3sat, 20.15 Der blinde Fleck – Das Oktoberfestattentat(Deutschland 2013, Regie: Daniel Harrich)
Drehbuch: Ulrich Chaussy, Daniel Harrich
Oktoberfest 1980: Bei einem Anschlag sterben 13 Menschen. 211 werden verletzt. Als Einzeltäter wird Gundolf Köhler, der bei dem Attentat starb, identifiziert. Dass der Student auch Mitglied der Wiking-Jugend und der rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann war, ist egal. Aber Radioreporter Ulrich Chaussy stellt Fragen.
Das passiert selten: dem durchwachsenen Politthriller gelang es, das Oktoberfestattentat wieder ins gesellschaftliche Bewusstsein zurückzuholen und auch neue Ermittlungen zu initiieren. Denn die Einzeltäterthese war schon immer umstritten.
Im Anschluß, um 21.45 Uhr, läuft die einstündige Doku „Attentäter – Einzeltäter? Neues zum Oktoberfestattentat“. In ihr wird erzählt, was nach der Premiere des Films geschah und welche neuen Fakten seitdem bekannt wurden. Denn der Film stieß neue Ermittlungen über das Oktoberfestattentat durch den Generalbundesanwalt an.
The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Terence Winter
LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)
An seinem ersten Arbeitstag an der Wall Street crasht die Börse. Also zieht der nun arbeitslose, selbsternannte „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort 1987 eine Straße weiter und mit dem Verkauf von Pennystocks verdient er ein Vermögen.
Knapp gesagt: „GoodFellas“ und „Casino“ in der Finanzwelt, niemals langweilig und grandios von Martin Scorsese inszeniert.
Wenige Monate nach dem Ende des ersten Weltkriegs taucht in einer deutschen Kleinstadt ein junger Franzose auf, der ein merkwürdiges Interesse an dem Grab von Frantz hat. Anna ist neugierig. Sie war mit Frantz verheiratet, lebt bei dessen Eltern und trauert immer noch. Sie will wissen, warum der Franzose, der sich Adrien nennt, in das Land des Feindes gekommen ist und trauert. Denn nach dem Krieg pflegen die Deutschen ihren Hass auf die Franzosen, die den Krieg gewonnen haben. Und die Eltern von Frantz Hoffmeister, vor allem sein Vater, sehen Adrien zunächst als Feind, als einen der Franzosen, die ihren Sohn umgebracht haben.
Das ist die Ausgangslage von François Ozons neuem Film „Frantz“. Im Presseheft erklärt Ozon die falsche Schreibweise des Namens so: „Das ist ein typischer französischer Fehler, der den Deutschen gefiel. Deshalb habe ich ihn nicht korrigiert. Ich stellte mir vor, dass Frantz aus Liebe zu Frankreich das ‚t‘ hinzugefügt hatte.“
In dem Presseheft bittet er auch darum, Adriens Geheimnis nicht zu verraten.
Wer allerdings Ernst Lubitschs unbekannten Film „Broken Lullaby“, auf dem Ozons Film basiert, oder Maurice Rostards Theaterstück kennt, das die Vorlage für Lubitschs Film war, oder auch nur den Originaltitel des Stückes oder den Alternativtitel des Films oder den deutschen Titel kennt, dürfte eine gute Ahnung von Adriens Geheimnis haben. Weil Rostard und Lubitsch die Geschichte aus der Perspektive von Adrien erzählen, hat er auch kein Geheimnis. Ozon erzählt die Geschichte dagegen aus der Perspektive von Anna und damit verändert die Geschichte sich in vielen Punkten mehr oder weniger entscheidend. So als ob man einmal die Geschichte aus der Perspektive des Mörders und einmal aus der des Ermittlers erzählt.
Jedenfalls: Wer Lubitschs Film nicht kennt, wird mehr als nötig über Adriens Geheimnis rätseln und, auch ausgehend von Ozons früheren Filmen, wilde Vermutungen anstellen, anstelle sich einfach auf die Geschichte und die Gefühle der Charaktere einzulassen.
In dem Film wird das Geheimnis in der Filmmitte gelöst.
In der zweiten, deutlich schwächeren, um nicht zu sagen in der Länge missratenen Hälfte verlagert sich die Handlung dann nach Frankreich und während einer guten Stunde Laufzeit passiert letztendlich nichts. Dieser Teil, in dem Anna den spurlos verschwundenen Adrien sucht und bei seiner Familie findet, basiert nicht mehr Lubitschs Film und auch nicht auf dem Theaterstück. Beide enden mit der Reaktion der Witwe auf die Enthüllung des Grundes, warum der Franzose nach Deutschland gekommen ist.
Dabei ist gerade die erste Hälfte überaus gelungen und wunderschön in SW, mit einigen klug eingesetzten Farbtupfern, erzählt. In dieser Stunde erzählt Ozon von der Annäherung zwischen Anna und Adrien, von der möglichen Versöhnung zwischen den Kriegsgegnern, von dem gesellschaftlichen Klima in einer deutschen Kleinstadt in der Provinz, von großen und kleinen Lügen und Hoffnungen auf ein neues Leben.
Es war auch eine kluge Entscheidung von Ozon, den Film in der Originalfassung zweisprachig zu drehen. Deshalb wird in der ersten Hälfte fast nur deutsch, in der zweiten französisch gesprochen und die gesamte Geschichte wirkt authentischer.
Frantz (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon (frei nach „Broken Lullaby“ von Ernst Lubitsch)
mit Paula Beer, Pierre Niney, Ernst Stötzner, Marie Gruber, Johann von Bülow, Anton von Lucke, Cyrielle Clair, Aliche de Lencquesaing
Toller quasi-dokumentarischer Thriller über eine weltweite Pandemie. Ein Ensemblestück, bei dem auch Starpower nicht vor einem vorzeitigen Ableben schützt.
mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han
Florida, achtziger Jahre: Drogen aus Südamerika überfluten das Land. Brian De Palma in „Scarface“ und Michael Mann in der TV-Serie „Miami Vice“ zeichneten, neben etlichen Krimiautoren, in Echtzeit ein Sittengemälde dieses Krieges.
Robert ‚Bob‘ Mazur war als U.S. Customs Special Agent an vorderster Front dabei. 2009 veröffentlichte er unter dem Titel „The Infiltrator“ seine Erinnerungen.
Jetzt verfilmte Brad Furman („The Lincoln Lawyer“) Mazurs Biographie, die unbestritten das Potential für einen spannenden Kinoabend hat, in dem alles drin ist, was man von einem sich für sonniger Kulisse entfaltendem Drogenthriller erwartet. Vor allem wenn es um einen langjährigen Undercover-Einsatz geht, in dem Robert Mazur als Geldwäscher Robert Musella die Spur des Drogengeldes verfolgt. Dabei geraten neben den Kartellbuchhaltern auch mehrere Repräsentanten der global tätige Bank of Credit and Commerce International (BCCI) in den Fokus der Ermittlungen des Zollfahnders.
Und trotzdem enttäuscht „The Infiltrator“.
Das liegt nicht daran, dass Furman sich einige dramaturgische Freiheiten nimmt. Das ist immer so und fällt nur denen auf, die Mazurs Buch kennen oder sich vor dem Kinobesuch ausführlich mit den wahren Ereignissen beschäftigen.
Ein großes Problem ist allerdings, auch ohne die Fakten zu kennen, das Alter der beiden Hauptdarsteller Bryan Cranston und Diane Kruger. Sie sind zu alt für ihre Rollen. So spielt der sechzigjährige Cranston den damals 36- bis 38-jährigen Mazur. Die vierzigjährige Kruger spielt eine unerfahrene Polizistin, die während ihres ersten Undercover-Einsatzes Mazurs Verlobte spielen soll.
Aber auch darüber – immerhin überzeugen sie schauspielerisch – könnte man hinwegsehen, wenn Furman wenigstens konsequent die offensichtlichen Themen eines Gangsterthrillers behandeln würde.
Denn selbstverständlich geht es um Vertrauen,Misstrauen und auch die Faszination der Gefahr und des großen Geldes für den kleinen Polizisten. Lässt Mazur sich korrumpieren? Verrät er seine Gangsterfreunde? Was empfindet er dabei? Wie geht er mit Vertrauens- und Loyalitätskonflikten um? Und, im Fall von Mazur, der glücklich verheirateter Vater zweier Kinder ist, geht es natürlich auch um die Frage, wie seine Arbeit sein Familienleben beeinflusst.
Das alles wird in „The Infiltrator“ angesprochen. Auch weil man eine solche Geschichte nicht erzählen kann, ohne diese Themen anzusprechen. Aber Furman gelingt es nie, auch nur einen Funken Spannung oder Interesse an den Charakteren zu wecken. Mazur (der den Film mitproduzierte) wird als glücklicher und zufriedener Familienmensch porträtiert, der als ehrlicher, vertrauenswürdiger und zuverlässiger Beamter seine Arbeit erledigt. Und ob er als Beamter jetzt ohne irgendeinen Gewissenskonflikt Akten sortiert oder etwas anderes tut, ist egal. Auch weil er sich auf die finanzielle Seite des Drogengeschäfts konzentriert. Er fliegt nicht nach Südamerika, um Drogen einzukaufen, sondern er erschleicht die Freundschaft von Bankern und Buchhaltern. Bei den zahlreichen Transaktionen geht es um Geld und Bankkonten. Das gekaufte und verkaufte Produkt ist nebensächlich. Die Gefahr einer Enttarnung von Mazur und seiner Kollegin Kathy Ertz eher behauptet, als wirklich spürbar.
Gleichzeitig wird in dem Film vieles in Nebensätzen angesprochen, aber nicht weiter verfolgt. Dabei würde man, weil es angesprochen wird, gerne mehr über die Geschäfte des Geheimdienstes in Südamerika (siehe die Iran-Contra-Affäre) und das Medellin-Kartell erfahren. Aber Pablo Escobar, der in den ersten Minuten auf einer Schautafel als Kopf der Drogenmafia gezeigt wird (was für den kundigen Zuschauer heißt: der Mann wird die nächsten neunzig Minuten gejagt und am Ende zur Strecke gebracht), wird während des Films immer wieder erwähnt, aber persönlich taucht er nur einmal für den Bruchteil einer Sekunde am Bildrand auf. Escobar ist in „The Infiltrator“ nur der anonym bleibende Kopf einer Firma, während die Ermittlungen sich auf einen seiner mehr oder weniger wichtigen Angestellten konzentrieren.
Denn in dem Film und der in ihm gezeigten Operation C-Chase (wird der Name überhaupt vor dem Abspann erwähnt?) geht es, ausgehend von dem Kampf gegen die Drogenimporteure und das Medellin-Kartel, um die Geldwäscher der Drogenkartelle und um die darin involvierte Bank of Credit and Commerce International (BCCI), die neben Drogenhändlern auch andere nicht weniger unseriöse Kunden hatte.
Letztendlich erfährt man in „The Infiltrator“ nichts, was man nicht schon in der Noir-Serie „Miami Vice“ gesehen hat. Oder zuletzt, wesentlich vergnüglicher, in der Siebziger-Jahre-Gaunerkomödie „American Hustle“.
The Infiltrator (The Infiltrator, Großbritannien 2016)
Regie: Brad Furman
Drehbuch: Ellen Brown Furman
LV: Robert Mazur: The Infiltrator, 2009
mit Bryan Cranston, Diane Kruger, John Leguizamo, Benjamin Bratt, Yul Vazquez, Juliet Aubrey, Elena Anaya, Amy Ryan, Olympia Dukakis, Rubén Ochandiano, Simón Andreu, Joseph Gilgun, Daniel Mays
Einerseits hat das gerade erschienene Buch nichts mit „The Infiltrator“ zu tun.
Andererseits erscheint es mir eine sehr gute Ergänzung zu dem Film zu sein. In „Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen“ zeichnet „Economist“-Korrespondent Tom Wainwright die gesamte Wertschöpfungskette des illegalen Kokainhandels vom Anbau in den Anden bis zum Verkauf in westlichen Großstädten nach. Dabei betrachtet er den Drogenhandel als einen Markt – der dann auch mit entsprechenden Mitteln bekämpft werden kann.
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Tom Wainwright: Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen
Vom Regisseur von „Hangover“ und anderer Komödien, die für eher groben Humor bekannt sind, mit Jonah Hill in der Hauptrolle, der zwar schon zweimal für den Oscar nominiert wurde, aber immer noch vor allem als Komiker bekannt ist und mit einem Trailer gesegnet, der die nächste Hollywood-Kriegskomödie erwarten lässt, die primär auf platte Gags und knallige, eher grobe Satire setzt: das sind Zeichen, die die Erwartungen dämpfen. Schließlich waren zuletzt „Whiskey Tango Foxtrot“ mit Tina Fey und „Rock the Kasbah“ mit Bill Murray ziemlich enttäuschende und rundum harmlose Kriegssatiren.
Und wenn dann die ersten Minuten direkt aus „Lord of War – Händler des Todes“ geklaut sind, dann fragt man sich, ob man sich wirklich ein inoffizielles Remake von „Lord of War“ ansehen muss. Immerhin hat Andrew Niccol in seinem grandiosen Film über internationale Waffenhändler alles gesagt, was gesagt werden muss.
Daran ändert der Hinweis, dass die Geschichte von „War Dogs“ auf der wahren Geschichte von Efraim Diveroli und David Packouz basiert, nichts. Die beiden Schulfreunden begannen 2005 als Anfang-Zwanzigjährige kleine Beschaffungsaufträge des Militärs, die öffentlich ausgeschrieben werden müssen, abzustauben. Ihr großer Coup gelang ihnen Anfang 2007, als sie für dreihundert Millionen Dollar vom US-Militär den Auftrag für die Lieferung von Waffen und Munition an die Afghanische Nationalarmee erhielten.
Sie hatten – und das zeigt der Trailer, der eigentlich alle Gags enthält – die Konkurrenz unwissentlich um über fünfzig Millionen Dollar unterboten.
Diese Szene ist relativ spät im Film, der sich nach seinem verunglückten „Lorld of War“-Anfang schnell zu einem Drama über Freundschaft und den amerikanischen Traum entwickelt. Das ist absolut sehenswert und immer wieder gelungen satirisch zugespitzt.
War Dogs (War Dogs, USA 2016)
Regie: Todd Phillips
Drehbuch: Stephen Chin, Todd Phillips, Jason Smilovic
Ähem, also, „Findet Dorie“ ist die Fortsetzung von „Findet Nemo“ und diese Information kannste gleich wieder vergessen.
Dorie hat das auch schon vergessen.
Außerdem lief „Findet Nemo“ 2003 im Kino und wenn ich damals als Fünfjähriger den Animationsfilm gesehen hätte, würde ich heute, egal wie begeistert ich damals war, als Achtzehnjähriger unter keinen Umständen in einen Trickfilm (schlimm, weil Kinderfilm) und Kinderfilm (indiskutabel, weil ich jetzt endlich legal Erwachsenenfilme sehen darf) gehen. Daher dürfte das damalige Zielpublikum sich heute den neuesten Marvel-Superheldenfilm ansehen.
Aber „Findet Nemo“ war damals an der Kinokasse so erfolgreich, dass Pixar sicher schon sehr lange an eine Fortsetzung dachte und diese schnöden monetären Überlegungen erklären dann auch diese späte Fortsetzung, die überaus kurzweilig geraten ist.
Dorie, die in „Findet Nemo“ eine lustige Nebenfigur (Nebenfisch?) war, ist immer noch vergesslich, aber glücklich. Bis die Paletten-Doktorfisch-Dame sich bei einer Begegnung mit einem Schwarm Stachelrochen an Bruchstücke ihrer Vergangenheit erinnert. Sie fragt sich, wo ihre Eltern sind und sie will sie unbedingt wiederfinden.
Diese Suche nach ihrer Familie gestaltet sich, auch wegen ihrer Vergesslichkeit, schwierig. Aber sie findet neue Freunde und sie hat Ideen, um mit ihrem nicht vorhandenem Kurzzeitgedächtnis umzugehen.
Andrew Stanton, der Regisseur von „Findet Nemo“, ist auch für „Findet Dorie“ (ein in die Irre führender Titel) verantwortlich. Zuletzt inszenierte er mit seinem bislang einzigem Realfilm „John Carter: Zwischen zwei Welten“ einen veritablen Flop. Dabei war der mit viel CGI garnierte, bunte Abenteuerfilm gar nicht so schlecht.
Mit seinem neuen Film ist er jetzt bei den Kritikern und dem Publikum wieder auf Erfolgskurs. Seit seiner Premiere spülte der Film fast eine Milliarde Dollar in die Kassen von Pixar und Disney. Damit übertrifft „Findet Dorie“ schon jetzt das Einspielergebnis von „Findet Nemo“ und Pixar darf sich über einen satten Gewinn freuen.
Auch wenn das offizielle Budget stattliche 200 Millionen Dollar betrug, die in die unglaublich echt aussehenden Animationen floss.
„Findet Dorie“ ist ein gewohnt gelungener Pixar-Film, der für Erwachsene allerdings etwas banal geraten ist. Denn neben Dories Suche nach den Eltern, ihrer Freundlichkeit und ihres Improvisationstalents, das sie von Wasser zu Wasser springen lässt, gibt es für ältere Zuschauer einfach zu wenige Anspielungen und thematische Vertiefungen. Kindern dürfte dagegen der witzige Abenteuerfilm gefallen, in dem Dorie, gegen alle Wahrscheinlichkeiten, ohne trocken zu werden ans Ziel gelangt.
Findet Dorie (Finding Dory, USA 2016)
Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane
Drehbuch: Andrew Stanton, Victoria Strouse (nach einer Geschichte von Andrew Stanton)
mit (im Original den Stimmen von) Ellen DeGeneres, Albert Brooks, Ed O’Neill, Kaitlin Olson, Hayden Rolence, Ty Burrell, Diane Keaton, Eugene Levy, Idris Elba, Dominic West, Sigourney Weaver (als Sigourney Weaver; okay, der Gag funktioniert nur im Original), Andrew Stanton, Lucia Geddes, Willem Dafoe
(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Anke Engelke, Christian Tramitz, Udo Wachtveitl, Franziska von Almsick
1985 erfährt Ron Woodroof, Rodeoreiter, Frauenheld und Homohasser, dass er HIV-Positiv ist und in wenigen Tagen sterben wird. Er besorgt sich nicht zugelassene Medikamente und verkauft sie an Leidensgenossen, wenn sie Mitglied im titelgebenden „Dallas Buyers Club“ werden.
Regisseur Jean-Marc Vallée inszenierte die auf der wahren Geschichte von Ron Woodroof, der am 12. September 1992 starb, basierende, sehenswerte Charakterstudie mit der Handkamera im Stil des Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Kinos. Und Matthew McConaughey überzeugt als bis auf die Knochen abgemagerte Unsympath mit uramerikanischem Unternehmergeist.
Dafür gab es den Oscar als bester Hauptdarsteller; Jared Leto erhielt den Oscar als bester Hauptdarsteller. Beide und der Film erhielten etliche weitere Preise.
mit Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Denis O’Hare, Steve Zahn, Michael O’Neill, Dallas Roberts, Griffin Dunne
Frauen bis zum Wahnsinn gequält (Italien/Spanien 1970, Regie: Luciano Ercoli)
Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Mahnahén Velasco
Minou behauptet, von einem Mann zu sadistischen Liebesspielen erpresst worden zu sein. Als sie ihrem Mann, ihrer Freundin und der Polizei davon erzählt, glauben sie ihr nicht.
Untypisch ruhiger Giallo, der bei uns seine Premiere als Video erlebte und 1987 indiziert wurde.
Die Musik ist von Ennio Morricone.
mit Dagmar Lassander, Pier Paolo Capponi, Nieves Navarro, Simón Andreu, Osvaldo Genazzani
EinsPlus, 20.15 Das fünfte Element (Frankreich 1997, Regie: Luc Besson)
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Zukunft, Erde: Taxifahrer Korben Dallas (Bruce Willis), der noch nicht einmal sein Leben auf die Reihe bekommt, muss mal eben das Universum retten und besucht dafür auch einige ferne Planeten in weit entfernten Galaxien. Aliens und andere seltsame Wesen gibt es auch. Action und Spaß sowieso.
Quietschbuntes, vollkommen durchgeknalltes Science-Fiction-Abenteuer, das den Fans der „Guardians of the Galaxy“ gefallen dürfte.
Hier hat Luc Besson, nach „Subway“, „Nikita“, „Leon – Der Profi“, noch einmal gezeigt, was er kann: „ein Fest für die Augen“ (Annette Kilzer, Herausgeberin: Bruce Willis)
mit Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm, Milla Jovovich, Chris Tucker, Luke Perry, Brion James, Lee Evans, Tricky, Mathieu Kassovitz Hinweise Rotten Tomatoes über „Das fünfte Element“
Wikipedia über „Das fünfte Element“ (deutsch,englisch)
1985 erfährt Ron Woodroof, Rodeoreiter, Frauenheld und Homohasser, dass er HIV-Positiv ist und in wenigen Tagen sterben wird. Er besorgt sich nicht zugelassene Medikamente und verkauft sie an Leidensgenossen, wenn sie Mitglied im titelgebenden „Dallas Buyers Club“ werden.
Regisseur Jean-Marc Vallée inszenierte die auf der wahren Geschichte von Ron Woodroof, der am 12. September 1992 starb, basierende, sehenswerte Charakterstudie mit der Handkamera im Stil des Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Kinos. Und Matthew McConaughey überzeugt als bis auf die Knochen abgemagerte Unsympath mit uramerikanischem Unternehmergeist.
Dafür gab es den Oscar als bester Hauptdarsteller; Jared Leto erhielt den Oscar als bester Hauptdarsteller. Beide und der Film erhielten etliche weitere Preise.
mit Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Denis O’Hare, Steve Zahn, Michael O’Neill, Dallas Roberts, Griffin Dunne
Die Rockmusikerin Marianne (Tilda Swinton) und ihr Freund Paul (Matthias Schoenaerts), ein Fotograf und trockener Alkoholiker, der kürzlich einen Suizid versuchte, verbringen auf der italienischen Insel Pantelleria einige ruhige Tage. Sie darf nach einer Operation an ihren Stimmbändern nicht reden.
Als Harry (Ralph Fiennes), ein Ex-Freund und Mentor von Marianne, und seine bis dahin unbekannte Tochter Penelope (Dakota Johnson) sich bei ihnen in dem einsam gelegenem Haus mit Swimmingpool einquartieren, ist es mit der Ruhe vorbei. Denn Harry ist egomanischer Rockmusikproduzent mit entsprechendem Drogenkonsum, der Ruhe nur als Ruhe vor dem Sturm kennt.
„A bigger Splash“, der neue Film von Luca Guadagnino, ist ein freies Remake von Jacques Derays „Der Swimmingpool“ und wenn man das weiß, kennt man auch die Handlung, die schon in Derays Film eher nebensächlich war. Guadagnino hat vor allem einen Sommerfilm mit schönen Menschen, die in der Einsamkeit auf sich zurückgeworfen sind, inszeniert und es geht um das Aufeinanderprallen von Rock’n’Roll-Lebensgefühl und bieder-bürgerlichem Leben. Marianne hat sich aus ihrem alten, zügellosem Leben verabschiedet. Mit dem introvertierten Paul will sie ein ruhiges Leben führen. Dagegen ist Harry immer noch ganz der Alte. Als er mit der jungen Penelope auftaucht, glauben sie zunächst, dass sie eine weitere seiner Geliebten ist. Und Harry will Marianne zurückerobern.
Neben dieser Eroberungsgeschichte spricht Guadagnino auch die aktuelle Flüchtlingskrise an. Denn Pantelleria liegt zwischen Sizilien und Tunesien. Und es geht um das Verhältnis der Generationen. Während die Alten, also Marianne und Harry sich noch alle Freiheiten nahmen, sieht Penelope wo das hin führt. Damit stellt sich auch die Frage, wie konservativ, – siehe für Deutschland die aktuelle Sinus-Jugendstudie -, die junge Generation ist und wie sehr die Älteren als Vorbild taugen.
Das inszeniert Guadagnino mit viel Rockmusik, vor allem von den „Rolling Stones“ (immerhin produzierte Harry sie) und einem großartigem Ensemble.
Auch wenn der Film mit über zwei Stunden etwas lang geraten ist, ist er ein Vergnügen. Nicht nur wegen der Tanznummer von Ralph Fiennes und dem wortlos-ausdruckstarken Spiel von Tilda Swinton, die Guadagnino, mit dem sie seit über zwanzig Jahren befreundet ist und zusammenarbeitet, diese Sprachlosigkeit vorschlug. Als Gegengewicht zu dem endlosen Gequassel von Harry.
Das Bonusmaterial
Das „Making of“ fällt mit deutlich unter vier Minuten arg knapp aus und ist ein reines Einmal-gesehen-und-vergessen-Werbefeaturette. Aber es gibt noch gut 25 Minuten geschnittene Szenen, zu denen Drehbuchautor David Kajganich und Cutter Walter Fasano einen Audiokommentar eingesprochen haben. Zusammen mit Luca Guadagnino haben sie auch einen sehr interessanten und informativen Audiokommentar zum Film eingesprochen. Beide Audiokommentare wurden im April 2016 aufgenommen und sind untertitelt.
In den Audiokommentaren verraten sie, dass es ursprünglich eine viel längere Fassung gab und Guadagnino seinen Film als eine Nouvelle-Vague-Version von Jacques Derays Film sieht. Deshalb gab es in der längere Fassungen viele Jean-Luc-Godardismen. So sollte „A bigger Splash“ mit Texteinblendungen strukturiert werden. Und der Kommissar, der in den geschnittenen Szenen seinen großen Auftritt hat (bevor er die von ihm bewunderte Sängerin um ein Autogramm bittet), ist wirklich eine aus einem Claude-Chabrol-Film gefallene Figur.
A bigger Splash (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015)
Regie: Luca Guadagnino
Drehbuch: David Kajganich
mit Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson, Aurore Clement, Elena Bucci, Lily McMenamy, Corrado Guzzanti
Volver – Zurückkehren (Spanien 2006, Regie: Pedro Almodóvar)
Drehbuch: Pedro Almodóvar
Eigentlich kann man einen Almodóvar-Film nicht in wenigen Worten nacherzählen – und das ist gut so. Jedenfalls geht es hier um Frauen aus drei Generationen einer Familie, es gibt einen ermordeten Stiefvater (er hatte es verdient) und eine tote Mutter, deren Geist zurückkehrt.
„Die Hommage an die pragmatische Lebensweisheit der Frauen überzeugt durch die souveräne Kombination widersprüchlicher Elemente, wobei vor allem der gelassene Umgang mit dem Tod angenehm überrascht.“ (Lexikon des internationalen Films)
Und danach, um 22.10 Uhr, gibt es die fünfzigminütige Doku „Pedro Almodóvar und die Frauen“ (Frankreich/Spanien 2015).
mit Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Duenas, Blanca Portillo, Chus Lampreave
Drehbuch: Dominik Graf, Bernd Schwamm, Michael Hatry
Möbelfabrikant Hencken wird vor Schimanskis Stammhotel „Ideal“ erschossen. Für Schimanski, der die Intrigen zweier verfeindeter Familien aufklären muss, der Auftakt zu einem wirklich schwarzen Wochenende. Und das alles ohne seine geliebte Jacke.
Damals war Dominik Grafs „Tatort“ bei der Kritik ziemlich schlecht weggekommen, heute wird er – zu Recht – als einer der düsteren Klassiker gefeiert. Einer der Höhepunkte des Films ist eine halbstündige Verhörsequenz. Heute undenkbar.
Eine Zwangsheirat ist es nicht. Denn Hedi ist schon Mitte Zwanzig, arbeitet als Autoverkäufer und lebt noch zu Hause. Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Die Heirat, in die er von seiner Mutter hineingestoßen wird, ist vor allem ein finanzielles Arrangement, bei dem Liebe noch nicht einmal zweitrangig ist. Trotzdem ist seine Zukünftige wirklich nett und Hedi kann sich gut ein Leben mit ihr vorstellen. Die ungefähr gleichaltrige Khedija hat auch Verständnis dafür, dass die Flitterwochen erst einmal ausfallen müssen, weil Hedi keinen Urlaub erhält. Auch dass er in den Tagen vor der Hochzeit nicht da ist, versteht sie. Er wurde von seinem Chef nach Mahdia geschickt, um dort Autos an Firmenkunden zu verkaufen.
Außerdem hat Hedis Mutter die Hochzeitsvorbereitungen im Griff. Sie arrangiert und organisiert alles. Hedi muss nur noch „ja“ sagen.
In Mahdia trifft der erfolglose Verkäufer Hedi in seinem Hotel die Animateurin Rim. Sie ist das Gegenteil von Khedija ist. Rim arbeitet, reist dabei rund um den Globus von Hotel zu Hotel und sie ist unabhängig von den traditionellen Bindungen. Hedi verliebt sich in sie. Aber soll er für diese Wochenendliebe Khedija und sein ebenso langweiliges, wie geordnetes Leben hinter sich lassen? Will er das überhaupt?
Man muss nicht wissen, dass „Hedis Hochzeit“ von den Dardenne-Brüdern („Zwei Tage, eine Nacht“) mitproduziert wurde und auch über Tunesien, das ist das nordafrikanische Land zwischen Algerien und Libyen, muss man nichts genaues wissen, um „Hedis Hochzeit“ auch als bewusste und gewollte Allegorie auf das dortige Leben und die Veränderungen der letzten Jahre zu begreifen.
„Mein Land ist verkatert. Es ist nicht länger geknebelt, aber es liegt in den letzten Zügen einer tiefen sozialen, religiösen und ökonomischen Krise. Ich weiß, das ist eine zynische Beurteilung, aber das ist die Wahrheit, die wir nicht ignorieren können. In den letzten fünf Jahren wurde ein Hotel nach dem anderen geschlossen. Städte, die wegen des Tourismus florierten, sind plötzlich zu Geisterstädten geworden. Meine Figuren bewegen sich in diesen von Unheil betroffenen Landschaften, und verkörpern das Mäandern einer ganzen Gesellschaft. Ich versuchte, dieses Gefühl herauszukristallisieren durch verlassene Autoparks, Firmen, die ihre Produktion runtergeschraubt haben, verlassene Strände und Schwimmbäder und Hotels, die ihr Personal entlassen. Hedi verkörpert das – mehr als nur eine Figur. Er zuckt vor und zurück.“ (Mohamed Ben Attia)
Vor dieser Folie wird dann auch verständlich, warum Mohamed Ben Attia in seinem Langfilmdebüt, teilweise so zäh erzählt, warum vieles nur angedeutet wird und warum gerade die Hauptpersonen – der introvertierte Hedi, seine künftige Ehefrau Khedija und seine Kurzzeitgeliebte Rim – so passiv bleiben, während Hedis Mutter energisch die Hochzeit vorbereitet und über ihre beiden Kinder so sehr dominiert, dass Hedis älterer Bruder, der vor ihr nach Frankreich flüchtete, ihr und ihrer Mutterliebe nicht entkommen kann.
Aber auch vor dieser Interpretationsfolie erzählt Mohamed Ben Attia seine Geschichte zögerlicher als nötig und das Ende wird im Film zu wenig vorbereitet. Es ist mehr eine Deus ex machina als eine aus Hedis Charakter heraus schlüssige Entwicklung.
Davor zeigt Attia allerdings sehr genau, welche Bedeutung und Macht die Tradition über die Menschen hat und wie schwer es ist, aus ihnen auszubrechen. Er zeigt auch in tristen Bildern ein gelähmtes und ökonomisch desolates Land, das auf eine Veränderung, einen Aufbruch, wartet.
Auf der Berlinale wurde „Hedis Hochzeit“ als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet und Hauptdarsteller Majd Mastoura erhielt einen Silbernen Bären als bester Darsteller.
Wie eine Begegnung mit Außerirdischen abgeht, wissen wir aus dem Kino: sie kommen, sie wollen uns töten und nach einer großen Schlacht gewinnen wir. Das haben wir schon tausendmal gesehen. Ein, zweimal haben wir auch gesehen, dass die Außerirdischen nicht als Invasoren kommen, die uns töten wollen.
Aber was würde wirklich geschehen, wenn ein Ufo landen würde?
Dokumentarfilmer und Künstler Michael Madsen (nicht der Tarantino-Schauspieler, sondern ein 1971 geborener dänischer Konzeptkünstler, der in „Into Eternity: A Film for the Future“ das erste nukleare Endlager und für „Kathedralen der Kultur“ das Halden Gefängnis porträtierte) stellte sich diese Frage und er fragte Menschen, die dann mit dieser Situation umgehen müssten. Jacques Arnould (Theologe, Ethikberater der französischen Raumfahrtagentur CNES), Paul Beaver (Oberst i. R., Militär- und Öffentlichkeitsberater), Dr. Sheryl Bishop (Sozialpsychologin, Professorin, University of Texas Medical Branch at Galveston), Michael Boyce (Ehemaliger Generalstabschef der britischen Armee), Dr. Ernst Fasan (Jurist, Experte für Weltraumrecht und Metarecht), Niklas Hedman (Politik- und Rechtssektion, Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen), Chistopher McKay (Astrobiologe, NASA Ames Research Center), Mazlan Othman (PhD, Astrophysikerin, Direktorin des Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen), John Rummel (Vorsitzender, Cospar Gremium zum planetaren Schutz), Vickie Sheriff (ehemalige Regierungssprecherin des Vereinigten Königreiches), Janos Tisovsky (Direktor Informationsdienst der Vereinten Nationen, UNIS), Doug Vakoch (Leiter Interstellare Nachrichtenerstellung, SETI Institute) und Chris Welch (Weltraum-Ingenieur, Professor, International Space University) antworteten ihm.
Die Namen werden niemandem etwas sagen, aber schon der Blick auf die von ihnen repräsentierten Institutionen ist interessant. Bei einigen möchte man wissen, weshalb sie gegründet wurden und was sie genau machen. In ihren Statements sagen sie alle erhellendes über den Umgang mit intelligentem, außerirdischem Leben.
Madsen kreierte für die Gespräche allerdings eine besondere Situation, die sie zu überraschenden Statements zwang. Die Experten erklären nicht Madsen, was sie tun würden, wenn Außerirdische kämen, sondern sie antworten dem oder den fiktiven außerirdischen Besuchern. Sie versuchen ihm zu erklären, wer wir Menschen sind und welche Hoffnungen und Befürchtungen wir aufgrund dieser Begegnung haben. Denn warum sollten Außerirdische zu uns kommen? Was wollen sie von uns? Sind sie intelligent und zugänglich für rationale Überlegungen?
Durch diese Idee, die Experten in eine konkrete Situation hineinzuversetzen, in denen sie etwas tun müssen, verfolgt man gespannt ihre Antworten. Man gewinnt auch einen Einblick in deren Denken, und wie sie versuchen würden, mit dem Unbekannten umzugehen.
Dazwischen schneidet Madsen durchgehend fein komponierte Bilder von einer militärischen Übung in Österreich, die zeigt, was das Militär während der Gespräche zwischen Mensch und E. T. tun würde, und, oft in Zeitlupe, musikalisch unterlegt, von Menschen, die sich durch Städte bewegen.
Die Außerirdischen und ihre Raumschiffe sehen wir nie und ihre letzte Tat ist vielleicht das Schlimmste, was sie uns in der Realität antun könnten.
The Visit – Eine außerirdische Begegnung (The Visit, Dänemark/Irland/Österreich/Finnland/Norwegen 2015)
Regie: Michael Madsen
Drehbuch: Michael Madsen
mit Jacques Arnould, Paul Beaver, Sheryl Bishop, Michael Boyce, Ernst Fasan, Niklas Hedman, Chistopher McKay, Mazlan Othman, John Rummel, Vickie Sheriff, Janos Tisovsky, Doug Vakoch, Chris Welch
Düsterer Cop-Krimi über Gangkriminalität und ihre Bekämpfung in Los Angeles: Alonzo Harris zeigt Jake Hoyt am ersten Arbeitstag wie die Arbeit eines Undercover-Cop gegen Drogen- und Gangkriminalität abläuft. Dummerweise ist Harris selbst ein Gangster mit Dienstmarke, der nach dem Motto „Nur wenn du selbst wie ein Wolf bist, kannst du einen Wolf fangen“ arbeitet.
„Ein rasant und konsequent inszenierter Film voll Gewalt und Brutalität. Konsumierbar einerseits als zynisches Actionspektakel, das bloß altbekannte Genretypen weiterentwickelt, aber auch verstehbar als Spiegelung und Reflexion aktueller Debatten über Polizeimethoden, moralische Dilemmata und die Durchsetzbarkeit demokratischer Spielregeln gegenüber Clannormen, die sich freilich potenziellen Missverständnissen aussetzt.“ (Multimedia, 13. Dezember 2001)
Denzel Washington erhielt für seine Rolle als Cop Harris den Oscar für die beste Hauptrolle und einige weitere Preise. David Ayer schrieb danach den ähnlich gelagerten Cop-Thriller „Dark Blue“.
Die in „Training Day“ und „Dark Blue“ angesprochenen Themen werden in der grandiosen Cop-Serie „The Shield“ noch konsequenter und pessimistischer durchbuchstabiert.
Mit Denzel Washington, Ethan Hawke, Scott Glenn, Cliff Curtis, Dr. Dre, Snoop Dogg, Tom Berenger, Eva Mendes, Macy Gray
Einige Tage vor der Pressevorführung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ habe ich mir noch einmal das Original, also den Westernklassiker von John Sturges, angesehen. Schließlich wollte ich kundig das Original mit dem Remake vergleichen, auf die kleinsten Unterschiede hinweisen (zum Beispiel wenn aus einem Links- ein Rechtshänder wird) und, vielleicht, über die großen Unterschiede jammern.
Außerdem wollte ich mein ursprüngliches Urteil überprüfen. Damals, als Jugendlicher, empfand ich Sturges‘ „Die glorreichen Sieben“ als einen unglaublich langweiligen, prätentiösen und steifen Film, der zu sehr von seiner eigenen Bedeutung überzeugt ist. Die zweite Sichtung bestätigte meinen ersten Eindruck – und damit gehöre ich zu der Minderheit, die den Film nicht mag.
Im Kino stellte ich dann fest, dass ich mir das Original nicht hätte ansehen müssen. Fuqua drehte kein mehr oder weniger werkgetreues Remake von „Die glorreichen Sieben“ (1960). Seine „glorreichen Sieben“ sind bestenfalls eine sehr freie Neuinterpretation, die weiter von dem Original entfernt ist, als einige der unzähligen Fortsetzungen und Rip-Offs, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden. Bis auf einige fast schon willkürlich eingestreute Zitate, die man erkennt, wenn man kurz vorher das Original gesehen hat, und Elmer Bernsteins klassisches Filmthema, das erstmals während des Abspanns erklingt, hat Fuquas Film nichts mit Sturges‘ Film zu tun. Sein Film ist ein wie ein Großstadtthriller inszenierter Western mit viel Action und einer ordentlichen Portion Robert B. Parker, der mit seinen auch verfilmten Virgil-Cole-und-Everett-Hitch-Romanen ja einige Western schrieb, in denen zwei Gesetzeshüter ordentlich in gesetzlosen Orten aufräumen (und der echte Parker-Fan hat vielleicht auch „Potshot“, die noch nicht übersetzte Spenser-Version der glorreichen Sieben, gelesen).
Die Filmgeschichte – sieben Gesetzlose helfen einem Dorf gegen einen übermächtigen Bösewicht – wurde, wenn man sie auf einen Satz verkürzt, übernommen. Außerdem klaute Sturges die Geschichte von Akira Kurosawa. Er erzählte sie in „Die sieben Samurai“, einem grandiosen Film, der seinen Klassikerstatus zu recht hat und immer noch beeindruckt. Vor allem wenn man den Film auf der großen Leinwand sehen kann.
Anführer der siebenköpfigen Gruppe ist in Fuquas Ensemblefilm Sam Chisolm (Denzel Washington). Er ist ein Gesetzeshüter, der immer wieder betont, dass er „a duty sworn warrant officer from Wichita, Kansas and a licensed peace officer in Arkansas,Indian Territory, Nebraska, and seven other states“ ist. Als er 1879 von der Witwe Emma Cullen (Haley Bennett) gebeten wird, in Rose Creek gegen Barholomew Bogue (Peters Sarsgaard) vorzugehen, ist er einverstanden. Bogue ist der Besitzer der örtlichen Mine, er unterdrückt die Bevölkerung, seine Minenarbeiter und die ehrlichen Bauern, und er ermordete Cullens gottesfürchtigen Mann auf offener Straße.
Chisolm sucht sich eine Gruppe tapferer, mehr oder weniger gesetzloser Revolvermänner zusammen, die er teilweise von früher kennt und die alle ziemlich eindrucksvolle Charaktere sind: Josh Farraday (Chris Pratt), Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), Jack Horne (Vincent D’Onofrio, kaum erkennbar und mit bärigem Kampfstil), Billy Rocks (Byung-Hun Lee), Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo) und der Komantsche Red Harvest (Martin Sensmeier).
Nachdem die extrem multikulturelle Männertruppe in Rose Creek eintrifft, kommt es kurz darauf zur epischen Schlacht zwischen ihnen und Bogue, auf die wir Zuschauer von Anfang an gewartet haben. Und wir werden nicht enttäuscht.
Jedenfalls wenn wir einen ordentlichen Western wollen. Gerne mit einigen nie besonders vertieften Bezügen zur Gegenwart.
Und jetzt will ich mir mal wieder Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ ansehen. Den fand ich schon beim ersten Ansehen grandios.
Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)
mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer