Misfits – Nicht gesellschaftsfähig (The Misfits, USA 1961)
Regie: John Huston
Drehbuch: Arthur Miller
Eine frisch geschiedene Frau schließt sich drei Cowboys an. Gemeinsam gehen sie auf Mustangjagd.
Ein Klassiker. Nicht nur, weil „Misfits“ der letzte Film von Marilyn Monroe und Clark Gable ist, sondern auch weil Arthur Miller in seinem ersten Spielfilmdrehbuch eine schonungslose Bestandsaufnahme des nicht mehr existierenden amerikanischen Traums vom Freien Leben im Wilden Westen liefert. Denn Millers zeitgenössischen Cowboys sind von der Gesellschaft verachtete Außenseiter. Unter der Regie von John Huston spielen die Schauspieler ausgezeichnet und die Jagdszenen sind superb fotografiert.
„Nach einer langen Dürreperiode, was wirklich amerikanische Filme betrifft, gibt es jetzt Grund zur Freude, denn The Misfits ist so durch und durch amerikanisch, dass niemand außer einem Amerikaner ihn gemacht haben könnte.“ (Paul V. Beckley, New York Herald Tribune)
Mit Marilyn Monroe, Clark Gable, Montgomery Clift, Eli Wallach, Thelma Ritter
Die Toten (The Dead, USA/Großbritannien/Deutschland 1987)
Regie: John Huston
Drehbuch: Tony Huston
LV: James Joyce: The Dead (Erzählung, aus „The Dubliners“, 1914)
Dublin, 1904: die ältlichen, unverheirateten Schwestern Morkan haben Freunde und Verwandte zu einer Abendgesellschaft eingeladen. Als ein altes gälisches Lied ertönt, erinnert die verheiratete Gretta Conroy sich an ein Ereignis aus ihrem Leben.
John Hustons extrem selten gezeigter letzter Spielfilm. Eine Woche vor der Premiere in Venedig starb der legendäre Regisseur.
„es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man Hustons Verfilmung schlicht und einfach kongenial nennt. Er hat genau den Ton dieser schönen und tiefsinnigen Geschichte getroffen – ein Dokument großer Menschenkenntnis und Menschenliebe.“ (Fischer Film Almanach 1988)
In dem „Trailers from Hell“-Clip erzählt Dan Ireland von seinem Anteil am Film (sehr klein) und den Dreharbeiten.
mit Anjelica Huston, Donal McCann, Helena Carroll, Cathleen Delany, Ingrid Craige, Rachel Dowling, Colm Meaney
Nachdem die letzten Werke einiger seit Ewigkeiten hochgeachteter Regisseure, wie Ridley Scott, Clint Eastwood und Woody Allen, enttäuschten, ist Paul Verhoevens neuer Film das komplette Gegenteil. „Benedetta“ ist eine in einem Kloster spielende Geschichte, in der es um Glaube, Macht und Sex geht. Im Mittelpunkt steht die titelgebende Benedetta Carlini (Virginie Efira), die im siebzehnten Jahrhundert als Nonne in einem Theatiner-Kloster in Pescia lebt. Sie ist tiefgläubig. Schon als Kind überzeugte sie mit Gottes Hilfe auf dem Weg zum Kloster eine Bande Strauchdiebe, sie und ihre Eltern mit all ihren Besitztümern unverletzt gehen zu lassen. Inzwischen lebt sie schon achtzehn Jahre im Kloster. Ihr Glaube ist immer noch stark. In der Hierarchie des Klosters könnte sie bis zur Äbtissin aufsteigen. Auf ihrem Körper tauchen immer wieder die Wundmale Jesus auf. Sie hat auch Visionen, in denen Jesus auftaucht.
Außerdem hat sie heimlich mit der Nonnenschülerin Bartolomea (Daphné Patakia), um die sich sich kümmern soll, Geschlechtsverkehr. Den zeigt Paul Verhoeven auch ausführlich, ohne dass sein Film in einen Porno im Kloster abdriftet. Zentral sind für ihn Fragen des Glaubens und der Macht; im Kloster, in der Kirche und außerhalb der Kirche. So ist immer unklar, wie sehr Benedetta von ihren Visionen selbst überzeugt ist oder sie nur benutzt, um im Kloster aufzusteigen. Die Wundmale fügt sie sich jedenfalls manchmal (?) selbst bei. Als die Pest im Land wütet, ergreift sie, mit der Hilfe einer Jesus-Vision, die geeigneten Maßnahmen, um die Bewohner der Stadt zu schützen. Sie lässt die Stadttore schließen. Auch dem Nuntius des Papstes, der herausfinden soll, was in dem Kloster geschieht, wird zunächst der Zutritt verwehrt.
Und es geht immer um die Struktur dieser Gesellschaft, Macht, Einfluss und Geld. Schon beim Gespräch über die Aufnahme von Benedetta ins Kloster zeigt Verhoeven, dass ein Kloster ein Wirtschaftsbetrieb ist, der sich rentieren muss. Für Benedettas Ausbildung zur Nonne muss ihr Vater daher viel Geld bezahlen. Später geht es auch immer wieder um Geld und Macht. Altruistisch handelt in dieser Welt niemand.
Verhoeven hält dabei in seinem präzise komponiertem Drama immer die Balance zwischen den verschiedenen Erklärungen. Deshalb habe ich vorher so oft „auch“ geschrieben. Als Zuschauer steht man ständig vor der Frage, wie sehr Benedetta wirklich eine überzeugte Gläubige oder eine eiskalte Manipulatorin und Karrieristin ist, die das Kloster nach iihren Vorstellungen formt. Auch die anderen Figuren sind in ihren Handlungen ännlich ambivalent angelegt.
Daher stört der Text am Filmende, in dem wir erfahren, was nach den im Film geschilderten Ereignissen mit Bendetta geschieht. Dieser Text präferiert eindeutig eine Erklärung für ihr Verhalten. Er vermittelt eine Gewissheit, die in den vorherigen zwei Stunden vermieden wurde.
Die Filmgeschichte beruht auf den umfangreichen Dokumenten des Prozesses gegen Benetta Carlini (1590 – 1661). Judith C. Brown entdeckte sie in einem Archiv in Florenz und verarbeitete sie zu ihrem Sachbuch „Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonnein in Italien zur Zeit der Renaissance“.
Verhoevens vorherigen Film „Elle“ nannte ich „Meisterwerk“. Das kann ich jetzt bei „Benedetta“ nicht nochmal schreiben. Was soll besser als ein Meisterwerk sein? Also muss ich wohl sagen: „Benedetta“ ist nicht schlechter als „Elle“. Und wieder steht, wie öfter bei Paul Verhoeven, eine Frau im Mittelpunkt, die nicht nach den Regeln spielt.
Benedetta (Benedetta, Frankreich 2021)
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: David Birke, Paul Verhoeven
LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)
mit Virginie Efira, Charlotte Rampling, Daphné Patikia, Lambert Wilson, Olivier Rabourdin, Louise Chevillotte, Hervé Pierre, Clotilde Courau, David Clavel, Guilaine Londez
John Huston – Filmkünstler und Freigeist (Frankreich 2021)
Regie: Marie Brunet-Debaines
Knapp einstündige Doku über John Huston (1906 – 1987). Sie wird als Teil einer sehr kleinen John-Huston-Filmreihe gezeigt. Um 20.15 Uhr zeigt Arte seinen Western „Denen man nicht vergibt“. Morgen, am 6. Dezember, gibt es um 20.15 Uhr „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“ (mit Marilyn Monroe) und um 22.15 Uhr seinen letzten Film, die selten gezeigte James-Joyce-Verfilmung „Die Toten“. Und das war’s dann auch schon mit der Filmreihe.
LV: Helen Aberson, Harold Pearl: Dumbo the Flying Elephant, 1939 (Roll-a-Book, von dem wahrscheinlich nur ein Prototyp hergestellt wurde)
TV-Premiere von Tim Burtons Realverfilmung des Disney-Klassikers über einen fliegenden Elefanten.
Ein seltsamer Film: ein Tim-Burton-Film ohne Tim-Burton-Feeling, ein Kinderfilm für Erwachsene und ein Realfilm, der vor allem am Computer entstanden ist.
mit Colin Farrell, Michael Keaton, Danny DeVito, Eva Green, Alan Arkin, Nico Parker, Finley Hobbins, Roshan Seth, Deobia Oparei, Joseph Gatt, Sharon Rooney, Lars Eidinger
1970 – im Film wird 1978 genannt – lernt der introvertierte Maurizio Gucci (Adam Driver) in Mailiand Patrizia Reggiani (Lady Gaga), die ausgehfreudige Tochter eines Transportunternehmer, kennen. Sie verlieben sich ineinander, heiraten 1972 und trennen sich 1985. Die Scheidung war 1994. Am 27. März 1995 wird Maurizio Gucci auf offener Straße erschossen.
1998 wird Patrizia Reggiani verurteilt. Sie soll einen Killer beauftragt haben, ihren Ex-Mann zu ermorden.
Zwischen diesen beiden Daten spielt sich Ridley Scotts neuer Film „House of Gucci“ ab. Es ist eine wahre Geschichte, über die damals viel berichtet wurde. Immerhin war hier alles versammelt, was das Herz der Klatschpresse jubilieren lässt und Stoff für mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Filme liefert. 2001 erschien Sara Gay Fordens Buch „The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour, and Greed“. Scott sicherte sich schnell die Verfilmungsrechte.
Angesichts des Films frage ich mich, was Scott an dieser Familiengeschichte und Ehe interessiert hat. Denn die von den wahren Ereignissen inspirierte Filmgeschichte hat keine Fokus. Scott spring sprunghaft zwischen der Geschichte der Ehe von Maurizio Gucci und Patrizia Reggiani und der Geschichte des Hauses Gucci hin und her, bleibt dabei trotz der epischen Laufzeit von fast hundertsechzig Minute erstaunlich kryptisch und oberflächlich. Vieles wirkt skizziert. Oft entwickelt sich die Handlung sprunghaft und lässt dabei immer wieder ein, zwei, drei wichtige Erklärschritte aus, die wichtig wären, um emotional involviert zu sein und die Gründe für die Handlungen der einzelnen Figuren zu verstehen.
Beide Geschichten können als selbstverschuldete Verfallsgeschichten gesehen werden. Denn noch vor seinem Tod verkaufte Maurizio Gucci, als letztes Mitglied der Familie, 1993 seine Firmenanteile an Investcorp. Davor zerfleischte sich die Familie und keiner der Söhne war fähig oder willens, das Unternehmen zu leiten. Maurizios Ehe endet in einer Scheidung. Danach plant Patrizia Reggiani hasserfült seine Ermordung. Im Film ist ihr Motiv eher enttäuschte Liebe, in der Realität könnten es primär finanzielle Überlegungen und die Hoffnung auf mehr Einfluss in dem Familienunternehmen gewesen sein. Lady Gaga spielt sie als Symbiose ungefähr aller italienischen Filmfrauen.
Über Maurizio Gucci wissen wir trotz Adam Drivers zurückhaltendem Spiel, nach zweieinhalb Stunden nicht mehr als am Anfang. Nämlich dass er wundervoll entspannt durch Mailand Fahrrad fahren kann. Es ist allerdings vollkommen unklar, wie er tickt, was er erreichen will und warum er was tut. Dabei scheint er in den Achtzigern, aus unbekannten Gründen, in die Rolle des Firmenchefs hingewachsen zu sein und in der Lage zu sein, seine Interessen durchzusetzen. Vorher sagte ihm seine Frau, was er zu tun habe und er, vollkommen desinteressiert an unternehmerischen Entscheidungen, folgte ihren Ratschlägen.
Scott findet auch keinen einheitlichen Tonfall. „House of Gucci schwankt zwischen 70er-Jahre-Italo-Thriller (vor allem am Anfang und bei den mit Al Pacino als Aldo Gucci in New York spielenden Szenen), Felliniesker Opulenz, überbordender Gefühls- und Verfallsoper, und Szenen, die wohl satirisch gemeint sind. Es gibt etwas Ehedrama und einige Firmenintrigen. Die Schauspieler geben dem Affen Zucker. Im besten Fall ist das als Einzelleistung überzeugend, im schlechtesten Fall einfach nur bizarr. Das gilt vor allem für den von Al Pacino gespielten Aldo Gucci, der in den USA das Gucci-Unternehmen vertritt und wie die Klischeevorstellung einer Kreuzung aus halbseidenem Unternehmer und 70er-Jahre-Mafiosi wirkt, und seinem von Jared Leto gespielten Filmsohn Paolo, der sich vor allem als Künstler sieht und dabei wie der Quartalsirre von nebenan wirkt. Er ist die erste Person, der man einen Vormund geben möchte. Für irgendeine Führungsposition ist er erkennbar unqualifiziert.
„House of Gucci“ ist eine missglückte Seifenoper, die nie verrät, was sie uns erzählen will oder warum wir uns für das Schicksal der Familie Gucci interessieren sollten.
Inzwischen hat Ridley Scott in einem Interview von einer längeren Version gesprochen, die er vielleicht für die DVD-Veröffentlichung erstellt. Diese könnte dann sogar in sich stimmiger sein.
House of Gucci(House of Gucci, USA 2021)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Becky Johnston, Roberto Bentivegna (nach einer Geschichte von Becky Johnston)
LV: Sara Gay Forden: The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour, and Greed, 2001 (GUCCI: Mode, Mord und Business)
mit Lady Gaga, Adam Driver, Al Pacino, Jeremy Irons, Jared Leto, Jack Huston, Salma Hayek, Alexia Murray, Vincent Riotta, Gaetano Bruno
Geronimo – Eine Legende(Geronimo: An American Legend, USA 1993)
Regie: Walter Hill
Drehbuch: John Milius, Larry Gross
Ein junger West-Point-Absolvent erzählt, wie er die Jagd auf Geronimo erlebte. Der Indianerhäuptling kämpfte mehrere Jahre gegen die US-Armee, bevor er sich 1886 kampflos ergab.
Postmoderner Spät-Western. „Die Geschichte des letzten Indianeraufstands als elegisches Dokudrama: ohne übergroße Helden, ohne mythische Überzeichnung in Bild und Stil. Indianer und Soldaten agieren wie Gezeichnete, die bei allem, was sie tun und wofür sie kämpfen, nur verlieren. (…) Sie ahnen, dass ihre Zeit abgelaufen ist, und wissen, dass sie dennoch nicht aufgeben dürfen.“ (Norbert Grob: Geronimo, in Bernd Kiefer/Norbert Grob: Filmgenres: Western, 2003)
mit Jason Patric, Robert Duvall, Gene Hackman, Wes Studi, Matt Damon
Das ist er also: der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests: eine Actionkomödie, in der Männer nach der Im-Dutzend-billiger-Methode getötet werden. Im Mittelpunkt steht Sam (Karen Gillan). Inzwischen arbeitet sie, wie ihre Mutter Scarlet (Lena Headey), die sie vor fünfzehn Jahren verlassen hat, als Profikillerin für eine Organisation, die sich „Die Firma“ nennt. Ihre Geschicke werden ausschließlich von Männern gelenkt. Der Manager der Firma ist Nathan (Paul Giamatti) und er hat jetzt die unangenehme Aufgabe, Sam zu erklären, dass sie bei ihrem letzten Auftrag den falschen Mann getötet hat. Dass sie von der Firma die falschen Informationen bekommen hat, dass der Tote übernaupt nicht an dem Ort hättte sein dürfen und dass man bei der Nennung der Zahl ihrer Gegner mindestens eine Null vergessen hat, ist egal.
Sam könnte ihren Fehler mit einem neuen Auftrag ausbügeln: sie soll einen Koffer voller Geld an einen Erpresser überbringen, der von der Firma wichtige Papiere gestohlen hat.
Nun, auch diese Aktion läuft spektakulär aus dem Ruder. Einige Männer sterben und wir haben gelernt, wie frau eine Koffer als tödliche Waffe einsetzt.
Danach wird Sam von der Firma gejagt. Außerdem fühlt sie sich für die naseweise achtjährige Emily (Chloe Coleman) verantwortlich. Denn sie hat Emilys Vater umgebracht.
Die einzigen Menschen, die ihr helfen könnten, sind die Bibliothekarinnen Anna May (Angela Bassett), Florence (Michelle Yeoh) und Madeleine (Carla Gugino). Ihr Arbeitsort ist eine altehrwürdige Bibliothek. Aber viele der kostbaren alten Büchern in ihrer Bibliothek werden zum Lagern von Waffen benutzt.
„Gunpowder Milkshake“ ist ein Actionfilm, der natürlich an die John-Wick-Filme und die dort liebevoll über mehrere Filme ausgebaute Mythologie erinnert.
Bei Navot Papushado („Big Bad Wolves“) und seinem Co-Drehbuchautor Ehud Lavski ist die Welt, in der die Geschichte spielt, ebenso ausgedacht. Aber, und das macht einen erfrischenden Unterschied, mit einer eindeutig feministische Botschaft. Die Firma ist selbstverständlich ein Abbild unserer Gesellschaft und ihrer Strukturen. Seit Jahrhunderten haben Männer die Macht. Sie sagen den Frauen, was zu tun ist. Sie verwehren ihnen den gesellschaftlichen Aufstieg aus ihrer Killerkaste.
Und so ist Sams Kampf dann auch ihre Emanzipation von dieser Gesellschaft. Zuerst wird sie unfreiwillig Mutter. Dann verbündet sie sich mit den anderen Frauen und sie bringen die Männer um, die sie umbringen wollen. Diese werden selbstverständlich von Minute zu Minute mehr. Und, altehrwürdigen Thriller-Gesetzen gehorchend, bringen sie in diesem Kampf dann auch das alte Imperium der Männer zu Fall.
Das ist furios inszeniert, mit einer eindeutigen, aber nicht übermäßig plakativen Botschaft. Schließlich ordnet Papushado den einzelnen Seiten in seiner Genregeschichte nur ein eindeutig definiertes Geschlecht zu. Auf der einen Seite sind die Männer, auf der anderen Seite die Frauen, die sich nur gegen die Gewalt der Männer wehren.
„Gunpowder Milkshake“ ist ein witziger Actionthriller mit hemmungslos übertriebener Comicgewalt, der sich eindeutig an die Fans von Filmen wie „John Wick“, „Nobody“ und der äußerst schwarzhumorigen Gewaltorige „Guns Akimbo“ richtet. Nur dass dieses Mal, auch wenn Karen Gillan öfter betont machohaft wie John Wayne durch die Landschaft stakst, der Held eine Frau ist.
mit Karen Gillan, Lena Headey, Michelle Yeoh, Angela Bassett, Carla Gugino, Paul Giamatti, Chloe Coleman, Ralph Ineson, Adam Nagaitis, Michael Smiley, Freya Allan
The Broken Circle (The Broken Circle Breakdown, Belgien/Niederlande 2012)
Regie: Felix van Groeningen
Drehbuch: Carl Joos, Felix van Groeningen (nach dem Theaterstück von Johan Heldenbergh)
Die mit viel Bluegrass-Musik gewürzte Liebesgeschichte zwischen Didier und Elise, die gegensätzlicher kaum sein könnten, erlebt heute seine TV-Premiere.
Zombies sind auch nur Menschen, die sich verlieben können. Jedenfalls passiert das dem Zombie R. Nachdem er ein Gehirn verspeist hat, ist er verliebt in Julie, die Freundin seines letzten Opfers.Und sie findet R auch ganz sympathisch.
Herzige Zombie-Teenie-Romanze mit Romeo-und-Julia-Touch.
Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)
Als ihr Zuhälter eine junge Prostituierte brutal zusammenschlägt, beschließt Robert McCall, dem Schläger eine Lektion zu erteilen. Die Sache läuft dann aus dem Ruder.
Spannender Actionthriller, der nur sehr lose von der gleichnamigen TV-Serie inspiriert ist.
mit Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Haley Bennett, Bill Pullman, Melissa Leo, David Meunier, Johnny Skourtis, Alex Veadov
An der niederländischen Küste wird ein Mitsubishi Eclipse angespült. Mit einem toten Mann an Bord. Jack Polesti heißt er. Und weil er öfters Spritztouren mit geklauten Autos unternahm, ist er polizeibekannt. Eigentlich sollte er in England sein. Es gibt nämlich keine Spur und keinen Hinweis, wie er die Insel auf natürlichem Weg verlassen haben könnte. Einen übernatürlichen Weg gäbe es und da kommt Peter Grant, Mitglied der Einheit für Spezielle Fälle der Polizei von London, ins Spiel. Diese speziellen Fälle haben nämlich immer irgendetwas mit Magie zu tun.
Die ermittelnden Beamten glauben, dass Polesti an illegalen Straßenrennen teilnahm, die von Emmanuel Gross, einem legendärem Schmuggler, organisiert werden. Sie glauben, dass Gewinne bei den Straßenrennen die Eintrittskarte zu ganz anderen Autorennen in einer anderen Welt sind.
Um dorthin, also das Land der Fae und das Schloss der Gefahren, zu gelangen, muss Grant an illegalen Autorennen teilnehmen.
„Motoren, Magie und Märchen!“, wieder geschrieben von Andrew Cartmel, ist das „Fast & Furious“-Abenteuer von Peter Grant. Angesichts des letzten „Fast & Furious“- Films wirkt die von Cartmel geschriebene, außerhalb unserer Zeit und Raum spielende Geschichte höchst realistisch. Sie ist auch glaubwürdiger.
Einen großen Teil der Geschichte nehmen die Autorennen ein. Da bleibt dann wenig Zeit für magische Verwicklungen. So ist das achte Comicabenteuer von Peter Grant eine durchaus unterhaltsame, aber auch etwas beliebige Kurzgeschichte. Damit richtet sie sich eher an die Fans der Serie. Neueinsteiger dürften sich fragen, was das Besondere an den magischen Abenteuern von Peter Grant ist.
In der „Die Flüsse von London“-Chronologie spielt die Geschichte vor Ben Aaronovitchs Roman „Die Glocke von Whitechapel“.
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Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Mariano Laclaustra: Die Flüsse von London: Motoren, Magie und Märchen! (Band 8)
Auf einem Kreuzfahrtschiff soll der Austausch eines geklauten Bildes stattfinden. Aber weil es bei der Abfahrt Probleme gab, sind jetzt nur zwei der drei Diebe an Bord. Unter falscher Identität als Imitatoren von David Bowie und Elvis Presley für das abendliche Unterhaltungsprogramm der Reisenden. Dummerweise haben Vincent Kowalski und Nils Forsberg nicht die geringste Ähnlichkeit mit den beiden Musikern und ihre Live-Performer-Qualitäten sind auch überschaubar. Sie hatten nur die Koffer von den echten Imitatoren geklaut, um auf das Schiff zu kommen.
Auf dem Schiff treffen sie schnell auf etliche Menschen, die ihre falsche Identität mühelos durchschauen und die das von ihnen aus einem Museum gestohlene, 1915 entstandene Kasimir-Malewitsch-Gemälde „Das schwarze Quadrat“ in ihren Besitz bringen wollen. Und schon beginnt – wir befinden uns in einer Komödie – das lustige Spiel, in dem das Gemälde mehrmals geklaut, immer gesucht und oft gefälscht wird, sich alle gegenseitig betrügen und auch ermorden. Die Leiche wird dann beherzt ins Meer geworfen. Bei diesem Spiel ist keine der beteiligen Figuren mit übermäßiger Intelligenz gesegnet.
Nein, besonders plausibel ist das Setting nicht und die „Das kann mein zweijähriger Sohn besser“-Gags über moderne Kunst sollten langsam der Vergangenheit angehören. Aber anderseits trifft dieser Gag präzise das humoristische Niveau des Films.
Auch das gesamte Schiff und seine Passagiere wirken wie abgeranzte Relikte aus den Fünfziger Jahren. Ein übergewichtiger Bowie-Imitator und die auf dem Schiff installierte Videoüberwachung ändern daran nichts.
Peter Meisters prominent besetzter Debütfilm „Das schwarze Quadrat“ ist eine arg altbackene Komödie.
Das schwarze Quadrat (Deutschland 2021)
Regie: Peter Meister
Drehbuch: Peter Meister
mit Bernhard Schütz, Sandra Hüller, Jacob Matschenz, Pheline Roggan, Christopher Schärf, Victoria Trauttmansdorff, Wolfram Packhäuser
In New York geht ein perverser Serienfrauenmörder um. Dies ist seine Geschichte.
Möglicherweise zeigt Tele 5 den lange aufgrund seiner Gewaltdarstellungen verbotenen Film heute in der ungekürzten Version.
Ein schlechter Film, aber ein einflussreicher Horrorfilm, der auch in gekürzten Fassungen eine unangenehme nihilistische Atmosphäre nackter Angst verbreitet. Aus heutiger Sicht sind auch die Bilder des damaligen New Yorks interessant. Denn wie es sich für einen mit einem Minibudget gedrehten Film gehört, wurde ohne Genehmigung einfach auf der Straße gedreht.
mit Joe Spinell, Caroline Munro, Gail Lawrence, Kelly Piper, Sharon Mitchell, Tom Savini (der sich hier den Kopf wegschießt; – jedenfalls in der ungekürzten Version)
Bevor Nikias Chryssos für seinen zweiten Spielfilm, nach dem grotesken Kammerspiel „Der Bunker“, seine Filmsekte erfand, recherchierte er im Sektenmilieu. Er fand, so sagt er, eine faszinierende „Mischung aus echter Begeisterung auf Seiten der Anhänger, fast erotischer Aufladung und Albernheit (…) Und was von außen vor allem skurril wirkte, erwies sich bei einem Blick hinter die Kulissen doch als Mischung aus falschen Versprechungen, Lügen und Formen von Missbrauch.“
Er entdeckte immer wieder ähnliche Strukturen und bemerkte, wie wichtig in vielen Sekten Waschrituale und ein Streben nach Reinheit sind. Das trieb er in „A pure Place“ auf eine porentief reine Spitze. In der von Fust angeführten Sekte ist Seife enorm wichtig. Alles muss sauber sein. Der Schmutz muss weggeschrubbt werden. Fust umgibt mit seinem weißen Anzug, seiner Sonnenbrille, seinem Vollbart, seinen ausladenden Geste und seiner manirierten Sprechweise eine geheimnisvolle und weltentrückte Aura. Ein wenig wirkt er wie ein aus der Zeit gefallener Kolonialherr. Seine Jünger beten ihn an.
Während bei ihnen alles sauber ist, schuften im Keller des auf einer griechischen Insel liegenden Herrenhauses Waisenkinder. Sie leben im Dunkeln, zwischen Schweinen, im Dreck. Sie stellen die für die Sekte wichtige heilbringende Seife her.
Eines Tages holt Fust die 14-jährige jungfräuliche, aber schon sehr weiblich aussehende Irina aus diesem Schmutz heraus. Er trennt sie so von ihrem jüngerem Bruder Paul. Irina soll in den auserwählten Kreis seiner Sektenjünger aufsteigen. Als erstes soll sie mit Siegfried in einem Theaterstück auftreten. In dem Mysterienspiel soll sie die für die Sekte wichtige Hygeia, die Göttin der Reinheit, verkörpern.
„A pure Place“ ist vor allem die Milieustudie einer Sekte und ihrer Strukturen. Chryssos erzählt das, sich dabei immer auf dem schmalen Grad zwischen Arthaus, Kunst und Trash bewegend, als edel bebildertes Horror-Sittengemälde mit erotischen Anspielungen. Es gibt auch etwas griechische Mythologie, Wagner und Nazismus. Das erinnert an Filme aus den Siebzigern, die mal Kunst, mal Exploitation waren, immer provozieren wollten, und in denen unter südlicher Sonne nackte Frauenkörper in herrschaftlichen, größtenteils leerstehenden Villen gezeigt wurden, während irgendwelche Geister und Monster durch die Gänge schlichen.
„A pure Place“ ist ein sympathisch-sperriger Film, der seinen, zugegeben prätentiösen, Spaß mit prätentiösen Sekten hat.
A pure Place (Deutschland 2021)
Regie: Nikias Chryssos
Drehbuch: Nikias Chryssos, Lars Henning Jung
mit Sam Louwyck, Greta Bohacek, Claude Heinrich, Daniel Sträßer, Daniel Fripan, Lena Lauzemis, Wolfgang Czeczor
Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern
Vor dem Drehstart sollte es nur ein weiterer billiger Biker-Film werden. Doch als „Easy Rider“ in die Kinos kam, wurde er zu einem Kultfilm für eine Generation und der Initialzündung für das New-Hollywood-Kino. Oder, wie ein älterer Mann während der Berlinale-Aufführung 2004 zu seinem Nachbarn sagte:
„Ich habe den Film noch nie gesehen.“
„Wirklich?“
„Nüchtern.“
Die Story des Roadmovies ist denkbar einfach: zwei junge Männer fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras. Ihre Reise wird zu einem Porträt Amerikas.
Die Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, Roger McGuinn und Jimi Hendrix trug sicher auch ihren Teil zum Erfolg bei.
„Easy Rider (war) der richtige Film zur richtigen Zeit. Sein Kassenerfolg gab der Filmindustrie, die in den sechziger Jahren mit superteuren, starbestückten Ausstattungsfilmen ihr Publikum nicht mehr gefunden hatte, eine neue Richtung vor: Filme für ein junges Publikum, gedreht außerhalb der Studios on location.
Wahrscheinlich war Easy Rider auch deshalb ein solcher Erfolg, weil er eben nicht den vollkommenen Bruch mit der Tradition vollzog (…), sondern vielmehr anknüpfte an amerikanische Mythen – und sie zugleich hinterfragte. Aus dem Gegensatz von klassischer narrativer Struktur im Motiv der Reise und visuellem Bruch mit den Gewohnheiten erwächst die Stärke von Easy Rider, der seine Kraft ebenso den Kinoerinnerungen an die Landschaftsbilder des Westens verdankt wie der präzisen Auswahl von zeitgenössischen Rocksongs.“ (Frank Arnold in Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho: New Hollywood 1967 – 1976: Trouble in Wonderland)
mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector, Bridget Fonda (ungenanntes Debüt; Kind in der Kommune)
Bevor er zuschlägt, schickt der Mörder jeden Tag eine Rose zu seinem nächsten Opfer. Nach der zwölften Rose kommt er vorbei und tötet sein Opfer mit einem gezielten Schuss aus einer Luger P08 ins Genick. Der ermittelnde Staatsanwalt De Carolis steht vor einem Rätsel. Was ist die Verbindung zwischen den Opfern und was bedeuten die zwölf Rosen? fragt er sich.
Zur gleichen Zeit lebt die geschiedene 42-jährige Mina Settembre wieder bei ihrer im Rollstuhl sitzenden und munter keifenden Mutter. Sie kommt aus wohlhabenden Verhältnissen und arbeitet jetzt als schlecht bezahlte Sozialarbeiterin in einer Beratungsstelle im Spanischen Viertel, dem Armenviertel der Stadt. Sie hat, wie uns alle paar Seiten wortreich erklärt wird, unglaublich große, wundervoll geformte Brüste.
Heimlich verliebt ist sie in Domenico ‚Mimmo‘ Gammardella. Der im Nebenbüro praktizierende, gutaussehende, etwas schüchterne Frauenarzt erinnert sie an ihren Lieblingsschauspieler Robert Redford; – auch das wird uns alle paar Seiten mit Hinweisen auf Redford-Filme gesagt. Er hat allerdings keine Augen für sie, ihre Na, Sie wissen schon, oder die zahlreichen in ihn schulmädchenhaft verliebten Patientinnen und die ebenso in ihn verknallten männlichen Patienten, die sich als Frauen ausgeben.
Näher kommen Mina und Domenico sich über Ofelia Ramirez und ihre elfjährige Tochter Flor. Das Mädchen glaubt, dass ihr Vater Alfonso Caputo ihre Mutter umbringen will. Mina will das verhindern. Domenico soll ihr dabei helfen.
Dieser Plot – also die Rettung der beiden Frauen aus den Klauen des gewalttätigen Mannes, der auch ein Verbrecher mit guten Verbindungen ist – nimmt den größten Teil des dünnen Romans ein. Erst am Ende treffen Mina und der Serienmörder aufeinander. Bis dahin hat Mina keine Ahnung, dass sie in Lebensgefahr schwebt.
Weil Maurizio de Giovanni einen angenehmen Schreibstil hat, liest man die leicht humoristisch gefärbte, rundum harmlose Geschichte flott weg.
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Maurizio de Giovanni: Zwölf Rosen in Neapel – Der erste Fall für Mina Settembre
(übersetzt von Susanne Van Volxem und Olaf Matthias Roth)
The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (The Wrestler, USA 2008)
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Robert Siegel
Über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere Preise nominiert, Kritikerliebling, und die gloriose, allerdings nicht nachhaltige Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler. Er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert.
Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‘The Ram’ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.
Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.
Als nächsten Film drehte Aronofsky den grandiosen Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildliche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.
Zwei Wochen nach der sehenswerten Doku „Billie – Legende des Jazz“ über die Jazzsängerin Billie Holiday kommt jetzt Liesl Tommys sehenswertes Biopic „Respect“ über die Soulsängerin Aretha Franklin in die Kinos. Tommy konzentriert sich auf die frühen Jahre der 1942 geborenen Sängerin. Nach einem 1952 in Detroit spielendem Prolog, in dem die zehnjährige Aretha Franklin mit ihrem Gesang die Abendgesellschaft ihres Vaters, des Predigers Reverend CL Franklin, erfreut, geht es weiter in das Jahr 1959 und damit zu den Anfängen von Franklins Profikarriere. Sie – ab diesem Moment wird sie von Aretha Franklins Wunschbesetzung Jennifer Hudson überzeugend gespielt – hatte schnell Erfolg. Vor allem nach ihrem Wechsel zu Atlantic folgte Hit auf Hit. Ihr Engagement für die Bürgerrechtsbewegung wird im Film eher stiefmütterlich behandelt. Das gleiche gilt für bestimmte Aspekte ihres Privatlebens, wie, dass Franklin ihr erstes Kind als Zwölfjährige, das zweite als Vierzehnjährige bekam.
Tommy erzählt Franklins Leben in den Sechzigern chronologisch bis zu ihrem Gospelkonzert 1972 in der Missionary Baptist Church in Watts, Los Angeles, das für die Doppel-LP „Amazing Grace“ aufgenommen wurde. Es ist das erfolgreichste Live-Gospel-Album aller Zeiten und Franklins größter kommerzieller Erfolg.
Mit diesem Triumph endet „Respect“. Ihr weiteres Leben wird – und das ist eine kluge Entscheidung – im Abspann mit Bildern der echten Aretha Franklin abgehandelt.
„Respect“ ist in seiner konventionellen Machart nie schlecht, aber auch nie hundertprozentig überzeugend. Im Film wechseln sich Szenen aus Franklins Leben mit von ihr an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Gelegenheiten gesungenen Liedern ab. Das gibt einen guten Überblick über ihre verschiedenen biographischen Stationen und Hits. Gleichzeitig wirkt ihr Leben wie eine Abfolge mühelos erreichter Erfolge. Nie muss sie Proben. Nie gibt es Konflikte mit ihrer Band. Im Gegenteil: sogar als sie in Alabama zum ersten Mal mit einer ausschließlich aus weißen Männern bestehenden Band zusammen spielen muss, gelingt dieses Zusammenspiel sofort perfekt und die Männer folgen willig ihren Anweisungen.
In ihrem Privatleben gab es zwar Konflikte – ihre Schwangerschaften, ihre Beziehung zu ihrem Vater, ihre Beziehung zu ihrem Ehemann -, aber sie werden nie vertieft, sondern nur pflichtschuldig erwähnt. Daher bleibt auch unklar, was Aretha Franklin als Künstlerin und Mensch antreibt. Sie sagt nur einige Male, dass sie Hits will. Hits sind allerdings eine rein kommerzielle und keine künstlerische Messlatte. Immerhin endet „Respect“ mit dem Konzert in der Missionary Baptist Church, bei dem die Sängerin mit Gospelsongs zu ihren musikalischen Wurzeln zurückkehren wollte.
„Respect“ ist ein überaus respektvoll verfilmter Wikipedia-Artikel mit viel Musik.
Respect(Respect, USA 2021)
Regie: Liesl Tommy
Drehbuch: Tracey Scott Wilson
mit Jennifer Hudson, Forest Whitaker, Marlon Wayans, Marc Maron, Skye Dakota Turner, Saycon Sengbloh, Hailey Kilgore, Albert Jones, Kimberly Scott, Tituss Burgess, Myk Watford, Audra McDonald, Mary J. Blige, Gilberg Glenn Brown