Drehbuch: James Cameron (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)
Ripley soll einige Marines auf einen Alien-verseuchten Planeten begleiten und beim Kampf gegen die ihr bekannten Aliens helfen.
Inzwischen ein SF-Klassiker, der als Kriegsfilm die harten Soldaten fröhlich als Kanonenfutter verheizt.
„‚Aliens‘ (und das leistet eine Fortsetzung selten) entwickelt den Spukhaus-im-Weltraum-Plot von ‚Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt‘ (Alien, 1979) weiter, indem er sämtliche monströsen Highlights des Vorgängers aufgreift und in den Kontext eines anderen, in den Weltraum verlagerten Genres stellt. (…) Cameron (…) kocht hier sein eigenes Süppchen mit hartgesottenen Heldinnen, Biomechanoiden, politischer Paranoia und atemloser Spannung, wobei er die Prämisse des ersten Filmes beibehält.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)
Zum Kinostart urteilte der Fischer Film Almanach anders: „Mit ‚Alien‘ von Ridley Scott (…), mit der phantastischen Welt und den Kreaturen von H. R. Giger hat dieser Film nichts mehr gemein. (…) Fortsetzung folgt – hoffentlich nicht.“ und über Ripley wurde gesagt „eine zu allem entschlossene Amazone, eine Art Über-Mutter im Rambo-Look“
Auch „Zoom“ war ungnädig: „War der erste ‚Alien‘-Film (…) noch durchaus raffiniert, so wird in der Fortsetzung ganz auf drastische Schockeffekte und die üblichen Technik-Spielereien gesetzt.“
Tja, damals regierte Ronald Reagan die USA, im Kino sorgten Rambo, „Missing in Action“ Chuck Norris und Konsorten im Kampf gegen „Die rote Flut“ für volle Kassen und die Filmkritik beurteilte Filme auch vor dem politischen Klima der USA, der Rambo-Ideologie.
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt RTL II, den ersten „Alien“-Film in einer wahrscheinlich gekürzten Fassung.
mit Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser, Lance Henricksen, Bill Paxton, William Hope
Fatima (Nadia Melliti) ist jung – Hafsia Herzis Film „Die jüngste Tochter“ beginnt während ihrer letzten Schultage und endet kurz nach dem Beginn ihres Philosophiestudiums -, gläubig und in der Pariser Banlieue in einer algerisch-französischen Familie aufgewachsen. Ihr Freund drängt auf eine baldige Hochzeit. Dabei weiß Fatima schon am Filmanfang, dass sie nicht ihn, sondern Frauen liebt.
In diesem ersten Absatz und damit auch in der Prämisse des Films stecken so viele potentielle Konflikte, die ein Drehbuchautor nur wie Rohdiamanten polieren muss. Es scheint unmöglich, aus diesen vielen Konflikten einen langweiligen Film zu machen. Dummerweise interessiert sich Drehbuchautorin und Regisseurin Hafsia Herzi für keinen dieser Konflikte. Sie ordnet, mehr oder weniger frei der autofiktionalen Romanvorlage von Fatima Daas folgend, das Material einfach chronologisch an und schildert ein Jahr im Leben von Fatima, der titelgebenden jüngsten Tochter. Wie unverbunden nebeneinander stehende Tagebucheinträge gibt es Szenen von Fatima in der Schule, mit ihren Klassenkamerad:innen, mit ihrem Freund, mit ihren Eltern (der Vater darf einmal patriarchisch auf der Couch sitzen, ehe er, ohne eine weitere Spur zu hinterlassen, aus dem Film verschwindet), mit einer älteren Lesbe, die sie am Filmanfang über ihre Gefühle aufklärt, mit ihrer lesbischen Freundin, ihren neuen, schnell gewonnen Freunden an der Universität, Partys mit anderen Studierenden und ein Gespräch mit einem Imam. Er erklärt, was im Koran steht und wie die Schrift gelesen werden sollte. Auch dieses sehr spät im Film stattfindende Gespräch führt nicht zu einer vertieften Behandlung des Korans und des Islams. Herzi spricht es nie wieder an. Immerhin haben wir in dem Moment etwas über den Koran erfahren.
Fatima gleitet durch den Film. Sie muss sich nie gegen Widerstände durchsetzen. Alle sind freundlich zu ihr. Alle akzeptieren sie, wie sie ist. Alle helfen ihr. An der Universität findet sie sofort Freunde.
Der Konflikt zwischen ihrem Glauben und ihrer sexuellen Orientierung wird nur behauptet. Im Film führt er nicht zu starken Szenen, beispielsweise mit ihrem heiratswilligem Freund, ihrer Familie, ihren Freund:innen oder dem Imam.
Und so verschenkt Herzi das gesamte Potential der Geschichte. Am Ende bleiben einige genaue Beobachtungen aus dem migrantischen Leben, gelungene Szenen und gute Schauspieler. Viele von ihnen sind Laienschauspieler, teils spielen sie sich selbst, wie der Arzt, der Fatima über den richtigen Umgang mit ihrem Asthma berät. Aber nichts davon bleibt länger im Gedächtnis in dieser viel zu konfliktfreien Selbstfindung.
Die jüngste Tochter(La petite dernière, Frankreich/Deutschland 2025)
Regie: Hafsia Herzi
Drehbuch: Hafsia Herzi
LV: Fatima Daas: La petite dernière, 2020 (Die jüngste Tochter)
mit Nadia Melliti, Ji-Min Park, Amina Ben Mohamed, Melissa Guers, Rita Benmannana, Razzak Ridha, Louis Memmi, Waniss Chaouki
1997 kam ein B-Picture mit einer erstaunlich hochkarätigen Besetzung – Jennifer Lopez, Ice Cube, Jon Voight, Eric Stoltz, Jonathan Hyde, Owen Wilson und Danny Trejo – in die Kinos. Luis Llosas knapp neunzigminütiger Monsterheuler „Anaconda“ war sicher kein Meisterwerk. Aber ich habe ihn in Erinnerung als kurzweiligen Film, der sich nicht besonders ernst nahm – eine riesige Schlange fällt im Amazonasgebiet Menschen und Boote an -, und auf postmoderne Ironie und Metaebenen verzichtete.
Der für sechs Razzies nominierte hübsch altmodische Monsterfilm war ein Erfolg an der Kasse. Seitdem wurde er zu einem Kultfilm.
Zu seinen Fans gehören Doug McCallister (Jack Black) und Ronald ‚Griff‘ Griffen Jr. (Paul Rudd), die in Buffalo, New York, als Kinder den Film öfter in ihrem Kinozimmer ansahen und damals auch eigene No-Budget-Monsterfilme drehten.
Inzwischen arbeitet Doug als Regisseur für Hochzeitvideos und Griff übernimt in Hollywood als Schauspieler Mini-Rollen.
Jetzt wollen sie ihren Jugendtraum erfüllen. Griff hat die Rechte an dem „Anaconda“-Franchise erworben. Sie kratzen etwas Geld zusammen, involvieren ihre Jugendfreunde Claire Simons (Thandiwe Newton) und Kenny Trent (Steve Zahn) in das Abenteuer und machen sich auf den Weg nach Südamerika. Im Amazonasgebiet wollen sie an den Drehorten des Originals ihr Remake von „Anaconda“ drehen.
Im Dschungel geraten sie schnell zwischen die Fronten skrupelloser Glücksritter, die etwas mit der Suche nach Gold zu tun haben, – und sie begegnen einer Riesen-Anaconda, die sie fressen möchte.
„Anaconda“ (2025) ist ein bestenfalls durchwachsener Mix aus Monsterfilm und Komödie mit den obligatorischen Cameos (die ich jetzt nicht verraten werde). Thematisch ist Tom Gormicans Film eine Liebeserklärung an das Filme machen und die Träume der Jugend. Für die vier Jugendfreunde ist dieser Filmdreh die letzte Gelegenheit, noch einmal diese Träume nachzuerleben.
Aber für einen Horrorfilm über eine Riesenschlange gibt es einfach zu wenig Anaconda-Horror. Für eine Komödie über Hollywood und das Filme machen bleiben alle Gags und Anspielungen zu sehr an der Oberfläche. Da ist beispielsweise Ben Stillers „Tropic Thunder“ (2008), ebenfalls mit Jack Black, ungleich gelungener.
Das gesagt kann „Anaconda“ (2025) mit dem richtigen Publikum im richtigen Kino und wahrscheinlich der richtigen Menge Alkohol durchaus eine spaßige Angelegenheit werden.
Im Videokeller wird man sich in einigen Wochen wahrscheinlich lieber eine abgenudelte VHS-Kopie von „Anaconda“ (1997) in den Recorder schieben, als noch einmal „Anaconda“ (2025) anzusehen.
Oder man legt eine DVD/Blu-ray von Tom Gormicans vorheriger Actionkomödie „Massive Talent“ (The Unbearable Weight of Massive Talent, USA 2022) mit Nicolas Cage als Nicolas Cage, ein.
Anaconda(Anaconda, USA 2025)
Regie: Tom Gormican
Drehbuch: Tom Gormican, Kevin Etten
mit Jack Black, Paul Rudd, Steve Zahn, Thandiwe Newton, Daniela Melchior, Selton Mello
Weil an den nächsten Tagen andere Dinge – nach einem Blick in die Tageszeitung für Familien heftiger Streit und für Singles trostlose Suizidgedanken – im Vordergrund stehen, gibt es heute die TV-Tipps für nächsten Tage, die von diesen und anderen Dingen ablenken sollten:
Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“
Das Drehbuch von Jeb Stuart und Steven E. De Souza war für den Edgar nominiert.
Mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Alexander Godunov, Reginald VelJohnson, William Atherton, Paul Gleason, Hart Bochner
Arsen und Spitzenhäubchen (Arsenic and old lace, USA 1944)
Regie: Frank Capra
Drehbuch: Julius J. Epstein, Phlip G. Epstein
LV: Joseph Kesselring: Arsenic and old lace, 1939 (Theaterstück)
Ein zeitloser Klassiker des Schwarzen Humors über eingefleischte Junggessellen (kurz vor der Hochzeit stehend), liebe Tanten (mit zahlreichen Leichen im Keller) und neidische Mörder. Gut, dass Vetter Teddy (aka Präsident Roosevelt) die Opfer des Gelben Fiebers begraben hat. Darauf einen Holunderbeerwein.
Mit Cary Grant, Josephine Hull, Jean Adair, Raymond Massey, Peter Lorre, Priscilla Lane, Jack Carson
LV: Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick, 1931 (Theaterstück)
Schuster Wilhelm Voigt will nach dem Verbüßen seiner Zuchthausstrafe wieder arbeiten. Eine Arbeit gibt es aber nur mit einem Pass und einen Pass erhält nur, wer eine Arbeit hat. Also entschließt der Schuster sich, sich als falscher Hauptmann einen Pass zu besorgen.
Klassiker des deutschen Tonfilms, der damals ein Publikumserfolg war (über zehn Millionen Besucher in fünf Monaten), auch für den Auslands-Oscar nominiert war, die deutschen Filmpreise abräumte und zu den bekanntesten und beliebtesten Heinz-Rühmann-Filmen gehört.
Zuckmayers Stück gehört zur Schullektüre und ist heute immer noch aktuell.
Heute wird der Klassiker gezeigt als Teil des 3sat-Thementag „Literatur-Klassiker“. Präsentiert wird eine ziemlich seltsame Auswahl. „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, „Heidi“, „Der Herr der Ringe“ (die Fantasyserie von 2022) und der selten gezeigte TV-Vierteiler „Die Schatzinsel“ (von 1966) gehen in Ordnung. Schließlich sind die Vorlagen und nicht die Verfilmungen Klassiker. Aber bei „Krambambuli“ und „Die Zürcher Verlobung“ dürften sich viele sich fragen, von wem die ihnen unbekannte Vorlage ist.
mit Heinz Rühmann, Hannelore Schroth, Martin Held, Erich Schellow, Walter Giller, Wolfgang Neuss
LV: Elmore Leonard: Three-Ten to Yuma, 1953 (Die Kurzgeschichte erschien zuerst in Dime Western, später in den Sammlungen „The Tonto Woman and other Western stories“ und „Complete Western stories“)
Der arme Rancher Dan Evans (Van Heflin) will den gesuchten Gangster Ben Wade (Glenn Ford) für eine Belohnung, die er dringend zum Überleben braucht, in Yuma abliefern. Aber Wades Bande will verhindern, dass Evans und sein Gefangener den Zug nach Yuma erreichen.
Ein viel zu selten; – naja, fast nie gezeigter Western-Klassiker, der 2007 von James Mangold mit Russell Crowe und Christian Bale durchaus gelungen, aber viel pompöser noch einmal verfilmt wurde. Delmer Daves braucht für sein packendes Moralstück letztendlich nur zwei Männer und ein Hotelzimmer.
„Delmer Daves‘ bester Film degradiert in seiner Analyse einer Held-Schurken-Partnerschaft und eines heroischen Einzelgangs Fred Zinnemanns ‚High Noon‘ zu einer Angelegenheit von geradezu lachhafter, welt- und westernfremder Simplizität.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
Heute wird die Leonard-Verfilmung als Teil des 3sat-Thementag „Wilder Western“ gezeigt. Präsentiert wird ein ziemlich gelungener Mix aus selten Gezeigtem (der TV-Vierteiler „Lederstrumpferzählungen“ von 1969), oft Gezeigtem (wie „Der weite Himmel“ und „Silverado“) und neuen Werken (nun, nur „Feinde – Hostiles“).
mit Glenn Ford, Van Heflin, Felicia Farr, Leora Dana, Henry Jones, Richard Jaeckel
Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.
„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.
Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, John Carroll Lynch, Bruce Campbell (ungenannt)
Rififi (Du rififi chez les hommes, Frankreich 1954)
Regie: Jules Dassin
Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton
LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953
Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.
Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen: Kino der Angst, 1980)
Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)
In Tokio reinigt Hirayama hingebungsvoll wunderschön aussehende öffentliche Toiletten. Anscheinend ist er zufrieden mit seinem betont einfachem, festen Ritualen folgendem Leben.
TV-Premiere zu einer…Nein, über die Uhrzeit sage ich jetzt nichts.
Wim Wenders‘ bester Spielfilm seit Ewigkeiten und ein Film für die Ewigkeit, wie ihn nur Wim Wenders machen kann. „Perfect Days“ ist gleichzeitig eine Fortführung und Revision bekannter Wenders-Themen.
Ist das Leben nicht schön? (It’s a wonderful Life, USA 1946)
Regie: Frank Capra
Drehbuch: Frances Goodrich, Albert Hackett, Frank Capra, Jo Swerling (zusätzliche Szenen), Michael Wilson (ungenannt) (nach einer Geschichte von Philip Van Doren Stern)
Am Heiligabend (also gestern, vor langer Zeit in einer anderen Welt) will sich der hochverschuldete Familienvater George Bailey (James Stewart) umbringen. Bevor er zur Tat schreitet, taucht Engel Clarence auf und schildert ihm, wie es ohne ihn in dem lauschigen Städtchen Bedford Falls aussähe.
Im Kino war der Film kein Erfolg. Dann lief er im Fernsehen so lange an den Weihnachtstagen bis er zu dem Weihnachtsfilm wurde. Regisseur Capra und Hauptdarsteller Stewart nannten den Film ihren Lieblingsfilm – und inzwischen ist er auch der Lieblingsfilm von vielen, vielen Menschen. So steht er in der IMDB-Top-250-Liste auf dem 21. Platz.
Mit James Stewart, Donna Reed, Lionel Barrymore, Henry Travers, Thomas Mitchell, Beulah Bondi, Ward Bond
Knacki Rudi Duncan freut sich wie Bolle. Unter der Identität eines verstorbenen Knastkumpels will er sich an dessen Brieffreundin heranmachen. Die sieht nämlich unglaublich gut aus. Dummerweise hat sie einen Bruder. Der möchte, dass Rudi ihm beim Überfall eines Casinos hilft. Ein Casino, in dem Rudi früher arbeitete.
John Frankenheimers letzter Kinofilm ist nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein vergnüglicher Neo-Noir mit viel Schnee, Weihnachtsmännern und vielen Dingen, die mit Weihnachten nichts zu tun haben.
„Mag das Drehbuch auch gelegentlich ein wenig überkonstruiert erscheinen, die Inszenierung von Regie-Veteran Frankenheimer erweist sich als absolut schnörkellos und handwerklich perfekt.“ (tip 25/2000)
Die US-Kritik war nicht so begeistert.
Frankenheimer inszenierte „Der Gefangene von Alcatraz“, „Botschafter der Angst“ (The Manchurian Candidate), „Grand Prix“, „French Connection II“, „Schwarzer Sonntag“ und „Ronin“.
mit Ben Affleck, Gary Sinise, Charlize Theron, Donal Logue, Danny Trejo, Clarence Williams III, Dennis Farina
Als der bekannte Popmusiker Oliver mit seiner Entourage in Los Angeles einen kleinen Second-Hand-Shop betritt, legt der Verkäufer Matthew die richtige Playlist auf. Nämlich nicht die Songs des Musikers, sondern Songs von Musikern, mit denen er sich gerade beschäftigt. Sie kommen ins Gespräch und Oliver lädt Matthew zum Konzert ein.
Im folgenden schildert Alex Russell, der Bücher für die TV-Serien „Dave“, „Beef“ und „The Bear“ schrieb, in seinem Spielfilmdebüt wie Matthew sich in Olivers Leben einschleicht. Er macht sich nützlich, ist immer verfügbar und hängt in dem Haus des Musikers herum; wie die anderen, ungefähr gleichaltrigen Menschen in Olivers Umfeld.
Dieses Porträt eines jungen, bekannten Musikers und seines parasitären Umfelds ist als Zustandsbeschreibung ziemlich gelungen. Eine richtige Geschichte will sich daraus nicht entwickeln. Der gesamte Film fühlt sich wie ein Prolog zu einer Geschichte an. Auch weil unklar ist, wie sehr Matthew wirklich ein Fan von Oliver ist und was er genau von Oliver will.
Dass Russell nicht wusste, welche Geschichte er in welchem Genre erzählen will – wobei „Lurker“ gut als psychologisches Drama und Horrorfilm gelabelt werden kann –, zeigt sich deutlich am Ende. Anstatt auf ein bestimmtes Ende hinzuarbeiten, bietet er mehrere verschiedene Enden an. Aus ihnen kann man sich sein Lieblingsende heraussuchen. Die davor entstandenen Lücken muss man dann entsprechend ausfüllen.
Lurker (Lurker, USA 2025)
Regie: Alex Russell
Drehbuch: Alex Russell
mit Théodore Pellerin, Archie Madekwe, Havana Rose Liu, Sunny Suljic, Zack Fox, Daniel Zolghadri, Olawale Onayemi
In ihrem Filmdebüt erzählt Eva Victor, die auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm, in fünf, sich über ebenso viele Jahre erstreckende, nicht chronologisch erzählten Kapiteln, wie Agnes, eine junge, in Neuengland lebende Literaturprofessorin, ein traumatisches Erlebnis verarbeitet. Was das war, wird erst am Filmende mehr oder weniger enthüllt.
Victor konzentriert sich in „Sorry, Baby“ auf ihre allein lebende Protagonistin und ihr Seelenleben. Sie erzählt diese Verarbeitung eines sexuellen Übergriffs sehr unauffällig und reduziert. Auch den Übergriff zeigt sie nicht. Sie zeigt nur das ‚davor‘ und das ‚danach‘. Entstanden ist ein stiller, ein leiser, ein introvertierter Film.
Sorry, Baby (Sorry, Baby, USA 2025)
Regie: Eva Victor
Drehbuch: Eva Victor
mit Eva Victor, Naomi Ackie, Louis Cancelmi, Kelly McCormack, Lucas Hedges, John Caroll Lynch
LV: Sara Varon: Robot Dreams, 2007 (Robo und Hund)
New York in den Achtzigern: ein Hund lebt in einem Apartment. Als er sich einen Roboter bestellt, erhält er einen echten Freund. Bis…
TV-Premiere. „Robot Dreams“ ist ein lebensbejahender, bittersüßer, humorvoller und sehr kluger Animationsfilm über große Themen für Menschen jeden Alters. Einer meiner Kinofilme des Jahres 2024.
Was kann über den dritten „Avatar“-Film gesagt werden, was nicht bereits über die ersten beiden Filme gesagt wurde? Sicher, es gibt einige neue Figuren, aber die Welt ist bereits etabliert. Die Hauptpersonen ebenso. Aber das Umfeld, in dem James Cameron seine Geschichte weiter erzählt, ist anders. Als „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ 2009 in die Kinos kam, fragte man sich, wer einen solchen überlangen Fantasy-Film in 3D sehen will. Viele, sehr viele Menschen wollten das. Das Epos spielte 2,9 Milliarden US-Dollar ein. Und danach war die 3D-Brille ein notwendiges Accessoire beim Kinobesuch. Der 3D-Hype ebbte glücklicherweise ab.
Der zweite „Avatar“-Film „The Way of Water“ kam 2022 in die Kinos und spielte 2,3 Milliarden US-Dollar ein. Bei dem Science-Fiction-Film beeindruckten, wie schon beim ersten Film, die Bilder. Gefühlt bearbeiteten James Cameron und sein Team in jahrelanger Arbeit jedes Bild am Computer nach. Es sah atemberaubend fantastisch und echt aus. Sogar die 3D-Brille störte nicht. Cameron zeigte, wie gut CGI sein kann. Danach sahen in jedem Superheldenfilm die Effekte erbärmlich schlecht aus.
Und jetzt läuft der dritte „Avatar“-Film an. „Fire and Ash“ heißt er. Die Brille wird wieder aufgesetzt. Die Bilder sehen wieder fantastisch aus. Wieder wurde fast jedes Bild nachbearbeitet. Nur sieben Aufnahmen, die ungefähr elf Sekunden des 197 Minuten langen Films ausmachen, wurden nicht bearbeitet. Die Story war schon in den beiden vorherigen „Avatar“-Filmen banal. Aber sie funktionierte. Dieses Mal enttäuscht sie als schlechte Wiederholung der Geschichte von „The Way of Water“.
Kurz nach den Ereignissen des zweiten „Avatar“-Films trauern die Mitglieder der Familie Sully, die bei dem am und im Wasser lebenden Metkayina Clan leben, über die Verluste, die sie vor wenigen Wochen in einer Schlacht mit den Soldaten der Resources Development Administration (RDA) erlitten. Die RDA will den Planeten für die Menschheit erobern.
Weil der bei den Sullys lebende Miles ‚Spider‘ Socorro, ein Mensch, bei dem Metkayina Clan nicht in Sicherheit ist, wollen sie ihn auf einem Schiff des Talim Clans, den Windhändlern, zu einem sicheren Ort bringen lassen. Zusammen begeben sie sich auf die Reise.
Kurz nach dem Abflug werden sie von Mitgliedern des Mangkwan Clans, den Ascheleuten, überfallen. Angeführt wird der Clan von der Kriegerin Varang. Varang arbeitet mit den Menschen zusammen, die ‚Spider‘ unbedingt für, ähem, wissenschaftliche Zwecke fangen wollen.
Aus dieser Prämisse – die Menschen und die Ascheleute wollen unbedingt ‚Spider‘ fangen – entwickelt sich dann eine erstaunlich holprig erzählte Geschichte, die gleichzeitig zu lang und zu kurz ist. Cameron pendelt zwischen epischen Actionszenen, langen Naturbertrachtungen und gefühlig trauernden und sich schuldig fühlenden Figuren. Wie in vielen anderen aktuellen Filmen wird sich auch in „Fire and Ash“ viel Zeit genommen, um posttraumatische Belastungsstörungen ausführlich anzusprechen. Die restliche Story setzt sich aus aus Actionfilmen vertrauten Storyelementen zusammen. Insofern ist in diesen Filmen der Trauerprozess nur das Schinden von Erzählzeit vor der nächsten Actionszene.
Die Story entwickelt sich nach einem poetischem, sich Zeit nehmendem Anfang immer wieder holprig voran und zerfasert. Einige Szenen dauern zu lang, wichtige Szenen werden übergangen, die neuen Figuren werden, falls überhaupt, arg lieblos eingeführt und über die neuen Clans erfahren wir fast nichts.
Immerhin erhält Varang (Oona Chaplin), die Anführerin des Magkwan Clans, eine gute Einführung. Im Verlauf des Films erfahren wir dann kaum etwas über sie. Dabei hätten wir gerne mehr über diese charismatische Kämpferin, ihr Volk und ihre Beziehung zu Feuer und Asche erfahren.
Die Geschichte wirkt, auch weil das Finale wieder eine epische Seeschlacht ist, wie eine Wiederholung von „The Way of Water“. Allerdings ohne die Klarheit des zweiten Teils, weil dieses Mal unklar ist, wer genau warum mit welchem Ziel gegen wen kämpft. Das zeigt sich vor allem in der langen, den Film beendenden Seeschlacht, die einfach nur eine konfuse und entsprechend langweilige Abfolge von Kämpfen ist, in denen jeder gegen jeden kämpft, bis sie irgendwann vorbei ist. Das gelang James Cameron in seinen vorherigen Filmen besser.
„Avatar: Fire and Ash“ ist gleichzeitig zu lang und zu kurz. Und ohne die überwältigend-neuen Bilder der ersten beiden „Avatar“-Filme.
Avatar 4 ist für Dezember 2029, Avatar 5 für Dezember 2031 angekündigt.
Avatar: Fire and Ash (Avatar: Fire and Ash, USA 2025)
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron, Rick Jaffa, Amanda Silver (nach einer Geschichte von James Cameron, Rick Jaffa, Amanda Silver, Josh Friedman und Shane Salerno)
mit Sam Worthington, Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Kate Winslet, Oona Chaplin, Cliff Curtis, Britain Dalton, Trinity Bliss, Jack Champion, Bailey Bass, Joel David Moore, CCH Pounder, Edie Falco, Giovanni Ribisi, David Thewlis
TV-Premiere. Bevor er im Kino ab dem 25. Dezember eine waschechte „Therapie für Wikinger“ erhält, lässt Jeanne Burel in ihrer fünfzigminütigen Doku einmal das Leben des Dänen Revue passieren. So spielte er in dem James-Bond-Film „Casino Royale“ den Bösewicht. Seitdem tanzt der Däne zwischen europäischem Arthaus-Kino, schrägen Komödien und Hollywood-Blockbustern.
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte Joe Pennas Überlebensdrama „Arctic“ (Island/USA 2018).
Drehbuch: Dominik Graf, Bernd Schwamm, Michael Hatry
Möbelfabrikant Hencken wird vor Schimanskis Stammhotel „Ideal“ erschossen. Für Schimanski, der die Intrigen zweier verfeindeter Familien aufklären muss, der Auftakt zu einem wirklich schwarzen Wochenende. Und das alles ohne seine geliebte Jacke.
Damals war Dominik Grafs „Tatort“ bei der Kritik ziemlich schlecht weggekommen, heute wird er – zu Recht – als einer der düsteren Klassiker gefeiert. Einer der Höhepunkte des Films ist eine halbstündige Verhörsequenz. Heute undenkbar.
Einen großen Plan vom Rest seines Lebens hat niemand von Wolfgang Beckers jungen und überaus sympathischen Protagonisten. Denn das Leben ist eine Baustelle und immer passiert irgendetwas. Zum Beispiel Jans folgenreiche Begegnung mit der Demonstrantin Vera, die gerade vor zwei Zivilpolizisten wegrennt. Danach ist er seinen Job los und schwer verliebt in Vera, die er später zufällig wieder trifft
Wunderschöne Tragikomödie, der Berlin zum unperfekten Sehnsuchtsort machte (Es muss ja nicht immer Seattle, New York, London oder Paris sein.) und zum Kultfilm wurde.
Wolfgang Becker sagte danach „Good bye, Lenin!“, Tom Tykwer ließ Lola durch Berlin rennen und X Filme Creative Pool wurde schnell zu der angesagten deutschen Produktionsgesellschaft.
mit Jürgen Vogel, Christiane Paul, Ricky Tomlinson, Christiana Papamichou, Rebecca Hessing, Armin Rohde, Martina Gedeck, Meret Becker, Andrea Sawatzki
Misty – Die Erroll Garner Story(Misty – The Erroll Garner Story, Schweiz/Frankreich/Deutschland 2024)
Regie: Georges Gachot
Drehbuch: Georges Gachot, Paolo Poloni
TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über den Jazzpianisten Errol Garner (1921 – 1977).
Seine bekannteste Aufnahme ist „Concert by the Sea“. Sein bekanntester Song ist „Misty“, unter anderem bedeutungsvoll gespielt in Clint Eastwoods Regiedebüt „Sadisctico“ (Play Misty for me, USA 1971).
Über die Doku meint das Lexikon des Internationalen Films: „Der Dokumentarfilm schöpft aus dem reichen Archivmaterial der Auftritte und macht es sich zur Aufgabe, den Musiker (…) der Vergessenheit zu entreißen. Dazu fährt der Film zahlreiche Lobeshymnen von damals bis heute auf, gerät darüber aber einseitig und wenig dramatisch, zudem widmet er sich zu ausführlich der wenig bekannten, aber auch nicht sehr ergiebigen privaten Seite des Künstlers.“
Trotzdem will man sich danach wieder eine seiner Aufnahmen anhören.
mit (teilweise Archivaufnahmen) Erroll Garner, Jimmie Smith, Ernest McCarty, Brian Torff, Jim Doran, Kim Garner, Rosalyn Noisette, Thelma Spencer, Martha Glaser, Dan Morgenstern, Gil Nobel
Die Unbestechlichen – The Untouchables (The Untouchables, USA 1987)
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: David Mamet
Grandioser Gangsterfilm über den Kampf von Eliot Ness und seiner unbestechlichen Mitstreiter gegen Al Capone.
„Mit der ihm eigenen formalen Brillanz hat Brian De Palma diesen authentischen Fall inszeniert. Seine Liebe zum Detail, ausgeklügelte Kamerafahrten und Einstellungen, Ennio Morricones emotionaler Soundtrack und die lakonisch-präzise Charakterisierung der Personen machen den Film zu einem Augen- und Ohrenschmaus.“ (Fischer Film Almanach 1988)
Sean Connery gewann den Oscar als bester Nebendarsteller.
Mit Kevin Costner, Robert de Niro, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia, Jack Kehoe
LV: Stephen King (ursprünglich als Richard Bachman): The Running Man, 1982 (Menschenjagd)
2017 ist den USA „The Running Man“ die beliebteste TV-Show. In ihr wird ein Sträfling vor laufender Kamera von einigen Profijägern gehetzt. Wenn er überlebt, winken ihm die Freiheit und Geld. Als Ex-Polizist Ben Richards („Terminator“ Arnold Schwarzenegger) zum Mitspielen gezwungen wird, ändern sich die Spielregeln.
Paul Michael Glasers Verfilmung ist nach damaliger Einschätzung „eine extrem teure, zynische Gewaltverherrlichung“ (Fischer Film Almanach 1989, ähnlich das Lexikon des Internationalen Films), bei der das satirische Potential auf der Strecke bleibt. „von eher minderer Qualität“ (Phil Hardy, Hrsg: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)
mit Arnold Schwarzenegger, Maria Conchita Alonso, Richard Dawson, Yaphet Kotto, Jim Brown, Jessen Ventura
Es gibt die einen Weihnachtsfilme. Und dann gibt es noch die Weihnachtsfilme für Menschen, die eigentlich keine Weihnachtsfilme mögen. Also nicht, weil sie lieber „Stirb langsam“ oder „Kevin – Allein zu Haus“ gucken, sondern die lieber eine dieser Schlachtplatten gucken, in denen das Blut in Fontänen über die Leinwand spritzt, während ein psychopatischer Killer munter mehr oder weniger sündige junge Frauen und Männer abschlachtet.
Für die wurde auf den ersten Blick „Silent Night, Deadly Night“ gemacht. Es handelt sich um ein Remake von Charles E. Sellier jr. Horrorfilm „Stille Nacht, Horror Nacht“ (Silent Night, Deadly Night, 1984). Bei uns erschien das Werk im Dezmber 1987 auf Video. Fast schon wohlwollend nannte der Fischer Film Almanach den Film „makabren Unsinn“. Das Lexikon des internationalen Films meinte „Wir raten ab.“
In den USA entstanden bis 1991 vier Fortsetzungen. 2012 gab es eine weitere und jetzt „Silent Night, Deadly Night“. Die Macher nennen ihren Film ein Reboot. Aber sie hätten wohl auch „lose inspiriert von“ oder „eine weitere Fortsetzung“ sagen können.
Jedenfalls begibt sich in dem von Mike P. Nelson geschriebenem und inszeniertem Horrorfilm der junge Drifter Billy jedes Jahr vor Weihnachten auf eine Mordtour. Anstatt Türen vom Adventskalender zu öffnen, tötet er jeden Tag im Dezember bis zu Heiligabend eine Person, die – und jetzt spoilere ich etwas – den Tod verdient haben. Als Kind musste Billy ansehen, wie seine Eltern von einem Nikolaus ermordet wurden. Danach gab es eine Art Geistübertragung von dem sterbenden Nikolaus auf den jungen Billy. Seitdem erkennt er böse Menschen. Diese bringt er dann um.
Vor dem blutigen Töten kämpft der mordlüsterne Nikolaus-Geist mit Billys Geist in Billys Kopf darüber, wer wann den Tod verdient hat. Wie in den „Venom“-Superheldenfilmen hören wir die streitenden Stimmen in Billys Kopf. Was bei „Venom“ der ziemlich witzige Kampf zwischen einem außerirdischem Symbiont und seinem Wirtskörper ist, ist in „Silent Night, Deadly Night“ die günstige und effektive Darstellung von Schizophrenie in einem Film. Diese Idee mit der Stimme im Kopf läuft sich schnell tot.
Der Rest in Mike P. Nelsons in der Gegenwart spielendem Horrorfilm ist eine wenig durchdachte Mischung aus einer durchaus witzige Idee für Billys allweihnachtliche Mordserie und einer schlechten Umsetzung. Die Logiklöcher haben epische Ausmaße. Die Behauptung, dass Billy nur böse Menschen tötet, rechtfertigt auf der einen Seite die Taten, lässt auf der anderen Seite aber jede Diskussion über die Taten vermissen. Eigentlich sind sie nur eine primitive Entschuldigung, um Menschen umzubringen und sich dabei gut zu fühlen. Denn hier ist der Mörder nicht der Bösewicht, der den Tod verdient, sondern der Gute, der böse Menschenkinder bestraft. Die Morde, der Grund für den Slasher-Fan, sich solche Filme anzusehen, sind zwar halbwegs blutig, aber rar und schneller vorbei als ein Axthieb.
Die Verlegung in die Gegenwart macht die Geschichte vollends unglaubwürdig. Spätestens nachdem Billy am Filmanfang in einem Motel einen Polizisten ermordet und fast von den Kollegen des toten Polizisten geschnappt wird, hätte eine großflächige Fahndung nach ihm beginnen müssen. Und dann wäre Billy, so wie er Spuren hinterlässt, schnell geschnappt worden.
„Silent Night, Deadly Night“ ist nicht der Weihnachtsfilm für den Slasher-Horrorfilmfan, sondern bestenfalls nicht sättigendes Graubrot.
Silent Night, Deadly Night(Silent Night, Deadly Nght, USA 2025)
Regie: Mike P. Nelson
Drehbuch: Mike P. Nelson (nach dem Drehbuch von Michael Hickey zu „Silent Night, Deadly Night“ [USA 1984])
mit Rohan Campbell, Ruby Modine, Mark Acheson, David Lawrence Brown, Erik Athavale, David Tomlinson