Madame empfiehlt sich (Elle s’en va, Frankreich 2013)
Regie: Emmanuelle Bercot
Drehbuch: Emmanuelle Bercot, Jérôme Tonnerre
Bettie (Catherine Deneuve), Besitzerin eines kurz vor der Schließung stehenden Restaurants, will an diesem Sonntag nur Zigaretten holen. Aber in der bretonischen Provinz sind alle Geschäfte geschlossen. Also fährt sie immer weiter. Auf der Suche nach…
Road-Movie, das auch und vor allem eine Liebeserklärung an Catherine Deneuve ist. Auch wenn das Lexikon des Internationalen Films mäkelt: „unentschlossene Mischung aus Komödie, Roadmovie und Selbstfindungsdrama.
mit Catherine Deneuve, Nemo Schiffman, Camille, Gérard Garouste, Claude Gensac, Paul Hamy, Mylène Demongeot, Hafsia Herzi
Alien – Die Wiedergeburt (Alien Resurrection, USA 1997)
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Joss Whedon
Vierter „Alien“-Film mit Sigourney Weaver und der letzte sehenswerte „Alien“-Film. Dieses Mal muss die zweihundert Jahre nach ihrem Tod aus ihrer DNA geklonte Ellen Ripley auf einem Forschungsraumschiff gegen die bösen Aliens kämpfen. Denn die Forscher klonten auch diese.
Der Franzose Jean-Pierre Jeunet durfte, wie die vorherigen „Alien“-Regisseure, dem Film seinen Stempel aufdrücken und so gibt es eine ziemlich abgedrehte Verbindung von Hollywood-Horror-SF-Thriller und groteskem französischem Humor der schwarzen Sorte.
„Eine überzeugende Fortsetzung der erfolgreichen ‚Alien‘-Saga.“ (Fischer Film Almanach 1998)
„Science-Fiction-Bühnenzauber der besseren Spielart, das gleichermaßen vom europäischen Autorenkino und von amerikanischer Perfektion profitiert.“ (Lexikon des internationalen Films)
Jeunet drehte davor „Delicatessen“ (Delicatessen, 1991) und „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (La Cité des enfants perdus, 1995), danach „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (Le Fabuleux destin d’Amélie Poulain, 2001), „Mathilde – Eine große Liebe“ (Un long dimanche de fiançailles, 2004) und „Die Karte meiner Träume“ (L’Extravagant voyage du jeune et prodigieux T.S. Spivet, 2013).
mit Sigourney Weaver, Winona Ryder, Dominique Pinon, Ron Perlman, Michael Wincott, Brad Dourif, Gary Dourdan, Dan Hedaya, Raymond Cruz
Sturm über Washington(Advise and Consent, USA 1962)
Regie: Otto Preminger
Drehbuch: Wendell Mayes
LV: Allen Drury: Advise and Consent, 1959 (Macht und Recht)
Der Präsident der USA möchte Robert Leffingwell (Henry Fonda) zum Außenminister ernennen. Davor steht allerdings eine Befragung von Senator Seb Coley (Charles Laughton in seinem letzten Filmauftritt), der Leffingwells Berufung mit allen Mitteln verhindern möchte. Zur gleichen Zeit versuchen Unterstützer von Leffingwell alles, um ihm den Posten zu verschaffen.
Anscheinend ist heute die TV-Premiere von Otto Premingers facettemreichem Drama um eine Stellenbesetzung.
„Ein packender Polit-Thriller, der über die Jahrzehnte nichts von seiner Brisanz und Aktualität verloren hat (…) Bemerkenswert an dieser Produktion, die zum Teil an Originalschauplätzen in Washington entstand, sind die darstellerischen Leistungen sämtlicher Akteure, wobei Preminger selbst die kleinsten Nebenrollen vorzüglich besetzte.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
Danach, um 22.30 Uhr, zeigt Arte mit „Der Präsident“ (Le Président, Frankreich/Italien 1961, Regie: Henri Verneuil, nach einem Roman von Georges Simenon, mit Jean Gabin) ein weiteres Polit-Drama.
mit Henry Fonda, Charles Laughton, Don Murray, Walter Pidgeon, Peter Lawford, Gene Tierney, Lew Ayres, Burgess Meredith
The Commuter (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Byron Willinger, Philip de Blasi
Auf der Heimfahrt wird der gerade entlassene Versicherungsvertreter, Ex-Cop und Berufspendler Michael MacCauley von einer schönen, ihm unbekannten Frau angesprochen. Sie bietet ihm eine Menge Geld, wenn er im Zug eine Person aufspürt. Nachdem MacCauley eine Anzahlung eingesteckt hat, bemerkt er, dass er in eine Falle getappt ist. Denn wenn er jetzt nicht seinen Teil des Deals erfüllt, sterben Menschen.
TV-Premiere. Die vierte Zusammenarbeit von Jaume Collet-Serra und Liam Neeson (nach „Unknown Identity“, „Non-Stop“ und „Run all Night“) bietet gewohnt gut abgehangenes Thriller-Entertainment mit einer ordentlichen Portion Action, einer vertrauten Geschichte, die mit etlichen überraschenden Twists hochenergetisch präsentiert wird und einem beachtlichen, spielfreudigem Ensemble.
mit Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill, Elizabeth McGovern, Jonathan Banks, Florence Pugh, Andy Nyman, Killian Scott, Shazad Latif, Roland Moller, Kobna Holdbrook-Smith, Colin McFarlane
Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]
Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)
Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.
Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.
Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.
mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)
Ein Mann für gewisse Stunden (American Gigolo, USA 1980)
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Paul Schrader
„American Gigolo“ Julian (Richard Gere) lebt in Los Angeles als Callboy für die Damen der Oberschicht. Das ist kein Problem, bis sich eine Politkergattin in ihn verliebt und er in ein Mordkomplott hineingezogen wird.
Für Richard Gere war der an der Kinokasse erfolgreiche Film der große Durchbruch als Schauspieler und Paul Schrader, der davor unter anderem das Drehbuch für „Taxi Driver“ schrieb, hatte als Regisseur plötzlich ein ganz anderes Standing in Hollywood.
Heute ist die Charakterstudie eines einsamen Mannes ein Klassiker, der damals allerdings von der Kritik nicht so geliebt wurde: „Paul Schrader hat so gut wie alle Möglichkeiten des Themas verschenkt. (…) Das Produkt verkommt in der Kulisse.“ (Fischer Film Almanach 1981) oder „Elegant inszeniert, mit überlegenswerten Zwischentönen, aber insgesamt in der Behandlung des Themas zu oberflächlich, kommt der Film über anspruchsvollere Unterhaltung nicht hinaus.“ (Lexikon des intenationalen Films)
Dabei ist Julian doch der Prototyp eines oberflächlichen Mannes, der sich (auch berufsbedingt) durch Äußerlichkeiten definiert und der in einer Welt des schönen Scheins lebt. Und Schraders Film eine Vorschau auf die achtziger Jahre.
2007 drehte Paul Schrader mit „The Walker – Ein Freund gewisser Damen“ ein Quasi-Remake/Fortsetzung. Woody Harrelson spielt darin den eleganten Beglücker älterer Damen.
Mit Richard Gere, Lauren Hutton, Hector Elizondo, Nina von Pallandt, Bill Duke
Laut der IMDB ist „Narziss und Goldmund“ die, wenn man die TV-Filme mitzählt, achte Hermann-Hesse-Verfilmung. Das ist angesichts der immer noch vorhandenen Popularität des 1962 verstorbenen Literaturnobelpreisträgers erstaunlich. Auch weil viele während ihrer Jugend (so mit 14 Jahren beim Interrail-Fahren durch Europa) eine Hesse-Phase hatten. Die zweite Hesse-Phase soll dann im hohen Alter kommen. Da sollte es in den vergangenen Jahrzehnten doch einige Regisseure gegeben haben, die sich seiner Romane annehmen und daraus einen Film machen. Die bisherigen Verfilmungen, unter anderem „Der Steppenwolf“ mit Max von Sydow, sind weitgehend und aus verschiedenen Gründen obskur. Das kann von Stefan Ruzowitzkys Verfilmung von „Narziss und Goldmund“ nicht behauptet werden. Mit einem ordentlichem Budget, mittelalterlichen Schauwerten und bekannten Schauspielern (Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Emilia Schüle, Uwe Ochsenknecht, Kida Khodr Ramadan, Jessica Schwarz, Sunnyi Melles, Matthias Habich und Sabin Tambrea) bearbeitete er Hesses Geschichte für die große Leinwand und für ein Mainstream-Publikum. Und er nahm sich einige Freiheiten.
Im Mittelpunkt der irgendwann im Mittelalter spielenden Geschichte stehen Narziss und Goldmund, die sich zum ersten Mal als Knaben im Kloster Mariabronn treffen. Narziss ist ein sehr begabter Novize, der auch seinen Lehrern widerspricht. Er ist ein Intellektueller, ein Geistesmensch, der mit einem enthaltsamen, von der Welt abgewandtem Leben im Kloster glücklich wird.
Goldmund ist das Gegenteil. Der Zehnjährige wird von seinem Vater ins Kloster gebracht, damit er etwas lernt. Narziss wird vom Abt zu Goldmunds Lehrer ernannt. Der Abt hofft, dass so auch Narziss etwas für sein weiteres Leben lernt.
Nach einer kurzen Zeit, in der die beiden Jungen sich näher kommen (und, ja, im Buch und Film wird einem eine homosexuelle Liebesgeschichte nahe gelegt), verlässt Goldmund das Kloster. Er will die Welt erkunden, Abenteuer erleben und Sex haben. Seine Schule sind nicht Bücher und das Nachdenken in einer stillen Kammer, sondern das eigene Erleben und, später, das Schaffen von Kunstwerken, die aus seinem eigenen Erleben ihre Kraft ziehen.
Während Hesse die Geschichte von Narziss und Goldmund chronologisch erzählt und immer bei Goldmund bleibt, wählt Ruzowitzky eine wesentlich komplizierte Struktur. Bei ihm kommt Goldmund, wie im Roman, fünfzehn Jahre nach seinem Abschied aus dem Kloster zurück. In dem Moment sind ungefähr 25 Filmminuten vergangen. Im Kloster erhält Goldmund von Narziss, der inzwischen zum Abt wurde, den Auftrag, einen Altar zu schnitzen. Während der Arbeit am Altar erzählt Goldmund Narziss, was er in den vergangenen Jahren erlebte. Gleichzeitig regt sich im Kloster Widerstand gegen Goldmunds viel zu offensichtlich von seinen weltlichen Erlebnissen und der Suche nach seiner Mutter inspirierte Arbeit.
Außerdem verlegte Ruzowitzkys Hesses zeitlich nicht genau verorteten Roman in ein Fantasy-Mittelalter, das zeitlich überhaupt nicht mehr zu verorten ist. Es wurde einfach genommen, was gefällt. Auch wenn es aus verschiedenen Jahrhunderten stammt. Ruzowitzkys Hesse-Mittelalter ist sauber. Die Schauspieler haben blendend weiße Zähne, einen akkuraten Haarschnitt und trendige Klamotten. Die Männer dürfen sehr oft ihren nackten Körper präsentieren. Vor allem „Goldmund“ Jannis Niewöhner zeigt mehrmals einen preiswürdigen Waschbrettbauch, der eindeutig aus dem Fitness-Studio um die Ecke stammt. Die Frauen bleiben dagegen züchtig verhüllt.
Die Filmgeschichte wird durch die von Ruzowitzky gewählte Struktur in den Rückblenden schnell redundant. Wie Casanova stolpert Goldmund von dem einen unglücklich endendem Liebesabenteuer zum nächsten, das ebenso unglücklich endet, weil Goldmund sich wieder in die falsche Frau verliebt hat. Außerdem hat er überhaupt kein Interesse an einer längerfristigen Bindung. Deshalb kann er sich umstandslos in die nächste Affäre stürzen.
Zur gleichen Zeit bleibt der von Ruzowitzky erfundene Konflikt um den Altar, den Goldmund für das Kloster anfertigt, an der Oberfläche und über Narziss‘ Aufstieg im Kloster erfahren wir im Film nicht mehr als im Buch. Da verschwindet er allerdings die meiste Zeit aus der Geschichte.
Ruzowitzkys „Narziss und Goldmund“ ist eine gut gemeinte Literaturverfilmung, die immerhin gut genug für den Schulunterricht ist.
P. S.: Fun Fact: Sunnyi Melles, die hier eine Gräfin spielt, hatte ihr Filmdebüt 1974 als Judith Melles in der schon erwähnten Verfilmung von „Der Steppenwolf“.
Narziss und Goldmund (Deutschland 2020)
Regie Stefan Ruzowitzky
Drehbuch: Stefan Ruzowitzky, Robert Gold (Ko-Autor)
LV: Hermann Hesse: Narziss und Goldmund, 1930
mit Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea, André M. Hennicke, Henriette Confurius, Emilia Schüle, Uwe Ochsenknecht, Kida Khodr Ramadan, Jessica Schwarz, Sunnyi Melles, Roxane Duran, Matthias Habich
Als Jason ‚JJ‘ Jones bei einem Undercover-Einsatz gegen russische Plutonium-Händler kurz vor der Enttarnung steht, kann er das verhindern. Indem er ganze Bande schwerbewaffneter Jungs mit brachialer Gewalt tötet.
Weil der CIA-Agent auf einer Aufklärungsmission war, ist für seinen Chef dieses Ergebnis des Einsatzes ein Desaster. Verärgert schickt er JJ nach Chicago. Dort soll das am liebsten allein arbeitende Muskelpaket mit der sehr nerdigen, von ihrem ersten Außeneinsatz restlos begeisterte Informatikerin Bobbi die alleinerziehende Krankenschwester Kate und ihre neunjährige, neunmalkluge Tochter Sophie beobachen. Die beiden sind gerade nach Chicago gezogen. Sie ist die Witwe des Bruders des international gesuchten Schwerverbrechers Viktor Marquez, der vielleicht in Chicago auftauchen könnte. Für den Action liebenden JJ ist dieser langweilige Auftrag, der ungefähr so spannend und gefährlich wie das Anstarren einer langsam trocknenden zu werden versprecht, seine letzte Chance.
Sophie ist ein naseweises Mädchen, das sich schnell zu JJs schlimmstem Alptraum entwickelt. Sofort nach dem Einzug von JJ und Bobbi in der gegenüberliegenden Wohnung, entdeckt sie die beiden CIA-Agenten. Sie enttarnt sie, filmt sie bei der Arbeit und erpresst sie. JJ soll ihr all die tollen Spionagesachen beibringen, die sie aus den Filmen kennen. Und durch einen dummen Zufall lernt JJ auch noch Sophies Mutter kennen.
Auf dem Papier wirkt „Der Spion von nebenan“ wie ein typisches Malen-nach-Zahlen-Hollywood-Produkt: man nehme einen Actionstar, der ein neues Publikum erschließen will (in diesem Fall Dave Bautista), ein nettes Kind, einige erprobte Nebendarsteller, etwas Action (Menge und Größe der Zerstörung werden vom Budget und den Fähigkeiten des Stars bestimmt), mehr oder weniger gelungene Gags und eine Story, die von einem feuchten Bierdeckel wiederverwertet wird. Im Ergebnis kommt dann ein Film heraus, der in jedem Fall sein Geld einspielen und meistens schnell vergessen wird.
Entsprechend niedrig waren meine Erwartungen und umso größer war meine Überraschung. „Get Smart“-Regisseur Peter Segal drehte eine erstaunlich warmherzige, an seinen drei Hauptfiguren interessierte Komödie, in der es eigentlich nur am Anfang und Ende nennenswerte Action gibt. Dazwischen kommen JJ, Sophie und Kate sich näher. Denn JJ nimmt immer mehr Anteil am Leben der Mutter und ihrer Tochter, die er ausspionieren soll. Zwischen JJ und Sophie entwickelt sich, auch wenn er zunächst von Sophie dazu erpresst wird, eine Vater-Tochter-Beziehung. Zwischen JJ und Kate beginnt eine Liebesgeschichte, die in einer Romantic Comedy in einer glücklichen, festen Beziehung münden würde. „Der Spion von nebenan“ ist allerdings eine Kriminalgeschichte und das bedeutet, dass der Bösewicht Marquez bei Kate und Sophie auftaucht und JJ das tun muss, was er am Filmanfang mit einigen verbrecherischen Plutonium-Händlern gemacht hat.
Segal gelingt in seiner Komödie der Spagat zwischen Buddy Movie, Actionkomödie und Romantic Comedy, weil er zeigt, wie JJ zu einem Menschen wird, der für andere Menschen Gefühle empfindet und sich um sie und ihr Wohlergehen kümmert.
Der Spion von nebenan (My Spy, USA 2020)
Regie: Peter Segal
Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber
mit Dave Bautista, Chloe Coleman, Kristen Schaal, Parisa Fitz-Henley, Ken Jeong, Greg Bryk, Devere Rogers
In der Notrufzentrale erhält Polizist Asger Holm den Anruf einer Frau, die behauptet, sie sitze in einem Auto neben ihrem Entführer und müsse so tun, als rede sie mit ihrer Tochter. Holm versucht ihr zu helfen.
TV-Premiere. Hochspannendes Echtzeit-Kammerspiel, das nur an einem Schreibtisch spielt.
Schweiz, 1971: in einem Bergdorf im Appenzell ist die Zeit stehen geblieben. Der Mann ist der unumstrittene Herr im Haus und Frauen dürfen nicht wählen. Als die junge Nora Ruckstuhl wieder arbeiten möchte, erfährt sie, dass sie dafür die Erlaubnis ihres Mannes benötigt. Sie empfindet diese Regel als ungerecht. Als ihr Mann für einige Tage auf einer Militärübung ist, hat sie die Zeit sich immer mehr zu politisieren und in den Kampf um das Frauenwahlrecht einzumischen.
TV-Premiere. Wundervolle, nah an den historischen Fakten entlang erzählte, sehr aufbauende Komödie über Frauen, die beginnen für ihre Rechte zu kämpfen.
mit Marie Leuenberger, Max Simonischek, Rachel Braunschweig, Sibylle Brunner, Marta Zoffoli, Bettina Stucky, Peter Freiburghaus, Therese Affolter, Ella Rumpf, Nicholas Ofczarek, Sofia Helin
Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte (Deutschland 2019)
Regie: Annette Baumeister, Wilfried Huismann
Drehbuch: Annette Baumeister, Wilfried Huismann
Vierteilige bzw. gut vierstündige Doku über die Colonia Dignidad, einer deutschen, sich christlich gebenden Sekte, die in Chile mit den dortigen diktatorischen Machthabern zusammenarbeitete. In der Doku reden erstmals Betroffene vor der Kamera über ihre Erlebnisse.
Weil ich den Abend moderiere, enthalte ich mich selbstverständlich jeglicher unverhältnismäßig positiven Bewertung des grandiosen Abends und poste nur die Ankündigung für diese unvergessliche Veranstaltung:
Am Mittwoch, den 11. März, präsentieren wir um 20.00 Uhr im Lichtblick-Kino (Kastanienallee 77, Prenzlauer Berg/Berlin) den beeindruckenden Dokumentarfilm „Sandmädchen“ (Deutschland 2017, Regie: Mark Michel). Für den MDR gehört der Film zu den zehn besten deutschen Filmen des letzten Jahrzehnts.
Was heißt es, im eigenen Körper gefangen zu sein und nicht gesehen zu werden? Der Film „Sandmädchen“ entführt uns in die einzigartige Erfahrungs- und Lebenswelt von Veronika Raila, einer jungen Autistin, hypersensibel und von Geburt an schwer behindert.
Raila hat schmerzhaft erlebt, was es heißt, als Person nicht wahrgenommen zu werden. Als Kind wurde ihr ein IQ von 0 attestiert. Nur ihre Eltern glaubten an sie. Heute veröffentlicht sie, mittels gestützter Kommunikation, Prosa und Lyrik und studiert Literatur und Theologie.
Mit diesem Film nimmt Veronika gemeinsam mit Regisseur Mark Michel ihr eigenes Leben in den Blick. Der Film kombiniert ihre Texte und Gedanken mit behutsam ins Bild gesetzten Alltagsbeobachtungen, poetischen Naturaufnahmen und den eindrücklichen Sand-Animationen der Künstlerin Anne Loeper zu einem Essay über die Vielfältigkeit von Wahrnehmung und der Notwendigkeit der gesellschaftlichen Teilhabe.
„Selten wird so eindrucksvoll wie in diesem Dokumentarfilm die Diskrepanz zwischen der äußeren Erscheinung und dem Innenleben eines Menschen verdeutlicht. (..) ‚Sandmädchen‘ ist das einfühlsam inszenierte Porträt einer Frau, die in ihrem Körper gefangen zu sein scheint, sich aber eine erstaunliche geistige Freiheit erkämpft hat.“ (FBW, Prädikat wertvoll)
One World Berlin – Menschenrechte aktuell – eine monatliche Filmreihe mit Dokumentarfilmen über Bürger- und Menschenrechte wird organisiert von der Humanistischen Union, Deutschlands ältester Bürgerrechts-Organisation (mitbegründet von Fritz Bauer), One World Berlin Human Rights Film Festival, das sich seit 2004 durch Menschenrechts-Filmarbeit engagiert, und dem Lichtblick-Kino. Filmemacher*innen und Expert*innen diskutieren mit dem Publikum über Fragen, die Menschen in der Stadt bewegen, lokal und global: Recht auf Wohnraum, gegen Überwachung und Datenspeicherung, für Menschsein und Menschenrechte in der digitalen Welt.
»One World Berlin – Menschenrechte aktuell« versteht sich auch als Plattform für Berliner Bürger- und Menschenrechtsinitiativen, die zu den in den Filmen verhandelten Fragen arbeiten.
Der eiskalte Engel (Le Samourai, Frankreich/Italien 1967)
Regie: Jean-Pierre Melville
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
LV: Joan McLoad: The Ronin
Die letzten Tage des Profikillers Jef Costello. Er wird von der Polizei und seinen Auftraggebern gejagt.
Kühles Meisterwerk über Einsamkeit und Rituale. Und selbstverständlich: Kino in Reinkultur mit einem grandiosen Alain Delon.
„Melvilles Requiem für einen Killer ist die ästhetisch vollendetste Realisierung seines Schaffens, ein Film dessen rigorose Stilisierung fast etwas Abstraktes hat, der von Bildern und Tönen lebt, in denen das Dargestellte auch immer zugleich das Gemeinte ist, der Bedeutungsträger die Bedeutung, das Signifikat der Signifikant, ein Kino in Reinkultur, das seine Vorbilder überwunden hat und in der Perfektion seiner Inszenierung nur noch auf sich selbst verweist.“ (Hans Gerhold in Melville, Hanser Film 27)
Mit Alain Delon, Nathalie Delon, Francois Périer, Cathy Rosier
TV-Premiere: beeindruckendes Sittengemälde des heutigen Teheran. Ali Soozandeh zeigt anhand von drei Frauenschicksalen, wie sie ihr eigenes Leben in einem Gottesstaat leben wollen.
Die inzwischen in den USA lebende Lumir (Juliette Binoche), ihr Mann Hank (Ethan Hawke), ein mäßig erfolgreicher TV-Schauspieler, und ihre gemeinsame Tochter Charlotte (Clémentine Grenier) besuchen ihre in Paris lebende Mutter Fabienne (Catherine Deneuve). Sie sehen sich selten. Daher wird die Wiedersehensfreude durch ein Gefühl der Fremdheit beeinflusst.
In seinem ersten nicht-japanischen Film zeichnet Hirokazu Kore-eda dieses erste Zusammentreffen der Familienmitglieder gewohnt feinfühlig und, sicher auch durch die beiden Hauptdarstellerinnen Catherine Deneuve und Juliette Binoche, mit viel französischem Flair.
Neben der Fremdheit, die entsteht, wenn man sich lange nicht gesehen hat, ist hier auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter gestört. Fabienne Dangeville ist eine Schauspielerin, eine Diva und ein Star des französischen Kinos. In ihrem herrschaftlichem Anwesen ist sie von sie bewundernden und klaglos ihre Schrullen ertragenden Angestellten umgeben. Wobei ihre größte Schrulle ihr Gedächtnis und ihr nicht immer mit den Fakten übereinstimmender Blick auf die Realität ist. Beides pflegt die Diva liebevoll und setzt es bedenkenlos zu ihrem Vorteil ein. Zuletzt zeigte sich das in ihren Memoiren, die unter dem Titel „La Vérité – Die Wahrheit“ veröffentlicht wurden. In ihnen beschreibt sie sich als liebende und aufopferungsvolle Mutter.
Lumir, die inzwischen in den USA als Drehbuchautorin arbeitet, sieht das anders. Fabienne war keine gute Mutter, sondern eine Rabenmutter gewesen. Sie möchte, dass Fabienne das endlich einsieht.
In Hirokazu Kore-edas „La Vérité – Leben und lügen lassen“ ist die Besetzung mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche und Ethan Hawke schon die halbe Miete. Mit ihnen erkundet er, wie in seinen vorherigen Filmen „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013), „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015) und „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018), was eine Familie ausmacht und in welchen Beziehungen Familienmitglieder, die nicht unbedingt blutsverwandt sein müssen. zueinander stehen. In „La Vérité“ entwirft Kore-eda ein sich auf mehreren Ebenen abspielendes Vexierspiel zwischen Wahrheit, Flunkerei, Selbstbetrug und Lüge, das auch zu einem Film im Film wird. Denn Fabienne hat eine Rollen in einem Science-Fiction-Film übernommen, der mühelos als autobiographische Spiegelung ihres Verhältnisses zu ihrer Tochter gesehen werden kann.
Kore-edas Familienaufstellung im finanziell gut saturiertem Künstlermilieu ist gewohnt subtil, sehr kunstvoll und, in diesem Fall, sehr französisch.
La Vérité – Leben und lügen lassen (La Vérité, Frankreich 2019)
Regie: Hirokazu Kore-eda
Drehbuch: Hirokazu Kore-eda
mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche, Ethan Hawke, Clémentine Grenier, Manon Clavel, Alain Libolt, Christian Crahay, Roger von Hool, Ludivine Sagnier
Pawel und Piotr sind Brüder, die schon lange getrennte Wege gehen. Pawel ist fanatischer Fan des Fußballclubs Unia und Hooligan. Die Hooliganbande, bei der er Mitglied ist, ist knietief in kriminelle Aktivitäten verstrickt. Piotr ist Polizist. Jetzt soll er Beweise gegen diese Hooligangruppe sammeln. Dafür soll er in einem Undercover-Einsatz die Beziehung zu seinem Bruder auffrischen.
Fans von Gangsterfilmen kennen die Geschichte vom Undercover-Cop, der in sein altes Milieu zurückkehrt um einen Verbrecherboss zu überführen. Auch die zweite Geschichte, die Patryk Vega erzählt, ist für Fans von Gangsterfilmen eine vertraute Geschichte. Es geht um den mit Gewalt und Leichen gepflasterten Aufstieg von Pawel. Zuerst in der Hooliganbande vom Fußsoldaten zum Anführer. Später, mit der Hilfe der Anwältin Ola, die ebenfalls undercover arbeitet und ihm als Piotrs Freundin vorgestellt wird, steigt er weiter auf. Als Drogenhändler und als Vorsitzender seines Fußballvereins.
Vega erzählt beide Geschichten mit viel Gewalt und interessanten Wendungen, die bis zum Ende immer wieder überraschen. Inwiefern er in dieser von wahren Ereignissen inspirierten Geschichte die wahren Verhältnisse in Polen, der dortigen Hooliganszene und der Verflechtung von Hooligans, Verbrechern und Kapital überzeichnet, ist mir unklar. In jedem Fall sind polnische Hooligans als sehr gewaltbereit und sehr rechts bekannt. Verbindungen zum Organisierten Verbrechen liegen nahe. Aber ob es ihnen auch gelingt, als Hooliganbande durch das geschickte Ausnutzen von Vereinsregeln einen ganzen Verein zu übernehmen, weiß ich nicht.
Dass Pawel und seine ständig gewaltbereiten Hooligenfreunde nicht zu Identifikationsfiguren taugen, ist klar. Aber auch alle anderen Figuren in Vegas Gangsterfilm „Bad Boy“ sind denkbar unsympathisch und befreit von mitmenschlichen Gefühlen. Für sie zählt nur Gewalt und das skrupellos durchgesetzte Recht des Stärkeren. Einzig Piotrs Vorgesetzter Adam ist in dieser Welt halbwegs sympathisch. Immerhin sorgt er sich um Piotr und er will, die Regeln befolgend, etwas gegen das Organisierte Verbrechen unternehmen. Allerdings stiftet er Piotr an, seinen Bruder Pawel auszuspionieren und so Beweise für eine Gefängnisstrafe zu sammeln. Dadurch initiiert er alle weiteren Ereignisse.
„Bad Boy“ zeichnet ein sehr düsteres Bild der polnischen Gesellschaft. Und auch im Rahmen der Genrekonventionen fällt „Bad Boy“ sehr düster aus.
Patryk Vega inszenierte vorher „Pitbull“, „Women of Mafia“ und, anscheinend ist das sein einziger in Deutschland öffentlich präsentierter Film, „Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten“. Sein nächster Film „Small World“ befindet sich gerade in der Postproduktion. Es geht um die Entführung von Kindern, die zu Sexsklaven werden, und einem Polizisten, der dagegen kämpft.Ein deutscher Kinostart ist nicht ausgeschlossen.
Bad Boy (Bad Boy, Polen 2020)
Regie: Patryk Vega
Drehbuch: Olaf Olszewski, Patryk Vega
mit Antoni Królikowski, Maciej Stuhr, Andrzej Grabowski, Piotr Stramowski, Małgorzata Kożuchowska, Katarzyna Zawadzka, Zbigniew Zamachowski, Kamil Grosicki
Man kann die Romane unabhängig voneinander lesen und man muss „Enders Schatten“ nicht lesen, um „Enders Spiel“ zu verstehen, aber „Enders Schatten“ ist eine wirklich lesenswerter anderer Blick auf die Ausbildung von Ender Wiggins. Und daher empfehle ich beide Romane; in chronologischer Reihenfolge.
Orson Scott Card: Enders Spiel
(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf)
Heyne, 2012
464 Seiten
8,99 Euro
–
Originalausgabe
Ender’s Game
Tor, 1985
(1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe)
–
Frühere deutsche Ausgaben als „Das große Spiel“ und, als Doppelband mit dem zweiten Ender-Roman, als „Ender“.
In dem neuen Pixar-Film „Onward: Keine halben Sachen“ vermissen die Brüder Ian und Barley Lightfoot ihren schon vor Jahren verstorbenen Vater. Vor allem Ian würde seinen Vater, der kurz vor seiner Geburt starb, gerne kennen lernen. In der Schule ist der schüchterne und penible Teenager ein Außenseiter, der keine Freunde hat. Zu seinem 16. Geburtstag schenkt ihm seine Mutter den Zauberstab seines Vaters. Denn in dieser Welt existiert Magie. Auch wenn sie in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geriet. Heute unterscheidet sich die Welt von „Onward“ kaum von unserer Welt. Ians drei Jahre älterer Elfen-Bruder Barley, ein erklärter Magie-Nerd und herzensguter Hallodri, der zu viel Energie für ein Slacker-Dasein hat, ist begeistert. Denn mit dem Zauberstab und dem Zauberspruch, der in einem Brief ihres Vaters steht, kann ihr Vater einmal für 24 Stunden zurück geholt werden. Ian ist skeptisch. Aber die beiden Brüder probieren den Zauberspruch aus. Dummerweise gelingt ihre Zauberei nur halb. Und zwar so halb, dass von ihrem Vater nur die untere Hälfte zurückkam. Es sind zwei Beine und ein Po, aber kein Gesicht, keine Augen, keine Ohren und keine Stimme.
Um doch mit ihm reden zu können, müssen sie einen Phönix-Stein finden, mit dem sie den Zauber vollenden können.
Gemeinsam machen sie sich auf den Weg – und die Geschichte nimmt ziemlich genau den Verlauf, den man erwartet. Ian ist bei dieser Reise der Bruder, der Zaubern kann und zunehmend an Selbstvertrauen gewinnt. Der vor Selbstbewusstsein strotzende Barley weiß dagegen alles über Zauberei. Allerdings kann er nicht zaubern. Auf ihrer Suche nach dem Stein erleben die beiden Brüder viele Abenteuer und kommen sich näher. Verfolgt werden sie dabei von ihrer Mutter, der Mantikor, einer furchtlosen Kriegerin, die eine Mischung aus Fledermaus, Skorpion und Löwe ist, und Officer Colt Bronco, einem Mischwesen aus Mensch und Pferd. Denn die beiden Brüder wissen nichts von einem sie bedrohendem Fluch.
Schlecht ist „Onward: Keine halben Sachen“ nicht. Aber für einen Pixar-Film ist Dan Scanlons Animationsfilm ziemlich enttäuschend. Die besten Pixar-Filme sind gleichzeitig für Kinder und Erwachsene ein emotionales und intellektuelles Vergnügen. Sie entführen in fremde Welten. Schwere und komplizierte Themen werden so angesprochen, dass Kinder sie verstehen können, ohne dass irgendetwas von der Komplexität der Themen genommen wird. Gleichzeitig streuen die Macher Anspielungen und Gags ein, die nur Erwachsene verstehen. Denn die Pixar-Macher wollen nicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ihr Publikum zu unterschätzen und zu unterfordern.
Genau das kann über „Onward: Keine halben Sachen“ nicht gesagt werden. Der Film fordert auch ein junges Publikum nie heraus. Dafür ist die Geschichte als eine reine Abfolge von Prüfungen und Abenteuern, bei denen die beiden Brüder sich näherkommen, zu vorhersehbar. Die Welt in der sie spielt, wurde zwar extra für den Film erfunden, aber sie setzt sich aus allseits bekannten Fantasy-Bausteinen zusammen. Und die Frage, wie ein Kind mit dem Tod und der damit verbundenen Abwesenheit eines geliebten Elternteils umgeht, ist in „Onward“ letztendlich nebensächlich gegenüber einer Abenteuergeschichte, in der die Witze und die Abenteuer immer auf ein junges Publikum zielen. Immerhin gewinnt Ian Selbstvertrauen und auch Barley wird reifer.
Das ändert aber nichts daran, dass in diesem Pixar-Film eindeutig zu viel ‚Disney‘ steckt.
Onward: Keine halben Sachen (Onward, USA 2020)
Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin
mit (im Original den Stimmen von) Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Mel Rodriguez, Kyle Bornheimer, Tracey Ullman
1964 ist der 1893 geborene Ip Man (bzw. Yip Man) wahrlich kein Jungspund mehr. In den vergangenen Jahrzehnten lehrte er die südchinesische Kampfkunst Wing Chun. Einer seiner Schüler ist Bruce Lee, der inzwischen in den USA lebt und eine erfolgreiche Kampfschule betreibt. Er unterrichtet auch nicht chinesische Schüler und trägt zur Popularisierung chinesischer Kampfkünste und des damit verbundenen Denkens im Westen bei.
Als, und hier verlassen wir das Feld der unbestreitbaren Fakten und betreten die Filmgeschichte, Ip Man von seinem Arzt erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, und sich die Probleme mit seinem renitenten Ziehsohn Ching häufen, beschließt Ip Man in die USA zu reisen. In San Francisco will er, weil die amerikanischen Schulen gut sein sollen, für Ching einen Schulplatz finden. Außerdem will er seinen Schüler Bruce Lee besuchen. Der hat inzwischen seine Schulausbildung in den USA abgeschlossen und ein Trainingscenter eröffnet, in dem auch US-Amerikaner Wing Chun trainieren können. Die chinesische Exilgemeinde, vor allem Wan Zong Hua, der mächtige Vorsitzenden der Chinese Benevolent Association (die für den Schulbesuch in den USA die notwendigen Empfehlungsschreiben ausstellt), lehnt die von Bruce Lee getätigte Öffnung der chinesischen Kampfkunst für Nicht-Chinesen ab. Wan möchte, dass Kung Fu weiterhin nur von Chinesen ausgeübt wird und Ip Man soll mit Bruce Lee darüber reden. Ip Man hat dagegen nichts gegen eine weitere Verbreitung ihrer Kampfkunst.
Das ist nicht der einzige Konflikt, in den Ip Man hineingerät. US-Marine-Sergeant Hartmann, ein Schüler von Bruce Lee, möchte, dass Wing Chun in das Trainingsprogramm der Soldaten aufgenommen wird. Seine Vorgesetzten Barton Geddes und Colin Frater sind dagegen. Sie bevorzugen das martialische Karate.
Und so muss Ip Man, der schon optisch wie ein Mönch aussieht, zwischen den Fronten vermitteln.
Für „Ip Man 4: The Finale“ haben sich die Macher der vorherigen, sehr erfolgreichen „Ip Man“-Filme, die in den vergangenen Jahren sehr dazu beitrugen, das Denken, Wirken und Leben von Ip Man weltweit bekannt zu machen, wieder zusammengetan. Donnie Yen übernahm wieder die Hauptrolle. Wilson Yip wieder die Regie. Edmond Wong schrieb wieder das Drehbuch. Die Kampfchoreographie übernahm wieder Yuen Woo-Ping. Er war auch zuständig für die Action-Choreographie in Wong Kar-Wais Ip-Man-Film „The Grandmaster“ und in den „Matrix“- und „Kill Bill“-Filmen. Die Kämpfe überzeugen als realistische Kämpfe, die meisten auf dem begrenzten Raum eines Wettkampfplatzes ausgetragen werden.
Die Geschichte selbst behandelt ständig die Frage, welche Kultur überlegen ist (Die chinesische oder die amerikanische? Kung Fu oder Karate?) und wie man sich als Einwanderer verhalten soll. Assimilation, Integration oder in selbstgewählter Isolation verharren? Diese Fragen, Themen und Konflikte werden im Drehbuch und Film sehr deutlich herausgearbeitet. Ebenso deutlich wird die zeitlose Aktualität dieser Fragen herausgearbeitet. Immer wieder sind die im Film geäußerten Ansichten, je nachdem wer sie äußert, erschreckend oder auch erfreulich aktuell.
„Ip Man 4: The Finale“ ist vor allem deshalb das Finale der Serie, weil die Macher jetzt aufhören wollen. An der Kinokasse ist ihr prächtig ausgestatteter Martial-Arts-Film schon jetzt erfolgreichste Film der Serie. Er ist auch ein würdevolles Ende der Serie.
Der echte Ip Man starb am 2. Dezember 1972 in Hongkong.
Ip Man 4: The Finale (葉問4:完結篇, Hongkong/China 2019)
Regie: Wilson Yip
Buch: Hiroshi Fukazawa, Edmond Wong
mit Donnie Yen, Scott Adkins, Chris Collins, Wu Yue, Danny Chan, Yanness Wu, Kent Cheng
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 16 Jahre (hätte auch eine FSK 12 geben können)
No Country for Old Men (No Country for Old Men, USA 2007)
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005 (Kein Land für alte Männer)
Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.
Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).
Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald