LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)
Die erfolgreiche Kunsthändlerin Susan erhält ein unveröffentlichtes Roman-Manuskript ihres Ex-Mannes Edward, zu dem sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hat. Sie beginnt den Roman zu lesen und, während der Film zwischen Susans Leben und dem Roman hin und her springt, ahnen wir, dass Edward in seinem Kriminalroman ihre Beziehung verarbeitete.
TV-Premiere. „Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen.
mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen
Schimmi goes East: Kurz nach der Öffnung der Mauer schwimmt im Duisburger Hafen die Leiche eines DDR-Übersiedlers. Er soll zu einer immer noch tätigen Stasi-Gruppe gehört haben, die mit Kunstwerken Devisen beschaffte. Zusammen mit ihren Ost-Kollegen Fuchs und Grawe ermitteln Schimanski und Thanner in Ostberlin.
Das Crossover von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ wurde im Sommer 1990 gedreht und am 28. Oktober 1990 im Fernsehen gezeigt. Damit war er auch ein Kommentar zur Wiedervereinigung.
mit Götz George, Eberhard Feik, Peter Borgelt, Andreas Schmidt-Schaller, Chiem van Houweninge, Susanne Bentzien, Ulrich Thein, Peter Aust
In Cannes erhielt er 1979 nach seiner Premiere die Goldene Palme. Zwei Oscars und drei Golden Globe Awards folgten in einer Zeit, als Filmpreise noch rare Auszeichnungen waren.
2001 präsentierte Francis Ford Coppola in Cannes die fünfzig Minuten längere „Redux“-Fassung und jetzt, beim Tribeca Film Festival, den „Final Cut“ der mit drei Stunden zwischen der alten Kinofassung und der „Redux“-Fassung liegt. Für diese Fassung gab es eine aufwändige Restaurierung von Bild und Ton. Diese 4K-Restaurierung erschien jetzt auf Blu-ray und 4 K UHD. Zusammen mit den beiden anderen Schnittfassungen und viel Bonusmaterial. Diese „Limited 40th Anniversary Steelbook“-Edition ist die Fassung, zu der filmhistorisch interessierte Menschen greifen sollten.
Auf DVD erschien nur der Final Cut und es gibt noch eine spartanische Blu-ray-Ausgabe, die nur die verschiedenen Schnittfassungen des Films enthält.
Über den „Final Cut“ habe ich hier geschrieben. Über die beiden anderen Fassungen hier und über einen großen Teil des Bonusmaterials habe ich hier geschrieben.
Also muss ich nur noch über das fast abendfüllende neue Bonusmaterial der „Limited 40th Anniversary Steelbook Edition“ zu schreiben.
Das neue Bonusmaterial umfasst gut zwei Stunden. Herzstück ist das Gespräch zwischen Steven Soderbergh als Fragensteller und Francis Ford Coppola am 28. April 2019 auf dem Tribeca Film Festival. Danach folgt die halbstündige neue Doku „Dutch Angel“ über den Setfotografen Chas Gerretsen. Er war vor diesem Auftrag Kriegsfotograf und einige seiner Bilder sind, auch wenn man seinen Namen nicht kennt, tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Es werden Fotos gezeigt, die er während der Dreharbeiten von „Apocalypse Now“ schoss und er redet über seine Erfahrungen beim Dreh.
„Hinter den Kulissen“ besteht aus etwas über zwanzig Minuten von Sound-Mixer Jack J. Jacobson aufgenommenen stummen Super-8-mm-Aufnahmen, die er 2004 American Zoetrope übergab. Sie werden hier erstmals gezeigt.
Das restliche neue Bonusmaterial besteht aus mehreren kurzen Featurettes über die 4K-Restaurierung des Films und die damit verbundene Restaurierung von Bild und Ton. Dies sind reine Werbefeaturettes, denen der Informationsgehalt der anderen Featurettes fehlt.
Insgesamt gibt die „Limited 40th Anniversary Steelbook Edition“ einen vorzüglichen Einblick aus erster Hand (oder genauer ‚aus ersten Händen‘) in die Geschichte des Films.
Für die filmhistorische Analyse sind dann andere zuständig.
Apocalypse Now(Apocalypse Now, USA 1979)
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola
LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)
mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham
Länge: 152 Minuten (Apocalpyse Now)
183 Minuten (The Final Cut)
202 Minuten (Apocalypse Now Redux)
–
Bonusfilm
Hearts of Darkness – Reise ins Herz der Finsternis(Hearts of Darkness – A Filmmaker’s Apocalypse, USA 1991)
Regie: Fax Bahr, George Hickenlooper, Eleanor Coppola (Regie des Dokumentarmaterials während der „Apocalypse Now“-Dreharbeiten)
Drehbuch: Fax Bahr, George Hickenlooper
Premiere: 17. Mai 1991 (Internationales Filmfestival Cannes, „Un Certain Regard“)
Deutscher Kinostart: 12. März 1992
Länge: 95 Minuten
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Blu-ray
Arthaus/Studiocanal
Bild: 2,35: 1 (1080p/24 p Full HD)
Ton:
Final Cut: Englisch (Dolby Atmos 2.1 Dolby Digital), Deutsch (5.1 Dolby Digital True HD)
Redux: Englisch 5.1 Dolby True HD, 5.1 Dolby Digital, 2.1 Dolby Digital Soundbar Mix) Deutsch (5.1 Dolby Digital True HD)
Kinofassung: Englisch 5.1 (restaurierter Original Mix, 5.1 Dolby Digital, 2.1 Dolby Digital Sundbar Mix), Deutsch (Stereo Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch, Englisch
FSK: ab 16 Jahre
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Was auf den Blu-rays ist:
Disc 1: Final Cut
Extra: Einführung von Francis Ford Coppola (4:22)
–
Disc 2: Redux und Kinofassung
Extra: Audiokommentar von Francis Ford Coppola
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Disc 3: Bonusmaterial
Ein Gespräch mit John Milius (49:45)
Ein Gespräch mit Martin Sheen (59:26)
Fred Roos: Casting Apocalypse (Der Casting Director spricht über den Test hunderter Schauspieler für die verschiedenen Rollen) (11:43)
Radiosendung „The Mercury Theatre on the Air“, 6. November 1938 (Orson Welles liest Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis“) (36:34)
„The Hollow Men“ (Marlon Brando rezitiert T.S. Elliots Gedicht mit Szenen aus dem Film und von den Dreharbeiten) (16:56)
Die verlorene Szene aus „Affen auf dem Sampam“ (Eingeborene singen Doors-Song „Light my Fire“) (2:51)
Zusätzliche Szenen (26:08)
Zerstörung des Camps von Kurtz mit Credits und Kommentar von Francis Ford Coppola (6:02)
Die Entstehung des 5.1-Sounds (5:51)
Der Überflug der Geister-Helikopter (Sourround-Design) (3:55)
Apocalypse Now: Der Synthesizer-Soundtrack von Bob Moog (Artikel aus dem Contemporary Keyboard Magazine vom Januar 1980)
Der Schnitt von Apocalypse Now (17:55)
Die Musik von Apocalypse Now (14:44)
Das Sound-Design von Apocalypse Now (15:17)
Die endgültige Mischung (3:07)
Apocalypse damals und heute (Auszug aus einem Interview mit Roger Ebert über beide Versionen des Films) (3:42)
Filmfestival Cannes 2001: Roger Ebert unterhält sich mit Francis Ford Coppola (38:34)
Straßengang auf dem Boot (Vorstellung der Schauspieler von Willards Crew) (4:07)
Die Farbpalette von Apocalypse Now (Doku über den Technicolor-Transfer) (4:05)
Disc Credits
–
Disc 4 (+ dem neuen Bonusmaterial)
Hearts of Darkness- Reise ins Herz der Finsternis (Dokumentation über die Dreharbeiten)
Audiokommentar von Eleanor und Francis Ford Coppola
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Bonusmaterial
Q&A mit Francis Ford Coppola und Steven Soderbergh auf dem Tribeca Film Festival (47:34)
Dutch Angel: Chas Gerretsen & Apocalypse Now (31:44)
Hinter den Kulissen (21:39)
Apocalypse Now – Die Restaurierung eines Mythos (2:50)
Eine 40jährige Reise (2:21)
Sensual Sound (3:52)
Auszug aus dem Drehbuch von John Milius mit Anmerkungen von Francis Ford Coppola
Storyboard-Sammlung (mehr als 200 Zeichnungen) (11:14)
Fotoarchiv (Filmfotos und SW-Fotos von Mary Ellen Mark) (2:37)
Marketing-Archiv (Kinotrailer 1979 [3:54], Radiospots 1979 [2:05], Original-Kinoprogramm von 1979 mit Informationen zur Geschichte des Films und einem Vorwort von Francis Ford Coppola, Kinoplakate und PR-Fotos [3:40], Filmplakate-Galerie [0:27; erstaunlich kurz])
Lokomotivführer Sisif nimmt nach einem Unglück das Waisenmädchen Norma auf und zieht sie zusammen mit seinem Sohn auf. Als Norma älter wird, verliebt Sisif sich in sie.
Ursprünglich dauerte Abel Gances Stummfilm-Melodrama epische, je nach Quelle, siebeneinhalb oder neun Stunden. Die neue restaurierte Fassung dauert sieben Stunden und stellt damit das Meisterwerk fast vollständig wieder her. Ihre Premiere hatte diese Fassung am 14. September 2019 im Konzerthaus Berlin.
Am nächsten Montag, den 4. November, zeigt Arte kurz nach Mitternacht, um 00.05 Uhr den zweiten Teil von „La Roue“. Mit 190 Minuten ist er deutlich kürzer als der erste Teil, der 230 Minuten dauert.
mit Sévein Mars, Gabriel De Gravone, Ivy Close, Pierre Magnier, Georges Térof, Gil Clary
Broken Flowers – Blumen für die Ex (Broken Flowers, USA/Frankreich 2005)
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch (inspiriert von einer Idee von Bill Raden und Sara Driver)
Don Johnston (Stoneface Bill Murray) lungert nur noch in seiner Wohnung herum und träumt von seinen früheren Frauen. Eines Tages erhält er einen anonymen Brief, in dem steht, dass er einen 19-jährigen Sohn habe. Don, der bislang von seinem Vaterglück nichts wusste, macht sich auf den Weg quer durch die USA zu seinen alten Freundinnen, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat und von denen eine die Mutter sein muss.
Jim Jarmusch erhielt für sein lakonisches Road-Movie über verpasste Chancen den Großen Preis der Jury in Cannes, einige weitere Preise, viel Kritikerlob – und an der Kinokasse lief der Film auch gut.
Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Der fantastische Mr. Murray“ (Frankreich 2019) über Bill Murray.
Mit Bill Murray, Julie Delpy, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Chloë Sevigny, Jessica Lange, Tilda Swinton
Ihr Freund Manni hat es mal wieder vermasselt. Jetzt hat seine Freundin Lola zwanzig Minuten, um 100.000 Mark zu besorgen und zum Treffen von Manni und den Autoschiebern zu bringen. Um das Geld zu besorgen läuft sie los. Quer durch Berlin.
Und weil Tom Tykwer keinen 08/15-Thriller, sondern ein filmisches Experiment inszenierte, muss Lola dreimal loslaufen. Jedes Mal verändern sich dabei Kleinigkeiten, die die folgenden Ereignisse beeinflussen.
Dieser heftig pulsierende Berlin-Film war damals der Film der Stunde und der erfolgreichste deutsche Film des Jahres 1998.
mit Franka Potente, Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup, Nina Petri, Joachim Król, Armin Rohde, Heino Ferch, Suzanne von Borsody, Lars Rudolph, Ludger Pistor
In Berlin wird jedes Jahr der Hatun-Sürücü-Preis verliehen und wer wissen möchte, wer Hatun Aynur Sürücü war, sollte sich „Nur eine Frau“ ansehen. Basierend auf den Gerichtsakten, dem Buch und Film der rbb-Journalisten Matthias Deiß und Jo Goll über den Fall und eigenen Recherchen, erzählt das Biopic Hatuns Geschichte.
Die am 17. Januar 1982 geborene Deutschtürkin wird nach dem Ende der achten Schulklasse von ihren Elten vom Gymnasium gekommen und in die Türkei zwangsverheiratet. Ihr Mann, ein von ihrem Vater ausgewählter Cousin, schlägt sie. Schwanger kehrt sie zwei Jahre später nach Berlin zurück. Ihre strenggläubige, traditionsbewusste Familie, sunnitische Kurden, ist damit nicht einverstanden.
Noch im gleichen Jahr, im Oktober 1999, erhält sie einen Platz in einem Wohnheim für minderjährige Mütter. Später zieht Hatun in eine eigene Wohnung, schließt die Schule ab, beginnt eine Ausbildung als Elektroinstallateurin, zieht ihren Sohn Can allein groß, genießt das Nachtleben und verliebt sich in Tim, einen deutschen Mann. Ihre strenggläubige Familie ist mit keinem dieser Verstöße gegen die strenge sunnitische Auslegung des Islam einverstanden.
Am 7. Februar 2005 erschießt Nuri, der jüngste Sohn der Sürücü-Familie, seine 23-jährige Schwester auf offener Straße. Damit soll die Ehre der Familie wieder hergestellt werden.
Dieser ‚Ehrenmord‘ führt zu einer breiten öffentlichen Diskussion über ‚Ehrenmorde‘ und ihrer Behandlung durch die Justiz. Es geht vor allem um die Frage, ob das Motiv der ‚Ehre‘ weiterhin strafmildernd sein soll oder ob es sich um einen kaltblütigen Mord handelt, der kollektiv von der Familie beschlossen und ausgeführt wird.
Außerdem wurde Hatun Sürücü zu einem Symbol einer jungen Frau, die ihr Leben leben will – und dabei gegen Traditionen aufbegehren muss.
Jetzt verfilmte Sherry Hormann Hatun Sürücüs Geschichte als ein ergreifendes, aber auch arg didaktisches Lehrstück und Fallstudie. Sie beginnt ihren Film mit Hatuns Tod, zeigt Dokumentaraufnahmen vom Tatort, und lässt anschließend Hatun ihre Geschichte erzählen. Mit den notwendigen Erklärungen zu Familie, Tradition und Islam. Dazwischen gibt es Texttafeln mit den sechs Kriterien des BKA, die zu einem ‚Ehrenmord‘ an einer Frau führen können. Auf Hatun treffen alle diese Gründe zu. Außerdem wird der Fluss der Erzählung immer wieder durch Fotos, die manchmal wie in einem Fotoroman die Geschichte erzählen, und einem Privatvideo, das Hatun mit ihrem Freund Tim zeigt, unterbrochen.
Gerade die Fotostrecken und das damit verbundene Einfrieren des Bildes reißt einen immer wieder aus dem Fluss der Erzählung heraus. Wenigstens für einige Sekunden wird man wird wieder zum rationalen Beobachter der Vorgeschichte eines Mordes an einer lebenslustigen, lebensbejahenden, intelligenten jungen Frau.
Bei all dem berechtigen Lob, das es zum Kinostart für „Nur eine Frau“ gab, wurde nie auf Feo Aladags „Die Fremde“ (Deutschland 2010) hingewiesen. Aladag erzählt in ihrem Film kaum fiktionalisiert Hatun Sürücüs Geschichte. Als das Drama vor knapp zehn Jahren im Kino lief, war es auch ein wichtiges Statement zu der damals breit geführten Debatte über ‚Ehrenmorde‘ und das Streben junger Frauen nach Freiheit. Im Vergleich zwischen meiner Erinnerung an „Die Fremde“ und „Nur eine Frau“ ist „Die Fremde“ der beeindruckendere und bessere Film.
Das interessante Bonusmaterial der DVD besteht aus insgesamt etwas über dreißig Minuten Interviews mit Hauptdarstellerin Almila Bagriacik, Produzentin Sandra Maischberger und Regisseurin Sherry Hormann und einem einstündigen Audiomitschnitt eines Gesprächs zwischen Almila Bagriacik, Sandra Maischberger und Sherry Hormann.
Nur eine Frau (Deutschland 2019)
Regie: Sherry Hormann
Drehbuch: Florian Oeller
mit Almina Bagriacik, Rauand Taleb, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Armin Wahedi, Aram Arami, Merve Aksoy, Mehmet Atesci, Jacob Matschenz, Lara Aylin Winkler, Idil Üner
–
DVD
NFP Marketing & distribution
Bild: 16:9 (1,85:1)
Ton: Deutsch, Deutsch für Sehgeschädigte
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Interviews mit Almila Bagriacik, Sandra Maischberger und Sherry Hormann, Audiogespräch mit, Trailer
LV: Marie Brenner: The Man who know too much, 1996 (Artikel Vanity Fair)
TV-Journalist Lowell Bergman will eine Story über die miesen Geschäfte der Zigarettenindustrie landesweit ausstrahlen. Sein Kronzeuge ist Jeffrey Wigand, ehemaliger Chef der Forschungsabteilung eines Zigarettenkonzerns. Dummerweise wollen die Senderbosse und die Zigarettenindustrie die Story verhindern.
Hochspannender 157-minütiger Thriller, der einen gelungen Einblick in die Medienwelt und die Wirtschaft und ihre Strukturen liefert, getragen von einem fantastischen Ensemble.
mit Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Lindsay Crouse, Debi Mazar
Ein schnelles „Was bisher geschah“ für alle, die die vergangenen Monate mit Comicverflmungen beschäftigt waren und das Internet nach digitalen Brotkrumen über den neuen „Star Wars“-Film absuchen:
Nachdem der fünfte „Terminator“-Film „Genysis“ mit seiner verschwurbelten Story nicht so wahnsinnig gut ankam, der vierte „Terminator“-Film „Salvation“ (Die Erlösung) ganz schlecht ankam, der dritte „Terminator“-Film „Rise of the Machines“ (Rebellion der Maschinen) immer noch weitgehend mit Nichtachtung bestraft wird (wobei ich den ganz okay fand und mit ihm als Abschluss der „Terminator“-Reihe gut hätte leben können) und die „Terminator“-TV-Serie vor zehn Jahren sehr kurzlebig war (aber immerhin gut für zwei Staffeln war), ist jetzt „Terminator“-Erfinder James Cameron wieder an Bord und er verkündete sofort, dass all die eben erwähnten „Terminator“-Werke nicht zum Kanon gehören. Der Kanon sind die ersten beiden „Terminator“-Filme, die allgemein beliebt sind und die James Cameron inszenierte.
Es hieß außerdem, dass der neue „Terminator“-Film den Abschluss einer Trilogie bilden soll, weil inzwischen halt alles zu einer Trilogie gemacht wird. Sarah Connors Geschichte solle in diesem Film zu Ende erzählt werden. Zuletzt sagte Cameron, dass „Dark Fate“ auch der Auftakt für eine neue Trilogie sein könne. In dem gleichen Interview sagte er, dass sie vor dem Dreh schon Ideen für die nächsten Filme skizziert hätten. Damit wäre „Dark Fate“ dann, wenn wir das Denken in Trilogien mal links liegen lassen, eine Staffelübergabe von den alten „Terminator“-Helden zu neuen „Terminator“-Heldinnen. Doch auch wenn „Dark Fate“ der letzte „Terminator“-Film wäre, ist er ein in sich abgeschlossener Film, der ohne Probleme für sich allein stehen kann.
Weil Cameron mit seinen „Avatar“-Filmen beschäftigt ist, übergab er die Regie an Tim Miller. Der hatte es mit „Deadpool“ ja ordentlich krachen gelassen.
Außerdem sind, und das ist auch dank des Plakats kein Spoiler, Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton wieder dabei. Während der Dreharbeiten wurde auch bekannt, dass Edward Furlong dabei ist. Er ist John Connor, der Sohn von Sarah Connor (Linda Hamilton). Er wird in der Zukunft zum Anführer des Widerstands gegen die Roboter, die die Welt beherrschen und alle Menschen töten wollen. In „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ wird er vom Terminator T-800 (Arnold Schwarzenegger), der nach einer Neuprogrammierung nicht mehr der böse, sondern der gute Terminator ist, beschützt.
Über die Geschichte von „Terminator: Dark Fate“ wurde vorher nicht viel verraten.
Die offizielle Synopsis liest sich so:
„Über zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Sarah Connor den Tag der Abrechnung verhindert, die Zukunft verändert und das Schicksal der Menschheit neu geschrieben hat. Dani Ramos (Natalia Reyes) lebt zusammen mit ihrem Bruder (Diego Boneta) und ihrem Vater ein einfaches Leben in Mexiko City, als ein hochentwickelter, tödlicher neuer Terminator – ein Rev-9 (Gabriel Luna) – zurück durch die Zeit reist, um sie aufzuspüren und zu töten. Danis Leben liegt nun in den Händen von zwei Kämpferinnen, mit denen sie sich verbündet: Grace (Mackenzie Davis), eine weiterentwickelte Super-Soldatin aus der Zukunft, und die kampferprobte Sarah Connor (Linda Hamilton). Als der Rev-9 auf der Jagd nach Dani alles und jeden vernichtet, der ihm in die Quere kommt, werden die drei Frauen zu einem T-800 (Arnold Schwarzenegger) aus Sarahs Vergangenheit geführt, der ihre letzte Hoffnung sein könnte.“
Dem kann noch hinzugefügt werden, dass die in der Gegenwart spielende Geschichte innerhalb von 36 Stunden spielt und unsere Heldinnen erst mühsam über die schwer bewachte Grenze in die USA müssen, wo sie den friedlich im Wald lebenden T-800 treffen.
Die Story selbst ist letztendlich ein kaum kaschiertes Remake von „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ mit einigen Bildern aus dem ersten „Terminator“-Film. Neu ist nur der Handlungsort, zuerst Mexiko, später Texas, und die stärkere Rolle der Frauen.
Die Action ist immer ein etwas zu hektisch geschnittenes CGI-Gewitter. Mehr über sie zu sagen, würde dann schon wichtige Teile der Handlung verraten. Der Humor ist teils beabsichtigt (den ersten richtigen Lacher gab es, als Arnold Schwarzenegger mit ausdrucksloser Stimme sagt, er habe viel Humor), teils unbeabsichtigt (wenn es die „Superheldenlandung“ [Deadpool] gibt) und teils peinlich. Das gilt für jeden von Linda Hamilton mit heiligem Ernst gesprochenem Harter-Mann-Satz. Das sind Sätze, die schon in den Achtzigern bei den muskelbepackten Actionhelden idiotisch waren. Inzwischen taugen sie noch nicht einmal zur Selbstparodie. Wobei sie in „Terminator: Dark Fate“ teilweise ein Selbstzitat sind.
Aber im Gegensatz zu den ersten beiden „Terminator“-Filmen beeindruckt hier nichts nachhaltig und nichts überrascht.
Der Actionthriller ist letztendlich weder gut, noch schlecht, sondern einfach nur belangloser Fanservice, der keine Trilogie abschließt (das hat „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ besser getan), sondern nur das „Terminator“-Franchise in die nächsten Filme bringen soll. Das gelingt ihm, indem er noch einmal die bekannte Geschichte erzählt.
Terminator: Dark Fate (Terminator: Dark Fate, USA 2019)
Regie: Tim Miller
Drehbuch: David Goyer, Justin Rhodes, Billy Ray (nach einer Geschichte von James Cameron, Charles Eglee, Josh Friedman, David Goyer und Justin Rhodes)
mit Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta, Edward Furlong
Muss inzwischen jeder x-beliebige Film, der nicht gerade ein Serienmörder-Thriller oder ein Zombiefilm ist, mit dem Hinweis, dass er auf einer wahren Begebenheit beruhe, beworben werden? Anscheinend: ja. Das war zuletzt bei der Schmonzette „Dem Horizont so nah“ so und ist jetzt bei „Brittany runs a Marathon“ so.
Die titelgebende New Yorkerin Brittany Forgler ist eine übergewichtige, unterbeschäftigte, finanziell klamme, partysüchtige End-Zwanzigern, die ihren Arzt besucht, um sich von ihm einige Medikamente verschreiben zu lassen. Dieser gibt ihr allerdings keine Pillen, sondern die Empfehlung gesünder zu leben. Weil ihr ein Fitnessstudio zu teuer ist, beschließt sie zu Laufen. Ihr erster Versuch endet mit totaler Erschöpfung an der nächsten Kreuzung.
Dann beginnt sie mit ihrer Nachbarin und einer Laufgruppe zu trainieren. Sie will, gepackt vom Ehrgeiz, am New York City Marathon teilnehmen.
In seinem Debüt als Drehbuchautor und Spielfilmregisseur erzählt Paul Downs Colaizzos humorvoll von Brittanys Selbstüberwindung und wie sich ihr Leben ändert. Die etwas biestige Dame findet neue Freunde, wie ihre ältere Nachbarin Catherine, Seth und Jern. Catherine war für sie zuerst nur eine erfolgreiche, hyperaktive, unglaublich sportliche, jeden Drogengenuss ablehnende Freiberuflerin, die sie für all das hasste. Und für ihre gertenschlanke Figur.
Seth lernt sie beim Laufen kennen. Er lebt mit seinem Freund zusammen und will seinem Sohn zeigen, dass man alles schaffen kann, was man wirklich will. Seine ersten Laufversuche sind nur etwas besser als Brittanys erster Laufversuch. Gemeinsam trainieren sie für den Marathon und kommen sich vor, während und nach dem Training auch persönlich näher.
Jern ist, wie sie, ein Hundesitter. Während sie tagsüber in der luxuriösen Wohnung des Hundebesitzers auf den Hund aufpasst, tut er das nachts. Außerdem lebt er tagsüber vertragswidrig in der Wohnung. Anfangs sind sie wie Hund und Katze.
Colaizzos grundsympathische Komödie erzählt eine wunderschöne Geschichte von Selbstüberwindung, neuen Freundschaften und der nicht geplanten großen Liebe. Denn kaum purzeln die Pfunde, verändert sich Brittanys Selbstwahrnehmung und damit auch ihr Leben. Das ist natürlich jederzeit absolut vorhersehbar als gelungene Mischung aus leichtem Drama, Komödie und Feelgood-Movie mit erwartbarem Ende.
Auf dem Sundance Film Festival, wo die Feelgood-Komödie ihre Premiere hatte, erhielt „Brittany runs a Marathon“ den Publikumspreis.
Colaizzo schrieb vor seinem Debüt als Drehbuchautor und Regisseur mehrere Theaterstücke.
Die Komödie läuft jetzt in einigen Kinos und ab dem 15. November auf Amazon Prime Video. Wobei Brittanys Doktor sicher den Kinobesuch empfiehlt.Denn sogar wenig Bewegung ist besser als keine Bewegung.
Brittany runs a Marathon (Brittany runs a Marathon, USA 2019)
Regie: Paul Downs Colaizzo
Drehbuch: Paul Downs Colaizzo
mit Jillian Bell, Michaela Watkins, Utkarsh Ambudkar, Lil Rel Howery, Micah Stock, Alice Lee
Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Side Effects, USA 2013)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Scott Z. Burns
Psychiater Jonathan Banks will Emily Taylor helfen, indem er ihr nach einem missglückten Suizidversuch ein neues, noch nicht erprobtes Medikament verschreibt. Das hat tödliche Nebenwirkungen Emilys Ehemann und der ehrbare Psychiater muss um seine Existenz kämpfen.
Lässig-verschachtelter Neo-Noir mit einem hübsch zynischem Ende, den Soderbergh damals als seinen letzten Spielfilm ankündigte. Was schon damals nicht glaubwürdig war. Inzwischen ist er nach einem TV-Film (der bei uns im Kino lief) und einer TV-Serie wieder im Kino angekommen.
LV: José Saramago: O Homen Duplicado, 2002 (Der Doppelgänger)
Uniprofessor Adam Bell entdeckt in einem Spielfilm einen Statisten, der sein Doppelgänger sein könnte. Er beginnt ihn zu suchen, trifft ihn – und es wird immer undeutlicher, was real ist, was nicht und was das alles miteinander zu tun hat.
Herrlicher Mindfuck von Denis Villeneuve, der gerade mit „Dune – Der Wüstenplanet“ beschäftigt ist. Seine hochkarätig besetzte Frank-Herbert-Verfilmung soll in Deutschland am 19. November 2020, in den USA am 18. Dezember 2020 anlaufen.
Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (Stonehearst Asylum, USA 2014)
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Joe Gangemi
LV: Edgar Allan Poe: The System of Doctor Tarr and Professor Fether, 1845 (Das System des Doktors Pech und des Professors Feder, Kurzgeschichte)
Weihnachten 1899 trifft der junge Arzt Edward Newgate in der abgelegenen Irrenanstalt Stonehearst ein. Dort haben die Patienten maximale Freiheiten. Schon beim ersten Rundgang verliebt er sich in die bildschöne Pianistin Eliza Graves. Später entdeckt er im Keller eine Gruppe Gefangener, die behaupten, von ihren Patienten gefangen gehalten zu werden.
Top besetzter, hübsch altmodischer Grusler mit einigen überraschenden Wendungen beim Ausprobieren von Therapien.
Jack Reacher: Kein Weg zurück(Jack Reacher: Never go back, USA 2016)
Regie: Edward Zwick
Drehbuch: Edward Zwick, Marshall Herskovitz, Richard Wenk
LV: Lee Child: Never go back, 2013 (Die Gejagten)
Als Ex-Militärpolizist Jack Reacher in einer Kaserne eine Bekannte besuchen will, wird er gleich in den Dienst zurückversetzt und mit etlichen Anklagen, unter anderem einer Vaterschaftsklage, konfrontiert. Reacher wittert eine große Verschwörung gegen ihn und seine unter falschen Anschuldigungen inhaftierte Bekannte. Er befreit sie und gemeinsam schlagen sie zurück.
Zweite Jack-Reacher-Verfilmung. Wieder ein gelungener, angenehm altmodischer Krimi. In diesem Fall ist der Film, der viele Details des Romans verändert, erstaunlicherweise näher an der Formel der Jack-Reacher-Romane als die Romanvorlage. Spannende Unterhaltung gibt es dann in Buch und Film.
Der zwanzigste Jack-Reacher-Roman „Keine Kompromisse“ gibt es seit einigen Wochen in der deutschen Übersetzung.
Dieses Mal stolpert Jack Reacher wieder in der amerikanischen Provinz in ein Abenteuer. Wegen des interessanten Namens Mother’s Rest verlässt er irgendwo im Mittleren Westen den Zug. Am Bahnhof der Kleinstadt (okay, da gibt es nur Kleinstädte) trifft er die Privatermittlerin Michelle Chang, die vergeblich auf ihren Partner wartet und wechselt einige Worte mit ihr. So gerät er in das Visier einiger Verbrecher und als er am nächsten Tag beginnt, sich in der Stadt über die Stadtgeschichte umzuhören, wollen die heimlichen Herren der Stadt den neugierigen Besucher loswerden.
Dass das keine gute Idee ist, wissen langjährige Reacher-Fans.
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Lee Child: Keine Kompromisse
(übersetzt von Wulf Bergner)
Blanvalet, 2019
448 Seiten
22 Euro
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Originalausgabe
Make Me
Bantam Press, London, 2015
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Im November veröffentlicht Blanvalet den 21. Jack-Reacher-Roman „Der Ermittler“ (spielt 1996 in Berlin) und Lee Childs Essay „Der Held: Wie Helden die Welt verändern, und warum wir sie heute mehr als je zuvor brauchen“.
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Im Juli wurde bekannt, dass es keine weiteren Jack-Reacher-Spielfilme mit Tom Cruise geben wird. Stattdessen wird Amazon Studios, wenn ihr das Drehbuch von Autor und Showrunner Nick Santora („Scorpion“, „Prison Break“) gefällt, eine Jack-Reacher-TV-Serie produzieren.
Wer Jack Reacher spielen wird, ist noch unklar, aber gesucht wird, so Lee Child auf seiner Homepage, ein Mann, der der Beschreibung von Jack Reacher aus den Büchern entspricht. Also eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger und Dwayne Johnson.
Ich persönlich halte es ja für keine gute Idee, Reacher im Film wie im Roman von einem muskulösen Zwei-Meter-Mann spielen zu lassen. Damit überragt er meistens alle anderen Personen im Raum und wenn er sich dann mit einer Gruppe Halbstarker anlegen muss, ist schon vor dem ersten Schlag klar, wer gewinnt
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Wer Lee Child persönlich treffen möchte, hat dazu am Samstag, den 23. November, die Gelegenheit. Dann ist er zusammen mit Ken Follett, Kate Mosse und JoJo Mojes im Rahmen der „The Friendship Tour“ um 20.00 Uhr im Großen Sendesaal des RBB (Masurenallee 8 – 14, Berlin).
„The Friendship Tour“ wurde von Ken Follett initiiert. Gemeinsam wollen die Autoren ein Zeichen gegen den Brexit setzen. An dem Abend reden sie auch über Werke.
Die anderen Stationen der Tour sind Madrid, Rom und Paris.
Lohn der Angst (Le salaire de la peur, Frankreich/Italien 1953)
Regie: Henri-Georges Clouzot
Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi
LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)
Vier Männer fahren mit einer Ladung Nitro durch den lateinamerikanischen Dschungel.
Klingt langweilig? Ist aber ein Klassiker, der Anfangs das Leben gestrandeter Abenteuerer in den Kolonien extrem genau zeigt, später extrem spannend ist und einen tiefen, illusionslosen Einblick in die menschliche Seele bietet. Eine existentialistische Parabel im Gewand eines Action-Films. – Seine volle Wirkung entfaltet „Lohn der Angst“ allerdings nur auf der großen Leinwand.
Hellmuth Karasek in „Mein Kino – Die 100 schönsten Filme“: „Clouzots Meisterwerk, wahrscheinlich der vollkommenste und geradlinigste Thriller der Filmgeschichte…Clouzot hat hier (gemeint ist der Filmanfang, A. d. V.) als erster gnadenlose Bilder aus der Dritten Welt, ihren kolonialen Strukturen, der vorherrschenden Desperado-Mentalität, der latent homoerotischen Männerbünde, deren letzter Stolz die Frauen- und Eingeborenen-Verachtung ist, eingefangen – lange vor Taverniers Saustall.“
Gezeigt wird vielleicht eine leicht gekürzte Version des 150-minütigen Films.
Im Anschluss, um 22.35 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Clouzot – Meister des psychologischen Thrillers“ (Frankreich 2017).
Mit Yves Montand, Peter van Eyck, Charles Vanel, Folco Lulli
Ein verheirateter Theaterregisseur bietet einer Prostituierten nach einer Liebesnacht 30.000 Dollar, wenn sie ihren Beruf aufgibt und ihre Träume verfolgt. Etwas später bewirbt sie sich um eine Rolle in einem Stück des Regisseurs – und all die Probleme, die man aus einer alten Screwball-Comedy kennt, tauchen auf.
Wunderschöne, flotte, zitatreiche Liebeserklärung an die alten Screwballkomödien, die im Kino etwas unterging.
mit Imogen Poots, Owen Wilson, Jennifer Aniston, Rhys Ifans, Cybill Shepherd, Will Forte, Kathryn Hahn, Tatum O’Neal, Michael Shannon, Quentin Tarantino
Wie verfilmt man ein dickleibiges, mit Zahlen gesättigtes Ökonomie-Sachbuch? Eine Möglichkeit ist die von Justin Pemberton gewählte: in einem großen historischen Bogen erzählt er, der Argumentation des Buches folgend, die Geschichte des Kapitalismus von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart nach. Neben Thomas Piketty, dem Autor des hier verfilmten Bestsellers „Das Kapital im 21. Jahrhundert“, reden auch andere Wissenschaftler, wie Faiza Shaheen und Joseph Stiglitz, über den Kapitalismus. Dazu gibt es historische Aufnahmen und viele Bilder aus Spielfilmen, die uns die Vergangenheit, in der es noch eine Dokumentarfilme gab, nahe bringen.
Dieser Argumentation kann dann von bekannter gesellschaftlicher Umwälzung zu bekannter gesellschaftlicher Umwälzung gut gefolgt werden. Pemberton und Piketty zeigen, wie Kriege zu Umverteilungen des Kapitals führen und wie der Kapitalismus, wenn er nicht reguliert wird, zu einer Konzentration des Geldes bei der herrschenden Klasse führt. Diese Konzentration führt auch dazu, dass die Grundannahme kapitalistischer Gesellschaften, nach der es jeder nachkommenden Generation besser als der vorhergehenden Generation geht, nicht mehr stimmt. Falls, und darüber müsste gesondert diskutiert werden, sie jemals stimmte.
Diese These belegt Piketty in seinem Buch mit zahlreichen Statistiken. Im Film wird davon erzählt. Ebenfalls mit einem großen historischen Atem, der tagespolitische Gefühle und Ereignisse einordnet. Angesichts der knappen Zeit die ein zweistündiger Film gegenüber einem achthundertseitigem Buch hat, bleibt die Analyse notgedrungen oberflächlich.
Aber als, je nach Vorwissen, Einstieg in das Thema oder als bildgewaltige kapitalismuskritische Auffrischung funktioniert „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ gut.
Vor dem Kinostart war unklar, in welchen Fassungen Pembertons Film in unseren Kinos laufen wird. Wer den Franzosen Thomas Piketty im Original sprechen hören möchte, sollte sich daher unbedingt die untertitelte Originalfassung ansehen.
Das Kapital im 21. Jahrhundert (Capital in the twenty-first Century, Frankreich/Neuseeland 2019)
Regie: Justin Pemberton
Drehbuch: Thomas Piketty, Matthew Metcalfe, Justin Pemberton
LV: Thomas Piketty: Le Capital au XXIe siècle, 2013 (Das Kapital im 21. Jahrhundert)
mit Thomas Piketty, Faiza Shaheen, Gillian Tett, Joseph Stiglitz
Heute zeigt RTL II, als Vorbereitung für den am 24. Oktober anlaufenden neuen „Terminator“-Film „Dark Fate“ (Kritik zum Filmstart; bis dahin gibt es eine Sperrfrist) die ersten beiden „Terminator“-Filme
RTL II, 20.15
Terminator (The Terminator, USA 1984)
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron, Gale Anne Hurd
Los Angeles, 1984: Ein Terminator kommt aus der Zukunft. Er hat den Auftrag, Sarah Connor zu finden und zu töten. So soll verhindert werden, dass sie ein Kind bekommt, das in der Zukunft der Anführer des Widerstandes gegen die Roboter wird.
Zur gleichen Zeit wird Kyle Reese aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt. Er soll den Terminator zerstören, bevor dieser seine Mission ausführt.
Und schon beginnt eine actionhaltige Menschenjagd durch Los Angeles.
Heute ein Science-Fiction-Klassiker, der etliche Karrieren beförderte.
Damals ein kleines B-Picture, von dem vor dem Kinostart niemand viel erwartete. Vor allem nicht, dass nach vielen, meist misslungenen Fortsetzungen jetzt „Deadpool“-Regisseur Tim Miller mit Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton ein Reboot der Serie inszeniert, das an James Camerons „Terminator“-Filme anknüpft. James Cameron ist als Produzent involviert.
mit Arnold Schwarzenegger, Michael Biehn, Linda Hamilton, Paul Winfield, Lance Henriksen, Rick Rossovich, Bill Paxton
Wiederholung: Samstag, 19. Oktober, 23.35 Uhr (anschließend, um 01.40 Uhr, läuft „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“)
Isabel (Michelle Williams) arbeitet in einem Waisenhaus in Kalkutta und möchte das Land niemals verlassen. Als sie ein Angebot für eine großzügige Spende von einer Multimillionärin erhalten, ist es mit der Bedingung verbunden, dass Isabel nach New York fliegt und dort das Projekt persönlich vorstellt. Widerwillig lässt sie sich darauf ein.
In New York angekommen lädt die edle Spenderin Theresa Young (Julianne Moore) sie zur Hochzeit ihrer Tochter in ihr Anwesen ein. Dort entdeckt sie in der Hochzeitsgemeinde ihre alte Liebe. Oscar (Bill Crudup) ist jetzt mit Theresa verheiratet.
„After the Wedding“ ist das US-Remake von Susanne Biers „Nach der Hochzeit“ mit vertauschten Geschlechterrollen. Die Schauspieler sind gut. Bart Freundlichs Inszenierung ist angenehm zurückhaltend.
Trotzdem kann „After the Wedding“ nicht überzeugen. Denn so sehr sich die Schauspieler auch bemühen, sie scheitern am viel zu konstruierten Plot, der, je weiter sich Theresas Plan entfaltet, immer unglaubwürdiger wirkt. Ihr Plan kann nämlich nur funktionieren, wenn alle Menschen genau das tun, was sie nach ihrem Plan tun sollen.
After the Wedding (After the Wedding, USA 2019)
Regie: Bart Freundlich
Drehbuch: Bart Freundlich (basierend auf „Efter Brylluppet“ von Anders Thomas Jensen und Susanne Bier)
mit Michelle Williams, Julianne Moore, Billy Crudup, Abby Quinn, Alex Esola, Susan Blackwell, Vir Pachisia
In Cannes erhielt Bong Joon Hos neuer Film „Parasite“, nach einer einstimmigen Jury-Entscheidung, die Goldene Palme. Auch die Kritiker hielten ihn für den besten Film des Wettbewerbs. Und der Film erfüllt die Erwartungen.
Im Mittelpunkt stehen zwei gegensätzliche, in einer südkoreanischen Metropole lebende Familien. Die vierköpfige Familie Kim ist ganz unten angekommen. Sie leben in einem Keller, ungefragt und abhängig vom Empfang wird das W-Lan der anderen Mieter mitbenutzt und mit dem Falten von Pizzakartons verdienen sie etwas Geld. Falls sie für ihre Arbeit bezahlt werden.
Am anderen Ende der sozialen Hierarchie steht die ebenfalls vierköpfige Familie Park. Das Familienoberhaupt ist CEO eines globalen IT-Unternehmens. Sie leben in einer großen, modernen Villa, die anscheinend keinen Raum zum Verstecken bietet (was, als die Kims sich später in der Villa vor den Parks verstecken müssen für eine erhebliche Suspense sorgt).
Eines Tages verschafft ein Freund Ki-Woo Kim die Stelle als Englisch-Nachhilfelehrer bei den Parks. Mit gefälschten Zeugnissen und einem Anzug verschafft er sich den Zutritt und weil Yeon-Kyo Park, die für seine Einstellung zuständig ist, mit ihm zufrieden ist, wird er eingestellt. Es gelingt Ki-Woo seine Schwester Ki-Jung als Zeichenlehrerin einzuschleusen. Und danach sollen ihre Eltern ebenfalls von den Parks angestellt werden. Wenn die entsprechenden Stellen frei werden und wenn ihr Betrug nicht vorher auffliegt.
Denn Bong Joon Hos neuer Film ist eine tiefschwarze, sehr präzise Gesellschaftssatire, die sich auf wenige Personen und wenige Handlungsorte konzentriert. Der in jeder Sekunde präzise inszenierte Ensemblefilm spielt vor allem in den Wohnungen der Familien Park und Kim. Zwischen ihnen entfaltet sich ein spannender Klassenkampf, bei dem schnell unklar ist, wer hier die titelgebenden Parasiten sind.
Bong Joon Ho inszenierte vorher die ebenso gelungenen, andere Genres bedienenden Filme „Memories of Murder“, „The Host“, „Mother“, „Snowpiercer“ und „Okja“.
Parasite (Gisaengchung, Südkorea 2019)
Regie: Bong Joon Ho
Drehbuch: Bong Joon Ho, Han Jin Won
mit Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam, Lee Jung Eun, Chang Hyae Jin