TV-Tipp für den 7. Oktober: Inspektor Jury: Mord im Nebel

Oktober 7, 2015

ZDF, 20.15
Inspektor Jury: Mord im Nebel (Deutschland/Irland 2015)
Regie: Florian Kern
Drehbuch: Günter Knarr
LV: Martha Grimes: Help the poor struggler, 1985 (Inspektor Jury lichtet den Nebel)
Inspektor Jury soll in einem typisch englischem Provinzkaff in der Grafschaft Dorset den Mord an einem Mädchen aufklären. Noch bevor er so richtig mit seinen Ermittlungen beginnen kann, wird ein Junge ermordet und der Scotland-Yard-Inspektor befürchtet, während er Motiv und Täter sucht, weitere Kindermorde.
Auch der zweite „Inspektor Jury“-Krimi ist eine hoffnungslos gescheiterte, unwitzige Krimikomödie die niemals den richtigen Ton findet und an die schlimmsten „Derrick“-Erinnerungen, abgeschmeckt mit schlechten Edgar-Wallace-Filmen und Heinz-Erhardt-Blödel-Tiefsinn. „Mord im Nebel“ ist sogar so absurd schlecht, dass man noch nicht einmal neugierig auf die für die Verfilmung veränderte Vorlage wird.
Eine Verschwendung von Geld, Talent und Zeit.
mit Fritz Karl, Götz Schubert, Arndt Schwering-Sohnrey, Katharina Thalbach, Cornelia Ivancan, Marc Ben Puch, Aaron Monaghan, Ayana Ledl
Wiederholung: Donnerstag, 8. Oktober, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

ZDF über „Inspektor Jury: Mord im Nebel“

Homepage von Martha Grimes

Krimi-Couch über Martha Grimes

Goldmann: Martha-Grimes-Special

Wikipedia über Martha Grimes (deutsch, englisch)

Berühmte Detektive über Richard Jury

 


TV-Tipp für den 6. Oktober: Union fürs Leben

Oktober 6, 2015

RBB, 22.45
Union fürs Leben (Deutschland 2014)
Regie: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech
Drehbuch: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech
Äußerst sympathischer Film für Union-Fans, Fußballfans und Nicht-Fußballfans, der anhand der Porträts einiger Fans des kultigen Vereins „1. FC Union Berlin“ etwas über seine bewegte Geschichte (in der DDR war er ein Systemgegner-Verein, heute ist er der sympathische Underdog), seine alle Altersstufen und sozialen Schichten überschreitenden Fans und ihr großes Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Verein schildert; – wobei das natürlich Punkte sind, die für eigentlich jeden Fußballverein zutreffen. Auch ohne alljährliches Adventssingen.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Chris Lopatta, Mario Czaja, Christopher Quiring, Stefan Schützler, Alexander Grambow

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Union fürs Leben“
Moviepilot über „Union fürs Leben“


TV-Tipp für den 5. Oktober: Eine merkwürdige Karriere

Oktober 4, 2015

Arte, 20.15
Eine merkwürdige Karriere (Frankreich 1981, Regie: Pierrre Granier-Deferre)
Drehbuch: Christopher Frank, Pierre Granier-Deferre, Jean-Marc Roberts
LV: Jean-Marc Roberts: Affaires Etrangères, 1979
Ein glücklich verheirateter Angestellter, der gar nicht an die große Karriere denkt, erliegt den Verführungskünsten seines neuen Chefs.
„Eine Studie über Abhängigkeit, von dem Routinier Granier-Deferre überraschend subtil inszeniert.“ (Fischer Film Almanach 1984)
„Ein zurückhaltend und kühl inszeniertes, hervorragend gespieltes Drama um die Beeinflußbarkeit menschlichen Verhaltens, um Anpassung und Selbstaufgabe, sowie die Verführbarkeit durch die Aussicht auf Karriere und Macht.“ (Lexikon des internationalen Films)
Ein extrem selten gezeigtes, erschreckend aktuelles Drama.
mit Michel Piccoli, Gérard Lanvin, Nathalie Baye, Jean-Pierre Kalfon, Jean Francois Balmer
auch bekannt als „Eine unglaubliche Karriere“ (Kinotitel) und „Eine merkwürdige Geschichte“ (Titel der ZDF-Synchronisation von 1986)
Wiederholung: Montag, 12. Oktober, 13.45 Uhr
Hinweise
Arte über „Eine merkwürdige Karriere“
AlloCine über „Eine merkwürdige Karriere“
Wikipedia über „Eine merkwürdige Karriere“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 4. Oktober: Kommissar Beck: Mord in Zimmer 302

Oktober 4, 2015

ZDF, 22.00
Kommissar Beck: Mord in Zimmer 302 (Schweden/Deutschland 2015, Regie: Mårten Klingberg)
Drehbuch: Mikael Syrén
Erfinder: Jörgen Bergmark
LV: Charaktere von Maj Sjöwall und Per Wahlöö
Im Hotelzimmer 302 wird die 18-jährige Denise tot aufgefunden. Kommissar Martin Beck (Peter Haber, sehr gealtert), Gunvald Larsson (Mikael Persbrandt) und ihr Team suchen den Mörder unter den zahlreichen verdächtigen.
„Mord in Zimmer 302“ ist der erste von vier neuen „Kommissar Beck“-Fällen, die das ZDF an den kommenden Sonntagen zeigt.
Der Auftakt hält, nach einer sechsjährigen Pause, das Niveau der früheren Fälle und ist ein unaufgeregter, angenehmen altmodischer Whodunit, bei dem die realistisch geschilderten Ermittlungsarbeiten im Vordergrund stehen. Und es ist schön, endlich einmal Verhörszenen zu sehen, in denen die Polizisten nicht als brüllende Derwische durch den Raum toben, sondern ruhig ihre Fragen stellen. Halt wie es sich für gehört, wobei Beck und Larsson fast schon zu ruhig sind.
Mit Peter Haber, Mikael Persbrandt, Ingvar Hirdwall, Rebecka Hemse, Måns Nathanaelson, Anna Asp, Elmira Arikan, Jonas Karlsson, Åsa Karlin, Anu Sinisalo, Sofia Zouagui, Niklas Hjulström, Rikard Björk, Filip Berg, Mikaela Ardai Jennefors
Wiederholung: Montag, 5. Oktober, 00.50 Uhr (Taggenau)
Hinweise
ZDF über „Kommissar Beck“
Wikipedia über „Kommissar Beck“, Maj Sjöwall, Per Wahlöö und ihre Romane


Buch- und TV-Tipp für den 3. Oktober: B-Movie – Das wilde West-Berlin der 80er Jahre (aka B-Movie – Lust & Sound in West-Berlin)

Oktober 2, 2015

Arte, 21.50
B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979 – 1989 (Deutschland 2015)
Regie: Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange
Drehbuch: Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange
Mark Reeder kommt 1979 von Manchester nach Berlin, der Stadt seiner Träume. Er stürzt sich in das Nachtleben und begegnet dort einer pulsierenden Szene von Künstlern und Spinnern. In „B-Movie“ blickt er äußerst kurzweilig auf die Zeit zwischen 1979 und 1989 zurück.
Dabei gelang es ihm und den Filmemachern Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange eine unglaubliche Menge auch obskurer zeitgenössischer Film- und Tonaufnahmen zu beschaffen, die sie zu einer ebenso wilden, wie kurzweiligen und, dank Reeders selbstironischem Humor und nimmermüder Begeisterung, ämusanten und informativen Collage über ein pophistorisch noch nicht aufgearbeitetes Jahrzehnt zusammenstellten.
mit Mark Reeder, Gudrun Gut, Westbam, Blixa Bargeld, Nick Cave, Joy Division, Zazie de Paris, Nena, Die Toten Hosen, Der Wahre Heino, Einstürzende Neubauten, Die Ärzte, Malaria!, Ideal, Jörg Buttgereit
Wiederholung: Sonntag, 11. Oktober, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Das Buch zum Film

Reeder - B Book - 250
Druckfrisch – und daher auch nur begeistert durchgeblättert:
Pünktlich zur TV-Ausstrahlung, DVD/Blu-ray- und Doppel-LP/CD-Veröffentlichung erschien auch das „B-Book – Lust und Sound in West-Berlin“. In dem großformatigen Bildband (mit hundert ebenso seltenen, wie erhellenden Aufnahmen) erzählt Reeder von seinem ersten Jahrzehnt in Berlin. Anscheinend handelt es sich dabei, mit kleineren Ergänzungen, um den kurzweiligen und äußerst informativen Filmkommentar, der in deutsch und englisch abgedruckt ist.
Und dann die Bilder! Neben den bekannten Gesichtern von/mit Nena, Nina Hagen, Inga Humpe, den Ärzten, den Einstürzenden Neubauten, und Underground-Stars gibt es Bilder von dem damaligen, herrlich abgeranzten Berlin, das es heute nicht mehr gibt.
Da wünscht man sich eine Zeitmaschine.

Mark Reeder: B-Book – Lust und Sound in West-Berlin
Edel, 2015
224 Seiten
39,95 Euro

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „B-Movie“
Film-Zeit über „B-Movie“
Moviepilot über „B-Movie“
Wikipedia über Mark Reeder (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jörg A. Hoppe/Klaus Maeck/Heiko Langes „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979 – 1989“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Wuff! „Max“ ist ein toller Army-Hund

Oktober 2, 2015

Fans von Actionfilmen, die auch den Abspann lesen, werden bei „Max“ zwei interessante Namen finden: Boaz Yakin und Sheldon Lettich. Yakin hat „The Rookie“ und „Die Unfassbaren – Now you see me“ geschrieben und, nach seinem Drehbuch, „Safe – Todsicher“ inszeniert, Lettich hat „Bloodsport“ und „Rambo III“ geschrieben und, nach seinem Drehbuch, „Geballte Ladung“ inszeniert. Gut, das sind nicht die unumstrittenen Meisterwerke des Genres, aber sie machen schon neugierig auf „Max“. Yakin inszenierte den Film nach einem gemeinsam mit Lettich geschriebenem Drehbuch, das auf wahren Ereignissen basieren soll. Aber das wird inzwischen ja bei jedem zweiten Film gesagt. Die anderen sind von Marvel.
Jedenfalls ist der titelgebende „Max“ ein Malinois, ein belgischer Schäferhund, der als Militärhund in Afghanistan Sprengstoff suchte. Bei einem Kampfeinsatz stirbt sein Hundeführer Kyle Wincott und damit seine Bezugsperson. Zurück in den USA nimmt Kyles Vater Ray, selbst ein verwundeter Kriegsveteran, den kriegstraumatisierten Hund auf. Denn er sei ein Teil der Familie und die Wincotts würden auf ihre Familie aufpassen. Kyles pubertierender Bruder Justin, der von Max akzeptiert wird, soll sich um Max kümmern. Widerwillig übernimmt Justin die Aufgabe, die dank der schönen Carmen, die viel von Hunden versteht, plötzlich eine höchst attraktive Seite hat.
Als Tyler Harne, Kyles bester Freund und Kampfgefährte, bei den Wincotts auftaucht, wird er vom Familienoberhaupt sofort in die Familie aufgenommen. Nur Max reagiert agressiv. Und natürlich hat er, wie Justin schnell erfährt, den richtigen Riecher.
„Max“ ist ein Jugendfilm, der tief im Revier von „Lassie“ wildert, und ihn mit einer pathetisch konservativen Moral abschmeckt, in der Familie, Militär und Staat ungebrochen hochgehalten werden. Dieser hier auch christlich geprägte Konservatismus aus einer vergangenen Zeit war schon in „American Sniper“ befremdlich. In einem Jugendfilm, auch wenn er einen ethnisch bunt gemischten Cast hat und Ray Wincott kein Rassist ist, wirkt er noch befremdlicher. Er zeigt aber auch, wer heute zur US-Armee geht. Yakin vertieft allerdings die Frage, was dieser Konservatismus mit einer Post-9/11-Militärlaufbahn zu tun hat, nicht. Ebenso umschifft er alle anderen möglichen Tiefen seiner Geschichte zugunsten einer banalen Abenteuergeschichte, die auch gut in einem „Fünf Freunde“-Film aufgehoben wäre.
Wenn man darüber hinwegsehen kann, ist „Max“ ein vorherhsehbarer, aber gut gemeinter, durchaus unterhaltsamer und auch durchaus sympathischer Film für pubertierende Hundeliebhaber, die nicht schon wieder einen „Lassie“-Film sehen wollen.

Max - Plakat

Max (Max, USA 2015)
Regie: Boaz Yakin
Drehbuch: Boaz Yakin, Sheldon Lettich
mit Thomas Haden Church, Josh Wiggins, Luke Kleintank, Lauren Graham, Robbie Amell, Mia Xitlali, Dejon LaQuake, Jay Hernandez, Owen Harn
Länge: 111 Minuten
FSK: ?

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Max“
Moviepilot über „Max“
Metacritic über „Max“
Rotten Tomatoes über „Max“
Wikipedia über „Max“
Meine Besprechung von Boaz Yakins „Safe – Todsicher“ (Safe, USA 2012) (und der DVD)


Neu im Kino/Filmkritik: „Alles steht Kopf“ in dem neuen Pixar-Film

Oktober 2, 2015

Lange hat es gedauert, bis der neue Pixar-Film „Alles steht Kopf“ bei uns anläuft. Der US-Kinostart war nämlich schon am 19. Juni und alle loben einhellig den Trickfilm, der für Erwachsene eine etwas zu episodische und vorhersehbare Geschichte erzählt. Aber der Film ist ja für Kinder gemacht. Erwachsene dürfen ihn sich auch ansehen und sie werden erstaunt sein, was die Macher dem Publikum zumuten. Denn die Geschichte dient nur dazu, ein gutes Dutzend psychologischer, soziologischer und philosophischer Theorien und Erkenntnisse über unseren Verstand und wie er funktioniert zu präsentieren, ohne sie besonders zu vereinfachen.
Pete Docter („Die Monster AG“, „Oben“) und Co-Regisseur Ronnie del Carmen, der ebenfalls schon lange bei Pixar ist, vertrauen einfach darauf, dass ihre Zuschauer es verstehen werden. Dafür lassen sie die Geschichte vor allem im Kopf der elfjährigen Riley spielen. Sie ist gerade mit ihren Eltern aus dem ländlichen Minnesota in die Großstadt gezogen. Die Wohnung in San Francisco ist eine Bruchbude. In der Schule kennt sie niemanden und eigentlich will sie nur zurück zu ihren Freunden.
In diesem Moment verlagert sich die Geschichte in ihren Kopf und wir sehen, wie ihre Emotionen und Handlungen gesteuert werden und wozu Erinnerungen da sind. Für die verschiedenen Emotionen – Freude, Angst, Wut, Ekel und Kummer – wurden Personen erfunden, die diese Eigenschaften in Reinkultur verkörpern. So ist ‚Wut‘ immer wütend, ‚Freude‘ immer fröhlich, ‚Angst‘ ängstlich. Vor jeder Handlung von Riley streiten sie untereinander. Die Filmemacher zeigen also, welche Prozesse in unserem Gehirn ablaufen, bevor wir irgendetwas tun und wie die verschiedenen Emotionen unsere Handlungen beeinflussen. Sie zeigen auch, was passiert, wenn plötzlich bestimmte Emotionen fehlen. Denn durch ein dummes Missgeschick von Kummer (die sich für vollkommen überflüssig hält und entsprechend lust- und antriebslos durch den Film schlurft) wird eine Veränderung bei den Kernerinnerungen hervorgerufen. Die Kernerinnerungen sind die für unsere Persönlichkeit besonders prägenden Erinnerungen. Wenn sie verschwinden, würde auch Rileys Persönlichkeit verschwinden. Freude will das verhindern. Aber es kommt noch schlimmer. Sie und Kummer werden vom Hauptquartier, wo die fünf Emotionen gemeinsam Entscheidungen treffen, in das Röhrensystem in Richtung Langzeitgedächtnis gesaugt. Von dort versuchen sie den Weg zurück zu finden und Rileys Kernerinnerungen zu schützen. Auf ihrem Weg besuchen sie verschiedene Teile von Rileys Verstand. Unter anderem treffen sie Bing Bong, einen schon lange vergessenen imaginären Freund von Riley aus Kindertagen, das Fantasieland und das Abstrakte Denken.
Währenddessen versuchen die im Hauptquartier verbliebenen Emotionen Wut, Ekel und Angst Rileys Leben zu steuern, was für Probleme sorgt.
„Alles steht Kopf“ zeigt, wie unser Verstand arbeitet. Das ist natürlich äußerst kurzweilig präsentiert und, wenn man den neuesten Pixar-Film mit anderen Filmen vergleicht, die explizit für ein jüngeres Publikum gemacht sind (wobei auch Erwachsene sich „Alles steht Kopf“ ohne einen einzigen Fremdschäm-Anfall ansehen können), kann man den Film kaum genug loben.

Alles steht Kopf - Plakat

Alles steht Kopf (Inside Out, USA 2015)
Regie: Pete Docter, Ronnie del Carmen
Drehbuch: Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley (nach einer Idee von Pete Docter und Ronnie del Carmen)
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Englische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Alles steht Kopf“
Moviepilot über „Alles steht Kopf“
Metacritic über „Alles steht Kopf“
Rotten Tomatoes über „Alles steht Kopf“
Wikipedia über „Alles steht Kopf“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“ für die Queen

Oktober 2, 2015

Natürlich basiert „A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“ auf einer wahren Begebenheit, die für den Film, weil man von dieser wahren Begebenheit eigentlich nichts weiß, kräftig ausgeschmückt wurde bis von der wahren Begebenheit nur noch die Inspiration für einen Film blieb, der auch ohne die wahre Begebenheit funktioniert. Also: am 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation und der entsprechenden Siegesfeiern, verließen Prinzessin Elizabeth (seit Jahrzehnten bekannt als Königin Elizabeth II) und Prinzessin Margaret, damals neunzehn und vierzehn Jahre alt, den Buckingham Palast. Sie gingen, begleitet von einem kleinen Hofstaat, zu einem Tanz in das Hotel Ritz und waren kurz nach Mitternacht wieder zu hause.
In „A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“ verlassen die supervernünftige Elizabeth (Sarah Gadon) und die hemmungslos vergnügungssüchtige Margaret (Bel Powley) durch einige dumme Zufälligkeiten das Ritz. Elizabeth sucht nun, mitten in Londons feiernden Massen ihre jüngere Schwester. Dabei trifft sie auf den Soldaten Jack (Jack Reynor), der Elizabeth selbstlos hilft. Denn sie hat kein Geld und sie kennt sich in London nicht aus. Vor allem nicht im London der kleinen Leute. Jack erkennt die künftige Königin nicht.
Julian Jarrold, der neben historischen Filmen, wie „Wiedersehen mit Brideshead“, „Geliebte Jane“ und „Great Expectations“, auch die grandiose David-Peace-Verfilmung „Red Riding: Yorkshire Killer 1974“ inszenierte, orientiert sich in seinem neuen Film an den Screwball-Komödien der fünfziger Jahre und selbstverständlich war „Ein Herz und eine Krone“ (Roman Holiday, USA 1953) eine der Inspirationen für „A Royal Night“, der ein rundum harmloser und geschmackvoller Spaß für queentreue Royalisten ist.
Das hat durchaus gelungene Momente, aber letztendlich handelt es sich um eine unbedeutende historische Episode, die höchstens weiter zur Legendenbildung beiträgt. Denn Prinzessin Elizabeth taumelt als besorgte und überragend vernünftige große Schwester, ohne sich jemals von der Feierlaune anstecken zu lassen, durch die Stadt und alle Menschen sind in diesem Kulissenlondon furchtbar nett.

A Royal Night - Plakat

A Royal Night – Ein königliches Vergnügen (A Royal Night Out, Großbritannien 2015)
Regie: Julian Jarrold
Drehbuch: Trevor de Silva, Kevin Hood
mit Sarah Gadon, Bel Powley, Rupert Everett, Emily Watson, Jack Reynor, Jack Laskey, Jack Gordon
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „A Royal Night“
Moviepilot über „A Royal Night“
Rotten Tomatoes über „A Royal Night“
Wikipedia über „A Royal Night“
Meine Besprechung von Julian Jarrolds „Red Riding: Yorkshire Killer 1974“ (Yorkshire Killer 1974, Großbritannien 2009)


TV-Tipp für den 2. Oktober: Banklady

Oktober 2, 2015

Arte, 20.15
Banklady (Deutschland 2013)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Silber, Kai Hafemeister
Bonnie & Clyde in der deutschen Version.
Ein überraschend gelungener Gangsterfilm, der, mit viel Sixties-Flair, die vergessene Geschichte von Deutschlands erster Bankräuberin Gisela Werner erzählt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Hein Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt, Heinz Struck

Wiederholung: Sonntag, 4. Oktober, 09.20 Uhr

Hinweise
Film-Zeit über „Banklady“
Moviepilot über „Banklady“
Wikipedia über die echte Banklady Gisela Werler

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Der grandiose Drogenthriller „Sicario“

Oktober 1, 2015

Das, wofür Don Winslow zuletzt in „Das Kartell“ über achthundert Seiten und eine sich über ein Jahrzehnt mäandernde Geschichte brauchte, erzählt Denis Villeneuve in seinem hochspannenden Action-Thriller „Sicario“ innerhalb von zwei Stunden anhand einer auf den ersten Blick eher kleinen Episode im mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg.
Kate Macer (Emily Blunt), FBI-Expertin für Geiselbefreiungen, stößt bei einem Einsatz zufällig auf ein Kartellhaus. In den Wänden stapeln sich die Leichen. Eine Sprengfalle tötet mehrere ihrer Kollegen.
Danach erhält sie das Angebot, in dem Team von Matt Graver (Josh Brolin) mitzuarbeiten. Graver versichert ihr, dass sie mit seiner Hilfe gegen die Hintermänner, die für den Tod ihrer Kollegen verantwortlich sind, vorgehen kann. Sie könne das Drogenübel an der Wurzel packen. Macer ist einverstanden – und sie betritt eine Welt, in der die normalen Regeln der Polizeiarbeit nicht mehr gelten.
Ihren ersten Einblick in Gravers Welt erhält sie bei einer Gefangenenüberstellung von Juárez in die benachbarte USA. In dem Autokonvoi ist neben Graver und etlichen schwer bewaffneten Männern, die auf den ersten Blick mehr Erfahrung im Kampf in Kriegsgebieten als mit der regulären Polizeiarbeit haben, auch Alejandro (Benicio Del Toro), ein südamerikanischer Ex-Staatsanwalt mit dunkler Vergangenheit. Genau wie Graver sagt er ihr nur das Nötigste und es ist immer unklar, ob sie ihr die Wahrheit sagen, Wichtiges verschweigen oder sie einfach belügen.
Schockiert beobachtet sie bei der Rückfahrt in die USA, wie einige Drogen-Killer, während sie im Stau vor der Grenze stehen, sie überfallen wollen. Aber Gravers Männer sind schneller. Skrupellos töten sie am helllichten Tag auf offener Straße alle, die sie bedrohen oder ihre Mission gefährden könnten. Danach verlassen sie, entgegen allen Regeln der Polizeiarbeit, die von Macer bislang akribisch befolgt wurden, den Tatort.
Diese Überstellung des mexikanischen Gefangenen ist nur der erste Schritt auf Macers Weg in die Finsternis, in das Land der Wölfe, wie es mal halbpoetisch genannt wird. Denn Graver, der mal sagt, er arbeite für die CIA, und seine Männer kümmern sich, im Gegensatz zu Macer, herzlich wenig um Recht und Gesetz. Bei ihnen zählt nur die Effektivität bei ihrer Jagd nach einem Drogenboss.
Denis Villeneuve, zuletzt „Enemy“, zeigt wieder einmal, dass er keine Lust hat, den gleichen Film zweimal zu drehen. Dieses Mal inszenierte er einen knallharten Thriller, der eine kleine Episode aus dem schon seit Jahrzehnten andauernden, erfolglosen Drogenkrieg erzählt. Die nur auf den ersten Blick geradlinige und einfache Geschichte wird schnell zu einem breiten Panorama des Krieges an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, bei dem alle moralischen Gewissheiten verschwinden und der genau deshalb zum Nachdenken anregt.
Das macht „Sicario“ zum Action-Polit-Thriller für den denkenden Menschen, der sich über die gelungene Verknüpfung von grandiosen, hochspannenden Action-Szenen, auch dank der Kamera von Veteran Roger Deakins und der effektiven Musik von Jóhann Jóhannsson, treffender politischer Analyse, genauem Einblick in eine für uns fremde Welt und dem Aufwerfen vielfältiger moralischer Fragen freut. Denn in dem Film hat jeder gute Gründe für seine Taten. Ob wir am Ende in Macers oder Alejandros Welt leben wollen, müssen wir selbst beantworten. All das sichert „Sicario“ einen Platz in meiner Jahresbestenliste; – wenn ich dazu komme, eine solche zu erstellen.
„Sicario“ kann, auch weil Benicio Del Toro eine ähnliche Rolle spielt (jedenfalls können wir uns mit einigen kleineren gedanklichen Verrenkungen vorstellen, dass der „Traffic“-Polizist Javier Rodríguez heute Alejandro ist), als Fortsetzung von „Traffic – Macht des Kartells“ (USA 2000, Regie: Steven Soderbergh) gesehen werden. So wie Soderberghs Film vor fünfzehn Jahren eine Bestandsaufnahme des Scheiterns des US-amerikanischen „war on drugs“ war, ist „Sicario“ eine aktualisierte Bestandsaufnahme dieses inzwischen grandiosen Scheiterns, die zeigt, wie sehr sich, im Schatten des „wars on terror“, die Lage verschlimmerte und der Drogenkrieg jegliches Maß verlor.
Als Ergänzung zu „Sicario“ empfehle ich die ab 6. Oktober als VoD erhältliche (ansehbare?) und in einigen Kinos laufende Doku „Cartel Land“ von Matthew Heineman. Er porträtiert den Ex-Soldaten Tim ‚Nailer‘ Foley, Anführer einer Bürgerwehr gegen mexikanische Einwanderer und Drogenkuriere in Arizona, und Doktor José ‚El Doctor‘ Mireles, Anführer der Autodefensas, einer Gruppe Bürger, die sich im mexikanischen Bundesstaat Michoacan gegen die Macht der dortigen Drogenkartelle wehren. Mit einem überraschendem Ergebnis.

Sicario - Plakat

Sicario (Sicario, USA 2015)
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Taylor Sheridan
mit Emily Blunt, Benicio Del Toro, Josh Brolin, Victor Garber, Jon Bernthal, Daniel Kaluuya, Jeffrey Donovan, Raoul Trujillo, Julio Cedillo, Hank Rogerson, Bernardo P. Saracino, Maximiliano Hernández
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Sicario“
Moviepilot über „Sicario“
Metacritic über „Sicario“
Rotten Tomatoes über „Sicario“
Wikipedia über „Sicario“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Die Cannes-Pressekonferenz


TV-Tipp für den 1. Oktober: Finsterworld

Oktober 1, 2015

Arte, 23.15
Finsterworld (Deutschland 2013)
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht
Perfekte Einstimmung auf die Feierlichkeiten zur Einheit. Denn Frauke Finsterwalder und Christian Kracht toben sich in ihrem Episodenfilm so richtig gemein in deutschen Befindlichkeiten (echten und falschen, alten und neuen) aus. Denn das „Finsterworld“-Deutschland ist ein aus der Zeit gefallenes Deutschland voller gestörter Charaktere, die sich auf die Nerven gehen und die sich letztendlich in ihrer Tristesse gut eingerichtet haben.
Das ist zwar nicht durchgehend gelungen, hat aber erfrischend wenig mit den gängigen deutschen Komödien zu tun; was schon einmal eine gute Sache ist.
mit Johannes Krisch, Michael Maertens, Margit Carstensen, Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld, Corinna Harfouch, Bernhard Schütz, Christoph Bach, Carla Juri, Leonard Scheicher, Jakub Gierszal, Max Pellny, Markus Hering, Dieter Meier

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Finsterworld“
Moviepilot über „Finsterworld“
Wikipedia über „Finsterworld“
Die Zeit: Ijoma Mangold unterhält sich mit Christian Kracht über „Finsterworld“ (10. Oktober 2013)

Meine Besprechung von Frauke Finsterwalders „Finsterworld“ (Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 30. September: Hotel Ruanda

September 29, 2015

Arte, 20.15
Hotel Ruanda (Südafrika/Großbritannien/Italien/Kanada 2004, Regie: Terry George)
Drehbuch: Keir Pearson, Terry George
Ruanda, 1994: Mitten während des Völkermordes der Hutu an den Tutsi versucht Paul Rusesabagina, Manager des in der Hauptstadt gelegenen 113-Zimmer Vier-Sterne-Luxushotels Les Milles Collines, den Hotelbetrieb aufrecht zu erhalten. Seine Gäste: Über 1200 Hutu und Tutsi, die um ihr Leben fürchten.
Starkes, auf wahren Ereignissen basierendes Drama.
„Ein überzeugender Film, dem der Balanceakt zwischen historischer Rekonstruktion und bewegender Erzählung souverän gelingt.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Don Cheadle, Sophie Okonedo, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Desmond Dube, David O’Hara
Wiederholung: Freitag, 2. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Hotel Ruanda“
Wikipedia über „Hotel Ruanda“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. September: The Rum Diary

September 28, 2015

Tele 5, 20.15
Rum Diary (USA 2011, Regie: Bruce Robinson)
Drehbuch: Bruce Robinson
LV: Hunter S. Thompson: The Rum Diary, 1998 (Rum Diary)
Puerto Rico, 1960: der erfolglose US-Journalist Paul Kemp ergattert auf der Insel einen Reporterjob, der ihn schnell in Kontakt mit den schmutzigen Geschäften seiner Landsleute und Drogen, vielen Drogen, sehr vielen Drogen bringt.
Bruce Robinsons „Rum Diary“ ist die sehr brave Version von „Fear and Loathing in Las Vegas“ (Angst und Schrecken in Las Vegas), das ebenfalls auf einem Buch von Thompson basiert. „Rum Diary“, ein lange verschollen geglaubter Roman von Thompson, ist zwar ein Roman, aber man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass er mehr als nur inspiriert von Hunter S. Thompsons Erlebnissen als Journalist auf Puerto Rico ist.
Die dank vieler gelungener Episoden durchaus kurzweilige, aber auch etwas belanglose Verfilmung selbst hat mit einem plätscherndem bis nicht vorhandenem Plot zu kämpfen. Johnny Depp als dreißigjähriger Journalist ist zu alt für die Rolle (was besonders bei seinen Szenen mit Aaron Eckhart, der einen deutlich erfahreneren und “älteren” Mann spielt, auffällt) und der Journalist Kemp ist auch etwas zu naiv für einen Dreißigjährigen gezeichnet. Er wirkt eher wie ein Zwanzigjähriger, also wie ein Alter Ego des 1937 geborenen Hunter S. Thompson, der 1960 auf der Insel arbeitete.
mit Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich

Wiederholung: Mittwoch, 30. September, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Rum Diary“
Wikipedia über „Rum Diary“ (deutsch, englisch)
Heyne-Verlag über Hunter S. Thompson

Der Roman „Rum Diary“ ist bei Heyne als Taschenbuch erschienen. Zum Filmstart gab es auch ein Movie-Tie-In.

Thompson - The Rum Diary

Hunter S. Thompson: The Rum Diary
(übersetzt von Wolfgang Farkas)
Heyne, 2012
288 Seiten
8,95 Euro


DVD-Kritik: „The Reach – In der Schusslinie“ von Michael Douglas

September 28, 2015

In der Mojave-Wüste will der vermögende Geschäftsmann John Madec (Michael Douglas) ein seltenes Dickhornschaf jagen. Der junge Fährtenleser Ben (Jeremy Irvine) soll ihn im einsam gelegenen Jagdgebiet begleiten. Aber dann erschießt Madec zufällig einen Einsiedler und weil er auf Bens Schweigsamkeit letztendlich nicht vertraut, will er jetzt auch ihn töten.
Die Jagd ist eröffnet – und Jean-Baptiste Léonettis „The Reach – In der Schusslinie“ bewegt sich wohltuend im Umfeld der Siebziger-Jahre-Survival-Thriller, in denen man nicht mehr als einen Jäger, einen Gejagten und eine ländliche Landschaft benötigte.
Dieses Mal stammt die Vorlage von Robb White. Sein mit dem Edgar ausgezeichneter Jugendroman „Deathwatch“ wurde bereits 1974 von Lee H. Katzin als TV-Film „Savages“ mit Andy Griffith und Sam Bottoms in den Hauptrollen verfilmt. Auch in dem Remake veränderte man die Geschichte bis auf einige Details und Aktualisierungen (so telefoniert Madec immer wieder mit einem Satellitentelefon) nicht. Es geht nur um eine Jagd in einer Landschaft, in der der Mensch nur als Gast geduldet ist, einen Gejagten und einen Jäger, der vor allem sein Opfer beobachtet, während die Natur den Rest erledigen soll. Allerdings kennt Ben die Landschaft verdammt gut.
Mit seiner Konzentration auf zwei Personen gehört „The Reach“ auch zu den reduziertesten Exemplaren des Genres. Auch die Laufzeit mit knapp neunzig Minuten ist sehr reduziert, was ja nicht schlecht ist. Denn damals benötigte der Regisseur, auch weil auf überflüssige Subplots verzichtet wurde, bei einem B-Picture keine neunzig Minuten, um seine Geschichte zu erzählen.
Und Michael Douglas gefällt sich, wieder einmal, in der Rolle des erschreckend sympathischen und normalen Unsympathen, auf die er während seiner großen Zeit in den Achtzigern und Neunzigern, nach der TV-Serie „Die Straßen von San Francisco“ , abonniert war.

The Reach - DVD-Cover

The Reach – In der Schusslinie (Beyond the Reach, USA 2014)
Regie: Jean-Baptiste Léonetti
Drehbuch: Stephen Susco
LV: Robb White: Deathwatch, 1972
mit Michael Douglas, Jeremy Irvine, Ronny Cox, Hanna Mangan Lawrence, Patricia Bethune, Martin Palmer, David Garver

DVD
Universum Film
Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Trailer, Wendecover
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „The Reach“
Metacritic über „The Reach“
Rotten Tomatoes über „The Reach“
Wikipedia über „The Reach“ und Robb White

Ein Interview mit Jean-Baptiste Léonetti (Regie), Michael Douglas (Hauptrolle, Produzent) und Jeremy Irvine (Hauptrolle) und Tonproblemen

Und noch ein Interview mit den Jungs, kürzer und mit besserem Ton

Und eines mit Jean-Baptiste Léonetti über sein US-Debüt


TV-Tipp für den 28. September: Der dritte Mann

September 27, 2015

Arte, 20.15

Der dritte Mann (Großbritannien 1949, Regie: Carol Reed)

Drehbuch: Graham Greene

LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)

Wien, kurz nach dem Krieg: Holly Martins kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.

Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.

Arte zeigt die in Cannes präsentierte Fassung des Films und anschließend, um 21.55 Uhr, die Doku „Orson Welles – Tragisches Genie“ (Frankreich 2014) über, nun, Orson Welles (6. Mai 1915 – 10. Oktober 1985)

Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger

Wiederholung: Mittwoch, 30. September, 13.45 Uhr

Hinweise

Arte über Orson Welles

Fanseite über Graham Greene

Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)

Wikipedia über „Der dritte Mann“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ und den beiden Verfilmungen

Meine Besprechung von Carol Reeds „Ausgestoßen“ (Odd Man Out, Großbritannien 1947)

Meine Besprechung von Orson Welles’ “Im Zeichen des Bösen” (Touch of Evil, USA 1958)


TV-Tipp für den 27. September: Ein Mann für gewisse Stunden

September 27, 2015

Arte, 20.15
Ein Mann für gewisse Stunden (USA 1980, Regie: Paul Schrader)
Drehbuch: Paul Schrader
„American Gigolo“ Julian (Richard Gere) lebt in Los Angeles als Callboy für die Damen der Oberschicht. Das ist kein Problem, bis sich eine Politkergattin in ihn verliebt und er in ein Mordkomplott hineingezogen wird.
Für Richard Gere war der an der Kinokasse erfolgreiche Film der große Durchbruch als Schauspieler und Paul Schrader, der davor unter anderem das Drehbuch für „Taxi Driver“ schrieb, hatte als Regisseur plötzlich ein ganz anderes Standing in Hollywood.
Heute ist die Charakterstudie eines einsamen Mannes ein Klassiker, der damals allerdings von der Kritik nicht so geliebt wurde: „Paul Schrader hat so gut wie alle Möglichkeiten des Themas verschenkt. (…) Das Produkt verkommt in der Kulisse.“ (Fischer Film Almanach 1981) oder „Elegant inszeniert, mit überlegenswerten Zwischentönen, aber insgesamt in der Behandlung des Themas zu oberflächlich, kommt der Film über anspruchsvollere Unterhaltung nicht hinaus.“ (Lexikon des intenationalen Films)
Dabei ist Julian doch der Prototyp eines oberflächlichen Mannes, der sich (auch berufsbedingt) durch Äußerlichkeiten definiert und der in einer Welt des schönen Scheins lebt. Und Schraders Film eine Vorschau auf die achtziger Jahre.
2007 drehte Paul Schrader mit „The Walker – Ein Freund gewisser Damen“ ein Quasi-Remake/Fortsetzung. Woody Harrelson spielt darin den eleganten Beglücker älterer Damen.
Mit Richard Gere, Lauren Hutton, Hector Elizondo, Nina von Pallandt, Bill Duke
Wiederholung: Montag, 28. September, 14.00 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Ein Mann für gewisse Stunden“
Wikipedia über „Ein Mann für gewisse Stunden“ (deutsch, englisch)
Paul Schrader in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. September: James Dean – Ein Leben auf der Überholspur

September 26, 2015

ServusTV, 20.15
James Dean – Ein Leben auf der Überholspur (USA 2001, Regie: Mark Rydell)
Drehbuch: Israel Horovitz
Durchaus gelungenes Biopic über James Dean (8. Februar 1931 – 30. September 1955).
James Franco erhielt für sein Spiel einen Golden Globe.
mit James Franco, Michael Moriarty, Valentina Cervi, Enrico Colantoni, John Pleshette, Barry Primus
Wiederholung: Sonntag, 27. September, 15.35 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „James Dean“
Wikipedia über James Dean (deutsch, englisch) und „James Dean“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „The Twilight Zone“ – unheimliche Geschichten in der finalen Staffel

September 25, 2015

Nachdem in der vierten Staffel der legendären Serie „The Twilight Zone“ (USA 1959 – 1964) das Format von halbstündigen auf einstündige Geschichten (mit Werbung) verändert wurde, was nicht unbedingt zum Vorteil der Geschichten war, ist in der fünften und letzten Staffel der Serie (es gab später Wiederbelebungen und Kinofilme) wieder die Welt in Ordnung. Wenn man Intro, Rod Serlings Ansagen und den Abspann weglässt, wird in etwas über zwanzig Minuten eine unwahrscheinliche, immer spannende Geschichte, die fast immer ein ebenso überraschendes, wie überzeugendes Ende hat, erzählt. Meistens handelt es sich dabei um eine Science-Fiction- oder Horrorgeschichte.
Dabei ist die Auftaktepisode „Ein Leben für ein Leben“ (In Praise of Pip) eher schwach geraten. Im Mittelpunkt steht ein Spieler, der, als er erfährt, dass sein über alles geliebter Sohn in Vietnam im Sterben liegt, Gott um einen Tauschhandel bittet, während er schwerverletzt und von Visionen geplagt über einen Vergnügungspark stolpert. Da ist das Ende dann doch arg absehbar. Aber Jack Klugman darf schauspielerisch brillieren.
Die zweite Folge „Ein Halbschwergewicht aus Stahl“ (Steel) ist dann ein kleiner Klassiker, der 2011 als „Real Steel“ (Real Steel) wieder verfilmt wurde. Lee Marvin spielt einen Ex-Boxer und Box-Promoter, der – nachdem Boxkämpfe zwischen Menschen verboten sind und menschenähnliche Roboter gegeneinander kämpfen –, weil er das Geld braucht, als „Roboter“ gegen einen anderen Roboter in den Ring steigt.
Auch die dritte Folge „Porträt eines ängstlichen Mannes“ (Nightmare at 20.000 Feet), ebenfalls von Richard Matheson geschrieben, erhielt 1983 in dem Spielfilm „Unheimliche Schattenlichter“ (Twilight Zone: The Movie) ein von „Mad Max“ George Miller inszeniertes Remake. Es geht um einen von William Shatner gespielten Mann, der panische Flugangst hat. Als er während des Fluges aus dem Fenster blickt, sieht er ein koboldähnliches Wesen, einen Gremlin, auf der Tragfläche herumwerkeln. Das kann doch nur ein Alptraum sein.
Wie auch in den 33 anderen Geschichten aus der Dimension zwischen Licht und Schatten konfrontieren sie in jeder neuen Geschichte einen anderen Protagonisten mit seinen Ängsten oder Wünschen und einem Twist-Ende. Dabei fällt Robert Enricos Verfilmung von Ambrose Pierces Kurzgeschichte „Zwischenfall an der Eulenfluss-Brücke“ (Occurence at Owl Creek Bridge) aus dem Rahmen. Denn es ist eine französische Produktion, die für die US-Ausstrahlung bearbeitet wurde, während die anderen Geschichten alle für ein überschaubares Budget in Hollywood realisiert wurden. Auch von Regisseuren, die heute noch bekannt sind.
Don Siegel, Jacques Tourneur, Ida Lupino, Elliot Silverstein, Robert Butler, Richard C. Sarafian, Ted Post, Joseph M. Newman und Richard Donner inszenierten teils mehrere Episoden.
Wie immer schrieb Rod Serling die meisten Geschichten. Manchmal kam auch ein anderer Autor zum Zug. Neben dem schon erwähnten Richard Matheson waren das Charles Beaumont, Martin M. Goldsmith (der auch das Drehbuch für den Noir-Klassiker „Detour“ schrieb) und, am Anfang seiner Karriere, Earl Hamner, Jr. (der Erfinder der langlebigen TV-Serien „Die Waltons“ und „Falcon Crest“).
Und neben den schon erwähnten Schauspielern hatten Mickey Rooney, Telly Savalas, James Coburn, Warren Oates, Greg Morris, Patrick O’Neal, Michael Constantine, Jackie Cooper, Martin Landau, Barry Nelson (der allererste James-Bond-Darsteller), George Takei, John Mitchum, Robert Lansing und Don Gordon (okay, die beiden sind als Nebendarsteller, als Ich-kenne-das-Gesicht-aber-nicht-den-Namen, bekannt) prägnante Auftritte.
Am Ende wurden in fünf Jahren 156 Geschichten erzählt, die durchweg sehenswert sind und die heute immer noch als Schule für Autoren dienen können. Rod Serling, der Erfinder und Präsentator der Serie, schrieb insgesamt 92 Geschichten, vierzehn davon für die fünfte, aus 36 Geschichten bestehende Staffel.
Die Staffelbox ist mit Bonusmaterial, das sich dieses Mal vor allem auf die zahlreichen Audiokommentare konzentriert, gewohnt gut ausgestattet. Bei so einer alten Serie muss man sogar von überragend sprechen. Wie die aus der „Twilight Zone“ gekommene Serie.

The Twilight Zone - Staffel 5 - DVD-Cover

The Twilight Zone – Staffel 5 (The Twilight Zone, USA 1963/1964)
Erfinder: Rod Serling

DVD
Koch Media
Bild: 1.33:1 (4:3) (SW)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentare, isolierte Musikspure
Länge: 879 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „The Twilight Zone“ (deutsch, englisch)

The Rod Serling Memorial Foundation

PBS: American Masters: Rod Serling

The Guardian: Phelim O’Neill: Why The Twilight Zone puts today’ TV sci-fi to sham (7. Mai 2011)

Meine Besprechung von “The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 1″ (USA 1959/1960)

Meine Besprechung von “The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3” (USA 1961/1962)

Meine Besprechung von „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 4“ (USA 1963)

Die Doku „Rod Serling: The angry young Man of Hollywood“


TV-Tipp für den 25. September: 700 Meilen westwärts

September 25, 2015

ServusTV, 22.25

700 Meilen westwärts (USA 1975, Regie: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.

„Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks’ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‘Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt’, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)

mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart

Hinweise

Rotten Tomatoes über „700 Meilen westwärts“

Turner Classic Movies über „700 Meilen westwärts“

Wikipedia über „700 Meilen westwärts“ (deutsch, englisch)

Richard Brooks in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Life“ – einige Photographien von James Dean

September 24, 2015

Das ikonischen Bild von James Dean auf dem Times Square in New York, das als Plakat in vielen Wohnungen hing, ist bekannt.
Aber den Fotografen dürfte niemand kennen; was sich mit „Life“ ändern könnte. In dem Spielfilm erzählt Anton Corbijn die Geschichte hinter diesem und einigen anderen bekannten James-Dean-Bildern. Corbijn schoss, was sein Interesse an dieser Geschichte erklärt, selbst jahrelang ikonische Bilder von Stars, wie Herbert Grönemeyer, Depeche Mode und U2.
James Dean (8. Februar 1931 – 30. September 1955) war damals, nach einigen kleinen TV-Arbeiten und dem Dreh von Elia Kazans „Jenseits von Eden“, in den Augen des 26-jährigen Magnum-Fotograf Dennis Stock ein aufstrebender Star. Weil Stock (Robert Pattinson) dringend einen großen Auftrag brauchte, der seiner Karriere einen entscheidenden Schub verpassen sollte, überzeugte er seinen Chef, ihm bei dem legendären Life Magazine Platz für eine Bildstrecke über James Dean (Dane DeHaan) zu besorgen. Weil Dean sehr sprunghaft war, gestalteten sich die Fotografien schwierig. Sie wurden teils in New York und in Fairmount, Indiana, auf dem Bauernhof von Deans Onkel, wo er aufwuchs, gemacht.
Innerhalb von zwei Wochen schoss Stock einige Bilder, die im Life Magazine am Tag vor der Times-Square-Premiere von „Jenseits von Eden“ veröffentlicht wurden.
Trotz der gewohnt gut gestalteten Bilder, den guten Schauspieler, der guten Ausstattung und dem, als Nebenschauplatz, interessanten Porträt des Starkults und wie ein Schauspieler von Hollywood zu einem Star aufgebaut wird, ist „Life“ letztendlich ein banaler Film. Denn er erzählt einfach nur die Geschichte eines Foto-Auftrages, der sich, abgesehen von Deans schwieriger Persönlichkeit, nicht weiter von irgendeiner anderen journalistischen Auftragsarbeit unterscheidet. Schließlich war Stock kein Groupie, sondern ein Fotograf, der einige Bilder machen wollte, die er verkaufen konnte. Und Dean, der sich der Medienmaschine entziehen wollte, war intelligent genug, um zu wissen, dass er am Anfang einer großen Karriere stand. Das hatte ihm Jack Warner (Ben Kingsley) klar gemacht. Er konnte als Chef von Warner Bros. über seine künftigen Rollen und damit seine Karriere in Hollywood bestimmen.
Doch als Stock Dean fotografierte, ahnte niemand, dass er einige Monate später bei einem Autounfall sterben sollte. Auch in den USA waren die Premiere von „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“ erst nach seinem Tod.
Wie eigentlich immer bei Corbijn gerät die sehr sehenswerte Oberfläche überzeugender als der Inhalt. Denn dieser ist in seiner Nachstellung der damaligen Ereignisse, einer kleinen Episode, letztendlich nicht so wahnsinnig interessant.

Life - Plakat

Life (Life, Kanada/Deutschland/Österreich 2015)
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Luke Davies
mit Robert Pattinson, Dane DeHaan, Joel Edgerton, Alessandra Mastronardi, Stella Schnabel, Ben Kingsley
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Englische Fanseite zum Film
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Film-Zeit über „Life“
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Rotten Tomatoes über „Life“
Wikipedia über „Life“
Berlinale über „Life“
Meine Besprechung von Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) (DVD-Kritik)

Die Berlinale-Pressekonferenz