TV-Tipp für den 13. August: The Ordinaries

August 12, 2024

ZDF, 23.15

The Ordinaries (Deutschland 2022)

Regie: Sophie Linnenbaum

Drehbuch: Sophie Linnenbaum, Michael Fetter Nathansky

Paula Feinmann glaubt, dass sie auf dem Sprung von einer Neben- zu einer Hauptfigur ist. Aber da gibt es plötzlich Merkwürdigkeiten und Probleme. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin will sie mehr über ihre Herkunft, vor allem über ihren spurlos verschwundenen Vater, erfahren. Ihre Suche führt sie auch in die Welt der Outtakes (die ziemlich genau das sind, was man sich darunter vorstellt).

TV-Premiere. Gelungene, sehr gut aussehende Mischung aus Science-Fiction, Satire und Meta-Werk. Ein auf sehr vergnügliche Weise ‚verkopftes‘ und zum Nachdenken anregendes Werk. Sozusagen extraordinär.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Fine Sendel, Jule Böwe, Henning Peker, Noah Tinwa, Sira-Anna Faal, Denise M’Baye, Pasquale Aleardi, Noah Bailey, Christian Steyer, Birgit Berthold

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „The Ordinaries“

Moviepilot über „The Ordinaries“

Rotten Tomatoes über „The Ordinaries“

Wikipedia über „The Ordinaries“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sophie Linnenbaums „The Ordinaries“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 12. August: Erpressung

August 11, 2024

Alfred Hitchcock (13. August 1899 – 29. April 1980)

Arte, 00.00

Erpressung (Blackmail, Großbritannien 1929)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Alfred Hitchcock, Benn W. Levy (Dialoge Tonfilmversion), Charles Bennett (nach dem Bühnenstück von Charles Bennett)

Weil Alice White sich über ihren Verlobten Frank Webber, einem Scotland-Yard-Polizisten, ärgert, flirtet sie mit einem Maler, geht mit ihm in sein Atelier und posiert als Aktmodell. Als der Maler sich ihr nähert, ersticht sie ihn und schweigt über die Tat. Frank muss in dem Mordfall ermitteln und es gibt auch noch einen Erpresser.

Frühes Meisterwerk von Alfred Hitchcock und der erste britische Tonfilm.

Arte zeigt heute als TV-Premiere eine restaurierte Stummfilmfassung, mit Musik von Moritz Eggert. Denn der Thriller wurde zuerst als Stummfilm inszeniert und noch vor der Premiere für die Tonfilmversion zu großen Teilen neu nachgedreht.

mit Anny Ondra, Sara Allgood, John Londgen, Charles Paton, Donald Calthrop, Cyril Ritchard

Hinweise

Arte über den Film (in der Mediathek bis zum 31. Oktober 2024)

BFI über „Erpressung“

Rotten Tomatoes über „Erpressung“

Wikipedia über „Erpressung“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. August: The Last Duel

August 10, 2024

RTL, 23.30

The Last Duel (The Last Duel, USA 2021)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Ben Affleck, Matt Damon, Nicole Holofcener

LV: Eric Jager: The Last Duel: A True Story of Trial by Combat in Medieval France, 2004

Frankreich, 1386: Jacques LeGris und Jean de Carrouges sind beste Freunde. Bis Jeans Ehefrau Marguerite behauptet, sie sei von Jacques vergewaltigt worden. Die beiden Männer werden zu Todfeinden, die in dem titelgebenden letzten Duell die Wahrheit herausfinden wollen.

TV-Premiere kurz vor Mitternacht. Wegen der Erzählstruktur – Ridley Scott erzählt die Geschichte nacheinander aus der Perspektive jeder Hauptfigur – längliches Drama, das als mittelalterliche Soap-Opera über gekränkte männliche Eitelkeiten mit einem brutalen Duell am Filmende im Gedächtnis bleibt.

Mehr über den Film und die historischen Hintergründe in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Nathaniel Parker, Harriet Walter, Marton Csokas, Adam Nagaitis, Alex Lawther

Hinweise

Moviepilot über „The Last Duel“

Metacritic über „The Last Duel“

Rotten Tomaotes über „The Last Duel“

Wikipedia über „The Last Duel“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood beteiligt sich an der Wahrheitsfindung

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Thelma & Louise“ (Thelma & Louise, USA 1991)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)


TV-Tipp für den 10. August: Die Bourne Identität

August 9, 2024

RTL II, 20.15

Die Bourne Identität (The Bourne Identity, USA 2002)

Regie: Doug Liman

Drehbuch: Tony Gilroy, William Blake Herron

LV: Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Der Borowski-Betrug, Die Bourne-Identität)

CIA-Agent und Killer Jason Bourne hat sein Gedächtnis verloren. Schlimme Sache. Aber schlimmer ist, dass seine ehemaligen Arbeitgeber ihn umbringen wollen.

Die eher werkferne, kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Borowski-Buches. Für die Verfilmung des damals über zwanzig Jahre alten Buches wurde nur das Skelett der Handlung übernommen, der Rest aktualisiert und ein unterhaltsamer Action-Thriller gedreht, der sogar angenehm altmodisch ist. Nur Matt Damon wirkt einfach fünf Jahre zu jung für den eiskalten Profikiller. Ddas Problem hatte er in den spannenden Fortsetzungen nicht mehr.

Danach, um 22.30 Uhr, gibt es „Das Bourne Ultimatum“ (aka Die weiteren Abenteuer von Jason Bourne).

Mit Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Walton Goggins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Bourne Identität“

Wikipedia über „Die Bourne Identität“ (deutsch, englisch) und Robert Ludlum (deutsch, englisch)

Kirjasto über Robert Ludlum

Meine Besprechung von Tony Gilroys “Das Bourne-Vermächtnis” (The Bourne Legacy, USA 2012)

Meine Besprechung von Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ (Jason Bourne, USA 2016)

Meine Besprechung von Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (Edge of Tomorrow, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Doug Limans „Barry Seal – Only in America“ (American Made, USA 2017)

Meine Besprechung von Doug Limans “Chaos Walking“ (Chaos Walking, USA 2021)


TV-Tipp für den 9. August: Long Walk Home

August 8, 2024

Arte, 20.15

Long Walk Home (Rabbit-Proof Fence, Australien/Großbritannien 2002)

Regie: Phillip Noyce

Drehbuch: Christine Olsen

LV: Doris Pilkington (aka Nugi Garimara): Follow the Rabbit-Proof Fence, 1996 (später „The Rabbit-Proff Fence“; deutsch als „Long Walk Home“)

Die wahre, von Philip Noyce packend erzählte Geschichte von drei Mädchen, die 1931 quer durch Australien 2400 Kilometer am titelgebenden „Rabbit-Proof Fence“ (Kaninchenzaun) entlang nach Hause wanderten. Als Aborigine-Mischlingskinder waren sie von ihren Müttern getrennt und an das andere Ende des Landes transportiert worden.

Das Gesetz existierte bis 1970.

Christopher Doyle war der Kameramann.

Die Musik ist von Peter Gabriel.

Mit Everlyn Sampi, Tianna Sansbury, Laura Monaghan, David Gulpilil, Ningali Lawford, Myarn Lawford, Deborah Mailman, Jason Clarke, Kenneth Branagh

auch bekannt als „Der lange Weg nach Hause“ (TV-Titel)

Hinweise

Moviepilot über „Der lange Weg nach Hause“

Metacritic über „Der lange Weg nach Hause“

Rotten Tomatoes über „Der lange Weg nach Hause“

Wikipedia über „Der lange Weg nach Hause“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Episodenfilm „Paris Paradies“

August 8, 2024

Es geht um eine Opernsängerin, die für tot gehalten wurde und jetzt von der Reaktion der Presse auf ihr Ableben enttäuscht ist.

Es geht um ihren Mann, einen Dirigenten, der sie bedigungslos liebt.

Es geht um ihre Haushälterin, ihre Familie und ihre kettenrauchende Mutter.

Es geht um einen Stuntman, der Schauspieler werden möchte und sich um seinen Sohn kümmern muss.

Es geht um seinen neuen Visagisten, der sich unsterblich in ihn verliebt. Obwohl der von ihm begehrte Stuntman heterosexuell ist.

Es geht um einen TV-Moderator für True-Crime-Sendungen, der kurz vor seiner letzten Sendung und dem wohlverdienten Ruhestand steht.

Es geht um einen ungefähr mittelalten Wirt, der immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau hinterhertrauert.

Es geht um ein schweigsames Mädchen, das in Therapie ist und sich umbringen will. Gerade als sie von der Brücke springen will, wird sie entführt.

Es geht um ihren tänzerisch begabten Entführer, der von dem Mädchen, das plötzlich pausenlos redet, in den Wahnsinn getrieben wird.

Es geht um einen Polizisten, der das spurlos verschwundene Mädchen sucht.

Und wahrscheinlich habe ich ungefähr ein halbes Dutzend weiterer Figuren und Geschichten vergessen. Denn Marjane Satrapi („Persepolis“) entwirft in ihrem neuen Film ein überaus freundliches Multikulti-Paris-Wimmelbild. Einige Figuren begegnen sich. Andere nicht. Eine wirkliche thematische Klammer gibt es nicht. Denn Liebe, Leid und Tod sind so allgemein, dass darunter ungefähr alles erzählt werden kann.

Für mich war die absurde Entführung, über die besser nicht länger nachgedacht wird, die vergnüglichste Geschichte. Die anderen sind nett unterhaltsame Kurzgeschichten mit eher weniger überraschenden Schlusspointen und einigen wenigen schwarzhumorigen und absurden Szenen. Vieles wird angesprochen, vieles wird nicht weiterverfolgt. Insgesamt vergeht die Zeit, dank der vielen Geschichten, zwischen denen Satrapi ständig wechselt, ziemlich flott bis zum Finale im Konzerthaus mit einer abenteuerlichen Rettung und, nun gut, einer Liebeserklärung an das Leben.

Zusammen ergeben die Szenen und Geschichten ein kurzweiliges, aber nie tiefgründiges und eigentlich nie (es gibt ja die Entführungsgeschichte) überraschendes Porträt vom Leben in Paris. Das ist nett anzusehen und schnell vergessen.

Paris Paradies (Paradis Paris, Frankreich 2024)

Regie: Marjane Satrapi

Drehbuch: Marie Madinier, Marjane Satrapi

mit Monica Bellucci, Charline Balu-Emane, Rossy de Palma, Eduardo Noriega, André Dussollier, Alex Lutz, Ben Aldridge, Roméo Grialou, Gwendal Marimoutou, Roschdy Zem, Martina Garcia

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Paris Paradies“

AlloCiné über „Paris Paradies“

Rotten Tomatoes über „Paris Paradies“

Wikipedia über „Paris Paradies“

Meine Besprechung von Marjane Satrapis „The Voices“ (The Voices, USA/Deutschland 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Marjane Satrapis „Marie Curie – Elemente eines Lebens“ (Radioactive, Großbritannien/Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Nicolas Cage ist „Longlegs“

August 8, 2024

USA, in den Neunzigern: Seit Jahrzehnten bringt in Oregon ein Serienkiller Familien um. Longlegs nennt er sich. Irgendwie gelingt es ihm immer wieder, Familienväter dazu anzustiften, ihre Familie und anschließend sich selbst bestialisch zu töten. Mehr weiß das FBI nicht über ihn.

Jetzt soll die junge FBI-Agentin Lee Harker die Ermittlung voranbringen. Sie verfügt über eine ungewöhnliche präzise, fast schon hellseherische Intuition, möglicherweise sogar eine außersinnliche Wahrnehmung, die sie befähigt Dinge zu Entdecken, die andere übersehen. Diese Fähigkeit könnte das FBI zu dem Killer führen. Intensiv studiert sie die Fallakten und die Briefe von Longlegs, die anscheinend satanische und okkulte Botschaften enthalten. Wobei in dem Moment sogar unklar ist, ob dieser Longlegs eine Person oder irgendetwas anderes ist, wie eine okkulte Gruppe, die die Väter zu diesen Taten anstiftet.

Longlegs“ ist der neue Horrorfilm von Oz Perkins (zuletzt „Gretel & Hänsel“), der aktuell von der Kritik ziemlich abgefeiert und mit den üblichen „Bester Horrorfilm seit…“-Sprüchen beworben wird. Und der Anfang, ein in den siebziger Jahren im Schnee vor einem einsam gelegenem Haus spielender Prolog, in dem Longlegs sich mit einem Kind unterhält, und der erste Einsatz von Lee Harker, als sie bei einer Haustürbefragung in einem leer stehendem Haus den Gesuchten vermutet, überzeugt mit seiner Bild- und Tongestaltung. Das ist alles ziemlich furchteinflössend und bedrohlich inszeniert. Die später dazu kommenden religiösen, okkulten und satanischen Zeichen verstärken das Unwohlsein. Etwas ist faul in Oregon und ein Gebet hilft nicht dagegen.

Aber mit zunehmender Laufzeit langweilt der ambitionierte Hybrid zwischen Serienkillerthriller und Okkult-Horror immer mehr. Die Farben sind durchgehend in einem monochromen Graubeige gehalten, das jedes Leben und Freude aus dem Film zieht. Das Erzähltempo ist träge. Der Rhythmus monoton. Die wenigen Figuren lassen nur eine begrenzte Zahl von Situationen zu. Vor allem weil die Filmgeschichte schnell zu einem Fernduell zwischen Harker und Longlegs wird. Er wird von ihr gejagt, scheint sie aber gleichzeitig zu sich zu locken.

Nicolas Cage spielt Longlegs in den wenigen Minuten, die er im Film hat, überzeugend übertrieben als Alptraum für jedes normale Kind. Er ist ein böser Clown, gegen den Pennywise harmlos wirkt.

Longlegs (Longlegs, USA 2024)

Regie: Osgood Perkins (bzw. Oz Perkins)

Drehbuch: Osgood Perkins

mit Maika Monroe, Nicolas Cage, Blair Underwood, Alicia Witt, Michelle Choi-Lee, Dakota Daulby, Kiernan Shipka

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Longlegs“

Metacritic über „Longlegs“

Rotten Tomatoes über „Longlegs“

Wikipedia über „Longlegs“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Baltasar Kormákurs „Touch“

August 8, 2024

Vorsicht, welche mit Erinnerungen gefüllte Boxen du öffnest, nachdem sie in deiner Wohnung Jahrzehnte friedlich vor sich hin zustaubten.

Und Vorsicht vor blöden Sprüchen während des Studiums. Sonst kann es dir wie Kristófer ergehen. Er studiert in den späten sechziger Jahren an der London School of Economics und ist revolutionär bewegt. Als er im Fenster eines japanischen Restaurants eine Stellenausschreibung liest und seine Freunde ihn aufziehen, er werde niemals als Tellerwäscher arbeiten, bewirbt er sich für die Stelle. Alle halten das für eine Schnapsidee. Seine Studienfreunde sind sich sicher, dass er nach einigen Stunden weiter mit ihnen Bier trinken und die Revolution planen wird. Der Restaurantbetreiber glaubt ebenfalls nicht, dass Kristófer länger bleiben wird. Aber Kristófer bleibt. Er wird Teil des Teams. Er lernt kochen. Er verliebt sich außerdem in Miko, die Tochter des Restaurantbetreibers.

Miko ist Kristófers erste große Liebe. Aber eines Tages verschwindet sie spurlos. Er kehrt nach Island zurück, eröffnet ein Restaurant, gründet eine Familie und ist seit kurzem Witwer. Er hat auch eine beginnende Demenz. Sein Arzt rät ihm, sich noch einmal mit den Dingen zu beschäftigen, an die er sich gerne erinnern würde. Einige Erkrankte würden auch, solange sie sich noch an sie erinnern, alte Freunde wieder besuchen.

Also stöbert Kristófer in den in den vergangenen Jahrzehnten mit mehr oder weniger wichtigen Erinnerungsstücken gefüllten Schachteln herum. Dabei stößt er auf Andenken aus seiner wild bewegten und glücklichen Zeit in London und beschließt, die spurlos verschwundene Miko zu suchen. Seit ihrem Verschwinden vor einem halben Jahrhundert hörte er nichts mehr von ihr.

Die erste Station seiner Suche ist London. Dort landet er während der ersten Tage der Coronavirus-Pandemie. Während seiner Suche und den durch sie ausgelösten Erinnerungen gibt es immer mehr Restriktionen und immer weniger Gäste im Hotel. Gleichzeitig versucht seine Tochter ihn telefonisch zur Rückkehr nach Island zu bewegen.

Aber Kristófer sucht in London weiter nach Menschen, die Miko kannten. Als er erfährt, dass sie damals von ihrem Vater zurück nach Japan geschickt wurde, fliegt er ebenfalls nach Japan.

Touch“ ist der neue Film von Baltasar Kormákur. Bekannt ist er als souverän zwischen isländischen und internationalen Produktionen wechselnder Regisseur von packenden Action- und Kriminalfilmen. Davor, am Anfang seiner Karriere, inszenierte er am Theater klassische Stücke. Dieser Ausflug in Richtung Hochkultur endete, wie gesagt, im Genrekino. Mit „Touch“ geht es wieder in eine andere Richtung. Sein neuester, überaus gelungener Film, ist ein melancholischer Liebesfilm.

Kormákur erzählt Kristófers Geschichte auf zwei Zeitebenen und über mehrere Länder und Kontinente. Bei seiner Reise befindet Kristófer sich im Wettlauf gegen den eigenen geistigen Verfall und die sich nicht vorhersehbar verschärfenden Covid-Restriktionen. Denn im Gegensatzu zu allen anderen Menschen, die sich damals kaum vor die Tür wagten und auch aus Urlaubsparadiesen möglichst schnell zurück in die eigenen vier Wände wollten, will Kristófer nur möglichst weit weg von seinem Haus.

Kormákur erzählt diese Reise sehr gefühlvoll, ruhig und angenehm kitschfrei. Da verzeiht man gerne das doch etwas dick auftragende Ende.

Touch (Touch, Island/Großbritannien/USA 2024)

Regie: Baltasar Kormákur

Drehbuch: Ólafur Jóhann Ólafsson, Baltasar Kormákur

LV: Ólafur Jóhann Ólafsson: Snerting, 2020

mit Egill Ólafsson, Pálmi Kormákur, Kōki, Masahiro Motoki, Yoko Narahashi, Ruth Sheen, Masatoshi Nakamura, Meg Kubota

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Touch“

Metacritic über „Touch“

Rotten Tomatoes über „Touch“

Wikipedia über „Touch“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “Contraband” (Contraband, USA 2012)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “2 Guns” (2 Guns, USA 2013)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Everest“ (Everest,USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Der Eid“ (Eidurinn, Island 2016)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Die Farbe des Horizonts“ (Adrift, USA 2018)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Beast – Jäger ohne Gnade“ (Beast, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Dead don’t hurt“, die Lebenden tun’s

August 8, 2024

Diese Woche läuft Viggo Mortensens Western „The Dead don’t hurt“ an. In zwei läuft dann Kevin Costners „Horizon“ an. Sein Drei-Stunden-Epos ist der Beginn einer aktuell auf drei bis vier Spielfilme angelegten Erzählung über den amerikanischen Westen und seine Eroberung mit vielen Figuren und Handlungssträngen. (Die Besprechung gibt es zum Filmstart.)

Viggo Mortensen, der wie Costner in seinem Epos, Regie führte, das Drehbuch schrieb, produzierte und die Hauptrolle übernahm, erzählt dagegen in „The Dead don’t hurt“ nur eine Geschichte. Zu den gleichen Themen, mit einigen Variationen und – soweit das beim Vergleich zwischen einem ersten Teil und einem in sich abgeschlossenem Film gesagt werden kann – leicht anderen Schwerpunkten.

In „The Dead don’t hurt“ geht es um Holger Olsen (Viggo Mortensen). In San Francisco trifft er seine Frau Vivienne Le Coudy (Vicky Krieps). Er verliebt sich sofort in die selbstständige Frau und sie in den nobel schweigenden Mann. Gemeinsam reisen sie zu seinem Haus, einer typischen Wilder-Western-Baracke, malerisch gelegen in einem Tal. Dort versucht sie das Beste aus das der Situation zu machen. Als der Bürgerkrieg ausbricht, meldet er sich freiwillig auf der Seite der Union – und verschwindet für ungefähr die nächste halbe Stunde aus dem Film.

Währenddessen arbeitet Vivienne in dem Dorf im Saloon als Bedienung. Weston Jeffries (Solly McLeod), der gewalttätige, alle schikanierende Sohn des lokalen Großgrundbesitzers Alfred Jeffries (Garret Dillahunt), vergewaltigt sie – und sie wird schwanger.

Als Holger zurückkehrt (inzwischen sind ungefähr neunzig Filmminuten bzw. drei Viertel des Films rum), nehmen sie ihr altes Leben wieder auf. Mehr oder weniger. Denn auch Holger fällt auf, dass das Alter ihres Sohnes nicht zur Dauer seiner Abwesenheit passt.

Kurz darauf erkrankt sie und stirbt. Das ist jetzt kein wahnsinnig großer Spoiler, denn der Film beginnt mit ihrem Tod und entfaltet sich von diesem Moment an in zahlreichen, teils aus verschiedenen Perspektiven erzählten Rückblenden.

In dem Moment arbeitet Holger auch als Dorfsheriff. Er hat etwas Ärger mit dem Bürgermeister Rudolph Schiller (Danny Huston) und dem örtlichen Großgrundbesitzer Jeffries, die die Stadt als ihr Eigentum betrachten, und Jeffries‘ Sohn. Ihn lernen wir ebenfalls am Filmanfang als einen Mann kennen, der in dem Dorf seelenruhig alle erschießt, die er auf seinem Weg vom Saloon zu seinem Pferd trifft. Warum er das tut, wissen wir nicht. Er weiß, dass ihm nichts passieren wird. Holger soll sich so um die Angelegenheit kümmern, dass die Jeffries‘ mit dem Ergebnis einverstanden sind.

Wie diese Angelegenheit endet, wird ebenfalls am Filmanfang erzählt und am Filmende weiter erzählt.

Eigentlich erzählt Viggo Mortensen in seinem zweiten Spielfilm keine komplizierte Geschichte. Im Grundsatz ist es eine sehr einfache Geschichte, die ziemlich genau auf die Frage „Was würdest du tun, wenn deine Frau vergewaltigt wurde?“ hinausläuft. Damit die Bedeutung der Frage für den Protagonisten erfasst werden kann, muss vorher erzählt werden, wer er ist, wer sie ist, welche Beziehung sie zueinander haben und auch in welchem Umfeld die Tat stattfand. Das alles erzählt Mortensen auch.

Aber er erzählt seine Geschichte unnötig kompliziert auf mehreren Zeitebenen mit zahlreichen Zeitsprüngen, die oft erst nach einigen Sekunden bemerkt werden. Und danach in Gedanken in die richtige Chronologie gebracht werden müssen.

Außerdem ist „The Dead don’t hurt“ arg langsam erzählt. Mortensen braucht über zwei Stunden, um eine Geschichte zu erzählen, die als klassischer Hollywoodwestern locker in neunzig oder, wenn es sich um ein straff erzähltes B-Picture handelt, sogar weniger Minuten erzählt wurden.

Diese unnötig verschachtelte Struktur führt dazu, dass die Story, die auch in der offiziellen Synopse und dem Trailer (der die Geschichte weitgehend chronologisch bewirbt) fast vollständig erzählt wird, sich erst langsam, eigentlich erst am Filmende, in ihrer Chronologie zusammen setzt. Bis dahin darf munter gerätselt werden, wo die Szene hingehört. Die Identifikation mit den einzelnen Figuren ist durchgehend schwierig. Das Miterleben ihrer emotionalen Reise wird zugunsten der Struktur geopfert.

Auch alle im Film angesprochenen Themen, die zugleich die klassischen Western-Themen und Konfliktkonstellationen sind, leiden darunter. Sie entfalten nie die Kraft, die sie entfalten könnten.

Diese nicht chronologische, zersplitterte Struktur zerstört den Western, der letztendlich eine gradlinige, einfache Geschichte erzählt. Hätte Mortensen „The Dead don’t hurt“ chronologisch erzählt, hätte er von mir sicher eine absolute Sehempfehlung erhalten. Denn die Schauspieler sind gut. Die Bilder von Marcel Zyskind („The Killer inside me“, „Daliland“, „Falling“ [Mortensens Regie-Debüt]) ebenso. Die angesprochenen Themen sind damals und heute wichtig und ihre Behandlung ist gelungen. Es ist alles vorhanden für einen packenden Western.

Aber wegen der Präsentation der Geschichte packt der Western nicht. Es ist wie das Betrachten von auf dem Boden zerstreuten Notizzetteln, die mühsam in die richtige Reihenfolge gebracht werden.

Das macht „The Dead don’t hurt“ zu einem ärgerlichem Film.

The Dead don’t hurt (The Dead don’t hurt, USA/Mexiko 2023)

Regie: Viggo Mortensen

Drehbuch: Viggo Mortensen

Musik: Viggo Mortensen

Produktion: Viggo Mortensen (und andere)

Kamera: „Vielleicht nächstes Mal.“

mit Viggo Mortensen, Vicky Krieps, Solly McLeod, Danny Huston, Garret Dillahunt, Colin Morgan, Ray McKinnon, W. Earl Brown, Atlas Green

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Dead don’t hurt“

Metacritic über „The Dead don’t hurt“

Rotten Tomatoes über „The Dead don’t hurt“

Wikipedia über „The Dead don’t hurt“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. August: Brandnacht

August 7, 2024

3sat, 22.25

Brandnacht (Deutschland/Schweiz 1992)

Regie: Markus Fischer

Drehbuch: Rosemarie Fendel, Markus Fischer

LV: Sam Jaun: Die Brandnacht, 1986

Privatdetektiv Peter Keller (Bruno Ganz) will im Emmental in seinem Heimatdorf einem alten Freund helfen. Der soll eine Frau vergewaltigt und ermordet haben. Schnell gerät Keller in einen wunderschön verschachtelten Hardboiled-Plot, der seine Vorbilder nie versteckt und sie – im Buch und im Film (beides gefiel mir damals) – gelungen auf schweizer Verhältnisse überträgt.

Der Roman erhielt 1987 Friedrich-Glauser-Preis.

Die damalige Kritik über den selten gezeigten Krimi, der anscheinend 2023 erstmals im Fernsehen gezeigt wurde: „herrlich ironischen Krimi (…) Philip Marlowe und Kemal Kayankaya sind wie Peter Keller Brüder im Geiste: zwar sarkastisch und bitter, aber nie traurig oder selbstmitleidig.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Eine lohnenswerte Entdeckung

mit Bruno Ganz, Barbara Auer, Rolf Hoppe, Ueli Jäggi, Suzanne von Borsody, Dietmar Schönherr, Katja Peter

Hinweise

Filmportal über „Brandnacht“

Swissfilms über „Brandnacht“

Wikipedia über Sam Jaun

Krimi-Couch über Sam Jaun


TV-Tipp für den 7. August: A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani

August 6, 2024

Arte, 20.15

A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani (Ghahreman, Iran/Frankreich 2021)

Regie: Asghar Farhadi

Drehbuch: Asghar Farhadi

Weil Rahim Soltani, der gerade eine Haftstrafen wegen hoher Geldschulden verbüßt, während eines Freigangs eine Tasche mit Goldmünzen nicht behält, sondern dem Besitzer zurückgibt, wird er – widerwillig – zum Volksheld. Alle, vor allem die Gefängnisleitung, sind zufrieden, bis die Presse die Geschichte überprüft und auf Ungereimtheiten stößt.

TV-Premiere. Mit ruhiger Hand erzählt Asghar Farhadi eine zugleich sehr konkrete und abstrakte Geschichte, in der kleine Ereignisse und unterschiedliche Interpretationen von Ereignissen eine fatale Dynamik entwickeln können. Dabei lotet er das Graufeld zwischem egoistischem und alturistischem Handeln aus. Und überlässt dem Publikum die Entscheidung darüber, was von Rahims Taten zu halten ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Amir Jadidi, Mohsen Tanabandeh, Fereshteh Sadrorafaii, Sahar Goldoust, Maryam Shahdaie, Ali Reza Jahandideh

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

AlloCiné über „A Hero“

Moviepilot über „A Hero“

Metacritic über „A Hero“

Rotten Tomatoes über „A Hero“

Wikipedia über „A Hero“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Le Passé – Das Vergangene“ (Le Passé, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „The Salesman“ (Fourshande, Iran/Frankreich 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Offenes Geheimnis“ (Todos lo saben, Spanien/Frankreich/Italien 2018)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani“ (Ghahreman, Iran/Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 6. August: Der Sinn des Lebens

August 5, 2024

Nitro, 20.15

Der Sinn des Lebens (Monty Python’s The Meaning of Life, Großbritannien 1983)

Regie: Terry Jones

Drehbuch: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Was ist der Sinn des Lebens? In ihrem letzten Spielfilm beantwortet Monty Python diese Frage mit den nötigen Ernst und vielen zum Nachdenken anregenden Beispielen.

mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Sinn des Lebens“

Wikipedia über „Der Sinn des Lebens“ (deutsch, englisch) und über Monty Python (deutsch, englisch)

YouTube-Kanal von Monty Python (und wer mit dem Englischen Probleme hat, muss einfach seine Wunschsprache eingeben)

Monty Python’s Completely Useless Web Site (und außerdem nicht autorisiert)

 


TV-Tipp für den 5. August: Berüchtigt

August 4, 2024

Arte, 20.15

Berüchtigt (Notorious, USA 1946)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Ben Hecht

Ein romantischer Thriller über eine Frau, die als Tochter eines Nazis zwischen zwei Männern steht (naja, am Ende eher liegt): einem FBI-Agenten, der Nazis jagt und sie daher undercover zu einem Freund ihres Vaters schicken will, und einem Schurken, der sie heiraten will. Oder in den Worten der großen Filmkritikerin Frieda Grafe: in dem Film geht es „um Männer, die Frauen verachten, weil sie tun, wozu Männer sie zwingen.“

Truffaut nannte „Notorious“ Hitchcocks Quintessenz. Recht haben beide.

In Deutschland wurde “Berüchtigt”in den Fünfzigern als “Weißes Gift” gestartet und aus den Nazis wurden Drogenhändler. Später wurde die Synchronisation geändert.

Mit Ingrid Bergman, Gary Grant, Claude Rains, Louis Calhern

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Berüchtigt“

Wikipedia über „Berüchtigt“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Hechts „Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum“


TV-Tipp für den 4. August: Prey

August 3, 2024

Pro7, 20.15

Prey (Prey, USA 2022)

Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Patrick Aison (nach einer Geschichte von Patrick Aison und Dan Trachtenberg, basierend auf Figuren von Jim Thomas und John Thomas)

September 1719, USA (vor der Gründung), Northern Great Plains, im Siedlungsgebiet der Comanchen: die Kriegerin Naru (Amber Midthunder) jagt allein ein Tier, das nach den Spuren, das es hinterläßt, kein Bär ist. Es ist – was sie nicht weiß – ein aus dem Weltall kommender, meist unsichtbarer und anscheinend unbesiegbarer Predator.

TV-Premiere. Nach vielen bestenfalls mediokren „Predator“-Filmen endlich ein „Predator“-Film, der es mit dem ersten „Predator“-Film aufnehmen kann und der aus unverständlichen Gründen ohne Kinoauswertung gleich verstreamt wurde.

Hochspannendes Western/Horror/Science-Fiction-B-Picture, das schnörkellos seine Geschichte mit einer starken Heldin vor einer prächtigen Naturkulisse erzählt.

Achtung: Wahrscheinlich wird um 20.15 Uhr eine stark gekürzte Version des FSK-16-Films ausgestrahlt. Die Nachtwiederholung sollte ungekürzt sein.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit Amber Midthunder, Dakota Beavers, Stormee Kipp, Michelle Thrush, Julian Black Antelope

Wiederholung: Samstag, 10. August, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Prey“

Metacritic über „Prey“

Rotten Tomatoes über „Prey“

Wikipedia über „Prey“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Predator – Upgrade“ (The Predator, USA 2018)

Meine Besprechung von Dan Trachtenbergs „10 Cloverfield Lane“ (10 Cloverfield Lane, USA 2016)

Meine Besprechung von Dan Trachtenbergs „Prey“ (Prey, USA 2022)


TV-Tipp für den 3. August: El Dorado

August 2, 2024

SWR, 21.50

El Dorado (El Dorado, USA 1966)

Regie: Howard Hawks

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Harry Brown: The Stars in their Courses, 1960

Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.

Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.

„‘El Dorado’ ist ein Film gegen ‘Rio Bravo’, wie ‘Rio Bravo’ ein Film gegen ‘High Noon’ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)

mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner

Hinweise

Rotten Tomatoes über „El Dorado“

Wikipedia über „El Dorado“ (deutsch, englisch)

Combustible Celluloid über “El Dorado”

Meine Besprechung von Leigh Bracketts „Das lange Morgen“ (The Long Tomorrow, 1955)


TV-Tipp für den 2. August: Gosford Park

August 1, 2024

BR, 22.50

Gosford Park (Gosford Park, Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)

Regie: Robert Altman

Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)

Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.

Sehr gelungene Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.

Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.

Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.

mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gosford Park“

Wikipedia über „Gosford Park“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Manns Doku „Altman“ (Altman, Kanada 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Berlin Nobody“ – Sekten, Morde und seltsame Rituale

August 1, 2024

Berlin Nobody“ ist kein Thriller und auch kein Krimi. Er hat zwar die Zutaten für einen Thriller – Leichen, viele Leichen, ermittelnde Kriminalbeamte, ein Uni-Professor, der Teil der Ermittlungen ist, eine Sekte, die irgendetwas mit den Morden zu tun hat, eine böse Sektenführerin und eine junge Frau (die Tochter des Professors), die in die Fänge der Sekte gerät – , aber „Berlin Nobody“ ist ein zähes, absolut vorhersehbares und absurdes Drama.

Im Mittelpunkt stehen Ben Monroe, seine Tochter Mazzy und eine Endzeit-Sekte. Der allein lebende, kürzlich geschiedene Professor Ben Monroe (Eric Bana) unterrichtet seit kurzem in Berlin an einer Universität. Von der Polizei und dem Bundesverfassungsschutz wird der Sozialpsychologe, Bestsellerautor und Sektenexperte immer wieder als Experte angefragt. So auch jetzt bei einem Familienselbstmord in einem Vorstadthaus, das seltsamerweise wie eine bayerische Hütte aussieht. Es ist unklar, warum sich die Hausbewohner nacheinander töteten.

Zur gleichen Zeit besucht ihn seine Tochter Mazzy (Sadie Sink). Auf dem Weg vom Flughafen zur Wohnung ihres Vaters wird die Sechzehnjährige von Martin (Jonas Dassler) angesprochen. Sie findet den Jungen sympathisch. Als sie sich wieder mit ihm trifft, stellt er sie seinen Freunden vor. Sie sind alle Mitglieder in einer religiös motivierten, öko-fundamentalistischen Endzeit-Sekte.

Dass die Sekte etwas mit den Morden zu tun hat, ist bereits beim ersten Auftritt der fiesen Sektenführerin Hilma (Sophie Rois, irre) offensichtlich.

Inszeniert und geschrieben wurde der Film von Jordan Scott. Sie ist die Tochter von Ridley Scott, der auch zu den Produzenten des Films gehört. Ihr erster Spielfilm war 2009 „Cracks“. Außerdem inszenierte sie Kurz- und Werbefilme. Trotzdem wirkt ihr zweiter Spielfilm wie ein unbeholfen inszeniertes Debüt, das Potential hat. Das Drehbuch ist vorhersehbar, voller Lücken, krude und unglaubwürdig. Die Inszenierung lehnt sich an Ridley Scotts episch getragenen Stil an, in dem jedes Bild von seiner eigenen Wichtigkeit maßlos überzeugt ist. Hier führt er nur dazu, dass sich der Film wie Kaugummi zieht. Über die Sekte und warum Menschen von Hilma fasziniert sind und für sie Selbstmord begehen, bleibt nebulös. Warum Mazzy sich sofort in die Hände der Sekte begibt, erklärt sich nur aus den Erfordernissen der Geschichte und weil die Drehbuchautorin das so will.

Das, also dass die Sekte immer wie ein Fantasiekonstrukt wirkt, die Handlungen der Figuren keinen Bezug zu irgendeiner Realität haben und Scotts Deutschland wie aus einem Reiseprospekt zusammengestellt wirkt, kann an der Produktionsgeschichte liegen. Die Vorlage, der 2015 erschienene Roman „Tokyo“ von Nicholas Hogg, spielt in Japan. Wegen der Corona-Pandemie waren Dreharbeiten in Tokio nicht möglich. Also verlegte Scott die Geschichte nach Berlin und schrieb sie etwas um. Dummerweise unterscheidet sich die deutsche Kultur im für den Film wichtigen Punkten fundamental von der japanischen Kultur. Entsprechend absurd wirken die Kollektivsuizide der Sekte. Im Endergebnis spielt die Geschichte in einem luftleeren Raum irgendwo im nirgendwo.

„Berlin Nobody“ erzählt eine unglaubwürdige, edel gefilmte, arg langsam und todernst erzählte vollkommen absehbare und absurde Geschichte.

In der Originalfassung wird nachvollziehbar zwischen Deutsch und Englisch gewechselt. Die synchronisierte Fassung soll komplett eingedeutscht sein.

Berlin Nobody (A Sacrifice, USA/Deutschland 2024)

Regie: Jordan Scott

Drehbuch: Jordan Scott

LV: Nicholas Hogg: Tokyo, 2015

mit Sadie Sink, Eric Bana, Sophie Rois, Jonas Dassler, Sylvia Hoeks, Alexander Schubert, Lara Feith, Stephan Kampfwirth

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Berlin Nobody“

Moviepilot über „Berlin Nobody“

Metacritic über „Berlin Nobody“

Rotten Tomatoes über „Berlin Nobody“

Wikipedia über „Berlin Nobody“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. August: Kursk

Juli 31, 2024

Servus TV, 20.15

Kursk (Kursk, Belgien/Frankreich/Norwegen 2018)

Regie: Thomas Vinterberg

Drehbuch: Robert Rodat

LV: Robert Moore: A Time to Die: The Untold Story of the Kursk Tragedy, 2002 (aktualisierte Neuausgabe unter „Kursk“)

Angenehm unpathetische Rekonstruktion der Tragödie der „Kursk“. Im August 2000 explodiert in dem russischen U-Boot ein Torpedo. Die meisten Besatzungsmitglieder sterben sofort. 23 Männer überleben die Explosion und kämpfen anschließend um ihr Leben, während die Rettungsaktionen erschreckend langsam anlaufen und das russische Militär internationale Hilfe ablehnt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matthias Schoenaerts, Léa Seydoux, Peter Simonischek, August Diehl, Max von Sydow, Colin Firth, Bjarne Henriksen, Magnus Millang, Artemiy Spiridonov, Joel Basman, Matthias Schweighöfer, Pernilla August, Martin Brambach

Hinweise

Moviepilot über „Kursk“

Metacritic über „Kursk“

Rotten Tomatoes über „Kursk“

Wikipedia über „Kursk“ und die Kursk (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Am grünen Rand der Welt“ (Far from the Madding Crowd, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Die Kommune“ (Kollektivet, Dänemark 2016)

Meine Besprechung von Thomas Vinterbergs „Kursk“ (Kursk, Belgien/Frankreich/Norwegen 2018)


TV-Tipp für den 31. Juli: Kampf um Wahrheit – Julian Assange und die dunklen Geheimnisse des Krieges

Juli 30, 2024

RBB, 22.30

Kampf um Wahrheit – Julian Assange und die dunklen Geheimnisse des Krieges (Deutschland 2024)

Regie: Can Dündar, Sarah Mabrouk (Co-Regie)

Neue, knapp einstündige Doku über Julian Assange und Wikileaks. Dündar und Mabrouk begleiteten Stella Assange in den letzten Monaten vor der überraschenden Entlassung von ihrem Ehemann Julian Assange.

Hinweise

RBB über die Doku

Deutsche Welle über die Doku

Wikipedia über Wikileaks (deutsch, englisch) und Julian Assange (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 30. Juli: Nymphomaniac

Juli 29, 2024

Tele 5, 22.00

Nymphomaniac – Teil 1 (Nymphomaniac – Volume 1, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Regie: Lars von Trier

Drehbuch: Lars von Trier

Joe (Charlotte Gainsbourg) erzählt einem älteren Mann, der ihr verständnisvoll zuhört, wie sie zur Nymphomanin wurde. Zwischen ihren Erinnerungen unterhalten sie sich tiefsinnig über ihr Leben und analysieren es in einer köstlichen Mischung aus Tief- und Flachsinn.

Tele 5 zeigt als Double-Feature Lars von Triers „Nymphomaniac“ in der Kinofassung. Beide Teile erschienen auch in einem deutlich längeren Director’s Cut.

Eine ziemlich spaßige Angelegenheit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, Jesper Christensen

Tele 5, 00.30

Nymphomaniac – Teil 2 (Nymphomaniac – Volume 2, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Regie: Lars von Trier

Drehbuch: Lars von Trier

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Willem Dafoe, Michael Pas, Jean-Marc Barr, Udo Kier

Hinweise

Moviepilot über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Moviepilot über „Nymphomaniac – Teil 2“

Metacritic über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Metacritic über „Nymphomaniac – Teil 2“

Rotten Tomatoes über „Nymph( )maniac – Teil 1“

Rotten Tomatoes über „Nymphomaniac – Teil 2“

Wikipedia über „Nymphomaniac“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Nymphomaniac – Teil 1 (Nymphomaniac – Volume 1, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Nymphomaniac – Teil 2“ (Nymphomaniac – Volume 2, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Lars von Triers „The House that Jack built“ (The House that Jack built, Dänemark/Schweden/Frankreich/Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Lars von Triers „Geister – Exodus“ (Riget: Exodus, Dänemark 2022)

Die Berlinale-Pressekonferenz, die zum Stadtgespräch wurde: