TV-Tipp für den 22. Juli: Daheim sterben die Leut‘

Juli 21, 2017

BR, 22.00

Daheim sterben die Leut‘ (Deutschland 1985, Regie: Klaus Gietinger, Leo Hiemer)

Drehbuch: Klaus Gietinger, Leo Hiemer

Allgäu: Der Landrat will den Allgeier-Hof an die Wasserleitung anschließen. Bauer Allgeier ist dagegen. Er wehrt sich und der Konflikt eskaliert, mit mehr oder weniger viel göttlicher Hilfe.

Die damals (und heute immer noch?) kultige, mit Laiendarstellern gedrehte Heimatkomödie wurde zuletzt vor 17 Jahren im TV gezeigt.

„eine kritische Liebeserklärung an ihre Heimat, deren Bewohner und ihre Sprache, voll treffsicherer Bosheiten und satirischer Seitenhiebe, die aber die Solidarität nie vergessen lassen (…) im Ganzen bietet der Film Bauerntheater, bei dem das Volk einmal nicht ‚tümlich-dümmlich‘ ist. (…) Gietinger und Hiemer haben dem Volk aufs Maul geschaut und Salz in offene Wunden gestreut.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Im Allgäu wurde der Film auch zu einem Politikum, weil, u. a., eine katholische Funktionärin und der Lindauer CSU-Landrat sich betroffen fühlten.

Darauf ein Wunderwasser. In einem Gasthaus. Denn „Daheim sterben die Leut’“.

Mit Walter Nuber, Norbert Hauber, Heribert Weber, Josef Lau, Anni Raps

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Daheim sterben die Leut“

Wikipedia über „Daheim sterben die Leut“


TV-Tipp für den 21. Juli: Ich und Kaminski

Juli 20, 2017

Arte, 20.15

Ich und Kaminski (Deutschland/Belgien 2015)

Regie: Wolfgang Becker

Drehbuch: Wolfgang Becker, Thomas Wendrich

LV: Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski, 2003

Journalist Sebastian Zöllner ist ein ausgemachtes, von sich selbst überzeugtes Arschloch, das sich mit einer Biographie über den legendären, blinden Maler Manuel Kaminski finanziell sanieren will. Dummerweise ist der 85-jährige Künstler auch kein Kind von Traurigkeit.

Enorm kurzweiliger, verspielter, einfallsreicher und in jeder Beziehung schöner Film von „Good Bye, Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker über unsympathische Menschen.

Mehr in meiner Besprechung.

mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Denis Lavant, Jördis Triebel, Geraldine Chaplin, Jan Decleir, Joacques Herlin, Josef Hader, Peter Kurth, Milan Peschel, Patrick Bauchau

Wiederholung: Sonntag, 30. Juli, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Ich und Kaminski“
Film-Zeit über „Ich und Kaminski“
Moviepilot über „Ich und Kaminski“
Rotten Tomatoes über „Ich und Kaminski“ (derzeit noch keine Kritiken)
Wikipedia über „Ich und Kaminski“ (Roman) und Daniel Kehlmann
Perlentaucher über „Ich und Kaminski“
Homepage von Daniel Kehlmann

Meine Besprechung von Daniel Kehlmann/Detlev Bucks „Die Vermessung der Welt – Das Buch zum Film“ (2012)

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“ (Deutschland/Belgien 2015)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ und die Vorlage

Juli 20, 2017

Nach der Pressevorführung fragte ich mich: „Wer soll sich den Film ansehen?“

Dabei ist Luc Bessons neuer Film „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ nicht unbedingt schlecht. Er ist in jeder Sekunde und in jeder Perspektive vergnüglicher als ein „Transformers“-Film und die sind ja alle Blockbuster.

„Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ hat allerdings das „John Carter zwischen zwei Welten“-Problem. Zu jedem Bild und jeder Szene fallen einem schnell viele andere und oft auch bessere Filme ein. Bei „John Carter“ ist es „Flash Gordon“ und „Krieg der Sterne“, obwohl diese Filme sich bei Edgar Rice Burroughs‘ John-Carter-Geschichten bedienten. Bei „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist es vor allem Bessons „Das fünfte Element“.

In dem Science-Fiction-Film hat Luc Besson vor zwanzig Jahren die „Valerian & Laureline“-Comics von Zeichner Jean-Claude Mézière und Autor Pierre Christin eigentlich schon verfilmt.

Mèzières war damals einer der Designer des Films. Jean ‚Moebius‘ Giraud, ein weiterer legendärer französischer Comiczeichner, war ebenfalls in das Filmdesign involviert. Letztendlich bestimmten sie den Look des Films.

In seinem neuesten Film kehrt Luc Besson jetzt, in einer fast schon aseptischen Version, in genau diese surreale Anything-goes-Welt zurück.

Valerian (Dane DeHaan), ein notorischer Schwerenöter, und Laureline (Cara Delevigne), seine ehrgeizig-strebsame Kollegin, sind im Jahr 2740 Regierungsagenten. Auf dem Wüstenplaneten Kirian, einem riesigen Einkaufsparadies (wenn man seine Spezialbrille aufsetzt), sollen sie einen illegalen Handel unterbinden und dabei den letzten lebenden Transmutator vom Planeten Mül beschaffen.

Nach dieser, in mehreren Dimensionen, etwas aus dem Ruder gelaufenen Aktion sollen sie auf der intergalaktischen Raumstation Alpha Commander Arun Filitt (Clive Owen) beschützen. Die Raumstation ist die titelgebende Stadt der tausend Planeten: ein Zusammenschluss von Welten im Weltraum, an der über Jahrhunderte immer mehr Welten andockten, bis sie zu einem unüberschaubarem Labyrinth unzähliger Welten und Geschöpfe wurde. In ihrem Comic sagen Mézière und Christin über die Stadt „dieser Name steht für tausend verschiedene Formen von tausend verschiedenen Welten, eine künstliche Konstruktion mit unzähligen Raumschiffhäfen, ein Organismus, in dem sich die unglaubliche Vielfalt des Universums konzentriert.“

Die Station ist eine Art Disney-World im Weltraum, das einem den Besuch vieler Kulturen bei minimaler Reisezeit ermöglicht.

Im Zentrum von Alpha gibt es in der Red Zone ein die Stadt bedrohendes, sich stetig vergrößerndes Problem unbekannten Ausmaßes. Alle Soldaten, die dorthin geschickt wurden verschwanden.

Und dann wird Commander Filitt entführt.

Valerian und Laureline versuchen den Commander zu retten und hinter das Geheimnis der Red Zone zu kommen.

Luc Besson schickt die beiden Agenten auf eine ebenso abenteuerliche, wie abstruse Reise durch die gesamte Raumstation, die fröhlich auf Logik und Sinn pfeift. Wie schon in „Das fünfte Element“ zählt nur der Moment und die vielen verschiedenen außerirdischen Rassen mit ihren teils außergewöhnlichen und verblüffenden Fähigkeiten.

Das sieht natürlich gut aus. Aber nie so gut, wie man es inzwischen aus US-amerikanischen Filmen, vor allem natürlich den „Guardians of the Galaxy“-Filmen, kennt. Angesichts des Budgets von 200 Millionen Euro sehen die Effekte sogar immer wieder erstaunlich schlecht aus. Gleichzeitig vermisst man, wenn Valerian und Laureline sich mit Außerirdischen unterhalten oder kämpfen, schmerzlich die Vergangenheit, als Außerirdische nicht am Computer entworfen wurden. In „Das fünfte Element“ oder, um eine weitere Inspiration für Bessons neuen Film zu nennen, „Barbarella“ gab es dafür Kostüme und Masken. „Barbarella“ ist ein französisch-italienischer Science-Fiction-Film. Roger Vadim inszenierte 1967 die Jean-Claude-Forest-Comicverfilmung mit seiner damaligen Frau Jane Fonda als Barbarella inszenierte. Damals agierten Schauspieler mit anderen Schauspielern. In „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ agieren Schauspieler mit Pixeln.

Ein anderes Problem des Films ist, dass er auf einem gut fünfzig Jahre altem Comic basiert und der Geist der späten sechziger und siebziger Jahre immer zu spüren ist. Nur ist das, was damals revolutionär war, heute altbacken. Major Valerian muss zu sehr überkommene Macho-Attitüden pflegen. Sergeant Laureline zu sehr die hilfsbedürftige Damsel-in-Distress sein, die über einen Heiratsantrag ihres Vorgesetzten nachdenken muss.

Dane DeHaan und Cara Delevingne wirken in diesen Momenten nie wie ein sich kabbelndes Liebespaar, sondern bestenfalls wie Teenager, die unerschrockene Agenten und ein Liebespaar mimen sollen und dabei kopflos durch die einzelnen Szenen stolpern. Beiden gelingt es nie, ihren, zugegeben, eindimensionalen Charakteren eine größere Tiefe zu verleihen.

Für Besson, der als Zehnjähriger die „Valerian & Laureline“-Comics verschlang, war „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ seit Jahrzehnten ein Wunschprojekt, das er erst jetzt verwirklichen konnte, weil, so Besson, erst jetzt die Tricktechnik die Comicbilder auf der Leinwand kreieren kann. Dummerweise ist heute die Zeit für genau dieses Projekt um. Weil Besson die „Valerian & Laureline“-Comics mit „Das fünfte Element“ de facto schon verfilmte. Weil die Welt des Comics heute zur Vergangenheit gehört und er sie nicht für die Gegenwart aktualisieren wollte. Weil die von Mèzières und Moebius in ihren Comics entworfenen surrealen Welten heute popkulturelles Allgemeingut sind. Weil ihre Bilder auch in den „Krieg der Sterne“-Filme verarbeitet wurden; allerdings deutlich ernster. Von Valerian und Laureline ist es nur ein kleiner Schritt zu Luke Skywalker und Prinzessin Leia und Commander Filitts Leibwächter scheinen direkt einem „Krieg der Sterne“-Film entsprungen zu sein.

Weil, und das ist der wichtigste Grund, Marvel mit seinen beiden „Guardians of the Galaxy“-Filmen die besseren Science-Fiction-Abenteuer drehte. In denen gibt es auch sexuelle Beziehungen zwischen Menschen und Außerirdischen und die Sache mit der Heirat ist sekundär. Wahrscheinlich weil es im Guardians-Kosmos kein Standesamt gibt.

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson

mit Dane DeHaan, Cara Delevigne, Clive Owen, Rihanna, Herbie Hancock, Ethan Hawke, Kris Wu, Sam Spruell, Rutger Hauer, Xavier Giannoli, Louis Leterrier, Eric Rochant, Benoît Jacquot, Olivier Megaton, Mathieu Kassovitz (yep, einige Regiekollegen), John Goodman (nur Stimme, im Original)

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

alternativer Titel/Schreibweise: „Valerian und die Stadt der tausend Planeten“

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Die Vorlage

Zum Kinostart veröffentlichte der Carlsen Verlag eine Filmausgabe von „Valerian & Laureline“, die die beiden Comics „Im Reich der tausend Planeten“ (Band 2) und „Botschafter der Schatten“ (Band 6) enthält. In „Im Reich der tausend Planeten“ sollen die beiden Agenten des Raum-Zeit-Service den Planeten Syrtis und die dortige, von der Erde nicht beeinflusste Zivilisation erkunden. Dummerweise werden sie schnell entdeckt und ein haarsträubendes Abenteuer beginnt.

„Botschafter der Schatten“ spielt in Central City (im Film Alpha). Sie müssen den Botschafter, der den Vorsitz des Rates von Central City übernehmen soll und ein Imperialist vom alten Schlag ist, bewachen. Noch bevor er sein Amt antreten kann, wird er entführt. Valerian und Laureline suchen ihn – und wir entdecken etliche Wesen, die auch in Bessons Film mitspielen.

Diese beiden unterhaltsamen Comics sind die Vorlage für Luc Bessons Film. Allerdings hat Besson nur einige Bilder, Motive, Handlungsbruchstücke und viele Figuren übernommen, die er nach Belieben veränderte oder in einen neuen Kontext stellte. Man erkennt zwar die Verbindung zwischen der Vorlage und dem Film, aber die Filmgeschichte ist vollkommen anders.

In Frankreich erschienen seit 1967 23 Alben mit den beiden Agenten des „Raum-Zeit-Service“. Die deutschen Ausgaben sind bei Carlsen erhältlich, wo aus Laureline aus unbekannten Gründen Veronique wurde.

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Jean-Claude Mézière/Pierre Christin: Valerian & Laureline – Filmausgabe

(übersetzt von Marianne Knolle und Brigitte Westermeier)

Carlsen Comic, 2017

96 Seiten

9,99 Euro

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enthält

Im Reich der tausend Planeten

L’Empire des Mille Planètes

Dargaud, 1971

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Botschafter der Schatten

L’Ambassadeur des Ombres

Dargaud, 1975

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Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Moviepilot über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Metacritic über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Rotten Tomatoes über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“

Wikipedia über „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (deutsch, englisch, französisch) und die „Valerian & Laureline“-Comics (deutsch, englisch, französisch)

Carlsen über „Valerian & Laureline“ (bzw., in Deutschland „Valerian & Veronique“)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Luc Besson in der Kriminalakte

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DP/30 hat sich mit Luc Besson über den Film unterhalten. Hier schon einmal ein Ausschnitt aus dem Gespräch

Bis dahin könnt ihr euch das Gespräch von DP/30 mit Luc Besson über seinen Film „Lucy“ ansehen

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Nachtrag 22. Juli: jetzt ist das vollständige DP/30-Gespräch mit Luc Besson online


TV-Tipp für den 20. Juli: Das finstere Tal

Juli 20, 2017

3sat, 22.25
Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.
Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

Die lesenswerte Vorlage

Willmann - Das finstere Tal - 2

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro
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Erstausgabe
Liebeskind, 2010
–

Hinweise

Homepage zum Film

Perlentaucher über „Das finstere Tal“

Film-Zeit über „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“

Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 19. Juli: Her – A Spike Jonze Love Story

Juli 19, 2017

Arte, 20.15

Her (Her, USA 2013)

Regie: Spike Jonze

Drehbuch: Spike Jonze

Seitdem der professionelle Briefeschreiber Theodore (Joaquin Phoenix) von seiner Freundin verlassen wurde, verbringt er seine Abend alleine vor dem Computer. Als er auf seinem Computer seinen persönlichen, virtuellen Begleiter installiert, verliebt er sich sofort in ihre Stimme (Scarlett Johansson im Original) und beginnt eine Beziehung mit ihr.

Abgedrehte, hochgelobte Romanze, die ich damals für etwas überbewertet hielt. „Her“ erhielt etliche Preise, u. a. den Drehbuchoscar. „Her“ war auch als bester Film des Jahres nominiert.

mit Joaquin Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Scarlett Johansson (im Original), Kristen Wiig (im Original)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Her“
Moviepilot über „Her“
Metacritic über „Her“
Rotten Tomatoes über „Her“
Wikipedia über „Her“ (deutsch, englisch)
Drehbuch „Her“ von Spike Jonze

Meine Besprechung von Spike Jonzes „Her“ (Her, USA 2013)


TV-Tipp für den 18. Juli: Geisterfahrer

Juli 18, 2017

3sat, 20.15

Geisterfahrer (Deutschland 2012, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Zwei Rettungssanitäter rasen in Hamburg von einem Notfall zum nächsten. Bis ihnen ein angeschossener Generalstaatsanwalt vor seinem Tod einen Schlüssel gibt, der sie auf die Abschussliste von Waffenhändlern und korrupten Beamten setzt.

Ein Film von Lars Becker („Nachtschicht“) ist immer ein Lichtblick und die Garantie für neunzig spannend-unterhaltsame Minuten, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.

„Aberwitziger, teilweise komödiantischer (Fernseh-)Multikulti-Krimi als wüste, im guten Sinn ungeschliffene Geschichte um Waffenhandel, Mafiamorde und Bestechung hoher Staatsbeamter.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Tobias Moretti, Fahri Yardim, Uwe Ochsenknecht, Julia Dietze, Sophie von Kessel, Misel Maticevic, Fritz Karl, Martin Brambach, Armin Rohde

Wiederholung: Mittwoch, 19. Juli, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 17. Juli: Tatort: Feuerzauber

Juli 17, 2017

RBB, 22.15

Tatort: Feuerzauber (Deutschland 1977)

Regie: Fritz Umgelter

Drehbuch: Joachim Nottke, Karlheinz Knuth

Dritter und letzter Einsatz von Kommissar Schmidt (Martin Hirthe). Dieses Mal muss er herausfinden, wer für den Brand auf der Werft des erfolgreichen Rennbootfahrers Kastrup verantwortlich ist. Bei dem Feuer starb einer von Kastrups Angestellten.

Ein schon lange, sehr lange nicht mehr gezeigter „Tatort“, der im Rahmen der kleinen Reihe von restaurierten Berlin-Tatorten läuft.

mit Martin Hirthe, Heinz Weiss, Günter Pfitzmann, Bettina Schön, Ilse Biberti, Peter Seum, Harry Wüstenhagen, Anita Kupsch

Hinweise

RBB über seine „Tatorte“

Tatort-Fundus über Kommissar Schmidt

Wikipedia über „Tatort: Feuerzauber“


TV-Tipp für den 16. Juli: Die Frau in Gold

Juli 15, 2017

Wer den Film am Mitwoch verpasste

One, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Samstag, 22. Juli, 10.00 Uhr

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 15. Juli: Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis

Juli 14, 2017

Sat.1, 22.30

Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis (USA 1987, Regie: Richard Donner)

Drehbuch: Shane Black

Erster Auftritt der Cops Martin Riggs (Mel Gibson), suizidgefährder und vollkommen durchgeknallter Single, und Roger Murtaugh (Danny Glover), besonnener, den Ruhestand herbeisehnender, glücklich verheirateter Familienvater. Sie untersuchen den Tod eines Callgirls, stoßen auf einen von Vietnam-Veteranen organisierten Drogenring und hinterlassen zu unserer Freude, gepfeffert mit flotten Sprüchen, ein Meer der Verwüstung.

Der Actionthriller war ein Kassenknüller und beeinflusste das Actionkino der späten achtziger und neunziger Jahre. In vier Fortsetzungen wurden die Sprüche und die Action noch weiter gesteigert.

„‚Zwei stahlharte Profis‘ ist ein hochgezüchtetes Action-Spektakel, das sich weniger um die stimmige Entwicklung von Charakteren oder Story bemüht, sondern effektvolle Szenen aneinanderreiht, in denen die Stuntmen ihre Waghalsigkeit beweisen können.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)

mit Mel Gibson, Danny Glover, Gary Busey, Mitchell Ryan, Tom Atkins

Wiederholung: Sonntag, 16. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lethal Weapon“

Wikipedia über „Lethal Weapon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray


TV-Tipp für den 14. Juli: Kiss Kiss Bang Bang

Juli 14, 2017

Pro 7, 22.35

Kiss Kiss Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Samstag, 15. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Rotten Tomatoes über „Kiss Kiss Bang Bang“

Wikipedia über „Kiss Kiss Bang Bang“ (deutsch, englisch)

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

Wikipedia über Brett Halliday

Kirjasto über Brett Halliday

Mordlust über Brett Halliday

Thrilling Detective über Michael Shayne


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Spider-Man: Homecoming“ in „Das Marvel Cinematic Universum“

Juli 13, 2017

In „The First Avenger: Civil War“ hatte Tom Holland bereits seinen ersten Auftritt als Spider-Man und das erspart uns jetzt, in seinem ersten Solofilm im Marvel Cinematic Universe, innerhalb weniger Jahre die dritte Wiederholung seiner Origin Story. In „Spider-Man: Homecoming“ ist Peter Parker bereits vertraut mit seinen Kräften und er möchte sie für die gute Sache einsetzen. Dummerweise meldet sich sein Mentor Tony Stark (aka Iron Man) nicht. Und Starks rechte Hand, Happy Hogan, ist damit beschäftigt, die zahllosen unerbetenen Anrufe des Teenagers abzuwehren.

Also beginnt Peter auf eigene Faust Bösewichter zu jagen. Meistens sehr kleine Bösewichter. Oft nervt er auch einfach nur die Nachbarschaft, während er lernt, mit seinen Kräften und dem ihm von Tony Stark geschenkten, mit zahlreichen Special Features ausgestattetem Spider-Man-Anzug umzugehen und sich tödlich langweilt. Denn eigentlich will er nur ein weiteres Abenteuer mit den Avengers erleben. Immerhin ist Captain America regelmäßig bei ihm in der Schule. Als Videoaufzeichnung mit erbaulichen Sprüchen, die die Schüler gelangweilt über sich ergehen lassen.

Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge stolpert er in einen Waffendeal. „The Vulture“ Adrian Toomes verkauft hochgefährliche Waffen an Kleingangster. Toomes tut das schon seit Jahren, aber in einem so kleinen Maßstab, dass er bis jetzt von den Avengers ignoriert wurde. Und das würde Toomes, der über keinerlei Superkräfte verfügt, gerne auch weiterhin so halten.

Mit dem von Michael Keaton gespielten „Vulture“ Adrian Toomes gibt es im Marvel-Universum endlich einmal einen Bösewicht, der einem länger als bis zum Abspann im Gedächtnis bleibt und der auch ein sehr nachvollziehbares Motiv für seine Taten hat: er ist ein Unternehmer, der sich um seine Angestellten kümmert. Mit seiner kleinen Firma hatte er nach der Schlacht von New York (dem Finale des ersten „The Avengers“-Films) einen lukrativen Räumungsauftrag von Alien-Schrott und -Waffen erhalten. Als das von Tony Stark initiierte U.S. Department of Damage Control (D.O.D.C.) ihn fristlos rauswirft, beschließt er sich zu wehren. Das funktioniert auch bis zu dieser Nacht, in der Peter Parker über ihn stolpert und ihn besiegen möchte.

Dieser Kampf zwischen Spider-Man und The Vulture steht allerdings nicht im Mittelpunkt des Films.

„Spider-Man: Homecoming“ ist in erster Linie eine Highschool-Komödie. Es geht um Freundschaften, die erste Liebe und Geheimnisse vor den Eltern. Im Superheldenmilieu läuft die Pubertät allerdings etwas anders ab als unter normalen Jugendlichen. Und Jon Watts erzählt das, sehr entspannt, mit viel Feingefühl für die Sorgen und Nöte eines Teenagers. Das ist vergnüglich, kurzweilig, witzig und durchgehend für ein jugendliches Publikum inszeniert. Er lässt sich, weil er die Geschichte nicht unerbittlich vorantreiben will, auch immer wieder mehr Zeit als nötig. Teilweise bis zum Stillstand. Am Ende dauert der Film über 130 Minuten. Watts behandelt Parkers Konflikte in der Schule allerdings durchgehend etwas oberflächlich. Er spitzt sie nie so zu, wie er könnte.

Es ist auch ein Film, der durchgehend wie die jugendfreie Version von „Kick-Ass“ (allerdings ohne Hit-Girl) oder, dank der unzähligen selbstironischen Bemerkungen von Peter Parker, „Deadpool“ in der jugendfreien Version wirkt. Einige Bilder wurden sogar direkt aus „Deadpool“ geklaut.

In den USA hat sich der Film, wenig verwunderlich, an die Spitzen der Kinocharts gesetzt und Marvel-Studios-Chef Kevin Feige schon weitere Filme mit Spider-Man angekündigt. Derzeit plant er eine sich über fünf Filme erstreckende Entwicklung für Peter Parker. „Homecoming“ ist der zweite Teil dieser Geschichte.

Spider-Man: Homecoming (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)

Regie: Jon Watts

Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley, Jon Watts, Christopher Ford, Chris McKenna, Erik Sommers (nach einer Geschichte von Jonathan Goldstein und John Francis Daley)

LV: Charakter von Stan Lee und Steve Ditko

mit Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Jon Favreau, Gwyneth Paltrow, Zendaya, Donald Glover, Jacob Batalon, Laura Harrier, Tony Revolori, Bokeem Woodbine, Tyne Daly, Abraham Attah, Kenneth Choi, Chris Evans, Stan Lee

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Spider-Man: Homecoming“

Metacritic über „Spider-Man: Homecoming“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: Homecoming“

Wikipedia über „Spider-Man: Homecoming“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ (The Amazing Spider-Man, USA 2012)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ (The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, USA 2013)

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Buchkritik

Mit „Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie“ legt Peter Vignold die überarbeitete Fassung seiner Magisterarbeit an der Ruhr-Universität Bochum vor. In der Arbeit beschäftigt er sich mit der Frage, wie die einzelnen Filme und TV-Serien des Marvel Cinematic Universe miteinander verbunden sind und was diese Filme von anderen Serien, wie „Matrix“, „Harry Potter“ und „X-Men“ unterscheidet. Denn die Marvel-Filme sind bei Kritikern beliebt, Fans vertiefen sich in die Filme, um auch wirklich jede Verbindung zwischen den Filmen und zu den Comics aufzuspüren und sie sind weltweit erfolgreich. Damit hat Marvel, seitdem es nicht mehr die Rechte an seinen Comicfiguren für die Verfilmungen verkauft, sondern die Filme selbst produziert, die Regeln für Hollywood-Blockbuster geändert. Inzwischen möchte jedes Studio sein eigenes Cinematic Universe von miteinander zusammenhängenden Filmen und Figuren schaffen, in dem, wie eine eierlegende Wollmilchsau, jeder Film zum Erfolg der anderen beiträgt. Bislang mit bescheidenem Erfolg.

Vignold zeichnet nach, wie Marvel sein filmisches Universum gestaltet. In der ersten Phase („Iron Man“, „The Incredible Hulk“, „Iron Man 2“, „Thor“, „Captain America“, „The Avengers“) gelang das vor allem über wiederkehrende Nebencharaktere und die Post-Credits-Szenen, in denen es mehr oder weniger kryptische Hinweise auf kommende Filme gibt. In der zweiten Phase („Iron Man 3“, „Thor: The dark World“, „Captain America: The Winter Soldier“, „Guardians of the Galaxy“, „Avengers: Age of Ultron“, „Ant-Man“) verflechten sich die Filme immer mehr miteinander, es werden neue Charaktere eingeführt und die „Avengers“ wird zur dominierenden Binnenserie, der sich die anderen Serien unterordnen. Die TV-Serien liefern ergänzende, aber zum Verständnis der Kinofilme nicht notwendige Informationen. Das gilt vor allem für die ABC-Serien „Agents of S.H.I.E.L.D.“ und „Agent Carter“. Die Netflix-Serien „Daredevil“, „Jessica Jones“ und „Luke Cage“ reproduzieren, mit minimalen Hinweisen auf die Kinofilme, dagegen die im Kino etablierte Erfolgsformel beim Verknüpfen verschiedener Serien in einem anderen Medium.

Mit dem Ende der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe endet Vignolds doch sehr akademisch geschriebene Studie.

Im Kino sind wir mit „Captain America: Civil War“, „Doctor Strange“, „Guardians of the Galaxy, Vol. 2“ (immer noch abgekoppelt vom Avengers-Kosmos) und „Spider-Man: Homecoming“ (der zwar ohne die Kenntnis der Avengers-Filme verstehbar ist, aber davon ausgeht, dass man die Avengers-Filme kennt) in der dritten Phase, die 2019 mit einem „Avengers“-Film enden soll.

Und danach geht es in die vierte Phase.

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Peter Vignold: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie

(Marburger Schriften zur Medienforschung)

Schüren, 2017

176 Seiten

19,90 Euro


TV-Tipp für den 13. Juli: Air Force One

Juli 13, 2017

Kabel 1, 23.05

Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Andrew W. Marlowe

Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)

Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.

Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.

Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.

Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Air Force One“

Wikipedia über „Air Force One“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Allan Collins

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “Der erste Quarry” (The first Quarry, 2008)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Two for the Money“ (2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „The last Quarry“ (2006)

Meine Besprechung von „Der letzte Quarry“ (The last Quarry, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“ (Bones: Buried deep, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes“ (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Das Dämonenhaus“ (Demon House, 2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise“ (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003)

Max Allan Collins in der Kriminalakte

Sollte mal wieder ein Buch von Max Allan Collins lesen.


Neu im Kino (wenige Tage)/Filmkritik: Ken Dukens sehenswertes Regiedebüt „Berlin Falling“

Juli 12, 2017

Wer „Berlin Falling“ im Kino sehen will, muss sich beeilen. Denn der Thriller läuft nur am 13., 14. und 15. Juli im Kino und danach; – nun Sky Deutschland ist einer der Produzenten des Thrillers über ein in Berlin geplantes Attentat.

Frank (Ken Duken) ist ein im Berliner Umland lebender Ex-Afghanistan-Soldat, Alkoholiker und geschieden. Kurz: er ist das Paradebeispiel für eine verkrachte Existenz.

Jetzt, kurz vor Weihnachten, fährt er nach Berlin, um seine Tochter und seine Ex-Frau am Hauptbahnhof zu treffen. Seine Tochter soll einige Tage bei ihm verbringen.

Auf dem Weg dorthin nimmt er an einer Raststätte den Anhalter Andreas (Tom Wlaschiha) mit. Und weil „Berlin Falling“ ein Thriller ist, ist Andreas kein harmloser Anhalter. In seinem Rucksack hat er eine Bombe und Frank wurde, wie er später erfährt, bewusst ausgewählt. Er soll bei einem Attentat der Sündenbock sein.

„Berlin Falling“ ist ein optisch ansprechender, effizient erzählter Genrefilm, der souverän all die Fettnäpfe vermeidet, in die deutsche Thriller zwischen Pseudo-Coolness und Thesenhaftigkeit gerne tappen.

Zwischen all den vertrauten Elementen und überraschenden, wenn auch nicht immer plausiblen Wendungen und Zufällen (Was wäre, wenn Frank nicht an dieser Tankstelle angehalten hätte?) entwickelt Ken Duken in seinem Spielfilmdebüt (nach einem Kurzfilm und einigen Musikvideos) einen Thriller, der sich auf das Duell zwischen zwei Personen konzentriert. Auf engstem Raum kämpfen Frank und Andreas gegeneinander. Mal mit Worten, mal mit Fäusten.

Fast der gesamte Film spielt in Franks Auto und in einem Kellerraum. Diese Beschränkung auf wenige Orte ist budgetschonend, aber auch etwas theaterhaft. Vor allem wenn Andreas gegen Filmende seinen Plan erklärt, legt der Bösewicht in schönster Info-Dump-Manier in wenigen Minuten alle Hintergründe des Anschlags offen. In dem Moment fällt auch auf, dass einige Punkte im Zusammenhang mit den Anschlag nie so vertieft werden, wie es möglich wäre. Vor allem weil Frank und Andreas während der Autofahrt genug Zeit haben, um über ihre Ansichten zu diskutieren.

Aber das sind kleinere Schwächen in einem Film, der eine normale Kinoauswertung verdient hätte. Und nicht nur drei Tage in ausgewählten Kinos.

Berlin Falling (Deutschland 2017)

Regie: Ken Duken

Drehbuch: Christoph Mille (nach einer Idee von Ken Duken und Norbert Kneißl)

mit Ken Duken, Tom Wlaschiha, Marisa Leonie Bach, Greta Nedelmann, Amelie Plaas-Link, Tim Wilde, Kida Khodr Ramadan

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Berlin Falling“

Moviepilot über „Berlin Falling“

Wikipedia über „Berlin Falling“

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Nachtrag (14. Juli 2017):

Das passiert selten: in den USA erscheint ein Bericht über das Einspiel eines deutschen Films in Deutschland. Aber „Berlin Falling“ hat an seinem ersten Spieltag einen Platz in den Top 10 erreicht und damit die Tür für eine weitere Kinoauswertung geöffnet. Der Hollywood Reporter schreibt unter anderem:

„Berlin Falling, a low-budget indie thriller about a terrorist attack in Germany, has opened in the top 10 on the German box-office charts on its first day of release.

The debut feature from actor turned director Ken Duken grossed $24,000 across 136 theaters on Thursday, enough to squeeze into the top 10, just behind Marc Webb’s Gifted, starring Chris Evans and Lindsay Duncan.“

 


TV-Tipp für den 12. Juli: Die Frau in Gold

Juli 11, 2017

ARD, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Donnerstag, 13. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 11. Juli: Scientology: Ein Glaubensgefängnis

Juli 11, 2017

BR, 22.30

Scientology: Ein Glaubensgefängnis (USA 2015, Regie: Alex Gibney)

Drehbuch: Alex Gibney

LV: Lawrence Wright: Going Clear, 2013

Spielfilmlange Doku über Scientology, die drei Emmys erhielt. Als beste Doku, für die Regie und das Drehbuch.

Scientology war nicht begeistert – und das ist doch eine gute Empfehlung.

Mit Paul Haggis, Jason Beghe, Spanky Taylor, David Miscavige, John Travolta, Tom Cruise, Lawrence Wright, L. Ron Hubbard

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“

Wikipedia über „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“

Meine Besprechung von Alex Gibneys „We steal Secrets: Die Wikileaks-Geschichte“ (We steal Secrets: The Story of Wikileaks, USA 2013)


TV-Tipp für den 10. Juli: Madame Mallory und der Duft von Curry

Juli 9, 2017

ARD, 20.15

Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Steven Knight

LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)

Madame Mallory betreibt in der südfranzösischen Provinz ein Edelrestaurant. Da eröffnen gegenüber von ihrem Sternerestaurant eine indische Familie ein Restaurant mit indischer Küche – und die Probleme beginnen.

Wunderschönes, top besetztes Feelgood-Movie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Om Puri, Manisch Dayal, Charlotte Le Bon, Farzana Dua Elahe, Amit Shah, Aria Pandya, Dillon Mitra, Michel Blanc

Wiederholung: Dienstag, 11. Juli, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Moviepilot über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Metacritic über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Rotten Tomatoes über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Wikipedia über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Homepage von Richard C. Morais

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms “Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht” (Safe Haven, USA 2012)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“ (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)


TV-Tipp für den 9. Juli: M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Juli 8, 2017

3sat, 20.15
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
3sat zeigt heute den ganzen Tag Krimis: viel Agatha Christie (u. a. um 16.35 Uhr und 01.25 Uhr den „Mord im Orient-Express“), um 13.00 Uhr „Wachtmeister Studer“ (die Verfilmung von 1939), um 18.40 Uhr „Es geschah am hellichten Tag“ (die bekannte Rühmann/Fröbe-Verfilmung), um 22.00 Uhr „Broken City – Stadt der Verbrechen“ und um 23.40 Uhr „22 Kugeln – Die Rache des Profis“.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen
Hinweise

Rotten Tomatoes über „M“

TCM über „M“

Wikipedia über „M“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Fritz Langs Graham-Greene-Verfilmung „Ministerium der Angst“ (Ministry of Fear, USA 1945)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juli: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Juli 7, 2017

Wer den Film vor einigen Tagen verpasste:

One, 21.45

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Miss Sloane und „Die Erfindung der Wahrheit“

Juli 7, 2017

Elizabeth Sloane ist ein Star in der Lobbyisten-Branche in Washington, D. C.. Skrupel kennt sie nicht. Wenn sie einen Auftrag übernimmt, ist der Wunsch des Auftraggebers bereits Gesetz. Deshalb freut sich die Waffenlobby über ihr Engagement gegen den von ihr abgelehnten Heaton-Harris-Bill. Das ist ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf zur stärkeren Kontrolle des Verkaufs von Schusswaffen; – okay, im heutigen Washington ist ein solcher Gesetzesvorschlag sehr fiktiv.

Mitten während der Verhandlungen zu dem Gesetz wechselt Sloane aus für ihre Kollegen und auch für uns Zuschauer nicht nachvollziehbaren Gründen die Seiten. Sie geht mit fast ihrem gesamten Team zu einer deutlich kleineren, moralisch integeren Lobby-Firma. Ab diesem Moment kämpft sie gegen ihre früheren Arbeitgeber und Kunden.

Irgendetwas muss bei ihrem Kampf für das Gesetz allerdings schief gegangen sein. Denn am Filmanfang muss sich Elizabeth Sloane in einer öffentlichen Anhörung eines Senatsuntersuchungsausschusses verteidigen. Sie soll gegen die Verhaltensregeln für Lobbyisten verstoßen haben. Dafür könnte sie mit einem Berufsverbot bestraft werden.

Während der deutsche Titel „Die Erfindung der Wahrheit“ vieldeutig ist, gibt der Originaltitel des von „Best Exotic Marigold Hotel“-Regisseur John Madden inszenierten Films schon eine eindeutige Richtung an. „Miss Sloane“ ist er und damit ist klar, dass Elizabeth Sloane, glänzend gespielt von Jessica Chastain, im Mittelpunkt des Dramas steht, das auch einen Blick hinter die Kulissen des Lobby-Geschäfts in Washington wirft.

Die mit dem Porträt von Miss Sloane verbundene Geschichte funktioniert allerdings nur bedingt. Das beginnt mit ihrem plötzlichen Jobwechsel, der so unvermittelt kommt – Rodolfo Schmidt, der Chef der Konkurrenzfirma spricht sie nachts auf offener Straße an und gibt ihr einen Zettel, dessen Inhalt wir erst am Filmende erfahren und der sie dazu bringt, die Firma zu wechseln –, dass man bei dem Wechsel des Arbeitgebers nie glaubt, dass sie wegen ihres Gewissens die Seiten wechselte. Aber einen besseren Grund findet man nicht. So bleibt dieser Wechsel bis zum Schluss eine nicht in ihrem Charakter begründete Drehbuchidee. Auch das Komplott, das zu ihrer Ladung vor den Ausschuss führte, und Miss Sloanes genialer Plan, um ihr Ziel (oder ihre Ziele) zu erreichen, enttäuschen. Von einer Meisterstrategin wäre da mehr zu erwarten gewesen.

Unklar bleibt auch, warum das Gesetz unbedingt jetzt beschlossen werden muss; – wobei Elizabeth Sloane zuerst auf den Seiten der Verhinderer, der Status-Quo-Bewahrer, kämpft. Sie haben inen guten Grund, um gegen die jetzige Verabschiedung des Gesetzes zu kämpfen. Die Befürworter des Gesetzes, die eine stärkere Waffenkontrolle wollen, könnten mit etwas zeitlichem Abstand oder über andere Wege einfach wieder versuchen, ihr Anliegen durchzusetzen. Sie haben keine Eile. Sie müssen einfach nur einige weitere Menschen von ihrem Anliegen überzeugen. Trotzdem inszeniert Madden, nach einem Drehbuch des Debütanten Jonathan Perera, einen Kampf zwischen zwei Lobbyfirmen, in dem es um jede Stimme geht. Und für jede Lobbyfirma steht ihre Existenz auf dem Spiel. Das ist nicht besonders glaubwürdig, weil eine Lobbyfirma, wie eine Werbefirma, sich normalerweise nicht sonderlich mit ihrem Produkt identifiziert. Der zentrale Konflikt wird dann einerseits furchtbar aufgeblasen als ein weltbewegendes Gesetz, während er bei genauerer und distanzierter Betrachtung eher bedeutungslos ist. Das liegt auch daran, dass der Inhalt des Gesetzes nur oberflächlich angesprochen wird. In „Die Erfindung der Wahrheit“ geht es nicht um die Frage, ob man für oder gegen Waffenkontrolle ist. Es geht um die Arbeit und die Winkelzüge von Lobbyfirmen, die teils in der Öffentlichkeit, teils in Hinterzimmern, stattfinden.

Dieser Kampf zwischen zwei Lobbyfirmen über die Verabschiedung eines Gesetzes ist nur der Vorwand für ein verschachteltes Porträt einer sehr ambitionierten Frau in einer Männerwelt, die einen fordernden Job hat, für den sie lebt. Ein Privatleben hat sie, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, nicht. Außer man nennt den Sex im Hotelzimmer mit einem Callboy Privatleben; – aber dann könnte man auch die Pinkelpause Privatleben nennen. Und eine Erklärung für ihren Arbeitseifer gibt es auch nicht. Jesscia Chastain verleiht dieser eiskalten, zu Empathie und Mitarbeiterführung gänzlich ungeeigneten Karrierefrau, die leicht zu einer Parodie hätte werden können, dennoch eine emotionale Tiefe.

Als Porträt von „Miss Sloane“ (Originaltitel) funktioniert „Die Erfindung der Wahrheit“ gut. Als Polit-Thriller lässt einen der kühle, in den entscheidenden Momenten zu naive und zu plakative Film dann doch etwas unbefriedigt zurück. Trotz überraschender Enthüllungen und langfristig angelegter Fallen und Finten.

Die Erfindung der Wahrheit (Miss Sloane, Frankreich/USA 2016)

Regie: John Madden

Drehbuch: Jonathan Perera

mit Jessica Chastain, Mark Strong, John Lithgow, Alison Pill, Gugu Mbatha-Raw, Michael Stuhlbarg, Sam Waterston, Jake Lacey

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Erfindung der Wahrheit“

Metacritic über „Die Erfindung der Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Die Erfindung der Wahrheit“

Wikipedia über „Die Erfindung der Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot – Gnadenlose Jagd“ (Killshot, USA 2008)

Meine Besprechung von John Maddens „Eine offene Rechnung“ (The Debt, USA 2010) (ebenfalls mit Jessica Chastain)

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DP/30 unterhält sich in Los Angeles im November 2016 (wenige Tage vor der US-Präsidentenwahl) mit John Madden und Jessica Chastain über den Film

Ein Publikumsgespräch mit den Schauspielern Jessica Chastain und John Lithgow, Regisseur John Madden und Autor Jonny Perera, moderiert von Jenelle Riley (Variety) (SAG-AFTRA Foudation, 5. November 2016; Ton ist am Anfang nicht so toll)


TV-Tipp für den 7. Juli: Edgar Wallace: Neues vom Hexer

Juli 7, 2017

3sat, 22.35

Neues vom Hexer (Deutschland 1965, Regie: Alfred Vohrer)

Drehbuch: Herbert Reinecker

LV.: Edgar Wallace: Again the ringer, The ringer returns, 1929 (Neues vom Hexer)

Der Hexer ist stinkig: irgendein Nachahmer benutzt bei den Morden am Curtain-Clan seine Visitenkarte. Das schreit nach Vergeltung. Und so wird aus einem Verbrecher ein Verbrecherjäger.

„Neues vom Hexer“ ist die ziemlich lahme Fortsetzung von „Der Hexer“. Herbert Reinecker ließ bei seinem Drehbuch die Romanvorlage (eigentlich eine Story-Sammlung) links liegen.

Mit Heinz Drache, Barbara Rütting, René Deltgen, Eddi Arent, Brigitte Horney, Margot Trooger, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg

Hinweise

Filmportal über „Neues vom Hexer“

Wikipedia über „Neues vom Hexer“ (deutsch, englisch)

3sat über seinen Krimisommer

Filmportal über „Der Zinker“

Wikipedia über „Der Zinker“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (D 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung “Der Doppelgänger” (D 1934)