Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters (GB 2007, R.: David Mackenzie)
Drehbuch: David Mackenzie, Ed Whitmore
LV: Peter Jinks: Hallam Foe, 2001 (Über roten Dächern)
Der 17-jährige Außenseiter Hallam Foe glaubt, dass seine Stiefmutter seine Mutter ermordet hat. Da trifft er die Hotelpersonalchefin Kate. Sie ist das Ebenbild seiner Mutter.
„Einfach mitreisend ist dieser Abenteuertrip eines jungen Ausreißers, faszinierend mühelos changiert das freche Szenario zwischen Murder Mystery mit Gothic Touch und moderner Lovestory. Ein Film, der ganz tief im Zuschauer seinen Widerhall findet.“ (Programm Fantasy Filmfest 2007)
„A viewing delight.“ (Variety)
Mit Jamie Bell, Sophia Myles, Ciarán Hinds, Claire Forlani
Der eiskalte Engel (F/I 1967, R.: Jean-Pierre Melville)
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
LV: Joan McLoad: The Ronin
Die letzten Tage des Profikillers Jeff Costello. Er wird von der Polizei und seinen Auftraggebern gejagt.
Kühles Meisterwerk über Einsamkeit und Rituale. Und selbstverständlich: Kino in Reinkultur mit einem grandiosen Alain Delon.
„Melvilles Requiem für einen Killer ist die ästhetisch vollendetste Realisierung seines Schaffens, ein Film dessen rigorose Stilisierung fast etwas Abstraktes hat, der von Bildern und Tönen lebt, in denen das Dargestellte auch immer zugleich das Gemeinte ist, der Bedeutungsträger die Bedeutung, das Signifikat der Signifikant, ein Kino in Reinkultur, das seine Vorbilder überwunden hat und in der Perfektion seiner Inszenierung nur noch auf sich selbst verweist.“ (Hans Gerhold in Melville, Hanser Film 27)
Mit Alain Delon, Nathalie Delon, Francois Périer, Cathy Rosier
James Bond: Im Geheimdienst ihrer Majestät (GB 1969, R.: Peter Hunt)
Drehbuch: Richard Maibaum
LV: Ian Fleming: On her Majesty´s Secret Service, 1963 (007 James Bond im Dienst Ihrer Majestät; 007 James Bond im Geheimdienst Ihrer Majestät; 007 James Bond und sein gefährlichster Auftrag)
James Bond trifft in den Alpen auf seinen Erzfeind Blofeld.
Der Daily Herald meinte, „On her Majesty´s Secret Service“ sei das bis dahin beste Bond-Buch. Und der Film, der sich an die Buchvorlage hält, wäre auch der beste Bond-Film, wenn nicht George Lazenby, sondern Sean Connery die Hauptrolle gespielt hätte.
Mit George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas
Hinweise
Wikipedia über “James Bond: Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (deutsch, englisch)
Als sich Bobby Trench (Denzel Washington) und Michael ‚Stig‘ Stigman (Mark Wahlberg) kennen lernen, halten sie sich für Gangster. Aber sie sind beide Undercover-Agenten. Trench für die DEA (Drug Enforcement Agency), Stigman für das Office of Naval Intelligence, also den Marinenachrichtendienst – und als sie das erfahren, sitzen sie bereits gewaltig in der Scheiße. Denn ihre Vorgesetzten, die CIA und ein mexikanisches Drogensyndikat wollen die 43 Millionen US-Dollar, die sie aus einer kleinen Provinzbank klauten. Gerechnet hatten sie mit drei Millionen, die dem Drogenbaron gehören, den sie überführen sollen. Notgedrungen arbeiten die beiden gegensätzlichen Männer zusammen.
Viel mehr muss man über die Geschichte von „2 Guns“, dem neuen Action-Vehikel von Denzel Washington und Mark Wahlberg nicht wissen. Denn die beiden stürzen sich lustvoll in die leicht chaotische Story von Verrat, Gegenverrat und Gegengegenverrat, die sie nie so richtig überblicken. Aber alle wollen die Millionen haben. Mit allen Mitteln.
Baltasar Kormákur, der mit Mark Wahlberg bereits den gelungenen Gangsterkrimi „Contraband“ inszenierte, erzählt diese Geschichte mit reichlich Action und Humor. „2 Guns“ ist halt ein kurzweiliges Action-Buddymovie irgendwo zwischen Western und „Lethal Weapon“, das an viele andere Filme erinnert. John Flynns düsterer „Der Mann mit der Stahlkralle“ (Rolling Thunder) und Christopher McQuarries „The Way of the Gun“, die ebenfalls mit einer blutigen Schießerei in Mexiko enden, oder John Herzfelds unterschätzte Don-Winslow-Verfilmung „Kill Bobby Z“, in dem Polizisten und Drogenschmuggler sich gegenseitig aufs Kreuz legen, fallen einem spontan ein. Der wichtigste Einfluss sind unübersehbar die Filme von Sam Peckinpah und Walter Hill, vor allem „The Wild Bunch“ und „Ausgelöscht“ (Extreme Prejudice), dessen Shoutout am Ende eine Hommage an das Ende von „The Wild Bunch“ ist.
„2 Guns“ könnte fast, auch wegen der vielen Ähnlichkeiten in der Geschichte, eine Hommage an „Ausgelöscht“, gekreuzt mit „Der große Coup“ (Charley Varrick), sein. Aber dafür ist das bleihaltige und explosive Ende in Mexiko dann doch zu hastig zusammengeschnitten und Kormákur verzichtet auf den bitter-melancholischen Subtext und auf die ruhigen Momente, die die Filme von Sam Peckinpah und Walter Hill zu etwas Besonderem machen. So ging Peckinpahs „The Wild Bunch“ zwar wegen seiner Gewalttätigkeit in die Filmgeschichte ein, aber zum Kultfilm wurde er wegen seiner ruhigen Momente, in denen wir die Charaktere kennen lernen, die wissen, dass ihr Ethos aus dem vorherigen Jahrhundert ist. Deshalb fühlen wir mit ihnen, wenn diese Dinosaurier am Ende in ihr letzte Gefecht ziehen.
„2 Guns“ hat, im Gegensatz zu „Contraband“, genau diese ruhigen Momente nicht. Es ist nur noch actionhaltige Große-Jungs-Unterhaltung mit einer ordentlichen Portion One-Liner. Das macht Spaß, ist auch kurzweilig, aber letztendlich auch langweilig. Denn Trench und Stig vermitteln nie den Eindruck, dass für sie wirklich etwas auf dem Spiel steht und dass sie Angst haben, etwas zu verlieren.
Außerdem erzählt Kormákur die gesamte Geschichte in dem immergleichen lauten Ton, der seinen Charakteren und der Geschichte nie die Luft zum Atmen lässt. Denn anstatt die vielen Fragen und Themen, wie Loyalität, Freundschaft, Verrat, Korruption und Regierungskriminalität, die in „2 Guns“ angesprochen werden, auch nur halbwegs zu vertiefen, gibt es einfach den nächsten dummen Spruch von Plappermaul Stig und den nächsten Schusswechsel. Wie in „Lethal Weapon“. Allerdings dieses Mal im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet.
Aber während die „Lethal Weapon“-Filme niemals mehr als laute Actionkomödien sein wollten, hätte „2 Guns“ mehr als ein vergnüglicher Mix aus den Actionfilmen der letzten Jahrzehnte sein können.
2 Guns (2 Guns, USA 2013)
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Blake Masters
LV: Steven Grant/Mateus Santolouco: 2 Guns, 2008 (Comic)
mit Denzel Washington, Mark Wahlberg, Paula Patton, Bill Paxton, James Marsden, Fred Ward, Edward James Olmos, Robert John Burke, Patrick Fischler
LV: Thomas Harris: Red Dragon, 1981 (Roter Drache)
Duell zwischen einem psychologisch geschulten Polizisten und einem Serienmörder.
Hannibal Lector hat im Buch und im Film nur eine Nebenrolle.
Erste, damals erfolglose Verfilmung von „Red Dragon“. Inzwischen werden die Qualitäten des Achtziger-Jahre-Thrillers, wie die kühle Farbgebung, erkannt. „Blutmond“ ist ein spannender Thriller, der allerdings nicht die Qualität von Michael Manns späteren Filmen wie „Heat“ und „Collateral“ erreicht, aber viel besser als das lahme Remake ist. „Die überaus intelligente Konstruktion der Romane und ihre Glaubwürdigkeit in der Handlungsführung und Personenzeichnung kommt in ‚Blutmond‘ nur unzureichend zur Geltung. Michael Mann vertraute zu sehr auf visuelle Effekte und vernachlässigte in der gleichwohl bemerkenswerten Stilisierung seiner Schauplätze die dramaturgische Gestaltung.“ (Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
Mit William L. Petersen, Kim Greist, Joan Allen, Brian Cox, Dennis Farina, Tom Noonan
Auf den ersten Blick ist „Prakti.com“, der neue Film von „Real Steel“-Regisseur Shawn Levy eine nette Buddy-Komödie und ein lässiges Coming-of-Age-Drama mit humanistischer Botschaft. Und dass Owen Wilson und Vince Vaughn, der auch das Drehbuch schrieb, die Hauptrollen übernahmen, spricht ebenfalls für den Film. Immerhin sind das zwei sympathische Jungs, mit denen man gerne ein Bier trinkt. Sie spielen Billy (Vince Vaughn) und Nick (Owen Wilson), zwei richtig altmodische Vertreter, deren Firma dummerweise geschlossen wird, weil auch die Geschäfte mit wertvollen Uhren jetzt im Internet erledigt werden. Im Internet sind aber ihre Talente nicht gefragt und nach desaströsen Erfahrungen mit wirklichen Arschloch-Chefs entschließen die beiden Computer-Analphabeten sich, einen Neustart in einem aufstrebendem Unternehmen zu wagen: Google. Denn das Internet ist die Zukunft und Billy und Nick wollen ihre Chance ergreifen. Wider Erwarten erhalten die Mittvierziger die begehrten Praktikumsplätze und befinden sich plötzlich unter einer Horde Jugendlicher, die ihre Kinder sein könnten, die hochintelligent sind, aber über keine Emotionale Intelligenz verfügen, keine Lebenserfahrung haben (Erster Sex? Erstes Besäufnis? Nada.) und sich nur mit Nullen und Einsen auskennen. Damit können unsere beiden Jungs nichts anfangen – und über gut zwei Stunden amüsieren sie sich bei Google, bringen den Kindern etwas bei und formen aus den lebensuntüchtigen Nerds ein lebensfähiges Team.
Das verläuft alles in den bekannten Bahnen, garniert mit einigen netten Witzen und einem Blick in die Welt von Google. Das Unternehmen gewährte den Filmemachern einen Einblick in ihre Arbeit und beriet auch auf fachlicher Ebene. Auf das Drehbuch, so die Filmemacher im Presseheft, nahm der Internetgigant keinen Einfluss. Das war auch nicht nötig. Denn in dem Werbefilm für Google – und mehr ist „Prakti.com“ letztendlich nicht – wird die Google-Ideologie so nett verpackt, dass man kaum bemerkt, wie einem hier eine erzkapitalistische Ideologie verkauft wird, in dem alles zu Geld gemacht wird und nur das Prinzip des Überlebens des Stärkeren propagiert wird.
In „Prakti.com“ muss allerdings niemand mehr vom Manchester-Kapitalismus überzeugt werden. Die Firma mit dem unmenschlichsten Ausleseprinzip (immerhin wird nur ein Praktikantenteam die begehrten Jobs bekommen) soll die menschlichste Firma im ganzen Land sein und alle Menschen wollen verzweifelt die Vorgaben der Gesellschaft erfüllen. Sie stellen sie nicht mehr in Frage, zweifeln nicht an den Werten, sondern arbeiten härter als die Max Weberschen Calvinisten, weil sie nur so dazugehören können. Und der amerikanische Traum verkommt, vollkommen ironiefrei, zum Kampf um einen Arbeitsplatz.
Selten wurde Ideologie so wattig nett verpackt, dass sie auch in einem Werbefilm, der wie eine Gehirnwäsche funktioniert, kaum noch auffällt. Denn am Ende will man gar nicht mehr glauben, dass diese beste aller Firmen auch irgendetwas schlechtes machen kann. Levys Film ist keine Satire, keine Demaskierung von Google, sondern, in den Worten der Macher, eine Sommerkomödie, in der genuine Altruismus von Google und deren ständiges Bemühen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, gezeigt werde.
Und dieses Bemühen kennt nun mal keinen Feierabend und keine Grenze.
Allerdings hat „Prakti.com“, wahrscheinlich unwissentlich, eine sehr subversive Komponente: denn während bei Google der Geist der Effizienz herrscht, wirkt der gesamte Film lässig bis nachlässig vor sich hin improvisiert. Ganz das Gegenteil der Google-Philosophie.
Prakti.com – Die klicken nicht richtig (The Internship, USA 2013)
Regie: Shawn Levy
Drehbuch: Vince Vaughn, Jared Stern (nach einer Geschichte von Vince Vaughn)
mit Vince Vaughn, Owen Wilson, Rose Byrne, Aasif Mandvi, Max Minghella, Josh Brener, Dylan O’Brien, Tiya Sircar, Tobit Raphael, Josh Gad, John Goodman
Terminator 2 – Tag der Abrechnung (Director’s Cut) (USA 1991, R.: James Cameron)
Drehbuch: James Cameron, William Wisher Jr.
Genialer Plan: um John Connor, den zukünftigen Anführer der Widerstandsbewegung gegen die Roboter, zu beseitigen, schicken sie einen T-1000-Roboter in die Vergangenheit (also die Gegenwart) zurück. Er soll Connor töten. Und Connor schickt einen T-800 zurück. Den kennen wir noch aus dem ersten „Terminator“-Film, als er Connors Mutter töten sollte, aber jetzt kämpft er im Team der Guten.
Eine der wenigen gelungenen Fortsetzungen und ein Kassenknüller.
„Actionkino auf der Höhe des im Kino derzeit Möglichen, rasant, packend und innovativ.“ (Fischer Film Almanach 1992)
Debüt von Edward Furlong.
mit Arnold Schwarzenegger, Robert Patrick, Edward Furlong, Linda Hamilton, Earl Boen, S. Epatha Merkerson, Xander Berkeley
Tatort: Usambaraveilchen (D 1981, R.: Wilm ten Haaf)
Drehbuch: Herbert Rosendorfer
Die junge Apothekerin Ulla Brendl wird in ihrer Wohnung erschossen. Tatverdächtig ist Rechtsanwalt Berg, ihr verheirateter Liebhaber. Kommissar Veigl verfolgt aber auch eine andere Spur.
Der, wie alle alten „Tatorte“, selten gezeigte „Tatort“ „Usambaraveilchen“ war, abgesehen von einem Nachwendegastspiel in Dresden, der letzte Fall für Kommissar Veigl, der in München ermittelte und damals sehr beliebt war.
mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Stefan Orlac, Maria Körber
Die zwölf Geschworenen (USA 1957, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Reginald Rose (Story, Bühnenstück)
Hat der angeklagte Puertoricaner seinen Vater ermordet? Die Geschworenen beraten.
Lumets erster Spielfilm ist ein Klassiker des Gerichtsfilms: ein Raum, zwölf Personen, die eine Entscheidung fällen müssen: unerträgliche Spannung. Ausgangspunkt für den Spielfilm war ein einstündiges Fernsehspiel von Reginald Rose, der dafür von eigenen Erfahrungen als Geschworener inspiriert wurde. Beim Start wurde der Film von der Kritik gelobt, für zahlreiche Preise nominiert und floppte – trotz des niedrigen Budgets – an der Kasse. „Sidney Lumets Erstlingsfilm verleiht dem Geschehen durch die Begrenzung des Ortes und der Personen eine große Dichte und Spannung. Die Wahrheitsfindung entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Menschentypen, Ideologien und Interessen – ein Modellfall ´demokratischer´ Aufklärungsarbeit. Hervorragend besetzt, gespielt und fotografiert (Preis der OCIC in Berlin)“ (Lexikon des Internationalen Films)
Mit Henry Fonda, L. J. Cobb, Ed Begley, E. G. Marshall, Jack Warden, Martin Balsam, Jack Klugman, Joseph Sweeney
Nachdem ihr dementer Vater Lenny Fairburn (Brian Cox) im Pub wieder einmal von seiner glorreichen Vergangenheit erzählt und wie sie damals, in der guten alten Zeit, die Geständnisse aus den Täter herausprügelten, brennt bei seinem Sohn Joe Fairburn (Paul Bettany) die Sicherung durch. Auf dem Heimweg mit seinem Bruder Chrissie (Stephen Graham), ebenfalls Polizist, und dem schlafendem Vater auf dem Rücksitz, schnappen sie sich Jason Buleigh (Ben Crompton). Sie mussten den Pädophilen, obwohl sie überzeugt waren, dass der verurteilte Sexualstraftäter die zwölfjährige Angela ermordete, mangels Beweisen gehen lassen. Jetzt will er, wie es schon ihr Vater tat, die Wahrheit aus ihm herausprügeln. Dafür fahren sie in das Watt.
Dort, fernab der Zivilisation, gesteht Buleigh die Tat, provoziert Joe aber auch und wird von ihm erschlagen. Die beiden Polizistenbrüder vergraben die Leiche und damit könnte die Sache vergessen sein. Immerhin haben sie ja den richtigen Mann im Sinne der alttestamentarischen Gerechtigkeit erschlagen.
Aber Buleighs Mutter sucht nach ihrem spurlos verschwundenem Sohn. Die Polizei findet die wahren Täter: ein Jugendlicher und sein Freund. Joe und Chrissie werden, auf unterschiedliche Art, von Schuldgefühlen geplagt. Und ihr Kollege Robert Seymour (Mark Strong), der Fairburns Methoden immer ablehnte, ermittelt gegen die beiden Brüder.
„Blood“ ist das Spielfilmremake der sechsteiligen TV-Serie „Conviction“ (GB 2004, nie in Deutschland gezeigt), für die Bill Gallagher ebenfalls das Drehbuch schrieb. Bei seiner Neuinterpretation konzentrierte er sich auf die Schuldgefühle der beiden Fairburn-Söhne nach ihrer Tat.
Dieser Fokus bietet die Chance für ein packendes Schuld-und-Sühne-Drama, inclusive komplizierter Familienverhältnisse. Aber der von Nick Murphy bildgewaltig inszenierte Film
„Blood“ geht einfach zu sehr durch die bekannten Copfilm-Klischees, die hier in einer fast schon monotonen Düsternis und Langsamkeit, mit wenig Dialog von mächtig schweigenden Schauspielern, präsentiert werden. Das ist gut gespielt, vorzüglich gefilmt und gut geschnitten, aber letztendlich auch nicht sonderlich packend, wenn die Moritat auf ihr düsteres Ende zuschlurft.
Das Bonusmaterial besteht aus einem durchaus informativem, elfminütigem Interview mit Regisseur Nick Murphy und Hauptdarsteller Paul Bettany.
Blood (Blood, Großbritannien 2012)
Regie: Nick Murphy
Drehbuch: Bill Gallagher
mit Paul Bettany, Stephen Graham, Mark Strong, Brian Cox, Ben Crompton, Zoë Tapper, Adrian Edmondson, Natasha Little
–
DVD
Koch-Media
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DTS, Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interview mit Paul Bettany und Nick Murphy (11 Minuten), Trailer, Wendecover
Erstmals in der in Cannes gezeigten restaurierten Fassung
Arte, 20.15
Nur die Sonne war Zeuge (F/I 1960, R.: René Clément)
Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?
Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.
Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.
Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.
Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (USA 2009, R.: Werner Herzog)
Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)
Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.
Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind. Neben den vielen Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.
Doch 2009, mit dem grandiosen Remake eines Genrefilms, das sich kaum an die Vorlage hält, und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury kehrte er zurück in die deutschen Kinosäle.
Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.
Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif
Die Story von „Gone in 60 Seconds“ ist ziemlich wurscht und wurde, ausgehend von einem etwas zwölfseitigem Drehbuch, in weiten Teilen während des Drehs improvisiert. Denn dass eine Verbrecherbande innerhalb weniger Tage 48 Luxuskarossen, die alle einen Codenamen erhalten, stehlen soll, ist nur der Aufhänger für eine vierzigminütige Verfolgungsjagd, in der ein Autodieb versucht der Polizei mit „Eleanor“, einem 1973er Ford Mustang Mach I, zu entkommen.
Und diese Verfolgungsjagd ging in die Kinogeschichte als längste Autoverfolgungsjagd ein. Das dürfte heute immer noch stimmen. Damals, nach den legendären Autoverfolgungsjagden in „Bullitt“ und „French Connection“, sowieso. Denn der Film hatte seine US-Premiere am 28. Juli 1974 und spielte 40 Millionen Dollar ein (das war damals verdammt viel Geld), der Deutschlandstart war am 20. Februar 1976 als „Die Blechpiraten“. Heute ist die Verfolgungsjagd immer noch beeindruckend, weil echte Autos aufeinanderkrachen und echte Menschen in Gefahr waren.
Wenn man sich die im Bonusmaterial versammelten Geschichten von den Dreharbeiten anhört, erstaunt es, dass nichts wirklich ernsthaftes geschah. Es wurden einige Autos mehr geschrottet, als geplant. Halicki verletzte sich bei einem Unfall. Anscheinend verletzte sich sonst niemand. Und dabei drehte H. B. Halicki, ein Autonarr, der den Film im Geist der No-Budget-Roger-Corman-Filmschule produzierte, schrieb, inszenierte, die Hauptrolle übernahm, die meisten Stunts ausführte und anschließend den Film auch noch verlieh, „Gone in 60 Seconds“ vor Ort mit echten Polizisten, Sanitätern, dem Bürgermeister und zufällig Anwesenden, meistens an Wochenenden, weil dann – wie er wusste – die Polizei dienstfrei hatte. Großräumige Absperrungen oder spezielle Straßen, auf denen die Stunts ungestört gedreht werden konnten, gab es nicht. Auf Drehgenehmigungen wurde meistens verzichtet, oft bat er Bekannte und Freunde um Gefälligkeiten und, ohne es zu beabsichtigen ist der Film inzwischen auch ein historisches Porträt von Long Beach, Kalifornien, und einiger umliegender Orte in den frühen Siebzigern.
Die vierzigminütige Verfolgungsjagd – es gibt davor noch zwei weitere Verfolgungsjagden, von denen eine nachts spielt und man fast nichts erkennt – beeindruckt heute immer noch aufgrund ihrer Länge und der angerichteten Zerstörung, teilweise von Luxuskarossen. Insgesamt waren nach dem Dreh 93 Autos reif für den Schrottplatz.
Auf der jetzt erschienenen DVD (und Blu-ray und einer „Eleanor“-Fan-Edition) ist der Kultfilm endlich umfassend gewürdigt. Es gibt die restaurierte Fassung des Films (die bei den Fans wegen des überarbeiteten Tons und der neuen Musik von Bill Maxwell und Lou Pardini umstritten ist), die eine ordentlichen Bildqualität hat (wahrscheinlich gab das Ausgangsmaterial gerade bei den Nachtaufnahmen nicht mehr her), die 81-minütige deutsche Kinoversion (Vollbild, nur deutscher Ton, aber mit dem Originalsoundtrack), die 45-minütige Doku „The High Life and High Times of H.B. „Toby“ Halicki“, die, trotz ihres werblichen Charakters einige interessante Einblicke in die Dreharbeiten und das Leben von H. B. Halicki liefert, einige Interviews (insgesamt vierzig Minuten), von denen eigentlich nur das Interview mit J.C. Agajanian Jr.,, der bei den Dreharbeiten dabei war, interessant ist. Es gibt auch eine gut dreiminütige Einleitung zum Film von Denice Halicki, der Ehefrau des 1989 bei einem Unfall gestorbenem Regisseurs, und ein Interview mit ihr, das sich hauptsächlich darauf beschränkt, das Remake von „Gone in 60 Seconds“ (2000), das damals von Dominic Sena mit Nicolas Cage gedreht wurde, zu loben. Sowieso scheint das gesamte Bonusmaterial ungefähr aus dieser Zeit zu stammen. Aber bislang wurde es noch nicht in Deutschland veröffentlicht.
Für Actionfans ist „Gone in 60 Seconds“, wegen der Verfolgungsjagd, ein Fest.
Gone in 60 Seconds – Nur noch 60 Sekunden (Gone in sixty Seconds, USA 1973)
Regie: H. B. Halicki
Drehbuch: H. B. Halicki
mit Eleanor (dürfte das einzige Auto mit einem Credit sein), H. B. Halicki, Marion Busia, George Cole, James McIntyre, Jerry Daugirda
auch bekannt als „Die Blechpiraten“ (deutscher Kinotitel)
Bonusmaterial: Deutsche Kinoversion, The High Life and High Times of H.B. „Toby“ Halicki, Interview mit Denice Halicki am Set von „Nur noch 60 Sekunden“ (2000), Interviews mit Parnelli Jones und John Dilmater, J.C. Agajanian Jr., Bobby Ore und Lee Iacoca, High Speed Featurettes, Wendecover (bis auf die „Deutsche Kinoversion“ auf einer Extra-DVD)
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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In der limitierten „Eleanor Fan-Edition“ (Blu-ray) gibt es außerdem ein Modellauto (Mustang; Maßstab 1:43 aus der Signature Collection) und einen Heckscheibenaufkleber „Nur noch 60 Sekunden“.
LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990
FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.
Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.
Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche
Nachdem Vin Diesel als Domenic Toretto wieder zur „Fast & Furious“-Reihe zurückkehrte und sie seitdem zu den großen Kinohits gehört, eine Rückkehr als Xander Cage in einem dritten „xXx“-Film schon seit längerem angekündigt ist (in der gefloppten Fortsetzung spielte er nicht mit), er auch als Produzent erfolgreich ist, kehrte er jetzt zu einem weiteren Charakter zurück, der ihn weltweit bekannt machte: Richard B. Riddick, ein in der ganzen Galaxis gesuchter Schwerverbrecher mit einem Augendefekt, der als klassischer Antiheld nur an sein eigenes Überleben denkt und sich nicht für die Gesellschaft engagieren will. Er tut es dann natürlich doch und rettet in „Pitch Black – Planet der Finsternis“ (USA 2000) einige mit ihm auf einem verlassenem Planeten gestrandete Menschen vor tödlichen Urviechern, die im Dunkeln zuschlagen. Der billig gedrehte, sehr effektive B-Science-Fiction-Horrorfilm war ein Überraschungserfolg. 2004 folgte „Riddick: Chroniken eines Kriegers“. Die Fortsetzung war erheblich teurer, kein Horrorfilm, sondern ein buntes, episches Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition von „Dune – Der Wüstenplanet“, entsprechend ungenießbar und ein Kassenflop. Die Videospiele waren erfolgreicher und etliche Fans wünschten sich eine Fortsetzung, die von Regisseur David Twohy und Vin Diesel, der den schweigsamen Überlebenskünstler Riddick kongenial verkörpert, in den vergangenen Jahren immer wieder angekündigt wurde. Trotzdem hat so richtig hat wohl niemand mehr daran geglaubt.
Aber Vin Diesel Starstatus ermöglichte sie dann doch und der dritte Riddick-Film, der einfach „Riddick“ heißt, knüpft sehr locker an die vorherigen beiden Filme, vor allem die „Chroniken eines Kriegers“ an. Die Bezüge sind so locker, dass man sie getrost vernachlässigen kann. Man muss die vorherigen beiden Riddick-Filme wirklich nicht sehen, um „Riddick“ zu verstehen.
Riddick wird auf einem, abgesehen von einigen Urviechern, die Riddick als Mahlzeit ansehen, unbewohntem Planeten tot zurückgelassen. Jedenfalls glauben das seine Mörder. Aber Riddick überlebte. Von einer verlassenen Station sendet er ein Notsignal und lockt so zwei Raumschiffe heran. In dem einen ist eine von Santana angeführte Truppe Kopfgeldjäger. In dem anderen eine von Boss Johns angeführte Gruppe Söldner. Santana will das auf Riddick ausgesetzte Kopfgeld. Boss Johns will von Riddick einige für ihn wichtige Informationen. Das Kopfgeld würde er auch nehmen.
Riddick spielt die beiden Gruppen gegeneinander aus. Denn er will nur ein Raumschiff haben, um den Planeten zu verlassen.
Das ist nach dem pompösen „Riddick: Chroniken eines Kriegers“ wieder eine Rückkehr zu dem schlanken „Pitch Black“-Stil. Die Story scheint dann eher aus einem Italo-Western oder einem in einer der gerne benutzten sandigen Baugruben gedrehtem Post-“Mad Max“-80er-Jahre-Endzeitfilm entliehen zu sein. Wobei Riddick in „Riddick“ nach der Ankunft der beiden Raumschiffe weitgehend als passiver Beobachter aus der Geschichte verschwindet. Er wartet ab, bis die Bösewichter sich so weit dezimiert haben, dass er ein Raumschiff bekommt.
Gedreht wurde, wie in einem alten Hollywood-Western, dann auch nicht vor Ort, sondern im Studio und dank des exzessiven Gebrauchs von Farbfiltern kann man die Qualität der Tricks nicht beurteilen. Sie sehen aber, vor allem die Tieranimationen, eher bescheiden aus.
„Riddick“ ist ein angenehm altmodischer Science-Fiction-Western, ein B-Film mit wenig Dialog und etwas Action, der früher in 90 Minuten, höchstens 105 Minuten, erzählt worden wäre. Jetzt dauert es zwei Stunden, ist damit zu lang geraten und die meisten Bösewichter bleiben für diese Filmlänge viel zu eindimensional. Auch wenn sie nur Kanonenfutter für den unbesiegbaren Riddick sein sollen.
Riddick (Riddick. USA 2013)
Regie: David Twohy
Drehbuch: David Twohy (basierend auf von Jim Wheat und Ken Wheat)
mit Vin Diesel, Jordi Mollà, Matt Nable, Katee Sackhoff, Dave Bautista, Raul Trujillo, Bokeem Woodbine, Nolan Gerard Funk, Conrad Pla, Noah Danby, Neil Napier, Danny Blanco Hall, Keri Lynn Hilson, Karl Urban
Ein Horrorfilm aus Deutschland? Warum eigentlich nicht? Auch wenn die Story von „Lost Place“ keinen Innovationspreis gewinnt und die Macher ihr Werk lieber Mystery-Thriller nennen: Vier Jugendliche – Intelligenzbestie Daniel, sein rappender Kumpel Thomas, Daniels Internetbekanntschaft Elli und ihre Freundin Jessi – wollen bei einer Geocache-Schatzsuche mitmachen. Der Schatz ist in einem See in einem im Pfälzer Wald gelegenem militärischen Sperrgebiet versteckt. Sie betreten das Sperrgebiet, entdecken einen verlassenen Campingplatz, fühlen sich seltsam, Jessi hat nach dem Genuss von Keksen einen epileptischen Anfall und ein Mann in einem Schutzanzug taucht auf. Er sagt, er müsse sie vor den Strahlen retten. Deshalb bringt er sie in einen der Wohnwagen, der als Faradayscher Käfig die elektromagnetischen Strahlungen ablenkt und erzählt ihnen etwas von geheimen US-Militärexperimenten. Trotz der unsichtbaren Gefahr verlassen sie immer wieder den sicheren Wohnwagen. Dabei sterben ihr Retter und Thomas, weil in dem Auto, mit dem er flüchten wollte, die Bremsen versagen. Elektronikfehler. Dass das verbliebene Pärchen jetzt nicht, wie jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, schneller als ein 100-Meter-Sprinter in Richtung rettende Stadt läuft, sondern ohne irgendeine Schutzmaßnahme (Merke: Alufolie auf dem Kopf hilft gegen gehirnzersetzende Strahlen!) zur geheimen, die tödlichen Signale aussendenden Militärstation geht, ist nur auf den Willen der Drehbuchautoren zurückzuführen und kann auch nicht mit Genrekonventionen entschuldigt werden.
Die Story folgt nämlich, auf den ersten Blick, dem üblichen Zehn-kleine-Negerlein-Spiel, das wir aus zahlreichen Horrorfilmen, in denen eine Gruppe Jugendlicher der Reihe nach ermordet wird, kennen. „Texas Chainsaw Massacre“ oder „Freitag, der 13.“ für die älteren, „Hostel“ für die jüngeren Semester. Die „Scream“-Filme oder eine x-beliebige Variante oder Parodie für alle weiteren Fragen; – wobei in diesen Filmen die Teenager immer einen klar erkennbaren Gegner haben, der sie schlachten will und am Ende höchstens eine überlebt.
In „Lost Place“ wird diese Geschichte mit dem Ost-West-Konflikt verbunden. Denn während des Kalten Krieges gab und gibt es in mehr oder weniger abgelegenen Gebieten zahlreiche militärische Sperrgebiete und Anlagen, die auf keiner Karte verzeichnet waren (wegen des Angriffes aus dem Osten) und bei denen auch die Anwohner nicht wussten, was sich in ihnen abspielte. Es gab auch – in der Prä-Handy-Zeit – die Angst vor Funkstrahlen, die auch für das Sterben von Pflanzen und Bäumen verantwortlich waren und unsere Psyche beeinflussen sollten. Depression und so. In dem Film wird jetzt behauptet, dass die Amerikaner während des Kalten Krieges in dem Sperrgebiet, das von unseren jugendlichen Helden betreten wird, ein geheimes Forschungsprojekt zur Wetter- und Gedankenbeeinflussung betrieben wurde, um so den Feind unblutig zu besiegen – und irgendetwas davon scheint in der Gegenwart sein Unwesen zu treiben.
Das ist, wie gesagt, nicht neu, aber gut erprobt und funktioniert auch immer wieder. Zuletzt beispielsweise in Brad Parkers „Chernobyl Diaries“ (USA 2012).
Aber schon während des Ansehens von „Lost Place“, dem ersten deutschen Film in 3D (muss nicht sein, vor allem weil große Teile des Films in geschlossenen Räumen spielen, viel geredet und der 3D-Effekt meistens nervig eingesetzt wird) und Dolby Atmos TM (halt noch mehr Lautsprecher als in einem normalen Kino), werden dann wieder alle Vorurteile, die man über deutsche Genrefilme hat, bestätigt. Die Geschichte ist unlogisch und schlecht konstruiert, die Dialoge sind gruselig, der Spannungsaufbau misslungen, die Schockeffekte vorhersehbar und die Charaktere verhalten sich idiotisch.
Dabei waren die diversen Vorbilder oft auch nicht besonders logisch, die Schauspieler nicht besonders gut und die Dialoge bestenfalls storydienlich. Aber der Spannungsaufbau, jedenfalls bei den Filmen, die wir heute noch kennen, stimmt und die Macher verwendeten viel Mühe in das Schaffen einer unheimlichen und furchteinflößenden Atmosphäre.
In „Lost Place“ stimmt nichts davon: viel zu spät erfahren wir die Hintergrundgeschichte (sie wäre besser gleich am Anfang erzählt worden), es gibt riesige Logiklöcher, wie einen Campingplatz in einem militärischem Sperrgebiet oder dass wir einerseits glauben sollen, dass in den vergangenen Jahren viele Menschen in dem Sperrgebiet verschwanden, aber niemand nach ihnen suchte und wenn die Charaktere, anstatt von der Gefahrenquelle wegzulaufen, auf sie zugehen, dann verhalten sie sich idiotisch in einem Maß, das jegliche Sympathie mit ihnen beendet. Dass die vier Jugendlichen auch keinen Gegner, sondern nur elektromagnetische Wellen haben, macht den Weg zum Finale zur zunehmend zähen Geduldprobe und das große Finale zur Lachnummer, die in einem Fünfziger-Jahre-Science-Fiction-Horrorfilm eleganter gelöst wurde. Auch die rudimentäre Erklärung, wer warum mit den Strahlen experimentiert, ist idiotisch.
Das Scheitern der Macher wird beim Lesen des Presseheftes überdeutlich. Denn sie wollen „Lost Place“ nicht an dem üblichen Slasher-Filmen messen.
Regisseur und Drehbuchautor Thorsten Klein nennt Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ als Inspiration für den Film. Seine Co-Autorin Lena Vurma sagt: „Für mich war auch die Fernsehserie ‚Lost‘ eine Inspiration, diese fremdartige Welt, in der irgendetwas vor sich geht, das Spannung erzeugt, aber nie ganz aufgelöst wird. (…) das ist nicht einfach nur die Kopie eines amerikanischen Horrorfilms, sondern eine Geschichte, die ihre Wurzeln wirklich in Deutschland hat, dabei aber eher in Richtung Mystery und Suspense geht als zum Slasher-Film wird.“
Ein Slasher-Film ist „Lost Place“ wirklich nicht. Immerhin ist er „frei ab 12 Jahre“ und hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich auf eine entsprechende Sterbensrate und Bestialität bei den Todesfällen einstellen können. „Lost“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ sind doch ganz andere Spielklassen und Genres. Und wenn man bewährte Regeln ignoriert, sollte man einen guten Grund dafür haben.
Insofern zeigt „Lost Place“ mit seinem verqueren „Ich bin kreativ. Ich mache alles anders als die Hollywood-Idioten.“-Innovationsgestus wieder einmal, warum deutsche Genrefilme meistens so schlecht sind.
Frau Merkel und Herr Steinbrück kommen zwar nicht, aber mit – voraussichtlich – Ursula von der Leyen (CDU), Sigmar Gabriel (SPD), Gerda Hasselfeldt (CSU), Rainer Brüderle (FDP), Katrin Göring-Eckhardt (Bündnis 90/Die Grünen) und Gregor Gysi (DIE LINKE) wird es sicher auch ganz witzig, wenn über gesetzgeberische Details und Zahlen gestritten wird.
Wiederholung: Freitag, 20. September, 00.20 Uhr (Taggenau!) und hier
Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada(USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.
Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.
Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.
mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga
Find me guilty – Der Mafiaprozess (USA/Deutschland 2006, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Sidney Lumet, T.J. Mancini, Robert J. McCrea
Die Staatsanwaltschaft will den Mafiosi Jackie DiNorscio als Kronzeugen gewinnen. Der lehnt ab – und übernimmt im Gerichtssaal in einem zweijährigem Prozess seine Verteidigung. Mit seinen komödiantischen Einlagen gewinnt er die Herzen des Gerichtspublikums.
Auf Tatsachen basierendes Gerichtsdrama, das sogar witzig ist. „Find me guilty“ ist ein feines, gnadenlos unterschätztes Alterswerk von Sidney Lumet (sein vorletzter Film) und ein Film, der Vin Diesel als Charakterdarsteller hätte etablieren können, wenn er nicht gefloppt wäre. Inzwischen beschränkt er sich, kommerziell sehr erfolgreich, auf seine Rollen als Action-Star in „Fast & Furious“, „XXX“ (die Rolle will er wieder übernehmen) und „Riddick“. Der dritte, durchaus gelungene „Riddick“-Film startet am Donnerstag.
mit Vin Diesel, Ron Silver, Annabella Sciorra, Alex Rocco, Peter Dinklage, Frank Pietrangolare, Richard DeDomenico, Jerry Grayson