Die Abenteurer (Frankreich 1967, R.: Robert Enrico)
Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri
LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960
Roland (Lino Ventura) und Manu (Alain Delon) wollen zusammen mit ihrer Freundin Laetitia (Joanna Shimkus) vor der afrikanischen Küste einen Goldschatz heben. Aber sie sind nicht die einzigen Glücksjäger.
Die Besetzung macht neugierig. Wann gab es zuletzt einen Film mit einer solchen Stardichte? Kate Winslet, Hugh Jackman, Uma Thurman, Gerard Butler, Halle Berry, Richard Gere, Emma Stone, Johnny Knoxville, Chloe Moretz, Liev Schreiber, Elizabeth Banks, Kristen Bell, Chris Pratt, Terence Howard sind dabei. Und viele andere.
Allerdings ist „Movie 43“ nicht von einem Regisseur, sondern von 12 Regisseuren inszeniert und solche Episodenfilme sind immer ein gemischtes Vergnügen. Es gibt immer wieder brillante Episoden, aber meistens sind die Kurzfilme nicht weiter interessant und in den Filmographien der Regisseure erhalten sie oft noch nicht einmal den Status eines Nebenwerkes. Die meisten Episodenfilme sind auch schneller vergessen, als sie den Kinosaal verlassen.
Und wenn man weiß, dass der, hm, kreative Kopf hinter „Movie 43“ Peter Farelly ist, der auch mehrere Episoden drehte, dann kann man sich schon denken, in welche Richtung es geht. Immerhin inszenierte Farelly „Dumm und Dümmer“, „Verrückt nach Mary“, „Schwer verliebt“ und zuletzt „Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab“.
Als Rahmenhandlung dachte Farelly sich die Geschichte von drei Jungs aus, die im Internet nach dem gefährlichen, entsprechend geheimen und schwer auffindbarem Film „Movie 43“ suchen (In der US-Fassung ist diese Rahmenhandlung durch den Pitch eines durchgeknallten Drehbuchautors in einem Hollywoodstudio ersetzt worden). Dabei entdecken die drei vor- und pubertierenden Jungs verschiedene Kurzfilme, die lose aneinandergereiht werden. Einige der Sketche sind gelungener, aber oft ist die Pointe schwach und der Humor zielt zuverlässig unter die Gürtellinie. Letztendlich reiht sich eine Zote an die nächste, man lacht durchaus manchmal über die absurden Einfälle, langweilt sich aber die meiste Zeit. Vor allem weil die guten „Gags“ am Anfang sind: wenn Kate Winslet Hugh Jackman zum Abendessen trifft und feststellen muss, dass er seinen Hodensack unter dem Kinn hat (das ist so absurd, dass es schon wieder witzig ist. Obwohl Loriot nur eine Nudel für eine ähnlich peinliche Situation benötigte) oder wenn Liev Schreiber und Naomi Watts stolz ihren neuen Vorstadtnachbarn erzählen, dass sie ihren Sohn zu Hause erziehen und ihm selbstverständlich keine der Peinlichkeiten des Teenagerlebens ersparen. Beide Sketche haben nach dem gelungenen Set-Up allerdings keine oder nur eine sehr schwache Pointe.
Die weiteren Zoten plätschern dann, abgesehen von der Besetzung, auf dem bekannten witzlosen TV-Comedy-Niveau, das wir aus dem deutschen Privat-TV kennen, vor sich hin.
Movie 43 (Movie 43, USA 2013)
Regie: Steven Brill, Peter Farrelly, Will Graham, Steve Carr, Griffin Dunne, James Duffy, Jonathan Van Tulleken, Elizabeth Banks, Patrik Forsberg, Brett Ratner, Rusty Cundieff, James Gunn
Drehbuch: Will Carlough, Tobias Carlson, Jacob Fleisher, Patrick Forsberg, Will Graham, James Gunn, Claes Kjellström, Jack Kukoda, Bill O’Malley, Matthew Portenoy, Greg Pritikin, Rocky Russo, Olle Sarri, Elizabeth Shapiro, Jeremy Sosenko, Jonathan Van Tulleken, Jonas Wittenmark
Darsteller (ungefähr in der Reihe ihres Auftretens): Kate Winslet, Hugh Jackman, Liev Schreiber, Naomi Watts, Jeremy Allen White, Chris Pratt, Anna Faris, J. B. Smoove, Emma Stone, Kieran Culkin, Jason Sudeikis, Justin Long, Leslie Bibb, Uma Thurman, Kristen Bell, Bobby Cannavale, John Hodgman, Halle Berry, Stephen Merchant, Nicole Polizzi, Gerard Butler, Johnny Knoxville, Seann William Scott, Richard Gere, Kate Bosworth, Jack McBrayer, Aasif Mandvi, Chloe Grace Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Patrick Warburton, Jimmy Bennett, Elizabeth Banks, Josh Duhamel, Terrence Howard
LV: Robert L. Pike (Pseudonym von Robert L. Fish): The mute witness, 1963 (später “Bulitt”)
Lieutenant Bullitt soll einen Mafia-Kronzeugen bewachen. Als dieser umgebracht wird, beginnt Bullitt die Täter zu suchen.
In die Filmgeschichte ging Bullitt wegen seiner zwanzigminütigen Autoverfolgungsjagd durch San Francisco ein (andere Quellen nennen elf oder zwölf Minuten; jedenfalls für damalige Verhältnisse: verdammt lang). An der Kinokasse war der Film besonders wegen der Besetzung erfolgreich: Steve McQueen und Jacqueline Bisset. – Inzwischen hat „Bullitt“ mächtig Patina angesetzt: die Story ist wirklich simpelst, die Kamera von einer unerträglichen Glätte und, seitdem eine Autoverfolgungsjagd zum Inventar eines Polizeifilms (und selbstverständlich eines Action-Films) gehört, ist die „Bullitt“-Verfolgung auch nicht mehr so sensationell.
Das Drehbuch von Alan Trustman und Harry Kleiner erhielt einen Edgar als bestes Spielfilmdrehbuch.
Im Anschluss zeigt Arte um 22.05 Uhr die spielfilmlange Doku „Steve McQueen – Leidenschaftlich cool!“ (USA 2005, Regie: Mimi Freedman).
Mit Steve McQueen, Robert Vaughn, Jacqueline Bisset, Don Gordon, Robert Duvall, Simon Oakland
In den Siebzigern versuchte Dustin Hoffman sich schon einmal als Regisseur. Der damalige Versuch, „Stunde der Bewährung“ (Straight Time, USA 1978, nach einem Roman von Edward Bunker), wurde von ihm schon während der Dreharbeiten abgebrochen. Ulu Grosbard übernahm die Regie und es entstand ein teilweise packendes, noirisches Krimidrama, das kaum jemand kennt. Der nächste Versuch, „Tootsie“ (USA 1982), wurde noch vor dem Beginn der Dreharbeiten abgebrochen. Sidney Pollack übernahm die Regie. Die Dreharbeiten waren wohl sehr anstrengend. Der Film war ein Erfolg und Dustin Hoffman wurde für den Oscar nominiert.
Danach wollte er sich zwar ein weiteres Mal als Regisseur versuchen, aber er hatte, nach diesen Erfahrungen und weil er als Zauderer und Perfektionist bekannt ist, Angst vor einem weiteren Versuch.
Jetzt überzeugten ihn seine Frau Lisa und sein Agent mit sanfter Gewalt, so Hoffman in einem Porträt von Christoph Amend (Zeit Magazin), die Regie bei „Quartett“ zu übernehmen und er besiegte seine Angst mit dieser herzigen Geschichte über ein Altersheim, in dem Musiker ihre letzten Lebenstage verbringen. Sie machen Hausmusik, pflegen ihre Zipperlein und Cedric Livingstone (Michael Gambon) bereitet die alljährliche Gala zu Verdis Geburtstag, die auch die weitere Existenz der Seniorenresidenz „Beecham House“ sichern soll, vor. Unter den vielen Musikern schälen sich schnell Reggie (Tom Courtenay), der immer für einen anzüglichen Spruch bereite Wilf (Billy Connolly) und die hilfsbereite, an Demenz im Anfangsstadium leidende Cissy (Pauline Collins) als zentrale Charaktere der luftigen Geschichte heraus.
Durch die Ankunft der berühmten Sopranistin Jean Horton (Maggie Smith), die nie wieder singen will, wird der Alltagstrott von „Beecham House“ gestört. Die Diva war vor vielen Jahren kurz mit Reggie verheiratet. Seitdem wechselten sie kein Wort mehr miteinander und vermieden es, in der gleichen Stadt zu leben.
In der mondänen Residenz und der beschaulichen englischen Landschaft kommen sie sich allerdings wieder näher und, weil „Beecham House“ kurz vor der Pleite steht, könnte ein gemeinsamer Auftritt von Reggie, Wilf, Cissy und Jean, die vor Jahrzehnten, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, mit einer Aufnahme von Verdis Oper „Rigoletto“, insbesondere dem Quartett „Bella figlia dell‘ amore“, in die Musikgeschichte eingingen, auf der alljährlichen Verdi-Gala für ein volles Haus und einen entsprechenden Geldsegen sorgen. Also versuchen Cissy, Wilf und Reggie Jean von einem gemeinsamen Auftritt zu überzeugen.
Dustin Hoffmans Regiedebüt ist gediegenes Schauspielerkino, das mit pointierten Dialogen und Weisheiten kurzweilig unterhält. Geliefert werden die Pointen von einem hochkarätigen Ensemble, das aus vielen, in jeder Beziehung spielfreudigen Sängern, Musikern und Theaterschauspielern, deren Karrierehöhepunkte im Filmabspann genannt werden, besteht. Sie zeigen, dass Alter vielleicht nichts für Feiglinge und Weicheier ist, aber es ist auch nichts für Meckerfritzen, Spielverderber und Schwarzseher. Denn man kann immer noch etwas Sinnvolles tun.
Und man verlässt nach diesem kurzweiligen und sehr britischem Potpourri das Kino mit einem Lächeln, einem guten Gefühl und dem festen Vorsatz, die Oper zu besuchen. Denn die ist, wie Reggie einer Schulklasse erklärte, gar nicht so steif wie man glaubt und die Sänger drücken ihre Gefühlen, wie HipHopper, mit ihrem Gesang aus.
Quartett (Quartet, UK 2012)
Regie: Dustin Hoffman
Drehbuch: Ronald Harwood
LV: Ronald Harwood: Quartet, 1999 (Theaterstück)
mit Maggie Smith, Tom Courtenay, Billy Connolly, Pauline Collins, Michael Gambon, Gwyneth Jones, Sheridan Smith, Andrew Sachs
Wenn Sie nach dem Trailer jetzt einen packenden Gerichtsthriller, vielleicht mit etwas Medien- und Kapitalismuskritik erwarten, dann werden sie mit „Flight“ wenig anfangen können. Denn Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft, Forrest Gump, Cast Away) erzählt nach einem Drehbuch von John Gatins (Coach Carter, Real Steel) die Geschichte von Whip Whitaker (Denzel Washington), der als Flugzeugkapitän zwar eine fluguntaugliche, vollbesetzte Maschine so landen kann, dass nur sechs der einhundertzwei Passagiere und Crewmitglieder sterben. Er wird zum Held des Tages. Dummerweise hatte er bei dem Flug auch immense Mengen Drogen im Blut. Wie fast immer. Denn Whip ist Alkoholiker – und die Filmgeschichte dreht sich um sein Leben: seine Versuche mit der drogensüchtigen Nicole Maggen (Kelly Reilly), die er nach dem Flugzeugabsturz im Krankenhaus kennen lernt, von seiner Sucht loszukommen, seinen Rückfällen und seiner Selbstgerechtigkeit.
Das wird dann, durchgehend gut gespielt (wobei Denzel Washington etwas zu sehr auf den Oscar schielt), handwerklich sauber, vor allem an Ende ordentlich schmalzig und kein Alkoholikerklischee auslassend (aber immerhin mit einigen Auftritten von John Goodman als Whips lässiger Drogenhändler mit dudehafter Lebowski-Attitüde), nach den bewährten dramaturgischen Regeln auf gut hundertvierzig Minuten ausgewalzt.
Nur hätte man dieses Alkoholikerdrama auch ohne den Flugzeugabsturz erzählen können. Denn über diese spektakuläre Aktion, die im Zentrum der Werbung für den Film steht und von einem ähnlichen Vorfall inspiriert ist, und wie der Absturz danach von den zuständigen Stellen aufgearbeitet wird, wie Whip zu einem Spielball unterschiedlicher Interessen, die im Film weitgehend diffus bleiben, wird, hätte man gerne mehr erfahren. Aber diese Probleme lösen sich, dank des Geschicks von Strafverteidiger Hugh Lang (Don Cheadle, gut wie immer, aber mit zu wenig Filmzeit), schnell in Luft auf und Whip könnte am Ende von der Öffentlichkeit weiterhin als nicht-geläuterter Held gefeiert werden.
Aber eben jenes Gerichtsdrama wird nicht erzählt.
Stattdessen gibt es ein überlanges Alkoholikerdrama, das, um nur einen Film zu nennen, im Schatten von Billy Wilders mit vier Oscars ausgezeichnetem, vierzig Minuten kürzerem Alkoholikerdrama „Das verlorene Wochenende“ (The lost Weekend, USA 1945) steht.
Flight (Flight, USA 2012)
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: John Gatins
mit Denzel Washington, Don Cheadle, Kelly Reilly, John Goodman, Bruce Greenwood, Melissa Leo, Brian Geraghty, Tamara Tunie, James Badge Dale
LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)
Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.
Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.
Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle
Vielleicht gibt es irgendwann eine längere Fassung, die alle Probleme von Steven Spielbergs Biopic „Lincoln“ beseitigt. Vielleicht hilft die Einleitung, die es jetzt außerhalb der USA für den Film geben soll. Oder man wirft vor dem Kinobesuch einen Blick in die einschlägigen Geschichtsbücher oder, wenn es schnell gehen soll, liest bei Wikipedia vor allem die Einträge zu Abraham Lincoln, Bürgerkrieg und dem 13. Verfassungszusatz durch. Dann weiß man schon in groben Zügen, was in dem Biopic über die letzten vier Monate im Leben von Abraham Lincoln, unter besonderer Berücksichtigung des Januar 1865, geschah und hat vielleicht einen anderen Blick auf dieses hochkarätig besetzte und schon jetzt mit Nominierungen überschüttete Werk.
Aber bis dahin kann ich nur über die Version von „Lincoln“ sprechen, die ich – gottseidank – in der deutschen Fassung gesehen haben. Denn sonst wäre ich wahrscheinlich, vollkommen verwirrt von den vielen Politikern, die mir nichts sagten, ihren endlosen Diskussion über verschiedene Parteigrenzen hinweg (Republikaner? Demokraten? Konföderierte? Abolitionisten? Whatthefuck?) über ein anscheinend superwichtiges Gesetz von dem ich noch nie gehört habe, und Abraham Lincolns (Daniel Day-Lewis) problematischer Beziehung zu seiner Frau Mary Todd (Sally Field) und seinem Sohn Robert (Joseph Gordon-Levitt), der unbedingt in den Krieg ziehen möchte, schnell sanft entschlummert. Es dauert jedenfalls sehr lange, bis deutlich wird, dass „Lincoln“ erzählen möchte, wie es in der Endphase des Bürgerkriegs dem US-Präsidenten, auch indem er die Verfassung dehnte und vielleicht sogar überschritt (jedenfalls sagt Lincoln das einmal, aber ob das so ist, kann ich nicht beurteilen), innerhalb eines Monats gelang, während der er auch alle Bemühungen für einen Friedensschluss zwischen den Nord- und Südstaaten blockierte, eine Mehrheit für die Abstimmung im Kongress am 31. Januar 1865 beschaffen zu lassen für jenen 13. Zusatzartikel zur Verfassung, der die Sklaverei abschaffte.
Und einiges von der Hinterzimmerpolitik ist dann auch durchaus interessant. Aber in den über 145 Sprechrollen gehen auch potentiell interessante Charaktere und ihre Probleme unter. So ist Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones), der als mächtiger Abgeordneter für die Abschaffung der Sklaverei streitet, eine interessante Figur, die aber in dem Film zu wenig Raum bekommt. Oder die von Lincolns Außenminister William Henry Seward (David Strathairn) engagierten drei Problemlöser (John Hawkes, James Spader, Tim Blake Nelson), die mit Geld und Posten Wackelkandidaten überzeugen sollen. Selbstverständlich darf es zwischen ihnen und Lincoln keine Verbindung geben. Oder die vielen Abgeordneten, die für die notwendige verfassungsändernde Mehrheit überzeugt werden sollen, entgegen ihrer Überzeugung und der Parteilinie abzustimmen. Das wären echte Konflikte, die einen, wie in „Schindlers Liste“, in die Geschichte involviert hätten.
Aber nein. Für diese Charaktere und ihre Konflikte ist keine Zeit vorhanden, weil Abraham Lincoln als Märchenonkel wieder einmal eine Geschichte erzählen darf und wir verbringen dann viel zu viel Zeit mit der uninteressantesten Figur des gesamten Films. Denn Lincoln will nur die Sklaverei endgültig abschaffen, zweifelt nie daran, lässt andere Leute die Arbeit erledigen und sogar bei der Abstimmung ist er nicht dabei. Er sitzt im Weißen Haus und wartet auf das Ergebnis, während wir zusehen, wie irgendwelche Männer dem Verfassungszusatz zustimmen oder ihn ablehnen.
Das will dramatisch sein, aber gerade im Vergleich mit „Hannah Arendt“ (Sehbefehl!) ist „Lincoln“ nur bieder-staubiges, humorlos-ernsthaftes, kammerspielartiges Schulfernsehen, das an seiner Bedeutungsschwere erstickt und einen ohne historisches Hintergrundwissen gelangweilt-ratlos zurück lässt.
Lincoln (Lincoln, USA 2012)
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Tony Kushner
LV: Doris Kearns Goodwin: Team of Rivals: The political Genius of Abraham Lincoln, 2005
mit Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Strathairn, Tommy Lee Jones, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, John Hawkes, Jackie Earle Haley, Bruce McGill, Tim Blake Nelson , Jared Harris, Gloria Reuben, Walton Goggins , David Oyelowo, Lukas Haas, Gregory Itzin, S. Epatha Merkerson
Die einfache Story des Neo-Noirs: Ein Polizist will einen Fluchtwagenfahrer schnappen. Dabei scheut er auch nicht vor illegalen Methoden zurück.
„The Driver is the ultimate urban thriller.“ (Philip French, Radio Times)
Hill lässt seine existenzialistische Geschichte hauptsächlich im nächtlichen Los Angeles spielen, die Charaktere haben keine Namen, reden wenig und die Action-Szenen (natürlich vor allem in zu schnell fahrenden Autos) beanspruchen einen großen Teil von Walter Hills zweitem Film. Nach „Driver“, „Die Warriors“, „Long Riders“ und „Die letzten Amerikaner“ wurde er als wichtigster Action-Regisseur der achtziger Jahre gehandelt. Und dann kam „Nur 48 Stunden“.
1984 drehte Tim Burton, als Angestellter bei Disney, den Kurzfilm „Frankenweenie“ mit Schauspielern, wie Shelley Duvall, und Tricksequenzen. Er wollte wohl schon damals einen Spielfilm drehen, bekam aber nur das Geld für einen Kurzfilm, der als Vorfilm von „Pinocchio“ (USA 1940) gezeigt werden sollte und der letztendlich zu düster für das typische, kindliche Disney-Publikum war.
Damit endete seine Karriere bei Disney und nach dem tollen Gesellenstück „Frankenweenie“, das schon alle Zutaten für einen typischen Tim-Burton-Film enthält, drehte er „Pee-Wees irre Abenteuer“, eine kommerziell erfolgreiche Fingerübung, und Filme wie „Beetlejuice“ und „Edward mit den Scherenhänden“, die heute als typische Tim-Burton-Filme bekannt sind und viele Ideen von „Frankenweenie“ in Farbe fortführten.
Jetzt durfte er, mit Geld von Disney, eine spielfilmlange Version von „Frankenweenie“ drehen, die die damalige Geschichte mit mehreren Charakteren und Subplots und detaillierteren Szenen ausführlicher erzählt. Er drehte wieder in Schwarz-Weiß, was aber die Farbigkeit des Films erhöht und die als eine wichtige Inspirationsquelle dienenden Universal-Horrorfilmklassiker aus den dreißiger und vierziger Jahren sind ja auch SW-Filme. Aber dieses Mal inszenierte er „Frankenweenie“ als Stop-Motion-Film, wie „The Nightmare before Christmas“ und „Tim Burton’s Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ (ebenfalls nach einem Drehbuch von John August), die ja zu seinen besten Filmen gehören, und, er drehte in 3D, was gerade in Verbindung mit Schwarz-Weiß und Stop-Motion, das Filmerlebnis intensiviert und dem Film wirklich eine zusätzliche Dimension verleiht.
Wer den Original-“Frankenweenie“ kennt, kennt die Geschichte des neuen „Frankenweenie“. Und wer James Whales Horrorfilmklassiker „Frankenstein“ (USA 1931) und „Frankensteins Braut“ (Bride of Frankenstein, USA 1935) kennt, wird die Geschichte und über die Hälfte der filmischen Referenzen leicht erkennen. Für die anderen hilft ein Blick auf entsprechende Monsterfilme und in Burtons Werk.
Jedenfalls verliert in beiden „Frankenweenie“-Filmen der junge Victor Frankenstein, ein begeisterter Hobbyfilmer und Bastler, seinen Hund Sparky und, nach einem Tipp von seinem Lehrer, dass mit Elektrizität Tote reanimiert werden können (okay, es ist nur ein durch Stromschläge zuckendes Froschbein, aber die Forscherneugier ist geweckt und, Hey, was erwarten wir von einem Frankenstein?), beginnt Frankenstein auf dem Dachboden mit seinem Experiment. Während eines Gewitters kann er Sparky wiederbeleben und der Trouble beginnt. Denn Sparky, der in jeder Beziehung ausläuft, bleibt nicht auf dem Dachboden, sondern erkundet die Gegend und wird von den Vorstadt-Bewohnern, die ihn für ein Monster halten, gesehen. Und das Ende ist, wie schon in James Whales „Frankenstein“, in einer brennenden Mühle.
Aber weil Tim Burton für sein „Frankenweenie“-Remake über eine Stunde mehr Zeit hat, kann er noch eine Liebesgeschichte zwischen Sparky und der im Nachbarhaus wohnenden Pudeldame Persephone (siehe „Frankensteins Braut“), etliche von Frankensteins Schulkameraden, wie Edgar „E“ Gore, die von seinem Experiment erfahren und ebenfalls tote Tiere zum Leben erwecken wollen (allerdings bei ihnen mit fatalen Folgen), Elsa van Helsing, der nebenan wohnenden Schulkameradin und Herrin von Persephone, und den Bürgermeister von New Holland, der auch passenderweise Mr. Burgemeister heißt und der als Nachbar der Frankensteins peinlich genau auf die Ordnung und Sauberkeit in dieser typisch US-amerikanischen Vorstadt New Holland achtet, einführen. Und über den Lehrer, der Frankenstein zu seinem Experiment mit der Wiederbelebung von Sparky verleitet, erfahren wir mehr. Dieser aus Osteuropa kommendem Wissenschaftslehrer Mr. Rzykruski (im Original von Martin Landau gesprochen und auch deutlich nach ihm modelliert) ist ein von der Naturwissenschaft überzeugter Mann, der seine Schüler zu rationalen, neugierigen und weltoffenen Menschen erziehen will, aber an den kleinbürgerlich-engstirnigen New-Holland-Bewohnern, die alles Neue ablehnen, scheitert.
Das ist ein großer Spaß, bei dem Tim-Burton-Fans viele Reminiszenzen an seine älteren Werke entdecken können, Filmfans in Erinnerungen schwelgen dürfen und Jüngere den Film als Sprungbrett für eigene Filmerkundungen nutzen sollten.
Außerdem gehört „Frankenweenie“, zu Tim Burtons besten Filmen und ist in jeder Sekunde tausendmal lebendiger als sein letzter Film „Dark Shadows“, der wie ein geschlurfter Gang durch ein Wachsfigurenkabinett wirkte.
„Burton kehrt (…) auf wunderbare Weise zu seinen Wurzeln zurück. FRANKENWEENIE sprüht vor witzigen Ideen und raffinierten Anspielungen auf Klassiker des Horrorfilms. Wie immer bei Burton sind die Figuren liebenswerte Außenseiter, die abseits der auf Einheit gebürsteten Gesellschaft stehen, und die der Zuschauer ganz schnell ins Herz schließt. Hochverdient besiegen am Ende doch Mut und Fantasie die konservative und brave Masse, für die Burton immer wieder kleine kreative Seitenhiebe übrig hat. In modernster Stop-Motion-Technik hergestellt, ist die Liebe zum Detail und die mühevolle Handarbeit der Künstler spürbar. Dazu kommt noch die berührende Musik von Burton Haus-Komponist Danny Elfman. Kein Film für ganz junge Zuschauer, doch für die Älteren ein zauberhaftes und unterhaltsames Animationsvergnügen.“ (Begründung der FBW)
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Der Original-„Frankenweenie“ und, als Vorfilm, Tim Burtons „Vincent“, erzählt von Vincent Price:
In der ersten Staffel der italienischen Krimiserie „Romanzo Criminale“ verfolgten wir atemlos den Aufstieg einer Bande Kleinkrimineller zu den Königen von Rom. Am Ende der in den siebziger Jahren spielenden Geschichte wurde der Libanese, so etwas wie ihr unausgesprochener Chef der gleichberechtigten und daher ihre Entscheidungen kollektiv treffenden Bandenmitglieder, am 13. September 1980 auf offener Straße erschossen.
Die zweite und letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ schließt sich unmittelbar an die erste an. Freddo (Vinicio Marchioni), Dandi (Alessandro Roja), Scrocchia (Riccardo De Filippis) und Bufalo (Andrea Sartoretti), die überlebenden Köpfe der Bande, wollen herausfinden, wer Libano (Francesco Montanari) erschoss. Außerdem müssen sie die kriminellen Geschäfte weiterführen und ihre internen Konflikte lösen. Es geht also, nachdem in der ersten Staffel über elf packende Stunden eine Geschichte vom Aufstieg erzählt wurde, die sich letztendlich auf einen charismatischen Charakter konzentrierte, um die Verteidigung des Erreichten. Es geht um Stellungskämpfe, Freundschaft, Vertrauen, Misstrauen, Verrat und wechselnde Bündnisse. Insofern fehlt der zweiten, aus zehn etwa fünfzigminütigen Episoden bestehenden, Staffel die rohe Kraft der ersten Staffel. Es fehlt auch das alles einigende Kraftzentrum der ersten Staffel. Stattdessen stehen jetzt mehrere, gleichberechtigte Charaktere und ihre Versuche, ihr Verbrecherimperium zu erhalten und zu konsolidieren, im Mittelpunkt der Geschichte, die zwischen 1980, dem Tod des Libanesen, und 1989, dem Fall der Mauer und dem endgültigen Ende der Bande, nachdem sie bereits vier Jahre vorher in einem Megaprozess teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, spielt.
Dabei zeigen sich nach dem Mord an dem Libanesen in der ursprünglichen Blutsbrüderschaft der aus ärmlichen Verhältnissen kommenden Verbrecher immer mehr Brüche. Bufalo will unbedingt den Libanesen rächen und landet nach einem unbedachten Feuergefecht auf offener Straße im Gefängnis. Er hält Dandi, der ihm bei dem Schusswechsel nicht half, für einen Feigling und Verräter, den er unbedingt töten will. Dandi zögert zwar, Menschen zu töten, aber er zögert nicht, ein Angebot der Mafia anzunehmen. Er versucht sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen, indem er die Prostituierte Patrizia (Daniela Virgilio) heiratet und auch mit dem Vatikan Geschäfte macht.
Und Freddo versucht weiterhin die Bande zusammen zu halten und das Erbe von Libano zu bewahren. Dass er dabei Donatella (Giovanna Di Rauso) immer mehr vertraut und ihr wichtige Aufträge gibt, wird von den anderen Bandenmitgliedern nur widerwillig akzeptiert. Donatella ist dabei eine schillernde Figur mit fabelhaften Verbindungen, aber unklaren Loyalitäten.
Auf der anderen Seite des Gesetzes werden sie immer noch von Commissario Scialoja (Marco Bocci), der sich ebenfalls in Patrizia verliebt hat, verfolgt. In der letzten Episode der grandiosen Serie erhält er ein überraschendes Angebot.
Während die erste Staffel von „Romanzo Criminale“ knapp gesagt „Scarface“ war, ist die zweite Staffel „Es war einmal in Amerika“, mit einer ordentlichen Portion „Der Pate“ – und wenn man am Ende, nachdem die Loyalitäten und Freundschaften der einzelnen Charaktere immer wieder auf die Probe gestellt wurden, erlebt, wie eine Jugendfreundschaft endgültig verraten wird, dann echot das Ende von „Es war einmal in Amerika“ durch den Film.
Nachdem das Ende der ersten Staffel die alte Botschaft „Verbrechen lohnt sich nicht“ verkündete und das Mitleid mit dem Libanesen, der zunehmend herrischer, sprunghafter und drogensüchtig wurde, sich in Grenzen hielt, fragt die zweite Staffel, wie wichtig Freundschaft ist und wie sehr sie sich unter veränderten Bedingungen immer wieder anpassen muss. Weil man mit Freddo, Dandi, Scrocchia, Scialoja, Patrizia und sogar dem schon am Anfang der zweiten Staffel unberechenbarem, später zunehmend verrückt werdendem Bufalo mitfiebert, ist deshalb das Ende der zweiten Staffel von „Romanzo Criminale“, das auch einen Bogen zur allerersten Szene von „Romanzo Criminale – Staffel 1“ schlägt, viel deprimierender und düsterer als das Ende der ersten Staffel.
Und wenn man die ganze grandiose Serie ansieht (was man unbedingt tun sollte), erlebt man eine mitreisende, auf Tatsachen basierende Saga vom Aufstieg und Ende der römischen Magliana-Verbrecherbande, die als Vorbild für die Serie diente, und ihrer Verbindungen zur Mafia, Camorra und dem italienischen Staat, der sich immer wieder schützend vor sie stellte.
Romanzo Criminale – Staffel 2 (Romanzo Criminale, Italien 2010)
Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Valenti, Paolo Marchesini, Giancarlo De Cataldo
LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)
mit Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi, Giovanna Di Rauso, Francesco Montanari (in Rückblenden und als Geist)
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DVD
Edel
Bild: 19:9 (PAL)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Als Axel (Johnny Depp) aus New York in seine alte Heimat, eine Kleinstadt in Arizona, zurückkehrt, um bei der Hochzeit seines Onkels (Jerry Lewis) Trauzeuge zu sein, lernt er die Flugzeugbastlerin Elaine (Faye Dunaway) und deren Tochter Grace (Lili Taylor) kennen und ein ausgeflippt-schräg-surrealistischer Reigen beginnt.
„‚Arizona Dream‘ ist ein ausgeflippter Film voller hinterlistiger Fallen und origineller Finten.“ (Fischer Film Almanach 1994) – und ein großer, herziger Spaß
mit Johnny Depp, Jerre Lewis, Faye Dunaway, Lili Taylor, Vincent Gallo
Michael Winner (30. Oktober 1935, London, England – 21. Januar 2013, London, England)
Ein Kritikerliebling war Michael Winner nie, aber das Publikum liebte ihn. Vor allem in den siebziger Jahren, als er mit Charles Bronson „Chatos Land“ (1972), „Kalter Hauch“ (The Mechanic, 1972), „Ein Mann geht über Leichen“ (The Stone Killer, 1971) und „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish, 1974) drehte. Erst acht Jahre später, als seine Filmkarriere ins Stocken geriet, folgten mit „Der Mann ohne Gnade – Death Wish II“ (1982) und „Death Wish III – Die Rächer von New York“ (1985) direkte Fortsetzungen des Selbstjustiz-Klassikers, der damals für Kontroversen sorgte, inzwischen ein Klassiker ist und die Blaupause für unzählige ähnlich gelagerte Filme war.
Marlon Brando (Das Loch in der Tür [The Nightcomers, 1971]), Burt Lancaster (Lawman, 1971; Scorpio, der Killer, 1973), Alain Delon (Scorpio, der Killer, 1973), Robert Mitchum, James Stewart und Edward Fox (Tote schlafen besser [The Big Sleep, 1978); eine missglückte Raymond-Chandler-Verfilmung), James Coburn, Eli Wallach und Sophia Loren (Firepower, 1979) und Faye Dunaway (Die verruchte Lady [The Wicked Lady, 1983) spielten ebenfalls in seinen Filmen mit.
Sein letzter Film war 1998 „Parting Shots“, der bei uns nur noch eine Videopremiere erlebte.
In den letzten Jahren war Winner in England vor allem als Restaurantkritiker für die „Sunday Times“ und Lebemann bekannt.
Michael Winner starb nach langer Krankheit am Montag in seiner Wohnung in Kensington. Seine Frau Geraldine, die er vor zwei Jahren, nachdem sie schon fünfzig Jahre zusammen waren, sagte: „Michael was a wonderful man, brilliant, funny and generous. A light has gone out in my life.“
Das Osterman-Weekend (USA 1983, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Alan Sharp, Ian Masters
LV: Robert Ludlum: The Osterman-Weekend, 1972 (Das Osterman-Wochende)
Der CIA nimmt an, dass die Freunde von Journalist John Tanner KGB-Spione sind. Mit Tanners Hilfe verwanzen sie für ein Wochenende sein ganzes Haus. Ab da geht alles schief. Seine Freunde wollen ihre Geheimnisse schützen, Tanner will die Wahrheit wissen und CIA-Agent Fassett spielt ein ganz eigenes Spiel.
Peckinpahs letzter Film ist ein kühler Spionagethriller, ein Verwirrspiel (deshalb kann der Film immer wieder angesehen werden. Nach einem Jahr haben Sie die konfuse Handlung schon wieder vergessen.) und eine Studie über den Verfall von Freundschaft und Vertrauen. “Das Osterman-Weekend” ist einer der schwachen Peckinpah-Filme mit einer deprimierenden Aussage.
Ulrich von Berg schrieb in “Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood” (1987): “The Osterman Weekend ist von der ersten bis zur letzten Einstellung ein monströses Vexierspiel, in dem jeder jeden täuscht und betrügt. Keine der Figuren ist zur Identifikation tauglich, alle sind nichts als abhängige Marionetten….Die Menschen in diesem Film sind flach und eindimensional, keiner von ihnen macht eine innere Entwicklung durch, ihre Handlungsmotive sind ohne Ausnahme von Eigennutz bestimmt (Macht, Rache, Prestige, materielle Vorteile). Peckinpah interessiert sich für keinen einzigen von ihnen besonders – und das ist gut angesichts des abstrusen Drehbuchs – sondern allein für das alles Vertrauen zerfressende und alle zwischenmenschliche Beziehungen infiltrierende Geflecht aus Intrigen und Gegenintrigen. Die Atmosphäre von Hilflosigkeit und Abhängigkeit ist wichtig, nicht die Plausibilität des Plots…In Peckinpahs letztem Film unterliegen sie (die eigenen vier Wände, AdV) der totalen Kontrolle eines offensichtlich wahnsinnigen CIA-Agenten. Die stoischen Einzelgänger, die sich in allen seinen anderen Filmen gegen Reglementierung und Anpassung zur Wehr setzen, gib es hier nicht mehr. Das Bild, das Peckinpah in The Osterman Weekend von Amerika entwarf, ist die konsequente Weiterentwicklung der düsteren Zukunftsvision seiner Western, das Versprechen einer freien Gesellschaft wird als Lüge entlarvt. Ein Arrangement mit dieser Gesellschaft ist den höchst unterschiedlichen Männern in Peckinpahs zeitgenössischen Filmen unmöglich”.
Mit Rutger Hauer, John Hurt, Craig T. Nelson, Dennis Hopper, Burt Lancaster, Chris Sarandon, Meg Fosters, Helen Shaver
Raylan Givens ist ein Charakter von Elmore Leonard, der in den beiden in Florida spielenden Romanen „Jede Wette“ (Pronto, 1993) und „Volles Risiko“ (Riding the Rap, 1995) und der Novelle „Fire in the Hole“ (2001) auftrat.
Raylan Givens ist der Held der grandiosen US-Krimiserie „Justified“, die in den USA demnächst in die vierte Staffel geht, während bei uns im Herbst bei Kabel 1 die zweite Staffel so wenige Zuschauer hatte, dass die zweite Staffel zwar vollständig, aber in Doppelfolgen, ausgestrahlt wurde.
„Raylan“ heißt der neue Roman von Elmore Leonard, in dem U. S. Marshal Raylan Givens in Harlan County, Kentucky, Bösewichter jagt. Dabei liest sich „Raylan“ weniger wie ein Roman, sondern wie drei Episoden für „Justified“: eine sehr gelungene Einzelepisode und eine sehr locker miteinander verknüpfte, durchwachsene Doppelfolge. Leonard selbst sagt in Interviews, er habe „Raylan“ geschrieben, um den Machern der TV-Serie einige Ideen zu liefern, aus denen sie dann machen könnten, was sie wollten. Die echten „Justified“-Fans werden auch einige Verbindungen zwischen Leonards Roman und der Serie entdecken.
Dass man beim Lesen immer das „Justified“-Ensemble und die Optik der TV-Serie vor seinem geistigen Auge hat, ist kein Nachteil. Immerhin treten etliche aus der TV-Serie bekannte Charaktere auf und Raylan Givens muss sich mit mehr oder weniger sympathischen weiblichen Bösewichtern herumschlagen. Es sind eine Krankenschwester, die mit dem Herausoperieren von Nieren außerhalb des OP-Raums und ohne Einverständnis des Spenders ein lukratives, aber auch sehr illegales Geschäftsmodell entdeckte (das ist die erste und auch beste Geschichte); eine Vertreterin einer Minenfirma, die auch mal gerne eine Pistole in die Hand nimmt und jemanden erschießt; und eine Pokerspielerin mit den falschen Freunden.
Elmore Leonard sorgt also für viel Spaß in Harlan County und Raylan Givens, der, nicht nur wegen seines Hutes, wie ein Überbleibsel aus dem Wilden Westen wirkt, darf auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. Wenn Worte nicht helfen. Denn zuerst redet er.
„Raylan“ ist ein oft skizzenhafter, episodenhafter Roman von Elmore Leonard, der nach der ersten Geschichte auch etwas vor sich hin plätschert. Aber nach dem enttäuschenden „Road Dogs“ und dem komplett vermurksten „Djibouti“ ist „Raylan“ wieder ein Elmore-Leonard-Werk, das eben jene Elemente hat, für die ihn seine Fans lieben: eindrucksvolle Charaktere und grandiose Dialoge. Dass dabei der Plot, mal wieder, vernachlässigt wird, ist für langjährige Elmore-Leonard-Fans keine Neuigkeit.
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Haue noch einen Nachtrag ran: Für November ist mit „Blue Dreams“ ein neuer Roman von Elmore Leonard angekündigt.
Und frage mich, wo die deutsche DVD-Ausgabe der zweiten Staffel von „Justified“ bleibt. Immerhin liefen die Folgen schon vor einigen Wochen im TV.
Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz
LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)
Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.
Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.
Charles Cumming unterhält sich mit Schauspieler Dominic West („The Wire“, „300“, „John Carter“), der auch einige Ausschnitt aus dem Roman vorliest, über „Die Trinity-Verschwörung“ (The Trinity Six, 2011) und „The Wire“:
Außerdem gibt Charles Cumming einige Hintergrundinformationen zum historischen Hintergrund und seinen Roman
Im Rahmen der „Langen Filmnacht: Alain Delon“ gibt es davor „Rette deine Haut, Killer“ (um 22.15 Uhr) und danach „Der Anwalt“ (um 02.00 Uhr), aber der beste Film der Filmnacht ist
RBB, 23.45
Vier im roten Kreis (F 1970, R.: Jean-Pierre Melville)
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.
Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.
Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino
mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet