Neu im Kino/Filmkritik: Über den Screenlife-Science-Fiction-Thriller „Mercy“

Januar 22, 2026

Mit „Barmherzigkeit“ oder „Gnade” hat das „Mercy”-Programm nichts zu tun. Es wurde in Kalifornien installiert als Mittel gegen die überbordende Kriminalität. Das Programm simuliert ein Gerichtsverfahren mit Verteidigung, Jury und Richter mittels den in verschiedenen Datenbanken erhältlichen Informationen und Künstlicher Intelligenz. Am Ende steht das Urteil. Meistens die Todesstrafe, die sofort vollstreckt wird. Das Programm ist der feuchte Traum eines Law&Order-Fanatikers – und der Alptraum jedes Menschen, der auch nur im Ansatz an so etwas wie ein faires Gerichtsverfahren und den Rechtsstaat glaubt.

Die Regierung ist über die hundertprozentige Verurteilungsrate und die spürbar abgenommene Kriminalität hocherfreut.

Jetzt, wir schreiben den 14. August 2029, erwacht LAPD-Detective Chris Raven (Chris Pratt), einer der ersten und lautstärksten Befürworter des Programms, in einem Mercy-Gerichtssaal. Judge Maddox (Rebecca Ferguson), eine KI-Visualisierung, sagt ihm, dass er angeklagt sei, seine Frau ermordet zu haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass er die Tat begangen hat, liegt in diesem Moment bei fast 100 Prozent. Raven kann jetzt sofort die Tat gestehen, oder in den folgenden neunzig Minuten, die im Film in Echtzeit gezeigt werden, seine Unschuld beweisen. Dafür kann er alle im System gespeicherten Daten, wozu auch Bodycam-Aufnahmen, diverse Überwachungskameras, Smartphone-Aufnahmen und Chats gehören, anfordern und bestimmte Menschen anrufen.

Raven beteuert seine Unschuld. Und obwohl der Fall auf den ersten Blick wasserdicht ist, beginnt er zu kämpfen.

Timur Bekmambetow („Wanted“, „Ben Hur“) erzählt die Geschichte in Echtzeit und in einem Raum, der im Film pompös groß ist. Raven ist an einen ebenso pompösen Rollstuhl gefesselt. Er kann nur seine Finger bewegen. Mit diesen und seiner Stimme kann er Programme und Dateien aufrufen. Diese Dateien schweben dann durch den Raum. Aber all der visuelle Bohei kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Mercy” ein Desktop-Thriller ist, wie die von Bekmambetow produzierten Thriller „Searching“ (2018)

und „Missing” (2023). In diesen beiden sehenswerten Filmen, die ausschließlich vor einem Computerbildschirm spielen, beeindruckte, wie gut der Blick auf die relevanten Informationen gelenkt wurde. In „Missing“ war außerdem schockierend, auch wenn die Macher sicher etwas übertrieben, wie viele Informationen über einen Menschen in öffentlichen zugänglichen Datenbanken gefunden werden können.

In „Mercy” erledigen diese Blickführung des Zuschauers eine extrovertierte Kamera, viele Schnitte und teils die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitenden Dialoge zwischen Raven und Maddox in einem Pseudo-Gerichtsprozess. In ihm werden alle Regeln eines ordnungsgemäßen Gerichtsverfahrens ignoriert zugunsten einer schlechten TV-Show, in der der Angeklagte sich zum Schein verteidigen darf. Er hat keinen Anwalt, kennt die Beweise gegen ihn nicht, hat in den meisten Fällen keine Ahnung, wie er seine Unschuld beweisen kann, und er ist unter extremem Zeitdruck. Da würde sogar Perry Mason ins Schwitzen geraten.

Judge Maddox verhält sich öfter wie eine schlecht programmierte Software. In der einen Sekunde klingt sie wie eine unparteiische Richterin, in der nächsten wie ein schlecht programmiertes altertümliches Sprachprogramm, das, eine bestimmte Antwort erwartend, stupide die letzte Frage wiederholt, im übernächtsten pocht sie auf Regeln, die sie einige Sekunden später über den Haufen wirft und am Ende agiert sie vollkommen frei.

Der Plot ist, wenn wir das ganze technische Brimborioum weglassen, ein Standard-Noir-Plot: ein Unschuldiger muss beweisen, dass er ein Verbrechen (meistens einen Mord) nicht begangen hat. Auch wenn wir in diesem Fall nicht wissen, ob Raven unschuldig ist, ändert das nichts an dem Plotmuster.

Bekmambetow erzählt, nach einem Drehbuch von Marco van Belle, diese Geschichte mit vielen technischen Spielereien in Echtzeit. Und damit ungeduldige Zuschauer immer darüber informiert sind, wann der Film endet, blinkt eine rückwärts ablaufende Uhr in Richtung spätestem Prozessende. Denn selbstverständlich kann der Angeklagte mit einem Geständnis den Prozess jederzeit verkürzen. (Mich lenkte diese Uhr immer wieder ab, weil sie mir zuverlässig verriet, an welchem Punkt in der Geschichte wir sind und wann das Drama endet.)

Über die Story selbst sollte nicht weiter nachgedacht werden. Zu vieles ist dann unlogisch oder nicht konsequent durchdacht. Das gilt für den Kriminalfall und die Welt, in der der Thriller spielt.

Am Ende ist „Mercy“, auch wegen der Optik, nur ein vernachlässigbarer Streamingfilm, der sich ins Kino verirrt hat.

Mercy (Mercy, USA 2026)

Regie: Timur Bekmambetow

Drehbuch: Marco van Belle

mit Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Kali Reis, Annabelle Wallis, Chris Sullivan, Kylie Rogers

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mercy“

Metacritic über „Mercy“

Rotten Tomatoes über „Mercy“

Wikipedia über „Mercy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Timur Bekmambetows „Abraham Lincoln, Vampirjäger (Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012)

Meine Besprechung von Timur Bekmambetows „Ben Hur“ (Ben-Hur, USA 2016)


TV-Tipp für den 22. Januar: In den besten Händen

Januar 21, 2026

One, 23.20

In den besten Händen (La Fracture, Frankreich 2021)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini

Paris, Dezember 2018: Draußen protestieren die Gelbwesten. Drinnen herrscht in der Notaufnahme eines Krankenhaues das (künstlerisch enorm verdichtete) normale Chaos mit überfordertem Personal und hysterischen Patienten, die wir im Lauf der Nacht besser kennen lernen.

Hochenergetisch, mit viel Schwarzem Humor, durchaus plakativ und mit pseudokumentarischer Handkamera erzählter Einblick in das französische Gesundheitswesen. Dabei wird die Notaufnahme zu einem Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ihrer Probleme und Verwerfungen. Sehenswert!

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marina Foïs, Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Aissatou Diallo Sagna, Caroline Estremo, Jean-Louis Coulloc’h, Camille Sansterre, Marin Laurens, Ferdinand Perez

Hinweise

AlloCiné über „In den besten Händen“

Moviepilot über „In den besten Händen“

Metacritic über „In den besten Händen“

Rotten Tomatoes über „In den besten Händen“

Wikipedia über „In den besten Händen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „In den besten Händen“ (La Fracture, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „Rückkehr nach Korsika“ (Le retour, Frankreich 2023)


TV-Tipp für den 21. Januar: Bad Director

Januar 20, 2026

Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Geburtstag, Oskar Roehler!

Arte, 22.55

Bad Director (Deuschland 2023)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

LV: Oskar Roehler: Selbstverfickung, 2017

Regisseur Gregor Samsa (Oliver Masucci) ist dauerfrustriert und findet alles zum Kotzen. Bis er sich in eine Prostituierte verliebt.

TV-Premiere. Ein typischer Roehler. „Bad Director“ ist kein perfekter Film, sondern eine über zweistündige bewusst dilettantische Dauerprovokation, ein gnadenloser Rundumschlag – und eine köstliche, vor Selbstironie strotzende Mediensatire, die mit 131 Minuten, wie jeder Rant, zu lang geraten ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Oliver Masucci, Bella Dayne, Anne Ratte-Polle, Elie Kaempfen, Götz Otto, Jürgen Tröster, Anton Rattinger, Norbert Ghafouri, Samuel Finzi

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Bad Director“

Moviepilot über „Bad Director“

Wikipedia über „Bad Director“

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „HERRliche Zeiten“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Bad Director“ (Deuschland 2023)


TV-Tipp für den 20. Januar: Anatomie eines Falls

Januar 19, 2026

MDR, 22.55

Anatomie eines Falls (Anatomie d’une chute, Frankreich 2023)

Regie: Justine Triet

Drehbuch: Justine Triet, Arthur Harari

Fiel Samuel Maleski aus dem Fenster oder half seine Frau Sandra Voyter etwas nach? Über zweieinhalb spannende Stunden rollt Justine Triet diesen Fall akribisch auf.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sandra Hüller, Swann Arlaud, Milo Machado Graner, Antoine Reinartz, Samuel Theis, Jehnny Beth

Hinweise

Moviepilot über „Anatomie eines Falls“

AlloCiné über „Anatomie eines Falls“

Metacritic über „Anatomie eines Falls“

Rotten Tomatoes über „Anatomie eines Falls“

Wikipedia über „Anatomie eines Falls“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Justine Triets „Anatomie eines Falls“ (Anatomie d’une chute, Frankreich 2023)


TV-Tipp für den 19. Januar: Die untreue Frau

Januar 18, 2026

Arte, 20.15

Die untreue Frau (La Femme infidéle, Frankreich/Italien 1968)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

Anwalt Charles glaubt, dass seine Frau Hélène ihn betrügt. Ein von ihm engagierte Privatdetektiv bestätigt Charles‘ Verdacht. Er besucht den Nebenbuhler und tötet ihn im Affekt. Wie wird seine Frau darauf reagieren?

Ein Chabrol-Klassiker

Und wer danach tiefer in die Welt von Chabrol eintauchen will, kann in der Arte Mediathek im Moment sieben seiner Spielfilme (alle entstanden zwischen 1967 und 1971 und damit alle Klassiker) und drei Dokumentation über sein Werk ansehen.

mit Stéphane Audran, Michel Bouquet, Maurice Ronet, Michel Duchaussoy, Guy Marly, Serge Bento

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die untreue Frau“

Wikipedia über „Die untreue Frau“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Januar: Rockpalast: David Bowie: Loreley 1996

Januar 17, 2026

WDR, 01.05

Rockpalast: David Bowie: Loreley 1996

Da wurde ja etwas Feines in den Archiven gefunden: das 1996er Loreley-Konzert von David Bowie.

David Bowie (vocals), Reeves Gabriels (guitar), Gail Ann Dorsey (bass), Zach Alford (drums) und Mike Garson (keyboard) spielen sich durch etliche seiner bekanntesten Songs.

Zur Einstimmung gibt es ab 23.35 Uhr die Doku „David Bowie – Der letzte Akt“ (Großbritannien 2025).

Hinweise

Rockpalast über David Bowie

Wikipedia über David Bowie (deutsch, englisch).

Homepage von David Bowie

AllMusic über David Bowie

Mein Nachruf auf David Bowie

Meine Besprechung von Nicolas Roegs „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth, Großbritannien 1976) (mit David Bowie in der Hauptrolle)

Meine Besprechung von Brett Morgens „Moonage Daydream“ (Moonage Daydream, USA 2022)

 


TV-Tipp für den 17. Januar: Der Manchurian Kandidat

Januar 16, 2026

Spät in der Nacht versteckt

Sat.1, 02.30

Der Manchurian Kandidat (The Manchurian Candidate, USA 2004)

Regie: Jonathan Demme

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“ (USA 1962). Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute (2004) schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des Informationsüberschusses, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dar Manchurian Kandidat“

Wikipedia über „Der Manchurian Kandidat“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Daniel Pyne und Dean Georgaris

Wikipedia über Richard Condon (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonathan Demmes „Ricki – wie Familie so ist“ (Ricki and the Flash, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Aisha can’t fly away“ aus ihrem beschissenen Leben in Kairo

Januar 16, 2026

Aisha lebt in Kairo im Ain-Sham-Viertel. Die 26-jährige Sudanesin versucht als häusliche Pflegekraft und Mädchen für alles über die Runden zu kommen. Ihre Tage sind von langen Fahrten durch Kairo und ihre Nächte von Schießereien zwischen verfeindeten Banden vor ihrer Haustür bestimmt. Für einen lokalen Gangsterboss stiehlt sie von ihren Kunden die Schlüssel.

Auf dem Papier klingt die Story interessant. Es werden auch all die Trigger-Worte für den kulturbewussten Horrorfilmfan genannt und das für das Plakat benutzte Bild einer jungen Frau mit einer Batman-Maske ist ein gerade wegen seiner Einfachheit neugierig machender Hingucker.

Aber am Ende entscheiden die Story und die Präsentation, ob ein Film gelungen ist. Morad Mostafa erzählt in seinem Spielfilmdebüt „Aisha can’t fly away“ das Leben seiner Protagonistin in schönster Slow-Cinema-Manier. Aisha fährt durch die Stadt. Sie putzt eine Wohnung. Sie sieht aus dem Fenster. Sie ist meistens allein; wenn sie unter Menschen ist, redet sie wenig. Und dann beginnt alles wieder von vorne, während die Straßengangs vor ihrer Haustür herumballern und sie dem lokalen Gangsterboss, der sie dafür mietfrei wohnen lässt, die Schlüssel von den Wohnungen besorgt, in denen sie arbeitet. Anschließend klaut er aus den Wohnungen die Wertsachen. Dass er glaubt, mit dieser Methode in mehrere Wohnungen einbrechen zu können, beweist, dass er ein ziemlicher Dummkopf ist. Denn natürlich fällt der Polizei auf, dass Aisha in all diesen Wohnungen arbeitete.

Als Aisha spät im Film Veränderungen an sich bemerkt, sie einen Kunden hat, der sie zu sexuellen Handlungen zwingt und die Grenze zwischen Realität und Fantasie etwas zu verschwimmen beginnt, wird aus dem Slow-Cinema-Sozialdrama ein bisschen ein ebenso langsam und distanziert erzählter, ebenso wortkarger Horrorfilm.

Aisha can’t fly away (ʿĀʾisha lam taod qādira ʿalā al-ṭayarān. Ägypten/ Tunesien/Saudi-Arabien/Katar/Sudan/Frankreich/Deutschland 2025)

Regie: Morad Mostafa

Drehbuch: Morad Mostafa, Sawsan Youssef, Mohamed Abdelader

mit Buliana Simon Arop, Ziad Zaza, Emad Ghoniem, Mamdouh Saleh, Maya Mohamed, Mohamed Abd El-Hady

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

internationaler Titel: Aisha can’t fly away

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Aisha can’t fly away“

Moviepilot über „Aisha can’t fly away“

Allocine über „Aisha can’t fly away“

Rotten Tomatoes über „Aisha can’t fly away“

Wikipedia über „Aisha can’t fly away“ (englisch, französisch)


TV-Tipp frü den 16. Januar: Flucht von Alcatraz

Januar 15, 2026

3sat, 22.25

Flucht von Alcatraz (Escape from Alcatraz, USA 1979)

Regie: Don Siegel

Drehbuch: Richard Tuggle

LV: J. Campbell Bruce: Escape from Alcatraz, 1963

Frank Lee Morris plant das Unmögliche: eine Flucht von Alcatraz. Am 11. Juni 1962 gelingt dem Sträfling die Flucht; – jedenfalls verschwanden er und seinen beiden Mitflüchtlingen spurlos.

„Flucht von Alcatraz“ ist die fünfte und letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood. Der auf einem wahren Fall beruhende, beklemmende und realistische Knastthriller wurde auf Alcatraz gedreht.

Danny Glover gibt hier in einer Nebenrolle als Häftling sein Filmdebüt.

Mit Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thibeau, Fred Ward, Paul Benjamin, Larry Hankin, Bruce M. Fischer, Frank Ronzio, Danny Glover

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flucht von Alcatraz“

Wikipedia über „Flucht von Alcatraz“ (deutsch, englisch)

Roger Ebert über „Escape from Alcatraz“

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


Neu im Kino/Filmkritik: „28 Years later: The Bone Temple“, ein netter Zombie, böse Menschen und ein merkwürdiger Doktor

Januar 15, 2026

Etliche Wow- und What-the-Fuck-Momente, einen nackten Zombie in voller Mannespracht (das sind die mit dem Rage-Virus Infizierten in dem „28 Days later“-Franchise letztendlich) und eine eher vernachlässigbare, vor sich hin plätschernde Story präsentiert Nia DaCosta dem Publikum in „28 Years later: The Bone Temple“. Ihr Horrrorfilm schließt unmittelbar an die Ereignisse von Danny Boyles „28 Years later“, der im Sommer im Kino lief, an. Aber man muss Boyles Film, der der Auftakt einer Trilogie ist, nicht gesehen haben, um den neuen Film zu verstehen.

Der zwölfjährige Spike (Alfie Williams), der am Ende des ersten Teils seine auf einer vom Festland abgetrennten Insel lebende Gemeinschaft und Familie verlies und sich einer Gruppe Jugendlicher anschloss, kämpft jetzt darum, in die von Sir Jimmy Crystal (Jack O’Connell) angeführte Gruppe aufgenommen zu werden. Gleichzeitig fragt Spike sich, ob er wirklich ein Mitglied dieser marodierenden Jugendgang werden will, die von einem offensichtlich machttrunkenem, minder begabtem Satanisten geführt wird.

Doktor Ian Kelson (Ralph Fiennes) forscht weiter und errichtet weiter den titelgebenden „Bone Temple“, eine riesige Installation von Knochen und Schädeln. Jetzt vermutet der bekennende Atheist, dass er ein Medikament gefunden hat, das die Infizierten wieder zu Menschen zurückverwandelt. Samson (Chi Lewis-Parry), der nackte riesige Alpha-Zombie aus „28 Years later“, ist dieser Zombie, der zum Menschen werden könnte. Bis dahin verbringen Samson und Kelson entspannte Nachmittage am Fluss. Kelson redet, Samson hört zu.

Nia DaCosta („Candyman“) erzählt diese beiden Plots parallel und vollkommen unabhängig voneinander in langen Erzählblöcken. Erst zum Ende führt sie die beiden Erzählstränge zu einem Finale zusammen, das eine beeindruckende Mischung aus Orgie und orgiastischem Heavy-Metal-Gottesdienst ist.

Diese Lärmorgie lockt seltsamerweise keine Zombiehorden an. Sowieso sind sie, egal wieviel Lärm die Menschen machen, in diesem Film seltsam abwesend. Bis auf wenige Momente sind sie nur noch eine abstrakte Gefahr.

Nach Dr. Kelsons Messe ist nur noch Zeit, um den dritten Teil anzudeuten. Wann der kommt, ist noch unklar. Klar ist, dass Alex Garland, der die Drehbücher zum ersten und zweiten „28 Years later“-Film schrieb und der zusammen mit Regisseur Danny Boyle diese Welt 2003 in „28 Days later“ erfand, wieder das Drehbuch schreibt. Ob er oder Danny Boyle die Regie führen wird, ist anscheinend noch unklar.

Doch zurück in die Gegenwart und damit zu DaCostas „The Bone Temple“. Der Horrorfilm überzeugt, wie schon „28 Years later“, als Abfolge eindrücklicher Szenen, die in einer liebevoll ausgemalten und gestalteten postapokalyptischen Welt spielen. Die kaum vorhandene Filmgeschichte erschöpft sich in zwei weitgehend getrennt voneinander präsentierten Charakterstudien. Erst am Ende treffen Dr. Kelson und Jimmy Crystal aufeinander. Spike ist das verbindende Glied zwischen dem ersten und dem dritten Film, der hier eine andere, ähnlich gewalttätige Gemeinschaft kennen lernt und wieder Dr. Kelson trifft.

P. S.: RTL II zeigt am Freitag, den 16. Januar, um 22.35 Uhr „28 Days later“. Wer also wissen will, wie alles begann. Oder wer noch einmal sehen will, wie Cillian Murphy durch ein menschenleeres London geht und sich fragt, in welchem Alptraum er gelandet ist.

28 Years later: The Bone Temple (USA 2026)

Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Alex Garland

mit Ralph Fiennes, Jack O’Connell, Alfie Williams, Erin Kellyman, Chi Lewis-Parry, Connor Newall, Erin Kellyman, Maura Bird, Ghazi Al Ruffai, Robert Rhodes, Emma Laird, Sam Locke

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „28 Years later: The Bone Temple“

Metacritic über „28 Years later: The Bone Temple“

Rotten Tomatoes über „28 Years later: The Bone Temple“

Wikipedia über „28 Years later: The Bone Temple“ (deutsch, englisch)

zu Danny Boyle

Meine Besprechung von Danny Boyles „Trance – Gefährliche Erinnerung“ (Trance, GB 2013)

Meine Besprechung von Danny Boyles „Steve Jobs“ (Steve Jobs, USA 2015)

Meine Besprechung von Danny Boyles „T2 Trainspotting“ (T2 Trainspotting, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Danny Boyles „28 Years later“ (28 Years later, Großbritannien/USA 2025) (nach einem Drehbuch von Alex Garland)

zu Alex Garland

Meine Besprechung von Alex Garlands „Ex Machina“ (Ex Machina, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Alex Garlands Jeff-VanderMeer-Verfilmung „Auslöschung“ (Annihilation, USA 2018)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Men – Was dich sucht, wird dich finden“ (Men, Großbritannien 2022)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Civil War“ (Civil War, USA 2024)

Meine Besprechung von Alex Garland/Ray Mendozas „Warfare“ (Warfare, USA/Großbritannien 2025)

zu Nia DaCosta

Meine Besprechung von Nia DaCostas „Candyman“ (Candyman, USA 2021)

Meine Besprechung von Nia DaCostas „The Marvels“ (The Marvels, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ was in der Villa lauert…

Januar 15, 2026

Millie Calloway (Sydney Sweeney) ist die titelgebende ‚Housemaid‘. In ihrer Bewerbung verschweigt sie, dass sie auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wurde und ihr aktueller Wohnsitz ihr Auto ist. Dafür wirkt sie mit ihrer großen Brille wie eine ehrbare Studentin.

Ihrer künftigen Arbeitgeber, die vermögende Famillie Winchester, verschweigt ebenfall einiges. Sie besteht aus der etwas überspannten Nina Winchester (Amanda Seyfried), ihrem überaus gutaussehendem Sonnyboy-Man und Frauenschwarm Andrew (Brandon Sklenar), der seine Bürozeit offensichtlich vor allem in einem Fitnessstudio verbringt, und ihre pausbäckige Ekeltochter Cecilia (Indiana Elle). Die Geheimnisse der Winchesters werden – und das ist jetzt kein Spoiler, weil „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ auf einem Bestseller beruht, ein Blick auf ein Regal in einer Buchhandlung, verrät, dass es mehrere „The Housemaid“-Thriller gibt und wer dann noch den Klappentext liest, sehr gut über die Filmgeschichte informiert ist – im Lauf des Films von Millie gelüftet und ziemlich endgültig gelöst. Wozu die Polizei rufen, wenn man so eine Haushaltshilfe hat.

The Housemaid“ ist ein Vorstadt-Thriller und Erotik-Thriller, der mit 133 Minuten ungefähr dreißig Minuten zu lang ist. Bis zum, zugegeben, blutigen und entsprechend fetzigem Finalen vergeht einfach viel zu viel Zeit, in der die Filmgeschichte ohne ein erkennbares Ziel und Story über weite Strecken vor sich hin plätschert. Mal geht es mehr in die eine, dann in die andere Richtung. So als würden sie beim Drehen die Story entdecken und verschiedene Möglichkeiten verwerfen. Dazwischen dürfen Sydney Sweeney und Brandon Sklenar, wie es sich für einen Neunziger-Jahre-Erotik-Thriller im „Basic Instinct“-Fahrwasser gehört, ausführlich ihre gut gebauten Oberkörper ohne störende Bekleidung präsentieren.

Während der Film als Satire über, je nach Gusto, das vom äußeren Schein besessene US-Vorstadtleben oder den kompromisslos ausgetragenen Klassenkampf zwischen armen Angestellten und moralisch verkommenen stinkreichen Arbeitgebern versagt, er nie wirklich eine Liebesgeschichte zwischen einem Familienvater und seinem Hausmädchen oder ein Ehedrama sein möchte, erreicht er als überlanger Erotik-Thriller mit umgedrehten Geschlechterrollen und einigen ‚Überraschungen‘ mühsam die Ziellinie. Dass der vor allem für sei Komödien bekannte Paul Feig es auch in diesem Genre besser kann, bewies er 2018 mit „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple favor).

In den USA läuft der Thriller im Kino seit dem 19. Dezember ziemlich erfolgreich. Insofern ist diese Meldung keine Überraschung: demnächst wird der zweite „The Housemaid“-Thriller verfilmt. Wieder mit Sydney Sweeney in der Hauptrolle und Paul Feig als Regisseur.

The Housemaid – Wenn sie wüsste (The Housemaid, USA 2025)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Rebecca Sonnenshine

LV: Freida McFadden: The Housemaid, 2022 (Wenn sie wüsste)

mit Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar, Michele Morrone, Elizabeth Perkins, Indiana Elle, Amanda Joy Erickson, Megan Ferguson, Ellen Tamaki

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Housemaid“

Metacritic über „The Housemaid“

Rotten Tomatoes über „The Housemaid“

Wikipedia über „The Housemaid“ (deutsch, englisch)

Homepage von Freida McFadden

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Feigs „Last Christmas“ (Last Christmas, Großbritannien 2019)


TV-Tipp für den 15. Januar: Destination Wedding

Januar 14, 2026

One, 20.15

Destination Wedding (Destination Wedding, USA 2018)

Regie: Victor Levin

Drehbuch: Victor Levin

Frank (Keanu Reeves) und Lindsay (Winona Ryder), die sich vom ersten Augenblick nicht ausstehen können, verbringen auf einer Hochzeit die meiste Zeit miteinander, weil sie die anderen Hochzeitsgäste noch weniger ausstehen können. So können sie wenigstens gemeinsam ablästern – und wir wissen schon von der ersten Begegnung der beiden Nicht-Turteltauben an, was passieren wird.

TV-Premiere. Herrlich entspannte Anti-Rom-Com-Rom-Com.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Keanu Reeves, Winona Ryder

Wiederholung: Freitag, 16. Januar, 22.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Destination Wedding“

Metacritic über „Destination Wedding“

Rotten Tomatoes über „Destination Wedding“

Wikipedia über „Destination Wedding“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Victor Levins „Destination Wedding“ (Destination Wedding, USA 2018)


TV-Tipp für den 14. Januar: Es

Januar 13, 2026

Pro7,  22.50

Es (It, USA 2017)

Regie: Andy Muschietti (eigentlich Andres Muschietti)

Drehbuch: Chase Palmer, Cary Fukunaga, Gary Dauberman

LV: Stephen King: It, 1986 (Es)

Alle 27 Jahre taucht in der Kleinstadt Derry, Maine, der Mörderclown Pennywise aus der Kanalisation auf und schnappt sich einige Kinder. Sieben Kinder, die sich der Club der Loser nennen, wollen nicht zu Pennywises Opfern werden.

Sehr gelungene und an der Kinokasse sehr erfolgreiche Verfilmung von Stephen Kings sehr dickem Horrorroman.

Der zweite Teil folgt am kommenden Mittwoch, den 21. Januar, um 22.35 Uhr.

Mehr in einer ausführlichen Besprechung (Teil 1, Teil 2)

mit Jaeden Lieberher, Jeremy Ray Taylor, Sophia Lillis, Finn Wolfhard, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer, Wyatt Oleff, Bill Skarsgård, Nicholas Hamilton, Jake Sim, Logan Thompson, Owen Teague, Jackson Robert Scott, Stephen Bogaert, Stuart Hughes

Wiederholung: Samstag, 17. Januar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage (hier mit dem Filmcover)

Stephen King: Es

(übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber, bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann)

Heyne, 2017 (Movie Tie-In)

1536 Seiten

18 Euro (aktueller Preis)

Erstausgabe der ungekürzten Übersetzung: 2011

Ältere Ausgaben enthalten eine gekürzte Übersetzung.

Originalausgabe

It

Viking, 1986

Hinweise

Moviepilot über „Es“

Metacritic über „Es“

Rotten Tomatoes über „Es“

Wikipedia über „Es“ (deutsch, englisch) und Stephen King (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Mama“ (Mama, Spanien/Kanada 2012)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis Stephen-King-Verfilmung „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2“ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „The Flash“ (The Flash, USA 2023)

zu Stephen King

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

den Romanen von Stephen King

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Doctor Sleep“ (Doctor Sleep, 2013)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Später“ (Later, 2021)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

den Verfilmungen, teils mit Besprechungen der Romane

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ (Doctor Sleep, USA 2019) (wahrscheinlich einer der Filmtitel, die kein Mensch an der Kinokasse vollständig ausgesprochen hat)

Meine Besprechung von Rob Savages Stephen-King-Verfilmung „The Boogeyman“ (The Boogeyman, USA 2023)

Meine Besprechung von Kurt Wimmers „Kinder des Zorns“ (Children of the Corn, USA 2020)

Meine Besprechung von Osgood Perkins‘ Stephen-King-Verfilmung „The Monkey“ (The Monkey, USA/Großbritannien 2025)

Meine Besprechung von Mike Flanagans Stephen-King-Verfilmung „The Life of Chuck“ (The Life of Chuck, USA 2024)

Meine Besprechung von Franics Lawrences Stephen-King-Verfilmung „The long Walk – Todesmarsch“ (The long Walk, USA 2025)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The Running Man“ (The Running Man, USA 2025)


TV-Tipp für den 13. Januar: Grönland – Der neue Rohstoffrausch

Januar 12, 2026

Arte, 21.45

Grönland – Der neue Rohstoffrausch (Frankreich 2025)

Regie: Jean Yves Cauchard, Vivien Meltz

Drehbuch: Jean Yves Cauchard, Vivien Meltz

Brandneue und, angesichts der Schlagzeilen, brandaktuelle, knapp einstündige Doku über Grönland.

Die Doku wird im Rahmen eines Themenabends gezeigt, der um 20.15 Uhr mit „Ein Land unter Trump – Macht, Wandel, Widerstand“ (Deutschland 2025) beginnt und um 22.45 Uhr mit der 55-minütigen Doku „Trump, mein Vater und ich“ (Dänemark 2025) mehr oder weniger endet. Denn die anschließenden Dokus passen dazu: um 23.40 Uhr „Tracks East: Provokation und Empörung“, um 00.15 Uhr „8 m² Einsamkeit – Lebenslänglich in Virginia“ (USA 2016) und um 01.40 Uhr „Die USA und der Holocaust“ (USA 2022 – bis 03.25 Uhr werden die ersten beiden Teile der sechsteiligen Serie gezeigt).

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 12. April 2026 in der Mediathek)

Wikipedia über Grönland (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Januar: Der schwarze Sergeant

Januar 11, 2026

Arte, 20.15

Der schwarze Sergeant (Sergeant Rutledge, USA 1960)

Regie: John Ford

Drehbuch: James Warner Bellah, Willis Goldbeck

Arizona, 1881: Armee-Sergeant Braxton Rutlege (Woody Strode) soll ein weißes Mädchen vergewaltigt und ermordet haben. Vor einem extrem parteiischen Militärgericht wird sein Fall verhandelt.

Eine besondere Stellung erhält John Fords Western „Der schwarze Sergeant“ durch die Hautfarbe des Angeklagten. Es war der erste große Hollywood-Western in dem ein Schwarzer der Protagonist war und Rassismus thematisiert wurde.

Der Western, einer seiner letzten Filme, ist nicht John Fords bestes Werk und heute wohl eher von historischem Interesse. Schon damals wurde kritisiert, wie Ford die Rassenfrage behandelte.

Anschließend zeigt Arte um 22.00 Uhr die spielfilmlange Doku „Black Far West – Nicht alle Cowboys waren weiß“ (Frankreich 2022).

Mit Woody Strode, Jeffrey Hunter, Constance Towers, Willis Bouchey, Juano Hernández, Billie Burke

auch bekannt als: Mit einem Fuß in der Hölle

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der schwarze Sergeant“

Wikipedia über „Der schwarze Sergeant“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Österreichisches Filmmuseum/Viennale (herausgegeben von Astrid Johanna Ofner und Hans Hurch) „John Ford“ (2014)

 


TV-Tipp für den 11. Januar: Der Galgenbaum

Januar 10, 2026

Arte, 20.15

Der Galgenbaum (The Hanging Tree, USA 1959)

Regie: Delmer Daves

Drehbuch: Wendell Mayes, Halsted Welles

LV: Dorothy M. Johnson: The Hanging Tree, 1957 (Der Galgenbaum)

Montana, 1873: In dem Goldgräberdorf Skull Creek will Dr. Joseph Frail (Gary Cooper) seine Vergangenheit vergessen. Er hilft einer blinden Frau, wieder sehen zu können und verliebt sich in sie. Als ein Goldsucher sie vergewaltigen will, erschießt er ihn. Dafür soll er an dem titelgebendem Galgenbaum gehängt werden.

Selten gezeigter Western und „Coopers letzte große Western-Rolle“ (Holmer Dickens: Gary Cooper und seine Filme, 1982)

Von Dorothy M. Johnson sind auch die Vorlagen für „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ und „Ein Mann, den sie Pferd nannten“.

mit Gary Cooper, Maria Schell, Karl Malden, Ben Piazza, George C. Scott, Karl Swenson

auch bekannt als „Rivalen am Gold River“

Wiederholung: Donnerstag, 15. Januar, 14.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Galgenbaum“

Wikipedia über „Der Galgenbaum“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Delmer Daves‘ „Der letzte Wagen“ (The last wagon, USA 1956)


TV-Tipp für den 10. Januar: Chinatown

Januar 9, 2026

ZDFneo, 22.05

Chinatown (Chinatown, USA 1974)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in eine Verschwörung, die er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Die Originale könnten im Rahmen einer kleinen Serie über die Schwarze Serie auch mal wieder gezeigt werden.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Wiederholung: Sonntag, 11. Januar, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chinatown“

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Palace“ (The Palace, Italien/Polen/Schweiz/Frankreich 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Glücklich mit einer „Rental Family“?

Januar 9, 2026

Phillip Vandarpleog (Brendan Fraser) ist ein Schauspieler, den es im Kino immer so gibt. In Japan ist er immer noch bekannt für einen sieben Jahre alten Zahnpasta-Werbespot. Abgesehen davon ist seine Karriere seit Jahren nicht existent. Der in Tokio allein lebende, an Geldnot leidende US-Schauspieler hat also genug Zeit, um jeden anderen Job anzunehmen. In diesem Fall ist es, für eine „Rental Family“-Agentur in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Entsprechend der Wünsche des Auftraggebers spielt er unterschiedliche Rollen. Mal direkt für den Auftraggeber, mal für Menschen, denen der Auftraggeber helfen möchte. Mal spielt Phillip den Bräutigam (die Eltern der lesbischen Auftraggeberin sind begeistert über den weißen Ehemann), mal den Vater (der echte ist abwesend, aber die Schule verlangt einen anwesenden Vater), mal einen Journalisten, der einen zunehmend dementen alten Schauspieler interviewen soll.

Diese Arbeit könnte für Phillip eine neue, gute und mühelose Einkunftsquelle sein. Er spielt den Menschen vor, was sie sehen wollen oder sehen sollen, macht sie glücklich und nimmt das Geld. Dummerweise fällt es ihm schwer, zwischen der Rolle und seinem emotionalem Investment in die Rolle zu unterscheiden. Er mischt sich in das Leben der Personen ein, für die er eine Rolle spielt.

Und schon haben wir eine Geschichte über zwei verschiedene Kulturen, kulturelle Missverständnisse und wie guter Wille und eine gehörige Portion Tollpatschigkeit, alles etwas aus dem Ruder laufen lassen. Hikari inszeniert dies feinfühlig als warmherziges Low-Key-Feelgood-Movie mit vorhersehbaren Verwicklungen und nur die guten Aspekte solcher ‚gemieteten Freunde‘ betonend. Brendan Fraser spielt diesen Phillip Vandarpleog etwas eindimensional als großes, schüchtern lächelndes Kind, das immer noch mit den japanischen Sitten und Gebräuchen fremdelt.

Rental Family (Rental Family, USA/Japan 2025)

Regie: Hikari

Drehbuch: Hikari, Stephen Blahut

mit Brendan Fraser, Takehiro Hira, Mari Yamamoto, Akira Emoto, Shannon Gorman

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Rental Family“

Metacritic über „Rental Family“

Rotten Tomatoes über „Rental Family“

Wikipedia über „Rental Family“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Song Sung Blue“ – kein Neil-Diamond-Biopic

Januar 9, 2026

basierend auf einer wahren Geschichte“ heißt es am Filmanfang. Treffender wäre „inspiriert von einer wahren Geschichte“. Oder, noch besser: man hätte diesen Hinweis vollständig weggelassen. Denn Craig Brewer, Autor und Regisseur von „Song Sung Blue“ nimmt sich, wie schon die flüchtige Lektüre der Wikipedia-Artikel über Mike Sardina und Claire Stingl/Claire Sardina (im Film Stengl) verrät, viele Freiheiten. Außerdem ist die Geschichte einer regional erfolgreichen Coverband nicht besonders einzigartig.

Und das ist „Lightning and Thunder“. Sie spielen die bekannten Mitsing-Gassenhauer von Neil Diamond nach. Kern und Gründer der Band sind Sänger Mike Sardina (Hugh Jackman), ein Vietnam-Veteran und trockener Alkoholiker, und Sängerin Claire Stengl (Kate Hudson). Sie ist die Liebe seines Lebens. Und umgekehrt. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen. Beide haben psychische Probleme. Beide schlagen sich mit schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Denn sie Leben für die Musik. Auf der Bühne können sie sich, wenn sie bekannte Songs anderer Künstler singen, verwirklichen.

In den frühen neunziger Jahren beginnen sie die Lieder von Neil Diamond zu interpretieren. In ihrem Heimatstaat Milwaukee kommen sie mit diesem Programm gut an. Einmal – und das dürfte der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen sein – sind sie die Vorband von Pearl Jam.

Alles ist perfekt, bis es zu einem grotesken Unfall kommt, der, wie in „Million Dollar Baby“, aus der fröhlichen Aufsteigergeschichte einen ganz anderen Film macht.

Die ziemlich frei erfundene Geschichte spielt in den Neunzigern. Aber abgesehen von dem Auftritt von Pearl Jam sieht Brewers Milwaukee wie die siebziger Jahre mit etwas Patina aus. Die oft schon seit Jahrzehnten so oder so ähnlich existierenden Auftrittsorte, die schon etwas älteren Wohnungseinrichtungen, die funktionale Kleidung, Hugh Jackmans Frisur und natürllich die gespielten Songs, die teilweise schon in den Siebzigern Oldies waren, die das Publikum immer wieder gerne mitsingt, verleihen der Geschichte von Mike und Claire etwas Zeitloses. Brewer erzählt sie aufrichtig, mit spürbarer Sympathie für seine Figuren und ohne einen Anflug von Ironie. Wenn für Lightning und Thunder die Songs von Neil Diamond das Größte sind, was es gibt, dann erzählt Brewer es auch, ohne irgendeine Distanzierung, genau so.

Song Sung Blue“ gefällt mit seinem spielfreudigem Ensemble, vor allem den beiden singenden Hauptdarstellern die jeden Neil-Diamond-Hit von der ersten bis zur letzten Note nachsingen, als Liebeserklärung an Cover-Bands und als aufbauendes Feelgood-Drama über die heilende Kraft von Musik.

Song Sung Blue (Song Sung Blue, USA 2025)

Regie: Craig Brewer

Drehbuch: Craig Brewer (basierend Greg Kohs‘ Dokumentarfilm „Song Sung Blue“, 2008)

mit Hugh Jackman, Kate Hudson, Michael Imperioli, Ella Anderson, Mustafa Shakir, Fisher Stevens, Jim Belushi, King Princess, Hudson Hensley, John Beckwith, Jackie Cox, Cecelia Riddett, Sean Allan Krill

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Song Sung Blue“

Metacritic über „Song Sung Blue“

Rotten Tomatoes über „Song Sung Blue“

Wikipedia über „Song Sung Blue“ (deutsch, englisch)

AllMusic über Neil Diamond


Neu im Kino/Filmkritik: „Greenland 2“, die Reise geht weiter

Januar 9, 2026

Seit fünf Jahren – und damit seit dem Filmende von Roman Ric Waughs bei der Kritik und dem Publikum überraschend erfolgreicher Dystopie „Greenland“ – leben John Garrity (Gerard Butler), seine Frau Allison (Morena Baccarin) und ihr inzwischen fünfzehnjähriger Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) in Grönland in einem Schutzbunker. Sie mussten dorthin flüchten, weil der Einschlag des Kometen Clarke auf der Erde das Klima, die Luft und die Landschaft veränderte. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Radioaktivität, Stürme und unvorhersehbare Einschläge von weiteren Teilen des Kometen machen sie in weiten Teilen unbewohnbar. Das Leben im Bunker ist das neue Normal. Und, obwohl der Bunker langsam auseinanderbricht und sich zu viele Menschen mit zu wenig Nahrung in ihm aufhalten, werden weitere Menschen aufgenommen.

Ausgehend von den ihnen zur Verfügung stehenden lückenhaften Daten, verfechten Wissenschaftler die Theorie, dass an dem Ort, an dem Clarke in Südfrankreich einschlug, neues Leben, möglicherweise sogar in bislang ungeahnter Pracht und Vielfalt, entstehen könnte. Ein Garten Eden.

Als ein Erdbeben den Bunker zerstört, machen die Garritys und einige weitere Bunker -Bewohner sich auf den Weg zu dem Krater. Ihre erste Station ist Großbritannien, oder genauer gesagt, die jezt halb unter Wasser liegende Stadt Liverpool.

Greenland 2“ schickt die Familie Garrity wieder auf die Reise. Nur dass sie dieses Mal nicht von Florida nach Grönland, sondern von Grönland nach Südfrankreich, ihrem neuen Sehnsuchtsort, gehen soll. Und wie es sich für eine Reisegeschichte gehört, ist der Weg das Ziel. Auf ihrer Reise treffen die Garritys ihnen mehr oder weniger freundlich gesonnene Menschen, die sich mehr oder weniger gut in dieser Welt eingerichtet haben und sie müssen viele Gefahren überstehen.

So weit, so konventionell. „Greenland 2“ ist, wie „Greenland“, dystopisches Katastrophenkino, das sich immer in den bekannten Genrekonventionen bewegt und sich dabei auf eine ganz normale Familie ohne besondere Eigenschaften und Fähigkeiten konzentriert. Das ist immer wieder kitschig, manchmal auch brutal und die Spezialeffekte sind immer wieder erstaunlich schlecht. Für die Ansichten zerstörter Großstädte gilt dies nicht. Und die Landschaftsaufnahmen – es wurde auf Island gedreht – gefallen.

Gefallen tut auch, dass es Regisseur Ric Roman Waugh, auch dank des Drehbuchs und den in ihren Rollen glaubwürdigen Schauspielern, gelingt, mit wenigen Strichen Figuren zu zeichnen, die schnell eine eigene Identität erhalten und als klar unterscheidbare Individuen im Gedächtnis bleiben. Das gilt sogar für Figuren, die nur einen kleinen Auftritt (wie eine im Rollstuhl sitzende Frau) oder, kurz vor dem Ziel ihrer Reise, nur einen sekundenlangen Auftritt als Leiche haben. Und es gibt einige gute Action- und Suspense-Szenen. Beispielsweise bei der der Logik des Spannungskinos gehorchenden Überquerung des Ärmelkanals.

Das alles bewegt sich, bodenständig und ohne besondere Innovationen, in dem bekannten Rahmen solcher Filme. Angenehm überraschend ist dagegen die Sicht der Macher auf diese Welt und die Gesellschaft nach der Apokalypse.

Im Gegensatz zu gängigen negativen US-amerikanischen Dystopien entwerfen die Macher von „Greenland 2“ eine positive Dystopie. In US-Dystopien werden nach einer Katastrophe meist alle zivilisatorischen Errungenschaften auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Gemeinschaften sind faschistoide, religiöse und kultische Zwangsgemeinschaften mit einem skrupellosen, oft auch durchgeknalltem Diktator als Anführer. Es gilt das gnadenlos durchgesetzte Recht des Stärkeren. Eine Kugel ersetzt jedes Argument. In „Greenland 2“ wird dagegen immer der Wert von Zusammenarbeit, Vertrauen, Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft betont. Es geht, ausgehend von der Kleinfamilie, um den Aufbau von friedlichen Gemeinschaften und einer inklusiven Gesellschaft in einer Welt, in der eben diese Gesellschaften und das Leben auf der Erde durch eine Katastrophe vernichtet wurden. Die Garritys bewegen sich auf ihrer Reise von Grönland nach Südfrankreich durch eine Welt, in der Gewalt allgegenwärtig ist und die Menschheit um ihr Überleben kämpft. Trotzdem werden christliche und humanistische Werte immer noch befolgt und es haben sich mehr oder weniger große, mehr oder weniger beständige Notgemeinschaften gebildet. Staatliche und quasi-staatliche Strukturen bestehen ebenfalls weiterhin; in welchem Umfang bleibt in dem Film, der sich auf die Erlebnisse einer Familie konzentriert, allerdings im Dunkeln. Auch für den überaus normalen und gewöhnlichen Familienvater John Garrity sind Gewalt und Gegengewalt niemals das präferierte Mittel um seine Familie zu beschützen und an das Reiseziel zu gelangen.

Das macht „Greenland 2“ zu einem europäischen Gegenentwurf zu US-amerikanischen Dystopien. Es macht den Katastrophenfilm auch zu einer überraschend positiven Dystopie.

P. S. 1: Als Titel ist „Greenland“, wenn man ihn als ‚Grönland‘ übersetzt, sinnfrei. Wenn man ihn als ‚Grünes Land‘ übersetzt, ist das etwas anderes.

P. S. 2: Der Film wurde, wie gesagt, auch auf Island gedreht. Im Film ist Island untergegangen.

Greenland 2 (Greenland 2: Migration, USA 2025)

Regie: Ric Roman Waugh

Drehbuch: Chris Sparling, Mitchell LaFortune

mit Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis, Amber Rose Revah, William Abadie, Sophie Thompson, Trond Fausa, Nelia Valery Da Costa, Ken Nwosu, Denez Raoul

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Greenland 2“

Metacritic über „Greenland 2“

Rotten Tomatoes über „Greenland 2“

Wikipedia über „Greenland 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Snitch – Ein riskanter Deal“ (Snitch, USA 2013)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Angel has fallen“ (Angel has fallen, USA 2019)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Greenland“ (Greenland, USA 2020)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Kandahar“ (Kandahar, USA 2023)