TV-Tipp für den 13. März: Snowpiercer

März 12, 2023

Kabel Eins, 23.20

Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Regie: Bong Joon-ho

Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson

LV: Jacques Lob/Benjamin Legrand/Jean-Marc Rochette: Le Transperceneige, 1984 (Schneekreuzer)

Nach der Klimakatastrophe ist die Erde ein Eisplanet. Ein Zug fährt ohne Unterbrechung um die Erde, versorgt sich autark und die Zugbewohner leben in einer radikalen Klassengesellschaft. Da entschließen sich die Unterdrückten, die in den hinteren Zugabteilen vegetieren, zum Aufstand. Ihr Ziel: der erste Wagon.

Satirischer Science-Fiction-Actionthriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Evans, Jamie Bell, John Hurt, Ed Harris, Tilda Swinton, Song Kang-ho, Ko Asung, Octavia Spencer, Ewan Bremner, Tómas Lemarquis

Wiederholung: Dienstag, 14. März, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Snowpiercer“

Metacritic über „Snowpiercer“

Rotten Tomatoes über „Snowpiercer“

Wikipedia über „Snowpiercer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bong Joon-hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Okja“ (Okja, USA/Südkorea 2017)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Parasite“ (Gisaengchung, Südkorea 2019)


TV-Tipp für den 12. März: Rebecca

März 11, 2023

Oscar: Bester Film des Jahres 1941

Arte, 20.15

Rebecca (Rebecca, USA 1940)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Robert E. Sherwood, Joan Harrison

LV: Daphne du Maurier: Rebecca, 1938 (Rebecca)

Hitchcocks Einstand in Hollywood: ein viktorianisches Thrillermelodrama über die junge Frau de Winter, die in dem Familienschloss Manderley überall Spuren der verstorbenen Rebecca de Winter findet und anscheinend von ihrem Mann und der Haushälterin in den Tod getrieben werden soll.

Obwohl David O. Selznick gerade sehr mit „Gone with the wind“ beschäftigt war und Hitch deshalb in Ruhe arbeiten ließ, ist „Rebecca“ in erster Linie ein Selznick-Film.

Hitchcock war von dem Film nicht begeistert: „Das ist kein Hitchcock-Film. Das ist eine Art Märchen,…eine ziemlich vorgestrige, altmodische Geschichte. Es gab damals viele schriftstellernde Frauen. Dagegen habe ich nichts, aber Rebecca ist eine Geschichte ohne jeden Humor.“

Mit Laurence Olivier, Joan Fontaine, George Sanders, Judith Anderson, Nigel Bruce, Leo G. Carroll

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rebecca“

Wikipedia über „Rebecca“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Daphne du Mauriers “Der Apfelbaum” (The Appletree, 1952)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Alice Diops „Saint Omer“

März 11, 2023

Die schwangere Professorin und Schriftstellerin Rama fährt nach Saint Omer, einem Ort in Nordfrankreich im Département Pas-de-Calais. Dort besucht sie die Gerichtsverhandlung gegen Laurence Coly. Die Senegalisin hat ihre fünfzehn Monate alte Tochter ins Meer gelegt. Jetzt ist sie als Mörderin angeklagt. Rama will über die Verhandlung schreiben.

Saint Omer“ ist ein filmisch extrem reduziertes Drama, das den Fall in seiner Komplexität zeigt und mehr Fragen stellt als beantwortet. Die geständige Coly ist dabei kein liebenswertes Opfer, sondern eine in vielerlei Hinsicht rätselhafte und problematische Persönlichkeit mit psychischen Problemen. Vor Gericht erscheint sie seltsam unberührt von der Verhandlung. Sie erklärt ihre Tat mit Hexerei. Aber gleichzeitig ist sie eine gebildete Frau. Sie studierte und begann eine Promotion über Wittgenstein. Sie lebte mit einem deutliche älterem Künstler, der auch der Vater ihres Kindes ist, zusammen. Sie zog sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Sie wurde immer unsichtbarer. Doch warum tat sie das und warum tötete sie ihr Kind?

Alice Diops Film basiert auf einem wahren Fall, der in Frankreich auch als Kabou-Affäre oder Adélaide-Affäre bekannt ist. Im November 2013 legte die 36-jährige ehemalige Philosophiestudentin Fabienne Kabou ihre fünfzehn Monate alte Tochter Adélaide im bei Calais gelegenem Badeort Berck in die Nordsee. Die Flut erledigte den Rest. Danach kehrte sie zu ihrem Lebensgefährten, einem deutlich älterem Künstler, zurück. Kurz darauf konnte sie anhand von Videoaufzeichnungen identifiziert werden. 2016 wurde sie von einem Schwurgericht in Saint-Omer zu einer zwanzigjährigen Haft verurteilt.

In Frankreich wurde über den Fall und das distanzierte Auftreten der Angeklagten breit diskutiert.

Alice Diop saß während der Verhandlung im Gerichtssaal. Diese Verhandlung und ihre Reaktion darauf inspirierte sie, nach mehreren Dokumentarfilmen, zu ihrem Spielfilmdebüt, das vor allem in den Gerichtsszenen nah an dem Fall bleibt und mit den Mitteln des beobachtenden Dokumentarfilms inszeniert ist. Sie erklärt nichts. Sie lässt die Menschen reden in oft minutenlangen statischen Einstellungen, die damit auch die Dramatik eines Gerichtsverfahrens wiedergeben. Und das ist nicht so aufregend, wie eine TV-Gerichtsshow oder eine dramatische Gerichtsszene in einem Spielfilm, sondern teils ermüdend langweilig und emotionslos. In „Saint Omer“ wird mit ruhiger Stimme gesprochen, ohne Emotionen nachgefragt und scheinbar unbeteiligt geantwortet. Die unbewegte Kamera bleibt während der gesamten Befragung immer auf eine Person, normalerweise die befragte Person, gerichtet. Diese bewegt sich kaum.

Insofern ist „Saint Omer“ formal in sich geschlossen, aber als Film auch eine etwas dröge Angelegenheit. Das Drama ist mehr ein Hörspiel oder ein Gerichtsprotokoll (wenn man in der Originalfassung auf das Lesen der Untertitel angewiesen ist) als ein Spielfilm.

Saint Omer (Saint Omer, Frankreich 2022)

Regie: Alice Diop

Drehbuch: Alice Diop, Amrita David, Marie NDiaye

mit Kayije Kagame, Guslagie Malanda, Valérie Dréville, Aurélia Petit, Xavier Maly, Robert Cantarella, Salimata Kamate, Thomas de Pourquery

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Saint Omer“

Moviepilot über „Saint Omer“

Metacritic über „Saint Omer“

Rotten Tomatoes über „Saint Omer“

Wikipedia über „Saint Omer“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 11. März: Molly’s Game – Alles auf eine Karte

März 10, 2023

Servus TV, 20.15

Molly’s Game – Alles auf eine Karte (Molly’s Game, USA 2017)

Regie: Aaron Sorkin

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: Molly Bloom: Molly’s Game: The True Story of the 26-Year-Old Woman Behind the Most Exclusive, High-Stakes Underground Poker Game in the World, 2014 (Molly’s Game)

TV-Premiere. In seinem Regiedebüt erzählt der grandiose Drehbuchautor Aaron Sorkins („The Social Network“, „Steve Jobs“, „The West Wing“) die Geschichte von Molly Bloom. Sie organisierte illegale Pokerspiele mit und für vermögende Spieler, die mit entsprechend hohen Einsätzen spielten. Das füllt ihr Bankkonto, führt zu Kontakten mit der Mafia und Problemen mit dem FBI.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera, Jeremy Strong, Chris O’Dowd, Bill Camp, Brian d’Arcy James, Graham Greene

Wiederholung: Sonntag, 12. März, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Molly’s Game“

Metacritic über „Molly’s Game“

Rotten Tomatoes über „Molly’s Game“

Wikipedia über „Molly’s Game“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Molly’s Game“

Meine Besprechung von Aaron Sorkins „Molly’s Game – Alles auf eine Karte“ (Molly’s Game, USA 2017) (mit mehreren Gesprächen mit Aaron Sorkin, Jessica Chastain und Idris Elba über den Film)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Steven Spielbergs Kindheits- und Jugenderinnerung „Die Fabelmans“

März 10, 2023

Wenige Tage nach seiner Berlinale-Aufführung und wenige Stunden vor der Oscar-Preisverleihung läuft Steven Spielbergs neuer Film „Die Fabelmans“ bei uns endlich regulär im Kino an. Er ist für sieben Oscars, unter anderem als bester Film, für die beste Regie und das beste Drehbuch nominiert. Weil im Moment alle besoffen vor Begeisterung für „Everything Everywhere All at Once“ sind, dürfte nach den aktuellen Voraussagen „The Fabelmans“ keinen Oscar erhalten. Ich würde, tapfer die Minderheitenmeinung vertretend, Spielbergs Biopic einige Oscars geben.

Strenggenommen ist „Die Fabelmans“ kein Biopic. Denn die titelgebenden Fabelmans gab es nie. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass Steven Spielberg in diesem Film die Geschichte seiner Kindheit und Jugend verfilmte. Das Fiktionalisierung bewahrt ihn lediglich vor Schwierigkeiten, wenn ihm jemand vorwirft, das sei damals anders gewesen. Und er kann natürlich immer sagen, dass es sich doch nur um eine erfundene Geschichte handelt. Er hat auch einige Details geändert. Aber letztendlich ist er näher an den Fakten als manche Filme, die sich als Biopic bezeichnen.

Spielberg erzählt die Geschichte von Sam ‚Sammy‘ Fabelman (Gabriel LaBelle; der jüngere Sammy wird von Mateo Zoryan Francis-DeFord gespielt). In New Jersey nehmen ihn seine Eltern am 10. Januar 1952 mit ins Kino. Sie sehen sich Cecil B. DeMilles „Die größte Schau der Welt“ (The Greatest Show on Earth) an. Der Sechsjährige ist gleichzeitig fasziniert und verängstigt von dem im Film spektakulär gezeigtem Zugunglück. Mit der Modelleisenbahn stellt er den Unfall nach, filmt ihn und lernt so, mit seinen Ängsten umzugehen.

Im folgenden erzählt Spielberg das weitere Schicksal von Sam und der überaus liebevollen, fürsorglichen und weltoffenen Familie Fabelman. Sein Vater Burt (Paul Dano) ist Computerentwickler für Datenspeichersysteme. Seine Arbeit führt sie im Lauf der Jahre von der Ostküste zur Westküste. Von New Jersey geht es über Arizona nach Kalifornien. Sam kommt dabei immer näher an den Ort seiner Träume: Hollywood. Seine Mutter Mitzi (Michelle Williams) ist eine Künstlerin. Für ihren Mann und ihre Kinder – Sam hat drei jüngere Schwestern – gab sie ihre Karriere als Konzertpianistin auf. Später verliebt sie sich in Bennie Loewy (Seth Rogen), den besten Freund der Familie. Daran zerbricht die Ehe. Mitzi verlässt ihren Mann und zieht mit Bennie weg.

Bis zu dieser Trennung wird Sam von Burt und Mitzi bei seinen Ambitionen als Filmregisseur gefördert. Auch wenn Burt Sams Filmbegeisterung eher als Hobby sieht, das ihn nicht daran hindern darf, einen richtigen Beruf zu erlernen. Schon als Jugendlicher dreht Sam Filme, wie einen Western und einen vierzigminutigen Kriegsfilm. Er kann seine Klassenkameraden überzeugen, bei den Filmen mitzumachen. Die so entstehenden Filme kommen gut an.

In Hollywood begegnet er in den frühen Sechzigern John Ford. David Lynch spielt den Western-Regisseur in einem grandiosen und schon jetzt legendärem Kurzauftritt.

Über hundertfünfzig Minuten erzählt Steven Spielberg die Geschichte von Sam Fabelman und zeigt, wieder einmal, was für ein begnadeter Geschichtenerzähler er ist. Denn Sams Leben verläuft überaus harmonisch und frei von Konflikten. Im Mittelpunkt steht seine Filmbegeisterung, wie er sie in konkrete Projekte umsetzt und wie der von seinen Eltern und seinem Umfeld bedingungslos unterstützt und gefördert wird. Die Scheidung seiner Eltern und, weil er immer wieder der neue Junge in der Klasse ist, gelegentliche Probleme mit Klassenkameraden, ändern daran nichts. Für Spielberg war diese Scheidung traumatisch und sie hinterließ in seinem Werk deutliche Spuren. Vor allem in „E. T. – Der Außerirdische“ verarbeitete er seine Kindheit so, dass er mit dem Film schon alles über sie sagte.

Insofern erzählt er auf emotionaler Ebene in „Die Fabelmans“ nichts, was er in seinen früheren Filmen nicht schon, ohne einen direkten und entsprechend offensichtlichen autobiobraphischen Bezug, erzählte. In „Die Fabelmans“ liefert er jetzt, nach dem Tod seiner Eltern, die Fakten und Hintergründe nach. Und er versucht sie, ihre Trennung und seine Jugend mit seiner jetzigen Lebenserfahrung zu verstehen. Vielleicht deshalb und sicher weil Steven Spielberg Steven Spielberg ist, fällt dieser Rückblick sehr freundlich, liebevoll und kitschfrei aus. In „Die Fabelmans“ gibt es keine Böseswichter und auch keine schlechten Menschen.

Für Spielberg-Fans und Cineasten ist diese wunderschöne, herzerwärmende Liebeserklärung an den Film ein Pflichttermin. Für alle, die gerne mehr über Steven Spielberg erfahren möchten, sich aber keine langen Filmgespräche mit unbewegter Kamera und Untertiteln ansehen wolle, ebenso.

Die Fabelmans (The Fabelmans, USA 2022)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Steven Spielberg, Tony Kushner

mit Gabriel LaBelle, Michelle Williams, Paul Dano, Seth Rogen, Judd Hirsch, Mateo Zoryan Francis-DeFord, Chloe East, Julia Butters, Sam Rechner, Keeley Karsten, Oakes Fegley, David Lynch

Länge: 151 Minuten (und damit ungefähr eine Minute kürzer als „Die größte Schau der Welt“)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Fabelmans“

Metacritic über „Die Fabelmans“

Rotten Tomatoes über „Die Fabelmans“

Wikipedia über „Die Fabelmans“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood meint: Stimmt alles mit dem Leben von Steven Spielberg überein

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Steven Spielberg über seine Begegnung mit John Ford

Oscar Academy Conversations: Steven Spielberg und andere über den Film

 


TV-Tipp für den 10. März: Die göttliche Ordnung

März 9, 2023

3sat, 20.15

Die göttliche Ordnung (Schweiz, 2017)

Regie: Petra Volpe

Drehbuch: Petra Volpe

Schweiz, 1971: in einem Bergdorf im Appenzell ist die Zeit stehen geblieben. Der Mann ist der unumstrittene Herr im Haus und Frauen dürfen nicht wählen. Als die junge Nora Ruckstuhl wieder arbeiten möchte, erfährt sie, dass sie dafür die Erlaubnis ihres Mannes benötigt. Sie empfindet diese Regel als ungerecht. Als ihr Mann für einige Tage auf einer Militärübung ist, hat sie die Zeit sich immer mehr zu politisieren und in den Kampf um das Frauenwahlrecht einzumischen.

Wundervolle, nah an den historischen Fakten entlang erzählte, sehr aufbauende Komödie über Frauen, die beginnen für ihre Rechte zu kämpfen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marie Leuenberger, Max Simonischek, Rachel Braunschweig, Sibylle Brunner, Marta Zoffoli, Bettina Stucky, Peter Freiburghaus, Therese Affolter, Ella Rumpf, Nicholas Ofczarek, Sofia Helin

Hinweise

Schweizer Homepage zum Film

Moviepilot über „Die göttliche Ordnung“

Wikipedia über „Die göttliche Ordnung“

Meine Besprechung von Petra Volpes „Die göttliche Ordnung“ (Schweiz 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Scream VI“: neue Stadt, altes Spiel

März 9, 2023

Fünf Filme und über ein Viertel Jahrhundert lang mordete der Ghostface-Killer sich durch das Städtchen Woodsboro. Die Opfer waren im besten Teenager-Alter. Ein großes Messer die Tatwaffe. Zur Tarnung trug der Killer einen schwarzen Umhang und eine Maske, die von Edvard Munchs ikonischen „Der Schrei“-Gemälden inspiriert war. Die Maske wird dem Killer am Ende des Films abgezogen. In dem Moment wird seine Identität und auch sein Motiv enthüllt. Bis dann im nächsten Film ein neuer Ghostface-Killer munter zusticht. Zuletzt, elf Jahre nach dem vierten Film, war das so 2022 in „Scream“. Nach dem Tod von Wes Craven, der die ersten vier „Scream“-Filme inszenierte, wurde der fünfte „Scream“-Film von Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett inszeniert. Sie inszenierten auch den neuesten „Scream“-Film. Das Drehbuch ist wieder von Guy Busick und James Vanderbild.

Der sechste „Scream“-Film mit dem innovativen Titel „Scream VI“ spielt nicht mehr in Woodsboro, sondern in New York. Bereits in den ersten Filmminuten bringt der maskierte Killer eine Frau um. Danach nimmt er seine Maske ab und zeigt sein Gesicht. Es ist Jason, ein Filmstudent mit einer Begeisterung für Horrorfilme. Wenige Minuten später ist er tot. Der echte Ghostface-Killer, also der für diesen Film echte Ghostface-Killer, ersticht Jason in seiner Wohnung. Denn dieser Ghostface-Killer will noch einige alte Rechnungen aus Woodsboro begleichen. Jason und sein ebenfalls toter Kumpel, den er in Jasons Kühlschrank versteckte, hätten ihn daran gehindert.

Ebenfalls in New York sind, und das ist der Grund für seine aktuelle Mordserie, Sam Carpenter (Melissa Barrera), ihre jüngere Halbschwester Tara (Jenny Ortega) und die Zwillinge Mindy (Jasmin Savoy Brown) und Chad Meeks-Martin (Mason Gooding). Sie waren alle in „Scream“ (2022) dabei. Sam ist nach den ersten Meldungen über das Auftauchen des Ghostface-Killers in New York überzeugt, dass er sie und ungefähr alle, die mit ihnen befreundet, verwandt und verschwägert sind, töten will.

Selbstverständlich ist auch die aus allen „Scream“-Filmen bekannte Reporterin Gale Weathers-Riley (Courteney Cox) dabei. Sie wittert, mal wieder, eine große Story und ein sich daran anschließendes Buch.

Der Wechsel von der Kleinstadt in die Großstadt könnte zu größeren Änderungen in der Filmserie führen. Aber letztendlich erzählen die Macher die aus fünf Filmen vertraute Geschichte noch einmal. New York und die Besonderheiten einer Millionenmetropole gegenüber einer Kleinstadt oder einer in der Provinz liegenden Studentenstadt werden nicht weiter beachtet. Die einzige nennenswerte Ausnahme bildet eine längere, spannende Szene in der U-Bahn. Sie ist brechend voll. Weil Halloween ist, tragen viele Passagiere die Masken von ikonischen Horrorfilmfiguren. Unsere Helden, die die U-Bahn benutzen, sehen sich unzähligen Menschen mit Ghostface-Killer-Masken gegenüber und mindestens einer davon könnte der echte Killer sein.

Davon abgesehen könnte der Rest des Horrorfilms, ohne dass im Drehbuch eine Zeile geändert werden müsste, in irgendeiner Universitätsstadt in der Provinz spielen.

Alle Figuren verhalten sich durchgehend, vor allem in Gefahr und höchster Not, idiotisch. So schlagen die künftigen Opfer den Killer, wenn er sie angreift, immer wieder. Einmal mit einer Bratpfanne. Er fällt nach dem Schlag um. Aber anstatt ihn dann mit mindestens einem weiteren Schlag endgültig kampfunfähig zu machen oder ihm die Maske vom Gesicht abzustreifen (was für eine spätere Identifizierung hilfreich wäre), laufen sie weg, werden von ihm verfolgt, schlagen ihn wieder zu Boden und laufen wieder weg, bis er sie mit seinem Messer tötet. Das ist mehr Slapstick als Horror.

Wenn sie den Killer nicht schlagen, fahren sie im Auto durch die halbe Stadt zu einer Person, die wahrscheinlich gerade von dem Ghostface-Killer aufgeschlitzt wird. Die Polizei, die schneller an dem Ort wäre, rufen sie nicht an. Das war schon in der Prä-Smartphone-Zeit idiotisch und ist jetzt noch idiotischer.

Oder sie fahren auf der Flucht vor dem Ghostface-Killer mit der U-Bahn durch die halbe Stadt, anstatt sich ein Taxi zu rufen oder ein Auto zu mieten.

Oder jemand versucht, andere zu warnen, dass der Ghostface-Killer in deren Wohnung ist. Er tut es so schlecht, dass der Misserfolg vorhersehbar ist. Immerhin kann er danach seine Leiter als Rettungsleiter benutzen.

Das führt dazu, dass der Ghostface-Killer mühelos viele, sehr viele Menschen töten kann. Laut Presseheft ist „Scream VI“, der blutigste und brutalste Film der Reihe.

Bekannt wurde „Scream“ durch sein offenes Thematisieren der Regeln des Slasher-Horrorfilms, die dann teils angewandt, teils lustvoll unterwandert wurden. Denn Mitte der neunziger Jahre hatten alle Teenager genug Slasher-Film gesehen, um zu wissen, was passiert und was dagegen getan werden kann. Sie wussten auch, wer von ihnen definitiv nicht das Ende des Films erleben wird.

Diese Meta-Ebene gibt es im neuesten Film des Franchises eigentlich nur bei einem besserwisserischen Vortrag von Mindy, die die Regeln von Sequels, Prequels, Requels und Franchises erklärt, wer wieder auftauchen könnte aus früheren Filmen (wie die am Ende von „Scream 4“ ziemlich tote Kirby Reed [Hayden Panettiere], die damals die Messerstiche doch überlebte und jetzt als mopsfidele FBI-Agentin mitspielt), wer sterben könnte (jeder), wer der Täter sein könnte (ebenfalls jeder; unerheblich ob lebendig oder tot) und welche Regeln gelten (die bekannten; oder auch nicht). – Das war 1996 bei dem ersten „Scream“-Film, inszeniert von Wes Craven, der große Witz: die von dem Killer bedrohten Teenager räsonierten über die Regeln des Slasher-Horrorfilms und wussten daher, wer sterben wird, wer der Täter sein könnte und wie sie sich verhalten müssen. Der Witz wurde in den nächsten „Scream“-Filmen immer etwas variiert. So gibt es in den „Scream“-Filmen die auf den Taten des Ghostface-Killers basierenden „Stab“-Filme und aktuelle Entwicklungen im Genre und Diskurse darüber werden selbstironisch aufgegriffen. Aber letztendlich bleibt es der gleiche, sich in der Wiederholung abnutzende Film-im-Film-Witz.

Scream VI“ erzählt nun ziemlich lustlos und jederzeit vorhersehbar die bekannte Geschichte noch einmal. Denn auch in der Großstadt gelten die Regeln der Kleinstadt. Die Dialoge sind oft erschreckend banal und nichts, aber auch absolut nichts überrascht. Das gilt sogar für die Enthüllung der Identität des Killers und seines Motivs. Der gesamte Horrorfilm wirkt wie das lieblose Recycling von bereits mehrmals recyceltem Material, das vor allem aus kommerziellen Erwägungen betrieben wird. Deshalb wird es selbstverständlich einen siebten „Scream“-Film geben.

Scream VI (Scream VI, USA 2023)

Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett

Drehbuch: James Vanderbilt, Guy Busick (basierend auf von Kevin Williamson erfundenen Figuren)

mit Melissa Barrera, Jenna Ortega, Mason Gooding, Jasmin Savoy Brown, Hayden Panettiere, Courteney Cox, Jack Champion, Henry Czerny, Liana Liberato, Dermot Mulroney, Devyn Nekoda, Tony Revolori, Josh Segarra, Samara Weaving

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Scream VI“

Metacritic über „Scream VI“

Rotten Tomatoes über „Scream VI“

Wikipedia über „Scream VI“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Devil’s Due -Teufelsbrut“ (Devil’s Due, USA 2014)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Ready or Not – Auf die Plätze fertig tot“ (Ready or Not, USA 2019)

Meine Besprechung von Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gilletts „Scream“ (Scream, USA 2022)


TV-Tipp für den 9. März: Vergiftete Wahrheit

März 8, 2023

RBB, 20.15

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

Nur aus Gefälligkeit und wegen seiner Großmutter kümmert Wirtschaftsanwalt Rob Bilott („Hulk“ Mark Ruffalo; grandios!) sich um das Problem des aus ihrem Heimatort Parkersburg, West Virginia, kommenden Farmers Wilbour Tennant. Er glaubt, dass sein Vieh von DuPont vergiftet wird. Bilott sieht sich die Akten an – und wird zum schlimmsten Alptraum des Chemiegiganten. Denn DuPont stellt in der Anlage in der Nähe von Tennants Grundstück die krebserregende Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) her. Sie ist ein Bestandteil der Teflonpfanne.

Grandioser Justiz- und Wirtschaftssthriller, der einen wahren David-gegen-Goliath-Kampf erzählt.

Mehr in meiner ausführlichen Kritik.

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

Wiederholung: Freitag, 10. März, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ „Vergiftete Wahrheit“ (Dark Waters, USA 2019) und der DVD

Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des Films


TV-Tipp für den 8. März: Die Unbeugsamen

März 7, 2023

3sat, 20.15

Die Unbeugsamen (Deutschland 2020)

Regie: Torsten Körner

Drehbuch: Torsten Körner

TV-Premiere. Grandiose Doku über Frauen, die während der Bonner Republik im Bundestag saßen und über die Widerstände und Vorurteile, gegen sie kämpfen mussten. Torsten Körner montiert sehr pointiert aktuelle Interviews mit historischen Aufnahmen, die heute teils sprachlos machen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit (den Interviewpartnerinnen) Herta Däubler-Gmelin, Renate Faerber-Husemann, Elisabeth Haines, Renate Hellwig, Marie-Elisabeth Klee, Ursula Männle, Ingrid Matthäus-Maier, Christa Nickels, Renate Schmidt, Helga Schuchardt, Rita Süssmuth, Roswitha Verhülsdonk, Carola von Braun, Sabine Gräfin von Nayhauß-Cormons

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Unbeugsamen“

Moviepilot über „Die Unbeugsamen“

Wikipedia über „Die Unbeugsamen“

3sat über die Doku (in der Mediathek verfügbar)

Meine Besprechung von Torsten Körners „Die Unbeugsamen“ (Deutschland 2020)


Über Joe R. Lansdales neuen Thriller „Moon Lake“

März 7, 2023

Dass „Moon Lake“ auf dem achten Platz der Februar-Krimibestenliste stand, war sehr schön. Es ist auch sehr schön, dass Joe R. Lansdale wieder einen Roman geschrieben hat, der auf Deutsch veröffentlicht wurde. Aber sein bestes Werk ist „Moon Lake“ nicht.

Der Krimi ist, wie die meisten Romane des sehr produktiven Erfinders von Hap Collins und Leonard Pine, ein Einzelroman und er spielt, wie eigentlich alle seine Romane, in Osttexas.

Die Geschichte beginnt im Oktober 1968 als der vierzehnjährige Daniel Russell seinen Vater verliert. Sein Vater fährt, in einem Versuch sie beide zu töten, seinen Buick über ein Brückengeländer in den titelgebenden Moon Lake.

Daniel wird von der ungefähr gleichaltrigen Ronnie Candles gerettet. Weil Daniels Mutter spurlos verschwunden ist und seine Tante auf einer längeren Weltreise ist, nehmen die Candles ihn auf. Es ist eine schwarze Familie. Als seine Tante Monate später wieder in den USA ist, nimmt sie ihn auf und er verbringt die nächsten Jahre bei ihr.

Zehn Jahre später wird, als der See während einer Dürreperiode sehr niedriges Wasser hat, das Auto und die Leiche seines Vaters gefunden. Im Kofferraum entdeckt die Polizei eine Frauenleiche. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Daniels Mutter.

Daniel, der auch als Reporter arbeitet, besucht nach zehn Jahren wieder New Long Lincoln. Wenig scheint sich in dem Ort geändert zu haben. Er trifft Ronnie Candles wieder. Sie arbeitet dort inzwischen als Polizistin. Als sie im See nach weiteren Spuren suchen, entdecken sie in den Kofferräumen von weiteren, ebenfalls im See versunkenen und jetzt aufgetauchten Autos, weitere Leichen.

Daniel beginnt sich umzuhören. Er will, zusammen mit Ronnie, die Wahrheit herausfinden.

Dieses Mal packte mich Lansdales Prosa nicht wie gewohnt. Der aus seinen anderen Geschichten bekannte schwarze Humor blitzt hier nur in sehr wenigen Momenten auf. Sein Ich-Erzähler Daniel Russell ist, das ist auf jeder Seite offensichtlich, einfach kein Hap Collins. Auch wenn er sich am Ende mit einem Schwarzen zusammentut, der in bestimmten Momenten wie ein geistiger Bruder von Leonard Pine wirkt. Gemeinsam ziehen sie in den Kampf gegen die Bösewichter. Ohne die herzerfrischend respektlosen Sprüche von Hap und Leonard, die auf die Intelligenz des Publikums vertrauen. In „Moon Lake“ wird dann mehr als nötig erklärt.

Gleichzeitig störten mich etliche zeitliche Inkonsistenzen, die für die Geschichte nicht entscheidend sind, sich aber durchgehend falsch anfühlten (auch wenn mir jetzt irgendjemand schreibt, dass das damals in Texas so war). So wird, ohne irgendeine Diskussion, 1978 eine DNA-Untersuchung bei der Leiche von Daniels Mutter beauftragt. Dabei wurde die Technik des DNA-Profiling erst 1984 entdeckt. In Deutschland wurde der Genetische Fingerabdruck als Beweis in einem Strafprozess erstmals 1988 anerkannt. Die Provinzpolizei von New Long Lincoln und die örtliche Bibliothek benutzen Computer und niemand wundert sich darüber. Damals, vor der Erfindung des Heimcomputers, des C64, waren Computer noch keine allgegenwärtigen Alltagsgegenstände. In normalen Büros waren sie sehr, sehr selten.

Die Story selbst ist ein Best-of-Lansdale. So ist der Erzähler ein Weißer, seine Freundin eine Schwarze und die Stadt wird von einigen mächtigen Männern beherrscht. Aber in dem East Texas Gothic Noir „Moon Lake“ wirkt das alles wie lieblos und beliebig zusammengesetzt und lustlos vor sich hin erzählt. Für den Serienkillerplot, den Lansdale nach ungefähr einem Drittel des Romans, mit der Entdeckung der Leichen in den Autowracks beginnt, interessiert er sich nicht weiter. Gleiches gilt für Daniels später beginnenden Kampf gegen die erstaunlich gesichtslos und blass bleibenden Stadtoberhäupter, die seit Jahrzehnten unangefochten über die Stadt herrschen und sich skrupellos bereichern. Und über Daniels Vater und die Familie Russell erfahren wir kaum etwas.

Moon Lake“ ist, wie gesagt, ein erstaunlich schwacher Lansdale.

Und nun zum Positiven: Der Festa Verlag will weitere Bücher von Joe R. Lansdale veröffentlichen.

Joe R. Lansdale: Moon Lake

(übersetzt von Patrick Baumann)

Festa, 2022

464 Seiten

26,99 Euro

Originalausgabe

Moon Lake

Mulholland Books, 2021

Hinweise

Book Marks über „Moon Lake“

Wikipedia über Joe R. Lansdale (deutsch, englisch)

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Mein Interview mit Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Mucho Mojo“ (ursprünglich „Texas Blues“) (Mucho Mojo, 1994)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Bissige Biester! (Rusty Puppy, 2017)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Hap & Leonard – Die Storys“ (Hap and Leonard, 2016)


Cover der Woche

März 7, 2023

Empfehlung!


TV-Tipp für den 7. März: Als der Reichstag brannte

März 6, 2023

Arte, 20.15

Als der Reichstag brannte (Frankriech 2022)

Regie: Mickaël Gamrasni

Drehbuch: Mickaël Gamrasni

TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über den Brand im Reichstag am 27. Februar 1933, für den anschließend der 24-jährige politisch links stehende, arbeitslose Niederländer Marinus van der Lubbe verurteilt wurde und den die Nazis ausnutzten, um ihre Macht zu festigen.

Gamrasnis Doku konzentriert sich auf die Gerichtsverhandlung. Dafür kann er auf bei der Verhandlung gemachte Aufnahmen und zeitgenössische Bilder zurückgreifen. Dabei wird deutlich, dass schon damals die Einzeltäterthese (nach der van der Lubbe allein für den Brand verantwortlich ist) unglaubwürdig war.

Anschließend, um 21.45 Uhr, zeigt Arte die Doku „’Blut und Boden‘. Nazi Wissenschaft“ (Frankreich 2019) und um 23.25 Uhr die ebenfalls spielfilmlange Doku „Die Sprache lügt nicht – Die Tagebücher von Victor Klemperer“ (Frankreich 2004).

Eine gelungene literarische Verarbeitung des Brandes ist Robert Bracks Krimi „Unter dem Schatten des Todes“.

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 5. Mai in der Mediathek)

Wikipedia über den Reichstagsbrand


TV-Tipp für den 6. März: Armee im Schatten

März 5, 2023

Arte, 20.15

Armee im Schatten (L’armée des ombres, Frankreich 1969)

Regie: Jean-Pierre Melville

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

LV: Joseph Kessel: L’armée des ombres, 1943

Starbesetztes kühles Meisterwerk (was sonst?) von Jean-Pierre Melville über den Kampf einer Résistance-Gruppe gegen die Nazi-Besatzer.

‚Armee im Schatten‘ ist vielleicht sein wichtigster Film, ein außergewöhnliches Beispiel dafür, dass ein Politkrimi nicht unbedingt sein Thema, sein Sujet verwässern und neutralisieren muss.“ (Heiko R. Blum in Meinolf Zurhorst/Lothar Just: Lino Ventura, 1984)

Melville war im Zweiten Weltkrieg Soldat und Mitglied der Résistance.

In Deutschland lief der Film erst 1978 im Kino.

Mit Lino Ventura, Paul Meurisse, Simone Signoret, Jean-Pierre Cassel, Claude Mann, Christian Barbier, Serge Reggiani, Alain Libolt, Paul Crachet

Hinweise

AlloCiné über „Armee im Schatten“

Rotten Tomatoes über „Armee im Schatten“

Wikipedia über „Armee im Schatten“ (deutsch, englisch, französisch) und Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. März: Teheran Tabu

März 4, 2023

Guter Film zu nachmitternächtlicher Stunde

Arte, 00.35

Teheran Tabu (Deutschland/Österreich 2017)

Regie: Ali Soozandeh

Drehbuch: Ali Soozandeh

Beeindruckendes Sittengemälde des heutigen Teheran. Ali Soozandeh zeigt anhand von drei Frauenschicksalen, wie sie ihr eigenes Leben in einem Gottesstaat leben wollen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Elmira Rafizadeh, Zar Amir Ebrahimi, Arash Marandi, Bilal Yasar

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Teheran Tabu“

Moviepilot über „Teheran Tabu“

Metacritic über „Teheran Tabu“

Rotten Tomatoes über „Teheran Tabu“

Wikipedia über „Teheran Tabu“ (deutsch, englisch)

Arte über „Teheran Tabu“ (bis zum 14. März in der Mediathek)

Meine Besprechung von Ali Soozandehs „Teheran Tabu“ (Deutschland/Österreich 2017)


TV-Tipp für den 4. März: Eine Frau mit berauschenden Talenten

März 3, 2023

NDR, 21.45

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

Patience Portefeux (Isabelle Huppert) kommt als schlecht bezahlte Übersetzerin für das Pariser Drogendezernat gerade so über die Runden. Als sie bei einem Telefonat von einem großen Drogendeal erfährt, in den der Sohn einer Pflegerin ihrer Mutter involviert ist, hat sie eine Idee. Kurz darauf hat sie anderthalb Tonnen Haschich im Keller eines Mietshauses gelagert und sie beginnt die Drogen an die richtigen Männer zu verkaufen. Während die Polizei unbedingt die neue Drogengroßhändlerin schnappen will.

Wundervollen Krimikomödie zu einer berauschenden Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

Die lesenswerte Vorlage

 

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Reichtum verpflichtet“ (Richesse oblige, 2020)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD


Die Krimibestenliste März 2023

März 3, 2023

Draußen ist es eisig, drinnen wärmer und mit einem guten Buch noch wärmer. Die Damen und Herren von der monatlichen Krimibestenliste, präsentiert vom Deutschlandfunk Kultur, empfehlen als Couchlektüre:

1 (1) Megan Abbott: Aus der Balance

(Aus dem Englischen von Karen Gerwig und Angelika Müller)

Pulp Master, 416 Seiten, 16 Euro

2 (3) Kenneth Fearing: Die große Uhr

(Aus dem Englischen von Jakob Vandenberg)

Elsinor, 200 Seiten, 20 Euro

3 (–) Percival Everett: Die Bäume

(Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl)

Hanser, 365 Seiten, 26 Euro

4 (–) Mathijs Deen: Der Taucher

(Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke)

Mare, 318 Seiten, 22 Euro

5 (9) Antoine Volodine: Einige Einzelheiten über die Seele der Fälscher

(Aus dem Französischen von Holger Fock)

Edition Converso, 303 Seiten, 25 Euro

6 (4) Attica Locke: Pleasantville

(Aus dem Englischen von Andrea Stumpf)

Polar, 452 Seiten, 26 Euro

7 (–) Claudia Piñeiro: Kathedralen

(Aus dem Spanischen von Peter Kultzen)

Unionsverlag, 313 Seiten, 24 Euro

8 (–) Melissa Ginsburg: Sunset City

(Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt)

Polar, 214 Seiten, 17 Euro

9 (–) Riku Onda: Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen

(Aus dem Japanischen von Nora Bartels)

Atrium, 240 Seiten, 22 Euro

10 (6) Sally McGrane: Die Hand von Odessa

(Aus dem Englischen von Kerstin Schöps)

Voland & Quist, 411 Seiten, 24 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Tár“ – euphorische Kritiken, viele Preise und bald auch einige Oscars?

März 3, 2023

Neben Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (der nächste Woche in Deuschland anläuft) ist Todd Fields „Tár“ der Film, der international schon seit Monaten allgemein abgefeiert und diskutiert wird. Außerdem steht das Drama, neben „Die Fabelmanns“, auf etlichen Nominierungslisten. So sind beide Filme in den Kategorien bester Film, beste Regie und bestes Drehbuch für den Oscar nominiert. Cate Blanchett ist als beste Hauptdarstellerin nominiert. Ebenso Michelle Williams für ihr Spiel in „Die Fabelmans“.

Blanchett spielt Lydia Tár, eine hochgelobte, international geachtete und bekannte Dirigentin, Pianistin, Komponistin und, mit verschiedenen öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Engagements, eine hoch respektierte Person der Klassikwelt und des öffentlichen Lebens. Sie ist auch die erste Chefdirigentin eines großen deutschen Orchesters.

Jetzt will sie Gustav Mahlers Fünfte Sinfonie mit ihrem Orchester, den Berliner Philharmoniker, neu interpretieren und aufnehmen. Dann hätte sie mit einem Orchester alle Mahler-Sinfonien aufgenommen. Diese Proben für das Stück bilden über einen großen Teil des fast dreistündigen Films einen roten Faden, der all die Episoden und Ereignisse aus dem Leben der Dirigentin zusammenhält. Mit der Aufführung der Mahler-Interpretation könnte der Film dann zu Ende sein. Aber nach der aus dem Ruder laufenden Premiere in Berlin folgt nicht der Abspann, sondern ein vollkommen neuer Abschnitt aus Lydia Társ Leben. Dieser Teil ist deutlich schwächer, viel zu lang geraten und letztendlich, vor allem in der Länge, überflüssig.

Bis zur Aufführung ihrer Mahler-Interpretation in Berlin erzählt Field, wie Lydia Tár arbeitet und wie sie mit anderen Menschen umgeht. Sie ist, das wird schnell klar, ein egozentrischer, andere Menschen hemmungslos manipulierender Mensch, der sich seiner Macht bewusst ist und sie jederzeit bedenkenlos bei der Arbeit und im Privatleben einsetzt und dabei auch Berufliches und Privates miteinander vermischt. So lebt sie in einer festen Beziehung mit ihrer Konzertmeisterin Sharon Goodnow (Nina Hoss) und ihrer Adoptivtochter lebt. Trotzdem hat sie keine Probleme damit, bei der Arbeit Affären zu beginnen, aus denen mehr entstehen kann. Tár ist ein Ego-Shooter und das weibliche Pendant zu einem Alpha-Mann.

Das ging über viele Jahre gut. Doch jetzt, zwischen den hohen Ansprüchen an sich selbst und dem veränderten Klima zeigen sich erste Risse. Denn die Zeit, als unter dem Label „Geniekult“ alles akzeptiert wurde, ist vorbei.

Field präsentiert dies in einer Abfolge von Szenen, die auf den ersten Blick einfach nur eine Abfolge ziemlich unverbundener Ereignisse zwischen der Ankündigung einer Mahler-Interpretation und der Aufführung dieser Interpretation sind.

Erst bei der Premiere in Berlin fügen sich die einzelnen, sich teilweise quälend lang hinziehenden Szenen zu einem Gesamtbild zusammen und es gibt rückblickend zwei beeindruckend konsequent durchgezogene Spannungsbögen. Der eine erzählt, quasi als Horrorfilm, den Zusammenbruch einer Künstlerin. Der andere erzählt von Macht, wie sie angewendet wird, welche Auswirkungen das auf die manipulierten Betroffenen hat (die teils selbst Täterinnen sind) und wie eben dieses Herrschaftssystem immer stärker gefährdet ist. Denn Tár erkennt zwischen #metoo, Cancel Culture und neuen Ansprüchen und Sensibilitäten von Minderheiten und Betroffene nicht mehr, wo und wie ihre Position gefährdet ist. Auch weil die Betroffenen, vermeintlich und echt, manchmal vielleicht auch übersensibel, sich zu Wort melden. Andere Betroffene spielen das Spiel mit. Und Regisseur Todd Field hält sich mit allzu eindeutigen Bewertungen zurück.

Dieser Teil der Charakterstudie ist, wie eine Symphonie, ein in sich geschlossenes Werk, das in einem kurzen Zeitraum (den Proben) an einem Ort (Berlin) spielt. Daran schließt sich die, nun, Zugabe an. Sie ist ein in Asien spielendes Potpourri, das man genausogut hätte weglassen oder, wenn man unbedingt einen „Was danach geschah“-Epilog möchte, auf ein, zwei Minuten hätte kürzen können.

Durch seine Machart ist „Tár“ ein sehr sperriges, oft dröges, deutlich zu lang geratenes Arthaus-Psychodrama mit vielen Berlin-Bildern, einem satirisch überspitzten Einblick in den Klassik-Betrieb, viel klassischer Musik und einer schauspielerischen Tour de Force für Cate Blanchett, die hier ein ziemliches Ekelpaket spielt.

Tár (Tár, USA 2022

Regie: Todd Field

Drehbuch: Todd Field

mit Cate Blanchett, Nina Hoss, Noémie Merland, Adam Gopnik, Julian Glover, Mark Strong, Sophie Kauer, Allan Corduner, Marie-Lou Sellem, Leonard Bernstein, Johann von Bülow

Länge: 159 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Tár“

Moviepilot über „Tár“

Metacritic über „Tár“

Rotten Tomatoes über „Tár“

Wikipedia über „Tár“ (deutsch, englisch)

In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche Q&As zum Film mit Regisseur/Autor Todd Field, Hauptdarstellerin Cate Blanchett und weiteren am Film beteiligten Personen wie Nina Hoss (die Freundin von Lydia Tár im Film) und der Komponistin Hildur Guðnadóttir. Hier die „New York Film Festival“-Pressekonferenz:


TV-Tipp für den 3. März: John Wick

März 2, 2023

Zugegeben, als Vorbereitung für den vierten „John Wick“-Actionfilm, der fast epische drei Stunden dauert und am 23. März startet, ist der erste „John Wick“-Film nicht wirklich nötig. Aber trotzdem

Pro7, 22.35

John Wick (John Wick, USA 2014)

Regie: Chad Stahelski, David Leitch (ungenannt)

Drehbuch: Derek Kolstad

Als der missratene Sohn eines Mafiosos den Hund von John Wick tötet, packt der Ex-Killer John Wick seine eingelagerten Waffen wieder aus.

Actionfilm der wegen seines Stils und seiner furiosen Actionszenen begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Toby Leonard Moore, Daniel Bernhardt, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane

Wiederholung: Samstag, 4. März, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „John Wick“

Metacritic über „John Wick“

Rotten Tomatoes über „John Wick“

Wikipedia über „John Wick“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick“ (John Wick, USA 2014)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 2“ (John Wick: Chapter 2, USA 2017)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 3“ (John Wick: Chapter 3 – Parabellum, USA 2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von David Leitchs „Atomic Blonde“ (Atomic Blonde, USA 2017)

Meine Besprehung von David Leitchs „Deadpool 2“ (Deadpool 2, USA 2018)

Meine Besprechung von David Leitchs „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ (Fast & Furious presents: Hobbs & Shaw, USA 2019)

Meine Besprechung von David Leitchs „Bullet Train“ (Bullet Train, USA 2022)


R. i. P. Wayne Shorter

März 2, 2023

R. i. P. Wayne Shorter (25. August 1933, Newark, New Jersey – 2. März 2023, Los Angeles, Kalifornien)

Einer der großen Jazzmusiker ist mit 89 Jahren gestorben.

Der Saxophonist spielte von 1964 bis 1970 im Miles Davis Quintett (und war bei „In a Silent Way“ und „Bitches Brew“ dabei). Er gehörte davor zu Art Blakey & The Jazz Messengers,  danach zu „Weather Report“ und Herbie Hancocks VSOP. Er spielte auf mehreren Platten von Joni Mitchell (unter anderem „Mingus“) und veröffentlichte etliche grandiose Platten unter seinem Namen.

Seine Musik bleibt.

Hinweise

AllMusic über Wayne Shorter

Wikipedia über Wayne Shorter (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Adonis „Creed III – Rocky’s Legacy“, dieses Mal ohne Rocky

März 2, 2023

Im Abspann von „Creed III“ heißt es, der Film basiere auf von Sylvester Stallone erfundenen Figuren. Das sagt mehr über das US-amerikanische Urheberrecht und existierende Verträge als über den Film aus. Denn der dritte „Creed“-Film hat mit Sylvester Stallone nichts mehr zu tun. Er spielt nicht mit, schrieb nicht das Drehbuch und führte auch nicht die Regie. Die übernahm Michael B. Jordan, der auch die Hauptrolle, den Boxer Adonis Creed, spielt. Adonis ist der Sohn von Apollo Creed, einem Boxer, der vor Ewigkeiten gegen Rocky Balboa (Sylvester Stallone) kämpfte und sich mit ihm befreundete.

Im ersten Film der „Creed“-Reihe, „Creed – Rocky’s Legacy“ (USA 2015), trainiert Rocky den jungen Adonis Creed – und wir sahen einen überzeugenden, tief im afroamerikanischen Milieu verwurzelten Boxerfilm. Das war eine gelungene und sehr eigenständige Fortführung der Geschichte von Rocky, der hier nur noch der Trainer für ein neues Boxtalent war. Danach hätte die Geschichte von Adonis ohne irgendwelche Rückbezüge auf die „Rocky“-Filme weitergehen können.

Creed II – Rocky’s Legacy“ (USA 2018), nach einem Drehbuch von Sylvester Stallone, war dann eine ziemliche Enttäuschung. Viel zu krampfhaft wurde versucht, „Rocky 4 – Der Kampf des Jahrunderts“ (USA 1985) nochmal zu erzählen. Das ist der Kalter-Krieg-„Rocky“-Fim, in dem Rocky gegen den bösen Russen Ivan Drago kämpft und den bösen Ostblock im Boxring schlägt und so die Überlegenheit des freien Westens gegenüber dem bösen Kommunismus beweist. In „Creed II“ kämpft dann der Sohn von Ivan Drago gegen Adonis Creed, der hier so etwas wie der Sohn von Rocky ist. Der Kampf soll die Revanche für den inzwischen gut vierzig Jahre zurückliegenden Kampf sein. Da kann man nur sagen „Get over it. Get a life“.

In „Creed III – Rocky’s Legacy“ managt Adonis Creed das Boxstudio Delphi Academy und er fördert und promotet Boxer. Als aktiver Boxer hat er sich bereits vor Jahren unbesiegt zur Ruhe gesetzt. Er ist glücklich verheiratet mit der Musikerin Bianca (Tessa Thompson). Ihre Tochter Amara (Mila Davis-Kent) ist ein süßes, schlaues und gut erzogenes Kind. Die Creeds sind eine glückliche, erfolgreiche und somit perfekte Familie. Sie verkörpern perfekt den amerikanischen Traum.

Da trifft Adonis wieder Damian ‚Dame‘ Anderson (Jonathan Majors [Yep, Kang, der Eroberer in „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“]). Adonis hat seinen Jugendfreund seit gut zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Damian saß achtzehn Jahre im Gefängnis. Vor einigen Tagen wurde er entlassen. Adonis fühlt sich für ihn aufgrund ihrer Vergangenheit verantwortlich. Warum wird, obwohl es aufgrund des Prologs, der vieles nur andeutet, ziemlich klar ist, erst am Ende des Films vollständig erklärt.

Durch diese Entscheidung raubt sich der Fim viel von seiner emotionalen Wirkung. Denn anstatt das schnell zu erklären und anschließend tief in den Konflikt zwischen den beiden Jugendfreunden einzutauchen, dürfen wir darüber rätseln, was vor zwanzig Jahren geschah und warum Damian so lange inhaftiert war.

Bis das Rätsel vollständig gelöst ist erzählt Michael B. Jordan, zwischen einigen Boxkämpfen, viel über Freundschaften, aus Freundschaften entstehenden Verpflichtungen und Enttäuschungen, Schuld, Sühne und Erlösung. Und er zeigt einen Afroamerikaner, dem als Boxer der finanzielle Aufstieg gelang. Der erfolgreiche Geschäftsmann Adonis wird in jeder Beziehung als Vorbild gezeichnet. Und gerade dies wirkt, wenn er traurig in seinem großen, sehr sauberen und sehr aufgeräumtem Haus nachdenklich aus dem Fenster starrt oder wenn er abends auf der Couch mit seiner seiner Frau, Tochter und Mutter ein überaus glückliches Familienleben genießt, schon etwas penetrant.

Dieses Glück wird von Damian, dem einzigen Flecken auf Adonis‘ blütenweißer Weste, bedroht. „Creed III“ tendiert in diesen Momenten in Richtung Psychothriller. Denn natürlich verfolgt Damian einen finsteren Racheplan und selbstverständlich wird in einem Boxfilm der Kampf letztendlich, egal wie glaubwürdig das dann ist, im Boxring ausgetragen.

Creed III“ ist eine durchaus gelungene, aber unter seinen Möglichkeiten bleibende Mischung aus Psychothriller, Boxdrama und Familienfilm über einen Ex-Boxer, der nochmal in den Ring steigen muss, um seine Familie und sein Leben zu verteidigen.

Creed III – Rocky’s Legacy (Creed III, USA 2023)

Regie: Michael B. Jordan

Drehbuch: Keenan Coogler, Zach Baylin (basierend auf einer Geschichte von Ryan Coogler, Keenan Coogler und Zach Baylin)

mit Michael B. Jordan, Tessa Thompson, Jonathan Majors, Wood Harris, Florian Munteanu, Mila Davis-Kent, Phylicia Rashad

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Creed III“

Metacritic über „Creed III“

Rotten Tomatoes über „Creed III“

Wikipedia über „Credd III“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ryan Cooglers „Creed“ (Creed, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Caple Jr.’s „Creed II“ (Creed II, USA 2018)