Neu im Kino/Filmkritik: Über Emily Atefs „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“

April 16, 2023

Im Sommer 1990 lebt die achtzehnjährige Maria in Thüringen bei ihrem Freund Johannes auf dem Hof seiner Eltern. Diese stehen der Beziehung aufgeschlossen gegenüber, haben sie in ihre Familie aufgenommen, ahnen aber auch, dass Johannes und Maria nicht zusammen bleiben werden. Er ist ein begeisterter Fotograf, der demnächst ein entsprechendes Studium beginnen möchte und dafür eine Mappe erstellt. Sie lebt in den Tag hinein. Sie hat keine Ziele und keine Interessen. Die Schule hat sie, kurz vor dem Abschluss, geschmissen. Auf dem Hof hilft sie auch nicht. Sie verbringt ihre Zeit im Moment vor allem mit der Lektüre von Fjodor Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“.

Als sie nach einem Slapstick-Autounfall, bei dem es keine Verletzten gibt und der Trabi danach immer noch fahrtüchtig ist, den mehr als doppelt so alten Henner trifft, ist sie fasziniert von ihm. Der knurrige Einsiedler betreibt den Nachbarhof und er soll ein Fraueneld sein. Das ist er allerdings nur in der blühenden Fantasie der Dörfler.

Maria und Henner beginnen eine destruktive Beziehung, die sie vor allen anderen geheim halten und die bis zum bitteren Ende ziemlich genau den erwartbaren Verlauf nimmt. Im Gedächtnis bleiben von dieser Liebesgeschichte vor allem die heute im Kino ungewöhnlich ausführlichen, freizügigen und drastischen Sexszenen, die viel über Maria, Henner und ihre Beziehung verraten. Sie können allerdings nicht die Frage beantworten, warum Maria bei diesem Grobian bleiben möchte.

Gelungener als diese Coming-of-Age-Geschichte ist Emily Atefs neuer Film „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ als Zustandsbeschreibung eines Stillstands. Aber es nicht der Stillstand, der als die Ruhe vor (oder nach) dem Sturm verstanden werden kann. Immerhin spielt die Filmgeschichte 1990 in der damals noch existierenden DDR. Einige Monate später gab es sie nicht mehr. Die DDR, ihr Ende und die damit verbundenen Hoffnungen und Sorgen der Ostdeutschen sind Atef ziemlich egal. In ein, zwei Sätzen wird das erwähnt. Ein Verwandter, der vor Jahren in den Westen flüchtete, besucht einmal kurz den Hof. Für die Filmgeschichte ist dieser Besuch unwichtig. Marias Mutter ist arbeitslos. Doch auch das kann jederzeit und überall passieren. Maria und Johannes fahren mal in den Westen. Johannes benutzt den Ausflug, um sich Zubehör für seine Kamera zu kaufen. Maria langweilt sich währenddessen im Eiscafé.

So mutiert der Hof und die thüringische Provinz zu einer austauschbaren Provinz, in der die Zeit stehen geblieben ist, Veränderungen höchsten verzögert ankommen und Jugendliche überlegen, wie sie dieser Hölle entkommen können. Atef zeigt einen bleiernen Zustand, der nach über zwei Stunden genau so endet, wie man es aus unzähligen anderen Coming-of-Age-Filmen kennt.

Irgendwann werden wir uns alles erzählen (Deutschland/Frankreich 2023)

Regie: Emily Atef

Drehbuch: Emily Atef, Daniela Krien

LV: Daniela Krien: Irgendwann werden wir uns alles erzählen, 2011

mit Marlene Burow, Felix Kramer, Cedric Eich, Silke Bodenbender, Jördis Triebel, Florian Panzner, Christian Erdmann, Christine Schorn, Axel Werner

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“

Moviepilot über „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“

Rotten Tomatoes über „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“

Wikipedia über „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“

Meine Besprechung von Emily Atefs „3 Tage in Quiberon“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 16. April: Falling Down

April 15, 2023

RTL II, 20.15

Falling Down – Ein ganz normaler Tag (Falling Down, USA 1992)

Regie: Joel Schumacher

Drehbuch: Ebbe Roe Smith

Ein verdammt heißer Sommertag in Los Angeles: ein namenloser weißer Durchschnittsbürger (er wird nach seinem Autokennzeichen ‚D-Fens‘ genannt) lässt genervt sein Auto im Stau stehen. Er will zu Fuß und ohne Umwege zum Haus seiner Ex-Frau gehen und dort den Geburtstag seiner Tochter feiern. Sein Fußmarsch entwickelt sich schnell zu einem Rachefeldzug gegen alle, die sich ihm in den Weg stellen und ihn nerven. Ein Polizist will ihn stoppen.

Grandioser Thriller, der auch und vor allem ein düsteres, schwarzhumoriges Porträt der US-Gesellschaft ist.

„Falling Down“ erhielt 1994 den Edgar-Allan-Poe-Award als bester Spielfilm.

mit Michael Douglas, Robert Duvall, Barbara Hershey, Rachel Ticotin, Tuesday Weld, Frederic Forrest

Wiederholung: Montag, 17. April, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Falling Down“

Wikipedia über „Falling Down“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. April: Smog

April 14, 2023

Tagesschau 24, 20.15

Smog (Deutschland 1972)

Regie: Wolfgang Petersen

Drehbuch: Wolfgang Menge

Nah an der damaligen Realität entlang inszeniertes TV-Dokudrama über eine Inversionswetterlage, die im Ruhrgebiet zu dem titelgebendem Smog führt. Wolfgang Petersen und Wolfgang Menge schildern eindrucksvoll die Auswirkungen des Smogs auf die dort lebenden Menschen und was die Regierung dagegen tut. Damals war der Film ein veritabler Skandal und Tagesgespräch. Heute ist er immer noch sehenswert.

„‚Smog‘ ist sicher eine der besten Produktionen der deutschen Fernsehgeschichte.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films, 1983)

Die Erstausstrahlung war am 15. April 1973; – also vor genau fünfzig Jahren.

mit Wolfgang Grönebaum, Marie-Luise Marjan, Heinz Schacht, Hans Schulze, Doris Gallart

Wiederholung: Sonntag, 16. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Smog“

Meine Besprechung von Wolfgang Petersens „Die Konsequenz“ (Deutschland 1977)


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Fuchs“ und der Soldat

April 14, 2023

Als seine bitterarmen Eltern 1927 dem Seiwald-Bauerm die Vormundschaft für ihn übetragen, ist das das Ende von Franz Streitbergers glücklichen Tagen in den Bergen im Pinzgau. Die nächsten zehn Jahre, die Adrian Goiginger in seinem dritten Spielfilm „Der Fuchs“ schnell überspringt, ist Franz ein Knecht auf dem Seiwald-Hof. 1937, gerade volljährig, lässt er sich in Salzburg rekrutieren. Beim Österreichischen Bundesheer gibt es täglich drei Mahlzeiten, Sold und ein Bett.

Drei Jahre später ist er, während des Zweiten Weltkriegs, ein Motorradkurier. Seine Einheit ist auf dem Weg zur Westfront. Im Wald entdeckt der Einzelgänger ein Fuchswelpen, das neben seiner in einer Tierfalle gestorbenen Mutter sitzt. Franz nimmt den Fuchs in seine Obhut. Für ihn entwickelt er väterlichen Gefühle. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er Verantwortung für ein anderes Wesen. Jede freie Minute verbringt er mit dem Fuchs; – was zu Konflikten mit seinen Kameraden und Vorgesetzten führt.

In seinem dritten Spielfilme erzählt Adrian Goiginger, sich einige Freiheiten nehmend, ungefähr zwanzig Jahre aus dem Leben seines Urgroßvaters und wie er mit Hilfe des Fuchses reifte. Bis dahin war er für niemand verantwortlich. Bis dahin musste er sich keine Gedanken darüber machen, was es bedeutet, für jemand verantwortlich zu sein und auch Entscheidungen für ihn zu treffen.

Das ist durchgehend gut inszeniert, aber insgesamt auch wenig packend. Goiginger erzählt die Geschichte chronologisch. Deshalb dauert es sehr lange, bis Franz zum ersten Mal dem Fuchs begegnet. Alles was bis dahin geschehen ist, ist eine für diese Begegnung und die nun folgende Freundschaft zwischen Mensch und Tier nicht so wahnsinnig wichtige Vorgeschichte. Goiginger erzählt episodisch. Er überspringt auch mal mehrere Jahre und erzählt so in zwei Filmstunden in schönster Biopic-Manier zwanzig Jahre aus dem Leben von Franz Streitberger. Es gibt auch keinen die gesamte Handlung bestimmenden klar erkennbaren Konflikt. Und ohne Konflikt gibt es kein Drama und keine emotionale Anteilnahme des Publikums. Verschärfend kommt hinzu, dass Franz ein introvertierter Einzelgänger ist. Er ist lieber allein. Er redet nicht mit seinen Kameraden. Diese akzeptieren sein Verhalten und auch, dass er sich über mehr oder weniger lange Zeiträume von der Truppe entfernt. Denn er würde, das wissen alle, niemals desertieren.

Vielleicht hätte Goiginger aus den Erinnerungen seines Urgroßvaters besser einen Roman gemacht.

Der Fuchs (Deutschland/Österreich 2022)

Regie: Adrian Goiginger

Drehbuch: Adrian Goiginger

mit Simon Morzé, Marko Kerezovic, Joseph Stoisits, Pit Bukowski, Maximilian Echtinger, Joshua Bader, Stanislaus Steinbichler, Alexander Beyer, Karl Markovics

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Der Fuchs“

Moviepilot über „Der Fuchs“

Wikipedia über „Der Fuchs“

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Die beste aller Welten“ (Österreich/Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Märzengrund“ (Österreich/Deutschland 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „Suzume“, der neue Anime von Makoto Shinkai

April 14, 2023

So langsam werden auch bei uns japanische Trickfilme populärer. In den vergangenen Jahren wurden viele Animes auf DVD/Blu-ray veröffentlicht. Sie hatten keinen oder nur einen Pseudo-Kinostart der Marke „nur ein Tag, nur in ausgewählten Kinos“. Manchmal waren es dann doch mehrere Tage oder verdammt lange Tage. „Suzumu“ hat jetzt einen richtigen Kinostart. Die in Japan schon sehr erfolgreiche Fantasy-Romanze läuft mehrere Tage in mehreren Kinos und wird, je nach Zuschauerzahlen, natürlich weiter gezeigt werden.

In Makoto Shinkais neuem Film geht es um die siebzehnjährige Suzume und die Abenteuer, die sie mit Souta erlebt.

Auf dem Weg zur Schule trifft sie auf Souta und sie verliebt sich sofort in ihn. Schließlich sieht er wie ein Rockstar-Traumprinz aus. Seine offensichtliche Traurigkeit und Weltmüdigkeit macht ihn noch attraktiver für Suzume. Er sucht in dem Küstenort nach Ruinen. Sie verfolgt ihn, entdeckt dabei in einem verlassenen Bad eine im Wasser stehende Tür, durch die eine andere Welt betreten werden kann. Sie ist ein Portal in eine andere Dimension. Souta ist ein Portalwächter, der dieses und andere Portale schließen muss, bevor aus der anderen Dimension ein Wurm kommt und in unserer Welt Erdbeben verursacht.

Mehr soll hier nicht über die komplexe, vor allem für Mädchen gemachte Fantasy-Romanze, die zwischen Räumen und Zeiten spielt, verraten werden. Wobei alle, die Shinkais frühere Filme kennen, ziemlich schnell eine ziemlich gute und zutreffende Idee über den weiteren Verlauf der Geschichte haben werden. „Suzume“ bedient sich nämlich sehr offensichtlich an dem Plot von Shinkais bislang größtem Erfolg „Your Name. – Gestern, heute und für immer“. Diese Fantasy-Romanze war ein Kritiker- und Publikusliebling und der aktuell dritterfolgreichste Anime. Auf dem vierten Platz steht, im Moment noch mit deutlichem Abstand, „Suzume“.

Shinkais neuer Anime ist absolut sehenswert, aber nicht ganz so gut wie „Your Name. – Gester, heute und für immer“.

Suzume (Suzume no Tojimari, Japan 2022)

Regie: Makoto Shinkai

Drehbuch: Makoto Shinkai

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Lektürehinweis

Wer mehr über die Welt der Animes erfahren möchte, kommt um die von Michael Leader und Jake Cunningham geschriebenen, reichhaltig illustrierten Bücher „Die Anime-Bibliothek – Die ultimative Guide zum japanischen Animationsfilm“ und „Gibliothek – Der inoffizielle Guide zu den Filmen von Studio Ghibli“.

Lasst euch nicht von der Seitenzahl täuschen. Die umfangreichen Texte sind sehr klein gedruckt. Und sehr informativ.

Michael Leader/Jake Cunningham: Die Anime Bibliothek – Der ultimative Guide zum japanischen Animationsfilm

(übersetzt von Ruben Grest)

Panini, 2022

192 Seiten

30 Euro

Michael Leader/Jake Cunningham: Ghibliothek – Der inoffizielle Guide zu den Filmen von Studio Ghibli

(übersetzt von Katrin Aust)

Panini, 2022

192 Seiten

30 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Suzume“

Metacritic über „Suzume“

Rotten Tomatoes über „Suzume“

Wikipedia über „Suzume“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. April: Geheimnis eines Lebens

April 13, 2023

3sat, 20.15

Geheimnis eines Lebens (Red Joan, USA 2018)

Regie: Trevor Nunn

Drehbuch: Lindsay Shapero

LV: Jennie Rooney: Red Joan, 2013 (Geheimnis eines Lebens)

Im Mai 2000 wird die 87-jährige Joan Stanley verhaftet. Sie soll ab dem Zweiten Weltkriegs für die Sowjetunion spioniert haben.

Von einem wahren Fall inspiriertes Agentendrama, das Theaterregisseur Trevor Nunn in Rückblenden erzählt. Angesichts des Potentials der Geschichte und der Schauspieler eine enttäuschende Angelegenheit. Wobei die Romanvorlage auch nicht spannender ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Judi Dench, Sophie Cookson, Stephen Campbell Moore, Tom Hughes, Tereza Srbova, Ben Miles, Freddie Gaminara

Die Vorlage

Jennie Rooney: Geheimnis eines Lebens

(übersetzt von Stefanie Retterbush)

Goldmann, 2019

560 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Red Joan

Chatto & Windus, London, 2013

Hinweise

Moviepilot über „Geheimnis eines Lebens“

Metacritic über „Geheimnis eines Lebens“

Rotten Tomatoes über „Geheimnis eines Lebens“

Wikipedia über „Geheimnis eines Lebens“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Trevor Nunns „Geheimnis eines Lebens“ (Red Joan, USA 2018)

Meine Besprechung von Jennie Rooneys „Geheimnis eines Lebens“ (Red Joan, 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die drei Musketiere – D’Artagnan“ will mitspielen

April 13, 2023

Jetzt fechten sie wieder für den König und, angesichts der vielen Verfilmungen von Alexandre Dumas‘ Roman kann man sich fragen, ob die Welt wirklich einen weiteren „Die drei Musketiere“-Film benötigt. Die bekanntesten und immer noch beliebtesten Verfilmungen sind George Sidneys „Die drei Musketiere“ (USA 1948) und Richard Lesters Zweiteiler „Die drei Musketiere“ (Panama 1974) und „Die vier Musketiere – Die Rache der Milady“ (Panama 1975). Außerdem gibt es unzählige weitere Verfilmungen der bekannten Vorlage, die inzwischen vergessen sind.

Und dann gibt es noch Bertrand Taverniers „D’Artagnans Tochter“ (Frankreich 1994), die im Film von Sophie Marceau als muntere Kämpferin gespielt wird. Die Mantel-und-Degen-Komödie hat zwar nichts mehr mit dem Roman von Dumas zu tun, aber sie ist äußerst kurzweilig, viel zu unbekannt und der Grund, warum Martin Bourboulon das Angebot einer Neuverfilmung von Dumas‘ Roman akzeptierte. Sein Vater war einer der Produzenten von Taverniers Film und er durfte als Jugendlicher das Set besuchen.

Jetzt konnte Martin Bourboulon seinen eigenen Mantel-und-Degen-Film drehen.

Die Story hat er nicht grundlegend verändert. Wieder geht es um D’Artagnan (François Civil), einen vor Selbstvertrauen strotzendem Burschen aus der Gascogne, der in Paris ein Mitglied der legendären Musketiere werden möchte. Doch zuerst muss er sich mit drei Männern herumschlagen, denen er in den übervollen Gassen der Hauptstadt innerhalb weniger Minuten auf die Füße trat und die ihn nacheinander zum Duell herausforderten. Es sind, was D’Artagnan nicht weiß, die Musketiere Athos (Vincent Cassel), Porthos (Pio Marmaï) und Aramis (Romain Duris).

Noch bevor sie in einem Waldstück mit dem ersten Duell beginnen können, werden sie von Kardinal Richelieus Männern gestört – und Regisseur Martin Bourboulon nutzt die Gelegenheit für eine große, ungeschnittene, nicht enden wollende Actionszene. Bis zum Abspann folgende weitere sparsam geschnittene Kampfszenen.

Nach diesem wilden Kampf hat D’Artagnan sich den Respekt der drei Musketiere verdient. Sie nehmen ihn in ihre elitäre Gruppe auf.

Schnell werden sie in einen Komplott gegen den König, den sie beschützen sollen, verwickelt. 1627 ist die politische Situation unübersichtlich. Frankreich und England bekriegen sich. Evangelen und Katholen ebenso. Es wird munter hinter dem Rücken des Königs intrigiert. Treibende Kräfte sind dabei Kardinal Richelieu (Éric Ruf) und die geheimnisvolle Milady de Winter (Eva Green).

Martin Bourboulon, zuletzt „Eiffel in Love“, verzichtet in seiner Interpretation der klassischen Geschichte auf Modernismen, Ironisierungen und Aktualisierungen, die andere Regisseure bei ihren Verfilmungen historischer Stoffe vornehmen. Zum Bespiel indem die Musik aus Rocksongs besteht. Teilweise werden diese Songs, neu arrangiert, vor Publikum auf höfischen Gesellschaften gespielt. Oder indem moderne Gegenstände, die es damals noch lange nicht gab, im Bild auftauchen. Bourboulon verzichtet darauf. Er inszenierte einen bewusst altmodischen Mantel- und Degenfilm, der so auch schon für fünfzig Jahren hätte entstehen können. Und er nimmt sich viel Zeit. Wie einige ältere Versionen der Geschichte erzählt er sie in zwei Teilen. Der zweite Teil „Die drei Musketiere – Milady“ soll am 14. Dezember 2023 in Deutschland starten.

Eben diese Entscheidung führt zu einigen Längen. Die Geschichte wird jetzt in ungefähr vier Stunden erzählt. Dabei hätten sie sie auch als einen konzentriert in, sagen wir mal 150 Minuten erzählten Abenteuerfilm erzählen können. Jetzt ziehen sich einige Duelle gefühlt endlos hin. Milady de Winter geht auf einem Maskenball ebenfalls gefühlt endlos durch die Feiernden. Das Leben am Hof des Königs hätte nicht so ausführlich geschildert werden müssen. Und natürlich ist dieser erste Teil (mit seiner Abspannszene) vor allem die Vorbereitung des zweiten Teils, in dem die tapferen drei Musketieren (die eigentlich vier Musketiere sind) gegen die böse Milady de Winter kämpfen. Im ersten Teil hat sie nur eine Nebenrolle.

Doch das sind eher kleinere Einwände gegen einen unterhaltsamen, traditionsbewussten, starbesetzten Abenteuerfilm.

Die drei Musketiere – D’Artagnan (Les trois mousquetaires: D’Artagnan, Deutschland/Frankreich 2023)

Regie: Martin Bourboulon

Drehbuch: Matthieu Delaporte, Alexandre de La Patellière

LV: Alexandre Dumas: Les trois mousquetaires, 1843/44 (Die drei Musketiere)

mit François Civil, Vincent Cassel, Romain Duris, Pio Marmaï, Eva Green, Louis Garrel, Vicky Krieps, Lyna Khoudri, Jacob Fortune-Lloyd, Eric Ruf, Marc Barbé, Patrick Mille

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Moviepilot über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Allociné über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Rotten Tomatoes über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“

Wikipedia über „Die drei Musketiere – D’Artagnan“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Martin Bourboulons „Eiffel in Love“ (Eiffel, Frankreich/Deutschland 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Cocaine Bear“, viele dumme Menschen, fertig ist der blutige Spaß

April 13, 2023

1985 wirft ein Drogenschmuggler über dem Chattahoochee National Forest in Georgia etliche mit Kokain gefüllte Drogenpakete aus einem Flugzeug. Als er herausspringen will, verletzt er sich tödlich – und „Cocaine Bear“ hat seinen ersten Lacher. Weitere folgen. Aber weniger als erwartet.

Cocaine Bear“ zählt zu den Filmen, die ihre Prämisse und gleichzeitig ihren größten Witz bereits im Titel tragen. In „Cocaine Bear“ geht es um einen Bären, der Kokain frisst und durchdreht. Er verhält sich nicht mehr wie ein friedliebender Bär, sondern wie ein komplett durchgeknallter Maniac. Das erfahren die Menschen, die zu dem Zeitpunkt gerade im Wald sind, leidvoll. Sie sind, wie es sich für eine Schwarze Deppen-Komödie gehört, eine Ansammlung von grenzdebilen Deppen, die mindestens zur Hälfte für ihre Verletzungen und ihren Tod selbst verantwortlich sind. Ihr teils groteskes Ableben – erinnert sei hier nur an die Szene im Krankenwagen – sorgt im Publikum dann für die erwartbaren höhnischen und auch überraschten Lacher. Die in der Komödie porträtierten Trottel sind sich tough gebende Verbrecher aus der Stadt (die jetzt die Kokainpakete im Wald suchen müssen) und der Provinz (die sich mit den Städtern anlegen und zuerst einmal ordentlich verkloppt werden), einer verliebten, älteren, übergewichtigen Parkwächterin, die sich als Elitepolizistin auf Standby sieht, ein Tierschützer, Sanitäter und Touristen.

Die wenigen Ausnahmen – zwei zwölfjährige Schulkinder, die zum ersten Mal Kokain ausprobieren, und eine besorgte Mutter, die verärgert die beiden Schulschwänzer sucht – bestätigen die Regel, dass an diesem Tag nur Idioten im Wald sind, deren Lebensinhalt darin besteht, Bärenfutter zu sein.

Als kleiner schwarzhumorige Splatterquickie ist „Cocaine Bear“ okay. Er liefert ziemlich genau das, was der Titel versprichte. Aber die Komödie ist nie auch nur halb so gut, wie sie hätte sein können.

Cocaine Bear (Cocaine Bear, USA 2023)

Regie: Elizabeth Banks

Drehbuch: Jimmy Warden

mit Keri Russell, O’Shea Jackson jr., Christian Convery, Alden Ehrenreich, Jessie Tyler Ferguson, Brooklynn Prince, Isiah Whitlock jr., Margo Martindale, Ray Liotta

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Cocaine Bear“

Metacritic über „Cocaine Bear“

Rotten Tomatoes über „Cocaine Bear“

Wikipedia über „Cocaine Bear“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood prüft – obwohl es in diesem Fall ziemlich egal ist, weil außer dem auslösendem Ereignis (dem Abwurf von Drogen aus dem Flugzeug und dem späteren Fund eines toten Bären, der 17 Kilo Kokain in seinem Magen hatte) alles erfunden ist

Meine Besprechung von Elizabeth Banks‘ „Movie 43“ (Movie 43, USA 2013) (sie inszenierte nur eine Episode und niemand will mehr etwas mit dem Ding zu tun haben)

Meine Besprechung von Elizabeth Banks‘ „3 Engel für Charlie“ (Charlie’s Angels, USA 2019)


TV-Tipp für den 13. April: Er

April 12, 2023

Arte, 00.10

Er (Él, Mexiko 1953)

Regie: Luis Buñuel

Drehbuch: Luis Buñuel, Luis Alcoriza

Extrem selten, um nicht zu sagen ‚fast nie‘, gezeigtes Melodrama von Luis Buñuel: Der reiche Francisco spannt Raúl die Verlobte aus und heiratet sie. Ihre Ehe könnte perfekt sein, wenn er nicht rasend eifersüchtig wäre.

Surrealistisch gefärbtes Melodram aus Buñuels mexikanischer Periode.“ (Lexikon des internationalen Films)

Die deutsche Premiere war am 7. Juli 1970 in der ARD.

Luis Buñuel Portolés (* 22. Februar 1900 in Calanda, Spanien; † 29. Juli 1983 in Mexiko-Stadt, Mexiko) war ein mexikanischer Filmemacher spanischer Herkunft, der gegen Ende der Stummfilmzeit als surrealistischer Regisseur bekannt wurde. Er zählt zu den bedeutendsten Filmregisseuren des 20. Jahrhunderts.“ (Wikipedia)

Seine bekanntesten und wichtigsten Filme sind Ein andalusischer Hund“ (Un chien andalou, 1929), „Viridiana“ (1961), „Der Würgeengel“ (El ángel exterminador, 1962), „Tagebuch einer Kammerzofe“ (Le journal d’une femme de chambre, 1964), „Belle de Jour – Schöne des Tages“ (Belle de jour, 1967), „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (Le charme discret de la bourgeoisie, 1972), „Das Gespenst der Freiheit“ (Le fantôme de la liberté, 1974) und „Dieses obskure Objekt der Begierde“ (Cet obscur objet du désir, 1977).

mit Arturo de Córdova, Delia Garcés, Carlos Martínez Baena, Manuel Dondé, Fernando Casanova

Hinweise

Arte über „Er“ (bis 11. Juli 2023 online)

Rotten Tomatoes über „Er“

Wikipedia über „Er“ (deutsch, englisch)


Impressionen aus Berlin: Marc Raabe in Berlin

April 12, 2023

Marc Raabe (Marc Raabe, links) und seine Erfindung Art Mayer (Mario Klischies, rechts) am Dienstag, den 11. April 2023, im Berliner Kriminal-Theater.

Der überaus sympathische Thrillerautor Marc Raabe stellte dort seinen neuen Thriller „Der Morgen“ und sein neues Ermittlerteam vor. Der BKA-Ermittler Art Mayer und seine neue Kollegin Nele Tschaikowski suchen den Mörder der Frau des Gesundheitsministers. Und sie wollen herausfinden, warum der Mörder die Adresse des Bundeskanzlers auf ihren Bauch schrieb.

Die nächsten Lesungen von Marc Raabe

Köln, 20. April 2023, 20:15 Uhr, Thalia Neumarkt//Mayersche

Leipzig, 26. April 2023, LangeKriminacht – Blauer Salon im Central Kabarett

Leipzig, 27. April 2023, 14:00 Uhr, Leipziger Buchmesse „Forum Literatur und Audio“, Halle: 2, Stand

Leipzig, 28. April 2023, 19:00 Uhr, KrimiClub

Kerpen, 24. Mai 2023, 19:30 Uhr, Buchhandlung Wortreich

Marc Raabe: Der Morgen

Ullstein, 2023

592 Seiten

17,99 Euro

Hinweise

Homepage von Marc Raabe

Ullstein über Marc Raabe

Krimi-Couch über Marc Raabe

Wikipedia über Marc Raabe

Meine Besprechung von Marc Raabes „Der Morgen“ (2023)


TV-Tipp für den 12. August: Der große Gatsby

April 11, 2023

Kabel 1, 23.20

Der große Gatsby (The great Gatsby, USA 2013)

Regie: Baz Luhrmann

Drehbuch: Baz Luhrmann, Craig Pearce

LV: F. Scott Fitzgerald: The great Gatsby, 1925 (Der große Gatsby)

Auf Long Island veranstaltet der geheimnisumwitterte Jay Gatsby in den zwanziger Jahren glamouröse Partys. Da trifft er seine große, inzwischen verheiratete Liebe Daisy wieder.

Fünfte Verfilmung von F. Scott Fitzgeralds Romanklassiker und wieder ist die Verfilmung eine bestenfalls durchwachsene Angelegenheit, die der vernachlässigbaren Handlung des Romas folgt und ihren viel wichtigeren Geist verfehlt. Immerhin ist bei Luhrmann immer etwas los. Allerdings: „Luhrmanns Oberflächenfetischismus kennt keine echten Abgründe.“ (Lexikon des internationalen Films)

Die aktuell bekannteste Verfilmung dürfte die ebenfalls ungeliebte Version von 1974 sein. Francis Ford Coppola schrieb das Drehbuch und Robert Redfort spielte Jay Gatsby.

mit Leonardo DiCaprio, Isla Fisher, Jason Clarke, Carey Mulligan, Joel Edgerton, Tobey Maguire

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der große Gatsby“

Wikipedia über „Der große Gatsby“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Baz Luhrmanns „Elvis“ (Elvis, USA 2022)


Cover der Woche

April 11, 2023

Ein Klassiker


Buchpremiere: Marc Raabe stellt seinen neuen Thriller „Der Morgen“ in Berlin vor

April 11, 2023

Am Dienstag, den 11. April, stellt Thrillerautor Marc Raabe um 20:00 Uhr im Berliner Kriminal-Theater (Palisadenstr 48, 10243 Berlin) seinen neuen Roman „Der Morgen“ und sein neues Ermittlerteam vor.

Anouk Schollähn moderiert den Abend und Schauspieler Mario Klischies verkörpert Art Mayer, Raabes neuen Ermittler, auf der Theaterbühne.

Der Mitt-Dreißiger Mayer ist ein waschechter Berlliner und Ermittler beim BKA. Im Moment ist er suspendiert, weil er den Polizeipräsidenten geschlagen hat.

Als im verschneiten Berlin (Okay, das ist jetzt aber wirklich fiktiv. Denn diese Art Schnee gibt es in Berlin schon seit Jahren nicht. Jedenfalls nicht länger als einige Stunden.) an der Siegessäule auf der Ladefläche eines Lasters die nackte Leiche von Marietta Althauser, der Frau des Gesundheitsministers, gefunden wird und auf ihrem Bauch die mit Blut geschriebene Privatadresse des Bundeskanzlers Henrik Westphal steht, wird Art Mayer gerufen. Er soll den Fall aufklären. Später erfährt er, dass Marietta Althauser die zweite Tote ist, auf deren Bauch die Adresse des Kanzlers stand, und dass Westphal ausdrücklich um die Hilfe von Art Mayer bei den Ermittlungen gebeten hat. Mayer weiß auch nicht, dass seine neue Kollegin, die Kommissaranwärterin Nele Tschaikowski, die Nichte des Polizeipräsidenten ist.

Dafür wissen seine Kollegen nicht, dass Mayer Westphal und seine Frau aus seiner Jugend kennt und sie vor über zwanzig Jahren einige Dinge taten, die nicht bekannt werden sollen.

Marc Raabe veröffentlichte seinen ersten Thriller „Schnitt“ 2012 bei Ullstein. Seitdem veröffentlichte er bei Ullstein ungefähr jedes Jahr einen weiteren dickleibigen Schmöker. Zuerst die Einzelromane „Der Schock“ (2013) und „Heimweh“ (2015). Dann die vier Tom-Babylon/Sita-Johanns-Thriller „Schlüssel 17“ (2018), „Zimmer 19“ (2019) „Die Hornisse“ (2020) und „Violas Versteck“ (2022). Und jetzt den ersten Art-Mayer/Nele-Tschaikowski-Thriller „Der Morgen“. Der Roman steht wenige Tage nach seiner Veröffentlichung auf dem zweiten Platz der Spiegel-Bestsellerliste. Im Frühjahr 2024 soll mit „Dämmerung“ der zweite Einsatz des Teams Mayer/Tschaikowski erscheinen.

Der Morgen“ ist ein Strandkorblektüre, über dessen Story und die aus dem Hut gezauberte Lösung nicht zu genau nachgedacht werden sollte. Denn dann würde auffallen, dass Raabe etliche interessante Punkte nicht weiter vertieft, weil sein neuester Thriller kein Polit-Thriller und kein Rätselkrimi ist. So spielt die Geschichte zwar wenige Tage vor einem G20-Gipfel, der in Berlin stattfindet, aber für die Geschichte ist er letztendlich egal. Gleiches gilt für den gesamten politischen Betrieb. Die Zahl der falschen Fährten, Motive und Tatverdächtigen ist sehr überschaubar.

Weitere Lesungen

Köln, 20. April 2023, 20:15 Uhr, Thalia Neumarkt//Mayersche

Leipzig, 26. April 2023, LangeKriminacht – Blauer Salon im Central Kabarett

Leipzig, 27. April 2023, 14:00 Uhr, Leipziger Buchmesse „Forum Literatur und Audio“, Halle: 2, Stand

Leipzig, 28. April 2023, 19:00 Uhr, KrimiClub

Kerpen, 24. Mai 2023, 19:30 Uhr, Buchhandlung Wortreich

Marc Raabe: Der Morgen

Ullstein, 2023

592 Seiten

17,99 Euro

Hinweise

Homepage von Marc Raabe

Ullstein über Marc Raabe

Krimi-Couch über Marc Raabe

Wikipedia über Marc Raabe


TV-Tipp für den 11. April: Schweigen und Vertuschen

April 10, 2023

Arte, 20.15

Schweigen und Vertuschen: Die Todsünden der katholischen Kirche (Belgien/Deutschland/Frankreich 2022)

Regie: Helmar Büchel

Drehbuch: Helmar Büchel

TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über sexuellen Missbrauch in und im Umfeld der Katholischen Kirche, der Vertuschung durch sie und dem zögerlichen Umgang der weltlichen Justiz damit. Helmar Büchel konzentriert sich in seiner Doku auf Fälle aus Frankreich, Deutschland und Belgien.

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche


TV-Tipp für den 10. April: Eins, zwei, drei

April 9, 2023

3sat, 11.40/23.45

Eins, zwei, drei (One, Two, Three, USA 1961)

Regie: Billy Wilder

Drehbuch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond

LV: Ferenc Molnár: Egy, kettó, három, 1929 (Theaterstück)

Der Berlin-Berlin-Film: Westberlin, August 1961: Mr. MacNamara, der Leiter der örtlichen Coca-Cola-Filiale, muss die heimliche Heirat zwischen der Tochter seines Chefs und einem Ostberliner Über-Proletarier rückgängig machen. Bevor der garstige Chef ankommt.

Billy Wilders turbulente und respektlose Komödie kam wenige Wochen nach dem Bau der Berliner Mauer in die Kinos und floppte. 1985, bei seiner Wiederaufführung, kam er deutlich besser an. Seitdem ist der Film ein Klassiker.

mit James Cagney, Horst Buchholz, Liselotte Pulver, Pamela Tiffin, Arlene Francis, Hanns Lothar, Karl Lieffen, Howard St. John, Ralf Wolter, Hubert von Meyerinck

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eins, zwei, drei“

Wikipedia über „Eins, zwei, drei“ (deutsch, englisch)


Impressionen aus Berlin: Frohe Ostern!

April 9, 2023


Neu im Kino/Filmkritik: Wer ist hier das „Victim“?

April 9, 2023

Irinas dreizehnjähriger Sohn Igor liegt schwer verletzt und nicht ansprechbar im Krankenhaus einer tschechischen Kleinstadt. Er wurde in dem anonymen Mietshaus in dem Irina und Igor wohnen, überfallen. Wer den aus der Ukrainie stammenden Teenager zusammengeschlagen hat, ist unklar. Es ist auch unklar, was genau geschah. Aber schnell wird die Körperverletzung zu einem Ereignis, das immer weitere Kreise zieht. Auch weil ein rassistischer Hintergrund vermutet wird. Die Polizei ermittelt. Die Medien sehen in dem Überfall eine gute Boulevard-Story. Die Bürgermeisterin spricht ihr Beileid aus und möchte, nicht ganz uneigennützig, Irina und Igor helfen. So erhält Irina eine größere Wohnung. Ein früherer Profisportler, der jetzt als Rechtsradikaler Politik macht, will ihnen ebenfalls helfen und dabei fremdenfeindliche Ressentiments bedienen. Denn die Tatverdächtigen sind einige im gleichen Haus lebende Roma-Jungen.

Und Irina hofft, dass der Überfall sich positiv auf ihren wiederholten Antrag auf die tschechische Staatsbürgerschaft und ihre Pläne, sich mit einem Friseursalon selbstständig zu machen, auswirkt. Auch wenn sie dafür lügen muss.

Schnell verschwimmen in Michal Blaškos bevorzugt in langen Einstellungen gedrehtem Spielfilmdebüt die Grenzen zwischen Gut und Böse. Das erzählt er etwas zu reduziert und zu didaktisch, um wirklich zu begeistern.

Trotzdem ist „Victim“ insgesamt ein zum Nachdenken und Diskutieren anregendes Drama mit einer sehr ironischen Schlußpointe.

Victim (Slowakei/Tschechien/Deutschland 2022)

Regie: Michal Blaško

Drehbuch: Jakub Medvecký

mit Vita Smachelyuk, Gleb Kuchuk, Igor Chmela, Viktor Zavadil, Inna Zhulina, Alena Mihulová, Veronika Weinhold, Gabriela Míčová, Claudia Dudová

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Victim“

Moviepilot über „Victim“

Rotten Tomatoes über „Victim“

 


TV-Tipp für den 9. April: Das Leben des Brian

April 8, 2023

RTL II, 20.15

Das Leben des Brian (Monty Pythons Life of Brian, Großbritannien 1979)

Regie: Terry Jones

Drehbuch: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Das Leben von Brian, das erstaunliche Parallelen zu dem von Jesus Christus hat, und hier von Monty Python kräftig durch den Kakao gezogen wird.

Kult. Und wahrscheinlich schon tausendmal gesehen.

Der deutsche Kinostart war am 15. August 1980

mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin, Terence Bayler, Carol Cleveland, Kenneth Colley, Neil Innes, Charles McKeown

Wiederholung: Montag, 10. April, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Leben des Brian“

Wikipedia über „Das Leben des Brian“ (deutsch, englisch) und über Monty Python (deutsch, englisch)

YouTube-Kanal von Monty Python (und wer mit dem Englischen Probleme hat, muss einfach seine Wunschsprache eingeben)

Monty Python’s Completely Useless Web Site (und auch nicht autorisiert)


Die Krimibestenliste April 2023

April 8, 2023

Gut, für den österlichen Geschenkekorb kommt die monatliche Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk Kultur, etwas spät. Jedenfalls für alle, die gedruckte Bücher bevorzugen.

Die Damen und Herren der Krimibestenliste würden diese Romane empfehlen:

1 (3) Percival Everett: Die Bäume

Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl

Hanser, 365 Seiten, 26 Euro

2 (–) James Kestrel: Fünf Winter

Aus dem Englischen von Stefan Lux

Suhrkamp, 499 Seiten, 20 Euro

3 (–) Deepti Kapoor: Zeit der Schuld

Aus dem Englischen von Astrid Finke

Blessing, 686 Seiten, 28 Euro

4 (4) Mathijs Deen: Der Taucher

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke

Mare, 318 Seiten, 22 Euro

5 (1) Megan Abbott: Aus der Balance

Aus dem Englischen von Karen Gerwig und Angelika Müller

Pulp Master, 416 Seiten, 16 Euro

6 (9) Riku Onda: Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen

Aus dem Japanischen von Nora Bartels

Atrium, 240 Seiten, 22 Euro

7 (–) David Hewson: Garten der Engel

Aus den Englischen von Birgit Salzmann

Folio, 387 Seiten, 27 Euro

8 (–) Jérôme Leroy: Die letzten Tage der Raubtiere

Aus dem Französischen von Cornelia Wend

Edition Nautilus, 396 Seiten, 24 Euro

9 (–) Hayley Scrivenor: Dinge, die wir brennen sahen

Aus dem Englischen von Andrea O’Brien

Eichborn, 368 Seiten, 22 Euro

10 (8) Melissa Ginsburg: Sunset City

Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt

Polar, 214 Seiten, 17 Euro

In ( ) ist die Position vom Vormonat.

Da ist doch einiges dabei. Zum Beispiel James Kestrels „Fünf Winter“, im Original erschienen bei Hard Case Crime und 2022 mit dem Edgar als bester Roman ausgezeichnet. Das sind schon zwei gute Gründe für eine Lektüre des Romans.

Aktuell beschäftige ich mich wegen anstehender Lesungen und möglicher Interviews vor allem mit dem Werk von Ben Aaronovitch, Christopher Golden und Marc Raabe.

Und am 12. April erscheint „Die Macht der Wölfe“, der neue Roman von Horst Eckert.

Hm, so gesehen kann das Wetter so schlecht bleiben.


TV-Tipp für den 8. April: M – Eine Stadt sucht einen Mörder

April 7, 2023

Servus TV, 00.30

M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931)

Regie: Fritz Lang

Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang

Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.

Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.

Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „M“

Wikipedia über „M“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Fritz Langs Graham-Greene-Verfilmung „Ministerium der Angst“ (Ministry of Fear, USA 1945)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jon J Muths „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (M, 1990/2008, der Comicversion des Films)