Neu im Kino (naja einigen Kinos in einigen Bundesländern)/Filmkritik: „World Taxi“ ist auch nur Taxi

Juni 15, 2020

Ältere Semester, die nicht gerne ‚ältere Semester‘ genannt werden, weil sie sich noch so wahnsinnig jung fühlen, es aber nicht mehr sind (was spätestens bei der Nennung ihres Lieblingsfilms als Teenager, der Lieblingsband und dem ersten Leinwandstar, in den man hoffnungslos verliebt war, auffällt), werden sich beim Konzept von „World Taxi“ spontan an Jim Jarmusch wundervollen Taxifahrerfilm „Night on Earth“ erinnern. In dem Film von 1991 erzählt Jarmusch fünf vollkommen erfundene Geschichten mit verschiedenen Taxifahrern und Tom Waits komponierte den traumhaften Soundtrack.

Auch Philipp Majer begleitet in seinem Film fünf Taxifahrer. Ebenfalls vier Männer und eine Frau. Allerdings, bis auf die Berliner Taxifahrerin, vor allem tagsüber und seine Taxifahrer sind echte Taxifahrer. Denn „World Taxi“ ist ein Dokumentarfilm, der die Welt durch den Blick auf die Rückbank des Taxis zeigt.

Seine Fahrer sind Destan aus Pristina (Kosovo), Mamadou aus Dakar (Senegal, Sergio aus El Paso (USA), Tony aus Bangkok (Thailand) und Bambi aus Berlin (Deutschland). So unterschiedlich diese fünf Fahrer sind, haben sie doch eine Gemeinsamkeit: sie unterhalten sich mit ihren Fahrgästen. Diese erzählen, woher sie kommen, wohin sie wollen und auch, was sie gerade bewegt. Das gibt einen Blick in das Leben der Städte, in denen die Taxisfahrer arbeiten. Wenn sie gerade keine Passagiere befördern, erzählen sie Regisseur Philipp Majer von sich. Sie erzählen auch von ihrem Land und den Konflikten. So weist Sergio darauf hin, dass die in den USA arbeitenden Mexikaner arbeiten verrichteten, die kein US-Amerikaner tun möchte. Gleichzeitig fährt er junge Frauen für Operationen von den USA nach Mexiko. Nur dort können sie sie, wegen der grotesken Struktur des US-Gesundheitswesens, bezahlen.

In Pristina geht es bei den Gesprächen zwischen dem Fahrer und seinen Kunden, denen er auch mal den Fahrpreis erlässt, um die Nachwehen des Kosovokrieges. In Dakar diskutieren drei Frauen auf der Rückbank lautstark untereinander und mit Mamadou über die Mehrehe und welches Verhältnis die verschiedenen Frauen zueinander haben. Also welche Frau sich mit welcher Frau verschwestert. In Bangkok wird auch über das Nachtleben und den Tourismus gesprochen. Und Bambi fährt durch das im Moment vollkommen zum Erliegen gekommene Nachtleben der deutschen Hauptstadt.

Die Inspiration für „World Taxi“ war für Majer vor fünf Jahren eine Taxifahrt in Roswell, New Mexico/USA, mit einem Fahrer, der, so Majer, direkt aus Jarmuschs „Night on Earth“ kommen könnte. „Während dieser kurzen Fahrt kam mir die Idee zu diesem Dokumentarfilm. Im Taxi können Menschen innerhalb weniger Minuten ihr Herz ausschütten oder brisante politische Meinungen äußern, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Im Taxi gelten andere Regeln, überall auf der Welt. Genau das finde ich spannend“, so Majer. Nicht beachtet hatte er allerdings Jarmuschs Hinweis, dass die Dreharbeiten für den Spielfilm wesentlich komplizierter waren, als er gedacht hatte. Für einen Dokumentarfilm und dank der zunehmend kleiner werdenden Kamera- und Tontechnik, gingen die Dreharbeiten dann bedeutend einfacher. Trotzdem war Majer sein eigener Kameramann. Während der im Mittelpunkt des Film stehenden Taxifahrten saß er, entgegen der Fahrtrichtung auf dem Beifahrersitz.

Der Film selbst ist, nun, wie eine Taxifahrt. Kurzweilig, amüsant, immer wieder mit überraschenden Einsichten, aber nie sehr in die Tiefe gehend und von Majer so komponiert, dass der Eindruck von einer Schicht entsteht.

World Taxi (Deutschland 2019)

Regie: Philipp Majer

Drehbuch: Philipp Majer

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (keine Ahnung warum)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „World Taxi“

Moviepilot über „World Taxi“

Wikipedia über Philipp Majer


TV-Tipp für den 15. Juni: Kirschblüten und rote Bohnen

Juni 14, 2020

Arte, 22.05

Kirschblüten und rote Bohnen (An, Japan/Frankreich/Deutschland 2015)

Regie: Naomi Kawase

Drehbuch: Naomi Kawase

LV: Durian Sukegawa: An, 2013 (Kirschblüten und rote Bohnen)

Sentaro, Pächter eines Imbisses, der Dorayaki (Pfannkuchen mit Bohnenpaste) verkauft, stellt die weit über siebzigjährige, schrullig-versponnene Tokue ein. Schnell begeistert ihre Bohnenpaste Sentaro und alle seine Kunden. Aber warum sind Tokues Hände so verkrüppelt?

Gewohnt feinfühlig von Naomi Kawase erzählter Aufruf zu Humanität, Mitmenschlichkeit und Toleranz.

Zur Einstimmung zeigt Arte davor, ab 20.15 Uhr, die Feelgood-Komödie „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben!“ (Chef, USA 2014, Regie: Jon Favreau).

mit Kirin Kiki, Masatoshi Nagase, Kyara Uchida, Miyoko Asada, Etsuko Ichihara

Hinweise

Filmportal über „Kirschblüten und rote Bohnen“

Rotten Tomatoes über „Kirschblüten und rote Bohnen“

Wikipedia über „Kirschblüten und roten Bohnen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Naomi Kawases „Still the Water“ (Futatsumo no mado, Japan/Frankreich/England 2014)

Meine Besprechung von Naomi Kawases „Radiance“ (Hikari, Japan 2017)


TV-Tipp für den 14. Juni: Vera Cruz

Juni 13, 2020

Tele 5, 22.30

Vera Cruz (Vera Cruz, USA 1954)

Regie: Robert Aldrich

Drehbuch: Roland Kibee, James R. Webb (nach einer Story von Borden Chase)

1866 machen die beiden Glücksritter Trane und Erin Mexiko unsicher. Denn sie sind nicht politischen Ideologien, sondern grünen Scheinen treu.

Damals ein gewaltiger Erfolg an der Kasse, später eines der Vorbilder für den Spaghetti-Western und heute immer noch höchst unterhaltsam anzusehen, wie zwei Jungs mit einigen lässigen Sprüchen und Schüssen die mexikanische Revolution zur Operette degradieren.

Mit Gary Cooper, Burt Lancaster, Denise Darcel, Cesar Romero, Ernest Borgnine, Charles Bronson (noch als Charles Buchinsky), Jack Elam

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Vera Cruz“

Wikipedia über „Vera Cruz“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Aldrichs „Ein Zug für zwei Halunken (Emperor of the North Pole/Emperor of the North, USA 1973)


TV-Tipp für den 13. Juni: Slow West

Juni 12, 2020

3sat, 23.50

Slow West (Slow West, England/Neuseeland 2015)

Regie: John Maclean

Drehbuch: John Maclean

Wilder Westen, 1870: der sechzehnjährige Schotte Jay Cavendish sucht seine aus Schottland geflüchtete große Liebe Rose Ross und eigentlich ist das Greenhorn zwischen Kopfgeldjägern, Indianern und allen anderen Wild-West-Gefahren zum Sterben verdammt. Wenn ihm nicht Silas Selleck, ein Revolverheld mit unklaren Absichten, helfen würde.

Schöner kleiner Western mit angenehm kurzer Laufzeit. Die Western Writers of America zeichneten den Film mit dem Spur Award als besten Western des Jahres aus.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kodi Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius, Rory McCann, Andrew Robertt, Edwin Wright, Kalani Queypo

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Slow West“
Metacritic über „Slow West“
Rotten Tomatoes über „Slow West“
Wikipedia über „Slow West“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Macleans „Slow West“ (Slow West, England/Neuseeland 2015)


TV-Tipp für den 12. Juni: Das Leben meiner Tochter

Juni 11, 2020

Arte, 20.15

Das Leben meiner Tochter (Deutschland 2019)

Regie: Steffen Weinert

Drehbuch: Steffen Weinert

Die achtjährige Jana hat einen tödlichen Herzfehler. Als nach langem Warten immer noch kein Spenderherz verfügbar ist und Janas Überlebenschancen beständig kleiner werden, bittet Janas Vater Micha illegale Organhändlern um Hilfe.

TV-Premiere. „Das Leben meiner Tochter“ ist ein ambitioniertes Fernsehspiel, das deutlich unter den Möglichkeiten des Themas bleibt.

Ähnlich urteilt das Lexikon des internationalen Films: „zielt (…) etwas zu offensichtlich auf das gesellschaftlich strittige Thema der Organspende und tendiert dadurch eher zum formelhaften Aufklärungsfilm.“

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Christoph Bach, Maggie Valentina Salomon, Alwara Höfels, Barbara Philipp, André M. Hennicke, Marc Zwinz, Erik Madsen, Birge Schade

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Leben meiner Tochter“

Moviepilot über „Das Leben meiner Tochter“

Meine Besprechung von Steffen Weinerts „Das Leben meiner Tochter“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 11. Juni: Nur 48 Stunden

Juni 10, 2020

ZDFneo, 23.15

Nur 48 Stunden (48 Hrs., USA 1982)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Roger Spottiswoode, Walter Hill, Larry Gross, Steven E. de Souza

Detective Jack Cates hat ’nur 48 Stunden‘ um den flüchtigen Schwerverbrecher Albert Ganz zu schnappen. Der Knacki Reggie Hammond soll ihm helfen.

Ein Klassiker. Hill verband das Buddy-Movie mit dem Actionfilm und landete einen Kassenhit. Nolte ist dabei der ewig schlecht gelaunte, Regeln brechende Cop und Murphy, in seinem ersten Filmauftritt, eine wahre Quasselstrippe.

„Hill erzählt diese im Grund sehr simple Geschichte ungeheuer direkt, kraftvoll und mit einer Wucht, dass die Gewalt beinahe physisch spürbar wird. Seine rasantes Schnittfolgen lassen keine Entspannung zu und treiben die Story und die gewitzten Dialoge mit Höchstdruck voran.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Danach, um 00.45 Uhr, zeigt ZDFneo die nicht so wahnsinnig überzeugende Fortsetzung „Und wieder nur 48 Stunden“

Mit Nick Nolte, Eddie Murphy, Annette O’Toole, Frank McRae, James Remar, David Patrick Kelly, Sonny Landham

Widerholung: Freitag, 12. Juni, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nur 48 Stunden“

Wikipedia über „Nur 48 Stunden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Juni: Das Leben ist ein Spiel

Juni 9, 2020

Arte, 20.15

Das Leben ist ein Spiel (Rien ne va plus, Frankreich/Schweiz 1997)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

Ein ungleiches Gaunerpärchen erleichtert reiche Herren. Als sie auf einen Geschäftsmann mit fünf Millionen Schweizer Franken im Reisegepäck stoßen, wird ihre Loyalität auf eine harte Probe gestellt. Denn das Geld gehört der Mafia.

Chabrols nach offizieller Zählung fünfzigster Film ist eine witzige Gaunerkomödie, die vor allem Dank dem Ganovenduo Huppert/Serrault Spaß macht.

Ein unfeierliches Jubiläum, so ganz in der Manier des Meisters. Der alte Zyniker stellt dem Publikum darin wie eh und je hinterlistige Fallen in einem Vexierspiel zwischen Schein und Sein. Ein frivoles Spiel sowohl mit Identitäten und Identifikationen als auch mit den Normen und Genres des Mediums Film.“ (Fischer Film Almanach 1999)

D. h.: „Sehenswert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Isabelle Huppert, Michel Serrault, François Cluzet, Jean-François Balmer

Hinweise

AlloCiné über „Das Leben ist ein Spiel“

Rotten Tomatoes über „Das Leben ist ein Spiel“

Wikipedia über „Das Leben ist ein Spiel“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Juni: Polizeiruf 110: Nachtdienst

Juni 8, 2020

NDR, 22.00

Polizeiruf 110: Nachtdienst (Deutschland 2017)

Regie: Rainer Kaufmann

Drehbuch: Ariela Bogenberger, Astrid Ströher

Nachdem eine demente alte Dame Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) von Blut und einem toten Mann im Pflegeheim erzählt, beginnt von Meuffels sich im Pflegeheim Johannishof umzuhören. Nur: gab es überhaupt ein Verbrechen?

Gewohnt guter von-Meuffels-“Polizeiruf 110“. Dieses Mal mit einem Blick in den Alltag von Pflegeheimen und dem letzten Lebensabschnitt.

Ein beklemmend-melancholischer, zunehmend intensiver und verzweifelter werdender (Fernsehserien-)Krimi.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Matthias Brandt, Elisabeth Schwarz, Ernst Jacobi, Philipp Moog, Florian Karlheim, Marina Galic, Therese Hämer

Hinweise

ARD über „Polizeiruf 110“

Wikipedia über „Polizeiruf 110“ und „Nachtdienst“


TV-Tipp für den 8. Juni: Die Schlemmerorgie

Juni 8, 2020

Arte, 20.15

Die Schlemmerorgie (Who is killing the great chiefs of Europe?USA/Deutschland 1978)

Regie: Ted Kotcheff

Drehbuch: Peter Stone

LV: Nan und Ivan Lyons: Someone is killing the Great Chefs of Europe, 1976

Wer bringt reihenweise Gourmetköche um? Und was hat das mit dem übergewichtigen Restaurantkritiker Max Vanderveere, der gerade auf Diät gesetzt wurde, zu tun?

Selten gezeigte Schwarze Komödie, bei der eigentlich alles stimmt.

Flott und unterhaltsam erzählte schwarze Komödie mit ironischen Seitenhieben auf die Spitzengastronomie.“ (Lexikon des internationalen Films)

Amüsantes schwarzes Lustspiel“ (Fischer Film Almanach 1980)

Das ist ein Film für Feinschmecker, in jeder Beziehung. Ein Galadinner, sozusagen (..), gewürzt mit den boshaftesten Dialogen des Kinos seit den klassischen Wortgefechten Neil Simons in ‚Extrablatt‘ und ‚Ein seltsames Paar‘.“ (Filmbeobachter)

Mit George Segal, Jacqueline Bisset, Robert Morley, Jean-Pierre Cassel, Philippe Noiret, Jean Rochefort

auch (un)bekannt als „Ein Kochtopf voller Leichen“ und „Prost Mahlzeit“

Wiederholung: Donnerstag, 11. Juni, 13.45 Uhr

Hinweise

Arte über „Die Schlemmerorgie“ (dort bis zum 30. Juni in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Die Schlemmerorgie“

Wikipedia über „Die Schlemmerorgie“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 7. Juni: Wiegenlied für eine Leiche

Juni 6, 2020

3sat, 23.15

Wiegenlied für eine Leiche (Hush…Hush, Sweet Charlotte, USA 1964)

Regie: Robert Aldrich

Drehbuch: Henry Farrell, Lukas Heller

LV: Henry Farrell: What ever happened to Cousin Charlotte? (Kurzgeschichte)

1927 wird der heimliche Geliebte von Charlotte Hollis im Haus ihrer Eltern ermordet. 37 Jahre später lebt die halbverrückte Charlotte immer noch im elterlichen Haus. Als es abgerissen werden soll, will sie das verhindern. Ihre Cousine Miriam und der Hausarzt Dr. Bayliss sollen ihr helfen. Nach ihrem Einzug häufen sich die seltsamen Ereignisse und Charlotte glaubt, dass die neuen Bewohner an das Familienvermögen ran wollen.

Nach „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ der zweite hochspannende Psychothriller von Robert Aldrich mit Bette Davis. „Aldrichs Reißer stimmt bis zur letzten Szene.“ (Hamburger Abendblatt)

Der Thriller erhielt 1965 den Edgar Allan Poe Award und war für sieben Oscars nominiert, u. a. Beste Nebenrolle (Agnes Moorehead), Beste Kamera (Joseph F. Biroc) und Besten Schnitt (Michael Luciano).

mit Bette Davis, Olivia de Havilland, Joseph Cotten, Agnes Moorehead, Victor Buono, Bruce Dern, Mary Astor, George Kennedy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Wiegenlied für eine Leiche“

TCM über „Wiegenlied für eine Leiche“

Wikipedia über „Wiegenlied für eine Leiche“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Aldrichs „Ein Zug für zwei Halunken (Emperor of the North Pole/Emperor of the North, USA 1973)

New York Times: Nachruf auf Henry Farrell (4. April 2006)

Washington Post: Nachruf auf Henry Farrell (AP-Meldung, 4. April 2006)


TV-Tipp für den 6. Juni: Das Versprechen

Juni 5, 2020

ZDFneo, 20.15

Das Versprechen (The Pledge, USA 2000)

Regie: Sean Penn

Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kamera: Chris Menges

Musik: Hans Zimmer

Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.

Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)

Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart

Wiederholung: Sonntag, 7. Juni, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Versprechen”

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch) und über Friedrich Dürrenmatt

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts “Die Kriminalromane” (Sammelband)


TV-Tipp für den 5. Juni: Wackersdorf

Juni 4, 2020

Arte, 20.15

Wackersdorf (Deutschland 2018)

Regie: Oliver Haffner

Drehbuch: Gernot Krää, Oliver Haffner

1981 hat die in Bayern dauerregierende CSU die geniale Idee, in Wackersdorf eine atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) zu bauen. Die Bewohner der strukturschwachen Region sollen sich über die versprochenen Arbeitsplätze freuen und still sein. Nicht gerechnet haben sie mit dem Protest von Atomkraftgegnern und dem SPD-Landrat Hans Schuierer, der sich und seine Region nicht für dumm verkaufen lässt.

TV-Premiere. „Wackersdorf“ ist ein ruhig und nah an den Fakten erzähltes Drama in gedeckten Brauntönen über einen Landrat, der zum Widerstandskämpfer wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der gelungenen Geschichtsstunde..

Danach einfach dranbleiben und die Doku „QT8: Quentin Tarantino – The first eight“ (USA 2019) ansehen.

mit Johannes Zeiler, Peter Jordan, Florian Brückner, Anna Maria Sturm, Andreas Bittl, Fabian Hinrichs, Johannes Herrschmann, Frederic Linkemann, Ines Honsel, Sigi Zimmerschied, August Zirner

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Wackersdorf“

Moviepilot über „Wackersdorf“

Wikipedia über „Wackersdorf“

Meine Besprechung von Oliver Haffners „Ein Geschenk der Götter“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Oliver Haffners „Wackersdorf“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 4. Juni: James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug/James Bond 007 – Sag niemals nie

Juni 3, 2020

Vox, 20.15

JAMES BOND: Die Welt ist nicht genug (The World is not enough, USA/Großbritannien 1999)

Regie: Michael Apted

Drehbuch: Bruce Feirstein, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Figur von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: The World is not enough, 1999 (Die Welt ist nicht genug)

Nachdem Öl-Mogul King im Hauptquartier von MI-6 in die Luft gesprengt wurde, wird Bond als Bodyguard für dessen schöne Tochter Elektra abgestellt.

Mit Michael Apted engagierten die Bond-Macher einen renomierten Regisseur (u. a. Gorky Park, Gorillas im Nebel, Halbblut, Nell), der bis dahin nicht durch Action-Filme aufgefallen war. Im Rahmen dieser Produktion wurde er zum willigen Erfüllungsgehilfen einer wie üblich haarsträubenden Geschichte.

Mit Pierce Brosnan, Sophie Marceau, Robert Carlyle, Denise Richards (trotz eines Razzie die beste Werbung für den unbeliebten Job eines Atomphysikers), Robbie Coltrane, Claude Oliver Rudolph, John Cleese, Serena Scott Thomas, Goldie

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Die Welt ist nicht genug“

Wikipedia über „James Bond: Die Welt ist nicht genug“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Curtis Hanson/Michael Apteds „Mavericks – Lebe deinen Traum“ (Chasing Mavericks, USA 2012)

Meine Besprechung von Michael Apteds „Unlocked“ (Unlocked, USA 2017)

Vox, 22.45

James Bond: Sag niemals nie (Never say never again, USA 1983)

Regie: Irvin Kershner

Drehbuch: Lorenzo Semple jr.

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

James Bond bei seiner Lieblinsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika.

Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.

„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.

Die Vorlage

Ian Fleming: Feuerball

(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)

Cross-Cult, 2013

384 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

Thunderball, 1961

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Sag niemals nie“

Wikipedia über „James Bond: Sag niemals nie“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond – Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juni: French Connection II

Juni 2, 2020

Arte, 21.55

French Connection II (French Connection, USA 1975)

Regie: John Frankenheimer

Drehbuch: Alexander Jacobs, Robert Dillon, Lauri Dillon

LV: Charakter von Robin Moore

Buch zum Film: Robin Moore/Milt Machlin: French Connection II, 1975

Der New Yorker Cop Popeye Doyle (Gene Hackman) soll seinen französischen Kollegen helfen, den Drogenbaron Alan Charnier (Fernando Rey) zu verhaften. Doch die Franzosen wollen Doyles Hilfe nicht. Also beginnt Doyle auf eigene Faust in der für ihn fremden Stadt Marseille Charnier zu jagen.

French Connection“ war ein auf Tatsachen basierender Polizeithriller. „French Connection II“ ist die vollkommen erfundene Fortsetzung, die auch vollkommen andere Akzente setzt. John Frankenheimer („Ronin“) konzentriert sich auf die Hafenstadt Marseille und Popeye Doyle. Doyle ist das Bild des hässlichen Amerikaners. Er spricht kein Wort Französisch. Er kracht mit der Feinfühligkeit einer Dampframme in die Ermittlungen der französischen Polizei. Und er wird von seinem Intimfeind Alain Charnier zum Junkie gemacht. Gene Hackman zeigt hier wieder einmal sein Können (dazu gehört auch der legendäre Kalte Entzug in der Mitte des Films).

Mit Gene Hackman, Fernando Rey, Bernard Fresson, Jean-Pierre Castaldi, Philippe Léotard, Charles Millot, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „French Connection II“

Wikipedia über „French Connection II“ (deutsch, englisch)

Meine Bepsrechung von John Frankenheimers „Die jungen Wilden“ (The Young Savages, USA 1960)


TV-Tipp für den 2. Juni: Space Cowboys/Die Clint Eastwood Story/Erbarmungslos

Juni 1, 2020

Und noch ein Abend mit Clint Eastwood

Kabel 1, 20.15

Space Cowboys (Space Cowboys, USA 2000)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Ken Kaufman, Howard Klausner

Wenn 1958 nicht ein Affe ins All geschossen worden wäre, wären Frank Corvin und sein Team die ersten Lebewesen im All gewesen. Jetzt droht ein russischer Satellit (ausgestattet mit geklauter Ami-Technik) abzustürzen und nur Corvin und seine Jungs kennen noch die alte Technik. Sie sollen nun die jungen Spunde beraten, aber das hindert Corvin und die anderen nicht daran, mit allen Mitteln zu versuchen, endlich ihren Jugendtraum vom Weltraumflug zu verwirklichen.

Köstlich entspannte Komödie von Clint Eastwood mit einer All-Star-Besetzung, die damals uralt erschien (Clint Eastwood, geb. 1930, Donald Sutherland, geb. 1935, James Garner, geb. 1928, Tommy Lee Jones, geb. 1946). Heute nicht mehr so sehr.

mit Clint Eastwood, Tommy Lee Jones, James Garner, Donald Sutherland, James Cromwell, Marcia Gay Harden, William Devane, Courtney B. Vance, Rade Serbedzija, Jay Leno (als er selbst)

Wiederholung: Mittwoch, 3. Juni, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Space Cowboys“

Wikipedia über „Space Cowboys“ (deutsch, englisch)

Kabel 1, 22.45

Die Clint Eastwood Story (Deutschland 2018)

Mit Werbung einstündiges Porträt des Regisseurs von „Begegnung am Vormittag“.

Wiederholung: Mittwoch, 3. Juni, 04.20 Uhr (Taggenau!)

Kabel 1, 23.50

Erbarmungslos (Unforgiven, USA 1992)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: David Webb Peoples

Wyoming, 1880: Als der ehemalige Revolverheld William Munny erfährt, dass die Huren von Big Whiskey ein Kopfgeld von 1000 Dollar auf zwei Cowboys aussetzten, die eine von ihnen verstümmelte, schnallt er wieder seinen Colt um. Denn er braucht das Geld für sich und seine beiden Kinder; – auch wenn er es mit zwei Gefährten teilen muss.

„‘Erbarmungslos’ ist offensichtlich ein feinfühlig gemachter und ausbalancierter Film, und, wenn man seine Einsichten in die menschliche Natur bedenkt, so düster, wie ein Genrefilm überhaupt nur sein kann. Aber er präsentiert sich nicht finster, was er teilweise seinen Autoren verdankt. (…) Abgesehen von ‘revisionistisch’ , war das von den Kritikern am häufigsten verwendete Wort ‘Meisterstück’.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)

„ein vorzüglicher Spätwestern, der wie seit Peckinpahs ‘The Wild Bunch’ nicht mehr verstört.“ (Fischer Film Almanach 1993)

„Erbarmungslos“ erhielt vier Oscars, unter anderem als bester Film. Clint Eastwood erhielt für seine Regie und sein Spiel zahlreiche Preise und Nominierungen.

Das Drehbuch war für den Edgar, Oscar, Golden Globe und WGA Award nominiert und erhielt von den Western Writers of America den Spur Award als bestes Western-Drehbuch.

Außerdem erhielt „Erbarmungslos“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards.

Bei Rotten Tomatoes liegt der Frischegrad für diesen Western bei 96 Prozent.

Auf einer 2008 veröffentlichten Liste der zehn besten Western setzte das American Film Institute „Erbarmunglos“ auf den vierten Platz.

Und 2013 gab es ein verdammt gelungenes japanisches Remake.

mit Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Richard Harris, Jaimz Woolvett, Saul Rubinek, Francis Fisher, Jeremy Ratchford

Zum Lesen (ausführliche Besprechung in Arbeit)

Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Schüren, 2020

232 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Erbarmungslos”

Wikipedia über „Erbarmungslos“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples (Production Draft Sript, 23. April 1984)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Juni: French Connection

Mai 31, 2020

Zugegeben: „French Connection“ war erst vor einigen Tagen mein Tagestipp, aber weil Arte am Mittwoch, den 3. Juni, um 21.55 Uhr „French Connection II“ zeigt, bietet sich die vorherige Sichtung von „French Connection“ an.

Außerdem kann man so ein kleines Gene-Hackman-Festival beginnen. Morgen, am Dienstag, den 2. Juni, zeigt Kabel 1 um 23.50 Uhr nämlich Clint Eastwoods „Erbarmungslos“ (mit Gene Hackman in einer wichtigen Rolle, für die er seinen zweiten Oscar erhielt. Der erste war für)

Arte, 21.35

French Connection – Brennpunkt Brooklyn (The French Connection, USA 1971)

Regie: William Friedkin

Drehbuch: Ernest Tidyman

LV: Robin Moore: The French Connection, 1969 (Heroin Cif New York)

Die beiden Polizisten Popeye Doyle (Gene Hackman) und Buddy Russo (Roy Scheider) sind auf der Spur einer großen, aus Frankreich kommenden, Lieferung Rauschgift.

Zeitloser, hochspannender, vor Ort gedrehter Genre-Klassiker, der auf einem wahren Fall beruht.

Der Thriller erhielt unter anderem den Edgar-Allan-Poe-Award und fünf Oscars (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle und Schnitt).

Mit Gene Hackman, Roy Scheider, Fernando Rey, Tony LoBianco, Marcel Bozzufi

Hinweise

Rotten Tomatoes über „French Connection“

TCM über „French Connection“

Wikipedia über „French Connection“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 31. Mai: Rainer-Werner-Fassbinder-Abend mit „Angst essen Seele auf“, „Katzelmacher“ und „Despair – Eine Reise ins Licht“ – und ein Buchhinweis

Mai 31, 2020

75 Jahre wäre Rainer Werner Fassbinder heute geworden, wenn er nicht bereits, mit 37 Jahren, am 10. Juni 1982 überraschend gestorben wäre. Bis zu seinem Tod legte er in wenigen Jahren ein in seiner Quantität (über vierzig Filme, etliche Hörspiele, Theaterstücke und Inszenierungen) und Qualität – er ist unbestritten einer der wichtigsten deutschen Regisseure – beeindruckendes Werk vor.

Dieser Geburtstag wäre für die TV-Sender eine gute Gelegenheit, einmal so richtig tief in den Archiven zu wühlen und eine umfassende und werkkritische Retrospektive zu präsentieren. Also nicht nur die allseits bekannten und kanonisierten Meisterwerke, sondern auch die selten gezeigten Filme zeigen und diese Filme um einige klug gewählte Dokumentationen über Rainer Werner Fassbinder ergänzen.

Diese Aufgabe bleibt, wie schon bei Ingmar Bergman, bei Tele 5 hängen, der heute mit drei gut gewählten Fassbinder-Filmen einen Einblick in sein Werk liefern.

Tele 5, 20.15

Angst essen Seele auf (Deutschland 1973)

Regie: Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder

Eine verwitwete Putzfrau verliebt sich in einen deutlich jüngeren marokkanischen Gastarbeiter.

Gleich mehrere Tabus brechendes, von Douglas Sirk inspiriertes Drama. Einer von RWFs bekanntesten und beliebtesten Filme.

Mit Brigitte Mira, El Hedi ben Salem, Barbara Valentin, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder, Karl Scheydt, Walter Sedlemayr, Marquard Bohm, Hark Bohm, Liselotte Eder

Wiederholung: Montag, 1. Juni, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angst essen Seele auf“

Wikipedia über „Angst essen Seele auf“ (deutsch, englisch)

Tele 5, 22.10

Katzelmacher (Deutschland 1969)

Regie: Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder (nach seinem Bühnenstück)

Fassbinders zweiter Spielfilm: eine deprimierende Milieustudie: ein griechischer Gastarbeiter trifft eine Münchner Clique. Die Mädchen finden ihn attraktiv. Die Männer wollen ihn loswerden.

Katzelmacher ist ein bayerisches Schimpfwort für aus dem Süden kommende Gastarbeiter, die deutschen Frauen Kinder machen.

mit Hanna Schygulla, Lilith Ungerer, Elga Sorbas, Doris Mattes, Rainer Werner Fassbinder, Harry Baer, Irm Hermann

Wiederholung: Dienstag, 2. Juni, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Katzelmacher“

Wikipedia über „Katzelmacher“ (deutsch, englisch)

Tele 5, 00.00

Despair – Eine Reise ins Licht (Deutschland/Frankreich 1978)

Regie: Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch: Tom Stoppard

LV: Vladimir Nabokov: Otchayanie, 1934 (englischer Titel: Despair) (Verzweiflung)

Berlin, zwanziger Jahre: ein Schokoladenfabrikant (Dirk Bogarde) will vor seinen Problemen flüchten. Ein Doppelgänger (Klaus Löwitsch) soll ihm dabei helfen.

Fassbinders erste internationale Produktion, die in Artikeln über RWF normalerweise übergangen wird, zur DVD-Veröffentlichung gelobt wurde und, weil sie im Fernsehen ungefähr nie gezeigt wird, fast unbekannt ist.

Mit Dirk Bogarde, Andrea Ferréol, Volker Spengler, Klaus Löwitsch, Alexander Allerson, Bernhard Wicki, Peter Kern, Gottfried John, Adrian Hoven, Roger Fritz, Hark Bohm, Y Sa Lo, Ingrid Caven, Liselotte Eder

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Despair – Eine Reise ins Licht“

Wikipedia über „Despair – Eine Reise ins Licht“ (deutsch, englisch)

Buchhinweis

Auch auf dem Buchmarkt scheint der 75. Geburtstag von RWF auf kein größeres Interesse zu stoßen. Es gibt nur den von Werner C. Barg und Michael Töteberg herausgegebenen Sammelband „Rainer Werner Fassbinder Transmedial“. Die Aufsätze des Buches beruhen, bis auf einen Text, auf zwei Uni-Veranstaltungen, nämlich einer 2017 stattgefundenen Tagung und einer 2018 stattgefundenen Workshopreihe

In dem Buch geht es um die unbekannten Arbeiten von RWF und wie er zwischen Theater, Hörspiel, Spielfilm, TV-Filmen unterschiedlicher Länge und TV-Serien seinen Stil änderte. So plante er bei seiner Döblin-Verfilmung „Berlin Alexanderplatz“ neben der TV-Serie einen Spielfilm. Dabei folgte er nicht dem bekannt-beliebten Hybrid-Modell, in dem der Kinofilm eine kürzere Fassung der TV-Miniserie ist, wie in Wolfgang Petersens „Das Boot“. RWF plante eine konventionelle TV-Serie und einen experimentellen Spielfilm. Letztendlich wurde nichts aus dem Spielfilm, aber der letzte Teil der durchgehend nicht besonders konventionellen TV-Serie, war dann der zweistündige sehr experimentelle Epilog „Mein Traum vom Traum des Franz Biberkopf“.

Werner C. Barg/Michael Töteberg (Hrsg.): Rainer Werner Fassbinder Transmedial

Schüren, 2020

224 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder

Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels Doku „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 30. Mai: Love, Simon

Mai 29, 2020

Pro7, 20.15

Love, Simon (Love, Simon, USA 2018)

Regie: Greg Berlanti

Drehbuch: Isaac Aptaker, Elizabeth Berger

LV: Becky Albertalli: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda, 2015 (Nur drei Worte; Love, Simon)

Simon ist ein gutaussehender, allgemein beliebter, in der US-Provinz lebender Teenager. Er könnte an der Schule jedes Mädchen haben. Dummerweise ist er homosexuell. An der Schule weiß nur ein Mitschüler davon, den Simon nur unter seinem Chatnamen „Blue“ kennt.

TV-Premiere. „Love, Simon“ ist eine sehr stimmige, feinfühlige und gelungene Coming-of-Age-Geschichte, die erstmals (!) in einer Mainstream-Highschool-Komödie eine schwule Coming-of-Age-Geschichte erzählt. Diese kleine Änderung macht die Suche nach dem Märchenprinz zu einem erfrischend anderem Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung von Buch und Film.

mit Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg Jr., Logan Miller, Miles Heizer, Kerynan Lonsdale, Josh Duhamel, Jennifer Garner, Tony Hale, Natasha Rothwell

Wiederholung: Montag, 1. Juni, 07.40 Uhr

Der Roman

Becky Albertalli: Love, Simon

(Filmausgabe)

(übersetzt von Ingo Herzke)

Carlsen, 2018

336 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Nur drei Worte

Carlsen, 2016

Originalausgabe

Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

Balzer + Bray, 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Love, Simon“

Metacritic über „Love, Simon“

Rotten Tomatoes über „Love, Simon“

Wikipedia über „Love, Simon“ (deutsch, englisch)

Homepage von Becky Albertalli

Meine Besprechung von Greg Berlantis „Love, Simon“ (Love, Simon, USA 2018)

Meine Besprechung von Becky Albertallis „ Nur drei Worte“ (später „Love, Simon“) (Simon vs. the Homo Sapiens Agenda, 2015)


TV-Tipp für den 29. Mai: Die Letzten beißen die Hunde (+ Buchhinweis: Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften)

Mai 28, 2020

3sat, 22.25

Die Letzten beißen die Hunde (Thunderbolt and Lightfoot, USA 1974)

Regie: Michael Cimino

Drehbuch: Michael Cimino

Tresorknacker John ‚Thunderbolt‘ Doherty (Clint Eastwood) will zusammen mit dem Herumtreiber Lightfoot (Jeff Bridges) und seinen Ex-Kumpanen Red (George Kennedy) und Goody (Geoffrey Lewis), die glauben, dass er sie betrogen habe, die unter einer Schule gut versteckte Beute von ihrem letzten gemeinsamen Banküberfall wiederbeschaffen. Was gar nicht so einfach ist.

Michael Ciminos Regiedebüt ist ein entspannt-witziges, Mythen demontierendes Roadmovie, das damals an der Kinokasse gut ankam. Danach drehte Cimino die Klassiker „Die durch die Hölle gehen“ und „Heaven’s Gate“.

Ciminos Einstand zeichnet sich dabei aus durch einen weitgehenden Verzicht auf Gewalttätigkeiten, durch amüsante, lakonische Dialoge, rasant gefilmte Action und ausgezeichnete Leistungen der Darsteller.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Michael Ciminos Werk war eher ein Kommentar zu den Genrekonventionen als ein Wiederaufgreifen. Außerdem meditiert der Film über das amerikanische Mannsein unmittelbar nach Vietnam und ist damit eine Kritik an gewissen amerikanischen Traditionen, die normalerweise in derartigen Filmen nicht in Frage gestellt werden. Zudem ist er ziemlich abgedreht – schlüpfrig, verwildert, vollgepackt mit abgefahrenen Vorfällen, die aus dem Nichts entstehen und uns in erstaunliche Richtungen führen.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood, 1998)

mit Clint Eastwood, Jeff Bridges, George Kennedy, Catherine Bach, Geoffrey Lewis, Gary Busey (als Garey Busey)

Frisch aus der Druckerpresse: Das Buch zum neunzigsten Geburtstag von Clint Eastwood (der ist am 31. Mai) ist ein konzentrierter, weitgehend chronologischer Gang durch Clint Eastwoods filmisches Werk bis zu „The Mule“ (Eastwoods neuestes, äußerst sehenswertes, noch nicht in den deutschen Kinos gestartetes auf Tatsachen basierendes Drama „Der Fall Richard Jewell“ fehlt). Ergänzt wird Blieseners Text um ein Essay von Georg Seeßlen und Interviews mit Frank Brettschneider, Wolf Jahnke, Jo Schuttwolf und Tobias Hohmann über Clint Eastwood.

Der erste Eindruck ist positiv. Auch wenn ich, nachdem ich schon einige Bücher über Clint Eastwood gelesen habe, wahrscheinlich wenig neues erfahren werde über diesen Mann, der als TV-Seriendarsteller anfing, als Fremder ohne Namen und Dirty Harry ein Star wurde, schon früh immer wieder sein Image in Frage stellte („Der Texaner“), 1993 für den Western „Erbarmungslos“ seine ersten Oscars erhielt und seitdem ein in jeder Beziehung beeindruckendes und abwechslungsreiches Spätwerk vorlegte..

Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Schüren, 2020

232 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Letzten beißen die Hunde“

Wikipedia über „Die Letzten beißen die Hunde“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Mai: Dark Blue (+ ein Hinweis auf den neuen Schmöker von James Ellroy)

Mai 27, 2020

Servus TV, 22.10

Dark Blue (Dark Blue, USA 2002)

Regie: Ron Shelton

Drehbuch: David Ayer

LV: James Ellroy (Originalstory)

April 1992: Während Los Angeles sich in den letzten Tagen vor dem Urteil im Rodney-King-Prozess langsam zu einem Pulverfass entwickelt, muss der korrupte Polizist Eldon Perry mit seinem jungen Partner Bobby Keough einen Vierfach-Mord in einem koreanischen Geschäft aufklären.

„Dark Blue“ ist einer der besten Cop-Thriller der nuller Jahre. Das Buch stellt Fragen nach Schuld und Sühne, individueller Verantwortung und wie Verbrechen bekämpft werden sollen. Die Schauspieler agieren fantastisch. Die Kamera ist immer bei ihnen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen.

James Ellroys Anteil war dabei relativ klein. Er schrieb in den frühen Neunzigern das Drehbuch „The Plague Season“, das vor dem Hintergrund der 1965er Watts-Unruhen spielte. In den folgenden Jahren wurde es entwickelt (So nennen Filmproduzenten ein ständiges Herumschreiben an einem Buch. Nicht immer unbedingt zum Vorteil des Buches.) und letztendlich von „Training Day“-Autor David Ayer umgeschrieben. Anscheinend überlebte wenig bis nichts von Ellroys ursprünglichem, nicht veröffentlichtem Skript. Trotzdem enthält „Dark Blue“ etliche Ellroy-Themen und der Polizeithriller ist ein extrem düsterer Spielfilm.

Das Los Angeles Police Department hat eine lange Geschichte von Polizeiskandalen. Nach dem Rodney-King-Skandal kam es in den späten Neunzigern zum Rampart-Skandal. Im Bezirk Rampart wurden Polizisten der Elite-Einheit CRASH, um Drogenhändler zu bekämpfen, selbst zu Verbrechern. Der Rampart-Skandal löste eine große Umgestaltung des LAPD aus.

Filmischen Widerhall fand Rampart unter anderem in „Training Day“ und der grandiosen Polizeiserie „The Shield“ (bei uns vor allem grandios gefloppt).

Mit Kurt Russell, Scott Speedman, Ving Rhames, Brendan Gleeson, Lolita Davidovich

Wiederholung: Freitag, 29. Mai, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Lese-Empfehlung für den September

Wegen der Coronaviruskrise erscheint die deutsche Ausgabe von „Jener Sturm“ (This Storm, 2019), der zweite Band seines zweiten L.A.-Quartetts am 14. September.

Die 1942 in Los Angeles spielende, Wahrheit und Fiktion vermischende Story schließt an „Perfidia“, den ersten Band an. „Der Schock von Pearl Harbour sitzt tief. Ansässige Japaner werden zusammengetrieben und interniert. Es gibt ein mörderisches Feuer und einen Goldraub. Es gibt einen Verrat subversiver Kräfte auf amerikanischem Boden. Es gibt einheimische Nazis, Kommunisten und Betrüger. Es ist der Aszendent des Populismus. Es gibt zwei tote Polizisten in einer Spelunke auf dem Jazz-Club-Strip. Und drei Männer und eine Frau haben ein heißes Date mit der Geschichte.“ (so der Verlag vielversprechend über das Buch)

James Ellroy: Jener Sturm (Das zweite L.A.-Quartett 2)

(aus dem Amerikanischen übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2020

912 Seiten

35 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dark Blue“

Wikipedia über „Dark Blue“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys „Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau“ (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy zum siebzigsten Geburtstag

James Ellroy in der Kriminalakte