TV-Tipp für den 16. Oktober: Out of Sight

Oktober 16, 2018

Nitro, 20.15

Out of sight (Out of Sight, USA 1998)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Elmore-Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Hinweise

Moviepilot über “Out of Sight”

Rotten Tomatoes über “Out of Sight”

Wikipedia über “Out of Sight” (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


TV-Tipp für den 15. Oktober: Geheimring 99

Oktober 15, 2018

HR, 23.30

Geheimring 99 (The big Combo, USA 1955)

Regie: Joseph H. Lewis

Drehbuch: Philip Yordan

Lieutenant Diamond will den Gangsterboss Mr. Brown unschädlich machen. Der Krieg zwischen beiden eskaliert immer weiter.

Dieses späte Noir-Juwel ist vom ersten bis zum letzten Moment mit sexueller Spannung aufgeladen. „Nahezu unverhüllt thematisierte B-Film-Regisseur Joseph H. Lewis den engen Zusammenhang zwischen unterdrückter Sexualität, sexueller Frustration und exzessiver Gewalt. (…) Es ist eine Welt sexueller Perversion und fatalistischer Abhängigkeit.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Mit Cornel Wilde, Richard Conte, Lee Van Cleef, Brian Donlevy, Jean Wallace, Robert Middleton, Earl Holliman

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Geheimring 99”

Turner Classic Movies über “Geheimring 99”

Wikipedia über “Geheimring 99” (deutsch, englisch)

Noir of the Week über “Geheimring 99”

Film Noir über “Geheimring 99” (mächtig begeistert)

Archive.org: der Film


TV-Tipp für den 14. Oktober: The Nice Guys

Oktober 14, 2018

RTL, 22.45

The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016

Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.

Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre.Kultig.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard

Wiederholung: Montag, 15. Oktober, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Shane Blacks „Predator – Upgrade“ (The Predator, USA 2018)


TV-Tipp für den 13. Oktober: Jennifer 8

Oktober 13, 2018

ZDFneo, 22.00

Jennifer 8 (Jennifer 8, USA 1992)

Regie: Bruce Robinson

Drehbuch: Bruce Robinson

LA-Cop John Berlin (Andy Garcia) wird in die Provinz versetzt und er stolpert gleich in eine Mordserie hinein. Acht blinde Frauen hat der Killer schon umgebracht. Sein nächstes Opfer könnte die blinde Cellistin Helena Robertson (Uma Thurman) sein.

Okayer Serienkillerthriller, in dem der Cop der Magnet für alle möglichen und unmöglichen Probleme ist.

mit Andy Garcia, Uma Thurman, John Malkovich, Lance Henriksen, Kathy Baker, Graham Beckel

Wiederholung: Sonntag, 14. Oktober, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jennifer 8“

Wikipedia über „Jennifer 8“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Oktober: Melissa P. – Mit geschlossenen Augen

Oktober 12, 2018

Tele 5, 22.00

Melissa P. – Mit geschlossenen Augen (Melissa P., Italien 2005)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: Barbara Alberti, Christiana Farina, Luca Guadagnino

LV: Melissa P. (Pseudonym von Melissa Panarello): 100 colpi di spazzola prima di andare a dormire, 2003 (Mit geschlossenen Augen)

Die 15-jährige Sizilianerin Melissa P. entdeckt die Liebe. Mit verschiedenen Männern und auch bei Gangbangs und SM-Spielen.

TV-Premiere eines Frühwerks von Luca Guadagnino.

Der auf einer authentischen Geschichte beruhende Film (…) setzt sich nicht uninteressant mit bigotten und überkommenen Strukturen auseinander.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit María Valverde, Fabrizia Sacchi, Geraldine Chaplin, Giulio Berruti

Hinweise

Wikipedia über „Melissa P.“

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Call me by your Name“ (Call me by your Name, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Sind das wirklich „Bad Times at the El Royale“? Und wenn ja: für wen?

Oktober 11, 2018

Das „El Royale“ steht am Lake Tahoe genau auf der Staatsgrenze zwischen Nevada und Kalifornien. Das Hotel hat schon bessere Zeiten erlebt hat. Die Einrichtung verströmt die Patina der fünfziger Jahre. Nur die Musiksammlung in der Jukebox ist aktueller.

In einer Nacht in den frühen Siebzigern treffen sich dort sieben Menschen, die alle ein meist mit irgendwelchen Verbrechen zusammenhängendes Geheimnis haben.

Gespielt werden die Hotelgäste von Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Jon Hamm, Cailee Spainey, Dakota Johnson und Chris Hemsworth. Lewis Pullman spielt den Empfangschef des Hotels, der auch kein Unschuldsknabe ist.

Drew Goddard, der Regisseur der Horrorperle „The Cabin in the Woods“, der Erfinder der TV-Serie „Daredevil“ und der Drehbuchautor von „Der Marsianer“ und „World War Z“ und etlicher Episoden für TV-Serien wie „Lost“ und „Alias“, hat mit „Bad Times at the El Royale“ auf den ersten Blick ein Neo-Noir-Ensemblestück inszeniert, das deutlich von Quentin Tarantino inspiriert ist. Vor allem natürlich „Pulp Fiction“. Aber auch „The Hateful Eight“ kann genannt werden.

Was kann da schief gehen?

Nun, für den Anfang, dass früh im Film die falsche Person stirbt. Jedenfalls für mich als Zuschauer.

Es gibt die Theorie, dass man im Film einem Charakter sein Herz schenke und wenn er stirbt, ist der Film für einen emotional zu Ende. Normalerweise schenkt man sein Herz dem Protagonisten. Man fiebert, lacht und weint mit ihm. Okay, das gilt vor allem für schmalzige Liebesfilme.

Manchmal ist es auch ein anderer Charakter. In diesem Fall war es für mich Jon Hamm, der am Filmanfang die anderen Gäste – vor allem Jeff Bridges und Cynthia Erivo – in der riesigen Hotellobby begrüßt. In schönster, raumgreifender Vertretermanier erzählt er einiges über das Hotel und die Ausstattung und bietet ihnen Kaffee an. Währenddessen beäugen sie und die später die Lobby betretenden Menschen sich auffallend misstrauisch. Als er anschließend als Gast sein Zimmer bezieht, beginnt er sofort, es sorgfältig nach Wanzen abzusuchen. Er entdeckt auch, dass alle Hotelzimmern mit spanischen Spiegeln ausgestattet sind und einige Hotelgäste auch gefilmt werden.

Er wird, weil er durch den Einwegspiegel in einem Zimmer eine Geiselnahme sieht und die Geisel retten will, ziemlich früh im Film erschossen.

In dem Moment war mein Held tot – und der Film hatte ein Problem.

Dazu kommen noch einige weitere Probleme.

Formal variiert „Bad Times at the El Royale“ das Erzählprinzip von „Pulp Fiction“. „Bad Times at the El Royale“ ist ebenfalls ein Ensemblefilm. Die einzelnen Geschichten sind ebenfalls pulpige Gangstergeschichten, garniert mit etwas plakativ-politischem Zeitkolorit. Im Gegensatz zu „Pulp Fiction“ erzählt Goddard seine in Kapitel unterteilte Geschichte ziemlich chronologisch. Das ist jetzt nicht besonders gut oder schlecht, sondern eine Möglichkeit in einem Ensemblestück die Geschichten anzuordnen.

Bei den Endlosdialogen zeigt sich allerdings, wie gut die Dialoge von Tarantino sind. Sie sind witzige Kabinettstückchen. Sie charakterisieren den Sprechenden. Und es gibt in jedem seiner Filme etliche Tarantino-Sätze (okay, bei „Jackie Brown“ sind es Elmore-Leonard-Sätze), die man gerne in eines seiner nächsten Gespräche einflechtet. Bei Goddard fehlt Tarantinos Witz und damit das, was Tarantino-Dialoge so einzigartig macht. Bei Goddard stellt sich bei den sich endlos anfühlenden Monologen schnell eine gewisse Langeweile ein. Es wird einfach zu viel zu lange erklärt. Es gibt auch nicht den Satz oder den Dialog, den man gerne zitieren möchte.

Und die Story hat erstaunlich viele lose Enden. Vieles wird angedeutet. Wenig wird aufgeklärt.

Immerhin werden die Hintergründe der Entführung und warum am Filmanfang ein Mann in einem Hotelzimmer eine Tasche im Boden versteckt, aufgeklärt.

Am Ende ist „Bad Times at the El Royale ein stylish aussehender, hochkarätig besetzter Neo-Noir-Langweiler. Das ist, musikalisch soulig untermalt, Stil über Substanz.

Wer unbedingt mit einem neueren Neo-Noir zurück in die Siebziger will, sollte sich „Inherent Vice“ – Natürliche Mängel“ ansehen. Oder auf den nächsten Film von Quentin Tarantino warten.

Bad Times at the El Royale (Bad Times at the El Royale, USA 2018)

Regie: Drew Goddard

Drehbuch: Drew Goddard

mit Jeff Bridges, Dakota Johnson, Cynthia Erivo, Chris Hemsworth, Jon Hamm, Cailee Spainey, Lewis Pullman, Nick Offerman, Xavier Dolan, Shea Whigham

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bad Times at the El Royale“

Metacritic über „Bad Times at the El Royale“

Rotten Tomatoes über „Bad Times at the El Royale“

Wikipedia über „Bad Times at the El Royale“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Abgeschnitten“ – ein Thriller von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos, ein Film von Christian Alvart

Oktober 11, 2018

Die Thriller von Sebastian Fitzek sind echte Pageturner. Es sind Thriller, die man innerhalb weniger Stunden oder einer kurzen Nacht bis zum Morgengrauen durchliest.

Die bisherigen Fitzek-Verfilmungen „Das Kind“ und „Das Joshua-Profil“ waren nicht so gelungen.

Abgeschnitten“ ist daher nicht nur die bislang beste Fitzek-Verfilmung, sondern auch ein ziemlich gelungener Thriller. Wenn man über einige Unwahrscheinlichkeiten und schlechte Dialoge hinwegsieht. Und über den zähen Anfang, in dem die Hauptpersonen in jeder Beziehung arg umständlich und ziemlich verkrampft vorgestellt und einige Plots angedeutet werden, die später vollkommen unwichtig sind. Hier hätte ruhig einiges abgeschnitten werden können.

Letztendlich beginnt die Geschichte in der Gerichtsmedizin in Berlin. Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) entdeckt in einer grausam zugerichteten Leiche in einer kleinen, gut im Körper versteckten Kapsel einen Zettel mit der Telefonnummer seiner Tochter. Durch einen Anruf bei ihr erfährt er, dass sie entführt wurde und er unter keinen Umständen mit der Polizei reden soll.

Er macht sich in sturmumtoster Nacht (mit wunderbar stabiler Handyverbindung) auf den Weg nach Helgoland, um dort eine in einer Leiche eine weitere Spur zur Rettung seiner Tochter zu finden. Weil er nicht schnell genug auf der Insel sein kann, überzeugt er die aus Berlin vor ihrem Stalker nach Helgoland geflohene Comic-Zeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) die Leiche zu obduzieren. Unter seiner telefonischer Anleitung. Diese Szene, die im Buch und im Film durch ihre Detailgenauigkeit beeindruckt, ist im Kino dann auch ein schwarzhumorig-absurder Comic-Höhepunkt.

Für diese Detailgenauigkeit bei den gerichtsmedizinischen Details war im Roman Michael Tsokos zuständig. Er ist der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Die von ihm und Sebastian Fitzek dazu erfundene Geschichte ist dann eine ziemlich vorhersehbare Serienkiller-Geschichte, in der der durchgeknallte Killer den tapferen Helden auf eine Schnitzeljagd schickt. Das kennt man aus unzähligen US-Krimis und will es eigentlich seit Jahren nicht mehr lesen.

Im Film nimmt Christian Alvart sich dann zugunsten einer Thriller-Filmdramaturgie Freiheiten. Es gibt immer noch etliche irrwitzige Wendungen, aber alles erscheint organischer und nicht so formelhaft wie im Roman. Die Schauspieler harmonisieren und schnell entsteht eine ordentliche Thriller-Spannung, die man so in deutschen Filmen selten sieht. Aufgelockert wird sie durch etliche witzige Szenen. Wobei der Witz sich meistens aus der Situation ergibt. Denn die verschiedenen Charaktere müssen immer wieder Dinge tun, die sie unter keinen Umständen tun wollen. Zum Beispiel eine Leiche befördern oder sie aufschneiden.

Das ist spannend, wenn man die zahlreichen Unwahrscheinlichkeiten und Zufälle hinnimmt. Ohne sie würde der Plan des Bösewichts nicht funktionieren. Allein schon, dass Herzfeld die erste Botschaft findet, dass er dann niemand von seinen zahlreichen Polizistenfreunden informiert und dass auf Helgoland jemand ein herrenlos bei einer Leiche herumliegendes Handy findet und gleich die Anrufwiederholung ausprobiert, sind Zufälle, die so unwahrscheinlich sind, dass in der Realität der grandios ausgetüftelte Plan des Bösewichts schon an der ersten Hürde gescheitert wäre. Denn damit sein Plan funktioniert, muss Herzfeld die Kapsel finden und das Telefon bedienen.

Auch die Dialoge, vor allem am Anfang, sind teils peinlich, teils reinstes Schriftdeutsch und die Charaktere sind arg eindimensionale Funktionsträger.

Das kann alles – zu Recht – gegen Christian Alvarts Thriller eingewandt werden. Aber das kann auch gegen die Romane von Sebastian Fitzek gesagt werden. Und die machen Spaß. Wie der Film.

Abgeschnitten (Deutschland 2018)

Regie: Christian Alvart

Drehbuch: Christian Alvart

LV: Sebastian Fitzek/Michael Tskokos: Abgeschnitten, 2012

mit Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer, Lars Eidinger, Fahri Yardim, Enno Hesse, Christian Kuchenbuch, Urs Jucker, Barbara Prakopenka, Michael Tsokos, Sebastian Fitzek (beide, in verschiedenen Szenen, mit einem Cameo, ziemlich am Filmanfang)

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman

zum Filmstart mit einem neuen Cover

Sebastian Fitzek/Michael Tsokos: Abgeschnitten

Knaur, 2018 (Filmausgabe)

400 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Droemer, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Abgeschnitten“

Moviepilot über „Abgeschnitten“

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Steig. Nicht. Aus!“ (Deutschland 2018)

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung der Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Michael Tsokos‘ „Dem Tod auf der Spur“ (2009)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Happytime Murders“ – zerfetzte Puppen und mittendrin Cop Melissa McCarthy

Oktober 11, 2018

Los Angeles, Gegenwart, mit einem kleinen Unterschied: in diesem L. A. leben Puppen, mehr geächtet als geachtet, unter Menschen. Vor Jahren waren die Puppen in einer Familien-TV-Serie sehr beliebt. Phil Philips durfte als Polizist arbeiten. Bis es zu einem Unfall kam. Jetzt ist er ein Privatdetektiv der allseits bekannt-beliebten Hardboiled Schule irgendwo zwischen Sam Spade und Philip Marlowe. Für die Menschen sind die Puppen nur ziemlich verachteter Abschaum. Und die Puppen, nun, sagen wir es mal so: sie haben ähnliche Bedürfnisse wie die Menschen und sie benehmen sich in ihrer Welt der Drogenhöhlen, illegalen Spielclubs und Porno-Videotheken auch genauso schlecht wie die Menschen in ihrer Welt.

Als ein Killer Puppen umbringt, die alle eine Verbindung zu der aus dem TV allseits beliebten Happytime-Gang haben, müssen Phil und sein Ex-Partner Connie Edwards (Melissa McCarthy) notgedrungen zusammen arbeiten.

Das ist die Ausgangslage für eine Abfolge vulgärer Zoten, die witzig sein sollen. Es aber nicht sind. Dafür sind sie zu dumm. Die Geschichte selbst ist ein 08/15-Buddymovie, gekreuzt mit einer Noir-Parodie. Und die Idee, dass Puppen in dieser Welt leben, wurde, auch wenn es da Cartoonfiguren sind, in „Falsches Spiel um Roger Rabbit“ vor dreißig Jahren schon viel besser verwirklicht. Hier, immerhin geht es um die nicht jugendfreie Version dieser Idee, kommt noch eine Portion „Meet the Feebles“ hinzu.

Das ist so unwitzig und zäh, dass die knapp neunzig Minuten (mit Abspann, ohne Abspann müssten es unter achtzig Minuten sein) einem wie eine Ewigkeit vorkommen.

Und die eigentlich immer zuverlässige Melissa McCarthy spult hier auf Autopilot und spürbar gelangweilt ihre altbekannten Sprüche ab.

Als eine halbstündige Episode „Muppets Show“-Episode könnte die Idee von „The Happytime Murders“ funktionieren. Als Spielfilm nicht.

The Happytime Murders“-Regisseur Brian Henson ist der Sohn von „Muppets Show“-Erfinder Jim Henson. Mit seinen Geschwistern führt er seit Jahren den Familienbetrieb fort. Unter anderem bei „Muppets – Die Schatzinsel“ und „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ übernahm er die Regie.

The Happytime Murders – Kein Sesam, nur Straße (The Happytime Murders, USA 2018)

Regie: Brian Henson

Drehbuch: Todd Berger (nach einer Geschichte von Todd Berger und Dee Austin Robertson)

mit Melissa McCarthy, Elizabeth Banks, Maya Rudolph, Joel McHale, Leslie David Baker, Bill Baretta, Ben Falcone (Cameo)

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Happytime Murders“

Metacritic über „The Happytime Murders“

Rotten Tomatoes über „The Happytime Murders“

Wikipedia über „The Happytime Murders“

 


TV-Tipp für den 11. Oktober: Die Klapperschlange

Oktober 11, 2018

Tele 5, 20.15

Die Klapperschlange (Escape from New York, USA 1981)

Regie: John Carpenter

Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle

USA, 1997: Manhattan wurde zum Gefängnis umfunktioniert, in dem Verbrecher den Ton angeben. Durch einen dummen Zufall muss das Flugzeug des US-Präsidenten in Manhattan notlanden. Da hat der Polizeichef eine geniale Idee: Er bietet dem rauhbeinigen Knacki Snake Plissken die Freiheit an, wenn er den US-Präsidenten lebendig aus Manhattan herausholt. Zur Motivationsförderung lässt er Plissken zwei Sprengkapseln implantiert.

Ein schön zynischer, dystpischer SF-Klassiker und ein John-Carpenter-Klassiker.

einer der spannendsten Filme der letzten Jahre, sorgfältig inszeniert, wenn auch recht gewalttätig.“ (Fischer Film Almanach 1982)

mit Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkins

Wiederholung: Freitag, 12. Oktober, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Klapperschlange“

Wikipedia über „Die Klapperschlange“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13, USA 1976)

John Carpenter in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Oktober: About Schmidt

Oktober 9, 2018

Kabel 1, 23.15

About Schmidt (About Schmidt, USA 2002)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor

LV: Louis Begley: About Schmidt, 1997 (Schmidt)

Warren Schmidt ist ein verwitweter Pensionär, der sich jetzt in seinem Wohnmobil, quer durch die USA, auf den Weg zu seiner Tochter und ihrer Hochzeit macht. Denn ihm gefällt ihr Künftiger nicht.

Schönes, melancholisches Roadmovie, das natürlich ein Jack-Nicholson-Starvehikel ist, der hier einen absoluten Biedermann (Angestellter einer Versicherungsgesellschaft!) spielt.

mit Jack Nicholson, Kathy Bates, Hope Davis, Dermot Mulroney

Hinweise

Metacritic über „About Schmidt“

Rotten Tomatoes über „About Schmidt“

Wikipedia über „About Schmidt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska (Nebraska, USA 2013)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)

Alexander Payne in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Oktober: Am Abend aller Tage

Oktober 9, 2018

3sat, 20.15

Am Abend aller Tage (Deutschland 2017, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Markus Busch

Der Jurist und Kunstkenner Philipp Keyser wird von einer Gruppe namenloser Senioren beauftragt, das verschollene Gemälde „Berufung der Salome“ des Expressionisten Ludwig Glaeden besorgen. Es soll sich in der Münchner Villa des menschenscheuen Sammlers Magnus Dutt befinden.

Sehr lose inspiriert vom wahren Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt und der bei ihm gefundenen Raubkunstgemälde inszenierte Dominik Graf ein Thrillerdrama, in dem es auch um die Frage geht, wem Kunst gehört. Und natürlich um das Kino

mit Friedrich Mücke, Victoria Sordo, Ernst Jacobi, Emma Jane, Hildegard Schmahl

Hinweise

Filmportal über „Am Abend aller Tage“

Moviepilot über „Am Abend aller Tage“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Oktober: Die Gärtnerin von Versailles

Oktober 8, 2018

NDR, 23.15

Die Gärtnerin von Versailles (A little Chaos, Großbritannien 2014)

Regie: Alan Rickman

Drehbuch: Alison Deegan, Alan Rickman, Jeremy Brock

Die Gärtnerin von Versailles soll 1682 in Frankreich für den Sonnenkönig einen Garten anlegen. Das sorgt für „a little Chaos“ am Hof.

Nettes Kostümdrama mit überzeugender Besetzung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kate Winslet, Matthias Schoenaerts, Alan Rickman, Stanley Tucci, Helen McCrory, Paula Paul, Jennifer Ehle

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Gärtnerin von Versailles“
Moviepilot über „Die Gärtnerin von Versailles“
Metacritic über „Die Gärtnerin von Versailles“
Rotten Tomatoes über „Die Gärtnerin von Versailles“
Wikipedia über „Die Gärtnerin von Versailles“

Meine Besprechung von Alan Rickmans „Die Gärtnerin von Versailles“ (A little Chaos, Großbritannien 2014)


TV-Tipp für den 7. Oktober: Deepwater Horizon

Oktober 7, 2018

Pro7, 20.15

Deepwater Horizon (Deepwater Horizon, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand

LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)

Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die danach folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Stella Allen, Chris Ashworth

Wiederholung: Montag, 8. Oktober, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Deepwater Horizon“

Metacritic über „Deepwater Horizon“

Rotten Tomatoes über „Deepwater Horizon“

Wikipedia über „Deepwater Horizon“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Deepwater Horizon“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Peter Bergs „Mile 22“ (Mile 22, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „A Star is born“, wieder einmal

Oktober 6, 2018

Jackson Maine (Bradley Cooper) ist ein Rockmusiker, der immer noch große Hallen füllt. Seine Musik geht, entsprechend seinem Alter, so in Richtung poppig-schrammeliger Grunge mit seltenen Country-Anwandlungen. Eines Abends entdeckt der Alkoholiker nach einem Konzert in einer Drag-Bar die vollkommen unbekannte Sängerin Ally (Lady Gaga). Er verbringt die Nacht mit ihr, verliebt sich in sie und lädt sie zu seinem nächsten Konzert ein. Backstage. Mit einem gemeinsamen Song auf der Bühne. Sie verlieben sich ineinander. Er fördert sie. Sie, die nie vor mehr als einem Dutzend Menschen auftrat, ist zuerst überwältigt von den Reaktionen des Publikums. Tausende jubeln ihr zu. YouTube-Aufnahmen von ihrem Kurzauftritt gehen viral. Schnell beginnt sie ihre erste CD aufzunehmen, während ihr Produzent bereits das allumfassende TV- und Tourpaket schnürt und so den nächsten Pop-Star aufbaut.

Währenddessen versinkt Maine immer mehr im Drogensumpf.

Und wer eine der vier vorherigen Versionen der Geschichte kennt, kennt auch ihr Ende. Am bekanntesten dürfte die 1976er Version von Frank Pierson mit Kris Kristofferson und Barbara Streisand sein. Der Film, der die Geschichte aus Hollywood ins Musikbusiness verlegte, war ein kommerzieller Erfolg. Die Songs Hits. Die Kritik, wie ein Blick auf Rotten Tomatoes zeigt, war nicht begeistert.

Die älteren Versionen – „What Price Hollywood?“ (USA 1932, Regie: George Cukor), „Ein Stern geht auf“ (A Star is born, USA 1937, Regie: William A. Wellman) und „Ein neuer Stern am Himmel“ (A Star is born, USA 1954, Regie: George Cukor) – dürfte heute niemand mehr kennen.

In seinem Regiedebüt knüpft Bradley Cooper an Piersons Werk an. Und zwar so sehr, dass ich ständig Barbara Streisand und Kris Kristofferson vor mir sah. Auch wenn ich von Piersons Film nur das bekannte Plakatbild mit Kris Kristofferson und Barbara Streisand vor einer bis zum letzten Platz gefüllten Freilichtbühne kenne. Weil der Film seit Ewigkeiten, – falls überhaupt -, nicht mehr im Fernsehen gezeigt wurde, dürften die meisten Piersons Film ebenfalls nicht kennen oder nur noch eine vage Erinnerung an ihn haben. Denn nicht jeder kauft sich DVDs.

Mit seinem Aussehen – Vollbart, lange, zottelige Haare – betont Cooper die Ähnlichkeit zwischen ihm und Kristofferson. Lady Gaga weist ständig auf ihre Nase hin und dass mit so einer Nase eine Karriere im Musikbusiness ausgeschlossen sei. Ihre Nase ist allerdings, trotz aller penetrant-inszenatorischer Bemühungen, nie so beeindruckend wie Barbara Streisands markant-legendäre Nase.

Das oberflächlich porträtierte Musik-Business erinnert auch mehr an die siebziger Jahre als an die Gegenwart.

Coopers pseudo-dokumentarische Inszenierung knüpft an das New-Hollywood-Kino der siebziger Jahre an. Wobei Cooper einen Hang zu Nahaufnahmen hat, die in ihrer Geballtheit auf der großen Leinwand dann doch etwas störend sind. Das ist nicht schlecht, aber insgesamt so retro, dass sich die Frage nach dem Grund für das aktuelle Remake der Geschichte von „A Star is born“ stellt.

Auf der musikalischen Ebene punktet Lady Gaga, die hier, mehr oder weniger sich selbst spielend, auch als Schauspielerin überzeugt. Wenn sie beginnt zu singen, kommt die Kamera zur Ruhe. Sie verharrt auf der Sängerin, umkreist sie liebevoll und zeigt sie gleichzeitig singend und Klavier spielend. Einen ganz Song lang. Und dann noch einen ganzen Song.

Auch Bradley Cooper sang seine Songs live. Begleitet wird er meistens von Lukas Nelson & Promise of the Real. Ein größeres Publikum kennt die Rockband als eine aktuelle Begleitband von Neil Young. Im Gegensatz zu den fast ungeschnittenen Auftritten von Lady Gaga (jaja, Ally im Film) wird bei Coopers Auftritten als Jackson Maine häufig geschnitten, die Kamera wackelt rockig und meistens ist sie hinter ihm positioniert oder nimmt sein Gesicht in extremer Nahaufnahme auf. Das alles zeigt weniger Maines drogenumnebelten Zustand, sondern dient mehr der Verschleierung von Coopers begrenzten musikalischen Fähigkeiten.

Die Story selbst ist eine oberflächliche Schmonzette aus dem Showmilieu, die uns nichts über das Showgeschäft verrät, was wir nicht schon aus einer Vorabendserie kennen. Über die Probleme, mit einem Süchtigen zusammen zu leben, erfahren wir auch nichts substantielles. Dafür darf das Liebespaar ausführlich miteinander knutschen.

Wem das genügt, der kann mit „A Star is born“ über zwei Stunden verbringen.

A Star is born (A Star is born, USA 2018)

Regie: Bradley Cooper

Drehbuch: Eric Roth, Bradley Cooper, Will Fetters (basierend auf dem Drehbuch von 1954 von Moss Hart, basierend auf dem Drehbuch von 1976 von John Gregory Dunne, Joan Didion und Frank Pierson, basierend auf einer Geschichte von William Wellman und Robert Carson)

mit Bradley Cooper, Lady Gaga, Andrew Dice Clay, Dave Chapelle, Sam Elliott, Rafi Gavron, Anthony Ramos, Alec Baldwin, Ron Rifkin, Don Was

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „A Star is born“

Metacritic über „A Star is born“

Rotten Tomatoes über „A Star is born“

Wikipedia über „A Star is born“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. Oktober: Die Blechtrommel

Oktober 6, 2018

One, 22.10

Die Blechtrommel (Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)

LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959

Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.

Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg.

Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Blechtrommel“

Wikipedia über „Die Blechtrommel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


TV-Tipp für den 5. Oktober: Coogans großer Bluff

Oktober 5, 2018

3sat, 22.25

Coogans großer Bluff (Coogan’s Bluff, USA 1968)

Regie: Don Siegel

Drehbuch: Herman Miller, Dean Reisner, Howard Rodman (nach einer Story von Herman Miller)

Ein Sheriff aus Arizona verfolgt in New York einen flüchtigen Mörder.

Die erste Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood ist eine Vorstudie für „Dirty Harry“ und war der beginn einer jahrelangen Freundschaft. Der Film kam beim Publikum gut an, aber ich stimme Richard Schickel zu: „Dennoch bleibt der Eindruck bestehen, (…) dass es sich um einen verworrenen und im Ton vergriffenen Film handelt, der nie sein eigentliches Ziel findet, sondern von Schlüsselszene zu Schlüsselszene wandert – beziehungsweise kriecht.“ (Clint Eastwood – Eine Biographie)

„Coogans großer Bluff“ war auch das Vorbild für die TV-Serie „Ein Sheriff in New York“ (McCloud, mit Dennis Weaver).

mit Clint Eastwood, Lee J. Cobb, Susan Clark, Tisha Sterling, Don Stroud, Seymour Cassel

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Coogans großer Bluff“

Wikipedia über „Coogans großer Bluff” (deutsch, englisch)

ClintEastwood.net über “Coogan’s Bluff”

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Florian Henckel von Donnersmarck schafft ein „Werk ohne Autor“

Oktober 4, 2018

Unabhängig von dem, was ich gleich über Florian Henckel von Donnersmarcks neuen Film „Werk ohne Autor“ schreiben werde, muss ich eins klarstellen: die über drei Stunden, die der Film dauert, vergingen schnell. Ich musste nicht gegen den Schlaf kämpfen, rutschte nicht unruhig im Kinosessel herum und biss nicht die vordere Sesselreihe durch. Das gelingt nicht jedem Film. Vor allem nicht über eine so epische Laufzeit hinweg.

Aber die Entscheidung von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ in das Rennen um den Auslandsoscar zu schicken, verstehe ich nicht. Zur Auswahl standen auch „Transit“, „Mackie Messer – Der Dreigroschenfilm“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Der Hauptmann“. Alles interessante Filme, die nicht so hemmungslos auf einen Oscar schielen wie „Werk ohne Autor“. Und gegen unseren letztjährigen Oscarbewerber, Fatih Akins „Aus dem Nichts“, ist „Werk ohne Autor“ langweiliges, bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.

Das Vorbild für Kurt Barnert ist Gerhard Richter

Bevor von Donnersmarck das Drehbuch schrieb, konnte er sich einen Monat mit Richter unterhalten und ihn begleiten. Er hätte also genug Material für ein Biopic gehabt. Aber er entschloss sich zur fiktionalisierten Version, in der Kenner des Lebens und Werks von Richter ihn immer erkennen. Aber im Detail ist unklar, ob die Szene erfunden oder wahr ist. Auch andere Charaktere, die auf wahren Personen basieren, haben im Film andere Namen. So heißt Joseph Beuys im Film Antonius van Verten und Oliver Masucci zeigt wieder einmal sein Talent. Auch die anderen Schauspieler überzeugen.

Wer sich mit der deutschen Kunstgeschichte nicht so auskennt, kann die Informationen im Film wie ein Schwamm aufsaugen und sie dann irgendwann kleinteilig mit der Wirklichkeit vergleichen.

Das erste Mal begegnen wir Kurt Barnert als er 1937 mit seiner Tante Elisabeth in Dresden die Ausstellung „Entartete Kunst“ besucht und, wie in einem Brennglas, alle wichtigen Themen des Films angesprochen werden.

In den folgenden drei Stunden erzählt von Donnersmarck dann Barnerts Leben bis zu seiner ersten großen Ausstellung 1966 in der Kunsthalle Wuppertal, wo Barnert Probleme hat, sein Werk zu erklären. Das tut dann ein Journalist, vor dem Portrait von Tante Elisabeth stehend, für eine TV-Reportage: „Zufällig gewählte Illustriertenbilder, Passfotos vom Automaten, beliebige Schnappschüsse aus Familienalben – alles unscharf abgemalt. Mit solchen Bildern, die aus unerklärlichen Gründen eine echte Kraft besitzen, scheint sich Kurt Barnert zum führenden Künstler seiner Generation zu entwickeln – und das mit der totgewähnten Malerei! Aber wie viele in seiner Generation hat er nichts zu erzählen, nichts zu sagen, löst sich von jeder Tradition, verabschiedet sich vom biographischen Ansatz in der Kunst und schafft so zum ersten Mal in der Kunstgeschichte…ein Werk ohne Autor.“

Der Film verästelt sich, nimmt sich Zeit für Abschweifungen und zeigt einiges ausführlicher als nötig, während Barnert eher passiv ist. Er ist nicht der Künstler, der bereits seine Sprache gefunden hat und der fanatisch ein Projekt verfolgt. In der DDR malt er akribisch ein Wandfresko. In Düsseldorf experimentiert er. Wie die anderen Studenten. Dabei wirkt Barnerts Experimentieren nicht wie die Suche nach einer eigenen Sprache, sondern wie das Erfüllen des Pflichtprogramms.

Neben Barnerts Geschichte erzählt von Donnersmarck auch die Geschichte von Tante Elisabeth, die psychisch gestört ist und von ihrem Arzt, Professor Carl Seeband, in den Tod geschickt wird. Er erzählt auch Seebands Geschichte, dem es immer gelingt, zur herrschenden Klasse der verschiedenen Systeme zu gehören und der sich immer wieder in das Leben seiner Tochter einmischt. Denn für ihn ist ein Künstler kein Mann für seine Tochter.

Und immer wieder gelingen von Donnersmarck einprägsame Szenen. Teils, wenn die Busfahrer auf dem Busbahnhof auf Bitten von Tante Elisabeth hupen und sie „hebt die Arme wie in Ekstase, lässt die Erschütterung des tiefen Hornklangs durch sich wogen. Musikerlebnis der extremen Art.“ (Drehbuch), als Überwältigungskino. Teils dank der Schauspieler und dem Inhalt der Szene.

Werk ohne Autor“ ist allerdings auch ein strikt chronologisch erzählter Film, der weder Fisch noch Fleisch ist. Er ist kein straffer Zwei-Stundenkinofilm, der einen Konflikt zuspitzt. Er ist auch keine vier- oder sechsstündige Mini-TV-Serie, in der verschiedene Plots nebeneinander her laufen können ohne sich jemals zu kreuzen. Wobei von Donnersmarck sich eher für die das bildungsbürgerliche Publikum ansprechende Mini-TV-Serie interessiert, die allerdings zu lang für einen Kinobesuch wäre.

Und so ist die Szene, die visualisiert, warum von Donnersmarck den Film drehte und die in einem Zwei-Stundenfilm die große Szene, auf die alles hinausläuft, wäre, komplett verschenkt.

Die Inspiration für „Werk ohne Autor“ war ein vor etwa zehn geführtes Interview, bei dem der Interviewer, „Tagesspiegel“-Reporter Jürgen Schreiber, von Donnersmarck erzählte, er habe gerade eine Biographie über Gerhard Richter geschrieben. Die Inspiration dazu war seine Tagesspiegel-Reportage über Richter, in der er enthüllte, dass Richters Tante Marianne Schönfelder (verewigt in dem Portrait „Tante Marianne“) von NS-Ärzten umgebracht wurde und dass Richters Schwiegervater, Prof. Dr. Heinrich Eufinger, als SS-Obersturmbannführer bei der Sterilisierung geistig Behinderter eine maßgebliche Rolle spielte. Richter hat das anscheinend erst durch Schreibers Reportage erfahren.

Für von Donnersmarck war diese Geschichte und die damit verbundenen Verstrickungen die Inspiration für „Werk ohne Autor“. Im Film sehen wir dann auch, wie Barnert ausgehend von Fotografien von seiner Tante Elisabeth, Passfotos von Seeband und der Verhaftung des Naziverbrechers Burghard Kroll diese Fotos nachzeichnet und ineinander übergehen lässt. In diesem Bild verbindet er das Schicksal seiner Tante mit dem eines Psychiaters, der das Euthansie-Programm initiierte, das Seeband willig ausführte. Das Bild fasst damit mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte zusammen. Und es wäre, wenn Barnert gewusst hätte, was er malt, eine Anklage gegen seinen Schwiegervater.

Als dieser das Bild bei einem Besuch in Barnerts Atelier sieht, reagiert er verstört. Es ist durch die Inszenierung offensichtlich, dass Seeband die volle Bedeutung des Bilds erfasst, dass er seine Vergangenheit sieht und er davon ausgeht, dass Barnert sie auch kennt.

Dieser Moment könnte die Rache des Künstlers an dem Mörder seiner Tante sein. Er ist es allerdings nicht. Denn Barnert kennt den Mörder seiner Tante nicht. Er hat auch keine Ahnung von Seebands Verstrickungen mit dem Nazi-Regime und wie sehr er sich immer wieder in Barnerts Leben einmischt.

Von Donnersmarck verschenkt genau den Moment, auf den implizit der gesamte Film hinausläuft.

Sein dritter Spielfilm ist auch ein Film über die moderne Kunst, auf die er allerdings immer wieder verächtlich herabblickt. Das zeigt sich vor allem an den in der Kunstakademie Düsseldorf spielenden Szenen. So führt Harry Preuser Barnert am ersten Tag durch die Akademie und äußerst sich sehr spöttisch über die Akademie und seine Mitstudenten. Die Projekte der Studenten scheinen vor allem eine von jeglicher Technik und Handwerk befreite Selbstverwirklichung zu sein. Und Professor van Verten ist ein enigmatischer Scharlatan, der sich nicht für die Werke seiner Studenten interessiert.

Im Gegensatz zum am 31. Oktober startendem „Queen“-Biopic „Bohemian Rhapsody“ zeigt „Werk ohne Autor“ die Phase des Suchens, der Irrwege und der missglückten Versuche im Leben eines Künstlers. Es ist ein Portrait der Kindheit, Jugend und der Lehrlingsphase eines Künstlers. Gleichzeitig zeichnet von Donnersmarck über drei Stunden betulich, im Stil eines TV-Mehrteilers ein Bild Deutschlands von 1937 bis 1966.

Werk ohne Autor (Deutschland 2018)

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann

Länge: 189 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Das Buch zum Film

Mit vielen Filmbildern, dem Drehbuch, einem Interview mit Florian Henckel von Donnersmarck und einem Gespräch zwischen dem Künstler Thomas Demand und dem Filmemacher Alexander Kluge über den Film. Beide Gespräche sind interessant.

Aber gerade wegen der Filmgeschichte hätte man gerne mehr über die Unterschiede zwischen Richters Biographie und dem Film erfahren. In einem eigenem Text oder einem Essay über Richters Wirken und die Kunst in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg.

Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor

Suhrkamp, 2018

200 Seiten

18 Euro

 

Die Kinotour

Donnerstag, 04.10.2018

Thalia (Rudolf-Breitscheid-Straße 50, 14482 Potsdam)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 18.00 Uhr

Freitag, 05.10.2018

Capitol (Wismarsche Str. 128, 19053 Schwerin)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 16.45 Uhr

Filmpalast (Fährsteg 1, 21337 Lüneburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Scala (Apothekenstr. 17, 21335 Lüneburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

Samstag, 06.10.2018

Schauburg (Vor dem Steintor 114, 28203 Bremen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 17.00 Uhr

Casablanca (Johannisstraße 17, 26121 Oldenburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.30 Uhr

Sonntag, 07.10.2018

Arthouse Osnabrück (Erich-Maria-Remarque-Ring 16, 49074 Osnabrück)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 11.30 Uhr

Cineplex Schloßtheater (Melchersstraße 81, 48149 Münster)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 17.00 Uhr

 

Donnerstag, 11.10.2018

Lichtburg (Elsässer Str. 26, 46045 Oberhausen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 18.30 Uhr

Cinema (Schneider-Wibbel-Gasse 5, 40213 Düsseldorf)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

Freitag, 12.10.2018

Kinocenter Gießen (Bahnhofstr. 34, 35390 Gießen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 18.30 Uhr

Cineplex (Biegenstraße 8, 35037 Marburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

Samstag, 13.10.2018

Buchmesse Frankfurt am Main (Suhrkamp-Stand Halle 4.1 F14/F17)

11.00 -11.30 Uhr Signierstunde Florian Henckel von Donnersmarck

Werk ohne Autor – Filmbuch“

Spiegel-Stand (Halle 3.0/D56 Hauptstand)

12.00 – 12.30 Uhr Spiegel-Gespräch mit Florian Henckel von Donnersmarck

Casino (Ohmbachgasse 1, 63739 Aschaffenburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 14.45 Uhr

Cinema (Roßmarkt 7, 60311 Frankfurt am Main)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 16.15 Uhr

Sonntag, 14.10.2018

Schauburg (Marienstraße 16, 76137 Karlsruhe)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Schilling, Sebastian Koch

Filmstart: 13.00 Uhr

Forum (Hauptstraße 111, 77652 Offenburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 18.00 Uhr

Freidrichsbau Lichtspiele (Kaiser-Joseph-Straße 268-270, 79098 Freiburg i. B.)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 20.00 Uhr

 

Donnerstag, 18.10.2018

Museum Kino (Am Stadtgraben 2, 72070 Tübingen)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Atelier am Bollwerk (Hohe Str. 26, 70176 Stuttgart)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Freitag, 19.10.2018

Regina (Holzgartenstraße 22, 93059 Regensburg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch, Paula Beer

Filmstart: 19.00 Uhr

Cinecitta (Gewerbemuseumspl. 3, 90403 Nürnberg)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.00 Uhr

Samstag, 20.10.2018

Passage (Hainstraße 19 a, 04109 Leipzig)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 17.00 Uhr

Programmkino Ost (Schandauer Str. 73, 01277 Dresden)

Vor Ort: Florian Henckel von Donnersmarck, Sebastian Koch

Filmstart: 19.45 Uhr

Puh, das ist ja anstrengender als die Dreharbeiten.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Werk ohne Autor“

Moviepilot über „Werk ohne Autor“

Rotten Tomatoes über „Werk ohne Autor“

Wikipedia über „Werk ohne Autor“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. Oktober: Harold und Maude

Oktober 4, 2018

Servus TV, 20.15

Harold und Maude (Harold and Maude, USA 1971)

Regie: Hal Ashby

Drehbuch: Colin Higgins

Harold ist 19 Jahr alt und hat keine Lust zu leben. Da trifft er bei einer Beerdigung die 79-jährige Maude, die immer noch ein fröhlich Regeln missachtendes Energiebündel ist. Harold verliebt sich in Maude.

Immer wieder gern gesehener Kultfilm!

Mit der Musik von Cat Stevens.

Mit Bud Cort, Ruth Gordon, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer

Wiederholung: Freitag, 5. Oktober, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Harold und Maude“

Wikipedia über „Harold und Maude“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hal Ashbys Lawrence-Block-Verfilmung „8 Millionen Wege zu sterben“ (8 Million Ways to die, USA 1986)

Meine Besprechung von Colin Higgins‘ „Harold und Maude“ (Harold and Maude, 1971)

Ein gelungener Fan-Trailer


Neu im Kino/Filmkritik: „Venom“ von Marvel, außerirdisch und noch (?) kein Superheld

Oktober 3, 2018

Venom ist für eine neue Superheldenserie eine ungewöhnliche Wahl. Und das liegt nicht an Venoms Fähigkeiten, sondern an seinem Wesen. Er ist ein Außerirdischer, der wie es sich für ein Alien gehört, Menschen verspeist. Damit ist er ein Bösewicht, der nach seinem ersten Auftritt 1988 in „The Amazing Spider-Man“ als Bösewicht bei den Marvel-Comiclesern gut ankam. Seitdem erlebt er weitere Abenteuer. In den Comics benutzt Venom verschiedene Menschen als Gastkörper. Zum Beispiel Eddie Brock. Der ist auch in der Verfilmung Venoms Gastkörper.

Der Film „Venom“ gehört allerdings nicht zum Marvel Cinematic Universe (MCU) und weil er von Sony in Kooperation mit Marvel produziert wurde (liegt an den Rechten) wird es in naher Zukunft auch nicht zu einem Treffen zwischen Venom, dem MCU und den bei 20th Century Fox beheimateten X-Men kommen.

Das gibt den Machern die Freiheit, ohne den Ballast der anderen Serien einen vollkommen eigenständigen Film in, immerhin soll „Venom“ der Auftakt für eine Serie sein, einer vollkommen eigenständigen Welt zu erfinden. Regisseur Ruben Fleischer („Zombieland“, „Gangster Squad“) und seine vier Drehbuchautoren nutzen diese Freiheit für eine B-Movie-Geschichte, die sogar für ein B-Movie zu schlecht ist.

Im wesentlichen geht es um den Journalisten Eddie Brock, der nach einem illegalen Besuch des „Life Foundation“-Labors zum Wirt des Aliens Venom wird. Weil der Laborbesitzer, der stinkreiche Entrepreneur Carlton Drake, weitere Aliens auf die Welt bringen will, müssen Brock und Venom, der sich in die Erde und die Menschen verliebt, das verhindern.

Aber bis Brock und Venom sich treffen, vergeht ungefähr eine halbe Stunde in einem für einen Blockbuster erstaunlich kurz geratenen Film. Wenn man den sehr langen Abspann (inclusive zweier Abspannszenen, zu denen ich später noch etwas sagen werde) herausrechnet, dürfte der Film gerade so auf knapp hundert Minuten, eher so fünfundneunzig Minuten, kommen. In dieser ersten halben Stunde passiert fast nichts. Außer dass in Malaysia ein „Life Foundation“-Forschungsraumschiff bruchlandet. Die Life Foundation, die Eigentümerin des Schiffs, kann die im Weltraum gefundenen Wesen unbeschadet in die Firmenzentrale in San Francisco bringen. Weil allerdings ein Behälter bei der Landung zerstört wurde, macht sich dieser Alien in verschiedenen menschlichen Körpern langsam auf den Weg nach San Francisco. Währenddessen versaut Brock sein Leben durch einen Fehler, der noch nicht einmal als Anfängerfehler entschuldigt werden kann. Denn Brock ist ein Top-TV-Enthüllungsjournalist, der von allen Brennpunkten berichtet. Er lebt in einer glücklichen Beziehung mit Anne Weying, einer Anwältin. Als er auf ihrem Computer eine Datei über eine Klage gegen die Life Foundation entdeckt, benutzt er diese Informationen um Drake bei einem Interview darauf anzusprechen. Das Interview wird abgebrochen. Brock verliert seinen Job. Seine Freundin ihren Job. Sie verlässt ihn. Und der nun arbeitslose Brock zieht in eine billigere Wohnung. Dort trinkt er vor sich hin, bis die“Life Foundation“-Angestellte Dr. Dora Skirth ihn anspricht. Im „Life Foundation“-Labor würden ethisch fragwürdige Experimente mit Menschen und der Substanz aus dem Weltraum gemacht, bei denen die Menschen krank werden und sterben.

Brocks begleitet sie in das Labor. Als sie ihm sagt, er solle in dem Labor nichts anfassen, wissen wir, was er tun wird. Und – wir reden von einem Profi-Journalisten! – er tut es auf die dümmste Weise, die einem einfallen kann.

Solche idiotischen Entscheidungen gibt es immer wieder während des gesamten Films.

Das ist eines seiner Probleme.

Ein anderes ist, dass Ruben Fleischer nie den richtigen Rhythmus findet. „Venom“ ist das ruckelige filmische Äquivalent zu einem missglückten Versuch, Heavy Metal mit Hip Hop zu verbinden. Mal wird zu viel, mal zu wenig, mal an den falschen Stellen geschnitten. Und immer ist es zu laut.

Lautstärke ist bei den Actionszenen kein Problem. Und die sind, auch wenn sie fast alle nachts spielen, gelungen. Es gibt, zwischen Faustkämpfen und Schießereien, eine ausführliche „Bullitt“-Reminiszenz. Diese Szenen zeigen auch, wie Brock und Venom zunehmend eine Einheit werden.

In diesem Zusammenhang sind die Momente, in denen Brock sich an Venom anpasst, gelungen. Denn diese Symbiose wird in Brocks Apartment und einem Nobelrestaurant von einem irrem Verhalten begleitet.

Die Gespräche zwischen Brocks und Venom bringen etwas Deadpool-Humor in den Film.

Aber für einen Film, vor allem für einen Film, der ein Auftakt zu weiteren Filmen sein soll, ist das zu wenig. Während die anderen Superhelden alle eine Mission haben, die über viele Geschichten trägt, fehlt Venom genau diese Mission. Er will eigentlich nur Menschen essen.

Venom“ bewegt sich damit im erzählerisch im Fahrwasser von älteren Comicverfilmungen, wie „Catwoman“, und „Die Mumie“, dem missglückten Auftakt des „Dark Universe“. Nur ohne all den erzählerischen Ballast von Ideen und Figuren, die vielleicht in einem der späteren Filme wichtig werden. 

Kommen wir zum Abschluss zu den beiden Abspannszenen, die zu einem Marvel-Film dazugehören, die teilweise schon in diversen Vorberichten angedeutet wurden und die in diesem Fall eine besondere Stellung haben. In der ersten Post-Credit-Szene trifft Tom Hardy bei einem Besuch in einem Hochsicherheitsgefängnis auf den in einer Hannibal-Lecter-Zelle sitzenden von Woody Harrelson gespielten Cletus Kasady. Das erwähne ich, weil es Gerüchte um seine Rolle gab und er selbst schon darüber sprach. In „Venom“ hat er nur ein Cameo. Im nächsten „Venom“-Film soll die Rolle größer sein. Die zweite Szene ist ein Animationsfilm, der für „Spider-Man: A new Universe“ wirbt. Der ebenfalls von Sony produzierte Trickfilm startet in Deutschland am 13. Dezember 2018 und er hat, was im Film auch explizit gesagt wird, nichts mit „Venom“ zu tun.

Venom (Venom, USA 2018)

Regie: Ruben Fleischer

Drehbuch: Scott Rosenberg, Jeff Pinkner, Kelly Marcel, Will Beall (nach einer Geschichte von Jeff Pinkner und Scott Rosenberg, basierend auf dem von Todd McFarlane und David Michelinie erfundenem Marvel-Charakter)

mit Tom Hardy, Michelle Williams, Riz Ahmed, Scott Haze, Reid Scott, Jenny Slate, Woody Harrelson, Stan Lee (sein übliches Cameo)

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Venom“

Metacritic über „Venom“

Rotten Tomatoes über „Venom“

Wikipedia über „Venom“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Oktober: Phoenix

Oktober 2, 2018

Arte, 20.15

Phoenix (Deutschland 2014)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki (Mitarbeit)

LV (nach Motiven): Hubert Monteilhet: Le retour des cendres, 1961 (Der Asche entstiegen)

Deutschland, nach dem 2. Weltkrieg: die Auschwitz-Überlebende Nelly will wieder zurück zu ihrem Mann Johnny, der sie verraten haben soll. Johnny erkennt sie nicht, aber ihm fällt Nellys Ähnlichkeit zu seiner Frau auf und das will er ausnutzen, um an Nellys Vermögen zu kommen. Nelly macht, nicht ohne Hintergedanken, das Spiel mit.

Ein gewohnt sehenswerter Petzold-Film.

Mehr in meiner Besprechung.

mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf, Michael Maertens, Imogen Kogge, Kirsten Block

Wiederholung: Freitag, 12. Oktober, 13.50 Uhr

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Phoenix“
Moviepilot über „Phoenix“
Rotten Tomatoes über „Phoenix“

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Phoenix“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Christian Petzold in der Kriminalakte