Hinweis zum Umgang mit Zombies: „Shoot ‚em in the Head“

Juni 14, 2023

Schon vor George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the Living Dead) tauchten Zombies in Horrorfilmen auf. Aber diese, zugegeben wenigen, lebenden Toten haben nichts mit den von Romero und seinem Drehbuchautor John A. Russo erfundenen lebenden Toten zu tun. Romero und Russo erfanden in dem Moment auch die Regeln, nach denen Zombies Menschen töten. Nämlich stumpf, mal einzeln, mal in Gruppen, auf ihr Opfer zuschlurfen und dann zubeißen. Und wie sie getötet werden. Mit einem Kopfschuss oder einer Enthauptung. Der Film wurde 1968 in den USA und drei Jahre später, 1971, in Deutschland veröffentlicht. Ihr Werk war auch eine äußerst rabiate Kritik am Vietnamkrieg und der US-Gesellschaft. Es sorgte für Kontroversen und war ein Hit, dem viele weitere, ähnliche Filme folgten. Die meisten dieser Filme sind inzwischen vergessen. Romero selbst drehte, teil mit jahrelangen Pausen, weitere Zombiefilme, von denen vor allem „Zombie“ (Dawn of the Dead; das ist der Zombiefilm, in dem die Menschen sich in einer Shopping-Mall vor den angreifenden Zombies verstecken) einflussreich war.

Die erste große Zombiewelle, die damals durch die Kinos schwappte, ebbte in den ausgehenden achtziger Jahren ab.

Mit „28 Days later“, „Shaun of the Dead“ und Robert Kirkmans Comicserie „The Walking Dead“ kehrten die Zombies in den frühen Nuller-Jahren zurück in das öffentliche Bewusstsein. Mit der erfolgreichen TV-Serie „The Walking Dead“ (die Niasseri nicht gefällt) eroberten sie 2010 sogar das Fernsehen. Das diee und andere Zombieserien im Fernsehen gezeigt wurden, sagt einiges über den gesellschaftlichen Wandel in den vergangenen fünfzig Jahren. Denn ein richtiger Zombiefilm ist ein blutiges Massaker, das nicht von Kindern gesehen werden sollte.

Mit „Shoot ‚em in the Head“ schrieb „Rolling Stones“-Redakteur Sassan Niasseri jetzt „Eine Film- und Seriengeschichte der Zombies“. Beginnend mit der „Nacht der lebenden Toten“ rekapituliert er die Geschichte des Zombiefilms in den vergangenen über fünfzig Jahren. Ausführlich geht er selbstverständlich auf Romeros Zombiefilme und die unmittelbar mit diesen Filmen zusammenhängenden Filme ein.

Er streift auch die mit den Zombiefilmen und anderen harten Horrorfilmen aus den Siebzigern und Achtzigern untrennbar verbundene Zensurgeschichte. Mit dem Aufkommen der Videocassette gab es erstmals die Möglichkeit, problemlos in der eigenen Wohnung ungeschnittene Fassungen von Filmen zu gucken, die im Kino nur von Erwachsenen gesehen werden durften. Moral- und Sittenwächter, die eine Verrohung der Kinder befürchteten, begannen panisch diese Filme großflächig zu verbieten. In Großbritannien gab es die „Video Nasties“; in Deutschland Listen verbotener Filme. Für Jugendliche waren diese Listen, auch das erzählt Niasseri, Einkaufslisten.

Für das Buch hat er sich mit John A. Russo, Judith O’Dea, Gaylen Ross, Lori Cardille, Terry Alexander, Eugene Clark (alle in Romeros erste vier Zombie-Filmen involviert) und Matthias Schweighöfer (der in Zack Snyders Netflix-Zombiefilm „Army of the Dead“ mitspielt) unterhalten.

Das klingt vielversprechend, aber „Shoot ‚em in the Head“ ist dann doch eine enttäuschende Lektüre. Niasseri strukturiert sein Buch mild chronologisch von Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ bis hin zur Gegenwart. In den einzelnen Kapiteln springt er immer wieder, mehr assoziativ und essayistisch als analytisch, hin und her. Da geht es, auf wenigen Seiten, von den britischen Video Nasties über die 1984er ZDF-Dokumentation „Mama, Papa, Zombie“ und Niasseris Leben auf dem Dorf zu Michael Jacksons Musikvideo „Thriller“. Da wird von Film zu Film und wieder zurück gesprungen.

Er verzichtet auf präzisere Inhaltsangaben, weil die Fans des Zombiefilms die Klassiker in- und auswendig kennen. Nicht-Fans müssen dann halt öfter die Lektüre unterbrechen und bei Wikipedia nachgucken.

Und er benutzt die deutschen Filmtitel. Heute sind bei einigen Filmen die Originaltitel bekannter. Und bei einigen Filmen herrscht ein munteres Titel- und Fassungskuddelmuddel, das ganze Promotionen inspirieren kann. So wurde Lucio Fulcis „Paura nella città dei morti viventi“ in Deutschland unter dem Kinotitel „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (das ist immer noch der bekannteste Titel), „Die Stadt der lebenden Toten“, „Ein Toter hing am Glockenseil“, „Eine Leiche hängt am Glockenseil“, „Ein Kadaver hing am Glockenseil“, „Eine Leiche hing am Glockenseil“ und „City of the Living Dead“ veröffentlicht und verboten.

Eine Filmographie, die hier Abhilfe schaffen könnte, gibt es nicht. Es gibt nur ein Titelregister, das einem immerhin hilft, den Film im Text zu finden.

Das alles erschwert beim Lesen die Orientierung und verleidet einem nach der Lektüre ein wiederholtes Blättern in dem faktenreichen Werk.

Sassan Niasseri: Shoot ‚em in the Head – Eine Film- und Seriengeschichte der Zombies

Schüren, 2023

200 Seiten

28 Euro

Hinweise

Wikipedia über Zombiefilme (deutsch, englisch)

Zum Nachgucken: die legendäre TV-Doku „Mama, Papa, Zombie“ (das sollte das Werk ohne Schnitte sein)

Inszeniert von John Landis tanzt Michael Jackson den „Thriller“


TV-Tipp für den 14. Juni: Black Sea

Juni 13, 2023

Nitro, 23.55

Black Sea (Black Sea, USA/Großbritannien/Russland 2014)

Regie: Kevin Macdonald

Drehbuch: Dennis Kelly

Eine britisch-russische U-Boot-Besatzung sucht im Schwarzen Meer nach einem Nazi-Goldschatz. Schnell müssen sie um ihr Überleben kämpfen.

Angenehm altmodischer Abenteuerfilm für die Fans von Filmen wie „Der Schatz der Sierra Madre“, „Lohn der Angst“ und Atemlos vor Angst“ (die im Presseheft alle als Inspiration genannt werden).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jude Law, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, David Threlfall, Konstantin Khabenskiy, Sergey Puskepalis, Michael Smiley, Grigory Dobrygin, Sergey Veksler, Sergey Kolesnikov, Bobby Schofield, Michael Smiley, Jodie Whittaker

Hinweise

Moviepilot über „Black Sea“

Metacritic über „Black Sea“

Rotten Tomatoes über „Black Sea“

Wikipedia über „Black Sea“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kevin Macdonalds „Black Sea“ (Black Sea, USA/Großbritannien/Russland 2014)


Cover der Woche

Juni 13, 2023

 


TV-Tipp für den 13. Juni: Rächer der Enterbten

Juni 12, 2023

Servus TV, 22.10

Rächer der Enterbten (The true story of Jesse James, USA 1956)

Regie: Nicholas Ray

Drehbuch: Walter Newman (nach dem Drehbuch für den Film „Jesse James“ von Nunnally Johnson)

Die Geschichte von Jesse James, der im Wilden Westen ein berüchtigter Bankräuber war. „…denn sie wissen nicht, was sie tun“-Regisseur Nicholas Ray hatte einen experimentelleren Film geplant. Das Studio verlangte eine konventionelle, chronologisch erzählte Version. Der so entstandene Western ist vor allem etwas für die Nicholas-Ray-Komplettisten.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Robert Wagner, Jeffrey Hunter, Hope Lang, Agnes Moorehead, Alan Hale, Biff Elliot, Anthony Ray, Alan Baxter, John Carradine

Wiederholung: Mittwoch, 14. Juni, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rächer der Enterbten“

Wikipedia über „Rächer der Enterbten“

Meine Besprechung von Nicholas Rays „Rächer der Enterbten“ (The true story of Jesse James, USA 1956)


„Jewcy Movies“ im Angebot – in Berlin und Potsdam und nur wenige Tage

Juni 12, 2023

Nächstes Jahr wird es eine Jubiläumsausgabe geben. Dieses Jahr probiert das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg (JFBB) in seiner 29. Ausgabe etwas neues. Denn die über sechzig Filme aus sechzehn Ländern werden nicht primär in einem Kino, sondern von Dienstag, dem 13. Juni, bis zum Sonntag, den 18. Juni, in sechzehn Spielstätten präsentiert. Dies sind in Berlin das Filmkunst 66 (beide Säle), das Kino Krokodil, Il Kino, das Bundesplatz-Kino, Kino Toni, die New Synagoge Berlin, das Jüdische Museum Berlin, das Jüdische Theaterschiff MS Goldberg und, als Open-Air-Location, das Kino Central. In Potsdam das Filmmuseum Potsdam, das Thalia Programmkino, das Haus der Brandurgisch-Preussischen Geschichte und, als Open-Air-Kino, das Waschhaus Potsdam. In Brandenburg sind außerdem die Viadrina Frankfurt/Oder, das Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio (Eberswalde) und das Filmtheater Union (Fürstenwalde/Spree) dabei. Einige Spielstätten kennen die Besucher des Jüdischen Filmfestivals von den vergangenen Jahren. Ob dieser Wechsel auf viele Orte und ohne ein festes Zentrum zu mehr oder weniger Publikum und mehr oder weniger Resonanz führt, wird dann die Auswertung zeigen.

Am Programm dürfte es kaum liegen. Denn die Macher haben wieder einige spannende „Jewcy Movies“ gefunden, die sich mit der Vergangenheit und Gegenwart jüdischen Lebens auseinandersetzten. Die Shoah und Israel bilden dabei natürliche Fixpunkte. Ein weiter Fixpunkt ist das Zeigen heutigen jüdischen Lebens in all seinen Facetten.

Im Zentrum stehen die beiden Wettbewerbe. Einmal für den Spielfilm, einmal für den Dokumentarfilm.

Die Nebenreihen sind ebenfalls einen Blick wert. Die Hommage Jack Garfein, der Blick auf 75 Jahre israelische Filmgeschichte, Jewcy Horror Movies (leider nur vier Filme), Fermished, Yidlife Crisis im Film und andere kanadisch-jüdische Geschichten bieten neben neuen Filmen auch die Gelegenheit, einige ältere Filme wieder im Kino zu sehen. Dazu gehören „Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song“, der Horrorfilm „The Vigil“, der Animationsfilm „Waltz with Bashir“ und „Life according to Agfa“, ein in den frühen Neunzigern in einer Nacht in einem Pub in Tel Aviv spielendes Drama.

Die Filmreihe über das kanadisch-jüdische Leben wurde dem Montrealer Komikerduo Eli Batalion und Jamie Elman, die als Yidlife Crisis auftreten, kuratiert. In dieser Reihe gibt es neben der sehenswerten Leonard-Cohen-Dokumentation „Hallelujah“ und eigenen Werken, wie „Chewdaism“, ihrer hungrig machenden kulinarischen Tour durch das jüdische Montreal, auch ein Wiedersehen mit Ján Kadárs mit dem Golden Globe ausgezeichnetem, in Montreal in den 20er Jahren spielendem Drama „Geliebte Lügen“ (Lies my Father told me, 1975) und Larry Weinsteins „Dreaming of a jewish Christmas“, in dem er die Geschichte der jüdischen Weihnachten erforscht.

In weiteren Dokumentarfilmen geht es um die Offiziere der israelischen Streitkräfte, die Todesnachrichten überbringen müssen („Knock on the Door“), über Chelly Wilson, die in den 70ern in Manhattan ein Imperium von Pornokinos führte („Queen of the Deuce“), über das vergangene jüdische Leben in Marrakesch („Remembering Marrakech“), über das Finden der eigenen queeren Identität in Israel („Mini DV“), über zwei homosexuelle Männer aus ultraorthodoxen Gemeinschaften, die sich einer „Konversationstherapie“ unterwerfen („The Therapy“), über die Ermordung von vier Jüdinnen kurz vor der Befreiung von Auschwitz wegen Sabotage („Sabotage“), über den 90-jährigen Shoah-Überlebenden Daniel Chanoch („A Boy’s Life“), über die Geschwister Hanka und Dudek Ciesla, die ebenfalls das KZ überlebten („A Pocketful of Miracles: A Tale of two Siblings“) und über den Shoah-Überlebenden Komponisten Leo Spellman („The Rhapsody“).

Das Feld der Mockumentary wird mit „Burning Love“ (über das ganz Italien in Aufregung versetzende Verschwinden eines notorischen Antisemiten) und „Find a Jew“ (ein sehr wortreicher und damit Untertitel-leseintensiver Film über Antisemitismus in der Sowjetunion) bedient.

Bei den Spielfilmen sind einige Filme dabei, die vielleicht später noch regulär im Kino gezeigt werden. Dazu gehören Ady Walers „Shttl“ (über die Ereignisse in einem galizischen Shtetl, einen Tag vor der Nazi-Invasion der UdSSR), Fred Cavayés „Farewell, Mr. Haffmann“ (über einen jüdischen Juwelier, der 1941 im besetzten Paris sein Geschäft an seinen nicht-jüdischen Mitarbeiter verkaufen muss), Michal Kwiecinskis „Filip“ (über einen Warschauer Juden, der dem Ghetto entkommt und sich unter falschem Namen durchschlägt), Jake Paltrows „June Zero“ (über drei private Schicksale in Israel, kurz vor der Hinrichtung von Adolf Eichmann im Juni 1962), Philippe Le Guays „The Man in the Basement“ (über einen Juden, der einen Kellerraum seines Hauses an einen Holocaust-Leugner und manipulativen Psychopathen verkauft) und Leandro Koch/Paloma Schachmanns „The Klezmer Project“ (über einen argentinischen Hochzeitsfilmer, der für seine große Liebe eine Doku über Klezmer-Musik in Osteuropa drehen will).

Ein Höhepunkt ist die Aufführung von „Jewish Luck“. Das Potsdamer Künstlerkollektiv Xenorama bearbeitete und vertonte die sowjetische Stummfilmkomödie „Jüdisches Glück“ neu.

Das gesamte Programm mit allen Informationen gibt es auf der Homepage des Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg (JFBB).


TV-Tipp für den 12. Juni: Die zwei Gesichter einer Frau

Juni 11, 2023

Arte, 22.45

Die zwei Gesichter einer Frau (Fantasma d’amore/Fantome d’amour, Italien/Deutschland/Frankreich 1980)

Regie: Dino Risi

Drehbuch: Bernardino Zapponi, Dino Risi

LV: Mino Milani: Fantsma d’amore, 1977

Ein älterer Rechtsanwalt trifft seine Jugendliebe wieder. Dummerweise ist sie bereits seit drei Jahren tot. Trotzdem trifft er sie wieder. Auch als junge Frau.

Die zwei Gesichter einer Frau“ ist einer von Romy Schneiders letzten Filmen. Der Fischer Film Almanach meinte zum Kinostart wenig begeistert: „Dino Risi hat die zwischen tragischer Liebesgeschichte und sanfter Horrorstory angesiedelte Geschichte nicht so recht in den Griff bekommen. (…) Lediglich die Einstellungen der nebelverhangenen Landschaften des herbstlichen Norditaliens können den Zuschauer ein wenig entschädigen.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Auch das Lexikon des internationalen Films meint, der Film löst „seinen künstlerischen Anspruch (…) nur in Ansätzen ein.“

Wenn es stimmt, wurde Risis Mystery-Melodrama zuletzt 1992 im Free-TV gezeigt. Auf DVD ist es nicht mehr erhältlich und es wird nirgendwo gestreamt. Und das macht diesen unbekannten Romy-Schneider-Film dann doch sehenswert.

mit Romy Schneider, Marcello Mastroianni, Eva Maria Meineke, Wolfgang Preiss

Hinweise

Filmportal über „Die zwei Gesichter einer Frau“

AlloCiné über „Die zwei Gesichter einer Frau“

Wikipedia über „Die zwei Gesichter einer Frau“ (deutsch, englisch, französisch, italienisch)


TV-Tipp für den 11. Juni: Westworld

Juni 10, 2023

Arte, 20.15

Westworld (Westworld, USA 1973)

Regie: Michael Crichton

Drehbuch: Michael Crichton

Delos hat das ultimative Walt-Disney-Paradies für Erwachsene erschaffen. Sie können in verschiedene Welten eintauchen und dort mit menschenähnlichen Robotern interagieren. Ein Knüller. Bis in der Wild-West-Abteilung des Vergnügungsparks ein Roboter durchknallt und beginnt, die zahlenden Gäste zu erschießen.

Michael Chrichtons holperiges Kino-Debüt „Westworld“ mit dem charismatischen Yul Brynner (Sind da etwa noch andere Schauspieler im Film?) ist eine etwas eindimensionale Anklage gegen die Vergnügungssucht der Reichen. Denn was kann es besseres geben, als einen anderen Menschen umzubringen? Auch wenn dieser andere Mensch nur ein Roboter ist. Neben der gesellschaftskritischen Komponente und dem aufklärerischen Impuls über die Gefahren der Technik gibt es – auch das kennen wir von den vielen späteren Crichton-Werken – letztendlich eine ganze Menge Action.

Der Erfolg des Hybriden aus Western und Science-Fiction-Film führte drei Jahre später zur Fortsetzung „Futureworld – Das Land von übermorgen“ (USA 1976, Regie: Richard T. Heffron), 1980 zur kurzlebigen Serie „Beyond Westworld“ und von 2016 bis 2022 zur HBO-Serie „Westworld“.

Crichton recycelte die Idee von „Westworld“ einige Jahre später in „Jurassic Park“. Während in „Westworld“ Yul Brynner in seinem „Die glorreichen Sieben“-Outfit die Besucher tötet, zerstören in „Jurassic Park“ Dinosaurier einen Vergnügungspark.

Danach zeigt Arte um 21.40 Uhr den Clint-Eastwood-Western „Hängt ihn höher“ (USA 1968) und, obwohl in diesen beiden Western keine Indianer vorkommen, um 23.40 Uhr die spielfilmlange Doku „Hollywood-Indianer“ (Kanada 2009).

mit Yul Brynner, Richard Benjamin, James Brolin, Dick Van Patten

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Westworld“

Wikipedia über „Westworld“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Michael Crichton (1942 – 2008)

Meine Besprechung von Robert Wises Michael-Crichton-Verfilmung „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain, USA 1971)


Neu im Kino/Filmkritik: Und was läuft im Arthaus-Kino? „How to blow up a Pipeline“, „Medusa Deluxe“, „Nostalgia“ und „The Adults“

Juni 10, 2023

Während im großen Kinosaal Roboter Autos verkloppen und ‚Familie‘ beschworen wird, während Autos geschrottet werden, gibt es in den kleineren Kinosälen einiges zu entdecken. Und, wenn es interessiert: in diesen Filmen wird kein Auto geschädigt.

How to blow up a Pipeline“ ist kein filmischer „Wie geht das?“-Ratgeber über das Zerstören von Pipelines. Obwohl Daniel Goldhaber in seinem spannenden Thriller ziemlich detailliert die Vorbereitung für einen solchen Anschlag zeigt.

In West Texas treffen sich mitten in der menschenleeren Einöde einige Menschen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Trotzdem haben sie sich für dieses Treffen verabretet. Sie wollen nämlich die nahe gelegene Ölpipeline zerstören und so das Unternehmen schädigen.

In Rückblenden erzählt Goldhaber warum sie diesen terroristischen Akt verüben wollen und wie sie sich fanden. Denn sie leben verstreut über die USA, sind verschieden alt und haben teilweise konträre politische Ansichten. Normalerweise wären diese Feierabendterroristen sich niemals begegnet. Durch die Rückblenden wird auch nachvollziehbar, warum sie nicht weiter friedlich protestieren oder ihr Schicksal klaglos ertragen wollen. Sie wollen die Ölfirma und den Kapitalismus bestrafen. Sie wollen ein Zeichen setzen.

Als Krimifan hat mir gefallen, dass hier die Täter nicht nur ihre Tat, sondern auch ihre Flucht akribisch planten. Das ist nämlich der Punkt, an dem die meisten perfekten Verbrechen schief gehen.

How to blow up a Pipeline (How to blow up a Pipeline, USA 2022)

Regie: Daniel Goldhaber

Drehbuch: Ariela Barer, Jordan Sjol, Daniel Goldhaber

LV (Inspiration): Andreas Malm: How to blow up a Pipeline: Learning to Fight in a World on Fire,, 2021 (Wie man eine Pipeline in die Luft jagt: Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen)

mit Ariela Barer, Kristine Froseth, Lukas Gage, Forrest Goodluck, Sasha Lane, Jayme Lawson, Marcus Scribner, Jake Weary, Irene Bedard

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „How to blow up a Pipeline“

Metacritic über „How to blow up a Pipeline“

Rotten Tomatoes über „How to blow up a Pipeline“

Wikipedia über „How to blow up a Pipeline“ (deutsch, englisch)

In „Medusa Deluxe“ wird während eines regionalen Hairdresser-Wettbewerbs einer der Teilnehmer ermordet. Die anderen am Wettbewerb teilnehmden Hairstylist*innen müssen jetzt am Tatort warten, bis ihre Aussagen aufgenommen wurden. Bis dahin bewegen sie sich durch das weitläufige Gebäude und spekulieren in wechselnden Gruppen darüber, wer der Mörder, der sich noch im Haus befindet, ist.

Regisseur Tom Hardiman inszenierte sein Spielfilmdebüt quasi als One-Take. Genaugenommen wurde der Film an acht Tagen gedreht und er sieht jetzt aus, als sei er ohne einen Schnitt gedreht worden. Schwerelos bewegt die Kamera sich durch die Gänge, geht von Raum zu Raum. Einige Personen begleitet sie länger. Die Polizei ist währenddessen seltsam abwesend.

Der Ton ist immer klar verständlich. Nebengeräusche gibt es kaum. Radios und Fernseher sind ausgeschaltet. Und die Damen reden hintereinander. Erregt zwar, aber sie lassen die andere Hairstylistin ausreden. Dieser Verzicht auf überlappende Dialoge trägt zur irrealen Atmosphäre des Films ein.

Für den Kriminalfall interessiert Hardiman sich nicht weiter. Der ist für ihn nur der schnell unwichtig werdende Red Herring, der die Zuschauer auf seinen Film aufmerksam macht. Der Film selbt ist dann eine Liebeserklärung an nicht dem Hollywood-Schönheitsideal entsprechende Frauen, die auch gut in einem Rosa-von-Praunheim-Film passen würden.

Dieses von Hardiman im Film versammelte, äußerst farbige Ensemble exzentrischer, fast ununterbrochen plappernder Hairstylist*innen mit ihren die Blicke auf sich ziehenden Frisuren und sein Wagemut, den Film ohne einen erkennbaren Schnitt zu inszenieren, ist dann definitiv einen Blick wert.

In jedem Fall weckt „Medusa Deluxe“ die Neugierde auf seinen nächsten Film. Dann gerne mit einem besseren Drehbuch.

Medusa Deluxe (Medusa Deluxe, Großbritannien 2022)

Regie: Tom Hardiman

Drehbuch: Tom Hardiman

mit Anita-Joy Uwajeh, Clare Perkins, Darrell D’Silva, Debris Stevenson, Harriet Webb, Heider Ali, Kae Alexander, Kayla Meikle, Lilit Lesser, Luke Pasqualino, Nicholas Karimi

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Medusa Deluxe“

Metacritic über „Medusa Deluxe“

Rotten Tomatoes über „Medusa Deluxe“

Wikipedia über „Medusa Deluxe“

In „Nostalgia“ kehrt Felice Lasco (Pierfancesco Favino) nach vierzig Jahren zurück nach Neapel. Er streift durch das Viertel, in dem er aufwuchs und das er als Fünfzehnjähriger überstürzt verließ. Er kümmert sich um seine kränkelnde Mutter. Er trifft andere Menschen, schwelgt in Erinnerungen und er möchte auch seinen damaligen besten Freund Oreste wieder treffen. Dieser ist inzwischen ein gefürchteter Camorra-Boss. Von diesem Gespräch erhofft er sich eine Form von Vergebung für die Sünden seiner Jugend. Immerhin spielt das melancholische Drama im katholischen Italien und Felice trifft sich regelmäßig mit einem in seiner Gemeinde respektierten Pfarrer, der versucht den Menschen eine Perspektive abseits des Lebens als Krimineller zu geben.

Viel passiert nicht in Mario Martones neuem Film. Er verlässt sich ganz auf seinen grandiosen Hauptdarsteller Pierfrancesco Favino („Il Traditore“, „Suburra“), der dem von ihm gespielten Felice eine große Tiefe verleiht. Er überspielt die an einigen wichtigen Punkten unklare Motivation von Felice. So ist vollkommen unklar, warum er gerade jetzt in seine Geburtsstadt zurückkehrt. Noch unklarer ist, warum der inzwischen als erfolgreicher Unternehmer in Kairo lebende, glücklich verheiratete Felice sich eine monatelange Auszeit von seiner Arbeit nimmt und allein durch Neapel streift. Das Ende ist dann im Rahmen eines Gangsterfilms durchaus vorhersehbar, aber auch unbefriedigend.

Dank Favino und der atmosphärischen Kamera von Paolo Carnera („Bad Tales – Es war einmal ein Traum“, „Suburra“) gelingt Martone ein stark gespieltes, konzentriert inszeniertes Stück über Erinnerungen und den aus der Vergangenheit erwachsenden echten und gefühlten Verpflichtungen.

Nostalgia (Nostalgia, Italien/Frankreich 2022)

Regie: Mario Martone

Drehbuch: Mario Martone, Ippolita di Majo

LV: Ermanno Rea: Nostalgia, 2018 (Nostalgia)

mit Pierfrancesco Favino, Francesco Di Leva, Tomasso Ragno, Sofia Essaidi, Aurora Quattrocchi, Nello Mascia

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Nostalgia“

AlloCiné über „Nostalgia“

Metacritic über „Nostalgia“

Rotten Tomatoes über „Nostalgia“

Wikipedia über „Nostalgia“ (deutsch, englisch, italienisch)

Auch in „The Adults“ kehrt der Protagonist nach längerer Zeit in seine Heimatstadt zurück. Eric will eigentlich nur kurz bei einem alten Freund und seinen beiden Schwestern Rachel und Maggie vorbeischauen und sich so schnell wie möglich wieder auf den Weg machen. Aber die Aussicht auf ein größeres Pokerspiel verzögert seine Abreise aus der Kleinstadt.

Diese Pokerrunden interessieren den spielsüchtigen Eric dann auch mehr als seine beiden Schwestern und, der Grund für seinen Besuch, das Baby seines damals besten Freundes.

In seinem Indie-Drama vermisst Dustin Guy Defa familiäre Dynamiken als ruhige Charakterstudie. Es passiert wenig zwischen diesen Geschwistern, die früher immer zusammen waren, die sich jetzt auseinandergelebt haben und nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen.

Mich ließ dieses Independent-Drama, im Gegensatz zu den vorher besprochenen Filmen, reichlich desinteressiert zurück.

The Adults (The Adults, USA 2023)

Regie: Dustin Guy Defa

Drehbuch: Dustin Guy Defa

mit Michael Cera, Hannah Gross, Sophia Lillis

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Adults“

Metacritic über „The Adults“

Rotten Tomatoes über „The Adults“

Wikipedia über „The Adults“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Juni: Columbo: Schreib oder stirb

Juni 9, 2023

Sat.1 Gold, 20.15

Columbo: Schreib oder stirb (Publish or Perish, USA 1974)

Regie: Robert Butler

Drehbuch: Peter S. Fischer

Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall.

Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.

Danach ermittelt Columbo weiter. Um 21.45 Uhr folgt „Columbo: Teuflische Intelligenz“ (1974) und um 23.05 Uhr „Columbo: Ein gründlich motivierter Tod“ (1973). Classsic!

Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Mickey Spillane

Hinweise

Wikipedia über „Columbo“ (deutsch, englisch)

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Peter Falk

Thrilling Detective über Mickey Spillane

Thrilling Detective: Max Allan Collins über Mickey Spillane

January Magazine: Max Allan Collins zum Tod von Mickey Spillane

Evolver: Martin Compart zum Tod von Mickey Spillane

Mystery File: Steve Holland über Mickey Spillane

Crimetime: Interview mit Mickey Spillane

Combustible Celluloid: Interview mit Mickey Spillane

Kaliber .38 über Mickey Spillane

Krimi-Couch über Mickey Spillane

Mordlust über Mickey Spillane

New York Times: Nachruf auf Mickey Spillane

Washington Post: Nachruf auf Mickey Spillane

Meine Besprechung von Mickey Spillanes “Dead Street” (2007)


TV-Tipp für den 9. Juni: James Bond – 007 jagt Dr. No/James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau

Juni 8, 2023

Der Sommer kommt:

Pro 7, 20.15

JAMES BOND: 007 jagt Dr. No (Dr. No, Großbritannien 1962)

Regie: Terence Young

Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather

LV: Ian Fleming: Dr. No, 1958 (007 James Bond jagt Dr. No)

Auf Jamaica soll James Bond herausfinden, wer zwei Mitarbeiter des Secret Service umbrachte. Er stößt schnell auf Dr. No.

Der allererste Bond, mit Sean Connery, Ursula „Bikini“ Andress, Joseph Wiseman – damals noch nah am Buch und ziemlich hart. „Dr. No“ ist nicht nur aus nostalgischen Gründen sehenswert.

Hinweise

Rottn Tomatoes über „James Bond: 007 jagt Dr. No“

Wikipedia über „James Bond: 007 jagt Dr. No“ (deutsch, englisch)

Pro 7, 22.35

JAMES BOND: Liebesgrüße aus Moskau (From Russia with Love, Großbritannien 1963)

Regie: Terence Young

Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood

LV: Ian Fleming: From Russia with love, 1957 (Liebesgrüße aus Moskau)

James Bond soll ein Dechiffriergerät und eine in ihn verliebte Sekretärin aus der Sowjetunion schmuggeln. Aber er hat seine Rechnung ohne die bösen Russen gemacht.

Zweiter Auftritt von James Bond in einer harten, ziemlich realistischen Agenten-Story (im Verhältnis zu seinen späteren Auftritten).

mit Sean Connery, Lotte Lenya (Frau von Kurt Weill und hochgelobte Brecht-Interpretin), Robert Shaw (ein Autor und Shakespeare-Darsteller, der später den Weißen Hai jagen durfte), Daniela Bianchi (die, nun ja, auf Neudeutsch das Love-Interest von Bond war), Pedro Armendariz, Bernhard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: Liebesgrüße aus Moskau”

Wikipedia über “James Bond: Liebesgrüße aus Moskau” (deutsch, englisch) und über James Bond (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Und ein Lesehinweis

Nach einer jahrelangen Pause setzt Cross Cult seine Reihe mit Übersetzungen alter James-Bond-Romane fort. Zuletzt erschien „Nur der tod währt ewig“, im Original 1992 als „Death is forever“ erschienen.

John Gardner: James Bond – Nur der Tod währt ewig

(übersetzt von Johannes Neubert)

Cross Cult, 2023

432 Seiten

18 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: Siebte Runde der „Transformers: Aufstieg der Bestien“ auf der Erde

Juni 8, 2023

Die Transformers sind zurück. Sie sind (a) Hasbro-Spielfiguren, die seit 1984 als Action-Figuren ihren Weg in die Schlafzimmer zahlreicher kleiner Jungs fanden. Begleitend zu den Figuren gab es Zeichentrickserien, Comics und Videospiele. 2007 gab es den ersten „Transformers“-Spielfilm, der an der Kinokasse weltweit über 700 Millionen US-Dollar einspielte. Fortsetzungen waren unvermeidlich. Und es wurden, mit jedem Spielfilm, unzählige Transformers-Spielzeuge verkauft.

Neben den Transformers erfand Hasbro auch die sich in den USA prächtig verkaufenden „G. I. Joe“-Figuren. Dieser G. I. und seine Welt inspirierte ebenfalls mehrere Kinofilme. Im Gegensatz zu den „Transformers“-Spielfilmen waren sie keine Kassenhits.

Die Transformers sind (b) Roboter vom Planeten Cybertron. Dort und auf der Erde bekriegen sich die Autobots und die Decepticons. Auf der Erde sehen sie wie Autos aus. Sie können sich im Nu in Roboter, die wie Roboter aussehen, verwandeln. Diese Verwandlung ist ein in jedem Film gern benutzter Effekt. Verkloppen tun sie sich dann in epischen Kämpfen, an denen Kinder ihre Freude haben. Im Kino und im Kinderzimmer.

Mit „Aufstieg der Bestien“ erleben die Transformers jetzt ihr siebtes Leinwandabenteuer. Es spielt 1994. Oder, anders gesagt, zwischen „Bumblebee“, dem bislang letzten „Transformers“-Film, der auch Menschen gefiel, die mit dem ganzen Transformers-Zeug nichts anfangen können, und vor den „Transformers“-Filmen von Michael Bay, die an der Kinokasse erfolgreich waren. Bei der Kritik weniger. „Aufstieg der Bestien“ orientiert sich wieder mehr an den Bay-Filmen. Doch dazu später mehr. Zuerst werfen wir einen Blick auf die in New York und Peru spielende Geschichte

Noah Diaz, ein in Brooklyn lebender Möchtenichtgern-Kleinkrimineller mit einem todkrankem jüngerem Bruder, und Elena Wallace, eine übereifrige und super-supergescheite Praktikantin in einem Museum, treffen sich eines Nachts dort. Er soll einen Gegenstand aus dem Museum stehlen. Sie hat gerade die auf einem aus Ägypten stammendem Artefakt stehenden Zeichen entschlüsselt. Und sie erwischt Noah, der diesen Gegenstand,bzw. genaugenommen den in ihm versteckten Transwarp-Key für die Autobots stehlen soll. Noch ehe sie sich wirklich kabbeln können, tauchen andere Transformer auf und es gibt eine gewaltige Schlacht zwischen den Autobots und den Terrorcons. Die bösen Roboter können mit dem Transwarp-Key entkommen.

Aber der Transwarp-Key ist unvollständig. Die andere Hälfte vermutet Elena in Machu Picchu, Peru. Und ab geht die Reise nach Südamerika.

Nach dem überaus herzigem und gelungenem „Bumblebee“, ist jetzt wieder fast alles so wie früher. Auch wenn die beiden Hauptfiguren etwas an den aktuellen Mainstream angepasst wurden. Der von Anthony Ramos gespielte Noah Diaz ist Latino. Die von Dominique Fishback gespielte Elena Wallace ist eine Afroamerikanerin.

Die Story ist nur dazu da, die einzelnen Actionszenen halbwegs sinnvoll miteinander zu verbinden. Es gibt Action und wenig Tiefgang. Halt so, wie es Michael Bay in seinen fünf „Transformers“-Filmen präsentierte. Auch wenn dieses Mal Steven Caple Jr. („Creed II“) die Regie übernahm.

Es gibt neue Transformers. Nämlich die schon erwähnten Terrorcons, Predacons und Maximals. Letztere leben schon seit Ewigkeiten auf der Erde und sie verwandeln sich in riesige Tiere.

Die CGI-Transformers sind inzwischen sehr kleinteilig gezeichnete Roboter. Gleichzeitig fällt, wieder einmal, auf, wie unrealistisch es ist, wenn sie als Autos über Wiesen, Abhänge und durch den Wald rasen als ob sie über eine Autobahn fahren würden. Ebenso unrealistisch ist, dass sie ganze Städte zerstören können und als Roboter durch die Landschaft wandeln, ohne dass sie auffallen. Es ist, als umgäbe sie ein immerwährendes Schutzschild. Ihre Zerstörungsorgien werden auch nie erwähnt.

Regisseur Steven Caple Jr. orientiert sich bei den Actionszenen gelungen an dem bekannten Stil von Michael Bay. Mit reduziertem oder altmodischem Bay-Schnitttempo. Am Ende sind die Actionszenen in „Aufstieg der Bestien“ aber reine CGI-Kämpfe, in die Bilder von realen Locations und einige Schauspieler eingefügt wurden, die von einer Bildhälfte zur anderen laufen und meistens ungläubig in die Kamera starren, während es um sie herum kracht und zischt. Sie sehen ja nicht, was wir im Kinosaal sehen.

Aufstieg der Bestien“ ist nicht der schlechteste „Transformers“-Film und er ist auch deutlich besser als die letzten „Transformers“-Filme von Michael Bay. Aber nach dem witzigen „Bumblebee“ ist Caple Jr.s CGI-Actionkomödie eine radikale Rückkehr zu den Baysics. Daher: Wer von einem Film mehr als aufeinder einschlagende Autos erwartet, kann den „Aufstieg der Bestien“ getrost ignorieren.

Transformers: Aufstieg der Bestien (Transformers: Rise of the Beasts, USA 2023)

Regie: Steven Caple Jr.

Drehbuch: Joby Harold, Darnell Metayer, Josh Peters, Erich Hoeber, Jon Hoeber (basierend auf Hasbro’s Transformers™ Action Figures)

mit Anthony Ramos, Dominique Fishback, Luna Lauren Velez, Dean Scott Vazquez, Tobe Nwigwe, Sarah Stiles, Leni Parker, Michael Kelly

(und im Original mit den Stimmen von) Peter Cullen, Ron Perlman, Peter Dinklage, Michelle Yeoh, Pete Davidson, Liza Koshy, John DiMaggio, David Sobolov, Michaela Jaé Rodriguez, Cristo Fernández

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Transformers: Aufstieg der Bestien“

Metacritic über „Transformers: Aufstieg der Bestien“

Rotten Tomatoes über „Transformers: Aufstieg der Bestien“

Wikipedia über „Transformers: Aufstieg der Bestien“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: Ära des Untergangs (Transformers: Age of Extinction, USA 2014)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: The Last Knight“ (Transformers: The Last Knight, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Caple Jr.’s „Creed II“ (Creed II, USA 2018)


TV-Tipp für den 8. Juni: Capote

Juni 7, 2023

RBB, 20.15

Capote (Capote, USA 2005)

Regie: Bennett Miller

Drehbuch: Dan Futterman

LV: Gerald Clarke: Capote: A Biography, 1988

Sehr sehenswertes Biopic über Truman Capote und seine Recherchen für den True-Crime-Bestseller “Kaltblütig”.

Philip Seymour Hoffman erhielt für seine Darstellung Capotes zahlreiche Preise, unter anderem den Oscar und Golden Globe als bester Darsteller.

Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins jr., Chris Cooper, Bob Balaban, Bruce Greenwood, Mark Pellegrino, Amy Ryan

Wiederholung: Freitag, 9. Juni, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Capote“

Metacritic über „Capote“

Rotten Tomatoes über „Capote“

Wikipedia über „Capote“ (deutsch, englisch) und Truman Capote (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bennett Millers „Foxcatcher“ (Foxcatcher, USA 2014)

Meine Besprechung von Ande Parks/Chris Samnee Bildergeschichte „Capote in Kansas“ (Capote in Kansas, 2005) (Yep, ebenfalls über die Arbeit an „Kaltblütig“)


DVD-Kritik: „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ fragen sich einige Jugendliche

Juni 7, 2023

Es beginnt mit einer dieser Schulaufgaben, die mit einem nichtssagendem Besinnungsaufsatz beantwortet werden sollen. Aber Pierre Anthon erklärt seinen Klassenkameraden in der achten Klasse einer Provinzschule, dass nichts im Leben eine Bedeutung habe. Auch nicht diese Aufgabe. Er verlässt das Klassenzimmer und setzt sich auf einen Baum. Dort will er bleiben.

Seine Klassenkameraden wollen ihn überzeugen, den Baum zu verlassen. Gleichzeitig beginnen sie in einer Scheune ihre wertvollsten Besitztümer zu sammeln. Zuerst versuchen sie es mit freiwilligen Gaben. Aber anstatt etwas wertvolles in die Scheune zu bringen, bringt jeder irgendetwas mit, was er schon lange nicht mehr beachtet hat oder loswerden will. Deshalb ändern sie die Regeln. Jetzt sagt ein Klassenkamerad einem anderen, was er abgeben soll. Als erstes muss Agnes, die Erzählerin des Films, ihre Sandalen hergeben. Danach muss sie von einem Mitschüler die Herausgabe von etwas für ihn Wertvolles verlangen. Ein Gebetsteppich, ein Fahrrad und der Diebstahl der Schulflagge werden verlangt. Aber auch weniger harmlose Dinge stehen auf der Wunschliste. So graben sie die Leiche des kleinen Bruder einer Klassenkameradin aus. Einer anderen werden die Haare geschnitten. Und ein Finger wird abgeschnitten.

Trine Piils Film „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ basiert auf Janne Tellers gleichnamigem Jugendbuch-Bestseller. In Dänemark erschien das Buch im Jahr 2000. In Deutschland zehn Jahre später. Es erhielt mehrere Preise, unter anderem den Jugendbuchpreis des dänischen Kulturministeriums. Wegen seiner nihilistischen Aussagen sorgte das Buch für teils hefitige Diskussionen. Zeitweise war es an dänischen Schulen sogar verboten. Dabei ist der Roman Schullektüre. Und genau dort kann im Ethik- und Religionsunterricht über bestimmte Aspekte des Romans sicher trefflich diskutiert werden.

Die Verfilmung ist nur ein Planspiel der schlechten Sorte. Das beginnt schon mit den Opfergaben, die weitgehend willkürlich und beliebig aufeinander folgen. Eine Eskalationslogik ist nur insofern erkannbar, dass es zuerst um Sandalen und eine Schulflagge geht. Später gibt es dann direkte körperliche Gewalt.

Oft ist vollkommen unklar, was die einzelnen Opfergaben für die Betroffenen bedeuten und was sie symbolisieren. Gut, eine Entjungferung und ein abgeschnittener Finger sind offensichtlich. Eine Grabschändung schon weniger. Ein Gebetsteppich, ein Fahrrad und Sandalen überhaupt nicht. Das sind Dinge, die mühelos wieder gekauft werden können und die höchstens einen emotionalen Wert („Meine Lieblingssandalen.“) haben. Aber weil über diese Opfergaben und ihre Bedeutung im Film nicht gesprochen wird, erfahren wir nicht, warum gerade diese Sandalen für die Besitzerin so wichtig sind. So sind die ‚wertvollsten Besitztümer‘, die die Schüler in einer Scheune zusammentragen, einfach nur beliebig austauschbare Dinge, die von wohlsituiert in einer Kleinstadt lebenden Kinder in einer Scheune zu einem Altar zusammengestellt werden.

Diese Kinder erinnern auf den ersten Blick selbstverständlich an die Kinder aus William Goldings „Herr der Fliegen“. In dem Klassiker müssen sie nach einem Flugzeugabsturz auf einer Insel ohne Erwachsene eine Gesellschaft bilden. Sie bilden zunächst die Gesellschaft nach, die sie kennen. In „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ gibt es zwar Erwachsene, aber dieser kümmern sich nicht um ihre Kinder. Im Film sind sie, bis auf wenige, unwichtige Szenen, abwesend. Die Kinder können tun und lassen, was sie wollen. Zum Beispiel eine Jesus-Figur aus der Kirche klauen und durch das Dorf transportieren, ohne dass dieser Diebstahl irgendwelche Folgen hat.

Nichts – Was im Leben wichtig ist“ ist ein sich didaktisch gebendes Lehrstück, bei dem man viele emotionslos-hölzern vorgetragene Sätze hört (oft ohne den Sprecher in dem Moment zu sehen) und sich fragt, was uns das über die wichtigen Dinge des Lebens sagen soll. Oder ob es sinnvoll ist, sich in einer Umweltschutzgruppe zu engagieren. Diese Frage stellen sich Pierre Anthon, Agnes und all die anderen Kinder nicht. Stattdessen schneiden sie sich die Haare und töten einen Hund.

Nichts – Was im Leben wichtig ist (Intet, Dänemark/Deutschland 2022)

Regie: Trine Piil, Seamus McNally

Drehbuch: Trine Piil

LV: Janne Teller: Intet, 2000 (Nichts – Was im Leben wichtig ist)

mit Vivelill Søgaard Holm, Maya Louise Skipper Gonzales, Harald Kaiser Hermann, Sigurd Philip Dalgas, Ellen Østerlund Fensbo, Andrea Halskov-Jensen, Theodor Philip MacDonald, Bobby Antonio Hancke Rosado, Clara Dragsted Hansen, Elias Amati-Aagesen, Arien Alexander Takiar

Blu-ray

Eurovideo

Bild: HD 1080p/24 (2,39:1)

Ton: Deutsch & Dänisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: –

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

DVD identisch und selbstverständlich auch digital erhältlich.

Hinweise

Moviepilot über „Nichts – Was im Leben wichtig ist“

Rotten Tomatoes über „Nichts – Was im Leben wichtig ist“

Wikipedia über „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ (Roman) (deutsch, englisch, dänisch)


TV-Tipp für den 7. Juni: Gelobt sei Gott

Juni 6, 2023

Arte, 20.15

Gelobt sei Gott (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon

TV-Premiere. Intensives, sehr nah an den erschreckenden Fakten, die das Erzbistum Lyon erschütterten und in Frankreich entsprechend bekannt sind, entlang inszeniertes Drama. Es geht um den praktizierenden Katholiken Alexandre Guérin, der als Kind von Pater Bernard Preynat missbraucht wurde. Jahrzehnte später, inzwischen selbst Vater, entdeckt er, dass Preynat im Erzbistum Lyon immer noch im Kindern arbeitet. Er will etwas dagegen unternehmen. Als erstes wendet er sich an Preynats Arbeitgeber, die katholische Kirche. Sie ist ihm dabei keine große Hilfe.

Zusammen mit anderen Betroffenen gründet er später die Interessengruppe „La Parole Liberée“ (Das gebrochene Schweigen). Sie machen den Skandal öffentlich und finden zahlreiche weitere Betroffene.

Als Ozon seinen Film drehte, war das Verfahren gegen Preynat immer noch nicht abgeschlossen. Am 4. Juli 2019 wurde Preynat von einem Kirchengericht des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger für schuldig befunden und aus dem Klerus ausgeschlossen. Das staatliche Gerichtsverfahren gegen ihn endete am 16. März 2020 mit einer fünfjährigen Haftstrafe. Gegen zahlreiche weitere Mitglieder des Erzbistums gab es ebenfalls Klagen.

Anschließend, um 22.30 Uhr, zeigt Arte in der losen Reihe „Es war einmal…“ eine brandneue, gut einstündige Doku über den Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Melvil Poupaud, Denis Ménochet, Swann Arlaud, Èric Caravaca, François Marthouret, Bernard Verley, Josiane Balasko, Martine Erhel

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Gelobt sei Gott“

AlloCiné über „Gelobt sei Gott“

Metacritic über „Gelobt sei Gott“

Rotten Tomatoes über „Gelobt sei Gott“

Wikipedia über „Gelobt sei Gott“ (deutsch, englisch, französisch)

Berlinale über „Gelobt sei Gott“

Homepage von Francois Ozon

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von François Ozons „Peter von Kant“ (Peter von Kant, Frankreich 2022)


Cover der Woche

Juni 6, 2023

Weil Johnny Depp am 9. Juni einen runden Geburtstag feiert
Weil die Verfilmung mit ihm als Hunter S. Thompson Kult ist
Weil die Vorlage noch kultiger ist


TV-Tipp für den 6. Juni: Viva Zapata!

Juni 5, 2023

Servus TV, 22.10

Viva Zapata! (Viva Zapata!, USA 1952)

Regie: Elia Kazan

Drehbuch: John Steinbeck

Biopic über den von Marlon Brando (in seiner dritten Filmrolle) gespielten Revolutionär Emiliano Zapata (1879 – 1919), das mit seiner ersten politischen Mission beginnt.

„‚Viva Zapata!‘ ist ein Unterhaltungsfilm auf höchster Ebene, von Kazan spannend inszeniert, der Handlung und Szenen erstaunlich wirklichkeitsnahe gestaltete und den Schauspielern alle Freiheiten ließ. (…) Brandos Zapata ist eine symbolische Figur, eine Art Jedermann der mexikanischen Revolution, ein Titan, der sich, dem Ruf des Schicksals gehorchend, aus den Rängen der Masse erhoben hat. In diesem Sinn ist ‚Viva Zapata!‘ ein kraftvoller und wirklich bewegender Film.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme, 1980)

Der echte Zapata war wohl nicht so edel wie der Film-Zapata.

mit Marlon Brando, Anthony Quinn, Jean Peters, Joseph Wiseman

Wiederholung: Mittwoch, 7. Juni, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Viva Zapata!“

Wikipedia über „Viva Zapata!“ (deutsch, englisch)


Die Krimi-Bestenliste Juni 2023

Juni 5, 2023

Biergarten ist okay, aber zum Lesen spannender Bücher nicht unbedingt der beste Ort. Und dann stellt sich noch die Frage, welche Bücher mitgenommen werden sollen. Die von Deutschlandfunk Kultur präsentierte Krimi-Bestenliste schlägt in ihrer Juni-Liste vor:

1 (4) Kim Koplin: Die Guten und die Toten

Suhrkamp, 255 Seiten, 16 Euro

2 (–) Don Winslow: City of Dreams

(Aus dem Englischen von Conny Lösch)

HarperCollins, 367 Seiten, 24 Euro

3 (1) James Kestrel: Fünf Winter

(Aus dem Englischen von Stefan Lux)

Suhrkamp, 499 Seiten, 20 Euro

4 (3) Deepti Kapoor: Zeit der Schuld

(Aus dem Englischen von Astrid Finke)

Blessing, 686 Seiten, 28 Euro

5 (7) Jochen Rausch: Im toten Winkel

Piper, 300 Seiten, 24 Euro

6 (2) Percival Everett: Die Bäume

(Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl)

Hanser, 365 Seiten, 26 Euro

7 (–) Jose Dalisay: Last Call Manila

(Aus dem Englischen von Niko Fröba)

Transit, 207 Seiten, 22 Euro

8 (6) John Brownlow: Seventeen

(Aus dem Englischen von Stefan Lux)

Rowohlt, 396 Seiten, 13 Euro

9 (–) Carl Nixon: Kerbholz

(Aus dem Englischen )von Jan Karsten

CulturBooks, 304 Seiten, 24 Euro

10 (–) Mary Paulson-Ellis: Das Erbe von Solomon Farthing

(Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt)

Ariadne/Argument, 478 Seiten, 25 Euro

Nächsten Monat könnte dann James Lee Burkes neuer und letzter Robicheaux-Roman „Verschwinden ist keine Lösung“ (Pendragon)auf der Liste stehen.

Und ich sollte mal meinen „gelesen, aber noch nicht besprochen“-Stapel abarbeiten. Da liegen unter anderem Christopher Golden, Ken Bruen, Sassan Niasseri (ein Filmbuch über Zombies), eine neue „Corto Maltese“-Geschichte und die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Mme Choi & die Monster“.

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 5. Juni: Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß

Juni 4, 2023

Arte, 22.55

Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß (Deux ou trois choses que je sais d’elle, Frankreich 1966)

Regie: Jean-Luc Godard

Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einer Artikelserie von Catherine Vimenet)

Eine Hausfrau bessert ihr Einkommen als Prostituierte auf.

Jean-Luc Godard beobachtet sie einen Tag lang und schafft so ein Porträt des damaligen Lebens in Paris. Der Film gilt als Hauptwerk von Godards soziologischer Periode; wobei Godard sich nicht für eine platte Abfilmung der Realität interessiert. Er nimmt „die Handlung als Vorwand, alles zu diskutieren, was ihm für die augenblickliche Lage Frankreichs typisch erscheint. Außerdem macht er dem Zuschauer durch geflüsterte Kommentare klar, dass hinter der Kamera ein Regisseur steht, der aus der Realität nach seinemGutdünken auswählt. Ein zur Diskussion anregender Film, der auch inszenatorisch zu überzeugen versteht.“ (Lexikon des internationalen Films)

Anschließend, um 00.20 Uhr, zeigt Arte die brandneue, spielfilmlange Doku „Jean-Luc Godard: Kino ohne Kompromisse“ (Frankreich 2022).

mit Marina Vlady, Anny Duperey, Roger Montsoret, Jean Narboni

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“

Wikipedia über „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Meine Besprechung von Bert Rebhandls „Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär“ (2020)

Mein Nachruf auf Jean-Luc Godard

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. Juni: Mr. Deeds geht in die Stadt

Juni 3, 2023

Arte, 20.15

Mr. Deeds geht in die Stadt (Mr. Deeds goes to Town, USA 1936)

Regie: Frank Capra

Drehbuch: Robert Riskin

LV: Clarence Budington Kelland: Opera Hat, 1935 (Kurzgeschichte)

Als Longfellow Deeds von einem entferntem Verwandten ein Vermögen erbt, muss das Landei, um das Erbe antreten zu können, in die Großstadt. Dort wanzen sich seine geldgierige Verwandtschaft und eine Reporterin, auf der Suche nach einer guten Story, sofort  an ihn ran. Da entschließt Mr. Deeds sich, das Erbe an die Armen zu verschenken. Seine Verwandtschaft will dieses offensichtlich verrückte Vorhaben verhindern.

Die romantische Liebeskomödie ist ein seit ewigen Ewigkeiten nicht mehr gezeigter Capra-Klassiker.

mit Gary Cooper, Jean Arthur, George Bancroft, Lionel Stander, Douglas Dumbrille, Raymond Walburn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mr. Deeds geht in die Stadt“

Wikipedia über „Mr. Deeds geht in die Stadt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Frank Capras „Mr. Smith geht nach Washington (Mr. Smith Goes to Washington, USA 1939)

Meine Kurzbesprechung von Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“ (It’s a wonderful Life, USA 1946)


Neu im Kino/Filmkritik: „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ in den nächsten Film

Juni 3, 2023

Fünf Jahre nach seinem ersten Auftritt in „Spider-Man: A new Universe“ (Spider-Man: Into the Spider-Verse) ist Miles Morales zurück. Der in Brooklyn lebende Sohn afroamerikanischer und puertorikanischer Eltern wurde damals, nach dem Tod von ‚Spider-Man‘ Peter Parker, zu Spider-Man. Der Film war bei den Kritikern, den Fans und dem Publikum ein Riesenerfolg. Es war auch der erste Kino-Animationsfilm mit dem Superhelden und er etablierte im Kino gelungen die Idee des Multiverse. In den Comics war die Idee, dass es verschiedene parallele Welten gibt, in denen die Superhelden ähnliche Erlebnisse haben, aber auch ganz andere Erlebnisse haben können und sie bei einigen Gemeinsamkeiten doch verschiedene Personen sind, schon lange etabliert. Aber halt noch nicht im Kino.

Ausgehend von dieser Idee des Mulitverse gibt es viele Spider-Men, die alle über die bekannten Spinnenfähigkeiten verfügen und in der Nachbarschaft gegen Bösewichter kämpfen. Sie haben verschiedene Geschlechter und Hautfarben. Sie verhalten sich teils verschieden und sie können verschieden alt sein. Es kann auch sein, dass ein Spider-Man in einer Welt gestorben, aber in einer anderen Welt noch lebendig ist. Und es gibt bestimmte Ereignisse, wie der Tod einer bestimmten Person, die immer eintreten. Diese Idee des Mulitverse, die inzwischen auch im Marvel Cinematic Universe (MCU) (also den Marvel-Realfilmen) etabliert ist, führt im MCU zu einem ermüdenden Anything Goes. Im Spider-Verse führt sie dagegen, jedenfalls in „Beyond the Spider-Verse“, zu der Frage, welche Ereignisse unvermeidbar sind, welche nicht und ob unvermeidbare Ereignisse nicht doch verhindert werden können. Oder, anders gesagt: Kann das vorherbestimmte Schicksal geändert werden? Beantwortet wird, soviel kann verraten werden, diese Frage in diesem Film noch nicht.

Bevor Miles Morals sich mit der Frage der Vorherbestimmung beschäftigt, kämpft er in „Across the Spider-Verse“ erst einmal gegen Dr. Jonathan Ohnn. Als Bösewicht The Spot kann er mühelos zwischen Orten und Welten wechseln. Die erste Begegnung von Miles und The Spot ist purer Slapstick. Und er trifft Gwen Stacy wieder. Sie ist, in einer anderen Welt, Spider-Woman und sie versucht sich als Schlagzeugerin in einer Rockband. Gemeinsam besuchen Gwen und Miles andere Welten, lernen andere Spider-Men kennen, kämpfen gegen andere Spider-Men und miteinander gegen Bösewichter.

Die drei Regisseure Joaquim Dos Santos, Kemp Powers und Justin K. Thompson erzählen das visuell überwältigend und auch zum mehrmaligen Sehen einladend, Ihr Film wirkt, wie das atemlose Durchblättern eines von verschiedenen Zeichnern gezeichneten Comicbuchs. Im Film wechselt der Stil alle paar Sekunden. Das hat eine angenehme Alles-ist-möglich-Attitüde, zeigt aber auch, dass es in „Across the Spider-Verse“ nicht um irgendeine Form stilistischer Geschlossenheit geht.

Die reichlich vorhandene Action springt aus der Leinwand. Sie wirkt wie animierte Comcipanels, die sich nicht darum scheren, wie es physikalisch funktioniert, sondern wie es gut aussieht. Dazu kommen in jedem Bild zahlreiche Anspielungen und Insider-Witze. Das ist zu viel, um es beim einnmaligen Sehen vollkommen zu erfassen.

So gelungen der visuelle Aspekt des Superheldenfilms ist, so enttäuschend ist die Geschichte. Auch wenn ich wollte, könnte ich sie nicht erzählen. Und das Ende verstärkt das Gefühl noch. Denn der Film bricht mitten in einem großen Kampf ab. Mit dem Hinweis, dass sie im nächsten Film weiter erzählt werde.

In dem Moment ist, trotz seiner epischen Laufzeit von gut zweieinhalb Stunden mehr unklar als klar. Und das betrifft ungefähr alle wichtigen Punkte. Es ist, als ob ich einen Agatha-Christie-Rätselkrimi besprechen müsste, von dem ich nur das erste Drittel kenne, der Mord noch nicht geschehen ist und es sogar unklar ist, wer der Ermittler ist.

Deshalb genießt man die im Film präsentierte Geschichte am besten wie eine Zusammenstellung von fünf Kurzfilmen. Oder wie fünf Comcihefte, bei denen unklar ist, nach wie vielen Heften der Erzählbogen endet und auch, welcher Spider-Man (oder Spider-Woman) letztendlich der Hauptprotagonist ist und wer sein Hauptgegner ist. Und wie ein Comic hat hier jeder Kurzfilm mindestens eine große Actionszene und viele Erklärdialoge, die teils in die Action integriert sind. Öfter nicht.

Am Ende bleibt, wie bei „Dune“ oder, zuletzt, „Fast & Furious 10“, das Gefühl, keinen eigenständigen Film, sondern nur einen Anfang von einer größeren Erzählung gesehen zu haben. Wie bei „Fast & Furious 10“ haben die Macher in „Across the Spider-Verse“ viele Möglichkeiten ausgebreitet. Welche sie weiterverfolgen, welche nicht, welche sie in ein Spin-off ausgelagern werden, hängt weniger von erzählerischen Notwendigkeiten, sondern vor allem von den Reaktionen der Fans und damit zusammenhängenden kommerziellen Erwägungen ab.

Wie sie ausfallen, erfahren wir dann im dritten Teil, der möglicherweise den Abschluss einer Trilogie bildet. In jedem Fall heißt der dritte Spider-Man-Film mit Miles Morales „Beyond the Spider-Verse“ und er soll im März 2024 anlaufen.

Spider-Man: Across the Spider-Verse (Spider-Man: Across the Spider-Verse, USA 2023)

Regie: Joaquim Dos Santos, Kemp Powers, Justin K. Thompson

Drehbuch: Phil Lord, Christopher Miller, Dave Callaham (basierend auf den von Stan Lee erfundenen Figuren)

mit (im Original den Stimmen von) Shameik Moore, Hailee Steinfeld, Oscar Isaac, Jake Johnson, Issa Rae, Brian Tyree Henry, Karan Soni, Daniel Kaluuya, Luna Lauren Velez, Shea Whigham, Mahershala Ali, Ziggy Marley, J.K. Simmons

Länge: 141 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Spider-Man: Across the Spider-Verse“

Metacritic über „Spider-Man: Across the Spider-Verse“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: Across the Spider-Verse“

Wikipedia über „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bob Persichetti, Peter Ramsey, Rodney Rothmans „Spider-Man: A new Universe“ (Spider-Man: Into the Spider-Verse, USA 2018)