TV-Tipp für den 18. Februar: Inherent Vice – Natürliche Mängel

Februar 17, 2023

Tele 5, 22.20

Inherent Vice – Natürliche Mängel (Inherent Vice, USA 2015)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

LV: Thomas Pynchon: Inherent Vice, 2009 (Natürliche Mängel)

Los Angeles in den frühen Siebziger: Der dauerbekiffte Privatdetektiv Larry ‚Doc‘ Sportello (Joaquin Phoenix) sucht den spurlos verschwundenen Liebhaber einer seiner Ex-Freundinnen. Das ist der Auftakt für einen wahrhaft labyrinthischen Plot, der sich ungeniert bei den großen und bekannten Noirs bedient – und sich würdig zu ihnen gesellt.

TV-Premiere. Köstlicher, ebenso traditionsbewusster wie selbstironischer Noir für die Fans von Hammett, Chandler, Ellroy, „Chinatown“, „The Big Lebowski“ und „The Nice Guys“ (ja, die kamen genaugenommen etwas später). Die Vorlage dieses Megacuts des bekannten Hardboiled- und Noir-Kanons ist von Thomas Pynchon.

Danach will man sich wieder die Klassiker ansehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Martin Short, Jena Malone, Joanna Newson, Eric Roberts, Hong Chau, Michael Kenneth Williams, Martin Donovan, Sasha Pieterse

Die Vorlage

Thomas Pynchon: Natürliche Mängel

(übersetzt von Nikolaus Stingl)

rororo, 2012

480 Seiten

14 Euro

Deutsche Erstausgabe/Gebundene Ausgabe

Rowohlt, 2010

Originalausgabe

Inherent Vice

The Penguin Press, 2009

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Metacritic über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Rotten Tomatoes über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“

Wikipedia über „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (deutsch, englisch) und über Thomas Pynchon

Perlentaucher über Thomas Pynchons „Natürliche Mängel“

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)


TV-Tipp für den 17. Februar: First Reformed

Februar 16, 2023

3sat, 22.25

First Reformed (First reformed, USA 2017)

Regie: Paul Schrader

Drehbuch: Paul Schrader

TV-Premiere. Hochgelobtes Drama über einen mit seinem Glauben hadernden Geistlichen, der eine schwangere Frau trifft, die mit einem Umweltaktivisten verheiratet ist, der nicht möchte, dass sein Kind in diese Welt geboren wird.

Keine leichte Kost

Mit Ethan Hawke, Amanda Seyfried, Cedric Keyles, Victoria Hill, Michael Gaston

Hinweise

Rotten Tomatoes über „First Reformed“

Wikipedia über „First Reformed“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Akropolis Bonjour – Monsieur Thierry macht Urlaub“, so wie früher

Februar 16, 2023

Thierry Hamelins selbstgewählte Aufgabe als Pensionär ist das Einscannen und das damit verbundene sorgfältige und akribische Archivieren der in den vergangenen Jahrzehnten aufgenommenen Familienbilder. Diese Aufgabe könnte ihn gut die nächsten Jahre beschäftigen. Aber da sagt ihm seine 52-jährige berufstätige Frau Claire, dass sie ihn verlassen werde.

In dem Moment hat er eine neue Aufgabe: er will sie zurückerobern. Das soll bei der Wiederholung ihres Griechenlandurlaubs von 1998 geschehen. Damals waren sie, also er, seine Frau und ihre beiden Kinder Karine und Antoine, eine glückliche Familie. Die Urlaubsfotos beweisen es. Inzwischen sind die Kinder erwachsen. Seine Tochter ist eine vielbeschäftigte Anwältin; sein Sohn hangelt sich entspannt von einer gescheiterten Geschäftsidee zur nächsten.

Mit höflicher Penetranz kann er sie überzeugen, mit ihm den Urlaub nachzustellen. Bild für Bild. Als hätte sich in gut 25 Jahren nicht einiges geändert.

Akropolis Bonjour – Monsieur Thierry macht Urlaub“ ist eine warmherzige, letzendlich belanglose Feelgood-Komödie. François Uzan erzählt in seinem Spielfilmdebüt mit einem gut aufgelegtem Ensemble und vor fotogener Kulisse eine sich in durchaus vertraut-vorhersehbaren Bahnen bewegende RomCom-Geschichte. Dem Zielpublikum dürfte es gefallen.

Uzan schrieb auch die Drehbücher für die Netflix-Serie „Lupin“.

Akropolis Bonjour – Monsieur Thierry macht Urlaub (On sourit sur la photo, Frankreich 2022)

Regie: François Uzan

Drehbuch: François Uzan

mit Jacques Gamblin, Pascale Arbillot, Pablo Pauly, Agnès Hurstel, Ludovik

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (Oha!)

Hinweise

AlloCiné über „Akropolis Bonjour – Monsieur Thierry macht Urlaub“

Moviepilot über „Akropolis Bonjour – Monsieur Thierry macht Urlaub“

Wikipedia über „Akropolis Bonjour – Monsieur Thierry macht Urlaub“


Neu im Kino/Filmkritik: „Final Cut of the Dead“, ein Zombiefilm, eine Komödie, ein Making-of – und ein großer Spaß

Februar 16, 2023

Es beginnt mit einer furiosen 32-minütigen Einstellung, die mit einem Abspann endet. Wer jetzt hastig, immerhin hat er in dem Moment schon einen Film mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende gesehen, seine Sachen zusammenpackt und den Kinosaal in Richtung Ausgang verlässt, verpasst das Beste. Deshalb sollte jeder, der den ganzen Film sehen möchte, sitzenbleiben, bis im Saal das Licht angeht.

In einer abgelegen von der Stadt liegenden Fabrikruine dreht Rémi einen No-Budget-Horrorfilm. Es geht um Romero-typisch schlurfende Zombies, die Menschen angreifen, töten und essen. Während der Dreharbeiten, die aus Sicht des hyperaktiven und cholerischen Regisseurs nicht zufriedenstellend verlaufen, scheinen echte Zombies am Drehort aufzutauchen.

Als seine Stars beginnen, kreischend vor den Untoten wegzulaufen, brüllt er nur „Weiterdrehen!“. Jetzt hat er von seinen minderbegabten Schauspielern endlich die Reaktionen, auf die er den ganzen Tag erfolglos hinarbeitete. Dass sie dabei aufgegessen werden könnten, ist ein Opfer, das für die Kunst erbracht werden muss.

Mehr soll hier über „Final Cut of the Dead“ nicht verraten werden. Denn die irrwitzigen Wendungen des Films in seinem zweiten und dritten Akt sind ein großer Teil des Vergnügens. Dann werden auch die Merkwürdigkeiten des ersten Akts, wie dass französische Schauspieler sich mit japanischen Namen ansprechen, ihre teils peinlich schlechten Dialoge und die teils grottenschlechte Kameraführung erklärt.

Inszeniert wurde die sehr komische und hoffnungslos abgedrehte Horrorkomödie von Michel Hazanavicius, dem Regisseur von „The Artist“ und zwei OSS-117-Filmen. Er liebäugelte schon länger mit der Idee, eine Komödie über einen Filmdreh zu machen. Als er mit Vincent Maraval, einem der Produzenten des Films, darüber sprach, sagte er ihm, er habe die Rechte an einem japanischen Studentenfilm erworben. Hazanavicius sah sich den Film an. Er gefiel ihm und weil der Film die Themen behandelt, die er in seinem Film auch behandeln wollte, beschloss er, ein Remake der Horrorkomödie über einen aus dem Ruder laufenden Dreh eines Zombiefilms zu drehen.

Vor dem Dreh überarbeitete Hazanavicius das Drehbuch. Aber viel veränderte er nicht. Letztendlich polierte und verfeinerte er nur Shin’ichirô Uedas Überraschungserfolg „One Cut of the Dead“ (2017). Hier und da gibt es in seinem Drehbuch kleinere Änderungen und es wird das Verhältnis von Remake und Original angesprochen. Das Budget war höher. Die Schauspieler sind bekannter. Dazu gehören Romain Duris und Bérénice Bejo. Duris spielt den hyperaktiven Regisseur spielt, der während des schief gehenden Drehs manisch improvisieren und viel, sehr viel, herumrennen muss. Bejo spielt seine Frau, die auch am Set ist. Weil sie sich früher zu sehr in ihre Rollen hineinsteigerte, hat sie mit der Schauspielerei aufgehört. Für die Fans des Originals ist Yoshiro Takehara als aufgesetzt fröhlich lachende, immer hemmungslos begeisterte Produzentin wieder dabei.

Final Cut of the Dead“ ist die polierte, perfekt abgemischte Stadionrockvariante eines rumpeligen Punksongs. Das gefällt jederzeit. Es dürfte auch denen gefallen, die das bei uns nur auf DVD erschienene Original kennen, und jetzt jede Wendung und Überraschung des Remakes kennen. Mir gefallen beide Versionen; wobei mir das Remake etwas besser gefällt.

Hazanavicius‘ Komödie ist ein großer Spaß für Fans von Zombiefilmen, die schon immer wissen wollten, wie so ein Film ohne Geld, aber mit viel Enthusiasmus entsteht. Denn selbstverständlich gibt es im „Final Cut of the Dead“ keine CGI-Effekte.

Final Cut of the Dead (Coupez!, Frankreich 2022)

Regie: Michel Hazanavicius

Drehbuch: Michel Hazanavicius (nach der Geschichte/Drehbuch von Shin’ichirô Ueda und Ryoichi Wada)

mit Romain Duris, Bérénice Bejo, Grégory Gadebois, Finnegan Oldfield, Matilda Lutz, Sébastien Chassagne, Raphaël Quenard, Simone Hazanavicius, Jean-Pascal Zadi, Yoshiko Takehara

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Final Cut of the Dead“

Moviepilot über „Final Cut of the Dead“

Metacritic über „Final Cut of the Dead“

Rotten Tomatoes über „Final Cut of the Dead“

Wikipedia über „Final Cut of the Dead“ (deutsch, englisch, französisch)

Cannes Filmfest über den Film

Meine Besprechung von Michel Hazanavicius‘ „The Artist“ (The Artist, Frankreich 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ startet die fünfte MCU-Phase

Februar 16, 2023

Beginnen wir mit dem für Marvel-Fans wichtigem Fazit: der neue MCU-Film ist deutlich gelungener als die Filme der sogenannten vierten Phase. Außerdem hat man am Ende von „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ eine Ahnung, um was es in den kommenden Filmen gehen könnte.

Und jetzt kommen wir zu den Details. Denn „besser als die vorherigen Film“ ist noch lange nicht so gut wie die besten Marvel-Filme. „Quantumania“ ist noch nicht einmal der beste Ant-Man-Film.

Scott Lang (Paul Rudd) ist Ant-Man. Mit einem speziellem Anzug kann er seine Körpergröße verändern und sich auf die Größe einer Ameise verkleinern. Mit diesem Anzug bekämpfte er in den ersten beiden Ant-Man-Filmen und weiteren MCU-Filmen erfolgreich Bösewichter.

Jetzt, in „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ lebt Scott ein beschauliches Leben. Er hat seine Biographie veröffentlicht. Sie ist ein Bestseller. Er lebt mit Hope Van Dyne, aka The Wasp (Evangeline Lilly), seiner achtzehnjährigen Tochter Cassie Lang (Kathryn Newton), die gerne im Keller forscht, dem Erfinder Dr. Hank Pym (Michael Douglas) und seiner Frau Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) zusammen und eigentlich ist alles perfekt.

Janet war dreißig Jahre im Quantenreich verschwunden. Das Quantenreich ist eine subatomare Welt in unserer Welt. Mit dem von Hank Pym entdecktem Pym-Partikel, das auch für die Technik des Anzugs von Ant-Man wichtig ist, und einigen technischen Apparaten kann das Quantenreich betreten und verlassen werden.

Als durch Experimente von Cassie ein Tor zum Quantenreich geöffnet wird, werden sie in das Quantenreich gezogen und voneinander getrennt. Vor ihrer Rückkehr müssen sie sich wieder finden. Gleichzeitig werden sie in den Kampf zwischen Kang und den ihn bekämpfenden Freiheitskämpfern hineingezogen.

Für Kang, den Eroberer (Jonathan Majors), ist das Quantenreich ein Gefängnis, aus dem er ohne den Zugriff auf Pym-Partikel nicht entkommen kann. Also machte er es zu seinem Reich. Gegen sein Terrorregime kämpfen die Freiheitskämpfer. Scott, Hope, Cassie, Hank und Janet, die Kang von früher kennt, werden sofort in diesen Kampf hineingezogen.

Das mag als Inhaltsbeschreibung ausreichen. Einerseits um nichts zu spoilen, andererseits weil es wirklich nicht viel mehr Story gibt und diese sich ziemlich gradlinig auf den finalen, episch langen, anscheinend nicht enden wollenden Kampf zubewegt. Damit hat „Quantumania“, im Gegensatz zu den vorherigen MCU-Filmen, eine nachvollziehbare Story mit einem klar identifizierbarem Bösewicht, der der Bösewicht bleibt, und einem Helden, der ihn bekämpft. Auch wenn der Held hier eine ganze Patchwork-Familie ist und Janet Van Dyne im Quantenreich knallhart die Führung übernimmt, während Ant-Man und Wasp doch erst einmal auf die Zuschauerränge verbannt werden. In dieser Welt sind sie halt hilfsbedürftige Greenhorns.

Janet dagegen kennt diese Welt wie ihre Poncho-Tasche. Sie trifft auf viele alte Bekannte, die ihr mehr oder weniger wohlgesonnen sind und sie kämpft sich ähnlich kaltschnäuzig wie Han Solo durch diese Welt.

Sowieso erinnert die Story in ihrem World-Building, dem Aussehen der gesichtslosen Fußtruppen des Bösewichts und den Beziehung der Hauptfiguren zueinander (wer will, kann während des Films eine Familienaufstellung der Familie Skywalker und der Familie Lang/Van Dyne machen) immer wieder an „Krieg der Sterne“ (Star Wars). Und auch an die Inspirationen für „Star Wars“, wie „Flash Gordon“ und den von „Tarzan“-Erfinder Edgar Rice Burroughs erfundenen „John Carter vom Mars“.

Aber während die Welten in diesen Space Operas meist, wie es sein soll, strahlend hell sind, ist in „Quantumania“ das Quantenreich eine meist dunkle Welt, die fast vollständig am Computer entstanden ist. Da ist Dunkelheit ein probates Mittel, um Zeit und Geld zu sparen und um die Qualität der CGI-Effekte zu verschleiern.

Diese sind, was vor allem im Vergleich zu „Avatar: The Way of Water“ auffällt, erstaunlich schlecht. Während in James Camerons Film alles am hellichten Tag spielt, alles gut erkennbar ist und die Welt wie eine reale Welt aussieht, ist in Peyton Reeds neuem Ant-Man-Film fast nichts erkennbar. Das Quantenreich besteht aus einigen Farbtupfern und viel Dunkelheit. Von dem Quantenreich ist wenig zu sehen. Die Actionszenen wirken wie eine lieblose Wiederverwertung aus anderen SF-Filmen wirken. Die Abläufe sind kaum nachvollziehbar, weil man im Dunkeln einfach nichts sieht.

Die Fähigkeit von Ant-Man, sich auf Ameisengröße zu verkleinern und zu vergrößern ist hier nur noch ein für die Story unwichtiger Gimmick. In den Actionszenen kann Scott sich in Sekundenbruchteilen verkleinern und vergrößern und so seine Gegner überraschen und schlagen. Das ist schon bei der zweiten Schlägerei langweilig.

Etliche dieser Probleme sind Probleme, die Marvel-typisch sind. Aber immerhin ist der Film, der weitgehend als Einzelfilm konzipiert ist, deutlich unterhaltsamer als die Filme der vorherigen MCU-Phase. Und, im Gegensatz zur konfusen vierten MCU-Phase ist in „Quantumania“ der Beginn eines erzählerischen Bogens erkennbar, der für mehrere Filme tragfähig ist. Der Bösewicht Kang, der einfach nur böse sein will, bleibt länger im Gedächnis als die meisten anderen Marvel-Bösewichter. Er will diese und alle anderen möglichen Welten vernichten. Er soll der neue Thanos sein. Das war, zur Erinnerung, der Bösewicht in der drei MCU-Phasen umspannenden Infinity-Saga, die mit „Avengers: Endgame“ ihren grandiosen Abschluss fand.

Die Marvel-Helden müssen Kangs Pläne durchkreuzen. Ob sie in den nächsten Filmen gegen diesen oder einen anderen Kang kämpfen – wir sind inzwischen ja im Multiversum, in dem es auch verschiedene Spider-Men gibt und kein Tod endgültig ist – ist egal.

P. S.: Es gibt zwei Abspannszenen. Eine ziemlich am Anfang, eine am Ende.

Ant-Man and the Wasp: Quantumania (Ant-Man and the Wasp: Quantumania, USA 2023)

Regie: Peyton Reed

Drehbuch: Jeff Loveness

LV: Charakter von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby

mit Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michelle Pfeiffer, Jonathan Majors, Kathryn Newton, David Dastmalchian, Katy O’Brian, William Jackson Harper, Bill Murray

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“

Metacritic über „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“

Rotten Tomatoes über „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“

Wikipedia über „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Peyton Reeds „Ant-Man“ (Ant-Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Peyton Reeds „Ant-Man and The Wasp“ (Ant-Man and The Wasp, USA 2018)


TV-Tipp für den 16. Februar: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

Februar 15, 2023

Während die neueste Zusammenarbeit von Soderbergh/Tatum im Kino läuft, läuft im Fernsehen eine ihrer früheren Arbeiten

Servus TV, 20.15

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.

Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder, gewohnt produktiv, im Kino angekommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum, Vinessa Shaw

Wiederholung: Freitag, 17. Februar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Side Effects“

Metacritic über „Side Effects“

Rotten Tomatoes über „Side Effects“

Wikipedia über „Side Effects“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Magic Mike: The Last Dance“ (Magic Mike’s Last Dance, USA 2023)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Februar: Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit

Februar 14, 2023

Kabel Eins, 22.55

Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (Out of Time, USA 2003)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Sanaa Lathan, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Dienstag, 21. Februar, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über”Out of Time”

Wikipedia über „Out of Time“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. Februar: Baghad in my shadow

Februar 13, 2023

3sat, 22.55

Baghdad in my shadow (Deutschland/Schweiz/Großbritannien 2019)

Regie: Samir

Drehbuch: Samir, Furat al Jamil

In London ist das Café „Abu Nawas“ für Exil-Iraker ein beliebter Treffpunkt. Als ein Geheimdienstler, der unter Saddam Hussein diente, eintrifft und sich mit einem lokalen Hassprediger, der das weltoffene Café hasst, zusammen tut, ist die fragile Gemeinschaft gefährdet.

TV-Premiere. Das „Lexikon des internationalen Films“ war nur so halb überzeugt: „Das Panorama einer postmigrantischen Gesellschaft fällt recht schematisch aus. (…) dialoglastige Dramaturgie.“

mit Haytham Abdulrazaq, Zahraa Ghandour, Waseem Abbas, Maxim Mehmet, Shervin Alenabi, Meriam Abbas, Awatif Naeem, Kerry Fox, Hazel O’Connor

Hinweise

Filmportal über „Baghad in my shadow“

Rotten Tomatoes über „Baghdad in my shadow“

Wikipedia über Samir

Meine Besprechung von Samirs „Iraqi Odyssey“ (Schweiz/Deutschland/Irak 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den norwegischen Antikriegsfilm „War Sailor“

Februar 13, 2023

Deutschland schickte „Im Westen nichts Neues“ in das Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film. Der Kriegsfilm wurde in dieser und acht weiteren Kategorien nominiert. Norwegen schickte einen anderen Kriegsfilm ins Oscarrennen.In dem Film von Gunnar Vikene geht es nicht um das Sterben von Frontsoldaten, sondern um das Sterben von zivilen Seemännern.

Im Mittelpunkt des hundertfünfzigminütigem Films stehen die beiden unpolitischen Jugendfreunde Sigbjörn Kvalen und Alfred Garnes und Alfreds Frau Cecilia. 1939 verlassen die beiden Männer Bergen. Sigbjörn verspricht Cecilia, ihren Mann wohlbehalten zurückzubringen. Doch das dauert länger als geplant. Sie werden wenige Monate später, wie 30.000 andere norwegische Seeleute, zu Kriegsmatrosen. Sie fahren auf Schiffen, die Vorräte für die Alliierten transportieren. Sie sind unbewaffnet und sie haben keinen militärischen Geleitschutz. Für deutsche U-Boote sind sie eine leichte Beute.

Währenddessen zieht Cecilia in Bergen ihre drei gemeinsamen Kinder auf.

Jahre nach dem Krieg kehrt Sigbjörn zurück und er ist erstaunt, dass Cecilia und Alfreds Kinder noch leben. Denn im Januar 1945 erhielt Alfred die Nachricht, sie und ihre Kinder seien vor mehreren Monaten bei einem Bombenangriff umgekommen. Alfred tauchte danach unter. Jetzt sucht Sigbjörn ihn.

Die letzte Stunde des Dramas spielt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vikene zeigt in diesem beeindruckendem dritten Akt auch die psychischen Folgen, die der Krieg auf Menschen hat. Auch noch lange nachdem das Sterben vorbei ist. Körperlich sind Alfred und Sigbjörn unversehrt. Seelisch nicht.

Vikene erzählt diese Geschichte immer nah bei seinen Figuren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Erlebnissen von Alfred und Sigbjörn und wie sie und ihre Kameraden versuchen, den Krieg zu überleben ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren.

Eben dieser große kunstvoll ausgeführte epische Bogen macht „War Sailor“ sehenswert.

Leider zielt die Inszenierung mit ihren vielen Nahaufnahmen und der pseudodokumentarischen Wackelkamera zu sehr in Richtung Puschenkino.

Bei dem Budget von elf Millionen Euro, das den Antikriegsfilm zum teuersten norwegischen Film bislang machen, wären sicher mehr originäre Kinobilder möglich gewesen. Ohne die Konzentration auf seine drei Hauptfiguren zu vernachlässigen.

War Sailor (Krigsseileren. Norwegen/Deutschland/Malta 2022)

Regie: Gunnar Vikene

Drehbuch: Gunnar Vikene

mit Kristoffer Joner, Pål Sverre Hagen, Ine Marie Wilmann, Henrikke Lund Olsen, Téa Grønner Joner, Daniel Berg

Länge: 151 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „War Sailor“

Moviepilot über „War Sailor“

Rotten Tomatoes über „War Sailor“

Wikipedia über „War Sailor“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 13. Februar: Lieber Thomas

Februar 12, 2023

Arte, 22.25

Lieber Thomas (Deutschland 2021)

Regie: Andreas Kleinert

Drehbuch: Thomas Wendrich

TV-Premiere. Absolut sehenswertes und oft mitreisendes Biopic über Thomas Brasch (1945 – 2001) und sein Leben in der DDR und, seit 1976, der BRD.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des mit neun Deutschen Filmpreisen, unter anderem als bester Film, ausgezeichneten SW-Biopics.

mit Albrecht Schuch, Jella Haase, Peter Kremer, Claudio Magno, Jörg Schüttauf, Anja Schneider, Joel Basman, Joana Jacob, Emma Bading

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Lieber Thomas“

Moviepilot über „Lieber Thomas“

Wikipedia über „Lieber Thomas“ (deutsch, englisch) und Thomas Brasch (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andreas Kleinerts „Lieber Thomas“ (Deutschland 2021)


TV-Tipp für den 12. Februar: Gallipoli

Februar 11, 2023

Arte, 20.15

Gallipoli (Gallipoli, Australien 1981)

Regie: Peter Weir

Drehbuch: David Williamson (nach einer Geschichte von Peter Weir)

LV: Bill Gammage: The Broken Years, 1970

Erster Weltkrieg: die beiden aus Australien kommenden, miteinander befreundeten Läufer Frank Dunne und Archy Hamilton melden sich freiwillig als Kämpfer für die britische Armee. Nach ihrer Ausbildung werden sie als Kanonenfutter auf die Halbinsel Gallipoli geschickt.

Eindrucksvoller Antikriegsfilm mit Mel Gibson am Anfang seiner Weltkarriere. Auch Peter Weir setzte kurz darauf die Segel in Richtung Hollywood. Der Rest ist Hollywood-Geschichte.

mit Mel Gibson, Mark Lee, Bill Hunter, Robert Grubb, David Argue

Wiederholung: Donnerstag, 16. Februar, 14.20 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Gallipoli“

Metacritic über „Gallipoli“

Rotten Tomatoes über „Gallipoli“

Wikipedia über „Gallipoli“ (deutsch, englisch) und über Peter Weir (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Peter Weir

The Peter Weir Cave (eine Fanseite)

Meine Besprechung der “Peter Weir Collection” (mit “Die Autos, die Paris auffrassen”, “Picknick am Valentinstag”, “Die letzte Flut” und “Wenn der Klempner kommt”)

Peter Weir in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Knock, „Knock at the Cabin“, Mr. Shyamalan

Februar 11, 2023

Es ist ein schöner Sommertag, als zuerst einer, dann drei weitere Fremde vor einer einsam im Wald gelegenen Hütte auftauchen und energisch Einlass begehren. Bei sich haben sie archaisch anmutende Waffen, die aus einem Fantasy-Mittelalter-Rollenspiel stammen könnten. Sie begehren so lautstark Einlass, dass Eric (Jonathan Groff), Andrew (Ben Aldridge) und ihre achtjährige Adoptivtochter Wen (Kristen Cui) sofort Todesangst haben und panisch alle Fenster und Türen verbarrikadieren.

Es hilft nicht. Kurz darauf sind die vier Fremden – Leonard (Dave Bautista), der sich sanft gebende Wortführer der Truppe, Sabrina (Nikki Amuka-Bird), Adrianne (Abby Quinn) und Redmond (Rupert Grint) – in der Hütte. Wens beiden Väter sind an Stühle gefesselt und ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr. Leonard sagt ihnen, dass Alpträume ihn und seine drei Begleiter an einem bestimtmen Ort zu einer bestimmten Uhrzeit zusamengeführt hätten. Jetzt seien sie hier, um das in wenigen Stunden nahende Ende der Welt zu verhindern. Dafür muss Eric, Andrew oder Wen ein anderes Familienmitglied töten. Dieses Opfer verhindere die Apokalypse. Ein Suizid könne das Ende der Welt nicht verhindern. Es muss ein Mord sein.

Schon in diesen ersten Minuten seines neuen Horrorfilms zeigt M. Night Shyamalan mehr religiöse Sympolik als in einem religösem Traktat enthalten ist. Entsprechend müßig ist eine detaillierte Auflistung. Jedenfalls präsentieren diese vier apokalyptischen Reiter, um ihren Worten eine höhere Glaubwürdigkeit zu verleihen, ihren Gefangenen live ausgestrahlte Fernsehberichte über die Plagen, die in den vergangenen Stunden über die Menschen hereingebrochen sind.

Eric, Ben und Wen haben davon in der Einöde, die sie ohne Internet und Fernsehen genießen wollen, nichts mitbekommen. Sie halten diese Berichte für Falschberichte, die ihnen als echte Berichte präsentiert werden. Einerseits weil bei ihnen im betont malerischen Wald von den die Welt erschütternden Katastrophen nichts zu spüren ist. Andererseits weil sie nicht glauben können, dass sich innerhalb weniger Tage alles verändert haben soll. In dem Moment halten sie die vier Eindringlinge vor allem für durchgeknallte religiöse Spinner, die ein perverses Spiel mit ihnen treiben. Sie könnten sich auch in einen Alptraum befinden, aus dem sie irgendwann aufwachen. Das ist, soviel kann verraten werden, nicht der Fall. M. Night Shyamalan ist seit „The sixth Sense“ zwar für seine überraschende Enden bekannt, aber banale Es-war- nur-ein-böser-Traum-Enden lehnt er ab.

Doch egal warum die vier Eindringlinge tun, was sie tun, sie meinen es tödlich ernst. Sie sind sogar bereit, für ihren Glauben zu sterben.

Shyamalan erzählt diese rabenschwarze Geschichte mit spürbarer Lust an überraschenden Wendungen, die alle auf eine katastrophale Entscheidung hinauslaufen. Denn was ist schlimmer: einen geliebten Menschen ermorden oder für das Ende der Menschheit verantwortlich zu sein? Genau auf diese Frage konzentriert Shyamalan sich in seinem mit religiösen Anspielungen vollgestopftem Horrorfilm in dem eine Familie sich plötzlich in einem Alptraum befindet, der überhaupt nichts mit der normalen, realen, allseits bekannten und vertrauten Welt zu tun hat. Das ist die Welt der Twilight Zone und wie eine zu lang geratene „Twilight Zone“-Episode wirkt „Knock at the Cabin“ dann auch.

Denn trotz aller Wendungen und inszenatorischer Finessen ist der Horrorfilm vor allem eine hochgradig hypothetische Versuchsanordnung, die direkt aus einem Philosophieseminar stammen könnte.

Knock at the Cabin (Knock at the Cabin, USA 2023)

Regie: M. Night Shyamalan

Drehbuch: M. Night Shyamalan, Steve Desmond, Michael Sherman

LV: Paul Tremblay: The Cabin at the End of the World, 2018 (Das Haus am Ende der Welt)

mit Dave Bautista, Jonathan Groff, Ben Aldridge, Nikki Amuka-Bird, Kristen Cui, Abby Quinn, Rupert Grint

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Knock at the Cabin“

Metacritic über „Knock at the Cabin“

Rotten Tomatoes über „Knock at the Cabin“

Wikipedia über „Knock at the Cabin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Split“ (Split, USA 2017)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Glass“ (Glass, USA 2019)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Old“ (Old, USA 2021)

 


TV-Tipp für den 11. Februar: Herr Bachmann und seine Klasse

Februar 10, 2023

3sat, 20.15

Herr Bachmann und seine Klasse (Deutschland 2021)

Regie: Maria Speth

Drehbuch: Maria Speth, Reinhold Vorschneider

TV-Premiere. Absolut empfehlenswerter Dokumentarfilm über Dieter Bachmann, Lehrer an einer Gesamtschule, und wie er seine Schulklasse unterrichtet. Trotz seiner epischen Länge von dreieinhalb Stunden vergeht die Zeit wie im Flug.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Dieter Bachmann, Aynur Bal, Önder Cavdar

Hinweise

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Filmportal über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Moviepilot über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Rotten Tomatoes über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Wikipedia über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Berlinale über „Herr Bachmann und seine Klasse“

Meine Besprechung von Maria Speths „Herr Bachmann und seine Klasse“ (Deutschland 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Just „Women Talking“ in „Die Aussprache“

Februar 10, 2023

Irgendwo im ländlichen Amerika trifft sich eine Gruppe Frauen auf dem Dachboden einer Scheune. Nur ein Mann ist bei dem Treffen zugelassen. August Epp (Ben Whishaw) soll das Treffen protokollieren. Denn die Frauen, die von Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Judith Ivey, Sheila McCarthy, Michelle McLeod, Kate Hallett, Liv McNeil, August Winter und Frances McDormand (die nur eine kleine, aber einprägsame Rolle hat), gespielt werden, können nicht schreiben. Sie wollen reden über die von Männern an ihnen verübten Vergewaltigungen und was sie jetzt tun sollen. Die Vergewaltigungen geschahen über mehrere Jahre in einer streng religiösen Gemeinde. Vergewaltigut wurden sie im Schlaf von Mitgliedern der tiefreligiösen Gemeinde. Sollen sie ihnen vergeben und weiter mit ihnen zusammen leben oder sollen sie die Gemeinde verlassen und in eine ihnen vollkommen unbekannte Welt aufbrechen?

Was diese Aussprache so erschreckend macht, ist dass sie nicht irgendwann im 18. oder 19. Jahrhundert, sondern fast in der Gegenwart, nämlich 2010 in den USA, spielt. Sarah Polley ließ sich für ihren neuen Film „Die Aussprache“ (Women Talking) von Miriam Toews‘ gleichnamigem Roman inspirieren. Die Inspiration für den Roman und damit auch für den Film waren Vergewaltigungen, die zwischen 2005 und 2009 in Bolivien in Manitoba in einer abgelegen liegenden äußerst konservativen mennonitischen Gemeinde geschahen. Die im Buch und Film geschilderte Aussprache ist dann, wie eine Texteinblendung am Filmanfang verrät, ein „Akt weiblicher Vorstellungskraft“, bei dem es vor allem um das Abwägen von Argumenten und Handlungsoptionen geht.

Sarah Polleys Film, für den sie auch das Drehbuch schrieb, spielt eigentlich nur in einem Raum in der Scheune. Dort sitzen die Frauen zusammen und reden miteinander. Brav werden dabei verschiedene Argumente ausgetauscht und abgewogen. Niemand unterbricht die Rednerin. Niemand schreit oder hat einen filmreifen emotionalen Ausbruch. Die Aussprache verläuft strikt nach dem Modell des herrschaftsfreien Diskurses. Die von den Frauen formulierten Argumente und Sätze gehören ins Thesentheater. In diesem Fall ist es gutes Thesentheater, aber halt auch eine Abfolge von Argumenten, die von diesen Frauen aufgrund ihres bisherigen Lebens so wohl nie gesagt würden.

Aber das stört nicht weiter in dieser klugen, umfassenden und sehr didaktisch aufgebauten Auseinandersetzung mit männlichem Machtstreben und den Möglichkeiten, die Betroffene dagegen haben. Es ist letztlich nur die Wahl zwischen gehen oder vergeben und bleiben. Die dritte Möglichkeit, nämlich bleiben und kämpfen, ist bestenfalls eine theoretische Möglichkeit. Bei diesem Gespräch sprechen die Frauen auch die Machtstrukturen innerhalb der Glaubensgemeinde an. Denn ihre Peiniger sind auch die einzigen Menschen, die dank ihres Kontakts zu Gott, ihnen den Weg in den Himmel ebnen können.

Das verfilmte Theaterstück (denn letztendlich ist es das und mit wenigen Änderungen kann es das auch werden) ist gut geschrieben und gut gespielt von einer Top-Besetzung, die hier als Ensemble agiert. Und natürlich ist das Problem, mit dem die Gläubigen konfrontiert werden, mühelos auf viele andere Situationen übertragbar.

Ärgerlich ist in „Die Aussprache“, wie bei zu vielen anderen neuen Filmen, die Farbgebung. Oder besser Nicht-Farbgebung. Immer sehen die fast vollständig farbentsättigten Bilder wie ausgewaschen an. Jede blühende Wiese wird zu einem grauen Einerlei. Die Scheune versumpft eh in einem grauen Matsch und die dunklen Kleider der Frauen sind ebenfalls matschgrau. Es sieht von der ersten bis zur letzten Minute einfach nur grauenhaft, billig und erschreckend amateurhaft aus.

Die Aussprache (Women Talking, USA 2022)

Regie: Sarah Polley

Drehbuch: Sarah Polley

LV: Miriam Toews: Women talking, 2018 (Die Aussprache)

mit Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Judith Ivey, Sheila McCarthy, Michelle McLeod, Kate Hallett, Liv McNeil, August Winter, Ben Whishaw, Frances McDormand (eigentlich ein längerer Cameo, der dazu dient, den von ihr mitproduzierten Film besser zu verkaufen)

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Die Aussprache“

Metacritic über „Die Aussprache“

Rotten Tomatoes über „Die Aussprache“

Wikipedia über „Die Aussprache“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Februar: The Nice Guys – Nett war gestern!

Februar 9, 2023

Pro 7, 22.45

The Nice Guys – Nett war gestern! (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016

Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.

Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre. Kultig.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard

Wiederholung: Samstag, 11. Februar, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Shane Blacks „Predator – Upgrade“ (The Predator, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Magic Mike: The Last Dance“ – Wirklich? Oder hoffentlich?

Februar 9, 2023

Magic Mike ist zurück und dieses Mal soll es, wie der Filmtitel verrät, sein letzter Tanz sein. Seinen ersten Auftritt hatte er 2012 in Steven Soderberghs „Magic Mike“. Channing Tatum übernahm die Hauptrolle. Matthew McConaughey, Joe Manganiello, Adam Rodriguez und Kevin Nash tanzten neben ihm. Die Geschichte spielt in Tampa, Florida, im wenig mondänem Strippermilieu in eher dritt- als zweitklassigen Bars. Soderbergh zeigt, fast wie eine Reportage, ihr Leben und das Leben von Mike Lane, der als Magic Mike die Herzen der Frauen erobert. Der Film war an der Kinokasse ein Hit und ein kulturelles Phänomen.

2015 folgte „Magic Mike XXL“. Gregory Jacobs, Soderbergs langjähriger First Assistant Director, übernahm die Regie. Reid Carolin schrieb wieder das Drehbuch. Dieses Mal geht es um die Teilnahme an einer Stripper-Convention. Dafür müssen die „Kings of Tampa“ des ersten Films wieder zusammengetrommelt werden und, in schönster Road-Movie-Tradition, den Weg zur Convention überstehen. Der Film war deutlich schlechter, aber die zahlreichen Tanzszenen sicherten den Erfolg an der Kinokasse. Und viele Schauspieler des ersten Films spielten wieder mit.

Seit 2017 gibt es die Show „Magic Mike Live“. Zuerst in Las Vegas. Danach wurde in anderen Städte rund um den Globus getanzt.

Für den dritten und wie es heißt letzten „Magic Mike“-Film übernahm Steven Soderbergh wieder die Regie. Das Drehbuch ist wieder von Reid Carolin. Und Channing Tatum spielt wieder die Hauptrolle. Trotzdem unterscheidet sich „Magic Mike: The Last Dance“ vollkommen von seinen beiden Vorgängern, die sich auch vollkommen voneinander unterschieden.

Mike lebt immer noch in Südflorida. Mit dem Tanzen hat er aufgehört. Seine Schreinerei, die sein großer Traum war, existiert nicht mehr. Stattdessen arbeitet er als Barkeeper. Bei seiner Arbeit trifft er Maxandra ‚Max‘ Mendoza (Salma Hayek). Sie erfährt auf der Party von seinen tänzerischen Fähigkeiten und bietet ihm viel Geld an, damit er sie nach London begleitet. Mike ist einverstanden. Sein aktueller Job ist nur ein schlecht bezahlter Job.

In London quartiert sie ihn bei sich in ihrer riesigen Villa ein. Er soll innerhalb weniger Wochen in ihrem Theater eine Show inszenieren. Dort wird gerade ein langweiliges, in der Vergangenheit in der englischen Provinz spielendes Theaterstück gespielt. Max setzt das Stück kurzerhand ab.

Über irgendwelche Regie-Erfahrungen verfügt Mike nicht. Und nichts drängt ihn dazu, eine Show zu inszenieren. Aber Max bezahlt ihn gut. Also beginnt er, immer von ihr begleitet (und auch bekleidet), die Tänzer für eine große Strip-Show zu suchen. Auch bei den Proben und der anschließenden Genese des Stücks, das nur eine Abfolge von pseudo-erotischen Tanz-Nummern ist, ist sie dabei.

Währenddessen beobachten ihn Max‘ Diener Victor (Ayub Khan Din) und ihre Tochter Zadie Rattigan (Jemelia George) amüsiert herablassend. Sie lassen ihn immer spüren, dass er in ihrem Haus, wie ein Haustier, nur ein kurzes Gastspiel geben wird. Denn Max hat immer wieder ambitionierte künstlerische Projekte, die lange vor iher Vollendung aus nichtigen Gründen scheitern. Das ist ihre Art, etwas von ihrem vielen Geld zu verbrennen.

Salma Hayek spielt Max als eine hoffnungslos überspannte Frau, deren Stimmung sich jederzeit ändern kann. Nach den beiden „Killer’s Bodyguard“-Thrillerkomödien scheint sie Gefallen an so durchgeknallt psychotischen, durchgehend übertrieben agierenden Frauen gefunden zu haben. Dagegen stolpert Channing Tatum mit ungläubigem Blick über das Agieren seiner reichen Gönnerin durch den Film. Sie gibt an einem Nachmittag mehr Geld aus, als er in einem Jahr verdient.

Seine alten Kumpels tauchen in einem kurzen Zoom-Meeting auf. Sie erzählen zwei, drei Sätze von ihrem Leben und aktuellen Plänen, ehe sie Mike viel Glück bei seinem neuen Projekt wünschen. So wird, neben dem Hauptdarsteller und den Tänzen, immerhin etwas Kontinuität zu den ersten beiden Filmen hergestellt.

Die Story kann kaum eine Geschichte genannt werden. Sie ist eine lieblose Abfolge improvisierter Szenen, in denen Salma Hayek dem Affen ordentlich Zucker gibt. Die Auswahl der Tänzer und die Proben werden als eine immer wieder von Spielszenen unterbrochene Montage gezeigt.

Diese Tanzszenen, wozu auch die Auswahl der Tänzer für die Show in London gehören, werden weitgehend ohne Schnitte und als Totale präsentiert. So können ihre tänzerischen Fähigkeiten ausgiebig bestaunt werden. Es sind Tänzer aus den „Magic Mike“-Live-Shows.

Am Ende von „Magic Mike: The Last Dance“ gibt es dann endlich die von der ersten Minute an versprochene große Tanzshow. In dem Moment wird gezeigt, weshalb frau (man?) sich einen „Magic Mike“-Film ansieht: tanzende, sich dabei ausziehende und sexuell eindeutige Gesten und Bewegungen machende gut gebaute Männer. Angefeuert werden sie dabei von einer Hundertschaft wie Teenager kreischender Frauen.

In dem Moment ist der Film endlich bei sich angekommen. Bis dahin überzeugte er höchstens als eine gigantische Verschwendung von Zeit und Geld, der eine unglaubwürdige Geschichte mit unglaubwürdigen Figuren in einem unglaubwürdigem Setting uneinheitlich erzählt. „The Last Dance“ ist der mit Abstand schlechteste Film der Trilogie. Und auch einer von Steven Soderberghs misslungensten Filmen.

Magic Mike: The Last Dance (Magic Mike’s Last Dance, USA 2023)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Reid Carolin

mit Channing Tatum, Salma Hayek (im Film als Salma Hayek Pinault), Ayub Khan-Din, Jemelia George, Juliette Motamed, Vicky Pepperdine

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Magic Mike’s Last Dance“

Metacritic über „Magic Mike’s Last Dance“

Rotten Tomatoes über „Magic Mike’s Last Dance“

Wikipedia über „Magic Mike’s Last Dance“

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Gregory Jacobs‘ „Magic Mike XXL“ (Magic Mike XXL, USA 2015)


TV-Tipp für den 9. Februar: Mackie Messer – Brechts Dreigroschefilm

Februar 8, 2023

Weil Bertold Brecht am 10. Februar 1898 das Licht der Welt erblickte:

SWR/SR, 00.50

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (Deutschland 2018)

Regie: Joachim A. Lang

Drehbuch: Joachim A. Lang

„Die Dreigroschenoper“ ist 1928 in Berlin ein Theaterhit, der auch verfilmt werden soll. Bertolt Brecht schreibt ein nie verfilmtes Exposé für eine Verfilmung.

Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Kenner, verfilmte jetzt Brechts Vision und er erzählt auch die Geschichte des Bühnenstücks und seiner Verfilmung. Insofern ist „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ das sehr unterhaltsame und informative Making-of zu einem nicht existierendem Film, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl, Meike Droste, Godehard Giese, Max Raabe

Hinweise

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Filmportal über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Moviepilot über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Wikipedia über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 8. Februar: Gesicht der Erinnerung

Februar 7, 2023

ARD, 20.15

Gesicht der Erinnerung (Deutschland 2022)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Norbert Baumgarten

Vor zwanzig Jahren starb Christinas große Liebe Jacob bei einem Autounfall. Jetzt hat sich die 36-jährige in den deutlich Jahre jüngeren Patrick verliebt. Schnell glaubt sie, dass Patrick eine Reinkarnation von Jacob ist.

TV-Premiere des neuen Films von Dominik Graf. Seine Premiere hatte das Drama beim Filmfest München. Beim Festival des deutschen Films wurde das Drehbuch ausgezeichnet.

mit Verena Altenberger, Alessandro Schuster, Florian Stetter, Judith Altenberger, Maria Preis

Wiederholung: Donnerstag, 9. Februar, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

ARD über „Gesicht der Erinnerung“

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Wikipedia über „Gesicht der Erinnerung“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (2009)

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010)

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (2010)

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf” (2012)

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Aus meiner Haut“ in deine Haut – und in die nächste Haut

Februar 7, 2023

Leyla (Mala Emde) und ihr Freund Tristan (Jonas Dassler) fahren auf eine einsam gelegene Insel. Leyla will dort ihre Jugendfreundin Stella besuchen. Als sie sie treffen, ist Leyla erfreut und Tristan erstaunt. Denn Stella ist keine junge Frau, sondern ein alter Mann (Edgar Selge), der wie ein gesetzter Hippie-Guru wirkt. Nett, etwas schrullig, aber weitgehend harmlos. Auf der Insel lebt er mit seinen Jüngern in einer Mischung aus sich selbst versorgender Landkommune und Nobelhotel mit echter vorindustrieller Bauernhofambiente.

Neben Leyla und Tristan sind zahlreiche weitere Gäste auf der Insel. Sie sind alle wegen einem von Stella durchgeführtem Körpertausch-Ritual gekommen. Und das mit dem Körpertausch ist wortwörtlich zu verstehen. Immer tauscht ein Paar mit einem anderen, zufällig ausgelostem Paar, wobei die Frau mit der anderen Frau und der Mann mit dem anderen Mann tauscht. Dieser Tausch wird nach einer bestimmten Zeit rückgängig gemacht. Außer die Betroffenen wollen den Tausch früher oder überhaupt nicht rückgängig machen.

Wie der Tausch vonstatten geht, erklärt Alex Schaad in seinem Langfilmdebüt nicht weiter. Er zeigt nur, wie die Menschen einzeln in ein Wasserbecken steigen, von dem nur ein kleiner Teil zu sehen ist. Im nächsten Bild sind sie im anderen Körper. Angesichts der Häufigkeit und der Schnelligkeit, in der im Film Körper getauscht werde, kann dieses Körpertausch-Ritual nicht besonders zeitaufwändig oder schmerzhaft sein. Es ist aber in jedem Fall eine interessante, manchmal auch verstörende Erfahrung, im Körper eines anderen Menschen zu sein.

Bei der nun folgenden Abfolge von Körpertäuschen – so wird laut Presseheft Leyla von vier Schauspielern gespielt – geht dann schnell der Überblick darüber verloren, wer gerade in welchem männlichen oder weiblichem Körper steckt, wer mit wem Geschlechtsverkehr hat, was das für die eigene Identität bedeutet und warum uns das gerade bei diesem Geist interessieren sollte. Im Gegensatz zu anderen Körpertauschfilmen wie, um nur zwei zu nennen, „Face/Off“ (ein Polizist und ein Terrorist, der einen Anschlag plant, tauschen ihre Körper) oder „Freaky“ (ein weiblicher Teenager und ein Serienkiller tauschen ihre Körper und nach 24 Stunden kann der Tausch nicht wieder rückgängig gemacht werden) geht es in „Aus meiner Haut“ wegen der schieren Menge der Tauschvorgänge letztendlich um nichts. Hier werden männliche und weibliche, junge und alte Körper wie Kleider in einem Kaufhaus ausprobiert, bis am Ende eines passt. Oder auch nicht.

Mit jedem weiteren folgenlosen Tausch in einen anderen Körper erlahmt daher das Interesse. Die guten Schauspieler, die hier immer mehrere Figuren spielen dürfen, die schöne Location und die fantastische Prämisse mit den in diesem Fall damit verknüpften, aber nicht konsequent vertieften philosophischen Fragen von Körper und Identität ändern daran nichts.

Aus meiner Haut (Deutschland 2022)

Regie: Alex Schaad

Drehbuch: Alex Schaad, Dimitrij Schaad

mit Mala Emde, Jonas Dassler, Maryam Zaree, Dimitrij Schaad, Edgar Selge, Thomas Wodianka

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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TV-Tipp für den 7. Februar: Tatort: Zwei Leben

Februar 6, 2023

WDR, 23.40

Tatort: Zwei Leben (Deutschland 1976)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Karl-Heinz Willschrei

Franz Scheller lebt als verheirateter Fotohändler ein beschaulich-bürgerliches Leben. Das war nicht immer so: vor zehn Jahren sagte er als Kronzeuge gegen die Mafia aus. Das FBI verschaffte ihm eine neue Identität. Jetzt klopft die Vergangenheit an seine Tür – und Kommissar Haferkamp hat einen neuen Fall.

Ein „Tatort“-Oldie

mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Heinz Bennent, Gisela Uhlen, Günther Stoll, Klaus Schwarzkopf (als Gastkommissar Finke; weil damals gab es noch Gastkommissare)

Hinweise

Tatort-Fans über „Tatort: Zwei Leben“

Wikipedia über „Tatort: Zwei Leben“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Karl-Heinz Willschrei