Eine Frau im violetten Kleid mit Revolver und Gewehr – allein schon das Bild zeigt, dass „Sweetwater“ kein gewöhnlicher Western ist. Denn diese Frau, gespielt von „Mad Men“-Betty-Draper January Jones, ist wahrlich keine Damsel in Distress. Mit ihrem Mann Miguel Ramirez betreibt Sarah in der Nähe von Sweetwater eine kleine Farm. Sie haben Probleme mit dem Geistlichen Josiah (Jason Isaacs), dessen Schafe bei ihren Spaziergängen durch die freie Natur immer wieder ihren Acker verwüsten. Außerderm gehört er einer, nun, sehr alttestamentarischen Interpretation der Heiligen Schrift an, die dazu führt, dass er schonungslos Leute umbringt. So auch zwei herumziehenden Strauchdiebe, die behaupten, mit dem Gouverneur von Santa Fé verwandt zu sein.
Kurz darauf taucht Sheriff Jackson (Ed Harris) in Sweetwater auf. Er sucht diese beiden spurlos verschwundenen Strauchdiebe, die die Wahrheit sagten – und mit seinem zwischen Provokation und Durchgeknalltheit schwankendem Verhalten, das gegenüber den Stadtvätern und dem Geistlichen jeden Respekt vermissen lässt, provoziert er die Einwohner von Sweetwater.
Als Josiah Miguel tötet, nimmt Sarah das Gesetz in ihre Hände – und dem Blutbad in Sweetwater steht nichts mehr im Weg.
Diese altbekannte Western-Geschichte von Rache und Vergeltung wird in Logan Millers Western „Sweetwater“ eher mitgeschleift, um einen herrlich schrägen, bitterbösen Western voller absurder Situationen, durchgeknallter Charaktere und prächtiger Postkartenaufnahmen zu präsentieren, der wie die unterkühlte Hollywood-Version von „El Topo“ wirkt.
Das ist definitiv kein Western für die breite Masse, aber in der richtigen Verfassung ist er wirklich spaßige Unterhaltung.
Das „Making of“ ist eine einzige, verzichtbare Ansammlung von Lobhuddeleien.
Sweetwater – Blut schreit nach Blut (Sweetwater, USA 2013)
Regie: Logan Miller
Drehbuch: Logan Miller, Noah Miller, Andrew McKenzie
mit January Jones, Ed Harris, Jason Isaacs, Eduardo Noriega, Jason Aldean
Die Verachtung (Frankreich/Italien 1963, R.: Jean-Luc Godard)
Drehbuch: Jean-Luc Godard
LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)
Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben ihm, seine Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.
Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.
mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard
Der deutsche Titel „Auge um Auge“ klingt alttestamentarisch martialisch, während der Originaltitel „Out of the furnace“, wie der Film, nachdenklicher ist. Denn auch wenn es in „Auge um Auge“ eine Rachegeschichte gibt, beginnt sie extrem spät, irgendwann nach der Filmmitte, und sie steuert dann so gradlinig auf diese letzte Konfrontation zwischen Russell Baze (Christian Bale) und Harlan DeGroat (Woody Harrelson) zu, dass offensichtlich ist, dass sie wirklich nicht im Zentrum des Interesses von Regisseur und Drehbuchautor Scott Cooper steht.
Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen den beiden gegensätzlichen, durch ihre Hölle gehenden Brüdern Russell und Rodney Baze Jr. (Casey Affleck), der als Soldat viermal im Irak war, jetzt seine Zeit in Wettbüros verbringt, dort meistens verliert, und sich mit illegalen Faustkämpfen Geld verdient, um seine Schulden zu bezahlen. Russell ist das vernünftige Gegenteil: er arbeitet in Braddock, Pennsylvania, wie schon sein Vater, im Stahlwerk, schiebt Doppelschichten und will mit der Kindergärtnerin Lena Taylor (Zoe Saldana) eine Familie gründen. Er ist vielleicht nicht wirklich zufrieden mit seinem Leben, aber er weiß, was er erreichen kann und eine Anstellung im Stahlwerk ist ja nicht das schlechteste. Er versucht auch seinen Bruder Rodney vor dem Hinterzimmer-Geldverleiher John Petty (Willem Dafoe) zu schützen.
Das gelingt ihm auch ziemlich gut, bis Rodney in den Wäldern von New Jersey kämpfen will. Dort soll um das wirklich große Geld gekämpft werden und er könnte mit einem Kampf schuldenfrei sein. Soweit die Theorie. Die Wirklichkeit endet mit seinem Tod und der besonnene Russell will den psychopathischen Gangsterboss Harlan DeGroat, der auch die Kämpfe veranstaltet, zur Rechenschaft ziehen.
Das ist wahrlich keine neue Geschichte, aber sie gewinnt durch den präzisen Blick auf das Milieu der kleinen Leute und ihrer Sorgen – auch wenn sie alle von Hollywood-Stars gespielt werden.
„Auge um Auge“ ist ein Noir, wie er von Daniel Woodrell geschrieben sein könnte, und es ist der Versuch, die filmische Version des großen amerikanischen Romans zu erzählen, mit Reminiszenzen an „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter, USA 1978), und der als Epos gerade keine Thriller-Spannung entfalten will. Deshalb gibt es in der ersten Hälfte auch einen längeren Gefängnisaufenthalt von Russell, der betrunken für einen Autounfall mit zwei Toten verantwortlich war. Nach dem Gefängnis hat Lena ihn verlassen, sein Vater ist gestorben, für die Beerdigung hat er keinen Freigang erhalten und natürlich wurde er als Stahlwerker entlassen. Die Stelle erhält er wieder.
Cooper erzählt trotz der Länge – und der für die Rachegeschichte verzichtbaren Gefängnisepisode, – oft elliptisch. So gibt es zwischen dem tödlichen Autounfall und Russells erstem Bild aus dem Gefängnis (das zuerst nur erkennbar an dem Schriftzug auf seiner Kleidung ist) keine verbindenden Szenen. Dass Russells Vater gestorben ist, erfahren wir auch auch erst, nachdem er nach seinem längeren Gefängnisaufenthalt (wie lange, erfahren wir nicht) das Grab besucht. In diesen Momenten hinterlässt Coopers elliptische Erzählweise das Gefühl, dass einige verbindende Szenen wenig elegant herausgeschnitten wurden, damit der Film nicht zu lang wird. Auch die Rolle von Forest Whitaker als Lenas neuer Freund und Ortssheriff ist für so einen bekannten und guten Schauspieler sehr klein ausgefallen.
Letztendlich hat „Auge um Auge“ vieles, was für ihn spricht, ohne wirklich hundertprozentig zu überzeugen, was auch an der extrem vorhersehbaren Geschichte, die eigentlich erst nach einer Stunde beginnt, liegt.
In der in seinem Blick auf die Schattenseite des amerikanischen Traums ähnlich düsteren Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“ beginnt die Hauptgeschichte viel früher und der Film ist auch viel kraftvoller als „Auge um Auge“. Aber Woodrell und Debra Granik, die den Roman verfilmte, wollten auch nur eine Geschichte erzählen, während Cooper eindeutig nach Höherem strebt.
Drehbuch: Mark Heyman, Andres Heinz, John McLaughlin
Eine junge Ballerina, die immer perfekt sein will, erhält die Chance ihres Lebens: sie soll den Weißen und den Schwarzen Schwan in dem Tschaikowski-Ballett „Schwanensee“ spielen. Für die Rolle des Schwarzen Schwans muss sie auch ihre eigene dunkle Seite erforschen und kann dabei immer weniger zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden.
Toller psychologischer Ballett-Horrorthriller, bei dem Spiegel und Spiegelungen in jeder Beziehungen und Szene wichtig sind. Der Einfluss von Roman Polanski ist unübersehbar. Besonders natürlich von seinen beiden Psycho-Horrorfilmen „Ekel“ (mit Catherine Deneuve) und, weniger deutlich, „Der Mieter“ (mit Roman Polanski).
Nachdem „The Wrestler“ ein Achtungserfolg beim Mainstream-Publikum (oder dem breiten Arthouse-Publikum war), gelang Independent-Liebling Darren Aronofsky mit dem Wereswan-Movie „Black Swan“ jetzt der große Durchbruch, wie erfreuliche Einspielergebnisse, ein begeistertes Publikum und ein Preisregen beweisen.
Am Ende von „Nymphomaniac – Teil 1“ hatte Joe (Stacy Martin) den Mann fürs Leben gefunden. Am Anfang des zweiten Teils ist sie glücklich mit Jerome (Shia LaBeouf) verheiratet. Sie haben ein gemeinsames Kind – und mit dem Sex läuft es bei der selbsternannten Nymphomanin nicht gut. Also probiert sie SM-Sex aus – und bringt dabei sogar ihr Kind in Gefahr. Nun, ja: sündiges Verhalten muss halt bestraft werden, aber gerade in diesen Szenen fällt auch von Triers verqueres Frauenbild auf. Denn die Frau als selbsternannte Sünderin will mit der Peitsche gezüchtigt werden.
Ungefähr in der Filmmitte beginnt sie für L (Willem Dafoe) als Geldeintreiberin zu arbeiten. Sie ist sehr talentiert, beginnt eine jüngere Frau in dem Gewerbe auszubilden. Joe verliebt sich in ihre Schülerin, aber ihr Lehrling hat es dann auch eher mit Männern, was dann auch dazu führt, dass Joe in der Gasse zusammengeschlagen wurde, in der Seligman sie am Anfang des Films fand.
Wie schon im ersten Teil wechselt Lars von Trier zwischen den tiefschürend abendländisch philosophischen Gesprächen zwischen Joe und Seligman und Joes Erzählungen aus ihrem Leben. Dabei spielt Charlotte Gainsbourg jetzt auch in den Rückblenden die inzwischen ältere Joe.
Ebenso wechselt von Trier, wie im ersten Teil, immer wieder den Stil. Er pendelt zwischen Sozialdrama, Arthouse-Kino und Blödeleien. Nur Seligmans tiefschürende Ausführungen zum Fliegenfischen, und wie Fliegenfischen und Sex miteinander zusammen hängen, fehlen. Dafür gibt es einen Auftritt von Udo Kier als Kellner und einen missglückten Sexversuch von Joe mit zwei Afroamerikanern, der als Comedy und als spektakuläres Bild, das fast überall abgedruckt wurde, grandios funktioniert.
Und so reihen sich auch im zweiten Teil die Szenen aneinander, aber während von Trier im ersten Teil noch einen erzählerischen Bogen spannte, lässt er ihn jetzt zugunsten verschiedener Episoden und einer abrupten Richtungsänderung in der Filmmitte links liegen. Sogar Joes große Lebensthese, dass sie als Nymphomanin die Strafe verdient habe, stimmt nicht mehr. Denn sie wurde eben nicht für ihre Sexsucht bestraft. Jedenfalls nicht direkt; indirekt über fünf Ecken, weil man halt irgendwann für seine Sünden bestraft wird.
Sowieso diente die gekünstelte Ausgangslage – Joe wird schwer verletzt von Seligman in einem Hinterhof entdeckt und sie erzählt ihm in einer quasi-therapeutischen Sitzung ihr Leben, weil sie ihm beweisen will, dass sie die Schläge verdient habe –, gekoppelt mit der Werbung, nur dazu, die Erwartungen des Publikums in Richtung Skandalfilm und Arthouse-Porno zu lenken. Beides ist „Nymphomaniac“ nicht. Eher schon ein liebevoll kuratierter YouTube-Abend.
Ich denke, Lars von Trier sitzt gerade in seinem Keller und lacht sich schlapp. Zuerst über die von ihm geweckten Erwartungen in Richtung „Porno“, jetzt über die Interpretationen, die aus dem eklektischen Wust von sich widersprechenden Erklärungen und Deutungsangeboten eine eindeutige künstlerische Botschaft herausdestillieren wollen und dafür versuchen, all die schönen Teile, Hinweise und Fährten zu einem kohärentem Gedankengebäude zusammen zu fügen.
Nymphomaniac – Teil 2 (Nymphomaniac – Volume 2, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Willem Dafoe, Michael Pas, Jean-Marc Barr, Udo Kier
Länge: 124 Minuten (Kinofassung)
FSK: ab 16 Jahre
–
Was für ein Bild: ein riesiger Zug rast durch eine schneebedeckte Landschaft. Aber es ist kein normaler Zug und auch kein normaler Schnee. Denn nach einem mißglückten Experiment gegen die Klimakatastrophe brach eine Eiszeit an, die alles Leben auf der Erde vernichtete. Bis auf die Passagiere des 650 Meter langen Zuges, der eine radikale Klassengesellschaft ist. Hinten im Zug sind die Armen, die vor sich hin vegetieren. Vorne die Reichen, die im dekadenten Reichtum leben. Und über allem thront Wilford, der mythische Erfinder der Maschine, die sie am Leben erhält.
Nachdem Mason, die keifende Vertreterin von Wilford, mal wieder die Armen besonders schäbig drangsalierte, entschließen Curtis und seine Getreuen sich zu einem verzweifelten Aufstand. Sie wollen sich durch den ganzen Zug nach vorne kämpfen.
„The Host“- und „Mother“-Regisseur Bong Joon-ho erzählt in seinem neuen Film, mit deutlich höherem Budget und einem Blick auf den internationalen Markt, mit eindrucksvollen Bildern diese kraftvolle Parabel eine Gesellschaft im rasenden Stillstand und den Überlebenswillen. Auch die Besetzung, mit „Captain America“ Chris Evans in der Hauptrolle und Jamie Bell, John Hurt, Ed Harris, Tilda Swinton und Octavia Spencer in weiteren wichtigen Rollen, hat eindeutig den internationalen Markt im Visier. Dennoch machte Bong Joon-ho bei seiner Inszenierung keine Kompromisse. Die klar gezeichneten Charaktere, die überhöhten Konflikte und, vor allem, die Gewaltdarstellungen sind in einer Drastik, die wir aus dem asiatischen Kino gewohnt sind.
Die einzelnen Wagons, durch die Curtis und seine Verbündeten sich kämpfen, geben oft satirisch überspitze Einblicke in die Klassengesellschaft. Curtis gelingt es sogar, sich bis zur Spitze des Zuges, in das Abteil von Wilford, zu kämpfen und er erlebt dort einige Überraschung.
Allerdings wird die unglaubwürdige Prämisse – dass nur einige Menschen in einem Zug überlebten, der sich seit Jahren um die ganze Welt bewegt – mit zunehmender Laufzeit immer unglaubwürdiger und der Kampf in seiner geraden Vorwärtsbewegung zunehmend unrealistischer. Denn ein Zug ist einfach nur ein langer schmaler Gang.
Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua)
Drehbuch: Michael C. Martin
Hochkarätig besetzter Ensemblefilm über drei Polizisten, die versuchen in Brooklyn ihren Weg zu gehen: der eine wartet nur noch auf seine Pensionierung, der andere will einen Undercover-Einsatz beenden und muss dafür einen Freund verraten, der dritte will Geld für seine Familie besorgen und geht dafür über Leichen.
Die Geschichten mögen etwas zu sehr die bekannten Cop-Film-Klischees bedienen, aber insgesamt ist „Brooklyn’s Finest“ ein sehenswerter, vor Ort gedrehter Cop-Film und damit auch eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft.
mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Will Patton, Lili Taylor, Ellen Barkin, Brían F. O’Byrne, Michael K. Williams, Lili Taylor
Wer etwas über die bewegte Vereinsgeschichte des 1. FC Union Berlin erfahren will, sollte sich wahrscheinlich den Wikipedia-Artikel oder eines der Bücher über den Fußballverein durchlesen.
Wer allerdings etwas über die Fans des Kultvereins will, der kann einen Blick auf die Dokumentation „Union fürs Leben“ werfen, die, wie es derzeit bei Dokumentationen üblich ist, auf einen Off-Kommentar verzichtet und daher einige wichtige Informationen im Presseheft versteckt. Frank Marten Pfeiffer und Rouven Rech porträtieren fünf Fans des Vereins und werfen einen kleinen Blick in die Vereinsgeschichte. Zu DDR-Zeiten war der Köpenicker Verein auch die Anlaufstelle für Underdogs und Systemgegner. Damals hieß es: „Nicht jeder Union-Fan ist ein Staatsfeind, aber jeder Staatsfeind ist ein Union-Fan.“ Aber diese Vergangenheit wird nur in einigen historischen Aufnahmen und den Erinnerungen der älteren Union-Fans angesprochen.
Im wesentlichen begleiten Pfeiffer und Rech fünf Fans des Vereins, die auch ein Bild der Stadt und der vielfältigen Fanstruktur geben. Immerhin ist Fußball eine der wenigen Fankulturen, die wirklich generationen- und schichtenübergreifend funktioniert. Es sind der 1990 geborene Christopher Quiring, der Nachwuchsspieler beim 1. FC Union Berlin ist und der vor einer Profikarriere steht. Gesundheitssenator Mario Czaja, der als CDUler seit zwanzig Jahren politisch aktiv ist und der auch wenn er von seiner Beziehung zum Verein erzählt, immer etwas steif wirkt. Überhaupt nicht steif ist Stefan Schützler, der am Ende der DDR vor einer Karriere als Grenzsoldat stand, normalerweise nicht über seine Vergangenheit spricht, und seit über zwanzig Jahren als Streetworker arbeitet. Einer seiner Schützlinge bei „Gangway“ ist Alexander Grambow, der aus einer zerrütteten Familie kommt und der jetzt versucht sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Der 1963 geborene, lebenslustige Schauspieler Chris Lapotta, der eine „Eiserne Karte“ besitzt, die als Dauerkarte bis an sein Lebensende gilt, und der seine Schauspiel-Engagements um die Spiele herum legt. Die drei letztgenannten und ihr Umfeld haben dabei die meiste Filmzeit.
Im Film wird auch immer wieder der Underdog-Mythos und der Kampfwille des Zweitliga-Vereins angesprochen. Denn „Ein Unioner stiegt nicht ab, ein Unioner wechselt nur die Liga!“. Dabei, so Lopatta, übertrage sich nicht der Kampfgeist der Spieler auf seine Fans, sondern seine Fans kämpften täglich für ihre Ziele und sie projezierten ihren Kampfgeist auf die Mannschaft, die deshalb auf dem Spielfeld so engagiert spiele. Eine interessante Beobachtung zum Verhältnis zwischen Fans und Spielern.
Dabei dürfte diese Beobachtung und auch vieles, was den Union-Fans bei ihrem Verein so gut gefällt und ihn aus ihrer Sicht einmalig macht, auch so ähnlich von Fans anderer Mannschaften gesagt werden.
„Union fürs Leben“ ist kein Film über Fußball, sondern über eine Handvoll Berliner, die auch Fußballfans sind.
Union fürs Leben(Deutschland 2014)
Regie: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech
Drehbuch: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech
mit Chris Lopatta, Mario Czaja, Christopher Quiring, Stefan Schützler, Alexander Grambow
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Film-Zeit über „Union fürs Leben“ Moviepilot über „Union fürs Leben“
Dreileben: Etwas Besseres als den Tod (D 2011, R.: Christian Petzold)
Drehbuch: Christian Petzold
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3sat, 22.55
Dreileben: Komm mir nicht nach (D 2011, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Markus Busch, Dominik Graf
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3sat, 00.25
Dreileben: Eine Minute Dunkel (D 2011, R.: Christoph Hochhäusler)
Drehbuch: Christoph Hochhäusler
Dominik Graf (59), Christian Petzold (50) und Christoph Hochhäusler (39) stritten sich über ihre filmischen Vorstellung und beschlossen, einfach anhand dreier eigener Filme, die sich aufeinander beziehen sollten, ihre verschiedenen Sichtweisen zu demonstrieren. Das klingt jetzt so richtig verkopft. Dabei dürfte es für uns Zuschauer ein richtiges Vergnügen sein. Denn nachdem die drei Regisseure die Prämisse formuliert hatten (ein Frauenmörder soll nach Dreileben, einem Ort im Thüringer Wald, geflüchtet sein), drehte jeder seinen eigenen Film, der mal mehr, mal weniger ein Krimi ist.
Die Geschichte von Noah dürfte bekannt sein: Noah hat eine Vision vom Weltuntergang – er baut eine Arche – die Flut kommt, die Tiere und die wenigen Menschen in der Arche überleben – nach der Sintflut ist die Welt gerettet.
Für einen abendfüllenden Film muss diese kurze Geschichte aus der Bibel natürlich etwas ausgebaut werden und Darren Aronofsky erschien da der perfekte Regisseur. Seine vorherigen Filme „Pi“, „Requiem for a Dream“, „The Fountain“ (okay, der war nicht gut), „The Wrestler“ und „Black Swan“ waren Kritikererfolge, die von einem zunehmend größeren Publikum gesehen wurden. Und dann war er in den vergangenen Jahren immer wieder im Gespräch für einen Big-Budget-Hollywoodfilm.
Nun, mit „Noah“ hat er jetzt diesen Big-Budget-Film gedreht, der gleichzeitig eine überlange Big-Budget-Katastrophe ist. Das beginnt schon mit den grottenschlechten 3D-Effekten und endet bei der vollkommen behämmerten Idee der „Wächter“, Aronofskys Interpretation der Nephelim genannten Riesen, die das Land Kanaan bevölkerten. Diese Steinmonster sehen wie die urzeitliche Version der Transformers aus; – wo ist Michael Bay, wenn man ihn braucht?
Die Geschichte selbst funktioniert vorne und hinten nicht, was auch daran liegt, dass der von Russell Crowe gespielte Protagonist Noah, je länger der Film dauert, immer mehr als durchgeknallter, religiöser Fanatiker, Diktator und Massenmörder erscheint, dessen Taten zunehmend irrational und wahnsinnig werden, bis hin zum geplanten Mord an einem Baby, während seine Familie stumm ausharrt und nichts, aber auch absolut nichts gegen ihn unternimmt.
Davor zimmert Noah, mit seiner Familie und den Steinmonstern, während Methusalem durch das Bild irrlichtert, friedlich und ungestört von anderen Menschen die Arche. Es wird zwar etwas vom sündigen Treiben der Menschen, das ja der Grund für die Sintflut ist, gesagt, aber nicht gezeigt. Wenn dann andere Menschen in großer Zahl auftauchen, ist es kurz vor der Sintflut und das Lager der Menschen wirkt auch eher wie ein leicht unorganisiertes Flüchtlingslager mit erhöhtem Alkoholkonsum als wie den Sündenpfuhl Sodom und Gomorrha. Kurz: es ist nicht ersichtlich, warum diese Menschen alle sterben sollen. Auch ihr Anführer Tubal-Kain (Ray Winstone) wirkt, obwohl er böse sein soll, sympathischer als Noah. Denn während Noah alle Menschen in den Tod schicken will, möchte Tubal-Kain die Menschen retten. Ein durchaus nachvollziehbares Motiv, vor allem wenn wir uns an das „Du sollst nicht töten“-Gebot erinnern.
In diesem Moment hätte Aronofsky Noahs Handeln nicht nur aufgrund einer vielleicht falsch interpretierten Vision, nach der er von Gott den Autrag erhalten hat, sondern auch rational und emotional nachvollziehbar machen müssen.
Es gelingt ihm nicht. Auch nicht in dem überlangen Ende, wenn nach der Sintflut noch einmal alles erklärt wird, obwohl die Geschichte doch vorbei ist.
„Noah“ ist in jeder Beziehung eine riesengroße, mit gut 140 Minuten viel zu lang geratene Enttäuschung, konventionell inszeniert, ohne Überraschungen und mit viel CGI.
Für den April empfehlen die Damen und Herren von KrimiZeit-Bestenliste, neben der Ostereiersuche, diese Kriminalromane:
1 (1) David Peace: GB84
2 (-) Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht
3 (5) Daniel Woodrell: In Almas Augen
4 (2) Jan Costin Wagner: Tage des letzten Schnees
5 (-) Sascha Arango: Die Wahrheit und andere Lügen
6 (-) Adam Sternbergh: Spademan
7 (-) Urban Waite: Wüste der Toten
8 (10) Karim Miské: Entfliehen kannst Du nie
9 (8) Uta-Maria Heim: Wem sonst als Dir.
10 (-) Mukoma wa Ngugi: Nairobi Heat
–
In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
MDR,, 23.35 Südwest nach Sonora (USA 1966, Regie: Sidney J. Furie)
Drehbuch: James Bridges, Roland Kibbee
LV: Robert McLeod: The Appaloosa, 1963
Mexiko, 1870: Matt will seinen ihm geklauten Appaloosa-Hengst zurückhaben. Doch das ist gar nicht so einfach.
Damals kam der Rache-Western mit seiner exaltierten Bildsprache gar nicht gut an.
Brando verhielt sich während der Dreharbeiten anscheinend unmöglich, aber später gefiel ihm der Film wegen seiner Bilder so gut, dass er wieder mit Furie zusammen arbeiten wollte. Furie verzichtete.
Der Western erhielt den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Western des Jahres.
„Südwest nach Sonora“ ist „partiell ein bemerkenswerter Film (…): Er spiegelt die Krise Hollywoods und die seines immer noch größten männlichen Stars, und er zeigt, wenn auch maniriert, die Suche Hollywoods nach einer neuen Ästhetik.“ (Bernhard Kiefer: The Appaloosa, in Marli Feldvoß/Marion Löhndorf u. a.: Marlon Brando)
Mit Marlon Brando, Anjanette Comer, John Saxon, Rafael Campos, Miriam Colon Hinweise Rotten Tomatoes über „Südwest nach Sonora“ TCM über „Südwest nach Sonora“
Wikipedia über „Südwest nach Sonora“ (deutsch, englisch) Meine Besprechung von Sidney J. Furies „Boomer – Überfall auf Hollywood“ (The Taking of Beverly Hills, USA 1991) Marlon Brando in der Kriminalakte
„Im Zeichen des Bösen“, „Rumble Fish“ und „King of New York“ sind schon lange, teil in verschiedenen Ausgaben erhältlich, die alle meist inhaltsgleich und nicht empfehlenswert sind. Bei „Rumble Fish“ gibt es kein Bonusmaterial. „Im Zeichen des Bösen“ nur im „Director’s Cut“ und ohne Bonusmaterial. „King of New York“ entweder in limitierten Sammlerausgaben oder ordentlich auf FSK-16 gekürzt. Kurz: für den Cineasten war keine der Ausgaben (und dabei habe ich noch nicht vom Bild und Ton gesprochen!) auch nur einen Cent wert.
Mit den neuen Ausgaben ist das anders.
Nachdem „Im Zeichen des Bösen“ bislang nur in einer nicht repräsentativen DVD-Ausgabe mit einem gruseligen Cover erhältlich war, wurde er jetzt in der „Masterpieces of Cinema“-Reihe von Koch Media in der von mir schon seit Ewigkeiten geforderten ordentlichen Ausgabe veröffentlicht. Denn von dem Noir-Klassiker gibt es mehrere Versionen, die alle sehenswert sind und die verwickelte Produktionsgeschichte dokumentieren. Im Kino lief 1958 eine Fassung, mit der Regisseur Orson Welles aufgrund der zahlreichen Kürzungen unzufrieden war. Schon in dieser Fassung wurde der Film zu einem Noir-Klassiker. 1976 lief eine neue Fassung (die normalerweise im TV läuft und mal „Langfassung“, mal „restaurierte Fassung“ genannt wird), die in Wirklichkeit die verschollen geglaubte Previewfassung von 1958 ist. 1998 entstand eine Fassung, die sich auf das 58-seitige Memorandum von Orson Welles zum Film stützt und die von ihm gewünschte Fassung soweit möglich herstellt. Dass es daher auch verschiedene Synchronfassungen gibt, dürfte klar sein.
Jetzt hat Koch Media alle Fassungen auf zwei Blu-rays gepackt und mit einer ordentlichen Portion Bonusmaterial ergänzt.
Die auf den beiben Blu-rays enthaltenen Fassungen sind die Director’s Cut Fassung, die auch restaurierte Fassung (Restored Cut) genannt wird, von 1998 im Bildformat 1,85:1 und 1,37:1 (110 Minuten), die Kinofassung von 1958 im Bildformat 1,85:1 und 1,37:1 (95 Minuten) und die Previewfassung von 1958 im Bildformat 1,85:1 (109 Minuten). Deutsche Synchronisation gibt es zu allen Fassungen.
Das Herzstück des Bonusmaterials sind dabei die Audiokommentare von Restaurierungsproduzent Rick Schmidlin (zum Director’s Cut), Charlton Heston, Janet Leigh und Rick Schmidlin (zum Director’s Cut), Filmkritiker F. X. Feeney (zur Kinofassung) und der Filmhistoriker James Naremore und Jonathan Rosenbaum (zur Previewfassung).
Diese Ausgabe entspricht der 50th Anniversary Edition von 2008, plus den deutschen Synchronisationen.
Für den Noir-Fan ist das Weihnachten, Ostern und Geburtstag am gleichen Tag.
Ach ja, der Plot: In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.
Im Zeichen des Bösen (Touch of Evil, USA 1958)
Regie: Orson Welles
Drehbuch: Orson Welles
LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)
Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver
– DVD
Koch Media (Masterpieces of Cinema
Bild: 1,85:1 (16:9), 1,37:1 (16:9)
Ton: Deutsch, English (DTS-HD Master Audio 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial/Inhalt: 5 verschiedene Filmfassungen, Originaltrailer, Audiokommentare, Featurettes, Bildergalerie
Länge: 110 Minuten (irgendwie; denn fünf Fassungen auf 2 Blu-rays)
FSK: ab 16 Jahre
–
Schon die ersten Minuten von „Rumble Fish“, einem SW-Jugenddrama, sind unglaublich. Denn aus heutiger Sicht sieht es wie ein Startreffen aus: Matt Dillon, Christopher Penn, Nicolas Cage, Laurence Fishburne, Tom Waits und Vincent Spano, der heute der Unbekannteste der Gruppe ist, unterhalten sich in einem Dinner.
In den nächsten Minuten wird es noch besser. Denn dann tauchen Diane Lane, Mickey Rourke und Dennis Hopper auf.
„Rumble Fish“ basiert, wie Francis Ford Coppolas vorheriger Film „Die Outsider“, auf einem Roman von S. E. Hinton une es ist der filmische Gegenentwurf dazu.
Rusty James (Matt Dillon) ist ein Halbstarker, ein leicht begriffstutziger Teenager, der seinen einige Jahre älteren und spurlos verschwundenen Bruder (Mickey Rourke) hemmungslos bewundert. Der Motorcycle Boy war der ungekrönte König des Viertels. Da taucht er wieder auf – und er hat zwar die legendäre Aura, die Rusty James ihm andichtet, aber in der Wirklichkeit ist er ein kaputter Typ.
Coppola nannte „Rumble Fish“ einen „Kunstfilm für Kinder“ und einen „existentiellen Beatnick-Film“, gedreht in SW mit einigen Farbsprengseln (immer dann, wenn die titelgebenden Kampffische ins Bild kommen) und einem Kunstwillen, der die Gegenthese zu seinem vorherigen Film „The Outsiders“ (teils mit den gleichen Schauspielern) ist. „The Outsiders“ war, nachdem Coppolas vorheriger Film „Einer mit Herz“ sich als Totaldesaster entpuppte, der kleine Film über zwei verfeindete Jugendgangs, der ihm den dringend benötigten Kassenerfolg bescheren sollte.
„Rumble Fish“ erzählt dagegen keine herkömmliche Geschichte. Es ist eine Abfolge von einprägsamen Szenen, ein Exzess filmischer Stilmittel, die eindeutig vom deutschen Expressionismus und dem Noir inspiriert sind, aber immer noch vollkommen zeitgenössisch sind.
Das liegt auch an der Golden-Globe-nominierten Musik von Stewart Copeland, damals noch Schlagzeuger bei „The Police“. Später schrieb er auch die Musik für die TV-Serie „The Equalizer“. Sein erster Filmsoundtrack klingt, knapp gesagt, wie „The Police“ ohne Gesang in einer experimentellen Phase. Mit den Bildern von Stephen H. Burum ist das grandioser als ein gelungener Drogentrip.
In der jetzt vorliegenden Fassung des Films gibt es zwei informative Featurettes, eine Bildergalerie, einen Audiokommentar von Francis Ford Coppola und fast zwanzig Minuten, schon in einem sehr frühen Stadium geschnittene Szenen, fast alle zwischen Matt Dillon und Vincent Spano, die „Rumble Fish“ zu einem konventionellerem Film gemacht hätten.
Rumble Fish (Rumble Fish, USA 1983)
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: S. E. Hinton, Francis Ford Coppola
LV: S. E. Hinton: Rumble Fish, 1975 (Kampffische – In den Slums einer amerikanischen Großstadt)
mit Matt Dillon, Mickey Rourke, Diane Lane, Dennis Hopper, Diana Scarwid, Vincent Spano, Nicolas Cage, Christopher Penn, Laurence Fishburne, William Smith, Tom Waits, Domino (eigentlich Sofia Coppola), S. E. Hinton
auch bekannt als „Rumblefish“ (irgendwie werden beide Schreibweisen benutzt)
– DVD
Koch Media (Masterpieces of Cinema)
Bild: 1.85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1/2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar mit Francis Ford Coppola, Making of, Featurette zur Musik, Geschnittene Szenen, Kinotrailer, Bildergalerie, 12-seitiges Booklet
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise Rotten Tomatoes über „Rumble Fish“ Metacritic über „Rumble Fish“
Auch bei „King of New York“ beeindruckt die Besetzung: Christopher Walken als titelgebender King of New York, Laurence Fishburne, David Caruso, Wesley Snipes und Steve Buscemi (alle drei noch am Anfang seiner Karriere) als Gangster und Polizisten; – soweit es da in einem Noir-Gangsterfilm Unterschiede gibt.
Der King of New York ist Frank White, der sich sofort nach seiner Haftentlassung mit allen Verbrechern von New York anlegt. Denn jetzt will er ganz nach oben und Skrupel sind ihm fremd. Dennoch hat er ein soziales Gewissen. Er will sein Geld in einem Kinderkrankenhaus investieren und so die Fehler der städtischen Sozialpolitik beheben. Denn Frank White möchte auch Bürgermeister von New York werden.
„King of New York“ ist ein kühl stilisiertes, ultra brutales Gangsterdrama, das bei seiner Premiere während des New York Film Festivals für schockierte Reaktionen sorgte und inzwischen ein Genreklassiker ist, den bei uns kaum jemand wirklich kennt. Denn bislang war er indiziert und daher nur in einer um acht Minuten gekürzten Fassung einfach erhältlich. Diese FSK-16-Fassung lief auch Mal im TV.
Mit „King of New York“ festigte Ferrara seinen Ruf, auch wenn die deutsche Kritik damals eher zwiegespalten war:
„Die Bilder von Ferraras Gansterballade sind beeinflußt von der Ästhetik des Werbeclips und der Eleganz der TV-Serie ‚Miami Vice‘ (…) Seine Darstellung urbaner Gewalt gerät denn auch an mancher Stelle zu ästhetisierend und droht zum Selbstzweck zu werden. Doch da ist dann immer Christopher Walken zur Stelle, in dessen Augenspiel sich die Tragik eines ganzen Gangsterlebens widerspiegelt.“ (Fischer Film Almanch 1991)
„Optisch brillanter, aber äußerst harter Gangsterfilm mit gesellschaftspessimistischem Grundton, dramaturgischen Mängeln und Tendenzen zu selbstzweckhafter Gewalt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Ferraras nächster Film war „Bad Lieutenant“ mit Harvey Keitel in der Hauptrolle. Mit dem Film wurde er auch in Deutschland bekannt und als ernstzunehmender Regisseur vom Fieuilleton wahrgenommen. Die neunziger Jahre waren dann Ferraras große Zeit.
Auf der DVD sind, als Bonusmaterial, ein gut halbstündiges Interview mit Abel Ferrara von 2012 und zwei Audiokommentare enthalten. Einer ist von Abel Ferrara, einer von Komponist Joe Delia, Produzentin Mary Kane, Casting Director Randy Sabusawa und Editor Anthony Redman. Außerdem gibt es ein gelungenes Cover.
King of New York(King of New York, USA 1989)
Regie: Abel Ferrara
Drehbuch: Nicholas St. John
mit Christopher Walken, David Caruso, Laurence Fishburne, Victor Argo, Wesley Snipes, Janet Julian, Giancarlo Esposito, Paul Calderon, Steve Buscemi, Theresa Randle
auch bekannt als „King of New York – König zwischen Tag und Nacht“
– DVD
Ascot Elite
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentare, Interview mit Abel Ferrara, UK Trailer, US Trailer, Teaser
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
– Hinweise Rotten Tomatoes über „King of New York“
Wer einmal amoklaufende Fanboys erleben will, muss sich bei Amazon die Kommentare zu „Escape Plan“, dem ersten wirklich gemeinsamen Film von Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone durchlesen. In den beiden „Expendables“-Filmen hatte Arnie ja nur Cameos. Das Problem für die Fanboys bei „Escape Plan“ ist dabei nicht die Story, sondern die deutsche Synchronstimme von Arnie. Denn, was bislang kein Problem war: Arnie und Sly haben den gleichen Synchronsprecher und jetzt hat der deutsche Verleih sich erdreistet, eine der beiden Hauptdarsteller des Films von einem anderen Sprecher synchronisieren zu lassen. Weltuntergang für die Fanboys.
Mir selbst ist es dagegen ziemlich egal, weil ich inzwischen die meisten Filme im Original sehe – und da haben die beiden Action-Recken dann eh eine andere Stimme. Und vielleicht deshalb störte mich – ich habe mir wegen der Fanboy-Stampede die deutsche Fassung angesehen – die deutsche Synchronisation absolut nicht.
Also, liebe Fanboys, seht euch die Originalfassung an – und die ganzen elitären Typen, die immer wieder sagen „Filme muss man im Original sehen, weil die deutschen Synchronisationen so schlecht sind“, sollten sich wenigstens einige dieser Amazon-Kritiken durchlesen, die zeigen, dass die deutschen Synchronisationen wohl doch nicht so schlecht sind.
Nach dieser langen Vorrede kommen wir jetzt endlich zum „Escape Plan“.
In dem Thriller spielt Sylvester Stallone Ray Breslin, der in Gefängnissen Sicherheitlücken aufspürt, indem er sich unter einer Tarnidentität inhaftieren lässt und aus den Hochsicherheitsgefängnissen ausbricht. Ein, wie ein Blick in den Firmensitz zeigt, einträgliches Geschäft.
Jetzt soll er die Lücken in einem geheimen Regierungsgefängnis, das nach seinen Ratschlägen gebaut wurde, aufspüren. Was er nicht weiß: er soll, aus ziemlich unbekannten Gründen, überhaupt nicht ausbrechen, sondern dort bis zu seinem Tod versteckt werden. Im gut gefüllten Gefängnis trifft er den Österreicher Rottmayer (Arnold Schwarzenegger), der mit ihm flüchten will.
„Escape Plan“ ist ein grundsolider Gefängnisthriller, prominent besetzt – Jim Caviezel spielt den hundsgemeinen Gefängnisdirektor, Sam Neill einen Arzt, Vincent D’Onofrio Breslins Geschäftspartner, Curtis ’50 Cent‘ Jackson und Amy Ryan Kollegen von Breslin, Faran Tahir einen Insassen und Vinnie Jones den Oberaufseher – mit einer interessanten, futuristischen Gefängnisarchitektur und einem angenehm verwickeltem Plot, inclusive einer gelungenen Überraschung am Ende.
Schade ist, dass die eigentlichen Ausbrüche von Breslin mehr mit Überraschungen spielen und so nur eine oberflächliche Spannung entwickeln. Da sind die vorherigen Planungen und das Katz-und-Maus-Spiel mit dem aasigen Gefängnisdirektor und seinen weitgehend gesichtslosen Wärtern im Geheimgefängnis deutlich spannender. Denn hier müssen die beiden Muskelprotze ihre kleinen grauen Zellen arbeiten lassen, beobachten und täuschen.
Die beiden Actionhelden der achtziger Jahre hätten für ihren ersten gemeinsamen Film wahrlich ein schlechteres Drehbuch finden können. Sowieso macht Arnold Schwarzenegger bei seiner derzeitigen Last-Farewell-Tour, nach seiner politikbestimmten Auszeit und bevor er altersbedingt als Action-Held in Rente geht, ein erfreulich gutes Bild. In „Escape Plan“ kann er sogar schauspielerisch punkten.
Das Bonusmaterial
Mit einem kurzweiligen Audiokommentar von Regisseur Mikael Håfström und Drehbuchautor Miles Chapman und über einer Stunde an Featurettes ist es erfreulich umfangreich und informativ ausgefallen. Es gibt ein zwanzigminütiges „Making of“, das einen guten Einblick in die Dreharbeiten gibt. Ergänzend erzählen die beiden Hauptdarsteller in „Zwei Legenden treffen aufeinander“ von den Dreharbeiten und geben einen kleinen Rückblick auf ihre Karriere. Die gut neun Minuten an „Entfallenen Szenen“ sind nett, aber es ist auch sofort verständlich, warum sie am Ende geschnitten wurden. Sie hätten den Film einfach nur verlangsamt.
Die zwanzigminütige Kurzdoku „Maximale Sicherheit: Die echten Gräber“ gibt einen Einblick in die US-amerikanischen Hochsicherheitsgefängnisse und an ein, zwei Punkten wird auch gesagt, wo der Film sich künstlerische Freiheiten nahm.
Insgesamt ist das ein gut geschnürtes Bonusmaterial-Paket, bei dem eindeutig die Information an erster Stelle steht.
Escape Plan (Escape Plan, USA 2013)
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Miles Chapman, Arnell Jesko (Pseudonym von Jason Keller) (nach einer Geschichte von Miles Chapman)
mit Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jim Caviezel, Faran Tahir, Amy Ryan, Sam Neill, Vincent D’Onofrio, Vinnie Jones, Matt Gerald, Curtis ’50 Cent‘ Jackson, Caitriona Balfe
– DVD Concorde Home Entertainment
Bild: 2,40:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Mikael Håfström und Drehbuchautor Miles Chapman, Making of: Der Plan entsteht, Maximale Sicherheit: Die echten Gräber, Zwei Legenden treffen aufeinander, Entfallen Szenen, Kinotrailer
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Englische Homepage zum Film Deutsche Homepage zum Film Film-Zeit über „Escape Plan“ Moviepilot über „Escape Plan“ Metacritic über „Escape Plan“ Rotten Tomatoes über „Escape Plan“
Wikipedia über „Escape Plan“ (deutsch, englisch)
RBB, 22.45 Der junge Törless(Deutschland/Frankreich 1966, Regie: Volker Schlöndorff)
Drehbuch: Volker Schlöndorff (nach einer Adaption von Herbert Asmodi)
LV: Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törless, 1906
Österreich, am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts: Törless wird von seinen Eltern auf ein Internat geschickt. Dort beobachtet er, wie ein Mitschüler gequält wird. Was soll er tun?
Schlöndorffs Debütfilm, der schon viele seiner späteren Themen ansprach, und ein mit Preisen ausgezeichneter, kassenträchtiger Klassiker des Jungen Deutschen Films ist.
mit Mathieu Carrière, Bernd Tischer, Marian Seidowsky, Alfred Dietz, Barbara Steele, Herbert Asmodi Hinweise Filmportal über „Der junge Törless“ Rotten Tomatoes über „Der junge Törless“
Wikipedia über „Der junge Törless“ (deutsch, englisch)
Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow
Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.
Auch diese Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf war ein Höhepunkt des TV-Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.
„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)
Arte, 21.00 Bram Stoker’s Dracula (USA 1992, Regie: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: James V. Hart
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
Francis Ford Coppolas Interpretation der bekannten Geschichte von Graf Dracula. Nicht schlecht und allein schon wegen der Besetzung einen Blick wert.
mit Gary Oldman, Winona Ryder, Anthony Hopkins, Keanu Reeves, Richard E. Grant, Cary Elwes, Bill Campbell, Sadie Frost, Tom Waits, Monica Bellucci Wiederholung: Donnerstag, 3. April, 23.10 Uhr Hinweise Rotten Tomatos über „Bram Stoker’s Dracula“
Wikipedia über „Bram Stoker’s Dracula“ (deutsch, englisch)