Neu im Kino/Filmkritik: Über den Anime „Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim“

Dezember 14, 2024

183 Jahre vor den Ereignissen der allseits bekannten „Der Herr der Ringe“-Filmtrilogie, also so lange vor den in „Der Herr der Ringe“ geschilderten Kämpfen und Intrigen, dass keinerlei Wissen darüber nötig ist, fand die titelgebende Schlacht der Rohirrim statt.

In einem Faustkampf tötet Helm Hammerhand, der König von Rohan, den Fürst der Dunländer. Sein Sohn Wulf sinnt auf Rache. Ein erbarmungslos geführter und für beide Seite verlustreicher Krieg zwischen den beiden Häusern beginnt. Irgendwann sind die Dunländer gezwungen, sich in der alten, uneinnehmbaren Festung Homburg, die später Helms Klamm heißt, zu verschanzen.

In dem Kampf zwischen den beiden Fürstenhäusern hat Helms Tochter Héra eine entscheidende Rolle

Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim“ ist ein recht flott erzählter, aber mit deutlich über zwei Stunden auch zu lang geratener Mittelalterfilm, in dem sich verschiedene, sehr nordisch aussehende Herrscherhäuser bekriegen. Erzählerisch bewegt sich alles, auch wenn dieses Mal eine Frau eines der Heere anführt, in den gewohnten Bahnen.

Für „Herr der Ringe“-Fans gibt es natürlich einige Easter Eggs.

Regisseur Kenji Kamiyama inszeniete auch mehrere Episoden derTV-Serien „Blade Runner: Black Lotus“ und „Ghost in the Shell – Stand Alone Complex“.

Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim (The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim, USA/Japan/Neuseeland 2024)

Regie: Kenji Kamiyama

Drehbuch: Jeffrey Addiss, Will Matthews, Phoebe Gittins, Arty Papageorgiou (nach einer Geschichte von Jeffrey Addiss, Will Matthews und Philippa Boyens, basierend auf Figuren von J. R. R. Tolkien)

mit (im Original den Stimmen von) Brian Cox, Gaia Wise, Luke Pasqualino, Miranda Otto, Lorraine Ashbourne, Yazdan Qafouri, Benjamin Wainwright, Laurence Ubong Williams

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim“

Metacritic über „Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim“

Rotten Tomatoes über „Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim“

Wikipedia über „Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Peter Jacksons Tolkien-Verfilmung „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ (The Hobbit: The Desolation of Smaug, USA 2013)

Meine Besprechung von Dome Karukoskis „Tolkien“ (Tolkien, USA 2019)


TV-Tipp für den 14. Dezember: E. T. – Der Außerirdische

Dezember 13, 2024

RTL II; 20.15

E. T. – Der Außerirdische (E. T. – The Extreterrestrial, USA 1982)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Melissa Mathison

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände strandet der knuddelige Außerirdische E. T. in einer kalifornischen Kleinstadt. Der junge Elliott und seine Freunde wollen ihm helfen, während die Erwachsenen den Außerirdische jagen.

Der heute immer noch gern gesehene Science-Fiction-Film (?, Kinderfilm?) war ein weltweiter Kassenhit. Es ist einer der wenigen SF-Filme, in denen der Außerirdische keine Bedrohung, sondern eine kindliche, verlorene, gutmütige Seele ist, die nur nach Hause will.

Variety schrieb: „’E. T. – Der Außerirdische‘ ist vielleicht der beste Disney-Film, den Disney nie gedreht hat.“

„Für mich ist E. T. der emotionalste Film, den ich gemacht habe. Und das ist kein Zufall. Er drückt aus, was ich selbst tief im Inneren gefühlt habe. (…) E. T. stellt für mich die Quintessenz meiner Kindheit dar und zugleich ihr Ende.“ (Steven Spielberg)

mit Henry Thomas, Drew Barrymore, Dee Wallace, Peter Coyote, Robert McNaughton

Wiederholung: Sonntag, 15. Dezember, 12.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „E. T. – Der Außerirdische“

Wikipedia über „E. T. – Der Außerirdische“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Wicked“, der erste Teil der Musical-Vorgeschichte von „Der Zauberer von Oz“

Dezember 13, 2024

Die Kritiken sind euphorisch. Die Fans vom Musical sind begeistert. Bei der Vorführung, die ich besuchte, gab es nach den bekannten Songs Szenenapplaus. Inzwischen werden der Film und Regisseur Jon M. Chu für alle möglichen Preise gehandelt. Zweifellos wird der Film sein Publikum finden.

Ich bin dagegen mehr als minderbegeistert.

Doch beginnen wir zuerst mit einigen Fakten. Chus „Wicked“ basiert auf dem erfolgreichen gleichnamigem Muscial. Das Stück wird seit 2003 ununterbrochen am Broadway vor vollen Häusern gespielt. Mehrere Tourneen und Produktionen in anderen Städten und Ländern in festen Häusern folgten. Die deutschsprachige Erstaufführung war 2007 in Stuttgart. Michael Kunze schrieb die deutschen Liedtexte. Das Musical basiert auf Gregory Maguires Roman „Wicked – Die Hexen von Oz“ von 1995. Er erzählt die Vorgeschichte zu dem 1939er Musicalklassiker „Der Zauberer von Oz“, der auf L. Frank Baums gleichnamigem Kinderbuch von 1900 basiert.

Maguire erzählt ‚Die wahre Geschichte der Bösen Hexe des Westen‘ (Buchuntertitel). Er erzählt auf über fünfhundert Seiten, wie und warum sie böse würde. In seinem Buch, das für Erwachsene geschrieben wurde, geht es neben der Frage, warum Menschen böse werden, auch um Terrorismus und Propaganda. Dabei unterzieht er Baums Kinderbuch und Victor Flemings Verfilmung einer umfassenden Neubetrachtung.

Schon für das Musical wurden diese erwachsenen Themen eher ignoriert zugunsten einer bunten Erinnerung an den Film „Der Zauberer von Oz“ und seinem popkulturellem Einfluss.

In the Heights: Rhythm of New York“-Regisseur Chu verfilmte jetzt das Musical und, dank vieler Songs, epischer Laufzeit. Schon vor dem Start der Dreharbeiten wussten sie, dass das Stück zu lang für einen Spielfilm von halbwegs normaler Länge ist. Also wurde beschlossen, den Film in zwei Teile zu teilen. Der erste Teil endet nach ungefähr 150 Minuten (mit dem Abspann sind es 161 Minuten) an dem Punkt der Geschichte, an dem im Theater die Pause beginnt. Der zweite Teil kommt, so ist es im Moment geplant, Ende November 2025 in die Kinos.

Für die Fans des Musicals gibt es im Kino also eine Extended Version des Stücks mit den bekannten Songs, größeren Schauwerten, viel CGI, Bonbonfarben und auch einigen neuen Figuren und Handlungsorten.

Ich konnte mit den lahmen Popsongs nichts anfangen. Der CGI-Exzess störte mich. Jedes Bild im Film wurde bearbeitet. Vorgeschichten interessieren mich wenig. Meistens fügen sie der bekannten Geschichte und Figur nichts wesentliches bei. Und die Story funktioniert im Kino nicht. Da gibt es zu viele Lücken in der Erzählung, den Figuren und den Konflikten. Im Theater ist das anders.

Der Film beginnt mit der Nachricht, dass die Böse Hexe des Westens tot sei. Auf einem dörflichem Marktplatz wird Glinda (Ariana Grande) gebeten, zu erzählen, wie die Böse Hexe starb. Aber zuerst erzählt sie, wie sie sie kennen lernte und wie sie sich miteinander befreundeten.

Das erste Mal treffen sie sich an der Universität Glizz. Die aus einem reichen Haus stammende Blondine Glinda ist an der Schule die allseits beliebte, eine Gefolgschaft ihr treu ergebener Jungs und Mädels um sich scharende Diva. Sie ist gleichzeitig ehrgeizig, nur auf Äußerlichkeiten bedacht und strohdumm.

Sie reizt Elphaba Thropp (Cynthia Erivo) gleich wegen ihrer für alle schockierenden grünen Hautfarbe. Elphaba ist die einzige grünhäutige Person in Oz. Sie ist das Gegenteil von Glinda. Sie kümmert sich um ihre im Rollstuhl sitzende Schwester. Sie ist intelligent, wissbegierig und eher nicht auf die Anerkennung von anderen angewiesen. Manchmal aber doch. Als sie nach Glindas Provokationen wütend wird, erkennt Madame Akaber, die Dekanin der Zauberwissenschaft (Michelle Yeoh), sofort, dass Elphaba über unglaubliche Zauberkräfte verfügt. Sie nimmt sie als Zauberlehrling auf.

Trotz der anfänglichen Abneigung entwickelt sich zwischen Elphaba und Glinda, die sich ein Zimmer teilen müssen, so etwas wie eine Freundschaft/Hassliebe.

Gleichzeitig versuchen zunächst unbekannte Kräfte, einen Keil zwischen die Menschen und die ebenfalls intelligenten Tiere zu treiben. So leitet ein Ziegenbock die historische Fakultät der Universität Glizz.

Außerdem möchten Elphaba und Glinda, wie alle, unbedingt eine Audienz bei dem Zauberer von Oz haben. Diese und die Entdeckung, die Elphaba und Glinda dabei machen, bildet den Höhepunkt des Films und des ersten Akts.

Die im Mittelpunkt des Films stehende Beziehung zwischen Elphaba und Glinda wirkt nie glaubwürdig. Sie kann als eine Variante von Tina Feys fast zeitgleich zur Premiere des Musicals entstandenen Filmkomödie „Girls Club – Vorsicht bissig!“ (Mean Girls) verstanden werden. Später verarbeitete Fey die Geschichte zu einem Broadway-Musical, das 2024 verfilmt wurde. Bei ihr gestaltet sich die Beziehung zwischen dem Schulneuling und der Anführerin der rein auf Äußerlichkeiten setztenden Reichenclique viel glaubwürdiger.

In „Wicked“ springen die beiden Hauptfiguren, ohne nennenswerte Entwcklung, zwischen Freundschaft, Feindschaft und dem Wunsch nach Freundschaft hin und her. Und die nerdige Elphaba soll sich plötzlich für Äußerlichkeiten interessieren.

Hin und her geht es auch bei der Bild- und Zeichensprache. Jedes Bild ist auf maximalen Effekt hin komponiert. Einige erinnern an Victor Flemings Klassiker „Der Zauber von Oz“ (1939), der die Geschichte von „Wicked“ weiter erzählt. Einige sind offensichtlich nur für das Plakat, Poster und den Trailer gemacht worden.

In seiner Bildsprache schwankt Chu zwischen einer Wiederholung rassistischer Stereotype, die wir aus alten Filmen kennen, und einer revisionistischen Lesart dieser Bilder, die eine Sekunde später untergraben wird. Besonders verstörend ist dabei das Greenfacing der Schwarzen Hauptdarstellerin Cynthia Erivo. Es ist ein, in jeder Beziehung, lediglich ein Blackfacing mit einer anderen Farbe und einer Wiederholung altbekannter Klischees über Schwarze.

Bei dem von Jeff Goldblum gewohnt unterhaltsam gespieltem Zauberer von Oz setzt sich das fort. Er entspricht dem aus Hollywoods Goldener Ära bekanntem Klischee eines asiatischen Bösewichts.

Hier fügt Chu sich erstaunlich bruchlos in die Sprache des klassischen Hollywoodkinos ein. Dabei hätte er, wie Maguire in seinem Roman oder andere Regisseure in ihren Filmen, beispielsweise Spike Lee in seiner ätzenden Mediensatire „ It’s Showtime“ (Bamboozled, 2000), eben diese Bilder und Themen einer Neubetrachtung unterziehen können und müssen.

Wicked (Wicked, USA 2024)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Winnie Holzman, Dana Fox

LV: Stephen Schwartz/Winnie Holzman: Wicked, 2003 (Musical); Gregory Maguire: Wicked – The Life and Times of the Wicked Witch of the West, 1995 (Wicked – Die Hexen von Oz)

mit Ariana Grande, Cynthia Erivo, Jonathan Bailey, Ethan Slater, Bowen Yang, Marissa Bode, Peter Dinklage, Michelle Yeoh, Jeff Goldblum

Länge: 161 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Der Film wird im Kino in mehreren Fassungen gezeigt.

Die Vorlage

Gregory Maguire: Wicked – Die Hexen von Oz

(übersetzt von Hans-Ulrich Möhring)

Hobbit Presse/Klett-Cotta 2024 (Filmausgabe)

544 Seiten

16 Euro

Deutsche Erstausgabe

Hobbit Presse/Klett-Cotta 2008

Originalausgabe

Wicked – The Life and Times of the Wicked Witch of the West

Regan Books, 1995

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Wicked“

Metacritic über „Wicked“

Rotten Tomatoes über „Wicked“

Wikipdia über „Wicked“ (Film deutsch, englisch; Musical deutsch, englisch; Roman deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)

Meine Besprechung von Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ (Now you see me 2, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „In the Heights: Rhythm of New York“ (In the Heights, USA 2021)


TV-Tipp für den 13. Dezember: Ready Player One

Dezember 12, 2024

Pro7, 20.15

Ready Player One (Ready Player One, USA 2018)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Zak Penn, Ernest Cline

LV: Ernest Cline: Ready Player One, 2011 (Ready Player One)

2045: Der zwanzigjährige Wade lebt in Columbus, Ohio, im Armenviertel. Die meiste Zeit verbringt er allerdings, wie viele andere Menschen, in der virtuellen Welt der OASIS. Als OASIS-Erfinder James Halliday stirbt, beginnt die Jagd auf sein Erbe. Dafür müssen in der OASIS drei Aufgaben gelöst und ein Easter Egg gefunden werden. Der Gewinner erhält die Kontrolle über die OASIS und viel Geld.

Spielbergs äußerst kurzweiliger Science-Fiction-Abenteuerfilm ist, wie Ernest Clines erfolgreicher Roman, eine Liebeserklärung an die Pop-Kultur der achtziger Jahre, die Spielberg mit seinen Filmen und seiner Firma entscheidend prägte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn, Lena Waithe, T. J. Miller, Philip Zhao, Win Morisaki, Hannah John-Kamen, Simon Pegg, Mark Rylance

Wiederholung: Samstag, 14. Dezember, 02.05 (Taggenau!)

Die Vorlage

Ernest Cline: Ready Player One

(übersetzt von Hannes und Sara Riffel)

Fischer TOR, 2018 (Filmausgabe)

544 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Ready Player One

Crown Publishing, 2011

Hinweise

Moviepilot über „Ready Player One“

Metacritic über „Ready Player One“

Rotten Tomatoes über „Ready Player One“

Wikipedia über „Ready Player One“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Homepage von Ernest Cline


Neu im Kino/Filmkritik: „Here“, im Wohnzimmer mit Tom Hanks

Dezember 12, 2024

Wow, was für eine schöne Idee“, dachte ich in den ersten Sekunden von Robert Zemeckis neuem Film „Here“. Die Kamera blickt von einer Ecke des Wohnzimmers in das Wohnzimmer eines normalen Einfamilienhauses. Sie bewegt sich nicht. Menschen gehen durch das Zimmer. Und in dieses Bild werden Bilder aus anderen Zeiten eingeblendet. Diese eingeblendeten Bilder zeigen den selben Teilausschnitt des Raumes zu einer anderen Zeit, teils sogar lange bevor das Haus gebaut wurde. Es ist sich in der Zeit, aber nicht im Raum frei bewegendes statisches Bild.

Schon während des Vorspanns verflüchtigte sich der Überraschungseffekt. Die Idee, das Vergehen der Zeit so zu zeigen, begann mich als Gimmick zu langweilen. Zemeckis hält die Idee dann, wie auch die gleichnamige hochgelobte Comicvorlage von Richard McGuire, bis zum letzten Bild durch.

Hundert Minuten lang liefert er einfach Bilder und Impressionen aus einem Zimmer, ergänzt um Rückblicke in die Zeit vor der Erbauung des Hauses 1907. Es gibt einige Bilder aus den letzten Jahrhunderten US-amerikanischer Geschichte und sogar aus der Zeit, als Dinosaurier auf der Erde lebten.

Im Mittelpunkt des Films stehen drei Generationen der Familie Young. Vor allem der 1945 geborene Richard Young (Tom Hanks) und seine ein Jahr später geborene Frau Margaret (Robin Wright), die er in der Schule kennen lernt und 1964 heiratet, stehen im Mittelpunkt. Wenige Monate nach ihrer Heirat kommt ihr erstes Kind auf die Welt. Margaret zieht zu Richard und damit zu Richards Eltern in das Haus.

Es gibt auch Ausflüge in das Leben der Menschen, die vor und nach den Youngs, in dem Haus leben. Richard Young verkauft es 2005. 2022 besuchen er und Margaret es wieder.

Aus diesen über die Jahrzehnte verstreuten Impressionen von gemeinsamen Feiern und Fernsehabenden ergibt sich keine Geschichte. Es bleiben zufällige Momentaufnahmen, die in einer zufälligen Abfolge, immer mit Bildern aus anderen Zeiten in ihnen, präsentiert werden. Weil nie irgendwelche Jahreszahlen eingeblendet werden, ist die zeitliche Orientierung schwierig. Es kann also höchstens erahnt werden, welches Ereignis zu welchen Ereignissen führt. Etwaige Entwicklungen müssen mühsam zusammenkombiniert werden. Keine der Figuren interessiert, weil wir nichts substantielles über sie erfahren. Gleichzeitig wird zwischen banalen Familiengeschichten und für die US-amerikanische Geschichte wichtigen Ereignissen bruchlos gewechselt. Da trampeln dann computeranimierte Dinosaurier durch ein Gespräch von Benjamin Franklin durch eine Youngsche Weihnachtsfeier mit schreienden Babys und einem kriegstraumatisiertem Großvater. Die Youngs werden mittels CGI immer mal wieder verjüngt. Bei Tom Hanks mit einem irritierend künstlichem Ergebnis. Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Bildern, die keiner erkennbaren Chronologie oder Dramaturgie folgen, ergibt sich nicht aus irgendeiner übergeordneten Idee, sondern weil sie sich am selben Ort ereigneten.

Als Comic mit Jahreszahlen in den Zeichnungen oder auch als Kurzfilm ist diese Art der Präsentation eine schöne, zum Nachdenken anregende Idee. Als Spielfilm sind die starre Kamera und die schwebend einkopierten Bilder aus anderen Zeiten ein prätentiöses Desaster, das gepflegte Langeweile ohne Erkenntnisgewinn verbreitet.

Here“ ist nicht „Forrest Gump 2.0“; um die frühere erfolgreiche Zusammenarbeit von Robert Zemeckis, Eric Roth, Tom Hanks und Robin Wright zu erwähnen.

Here (Here, USA 2024)

Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: Eric Roth, Robert Zemeckis

LV: Richard McGuire: Here, 2014 (Hier)

mit Tom Hanks, Robin Wright, Paul Bettany, Kelly Reilly, Michelle Dockery, Gwilym Lee

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Here“

Metacritic über „Here“

Rotten Tomatoes über „Here“

Wikipedia über „Here“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis “Flight” (Flight, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „The Walk“ (The Walk, USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „Allied – Vertraute Fremde“ (Allied, USA 2016)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „Willkommen in Marwen“ (Welcome to Marwen, USA 2018)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis Roald-Dahl-Verfilmung „Hexen hexen“ (The Witches, USA 2020)


Neu im Kino/Filmkritik: Der nette Superbösewicht „Kraven the Hunter“ jagt Bösewichter

Dezember 12, 2024

Beginnen wir mit einigen Fakten: „Kraven the Hunter“ ist der sechste Film in Sony’s Spider-Man Universe. Es ist wieder ein Einzelfilm ohne irgendeinen erkennbaren Zusammenhang mit den anderen Filmen des SSU und wieder ohne Spider-Man. Es ist auch ein Superheldenfilm ohne eine Szene im oder nach dem Abspann.

Regie führte J. C. Chandor, der mit „Der große Crash – Margin Call“ (2011), „All Is Lost“ (2013) und „A Most Violent Year“ (2014) hintereinander drei großartige Dramen inszenierte. Sein nächster Film war 2019 der Netflix-Actionthriller „Triple Frontier“. Das Drehbuch ist von Richard Wenk, Art Marcum und Matt Holloway. Bei den drei Namen ist unklar, wer letztendlich die Verantwortung für die Geschichte hat und, angesichts der langen Vorgeschichte, wer noch involviert war. Allgemein wird Richard Wenk, dem Autor der „The Equalizer“-Filme, der größte Anteil zugestanden.

Aaron Taylor-Johnson übernahm die Hauptrolle ‚Kraven‘ Sergei Kravinoff. Russel Crowe spielt seinen Filmvater. Ariane DeBose, Fred Hechinger, Alessandro Nivola und Christopher Nivola übernahmen weitere Rollen.

Ben Davis war Kameramann bei „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, „Guardians of the Galaxy“ „Eternals“ (kein guter, aber ein gut aussehender Film), „The King’s Man“, „Jojo Rabbit“ und „Cry Macho“.

Der Film dauert, mit Abspann, etwas über zwei Stunden und er hat eine FSK-16-Freigabe. Es gibt also einige die Freigabe rechtfertigende blutige Szenen.

Angesichts des vor und hinter der Kamera versammelten Talents und des für einen Superheldenfilm okayen Budgets von 130 Millionen US-Dollar ist das Ergebnis ernüchternd.

Kraven ist in den Marvel-Comics ein von Stan Lee und Steve Ditko 1964 erfundener Bösewicht, der Spider-Man töten will. Im Film ist er ein Jäger, der Bösewichter jagt und oft bestialisch tötet. Die Filmgeschichte dreht sich um seine Beziehung zu seinem Vater Nikolai Kravinoff (Russell Crowe), einem Oligarchen, Verbrecher und passioniertem Großwildjäger, und seinem schüchtern-ängstlichem Halbbruder Dmitri Smerdyakov (Fred Hechinger). Ungefähr in der Filmmitte entführt der Bösewicht ‚Rhino‘ Aleksei Sytsevich (Alessandro Nivola) Dmitri. Kraven will ihn befreien.

Während des gesamten Films tauchen noch weitere Superhelden und Superbösewichtern auf, die vielleicht eifrigen Comiclesern vertraut sind. Kinogänger kennen sie noch nicht. Genauer vorgestellt werden sie trotzdem nicht. Im Film stolpern diese Superschurken und -helden irgendwann durch das Bild und behindern sich meistens beim Entfalten ihrer oft rätselhaft bleibenden Superkräfte. Bei zwei wichtigern Figuren wird sogar erst im dritten Akt enthüllt, dass sie Superkräfte haben.

Die Geschichte wurde wahrscheinlich aus im Schneideraum herumliegenden geschnittenen Szenen zusammengefügt. Kaum eine Szene funktioniert. Mal ist das Spiel schlecht. Mal die Action. Die Dialoge sind hingeschluderte Erklärdialoge in der ersten Fassung. Ein ordentliches Set-Up findet nie statt. Das Ergebnis kann als schlampige Einführung in das Kraven-Universum (falls es denn weitere Filme geben sollte) und rudimentäre Entwicklungsgeschichte beschrieben werden, die uns die Szenen erspart, in denen der Superheld (und das ist Kraven in „Kraven the Hunter“) die Möglichkeiten und Grenzen seiner Kräfte kennen lernt. Ein guter Film ist „Kraven the Hunter“ nie. Noch nicht einmal ein annehmbarer Film. Denn sogar ein KI-Programm hätte eine schlüssigere Geschichte erfunden und besere Dialoge geschrieben.

Kraven the Hunter“ ist ein deprimierender Film, der noch nicht einmal über Trash-Qualitäten verfügt.

Kraven the Hunter (Kraven the Hunter, USA 2024)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: Richard Wenk, Art Marcum, Matt Holloway (nach einer Geschichte von Richard Wenk)

mit Aaron Taylor-Johnson, Russel Crowe, Ariane DeBose, Fred Hechinger, Alessandro Nivola, Christopher Nivola, Christopher Abbott

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Kraven the Hunter“

Metacritic über „Kraven the Hunter“

Rotten Tomatoes über „Kraven the Hunter“

Wikipedia über „Kraven the Hunter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. C. Chandors „All is lost“ (All is lost, USA 2013)

Meine Besprechung von J. C. Chandors „A most violent Year“ (A most violent Year, USA 2014)

zu den SSU-Filmen

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Venom“ (Venom, USA 2018)

Meine Besprechung von Andy Serkis‘ „Venom: Let there be Carnage“ (Venom: Let there be Carnage, USA 2021)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Morbius“ (Morbius, USA 2022)

Meine Besprechung von S. J. Clarksons „Madame Web“ (Madame Web, USA 2024)

Meine Besprechung von Kelly Marcels „Venom: The Last Dance“ (Venom: The Last Dance, USA 2024)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Männerprobleme und Reichenprobleme: „Die geschützten Männer“ und „Rich Flu“

Dezember 12, 2024

In „Rich Flu“ bricht ein Virus aus, der die reichsten und einflussreichsten Menschen der Welt tötet. Plötzlich ist Reichtum tödlich.

In „Die geschützten Männer“ verwandelt ein Virus Männer in rasende Sexbestien, die kurz darauf, im Zustand höchster sexueller Ekstase, sterben.

Dummerweise machen „Rich Flu“-Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia und „Die geschützten Männer“-Regisseurin Irene von Alberti viel zu wenig aus ihren vielversprechenden Prämissen.

Rich Flu“ beginnt als bitterböse antikapitalistische Satire, in der die reichen Menschen in Panik geraten und arm sein wollen, weil sie nur so überleben können. Also jedenfalls wollen sie ärmer als der reichste Mensch der Erde sein. Dafür verschenken sie auch mal große Aktienpakete an verdiente Mitarbeiter.

Anstatt jetzt der ‚Ersten Welt‘ genüsslich bei ihrer Selbstzerstörung zuzusehen und sich zu überlegen, welches Gegenmittel es gegen das Virus geben könnte, lässt Galcer Gaztelu-Urrutia („Der Schacht“) das satirische Potential seiner Geschichte links liegen zugunsten einer umgekehrten Migrationsgeschichte. Während im Moment Afrikaner aus ihren Heimatländern in Richtung Europa flüchten, flüchten in „Rich Flu“ Europäer in Richtung Afrika und in Richtung Armut. Die Bilder, die Gaztelu-Urrutia dafür findet, sind die Bilder, die aus zahlreichen anderen Migrationsdramen und den Nachrichten bekannt sind. Nur die Marschrichtung und die Hautfarbe der Flüchtenden sind anders. Gleichzeitig konzentriert Gaztelu-Urrutia sich auf eine ziemlich unsympathisch egoistische und oberflächliche Flüchtende, die in Afrika in einer am Strand lebenden Hippie-Kommune aufgenommen wird.

In „Die geschützten Männer“ führt ein Virus dazu, dass alle sexuell potenten Männer mehr oder weniger schnell zu Sexbestien mutieren und sterben. Für Anita Martinelli und Sarah Bedford, die Vorsitzenden der kleinen Frauenpartei, ist das Männersterben die Gelegenheit, an die Macht zu kommen. Während einige Männer in einem abgeschiedenem Labor an einem Gegenmittel forschen, bauen die Frauen ihre Macht aus. Und sie wiederholen die Machtspiele und Intrigen der Männer. Aus der Herrschaft der Männer wird eine Herrschaft der Frauen. Mehr ändert sich nicht.

So ist Irene von Albertis Verfilmung von Robert Merles 1974 erschienenem Roman „Die geschützten Männer“ nicht mehr als eine siebziger Jahre-Agitprop-Satire. Durchaus liebevoll ausgestattet und engagiert gespielt, aber nicht mehr als eine in der Vergangenheit verhaftete Satire.

Beide Satiren bleiben sträflich unter dem Potential ihrer Ausgangsidee. „Rich Flu“ erzählt nach einem vielversprechendem Beginn nur eine weitere Migrationsgeschichte. Mit einer veränderten Marschroute. Dieses Mal wird vom reichen Norden in den armen Süden (solange er noch arm ist) geflüchtet wird. „Die geschützten Männer“ belässt es bei altmodischen Agitprop-Theater, das immerhin gut für einige, eher anspruchslose Lacher ist.

Rich Flu (Rich Flu, Spanien 2024)

Regie: Galder Gaztelu-Urrutia

Drehbuch: Pedro Rivero, Galder Gatzelu-Urrutia, Sam Steiner, David Desola (nach einer Idee von David Desola und Galder Gaztelu-Urrutia)

mit Mary Elizabeth Winstead, Rafe Spall, Lorraine Bracco, Dixie Egerickx, César Domboy, Timothy Spall, Jonah Hauer-King, Dayana Esebe

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Rich Flu“

Wikipedia über „Rich Flu“ (deutsch, englisch)

Die geschützten Männer (Deutschland 2024)

Regie: Irene von Alberti

Drehbuch: Irene von Alberti

LV: Robert Merle: Les hommes protégés, 1974 (Die geschützten Männer)

mit Britta Hammelstein, Mavie Hörbiger, Yousef Sweid, Bibiana Beglau, Godehard Giese, Julika Jenkins, Michaela Caspar, Johanna Polley, Sina Martens

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die geschützten Männer“

Moviepilot über „Die geschützten Männer“

Wikipedia über „Die geschützten Männer“


TV-Tipp für den 12. Dezember: Manchester by the Sea

Dezember 11, 2024

RBB, 20.15

Manchester by the Sea (Manchester by the Sea, USA 2016)

Regie: Kenneth Lonergan

Drehbuch: Kenneth Lonergan

Als sein Bruder Joe ins Krankenhaus kommt, muss der introvertierte Einzelgänger Lee Chandler (Casey Affleck) nach Manchester by the Sea zurückkehren, sich seiner Vergangenheit stellen und die Vormundschaft für Joes sechzehnjährigen Sohn übernehmen. Dabei will er nur wieder zurück nach Boston und in seine selbstgewählte Isolation zurückkehren.

TV-Premiere. Stilles, sehr intensives Drama. Zum Kinostart empfahl ich den Film jedem, der es hören oder auch nicht hören wollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Williams, Kyle Chandler, Lucas Hedges, Gretchen Mol, C. J. Williams

Wiederholung: Freitag, 13. Dezember, 22.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Manchester by the Sea“

Metacritic über „Manchester by the Sea“

Rotten Tomatoes über „Manchester by the Sea“

Wikipedia über „Manchester by the Sea“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kenneth Lonergans „Manchester by the Sea“ (Manchester by the Sea, USA 2016) (mit vielen Interviews)


TV-Tipp für den 11. Dezember: Funny Games

Dezember 10, 2024

Tele 5, 23.55

Funny Games (Österreich 1997)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Zwei junge Männer nehmen in einem einsam gelegenen Ferienhaus eine Familie gefangen und beginnen sie mit Psychospielen zu terrorisieren.

Ein (der?) Haneke-Klassiker.

2008 drehte er ein bildgetreues US-Remake von seiner Gesellschafts- und Medienkritik. Wir bleiben beim Original.

Mit Ulrich Mühe, Susanne Lothar, Frank Giering, Arno Frisch, Stefan Clapczynski, Doris Kunstmann

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Funny Games“

Wikipedia über „Funny Games“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Happy End“ (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Mein Kurzhinweis auf Michael Hanekes „Die Drehbücher“ (2019)

Michael Haneke in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 10. Dezember: Carol

Dezember 9, 2024

HR, 22.15

Carol (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Phyllis Nagy

LV: Patricia Highsmith: The Price of Salt, 1952 (Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Claire Morgan; Wiederveröffentlichung unter ihrem Namen als „Carol“, deutsche Titel „Salz und sein Preis“ und „Carol oder Salz und sein Preis“)

New York, 1950: zwei Frauen verlieben sich ineinander – und verstoßen damit gegen die gesellschaftlichen Konventionen.

Gelungene, sehr stilbewusste und sensible Patricia-Highsmith-Verfilmung, die kein Kriminalfilm (was man bei Highsmith ja erwartet), sondern eine tragische Liebesgeschichte ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Carrie Brownstein, Kyle Chandler, Jake Lacy, Cory Michael Smith

Hinweise

Moviepilot über „Carol“

Metacritic über „Carol“

Rotten Tomatoes über „Carol“

Wikipedia über „Carol“ (deutsch, englisch) und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988)

Meine Besprechung von Hossein Aminis Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Todd Haynes „Vergiftete Wahrheit“ (Dark Waters, USA 2019) und der DVD

Kriminalakte über Patricia Highsmith


TV-Tipp für den 9. Dezember: Aus Liebe sterben

Dezember 8, 2024

Arte, 22.25

Aus Liebe sterben (Mourir d’aimer.., Frankreich/Italien 1971)

Regie: André Cayatte

Drehbuch: André Cayatte, Albert Naud, Pierre Dumayet

TV-Premiere. Drama über eine Lehrerin, die ein Verhältnis mit einem ihrer Schüler beginnt. Seine Eltern sind gegen die Beziehung.

In Frankreich war der auf einem wahren Fall, der im Mai 1968 Frankreich erschütterte, basierende Film ein Kassenerfolg. Das Lexikon des internationalen Films ist nur halb begeistert: „melodramatische Elemente und einseitige Darstellungen gefährden jedoch die nüchterne Erörterung des Sachverhaltes.“

André Cayatte (1909 – 1989) war Rechtsanwalt, Autor und Filmregisseur. In seinen Filmen kritisierte er die französische Justiz und beschäftigte sich mit gesellschaftlichen Problemen und Tabuthemen.

mit Annie Girardot, Bruno Pradal, Claude Cerval, François Simon, Jean-Paul Moulinot, Jean Bouise

Hinweise

AlloCiné über „Aus Liebe sterben“

Rotten Tomatoes über „Aus Liebe sterben“ (noch keine Kritiken)

Wikipedia über „Aus Liebe sterben“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 8. Dezember: Der Mann, der zuviel wusste

Dezember 7, 2024

Arte, 20.15

Der Mann, der zuviel wusste (The man who knew to much, USA 1956)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)

Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.

Hitchcocks äußerst gelungenes Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.

Mit James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Reggie Maldar

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Mann, der zuviel wusste”

Wikipedia über „Der Mann, der zuviel wusste“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Dezember: Carlito’s Way

Dezember 6, 2024

One, 22.00

Carlito’s Way (Carlito’s Way, USA 1993)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: David Koepp

LV: Edwin Torres: Carlito’s Way, 1975 und After Hours, 1979 (auf Deutsch zum Filmstart als Doppelband „Carlito’s Way“ bei Heyne erschienen)

Drogenhändler Carlito Brigante wird vorzeitig aus der Haft entlassen und will fortan ehrlich bleiben. Aber er hat nicht mit den Umständen und seinem Anwalt gerechnet.

Machen wir es kurz: De Palmas Period-Picture der Siebziger ist ein grandioser Gangsterfilm

mit Al Pacino, Sean Penn, Penelope Ann Miller, John Leguizamo, Luis Guzman, Viggo Mortensen

Wiederholung: Montag, 9. Dezember, 23.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Carlito’s Way“

Wikipedia über „Carlito’s Way“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Nora Fingscheidts „The Outrun“

Dezember 6, 2024

Die Biologiestudentin Rona (Saoirse Ronan) ist in London nach jahrelangem Feiern und Drogenkonsum an einem toten Punkt angelangt. Sie kehrt zurück in ihre alte Heimat, die zu Schottland gehörenden Orkney-Inseln. Dort will sie zu sich finden und ausnüchtern.

In ihrem dritten Spielfilm, nach dem sensationellem „Systemsprenger“ und der Netflix-Produktion „The Unforgivable“, verfilmte Nora Fingscheidt, mit einigen Freiheiten, Amy Liptrots „The Outrun“ (Nachtlichter). In dem Buch erzählt Liptrot ihre Geschichte und wie sie den Alkolismus besiegte.

Fingscheidt verfilmte diese Geschichte eines langsamen Entzugs assoziativ zwischen Gegenwart und Vergangenheit springend und indem sie Rona immer mehr in die Einsamkeit schickt. Für die Royal Society for the Protection of Birds sucht sie auf den Orkney-Inseln nach einer inzwischen seltenen Vogelart, den Wachtelkönig. Bei der Arbeit trifft sie kaum Menschen. Sie genießt diese Einsamkeit.

Später fährt sie auf die Orkney-Insel Papa Westray. Auf der 7 km langen und 2 km breiten Insel lebten 2011 90 Menschen. Dort zieht sie in ein einsam gelegenes kleines Vogelwärterhaus und beginnt ihr Leben zu bilanzieren.

The Outrun“ ist eine vor Ort, teils mit Ortsansässigen gedrehte Charakterstudie mit einer gewohnt überzeugenden Saorsie Ronan. Sie ist auch eine der Produzentinnen des Films und sie beteiligte sich intensiv an der Entwicklung des Drehbuchs, das Regisseurin Fingscheidt mit Amy Liptrot schrieb.

The Outrun (The Outrun, Deutschland/Großbritannien 2024)

Regie: Nora Fingscheidt

Drehbuch: Nora Fingscheidt, Amy Liptrot

LV: Amy Liptrot: The Outrun, 2016 (Nachtlichter)

mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „The Outrun“

Moviepilot über „The Outrun“

Metacritic über „The Outrun“

Rotten Tomatoes über „The Outrun“

Wikipedia über „The Outrun“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „The Outrun“

Meine Besprechung von Nora Fingscheidts „Systemsprenger“ (Deutschland 2019


TV-Tipp für den 6. Dezember: Joan Baez – Mit lauter Stimme

Dezember 5, 2024

Arte, 21.45

Joan Baez: I am a Noise (Joan Baez: I am a Noise, USA 2023)

Regie: Karen O’Connor, Miri Navasky, Maeve O’Boyle

Drehbuch: Karen O’Connor, Miri Navasky, Maeve O’Boyle

TV-Premiere. Sehenswerte spielfilmlange Doku mit und über Joan Baez, ihr Leben und ihre Musik.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joan Baez, Bob Dylan (Archivaufnahmen), Mimi Fariña (Archivaufnahmen), David Harris (Archivaufnahmen)

Hinweise

Arte über die Doku

Moviepilot über „Joan Baez: I am a Noise“

Metacritic über „Joan Baez: I am a Noise“

Rotten Tomatoes über „Joan Baez: I am a Noise“

Wikipedia über „Joan Baez: I am a Noise“ und über Joan Baez (deutsch, englisch)

Homepage von Joan Baez

AllMusic über Joan Baez

Meine Besprechung von Karen O’Connor/Miri Navasky/Maeve O’Boyles „Joan Baez: I am a Noise“ (Joan Baez: I am a Noise, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Omer Fasts „Abendland“

Dezember 5, 2024

Angela Merkel versteckt sich im Wald. Schwerbewaffnet rückt die Polizei an. Es beginnt eine Schlacht zwischen der Polizei und Menschen, die gegen die Rodung des Waldes protestieren. Sie flüchtet, stürzt in eine Schlucht und verletzt sich dabei.

Natürlich flüchtet in Omer Fasts neuem Film „Abendland“ nicht die echte Angela Merkel, sondern eine junge Frau, die eine Angela-Merkel-Maske trägt, vor der Polizei. Sie nimmt die Maske während des gesamten Films nicht ab. Auch die anderen Menschen, denen sie im Wald begegnet, tragen Masken, die sie nicht abnehmen.

Videokünstler Omer Fast erzählt in seinem dritten Spielfilm eine gradlinige Geschichte, deren einzige offensichtliche Irritation das Tragen von Masken ist. Dass die Film-Merkel Sätze der echten ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel zitiert, erfährt man aus dem Presseheft.

Seine vorherigen, streng konstruierten Filme „Remainder“ und „Continuity“ sind wohltuende intellektuelle Anstrengungen, die für verschiedene Interpretationen offen sind. „Abendland“ ist auch für verschiedene Interpretationen offen, aber vieles, vor allem wenn Merkel im Wald auf eine Baumhauskolonie trifft, bleibt einfach oberflächlich. Da wird dann schnell einmal alles abgehandelt, was mit der Aufnahme von Fremden in eine Gemeinschaft zusammenhängt. Schließlich wissen die Mitglieder der Waldkommune nicht, ob sie Merkel vertrauen können. Die in den ersten Minuten wichtigen Konflikte zwischen Umweltprotestierern und Staatsgewalt, sind da schon lange vergessen.

Abendland“ ist, weil er sein Publikum intellektuell unterfordert, sein enttäuschendster Film.

Abendland (Deutschland 2024)

Regie: Omer Fast

Drehbuch: Omer Fast

mit Stephanie Amarell, Marie Tragousti, Sebastian Schneider, Ivy Lißack, Janina Stopper, Amon Wendel, Sebastian Schulze, Berna Kilicli, Benedikt Laumann, Susanne Bredehöft

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Abendland“

Moviepilot über „Abendland“

Meine Besprechung von Omer Fasts „Remainder“ (Remainder, Großbritannien/Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Omer Fasts „Continuity“ (Continuity, Deutschland 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Wehe, wenn der „Bagman“ kommt

Dezember 5, 2024

Patrick McKee ist mit seiner Frau und seinem Sohn aus Brooklyn, New York, nach New Jersey zurückgekehrt. Sie wohnen in seinem am Wald gelegenem Elternhaus. Er arbeitet im Holzlager, das von seinem vor einem halben Jahr verstorbenem Vater aufgebaut wurde. Inzwischen hat sein Bruder das Geschäft übernommen. Das ist vielleicht nicht das Leben, das Patrick sich wünschte, aber es ist auch kein schlechtes Leben. Wenn es nicht die seltsamen Geräusche aus dem Wald gäbe.

Er glaubt, und jetzt verrate ich etwas, das im Film erst relativ spät, aber von den Machern auch schon im Trailer verraten wird, dass diese Geräusche aus dem Wald von einem Wesen verursacht werden, das anscheinend schon seit Ewigkeiten in einer Schlucht in einer verlassenen Kupfermine haust und ihn als Jugendlichen ängstigte. Er glaubt außerdem, dass dieses Monster, jetzt seinen Sohn und auch ihn holen will.

Dieses Monster, Bagman genannt, ängstigt auch andere Kinder. Es tötet sie auch. Aber bis das deutlich wird, vergeht viel Filmzeit. Und das ist ein Problem von „Bagman“. Colm McCarthy („The Girl with All the Gifts“) erzählt die Geschichte nicht chronologisch. So vergeht, wie in dem vorige Woche gestartetem Horrorfilm „Caddo Lake“, einige Zeit, bis die verschiedenen Erzählstränge vom Zuschauer in die richtige zeitliche Reihenfolge gebracht werden können. McCarthy erzählt, teils parallel, von drei Kindern, die vom Bagman bedroht werden.

Es vergeht noch mehr Zeit, bis er die Hintergrundgeschichte vom Bagman erzählt. In dem Moment ist das Interesse an der umständlich und spannungsfrei erzählten Geschichte schon vollkommen erlahmt. Diese wiederholt, mit einem Minimum an Horrormomenten und sich immer wieder dumm verhaltenden Menschen, nur die sattsam bekannten Genreklischees.

Im Gegensatz zu dem bereits erwähnten „Caddo Lake“ fehlt „Bagman“ außerdem jedes Gefühl für den Handlungsort. Es wirkt immer so, als ob „Bagman“ an einem Ort spielen soll und an einem gänzlich anderem Ort gedreht wurde. Und so war es auch. Die Geschichte spielt in einem US-Provinzdorf mit Wald, Mine und Vergangenheit. Gedreht wurde in Bulgarien in den Nu Boyana Studios. Außerdem wurden für die Hauptrollen britische Schauspieler engagiert.

Bagman (Bagman, USA 2024)

Regie: Colm McCarthy

Drehbuch: John Hulme

mit Sam Claflin, Antonia Thomas, Sharon D. Clarke, Steven Cree, William Hope, Adelle Leonce, Peter McDonald, Henry Pettigrew

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Bagman“

Metacritic über „Bagman“

Rotten Tomatoes über „Bagman“

Wikipedia über „Bagman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colm McCarthy M.-R.-Carey-Verfilmung „The Girl with All the Gifts“ (The Girls with All the Gifts, Großbritannien/USA 2016)


TV-Tipp für den 5. Dezember: Flight

Dezember 4, 2024

RBB, 20.15

Flight (Flight, USA 2012)

Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: John Gatins

Pilot Whip Whitaker rettet mit einem waghalsigen Manöver die Passagiere seiner Linienmaschine. Er wird als Held gefeiert. Aber bei der Untersuchung des Unglücks könnte auch herauskommen, dass Whip alkoholisiert flog.

„Flight“ ist in erster Linie ein etwas zu lang geratenes, gut gespieltes, konventionelles Alkoholikerdrama, das mit einer spektakulären Bruchlandung garniert wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Don Cheadle, Kelly Reilly, John Goodman, Bruce Greenwood, Melissa Leo, Brian Geraghty, Tamara Tunie, James Badge Dale

Wiederholung: Freitag, 6. Dezember, 22.00 Uhr

Hinweise

Metacritic über „Flight“

Rotten Tomatoes über „Flight“

Wikipedia über „Flight“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis “Flight” (Flight, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „The Walk“ (The Walk, USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „Allied – Vertraute Fremde“ (Allied, USA 2016)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „Willkommen in Marwen“ (Welcome to Marwen, USA 2018)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis Roald-Dahl-Verfilmung „Hexen hexen“ (The Witches, USA 2020)


Neu im Kino/Filmkritik: über das Ösi-Roadmovie „Toni und Helene“

Dezember 4, 2024

Toni ist die herzensgute, laute, unsensible, übergewichtige Mutter aus der Kaschemme um die Ecke. Nach einem Sturz hat die die ehemalige Pflegerin eine Reha-Maßnahme in einer teuren Seniorenresidenz erhalten. Neugierig wie ein kleines Kind erkundet sie die Residenz und nimmt begeistert jedes Angebot mit. In der Residenz trifft die Seniorin auf Helene.

Helene ist eine über achtzigjährige, früher bekannte, sehr auf Etikette bedachte Theaterdiva. Sie ist unheilbar krank und hat bereits einen Termin in einer Sterbeklinik in Zürich organisiert. Schon bei der ersten Begegnung mit der Toni empfindet sie eine heftige Abneigung gegenüber der nervig-aufdringlichen, auf dem Balkon rauchende und trinkende Proletin, die eindeutig nicht in dieses noble Etablissement gehört.

Nachdem ihr Neffe, ein konservativer Politiker, ihr kategorisch erklärt, dass er sie nicht quer durch Österreich nach Zürich fahren wird, ist sie auf Tonis Hilfe angewiesen. Sie soll sie in die Sterbeklinik fahren.

Kurz nachdem sie losgefahren sind, streiten sie sich weiter über die richtige Fahrgeschwindigkeit und die Route. Helene hat alles präzise durchgeplant. Toni will dagegen Österreich kennen lernen.

Das Roadmovie „Toni und Helene“ ist eine warmherzige Komödie mit einem arg kitschigem, aber verzeihbarem Tränendrüsen-Ende. Das liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellerinnen – Christine Ostermayer als Helene und Margarethe Tiesel als Toni – die gelungen die Gegensätze zwischen ihren Figuren betonen, aber auch die Gemeinsamkeiten aufzeigen. Die Geschichte selbst fährt dann, fast als hätte Helene den Plan gemacht und Toni ihn etwas verschmutzt, auf der vertraut-erwartbaren in Richtung Tod in Zürich.

Toni und Helene (80 Plus, Deutschland/Österreich 2024)

Regie: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl

Drehbuch: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl

mit Christine Ostermayer, Margarethe Tiesel, Manuel Rubey, Thomas Mraz, Julia Koschitz

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Kinostart: 5. Dezember 2024

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Toni und Helene“

Moviepilot über „Toni und Helene“

Wikipedia über „Toni und Helene“


TV-Tipp für den 4. Dezember: Capote

Dezember 3, 2024

Arte, 20.15

Capote (Capote, USA 2005)

Regie: Bennett Miller

Drehbuch: Dan Futterman

LV: Gerald Clarke: Capote: A Biography, 1988

Sehr sehenswertes Biopic über Truman Capote und seine Recherchen für den True-Crime-Bestseller “Kaltblütig”.

Philip Seymour Hoffman erhielt für seine Darstellung Capotes zahlreiche Preise, unter anderem den Oscar und Golden Globe als bester Darsteller.

Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte die brandneue knapp einstündige Doku „Eine mörderische Nacht – Truman Capotes ‚Kaltblütig'“ (Frankreich 2024).

Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins jr., Chris Cooper, Bob Balaban, Bruce Greenwood, Mark Pellegrino, Amy Ryan

Hinweise

Moviepilot über „Capote“

Metacritic über „Capote“

Rotten Tomatoes über „Capote“

Wikipedia über „Capote“ (deutsch, englisch) und Truman Capote (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bennett Millers „Foxcatcher“ (Foxcatcher, USA 2014)

Meine Besprechung von Ande Parks/Chris Samnee Bildergeschichte „Capote in Kansas“ (Capote in Kansas, 2005) (Yep, ebenfalls über die Arbeit an „Kaltblütig“)