TV-Tipp für den 17. Juli: Chappie

Juli 16, 2024

Nitro, 20.15

Chappie (Chappie, USA/Mexiko 2014)

Regie: Neill Blomkamp

Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell

Schöne neue Welt: in Johannesburg räumen Polizeiroboter unter den Verbrechern auf. Das Law&Order-Programm läuft etwas aus dem Ruder, als ein Programmierer einem dieser Roboter zu einem denkenden Roboter machen und ein Kleingangsterpaar sich diesen kindlich naiven Roboter schnappt und ihn, uh, erzieht.

Neill Blomkamps „Robocop“-Version, die ohne Not all die politischen, moralischen, gesellschaftskritischen und ethischen Implikationen und Fragen zugunsten einer banalen, mit Filmzitaten, Gewalt und zwiespältigem Humor gewürzten Erziehungsgeschichte links liegen lässt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sharlto Copley, Dev Patel, Ninja, Yo-Landi Visser, Jose Pablo Cantillo, Sigourney Weaver, Hugh Jackman, Brandon Auret, Johnny Selema

Hinweise

Moviepilot über „Chappie“

Metacritic über „Chappie“

Rotten Tomatoes über „Chappie“

Wikipedia über „Chappie“ (deutsch, englisch) und „Die Antwoord“

All Music über „Die Antwoord“

Meine Besprechung von Neill Blomkamps „Chappie“ (Chappie, USA/Mexiko 2014)

Meine Besprechung von Neill Blomkamps „Gran Turismo“ (Gran Turismo, USA 2023)


TV-Tipp für den 16. Juli: Predestination

Juli 15, 2024

Tele 5, 20.15

Predestination (Predestination, Australien 2014)

Regie: Michael Spierig, Peter Spierig

Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig (aka The Spierig Brothers)

LV: Robert A. Heinlein: All you Zombies -, 1960 (Kurzgeschichte, Entführung in die Zukunft)

Ein Zeitreise-Agent soll in der Vergangenheit einen Anschlag verhindern. Auf seiner Mission trifft er als Barkeeper auf einen Mann, der früher eine Frau war und bei einem Raumfahrprojekt mitmachen sollte. Verwirrt?

Gut. Denn die Spierig-Brüder erzählen in „Predestination“ mit einem überschaubarem Budget, guten Ideen und einem straffem Drehbuch eine wundervoll verzwickte Zeitreise-Geschichte. Außerdem ist Ethan Hawke als Zeitreise-Agent und Barkeeper dabei.

Mehr in meiner ausführllichen Besprechung.

mit Ethan Hawke, Sarah Snook, Noah Taylor, Christopher Kirby, Christopher Sommers

Hinweise

Moviepilot über „Predestination“

Metacritic über „Predestiantion“

Rotten Tomatoes über „Predestination“

Wikipedia über „Predestination“ (deutsch, englisch) und Robert A. Heinlein (deutsch, englisch)

Homepage von Robert A. Heinlein

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Daybreakers“ (Daybreakers, Australien/USA 2009)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Predestination (Predestination, Australien 2014)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Winchester – Das Haus der Verdammten“ (Winchester, USA 2018)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Mondspuren“ (The Moon is a harsh Mistress, 1966; Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Revolte auf Luna“ und „Der Mond ist eine herbe Geliebte“)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Raumjäger“ (Have Space Suit – Will Travel, 1958; Frühere deutsche Veröffentlichungen als „Piraten im Weltraum“, „Kip überlebt auf Pluto“ und „Die Invasion der Wurmgesichter“)

Meine Besprechung von Robert A. Heinleins „Die Invasion“ ( The Puppet Masters, 1951; Frühere deutsche Übersetzungen als „Weltraum-Mollusken erobern die Erde“, „Die Marionettenspieler“)


TV-Tipp für den 15. Juli: Das Privatleben des Sherlock Holmes

Juli 14, 2024

Arte, 20.15

Das Privatleben des Sherlock Holmes (The private life of Sherlock Holmes, Großbritannien 1970)

Regie: Billy Wilder

Drehbuch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond

LV: Charaktere von Sir Arthur Conan Doyle

Köstliches Hommage an Sherlock Holmes und Doktor Watson. Damals ein ziemlicher Flop an der Kasse, heute ein Klassiker.

Billy Wilder zum Film: „In meinem Film habe ich mich bemüht, Holmes und Watson mit Respekt, aber ohne Ehrfurcht zu zeichnen. Die Geschichten enthalten viel Humorvolles, doch unsere tiefere Absicht war, die Beziehungen und die Freundschaft zwischen den beiden Männern in ihren früheren Jahren zu verdeutlichen…Holmes ist ein zivilisierter Mensch, ein Gentleman, der seine Fälle löst ohne solche fragwürdigen Methoden wie James Bond. Wenn Sie wollen, so mache ich hier einen ausgesprochenen Anti-Bond-Film.“

Mit Robert Stephens, Colin Blakely, Christopher Lee, Geneviève Page

Wiederholung: Montag, 22. Juli, 14.10 Uhr

Hinweise

Daily Script: Das Drehbuch

Rotten Tomatoes über „Das Privatleben des Sherlock Holmes“

Wikipedia über „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ (deutsch, englisch) und über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Sämtliche Werke in 3 Bänden“ (Die Erzählungen I, Die Erzählungen II, Die Romane) (3 Bände im Schuber)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Seine Abschiedsvorstellung“ (His last Bow, 1917)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle“ (The Case-Book of Sherlock Holmes, 1927)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von „Sherlock: Die Braut des Grauens“ (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Tv-Tipp für den 14. Juli: Das Böse unter der Sonne

Juli 13, 2024

3sat, 21.45

Das Böse unter der Sonne (Evil under the sun, Großbritannien 1982)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Agatha Christie: Evil unter the sun, 1941 (Das Böse unter der Sonne oder Rätsel um Arlena)

Hercule Poirot sucht den Mörder der Broadway-Diva Arlena Marschall. Er muss einer der Gäste des griechischen Nobelhotels sein.

Großes Staraufgebot, hübsche Kostüme, Musik von Cole Porter; Tendenz: gediegene Langeweile. Also genau das entspannende Alternativprogramm zum Finale der Fußball-EM.

Mit Peter Ustinov, Jane Birkin, James Mason, Colin Blakely, Roddy McDowall, Diana Rigg, Nicholas Clay, Sylvia Miles, Denis Quilley, Maggie Smith

Wiederholung: Montag, 15. Juli, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Böse unter der Sonne“

Wikipedia über „Das Böse unter der Sonne“ (deutsch, englisch) und über Agatha Christie (deutsch, englisch)

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von John Guillermins Agatha-Christie-Verfilmung “Tod auf dem Nil” (Death on the Nile, Großbritannien 1978)

Meine Besprechung von Michael Winners Agatha-Christie-Verfilmung „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenner Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“ (Crooked House, USA 2017) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, USA/Großbritannien 2022) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „A Haunting in Venice“ (A Haunting in Venice, USA 2023) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Agatha Christies „Weihnachten mit Agatha Christie – Alle Geschichten zum Fest“ (2023)


TV-Tipp für den 13. Juli: Tom of Finland

Juli 12, 2024

One, 21.45

Tom of Finland (Tom of Finland, Finnland 2017)

Regie: Dome Karukoski

Drehbuch: Aleksi Bardy

Seine Bilder von ziemlich nackten, muskelbepackten Männern in Leder und Uniform dürften immer noch allgemein bekannt sein. Aber wer zeichnete diese homoerotischen Bilder? Dome Karukoski erzählt in seinem inszenatorich konventionellem, dennoch sehr, sehr sehenswertem Biopic die Geschichte von Tom of Finland, bürgerlich Touku Laaksonen (1920 – 1991).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Pekka Strang, Lauri Tilkanen, Jessica Grabowsky, Seumas Sargent, Jakob Oftebro

Wiederholung: Montag, 15. Juli, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Tom of Finland“

Metacritic über „Tom of Finland“

Rotten Tomatoes über „Tom of Finland“

Wikipedia über „Tom of Finland“ (deutsch, englisch) und Tom of Finland (deutsch, englisch)

epd Film: Kurzes Interview mit Dome Karukoski über seinen Film

Meine Besprechung von Dome Karukoskis „Tom of Finland“ (Tom of Finland, Finnland 2017)

Meine Besprechung von Dome Karukoskis „Tolkien“ (Tolkien, USA 2019)


TV-Tipp für den 12. Juli: Everything Everywhere All at Once

Juli 11, 2024

ARD, 22.20

Everything Everywhere All at Once (Everything Everywhere All at Once, USA 2022)

Regie: Daniel Kwan, Daniel Scheinert

Drehbuch: Daniel Kwan, Daniel Scheinert

Evelyn Wang ist die gestresste Besitzerin eines Waschsalons, die zur Retterin des Multiversums werden muss.

TV-Premiere. Durchgeknallte Science-Fiction-Komödie, die im Kino ein Überraschungserfolg, Publikums- und Kritikerliebling war und etliche Preise gewann. Unter anderem sieben Oscars, unter anderem in den wichtigen Kategorien Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin und Bestes Originaldrehbuch.

Ein guter, inzwischen aber auch etwas überbewerter Film

mit Michelle Yeoh, Stephanie Hsu, Ke Huy Quan, James Hong, Jamie Lee Curtis, Jenny Slate, Harry Shum Jr.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Everything Everywhere All at Once“

Wikipedia über „Everything Everywhere All at Once“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Joseph Goebbels, Adolf Hitler und ihre Entourage: „Führer und Verführer“

Juli 11, 2024

Nach seinem grandiosen Spielfim-Making-of über Bertolt Brechts von Brecht geplanten Dreigroschenfilm, inszeniert Joachim A. Lang jetzt des Making-of des Dritten Reichs, das sich auf die sieben letzten Jahre konzentriert. Von dem Anschluss Österreichs im März 1938 bis zum Kriegsende im Mai 1945 wirft Lang einen Blick hinter die Kulissen der Macht. Er beobachtet Propagandaminister Joseph Goebbels, Reichskanzler Adolf Hitler, deren Familien und Vertraute, wie sie leben und ihre Macht inszenieren.

Dabei verknüpft Lang, ähnlich wie bei seinem vorheigen Film „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, nachgespielte Szenen, bei denen die Dialoge auf verbürgten Aussagen und Niederschriften basieren, mit selten gezeigten Archivaufnahmen und aktuellen Zeitzeugengesprächen. Strukturell und von seinem Aufbau ähnelt der so entstandene Spielfilm „Führer und Verführer“ einem Making-of, das Teil des Bonusmaterials einer DVD/Blu-ray ist. Durch diesen multiperspektivischen Zugang sind auch neue Erkenntnisse und überraschende Perspektiven möglich. Nach seinem „Dreigroschenfilm“ schien Lang der richtige Mann für die Aufgabe zu sein.

Das Ergebnis enttäuscht dann. Durchgehend wirkt „Führer und Verführer“ wie der kleine Bruder von Oliver Hirschbiegels „Der Untergang“, dem Kinohit über die letzten Tage des Dritten Reichs und Adolf Hitlers. Sicher, die Perspektive ist in Langs Film etwas anders, aber die handelnden Personen und die Ereignisse sind bekannt und dass sie im Privatleben vielleicht ganz nette, tier- und kinderliebende Menschen oder Zyniker, Karrieristen und Opportunisten oder tierliebende Opportunisten waren, ist jetzt kein großer Erkenntnisgewinn. Es ändert nichts am Bild, das wir von ihnen und ihren Taten haben. Es ist auch egal. Die Dialoge sind durchgehend papiernen und hölzern. Es sind Sätze, die jemand so in sein Tagebuch, einen Bericht oder eine Aussage schreibt, aber so niemals gesagt hätte. Die Figuren bleiben blass. Wir erfahren wenig über sie. Das liegt an der von Lang gewählten Methode, sie nur verbürgte Sätze sagen zu lassen. Aber einiges, vor allem bei Privatgesprächen, wird nie aufgeschrieben. Gleiches gilt für bestimmte Arbeitsgespräche; – also genau die Gespräche, die ein Drehbuchautor für einen Spielfilm erfindet und die etwas Wahres über die Figur enthüllen.

Langs Herangehensweise an den Stoff, die in „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ für einen angenehmen Verfremdungseffekt und viel Vergnügen sorgt (allein schon die Vorstellung, dass Brecht und seine Freunde sich nur in druckreifen Sentenzen unterhalten, ist ein Brüller), funktioniert in „Führer und Verführer“ nicht. Das Ergebnis ist dann nicht der von Lang angestrebte „ungeschminkte Blick ins Innere des Machtapparats“, sondern eine verunglücke Mischung aus einem Spielfilm mit schlechten Dialogen und unbeholfenem Reenactment.

Dazwischen scheitert die erhoffte Aufklärung über Propaganda. Lang zeigt, wie Goebbels sich und Hitler inszeniert. Er zeigt, wie Propaganda gemacht wird, auch wie sie funktioniert, um ein bestimmtes Bild der Ereignisse zu erzeugen, aber er zeigt nicht, warum sie beim Publikum funktioniert. Also warum Goebbels Propaganda bei den Deutschen so erfolgreich war.

Dazu kommt, dass die Bilder durchgehend eine billige, farbentsättigt-kränkliche Video-Ästhetik haben.

Führer und Verführer (Deutschland 2024)

Regie: Joachim A. Lang

Drehbuch: Joachim A. Lang

mit (den Schauspielern) Robert Stadlober, Fritz Karl, Franziska Weisz, Dominik Maringer, Moritz Führmann

(und den Zeitzeugen) Margot Friedländer, Elly Gotz, Ernst Grube, Charlotte Knobloch, Eva Szepesi, Eva Umlauf, Leon Weintraub

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Führer und Verführer“

Moviepilot über „Führer und Verführer“

Wikipedia über „Führer und Verführer“

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ (Deutschland 2018)

Ein am 24. Juni 2024 in Berlin mit wechselnden Podiumsgästen auf Deutsch (Teil 1) und Englisch (Teil 2 und 3) geführtes Gespräch zum Film in drei Teilen


Neu im Kino/Filmkritik: „To the Moon“ – Wie war das nochmal mit dem ersten Flug zum Mond?

Juli 11, 2024

Wir bringen einen Menschen auf den Mond. Nicht weil es einfach, sondern weil es schwierig ist, verkündet der US-amerikanische Präsident großspurig am Anfang der sechziger Jahre. Wie schwierig es ist, die Ankündigung innerhalb eines Jahrzehnts umzusetzen, zeigen die ersten Minuten von Greg Berlantis neuem Film „To the Moon“, der im Original den längeren und noch eindeutiger auf den gleichnamigen Song hinweisenden Titel „Fly me to the Moon“ hat.

NASA-Startdirektor Cole Davis (Channing Tatum) eilt am Kennedy Space Center von einer Katastrophe zur nächsten. Nichts funktioniert wirklich und er möchte unter keinen Umständen noch einmal, wie es 1967 bei Apollo 1 geschah, einige Männer in einer brennenden Raumkapsel verlieren. Dieses Mal soll kein Mann sterben. Für die geplante Mondlandung der Apollo 11 läuft zwar der Countdown, aber dass in einem halben Jahr, noch vor dem Ende des Jahrzehnts, wie Präsident John F. Kennedy es ankündigte, einige US-amerikanischen Astronauten den Mond betreten, erscheint ziemlich utopisch. Und die Öffentlichkeit scheint sich mehr für den Vietnamkrieg als für einige Möchtegern-Astronauten, die in Florida Trockenübungen machen, zu interessieren.

Da wird Cole die aus New York kommende PR-Frau Kelly Jones (Scarlett Johansson) vor die Nase gesetzt. Sie soll Wunder vollbringen können. Sie ist das komplette Gegenteil von Cole. Sie ist eine allen Männern den Kopf verdrehende, charmante Marilyn-Monroe-Blondine, die nur eine Mission hat: den Flug zum Mond an alle Amerikaner und die geldgebenden Politiker als eine große, die gesamte Gesellschaft begeisternde Mission zu verkaufen. Da werden Männer gecastet, um in Presseinterviews NASA-Angestellte zu verkörpern, während ihre realen Vorbilder zwei Meter weiter arbeiten. Da werden Drehbücher für die öffentlichen Auftritte geschrieben. Da werden Fotosessions anberaunt und alles getan, um eine Weltraumeuphorie zu entfachen. Am Ende werden die Astronauten auf jeder Cornflakes-Packung abgebildet sein und sie behaupten, bei ihrem Flug eine bestimmte Unterwäsche und bstimmte Uhren zu tragen. Die Grenze von harmlosen Flunkereien zu faustdicken Lügen überschreitet Kelly dabei mühelos. Schließlich ist ihr gesamtes Leben auf Lügen aufgebaut.

Wie die Geschichte ausgeht, wissen wir aus den Geschichtsbüchern (Apollo 11 landet am 20. Juli 1969 auf dem Mond und die ganze Welt schaut live zu) und dem RomCom-Regelwerk, nach dem Gegensätze sich anziehen, es vor dem finalen Kuss heftige Wortgefechte, Missverständnisse und Verwicklungen gibt. Das Rezept ist seit Jahrzehnten erfolgreich erprobt und ist aktuell im Kino mit RomComs wie „Wo die Lüge hinfällt“ wieder sehr beliebt.

Als mit deutlich über zwei Stunden zu lang geratene, fluffige Retro-RomCom, die gerade im letzten Drittel mit dem Projekt Artemis (dazu später mehr), ihren RomCom-Plot verliert und sich nie so wahnsinnig für die Comedy-Elemente ihrer Geschichte interessiert, unterhält „To the Moon“ angenehm kurzweilig. Es gibt wirklich schlechtere Optionen für die Flucht vor der Sommerhitze.

Zwei Punkte verleihen der ausgehend von der wahren Geschichte der Mondlandung munter drauflos fabulierenden Filmgeschichte eine seltsame Schlagseite. Beides wäre, unabhängig davon, wie die Geschichte endet, in der Art der Behandlung und dem Umfang für eine gelungene RomCom-Geschichte nicht nötig gewesen.

Das ist einmal das Projekt Artemis (später) und der Umgang mit Lügen oder, im heutigen Sprachgebrauch, Fake News. Kelly bekennt freimütig, dass sie lügt, um ihre Ziele zu erreichen und dass es ihr egal ist, ob sie aufgrund von Lügen oder mit der Wahrheit ihr Ziel erreicht. Eigentlich lügt sie ständig. Ihr ganzes Leben ist eine Lüge. Entsprechend mühelos kann der zwielichtige Regierungsbeamte Moe Burkus (Woody Harrelson) sie mit ihrer Vergangenheit und dem Versprechen, dass die Regierung ihre früheren Verfehlungen vollständig verschwinden lassen werde, erpressen. Sie ist eine notorische Lügnerin – und sie ist eine der beiden positiv besetzten Hauptfiguren.

Das zweite große Problem des Films ist das Projekt Artemis. Ursprünglich hieß der Film sogar „Project Artemis“.

Artemis ist im Film das Codewort für das ultrageheime Projekt einer gefakten Mondlandung. Es handelt sich dabei um eine schon oft widerlegte Verschwörungstheorie, die hier wieder zum Leben erweckt und mit etwas „wahrer Geschichte“-Patina veredelt wird.

In „To the Moon“ wird das Projekt mit einem unnötig kompliziertem und fehleranfälligem Plan in einer Halle neben der „Apollo 11“-Abschussrampe durchgeführt. Von den umfangreichen Vorbereitungen bekommt auf dem Weltraumbahnhof anscheinend niemand etwas mit. Dabei muss ein Set, das eine exakte Kopie des Mondes ist, aufgebaut werden. Ein gesamtes Filmteam und einige Schauspieler proben über Tage und Wochen den Ablauf der Mondlandung. Und Dutzende Geheimdienstler stehen in Anzügen und Sonnenbrillen tragend vor und in der NASA-Halle herum. Später, wenn Apollo 11 auf dem Mond landet, sollen der Welt nicht die Live-Aufnahmen von der Mondlandung, sondern die in dem Moment ebenfalls live inszenierten Bilder von der Fake-Landung gezeigt werden.

Natürlich sorgen die Proben und der sehr exaltierte Regisseur für einige Lacher. Später, wenn der Fake-Livestream in die echte Live-Übertragung eingespeist werden soll, sorgen Verwicklungen und, wie vor einigen Tagen bei „Quiet Place: Tag Eins“, eine Katze für spannende Momente. Aber wirklich spannend oder witzig ist dieser Teil nicht. Dafür ist diese eigentlich vollkommen absurde Geschichte viel zu ernsthaft und zu dröge erzählt.

Während der Film sich in seinem letzten Drittel ausführlich dem Projekt Artemis widmet, verschwindet die Liebesgeschichte zwischen Cole und Kelly vollständig aus dem Film. Dabei sollte es in dem Moment des Films nur noch darum gehen. Stattdessen wird ein Film im Film oder eine eigenständige Episode einer TV-Serie gezeigt, die man getrost überspringen kann, weil in der episodenübergreifenden Haupthandlung nichts wesentliches passiert.

Die Art, wie beides über weite Strecken des Films im Rahmen einer vor einem exakt bestimmtem historischen Hintergrund spielenden RomCom thematisiert wird, wirkt dann, auch und vor allem in den heutigen USA, schon wie eine Rechtfertigung zum Ignorieren von Fakten, zum Lügen um egoistische Ziele zu erreichen und wie eine Beglaubigung einer populären Verschwörungstheorie. Denn, so der Film, auch wenn die Mondlandung stattfand, hat die Regierung doch geplant, der Bevölkerung eine Version der Mondlandung zu zeigen, bei der die Mondlandung in jedem Fall erfolgreich stattfand.

Das verleiht der eigentlich harmlosen, allen Gefallen wollenden Wir-wollen-nur-unseren-Spaß-haben-RomCom einen seltsamen und vollkommen unnötigen Beigeschmack.

P. S.: Echte Bilder von der „Apollo 11“-Mission gibt es in Todd Douglas Millers überwältigendem Dokumentarfilm „Apollo 11“ (Apollo 11, USA 2019). Unbedingt sehenswert auf der großen Leinwand.

To the Moon (Flym me to the Moon, USA 2024)

Regie: Greg Berlanti

Drehbuch: Rose Gilroy (nach einer Geschichte von Bill Kirstein und Keenan Flynn)

mit Scarlett Johansson, Channing Tatum, Woody Harrelson, Nick Dillenburg, Anna Garcia, Jim Rash, Noah Robbins, Colin Woodell, Christian Zuber, Donald Elise Watkins, Ray Romano

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „To the Moon“

Metacritic über „To the Moon“

Rotten Tomatoes über „To the Moon“

Wikipedia über „To the Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Greg Berlantis „Love, Simon“ (Love, Simon, USA 2018)


TV-Tipp für den 11. Juli: La Belle Saison – Eine Sommerliebe

Juli 10, 2024

WDR, 23.00

La belle saison – Eine Sommerliebe (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss

1971 trifft die 23-jährige Delphine in Paris die Aktivistin Carole. Sie verlieben sich ineinander. Aber dann muss Delphine zurück auf den Hof ihrer Eltern. Carole folgt ihr in eine für sie vollkommen fremde Welt.

Wunderschöne, politisch grundierte Sommerromanze, die auch viel über die frühen Siebziger Jahre in Frankreich erzählt

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cécile de France, Izïa Higelin, Noémi Lvovsky, Kévin Azais, Laetitia Dosch, Benjamin Bellecour

Hinweise

Moviepilot über „La belle saison“

Rotten Tomatoes über „La belle saison“

Wikipedia über „La belle saison“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Catherine Orsinis „La belle saison – Eine Sommerliebe“ (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „In den besten Händen“ (La Fracture, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von Catherine Corsinis „Rückkehr nach Korsika“ (Le retour, Frankreich 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ – 3 – 2 – 1 – Minions im Anmarsch

Juli 10, 2024

Nach einer längeren Pause – die vorherigen „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filme erschienen 2010, 2013 und 2017 – geht es mit dem Superschurken Gru und den Minions weiter im Kino. Wobei, das wollen wir hier nicht verschweigen, die Minions 2015 und 2022 eigene Kinofilme hatten.

Dieses Mal beginnt die „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmgeschichte auf der Wiedersehensfeier der Klasse von 1985 der Schurkenschule. Gru und der auf Rache sinnende Maxime Le Mal geraten aneinander. Danach wird Gru von Silas Ramspopo, dem Chef der Anti-Verbrecher-Liga, in ein Zeugenschutzprogramm genommen. Zusammen mit seiner Familie – seiner Frau Lucy, seinen Töchter Margo, Edith und Agnes und Baby Gru Junior, dem jüngsten Mitglied der Familie – und den Minions wird Gru in der lauschigen All-American-Vorstadt Mayflower versteckt. Umzingelt sind sie von netten Nachbarn, harmlosen Vergnügen und den Annehmlichkeiten des Kleinstadtlebens.

Mit der Vorstadt-Ruhe ist es spätestens vorbei, als Maxime Le Mal Gru Junior entführt.

Geschrieben und inszeniert wurde der vierte „Ich – Einfach unverbesserlich“-Animationsfilm von Männern, die von Anfang an dabei sind. Regisseur Chris Renaud inszenierte den ersten „Ich – Einfach unverbesserlich“-Film. Co-Regisseur Patrick Delage gibt hier sein Spielfilmdebüt. Bei den ersten beiden „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen arbeitete er in leitender Position in der Animations-Abteilung. Drehbuchautoren Mike White ist ein Neuzugang. Er schrieb vorher unter anderem für „School of Rock“ und „Im Zweifel glücklich“ die Drehbücher. Dafür ist Ken Daurio von der esten Stunde an dabei. Mit unterschiedlichen Schreibpartnern schrieb er alle „Ich – Einfach unverbesserlich“-Drehbücher. Sie wissen also, was die zahlreichen Fans von einem „Ich – Einfach unverbesserlich“-Film erwarten.

Kaum haben die Macher die Prämisse etabliert und die Gru-Familie im Zeugenschutzprogramm versteckt, beginnen sie mit dem Erzählen etlicher mehr oder weniger vergnüglicher Subplots und Episoden über Anpassungsprobleme in der Kleinstadt und die Mega Minions. Das alles bringt den Hauptplot nicht voran, sondern füllt nur die Zeit bis zum Schlusskampf zwischen Gru und Maxime Le Mal.

Zum Glück laufen die Minions, diese Truppe gutwilliger, aber untalentierter Helfer, öfter durchs Bild und bieten köstlich-sinnfreien, boshaften Slapstick-Humor. Aber auch sie können „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ nicht vor dem Schicksal einer selbstgenügsamen Nummernrevue retten.

Ich – Einfach unverbesserlich 4 (Despicable Me 4, USA 2024)

Regie: Chris Renaud, Patrick Delage (Co-Regie)

Drehbuch: Mike White, Ken Daurio

mit (im Original den Stimmen von) Steve Carell, Kristen Wig, Pierre Coffin, Joey King, Miranda Cosgrove, Stephen Colbert, Sofia Vergara, Steve Coogan, Chris Renaud, Will Ferrell

(in der deutschen Fassnung mit den Stimmen von) Oliver Rohrbeck, Martina Hill, Lana Finn Marti, Jens „Knossi“ Knossalla

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ich – Einfach unverbesserlich 4“

Metacritic über „Ich – Einfach unverbesserlich 4“

Rotten Tomatoes über „Ich – Einfach unverbesserlich 4“

Wikipedia über „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kyle Balda/Brad Ableson (Co-Regie)/Jonathan del Vals (Co-Regie) „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ (Minions: The Rise of Gru, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Isabelle Huppert ist „Madame Sidonie in Japan“

Juli 10, 2024

Als in Japan ihr vor vierzig Jahren erschienenes Erstlingswerk neu verlegt wird, wird Sidonie Perceval (Isabelle Huppert) von ihrem Verleger Kenzo (Tsuyoshi Ihara) eingeladen für eine Lesetour und einige Pressetermine. Er ist, wie sie bei ihrer Ankunft in Japan erstaunt feststellt, ein etwas seltsamer Kleinverleger. Aber die gefeierte französische Schriftstellerin ist auch etwas seltsam. Eigentlich wollte sie nicht nach Japan fliegen. Mit ihrem neuen Buch kommt sie nicht voran. Sie trauert immer noch um ihren verstorbenen Mann Antoine (August Diehl). Der taucht plötzlich quicklebendig in ihrem Hotelzimmer auf.

Madame Sidonie in Japan“ ist eine nette kleine, sich für ihre Figuren Zeit nehmende Komödie über das sehr freundlichen Aufeinandertreffen von japanischer und französischer Kultur zwischen Verbeugungen und der Frage, wer Sidonies Tasche trägt. Es gibt einen manchmal etwas kindischen, immer harmlosen Geist, etwas Liebe und einige nicht allzu tiefschürende Einblicke in den Literaturbetrieb, während im Hintergrund die japanische Landschaft vorbeizieht. Dabei sind, wenn Antoine als Geist auftaucht oder wenn Sidonie und Kenzo nebeneinander im Auto sitzen, die Spezialeffekte in Élise Girards drittem Kinofilm so betont offensichtlich, dass sie schon wieder einen Retro-Charme versprühen. Und irgendwann kommen Sidonie und ihr schweigsamer Verleger Kenzo, der nach der Scheidung sehr melancholisch wurde, sich bei den langen Autofahrten und Spaziergängen näher. Das sorgt am Filmende für eine Szene, die man so in dieser harmlosen Low-Key-Komödie nicht erwartet hätte.

Madame Sidonie in Japan (Sidonie au Japon, Frankreich/Deutschland/Japan/Schweiz 2023)

Regie: Élise Girard

Drehbuch: Maud Ameline, Élise Girard, Sophie Fillières

mit Isabelle Huppert, Tsuyoshi Ihara, August Diehl

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Madame Sidonie in Japan“

Moviepilot über „Madame Sidonie in Japan“

AlloCiné über „Madame Sidonie in Japan“

Rotten Tomatoes über „Madame Sidonie in Japan“

Wikipedia über „Madame Sidonie in Japan“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 10. Juli: I, Tonya

Juli 9, 2024

Arte, 20.15

I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Steven Rogers

Schön schwarzhumorige, auf wahren Ereignissen basierende Satire auf den American Way of Life: White-Trash-Eiskunstläuferin Tonya Harding kämpft um ihren Platz auf dem Siegerpodest. Nicht immer mit legalen Mitteln.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace

Hinweise

Moviepilot über „I, Tonya“

Metacritic über „I, Tonya“

Rotten Tomatoes über „I, Tonya“

Wikipedia über „I, Tonya“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „I, Tonya“

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Dumb Money – Schnelles Geld“ (Dumb Money, USA 2023)


TV-Tipp für den 9. Juli: Tatort: Zabou

Juli 8, 2024

WDR, 23.40

Tatort: Zabou (Deutschland 1986)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Martin Gies, Axel Götz

Roman zum Film: Martin Gies: Zabou, 1987

Dieses Mall will der Duisburger Kommissar Schimanski einen großen Drogenhändler überführen und die titelgebende Zabou, die Tochter einer Ex-Freundin, aus dem kriminellen Drogenmilieu retten. Dummerweise will sie nicht von ihm gerettet werden.

Die Euphorie der damaligen Kritik hielt sich in überschaubaren Grenzen: „Seine Ruhrpott-Mentalität, seine Originalität und seine Macken (…) geraten in den durch Action & Action aufgemotzten Kino-Spielfilmen zur Profillosigkeit“ (Fischer Film Almanach 1988)

„Die Geschichte ist an keiner Stelle glaubwürdig (eine junge Frau von Anfang Zwanzig als kaltschnäuzige Chefin einer Dealerbande!), die Stunts und Crashszenen sind rührend amateurhaft ausgeführt, und Schimanskis blauäugiges Beharren, die kleine Connie/Zabou aus dem Drogensumpf rauszuziehen, wirkt schlicht peinlich.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Hajo Gies: „’Zabou‘ war für mich die Geschichte eines Mannes, der die Wahrheit ignoriert und nur das wahrnimmt, was er wahrnehmen will. Er lebt in einer Traumwelt“ (Interview, in Eike Wenzel, Hrsg.: Ermittlungen in Sachen TATORT, 2000)

mit Götz George, Eberhard Feik, Claudia Messner, Wolfram Berger, Hannes Jaenicke, Ralf Richter, Dieter Pfaff, Klaus Lage

Hinweise

Filmportal über „Tatort: Zabou“

Wikipedia über „Tatort: Zabou“

Horst-Schimanski-Fanseite

ARD über den „Tatort“


TV-Tipp für den 8. Juli: French Connection – Brennpunkt Brooklyn

Juli 7, 2024

Arte, 21.45

French Connection – Brennpunkt Brooklyn (The French Connection, USA 1971)

Regie: William Friedkin

Drehbuch: Ernest Tidyman

LV: Robin Moore: The French Connection, 1969 (Heroin Cif New York)

Die beiden Polizisten Popeye Doyle (Gene Hackman) und Buddy Russo (Roy Scheider) verfolgen Drogenschmuggler, die aus Frankreich eine große Menge Rauschgift in die USA schmuggeln wollen.

Zeitloser, hochspannender, vor Ort gedrehter Genre-Klassiker, der auf einem wahren Fall beruht.

Der Thriller erhielt unter anderem den Edgar-Allan-Poe-Award und fünf Oscars (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle und Schnitt).

Mit Gene Hackman, Roy Scheider, Fernando Rey, Tony LoBianco, Marcel Bozzufi

Hinweise

Rotten Tomatoes über „French Connection“

Wikipedia über „French Connection“ (deutsch, englisch)

Mein Nachruf auf Willliam Friedkin


TV-Tipp für den 7. Juli: Last Night in Soho

Juli 6, 2024

RTL II, 00.20

Last Night in Soho (Last Night in Soho, Großbritannien 2021)

Regie: Edgar Wright

Drehbuch: Edgar Wright, Krysty Wilson-Cairns (nach einer Geschichte von Edgar Wright)

Das schüchterne Landei Eloise will im heutigen London studieren. Sie quartiert sich in Soho im Haus von Miss Collins ein. In der ersten Nacht in dem Haus träumt von den wilden sechziger Jahren in Soho. Und sie wird in einen damals geschehenen Mordfall verwickelt.

TV-Premiere – aus keinem ersichtlichen Grund zu nachmitternächtlicher Stunde. Gelungener Mystery-Horror-Thriller zwischen Wahn und Wirklichkeit und mit einer Lösung die nur funktioniert, weil die Figuren sich vorher wie Idioten verhalten.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Thomasin McKenzie, Anya Taylor-Joy, Matt Smith, Diana Rigg, Terence Stamp, Rita Tushingham, Synnøve Karlsen, Michael Ajao, Jessie Mei Li, Kassius Nelson, Rebecca Harrod

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Last Night in Soho“

Metacritic über „Last Night in Soho“

Rotten Tomatoes über „Last Night in Soho“

Wikipedia über „Last Night in Soho“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The World’s End“ (The World’s End, Großbritannien 2013)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Baby Driver“ (Baby Driver, USA 2017)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The Sparks Brothers“ (The Sparks Brothers, USA 2021)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Last Night in Soho“ (Last Night in Soho, Großbritannien 2021)


TV-Tipp für den 6. Juli: Krieg der Welten

Juli 5, 2024

ZDFneo, 20.15

Krieg der Welten (War of the Worlds, USA 2005)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Josh Friedman, David Koepp

LV: H. G. Wells: The War of the Worlds, 1898 (Der Krieg der Welten)

Aliens wollen die Menschheit vernichten und Hafenarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) stolpert mit seinen Kindern, die er retten will, durch ein sich in Auflösung befindendes Land. Denn die Aliens sind unbesiegbar.

Extrem düsterer, von 9/11 beeinflusster Science-Fiction-Film von Steven Spielberg.

Beginn eines langen Steven-Spielberg-Abends. Danach, um 22.00 Uhr, zeigt ZDFneo „A. I. – Künstliche Intelligenz“ (USA 2001) und um 00.15 Uhr „München“ (USA 2005).

mit Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, Amy Ryan

Hinweise

Moviepilot über „Krieg der Welten“

Metacritic über „Krieg der Welten“

Rotten Tomatoes über „Krieg der Welten“

Wikipedia über „Krieg der Welten“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Hanna Slaks schweigsames Drama „Kein Wort“

Juli 5, 2024

Eigentlich hat die alleinerziehende Dirigentin Nina Palčeck (Maren Eggert) dafür keine Zeit. Sie probt mit ihrem Orchester ein Stück, das in wenigen Tagen aufgeführt werden soll. Eine erfolgreiche Aufführung könnte ein wichtiger Schritt in ihrer weiteren Karriere sein. Aber ihr Sohn Lars (Jona Levin Nicolai) hat sich in der Schule aus einem Fenster gestürzt. Der Fenstersturz des Teenagers war offensichtlich kein Unfall, sondern irgendetwas zwischen einem gescheitertem Suizidversuch und einem Hilferuf.

Um ihm zu helfen und um ihre erkaltete Beziehung zu verbessern, nimmt sie sich einige Tage frei. Gemeinsam fahren sie – inzwischen ist der halbe Film um – von München nach Frankreich.

Dort wollen sie mitten im Winter in der Bretagne auf der Insel, auf der sie früher ihre Sommerurlaube verbrachten, ihre Probleme lösen.

In ihrem neuen Film „Kein Wort“ erzählt Hanna Slak von einer dysfunktionalen Mutter-Sohn-Beziehung. Sie reden kaum miteinander. Sie reden auch nicht mit jemand anderem übereinander oder suchen Rat bei Experten. Das führt dazu, dass in dem gesamten Film, wie der Titel erahnen lässt, wenig gesprochen wird.

Nina und Lars schweigen sich bedeutungsvoll an. Derweil überlassen sie dem Publikum das Zusammenpuzzeln der gar nicht so schwierigen Zusammenhänge. Eigentlich ist alles von der ersten Minute an ziemlich offensichtlich, aber Regisseurin Hanna Slak macht ein großes Geheimnis daraus, was an Lars‘ Schule geschah und wie Lars in den Tod seiner Schulkameradin involviert ist. Auch sonst bleibt vieles mehr oder weniger nebulös. Und der halbe Film basiert auf der Prämisse, dass Nina nichts von dem großen Unglück an der Schule mitbekommen hat.

Die sich daraus ergebende Schweigespirale, die Eskalation zwischen Mutter und Sohn auf der Insel und wie sie versuchen, sich durch die Restaurierung eines verlassen am Strand vor sich hin rottenden Bootes wieder näherzukommen, verläuft dann genau so, wie man es sich vorher dachte.

Mit 87 Minuten ist „Kein Wort“ ein ziemlich kurzer Film, der sich deutlich länger anfühlt.

Kein Wort (Deutschland/Frankreich/Slowenien 2023)

Regie: Hanna Slak

Drehbuch: Hanna Slak

mit Maren Eggert, Jona Levin Nicolai, Maryam Zaree, Juliane Siebecke, Marko Mandić, Mehdi Nebbou, Gina Haller, Yura Yang

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Kein Wort“

Moviepilot über „Kein Wort“

Rotten Tomatoes über „Kein Wort“


Neu im Kino/Filmkritik: Über das Biopic „Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre“

Juli 5, 2024

Nein, einen solchen Film hat Abbé Pierre nicht verdient.

Abbé Pierre, bürgerlich Henri Antoine Grouès (1912 – 2007), ist in Frankreich ein Nationalheiliger. Dreißig Jahre lang, bis er 2005 darum bat, nicht mehr in die Liste aufgenommen zu werden, führte er die Liste der beliebtesten Franzosen an. Er gründete die weltweit tätige Emmaus Stiftung. Sie bekämpft Armut und Obdachlosigkeit. Dabei folgt sie dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.

Er stammt aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Mit zwanzig Jahren schließt er sich den Kapuzinern an. 1938 wird er zum Priester geweiht. Aus gesundheitlichen Gründen muss er das Ordensleben aufgeben. Im Zweiten Weltkrieg ist er Mitglied der Résistance und Fluchthelfer. Aus dieser Zeit stammt sein Pseudonym Abbé Pierre. Nach dem Krieg gründet er die Wohltätigkeitsorganisation Emmaus.

Zur nationalen und später weltweiten Berühmheit wird er im Winter 1953/54. Während einer Kältewelle erfrieren auf den Staßen von Paris viele Menschen elendig. Über Radio Luxemburg appelliert er an seine Landsleute. Der vom Herzen kommende, bewegende Aufruf löst eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Später wird, ausgehend von seiner Initiative, ein großes staatliches Wohnungsbauprogramm verabschiedet.

2007 stirbt er in Paris.

Das sind die biographischen Eckdaten, an denen Frédéric Tellier sich in seinem Biopic „Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre“ entlanghangelt. Sein Film ist ein biederes, chronologisch erzähltes Biopic, das beim Abhandeln wichtiger Lebensstationen konsequent an der Oberfläche bleibt.

Die für Abbé Pierre prägenden Momente – seine Zeit bei dem Kapuzinerorden, seine Erlebnisse im Krieg in der Résistance, sein Kampf gegen Armut und Obdachlosigkeit nach dem Krieg und vor allem im Winter 1953/54 – werden in der ersten Hälfte des hundertvierzigminütigen Films durchaus spannend und konzentriert abgehandelt. Seine Kindheit und Jugend werden ignoriert.

Aber dann ist da noch die zweite Hälfte des hundertvierzigminütigen Films. Die letzten sechzig Minuten sind eine einzige Aneinanderreihung von Epilog-Szenen, die ihn mal hier, mal da zeigen. Fast jede dieser Szenen könnte problemlos aus dem Film geschnitten werden (Was bringt es uns, zu erfahren, dass er keine Ahnung von Popkultur hat?) oder der Abspann könnte nach ihr beginnen. Fast immer ist unklar, warum Tellier unbedingt diese Episode aus dem Leben von Abbé Pierre in seinem Biopic haben wollte. Exemplarisch sei hier auf einen Auftritt von Abbé Pierre 1992 in einer Talkshow verwiesen, in der er sich unter anderem wortgewaltig gegen Jean-Marie Le Pen äußert. Warum Tellier ausgerechnet diesen Auftritt auswählte, bleibt unklar.

Was Abbé Pierre, außer dem Kampf gegen Armut, angetrieben hat, ob und welche Gewissenskonflikte er hatte, wie sehr sein Glauben sein Leben beeinflusste, das wird nur auf der alleroberflächlichsten Ebene abgehandelt. Etwaige Konflikte in der Emmaus Stiftung werden in einer Szene abgehandelt. Abbé Pierre bleibt dabei durchgehend ein von starken Überzeugungen getriebener, rechtschaffener und wortgewaltiger Heiliger.

Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre“ ist ein um eine Stunde zu lang geratenes 08/15-Biopic, das am Ende noch nicht einmal die Lektüre des Wikipedia-Artikels ersetzt. Er und sein Werk hätten einen besseren Film verdient gehabt.

Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre (L’Abbé Pierre: Une vie de combats, Frankreich 2023)

Regie: Frédéric Tellier

Drehbuch: Frédéric Tellier, Olivier Gorce

mit Benjamin Lavernhe, Emmanuelle Bercot, Michel Vuillermoz, Antoine Laurent, Alain Sachs, Chloé Stefani, Malik Amraoui

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre“

AlloCiné über „Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre“

Rotten Tomatoes über „Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre“

Wikipedia über „Ein Leben für die Menschlichkeit – Abbé Pierre“ (englisch, französisch) und Abbé Pierre (deutsch, englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Der Hit Man erlebt „A Killer Romance“

Juli 5, 2024

In seinem Hauptberuf ist Gary Johnson (Glen Powell) Psychologie-Professor. Er sieht, obwohl sein Studium schon lange zurückliegt, immer noch wie ein sympathisch verpeilter Philosophie-Student aus, der keinerlei Wert auf sein Äußeres legt. Auch sein Auto und seine Wohnung strahlen immer noch einen studentischen Flair aus. Gary ist die menschgewordene Wohlfühlzone.

In seinem Nebenberuf ist er ein Killer, ein Hit Man, der für Geld andere Menschen umbringt. Das sagt er jedenfalls zu seinen Klienten, die ihn mit einem Mord beauftragen und ihm dafür Geld geben. Danach werden sie verhaftet. Denn Gary ist ein Undercover-Agent der Polizei von New Orleans. Das wurde er eher zufällig. Davor half er der Polizei bei der Technik und alle mögen den sympathischen Lehrer. Als bei einem geplanten Undercover-Einsatz der eigentlich zuständige Beamte verhindert ist, wird Gary von den anderen Polizisten gedrängt, schnell einzuspringen. Er tut es. Er improvisiert. Er kann genug Beweise für eine Verhaftung sammeln. Weil er so überzeugend agierte, wird er für weitere Einsätze engagiert.

Schnell professionalisiert er seine Auftritte als Killer. Wie ein Method Actor fühlt er sich in verschiedene Killertypen ein, rekreiert bekannte Killer nach und er wird zu dem Killertyp, den der Auftraggeber wahrscheinlich mit der Tat beauftragen würde.

Das funktioniert alles prächtig, bis Gary auf Madison Masters (Adria Arjona) trifft. Sie möchte, dass er ihren gewalttätigen Mann ermordet. Aber dieses Mal nimmt er nicht das Geld und liefert sie der Justiz aus, sondern er verliebt sich in sie. Und sie verliebt sich in ihn; also in den vom ihm für sie gespielten Killer. Und schon beginnen die Probleme.

In dem Moment wandelt Richard Linklaters neuer, äußerst entspannt erzählter Film sich von einer Krimikomödie mit der Betonung auf Komödie in eine Noir-Liebesgeschichte.

Gary Johnson gab es wirklich. In den späten neunziger Jahren war er in und um Houston ein Lehrer (Teilzeit), städtischer Angestellter und der Mann, der für die Polizei als angeblicher Killer zahlreiche Täter überführte.

Richard Linklater verlegte die Geschichte in die Gegenwart, veränderte den Handlungsort und nahm sich weitere künstlerische Freiheiten. Entstanden ist eine wunderschön entspannte, leicht subversive, schwarzhumorige Krimikomödie, die immer mal wieder ihren Plot verliert. Aber das gleicht sie durch ihr spielfreudiges Ensemble aus. Im Mittelpunkt steht dabei der von Glen Powell gespielte Gary Johnson. „A Killer Romance“ ist die vierte Zusammenarbeit von Powell und Linklater. Er spielte in Linklaters Filmen „Fast Food Nation“, „Everybody Wants Some!!“ und „Apollo 10 ½: Eine Kindheit im Weltraumzeitalter“ mit. Im Geschäft ist der 1988 geborene Schauspieler seit über zwanzig Jahren. Seit 2003 spielte er, meistens unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit, in zahlreichen TV-Serien und Filmen, wie „The Dark Knight rises“ (als Trader #1), „The Expendables 3“, „Ride Along: Next Level Miami“ und „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ und „Deine Juliet“, mit. Jetzt ist er, dank der Hits „Top Gun: Maverick“ und „Wo die Lüge hinfällt“ auf dem Weg zum Star. Sein nächster Film ist das Blockbuster-Spektakel „Twister“. In „A Killer Romance“ zeigt er seine Wandlungsfähigkeit und dass er ein Gespür für gute Stoffe hat.

Und Richard Linklater hat mal wieder einen richtig guten Film gedreht.

A Killer Romance (Hit Man, USA 2023)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Richard Linklater, Glen Powell

LV: Skip Hollandsworth: Hit Man, 2001 (Texas Monthly, Reportage)

mit Glen Powell, Adria Arjona, Retta, Austin Amelio, Molly Bernard, Sanjay Rao

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „A Killer Romance“

Metacritic über „A Killer Romance“

Rotten Tomatoes über „A Killer Romance“

Wikipedia über „A Killer Romance“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood erklärt einen eindeutigen Sieg für die Fantasie

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Bernadette“ (Where’d you go, Bernadette, USA 2019)

Richard Linklater in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 5. Juli: Female Agents – Geheimkommando Phoenix

Juli 4, 2024

BR, 22.50

Female Agents – Geheimkommando Phoenix (Les femmes de l’ombre, Frankreich 2008)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud

Frankreich, 1944: fünf Frauen sollen einen britischen Geologen, bevor er einem SS-Oberst in die Hände fällt, aus Frankreich herausschleusen.

Starbesetzter Thriller, der es bei uns, wie Salomés und Vachauds vorheriger, ebenfalls sehenswerter Abenteuerthriller „Arsène Lupin“, nur auf DVD erschien.

„Auf Ausstattung und Spannung setzendes Kriegs- und Agentendrama, das sich erfolgreich um eine Balance zwischen anspruchsvollem Unterhaltungskino und einer Würdigung der Nazi-Opfer bemüht.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Das übliche Agentenfilmgenre wird hier doppelt gebrochen: (…) Obwohl der Film am Ende pathetisch den französischen Résistance-Kämpferinnen huldigt, ist er weniger ein Kriegsdrama denn ein auf Spannung getrimmter Thriller. Das hat er durchaus mit „Operation: Walküre“ gemein.“ (Die Welt)

„it’s all played with gusto and it’s actually a more enjoyable piece of work than Paul Verhoeven’s much-praised wartime drama Black Book.“ (Guardian)

„an old-fashioned period adventure that radiates star wattage but doesn’t exactly shine in the script department. A sort of „Girls With Guns 2“ for helmer Jean-Paul Salome, pic has a slick look and exciting WWII setting that help plaster over its generic feel and generally one-note performances („Look determined!“ must have been Salome’s chief instruction).“ (Variety)

mit Sophie Marceau, Julie Depardieu, Marie Gillain, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch

Hinweise

AlloCiné über „Female Agents“

Rotten Tomatoes über „Female Agents“

Wikipedia über „Female Agents“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Die Gewerkschafterin“ ( La Syndicaliste, Frankreich/Deutschland 2022)