Weil der heute bei 3sat um 22.25 Uhr als TV-Premiere laufende Kriegsfilm „Der Hauptmann“ über den sadistischen Hochstapler Willi Herold nicht unproblematisch ist, empfehle ich einen Klassiker des deutschen Films. Davor, ab 20.15 Uhr, zeigt der RBB die brandneue Doku „Berlin 1945: Tagebuch einer Großstadt“.
RBB, 23.15
Die Mörder sind unter uns (Deutschland 1946)
Regie: Wolfgang Staudte
Drehbuch: Wolfgang Staudte
„Die Mörder sind unter uns“ war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste deutsche Film, der hergestellt wurde, und weil die anderen Besatzungsmächte Wolfgang Staudtes Drehbuch nicht akzeptierten (vor allem wegen des ursprünglich geplanten Selbstjustiz-Endes), war es auch der erste Defa-Film. Er ist auch ein Klassiker des deutschen Films und eine quälende, von Verunsicherung geprägte Bestandsaufnahme.
Im zerstörten Berlin leidet der Arzt Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) an seinen Kriegserlebnissen, die er versucht mit Alkohol und Barbesuchen zu betäuben. Er wohnt bei Susanne Wallner (Hildegard Knef), die in einem KZ war. Als sie in seinen Sachen den Abschiedsbrief von seinem Kompaniechef Brückner entdeckt, erfährt Mertens von ihr, dass Brückner (Arno Paulsen) noch lebt. Mertens möchte ihn für seine Kriegsverbrechen büßen lassen.
Staudte inszenierte diese Geschichte mit Bildern aus dem zerstörten Berlin in typischen Noir-Bildern und zahlreichen Nahaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Deutschen mit ihrer Schuld und wie sie mit den Tätern umgehen sollen. Es ist ein in hohem Maß selbstreflexiver, von Verunsicherung, auch über das eigene Tun, geprägter Film, der gerade daraus auch heute noch seine erzählerische Wucht gewinnt.
Ein historisches Dokument ist er sowieso.
„Dieser erste Trümmerfilm war ein hoffnungsvoller Ansatz, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)
Mit Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Michael Günther, Robert Forsch
Eine längere Analyse des Films von Eckhard Pabst gibt es in dem von Martin Nies herausgegebenem Sammelband „Deutsche Selbstbilder in den Medien – Film 1945 bis zur Gegenwart“.
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Martin Nies (Herausgeber): Deutsche Selbstbilder in den Medien (Schriften zur Kultur- und Mediensemiotik Band 4)
24. August 1944, die Nacht bevor Paris zerstört werden soll: der schwedische Generalkonsul Raoul Nordling (André Dussollier) versucht den deutschen Kommandanten von Paris, General Dietrich von Choltitz (Niels Arestrup), zu überzeugen, die in der Stadt verteilten Sprengladungen nicht detonieren zu lassen.
Lose auf historischen Tatsachen basierendes Theaterstück, das die Vorlage für ein grandioses Schauspielerkino ist. Denn das nächtliche Gespräch zwischen Nordling und von Choltitz ist nicht verbürgt und hat so wahrscheinlich auch niemals stattgefunden.
Anschließend, um 21.35 Uhr, zeigt Arte die neue Doku „Volker Schlöndorff“.
mit André Dussollier, Niels Arestrup, Burghart Klaußner, Robert Stadlober, Charlie Nelson
Holocaustdrama über den deutschen Industriellen Oskar Schindler, der in Polen über 1100 Juden vor den Vernichtungslagern rettete, indem er sie als Zwangsarbeiter rekrutierte und dabei alles riskierte.
„in jeder Hinsicht bemerkenswert und legt eine künstlerische Strenge und ein unsentimentales Verständnis an den Tag, das es von allen bisherigen Filmen des Regisseurs abhebt. (…) Trotz seiner Länge von über drei Stunden bewegt sich der Film schnell voran und ist keine Minute zu lang für die Geschichte, die er erzählt, und die Menge von Informationen, die er vermittelt.“ (Todd McCarthy, Variety)
Steven Spielberg zum Kinostart der restaurierten Fassung im Januar 2019: „Es ist schwer zu glauben, dass es 25 Jahre her ist, seit ‚Schindlers Liste‘ in die Kinos kam. Die wahren Geschichten über das Ausmaß und die Tragödie des Holocaust dürfen nie vergessen werden, und die Lehren des Films über die entscheidende Bedeutung der Bekämpfung des Hasses hallen auch heute noch nach. Ich fühle mich geehrt, dass das Publikum die Reise noch einmal auf der großen Leinwand erleben kann.“
mit Liam Neeson, Ben Kingsley, Ralph Fiennes, Caroline Goodall, Jonathan Sagalle, Embeth Davidtz
Zuerst geht eine Verhaftung schief, weil ein zufällig vorbeikommender Streifenpolizist eine Personenkontrolle bei Elias Zekarias (Tedros Teclebrhan) durchführt. Kurz darauf ist dieser Streifenpolizist tot und zwei Kleingangster, die einen Geldautomaten klauten, sind auf der Flucht. Verfolgt von Erichsen (Armin Rohde), Lisa Brenner (Barbara Auer), Zekarias und etlichen Kollegen, die die Polizistenmörder schnappen wollen.
Gewohnt unterhaltsames Multikulti-“Nachtschicht“-Abenteuer mit einer lustvoll aufspielenden Riege bekannter Schauspieler, humorvoll-pointierten Dialogen und absurden Wendungen. Was auch daran liegt, dass die Gangster nicht gerade die hellsten Leuchten am Christbaum sind und einige Polizisten eine sehr laxe Auffassung von Gesetzestreue haben.
Lars-Becker- und Armin-Rohde-Fans können sich schon einmal den 25. Mai im Kalender notieren. Dann gibt es mit „Friss oder stirb“ einen neuen in Berlin spielenden „Der gute Bulle“-Krimi.
Mit Armin Rohde, Barbara Auer, Tedros Teclebrhan, Minh-Khai Phan-Thi, Özgür Karadeniz, Friederike Becht, Benno Fürmann, Klismann Lefaza Jovete, Pit Bukowski, Hassan Akkouch, Lorna Ishema, Nadeshda Brennicke, Maximilian Brückner, Albrecht Ganskopf, Liz Baffoe
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers(The Shape of Water, USA 2017)
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Vanessa Taylor (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro)
TV-Premiere – und wegen der Uhrzeit wird um 20.15 Uhr eine gekürzte Fassung gezeigt. Die Nachtwiederholung dürfte ungekürzt sein.
Guillermo del Toros sehr gelungene, mit zahlreichen Preisen (u. a. Oscar als bester Film des Jahres) ausgezeichnete Version vom „Schrecken vom Amazonas“. Der Fischmensch wird 1962 in Baltimore in einem Regierungslabor als Forschungsobjekt gefangen gehalten. Als eine stumme Putzfrau zu dem Wesen eine Beziehung aufbaut, beginnt eine der schönsten Liebesgeschichten des zeitgenössischen Kinos, die auch eine detailverliebte Liebeserklärung an die alten Hollywood-Monsterheuler und ein subversives Märchen über gesellschaftliche Außenseiter, die sich respektvoll, human und ohne Vorurteile begegnen, ist.
mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Octavia Spencer, Michael Stuhlbarg, Doug Jones, David Hewlett, Nick Searcy, Stewart Arnott
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Der Filmroman
folgt selbstverständlich der Filmgeschichte. Allerdings erfahren wir mehr über die einzelnen menschlichen Figuren und auch was Richard Strickland im Dschungel bei der Suche nach dem legendären Fischmenschen erlebte. Diese Nebengeschichten variieren das Thema des Films und erhellen das damalige Denken und die damals herrschenden Ansichten. Dummerweise drängen diese Nebengeschichten die Hauptgeschichte in den Hintergrund.
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Guillermo del Toro/Daniel Kraus: The Shape of Water
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
Die rote Schildkröte (La tortue rouge, Frankreich/Japan 2016)
Regie: Michael Dudok de Wit
Drehbuch: Michael Dudok de Wit (auch Adaption), Pascale Ferran (Adaption) (nach einer Geschichte von Michael Dudok de Wit)
Ein Schiffbrüchiger entdeckt auf einer Insel eine rote Schildkröte, die eine schöne Überraschung verbirgt.
„Die rote Schildkröte“ ist ein wunderschöner poetischer Film über das Leben, der einem, wie ein Gedicht, eine Interpretation aufzwingt, aber zum Nachdenken anregt.
JAMES BOND: Der Spion, der mich liebte (The Spy who loved me, Großbritannien 1977)
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Richard Maibaum, Christopher Wood
LV: Ian Fleming: The spy who loved me, 1962 (Der Spion, der mich liebte)
Buch zum Film: Christopher Wood: The spy who loved me, 1977 (James Bond und sein größter Fall)
Mitten im Kalten Krieg muss Bond mit den Russen (nun, mit einer verdammt gut aussehenden Agentin) zusammenarbeiten. Denn Milliardär Stromberg will die Welt vernichten.
Der Film hat mit dem Buch nur eine Gemeinsamkeit: den Titel. Kein Wunder, denn in dem Buch erzählt Fleming aus der Perspektive einer jungen Frau, die einen Job als Hauswärterin eines einsam gelegenen Motels annimmt, wie sie von zwei Verbrechern als Geisel genommen und von James Bond befreit wird. Fleming hielt das stark kritisierte Buch für „offensichtlich schiefgegangen“ und sprach sich – erfolglos – gegen weitere Auflagen aus. Er bestand beim Verkauf der Filmrechte an Eon Productions darauf, dass für einen Film eine andere Geschichte gefunden werde.
Und das taten sie! Der Film glänzt mit Pyramiden, einem unter Wasser fahrendem Auto, Beißer (der in dem nächsten Bond-Film „Moonraker“ seinen zweiten Auftritt hatte) und einer grandiosen Schlussschlacht in dem Bauch eines Schiffes. Für diesen Kampf wurde in den Pinewood-Studios die größte Filmhalle der Welt, die „007-Stage“, gebaut. Roger Moore spielt Bond, Curd Jürgens den Bösewicht, Barbara Bach eine Russin.
Drei junge Pariser haben einen Plan: sie wollen in Florida eine Boutique eröffnen. Das nötige Kleingeld dafür wollen sie sich mit kriminellen Methoden beschaffen. Aber schon ihr erster Diebstahl endet in einem bestialischen Mord.
Beeindruckendes, auf einem wahren Fall basierendes Drama. Für das bedrückende Porträt desorientierter Jugendlicher gab es damals den Goldenen Bären.
mit Marie Gillain, Olivier Sitruk, Bruno Putzulu, Richard Berry, Philippe Duclos
Wiederholung: Samstag, 2. Mai, 00.10 Uhr (Taggenau!)
Regie: Thomas Lee (Pseudonym von Walter Hill, Francis Ford Coppola, Jack Sholder)
Drehbuch: David C. Wilson, William Malone (Geschichte), Daniel Chuba (Geschichte)
Das intergalaktische Rettungsschiff „Nightingale 229“ erhält aus einer entfernten, nicht mehr bewohnten Galaxie einen Notruf. Mit einem Dimensionssprung fliegen sie dahin und finden den verunglückten Astronauten Karl. Der schleppt eine außerirdische Lebensform in ihr Raumschiff und es geschieht das, was immer geschieht, wenn Menschen und Aliens sich begegnen.
Die drei Regisseure verraten eingefleischten Filmfans, dass „Supernova“ ein weiterer Alan Smithee-Film ist, der hier allerdings Thomas Lee heißt und weil Walter Hill, Jack Sholder und Francis Ford Coppola in ihrem Metier durchaus ihre Meriten erworben haben, ist „Supernova“ ein nicht vollkommen uninteressanter Torso.
Die Reise von „Supernova“ begann 1988 als „Dead Star“ unter der Federführung von William Malone. Damals war’s „Hellraiser im Weltall“. Kurz vor Drehbeginn verließ Regisseur Geoffrey Wright wegen künstlerischer Differenzen das Projekt. „Alien“-Produzent Walter Hill sprang ein. Er versuchte einen guten Film zu drehen. Während dem Dreh wurde unter der Aufsicht von MGM-Angestellten das Drehbuch umgeschrieben. MGM war mit dem von Hill abgelieferten Schnitt sehr unzufrieden. Jack Sholder drehte einige Szenen nach. Dann kam Francis Ford Coppola dazu und versuchte eine Version zu erstellen, die dem Studio und Walter Hill gefiel. Hill zog seinen Namen zurück. An der Kinokasse ging der offiziell 70 Millionen Dollar teuere Film (Lou Diamond Phillips meinte in einem Interview, der Film habe eher 100 Millionen Dollar gekostet) gnadenlos unter.
Zu Recht. Denn „Supernova“ ist ein 08/15-Science-Fiction-Film, der allein wegen seiner desaströsen Produktionsgeschichte, der ansehnlichen Besetzung und der schwindlig machenden Wackelkamera (die Neuauflage von „Kampfstern Galactica“ wird dagegen mit einer statischen Kamera gedreht) kurze Zeit in Erinnerung bleibt.
„The film never got a chance to have a clear vision.” (Lou Diamond Phillips)
Mit James Spader, Angela Bassett, Robert Forster, Lou Diamond Phillips, Peter Facinelli, Robin Tunney
Biopic über den von Marlon Brando (in seiner dritten Filmrolle) gespielten Revolutionär Emiliano Zapata (1879 – 1919), das mit seiner ersten politischen Mission beginnt.
„‚Viva Zapata!‘ ist ein Unterhaltungsfilm auf höchster Ebene, von Kazan spannend inszeniert, der Handlung und Szenen erstaunlich wirklichkeitsnahe gestaltete und den Schauspielern alle Freiheiten ließ. (…) Brandos Zapata ist eine symbolische Figur, eine Art Jedermann der mexikanischen Revolution, ein Titan, der sich, dem Ruf des Schicksals gehorchend, aus den Rängen der Masse erhoben hat. In diesem Sinn ist ‚viva Zapata!‘ ein kraftvoller und wirklich bewegender Film.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme,1980)
Der echte Zapata war wohl nicht so edel wie der Film-Zapata.
mit Marlon Brando, Anthony Quinn, Jean Peters, Joseph Wiseman
D’Artagnans Tochter (La Fille de D’Artagnan, Frankreich 1994)
Regie: Bertrand Tavernier
Drehbuch: Michel Leviant (nach einer Idee von Riccardo Freda und Eric Poindron)
1654, Frankreich im Herbst: Nachdem die Gefolgsleute des Grafen von Crassac das Kloster in dem Eloise lebt, verwüsten, macht sie sich auf den Weg zu ihrem Vater. Dieser ist der legendäre D’Artagnan und schon lange nicht mehr am Kämpfen interessiert. Also schwindelt sie ihm etwas von einem Komplott vor und kann ihn so überzeugen, zusammen mit seinen ebenfalls älter gewordenen Musketieren, wieder in den Kampf zu ziehen. Dieses Mal mit weiblicher Unterstützung.
„Der Film ist zuerst und vor allem ein Fest der Schauspieler. Darüber hinaus auch eine wundervolle Mantel- und Degen-Komödie.“ (Fischer Film Almanach 1996) – Volle Zustimmung!
mit Sophie Marceau, Philippe Noiret, Claude Rich, Sami Frey, Jean-Luc Bideau, Charlotte Kady
Sea of Love – Melodie des Todes(Sea of Love, USA 1988)
Regie: Harold Becker
Drehbuch: Richard Price
In New York werden mehrere Männer, die auf Kontaktanzeigen geantwortet haben, ermordet. Der abgewrackte Cop Frank Keller (Al Pacino) sucht den Mörder. Dafür gibt er selbst eine Kontaktanzeige auf und trifft Helen (Ellen Barkin). Er verliebt sich in die geheimnisvolle Schönheit. Dummerweise ist sie gleichzeitig die Hauptverdächtige.
Spannender Thriller. Dank des wendungsreichen Drehbuchs von Richard Price, der auch ein erfolgreicher Romanautor ist („The Wanderers“, „Clockers“, „Lush Life“), und der glänzenden Schauspieler. Al Pacino erhielt eine Golden-Globe-Nominierung. Richard Price eine Edgar-Nominierung (und verlor gegen die heute ziemlich vergessene High-School-Satire „Heathers“).
Davor, um 22.10 Uhr, zeigt 3sat die brandneue Doku „Al Pacino – Star wider Willen“.
mit Al Pacino, Ellen Barkin, John Goodman, Michael Rooker, William Hickey, Ricahrd Jenkins, Paul Calderon
Drehbuch: Julian Mitchell, Stanley Price, Pierre Marton (Pseudonym von Peter Stone)
LV: Alex Gordon (auch Gordon Cotler): The Cipher, 1961
Oxford-Professor Pollock soll eine hethitische Inschrift entziffern. Er weiß nicht, dass er danach umgebracht werden soll.
Schwungvolle Agenten-Komödie in einem verschwenderischen Dekor, z. B. trägt Sophia Loren nur Kleider von Dior. Ist einer der besten nicht von Hitchcock inszenierten Hitchcock-Filme – und eine prall gefüllte Wundertüte an Intrigen und Gegenintrigen.
Gordons Buch war 1962 als bestes Debüt für den Edgar nominiert.
Mit Gregory Peck, Sophia Loren, Alan Badel, Kieron Moore
„Get the Gringo“ ist der Abschluss eines kleinen Mel-Gibson-Abends. Der Auftakt ist um 20.15 Uhr mit der Actionkomödie „Air America“ (Regie: Roger Spottiswoode, mit Gibson und Robert Downey Jr. als Drogenpiloten im Auftrag des CIA während des Vietnamkriegs). Danach, um Mitternacht, folgt das sehenswerte Flüchtlingsdrama „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet (Regie: Jonás Cuarón, mit Gael Garcia Bernal und Jeffrey Dean Morgan).
Tele 5, 22.20
Get the Gringo (Get the Gringo, USA 2012)
Regie: Adrian Grunberg
Drehbuch: Mel Gibson, Stacy Perskie, Adrian Grunberg
Ein namenloser Fluchtwagenfahrer wird kurz hinter der Grenze von der mexikanischen Polizei verhaftet und in einen von einem Gangsterboss regierten Knast gesteckt. Jetzt will er überleben, ausbrechen und seine Kohle wieder haben.
Das B-Picture „Get the Gringo“ ist eine unterhaltsame Hardboiled-Krimikomödie mit etwas Action und einem lakonischen Voice-Over des Fahrers, der auch über die Auslassungen und Unwahrscheinlichkeiten der Geschichte hinwegerzählt.
mit Mel Gibson, Kevin Hernandez, Daniel Giménez Cacho, Jesús Ochoa, Dolores Heredia, Peter Gerety, Roberto Sosa Martinez, Peter Stormare, Mario Zaragoza, Gerardo Taracena
Hacker Neo ist der nette Nerd von nebenan, bis er erfährt, dass die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist und dass er der Erlöser ist.
Kommerziell unglaublich erfolgreicher, Hugo- und Nebula-nominierter Science-Fiction-Klassiker, in dem es erstmals gelang, die Ideen der Cyberpunk überzeugend in einen Realfilm zu transportieren. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ sind dagegen ein Fall für die filmische Mülltonne und auch bei der „Matrix“ kann man sich an einigen groben Logikfehlern und Widersprüchen stoßen. Z. B.: Warum sollten die Maschinen uns Menschen mit einer Computersimulation betäuben? Warum sollten wir Menschen aus der Computersimulation ausbrechen wollen? Vor allem, wenn die Erde ungefähr so bewohnbar wie die dunkle Seite des Mondes ist.
mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano
Überwacht: Sieben Milliarden im Visier(Frankreich 2019)
Regie: Sylvain Louvet
Drehbuch: Sylvain Louvet
Spielfilmlange Doku über immer raffiniertere Überwachungstechniken, die im Kampf gegen Terroristen und Kriminelle eingesetzt werden, dabei alle Menschen überwachen und der Einstieg in einen alles kontrollierenden Überwachungsstaat sein können.
Der Beginn eines Arte-Themenabends, der den Namen „Themenabend“ wirklich verdient hat. Denn zuletzt waren einige Themenabende nach zwei, drei Stunden rum. Der heutige Themenabend „KI – Endspiel für den Menschen?“ geht bis 02.30 Uhr und beschäftigt sich mit der KI-Industrie, dem automatisiertem Börsenhandel und der Silicon-Valley-Revolution.
Billi (Awkwafina, zuletzt „Jumanji: The next level“) ist eine gar nicht so untypische junge New Yorkerin. Sie hat sich gerade – erfolglos – für ein Stipendium beworben. Einen Freund hat sie nicht. Und auch kein offenkundiges Lebensziel.
Als sie erfährt, dass ihre immer noch in China lebende, über alles geliebte Großmutter todkrank ist, möchte sie sie noch einmal sehen. Ihre Eltern sind dagegen. Denn die Nai Nai (Mandarin für die Großmutter väterlicherseits) weiß nichts von ihrer Krebserkrankung. Die Ärzte geben ihr nur noch wenige Wochen. Chinesischen Traditionen folgend soll Nai Nai es auch nicht erfahren.
Weil Billis Eltern überzeugt sind, dass Billi vor ihrer Nai Nai das Geheimnis sofort ausplaudern wird, soll Billi nicht mit nach Changchun, einer Industriestadt in der nordöstlichen chinesischen Provinz Jilin, fahren.
Billi soll in New York bleiben, während die restliche in den USA und Japan lebenden Familienmitglieder sich auf den Weg nach Changchun machen. Der Vorwand für das seit Jahren in dieser Größe nicht mehr erfolgte Familientreffen ist die Hochzeit von Billis Cousin mit einer Japanerin.
Trotzdem fliegt Billi nach Changchun, wo sie als Überraschungsgast auftaucht und leicht ungläubig das rege Treiben betrachtet. Nai Nai (Zhao Shuzhen) bereitet resolut die Hochzeitsfeier vor. Ihre Kinder und Kindeskinder versuchen die Fassade der Fröhlichkeit aufrecht zu halten, während sie sich von Nai Nai verabschieden und in Erinnerungen schwelgen. Schließlich wissen sie, dass sie Nai Nai nach diesen Tagen nicht wieder lebendig sehen werden.
In ihrem zweiten Spielfilm erzählt Lulu Wang eine autobiographische Geschichte. Ihr alter ego Billi muss, wie Lulu Wang 2013, eine Antwort auf ihre widerstreitenden Gefühle und den Ansprüchen ihrer Familie finden. Die anderen Familienmitglieder stehen vor dem gleichen Problem. Außerdem müssen sie sich mit veränderten Traditionen arrangieren. Als Auswanderer hielten sie an Traditionen fest, die sich in China veränderten. Gleichzeitig veränderte ihr Leben im Ausland ihren Blick auf heimische Traditionen.
Das zeigt Wang sehr präzise, feinfühlig und humorvoll. Die kleinen Differenzen und auch die inneren Konflikte jeder Person werden so nachvollziehbar. Jeder schweigt und lügt über etwas anderes. Und ziemlich oft haben die anderen eine sehr gute Vorstellung, worüber geschwiegen wird und worüber sie, mit guten Absichten, belogen werden.
Diese sehr differenziert ausfallende und genau beobachtende Familienporträt bewegt sich allerdings zu nah an den Fakten der wahren Lüge entlang. Die verschiedenen Positionen zum Belügen von Nai Nai werden dargestellt, aber es wird keine Antwort gegeben. Daher gibt es am Ende auch keine Lösung für das Dilemma, vor dem Billi steht. Die letzten Filmminuten, der Abspann, die Existenz dieses Films (und die Frage, wie Nai Nai darauf reagiert) zeigen diese Unentschlossenheit noch einmal auf.
So ist „The Farewell“ nur die gelungene Beschreibung einer Situation.
Zum Ansehen empfehle ich die schlüssig zwischen Englisch und Mandarin wechselnde Originalfassung.
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Jetzt ist Lulu Wangs hochgelobter Film, ohne Bonusmaterial, auf DVD und Blu-ray erschienen und ich habe mir jetzt die deutsche Synchronisation angesehen. In ihr wurden die wenigen englischen Teile untertitelt und die vielen in Mandarin gesprochenen Teile synchronisiert. Damit bleibt die Zweisprachigkeit des Originals erhalten. Allerdings verändern sich die durch die Sprache (und die Lektüre der Untertitel) geschaffenen Gefühle von Nähe und Distanz. In der deutschen Fassung müssen kaum noch Untertitel gelesen werden. Und schon erscheint Nai Nais Welt uns fast wie ein Besuch bei den eigenen Großeltern.
Auch beim wiederholten Ansehen fällt auf, wie konsequent Lulu Wang sich in jeder Szene mit verschiedenen Aspekten des Lügens beschäftigt. Jeder lügt über etwas anderes. Aus verschiedenen Gründen und mit guten Absichten. Auch, davon bin ich hundertprozentig überzeugt, die Großmutter ahnt sehr genau, wie krank sie ist und dass ihre Familie sich nicht wegen der Hochzeit von Billis Cousin bei ihr trifft.
„The Farewell“ regt zum Nachdenken und Diskutieren darüber an, ob und wie sehr man einen geliebten Menschen über eine tödliche Diagnose belügt. Oder ihm die Wahrheit sagt.
Damit ist Lulu Wangs Film ein gerade in Zeiten häuslicher Isolation empfehlenswerter und auch aktueller Film, der sehr warmherzig zwischen Drama, Komödie und ruhiger Beobachtung pendelt, das anspruchsvolle Leben zwischen verschiedenen Kulturen und Traditionen (und damit verbundenen Anforderungen) begreifbar macht und, sicher auch durch den prominenten Einsatz westlicher Pop-Musik, die Gemeinsamkeiten zwischen China und dem Westen betont. Außerdem ist Billis Nai Nai eine typische Großmutter, die sich um ihre Kinder und Enkelkinder sorgt und Billi sofort mit einem jungen, sympathischen Arzt verkuppeln will.
The Farewell(The Farewell, USA 2019)
Regie: Lulu Wang
Drehbuch: Lulu Wang
mit Shuzhen Zhao, Awkwafina, X Mayo, Lu Hong, Lin Hong, Tzi Ma, Diana Lin, Yang Xuejian, Becca Khahil
Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.
Ein zukünftiger Western-Klassiker
mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper