Ahmad kommt aus Teheran nach Paris, um sich von Marie scheiden zu lassen. Marie, die inzwischen mit einem anderen Mann liiert ist, quartiert ihn im Kinderzimmer ein. Schnell bemerkt Ahmad, dass er mitten in eine verkorkste Beziehungsgeschichte gestolpert ist.
TV-Premiere. „Le Passé – Das Vergangene“ ist ein ruhiges, vielschichtiges, genau beobachtendes Drama über komplizierte Beziehungen und wie Menschen nicht miteinander über ihre Probleme reden können. Sehenswert!
Gosford Park (Gosford Park, Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)
Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.
Sehr gelungene Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.
Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.
Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.
mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant
Wiederholung: Mittwoch, 27. Mai, 01.55 Uhr (Taggenau!)
Eine ganz normal ereignislose Woche im Leben des in Paterson, New Jersey, lebenden Busfahrers Paterson, der dichtet, mit Laura zusammen lebt und ihren Hund Gassi führt.
TV-Premiere: ein Film der einen mit einem wundervoll entspannten Zen-Gefühl zurücklässt und die Bedeutung der kleinen Dinge des Lebens zeigt, die dann doch ganz groß sind. Außerdem ist Patersons Leben gar nicht so eintönig. Denn unter der ruhigen Oberfläche passiert doch einiges.
Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari, Italien/Deutschland/Spanien 1964)
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Sergio Leone, Duccio Tessari
Musik: Ennio Morricone
Sergio Leones erster richtiger Film (davor übte er bei Monumental- und Sandalenfilmen) und gleich ein genreprägender Klassiker, der für einen TV-Schauspieler den Weg zum Weltstar ebnete.
Die Story: In einer mexikanischen Kleinstadt taucht ein Fremder ohne Namen (Clint Eastwood, der öfter als Joe angesprochen wird) auf und spielt kaltschnäuzig die das Dorf beherrschenden Gangsterbanden gegeneinander aus.
Die Story lieh Leone sich von Akira Kurosawas „Yojimbo“. Der könnte auch mal wieder gezeigt werden.
mit Clint Eastwood, Marianne Koch, Gian Maria Volonté, Sieghardt Rupp, Antonio Prieto, Wolfgang Luckschy
Wikipedia über „Für eine Handvoll Dollar“ (deutsch, englisch)
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3sat, 23.40
Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 (restaurierte Fassung 2003])
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni
Musik: Ennio Morricone
Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.
Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.
mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter
Verräter wie wir(Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)
Regie: Susanna White
Drehbuch: Hossein Amini
LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)
Während eines Urlaubs in Marrakesch lernen der rundum harmlose Oxford-Dozent für Poesie Perry und seine Frau Gail den feierwütigen Dima, der immer von einem Hofstaat begleitet wird, kennen. Dima bittet Perry um einen Gefallen. Er soll dem MI6 einen USB-Stick mit Daten überbringen. Denn Dima, der ein Geldwäscher für die Russenmafia ist, fürchtet um sein Leben und Perry und Gail sollen ihm den Weg in die Sicherheit ebnen.
Der ruhige Thriller ist eine weitere gelungene John-le-Carré-Verfilmung.
mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)
Wegen des neunzigsten Geburtstag von Clint Easwood am 31. Mai dachte ich daran, sein Drama (man sollte das Wort „Meisterwerk“ nicht zu inflationär verwenden) „Million Dollar Baby“ zum Tagestipp zu machen und in den nächsten Tagen munter weitere Clint-Eastwood-Filme zu empfehlen. Aber weil das Boxerdrama, das 3sat heute um 22.25 Uhr zeigt, öfter läuft (und es mir bis jetzt gelang, immer einen anderen Film zum Tagestipp zu machen [Yeah, das ist ein wirkliches, unerklärbares Rätsel]) und Reinhard Hauffs „Stammheim“ nur alle Jubeljahre gezeigt wird, ist der heutige Tagestipp
One, 22.30
Stammheim (Deutschland 1985)
Regie: Reinhard Hauff
Drehbuch: Stefan Aust
LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985
Eigentlich ist “Stammheim” ein abgefilmtes Theaterstück: Aust und Hauff konzentrierten sich auf die Verhandlung gegen die Baader-Meinhof-Gruppe und nahmen die Gerichtsprotokolle als Grundlage für die Dialoge.
Damals irritierte die Kritiker, dass Schauspieler anders aussehende Personen spielten, die im öffentlichen Bewusstsein noch sehr präsent waren.
Heute ist “Stammheim” ein Stück Zeitgeschichte und ein Blick in eine für uns inzwischen sehr fremde Zeit.
“Es ist ein Film über die Unfähigkeit der Politik und der Justiz, die Verhältnisse zu reflektieren, in denen Gewalt entsteht. Ein Film über die Ungeduld und Unduldsamkeit derjenigen, die erklärten, das Volk befreien zu wollen und am Ende mehr Zwänge und staatliche Repression erreichen.
Wie in einem Mikrokosmos findet der Kampf zwischen dem Staat und seinen radikalsten Gegner in einem Gerichtssaal statt. Keine Seite geht daraus unbeschädigt hervor. Die einen bekämpfen das Recht und die Ordnung des bürgerlichen Staates und berufen sich gleichzeitig auf seine Gesetze. Die anderen vertreten die Gesetze und verletzen dennoch das Recht (…)
Hauff und Aust haben den mutigsten Film über unsere politische Gegenwart gemacht.“ (Fischer Film Almanach 1987)
„Stammheim“ erhielt 1986 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Während der Preisverleihung sagte Jurypräsidentin Gina Lollobrigida – ein grober Verstoß gegen die Etikette -, dass sie gegen den Film gestimmt habe.
mit Ulrich Pleitgen, Ulrich Tukur, Therese Affolter, Sabine Wegner, Hans Kremer, Dominique Horwitz
Astrid (Unga Astrid, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)
Regie: Pernille Fischer Christensen
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson, Pernille Fischer Christensen
TV-Premiere. Sehenswertes Biopic über Astrid Lindgren, als sie noch nicht Astrid Lindgren war. Sondern eine junge Frau, die eine Affäre mit dem deutlich älteren, verheirateten, siebenfachen Vater und Chefredakteur der Provinzzeitung, bei der sie arbeitet, beginnt. Als Achtzehnjährige wird sie von ihm schwanger. In den Zwanzigern war das der direkte Weg ins gesellschaftliche Abseits. Vor allem wenn die durchaus liebevollen Eltern streng religiös (und finanziell von der Kirche abhängig) sind und sich das gesamte Dorf jede Woche zum Gottesdienst versammelt.
Pernille Fischer Christensen zeichnet, filmisch und erzählerisch konventionell, diese Zwänge und Astrids Versuche,ihr Leben zu gestalten, gut nach.
mit Alba August, Trine Dyrholm, Magnus Krepper, Maria Bonnevie, Henrik Rafaelsen
Bitterböses Porträt einer Bauunternehmerfamilie, in der der Patriarch sich umbringen will, die Tochter die Geschäfte führt, der Sohn fremdgeht und ihre Kinder sich so überhaupt nicht für die Firmennachfolge empfehlen.
Böswillig gesagt ist „Happy End“ ein Haneke Best-of. Schlecht ist das nicht, aber halt nicht so wahnsinnig innovativ und nicht so grandios, wie seine besten Werke.
Schon vor über einem Jahr erschienen und mit deutlich über eintausendreihundert Seiten kein leichtes Buch: „Die Drehbücher“ von Michael Haneke. Es enthält die Drehbücher der Kinofilme von Michael Haneke. Das sind „Der siebente Kontinent“ (1989), „Benny’s Video“ (1992), „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994), „Der Kopf des Mohren“ (1995, verfilmt von Paulus Manker), „Funny Games“ (1997, US-Remake 2008), „Code: Unbekannt“ (2000), „Die Klavierspielerin“ (2001), „Wolfzeit“ (2003), „Caché“ (2005), „Das weiße Band“ (2009), „Liebe“ (2012), „Flashmob“ (noch nicht verfilmt) und „Happy End“ (2017).
LV: Joe R. Lansdale: Cold in July, 1989 (Kalt brennt die Sonne über Texas, Die Kälte im Juli)
Osttexas, 1989: Mitten in der Nacht überrascht und erschießt der glücklich verheiratete Vater Richard Dane einen Einbrecher. Kurz darauf möchte Ben Russell, der Vater des erschossenen Einbrechers, seinen Sohn rächen. Als die Polizei Russell auf die Bahngleise legt, rettet Dane ihn vor dem sicheren Tod. Und das ist noch nicht die letzte überraschende Wendung.
Eine gelungene Lansdale-Verfilmung mit lakonischen Dialogen, lakonischen Schauspielern und ordentlichen Portionen Suspense und Gewalt. Heute läuft der düstere Thriller als Mitternachtsfilm.
mit Michael C. Hall, Don Johnson, Sam Shepard, Vanessa Shaw, Nick Damici, Wyatt Russell
The Square(The Square, Schweden/Deutschland/Frankreich/Dänemark 2017)
Regie: Ruben Östlund
Drehbuch: Ruben Östlund
Christian, der Kurator des Stockholmer Museums für moderne Kunst, bereitet gerade eine neue Ausstellung vor, die publikumswirksam vermarktet werden soll. Da werden ihm seine Brieftasche und sein Handy gestohlen. Als er versucht, beides zurückzubekommen, gerät sein wohlgeordnetes Leben aus dem Ruder.
TV-Premiere und der Auftakt eines langen Ruben-Östlund-Abends. Um 22.40 Uhr gibt es die brandneue Doku „Es war einmal..’The Square’“ zum Film. Um 23.35 Uhr folgt „Involuntary“ (De ofrivilliga, Frankreich/Schweden 2008). Die Episodensatire ist ebenfalls eine TV-Premiere und, wenn ich es richtig sehe, auch die Deutschlandpremiere. Um 01.15 Uhr folgt Östlunds zehnminütiger Kurzfilm „Zwischenfall vor einer Bank“ (Händelse vid bank, Schweden 2009). Zum Abschluss des Abends gibt es um 01.25 Uhr Östlunds zwanzigminütigen Kurzfilm „Szene Nr. 6882 aus meinem Lebn“ (Scen nr: 6882 ur mitt liv, Schweden 2005).
Wer danach im Östlund-Wahn ist, kann sich in der Arte-Mediathek noch „Höhere Gewalt“ (Turist/Force Majeure, Schweden 2014) (nur noch bis zum 19. Mai) und „Play – Nur ein Spiel“ (Play, Schweden 2011) ansehen. Nach diesem Marathon sind fast alle Filme von Östlund gesehen.
„The Square“ ist eine in Cannes ausgezeichnete Satire auf den Kunstbetrieb und die Tragödie eines lächerlichen Mannes. Vielleicht etwas lang geraten, aber in seiner Inszenierung durchgehend faszinierend, immer wieder zum Nachdenken (und Widersprechen) anregend und unbedingt sehenswert.
Der Mann, der zuviel wusste (The man who knew to much, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)
Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.
Hitchcocks Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.
Los Angeles: Als ein Hubschrauberpilot entdeckt, dass der von ihm gesteuerte Wunderhubschrauber (leise und ausgestattet mit der modernsten Technik, um Menschen optisch und akustisch zu überwachen) für die Bekämpfung von vorher provozierten Aufständen eingesetzt wird, entdeckt er sein Gewissen und flüchtet mit dem Hubschrauber. Seine Vorgesetzten findet das gar nicht lustig.
Damals eine Negativ-Utopie, heute ein SF-Klassiker und, in jeder Beziehung, brennend aktuell. Das kann wahrlich nicht über jeden Film gesagt werden.
Mit Roy Scheider, Malcolm McDowell, Warren Oates, Candy Clark, Daniel Stern, Joe Santos
Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.
2016 hatte Tom Cruise in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back) seinen zweiten und bislang letzten Auftritt als Jack Reacher.
mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)
Wiederholung: Sonntag, 17. Mai, 22.40 Uhr (direkt nach und vor „Jack Reacher: Kein Weg zurück“)
Der 21. Reacher-Roman „Der Ermittler“ erkundet Jack Reacher Vergangenheit. 1996, als er noch US-Militärpolizist in Deutschland ist, droht ein dschihadistischer Terrorist mit einem Anschlag, wenn er nicht hundert Millionen US-Dollar erhält. Eine CIA-Spezialeinheit ermittelt und Jack Reacher ist ein Teil des Teams.
Gleichzeitig erschien Childs kurzes Essay „Der Held – Wie Helden die Welt verändern, und warum wir sie heute mehr als je zuvor brauchen“.
LV: Anatoli Kutscherena: Time of the Octopus, ?; Luke Harding: The Snowden Files: The Inside Story of the World’s Most Wanted Man, 2014 (Edward Snowden: Geschichte einer Weltaffäre)
Sehenswertes Biopic über Edward Snowden, der Mann, der uns 2013 über die globale Überwachung der NSA informierte und der seitdem als politischer Flüchtling in Moskau lebt.
Oliver Stone inszenierte den Whistleblower als Patrioten, der unbedingt als freier Mann in die USA zurückkehren sollte.
Wer Laura Poitras‘ grandiosen Dokumentarfilm „Citizenfour“ kennt, wird in „Snowden“ nichts Neues erfahren.
mit Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley, Melissa Leo, Nicolas Cage, Zachary Quinto, Tom Wilkinson, Rhys Ifans, Scott Eastwood, Joely Richardson, Timothy Olyphant, Ben Schnetzer
Der zwölfjährige Alyosha verschwindet spurlos. Seine Eltern leben nur noch pro forma zusammen und wollen ihn in ein Internat abschieben. Ist Alyosha deshalb vielleicht nicht das Opfer eines Verbrechens sondern freiwillig verschwunden?
TV-Premiere. „Loveless“ ist ein kraftvoller, aber auch unendlich deprimierender und hoffnungsloser Film. Andrey Zvyagintsevs Drama hatte 2017 seine Premiere in Cannes. Es war für mehrere Europäische Filmpreise, unter anderem „Bester europäischer Film“, und den Oscar als bester ausländischer Film nominiert.
2016 erschien posthum der von Siegfried Lenz bereits 1951 geschriebene Roman „Der Überläufer“. Er schrieb ihn ganz am Anfang seiner Schriftstellerkarriere. Die autobiographisch inspirierte Geschichte des jungen Wehrmachtssoldaten Walter Proska sollte als sein zweiter Roman erscheinen. Aber sein Verlag hatte Einwände gegen die Geschichte. Das Manuskript verschwand in der Schublade. Lenz schrieb danach „Duell mit dem Schatten“, „So zärtlich war Suleyken“ und viele weitere Romane und Erzählungen.
2014 starb Siegfried Lenz. In seinem Nachlass wurde das Manuskript entdeckt und vor vier vier Jahren veröffentlicht. Der Roman entwickelte sich zum Bestseller, den Florian Gallenberger („John Rabe“, „Colonia Dignidad“) jetzt mit einer hochkarätigen Besetzung als TV-Zweiteiler verfilmte.
Im Sommer 1944 stößt Proska nach einem Heimaturlaub zu einem einsam im sumpfigen polnischen Niemandsland gelegenem Posten, der die Bahnstrecke an die Front sichern soll. Partisanen belagern sie, während sie selbst sich gegenseitig nerven. Später (in der zweiten Hälfte des Romans und im zweiten Teil des Films) wechselt Proska die Seiten und kämpft auf der Seite der Roten Armee gegen deutsche Soldaten. Nach dem Krieg arbeitet er weiter für sie – und er sucht noch immer seine große Liebe Wanda. Er traf die junge Polin und Partisanin, zum ersten Mal in einem Zug, den sie in die Luft sprengen wollte.
Diese Liebesgeschichte nimmt im Film einen größeren Raum ein als im Roman. Dabei wird sie auch unglaubwürdiger. Einerseits weil ich Jannis Niewöhner und Malgorzata Mikolajczak nie das Liebespaar abkaufte, andererseits weil Wanda immer auch etwas als eine nicht von dieser Welt stammende Traumgestalt inszeniert wird. Sie ist mehr eine Fantasie als eine reale Person, die im Sumpf als Partisanin gegen Nazis kämpft.
Bernd Lange (Drehbuch) und Florian Gallenberger (Drehbuch, Regie) folgen vor allem im ersten Teil Siegfried Lenz‘ skizzenhaftem und episodischen Roman sehr genau. Sie übernehmen, bis auf wenige Ausnahmen, alle Szenen und viele Dialoge direkt aus dem Buch. Damit überträgt sich auch der alptraumhafte Stillstand aus dem Roman in den Film.
Im zweiten Teil, wenn der Roman noch skizzenhafter wird, füllen sie die Lücken aus, erfinden Episoden, legen auch eigene Schwerpunkte und präsentieren ein 1956 in Hamburg spielendes Ende, das sich von dem Romanende unterscheidet. Diese Hälfte ist dann konventioneller als die erste Hälfte.
Am Ende ist „Der Überläufer“ gediegene TV-Unterhaltung, die brav dem Roman und seinem sich durch die Geschichte treibendem und rätselhaftem Protagonisten folgt.
Dabei hätte man vor allem aus der ersten Hälfte von „Der Überläufer“ einen experimentellen Alptraum im Geist von „Apocalypse Now“ machen können. Das waren jedenfalls die Bilder, die ich beim Lesen im Kopf hatte.
Das Bonusmaterial ist mit über fünfzig Minuten erfreulich umfangreich ausgefallen. Qualitativ überzeugt die Mischung aus lobenden Schauspielerstatements und Bildern von den Dreharbeiten kaum. Immerhin wurden auch der Regisseur und die Produzenten befragt, warum sie den Film so machen wollten.
Der Überläufer(Deutschland/Polen 2020)
Regie: Florian Gallenberger
Drehbuch: Bernd Lange, Florian Gallenberger
LV: Siegfried Lenz: Der Überläufer, 2016
mit Jannis Niewöhner, Malgorzata Mikolajczak, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Florian Lukas, Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Leonnie Benesch, Ulrich Tukur
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Die DVD (und Blu-ray)
Pandastorm
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch DD 2.0
Untertitel: –
Bonusmaterial: Making of, Interviews mit Cast & Crew
Eine schwüle Sommernacht in Brooklyn – und alle Treffen sich in Sal’s Pizzeria.
Spike Lees dritter Spielfilm und inzwischen ein Klassiker. Eine hysterische Nummernrevue, in der Emotionen und Gegensätze ungebremst aufeinanderkrachen.
„Lee macht im Grunde etwas sehr Mutiges. Er hält seinen eigenen Leuten ihren eigenen Rassismus vor. Erst wenn sie dies erkennen, sind sie in der Lage, anders mit dem Rassismus der Weißen umzugehen, als es das Ende des Films zeigt.“ (Fischer Film Almanach 1990)
„Das Richtige getan hat Lee, indem er einen Film gedreht hat, der seine Dringlichkeit in keinem Augenblick vermeint, ohne deshalb Lösungen mit auf den Weg geben zu wollen. Statt die eine richtige Position zu behaupten, orchestriert Lee virtuos eine Vielzahl von Positionen.“ (Cristina Nord, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)
mit Danny Aiello, Ossie Davis, Ruby Dee, Richard Edson, Spike Lee, Giancarlo Esposito, Bill Nunn, John Turturro, John Savage, Samuel L. Jackson, Rosie Perez, Martin Lawrence
Der Smaragdwald(The emerald forest, Großbritannien 1985)
Regie: John Boorman
Drehbuch: Rospo Pallenberg
Während der Vater Bill Markham als Ingenieur ein Staudammprojekt im Amazonas überwacht, verschwindet sein siebenjähriger Sohn Tommy spurlos. Bill Markham sucht ihn und als er ihn nach einer zehnjährige Suche bei einem zurückgezogen lebendem Indiostamm findet, erlebt er eine Überraschung.
Man kann „Der Smaragdwald“ als geglückte und sehr eigenständige Variante von John Fords „Der schwarze Falke“ (mit John Wayne) sehen, oder einfach als ein bildgewaltiges, von einem wahren Fall von 1972 inspiriertes Ökoabenteuer. Während der Dreharbeiten erfuhr Boorman von weiteren ähnlichen Fällen.
In jedem Fall ist „Der Smaragdwald“ ein weiterer lohnenswerter Film von Regisseur John Boorman („Point Blank“, „Beim Sterben ist jeder der erste“, „Der General“, „Der Schneider von Panama“). Es ist ein vor Ort gedrehtes, facettenreiches Plädoyer für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner.
„Ein meisterhafter Abenteuerfilm von mitreisender Schönheit ist dabei entstanden – als geglückte Mischung aus Fantasy- und Actionelementen, aus Mythologie und Anthropologie -, der sich nie in einer idyllisch-heilen Scheinwelt verliert, sondern beiläufig und unaufdringlich an die Gefährdung des Dschungels und seiner Bewohner durch Technik und Zivilisation gemahnt.“ (Fischer Film Almanach 1986)
mit Powers Boothe, Meg Foster, Charley Boorman, William Rodriguez, Yara Vaneau, Estee Chandler, Dira Paes, Rui Polonah, Maria Helena Velasco, Tetchie Agbayani, Claudio Moreno
Wiederholung: Dienstag, 12. Mai, 00.05 Uhr (Taggenau!)
„Die Dreigroschenoper“ ist 1928 in Berlin ein Theaterhit, der auch verfilmt werden soll. Bertolt Brecht schreibt ein nie verfilmtes Exposé für eine Verfilmung.
Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Kenner, verfilmte jetzt Brechts Vision und er erzählt auch die Geschichte des Bühnenstücks und seiner Verfilmung. Insofern ist „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ das sehr unterhaltsame und informative Making-of zu einem nicht existierendem Film, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.
Anschließend wird ein halbstündiges Making-of gezeigt.
mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl, Meike Droste, Godehard Giese, Max Raabe