Neu im Kino/Filmkritik: „Köln 75“: Vera Brandes organisiert ein Konzert, Keith Jarrett konzertiert solo

März 12, 2025

Von mindestens zwei Seiten, nämlich der der Organisatorin und der des Künstlers, nähert Ido Fluk sich in seinem Film „Köln 75“ einem Konzert, das später als Doppel-LP veröffentlicht wurde.

Die siebzehnjährige Vera Brandes (Mala Emde) lebt in den siebziger Jahren in Köln und geht aufs Gymnasium. Ihr Vater ist Zahnarzt und ein Tyrann. Sie ist musikverrückt. Aber sie liebt nicht die Rock- und Popmusik, die Gleichaltrige hören, sondern Jazz. Neben der Schule organisiert sie Konzerte. Als sie in Berlin bei den Jazztagen Keith Jarrett erlebt, ist sie begeistert. Sie will eines seiner Solo-Konzerte in Köln präsentieren. Diese vollkommen frei improvisierten Konzerte spielt Jarrett seit 1972. Seit 1971 veröffentlicht Manfred Eicher, der Gründer des legendären Jazzlabels ECM, bis heute fast alle Aufnahmen von Jarrett in teils umfangreichen Boxsets, die ganze Konzerte und Reihen dokumentieren. Jarretts erste ECM-LP war die 1971 aufgenommene, 1972 veröffentlichte Solo-Piano-LP „Facing You“, die gleichzeitig Jarretts erste Solo-LP war.

Und damit wären wir, wenn wir den Film als klassische LP betrachten, bei der ersten und zweiten Seite von Ido Fluks „Köln 75“. Der süffige Musikfilm beginnt während des fünfzigsten Geburtstag von Vera Brandes. Immer wieder meldet sich der fiktive Jazzkritiker Michael Watts (Michael Chernus) zu Wort. Er vermittelt kurzweilig Hintergrundwissen über verpatzte Anfänge bei Aufnahmen und die Musikgeschichte.

Als während der Geburtstagsfeier die Ansprache von Vera Brandes‘ Vater (Ulrich Tukur) in einem Eklat endet, erinnert Brandes sich an ihre Anfänge als Konzertveranstalterin. Diese Erinnerungen bilden den ersten Teil des Films. Als Sechzehnjährige organisiert sie eine Tour für den Jazzsaxophonisten Ronnie Scott. Weitere von ihr organisierte Konzerte mit anderen Künstlern folgen.

Der zweite Teil des Films konzentriert sich dann auf Keith Jarrett (John Magaro). Er gibt in Lausanne ein Solokonzert. Zusammen mit Manfred Eicher (Alexander Scheer) als Fahrer und Watts, der Jarrett interviewen möchte, fahren sie in einer klapprigen Kiste nach Köln. In diesem Teil geht es um die künstlerischen Vorstellungen und Marotten von Jarrett. Eicher toleriert Jarretts Eigenheiten, weil er den Pianisten für ein Jahrhundertgenie hält, dessen musikalisches Geschenk an die Menschheit alles andere aufwiegt.

Im dritten Teil, bzw. der dritten LP-Seite, treffen dann Vera Brandes und Keith Jarrett aufeinander. Sie hat das Konzert am 24. Januar 1975 in der Kölner Oper organisiert und sich dafür mit 10.000 DM, was damals sehr viel Geld war, verschuldet. Am Nachmittag stellt sie in der menschenleeren Kölner Oper erschrocken fest, dass auf der Bühne der falsche Flügel steht und Jarrett sich weigert, auf ihm zu spielen. Zusammen mit ihren treuen Freunden, dicken Telefonbüchern, geduldigen Klavierstimmern und viel Lauferei versucht sie das geplante Konzert zu retten. Und auch wenn wir wissen, wie die Geschichte endet, fiebern wir mit.

Ido Fluk („The Ticket“) erzählt in seinem neuen Film „Köln 75“ mitreißend eine Hintergrundgeschichte, die interessant ist, bislang aber auch Jazzfans nicht so wahnsinnig interessierte. Normalerweise ist bei einzelnen Konzerten und sogar bei Festivals nichts über die teils chaotische Organisation des Konzertes bekannt. Schließlich steht das Geschehen auf der Bühne, – die Künstler und ihre Konzerte -, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Etwas seltsam ist, dass in einem Film, in dem es um Jazz, Keith Jarrett und das „Köln Concert“ geht, sehr wenig Jazz und überhaupt nichts von Keith Jarrett und dem „Köln Concert“ zu hören ist. Sie durften die Musik nicht verwenden. Fluk sagt dazu: „Die Wirkung dieser Musik würde sich in einem Film niemals entfalten können. Man könnte bestenfalls einen kleinen Ausschnitt wiedergeben. Und der würde nichts aussagen. Es ist das ganze Werk oder nichts. Das Köln-Konzert ist kein Popsong. Es ist ein langes, ambitioniertes, auch forderndes Stück Jazzmusik, das man am besten in Ruhe in Gänze anhört. Ich vermute, selbst Keith Jarrett würde mir zustimmen. Es ist eher so, dass man sich den Film ansieht und deshalb Lust bekommt, sich das Konzert zuhause anzuhören. Man geht heim und legt die Platte auf. Unabhängig vom Film. Denn in ‚Köln 75‘ geht es nicht um das Konzert. Es geht um Vera Brandes.“

Und Vera Brandes ist nicht einfach nur ein Mädchen, das einmal ein Konzert organisierte und später Hausfrau wurde. Wer zu den wenigen Menschen gehört, die sich bei Schallplatten und CDs auch für das Kleingedruckte interessieren, und wer zu den noch weniger Menschen gehört, die sich dafür interessieren, wer Tourneen und Konzerte organisiert, las öfter den Namen Vera Brandes. Sie organisierte Konzerte von Oregon, Pork Pie, Dave Liebman und Gary Burton; alles legendäre Jazzmusiker und Jazzgruppen. Sie gründete die Labels CMP, VeraBra und Intuition und veröffentlichte über 350 Alben, unter anderem von Nucleus, Charlie Mariano, Theo Jörgensmann, Mikis Theodorakis, Barbara Thompson, Andreas Vollenweider und den Lounge Lizards.

Der am 8. Mai 1945 in Allentown, Pennsylvania (USA), geborene Keith Jarrett ist heute einer der bekanntesten und wichtigsten Jazzpianisten. Sein „Köln Concert“, von Eicher 1975 als Doppel-LP in der normal-spartanischen ECM-Ausstattung veröffentlicht, wurde zum Bestseller. Es ist die meistverkaufte Jazz-Soloplatte, die meistverkaufte Klavier-Soloplatte und Jarretts meistverkaufte und bekannteste Veröffentlichung. Es ist die Jazz-Platte, die auch Nicht-Jazzfans in ihrem Plattenschrank stehen haben.

Die Hintergründe des Konzerts waren lange unbekannt. Später wurde einiges darüber geschrieben, aber im Mittelpunkt der Rezeption der Aufnahme steht immer noch die Aufnahme und nicht die Umstände der Aufnahme. In Ido Fluks Film „Köln 75“ erfahren wir jetzt mehr über diese Umstände.

Fluks kurzweiliger und sehr stimmiger Rückblick in die Bundesrepublik Deutschland Mitte der siebziger Jahre ist eine Liebeserklärung an den Jazz als Musik und als Lebenshaltung und den jugendlichen Aufbruchsgeist, der ohne helfende Hände in mittleren Katastrophen enden kann. Denn ohne ihre Freunde und andere Helfer hätte Vera Brandes, die treibende Kraft bei der Organisation und der Werbung für das Konzert in der ausverkauften Oper, das Konzert nicht veranstalten können.

Und ohne Martin Wieland gäbe es keine Aufnahme von dem Konzert.

Köln 75 (Deutschland/Belgien/Polen 2025)

Regie: Ido Fluk

Drehbuch: Ido Fluk

mit Mala Emde, John Magaro, Michael Chernus, Shirin Eissa, Enno Trebs, Leo Meier, Leon Blohm, Ulrich Tukur, Jördis Triebel, Susanne Wolff, Daniel Betts, Alexander Scheer

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Kinostart: 13. März 2025

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Köln 75“

Moviepilot über „Köln 75“

Rotten Tomatoes über „Köln 75“

Wikipedia über „Köln 75“ (deutsch, englisch), „The Köln Concert“ (deutsch, englisch), Keith Jarrett (deutsch, englisch) und Vera Brandes (deutsch, englisch)

Berlinale über „Köln 75“

AllMusic über Keith Jarrett

ECM über Keith Jarrett

–

Rick Beato unterhält sich mit Keith Jarrett (2023)

Ein kleiner Ausschnitt aus einem 2016 aufgenommenem Solokonzert von Keith Jarrett


TV-Tipp für den 12. März: Ready Player One

März 11, 2025

Kabel Eins, 20.15

Ready Player One (Ready Player One, USA 2018)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Zak Penn, Ernest Cline

LV: Ernest Cline: Ready Player One, 2011 (Ready Player One)

2045: Der zwanzigjährige Wade lebt in Columbus, Ohio, im Armenviertel. Die meiste Zeit verbringt er allerdings, wie viele andere Menschen, in der virtuellen Welt der OASIS. Als OASIS-Erfinder James Halliday stirbt, beginnt die Jagd auf sein Erbe. Dafür müssen in der OASIS drei Aufgaben gelöst und ein Easter Egg gefunden werden. Der Gewinner erhält die Kontrolle über die OASIS und viel Geld.

Spielbergs äußerst kurzweiliger Science-Fiction-Abenteuerfilm ist, wie Ernest Clines erfolgreicher Roman, eine Liebeserklärung an die Pop-Kultur der achtziger Jahre, die Spielberg mit seinen Filmen und seiner Firma entscheidend prägte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn, Lena Waithe, T. J. Miller, Philip Zhao, Win Morisaki, Hannah John-Kamen, Simon Pegg, Mark Rylance

Wiederholung: Donnerstag, 13. März, 02.00 (Taggenau!)

–

Die Vorlage

Ernest Cline: Ready Player One

(übersetzt von Hannes und Sara Riffel)

Fischer TOR, 2018 (Filmausgabe)

544 Seiten

9,99 Euro

18 Euro (aktuelle Paperback-Ausgabe mit anderem Cover)

–

Originalausgabe

Ready Player One

Crown Publishing, 2011

–

Hinweise

Moviepilot über „Ready Player One“

Metacritic über „Ready Player One“

Rotten Tomatoes über „Ready Player One“

Wikipedia über „Ready Player One“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Homepage von Ernest Cline


TV-Tipp für den 11. März: Das Piano

März 10, 2025

HR, 22.40

Das Piano (The Piano, Australien/Neuseeland/Frankreich 1993)

Regie: Jane Campion

Drehbuch: Jane Campion

Um 1850 herum wird die stumme Ada nach Neuseeland zwangsverheiratet. Ihr ihr vollkommen unbekannter Ehemann, der Plantagenbesitzer Stewart, nimmt sie und Adas neunjährige Tochter Flora auf. Adas heißgeliebtes Piano lässt er als unnötigen Ballast am Strand zurück. Stewarts Nachbar Baines holt das Piano in sein Haus. Er bietet Ada eine Möglichkeit an, wie sie wieder an ihr Piano kommen könnte.

Jane Campions Durchbruch beim globalen Kinopublikum und immer noch ihr bekanntester Film.

mit Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin, Kerry Walker

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Piano“

Wikipedia über „Das Piano“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marisa Buovolos „Jane Campion & ihre Filme“ (2024)

–

Weiterführende Lektüre

Marisa Buovolo: Jane Campion & ihre Filme

Schüren, 2024

208 Seiten

24 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: „Bolero“, ein Biopic über Maurice Ravel und sein bekanntestes Stück

März 10, 2025

Für Maurice Ravel war es eine Auftragskomposition und eine technische Übung, die er zwischen Juli und Oktober 1928 für die Tänzerin und Choreographin Ida Rubinstein schrieb.

Das für ein Ballett geschriebene Orchesterwerk wurde schnell populär. Heute ist der „Bolero“ Ravels bekanntestes Stück. Immer noch, fast hundert Jahre nach der Premiere, ist es, so steht es im Presseheft, weltweit alle fünfzehn Minuten irgendwo zu hören. Oder anders gesagt: das Stück ist auf der Erde ununterbrochen zu hören.

Ravel hätte das vielleicht gefallen. Schließlich betrachtete er die Auftragskomposition als extremes und einseitiges Experiment, in dem ein Thema ohne jede Entwicklung wiederholt wird und allmählich einer Klimax zugeführt wird. Er meinte, es sei sein einziges Meisterwerk und ergänzte: „Leider hat es aber nichts mit Musik zu tun.“

Und diese Nicht-Musik wird jetzt ständig gespielt. Ohne eine Variation und ohne jemals zu enden.

Anne Fontaine („Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“) erzählt in ihrem Biopic „Bolero“ jetzt, sich Freiheiten nehmend, Maurice Ravels Leben nach. Im Zentrum steht das titelgebende Stück. Sie konzentriert sich auf drei Abschnitte in Ravels Leben. Nämlich als er sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts fünfmal, immer erfolglos, um den renommierten Prix de Rome bewarb, auf das Schreiben des Orchesterstückes „Bolero“ 1927/1928 und auf seine letzten Tage, als eine schwere neurologische Erkrankung sein Leben bestimmte. Der am 7. März 1875 in Ciboure geborene Ravel starb am 28. Dezember 1937 in Paris.

Fontaine erzählt Ravels Leben nicht als verfilmten Wikipedia-Artikel. Das ist erfreulich, aber schon während des Sehens drängt sich der Eindruck auf, dass das Ansehen einer guten Dokumentation über Ravel die mit großem Abstand und in jeder Beziehung bessere Wahl gewesen wäre.

Bolero (Bolero, Frankreich/Belgien 2024)

Regie: Anne Fontaine

Drehbuch: Anne Fontaine, Claire Barré, Pierre Trividic (Mitarbeit), Jacques Fieschi (Mitarbeit), Jean-Pierre Longeat (Mitarbeit)

LV: Marcel Marnat: Maurice Ravel, 1986

mit Raphaël Personnaz, Doria Tillier, Jeanne Balibar, Vincent Perez, Emmanuelle Devos, Sophie Guillemin, Anne Alvaro, Marie Denarnaud

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Bolero’“

AlloCiné über „Bolero“

Rotten Tomatoes über „Bolero“

Wikipedia über „Bolero“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Anne Fontaines „Tage am Strand“ (Adore, Australien/Frankreich 2013)

P. S.: Arte feiert gerade den 150. Geburtstag von Maurice Ravel mit einem umfassendem Programm. Wer also nicht fühlen, sondern hören will…


TV-Tipp für den 10. März: Der Mann aus Marseille

März 9, 2025

Arte, 20.15

Der Mann aus Marseille (La Scoumoune, Frankreich/Italien 1972)

Regie: José Giovanni

Drehbuch: José Giovanni

LV: José Giovanni: L´excommunié/La scoumoune, 1958 (Der Gangsterboss)

Ballade über die Freundschaft zwischen zwei Gangstern, die nach dem Zweiten Weltkrieg sich wieder einen Platz in der Pariser Unterwelt sichern wollen.

Mit Jean-Paul Belmondo, Michel Constantin, Claudia Cardinale, Andréa Ferréol, Gérard Depardieu

Wiederholung: Montag, 17. März, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „Der Mann aus Marseille“

Rotten Tomatoes über „Der Mann aus Marseille“

Wikipedia über „Der Mann aus Marseille“ (deutsch, englisch, französisch) und über José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni

Meine Besprechung von Robert Enricos José-Giovanni-Verfilmung  „Die Abenteurer“ (Les Aventuriers, Frankreich 1967)


Neu im Kino/Filmkritik: „Flow“, ausgezeichnet mit dem Oscar als bester Animationsfilm

März 9, 2025

Eine gigantische Flutwelle vertreibt eine kleine schwarze Katze aus ihrer Heimat in eine unbekannte Welt. Sie kann sich auf ein Segelboot retten. Dort trifft sie auf einen diebischen Affen, eine gutmütigen Labrador, ein schläfriges Wasserschwein und einen stolzen Sekretärvogel. Sie lernen sich kennen, vertrauen und helfen einander. In ihrer Arche Noah begeben sie sich auf dem Fluss auf eine angenehm vor sich hin mäandernde Reise durch eine menschenleere Gegend mit unbekanntem Ziel

Nach der Premiere in Cannes begann der Siegeszug von Gints Zilbalodis‘ neuem Film „Flow“. Es ist ein Animationsfilm, der ohne Worte auskommt, auch wenn die Tiere manchmal vermenschlicht wirken. „Flow“ erhielt in den vergangenen Monaten den Europäischen Filmpreis und den Golden Globe. Letzte Woche erhielt der lettische Film den Oscar als bester Animationsfilm. Eine gute Wahl.

Zilbalodis lässt die Geschichte, die offen für verschiedene Interpretationen ist, in einer Fantasiewelt spielen, in der die Ruinen, durch die die Tiere fahren, von vergangenen zeitlich und räumlich nicht genau definierten Kulturen zeugen. Der Zeichenstil bewegt sich gelungen zwischen detailfreudigem Ghibli-Realismus und Pixar-Abstraktheit.

Flow (Straume, Lettland/Frankreich/Belgien 2024)

Regie: Gints Zilbalodis

Drehbuch: Gints Zilbalodis, Matīss Kaža

mit Katzen, Hunden, Vögeln und ganz viel Wasser

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Flow“

Metacritic über „Flow“

Rotten Tomatoes über „Flow“

Wikipedia über „Flow“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. März: Thelma & Louise

März 8, 2025

Arte, 20.15

Thelma & Louise (Thelma & Louise, USA 1991)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Callie Khouri

Hausfrau Thelma und ihre Freundin, die Kellnerin Louise, brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. In Notwehr erschießt Louise ihn. Weil ihnen das aber niemand glaubt, fliehen Thelma und Louise nach Mexiko. Verfolgt von der Polizei.

Ein feministisches Roadmovie, ein Kassen- und Kritikererfolg und inzwischen ein Klassiker.

Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

Anschließend, um 22.20 zeigt Arte die brandneue fünfzigminütige Doku „Thelma & Louise: Ein feministischer Western“ (Frankreich 2024).

mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt, Stephen Tobolowsky

Wiederholung: Mittwoch, 12. März, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Thelma & Louise“

Wikipedia über „Thelma & Louise“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Thelma & Louise“ (Final shooting script, 5. Juni 1990) von Callie Khouri

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Thelma & Louise“ (Thelma & Louise, USA 1991)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Gladiator II“ (Gladiator II, USA 2024)


TV-Tipp für den 8. März: She said

März 7, 2025

Sat.1, 20.15

She said (She said, USA 2022)

Regie: Maria Schrader

Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz (basierend auf der „New York Times“-Recherche von Jodi Kantor, Megan Twohey und Rebecca Corbett und dem Buch „She Said“ von Jodi Kantor und Megan Twohey)

LV: Jodi Kantor/Megan Twohey: She said, 2019 (#MeToo; zum Filmstart als „She said“ veröffentlicht)

TV-Premiere. Spielfilmversion der Recherche der „New York Times“-Reporterinnen Jodi Kantor und Megan Twohey gegen den Filmogul Harvey Weinstein wegen jahrzehntelanger sexueller Belästigung. Sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.55 Uhr, zeigt Sat.1 die 70-minütige (mit Werbepausen) Doku „Verurteilt: Harvey Weinstein“ (Großbritannien 2020).

mit Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Andre Braugher, Jennifer Ehle, Samantha Morton, Angela Yeoh, Ashley Judd, Sean Cullen

Wiederholung: Sonntag, 9. März, 00.05 Uhr

–

Die unbedingt lesenswerte Vorlage

Jodi Kantor/Megan Twohey: She said – Wie das Schweigen gebrochen wurde und eie ‚MeToo-Bewegung begann

(übersetzt von Judith Elze und Katrin Harlass)

Tropen, 2022

448 Seiten

12 Euro

–

Deutsche Erstausgabe

#Me Too – Von der ersten Enthüllung zur globalen Bewegung

Tropen, 2020

–

Originalausgabe

She said. Breaking the Sexual Harassment Story that helped ignite a Movement

Penguin Press, New York, 2019

–

Hinweise

Moviepilot über „She said“

Metacritic über „She said“

Rotten Tomatoes über „She said“

Wikipedia über „She said“ (deutsch, englisch), die Buchvorlage und den Weinstein-Skandal (deutsch, englisch)

Perlentaucher über Jodi Kantor/Megan Twoheys „She said“

Bookmarks über Jodi Kantor/Megan Twoheys „She said“

Meine Besprechung von Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“ (Deutschland 2021)

Meine Besprechung von Maria Schraders „She said“ (She said, USA 2022)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Bong Joon Hos Edward-Ashton-Verfilmung „Mickey 17“

März 7, 2025

2022 veröffentlichte Edward Ashton „Mickey 7“. In ihm erzählt er die Geschichte von Mickey Barnes, der als Expendable auf der Kolonie Niflheim, einem Eisplaneten, lebt. Er führt gefährliche Missionen aus und wird als Versuchskaninchen eingesetzt. Wenn er dabei stirbt – und das ist eine beabsichtigte Nebenwirkung seiner Einsätze – wird wenige Minuten später eine neue Version von ihm ausgedruckt.

Schon vor der Veröffentlichung des Romans erhielt Bong Joon Ho eine frühere Fassung des Romans. Er fand die Prämisse interessant und schrieb „Mickey 17“. Die Änderung der Nummer von 7 auf 17 erklärt Joon Ho so: er wollte zeigen, was Mickey durchleidet und dafür müsse er öfter als im Roman sterben. Und so wurde aus dem siebten Klon der siebzehnte Klon. Gedreht wurde an 87 Tagen von August bis Dezember 2022 in London und vor Ort. Ihre Premiere hatte die SF-Satire auf der Berlinale und jetzt kommt sie in die Kinos.

Weil Mickey Barnes (Robert Pattinson) auf seinem Heimatplaneten Ärger hat, ergreift er die einzige Chance zur Flucht, die er hat: er verpflichtet sich als Expendable. Dieser Job ist auf Expeditionen und Kolonisierungen unbekannter Planeten wichtig, weil es bestimmte Dinge gibt, die nur Menschen tun können und sein wiederholter Tod wertvolle Erkenntnisse über den Planeten bringen kann. Mickey bekommt den Job, den niemand machen will, und er darf mit nach Niflheim fliegen.

Auf der Reise verliebt er sich in Nasha Barridge (Naomi Ackie). Auf dem Planeten trifft er im Eis auf die Creepers. Das sind wurmähnliche Wesen unterschiedlicher Größe. Ob sie den Menschen gegenüber feindlich gesinnt sind, ist unklar. Aber Kenneth Marshall (Mark Ruffalo), der missionarisch beseelte, rechtskonservative Leiter der Expedition, und seine im Hintergrund intrigierende Frau Ylfa (Toni Collette) gehen davon aus.

Als Mickey 17 in ein Eisloch stürzt, erklärt ihm sein Freund Timo (Steven Yeun), dass er ihn leider nicht retten könne. Aber in einigen Stunden werde eh ein neuer Klon von ihm aus dem Menschendrucker gedruckt werden. Mickey 17 beschließt allerdings, nicht auf dem Felsvorsprung zu sterben. Er geht in ein verzweigtes unterirdisches Höhlensystem, trifft auf die Creepers und wird von ihnen bis kurz vor die Station der Kolonisatoren gebracht.

Dummerweise hat Timo ihn bereits als verstorben gemeldet. In seinem Bett trifft Mickey 17 auf Mickey 18. Sie sind Multiple. Und Multiple sind in diesem Universum noch unbeliebter als Expendables. Wenn Marshall das erfährt, wird er mindestens einen von ihnen töten.

Während Mickey 17 und Mickey 18 versuchen, mit der Situation zurecht zu kommen, versammeln sich die Creepers vor der Station.

Bong Joon Ho übernahm in seinem von ihm verfilmten Drehbuch die Grundidee des Romans und auch weitgehend die Geschichte. Aber er veränderte etliche Details, die die Geschichte durchaus verbessern und er veränderte den Humor. Edward Ashton erzählt in seinem Roman Mickeys Geschichte aus Mickeys Sicht mehr witzig sarkastisch mit vielen Rückblenden zu Mickeys vorherigen Leben, einigen Überlegungen zum Klonen von Wegwerfmenschen und, immerhin ist der Buch-Mickey ein Historiker, Informationen zu anderen, meist fehlgeschlagenen Kolonisierungsprojekten. Das Ende ist bei ihm weniger bombig als im Film.

Bong erzählt Mickeys Geschichte mit viel Schwarzem Humor, viel kapitalismuskritischer und eindeutig satirisch. Vor allem das Politikerpaar Marshall, grandios übertrieben gespielt von Mark Ruffalo und Toni Collette, sorgen in ihrer allumfassenden Doppelzüngigkeit und Gemeinheit für etliche Lacher. Im Roman ist der Expeditionsleiter Commander Marshall letztendlich nur ein gewöhnlicher Arschloch-Vorgesetzter.

Mit deutlich über zwei Stunden – „Mickey 17“ dauert insgesamt 137 Minuten – ist der Science-Fiction-Film für eine Satire auch arg lang geraten. Er ist tonal uneinheitlich, zerfasert immer wieder und ist immer wieder zu lang. Das macht „Mickey 17“ noch nicht zu einem schlechten Film, – wahrscheinlich werde ich ihn mir sogar noch einmal ansehen -, aber zu einem enttäuschenden Werk. Dass Bong nicht an die Qualität von seinem mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetem und überall abgefeierten vorherigem Film „Parasite“ herankommt, war zu erwarten. Meisterwerke fallen nicht von Himmel. „Mickey 17“ erreicht allerdings auch nicht die Qualität von „Snowpiercer“ und „Okja“. Beide Satiren erzählen ihre Geschichte deutlich fokussierter.

Mickey 17 (Mickey 17, USA 2025)

Regie: Bong Joon Ho

Drehbuch: Bong Joon Ho

LV: Edward Ashton: Mickey 7, 2022 (Mickey 7 – Der letzte Klon)

mit Robert Pattinson, Naomi Ackie, Toni Collette, Mark Ruffalo, Steven Yeun, Holliday Grainger, Anamaria Vartolomei, Cameron Britton

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Die Vorlage

Edward Ashton: Mickey 7 – Der letzte Klon

(übersetzt von Felix Mayer)

Heyne, 2022

368 Seiten

16 Euro

–

Originalausgabe

Mickey 7

St. Martin’s Press, 2022

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mickey 17“

Metacritic über „Mickey 17“

Rotten Tomatoes über „Mickey 17“

Wikipedia über „Mickey 17“ (Roman, Film: deutsch, englisch)

Berlinale über „Mickey 17“

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Okja“ (Okja, USA/Südkorea 2017)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Parasite“ (Gisaengchung, Südkorea 2019)

Homepage von Edward Ashton

Heyne über Edward Ashton

Meine Besprechung von Edward Ashtons „Mal goes to War“ (Mal goes to War, 2024)


TV-Tipp für den 7. März: Sisi & Ich

März 6, 2025

Arte, 20.15

Sisi & Ich (Deutschland/Schweiz/Österreich 2023)

Regie: Frauke Finsterwalder

Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht

TV-Premiere. Irma Gräfin von Sztáray (Sandra Hüller) wird Hofdame von Kaiserin Elisabeth von Österreich, bekannter als Sisi (Susanne Wolff) – und Frauke Finsterwalder erzählt die Geschichte der beiden Frauen beherzt faktenfrei und mit einem rein weiblichen Soundtrack. Schade, dass die zweite Hälfte des Dramas nicht die Qualität der ersten Hälfte hat.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige brandneue Doku „Sandra Hüllers Geheimnis“ (Deutschland 2024).

mit Sandra Hüller, Susanne Wolff, Stefan Kurt, Georg Friedrich, Sophie Hutter, Maresi Riegner, Johanna Wokalek, Sibylle Canonica, Angela Winkler, Markus Schleinzer, Anne Müller, Anthony Calf, Tom Rhys Harries, Annette Badland

Hinweise

Filmportal über „Sisi & Ich“

Moviepilot über „Sisi & Ich“

Rotten Tomatoes über „Sisi & Ich“

Wikipedia über „Sisi & Ich“ (deutsch, englisch)

Berlinale über das Werk

Meine Besprechung von Frauke Finsterwalders „Finsterworld“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Frauke Finsterwalders „Sisi & Ich“ (Deutschland/Schweiz/Österreich 2023)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Michel Hazanavicius‘ Jean-Claude-Grumberg-Verfilmung „Das kostbarste aller Güter“

März 6, 2025

„Es lebten einmal in einem großen Wald eine arme Holzfällersfrau und ein armer Holzfäller.

Nein, nein, nein, ganz gewiss handelt es sich hier nicht um den Däumling. (…) Wo oder wann hat es denn schon so etwas gegeben, dass Eltern ihre Kinder ausgesetzt haben, weil sie sie nicht ernähren konnten?“

Mit diesem Worten beginnt Jean-Claude Grumbachs „Das kostbarste aller Güter“, ein schmales Buch von 136 Seiten, das als Märchen, als Fabel und als Jugendbuch bezeichnet wird und das sich kunstvoll zwischen alle Stühle setzt. Jetzt wurde die Geschichte von „The Artist“-Regisseur Michel Hazanavicius, nach einem zusammen von ihm und Grumberg geschriebenem Drehbuch, als Animationsfilm verfilmt. In der Originalfassung ist Jean-Louis Trintignant, in der deutschen Fassung Jürgen Prochnow der Erzähler der Geschichte von dem Holzfällerpaar.

Diese spielt Anfang 1943 in Polen, wenige Kilometer vom Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Im Buch wird das auf den ersten Seiten verraten. Im Film wird erst im letzten Drittel wirklich deutlich, wann und wo die Geschichte spielt. Bei den Zuggleisen findet die arme alte Holzfällerfrau im Schnee ein Baby. Es wurde von seinem Vater aus dem Zug geworfen. Sie nimmt es mit nach Hause und beginnt es, gegen den anfänglichen Widerstand ihres Mannes, zu pflegen.

Während sie von Anfang an in dem Mädchen ein Geschenk Gottes sieht und es ohne Vorbehalte akzeptiert, lehnt er es anfangs ab. Er hält es für ein Wesen ohne Herz, das zu dem Stamm gehört, der Gott getötet hat. Aber er überprüft seine Vorurteile und verteidigt die Herzlosen vor seinen Arbeitskollegen.

Jean-Claude Grumberg, der 1939 in Paris geborene Autor der Buchvorlage, ist ein bekannter Theater- und Drehbuchautor. Immer wieder beschäftigt er sich mit seiner traumatischen Kindheit während des Zweiten Weltkriegs, der Nazi-Diktatur und dem Antisemitismus. Sein Vater, ein rumänischer Jude, wurde in Auschwitz ermordet. Zu Grumbergs Drehbüchern gehören „Die letzte Metro“ (Le Dernier Métro, 1980), „Die kleine Apokalypse“ (La petite apocalypse, 1992; seine erste Zusammenarbeit mit Costa-Gavras), „Der Stellvertreter“ (Amen, 2002) und „Die Axt“ (Le couperet, 2005).

Für die Verfilmung seines Märchens „Das kostbarste aller Güter“ veränderte er in dem zusammen mit Hazanavicius geschriebenem Drehbuch einige Details. Dummerweise sind die ursprünglich gewählten Lösungen besser. So ist im Film bis zum letzten Drittel unklar, wann und wo genau die Geschichte spielt. Mit den ersten Worten „Es lebten einmal in einem großen Wald eine arme Holzfällersfrau und ein armer Holzfäller.“ wird die Geschichte in das Reich der Märchen und Fabeln verwiesen. Alles verbleibt in einer zeitlich und örtlich nicht genau definierten Welt, die auch eine Fantasiewelt sein kann. Im Buch wird nach dem ersten Satz sehr schnell mehr über den Handlungsort und die -zeit gesagt. Es ist klar, dass die Züge zu einem Konzentrationslager fahren.

Auch das Ende ist im Buch dank seiner Kürze gelungener. Im Film verliert die Fabel mit dem Kriegsende ihren dramatischen Fokus. Das hindert Hazanavicius nicht daran, noch mehrere Minuten weiter zu erzählen, was in den Tagen und Jahren nach der Befreiung geschieht. Dabei dauert der Film ohne Abspann keine achtzig Minuten. Mit den drastischen Bilder aus und vor dem Konzentrationslager wird „Das kostbarste aller Güter“ in dem Moment zu einem Film, der eher ein erwachsenes Publikum anspricht.

Überzeugend ist im Buch und im Film die Darstellung des Lebens des Holzfällerpaares, wie sie sich um das von den ‚Göttern des Zuges‘ erhaltene Geschenk kümmert und wie er seine Haltung zu dem Baby verändert.

Das kostbarste aller Güter (La plus précieuse des marchandises, Frankreich 2024)

Regie: Michel Hazanavicius

Drehbuch: Jean-Claude Grumberg, Michel Hazanavicius

LV: Jean-Claude Grumberg: La plus précieuse des marchandises, 2019 (Das kostbarste aller Güter)

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Die Vorlage

(nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 in der Kategorie „Nominierungen der Jugendjury“)

Jean-Claude Grumberg: Das kostbarste aller Güter – Ein Märchen

(übersetzt von Edmund Jacoby, mit Zeichnungen von Ulrike Möltgen)

Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2020

136 Seiten

16 Euro

–

Originalausgabe

La plus précieuse des marchandises. Un conte

Éditions du Seuil/Librairie du XXle siècle, Paris 2019

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Das kostbarste aller Güter“

AlloCiné über „Das kostbarste aller Güter“

Metacritic über „Das kostbarste aller Güter“

Rotten Tomatoes über „Das kostbarste aller Güter“

Wikipedia über „Das kostbarste aller Güter“ (Buch: deutsch, englisch, französisch, Film: deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Michel Hazanavicius‘ „The Artist“ (The Artist, Frankreich 2011)

Meine Besprechung von Michel Hazanavicius‘ „Final Cut of the Dead“ (Coupez!, Frankreich 2022) (ein gänzlich anderes Werk)

Jacoby & Stuart über das Buch


Neu im Kino/Filmkritik: Herr Anderson schickt Frau Jovovich „In the Lost Lands“

März 6, 2025

In einer postapokalyptischen „Mad Max“-Welt (für Jüngere: „Borderlands“), in der die Zivilisation, wie wir sie kennen, zusammengebrochen ist, es wieder Hexen, Zauberei und alles was dazu gehört, gibt und Herrschaft wieder über irgendwelche monarchistischen Thronfolgen und Intrigen geregelt wird, erfüllt die Hexe Gray Alys (Milla Jovovich) Wünsche. Allerdings werde das Ergebnis, warnt sie die Bittsteller immer, nicht unbedingt so sein, wie der Wünschende es sich wünscht. In den gefährlichen Lost Lands kann sie Dinge und Wesen finden, die sonst niemand finden kann.

Jetzt soll die Hexe Gray Alys für eine liebestrunkene Königin einen Werwolf. Er soll sich in den Lost Lands am Skull River aufhalten soll. Bei der Suche hilft ihr der immer einen Cowboyhut tragende Jäger Boyce (Dave Bautist). Er ist auch so etwas wie der Erzähler des Films.

Zu zweit machen sie sich auf den Weg – und schnell fliegen Pixelwolken, die Blut symbolisieren sollen, über die Leinwand.

Geschrieben und inszeniert wurde „In the Lost Lands“ von Paul. W. S. Anderson. Basieren tut der Fantasyfilm auf drei von George R. R. Martin in den siebziger und frühen achtziger Jahren geschriebenen Kurzgeschichten. Ab 1996 veröffentlichte Martin die Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ (A Song of Ice and Fire), die als „Game of Thrones“ verfilmt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bei den beteiligten Personen, u. a. Paul W. S. Anderson und Milla Jovovich (um nur die bekanntesten Namen zu nennen), erwartet niemand ein zum Nachdenken anregendes Arthauswerk. Man erwartet ein trashiges B-Movie-Spektakel im Stil von „Resident Evil“. In der an der Kinokasse erfolgreichen SF-Actionreihe inszenierte Anderson seine Frau Milla Jovovich als schlagkräftige Actionheldin. Das tut er hier wieder. Die Welt ist eine dieser Ramschladen-“Mad Max“-Welten, in der überall Schrott herumliegt, exzessiv mit Farbfiltern gearbeitet wird und die raren Actionszenen in einem Chaos von Schnitte enden. Zum Western wird „In the Lost Lands“ wegen des Sandes, den Pferden und einigen Waffen, die es schon im Wilden Westen gab. Oder die aussehen, als hätte es sie damals gegeben. Die Story bemüht am Ende mit einigen Twist dem vorher gezeigten eine neue Bedeutung zu geben. Aber wen interssiert das in dem Moment noch?

Sogar mit der reduzierten Erwartung, eine „Resident Evil“-Variante mit Western-Touch zu erleben, langweilt „In the Lost Lands“ auf ganzer Linie.

In the Lost Lands (In the Lost Lands, Deutschland/Kanada/USA 2025)

Regie: Paul W. S. Anderson

Drehbuch: Constantin Werner (nach einer Geschichte von Paul W. S. Anderson und Constantin Werner)

LV: George R. R. Martin: The Lonely Songs of Laren Dorr (1976), Bitterblooms (in Cosmos Science Fiction and Fantasy Magazine, November 1977), In the Lost Lands (in Amazons II, DAW Collectors #485, 1982)

mit Milla Jovovich, Dave Bautista, Arly Jover, Amara Okereke, Fraser James

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „In the Lost Lands“

Moviepilot über „In the Lost Lands“

Metacritic über „In the Lost Lands“

Rotten Tomatoes über „In the Lost Lands“

Wikipedia über „In the Lost Lands“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Monster Hunter“ (Monster Hunter, Deutschland/Kanada/China/Japan 2020)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ sollen raus aus ihrem Viertel

März 6, 2025

Für seinen zweiten Spielfilm bleibt Ladj Ly in der Pariser Banlieue – und erzählt eine gänzlich andere Geschichte. Am besten betrachtet man „Die Unerwünchten – Les Indésirables“ als gelungene Ergänzung zu seinem Debüt „Die Wütenden – Les Misérables“, das 2020 bei uns im Kino lief.

In ihm erzählt er die Geschichte von drei Zivilpolizisten und, nachdem ein Löwenjunge aus einem Zirkus gestohlen wird, einer etwas aus dem Ruder laufenden Schicht, Dabei entsteht das gelungene Porträt von einem Stadtviertel in Paris, in dem sich die sozialen Probleme ballen und die Stimmung ständig kurz vor dem Siedepunkt ist.

In „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ konzentriert er sich auf die städtische Angestellte Haby Keita (Anta Diaw) und den Arzt Pierre Forges (Alexis Manenti). Er wird, nachdem der Amtsinhaber überraschend stirbt, von seiner Partei zum Bürgermeister befördert.

Beide leben in verschiedenen Welten. Sie lebt in Les Grands Bosquets, kennt die Bewohner seit ihrer Kindheit und hilft ihnen. Sie ist eine von ihnen.

Er lebt in seiner noblen Vorstadtvilla und kennt den sozialen Brennpunkit Les Grands Bosquets letztendlich nur aus den Schlagzeilen der Tageszeitung. Politik ist, auch wenn sie hier noch auf lokaler Ebene praktiziert wird und Pierre keine Ahnung von der Politik hat, ein Teil des Lebensstils des etablierten Bürgertums. Es ist keine Notwendigkeit, sondern ein Hobby, bei dem man sein soziales Engagement beweisen kann. Wie dieses Engagement dann mit eigenen Interessen verknüpft ist, zeigt Ladj Ly in „Die Unerwünschten“.

Zwischen den Geschichten von Haby und Pierre herrscht ein Ungleichgewicht, das sich durch den ganzen Film zieht. Sie ergänzen sich nicht, sondern stehen sich im Weg. Ihre Geschichte ist formal ein klassisches Sozialdrama und eine dichte Milieustudie im Ken-Loach-Stil. Seine Geschichte ist dagegen ein Politdrama, die Geschichte eines Mannes, der von der Macht verführt wird. Das ist formal aufklärerisches und die Herrschenden anklagendes Polit-Kino, wie man es aus den siebziger Jahren und von Regisseuren wie Constantin Costa-Gavras kennt.

Dabei ist Pierres Geschichte die eindrucksvollere. Ladj Ly zeigt, wie aus einem politisch unbedarften Arzt ein Menschen verachtendes Monster wird. Von seinen Parteifreunden wird er in den Job gestoßen, um die Zeit bis zur Wahl zu überbrücken. Er ist ein Übergangs- und Verlegenheitskandidat, von dem nur erwartet wird, dass er keine großen Fehler macht. Aber dann will er das Werk seines Vorgängers fortsetzen und das Leben der Menschen in dem Viertel verbessern. Darunter versteht er reaktionäre und ausländerfeindliche Aktionen, die immer noch gerade so legal sind. So lässt er das schon seit Ewigkeiten baufällige Banlieue-Mietshaus in dem arme Einwanderer leben, an Weihnachten räumen, weil der Bau angeblich akut einsturzgefährdet sei. Das ist Quatsch, aber so kann er seine unnötig gemeine Aktion mit Wohltätigkeit und Besorgnis um die Menschen tarnen. Was nach der rücksichtslos durchgeführten Räumung mit den auf der Straße sitzenden Mietern passiert, ist ihm egal. Außerdem ist so der Weg frei für ein schon lange geplantes Bauprojekt. Bislang konnte es nicht verwirklicht werden, weil die Mieter nicht ausziehen wollten.

In Pierres Geschichte zeigt Ladj Ly, wie Politik funktioniert, wie aus einem halbwegs anständigem Mann ein eiskalter Rechtspopulist wird. Seine Untaten ummäntelt er mit Wohltätigkeit. Dabei entwickelt er ein auch seine Parteikollegen überraschendes politisches Talent und Bosheit beim Durchsetzen seiner Ziele.

Bei einer ihrer Begegnungen entschließt Haby sich spontan, gegen ihn zu kandidieren. Ihre Familie wanderte aus Mali ein. Sie ist in dem Viertel verwurzelt, weil sie dort lebt und arbeitet und alle kennt. Sie ist, auch ohne es zu ahnen, die gute Seele des Viertels. In dem Moment ist es nur eine in ohnmächtiger Wut getanene Ankündigung auf die zunächst keine Taten folgen. Auch später wird ihr Wahlkampf mehr mitgeschleppt als konsequent erzählt. Offensichtlich interessiert Ladj Ly sich nicht für diese eigentlich interessante Geschichte. So bleibt Habys Geschichte vor allem eine nah an den Menschen erzählte Milieustudie.

Beide Geschichten bieten Stoff für einen guten Film. Beide Geschichten könnten auch in einem Film gut erzählt werden, wenn die richtigen Momente ausgewählt würden und die richtige Balance zwischen Haupt- und Nebengeschichte gefunden würde. In „Die Unerwünschten“ stehen sie sich im Weg. Zu vieles wird angerissen und dann nicht richtig weiter erzählt. Das macht „Die Unerwünschten“ nicht zu einem schlechten Film, sondern zu einem Film, der besser hätte sein können. Sehenswert ist er trotzdem und eine gelungene Ergänzung zu seinem Debüt „Die Wütenden“.

Das war jetzt die Empfehlung für ein Double Feature.

Die Unerwünschten – Les Indésirables (Les Indésirables/Bâtiment 5, Frankreich 2023)

Regie: Ladj Ly

Buch: Giordano Gederlioni, Ladj Ly, Dominique Baumard

mit Anta Diaw, Alexis Manenti, Aristote Luyindula, Steve Tientcheu, Aurélia Petit, Jeanne Balibar, Judy Al Rashi

Länge: 105 Minuten

FSK: ?

–

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

AlloCiné über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

Metacritic über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

Rotten Tomatoes über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“

Wikipedia über „Die Unerwünschten – Les Indésirables“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Ladj Lys „Die Wütenden – Les Misérables“ (Les Misérables, Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Jonathan Eusebios Actionkomödie „Love hurts – Liebe tut weh“

März 6, 2025

In „Love hurts – Liebe tut weh“, dem Debütfilm von Jonathan Eusebio, gibt es reichlich gewalttätige Action. Die schwer malträtierten Männer tauchen nach jedem Kampf, egal wie sehr sie in ihm verletzt wurden und wie oft sie eigentlich tot oder im Krankenhaus sein müssten, in der nächsten Szene wieder auf. Etwas lädiert vielleicht, aber ungebrochen in ihrer Lust auf die nächste Verletzung ihres Körpers. Sie sind Cartoon-Figuren in menschlicher Gestalt.

Das verwundert wenig. Denn „Love hurts – Liebe tut weh“ ist der neue Film der Produzenten von „Nobody“, „Violent Night“ und „The Fall Guy“. Wobei „Nobody“ der passende Referenzfilm ist. „Nobody“ ist auch der bessere Film.

Protagonist von „Love hurts – Liebe tut weh“ ist Marvin Gable, ein überaus dienstbeflissener Immobilienmakler in Milwaukee. Er ist höflich, nett, harmlos. Und ein ehemaliger Auftragskiller. Seinen letzten Auftrag führte er nicht aus. Er ließ das Opfer Rose Carlisle entkommen und begann sein neues, gänzlich andere Leben.

Jetzt kehrt Rose zurück und plötzlich muss Marvin sich mit ihr, seinem verbrecherischen Bruder und ener Bande überaus mordgieriger Killer herumschlagen.

Ke Huy Quan, der vor vierzig Jahren in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ als kleiner Junge und Begleiter des Helden bekannt wurde, später ungefähr zwanzig Jahre als Schauspieler pausierte (er arbeitete hinter und abseits der Kamera weiter im Filmgeschäft) und für seine Rolle in der allseits beliebten SF/Fantasykomödie „Everything Everywhere all at Once“ den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, übernahm die Hauptrolle. Er spielt Marvin als brutales Update von Jackie Chan.

Die Story selbst ist ziemlich einfach. Aber sie wird denkbar chaotisch präsentiert. Die Action ist selbstverständlich handgemacht und gelungen. Eigentlich ist „Love hurts“ eine Bewerbungsmappe des bereits bekannten und bewährten Stuntteams für ihren nächsten Film, garniert mit plakativem Humor und einigen einfallsreichen Bildern bei den Kämpfen, in denen alle möglichen Geräte und Gegenstände, die sich in einem Haushalt befinden oder gerade in Griffnähe sind, gegen Menschen eingesetzt werden.

Das Ergebnis ist ein kurzweiliger, durchaus derber Spaß irgendwo zwischen Jackie Chan und Hongkong-Actionkino mit, wie der Titel andeutet, etwas Liebe. Und keine Minute zu lang.

Jonathan Eusebio war als Stuntman und Second-Unit-Regisseur unter anderem in „Violent Night“, „The Fall Guy“, die „John Wick“-Filme, etliche Superheldenfilme wie „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“, „Deadpool 2“, „Black Panther“, „Doctor Strange“ und „The Avengers“ und Actionfilme wie „Fast & Furious 8“, „Matrix Resurrections“ und „Haywire“ involviert.

Love hurts – Liebe tut weh (Love Hurts, USA 2025)

Regie: Jonathan Eusebio

Drehbuch: Matthew Murray, Josh Stoddard, Luke Passmore

mit Ke Huy Quan, Ariana DeBose, Daniel Wu, Mustafa Shakir, Lio Tipton, Cam Gigandet, Marshawn „Beastmode“ Lynch, Sean Astin

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

ursprünglicher US-Titel: With love

–

Hinweise

Moviepilot über „Love hurts“

Metacritic über „Love hurts“

Rotten Tomatoes über „Love hurts“

Wikipedia über „Love hurts“


TV-Tipp für den 6. März: Der Glanz der Unsichtbaren

März 5, 2025

WDR, 23.40

Der Glanz der Unsichtbaren (Les Invisibles, Frankreich 2018)

Regie: Louis-Julien Petit

Drehbuch: Louis-Julien Petit, Marion Doussot, Claire Lajeunie

LV: Claire Lajeunie: Sur la route des invisibles, femmes dans la rue

Eine Tagesstätte für obdachlose Frauen soll geschlossen werden. Leiterin Manu (Corinne Masiero) und ihr Team erhalten von der Stadtverwaltung eine letzte Frist, die sie mit dem Mut der Verzweifelten nutzen.

Wunderschöne Feelgood-Komödie mit Ken-Loach-Touch und vielen Laienschauspielerinnen, die sich selbst spielen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Audrey Lamy, Corinne Masiero, Noémie Lvovsky, Déborah Lukumuena, Adolpha van Meerhaeghe, Patricia Mouchon, Khoukha Boukherbache, Assia Menmadala, Marianne Garcia, Laetitia Grigy

Hinweise

Moviepilot über „Der Glanz der Unsichtbaren“

AlloCiné über „Der Glanz der Unsichtbaren“

Rotten Tomatoes über „Der Glanz der Unsichtbaren“

Wikipedia über „Der Glanz der Unsichtbaren“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Louis-Julien Petits „Der Glanz der Unsichtbaren“ (Les Invisibles, Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Louis-Julien Petits „Die Küchenbrigade“ (La brigade, Frankreich 2022)


TV-Tipp für den 5. März: Das Ereignis

März 4, 2025

Arte, 20.15

Das Ereignis (L’événement, Frankreich 2021)

Regie: Audrey Diwan

Drehbuch: Audrey Diwan, Marcia Romano, Anne Berest

LV: Annie Ernaux: L’événement, 2000 (Das Ereignis)

Frankreich, 1963: die kurz vor dem Abschluss ihres Studiums stehende Anne wird ungewollt schwanger. Zu dem Zeitpunkt sind Schwangerschaftsabbrüche strafbar und alle, mit denen sie über einen möglichen Abbruch spricht oder die ihr auch nur irgendwie dabei helfen (oder nicht die Polizei informieren) machen sich ebenfalls strafbar. Eine heimlich durchgeführte Abtreibung ist auch gefährlich.

TV-Premiere. Das intensive Drama erhielt 2021 in Venedig den Goldenen Löwen als Bester Film.

Weil in den USA mit einer Gerichtsentscheidung das Recht auf Abtreibung abgeschafft wurde, gibt es jetzt in immer mehr US-Bundesstaaten mehr oder weniger drakonische Verbotsregeln. Was diese Verbote anrichten, zeigt Audrey Diwan in ihrem auf einer wahren Geschichte beruhendem Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Anamaria Vartolomei, Kacey Mottet Klein, Luàna Bajrami, Louise Orry-Diquéro, Louise Chevillotte, Pio Marmaï, Sandrine Bonnaire

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Das Ereignis“

Moviepilot über „Das Ereignis“

Metacritic über „Das Ereignis“

Rotten Tomatoes über „Das Ereignis“

Wikipedia über „Das Ereignis“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Audrey Diwans „Das Ereignis“ (L’événement, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 4. März: Super 8

März 3, 2025

ZDFneo, 21.45

Super 8 (Super 8, USA 2011)

Regie: J. J. Abrams

Drehbuch: J. J. Abrams

Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.

Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)


TV-Tipp für den 3. März: Grifters

März 2, 2025

Arte, 20.15

Grifters (The Grifters, USA 1990)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Donald Westlake

LV: Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen, Die Abzocker)

Roy Dillon schlägt sich als kleiner Trickbetrüger mehr schlecht als Recht durch. Als er an eine größere Menge Geld kommt, haben seine Freundin Mary und seine Mutter Lilly plötzlich Interesse an ihm; – besonders an dem Geld.

Der potentielle Klassiker basiert auf einem der besten und düstersten Bücher von Jim Thompson. Donald Westlake (aka u. a. Richard Stark) schrieb ein grandioses Drehbuch, und das gesamte Team (es wäre wirklich unfair, eine einzelne Person herauszuheben) gab ihr bestes. „The Grifters ist ein starkes Stück Kino, ein Krimi, der seinen Alptraum formvollendet präsentiert.“ (Fischer Film Almanach)

Mit Anjelica Huston, John Cusack, Annette Bening, Pat Hingle, Charles Napier, J. T. Walsh, Xander Berkeley, Stephen Tobolowsky, Jeremy Piven

Wiederholung: Donnerstag, 6. März, 14.00 Uhr

P. S.: Der Film ist FSK-16, aber Arte darf das.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Grifters“

Wikipedia über „The Grifters“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

zu Stephen Frears

Meine Besprechung von Stephen Frears „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Meine Besprechung von Stephen Frears “Philomena” (Philomena, GB 2013)

Meine Besprechung von Stephen Frears „The Program – Um jeden Preis“ (The Program, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Florence Foster Jenkins“ (Florence Foster Jenkins, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „Victoria & Abdul“ (Victoria & Abdul, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „The Lost King“ (The Lost King, Großbritannien 2022)

zu Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)

zu Jim Thompson

Mordlust über Jim Thompson

Crimetime über Jim Thompson

Popsubculture über Jim Thompson

Meine Besprechung von Jim Thompsons „Jetzt und auf Erden“ (Now and on Earth, 1942)

Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (The Killer inside me, USA 2010)


TV-Tipp für den 2. März: Halbblut

März 1, 2025

Arte, 20..15

Halbblut (Thunderheart, USA 1992)

Regie: Michael Apted

Drehbuch: John Fusco

FBI-Agent Ray Levoi soll einen mysteriösen Mord im Sioux-Indianerreservat aufklären. Das Halbblut Levoi muss sich während der Ermittlungen auch seinen verleugneten indianischen Wurzeln stellen – und er entdeckt, dass die Morde mit Bohrungen nach Uran zusammenhängen.

„Halbblut“ ist ein spannender Thriller mit einem politischen Anliegen. Denn die Filmgeschichte beruht auf wahren Ereignissen aus dem Pine-Ridge-Reservat in South Dakota in den 70er Jahren. Michael Apted drehte vor dem Spielfilm die Dokumentation „Zwischenfall in Oglala“ (Incident at Oglala, USA 1992) darüber.

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die fast zweistündige Doku „Val Kilmer – Ein Leben zwischen ‚Top Gun‘ und ‚The Doors'“ (USA 2021).

mit Val Kilmer, Sam Shepard, Graham Greene, Fred Ward, Fred Dalton Thompson, John Trudell, Rex Linn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Halbblut“

Wikipedia über „Halbblut“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Curtis Hanson/Michael Apteds „Mavericks – Lebe deinen Traum“ (Chasing Mavericks, USA 2012)

Meine Besprechung von Michael Apteds „Unlocked“ (Unlocked, USA 2017)


TV-Tipp für den 1. März: Der Pate

Februar 28, 2025

BR, 22.55

Der Pate (The Godfather, USA 1972)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola

LV: Mario Puzo: The Godfather, 1969 (Der Pate)

Die Mafia als gepflegter Familienbetrieb. Ein immer wieder gern gesehener Klassiker.

Mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, John Cazale, Robert Duvall, Diane Keaton, Sterling Hayden, Al Lettieri, Talia Shire

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Pate“

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) „Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)“ (2011)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Meine Besprechung von Franics Ford Coppolas „Megalopolis“ (Megalopolis, USA 2024)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Roy Thomas/Mike Mignolas „Bram Stoker’s Dracula“ (Bram Stoker’s Dracula 1-4, 1993) (der Comic-Version von Coppolas Film)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)