TV-Tipp für den 10. Januar: Rosa Luxemburg

Januar 9, 2019

RBB, 23.30

Rosa Luxemburg (Deutschland 1986)

Regie: Margarethe von Trotta

Drehbuch: Margarethe von Trotta

Äußerst sehenswertes Biopic über Rosa Luxemburg.

Margarethe von Trotta „geht es nicht um eine dokumentarische Rekonstruktion zeitgeschichtlicher Fakten, sondern um das persönliche Porträt einer Frau, bei der Haltungen im Privatleben und in politischen Aktionen nahtlos übereinstimmten. (…) Mit ihrem Film hat Margarethe von Trotta eine historische Figur ins politische Tagesgespräch gebracht, innerparteiliche Empfindsamkeiten bloßgelegt und heftige Diskussionen provoziert, die auch beabsichtigt sind.“ (Fischer Film Almanach 1987)

mit Barbara Sukowa, Daniel Olbrychski, Otto Sander, Adelheit Arndt, Jürgen Holtz, Hannes Jaenicke, Karin Baal, Winfried Glatzeder

Wiederholungen

Dienstag, 15. Januar, 3sat, 22.25 Uhr

Dienstag, 15. Januar, MDR, 23.45 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Rosa Luxemburg“

Moviepilot über „Rosa Luxemburg“

Rotten Tomatoes über „Rosa Luxemburg“

Wikipedia über „Rosa Luxemburg“ (deutsch, englisch) und Rosa Luxemburg

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas “Hannah Arendt” (Deutschland 2012; DVD-Besprechung)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas „Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Deutschland 2018)


Privatdetektive: Hap Collins und Leonard Pine sind „Bissige Biester“ – und „Die Storys“ gibt es auch noch

Januar 9, 2019

Inzwischen arbeiten Hap Collins und sein Freund Leonard Pine mehr oder weniger regelmäßig und zuverlässig als Privatdetektive. Ihre Methoden haben sie dagegen kaum geändert. Eigentlich ist es nur eine Methode: kopflos in eine gefährliche Situation hineinstürzen, Chaos verursachen, die Situation verschlimmern und am Ende doch irgendwie lebendig das Abenteuer überstehen. Dabei erfreuen sie uns mit ihren Weisheiten über Gott und die Welt.

Die beiden Freunde könnten kaum gegensätzlicher sein. Hap Collins ist weiß, hetero und Peacenick. Ein desillusionierter Hippie. Leonard Pine ist schwarz, schwul, Republikaner und Vietnamveteran. Großmäulig sind beide und sie haben keine Abneigung gegen Gewalt. Wobei Hap, der Erzähler der Geschichten, da etwas skrupulöser ist. Oh, und beide sind Texaner. Also, genaugenommen Osttexaner.

Ihr erstes Abenteuer erlebten sie 1990 in „Wilder Winter“ (Savage Season). Thematisch ging es – sehr gelungen! – um die Auswirkungen von 1968 und was aus den damaligen revolutionären Idealen wurde. In schneller Folge schrieb Joe R. Lansdale weitere Collins/Pine-Romane, in denen die beiden immer wieder in Kriminalfälle hineinstolperten und die Gewaltspirale immer eskalierte. Nach sechs sehr vergnüglich-rauhbeinigen Abenteuern gab es ab 2001 eine mehrjährige Pause, die Lansdale 2009 mit „Das Dixie-Desaster“ (Vanilla Ride) beendete. 2011 erschien „Roter Drache“ (Devil Red). Seit 2016 erschienen insgesamt fünf neue Bücher mit Hap Collins und Leonard Pine, in denen sie älter, aber nicht viel klüger sind. Sie sind auch nicht viel älter. Denn nach dem sechsten Roman, „Machos und Macheten“ (Captain Outrageous, 2001) lässt Lansdale sie nicht mehr altern.

In ihrem neuen Abenteuer „Bissige Biester“ bittet Louise Elton sie herauszufinden, warum die Cops ihren Sohn Jamar ermordeten. Weil Leonard gerade unterwegs ist, beginnt Hap zunächst allein mit den Ermittlungen im Schwarzenviertel von Camp Rapture. Das sorgt für einige erwartbare Konfrontationen. Zunächst mit der lokalen jugendlichen Bevölkerung, später mit der Polizei.

Zusammen finden sie dann heraus, dass in einem stillgelegtem Sägewerk illegale Boxkämpfe durchgeführt werden, wenigstens einige Polizisten darin involviert sind und Jamar ihnen hinterherschnüffelte.

Gerade am Anfang plätschert die Geschichte vor sich hin. Lansdale, oder der Ich-Erzähler Hap Collins, erzählt mehr aus dem Alltag von Hap und seinen Unterhaltungen mit Leonard über Gott und die Welt. Das ist teils amüsant, oft eher zotig und bringt die Handlung nicht voran. Es wirkt sogar, als fülle Lansdale einfach Seiten mit Blödeleien, bis dann am Ende alles rasend schnell aufgeklärt wird.

Bissige Biester“ ist wahrlich nicht das beste Abenteuer von Hap und Leonard. Es ist eher eine auf Romanlänge aufgeblähte Kurzgeschichte.

Fast zeitgleich erschien „Die Storys“. Der Sammelband enthält alle bislang erschienenen Kurzgeschichten mit Hap Collins und Leonard Pine und zwei Texte, in denen Joe R. Lansdale weitere Details über die beiden, ähem, Ermittler verrät. Enthalten sind:

Hyänen (Hyenas, 2011)

Veils Besuch (Veil’s Visit, 1999)

Mordsgutes Chili (Death by Chili, 1999)

Todsicher (Dead aim, 2013)

Der Junge, der unsichtbar wurde (The Boy who became invisible, 2009)

Keiner von uns (Not our kind, 2016, Erstveröffentlichung in diesem Band)

Gebogener Zweig (Bent Twig, 2014)

Joe R. Lansdale interviewt Hap Collins und Leonard Pine (Joe R. Lansdale interviews Hap Collins and Leonard Pine, 1999)

Wie ich Hap und Leonard hegte und pflegte, fütterte und großzog (The Care and Feeding and Raising Up of Hap and Leonard, 2016)

Für alte Collins/Pine-Fans ist „Die Storys“ natürlich essentiell. Endlich sind alle kürzeren Texte über die beiden in einem Buch gesammelt. Dabei sind auch Geschichten, die bislang nur schwer erhältlich waren. Auf Deutsch wurde, wenn ich nichts übersehe, noch keine Geschichte veröffentlicht.

Für Neueinsteiger ist „Die Storys“ dagegen eine zwiespältige Angelegenheit. So gibt es mit „Hyänen“ eine grandiose Kurzgeschichte, die als längste Geschichte des Buches alles hat, was man von einem Collins/Pine-Abenteuer erwartet und die die ideale Einstiegsdroge ist.

Todsicher“ ist die zweite lange Geschichte des Sammelbands. In ihr sollen die beiden Privatdetektive eine Frau vor ihrem zukünftigen Exmann, der sie belästigt, beschützen. In „Gebogener Zweig“ hilft Hap seiner Freundin Brett. Ihre Tochter Tillie ist verschwunden. „Veils Besuch“, geschrieben mit Andrew Vachss, ist ebenfalls sehr gelungen. Weil Leonard wegen vorsätzlicher Brandstiftung an einem Crackhaus im Gefängnis sitzt, hilft ihm der aus New York kommende Anwalt Veil mit einer sehr abenteuerlichen Verteidigungsstrategie. Das ist ein urkomischer Lesespaß, aber keine typische Collins/Pine-Geschichte. „Mordsgutes Chili“ ist letztendlich nur ein Gespräch zwischen den beiden über einen rätselhaften, vor Jahren geschehenen Todesfall, bei dem unklar ist, ob es ein Mord oder ein Suizid war. „Der Junge, der unsichtbar wurde“ und „Keiner von uns“ erzählen Geschichten aus Hap Collins‘ Jugend. Es sind eindrückliche Geschichten über den alltäglichen Rassismus in Texas und wie Gewalt entsteht.

In den letzten beiden Texten erzählt Joe R. Lansdale über Hap Collins, Leonard Pine, ihre Welt, wie sie sich in den vergangenen Jahren veränderten und die Romane. Sie sind, wie die kürzeren Kurzgeschichten, primär Texte für die Fans von Hap Collins und Leonard Pine, die noch mehr über ihre Lieblinge erfahren wollen.

P. S.: „Zu viele Knarren sind was anderes als zu viele Gitarren.“ (Hap Collins)

Joe R. Lansdale: Bissige Biester

(übersetzt von Robert Schekulin)

Golkonda, 2018

272 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Rusty Puppy

Mulholland Books, 2017

Joe R. Lansdale: Hap & Leonard – Die Storys

(übersetzt von Robert Schekulin)

Golkonda, 2018

280 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Hap and Leonard

Tachyon Publications, 2016

Die Abenteuer von Hap Collins und Leonard Pine

Wilder Winter (Savage Season, 1990)

Texas Blues; Mucho Mojo (Mucho Mojo, 1994)

Mambo mit zwei Bären; Bärenblues (The Two-Bear Mambo, 1995)

Schlechtes Chili (Bad Chili, 1997)

Rumble Tumble (Rumble Tumble, 1998)

Machos und Macheten (Captain Outrageous, 2001)

Das Dixie-Desaster (Vanilla Ride, 2009)

Roter Drache (Devil Red, 2011)

Krasse Killer (Honky Tonk Samurai, 2016)

Hap & Leonard – Die Storys (Hap and Leonard, 2016)

Bissige Biester (Rusty Puppy, 2017)

Blood and Lemonade, 2017 (Kurzgeschichten, die einen Roman ergeben; bei Golkonda geplant für Frühjahr 2019)

Jackrabbit Smile (2018 bei Golkonda geplant für Herbst 2019)

The Elephant of Surprise (angekündigt für März 2019)

Hinweise

Thrilling Detective über Hap Collins & Leonard Pine

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Mein Interview mit Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Mucho Mojo“ (ursprünglich „Texas Blues“) (Mucho Mojo, 1994)


TV-Tipp für den 9. Januar: Schindlers Liste

Januar 9, 2019

Ein Klassiker, der demnächst in einer restaurierten Fassung wieder im Kino gezeigt wird

Kabel 1, 20.15

Schindlers Liste (Schindler’s List, USA 1993)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Thomas Keneally: Schindler’s Ark, 1982 (später Schindler’s List) (Schindlers Liste)

Holocaustdrama über den deutschen Industriellen Oskar Schindler, der in Polen über 1100 Juden vor den Vernichtungslagern rettete, indem er sie als Zwangsarbeiter rekrutierte und dabei alles riskierte.

in jeder Hinsicht bemerkenswert und legt eine künstlerische Strenge und ein unsentimentales Verständnis an den Tag, das es von allen bisherigen Filmen des Regisseurs abhebt. (…) Trotz seiner Länge von über drei Stunden bewegt sich der Film schnell voran und ist keine Minute zu lang für die Geschichte, die er erzählt, und die Menge von Informationen, die er vermittelt.“ (Todd McCarthy, Variety)

Universal Pictures International Germany bringt den Klassiker am 27. Januar 2019, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, in technisch überarbeiteter Version (4K, Dolby Cinema und Atmos) einmalig wieder in die deutschen Kinos.

Steven Spielberg dazu: „Es ist schwer zu glauben, dass es 25 Jahre her ist, seit Schindlers Liste in die Kinos kam. Die wahren Geschichten über das Ausmaß und die Tragödie des Holocaust dürfen nie vergessen werden, und die Lehren des Films über die entscheidende Bedeutung der Bekämpfung des Hasses hallen auch heute noch nach. Ich fühle mich geehrt, dass das Publikum die Reise noch einmal auf der großen Leinwand erleben kann.“

mit Liam Neeson, Ben Kingsley, Ralph Fiennes, Caroline Goodall, Jonathan Sagalle, Embeth Davidtz

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Schindlers Liste“

Wikipedia über „Schindlers Liste“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Cover der Woche

Januar 9, 2019


TV-Tipp für den 8. Januar: Mein Ein, mein Alles

Januar 8, 2019

3sat, 22.25

Mein Ein, mein Alles (Mon Roi, Frankreich 2015)

Regie: Maïwenn

Drehbuch: Maïwenn, Etienne Comar

Nach einem Skiunfall bilanziert Tony (Emmanuelle Bercot) in einer Reha-Klinik ihre jahrelange, äußerst stürmische Beziehung zu Georgio (Vincent Cassel).

TV-Premiere der feinfühligen Charakterstudie über eine extrem schwierige Beziehung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel, Isild Le Besco, Chrystèle Saint-Louis Augustin, Patrick Raynal

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mein Ein, mein Alles“

Metacritic über „Mein Ein, mein Alles“

Rotten Tomatoes über „Mein Ein, mein Alles“

Wikipedia über „Mein Ein, mein Alles“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Maïwenns „Mein Ein, mein Alle“s (Mon Roi, Frankreich 2015)


Die Krimibestenliste Januar 2019

Januar 7, 2019

Neues Jahr, neue Krimibestenliste der F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur:

1. Sara Paretsky – Kritische Masse (Platzierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski. Ariadne im Argument-Verlag, 540 Seiten, 24 Euro.

2. Un-Su Kim – Die Plotter (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Rainer Schmidt. Europa, 360 Seiten, 24 Euro.

3. Patrícia Melo – Der Nachbar (Platzierung im Vormonat: 5)

Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita. Tropen, 160 Seiten, 18 Euro.

4. Fred Vargas – Der Zorn der Einsiedlerin (Platzierung im Vormonat: 3)

Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 Seiten, 23 Euro.

5. Louise Penny – Hinter den drei Kiefern (Platzierung im Vormonat: 2)

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Kampa, 496 Seiten, 16,90 Euro.

6. Tana French – Der dunkle Garten (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Scherz, 656 Seiten, 16,99 Euro.

7. Christoph Peters – Das Jahr der Katze (Platzierung im Vormonat: 9)

Luchterhand, 352 Seiten, 22 Euro.

8. Anne Goldmann – Das größere Verbrechen (Platzierung im Vormonat: 6)

Ariadne im Argument-Verlag, 240 Seiten, 13 Euro.

9. Cloé Mehdi – Nichts ist verloren (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Cornelia Wend. Polar, 312 Seiten, 18 Euro.

10. James Anderson – Desert Moon (Platzierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Harriet Fricke. Polar, 344 Seiten, 18 Euro

Von mir kommen die Tage einige Worte zu den bei uns neuen (im Original teils schon vor Jahren erschienenen) Werken von Joe R. Lansdale, James Lee Burke, George Pelecanos, Friedrich Ani und Sara Paretsky. Damit dürfte dann meine kritische Masse erreicht sein.


TV-Tipp für den 7. Januar: Tatort: Reifezeugnis

Januar 7, 2019

RBB, 22.00

Tatort: Reifezeugnis (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Herbert Lichtenfeld

Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.

Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.

Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)

Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)

Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.

mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen

Hinweise

Wikipedia über „Reifezeugnis“

Tatort-Fundus über die Finke-Tatorte

Tagespiegel: Joachim Huber über den Tatort (22. März 2017)


TV-Tipp für den 6. Januar: Es war einmal in Amerika

Januar 6, 2019

3sat, 22.00

Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America, USA/Italien 1984)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini, Sergio Leone, Stuart Kaminsky (zusätzliche Dialoge), Ernesto Gastaldi (ungenannt)

LV: Harry Grey: The Hoods, 1952

Buch zum Film: Lee Hays: Once Upon a Time in America, 1984 (Es war einmal in Amerika)

Kamera: Tonino Delli Colli

Musik: Ennio Morricone

Ein grandioses Gangsterdrama: die Geschichte von Freundschaft und Verrat – erzählt in wunderschönen Bildern und in einer komplexen Struktur, die lose auf dem autobiographischen Buch von Harry Grey basiert. Leone meinte, im Drehbuch seien nur zehn bis zwanzig Prozent des Buches geblieben.

Mit Robert de Niro, James Woods, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Elizabeth McGovern

Antiquarischer Buchtipp: Zum Filmstart erschien im Bastei-Lübbe-Verlag das Buch zum Film mit Hays’ Roman, vielen Filmbildern (SW und Farbe), einem Sergio-Leone-Porträt von Andreas Kern und einem Text von Leone über den Film. So machen „Bücher zum Film“ Spaß.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Es war einmal in Amerika“

Wikipedia über “Es war einmal in Amerika” (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Once upon a time in America”

Fanseite zum Film

Sternstunde der Filmgeschichte über “Es war einmal in Amerika”


TV-Tipp für den 5. Januar: Pulp Fiction

Januar 5, 2019

Vox, 22.05

Pulp Fiction (Pulp Fiction, USA 1994)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Pulp Fiction”

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz, Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)


R. i. P. Brian Garfield

Januar 5, 2019

R. i. P. Brian Garfield (26. Januar 1939, New York City, New York – 29. Dezember 2018, Pasadena, Kalifornien)

Brian Garfield ist vor allem für seinen Roman „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish, 1972) bekannt. Der Thriller wurde einmal mit Charles Bronson (die sehr erfolgreiche, einflussreiche, umstrittene und auch ‚gute‘ Verfilmung von 1974), einmal mit Bruce Willis (die grottige Verfilmung von 2018) als Vigilant verfilmt.

Garfield schrieb, teils unter verschiedenen Pseudonymen, hauptsächlich zwischen 1960 und 1990, zahlreiche weitere Western und Thriller. Für „Hopscotch“ erhielt er den Edgar. In die Verfilmung „Agenten-Poker“ war er als Produzent und Drehbuchautor involviert. Dabei wurde aus dem Thriller eine Komödie mit Walther Matthau in der Hauptrolle. Die weiteren Verfilmungen seiner Romane sind unbekannter.

Weil er mit der Perzeption und der Aussage des Films „Ein Mann sieht rot“, dass gegen Gewalt nur Gewalt hilft und dass normale Bürger Selbstjustiz üben sollen, nicht einverstanden war, schrieb er zu „Death Wish“ die Fortsetzung „Death Sentence“. In dem Thriller schildert er die Folgen von Selbstjustiz für den Täter und sein Umfeld. James Wans gleichnamige Verfilmung zeigt das ebenfalls. In mehreren Romane erzählt er, wie die Protagonisten sich mit nicht gewalttätigen Mitteln gegen Gewalt wehren.

Nachrufe erschienen in Mysterious Press, The Rap Sheet, The Hollywood Reporter, Variety und der Washington Post.

In deutschen Medien habe ich keinen Nachruf gefunden.

Hier ein sehr schönes, im August 2013 geführtes Gespräch mit ihm (nur Ton):


TV-Tipp für den 4. Januar: Terminator

Januar 4, 2019

RTL II, 00.00

Terminator (The Terminator, USA 1984)

Regie: James Cameron

Drehbuch: James Cameron, Gale Anne Hurd

Los Angeles, 1984: Ein Terminator kommt aus der Zukunft. Er hat den Auftrag, Sarah Connor zu finden und zu töten. So soll verhindert werden, dass sie ein Kind bekommt, das in der Zukunft der Anführer des Widerstandes gegen die Roboter wird.

Zur gleichen Zeit wird Kyle Reese aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt. Er soll den Terminator zerstören, bevor dieser seine Mission ausführt.

Und schon beginnt eine actionhaltige Menschenjagd durch Los Angeles.

Heute ein Science-Fiction-Klassiker, der etliche Karrieren beförderte.

Damals ein kleines B-Picture, von dem vor dem Kinostart niemand viel erwartete. Vor allem nicht, dass nach vielen, meist misslungenen Fortsetzungen jetzt „Deadpool“-Regisseur Tim Miller mit Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton ein Reboot der Serie inszeniert, das an James Camerons „Terminator“-Filme anknüpfen soll. James Cameron ist als Produzent involviert. Ob es hilft, wissen wir im November 2019, wenn der Film im Kino anläuft.

mit Arnold Schwarzenegger, Michael Biehn, Linda Hamilton, Paul Winfield, Lance Henriksen, Rick Rossovich, Bill Paxton

Wiederholung: Sonntag, 6. Januar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Terminator“

Metacritic über „Terminator“

Rotten Tomatoes über „Terminator“

Wikipedia über „Terminator“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (Terminator 2: Judgment Day, USA 1991)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters Filmroman „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Meine Besprechung von Alan Taylors „Terminator: Genisys“ (Terminator: Genisys, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Glenn Close ist „Die Frau des Nobelpreisträgers“

Januar 3, 2019

In „Das krumme Haus“ hantierte Glenn Close vor wenigen Wochen fachmännisch mit einem Gewehr. In „Eine verhängnisvolle Affäre“ mit einem Messer. In „Die Frau des Nobelpreisträger“ ist es eine Schreibmaschine. Obwohl die von Glenn Close gespielte Ehefrau nur in ihren jungen Jahren, als Studentin, eine verheißungsvolle Schriftstellerin war. Während des Studiums lernt sie 1958 am Smith College den verheirateten Lehrer Joe Castleman (Jonathan Pryce) kennen. Sie verlieben sich ineinander und heiraten. Joan verzichtet zugunsten ihres Mannes auf ihre Karriere als Schriftstellerin. Nicht wegen ihres Talents, sondern, wie ihr eine andere Schriftstellerin sagt, aufgrund der Strukturen, die Männer bevorzugen, während die Bücher von Frauen unbemerkt in Regalen verstauben. Sie wird Ehefrau, Hausfrau und Mutter.

Dass sie das nicht bedauert, zeigen die ersten Minuten von Björn Runges Meg-Wolitzer-Verfilmung „Die Frau des Nobelpreisträgers“. 1992 leben Joe und Joan Castleman immer noch zusammen. Als das Nobelpreiskomitee sie telefonisch über die Verleihung des Nobelpreises an den bedeutenden Schriftsteller Joe Castleman informiert, feiern sie kurz darauf ausgelassen tanzend auf dem Bett in ihrem Haus in Connecticut. Danach kümmert Joan sich um die nötigen Empfänge zur Bekanntgabe des Preises und dass ihr Mann sich in der Öffentlichkeit nicht zum Affen macht.

Der Flug nach Stockholm zur Verleihung des Nobelpreises und die Vorbereitungen für die Verleihung, inclusive des ihn begleitenden Presserummel, stellen die Ehe auf eine harte Probe.

Joan beginnt über ihr Leben und ihre Ehe nachzudenken, während Joe die Aufmerksamkeit genießt und mit der ihn ständig begleitenden Fotografin des Nobelpreiskomitee anbändelt.

Die Frau des Nobelpreisträgers“ ist Schauspielerkino, in dem Glenn Close einmal mehr zeigt, dass sie mehr kann, als kreischend mit einem Messer auf Michael Douglas loszugehen. Für ihre feinfühlige Darstellung einer gebildeten Frau, die zugunsten ihres Mannes auf ihre Karriere verzichtet, wird sie zu Recht überall gelobt. Bis jetzt gingen fast alle Preise und Nominierungen, die Runges Film bislang erhielt, an Glenn Close. Und nach sechs Oscar-Nominierungen hätte sie mindestens eine weitere Oscar-Nominierung verdient. Und den Preis. Bei „Albert Nobbs“ (ihrer letzten Nominierung) hat es ja nicht geklappt. „Die Frau des Nobelpreisträgers“ ist nicht nur nach dem Titel ihr Film.

Trotzdem solle man die anderen Schauspieler nicht vergessen. Jonathan Pryce spielt ihren Ehemann, einen selbstverliebten, fremd gehenden Großautor, der leicht zu einer unsympathischen Karikatur hätte werden können. Im Film ist er ein liebender Ehemann, der kein besonders mitfühlender, aber niemals bösartiger Mensch. Er hat auch die Unbeschwertheit eines Kindes. Max Irons spielt ihren Sohn, der als beginnender Autor von seinem selbstverliebten Vater anerkannt werden möchte. Der erste Schritt wäre, dass Joe das Manuskript seines Sohnes liest und ehrlich beurteilt. Aber dafür hat der große US-amerikanische Literat keine Zeit. Christian Slater (zwischen all den TV-Serien endlich mal wieder im Kino) ist ein mild schleimiger Journalist, der eine Biographie über den von ihm bewunderten Joe Castleman schreiben möchte, bei den Recherchen schon einige Merkwürdigkeiten bemerkte und jetzt gerne mehr wissen möchte. Das sind die wichtigsten Figuren, die auch alle verschiedene Facetten des Themas spiegeln und im Film wesentlich sympathischer sind, als man es nach meiner Beschreibung vermuten könnte. Denn Björn Runge beobachtet sie sehr genau, ohne sie zu verurteilen, mit einem durchgehend freundlich zugewandtem Blick. So liefert er bereits in den ersten Minuten alle für die Filmgeschichte wichtigen Informationen über Joan und Joe Castleman.

Joan sieht es als Frau der fünfziger Jahre als ihre Aufgabe, ihren Mann bedingungslos zu unterstützen. Auch wenn er mal wieder einen Affäre hat. Und das ist nicht das einzige Geheimnis ihrer nach außen hin perfekten Ehe.

Das ist eine sehr spezielle Konstellation, die „Die Frau des Nobelpreisträgers“ nicht ohne weiteres, eigentlich überhaupt nicht sinnvoll, zu einem Statement in der aktuellen #MeToo-Debatte macht. Nicht etwa, weil Wolitzers Roman bereits 2003 erschien und der Film bereits, ein gutes Jahr vor seinem Kinostart, im September 2017 beim Toronto International Film Festival seine Premiere hatte, sondern weil die im Film porträtierten Castlemans ein Ehepaar der fünfziger Jahre sind und es im Film um eine Beziehung zwischen zwei Menschen und persönliche Entscheidungen geht. Gesellschaftliche Machtverhältnisse und Konventionen sind da nebensächlich. Drehbuchautorin Jane Anderson und Regisseur Björn Runge verwenden viel Zeit auf die feinfühlige, sich aus zahlreichen Rückblenden langsam zusammensetzende Analyse der Ehe und Familie Castleman. Der Literaturbetrieb und die sehr auf Etikette bedachte, entsprechend konservative Nobelpreis-Verleihung sind da nur die durchaus interessante Kulisse, vor der sich das Ehedrama wie eine in Zeitlupe stattfindende Katastrophe entfaltet.

Die Frau des Nobelpreisträgers“ ist grandioses, präzise inszeniertes Schauspielerkino, das als intimes Ehedrama die Frage stellt, wie eine langfristige Beziehung funktioniert, wer dafür mehr von seinem Leben aufgibt, was man dafür bekommt und ob es nicht doch ein ungefähr gleichgewichtiges Geben und Nehmen sein sollte. Darüber kann man dann nach dem Abspann diskutieren.

P. S., weil ich es recherchiert habe: Bis heute erhielten vierzehn Frauen den Literatur-Nobelpreis. Erstmals ging der Preis 1909 an Selma Lagerlöf und, immerhin spielt der Film 1992, 1991 ging er an Nadine Gordimer und 1993 an Toni Morrison.

Die Frau des Nobelpreisträgers – The Wife (The Wife, Großbritannien/Schweden/USA 2017)

Regie: Björn Runge

Drehbuch: Jane Anderson

LV: Meg Wolitzer: The Wife, 2003 (Die Ehefrau)

mit Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater, Max Irons, Annie Starke, Harry Lloyd, Alix Wilton Regan, Elizabeth McGovern, Karin Franz Körlof

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 6 Jähre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Frau des Nobelpreisträgers“

Metacritic über „Die Frau des Nobelpreisträgers“

Rotten Tomatoes über „Die Frau des Nobelpreisträgers“

Wikipedia über „Die Frau des Nobelpreisträgers“ (deutsch, englisch)

Björn Runge, Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater und Annie Starke reden in der BUILD Series über den Film (Für alle Clips gilt: Gefahr von Spoilern)

Glenn Close und Meg Wolitzer im Times Talk der New York Times

Björn Runge redet über seinen Film


TV-Tipp für den 3. Januar: Bei Anruf Mord

Januar 3, 2019

Ein Hinweis vom Meister

Arte, 20.15

Bei Anruf Mord (Dial M for Murder, USA 1954)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Frederick Knott

LV: Frederick Knott: Dial M for Murder, 1952 (Theaterstück)

Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner untreuen Ehefrau Margot. Als sie den Killer umbringt, wird es Zeit für Plan B.

Für Hitchcock war die Verfilmung des Broadway-Stückes eine Verlegenheitsarbeit, bei dem er damals modische 3-D-Effekte einbauen musste. Er tat dies nur in einer Szene: als Margot den Killer mit einer Schere ersticht. Der Rest ist gut abgefilmtes Theater.

Mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Bei Anruf Mord“

Wikipedia über „Bei Anruf Mord“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


Privatdetektive: „Raues Wetter“ für Spenser

Januar 2, 2019

Heute wirken die neuen Spenser-Privatdetektivromane mit ihrer vertrauten Formel wie aus einer anderen Zeit. Der am 18. Januar 2010 überraschend verstorbene Robert B. Parker bemühte sich in seinen letzten Jahren nicht, irgendeinem Trend hinterherzuhecheln. Serienkiller kommen bei ihm nicht vor. Das Frauenbild ist, nach all den weiblichen Privatdetektiven und Actionheldinnen, inzwischen doch etwas anachronistisch. Rassen- und Geschlechterfragen werden seit Jahren entlang altbekannter Argumente geführt, die in den Siebzigern neu und in einem Kriminalroman revolutionär waren. Die Romane können, wie man es aus den klassischen Privatdetektiv-Krimiserien (wie Hercule Poirot, Nero Wolfe, Lew Archer,…) kennt, in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden. Die Spenser-Romane sind inzwischen das literarische Äquivalent zu einer TV-Serie, in der es nur den Fall der Woche gibt, der Hauptcast ein gut funktionierendes Ensemble ist und Gaststars selten einen zweiten Auftritt haben.

Und seine Romane wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht länger. In den US-Ausgaben werden sie deshalb seit Ewigkeiten mit allerlei Layout-Tricks auf über dreihundert Seiten gepimpt. In Deutschland erscheinen die Spenser-Romane seit Jahren im Pendragon-Verlag und dort haben sie alle um die 220 Seiten. Das ist die Länge, die in den siebziger Jahren ein Krimi hatte. Und 1973 erschien mit „The Godwulf Manuscript“ der erste Spenser-Roman. Seitdem veröffentlichte Robert B. Parker ungefähr jedes Jahr einen weiteren Spenser-Roman. Ein Jahr nach seinem Tod erschien mit „Sixkill“ sein vierzigster Spenser-Roman. Seitdem schrieb Ace Atkins sieben weitere von der Kritik und Spenser-Fans gelobte Spenser-Romane.

Rough Weather“, der jetzt als „Raues Wetter“ erstmals auf Deutsch erschien, ist der 36. Spenser-Roman und es ist alles wie immer. Das gilt auch und vor allem für die Elemente, mit denen Robert B. Parker in den Siebzigern den Privatdetektiv-Roman erneuerte und seitdem alle Autoren von Privatdetektiv-Krimis beeinflusste. Bis dahin war der Privatdetektiv ein einsamer Wolf.

Parker spaltete das Wesen des Ermittlers auf. Aus einem Mike Hammer, der Ermittler, Richter und Henker war, wurden Spenser, der Privatdetektiv, und sein Freund Hawk. Er ist als großer, schwarzer Mann, der skrupellos tötet und unendlich viele Sexabenteuer mit wunderschönen Frauen hat, Spenser dunkle Seite. Spenser und Hawk unterscheiden sich nicht in ihren Werten und Ansichten, sondern in der Wahl ihrer Mittel. Während Spenser noch versucht, die Sache friedlich zu lösen, hat Hawk die bösen Buben schon ermordet. Und während frühere Privatdetektive entweder sexuell inaktiv oder überaktiv waren, ist Spenser fest mit Susan Silverman liiert. Alle sexuellen Angebote von Frauen lehnt er standhaft ab. Sie ist Psychotherapeutin und damit, wenn wir im Freudschen Schema bleiben, sein Gewissen, mit dem er endlos diskutieren kann. Mit Silverman öffnete Parker den Privatdetektiv-Krimi auch hin zur Psychologie. Thematisch beschäftigte sich Spenser in seinen ersten Fällen mit all den Themen, die damals, in den siebziger und frühen achtziger Jahren in den Schlagzeilen standen.

Heute hat sich die von Parker mit Spenser und Hawk vorgenommene Trennung fest etabliert. Aktuelle Beispiele sind die Hap-Collins-Leonard-Pine-Geschichten von Joe R. Lansdale, die Myron-Bolitar-Krimis von Harlan Coben, die Dave-Robicheaux-Krimis von James Lee Burke (auch wenn Robicheaux ein Polizist ist) oder die, aktuell eher nicht übersetzten, Elvis-Cole-Joe-Pike-Romane von Robert Crais (wobei Elvis Cole zunächst allein ermittelte).

Die Spenser-Romane liest man heute, weil man einfach noch einmal einen Abend mit den bekannten Figuren und Parkers Sprache verbringen will. Denn auch wenn das Plotting in seinem Spätwerk nicht so überragend ist, gefällt der Sound immer noch.

In „Raues Wetter“ wird Spenser von Heidi Bradshaw als persönlicher Begleiter engagiert. Er soll bei der Hochzeit ihrer Tochter auf der Insel Tashtego einfach für sie da sein. Spenser nimmt den leichten Auftrag an. Schon vor der Hochzeit weiß er allerdings, dass irgendetwas nicht stimmt. Denn zu den Hochzeitsgästen gehört Rugar, der wegen seiner Kleidung auch ‚der graue Mann‘ genannt wird. Er ist wie Spenser und Hawk. Nur ohne deren moralischen Kompass.

Unmittelbar nach der Trauung entführen Rugar und seine Männer die Braut. Dabei töten sie den Bräutigam, den Priester und vier Sicherheitsleute.

Nachdem schon die Entführung seltsam spektakulär war, geht es seltsam weiter. Denn die Entführer melden sich nicht.

Der tief in seiner Ehre gekränkte Spenser beginnt Rugar und die entführte Braut zu suchen. Wobei Spenser, ohne eine vielversprechende Spur, solange im Nebel herumstochert, bis er genug Verdächtige genervt hat, von denen einer etwas gegen ihn unternimmt.

Raues Wetter“ ist ein typischer später Spenser-Roman: sehr unterhaltsam zu lesen, mit vielen alten Bekannten und vertrauten Gesprächen und eher lausig geplottet. In diesem Fall ist die Lösung schon relativ schnell erahnbar. Am Ende, das kann gesagt werden, ohne irgendetwas zu verraten, erreicht die Beziehung zwischen Spenser, Hawk (selbstverständlich ist er dabei) und Rugar ein neues Level.

Treue Spenser-Fans werden mit „Raues Wetter“ erfreut einige Stunden verbringen. Neulinge sollten mit den deutlich gelungeneren Spenser-Romanen aus den siebziger Jahren beginnen. Auch die sind bei Pendragon erhältlich.

Robert B. Parker: Raues Wetter – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Marcel Keller)

Pendragon, 2018

216 Seiten

13 Euro

Originalausgabe

Rough Weather

G. P. Putnam’s Sons, New York 2008

Spensers frühere Begegnungen mit dem grauen Mann

Robert B. Parker: Spenser und der graue Mann

(übersetzt von Heidi Zerning)

Pendragon, 2015

256 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Small Vices

G. P. Putnam’s Sons, New York 1997

Neuauflage von „Der graue Mann“ (rororo thriller 1998)

Robert B. Parker: Drei Kugeln für Hawk

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Pendragon, 2015

224 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Cold Service

G. P. Putnam’s Sons, New York, 2005

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Thrilling Detective über Spenser

Wikipedia über Robert B. Parker (deutsch, englisch) und Spenser

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Mord im Showbiz“ (High Profile, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der Killer kehrt zurück“ (Stranger in Paradise, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Brimstone“ (Brimstone, 2009)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Im Verhörzimmer: Philipp Reinartz erklärt das „Fremdland“

Januar 2, 2019

Philipp Reinartz ohne Tatwerkzeuge (Foto: Janina Wagner)

Für die normalen Fälle ist Kommissar Jerusalem ‚Jay‘ Schmitt nicht mehr zuständig. Er ist der Chef der neugegründeten Neunten Berliner Mordkommission, die die ungewöhnlichen Mordfälle aufklären soll. In „Die letzte Farbe des Todes“ (2017) löste sie ihren ersten Fall. Jetzt ist mit „Fremdland“ der zweite Jerusalem-Schmitt-Fall erschienen und weil die Fälle in Berlin spielen, ist das ein guter Grund, Philipp Reinartz, dem Autor der Schmitt-Romane, einige Fragen zu stellen.

In „Fremdland“ verknüpft Philipp Reinartz in kurzen Kapiteln mehrere Erzählstränge. Schmitts neuer Mordfall ist der Mord an der siebenundneunzigjährigen Heimbewohnerin Louisa Sprenger. Sie lebte seit fünfzehn Jahren im Altersheim, hatte keine Kontakte und es gibt keinen offensichtlichen Grund, sie zu töten. Außerdem wäre sie sowieso in einigen Monaten gestorben. Warum wurde sie jetzt ermordet? Und, noch rätselhafter, warum machte der Mörder die Manipulation an ihrer Sauerstoffversorgung nicht rückgängig und legte mit einem Brief neben der Leiche offensichtliche Spuren zu seiner Tat? Denn ohne diese Manipulation und den Brief mit seiner verschlüsselten Botschaft hätte man Sprengers Tod als ganz normalen altersbedingten Tod registriert.

Daneben recherchiert Schmitt über ein Dienstvergehen seines Vaters. Vor zwanzig Jahren ließ er die Meldung über die Alkoholkontrolle bei einem Polizistenkollegen verschwinden. Schmitt will herausfinden, ob es wirklich nur ein längst verjährter Gefallen für einen betrunkenen Kollegen war.

Denn Grezinski war auch der Vorgesetzte von zwei Polizisten, die in dieser Nacht auf dem Koletzikigelände, einer Industriebrache, starben. Neben den toten Beamten fand man die Leichen von zwei Flüchtlingen. Schmitt glaubt, dass die offizielle Beschreibung des Tathergangs falsch ist. Aber hat der manipulierte Tatort etwas mit Grezinskis alkoholisierter Autofahrt zu tun?

In einem weiteren Handlungsstrang verfolgen wir den aus Senegal kommenden Flüchtling Mouhamadou ‚Mo‘ Diallo. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und, weil er keine andere Arbeit findet, verdient er das Geld für seine Familie als kleiner Drogendealer. Er wird immer wieder von Polizisten inhaftiert und geschlagen. Das war in den Neunzigern.

Man muss kein erfahrener Krimileser sein, um zu vermuten, dass diese Plots miteinander zusammenhängen. Nur wie?

Der 1985 in Freiburg geborene Philipp Reinartz studierte in Köln, Saragossa und Potsdam Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Geschichte, Germanistik, Journalismus und Design Thinking, ist Mitgründer und Geschäftsführer einer Berliner Ideenschmiede und veröffentlichte 2013 seinen Debütroman „Katerstimmung“. 2017 folgte mit „Die letzte Farbe des Todes“ sein erster Kriminalroman.

Was war die Ausgangsidee für „Fremdland“?

Ich wollte einen Plot kreieren, bei dem der Leser ein Verbrechen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und dadurch ein und dieselbe Tat immer wieder neu bewertet. Kriminalgeschichten, bei denen es am Ende jeder hätte gewesen sein können, finde ich langweilig – ich wollte die Twists durch reine Perspektivwechsel schaffen. Zudem hat mich die Spaltung der Gesellschaft beschäftigt, die Konflikte zwischen denen, die schon lange hier wohnen, und denen, die neu hier sind. Ein aktuelles Thema, aber eine zeitlose gesellschaftliche Frage.

Im Klappentext steht, dass der Roman auf einer wahren Begebenheit aus den neunziger Jahren basiere. Können Sie uns mehr darüber verraten?

Die Geschichte von Mo und Aissa hat kein konkretes Vorbild, aber sie beruht auf wahren Begebenheiten der 1990er-Jahre: Der so genannte »Hamburger Polizeiskandal« offenbarte Misshandlungen an – hauptsächlich schwarzen – Männern, im Mittelpunkt standen die auch im Roman zentralen Scheinhinrichtungen. Ich habe diese Ereignisse auf Berlin übertragen, wo in den Neunzigern bestimmte Plätze als »Gefährliche Orte« deklariert wurden, an denen Maßnahmen gegen Personen ohne konkreten Tatverdacht vorgenommen werden durften. Vorübergehend Verhaftete sprachen davon, nach dem Verhör in Randgebieten der Stadt ausgesetzt worden zu sein. Auch die vorübergehende Streichung des Senegals von der Liste der sicheren Herkunftsländer entspricht den Fakten. Trotz weiteren Unruhen in der Casamance-Region wurde der Senegal nach einigen Monaten wieder zum sicheren Herkunftsland erklärt.

Was unterscheidet ihren Ermittler, Kommissar Jerusalem ‚Jay‘ Schmitt, von anderen Ermittlern?

Oft stehen Protagonisten im Schatten ihrer übergroßen Eltern oder anderer Bezugspersonen, deren Erwartungen sie schwer erfüllen können. Bei Jay ist es genau umgekehrt: Sein Vater war zwar auch bei der Polizei, aber ist eben nicht die typische Mentorenfigur, der der Sohn nacheifert. Jay überflügelt seinen Vater, der nicht über einen niedrigen Dienstgrad hinauskam, bei weitem. Woraus dann aber ebenso Konflikte entstehen.

Der Roman spielt in Berlin. Wie wichtig ist die Stadt für die Romangeschichte und die Romanserie?

Berlin ist ein toller Schauplatz, weil die Stadt viel Abwechslung bietet. Verlassenes Fabrikgelände, Kriminalität, Haus im Grünen, Großer Polizeiapparat – die meisten Ideen lassen sich hier umsetzen. Aber die Geschichte ist nicht an Berlin gekoppelt, der Plot entsteht bei mir unabhängig von Berlin. Und meine Figuren müssen auch nicht am Brandenburger Tor entlang und alle paar Seiten eine Currywurst essen – ich will ein Berlin jenseits der Klischees.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus?

Selten romantisch chaotisch mit Weinglas auf der Dachterrasse, ich bin ein strukturierter Schreiber. Ich arbeite einige Tage nur am Plot, bis ich eine Geschichte habe, die so einzigartig ist, dass sie es wert ist, erzählt zu werden. Dann überlege ich mir einen groben Fahrplan und beginne mit der Recherche. Die war in diesem Fall so spannend wie schwierig. Wer kennt zum Beispiel heute noch Rechte und Pflichten von Flüchtlingen aus einem vorübergehend nicht sicheren Herkunftsland Mitte der Neunziger? Zum Glück hatte ich hilfsbereite Experten. Recht früh starte ich aber auch schon mit dem ersten Kapitel und teste aus, ob alles funktioniert. Ab dann sitze ich jeweils lange an einer Seite, ist diese aber fertig, wird wenig daran geändert. Ganze Kapitel oder Figuren wurden bisher zum Beispiel weder von mir noch von meinen Lektoren gestrichen.

Welche fünf Bücher empfehlen Sie für die langen Winternächte?

Sand“ von Wolfgang Herrndorf

Radetzkymarsch“ von Joseph Roth

Ostende“ von Volker Weidermann

Zeit der Zauberer“ meines Mannschaftskollegen in der Fußballnationalmannschaft der Autoren, Wolfram Eilenberger

Livealbum“ von Benjamin von Stuckrad-Barre

Vielen Dank für das Gespräch!

Philipp Reinartz: Fremdland

Goldmann, 2019

320 Seiten

10 Euro

Die Buchpremiere ist am Samstag, den 19. Januar, um 21.00 Uhr im „Mein Haus am See, Cosmic Kaspar“ (Brunnenstraße 197/198, 10119 Berlin). Andreas Merkel moderiert, DJ Jazzmin legt danach auf und der Eintritt beträgt 5 Euro.

Hinweise

Goldmann über Philipp Reinartz

Homepage von Philipp Reinartz

Wikipedia über Philipp Reinartz


TV-Tipp für den 2. Januar: The Artist

Januar 1, 2019

Arte, 20.15

The Artist (The Artist, Frankreich 2011)

Regie: Michel Hazanavicius

Drehbuch: Michel Hazanavicius

Unglaublich, aber wahr: Heute ist die TV-Premiere von „The Artist“, den Film, den damals alle liebten und der damals mit Preisen überhäuft wurde. Unter anderem erhielt der französische Film fünf Oscars, unter anderem den Oscar als bester Film des Jahres.

Michel Hazanavicius‘ Tragikomödie ist eine Liebeserklärung an Hollywood und an den Stummfilm. Selbstverständlich in SW und als Stummfilm.

Die ‚A Star is born‘-Schmonzettenstory – Stummfilmstar George Valentin lehnt den Tonfilm ab. Er verliebt sich in das Starlet Peppy Miller, das durch den Tonfilm zum Star aufsteigt. – dient dabei nur als Rahmen für eine mit vielen wundervollen Details verzierte Liebeserklärung an das Kino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jean Dujardin, Bérénce Bejo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle, Malcolm McDowell, Uggy (Palm Dog Award Cannes 2011 als bester Hundedarsteller)

Wiederholungen

Sonntag, 6. Januar, 09.25 Uhr

Freitag, 11. Januar, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Artist“

Wikipedia über „The Artist“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Michel Hazanavicius‘ „The Artist“ (The Artist, Frankreich 2011)


Cover der Woche

Januar 1, 2019

P. S.: Frohes neues Jahr!