Nachträglich: Alles Gute zum Geburtstag, Luc Besson! Der war am 18. März.
Alles Gute zum Geburtstag, Bruce Willis! Der war am 19. März.
Und, aktuell: Alles Gute zum Geburtstag, Gary Oldman! Der ist heute.
Pro7, 20.15
Das fünfte Element (The Fifth Element, Frankreich 1997)
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Zukunft, Erde: Taxifahrer Korben Dallas (Bruce Willis), der noch nicht einmal sein Leben auf die Reihe bekommt, muss mal eben das Universum retten und besucht dafür auch einige ferne Planeten in weit entfernten Galaxien. Aliens und andere seltsame Wesen gibt es auch. Action und Spaß sowieso.
Quietschbuntes, vollkommen durchgeknalltes Science-Fiction-Abenteuer, das den Fans der „Guardians of the Galaxy“ gefallen dürfte.
Hier hat Luc Besson, nach „Subway“, „Nikita“, „Leon – Der Profi“, noch einmal gezeigt, was er kann: „ein Fest für die Augen“ (Annette Kilzer, Herausgeberin: Bruce Willis)
2017 drehte er mit „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ein überflüssiges Quasi-Remake.
mit Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm, Milla Jovovich, Chris Tucker, Luke Perry, Brion James, Lee Evans, Tricky, Mathieu Kassovitz
Unglaubliche neun Jahre sind seit Tom Tykwers letztem Kinofilm „Ein Hologramm für den König“ vergangen. Seitdem war er nicht untätig, sondern versumpfte in „Berlin Babylon“. Während den Dreharbeiten und der damit verbundenen Beschäftigung mit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wuchs in ihm der Wunsch, sich wieder mit der Gegenwart auseinandersetzen. Das tut er jetzt in seinem neuen Film „Das Licht“, zu dem er auch das Drehbuch schrieb.
In knapp drei Stunden erzählt er einige Wochen aus dem Leben der ganz normal dysfunktionalen Familie Engels und ihrer Begegnung mit der verständnisvollen Farrah. Farrah ist eine aus Syrien geflüchtete Ärztin, die die aus ihrer Sicht perfekte Arbeit als Haushälterin begeistert annimmt. Denn sie möchte etwas von der Familie.
Die mehr neben- als miteinander in einer großen, behaglich eingerichteten Berliner Altbau-Wohnung lebende Familie besteht aus Tim (Lars Eidinger), einem von seiner eigenen Grandiosität überzeugtem Werbemann, seiner Frau Milena (Nicolette Krebitz), einer seit Ewigkeiten in Nairobi für das Entwicklungsministerium Kulturprojekte durchführenden Freiberuflerin, und ihren noch zur Schule gehenden Zwillingskindern Frieda (Elke Biesendorfer) und Jon (Julius Gause). Frieda engagiert sich in einer radikalen Umweltschutzgruppe und taumelt durch das Nachtleben. Jon flüchtet in seinem Zimmer in die Welt virtueller Computerspiele.
„Das Licht“ ist unbestreitbar ein Tom-Tykwer-Film und er ist auch ein archetypischer Tykwer-Film. Er war, bis auf Experimente wie „Lola rennt“ und Thriller wie „The International“, noch nie der konzentrierteste Erzähler. Er ist eher ein langsamer, teilweise enervierend langsamer Erzähler, der sich Zeit lässt, bis sich am Ende alles zusammenfügt. Seine Figuren haben eigentlich immer Probleme mit der Realität. Oft zeigt er eine Welt zwischen Traum und magischem Realismus. Dieses Mal wird bei ihm Berlin zu einer dauerverregneten Traummetropole.
Mit großem epischen Atem schildert Tom Tykwer das Leben der Familie Engels und ihre Zweifel am Leben. Eine richtige Story entwickelt sich aus diesem Sammelsurium von Stilen und Schicksalen nicht. Sicher, gerade die genauen Beobachtungen, die sich Zeit nehmende, entsprechend langsame Erzählgeschwindigkeit, die ständigen Wechsel zwischen den vielen Hauptpersonen und Stilen zwischen ernstem Drama, magischem Realismus und Musical, lassen die gut drei Stunden schnell vergehen. Am Ende hat man das Gefühl, dass jedes irgendwie ‚wichtige Thema‘ angesprochen, aber nie konsequent vertieft wurde. Es ist eine sich an der fotogenen Oberfläche kunstvoll abarbeitender Versuch einer Zeitdiagnose, in der Probleme angesprochen, Lösungen ignoriert und auf Kausalitäten verzichtet wird. Tykwers Ensemblefilm ist immer im Moment.
Aber begeistern tut an diesem Film, der in jeder Sekunde breitbeinig seine Relevanz betont, nichts. Und weil alles zu diffus bleibt, kann noch nicht einmal wirklich über den Film diskutiert werden. Insofern sind die Nominierungen für die beste Tongestaltung und die besten visuellen Effekte beim Deutschen Filmpreis für „Das Licht“ folgerichtig.
Oder anders gesagt: Schön, dass Tom Tykwer wieder Kino macht. Schade, dass es kein besserer Film wurde. Und hoffentlich vergeht nicht wieder fast ein Jahrzehnt bis zum nächsten Tom-Tykwer-Film.
Das Licht (Deutschland 2025)
Regie: Tom Tykwer
Drehbuch: Tom Tykwer
mit Lars Eidinger, Nicolette Krebitz, Tala Al-Deen, Elke Biesendorfer, Julius Gause, Elyas Eldridge, Toby Onwumere, Mudar Ramadan, Joyce Abou-Zeid
Big Trouble in Little China(Big Trouble in Little China, USA 1986)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Gary Goldman, David Z. Weinstein, W. D. Richter
Im Untergrund von San Francisco lebt ein zweitausend Jahre alter Magier. Um wieder seine alte Gestalt zu erhalten, muss er eine grünäugige Schonheit heiraten und opfern – und weil diese Frau die Verlobte von Jack Burtons bestem Kumpel Wang Chi ist, begibt sich der LKW-Fahrer mit seinem Freund und einigen weiteren Helfern in den Untergrund.
John Carpenters bunte Actionkomödie ist ein ziemlich durchgeknallter Spaß mit viel Wumms und Rumms. Die Liebeserklärung an damalige Hongkong-Actionfilme floppte an der Kinokasse. Auf dem Videomarkt war sie ein Erfolg. Heute ist sie ein Kultfilm.
„ein wildgewordenes Disneyland“ (Fischer Film Almanach 1987)
Mit Kurt Russell, Kim Cattrall, Dennis Dun, James Hong, Victor Wong
Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:
Wenn es unter diesen fünf Krimis ausgehend von erhaltenen Preisen und Kritikerlob einen Favoriten gibt, dann ist es Thomas Knüwers „Das Haus in dem Gudelia stirbt“.
Der Klappentext scheint die ganze Geschichte zu verraten:
„Eine Sturmflut sucht das kleine Dorf Unterlingen heim, Wassermassen drängen die Anwohner aus ihren Häusern – nur eine bleibt, so wie sie es schon immer getan hat: Gudelia.
Sie blieb 1984, als ihr Sohn ermordet wurde, 1998, als sie sich von ihrem Nann trennte, und auch jeztzt, als ihr Haus in den Fluten einzustürzen droht.
Nicht einmal die beiden gefesselten Leichen, die an ihrem Fenster vorbeitreiben, können sie umstimmen. Denn Gudelias Gedanken gelten nur ihrem Haus, in dem sich ihr dunkelstes Geheimnis verbirgt.“
Mit diesem Text und der darüber stehenden Ankündigung, dass es sich um einen „Kriminalroman über Liebe und Verlust, über Stärke und Schuld, über Jahrzehnte hinweg“ handelt, wird schon sehr deutlich gesagt, dass die 81-jährige Gudelia einige Leichen im Keller hat. Eigentlich ist in dem Moment – auch ohne Kenntnis der Geschichte – nur noch fraglich, wen sie warum ermordete. Bis diese Frage beanwortet ist, vergeht einiges an Lesezeit.
Knüwer erzählt Gudelias Geschichte chronologisch auf drei Zeitebenen. Alle paar Seiten springt er zwischen 1984, 1998 und 2024 hin und her. Immer passiert etwas. Nicht viel und eigentlich nie etwas, das die Krimihandlung erkennbar vorantreibt. Einige Seiten später erzählt er dann, was in einem anderen Jahr passiert. Es geht über viele Seiten darum, wie Gudelia den Tod ihres Sohnes verarbeitet, wie sie mit ihrem trunksüchtigen Mann umgeht, wie sie das Haus auf sich überschreiben lässt und wie nach der Flut in dem Dorf die Aufräumarbeiten beginnen. Durch die ständigen Wechsel entwickelt das Buch durchaus Pageturner-Qualitäten.
Außerdem wird es als „Kriminalroman“ gelabelt und, was wichtiger ist, innerhalb der Krimi-Gemeinschaft wird es seit seiner Veröffentlichung mehr als wohlwollend als Kriminalroman aufgenommen. Inzwischen hat „Das Haus in dem Gudelia stirbt“ den Deutschen Krimipreis und den Stuttgarter Krimipreis gewonnen. Es ist für den Glauser-Preis nominiert, steht auf der Shortlist der Krimi-Couch für das „Buch des Jahres 2024“ und stand mehrmals auf der monatlichen Krimibestenliste. Es muss also auf den knapp dreihundert Seiten irgendetwas geschehen und auch so beschrieben werden, dass es von den Lesern als Kriminalroman und nicht als Biographie einer auf dem Land lebenden alten Frau, die vor vierzig Jahren ihren Sohn verlor, wahrgenommen wird.
Knüwer erzählt, sprachlich unauffällig, aus der Sicht einer Täterin, über mehrere Jahrzehnte, wie ein Mord das Leben von zwei Familien verändert. Zwischen all den biederen Ermittler- und Regiokrimis, mal mehr, mal weniger humoristisch, und bluttriefenden Serienkillerthrillern fällt dieser Kriminalroman angenehm auf. Er erzählt, wie eine unbescholtene, normale Frau zur Mörderin wird, wie sie mit dieser Schuld lebt und wie mehrere Menschen, die die Hintergründe mehr oder weniger kennen, über Jahrzehnte schweigen.
„Das Haus in dem Gudelia stirbt“ ist das Verlagsdebüt von Thomas Knüwer. Davor veröffentlichte der 1983 im Münsterland geborene, in Hamburg lebende Autor und Chief Creative Officer einer Kreativagentur zwei Bücher im Selbstverlag.
Das unbekannte Mädchen (La fille inconnue, Belgien/Frankreich 2016)
Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Drehbuch: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Eine junge, in der belgischen Provinz arbeitende Ärztin fühlt sich für den Tod eines schwarzafrikanischen Mädchens verantwortlich. Sie will ihren Namen erfahren. Aber das ist nicht so einfach.
Gewohnt intensives, zum Nachdenken anregendes Drama der Dardenne-Brüder
mit Adèle Haenel, Olivier Bonnaud, Jérémie Renier, Louka Minnella, Christelle Cornil, Nadège Ouedraogo, Olivier Gourmet, Pierre Sumkay
Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:
Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)
Dann wollen wir mal lesen, was die besten Krimis des Jahres sein sollen. Beginnen tun wir mi Nicole Eicks „Wenn der Engel kommt“. Es ist ihr zweiter Kriminalroman mit dem grundsympathischen und angenehm normalen Bamberger Kriminalpolizistenduo Alfred Meister und Dominique Brodbecker.
Dieses Mal geht es um mehrere seltsame Todesfälle, die möglicherweise miteinander zusammenhängen und in die ein Pflegedienst involviert ist. Mehr wissen die beiden Kommissare in dem Moment noch nicht.
Der Leser ist da schon schlauer. Nicole Eick erzählt ihren Krimi aus verschiedenen Perspektiven, zu denen die Kommissare und ihr Privatleben, der verdächtige Pflegedienst, ein verdächtiger Pfleger, eine Jugendliche, die die erste Leiche entdeckte, weitere für die Geschichte irgendwann irgendwie wichtige Personen und, in Rückblicken, Kimmi gehören. Am Anfang des Romans ist Kimmi noch ein Kind. Am Ende eine über vierzigjährige Schönheit, die allen Männer den Kopf verdreht und die in Serie Menschen umbringt, die sie irgendwie stören. Dass sie die Täterin ist, ist schnell klar. Nur welche der in „Wenn der Engel kommt“ auftauchenden Frauen Kimmi ist, ist unklar.
Die polizeilichen Ermittlungen sind, wenn die Kommissare nicht gerade mit Essen und Trinken und der Pflege eines im Sterben liegenden Sohnes beschäftigt sind, eine Abfolge von Zufällen. Normalerweise taucht im richtigen Moment jemand auf und liefert den Ermittlern die weiteren Informationen, während sie, nun, in die nächste Gaststätte gehen. Auch für die Verhaftung des Täters werden sie nicht benötigt.
Das liest sich als Regiokrimi mit minimalem Krimianteil und nicht vorhandenem Rätselanteil flott weg. Mehr nicht.
Sherlock: Die sechs Thatchers (The Six Thatchers, Großbritannien 2017)
Regie: Rachel Talalay
Drehbuch: Mark Gatiss
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle
Ein Ministersohn wird ermordet. Auf einem Beistelltisch mit Margaret-Thatcher-Devotionalien fehlt eine Thatcher-Gipsbüste. Sherlock Holmes fragt sich, warum die Thatcher-Büste verschwunden ist – und was das Geheimnis der Thatcher-Büsten ist.
Die Inspiration für „Die sechs Thatchers“ ist die Sherlock-Holmes-Geschichte „Die sechs Napoleons“.
Ziemlich furioser Auftakt der vierten „Sherlock“-Staffel, die wieder aus drei spielfilmlangen Episoden besteht. Nachdem bei der dritten Staffel die Fälle so nebensächlich wurden, dass man sie schon während des Sehens vergaß, sind die Fälle jetzt wieder gelungener. Allerdings sind sie wieder kaum nacherzählbar und zunehmend durchgeknallter und immer mehr miteinander und mit den Biographien von Sherlock Holmes und Dr. John Watson verknüpft und sie gehen immer mehr in Richtung einer großen, großen Verschwörung. Das ist nicht uninteressant und flott erzählt, aber auch der Stoff, der sich (schlechter) in ungefähr jeder zweiten Serie findet.
Denn auch Sherlock Holmes‘ brave Haushälterin Mrs. Hudson hat eine Vergangenheit, die wir bis jetzt nicht kannten.
Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Amanda Abbington, Una Stubbs, Louise Brealey, Rupert Graves, Mark Gatiss, Lindsay Duncan, Simon Kunz, Sacha Dhawan
Julian R. Wagner (Szenenbild) Melanie Raab (Set Dec) (SEPTEMBER 5)
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Bestes Kostümbild
Juliane Maier Christian Röhrs (CRANKO)
Pierre-Yves Gayraud (HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN)
Birgitt Kilian (IN LIEBE, EURE HILDE)
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Bestes Maskenbild
Jeanette Latzelsberger Gregor Eckstein (HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN)
Grit Kosse Uta Spikermann Monika Münnich (IN LIEBE, EURE HILDE)
Sabine Schumann (SEPTEMBER 5)
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Beste visuelle Effekte
Robert Pinnow (DAS LICHT)
Jan Stoltz Franzisca Puppe (HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN)
Max Riess Sven Martin Bernie Kimbacher (WOODWALKERS)
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Besucherstärkster Film
DIE SCHULE DER MAGISCHEN TIERE TEIL 3 (Sven Unterwaldt (Regie) Alexandra Kordes Meike Kordes (Produktion))
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Ehrenpreis
An Dorthe Braker
–
Was fällt auf? Die Liste ist erstaunlich monoton und, immerhin handelt es sich um den Deutschen Filmpreis, erstaunlich undeutsch. Die meisten Nominierungen erhielt „September 5“ mit 10 Nominierungen. „In Liebe, eure Hilde“ folgt mit 7 Nominierungen. „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ erhielt 6 Nominierungen.
Egal was man von „September 5“ und „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ hält, fällt es schwer, sie als deutsche Filme zu betrachten. Der eine erzählt eine im Iran spielende Geschichte, der andere letztendlich eine amerikanische Geschichte. Immerhin sind mit „In Liebe, eure Hilde“, „Köln 75“ und „Das Licht“ (in den Technikkategorien) auch deutsche Geschichten dabei.
Und dann gibt es noch drei mehr als unschöne Doppelungen. So ist Sam Riley zweimal als bester Hauptdarsteller, Alexander Scheer zweimal als bester Nebendarsteller und Dascha Dauenhauer zweimal als beste Komponistin nominiert. Gab es da wirklich keine größere Auswahl?
Der Pariser Journalist Roland Wolf will den berühmten, für seine Wohltätigkeit bekannten Showmaster Christian Legagneur auf dessen Landsitz interviewen. Dabei blickt er hinter Legagneurs Fassade. Außerdem will Wolf herausfinden, was dort mit seiner Schwester geschah.
„Die Deformation beim Tanz um das goldene Kalb, die behaglich rosa getönte Fassade von Habgier und rücksichtsloser Menschenverachtung, die Verlogenheit in den Unterhaltungsmedien. Typische Themen in Chabrols Oeuvre, das mit diesem Film um ein unterhaltsames Meisterwerk reicher geworden ist.“ (Fischer Film Almanach 1988)
…das nur alle Jubeljahre im Fernsehen gezeigt wird.
Mit Philippe Noiret, Robin Renucci, Bernadette Lafont, Monique Chaumette
Drehbuch: Gareth Edwards, Chris Weitz (nach einer Geschichte von Gareth Edwards)
In der Zukunft zerstört eine Künstliche Intelligenz Los Angeles. Seitdem ist KI im Westen verboten und wird bekämpft. In Asien wird dagegen weitergeforscht und eine wirklich intelligente KI erschaffen.
US-Agent Joshua Taylor, der die Gegend von einem früheren Einsatz kennt, wird als Teil einer Kampfeinheit nach New Asia geschickt. Er soll die KI finden.
TV-Premiere. Wuchtiger Science-Fiction-Kriegsfilm mit überzeugenden Spezialeffekten und kleinen Schwächen in der Story. Trotzdem einer der besten SF-Filme des Jahres 2023.
Quasi-dokumentarischer Spielfilm über den jungen Rodeoreiter Brady Blackburn (Brady Jandreau), der nach einem Unfall nicht mehr Rodeo reiten darf und seinen Versuchen, sich damit zu arrangieren.
Chloé Zhao erzählt mit Laiendarstellern, die sich letztendlich selbst spielen, vom deprimierend trostlosen Leben im US-amerikanischen Hinterland. Da ist, bis auf die leinwandfüllenden Sonnenuntergänge, alles deprimierend trostlos. Vom Mythos des Rodeoreiters, den Sam Peckinpah schon in „Junior Bonner“ entmystifizierte und dem Brady und seine Freunde wie einer Religion anhängen, bleibt nichts mehr übrig.
Dank der Schauspieler, den leinwandfüllenden Bildern, Zhaos geduldigem Einlassen auf die Laiendarsteller und ihr Leben und ihrem sie, ihr Leben und ihre Ansichten nie verurteilendem Blick ist der Neo-Western „The Rider“ ein aufbauender, zutiefst humanistischer Film.
Für ihren nächsten Film „Nomadland“ erhielt Zhao 2021 unter anderem den Oscar in den Kategorien bester Spiefilm und beste Regie.
mit Brady Jandreau, Lilly Jandreau, Tim Jandreau, Lane Scott, Cat Clifford, Terri Dawn Pourier
Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses (Mississippi Burning, USA 1988)
Regie: Alan Parker
Drehbuch: Chris Gerolmo
Südstaaten, 1964: Mitten im Hochsommer verschwinden im ländlichen Jessup County drei Bürgerrechtler spurlos. Ein älterer und ein jüngerer FBI-Agent sollen den Fall aufklären und wenn sie nur auf eine Mauer des Schweigens stoßen würden, wären sie froh.
Packender, auf einem wahren Fall basierender Polizei-Thriller. Zum Filmstart sah der Fischer Film Almanach das anders (wobei damals die Filmkritik auch anders war): „Parker lässt zu, dass ‚Mississippi Burning‘ sich zu einem konventionellen Reißer entwickelt, zu einem Polizeifilm, der mit den fragwürdigen Methoden seiner Protagonisten sympathisiert. Doch damit wird er seinem Thema nicht mehr gerecht. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.“ Dabei wird der erste Teil des Films wegen seiner dokumentarischen Qualitäten gelobt.
„Parkers von gewalttätigen Eruptionen durchsetzter FBI-Thriller ist wegen seiner (historisch unhaltbaren) Glorifizierung des FBI und wegen seiner Tendenz, die Rolle der Bürgerrechtler und der Schwarzen zu verfälschen (sie sind mehr oder weniger Randfiguren des Dramas), heftig kritisiert worden.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale. Der immer überzeugende Gene Hackman erhielt den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller. Und bei den US-Kritikern kam der Film besser an als bei den deutschen Kritikern.
mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince, Tobin Bell (damals noch ein kleiner Nebendarsteller in seinem ersten namentlich genanntem Spielfilmauftritt)
Jimmy Erskine ist 1934 in London der seit Ewigkeiten etablierte, von sich selbst und seiner Wichtigkeit hemmungslos überzeugte Großkritiker des „Daily Chronicle“. Mit seinen Kritiken entscheidet er über Karrieren. Er vernichtet Theaterstücke, Schauspieler und Regisseure mit pointierten Gemeinheiten. Oder lobt sie in den Himmel. Er hat ein sorgenfreies Leben mit täglichen ausufernden Gelagen mit seinen ähnlich boshaften Freunden.
Nach dem Tod des Chefs der Zeitung übernimmt sein Sohn David Brooke den „Daily Chronicle“. Brooke möchte den doch schon betagten Kritiker rauswerfen. Er passt nicht zu dem Bild, das Brooke vom Chronicle hat.
Aber Erskine wehrt sich gegen den angekündigten Rauswurf. Und wie es sich für eine schwarze britische Komödie gehört, gibt es neben verbalen Gemeinheiten auch einige Intrigen und Tote.
Aber wenn der von Sir Ian McKellen lustvoll gespielte Kritiker nicht gerade One-Liner sagt, plätschert die von Anand Tucker inszenierte Komödie „The Critic“ weitgehend spannungsfrei vor sich hin.
The Critic(The Critic, Großbritannien 2023)
Regie: Anand Tucker
Drehbuch: Patrick Marber
LV: Anthony Quinn: Curtain Call, 2015
mit Ian McKellen, Gemma Arterton, Mark Strong, Ben Barnes, Alfred Enoch, Romola Garai, Lesley Manville
Der aus Syrien geflüchtete Hamid gehört zu einem Untergrundnetzwerk aus Zivilisten, die syrische Kriegsverbrecher verfolgen, enttarnen und der Justiz übergeben.
2016 sucht er im Auftrag der Gruppe in Straßburg den Kriegsverbrecher Sami Hanna. Er soll an der Universität unter falschem Namen studieren. Aber ist der im Verdacht stehende scheinbar harmlose Student der untergetauchte Kriegsverbrecher, der in Syrien als „Der Chemiker“ ein skrupelloser Folterer war?
Hamid hat ihn zwar noch nie gesehen, aber er würde seinen Folterer am Geruch und seiner Stimme erkennen.
Jonathan Millet konzentriert sich in seinem auf wahren Ereignissen basierendem Spielfilmdebüt „Die Schattenjäger“ auf diese Frage und die damit verbundenen Diskussionen innerhalb des Untergrundnetzwerks. Dieses trifft sich nur anonym in einem Ego-Shooter-Kriegsspiel und diskutiert dort über ihre Pläne.
Millet erzählt die Geschichte der Jagd auf diesen einen Kriegsverbrecher als Slow-Burn-Thriller mit minimaler Story und viel Atmosphäre. Vieles wird nur angedeutet und bleibt entsprechend nebulös. Anderes wird nur sehr langsam enthüllt. Und, wie es sich für einen Agententhriller gehört, wird mit unbewegter Mine viel gelogen.
Die Schattenjäger(Les Fantômes, Frankreich/Belgien/Deutschland 2024
Regie: Jonathan Millet
Drehbuch: Jonathan Millet, Florence Rochat
mit Adam Bessa, Tawfeek Barhom, Julia Franz Richter, Hala Rajab, Safiqa El Till
Zugegeben, die Konkurrenz für „Für immer hier“ bei den diesjährigen Oscars in der Kategorie „Bester internationaler Film“ war stark, aber auch etwas schräg. „Flow“ (gleichzeitig als bester Animationsfilm nominiert) und „Emilia Pérez“ (gleichzeitig als bester Film nominiert) hätten zweimal eine Bester-Film-Trophäe erhalten könnnen. Auch „Für immer hier“ war als bester Film nominiert und er hätte, wie 2020 „Parasite“, zweimal Bester Film werden können. Diese doppelte Gewinnchance halte ich gegenüber den anderen Filmen für etwas unfair.
Bei den beiden weiteren als Bester Internationaler Film nominierten Filmen, nämlich „Das Mädchen mit der Nadel“ und, als deutscher Beitrag, „Die Saat des heiligen Feigenbaums“, gab es dann keinen eindeutigen Favouriten.
Denn keiner der Filme ist vollkommen schlecht, aber jeder Film hat seine spezifischen Vorzüge und Probleme. So erzählt Walter Salles die Geschichte einer Entführung aus einer ungewohnten Perspektive. Dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, wird erst am Ende gesagt. Das erklärt nachträglich auch einige der auf den ersten Blick seltsamen Reaktionen der Figuren, die es so in einer erfundenen Geschichte wahrscheinlich nicht gäbe. Und es erklärt den arg langen, sich über mehrere Jahre, fast bis zur Gegenwart, erstreckenden fast halbstündigen Epilog, der auch unter „was danach geschah“ firmieren kann und auf den ersten Blick der Hauptgeschichte nichts beifügt. Es macht nur aus einem schlanken Film, der seine Geschichte in deutlich unter zwei Stunden erzählt ein fast 140-minütiges, sich am Ende wie Kaugummi ziehendes Werk.
„Für immer hier“ spielt hauptsächlich in den frühen siebziger Jahren in Brasilien. Das sudamerikanische Land war von 1964 bis 1985 eine Militärdiktatur. Damals verschwanden unzählige Menschen, die mehr oder weniger gegen die Regierung waren, spurlos. Was genau mit ihnen geschah, ist bis heute oft nicht geklärt. Meistens wurden sie gefoltert, ermordet und irgendwo vergraben.
Am 20. Januar 1971 verschwindet, nachdem er von Männern, die sich als Mitglieder der Luftstreitkräfte ausgaben und ihn mitnahmen, der in Rio de Janeiro lebende Rubens Paiva. Er war Bauingenieur, von 1962 bis zu ihrer Auflösung 1965 Mitglied der Partido Trabalhista Brasileiro (Brazilian Labour Party, PTB) und ein zum linken Flügel der Partei gehörender Kongressabgeordneter. Nach dem Staatsstreich des Militärs ging er nach Europa ins Exil. Er kehrte nach einigen Monaten zurück zu seiner Familie und half Menschen, die von der Militärdiktatur verfolgt wurden, während er nach außen ein normales bürgerliches Leben lebte. Außerdem ist er verheiratet und Vater von fünf Kindern.
Im folgenden schildert Walter Salles („Die Reise des jungen Che“, „On the Road – Unterwegs“), wie Hans-Christian Schmid in seinem Drama „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ über die Entführung von Jan Philipp Reemtsma, die Leiden der Familie. Sie warten auf Nachrichten. Sie müssen sich mit der Situation und dem möglichen Tod des Verschwundenen zu arrangieren. Ins Zentrum rückt in „Für immer hier“ Rubens zunächst politisch desinteressierte Ehefrau Eunice (fantastisch gespielt von Fernanda Torres). Sie versucht, die Familie zusammen zu halten und auf das Schicksal ihres vermutlich schon toten Mannes aufmerksam zu machen.
Als Inspiration für seinen Film diente Salles seine Bekanntschaft mit der Familie Paiva als Jugendlicher und Marcelo Rubens Paivas Buch über seine Mutter, seinen verschwundenen Vater und seine Familie. Salles und seine Drehbuchautoren Murilo Hauser und Heitor Lorega rückten dann die Mutter und ihre Geschichte in den Mittelpunkt des Films.
Der Ansatz, die Geschichte eines Entführten aus der Geschichte der Zurückgebliebenen zu erzählen, ist durchaus interessant. Es geht um die Ungewissheit, was mit dem Entführten geschehen ist und, in diesem Fall, um das Leben in einer Diktatur. Wie bei unzähligen anderen Verschwundenen, wurde nie vollständig geklärt, was mit Rubens Paiva geschah. 1996 wird er für Tod erklärt. Seine Leiche wurde bis jetzt nicht gefunden.
In Brasilien war der Film ein Kassenhit, der Diskussionen über diesen Teil der brasilianischen Geschichte anstieß.
Für immer hier (Ainda Estou Aqui, Brasilien 2024)
Regie: Walter Salles
Drehbuch: Murilo Hauser, Heitor Lorega
LV: Marcelo Rubens Paiva: Ainda Estou Aqui, 2015
Musik: Warren Ellis
mit Fernanda Torres, Fernanda Montenegro, Selton Mello, Valentina Herszage, Luiza Kozovski, Maria Manoella, Marjorie Estiano, Bárbara Luz, Cora Mora, Gabriela Carneiro da Cunha, Olivia Torres, Guilherme Silveira, Antonio Saboia
Ein Gauner & Gentleman (The old man & the gun, USA 2018)
Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery
LV: David Grann: The Old Man and the Gun (Reportage, The New Yorker, 27. Januar 2003)
Wunderschön entspannte Schnurre über den Berufsverbrecher Forrest Tucker (Robert Redford), der 1981 nach eine Banküberfall Jewel (Sissy Spacek) trifft. Er beginnt mit der nichtsahnenden Witwe eine Beziehung, während er mit seinen Kumpels schon den nächsten Banküberfall plant.
David Lowery erzählt seine äußerst gelungene Mischung aus Liebes- und Gangsterfilm mit viel Retro-Charme als nostalgische, tiefenentspannte Abschiedsvorstellung, die noch einmal die gute alte Zeit feiert, als schlitzohrige Berufsverbrecher auch Gentleman sein konnten. Ein Film für große und kleine Lagerfeuer.
Von mindestens zwei Seiten, nämlich der der Organisatorin und der des Künstlers, nähert Ido Fluk sich in seinem Film „Köln 75“ einem Konzert, das später als Doppel-LP veröffentlicht wurde.
Die siebzehnjährige Vera Brandes (Mala Emde) lebt in den siebziger Jahren in Köln und geht aufs Gymnasium. Ihr Vater ist Zahnarzt und ein Tyrann. Sie ist musikverrückt. Aber sie liebt nicht die Rock- und Popmusik, die Gleichaltrige hören, sondern Jazz. Neben der Schule organisiert sie Konzerte. Als sie in Berlin bei den Jazztagen Keith Jarrett erlebt, ist sie begeistert. Sie will eines seiner Solo-Konzerte in Köln präsentieren. Diese vollkommen frei improvisierten Konzerte spielt Jarrett seit 1972. Seit 1971 veröffentlicht Manfred Eicher, der Gründer des legendären Jazzlabels ECM, bis heute fast alle Aufnahmen von Jarrett in teils umfangreichen Boxsets, die ganze Konzerte und Reihen dokumentieren. Jarretts erste ECM-LP war die 1971 aufgenommene, 1972 veröffentlichte Solo-Piano-LP „Facing You“, die gleichzeitig Jarretts erste Solo-LP war.
Und damit wären wir, wenn wir den Film als klassische LP betrachten, bei der ersten und zweiten Seite von Ido Fluks „Köln 75“. Der süffige Musikfilm beginnt während des fünfzigsten Geburtstag von Vera Brandes. Immer wieder meldet sich der fiktive Jazzkritiker Michael Watts (Michael Chernus) zu Wort. Er vermittelt kurzweilig Hintergrundwissen über verpatzte Anfänge bei Aufnahmen und die Musikgeschichte.
Als während der Geburtstagsfeier die Ansprache von Vera Brandes‘ Vater (Ulrich Tukur) in einem Eklat endet, erinnert Brandes sich an ihre Anfänge als Konzertveranstalterin. Diese Erinnerungen bilden den ersten Teil des Films. Als Sechzehnjährige organisiert sie eine Tour für den Jazzsaxophonisten Ronnie Scott. Weitere von ihr organisierte Konzerte mit anderen Künstlern folgen.
Der zweite Teil des Films konzentriert sich dann auf Keith Jarrett (John Magaro). Er gibt in Lausanne ein Solokonzert. Zusammen mit Manfred Eicher (Alexander Scheer) als Fahrer und Watts, der Jarrett interviewen möchte, fahren sie in einer klapprigen Kiste nach Köln. In diesem Teil geht es um die künstlerischen Vorstellungen und Marotten von Jarrett. Eicher toleriert Jarretts Eigenheiten, weil er den Pianisten für ein Jahrhundertgenie hält, dessen musikalisches Geschenk an die Menschheit alles andere aufwiegt.
Im dritten Teil, bzw. der dritten LP-Seite, treffen dann Vera Brandes und Keith Jarrett aufeinander. Sie hat das Konzert am 24. Januar 1975 in der Kölner Oper organisiert und sich dafür mit 10.000 DM, was damals sehr viel Geld war, verschuldet. Am Nachmittag stellt sie in der menschenleeren Kölner Oper erschrocken fest, dass auf der Bühne der falsche Flügel steht und Jarrett sich weigert, auf ihm zu spielen. Zusammen mit ihren treuen Freunden, dicken Telefonbüchern, geduldigen Klavierstimmern und viel Lauferei versucht sie das geplante Konzert zu retten. Und auch wenn wir wissen, wie die Geschichte endet, fiebern wir mit.
Ido Fluk („The Ticket“) erzählt in seinem neuen Film „Köln 75“ mitreißend eine Hintergrundgeschichte, die interessant ist, bislang aber auch Jazzfans nicht so wahnsinnig interessierte. Normalerweise ist bei einzelnen Konzerten und sogar bei Festivals nichts über die teils chaotische Organisation des Konzertes bekannt. Schließlich steht das Geschehen auf der Bühne, – die Künstler und ihre Konzerte -, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Etwas seltsam ist, dass in einem Film, in dem es um Jazz, Keith Jarrett und das „Köln Concert“ geht, sehr wenig Jazz und überhaupt nichts von Keith Jarrett und dem „Köln Concert“ zu hören ist. Sie durften die Musik nicht verwenden. Fluk sagt dazu: „Die Wirkung dieser Musik würde sich in einem Film niemals entfalten können. Man könnte bestenfalls einen kleinen Ausschnitt wiedergeben. Und der würde nichts aussagen. Es ist das ganze Werk oder nichts. Das Köln-Konzert ist kein Popsong. Es ist ein langes, ambitioniertes, auch forderndes Stück Jazzmusik, das man am besten in Ruhe in Gänze anhört. Ich vermute, selbst Keith Jarrett würde mir zustimmen. Es ist eher so, dass man sich den Film ansieht und deshalb Lust bekommt, sich das Konzert zuhause anzuhören. Man geht heim und legt die Platte auf. Unabhängig vom Film. Denn in ‚Köln 75‘ geht es nicht um das Konzert. Es geht um Vera Brandes.“
Und Vera Brandes ist nicht einfach nur ein Mädchen, das einmal ein Konzert organisierte und später Hausfrau wurde. Wer zu den wenigen Menschen gehört, die sich bei Schallplatten und CDs auch für das Kleingedruckte interessieren, und wer zu den noch weniger Menschen gehört, die sich dafür interessieren, wer Tourneen und Konzerte organisiert, las öfter den Namen Vera Brandes. Sie organisierte Konzerte von Oregon, Pork Pie, Dave Liebman und Gary Burton; alles legendäre Jazzmusiker und Jazzgruppen. Sie gründete die Labels CMP, VeraBra und Intuition und veröffentlichte über 350 Alben, unter anderem von Nucleus, Charlie Mariano, Theo Jörgensmann, Mikis Theodorakis, Barbara Thompson, Andreas Vollenweider und den Lounge Lizards.
Der am 8. Mai 1945 in Allentown, Pennsylvania (USA), geborene Keith Jarrett ist heute einer der bekanntesten und wichtigsten Jazzpianisten. Sein „Köln Concert“, von Eicher 1975 als Doppel-LP in der normal-spartanischen ECM-Ausstattung veröffentlicht, wurde zum Bestseller. Es ist die meistverkaufte Jazz-Soloplatte, die meistverkaufte Klavier-Soloplatte und Jarretts meistverkaufte und bekannteste Veröffentlichung. Es ist die Jazz-Platte, die auch Nicht-Jazzfans in ihrem Plattenschrank stehen haben.
Die Hintergründe des Konzerts waren lange unbekannt. Später wurde einiges darüber geschrieben, aber im Mittelpunkt der Rezeption der Aufnahme steht immer noch die Aufnahme und nicht die Umstände der Aufnahme. In Ido Fluks Film „Köln 75“ erfahren wir jetzt mehr über diese Umstände.
Fluks kurzweiliger und sehr stimmiger Rückblick in die Bundesrepublik Deutschland Mitte der siebziger Jahre ist eine Liebeserklärung an den Jazz als Musik und als Lebenshaltung und den jugendlichen Aufbruchsgeist, der ohne helfende Hände in mittleren Katastrophen enden kann. Denn ohne ihre Freunde und andere Helfer hätte Vera Brandes, die treibende Kraft bei der Organisation und der Werbung für das Konzert in der ausverkauften Oper, das Konzert nicht veranstalten können.
Und ohne Martin Wieland gäbe es keine Aufnahme von dem Konzert.
Köln 75 (Deutschland/Belgien/Polen 2025)
Regie: Ido Fluk
Drehbuch: Ido Fluk
mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Shirin Eissa, Enno Trebs, Leo Meier, Leon Blohm, Ulrich Tukur, Jördis Triebel, Susanne Wolff, Daniel Betts, Alexander Scheer
LV: Ernest Cline: Ready Player One, 2011 (Ready Player One)
2045: Der zwanzigjährige Wade lebt in Columbus, Ohio, im Armenviertel. Die meiste Zeit verbringt er allerdings, wie viele andere Menschen, in der virtuellen Welt der OASIS. Als OASIS-Erfinder James Halliday stirbt, beginnt die Jagd auf sein Erbe. Dafür müssen in der OASIS drei Aufgaben gelöst und ein Easter Egg gefunden werden. Der Gewinner erhält die Kontrolle über die OASIS und viel Geld.
Spielbergs äußerst kurzweiliger Science-Fiction-Abenteuerfilm ist, wie Ernest Clines erfolgreicher Roman, eine Liebeserklärung an die Pop-Kultur der achtziger Jahre, die Spielberg mit seinen Filmen und seiner Firma entscheidend prägte.