Neu im Kino/Filmkritik: „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ und in der Vergangenheit

November 25, 2021

Wie alles endet, haben wir 2017 in „Resident Evil: The final Chapter“ erfahren.

Jetzt gibt es mit „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ einen Neustart der an der Kinokasse erfolgreichen Reihe. Schließlich spielten die sechs „Resident Evil“-Filme mit Milla Jovovich in der Hauptrolle weltweit über 1,2 Milliarden Dollar ein.

Für diesen Neustart wird in der Chronologie zurückgesprungen in das Jahr 1998 und damit bevor Alice (Milla Jovovich) in einer zunehmend dystopischen Welt reihenweise Menschen tötet, die durch das von der Umbrella Corporation erfundene T-Virus zu Zombies wurden. 1998 hoffte die Umbrella Corporation noch, die katastrophalen Folgen ihrer Versuche in Raccoon City einzuhegen.

Mehr oder weniger im Mittelpunkt der Geschichte des neuen Films steht Claire Redfield. Sie verbrachte in Raccoon City ihre Kindheit mit ihrem Bruder Chris in dem von der Umbrella Corporation betriebenem Kinderheim. Dieses sieht wie eines dieser fürchterlichen Fünfziger-Jahre-Kinderheime oder eine Dependance des Arkham Asylum aus. Chris arbeitet inzwischen als Polizist in Raccoon City. Sie verschwand schon vor vielen Jahren aus der Stadt.

Jetzt kehrt sie in einer regnerischen Nacht zurück nach Raccoon City. Inwzischen ist aus der Bergarbeiterstadt eine vom Pharmakonzern Umbrella Corporation aufgegebene Geisterstadt geworden. In der Geisterstadt leben nur noch einige Menschen, die kein Geld zum Umzug hatten, Sicherheitsleute und Polizisten.

Kurz nachdem Claire in der Stadt ist, häufen sich die meist tödlichen Angriffe von seltsamen Wesen auf die Menschen. Denn Experimente der Umbrella Corporation sind schiefgegangen, Menschen verwandeln sich in Zombies und das fröhliche Morden beginnt. Dabei spielt die Hauptaction im und vor dem Polizeirevier und in und unter der zur Umbrella Corporation gehörenden, abgelegen im Wald liegenden Spencer Villa.

Welcome to Raccoon City“ beginnt überraschend gelungen mit Bildern der nächtlichen Stadt, Gesprächen in einem schön abgeranztem Diner und den ersten Begegnungen mit den Zombies. Diese Bilder und die spätere Belagerung des Polizeireviers, bei der die Zombies sich gegen das Gitter am Eingang pressen, erinnern an John Carpenters frühe Filme (vor allem „Assault – Anschlag bei Nacht“, auch etwas „Die Fürsten der Dunkelheit“) und George A. Romeros Zombiefilme.

Danach fügt Johannes Roberts („47 Meters Down“, „The Strangers: Opfernacht“) nur noch, ohne Sinn und Verstand, Szenen aneinander. Raccoon City ist dann nur noch eine Ansammlung von unverbunden nebeneinander stehenden Sets, in denen die Figuren eine Aufgabe bewältigen müssen: nicht von Zombies gebissen zu werden. Die Motive und Ziele der einzelnen Figuren werden nicht mehr erklärt. Es wird einfach nur behauptet und geballert. Die Dialoge sind oft atemberaubend schlecht. Ich erwarte bei einem B-Picture keine Shakespeare-Dialoge, aber sie sollten und können besser als eine allererste „Ich schreibe das mal auf, damit da etwas steht“-Fassung sein. Die Action spielt sich weitgehend in dunklen Räumen, die manchmal mit einer Taschenlampe spartanisch erleuchtet werden, ab.

Das alles macht „Welcome to Raccoon City“ zu einem Science-Fiction-Zombiefilm, den man getrost ignorieren kann. Trotzdem wird er sein Geld einspielen und uns den nächsten „Resident Evil“-Film bescheren.

Resident Evil: Welcome to Raccoon City (Welcome to Raccoon City, USA/Deutschland/Großbritannien 2021)

Regie: Johannes Roberts

Drehbuch: Johannes Roberts

mit Kaya Scodelario, Hannah John-Kamen, Robbie Amell, Tom Hopper, Avan Jogia, Donal Logue, Neal McDonough

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Moviepilot über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Metacritic über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Rotten Tomatoes über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Wikipedia über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The other side of the door“ (The other side of the door, USA 2015)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The Strangers: Opfernacht“ (The Strangers: Prey at Night, USA 2018)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „47 Meters down: Uncaged“ (47 Meters down: Uncaged, USA 2019)


TV-Tipp für den 25. November: Ray & Liz

November 24, 2021

WDR, 23.30

Ray & Liz (Ray & Liz, Großbritannien 2018)

Regie: Richard Billingham

Drehbuch: Richard Billingham

TV-Premiere. Fotograf Richard Billingham erzählt in seinem präzise fotografiertem Filmdebüt die Geschichte seiner Eltern Ray und Liz, die in Birmingham zur unteren Arbeiterklasse gehören. Es sind deprimierende Bilder aus deinem deprimierendem Leben. Danach möchte man, um sich besser zu fühlen, mindestens ein Feelbad-Movie sehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ella Smith, Justin Salinger, Patrick Romer, Deirdre Kelly, Tony Way, Sam Gittins, Joshua Millard-Lloyd

Hinweise

Moviepilot über „Ray & Liz“

Metacritic über „Ray & Liz“

Rotten Tomatoes über „Ray & Liz“

Wikipedia über „Ray & Liz“

Meine Besprechung von Richard Billinghams „Ray & Liz“ (Ray & Liz, Großbritannien 2018)


DVD-Kritik: Francis Ford Coppolas „The Outsiders“ in mehreren tollen Ausgaben

November 24, 2021

Bevor ich einige Worte über die neue „Special Edition“ von „The Outsiders“ verliere, gibt es zuerst einmal meine Gedanken zum Film:

The Outsiders“ ist die Verfilmung von S. E. Hintons gleichnamigem Romandebüt. In dem Buch schildert sie, basierend auf eigenen Erlebnissen, vom Leben der Greaser und der Socs. Die Greaser sind eine aus der Arbeiterklasse und unteren Arbeiterklasse stammende Jugendgang. Die Socs sind die rivalisierende, aus dem wohlhabenden Teil von Tulsa, Oklahoma, stammende Gang.

Eine richtige Geschichte hat „The Outsiders“ nicht. Es ist eine in den Sechzigern (die nach den Fünfzigern aussehen) spielende, locker verknüpfte Abfolge von Episoden aus dem Alltag der Jugendlichen. Es wird sich geschlagen, geliebt, getrunken, miteinander ins Autokino gegangen und, nachdem einer der Socs bei einer Schlägerei versehentlich stirbt, müssen zwei Mitglieder der Greasers aufs Land flüchten. Dort verstecken sie sich in einer abgelegen liegenden, verfallenen Holzkirche, retten einige Kinder, kehren als Helden zurück und prügeln sich wieder mit den Socs.

Die Besetzung besteht aus damals unbekannten, aber aufstrebenden Schauspielern. C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez und Tom Cruise spielten mit. Erstaunlich viele von ihnen sind heute noch aktiv, bekannt und beliebt. Und Musiker Tom Waits hat auch einen kurzen Auftritt. Er schrieb die Musik für Coppolas vorherigen Film „Einer mit Herz“ (One from the Heart).

Der Film selbst war für Coppola nach dem Riesenerfolg von „Apocalypse Now“ und dem Megaflop „Einer mit Herz“, der ihn und seine Firma Zoetrope in den Ruin trieb, der Versuch mit einem sicherem Hit – einem für wenig Geld mit damals unbekannten Schauspielern, basierend auf einem bei Jugendlichen bekanntem und beliebten Buch – seine finanzielle Situation zu verbessern. Bei der Kritik kam der „… denn sie wissen nicht, was sie tun“-Verschnitt (Rebel Without a Cause) damals nicht so gut an. So schrieb, stellvertretend für weitere negative zeitgenössische Besprechungen, Variety: „Francis Coppola hat einen handwerklich und schauspielerisch guten, aber sehr konventionellen Film (…) gemacht. Obwohl er in den Mittsechzigern spielt, sieht der Film wie ein Fünfziger-Jahre-Drama über Problemkinder aus, wie sie von Nicholas Ray und Elia Kazan gedreht worden sind, ohne allerdings jemals deren Tiefe und Spannung zu erreichen.“

Beim Publikum kam der Film besser an. Inzwischen ist es ein äußerst beliebter Film, der allein schon wegen der mitspielenden Schauspieler und der wunderschönen Sonnenuntergänge sehenswert ist.

Coppola selbst hatte den Film damals, auf Druck des Studios, von gut zwei Stunden auf neunzig Minuten gekürzt. 2005 veröffentlichte er eine umfangreiche Fassung, in die er die damals geschnittenen, den Romanlesern bekannte Szenen wieder einfügte und den Soundtrack veränderte und ergänzte. Sein inzwischen verstorbener Vater Carmine Coppola hatte für die neu eingefügten Szenen damals keine Musik geschrieben. Diese Fassung nannte Francis Ford Coppola „The Outiders: The complete Novel“. Sie ist näher am Buch und auch die Fassung, die Coppola ursprüngllich veröffentlichen wollte.

Die jetzt erstellte 4K-Version unterscheidet sich nicht von der 2005 veröffentlichten Version. Außer dass das Bild neu abgetastet wurde. Es ist brillant. Schönere Sonnenuntergänge wird man in diesem Herbst wohl nicht im Kino sehen.

Und nun kommen wir zur „Special Edition“, die jetzt bei Studiocanal erschienen und ein gutes Weihnachtsgeschenk ist. Es gibt den Film als DVD (mit umfangreichem Bonusmaterial), als Blu-Ray (mit noch mehr Bonusmaterial) und als Collector’s Edition (mit noch etwas mehr Bonusmaterial, das nicht auf den Blu-rays zu finden ist, und einer schicken Verpackung). Das dürfte dann das Weihnachtsgeschenk für den bekennenden Fan und Sammler sein.

Insgesamt sind auf den beiden Blu-rays, eine mit der Kinofassung, eine mit der „Complete Novel“-Fassung, deutlich über zwei Stunden Bonusmaterial enthalten.

Neu sind ein eine Einführung von Francis Ford Coppola, ein Interview mit James Mockoski, Head of Archives and Restoration bei American Zoetrope und Colorist Gregg Garvin über die 4K-Restaurierung, ein Interview mit Kameramann Stephen Burum, das Featurette „Old House New Home – Ein Museum für die ‚Outsiders’“ und bislang nicht gezeigte geschnittene Szenen.

Das ältere Bonusmaterial entstand vor allem im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der „The complete Novel“-Version 2005. Es handelt sich um das Featurette „Stay Gold – Ein Blick zurück auf ‚The Outsiders’“, einer durch zu den Drehorten in Tulsa mit der Buchautorin S. E. Hinton, Minilesungen aus dem Roman von Rob Lowe, Patrick Swayze, C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Leif Garret und Diane Lane, in denen sie ihre Figuren vorstellen, Aufnahmen vom ungewöhnlichen Casting der „Outsiders“ (Coppola versammelte alle Bewerber in einem Raum und ließ sie verschiedene Rollen spielen), eine Reportage von NBC’s News Today von 1983 über den Film, einige geschnittene und erweiterte Szenen und, selbstverständlich, den Kinotrailer von 1983.

Außerdem gibt es bei der Langfassung zwei Audiokommentare. Einer von Francis Ford Coppola. Einer von Matt Dillon, C. Thomas Howell, Diane Lane, Rob Lowe, Ralph Macchio und Patrick Swayze, die gemeinsam in Erinnerungen an den Film schwelgen.

Das macht dann aus über zwei Stunden über sechs Stunden Bonusmaterial.

Alle Featurettes sind ausführlich (drei sind über sieben Minuten, die anderen über zehn Minuten und das längste Featurette über 26 Minuten), äußerst informativ und mit erstaunlich wenigen Doppelungen. Sie liefern, wie das Bonusmaterial bei „Apocalypse Now“, das Hintergrundmaterial für kommende cineastische Analysen. Damit sind sie für Fans des Films und von Francis Ford Coppola eine Fundgrube.

The Outsiders: The complete Novel (The Outsiders, USA 1983/2005)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Kathleen Knutsen Rowell

LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)

mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton

auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel) bzw. „Die Outsider“ (Kinotitel)

Blu-ray (Special Edition)

Studiocanal/Arthaus

Bild: 2,40:1 (1080/24 p Full HD)

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DTS-HD MA)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Über die Restaurierung: Interview mit James Mockoski, Head of Archives and Restorations bei American Zoetrope und Colourist Gregg Garvin (auch DVD); Interview mit Kameramann Stephen Burum (auch DVD); Geschnittene Szenen (auch DVD); Einführung von Francis Ford Coppola (auch DVD); “Outsider Looking In” – neues Interview mit Francis Ford Coppola über Schlüsselszenen eines Kultfilms (auch DVD); Featurette “Old House New Home” – Ein Museum für die “Outsiders” (auch DVD); Trailer (auch DVD)

exclusives Blu-ray Bonusmaterial: Audiokommentar von Francis Ford Coppola, Audiokommentar von Matt Dillon, C. Thomas Howell, Diane Lane, Rob Lowe, Ralph Macchio und Patrick Swayze; Featurette “Stay Gold”: Ein Blick zurück auf THE OUTSIDERS; S.E. Hinton am Drehort in Tulsa; Das Casting der “Outsiders”; NBC’s News Today von 1983, ‚The Outsiders‘ Started by School Petition; Sieben Teammitglieder (Lowe, Swayze, Howell, Dillon, Macchio, Garret and Lane) lesen Auszüge aus dem Roman; Geschnittene und erweiterte Szenen; Kinotrailer von 1983

Länge: 91 (Kinofassung)/115 Minuten (The complete Novel)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Studiocanal über „Best of Cinema“

Moviepilot über „The Outsiders“

Metacritic über „The Outsiders“

Rotten Tomatoes über „The Outsiders“

Wikipedia über „The Outsiders“ (deutsch, englisch)

Homepage von S. E. Hinton

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

 


TV-Tipp für den 24. November: Spion(e)

November 23, 2021

Arte, 20.15

Spion(e) (Espion(s), Frankreich/Großbritannien 2009)

Regie: Nicolas Saada

Drehbuch: Nicolas Saada

Nachdem auf dem Flughafen Charles de Gaulle ein Diplomatenkoffer explodiert, erhält der in kriminelle Geschäfte verwickelte Gepäckkontrolleur Vincent eines dieser Angebote, das er ablehnen sollte, aber nicht kann. Er soll für den Geheimdienst als Spion arbeiten.

TV-Premiere. Das könnte eine echte Überraschung sein. Die französischen Kritiken über diesen Agentenfilm mit John-le-Carré-Touch sind jedenfalls überaus positiv.

mit Guillaume Canet, Géraldine Pailhas, Stephen Rea, Hippolyte Girardot, Archie Panjabi, Vincent Regan, Alexander Siddig

Wiederholung: Donnerstag, 25. November, 14.15 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Spion(e)“

Rotten Tomatoes über „Spion(e)“

Wikipedia über „Spion(e)“


Cover der Woche

November 23, 2021

Nach dem Ende der TV-Serie „Leverage“ erschienen bei Berkley Boulevard Books drei „Leverage“-Romane mit neuen Cons: „The Bestseller Job“ von Greg Cox, „The Con Job“ von Matt Forbeck und „The Zoo Job“ von Keith R. A. DeCandido.

Mit „Leverage: Redemption“ gab es dieses Jahr einen aus sechzehn Episoden bestehenden Nachschlag, bei dem fast alle alten Teammitglieder mitmachten.


DVD-Kritik: „The Misfits – Die Meisterdiebe“ besuchen eine Stadt in der Wüste

November 23, 2021

Ein Gruppe talentierter junger Menschen, die als „The Misfits“ reiche Bösewichter bestehlen und die Beute in schönster Robin-Hood-Manier unter den Opfern der Bestohlenen verteilen, brauchen für ihren neuesten Diebstahl die Hilfe von Richard Pace. Pace ist ein allein arbeitender Gentleman-Gauner der alten Schule. Er bestiehlt reiche Menschen, weil sie mehr Geld und Schmuck als arme Menschen haben. Skrupel hat er keine und selbstverständlich behält er die Beute für sich. Trotzdem hoffen die Misfits, ihn mit zwei Argumenten von ihrer Mission überzeugen zu können. Das erste ist, dass seine Tochter ihn darum bittet. Sie engagiert sich in Entwicklungsorganisationen für die gute Sache engagiert und ist auch als Diebin hochbegabt ist (steht halt so im Drehbuch). Das zweite ist, dass die Beute, eine riesige Menge Gold, in einem von Schultz betriebenem Gefängnis versteckt ist. Und Schultz ist ein alter Erzfeind von Pace.

Nachdem Pace sich bereit erklärt hat, mitzumachen, geht es von Abu Dhabi aus in den benachbarten Fantasiestaat, in dem das Gold liegt.

Da haben sich die Geldgeber aus den Vereinigten Arabischen Emiraten einen hübschen Werbefilm für ihr Land finanziert. Renny Harlin hat immer noch einen Namen als Regisseur von „Stirb langsam 2“, „Cliffhanger“, dem Megaflop „Die Piratenbraut“ und den leicht kultigen Filmen „Tödliche Weihnachten“ (The Long Kiss Goodnight) und „Deep Blue Sea“. Aber das ist schon über zwanzig Jahre her. Kurt Wimmer schrieb die Bücher für „Die Thomas Crown Affäre“, „Equilibrium“ (auch Regie), „Street Kings“, „Salt“ und die überflüssigen Remakes „Total Recall“ und „Point Break“. Hier wurde er anscheinend bezahlt mit der Vorgabe, möglichst wenig zu tun. Denn anders kann dieses luftige, auf jegliche Logik pfeifende Drehbuch, das sich nie bemüht, den Ablauf des Diebstahls auch nur ansatzweise nachvollziehbar zu erzählen, erklärt werden.

Pierce Brosnan, der Pace spielt, und Tim Roth, der seinen Gegner Schultz spielt, flanieren extrem gut gelaunt und engagiert durch den Film. Anscheinend hatten sie in Abu Dhabi eine gute Zeit, die sie als bezahlten Urlaub betrachteten.

The Misfits – Die Meisterdiebe“ ist ein spielfilmlanger Werbefilm für eine Urlaub in Abu Dhabi und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Story dient nur dazu, die verschiedenen Touristenattraktionen fotogen ins Bild zu rücken.

Wer sich weniger für Wüstenbilder und mehr für charmant-witzige Heist-Filme interessiert, sollte sich nochmal „Die Thomas Crown Affäre“ ansehen. Auch da spielt Pierce Brosnan einen Gentleman-Ganoven. Oder ein langes Wochenende mit dem „Leverage“-Team verbringen. Deren Robin-Hood-Aktionen sind wesentlich durchdachter und nachvollziehbarer als der Diebstahl der „Misfits“. Außerdem ist die Gruppendynamik innerhalb des „Leverage“-Teams interessanter und glaubwürdiger.

The Misfits – Die Meisterdiebe (The Misfits, USA 2021)

Regie: Renny Harlin

Drehbuch: Kurt Wimmer, Robert Henny (nach einer Geschichte von Robert Henny)

mit Pierce Brosnan, Tim Roth, Nick Cannon, Rami Jaber, Jamie Chung, Hermione Corfield, Mike Angelo, Qais Qandil

DVD

Square One Entertainment/Leonie

Bild: 2.39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Deutscher Trailer (Uh, kann das überhaupt als Bonusmaterial bezeichnet werden?)

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Misfits“

Metacritic über „The Misfits“

Rotten Tomatoes über „The Misfits“

Wikipedia über „The Misfits“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Renny Harlins „5 Days of War“ (5 Days of War, USA 2010)


TV-Tipp für den 23. November: Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit

November 22, 2021

Kabel Eins, 22.25

Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (Out of Time, USA 2003)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Sanaa Lathan, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Mittwoch, 24. November, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über”Out of Time”

Wikipedia über „Out of Time“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Gustave „Eiffel in Love“ und die Sache mit diesem Turm in Paris

November 22, 2021

Den Eifellturm kennt jeder. Ursprünglich war der 312 Meter hohe Turm als das höchste Bauwerk der Welt und als zweckfreie „Weil ich es kann“-Demonstration der Ingenieurkunst geplant. Nach zwanzig Jahren sollte er abgerissen werden. Heute ist die immer noch stehende Touristenattraktion ein weltweit bekanntes Wahrzeichen von Paris. Und erst vierzig Jahre später gab es ein höheres Gebäude: das in New York stehende, 319 Meter hohe Chrysler Building.

Aber wie kam es dazu, dass Gustave Eiffel den nach ihm benannten Turm für die Pariser Weltausstellung 1889 baute?

Martin Bourboulon erzählt in „Eiffel in Love“ die Geschichte des Baus des Turms und verbindet sie mit einer Liebesgeschichte. Denn kurz bevor Eiffel sich entschließt, das Turmprojekt zu beginnen, trifft er seine große Liebe Adrienne Bourgès wieder. Als junger Ingenieur verliebte er sich 1860 beim Bau einer Brücke in Bordeaux in sie. Die damals von ihnen geplante Hochzeit fand nicht statt und sie sahen sich nicht wieder.

Diese Hochzeit war damals auch angekündigt, aber die in „Eiffel in Love“ präsentierte Liebesgeschichte gehört doch eher vollständig in das Reich der Phantasie. Aber es ist eine schöne Geschichte, die Bourboulon, auch dank Romain Duris, der Gustave Eiffel gewohnt elanvoll spielt, angenehm kurzweilig erzählt. Es gibt etwas Liebe, etwas Humor, einige historische Fakten und eine ordentliche Portion Flunkerei. Schließlich handelt es sich nicht um einen Dokumentar-, sondern um einen Spielfilm, der in der Tradition historisch sehr mild grundierter, um nicht zu sagen frei erfundener, Schnulzen steht.

Deshalb können wir am Ende dankbar sein, dass Eiffels große Liebe Adrienne und nicht Brigitte oder Catherine hieß.

Eiffel in Love (Eiffel, Frankreich/Deutschland 2021)

Regie: Martin Bourboulon

Drehbuch: Caroline Bongrand (Originaldrehbuch, Adaption und Dialoge), Thomas Bidegain (Adaption und Dialoge), Martin Bourboulon (Adaption und Dialoge), Natalie Carter (Adaption und Dialoge), Martin Brossollet (Adaption und Dialoge)

mit Romain Duris, Emma Mackey, Pierre Deladonchamps, Alexandre Steiger, Armande Boulanger, Bruno Raffaelli

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Eiffel in Love“

Moviepilot über „Eiffel in Love“

AlloCiné über „Eiffel in Love“

Rotten Tomatoes über „Eiffel in Love“

Wikipedia über „Eiffel in Love“ (deutsch, französisch)


TV-Tipp für den 22. November: Ohne Datenschutz

November 21, 2021

Arte, 22.25

Ohne Datenschutz (Le Dossier 51, Frankreich/Deutschland 1978)

Regie: Michel Deville

Drehbuch: Michel Deville, Gilles Perrault

LV: Gilles Perrault: Le Dossier 51, 1969 (Dossier 51)

Französische Agenten durchleuchten das Leben eines französischen Botschaftsrat. Sie wollen ihn als Agenten gewinnen.

TV-Premiere, die eine echte Entdeckung sein könnte und sehr nach le Carré klingt.

Von humanistischem Engagement geprägte, spannend inszenierte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen von Kontroll- und Überwachungssystemen.“ (Lexikon des internationalen Films) – Natürlich reden wir hier von inzwischen über vierzig Jahre alten Systemen.

Arte zeigt die 108-minütige Kinofassung. Es existiert auch eine zwanzig Minuten kürzere TV-Fassung.

Michel Deville drehte auch „Das wilde Schaf“, „Stille Wasser“, „Gefahr in Verzug“, „Die Vorleserin“ und „Sweetheart“.

mit François Marthouret, Roger Planchon, Françoise Béliard, Anna Prucnal, Didier Sauvegrain, Claire Nadeau

Hinweise

Arte über „Ohne Datenschutz“

AlloCiné über „Ohne Datenschutz“

Rotten Tomatoes über „Ohne Datenschutz“

Wikipedia über „Ohne Datenschutz“ (deutsch, englisch, französisch)


Der Crime Cologne Award 2021 geht an „Kalmann“

November 21, 2021

Joachim B. Schmidt erhielt am Donnerstag für seinen Kriminalroman „Kalmann“ (Diogenes) den diesjährigen Crime Cologne Award.

Die Jury begründet ihrer Wahl so:

Die Jury zeichnet mit »Kalmann« einen klassischen Schelmenroman im Gewand eines Krimis aus, in dessen Mittelpunkt ein Besonderling steht.

Mit viel Feingefühl und Empathie zeichnet Schmidt seinen Helden, dessen kindlich-naive Erzählweise dem Autor brillant gelingt. Dabei werden aus der mündlichen Plapperei der Hauptfigur literarische Wortspiele von besonderer Qualität.

Mit seinem lakonisch-eigenwilligen, mit ironischen Einsprengseln gekonnt verfeinerten Ton hebt sich »Kalmann« von der Masse der eingereichten Krimis auf beeindruckende Weise ab.“

Auf der Shortlist standen

Orkun Ertener: Was bisher geschah (Scherz)

Marcel Huwyler: Frau Morgenstern und der Verrat (Grafit)

Merle Kröger: Die Experten (Suhrkamp)

Ben Riffko: Grünes Öl (Heyne)

Joachim B. Schmidt: Kalmann (Diogenes)

Matthias Wittekindt: Vor Gericht (Kampa)


Neu im Kino/Filmkritik: „Pitbull – Exodus“, Bomben und Morden auf polnisch

November 21, 2021

Seinen neuen Film hat Patryk Vega in zwei Fassungen inszeniert und, um jetzt etwas Verwirrung reinzubringen, ihnen unterschiedliche Titel gegeben. Die in polnisch aufgenommene Fassung heißt „Pitbull“, die englische Fasung „Exodus“. Einmal sprechen die Schauspieler polnisch, einmal englisch.

Ich habe die englische Fassung gesehen, aber weil mir der polnische Titel „Pitbull“ besser gefällt, bleibe ich beim polnischen Titel. Denn die Hauptfigur hat etwas von einem Pitbull. Schon als Kind spielte er gerne mit Sprengstoff. Später professionalisierte er sich als Sprengstoffexperte und er wurde, zuerst als jugendlicher Zuhälter, dann als Mitglied der Pershing-Gruppe, zu einem Verbrecher, der für unzählige Bombenattentate verantwortlich ist.

Diesen Aufstieg vom Kind, das in einem Haus aufwächst wird, im dem seine Mutter einen Puff betrieb, über einen kleinen Zuhälter (der von seinen Huren entjungfert wird) zu einem der Größen des polnischen organisierten Verbrechens erzählt ‚Nase‘ selbst; mit steinerner Mine und einem abgehacktem Primitiv-Englisch à la Sylvester ‚Rambo‘ Stallone (mit einem Hauch Arnold ‚Terminator‘ Schwarzenegger). Vega schildert Nases Erwachsenwerden so übertrieben, dass es sich wie eine Parodie auf die normalen Gangster-Aufstiegsgeschichten ansieht und -hört.

Nach ungefähr einem Drittel kommt ein plötzlicher Bruch. Plötzlich steht eine Bande jugendlicher Einbrecher im Mittelpunkt. Sie sind die polnische Version des „Bling Ring“, nur etwas intelligenter. Immerhin studieren sie Informatik an der Universität. Ein Zusammenhang zwischen ihren Einbrüchen und Nases Verbrechen ist nicht erkennbar. Erst als sie bei Nase einbrechen und auch seine geliebte Jacke mitgehen lassen, gibt es einen Zusammenhang, der dann zum letzten und schwächsten Teil des Thrillers führt. Denn jetzt kämpfen Nase, der ihn seit Ewigkeiten verfolgende Polizist Gebel, die jugendlichen Einbrecher und weitere Verbrechergruppen gegeneinander. Dieser Teil besteht aus einer verwirrenden Zahl von sich bekämpfenden Gruppen und aus dem Hut gezauberten Überraschungen.

Somit wirkt „Pittbull“ wie eine Zusammenstellung von drei, kontinuierlich schlechter werdenden Kurzfilmen. Vega erzählt das, wie in seinen vorherigen Filmen, wenig subtil und mit viel Gewalt.

Das unterscheidet sich nicht von ähnlich gelagerten US-amerikanischen B-Pictures, in denen Polizisten und Verbrecher nur an ihrer Dienstmarke erkennbar sind und sie alle, um ihr Ziel zu erreichen, skrupellos eine Spur der Verwüstung und Berge von Leichen hinterlassen.

Aber die Besetzung mit hier unbekannten polnischen Schauspielern, die absolut nicht irgendeinem Hollywood-Schönheitsideal entsprechen, und der filmisch unverbrauchte Handlungsort, sind dann für Genrejunkies mit reduzierten Erwartungen doch einen Blick wert.

Pitbull – Exodus (Pitbull, Polen 2021)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Patryk Vega

mit Andrzej Grabowski, Przemysław Bluszcz, Jan Błachowicz, Tomasz Dedek, Sebastian Dela, Jan Hrynkiewicz

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Pitbull – Exodus“

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Bad Boy“ (Bad Boy, Polen 2020)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Small World (Small World, Polen 2021)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Vor der „Große Freiheit“ gibt es die Haft

November 21, 2021

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ konstatierte Rosa von Praunheim 1971. Und weil das auch der Titel von seinem damals entstandenem, dokumentarischem Spielfilm ist, konnte Sebastian Meise ihn für seinen sehenswerten Film nicht verwenden. Dabei wäre er auch eine gute Beschreibung seiner Geschichte. In Meises Drama geht es um den Homosexuellen Hans Hoffmann, der zwischen 1945, nachdem die Allierten ihn aus dem KZ befreien und er wegen seiner Homosexualität sofort in das nächste Gefängnis gesteckt wird, und 1968, dem Jahr seiner letzten Verurteilung, immer wieder im Gefängnis landet. Sein Verbrechen ist seine sexuelle Orientierung, die er auslebt. Er ist, wie gesagt, homosexuell. Und das, also auch freiwilige Geschlechtsverkehr mit anderen Männern, war bis 1969 aufgrund des Paragraphen 175 Strafgesetzbuch eine Straftat. Damals wurde die Strafbarkeit für homosexuelle Handlungen zwischen Männern über 21 Jahre abgeschafft.

Davor hielten Homosexuelle, aufgrund der berechtigten Angst vor Repressionen, ihre sexuelle Orientierung geheim. Die Hochphase dieser Verfolgung Homosexueller in der Bundesrepublik war in den fünfziger und sechziger Jahren. Jedes Jahr wurden deutlich über 1000, meistens deutlich über 2000 Männer verurteilt. Der Höchststand war 1959 mit über 3800 Verurtelungen. Die Jahre davor und danach nur unwesentlich weniger. Insgesamt wurden im Nachkriegsdeutschland zwischen 1950 und 1970 ungefähr 50.000 Männer wegen des Verstoßes gegen den § 175 verurteilt. Möglich waren Urteile von bis zu zehn Jahren Zuchthaus.

Das ist der reale Hintergrund, vor dem sich die Geschichte von Hans und Viktor entfaltet. Viktor ist ein lebenslänglich verurteilter Mörder. Als er erfährt, dass sein neuer Zellennachbar ein 175er sein soll, protestiert er. Erfolglos. Er muss seine Zelle mit Hans teilen.

Aus dem brüchigen Verständnis, das sie in den folgenden Wochen entwickeln, wird über die nächsten Jahre, die zu Jahrzehnten werden, eine Freundschaft. Denn Hans wird immer wieder aufgrund des § 175 verurteilt.

Regisseur Sebastian Meise und sein Co-Drehbuchautor Thomas Reider konzentrieren sich in ihrem Kammerspiel „Große Freiheit“ auf Hans Hoffmann (Franz Rogowski) und Viktor (Georg Friedrich) und wie sich aus anfänglicher Abneigung Vertrauen und Freundschaft entwickeln. Dabei erfahren wir wenig bis nichts über den von Viktor verübten Mord, über die Umstände, unter denen Hans seine Straftaten begangen hat und warum es ihm nicht gelingt, ein Leben zu führen, bei dem er zwar weiter Sex mit Männern haben kann, er aber nicht mit der Justiz in Konflikt gerät. Diese Konzentration auf Hans und Viktor ist die Stärke und auch eine der Schwächen des Films.

Ein weiteres Problem des Films ist, dass die Geschichte sich über 25 Jahre entfaltet, aber die beiden Hauptfiguren nicht altern. Es ist, als habe das Gefängnis einen Jungbrunneneffekt auf die beiden Raucher. Das Gegenteil dürfte der Wahrheit entsprechen.

Über das Ende, also wenn die titelgebende ‚große Freiheit‘ endlich da ist, Hans deswegen um 1970 entlassen wird und sie endlich genießen kann, müssen wir gesondert sprechen. Auch wenn absolut nichts gegen einen Auftritt von Free Jazzer Peter Brötzmann, der hier in einer Schwulenkneipe erwartbar kraftvoll losrotzt, zu sagen ist.

Neben Brotzmann ist Trompeter Nils Petter Molvær für die Filmmusik verantwortlich. Als Jazzfan bin ich darüber, auch wenn die Musik, bis auf das Free-Jazz-Konzert am Filmende, unauffällig ist, sehr erfreut.

P. S.: Endgültig gestrichen wurde der § 175 1994.

Große Freiheit (Deutschland/Österreich 2021)

Regie: Sebastian Meise

Drehbuch: Thomas Reider, Sebastian Meise

mit Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Große Freiheit“

Moviepilot über „Große Freiheit“

Rotten Tomatoes über „Große Freiheit“

Wikipedia über „Große Freiheit“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. November: J. Edgar

November 21, 2021

Arte, 20.15

J. Edgar (J. Edgar, USA 2011)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Dustin Lance Black

TV-Premiere. Clint Eastwoods doch ziemlich zähes Biopic über J. Edgar Hoover (1895 – 1972), der ab 1924 bis zu seinem Tod Chef des Bureau of Investigation (BOI), das 1935 in Federal Bureau of Investigation (FBI) umbenannt wurde, war. Eastwood schildert das gesamte Berufs- und Privatleben dieser umstrittenen Persönlichkeit.

mit Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Damon Herriman, Jeffrey Donovan, Judi Dench, Josh Lucas, Adam Driver (sein Kinodebüt)

Wiederholung: Freitag, 26. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „J. Edgar“

Wikipedia über „J. Edgar“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino (und eine Woche später digital)/Filmkritik: „JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“ endlich! Oder doch nicht?

November 20, 2021

Dreißig Jahre nach „JFK John F. Kennedy – Tatort Dallas“ (JFK, USA 1991), Oliver Stones Drei-Stunden-Verschwörungsthriller über die Ermordung von John F. Kennedy und einem tapferem Bezirsstaatsanwalt, der alles aufklärt, beschäftigt er sich wieder mit der Ermordung von John F. Kennedy. Dieses Mal heißt das Werk „JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“. Es ist ein Dokumentarfilm, in dem Oliver Stone ein-, zweimal durchs Bild läuft, die alten Dreh- und Tatorte zeigt und uns jetzt beweisen will, wer am 22. November 1963 für die Ermordung des beliebten US-Präsidenten in Dallas verantwortlich war.

Als Basis dient ihm dabei neu freigegebenes Material, das aufgrund des „President John F. Kennedy Assassination Records Collection Act“ im Nationalarchiv gesammelt wurde. Daneben prüft das „Assasination Records Review Board“ (ARRB) die Freigabe von Akten im Zusammenhang mit der Ermordung von Kennedy. Interessierte können das Material studieren. Das taten sie auch. Einiges davon stellen sie auf einer jährlichen Konferenz zum Attentat vor. 2017 wurden weitere Akten freigegeben und Oliver Stone entschloss sich, einen Dokumentarfilm über das Attentat und die darüber verbreiteten Lügen zu drehen.

Nach einer furiosen Eröffnung, in der innerhalb weniger Minuten die Ermordung des Präsidenten rekapituliert wird, präsentiert Stone in den ersten neunzig Minuten verschiedene Fragen zu der offiziellen Version des Attentats und der damit verbundenen Einzeltäterthese. In diesem Teil geht es, unter anderem, um Lee Harvey Oswalds Leben, die Single-Bullet-Theorie (dass eine Kugel für alles verantwortlich war), die Autopsie von John F. Kennedy, um Zeuginnen, die Oswald nicht sahen, obwohl sie ihn hätten sehen müssen, und, im Allgemeinen und Besonderen, um Lücken und Fehler in der Beweismittelkette.

Stone hält sämtliche originalen Beweise für zweifelhaft. Er weist in seinem formal konventionell, aber vorzüglich gemachtem Dokumentarfilm auf Lücken und Widersprüche in der offiziellen Erklärung hin. Er stellt Fragen und zieht sich so immer wieder auf die Rolle des unschuldig Fragenden zurück. Diese Fragen und Fakten werden in ein Verschwörungsnarrativ eingeordnet, das vor allem deshalb überzeugend klingt und schnell ein Gefühl des Unwohlseins hinterlässt, weil man als Nicht-Fachmann nicht über die nötigen Informationen verfügt, um sofort etwaige Fehler, Auslassungen, Fehlinterpretationen und Verzerrungen zu bemerken. Für den Nicht-Fachmann ist auch unklar, wie vertrauenswürdig die befragten Experten sind. Erklärt werden die Widersprüche im Film dann damit, dass es eine riesige Verschwörung gab.

Alternative Erklärungen, Zufälle, Verkettungen unglücklicher Umstände und Schusseligkeiten, werden in diesem Plädoyer gegen die offizielle Version nicht beachtet. So konstruiert Stone einmal aus nicht zusammenpassenden Uhrzeiten eine Verschwörung. Dabei könnten die Uhren einfach auf verschiedene Zeitzonen eingestellt gewesen sein oder, – wir reden von 1963! – eine Uhr nach- oder vorgegangen sein.

Interessanter wird es in der letzten halben Stunde, die durch einen Ausschnitt aus Stones „JFK“ eingeleitet wird. Donald Sutherland (als Mr. X) sagt, auf einer Parkbank sitzend, dass diese Suche nach Widersprüchen nur von der Suche nach dem Motiv und den wahren Verantwortlichen ablenke. Stone präsentiert dann einige Institutionen, die aufgurnd von Kennedys Entscheidungen und Plänen ein Motiv gehabt hätten. „Es war eine sauber ausgeführte verdeckte Exekution, inklusive Vertuschung – alles direkt aus dem CIA-Handbuch für Geheimoperationen. Amerika war danach nicht mehr dasselbe Land,

denn hinter den Kulissen übernahmen die Geheimdienste und das Militär die Kontrolle über die Ausrichtung der US-Regierung in den Bereichen, in denen das große Geld involviert ist, wie nationale Sicherheit und Strategie. Und seit damals war kein Präsident in der Lage, diesen Kurs zu ändern. Jeder Präsident war eingeschränkt, was seine Möglichkeiten betraf, grundlegende Veränderungen in unseren militärischen Sektoren vorzunehmen“, so Stone im Presseheft. Denn es könne nicht sein, dass ein einzelner Mann am helllichten Tag auf offener Straße den Präsidenten der USA erschießt. Vor allem wenn dieser Mann eine Lichtgestalt, ein Hoffnungsträger und Idol für die Jugend war, der wirkliche Veränderungen durchsetzen wollte.

Fans von Verschwörungstheorien und Menschen, die sich schon seit längerem mit der Ermordung von John F. Kennedy beschäftigten, werden an dem Film ihre Freude haben und sich stundenlang über die verschiedenen präsentierten Widersprüche zur offiziellen Version austauschen können. Für alle anderen ist „JFK Revisited“ ein enttäuschendes Pamphlet, das nur „JFK“ aufwärmt.

JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy (JFK Revisited: Through the Looking Glass, USA 2021)

Regie: Oliver Stone

Drehbuch: James DiEugenio

mit Donald Sutherland (Erzähler im Original), Whoopi Goldberg (Erzählerin im Original), Oliver Stone

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“

Metacritic über „JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“

Rotten Tomatoes über „JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“

Wikipedia über „JFK Revisited – Die Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Meine Besprechung von Oliver Stones „Snowden“ (Snowden, USA/Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 20. November: Das Fenster zum Hof

November 19, 2021

NDR, 21.55

Das Fenster zum Hof (Rear Window, USA 1954)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Fenster zum Hof“

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kelly Reichardts „First Cow“

November 19, 2021

Auf Mubi gibt es Kelly Reichardts neuen Film schon seit Juli und so wirklich ist „First Cow“ für die riesengroße Leinwand nicht gemacht. Aber im kleinen Saal des Kinos kann ich mir diesen sehr intimen im 4:3-Format gedrehten Anti-Western sehr gut vorstellen.

Es beginnt in der Gegenwart, als eine junge Frau im Wald zwei nebeneinander liegende Skelette entdeckt. Dann springt Reichardt ungefähr zweihundert Jahre zurück und sie erzählt uns, wer dort liegt und wie es zum Tod dieser beiden Männer gekommen ist.

Otis ‚cookie‘ Figowitz, ein zurückhaltender Einzelgänger und Koch, reist um 1820 mit einer Gruppe primitiver Pelztierjäger durch das Oregon-Territorium. Im Wald trifft er King-Lu. Er ist auf der Flucht vor einer Gruppe Russen, die ihn umbringen wollen, weil er einen von ihnen getötet hat.

Cookie hilft ihm. Sie befreunden sich, trennen sich und treffen sich in einem Dorf wieder, das nur eine Ansammlung von Bretterbuden im Matsch ist.

Cookie zieht bei King-Lu ein. Und nachdem er für King-Lu köstlich schmeckende Kekse backt, schlägt King-Lu ihm vor, dass er mehr davon backen solle. Sie könnten sie verkaufen. Damit die Kekse richtig gut werden, benötigt Cookie Milch.

Diese Milch gibt es nur von einer Kuh und es gibt sogar in der Nähe eine Kuh. Sie ist, wie ihr Besitzer Chief Factor, ein großspuriger und machtbewusster Großgrundbesitzer, stolz verkündete, die erste Kuh in diesem Gebiet. Einige behaupten, er habe die Kuh nur deshalb hierher bringen gelassen, um Milch für seinen Tee zu haben.

Mitten in der Nacht schleichen Cookie und King-Lu auf sein Grundstück zur Kuh. Cookie melkt sie liebevoll. Mit dieser Milch backt er anschließend Kekse, die ihnen förmlich aus der Hand gerissen werden. Sie erinnern die Männer im Dorf an ihre alte Heimat und Kindheit. Die Bilder von den verzückt in die Kamera blickenden unrasierten und ungewaschenen Siedlern und Jägern gehören zu den schönsten Aufnahmen des Films.

Das Geschäft von Cookie und King-Lu floriert. Jedenfalls solange Chief Factor nicht erfährt, dass die beiden seine Kuh ungefragt melken.

Selbstverständlich erfährt er irgendwann von diesem Diebstahl und, ebenso selbstverständlich, ist der reichste Mann der Gegend darüber sehr verärgert. Damit skizziert „First Cow“, was in einem Western nicht ungewöhnlich ist, den Kapitalismus und übt auch Kapitalismuskritik. Immerhin sind die beiden kleinen Unternehmer grundsympathische Männer, die einfach über die Runden kommen wollen. Ihnen fehlt der Eroberungsinstinkt von Chief Factor oder das unziviliserte Benehmen der Männer, mit denen Cookie und King-Lu in das Oregon-Territorium reisten.

Diese sehr feinfühlig geschilderte Freundschaft zwischen Cookie und King-Lu steht im Mittelpunkt von Kelly Reichardts neuem Film. Sie sind zwei gegensätzliche Männer, die sehr schnell ein fast stummes gegenseitiges Verständnis füreinander entwickeln, sich vertrauen und gegenseitig helfen.

Erzählerisch und optisch ist „First Cow“ die Antithese zum klassischen Hollywoodwestern. Es gibt keine Breitbild-Landschaftsaufnahmen und keinen breitbeinig vorgetragenen Pioniermythos. Der Boden im Dorf ist matschig. Die Häuser sind Bretterbuden. Pferde gibt es nicht. Stattdessen bewegt man sich zu Fuß oder im Kanu fort. .

Und die Native Americans beobachten das Treiben der Weißen eher distanziert. Genau wie Kelly Reichardt. Genau dieser ruhige, voller Sympathie beobachtende Blick, der den Schauspielern Zeit gibt, ihre Figuren zu präsentieren, macht die Faszination von „First Cow“ aus.

First Cow (First Cow, USA 2019)

Regie: Kelly Reichardt

Drehbuch: Kelly Reichardt, Jon Raymond (aka Jonathan Raymond)

LV: Jonathan Raymond: The Half-Life: A Novel, 2004 (inspiriert von)

mit John Magaro, Orion Lee, Toby Jones, Ewen Bremner, Rene Auberjonois, Scott Shepherd, Gary Farmer, Lily Gladstone, Dylan Smith

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „First Cow“

Metacritic über „First Cow“

Rotten Tomatoes über „First Cow“

Wikipedia über „First Cow“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts “Night Moves” (Night Moves, USA 2013 – mit zahlreichen O-Tönen von Kelly Reichardt und den Schauspielern)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „Night Moves“ (Night Moves, USA 2013 – zur DVD-Veröffentlichung)

Meine Besprechung von Kelly Reichardts „Certain Women“ (Certain Women, USA 2016)


TV-Tipp für den 19. November: Für ein paar Dollar mehr

November 19, 2021

3sat, 22.25

Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 [restaurierte Fassung 2003])

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni

Musik: Ennio Morricone

Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.

Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.

mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für ein paar Dollar mehr“

Wikipedia über „Für ein paar Dollar mehr“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. November: Corpus Christi

November 17, 2021

WDR, 23.15

Corpus Christi (Boże Ciało, Polen 2019)

Regie: Jan Komasa

Drehbuch: Mateusz Pacewicz

Nach der Verbüßung seiner Jugendstrafe würde Daniel gerne Priester werden. Aufgrund seiner Vorstrafen ist das unmöglich. Als er in einem Dorf für einen Geistlichen gehalten wird, nimmt er diese Rolle an und spaltet mit seiner unkonventionellen Art schnell die Dorfgemeinde

TV-Premiere. Jan Komasas auf einem wahren Fall beruhende Hochstapler-Geschichte war in Polen ein Kritiker- und Publikumserfolg, der sogar in den deutschen Kinos lief.

Corpus Christi“ ist ein sperriger, aber auch sehenswerter Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Bartosz Bielena, Eliza Rycembel, Aleksandra Konieczna, Tomasz Zietek, Leszek Lichota, Lukasz Simlat

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Corpus Christi“

Metacritic über „Corpus Christi“

Rotten Tomatoes über „Corpus Christi“

Wikipedia über „Corpus Christi“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jan Komasas „Corpus Christi“ (Boże Ciało, Polen 2019)


DVD-Kritik: Guy Ritchie und Jason Statham steuern einen „Cash Truck“

November 17, 2021

A Film by Guy Ritchie“ heißt es am Anfang des Films. Zutreffender wäre: „ein Film von Guy Ritchie, der nichts von einem Guy-Ritchie-Film hat“. Denn bekannt ist er für seinen Humor und seine Actionszenen. Action gibt es auch in „Cash Truck“. Aber nicht von der artistischen Sorte, sondern von der Sorte, in dem zwei Züge ineinanderkrachen. Masse trifft auf Masse. Und zu Lachen gibt es auch nichts.

Erzählt wird die Geschichte eines Rachefeldzugs, bei dem der Rächer keine Gefangenen macht. Jason Statham spielt ihn konsequent unterkühlt emotionslos. Als Patrick Hill, „H“ genannt, heuert er in einer Sicherheitsfirma an. Diese Firma befördert in gut gepanzerten Transporten täglich mehrere Millionen Dollar durch Los Angeles und wird dabei ab und zu überfallen. Bei einem dieser Überfälle – das erfahren wir erst später – starb Hs Sohn. Er wurde schwer verletzt. Jetzt will er, nachdem seine bisherigen Versuche, die Täter unter den üblichen Verdächtigen zu finden, nur zu einem Berg Leichen führten, mit einer falschen Identität, in der Geldtransporterfirma den Mann entdecken, der mit den Dieben zusammenarbeitet.

Ungewöhnlich wird diese Rachegeschichte durch ihren Aufbau und die damit verbundenen Zeitsprünge, die konsequent durchgehalten werden. Im zweiten Kapitel erfahren wir mehr über H, im dritten über die Diebe, und im vierten treffen sie auf dem gut gesichertem Firmengeländer der Geldtransporterfirma aufeinander. Von dort wollen sie die immensen Geldmengen, die an einem Black Fridays zusammenkommen, stehlen. Sie betreten das Firmengelände in dem sicheren Wissen, dass einige von ihnen und eigentlich alle Firmenmitarbeiter sterben werden. Nicht gerechnet haben sie mit dem unkaputtbaren H.

Dieser Aufbau erinnert Krimifans an die grandiosen Parker-Krimis von Richard Stark (aka Donald E. Westlake). Parker ist ein eiskalter Profidieb, der keine menschlichen Bindungen hat (in den späteren Romanen änderte sich das etwas) und der nach einem reinem utilitaristischem Kosten-Nutzen-Kalkül agiert. Deshalb wäre ihm auch nie das passiert was ‚Patrick Hill‘ passiert: heiraten, einen Sohn bekommen (gut, das kann auch ohne Heirat passieren), sich um ihn kümmern und tiefere Gefühle für ihn entwickeln. Nein, das wäre Parker niemals passiert.

Seine Arbeit erledigt H dann genauso, genaugenommen noch emotionsloser als Parker. Schließlich geht es hier nicht um etwas Geld (wie in der klassischen Parker-Verfilmung „Point Blank“ bzw. der Vorlage „The Hunter“ [Jetzt sind wir quitt/Payback/The Hunter]), sondern um den sinnlosen und überflüssigen Tod eines Jugendlichen. Hs leichengesättigter und äußerst blutiger Feldzug ist dann kein Selbstjustiztrip, sondern ein von der Polizei wohlwollend beobachtetes Begleichen einer offenen Rechnung. Wie Mike Hammer in Mickey Spillanes „Ich, der Rächer“ (I, the Jury) ist er gleichzeitig Jäger, Richter und Vollstrecker.

Stilistisch orientiert Guy Ritchie sich in seinem Thriller am düsteren Siebziger-Jahre-Thriller und, ja, auch an John Boormans „Point Blank“.

Cash Truck“ ist ein konsequent düsterer Thriller, ohne irgendeinen Sympathieträger, ein Abstieg in die Hölle, in der es nichts mehr gibt. Noch nicht einmal Verzweiflung.

Die Inspiration für Ritchies Gangsterfilm war der französische Thriller „Cash Truck“ (Le convoyeur, 2004).

Das Bonusmaterial, ein viereinhalbminütiges Making-of, ist vernachlässigbar. Inzwischen scheint die Zeit vorbei zu sein, in der bei neuen Filmen für die DVD/Blu-ray-Veröffentlichung Bonusmaterial in einem nennenswertem Umfang produziert wird. Das war, zugegeben, oft rein werblich und mäßig interessant, aber es gab manchmal auch wertvolle Einblicke in bestimmte Aspekte der Geschichte und der Produktion.

Cash Truck (Wrath of Man, USA 2021)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Guy Ritchie, Ivan Atkinson, Marn Davies (basierend auf „Le Convoyeur“ von Nicolas Boukhrief und Éric Besnard)

mit Jason Statham, Holt McCallany, Josh Hartnett, Jeffrey Donovan, Scott Eastwood, Andy Garcia, Laz Alonso, Niamh Algar, Eddie Marsan, Rocci Williams, Deobia Oparei, Raúl Castillo, Chris Reilly, Mark Arnold, Gerald Tyler, Darrell D’Silva

Blu-ray

Studiocanal

Bild: 2,40:1 1080/24p Full HD

Ton: Deutsch (7.1 DTS-HD MA), Englisch (5.1 DTS-HD MA)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Extended Featurette: Making of

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

DVD, 4K Ultra HD und Limited Steelbook Edition sind identisch. In der Digital-Version fehlt das Bonusmaterial.

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Cash Truck“

Metacritic über „Cash Truck“

Rotten Tomatoes über „Cash Truck“

Wikipedia über „Cash Truck“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“ (King Arthur: Legend of the Sword, USA/Australien 2017)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Aladdin“ (Aladdin, USA 2019)

Meine Bepsrechung von Guy Ritchies „The Gentlemen“ (The Gentlemen, Großbritannien/USA 2019)

Meine Kurzbesprechung von Guy Ritchies „Cash Truck“ (Wrath of Man, USA 2021)


TV-Tipp für den 17. November: Hanna Schygulla

November 16, 2021

Arte, 21.55

Hanna Schygulla (Deutschland 2021)

Regie: André Schäfer

Brandneue gut einstündige Doku über die Fassbinder-Schauspielerin.

Arte über die Doku: „In ungewohnter Offenheit erzählt sie, was ihr im Leben wichtig war und ist. Der Film zeigt Schygulla ganz persönlich und porträtiert eine faszinierende Frau, die seit jeher unterschiedliche Menschen und Kulturen zusammenbringt – selbst in Zeiten der Pandemie.“

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über Hanny Schygulla (deutsch, englisch)