“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska“ (Nebraska, USA 2013)
Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)
Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Holdovers“ (The Holdovers, USA 2023)
Alexander Payne in der Kriminalakte
Arte, 22.10
Benedetta (Benedetta, Frankreich 2021)
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: David Birke, Paul Verhoeven
LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)
Im 17. Jahrhundert lebt die tiefgläubige Benedetta Carlini (Virginie Efira) in einem Theatiner-Kloster in Pescia. Als auf ihrem Körper die Wundmale Christi auftauchen, wird sie zu einem Spielball innerhalb katholischen Kirche. Oder spielt sie mit der Kirche?
Grandiose, auf einem wahren Fall beruhende, äußerst intelligente Nunsploitation von Provokateur Paul Verhoeven.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Virginie Efira, Charlotte Rampling, Daphné Patikia, Lambert Wilson, Olivier Rabourdin, Louise Chevillotte, Hervé Pierre, Clotilde Courau, David Clavel, Guilaine Londez
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Benedetta“
Wikipedia über „Benedetta“ (deutsch, englisch, französisch)
Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)
Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD
Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Benedetta“ (Benedetta, Frankreich 2021) und der DVD
MDR, 22.55
The Straight Story – Eine wahre Geschichte (The Straight Story, USA 1999)
Regie: David Lynch
Drehbuch: John Roach, Mary Sweeney
Kamera: Freddie Francis
Musik: Angelo Badalamenti (Wer sonst?)
Der 73-jährige Alvin Straight will sich nach jahrelangem Schweigen mit seinem Bruder aussöhnen. Dafür nimmt er eine 240 Meilen lange Fahrt auf sich. Auf einem Rasenmäher- Auto darf er nicht mehr fahren und andere Arten der Fortbewegung lehnt er ab.
David Lynchs ungewöhnlichster Film und gleichzeitig einer seiner schönsten Filme: ein die Langsamkeit und die Landschaft und Menschen zelebrierendes Roadmovie mit einem wunderschönen Ende: zwei Männer sitzen auf einer Veranda und blicken in den Nachthimmel.
„Auf eine gewisse Weise ist ‚The Straight Story‘ der extremste Film, den ich je gemacht habe.“ (David Lynch, Interview in Zitty 25/99)
mit Richard Farnsworth, Sissy Spacek, Harry Dean Stanton, John Farley, Everett McGill
auch bekannt als „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“
–
Zum Lesen
ein Buch, das nicht seine Filme euphorisch herunterbetet, sondern einen intensiven Blick auf Lynchs Werk als bildender Künstler, Musiker und Designer wirft und versucht, Lynchs gesamtes künstlerisches Spektrum in einer essayistischen Entdeckungsreise zu analysieren.

Jonathan Ederer/Adrian Gmelch: David Lynch begreifen – Kunst – Kino – Kreativität
Büchner-Verlag, 2024
388 Seiten
30 Euro
–
Hinweise
Rotten Tomateos über „The Straight Story“
Wikipedia über „The Straight Story“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von David Lynchs „Der Wüstenplanet“ (Dune, USA 1984) und der gleichnamigen Vorlage von Frank Herbert
Meine Besprechung von David Lynchs „Lost Highway“ (Lost Highway, USA 1997)
Arte, 20.15
Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses (Mississippi Burning, USA 1988)
Regie: Alan Parker
Drehbuch: Chris Gerolmo
Südstaaten, 1964: Mitten im Hochsommer verschwinden im ländlichen Jessup County drei Bürgerrechtler spurlos. Ein älterer und ein jüngerer FBI-Agent sollen den Fall aufklären und wenn sie nur auf eine Mauer des Schweigens stoßen würden, wären sie froh.
Packender, auf einem wahren Fall basierender Polizei-Thriller. Zum Filmstart sah der Fischer Film Almanach das anders (wobei damals die Filmkritik auch anders war): „Parker lässt zu, dass ‚Mississippi Burning‘ sich zu einem konventionellen Reißer entwickelt, zu einem Polizeifilm, der mit den fragwürdigen Methoden seiner Protagonisten sympathisiert. Doch damit wird er seinem Thema nicht mehr gerecht. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.“ Dabei wird der erste Teil des Films wegen seiner dokumentarischen Qualitäten gelobt.
„Parkers von gewalttätigen Eruptionen durchsetzter FBI-Thriller ist wegen seiner (historisch unhaltbaren) Glorifizierung des FBI und wegen seiner Tendenz, die Rolle der Bürgerrechtler und der Schwarzen zu verfälschen (sie sind mehr oder weniger Randfiguren des Dramas), heftig kritisiert worden.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale. Der immer überzeugende Gene Hackman erhielt den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller. Und bei den US-Kritikern kam der Film besser an als bei den deutschen Kritikern.
mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince, Tobin Bell (damals noch ein kleiner Nebendarsteller in seinem ersten namentlich genanntem Spielfilmauftritt)
Hinweise
One, 22.35
Perfect Days (Japan/Deutschland 2023)
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Takuma Takasaki, Wim Wenders
In Tokio reinigt Hirayama hingebungsvoll wunderschön aussehende öffentliche Toiletten. Anscheinend ist er zufrieden mit seinem betont einfachem, festen Ritualen folgendem Leben.
Wim Wenders‘ bester Spielfilm seit Ewigkeiten und ein Film für die Ewigkeit, wie ihn nur Wim Wenders machen kann. „Perfect Days“ ist gleichzeitig eine Fortführung und Revision bekannter Wenders-Themen.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Kôji Yakusho, Tokio Emoto, Arisa Nakano, Aoi Yamada, Yumi Asô, Sayuri Ishikawa, Tomokazu Miura, Min Tanaka
Wiederholung: Montag, 25. Mai, 18.15 Uhr
Hinweise
Filmportal über „Perfect Days“
Moviepilot über „Perfect Days“
Metacritic über „Perfect Days“
Rotten Tomatoes über „Perfect Days“
Wikipedia über „Perfect Days“ (deutsch, englisch) und über Wim Wenders (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)
Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)
Meine Besprechung von Wim Wenders‘ “Anselm – Das Rauschen der Zeit” (Deutschland/Frankreich 2023)
Mein Gespräch mit Wim Wenders über „Anselm – Das Rauschen der Zeit“ (Deutschland/Frankreich 2023)
Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Perfect Days“ (Japan/Deutschland 2023)