Die bekannte Geschichte der am 12. Juni 1929 geborenen Anne Frank, die sich in Amsterdam während des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Familie in einem Hinterhaus versteckte, erzählt Raymond Ley primär aus der Sicht von Annes Vater Otto Frank, der den Krieg überlebte.
„Die künstlerisch ambitionierte Collage setzt sich eindrucksvoll aus Spielszenen und dokumentarischen Einsprengseln zusammen.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Mala Emde, Götz Schubert, Axel Milberg, Lion Wasczyk, Harald Schrott, André M. Hennicke
Wer nach (oder vor) dem Film so richtig in die Schriften von Anne Frank einsteigen möchte, sollte sich die Gesamtausgabe, die auch ganz banal „Gesamtausgabe“ heißt, zulegen. In ihr sind die verschiedenen Versionen ihres Tagebuchs (es gibt das ursprüngliche Tagebuch, eine von ihr für eine Veröffentlichung schon überarbeitete Fassung, die von ihrem Vater Otto Frank für die Veröffentlichung erstellte Fassung und die von Mirjam Pressler 2001 im Auftrag des Anne Frank Fonds erstellte und autorisierte „Version d“, die die heute verbindliche Fassung ist und in der für frühere Veröffentlichungen gekürzte und weggelassene Teile wieder aufgenommen wurden), die „Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus“ (ihre Erzählungen, die teils auf selbst Erlebtem basieren und die auch teils von ihr in ihr Tagebuch übernommen wurden), weitere Erzählungen, Briefe, Einträge in Poesiealben, „Das Schöne-Sätze-Buch“ (das hauptsächlich eine Sammlung von Texten, die ihr gefielen und die sie im Versteck abschrieb, ist) und ‚Das Ägyptenbuch‘ (das ebenfalls vor allem aus anderen Texten besteht und das Anne Franks Faszination für das alte Ägypten dokumentiert) abgedruckt. Damit ist ihr schriftstellerisches Gesamtwerk in diesem Buch enthalten.
Ergänzt wird der Sammelband durch Fotos und Dokumente über sie und ihre Familie und vier Aufsätze über Anne Frank, ihre Familie, den zeitgeschichtlichen Kontext und die Rezeptionsgeschichte.
Diese umfassende Ausgabe eignet sich vor allem für das vertiefte und auch vergleichende Studium.
Für den Hausgebrauch reicht natürlich auch die Ausgabe ihres Tagebuchs.
– Anne Frank: Gesamtausgabe (herausgegeben vom Anne Frank Fonds) (übersetzt von Mirjam Pressler) Fischer, 2015 816 Seiten
12,99 Euro
– Deutsche Erstausgabe
Fischer, 2013
LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005
Damit hat die Historikerin Deborah E. Lipstadt nicht gerechnet, als sie in ihrem neuesten Buch den Holocaust-Leugner David Irving scharf angreift. 1996 reicht Irving beim höchsten englischen Zivilgericht eine Verleumdungsklage gegen sie ein. Jetzt muss sie vor Gericht beweisen, dass es den Holocaust wirklich gab.
Eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde.
Nachdem jahrelang immer wieder über eine Verfilmung von Charles Willefords grandiosem Noir „Ketzerei in Orange“ (The Burnt Orange Heresy, 1971, ältere deutsche Ausgabe als „Die Kunst des Tötens“) gesprochen wurde und es Gerüchte über Dreharbeiten gab, hatte die Willeford-Verfilmung letztes Jahr im September auf den Filmfestspielen von Venedig seine Premiere. Viel hörte man nicht über den Film. Jetzt ist endlich ein Trailer online:
In den USA soll der Film am 6. März starten. Einen deutschen Starttermin gibt es noch nicht und nach dem Trailer bin ich auch skeptisch, ob wir hier von einem Kinostart reden können.
Die Regie übernahm Giuseppe Capotondi. Das Drehbuch schrieb Roman- und Drehbuchautor Scott B. Smith (Ein einfacher Plan [A simple plan], Ruinen [The Ruins]). Die Besetzung verrät der Trailer. Der Trailer verrät auch, dass die Geschichte über den Diebstahl eines Gemälde aus dem Haus eines legendären Malers nicht in Florida, sondern in Europa am Comer See spielt.
Für Stéphane (Damien Bonnard) ist es sein ‚Training Day‘ mit Chris (Alexis Manenti) und Gwada (Djebril Zonga), die schon seit Ewigkeiten in Les Bosquets in Clichy-Montfermeil, einem Vorort östlich von Paris, arbeiten. Chris ist der schnell aufbrausende und seine Polizeimarke skrupellos benutzende Anführer des Teams. Gwada ist sein ruhigerer und besonnener Partner. Beide sind sich sicher, dass Stéphanes in der Provinz vielleicht taugliche sozialarbeiterisch-verständnisvolle und auch rücksichtsvolle Herangehensweise in der Großstadt, und dann noch in einem sozialen Brennpunkt mit periodischen Gewaltausbrüchen, schnell der Vergangenheit angehören wird.
Während eines brütend heißen Sommertags zeigen sie Stéphane ihr Revier. Sie stellen sich selbst dar. Vor allem Chris erklärt ihm (und uns) die Welt, wie sie ist. Und die ist ziemlich reaktionär. Wenn er sich langweilt, übt er seine Macht als Polizist gegenüber den Bewohnern des Viertels mit schikanösen Zufallskontrollen aus. Außerdem prüfen und verarschen Chris und Gwada ihren neuen Kollegen. Der beobachtet das in einer oft schweigenden Mischung aus Erstaunen und Entsetzen. Insgesamt ist es ein ganz normaler Tag in Montfermeil. Auch dass aus dem im Viertel gastierendem Wanderzirkus das Maskottchen des hitzköpfigen Zirkuschefs, ein Löwenbaby, gestohlen wird und fortan alle nach dem Tier suchen, ändert daran zunächst wenig.
Die Story ermöglicht Ladj Ly in seinem Regiedebüt „Die Wütenden – Les Misérables“ ein ungeschöntes und letztendlich sehr bitteres Porträt eines Stadtteils und seiner Bewohner zu zeichnen. Es ist ein Stadtteil, in dem das Recht des Stärkeren für eine gewisse Stabilität sorgt. Auch wenn es nichts zu einer positiven Entwicklung beträgt. Im Gegenteil.
Es ist auch das Stadtteil, in dem Ly aufwuchst, seine Besetzung fand und in den vergangenen Jahren seine ersten Filme drehte. Es waren Dokumentarfilme unterschiedlicher Länge, die er auch auf YouTube veröffentlichte. In ihnen gibt er einen Einblick in das Leben in Montfermeil. So dokumentiert er in „365 Days in Clichy Montfermeil“ (2007) den Teil der gewalttätigen Unruhen in Frankreich 2005, die vor seiner Haustür stattfanden und das Leben in seiner Stadt.
Im Film benutzt er dann sehr gelungen die Konventionen des Polizeifilms für eine Gesellschaftsanalyse, die immer wieder verschiedene Abhängigkeiten und Loyalitäten und die daraus entstehende negative Dynamik thematisiert, ohne jemals zu predigen. Das steht dann auch in der Tradition französischer Kriminalfilme, wie Bertrand Taverniers Polizeifilm „Auf offener Straße“ (L.627, Frankreich 1992) oder Mathieu Kassovitz‘ Banlieue-Jugenddrama „Hass“ (La Haine, Frankreich 1995).
Seitdem hat sich in den Banlieues wenig verändert. Außer dass die Bewohner inzwischen Polizeischikanen und -gewalt mit Handykameras und Drohnen dokumentieren können.
Seine Premiere hatte „Die Wütenden – Les Misérables“ letztes Jahr in Cannes. Dort erhielt das Drama den „Preis der Jury“. Weitere Preise wie ein Europäischer Filmpreis für das beste Spielfilmdebüt folgten. Zuletzt wurde der Polizeifilm für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. Er wäre ein würdiger Preisträger. Dummerweise dürfte er gegen „Parasite“ keine Chance haben.
Die Wütenden – Les Misérables (Les Misérables, Frankreich 2019)
Assault – Anschlag bei Nacht (Assault on Percint 13, USA 1976)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
Mit diesem geradlinigen Low-Budget-Thriller erarbeitete John Carpenter sich seinen glänzenden Ruf: Eine Straßengang belagert ein stillgelegtes Polizeirevier. Polizisten und Sträflinge müssen sich gegen die Übermacht zusammenraufen.
„Ein B-Picture ersten Ranges, wenn der Widerspruch erlaubt ist, ein Kultfilm für Kinofans.“ steht im Fischer Film Almanach 1980. Carpenters Großstadt-Western ist natürlich von den klassischen Western (Erinnern Sie sich an „Rio Bravo“?) inspiriert und der Filmfan spart nicht mit Zitaten. Gleichzeitig gibt er einen galligen Kommentar zur urbanen Gewalt ab.
Am kommenden Freitag, den 31. Januar, zeigt Tele 5 um 20.15 Uhr Jean-François Richets gelungenes Remake „Das Ende – Assault on Precinct 13“ (USA/Frankreich 2005).
Mit Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, Tony Burton, Charles Cyphers, Nancy Loomis, Peter Bruni
Auch bekannt als „Anschlag bei Nacht“ und „Das Ende“
Nachdem er Blutsauger und einen Gott zu Lachfiguren machte, ist jetzt der „GröFaZ“ (Größter Feldherr aller Zeiten) dran. Und Taika Waititi macht den Führer Adolf Hitler, von ihm übertrieben chargierend gespielt, zu einer richtigen Lachnummer.
Hitler ist der imaginäre Freund des zehnjährigen Jojo Betzler (Roman Griffin Davis). Jojo lebt in Falkenheim, einem typisch typischem deutschen Dorf. Es sind die letzten Monate vor dem Ende des Krieges und damit der endgültigen und allumfassenden Niederlage des GröFaZ und seines Reichs. Aber das Wissen in dem Moment Jojo und sein Klassenkamerad Yorki (Archie Yates) nicht. Die beiden Außenseiter in der Klasse glauben noch an das ewige Bestehen des tausendjährigen Reichs. Sie sind begeisterte Anhänger der Nazis. Vor allem Jojo ist ein hundertfünfzigprozentiger Verehrer des Führers und seiner Ideologie, die er wortwörtlich nimmt. Daher nimmt er begeistert bei den Aufnahmeprüfungen für die Hitlerjugend teil. Dummerweise geht schon bei ihren ersten Prüfungen einiges schief. Er ist halt nicht sportlich und ein rechter Hasenfuß. Und Sam Rockwell hat einen wundervoll durchgeknallten Auftritt als Ausbilder Hauptmann Klenzendorf. Leider verschwindet er danach fast vollständig aus dem Film.
Jojo lebt zusammen mit seiner lebenslustigen Mutter Rosie (Scarlett Johansson). Sie haben ein sehr innig-vertrauensvolles Verhältnis. Sein Vater ist im Krieg.
Eines Tages entdeckt Jojo in ihrem ziemlich großem Haus ein in einer Kammer verstecktes Mädchen (Thomasin McKenzie). Noch schlimmer als ihr Geschlecht ist, dass sie eine Jüdin und damit eine Ausgeburt der Hölle ist, die er gerne sofort verraten würde. Wenn dann nicht auch seine über alles geliebte Mutter verhaftet würde.
Und dann ist diese Jüdin gar nicht so unsympathisch. Fast könnte Elsa eine größere Schwester sein.
„Jojo Rabbit“ ist eine durchgeknallte Komödie, die hemmungslos die Nazis und Adolf Hitler der Lächerlichkeit preisgibt. Das ist heute das Einrennen offener Scheunentore. Schon zu Hitlers Lebzeiten gab es die Komödien „Der große Diktator“ und „Sein oder Nichtsein“. Später kamen unter anderem „Frühling für Hitler“ und Walter Moers‘ „Adolf“-Comics dazu. Deshalb muss auch nicht über einen vermeintlichen Tabubruch geredet werden, sondern es kann über die Qualitäten des Films gesprochen werden. Also über die Qualitäten der Inszenierung, die Stringenz seiner Geschichte, die Leistungen der Schauspieler und, immerhin ist es eine Komödie, über die Qualität der Witze.
Beginnen wir mit der Geschichte und damit dem großen Problem des Films. Bei all dem Spaß, den Waititi und sein glänzend aufgelegtes Ensemble verbreiten, ist unklar, welche Geschichte und damit welches Thema im Mittelpunkt steht. Also welche Coming-of-Age-Geschichte er erzählen will; wobei über große Strecken des Films auch unklar ist, ob Waititi die Regeln eines Coming-of-Age-Films befolgen will. So wechselt der Film zwischen Jojos Emanzipation von seinem Freund Adolf Hitler, der ihn belügt, seiner Liebe zu seiner Mutter (die ihn auch, aber aus anderen und edleren Motiven belügt) und seinen Gefühlen gegenüber Elsa. Das sind dann ungefähr drei verschiedene Filme, etliche Stilbrüche und auch, weil im Mittelteil unklar ist, wie sich Jojos Geschichte weiter entwickeln wird, eine gewisse Langweile. Außerdem pendelt er, immer wieder den Tonfall wechselnd, unentschlossen zwischen Nazi-Komödie und Nazi-Satire; wobei ihm hier die satirische Schärfe fehlt.
Denn Waititi ist kein kühle Analytiker, sondern das Kind in der Süßwarenabteilung, das im Zweifelsfall noch einen Gag aufnimmt und achselzuckend für einen Lacher jede Stringenz opfert. In seinen vorherigen Komödien „Fünf Zimmer Küche Sarg“ (What we do in the Shadows) und „Thor: Tag der Entscheidung“ (Thor: Ragnarok) störte dieses Kindergeburtstagsfeeling nicht. Bei einer Satire, die Aufklären und Warnen will, schon.
So war ich, wenn am Ende David Bowies „Helden“ (seine deutsche Fassung von „Heroes“) erklingt, von Waititis angenehm respektloser Komödie nicht so begeistert wie die meisten anderen Kritiker.
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Und nun einige zeitlose Worte vom Meister über sein Werk:
Seit ich selbst Kinder habe, wird mir immer stärker bewusst, dass wir Erwachsene dazu da sind, unsere Kinder durch das Leben zu geleiten und sie zu besseren Versionen von uns selbst zu erziehen. Doch in Kriegszeiten machen Erwachsene oft genau das Gegenteil. Tatsächlich erscheint in jenen Zeiten das Verhalten von Erwachsenen, aus der Perspektive von Kindern betrachtet, chaotisch und absurd, wo doch gerade dann die Welt dringend Führung und Ausgeglichenheit nötig hätte.
Als ich aufwuchs, erlebte ich als jüdischer Māori ein gewisses Maß an Vorurteilen. Deshalb soll „Jojo Rabbit“ auch als Mahnung dienen, unsere Kinder, besonders in der heutigen Zeit, zu Toleranz zu erziehen – und auch uns selbst daran erinnern, dass in dieser Welt der Hass keinen Platz hat. Kinder werden ohne Hass geboren, sie werden zum Hass abgerichtet.
Ich hoffe, dass der Humor in „Jojo Rabbit“ dabei hilft, eine neue Generation zu interessieren; es ist wichtig, neue und originelle Wege zu finden, um die schreckliche Geschichte des Zweiten Weltkriegs immer und immer wieder auch der jüngeren Generation nahe zu bringen, damit unsere Kinder zuhören und daraus lernen, und sich gemeinsam daran machen, diese Welt in einen besseren Ort zu verwandeln.
Auf dass die Dummheit endet und durch Liebe ersetzt wird.
Jojo Rabbit (Jojo Rabbit, USA 2019)
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Taika Waititi
LV: Christine Leunens: Le ciel en cage, 2007
mit Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Taika Waititi, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Rebel Wilson, Stephen Merchant, Alfie Allen
A Gang Story – Eine Frage der Ehre (Les Lyonnais, Frankreich 2011)
Regie: Olivier Marchal
Drehbuch: Olivier Marchal, Edgar Marie
LV: Edmond Vidal
Momon Vidal, der schon seit Jahren ein bürgerliches Leben lebt, will seinen Kumpel Serge Suttel, die beide als „Bande von Lyon“ früher große Gangster waren, aus dem Gefängnis befreien – was gar nicht so einfach ist.
Überzeugender französischer Gangsterkrimi, der bei uns nur auf DVD veröffentlicht wurde.
„Glaubwürdig und mit Verve gespielte, souverän in Rückblenden erzählte Gangster-Saga, die den epischen Atem französischer Genreklassiker atmet, dabei aber mit mehr zeitgenössischem Tempo und viel Action erzählt wird.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Gérard Lanvin, Tchéky Karyo, Daniel Duval, Dimitri Storoge, Patrick Catalifo
Die Tochter des Brunnenbauers(La fille du pulsatier, Frankreich/Niederlande 1940)
Regie: Marcel Pagnol
Drehbuch: Marcel Pagnol
Die junge Patricia wird 1940 von einem Schönling, der als Pilot in den Krieg zieht, geschwängert. Als ihr Vater, der Brunnenbauer Amoretti, davon erfährt, verstößt er sie. Wie soll es jetzt mit ihrem Leben weitergehen?
TV-Premiere der restaurierten Fassung und, möglicherweise, auch TV-Premiere von Marcel Pagnols schöner Tragikomödie.
2011 inszenierte Daniel Auteuil ein Remake.
mit Raimu, Fernandel, Josette Day, Line Noro, Georges Grey, Charpin, Milly Mathis
LV: Avery Corman: Kramer vs. Kramer, 1977 (Kramer gegen Kramer)
Die Kramers lassen sich scheiden und streiten sich um das Sorgerecht für ihr gemeinsames Kind. Bis dieser Sorgerechtsstreit beendet ist, kümmert sich der bis dahin auf seine Arbeit fokussierte Ted Kramer um ihren Sohn.
Ein mit fünf Oscars (u. a. Bester Film, gegen „Apocalypse Now“) ausgezeichneter Kassenerfolg. „Das ist eine hervorragend von Dustin Hoffman und Meryl Streep gespielte Rührstory, in der nur jene Betrachter einen überzeugenden Realismus erblicken konnten, die die Rolle der Frau und Mutter in der Familie in althergebrachten Bildern sehen: undifferenziert, rollenkonform jedem Terror der Leitbilder ausgesetzt und auf jeden Fall duldsam auf ihrem Posten ausharrend.“ (Fischer Film Almanach 1981)
mit Dustin Hoffman, Meryl Streep, Jane Alexander, Justin Henry, Howard Duff, George Coe, JoBeth Williams
Autsch, das sieht nicht gut aus. Und, ich gestehe, meine Überschrift ist etwas irreführend.
Nach dem Tod von Robert B. Parker übernahm Ace Atkins die Serie um den schlagfertigen Privatdetektiv. Bis jetzt veröffentlichte er acht Spenser-Romane, die ziemlich gelungen sein sollen und vielleicht irgendwann übersetzt werden. Sein zweiter Spenser-Roman „Robert B. Parker’s Wonderland“ (2013) wird jetzt als Vorlage für den Film genannt. Nach dem Trailer hat der Film ungefähr nichts mit Spenser zu tun. Stattdessen sieht das hier nach einem 08/15-Actionthriller aus, in dem Kloppereien ein Ersatz für Wortwitz sein sollen.
Inszeniert wurde der Krimi von Peter Berg. Brian Helgeland und Sean O’Keefe schrieben das Drehbuch. Und Mark Wahlberg, der Spenser spielt, übernahm die Hauptrolle.
Mit der TV-Serie „Spenser: For Hire“ (1985 – 1988, mit Robert Urich als Spenser) und den verschiedenen Spenser-TV-Filmen hat diese Netflix-Produktion nichts zu tun. Die sah so aus:
Andere literarische Figuren erleben das erst nach dem Ableben ihres Erfinders: ein anderer Autor übernimmt die Serie. James Bond erlebte das. Spenser ebenso. Und jetzt ist das auch bei Jack Reacher geplant.
In einer öffentlichen Ankündigung sagte Lee Child, dass langsam zu alt werde, um weitere Bücher mit Jack Reacher zu schreiben. Weil aber die Leser nach weiteren Jack-Reacher-Romanen verlangen, habe er sich entschieden, die nächsten Reacher-Romane zusammen mit seinem Bruder Andrew Grant zu schreiben. Nach einigen gemeinsamen Büchern soll Andrew Grant dann die Reacher-Romane alleine schreiben. Dafür werde Andrew Grant seinen Namen in Andrew Child ändern.
Schließlich ist auch Lee Child ein Pseudonym. In Wirklichkeit heißt der inzwischen 65-jährige Jack-Reacher-Erfinder James Dover Grant. Er schrieb 24 Romane und mehrere Kurzgeschichten mit Jack Reacher als Helden.
Andrew Grant ist ebenfalls ein Thrillerautor. Sein Debüt „Even“ (Ohne Reue) erhielt den Crimespree-Award in der Kategorie Favorite First Book 2009. Blanvalet veröffentlichte die deutsche Ausgabe. Soweit ich weiß, wurden Grants darauf folgenden acht Romane nicht übersetzt.
Für Ende Oktober ist mit „The Sentinel“ der 25. Reacher-Roman angekündigt, der dann unter der Autorennennung „von Lee Child und Andrew Child“ erscheinen soll.
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Schon einige Tage alt ist die Meldung zur Jack-Reacher-TV-Serie. Amazon hat eine erste Staffel bestellt, die auf dem ersten Reacher-Roman „Größenwahn“ (Killing Floor, 1997) basiert. Nick Santora wurde als Showrunner und Drehbuchautor verpflichtet. Er war auch in die TV-Serien „Prison Break“, „Lie to me“ und „Scorpion“ involviert.
Mehr ist noch nicht bekannt. Außer dass nach einem Schauspieler gesucht wird, der die aus den Romanen bekannte Statur von Jack Reacher hat. Das dürfte wenigstens die Reacher-Fans, die immer an der Kleinwüchsigkeit von Tom Cruise herummäkelten, befriedigen.
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Auf Deutsch erschien vor wenigen Wochen der 21. Reacher-Roman „Der Ermittler“. Der Roman erkundet Jack Reacher Vergangenheit. 1996, als er noch US-Militärpolizist in Deutschland ist, droht ein dschihadistischer Terrorist mit einem Anschlag, wenn er nicht hundert Millionen US-Dollar erhält. Eine CIA-Spezialeinheit ermittelt und Jack Reacher ist ein Teil des Teams.
Gleichzeitig erschien Childs kurzes Essay „Der Held – Wie Helden die Welt verändern, und warum wir sie heute mehr als je zuvor brauchen“.
Die Spur(Pokot, Polen/Deutschland/Tschechische Republik/Schweden/Slowakische Republik 2017)
Regie: Agnieszka Holland (in Zusammenarbeit mit Kasia Adamik)
Drehbuch: Olga Tokarczuk, Agnieszka Holland
LV: Olga Tokarczuk: Prowadź swój pług przez kości umarłych. 2009 (Der Gesang der Fledermäuse)
In den Wäldern an der polnisch-tschechischen Grenze streitet die schrullige Tierschützerin Janina sich mit den Jägern, die auf jahrhundertealte Traditionen bestehen. Als einige von ihnen bei Jagdunfällen sterben, sagt sie, die Natur räche sich. Stimmt das? Oder haben Menschen nachgeholfen?
TV-Premiere. Atmosphärisches Drama mit Thriller-Elementen. Holland („Bittere Ernte“, „Hitlerjunge Salomon“) beschreibt ihren Film so: „ein anarchistisch feministischer Ökothriller mit Elementen einer schwarzen Komödie.“
Bevor am 30. Januar Terrence Malicks neuer Film „Ein verborgenes Leben – A hidden life“, der deutlich gelungener als seine vorherigen Filme ist (mehr zum Filmstart in meiner Besprechung), in unseren Kinos anläuft, kann man sich noch einmal seinen letzten, ähem, zugänglichen Film ansehen:
Arte, 20.15
The New World (The New World, USA 2005)
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
„Badlands“, „In der Glut der Sonne“, „Der schmale Grad“ und dann „The New World“. Vier Filme in über dreißig Jahren, Das ist nicht gerade viel. Doch Malicks Filme sind für Cineasten immer ein optischer Festschmaus. Auch in seiner Interpretation der Legende von Pocahontas (wer die Geschichte nicht kennt: USA, 1607: John Smith soll für die Siedler mit den Indianern verhandeln. Diese nehmen ihn gefangen. Die Häuptlingstochter Pocahontas rettet ihn. Er verliebt sich in sie. Und jetzt beginnen die wirklichen Probleme.) sind die Bilder grandios, die Besetzung hochkarätig (obwohl in seinem Kriegsfilm „Der schmale Grad“ die Stardichte höher war), der Erzählduktus hypnotisch und fern der gängigen Hollywood-Konventionen.
Danach inszenierte Malick zwischen 2011 und 2017 wieder vier immer esoterischer und selbstbezogener werdende Spielfilme, in denen er seinen legendären Ruf gründlich ruinierte. Mit seinem neuesten Film „Ein verborgenes Leben – A hidden life“ kehrt er wieder zu einem stärker einer Geschichte verhaftetem Erzählen zurück.
Anschließend, um 22.25 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Pocahontas und Captain John Smith“ (Deutschland 2009)
mit Colin Farrell, Q’orianka Kilcher, Christopher Plummer, Christian Bale, August Schellenberg, Wes Studi, David Thewlis, Ben Mendelsohn, John Savage, Ben Chaplin, Eddie Marsan, Jonathan Pryce
Ein Schausteller kauft das naive Mädchen Gelsomina ihrer Mutter ab. Fortan leben die beiden gegensätzlichen Charaktere auf der Straße. Erst als sie einem einfühlsamen Artisten begegnet, scheint sich ihr Leben zu verändern.
Ein Fellini-Klassiker und selbstverständlich auch ein Filmklassiker.
mit Anthony Quinn, Giulietta Masina, Richard Basehart, Aldo Silvani, Marcella Rovere, Livia Venturini
Der Blick des Cineasten fällt natürlich zuerst auf die Liste der Filme, die das Filmmagazin „Cinema“ in „Making of – Hinter den Kulissen der größten Filmklassiker aller Zeiten“ präsentiert:
Star Wars Episode IV – Eine neue Hoffnung
Casablanca
Taxi Driver
2001: Odyssee im Weltraum
Easy Rider
Die Vögel
Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt
Rambo
Rosemary’s Baby
Spiel mir das Lied vom Tod
Scarface (die Version von Brian De Palma)
Lawrence von Arabien
Der Elefantenmensch
Shining
James Bond – 007 jagt Dr. No
Das Schweigen der Lämmer
E. T. – Der Außerirdische
Giganten
Apocalypse Now
The Wild Bunch
Blade Runner
Ghostbusters (natürlich nicht das Frauen-Remake/Reboot)
Cleopatra (das Monumentalepos, in dem Elizabeth Taylor sich leinwandfüllend zu einem Mega-Budget räkelt)
Der Pate
Chinatown
Und dann die schon leicht beunruhigende Erkenntnis, alle in dem Buch vorgestellten Filme, schon zu kennen. Normalerweise hat man ja immer ein, zwei Filme nicht gesehen und kann so noch etwas neues entdecken, während man sich über die Auslassung von ein, zwei wirklichen Filmklassikern (Warum fehlt „Metropolis“?) aufregt.
Leider erklären die Macher nicht, wie sie ihre Filmklassiker auswählten. Sicher, alle diese Filme sind Klassiker. Sie sind inzwischen auch beim Publikum immer wieder gern gesehen und es gibt immer auch einiges über die Dreharbeiten zu berichten. Manchmal kann auch über die Bedeutung des Films für ein bestimmtes Genre und die Filmgeschichte geschrieben werden.
Gleichzeitig ist die Auswahl, was bei dem bunten Filmmagazin „Cinema“ nicht überrascht, sehr Hollywood- und Mainstreamlastig. Angesichts des Alters der Filme ist sie auch sehr männerlastig. Alle Filme wurden von Männern inszeniert. Und Männer, also weiße Männer, haben auch oft die Hauptrolle.
In den kurzen Texten über die Filme erfahren Cineasten wenig neues. Auch die Bilder sind weitgehend bekannt. Aber für Nicht-Cineasten, und an sie richtet sich der Bildband in erster Linie, ist „Making of“ ein schöner Einblick mit großformatigen Bildern und interessanten Hintergrundinformationen zu den Filmen. Auch wenn alles, notgedrungen, etwas oberflächlich bleibt.
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Cinema (Hrsg): Making of – Hinter den Kulissen der größten Filmklassiker aller Zeiten
Eine verhängnisvolle Affäre (Fatal Attraction, USA 1987)
Regie: Adrian Lyne
Drehbuch: James Dearden
Der New Yorker Anwalt Dan Gallagher ist glücklich verheiratet. Als seine Familie für ein Wochenende die Stadt verlässt, lernt er Alex Forrest kennen. Für ihn ist sie nur ein Seitensprung. Aber sie will mehr und drängt sich in sein Leben.
Erfolgreicher Thriller über die grausamen Strafen, die auf böse Taten, wie außerehelichem Sex, folgen und wie die bürgerliche Kleinfamilie bewahrt werden kann.
mit Michael Douglas, Glenn Close, Anne Archer, Ellen Hamilton Latzen, Stuart Pankin
Ohne Schnitt und in Echtzeit ist „1917“ nicht erzählt. Immerhin beginnt die in zwei Stunden Filmzeit erzählte Geschichte am helllichten Tag und endet am nächsten Tag. Ebenfalls tagsüber. Außerdem müssten die beiden britischen Soldaten, die eine wichtige Botschaft über die Pläne der deutschen Armee an ein anderes Bataillon überbringen sollen, solche Torturen durchstehen, dass es ein Wunder ist, wie sie all die Kämpfe, Stürze, Explosionen und einen Sturz in einen reißenden Fluss unverletzt überleben. Wobei, das sei gesagt, ein Soldat stirbt auf dem Weg.
Sam Mendes‘ erzählt die von Erzählungen seines Großvaters und anderer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg kämpften, inspirierte Geschichte in mehreren langen Plansequenzen, die sich nahtlos aneinander fügen. Meistens dienen Türen, dunkle Ein- und Durchgänge und im Weg stehende Gegenstände als Übergang von einer zur nächsten Sequenz. Das nimmt dem Drama nichts von seiner inszenatorischen Brillanz. Die Kamera schwebt schwerelos durch Schützengräben, über das Niemandsland, durch eine Ruinenstadt, einen reißenden Fluss, Felder und Wälder, in denen Soldaten lagern.
Damit dies gelang, war viel Vorarbeit nötig. Detailreiche Sets, in denen die Kamera sich in jede Richtung bewegen konnte, wurden errichtet. Die einzelnen Bewegungen von Kamera, Schauspielern und Crew wurden über mehrere Monate geplant und geprobt.
Für den Film mussten große Sets errichtet werden, durch die die Kamera sich frei bewegen und auch um die eigene Achse drehen konnte, ohne dass die Illusion zerstört wird. Roger Deakins, der für „Blade Runner 2049“ seinen schon lange überfällige Oscar-Auszeichnung erhielt und schon mehrmals mit Mendes zusammen arbeitete, fand beeindruckende Bildkompositionen. Unter anderem wenn die Lance Corporals Schofield (George MacKay) und Blake (Dean-Charles Chapman) durch das matschige mit Stacheldraht und Leichen übersäte Niemandsland zwischen den Schützengräbern der Kriegsparteien schleichen oder wenn Schofield in der Nacht durch eine von Bomben und Feuer erleuchtete Ruinenstadt läuft.
Das ist alles so elegant inszeniert, dass man niemals die fehlenden Schnitte bemerkt. Am Ende kann man sich nicht vorstellen, dass sich irgendwann irgendjemand „1917“ in einer konventionellen Inszenierung gewünscht haben könnte.
Konventionell ist dagegen die Filmgeschichte von zwei Soldaten, die auf eine gefährliche Mission geschickt werden, einigen Offizieren und vielen gesichtslosen Soldaten begegnen und selbst wenn sie am Ende ihren Auftrag irgendwie erfüllen, ändern sie am Kriegsverlauf nichts. Schließlich sind sie nur einfache Soldaten. Die Befehle werden von anderen Männern gegeben. Dieses Hohelied auf den tapferen einfachen Soldaten wurde schon oft erzählt. „1917“ fügt dem, bei aller Begeisterung über das Drama, nichts Wesentliches bei.
Weltweit bekannt wurde Sam Mendes als Regisseur der James-Bond-Filme „Skyfall“ und „Spectre“. Davor inszenierte er die Satire „American Beauty“, den Gangsterfilm „Road to Perdition“ und den Kriegsfilm „Jarhead“.
Am Montag erhielt „1917“ zehn Oscar-Nominierunge. Mindestens die Preise für besten Film („1917“ ist der prototypische Oscar-Preisträger), Kamera (Roger Deakins) und Regie sollten drin sein. Die Golden Globes für den besten Film und die beste Regie hat er schon erhalten. Neben bis jetzt über siebzig weiteren Preisen und viel berechtigtes Kritikerlob.
1917 (1917, USA 2019)
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns
mit George MacKay, Dean-Charles Chapman, Mark Strong, Andrew Scott, Richard Madden, Claire Duburcy, Colin Firth, Benedict Cumberbatch, Daniel Mays, Colin Firth, Nabhaan Rizwan, Jamie Parker, Adrian Scarborough
Seit Jahren war ein neuer „Bad Boys“-Film im Gespräch. Mitte der neunziger Jahre war die Buddy-Actionfilmkomödie, in der zwei Polizisten in Miami Verbrecher jagen und, garniert mit vielen dummen Sprüchen, eine Spur der Verwüstung hinterlassen, ein Kassenhit. Die Fortsetzung „Bad Boys II“ ebenso. Die beiden Hauptdarsteller der ersten beiden „Bad Boys“-Filme, Will Smith und Martin Lawrence, waren danach Stars, die für den dritten „Bad Boys“-Film „Bad Boys for Life“ wieder in die vertrauten Rollen schlüpften. „Bad Boys“ war 1995 auch der Beginn der Spielfilmkarriere von Michael Bay. Bis dahin inszenierte er Musik-Videos. Schon in seinem ersten Spielfilm war ihm die knallig-bunte Oberfläche wichtiger als der Inhalt. Er inszenierte auch „Bad Boys II“. Im dritten „Bad Boys“-Film hat er nur ein Cameo.
Sein indirekter Einfluss ist allerdings vom ersten bis zum letzten Bild unübersehbar. Optisch und inhaltlich ist der von Adil El Arbi und Bilall Fallah inszenierte Film Vintage-Michael-Bay. Sie und ihr Kameramann Robrecht Heyvaert sind Fans von Bay und imitieren seinen Stil perfekt. Leider. Denn so ist „Bad Boys for Life“, mit verwirrenden Schnitten im Sekundentakt, von der ersten bis zur letzten Sekunde nur ein nerviges Vehikel für die beiden vor sich hin blödelnden Stars Will Smith und Martin Lawrence.
Smith spielt den Action liebenden Polizisten und Single Mike Lowrey. Sein Partner Marcus Burnett, gespielt von Martin Lawrence, war schon immer der ruhigere Gegenpart mit Frau und Kindern. Inzwischen will der Familienmensch aus dem Polizeidienst ausscheiden. Trotz ihres titelgebenden Schwurs, dass sie Bad Boys for Life seien.
Vor dem Ruhestand müssen sie noch einen Fall lösen. Ob es wirklich ihr letzter Fall ist, ober ob es doch noch einen vierten „Bad Boys“-Film gibt, hängt vom Einspielergebnis ab.
In Mexiko wird Isabel (Kate Del Castillo) aus dem Gefängnis befreit. Die Witwe eines Drogenbarons will sich mit der Hilfe ihres Sohns Sohn Armando (Jacob Scipio) an Lowrey und allen anderen Männern, die für den Tod ihres Mannes und ihren Gefängnisaufenthalt verantwortlich sind, rächen. Während sie in Mexiko-Stadt als Hexe die bösen Geister beschwört, bringt Armando in Miami, oft verkleidet als Motorradfahrer, die Männer um.
Lowrey und Burnett wollen die Armando und Isabel schnappen. Dabei soll ihnen eine neue Spezialeinheit helfen. Weil diese Spezialeinheit bei ihren Ermittlungen auch Computer und Drohnen verwendet, wird ein Konflikt zwischen Old School und New School herbeigeredet, der spätestens nach fünf Minuten in einem Bleigewitter versenkt wird.
Seien wir ehrlich: für alle, die nicht eine regelmäßige Dosis an Michael-Bay-Exzess brauchen, ist „Bad Boys for Life“ ein irgendwo in der Pubertät stecken gebliebenes Desaster, das jeden auch nur halbwegs interessanten Gedanken einem Shot auf einen gut proportionierten jungen, spärlich bekleideten Frauenkörper opfert. Die Action ist eher spärlich gesät. Meist spielt sie in dunklen Räumen, in denen man kaum verfolgen kann, wer wann wo gegen wen kämpft und ballert. Wenn die Action dann tagsüber auf offener Straße spielt, ist sie so zerschnitten, dass sie kaum verfolgt werden kann. Beeindruckend ist das nicht.
Die Story selbst war schon in den vorherigen „Bad Boys“-Filmen nicht der Grund, sich die Filme anzusehen. Das hat sich in „Bad Boys for Life“ nicht geändert. Sie ist ein löchriges Nichts, das jeden Gedanken an Logik und Plausibilität ignoriert. Wenn gegen Ende des Films die Beziehung zwischen Isabel und Lowrey enthüllt wird, sorgt das eher für ein ungläubig-genervtes Augenrollen. Bis dahin gelingt es dem Film, jeglichen interessanten Ansatz, der irgendwann einmal in irgendeiner Fassung des Drehbuchs vorhanden war, in einem Bildgewitter untergehen zu lassen.
Mit „Bad Boys for Life“ setzt Will Smith die Serie seiner enttäuschenden bis schlichtweg misslungenen Leinwandauftritte fort.
Bad Boys for Life (Bad Boys for Life, USA 2020)
Regie: Adil El Arbi, Bilall Fallah
Drehbuch: Peter Craig, Joe Carnahan, Chris Bremner (nach einer Geschichte von Peter Craig und Joe Carnahan, basierend auf von George Gallo erfundenen Figuren)
mit Will Smith, Martin Lawrence, Vanessa Hudgens, Alexander Ludwig, Charles Melton, Paola Nunez, Kate Del Castillo, Nicky Jam, Joe Pantoliano, Theresa Randle, Jacob Scipio, Khaled
La belle saison – Eine Sommerliebe (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss
1971 trifft die 23-jährige Delphine in Paris die Aktivistin Carole. Sie verlieben sich ineinander. Aber dann muss Delphine zurück auf den Hof ihrer Eltern. Carole folgt ihr in eine für sie vollkommen fremde Welt.
Wunderschöne, politisch grundierte Sommerromanze, die auch viel über die frühen Siebziger Jahre in Frankreich erzählt