TV-Tipp für den 11. April: Serpico

April 10, 2025

3sat, 22.25

Serpico (Serpico, USA 1973)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Waldo Salt, Norman Wexler

LV: Peter Maas: Serpico, 1971

Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der auch gegen die Korruption im System vorgehen will. Seine Kollegen und Vorgesetzten findet das nicht gut.

Grandioser, auf Tatsachen beruhender, vor Ort gedrehter, pessimistischer Cop-Thriller mit Al Pacino

„Die Karriere von Frank Serpico…erlaubt Lumet einen breiten, aber detaillierten Angriff auf die in der Stadt ausgebreitete Korruption und die frustrierenden Mechanismen der Bürokratie bei ihrer Selbstverteidigung, während die emotionalen Kräfte seines Films, dieses Mal, denen des Helden treffend angepasst sind.“ (Richard Combs in Monthly Film Bulletin)

mit Al Pacino, Tony Roberts, John Randolph, Cornelia Sharpe, M. Emmet Walsh, Judd Hirsch, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Serpico“

Wikipedia über Frank Serpico und „Serpico“ (deutsch, englisch)

Blog von Frank Serpico

Village Voice (Nat Hentoff): The Return of Frank Serpico (16. Juni 1998)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


Neu im Kino/Filmkritik Über die Robert-Littell-Verfilmung „The Amateur“

April 10, 2025

Charlie Heller (Rami Malek) arbeitet bei der CIA und er ist das komplette Gegenteil von so taffen Agenten wie James Bond (okay, Brite), Jason Bourne (okay, entlassen) und Ethan Hunt (hm, nie so richtig beim CIA angestellt), sondern ein Dechiffrierexperte. Er sitzt in der CIA-Zentrale im Keller, starrt Computerbildschirme an, entschlüsselt Dokumente und versucht aus Informationskrümeln ein Bild zu erstellen, das dann die Grundlage für die Einsätze von den im Feld arbeitenden Agenten ist. Privat ist er ein introvertierter Tüftler, der auch beim Zusammenschrauben eines alten Flugzeugs eine Krawatte trägt, die er nicht beschmutzt. Er ist glücklich verheiratet. Sarah ist die Liebe seines Lebens.

Als sie in London während einer Tagung bei einem Attentat erschossen wird und seine Vorgesetzten ihn mit höflichen Floskeln abspeisen, beginnt er die Mörder seiner Frau auf eigene Faust zu verfolgen. Dabei verfügt er, wie ein kurzzeitiger Ausbildungsversuch bei dem CIA-Ausbilder Henderson (Laurence Fishburne) zeigt, über keinerlei Fähigkeiten, die ein Spezialagent benötigt. So trifft er mit einer Pistole sein Ziel, wenn er unmittelbar vor ihm steht. Halbwegs.

Aber Heller ist schlau. Er ist nicht der Jäger, der seiner Beute hinterherläuft, sondern er stellt ihr Fallen und lässt sie in diese hineinlaufen.

The Amateur“ ist die zweite Verfilmung von Robert Littells im Original 1981 erschienenem Agententhriller. Die erste Verfilmung war 1981 von Charles Jarrott mit John Savage als Charlie Heller. Sie ist inzwischen weitgehend vergessen.

Eine zweite Verfilmung war in Hollywood seit Jahren im Gespräch. Schließlich ist die Geschichte von dem schlauen Normalbürger auf Rachemission ein guter Filmstoff. 2006 sollte Hugh Jackman die Hauptrolle übernehmen. Jetzt spielt Rami Malek die Hauptrolle.

James Hawes übernahm die Regie. Zu seinen früheren Arbeiten gehören die Pilotfolge von „DCI Banks“ und Episoden für „Black Mirror“, „Snowpiercer“ und „Slow Horses“.

Das Drehbuch ist von Ken Nolan und Gary Spinelli und etlichen weiteren nicht genannten Autoren, wie Evan Katz (er war 2006 mit dem Schreiben des Drehbuchs beauftragt), Scott Z. Burns, Scott Frank, Robert Littell und Patrick Ness. Wie groß ihr Einfluss auf das jetzt verfilmte Drehbuch ist, ist unklar, aber klar ist, dass „The Amateur“ lange in der Entwicklungshölle feststeckte.

Nolan, der auch das Drehbuch für die auf Robert Littells gleichnamigem Roman basierende TV-Miniserie „The Company“ (über die CIA während des Kalten Krieges) schrieb und der aktuell an mindestens einer weiteren Robert-Littell-Verfilmung arbeitet, und Spinelli (u. a. „Barry Seal – Only in America“) verlegten die im Kalten Krieg spielende Rachegeschichte in die Gegenwart. Hawes verfilmte sie als durch Europa globetrottenden, angenehm altmodischen Agenten- und Rachethriller mit arg vorhersehbarer Geschichte. Letztendlich arbeitet Heller einfach die Liste der Täter ab.

Die Terroristen, die für den Tod von Hellers Frau verantwortlich sind, sind keine ideologisch überzeugten Täter, sondern von einem unbekanntem und unbekannt bleibendem Auftraggeber angeheuerte skrupellose Söldner, die ihre Dienste meistbietend verkaufen. Während ihr Motiv Geld ist, sind die Motive der Auftraggeber unklar. Entsprechend politikfrei ist der gesamte Film.

Nach Sarahs Tod geht es um Trauer, Rache und, vor allem, wie ein schlauer Mann Bösewichter tötet. Nach seiner ersten Tat wollen sie ihn töten. Das macht für ihn in der Theorie die Jagd gefährlicher. Seine Vorgesetzten wollen ihn von weiteren Morden abhalten. Während die Bösewichter nur dazu da sind, von Heller umgebracht zu werden, sind seine Vorgesetzten, weil wir mehr über ihre Motive erfahren, etwas weniger eindimensional.

Action gibt es wenig. Schließlich ist Heller kein Nahkämpfer. Der Anti-James-Bond lockt seine Gegner in Fallen und bringt sie anderweitig um. Teils spektakulär und mit hohem Sachschaden, aber ohne Unschuldige zu verletzen.

Das ist dann, wie die Romanvorlage, näher an John le Carré als an Ian Fleming.

The Amateur (The Amateur, USA 2025)

Regie: James Hawes

Drehbuch: Ken Nolan, Gary Spinelli

LV: Robert Littell: The Amateur, 1981 (Sein oder Nichtsein…)

mit Rami Malek, Laurence Fishburne, Rachel Brosnahan, Caitríona Balfe, Jon Bernthal, Michael Stuhlbarg, Holt McCallany, Julianne Nicholson, Adrian Martinez, Danny Sapani

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Amateur“

Metacritic über „The Amateur“

Rotten Tomatoes über „The Amateur“

Wikipedia über „The Amateur“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hawes‘ „Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel`“ (DCI Banks, Großbritannien 2010/2011)

Meine Besprechung von John Hawes‘ „Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House“ (The Suspicions of Mr Whicher: The Murder at Road Hill House, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von James Hawes‘ „One Life – Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ (One Life, Großbritannien 2023)

Meine Besprechung von Robert Littels „Zufallscode“/“Der Gastprofessor“ (The Visiting Professor, 1993)

Meine Besprechung von Robert Littells „ Philby – Porträt des Spions als junger Mann“ (Philby: Portrait de l’espion en jeune homme, 2011)


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Till Raether: Danowski: Sturmkehre

April 10, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Sturmkehre“ ist Till Raethers siebter Adam-Danowski-Kriminalroman. Es ist der letzte Fall des Hauptkommissars und, das ist jetzt für Neueinsteiger die wichtigste Frage, er ist ohne Kenntnis der vorherigen Bände verständlich.

Für die Hamburger Polizei ist die Verhaftung von Leander Schüringen ein großer Erfolg. Anfang der neunziger Jahre war der Serienmörder Schüringen, weil er seine vier Opfer in den Alsterfleeten versteckte, bekannt als der Fleetmörder. Anschließend flüchtete er ins Ausland. Jetzt kehrte er in seine alte Heimat zurück.

Danowskis Vorgesetzter Markus Kienbaum würde gerne der nächste Polizeipräsident werden. Dafür will er seinen Lebenslauf mit vielen bislang ungeklärten alten Mordfällen aufhübschen. Deshalb soll Danowski sich jetzt den Fall Marie Kolossa wieder ansehen. Sie wurde zuletzt am 20. September 1990 in Schleswig-Holstein an der Raststätte Brokenlande gesehen. Schüringen lebte damals in der Nähe der Raststätte. Er könnte sie ermordet haben. Gegenüber Danowski gesteht und leugnet er zugleich die Tat.

Danowski glaubt nicht, dass Kolossa ein Opfer des Fleetmörders ist. Aber wenn er sie oder ihren Mörder findet, könnte er seinen verhassten, ihn wegen eines früheren Dienstvergehens erpressenden Chefs ärgern und dessen Bewerbung auf die Polizeipräsidentschaft sabotieren.

Die polizeiinternen Befindlichkeiten, Kämpfe und mehr oder weniger großen Dienstvergehen bilden einen wichtigen Teil in Danowskis letztem Fall als Polizist. Till Raether schildert hier die Polizei als ganz normalen Betrieb mit Kollegen, die sich nicht besonders mögen, gegeneinander intrigieren, an ihren Karrieren basteln und gegen Gesetze und Vorschriften verstoßen. Ein anderer wichtiger Teil ist Danowskis Leben, seine Selbstzweifel, seine Gefühle und sein oft problematisches Verhalten gegenüber anderen Menschen. Denn der hypersensible Danowski ist nicht der leichteste Mensch.

Seine Suche nach der vermissten Kolossa ist dagegen eher nebensächlich, aber schön entlang vorhandener Spuren und nachvollziehbarer Vermutungen zu einer überzeugenden Erklärung für ihr spurloses Verschwinden erzählt.

Allerdings ist das Finale, wenn Danowski sich nur deshalb in Lebensgefahr begibt, weil der Autor ein spektakuläres Ende will, vollkommen hirnrissig und unpassend. Es gibt einfach keinen nachvollziehbaren Grund warum Danowski sich in dem Moment in Lebensgefahr begibt und nicht einfach einige Stunden wartet.

Sturmkehre“ ist nach „Treibland“ und „Unter Wasser“ die dritte Glauser-Nominierung für einen Adam-Danowski-Kriminalroman. Wenn wirklich drei aller guten Dinge sind, dann erhält Till Raether dieses Mal den Glauser-Preis.

Till Raether: Danowski: Sturmkehre

Rowohlt Polaris, 2024

304 Seiten

18 Euro

Hinweise

Rowohlt über den Roman

Homepage von Till Raether

Wikipedia über Till Raether


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Henri Faber: Gestehe

April 10, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Der Verlag preist den dritten Thriller von Henri Faber so an:

Ein brutaler Mord. Ein berühmter Ermittler. Und die einzige Spur führt zu ihm selbst.

Der rasante Thriller von Henri Faber um einen Serienkiller, der in Wien sein Unwesen treibt. Für Leser*innen von Sebastian Fitzek, Andreas Gruber und Andreas Winkelmann.“

Der gestandene Kritiker denkt sich, dass er nun wahrlich nicht noch einen Serienkillerthriller lesen muss. Zu viele hat er schon gelesen. Zu oft sind sie nur formelhaft pervers. Meistens bestenfalls Strandkorblektüre und damit natürlich nichts für den nach neuen, aufregenden Autoren und Romanen suchenden Krimikritker.

Und, nein, ich rede hier nicht von mir (oder, ehrlicherweise nicht nur), sondern kann auch auf den von Kritikern und Buchhändlern verliehenen Deutschen Krimipreis und die von Kritikern erstellte Krimibestenliste verweisen. Henri Faber taucht da nicht auf. Immerhin stand sein neuer Roman, der jetzt auch für den Glauser nominiert ist, auf der Shortlist für den Crime Cologne Award 2024.

Der berühmte Ermittler ist Johann ‚Jacket‘ Winkler. Vor vier Jahren erledigte er in einer Gewaltorgie allein einen Organhändlerring, rettete dabei ein Mädchen vor dem Tod, wurde bekannt und schrieb einen Bestseller darüber; – naja, genaugenommen schrieb ein Ghostwriter das Buch und er verkauft es mit seinem Namen und Image. Seitdem arbeitet er bei der Polizei nicht mehr als Ermittler, sondern als Öffentlichkeitsarbeiter. Im Moment ist er in die Verfilmung seines Bestsellers involviert und er schreibt an seinem ersten Roman.

Als fast vor seiner Haustür die Promimaklerin Tatjana Schikofsky ermordet wird, trampelt er über den Tatort, bemerkt entsetzt Gemeinsamkeiten zu seinem Manuskript, sagt seinen Kollegen nichts davon und installiert sich als Chefermittler in dem Fall. Ihm hilft Mohammad „Mo“ Moghaddam. Mo ist als penibler Büroarbeiter das komplette Gegenteil von Jacket. Obwohl der Jahrgangsbeste seit vier Jahren Mitglied der Mordkommission ist, die in Wien Abteilung Leib-Leben heißt, hat er noch keinen Tatort gesehen. Er darf stattdessen Akten fehlerfrei führen.

Die beiden gegensätzlichen Ermittler beginnen mit der Mördersuche. Es gibt schnell eine zweite Leiche. Wieder erkennt der an Gedächtnisausfällen leidende Jacket den Tatort aus seinem Buch. Wieder sagt er nichts. Weiterhin ermittelt er auch auf eigene Faust – und ziemlich schnell lenkt Henri Faber in seinem Thriller „Gestehe“ den Verdacht auf Jacket. Denn auch wenn er sich nicht an die Taten erinnert, könnte er sie begangen haben und sich unwissentlich selbst jagen.

Diese erste Hälfte des Thrillers, wenn Faber, mit etwas Wiener Schmäh und Selbsthass der Erzählenden, die Geschichte aus drei Perspektiven – der von Jacket, Mo und, eher selten, einem unbekannten Mörder-„Er“ – erzählt und dabei Jacket immer mehr vom Ermittelnden zum Verdächtigen macht, ist ziemlich gelungen. Die zweite Hälfte weniger. Nachdem Jacket auf Seite 274 (von 445 Seiten) verhaftet wird, weiß der kundige Krimileser, dass Jacket nicht der Täter sein kann. Schließlich sind noch um die 170 Seiten zu lesen.

Aber diese Seiten lesen sich, als ob Faber sein Manuskript beim Verlag einreichte und dieser dann sagte, er müsse einen 450-seitigen Roman schreiben. Ab diesem Moment wird eine Episode an die nächste angefügt, wichtige Themen angesprochen, interessante Plots angedeutet und schnell wieder fallengelassen. Wer will, kann sich die ungleich gelungeneren Inspirationen für diese Handlungsfragmente notieren und diese sich wieder zunehmend begeistert durchlesen oder ansehen. Sie zu nennen, würde zu viel von dem gesamten Thriller spoilern. Nachdem genügend, zunehmend mühsam zu lesende Seiten gefüllt wurden, wird der Täter präsentiert. Enden tut der vor allem an einigen Tagen im Oktober spielende Thriller mit einem sieben Monate später spielendem fünfzigseitigem Finale und einem wenige Seiten umfassendem, vier Monate später spielendem Epilog.

Gestehe“ liest sich wie ein ohne einen Plan geschriebener Thriller. Das kann funktionieren, ist aber bei einem Serienkillerthriller, der ja letztendlich nicht mehr als die moderne Variante eines Rätselkrimis ist, schwierig. Alles in „Gestehe“ wirkt zufällig. Es fehlt das gekonnte Spiel mit falschen Fährten und Verdächtigen. Nie ergibt sich aus den vielen Vorbildern und Themen eine kohärente Geschichte oder ein durchdachter Plan des Bösewichts.

Nach der Lektüre denkt der Kritiker sich: Ach, vielleicht doch wieder einen Pageturner von Sebastian Fitzek oder einen der wundervoll geplotteten Lincoln-Rhyme-Thriller von Jeffery Deaver lesen.

Henri Faber: Gestehe

dtv, 2024

448 Seiten

16 Euro

Hinweise

dtv über den Roman

Homepage von Henri Faber

Wikipedia über Henri Faber


Glauser-nominiert als bester Krimi 2025: Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen

April 10, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:

Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)

Henri Faber: Gestehe (dtv)

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)

Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)

Der erste Niedersachsen Noir“ (darüber könnte diskutiert werden, aber es liest sich gut) steht auf der Buchrückseite dieses Romans, der „voller schräger Figuren“ sein soll und „mit unwiderstehlichem Witz“ erzählt wird. Das sind jetzt erst einmal alles wohlklingende Werbeversprechen, die eine Botschaft aussenden: Jakob Noltes „Die Frau mit den vier Armen“ ist kein normaler Kriminalroman.

Das kann ich nach der Lektüre vollumfänglich bestätigen.

In Hannover wird die Leiche des 22-jährigen Studenten Sebastian Thamm im Ihmepark gefunden. Die Kommissarinnen Rita Aitzinger und Ilia Schuster vermuten bei ihren Ermittlungen schnell eine Verbindung zu einem älteren Fall, der einige wenige, weit hergeholte Ähnlichkeiten mit ihrem aktuellen Mordfall hat. Trotzdem gehen sie von einer Serienmörderin aus und ermitteln in alle Richtungen. Denn sie haben „keinen Verdächtigen, keine Beweise, keine Richtung“, aber so Rita Aitzinger, ungefähr in der Buchmitte bei einer Fallbesprechung: „Wir werden sie finden. Und wir werden sie richten. All ihre Verbrechen der Sehnsucht werden sie überführen.“

Deshalb wird eine Datingapp-Taskforce gegründet, die in einem Desaster endet. Die in der Taskforce ermittelnden Beamten verlieben sich teilweise in ihre Dates. Die Partnerinnen der Polizisten befürchten, dass ihre Männer sie betrügen. Hinweise auf die Täterin gibt es nicht. Dabei ist sie, wie Jakob Nolte in dem Moment schon verraten hat, Mitglied der Datingapp und einer der in der Datingapp ermittelnden Polizisten hat Kontakt zu ihr.

Jakob Nolte gewann für seine vorherigen Romane den Kunstpreis Literatur, war für den Deutschen Buchpreis nominiert und nahm am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. Sein neuer, angenehm kurzer Roman „Die Frau mit den vier Armen“ liest sich dann auch weniger wie ein richtiger Kriminalroman, sondern wie die besserwisserische Parodie auf einen Kriminalroman. Es werden einige Krimiversatzstücke genommen und ausgestellt, als ob man zeigen wolle, wie schlecht in jeder Beziehung bestimmte „Tatorte“, Vorabend-, Regio- und Serienkillerkrimis sind.

Schnell geht es in der „Frau mit den vier Armen“ nicht mehr um die Mordermittlung, sondern, aus verschiedenen Perspektiven, um Liebe und Einsamkeit in der heutigen Großstadt.

Die sich permanent in den Vordergrund drängende Sprache ist gewöhnungsbedürftig und bewusst künstlich. Das funktioniert mal besser, mal schlechter. So haben einige verknappte Dialoge durch ihre Verknappungen und Abschweifungen einen mehr als parodistischen Touch. Einige Beobachtungen sind witzig. Vieles ist eher ‚meh‘.

Natürlich muss nicht jeder Krimi nach Schema F erzählt werden und es ist nichts gegen Hochliteratur oder eine gelungene Dekonstruktion einzuwenden. In „Die Frau mit den vier Armen“ funktioniert das nicht.

Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen

Suhrkamp Nova, 2024

240 Seiten

20 Euro

Hinweise

Suhrkamp über das Buch

Perlentaucher über Jakob Noltes „Die Frau mit den vier Armen“ (jaaa, die Damen und Herren Literaturkritiker sind besoffen vor Begeisterung)

Wikipedia über Jakob Nolte


TV-Tipp für den 10. April: Runaway Train – Express in die Hölle

April 9, 2025

Tele 5, 20. 15

Runaway Train – Express in die Hölle (Runaway Train, USA 1985)

Regie: Andrei Konchalovsky

Drehbuch: Djordje Milicevic, Paul Zindel, Edward Bunker (nach einem Drehbuch von Akira Kurosawa)

Alaska: zwei Knackis brechen aus und hoffen als blinde Passagiere auf einem Güterzug in die Freiheit fahren zu können. Doch der Lokführer stirbt, ein dritter blinder Passagier ist ebenfalls an Bord und der Zug kann nicht gebremst werden.

Harter, spannender, heute fast unbekannter Thriller mit guten Schauspielerleistungen. Voight und Roberts waren für je einen Oscar nominiert; Voight erhielt einen Golden Globe, Roberts war nominiert. Außerdem war der Film als bester Film für einen Golden Globe nominiert. Die Schmonzette „Out of Africa“ erhielt ihn.

Mit Jon Voight, Eric Roberts, Rebecca DeMornay, Edward Bunker, Danny Trejo (Debüt)

Wiederholung: Samstag, 12. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Express in die Hölle“

Wikipedia über „Express in die Hölle“ (deutsch, englisch)

BBC: Nachruf auf Edward Bunker (Juli 2005)

New York Times: Nachruf auf Edward Bunker (AP)

Meine Besprechung von Edward Bunkers „Lockruf der Nacht“ (Stark, 2007)

Meine Besprechung von Andrei Konchalovskys „Paradies“ (Ray, Russland/Deutschland 2016)


Glauser-nominiert als bester Debütroman 2025: Roland Muller: Eisrausch

April 9, 2025

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Debütroman folgende Krimis nominiert:

Stefan Grebe: Die Übermacht (Bastei Lübbe)

Roland Muller: Eisrausch (Aufbau Taschenbuch)

Turid Müller: Im Schatten der Insel (Piper)

Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers (Klett-Cotta)

Ana Wetherall-Grujić: Blutsschwestern (Kremayr & Scheriau)

Grönland, here we come!

Kriminalhauptkommissar John Kaunak wird von Aarhus nach Grönland geschickt. Dort soll er als Sicherheitschef des von einem australisch-dänischem Unternehmen betriebenen Seltene-Erden-Tagebauprojekts in Kvanefjeld herausfinden, wer zwei Mitarbeiter hinterrücks harpunierte. Die Arbeiter fürchten weitere Morde. Außerdem gibt es vermehrt Sabotageakte und im Moment noch friedliche Proteste von Einheimischen und Umweltschützern gegen den Tagebau.

Kaunak begreift schnell, dass er mit modernen Ermittlungsmethoden, wozu zu einem großen Teil das Auswerten von Spuren im Labor gehört, nicht wirklich weiterkommt. Es gibt vor Ort noch nicht einmal eine richtige Polizei, sondern nur eine Mini-Polizeistation mit zwei Haftzellen. In der einen nüchtert ein stadtbekannter Trinker öfter seinen Rausch aus. In der anderen Zelle darf Kaunak als Gast seine erste Nacht verbringen.

Am nächsten Tag beginnt er seine Arbeit als Sicherheitschef und als Mordermittler.

Natürlich ist Roland Mullers Debütroman „Eisrausch“ nicht der Roman zur aktuellen politischen Situation. Als er ihn schrieb und 2024 veröffentlichte war Donald Trump als US-Präsident Geschichte.

Aber jetzt, wo der egomanische Dummkopf im Weißen Haus Grönland irgendwie besetzen will, funktioniert „Eisrausch“ prächtig als spannende und gründlich recherchierte Hintergrundlektüre zu Grönland, dem dortigen Leben und warum dieses Stück Land im Norden für die Großmächte, wie die im Roman wichtigen Chinesen, so interessant ist.

Vor diesem Hintergrund entfaltet Roland Muller seine Geschichte. Sie beginnt als gewöhnlicher Krimi mit einem Kommissar, der einen Doppelmord aufklären soll. Schnell wird sie zum Thriller, später zur im Eis spielenden Abenteuergeschichte und, am Ende, wieder zum Thriller mit eindeutig identifizierbaren Bösewichtern. Das bewegt sich, gut gemacht, in vertrauten Bahnen.

Interessant und wirklich lesenswert wird der Thriller durch die klug eingebauten Informationen über das Land, die Leute, deren Kultur und die aktuellen Bedrohungen ihrer Kultur und ihres Lebensstils. In dieser Beziehung changiert Muller zwischen verhindertem Nature-Writing-Autor und Tony-Hillerman-Light. Und das meine ich positiv!

Eisrausch“ ist ein erfreulich altmodischer, auf Experimente und Modernismen verzichtender Thriller.

Da bin ich gespannt auf Mullers nächsten Kaunak-Roman.

Roland Muller: Eisrausch

Aufbau Taschenbuch, 2024

336 Seiten

12 Euro

Hinweise

Aufbau Verlag über den Roman

Homepage von Roland Muller

 


TV-Tipp für den 9. April: Prüdes Hollywood – Laster, Lust und Leidenschaft im Film

April 8, 2025

Arte, 22.25

Prüdes Hollywood – Laster, Lust und Leidenschaft im Film (Deutschland 2024)

Regie: Viola Löffler

TV-Premiere. 55-minütige Doku über die nicht mehr vorhandenen nackten Tatsachen im Hollywood-Kino. Während es zu Zeiten von „Basic Instinct“ in vielen Mainstream-Filmen heiße Sexszenen gab, gibt es in aktuellen Blockbustern höchstens noch peinlich-prüden Pseudo-Sex im BH.

In Arthouse-Filmen und in europäischen Filmen ist der Umgang mit Nacktheit und Sex deutlich unverkrampfter.

Viola Löffler will herausfinden, was sich in den vergangenen dreißig Jahren veränderte.

mit Joe Eszterhas, Catherine Breillat, Ita O’Brien

Hinweis

Arte über die Doku


Cover der Woche/R. i. P. Ken Bruen

April 8, 2025

R. i. P. Ken Bruen (3. Januar 1951, Galway – 29. März 2025, Galway)

Der „Godfather of the Modern Irish Crime Novel“ (Irish Times) starb am 29. März mit 74 Jahren.

Seine wundervoll knapp und lyrisch geschriebenen schwarzhumorigen Noirs wurden, teils mehrmals, mit dem Shamus Award, dem Macavity Award, dem Barry Award, dem Grand prix de littérature policière und dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet und für zahlreiche weitere Preise, unter anderem zweimal für den Edgar Award, nominiert.

Bruen has a surreal mind and an unusual writing style of short, sharp, often one-word sentences. It shouldn’t work, but it does, delightful.“ (The Times)

Jeder seiner Noirs, die nur teilweise ins Deutsche übersetzt wurden und oft nur noch antiquarisch erhältlich sind, ist lesenswert und ein guter Startpunkt für ein Ken-Bruen-Fantum.

Besonders gute Startpunkte sind sein erster, in Galway spielender Jack-Taylor-Privatdetektivroman „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001), sein erster Brant-Polizeiroman „Saubermann“ (A White Arrest, 1998; alle Brant-Romane sind auf Deutsch im Polar Verlag erhältlich), sein erster, zusammen mit Jason Starr geschriebener Max-Fisher/Angela-Petrakos-Roman „Flop“ (Bust, 2006 – eigentlich eine brüllend komische Noir-Komödie; sie schrieben drei weitere genial durchgeknallte Fisher/Petrakos-Noirs [Bei ihrem Deutschlandbesuch durfte ich sie interviewen.]) und seine Einzelromane, wie „London Boulevard“ (London Boulevard, 2001) und „Once were Cops“ (2008).

Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt. „London Boulevard“ 2010 von William Monahan mit Colin Farrell, Keira Knightley und Ray Winstone.

Sein vierter Brant-Roman „Brant“ (Blitz, 2002) 2011 als „Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop“ von Elliott Lester mit Jason Statham (als Brant), Paddy Considine, Aidan Gillen und David Morrissey.

Und für das Fernsehen wurden mit Iain Glen als Privatdetektiv Jack Tayler neun Jack-Taylor-Romane verfilmt. Die Serie lief auch im deutschen Fernsehen.

Hinweise

Wikipedia über Ken Bruen (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Aliens Bändigung“ (Taming the Alien, 1999)

Meine Besprechung von Ken Bruens „McDead“ (The McDead, 2000)

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Scharfe Munition“ (Ammunition, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Once were Cops“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 8. April: RoboCop

April 7, 2025

Nitro, 23.50

Robocop (Robocop, USA 2014)

Regie: José Padilha

Drehbuch: Joshua Zetumer

Bei einem Anschlag wird Polizist Alex Murphy schwer verwundet. Er wird auf Betreiben des ein gutes Geschäft witternden Konzerns OmniCorp zusammengeflickt und als quasi unverwundbarer Robocop, einer Mischung aus Mensch und Roboter, auf die Verbrecherwelt losgelassen.

Überraschend gelungenes Remake und Update von Paul Verhoevens „Robocop“. Ein Science-Fiction-Actionfilm, der zum Nachdenken anregt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Samuel L. Jackson, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Zach Grenier

Hinweise

Moviepilot über „Robocop“

Metacritic über „Robocop“

Rotten Tomatoes über „Robocop“

Wikipedia über „Robocop“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von José Padilhas „Tropa de Elite“ (Tropa de Elite, Brasilien/USA 2007)

Meine Besprechung von José Padilhas „Robocop“ (Robocop, USA 2014)

Meine Besprechung von José Padilhas „Narcos – Die komplette erste Staffel“ (Narcos, USA 2015)

Meine Besprechung von José Padilhas „7 Tage in Entebbe“ (7 Days in Entebbe, USA/Großbritannien 2018)

 


TV-Tipp für den 7. April: Die Mörder sind unter uns

April 6, 2025

Arte, 20.15

Die Mörder sind unter uns (Deutschland 1946)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Wolfgang Staudte

„Die Mörder sind unter uns“ war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste deutsche Film, der hergestellt wurde, und weil die anderen Besatzungsmächte Wolfgang Staudtes Drehbuch nicht akzeptierten (vor allem wegen des ursprünglich geplanten Selbstjustiz-Endes), war es auch der erste Defa-Film. Er ist auch ein Klassiker des deutschen Films und eine quälende, von Verunsicherung geprägte Bestandsaufnahme.

Im zerstörten Berlin leidet der Arzt Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) an seinen Kriegserlebnissen, die er versucht mit Alkohol und Barbesuchen zu betäuben. Er wohnt bei Susanne Wallner (Hildegard Knef), die in einem KZ war. Als sie in seinen Sachen den Abschiedsbrief von seinem Kompaniechef Brückner entdeckt, erfährt Mertens von ihr, dass Brückner (Arno Paulsen) noch lebt. Mertens möchte ihn für seine Kriegsverbrechen büßen lassen.

Staudte inszenierte diese Geschichte mit Bildern aus dem zerstörten Berlin in typischen Noir-Bildern und zahlreichen Nahaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Deutschen mit ihrer Schuld und wie sie mit den Tätern umgehen sollen. Es ist ein in hohem Maß selbstreflexiver, von Verunsicherung, auch über das eigene Tun, geprägter Film, der gerade daraus auch heute noch seine erzählerische Wucht gewinnt.

Ein historisches Dokument ist er sowieso.

„Dieser erste Trümmerfilm war ein hoffnungsvoller Ansatz, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)

Mit Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Michael Günther, Robert Forsch

Hinweise

Filmportal über „Die Mörder sind unter uns“

Moviepilot über „Die Mörder sind unter uns“

Rotten Tomatoes über „Die Mörder sind unter uns“

Wikipedia über „Die Mörder sind unter uns“ (deutsch, englisch)

 


Die Krimibestenliste April 2025

April 6, 2025

Zwischen 1. April (Wo sind sie geblieben, die guten Aprilscherze?) und 1. Mai (Na, ihr wisst schon.) präsentiert Deutschlandfunk Kultur die monatliche Krimibestenliste.

Die Lese- und Ostergeschenkempfehlungen sind:

1 (6) Johannes Groschupf: Skin City

Suhrkamp, 234 Seiten, 17 Euro

2 (3) Liz Moore: Der Gott des Waldes

Aus dem Englischen von Cornelius Hartz

C. H. Beck, 590 Seiten, 26 Euro

3 (5) Garry Disher: Desolation Hill

Aus dem Englischen von Peter Torberg

Unionsverlag, 346 Seiten, 24 Euro

4 (–) Dirk Schmidt: Die Kurve

Suhrkamp, 275 Seiten, 17 Euro

5 (–) Frank Göhre: Sizilianische Nacht

CulturBooks, 162 Seiten, 17 Euro

6 (7) Max Annas: Tanz im Dunkel

Suhrkamp, 240 Seiten, 17 Euro

7 (1) Ivy Pochoda: Sing mir vom Tod

Aus dem Englischen von Stefan Lux

Suhrkamp, 332 Seiten, 17 Euro

8 (2) Megan Abbott: Hüte dich vor der Frau

Aus dem Englischen von Peter Hammans

Pulp Master, 373 Seiten, 16 Euro

9 (–) J. G. Ballard: Super-Cannes

Aus dem Englischen von Helma Schleif

Diaphanes, 478 Seiten, 25 Euro

10 (10) Nicolás Ferraro: Ámbar

Aus dem Spanischen von Kirsten Brandt

Pendragon, 314 Seiten, 22 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Puh, viermal Suhrkamp. Vier deutsche Autoren und drei Autorinnen.

Einiges steht auch auf meiner Zu-Lesen-Liste (Moore. Disher!, Göhre!…), aber im Moment bin ich noch mit den für den diesjährigen Glauser nominierten Krimis beschäftigt.

Außerdem ist Tade Thompsons finaler Band seiner Wormwood-Trilogie „Rosewater: Die Erlösung“ endlich erschienen. Das ist Science-Fiction und sollte mir, wie seine vorherigen Bücher, sehr gut gefallen.


TV-Tipp für den 6. April: Clint Eastwood – Der Letzte seiner Art

April 5, 2025

Arte, 22.00

Clint Eastwood – Der letzte seiner Art (La dernière légende, Frankreich 2022)

Regie: Clélia Cohen

Drehbuch: Clélia Cohen

Ziemlich neue siebzigminütige Doku über Clint Eastwood, der „Fremde ohne Name“, der später „Erbarmungslos“ zu „Dirty Harry“ wurde.

„knappen, aber profunden Analyse“ (Lexikon des internationalen Films)

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte „Der Mann, der niemals aufgibt“. Von und mit Clint Eastwood, als Polizist, der eine Zeugin zu einer Gerichtsverhandlung bringen soll.

Danach, um 23.20 Uhr, zeigt Arte „Eastwood Symphonic: Vater und Sohn“ und die Musik einiger Eastwood-Filme

Hinweise

Arte über die Doku

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Juror #2“ (Juror #2, USA 2024)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. April: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

April 4, 2025

3sat, 20.15

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (Deutschland 2018)

Regie: Joachim A. Lang

Drehbuch: Joachim A. Lang

„Die Dreigroschenoper“ ist 1928 in Berlin ein Theaterhit, der auch verfilmt werden soll. Bertolt Brecht schreibt ein nie verfilmtes Exposé für eine Verfilmung.

Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Kenner, verfilmte jetzt Brechts Vision und er erzählt auch die Geschichte des Bühnenstücks und seiner Verfilmung. Insofern ist „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ das sehr unterhaltsame und informative Making-of zu einem nicht existierendem Film, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl, Meike Droste, Godehard Giese, Max Raabe

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Moviepilot über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Wikipedia über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Führer und Verführer“ (Deutschland 2024)

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Cranko“ (Deutschland 2024)


TV-Tipp für den 4. April: Verleihung des 61. Grimme-Preises

April 3, 2025

3sat, 22.25

Verleihung des 61. Grimme-Preises

Live und in Farbe: die Verleihung des wichtigsten Preises für die besten Leistungen der TV-Macher:innen in Deutschland.

Hinweise

Homepage des Grimme-Preis

Wikipedia über den Grimme-Preis


Neu im Kino/Filmkritik: Paradies gesucht, „Eden“ gefunden

April 3, 2025

1932 machen sich der 42-jährige Weltkriegsveteran und Staatsangestellte Heinz Wittmer (Daniel Brühl) mit seiner schwangeren jüngeren Ehefrau Margret (Sydney Sweeney) und seinem Sohn Harry auf den Weg zur im Galápaos-Archipel liegenden Insel Floreana.

Dort leben seit 1929 als erste Bewohne der Insel der Berliner Arzt und Schmalspurphilosoph Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und seine an Multiple Sklerose erkrankte Lebensgefährtin Dore Strauch (Vanessa Kirby). Sie sind Aussteiger, die mit der Welt nichts zu tun haben wollen. Er schreibt auch an einem philosophischen Manifest. In Deutschland wurde Ritter durch seine Briefe als Aussteiger bekannt. Sein Leben abseits der Zivilisation auf einer Südseeinsel wurde zeittypisch verklärt.

Ritter und Strauch lehnen die ihre Idylle störenden Neuankömmlinge schon vor der ersten Begegnung ab. Sie weisen ihnen ein unfruchtbares Stück Land an einer Höhle zu und hoffen, dass die naiven Städter schnell aufgeben und in einigen Wochen das nächste oder übernächste regelmäßig vorbeifahrende Schiff besteigen werden. Aber die Wittmers meistern die Herausforderungen.

Als wenige Monate später die Baronin Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas) mit ihrer Entourage auftaucht, verbünden sie sich – mehr oder weniger – gegen die Neuankömmlinge. Der Plan der Baronin, auf der Insel ein Luxushotel zu errichten, ist dann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Zwischen März und November 1934 führen die Intrigen und Feindschaften zwischen ihnen zu einer Kette niemals vollständig geklärter Ereignisse, die mit dem Tod von drei Menschen und dem spurlosen Verschwinden von drei weiteren Menschen enden.

In seinem neuen Film „Eden“ erzählt Ron Howard diese wahre Geschichte, die in den frühen dreißiger Jahren für Schlagzeilen sorgte und seitdem mehrmals in Büchern und Filmen behandelt wurde. Es ist eine faszinierende Geschichte von Aussteigertum, Idealismus und wie deren Träume an der schnöden Realität, Dummheit und Egoismus scheitern. Ritters Utopie endet mit drei Toten und drei spurlos Verschwundenen. Die Überlebenden, die teils auf der Insel blieben, erzählten anschließend verschiedene Versionen der damaligen Ereignisse.

Ron Howard, der anfangs den Eindruck erweckt, eine möglichst nah an den historischen Fakten entlang erzählte Geschichte zu erzählen, erzählt letztendlich die damaligen Ereignisse aus der Sicht von Margret Wittmer. Sie überlebte die anderen Floreana-Aussteiger um mehrere Jahrzehnte und starb mit 95 Jahren am 21. März 2000.

Das ist jetzt nicht wirklich ein Problem des Dramas. Eher schon, dass es sich bis zum Ende nicht auf eine Erzählperspektive und Erzählhaltung festlegen will. So mäandert der Film zwischen Genres und Stilen, immer wieder mit den Frauen als treibende Kräfte, zu seinem mörderischen Ende.

Eden (Eden, USA 2025)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Noah Pink, Ron Howard

mit Jude Law, Daniel Brühl, Ana de Armas, Sydney Sweeney, Vanessa Kirby, Felix Kammerer, Jonathan Tittel, Toby Wallace, Paul Gleeson

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Eden“

Metacritic über „Eden“

Rotten Tomatoes über „Eden“

Wikipedia über „Eden“ (deutsch, englisch) und die wahre Geschichte (jaja, Spoiler)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Dystopie-Satire „The Assessment“

April 3, 2025

In der nahen Zukunft müssen Eltern, wenn sie ein Kind bekommen wollen, sich einer mehrtägigen Prüfung unterziehen. So soll in dieser perfekten Welt herausgefunden werden, ob sie gute Eltern wären. Für ein solches Bewertungsverfahren haben sich Mia (Elizabeth Olsen) und ihr Mann Aaryan (Himesh Patel) beworben. In den kommenden sieben Tagen soll Virginia (Alicia Vikander) sie prüfen.

Virginias Prüfungen in dem einsam gelegenem Anwesen von Mia und Aaryan bestehen nicht aus Fragebögen und langen Interviews, sondern aus Beobachtungen und mehr oder weniger absurd anmutenden Aufgaben. Virginia setzt sich beim Intimverkehr neben sie. Mit Psychospielen strapaziert sie ihre Nerven. Sie bringt sie sogar in Lebensgefahr. Im Lauf der Prüfungstage wird immer unklarer, ob diese Prüfungen zu der von der Regierung geforderten Prüfung gehören oder ob Virginia die Anwärter für eine Elternschaft einfach nur solange quälen will, bis sie etwas tun, was sie disqualifiziert.

Nach mehreren Kurzfilmen und Musikvideos ist „The Assessment“ Fleur Fortunés Spielfilmdebüt. Die Prämisse der top besetzten Filmgeschichte ist gut, aber sie nutzt das Potential der Geschichte nur halb. Auf der Plusseite ihrer SF-Satire stehen eindeutig die Idee, ihre grundsätzliche Ausführung, die drei Hauptdarsteller, die Konzentration auf einen Schauplatz und die Inszenierung.

Aber mit fast zwei Stunden Laufzeit gehört „The Assessment“ zu den Filmen, die zu lang sind. Aus der Idee hätte eine gallige neunzigminütige Satire werden können. Stattdessen wurde aus ihr ein sich im zweiten Akt bei den Prüfungen teilweise zäh hinziehendes Werk mit einem ärgerlichem Ende. Anstatt innerhalb weniger Sekunden seine Pointe zu setzten, gibt es mehrere Szenen und damit verbundene unglaubwürdige Entwicklungen und länglich-überflüssige Erklärungen. Das ist dann erschreckend mutlos.

The Assessment (The Assessment, Großbritannien/Deutschland/USA 2024)

Regie: Fleur Fortuné

Drehbuch: Mrs. & Mr. Thomas, John Donelly

mit Alicia Vikander, Elizabeth Olsen, Himesh Patel

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „The Assessment“

Moviepilot über „The Assessment“

Metacritic über „The Assessment“

Rotten Tomatoes über „The Assessment“

Wikipedia über „The Assessment“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Stiefmutter „Victoria muss weg“, mit allen Mitteln

April 3, 2025

Während Hendrik und Hedvig noch ihrer unlängst verstorbenen Mutter hinterhertrauern, hat ihr Vater schon eine neue Ehefrau gefunden. Victoria heißt sie. Sie ist eine alles mit ihrem Smartphone fotografierende Influencerin. Und sie nervt mit ihren pompösen Plänen für eine Hochzeitsfeier im Sommerhaus am See, neuen Tischsitten und Vorschriften. Ihr Vater ist inzwischen vollständig ins Lager Victoria gewechselt.

Als Victoria die beiden halbwüchsigen Geschwister auf Handy-Entzug setzt, finden sie in einem alten Comic die Lösung für ihr Victoria-Problem: Ein Auftragskiller bringt ihre neue Stiefmutter um. Dummerweise ist Carl, den sie wegen seiner Herkunft für einen erfahrenen Killer halten, kein Killer.

Trotzdem lassen die beiden verwöhnten Reichenkinder nicht ab von ihrem Plan.

Nach einem von ihnen durchgeführtem Mordanschlag, der mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt ihre geliebten Großmutter endet, beichten sie ihr ihre Pläne. Die Großmutter ist nicht empört darüber, sondern, ohne auch nur eine Anstandssekunde zu zögern, erklärt sie sich bereit, Hedvig und Hendrik bei ihrem Mordplan tatkräftig zu helfen.

So könnte eine Zusammenarbeit von Ingmar Bergman und einem Nordic-Noir-TV-Regisseur aussehen. Gunnbjörg Gunnarsdóttirs „Victoria muss weg“ ist eine herrlich respektlose, präzise und sehr stilbewusst inszenierte Schwarze Komödie, die ihre weitgehend vollkommen amoralische und unter der harmlosen Oberfläche äußerst gemeine Geschichte so harmlos zwischen skandinavischer Bullerbü-Gemütlichkeit, Spitzen gegen das vermögende Großbürgertum – vor allem die beiden Kinder Hedvig und Hendrik sind ein Ausbund von moralbefreitem „Mir stehen alle Privilegien zu“-Klassenbewusstsein – und dem gelungenem Spiel mit Klischees und Vorurteilen erzählt, dass die Komödie als Kinderfilm beworben wird. Sie lief auf mehreren Kinderfilmfestivals, wie dem SCHLINGEL-Festival, und gewann dort Preise. Beim Kristiansand International Children’s Film Festival erhielt sie den Publikumspreis. Bei den Nordischen Filmtagen Lübeck gab es eine Lobende Erwähnung der Kinderjury.

Dabei ist „Victoria muss weg“, wenn man etwas genauer hinsieht, keine harmlose, kindgerechte Komödie, sondern eine auf exzessiv präsentierte Gewalt verzichtende, sich harmlos-bieder gebende Abrechnung mit der norwegischen Gesellschaft, der Klassengesellschaft und wie Menschen sich fröhlich und höflich gegenseitig das Leben zur Hölle machen.

Victoria muss weg (Victoria må dø, Norwegen 2024)

Regie: Gunnbjörg Gunnarsdóttir

Drehbuch: Gunnbjörg Gunnarsdóttir, Rolf-Magne G. Andersen

mit EIne Marie Wilmann, Leo Ajkic, Morten Svartveit, Agnete Haaland, Mille Sofie Rist Dalhaug, Sverre Thornam

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (vom Verleih ab 8 Jahe empfohlen)

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Victoria muss weg“

Rotten Tomatoes über „Victoria muss weg“

Wikipedia über „Victoria muss weg“


TV-Tipp für den 3. April: Nur 48 Stunden

April 2, 2025

Tele 5, 20.15 (wahrscheinlich gekürzte Fassung)

Nur 48 Stunden (48 Hrs., USA 1982)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Roger Spottiswoode, Walter Hill, Larry Gross, Steven E. de Souza

Detective Jack Cates hat ’nur 48 Stunden‘ um den flüchtigen Schwerverbrecher Albert Ganz zu schnappen. Der Knacki Reggie Hammond soll ihm helfen.

Ein Klassiker. Hill verbindet das Buddy-Movie mit dem Actionfilm und landet einen Kassenhit. Nolte ist dabei der ewig schlecht gelaunte, Regeln brechende Cop und Murphy, in seinem ersten Filmauftritt, eine wahre Quasselstrippe.

„Hill erzählt diese im Grund sehr simple Geschichte ungeheuer direkt, kraftvoll und mit einer Wucht, dass die Gewalt beinahe physisch spürbar wird. Seine rasantes Schnittfolgen lassen keine Entspannung zu und treiben die Story und die gewitzten Dialoge mit Höchstdruck voran.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Danach, um 22.10 Uhr, zeigt Tele 5 die nicht so wahnsinnig überzeugende Fortsetzung „Und wieder nur 48 Stunden“ (USA 1990).

mit Nick Nolte, Eddie Murphy, Annette O’Toole, Frank McRae, James Remar, David Patrick Kelly, Sonny Landham

Wiederholung: Freitag, 4. April, 23.50 Uhr (dann könnte die ungekürzte Kinofassung laufen)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nur 48 Stunden“

Wikipedia über „Nur 48 Stunden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


R. i. P. Val Kilmer

April 2, 2025

R. i. P. Val Kilmer (31. Dezember 1959 in Los Angeles, Kalifornien – 1. April 2025 in Los Angeles, Kalifornien)

Val Kilmers große Zeit waren die achtziger und neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. In dieser Zeit spielte er die Hauptrolle oder die wichtigste Nebenrolle in Kritiker- und Publikumserfolgen wie „Top Secret!“ (1984), seinem Filmdebüt, „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (Top Gun, 1986), „Willow“ (1988), „Kill me again“ (1989, ein Neo-Noir mit seiner damaligen Frau Joanne Whalley-Kilmer), „The Doors“ (1991), „Halbblut“ (Thunderheart, 1992), „True Romance“ (1993), „Tombstone“ (1993), „Batman Forever“ (1995) und „Heat“ (1995) und, mit Abstrichen, „The Saint – Der Mann ohne Namen“ (The Saint, 1997).

Nach den beiden Mega-Flops „DNA – Die Insel des Dr. Moreau“ (The Island of Dr. Moreau, 1996), dessen Dreh eine inzwischen legendäre Katastrophe war, und „Red Planet“ (2000) versandete seine Karriere, auch weil er am Set als ’schwierig‘ galt, in Nebenrollen und Direct-to-DVD-Filmen.

Bemerkenswerte und wichtige Filme in den vergangenen 25 Jahren, in denen er in mehr oder weniger kleinen Rollen mitspielte, waren „The Missing“ (2003), David Mamets „Spartan“ (2003), „Alexander“ (2004), „Kiss Kiss, Bang Bang“ (2005), „Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit“ (Déjà Vu, 2006), Werner Herzogs „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ (Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans, 2009), Francis Ford Coppolas „Twixt“ (2011) und Terrence Malicks „Song to Song“ (2017). Eigentlich keinen dieser Filme sah man sich wegen ihm an und selbstverständlich sind „Spartan“, „Twixt“ und „Song to Song“ primär wegen des Regisseurs interessant.

Seine letzte Rolle war 2022, stark unterstützt von Hauptdarsteller Tom Cruise, ein kurzer Auftritt als Admiral Tom ‚Iceman‘ Kazansky in „Top Gun: Maverick“.

Arte zeigt am Donnerstag, den 3. April, um 00.17 Uhr die spielfilmlange Doku „Val Kilmer – Ein Leben zwischen ‚Top Gun‘ und ‚The Doors’“ (USA 2021). Sie ist anschließend in der Mediathek verfügbar.

Und vielleicht sehen wir uns auch wieder einen von Val Kilmers großen Filmen an.