Osteuropa zwischen Hitler und Stalin (Deutschland 2024)
Regie: Kirsten Esch
Drehbuch: Kirsten Esch
TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über das Leben in, wie der Titel verrät, Osteuropa zwischen Adolf Hitler und Josef Stalin; zwei Dikatoren, die mit diktatorischen Mitteln regierten, skrupellos Expansionspläne durchsetzten wollten und dabei den Tod von ungefähr 14 Millionen Zivilisten, vor allem Juden, Polen, Balten, Belarussen und Ukrainer, verursachten. Das ist die höchste Zahl ziviler Opfer im Zweiten Weltkrieg.
Arte über den Film: „’Osteuropa zwischen Hitler und Stalin – Das große Sterben‘ erzählt von den Mechanismen von Terror, Massenmord und Hungersnöten. Anhand von Interviews mit Zeitzeugen und umfassend recherchiertem Archivmaterial wird die blutige Realität der Jahre 1933 bis 1945 dokumentiert.“
Anschließend, um 21.45 Uhr, wandert der Arte-Blick nach Frankreich in der ebenfalls neuen, knapp einstündigen Doku „Terror und Champagner – Hitlers Stellvertreter in Paris“ (Deutschland/Frankreich 2025)
LV: Benjamin Black (Pseudonym von John Banville): The Black-Eyed Blonde, 2014 (Die Blonde mit den schwarzen Augen – Ein Philip-Marlowe-Roman)
Los Angeles, 1939: Privatdetektiv Philip Marlowe (Liam Neeson) wird von einer Frau beauftragt, ihren verschwundenen Liebhaber zu suchen. Bei seiner Suche sticht Marlowe in ein Wespennest.
TV-Premiere. Neil Jordans „Marlowe“ ist eine erstaunlich leblos-museale Angelegenheit, die einfach noch einmal, ohne einen eigenen Gedanken, Chandler bebildert. Von dem Team hätte ich mehr erwartet.
mit Liam Neeson, Diane Kruger, Jessica Lange, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Ian Hart, Colm Meaney, Daniela Melchior, Danny Huston, Alan Cumming
Während 3sat ab 14.00 Uhr heute und morgen nonstop, teils mit Nachtwiederholungen, die klassischen Karl-May-Verfilmungen (mit Pierre Brice als ihrwisstschon) zeigt, empfehlen wir Filmkunst:
Arte, 20.15
Barry Lyndon (Barry Lyndon, Großbritannien 1975)
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick
LV: William Makepeace Thackeray: Memoirs of Barry Lyndon, 1944 (Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon; Barry Lyndon)
Stanley Kubricks Verfilmung von William M. Thackerays Roman über den Emporkömmling Barry Lyndon, der im 18. Jahrhundert in der Welt des Absolutismus ein sehr bewegtes Leben hatte. Als Offizier der englischen und der preußischen Armee, als Liebhaber und als Ehemann von Lady Lyndon.
Großes Kino, das historisch präzise ist, mit großem Aufwand und nur mit natürlichem Licht gedreht wurde (das war damals eine echte Herausforderung) und das konsequent auf Vergegenwärtigungen und Identifikationsfiguren verzichtet. Das künstlerische Wagnis, einen vollkommen distanzierten Historienfilm zu drehen, kam beim Publikum nicht gut an. Das ging damals in „Der weiße Hai“, „Einer flog über das Kuckucksnest“ und, in Deutschland, „Asterix erobert Rom“.
mit Ryan O’Neal, Marisa Berenson, Patrick Magee, Hardy Krüger, Steven Berkoff, Gay Hamilton, Marie Kean, Diana Körner
Lange Abende im heimischen Garten mit penetranten Stechmücken oder im Park mit um einen herum schleichenden Dealern, die einem mit verschwörerischer Stimme die von Deutschlandfunk Kultur präsentierte aktuelle Krimibestenliste herunternuscheln:
Drehbuch: Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Peter Briggs)
LV: Mike Mignola: Hellboy
Hellboy, ein zum Guten erzogener Dämon, verkloppt im Auftrag einer geheimen FBI-Einheit Dämonen. Jetzt kämpft er gegen den untoten Mönch Rasputin und den SS-Mann Kroenen, die ihr vor sechzig Jahren unterbrochenes Werk vollenden wollen.
„Hellboy“ ist eine der wenigen gelungenen Comicverfilmungen der Prä-Marvel-Cinematic-Universe-Ära. Kein Wunder. Schließlich hat hier ein Fan einen Film für andere Fans (alle mit einem kindischen Gemüt) gemacht.
Mit Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans, Karel Roden, Jeffrey Tambor
Die Geschichte von Aschenputtel dürfte allgemein bekannt sein. Schließlich wurde sie in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder neu erzählt, variiert und interpretiert. Mal besser – so gehört „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ seit Ewigkeiten fest zum TV-Weihnachtsprogramm und Walt Disneys „Cinderella“ wird auch immer wieder gern gezeigt – mal schlechter.
Jetzt erzählt Emilie Blichfeldt in ihrem Spielfilmdebüt „The ugly Stepsister“ das von den Brüdern Grimm aufgeschriebene Märchen aus der Perspektive der bösen Stiefschwester als Body-Horrorfilm.
Bei ihr beginnt die Geschichte so: Elvira steht im Schatten ihrer viel schöneren Stiefschwester Agnes. Weil sie und ihre Mutter durch eine Heirat und den plötzlichen Tod des Gemahls ihr gesamtes Vermögen verloren haben, wäre die Heirat mit Prinz Julian ein Weg aus ihrer finanziellen Malaise. In wenigen Wochen veranstaltet der schöne und allseits begehrte Junggeselle einen Ball. Aus den dort anwesenden Frauen will er seine Frau auswählen. Um ihre Chancen zu steigern, lässt Elvira mehrere Schönheitsoperationen an sich vornehmen. Als erstes erhält sie eine schönere Nase.
Blichfeldt konzentriert sich in ihrer mit dem emotionslosen Blick eines Forschers erzählten Interpretation des bekannten Märchens auf die nachvollziehbaren Gründe, warum Elvira tut, was sie tut. Sie erzählt ihre Geschichte entlang der Frage, was man bereit ist, zu tun, um seine Ziele zu erreichen. Sie fragt auch nach den von Männern bestimmten Schönheitsidealen und welche Qualen Frauen auf sich nehmen um sie zu erfüllen. Denn Elvira erleidet die ersten Schönheitsoperationen nicht nur, sondern sie fordert sie zunehmend ein, um ihre Ziele zu erreichen. Das wird besonders nach dem Ball deutlich, wenn sie, um sich einen Schuh anziehen zu können, das Schlachterbeil an ihren Zehen ansetzt.
Diese ‚Operationen‘ zeigt Blichfeldt in einer Drastik, die wir so auch aus anderen von Frauen inszenierten Body-Horrorfilmen mit feministischer Agenda kennen, wie jüngst in Coralie Fargeats „The Substance“ oder in Julia Ducournaus „Titane“.
In dem Horrorfilm steht die langsam verrückt werdende Protagonistin so sehr im Mittelpunkt der Geschichte, dass die anderen Figuren zu eindimensionalen Stichwortgebern werden. Die Frauen, wie Elviras Mutter, Schwester und Stiefschwester, ihre Mitbewerberinnen und die Lehrerin in einer Tanzschule sind spartanischer als nötig gezeichnet. Die wenigen im Film auftauchenden Männer sind reine Karikaturen toxischer Männlichkeit. Sie erfüllen vor allem in der Ballszene im letzten Drittel des Films ihren Zweck, wenn sie die Frauen wie Vieh auf einer Auktion nach ihrem Aussehen beurteilen.
Absolut störend ist die Musik, die nerviger als eine beliebig auf die Tonspur eines YouTube-Videos geklatschte kostenfreie Musikspur ist.
Wer darüber hinweghören kann (mir fiel es schwer), wird eine verstörende und zum Nachdenken anregende feministische Neuinterpretation des Märchens mit satirischen Spitzen erleben.
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Regisseurin Emilie Blichfeldt über ihren Film:
In „The ugly Stepsister“ erforsche ich die Tyrannei der Schönheit und deren Auswirkungen auf junge Frauen. Das übergeordnete Konzept, das ich als „Beauty Horror“ bezeichne, wurde vom Body-Horror-Genre und der misogynen Doktrin „Wer schön sein will, muss leiden“ inspiriert. Es ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, nachdem ich selbst jahrelang mit meinem Körperbild zu kämpfen hatte und meinen Platz in der Frauenwelt erst finden musste. Mit dieser Geschichte möchte ich das Publikum in Elviras Erfahrungen eintauchen lassen und Mitgefühl, Unbehagen und Reflexion auslösen. Indem ich ihre schmerzhaften Empfindungen in den Körpern der Zuschauer spiegele, hoffe ich, eine instinktive Verbindung herzustellen, die zum Nachdenken anregt.
Elviras Reise verdeutlicht die Qualen, die das Festhalten an unerreichbaren körperlichen Normen verursacht. Ich habe mich von David Cronenbergs Ansatz für das Genre inspirieren lassen: Körperliche Verwandlungen dienen bei ihm als Metaphern für die Schwächen, Dilemmata und inneren Ängste seiner Figuren, oder als politischer Kommentar über den Einfluss der Gesellschaft auf das Individuum.
The ugly Stepsister (Den stygge stesøsteren, Norwegen/Dänemark/Rumänien/Polen 2025)
Während der Revolution in Mexiko kämpfen ein Gringo, ein Banditenanführer und ein General mit- und gegeneinander um, nun, verschiedene Dinge.
Der Italowestern (und Politthriller) „Töte Amigo“ ist kraftvoll, kurzweilig, mit burlesken Übertreibungen, sehr unterhaltsam und brutal. Dass die Geschichte eher grob gestrickt ist, stört dabei kaum.
Mit einem Budget, das in Hollywood bei einem Blockbuster wahrscheinlich noch nicht einmal zum Bezahlen der täglichen Parkgebühren ausreicht, und einem Drehbuch, das absolut nichts mit dem üblichen bundesdeutschen Beziehungskino zu tun hat, inszenierte Guido Tölke, nach einem von ihm und Julia Dordel geschriebenem Drehbuch, den Horrorthriller „The Bitter Taste“.
In ihm wird die frühere Fünfkämpferin und jetzt desillusionierte Jagdführerin Marcia (Julia Dordel) in ein lebensgefährliches Abenteuer verwickelt. Auf einer Landstraße fährt sie eine panisch aus dem Wald vor ihr Auto laufene Frau an. Die Frau flüchtete vor einem menschenähnlichen Wesen, das auch im nachhinein am einfachsten als das Sonnenlicht nicht fürchtender, sich wahnsinnig schnell bewegender Vampir-Zombie beschrieben werden kann. Dieser und weitere dieser Vampir-Zombies haben etwas mit der Gräfin Badesky zu tun. Sie lebt in einem Schloss, das über einem seltsam aus der Zeit gefallenem Dorf thront.
Als Marcia sich auf der Suche nach der von ihr angefahrenen Frau in das Schloss begibt, entdeckt sie ein jahrhundertealtes Geheimnis. Und sie muss um ihr Leben kämpfen.
Zugegeben, die Story besteht aus Versatzstücken aus anderen Filmen, die hier nach der aus den Edgar-Wallace-Filmen bekannten Methode ‚Hauptsache, es passiert etwas‘ zusammengestellt wurden. Entsprechend unlogisch verhalten sich die Menschen immer wieder. Aber das Erzähltempo und die konstanten Überraschungen täuschen immer wieder darüber hinweg.
Das Dorf und das es beherrschende Schloss erinnert wohlig an die alten Universal-Horrorfilme, wie „Dracula“ und „Frankenstein“, und unzählige Nachahmerfilme, in denen ein Blutsauger und/oder ein alter Fluch die Dorfbewohner in Angst und Schrecken versetzt.
Die funktionalen Dialoge werden keine Drehbuchoscars erhalten. Und Tölke schneidet viel zu oft. Das führt dazu, dass in den vielen Actionszenen die Bewegungsabläufe nur noch erahnbar sind.
Aber er inszeniert die actionhaltige Schauermär so flott, mit so vielen Wendungen und Anspielungen, dass die über zwei Stunden, die der Film dauert, schnell vergehen.
Das Ergebnis ist die durchaus kurzweilige Spielfilmversion eines aus anderen Filmen zusammengeschnittenen Best-of-Horrorfilm-Heimkinoabends, das trotz unbestreitbarer Mängel neugierig auf Tölkes nächsten Film macht.
The Bitter Taste(Deutschland 2024)
Regie: Guido Tölke
Drehbuch: Julia Dordel, Guido Tölke
mit Julia Dordel, Nicolo Pasetti, John Keogh, Anne Alexander-Sieder, Imme Beccard, Simone Geißler
Nach mehreren Fortsetzungen, in denen wir immer mehr über die Welt erfuhren, in der der Killer John Wick lebt, und der ebenfalls in dieser Welt spielenden TV-Miniserie „The Continental“ geht es jetzt im Kino weiter. „From the World of John Wick: Ballerina“ heißt das Werk. Len Wiseman übernahm die Regie. Zu seinen früheren Werken gehören die ersten beiden Filme der von ihm gestarteten „Underworld“-Reihe, der vierte „Stirb langsam“-Film „Live Free or Die Hard“ und das langweilige Remake „Total Recall“. Action mit schlagkräftigen Frauen in einer Fantasiewelt kann er.
Mit einer furiosen Actionszene beginnt sein neuer Film „Ballerina“. In einem malerisch am Wasser gelegenem Palast wird in einem Feuergefecht, bei dem viele, sehr viele, wirklich sehr viele bis an die Zähne bewaffnete Angreifer sterben, wird der Vater von Eve Maccaro getötet.
Zwölf Jahre später lebt Eve (Ana de Armas) in der von der Direktorin in New York City geleiteten Ballettschule, die gleichzeitig ein Ausbildungslager der streng geheimen, seit Ewigkeiten global tätigen Verbrecherorganisation Ruska Roma ist.
Als Eve einen Hinweis auf die Identität der Mörder ihres Vaters erhält, macht sie sich von New York City über Prag auf den Weg in das verschneite, malerisch an einem See gelegene Alpendorf Hallstatt. Dort kommt es, nachdem es schon vorher viel Action gab, zu einem actionreichen Showdown, bei dem auch Flammenwerfer eine wichtige Rolle spielen.
„Ballerina“ erzählt eine actionreiche, gewohnt stylische Geschichte aus dem „John Wick“-Universum mit vielen Auftritten von aus den „John Wick“-Filmen bekannten Figuren, Orten und Regeln. In „Ballerina“ wird diese Welt weniger erweitert, sondern in noch mehr Details ausgemalt. Und das ist dann auch das Problem von diesem Film und den anderen geplanten Filmen und Serien: der Charme der „John Wick“-Welt bestand anfangs aus dem vollkommen übertriebenen Konzept einer Killergilde mit ehernen Regeln und einer seit Jahrhunderten in unserer Welt unentdeckt operienden globalen Organisation. Je genauer sie jetzt ausgemalt wird, desto mehr und öfter stellt sich die Frage, wie realistisch so eine Gilde ist. Vor allem wenn noch weitere Organisationen dazu kommen, das Regelwerk und die personellen Verflechtungen immer umfangreicher werden und immer mehr Antworten auf Fragen gegeben werden, die wir niemals wissen wollten.
Dessen ungeachtet scheinen die Killer sich inzwischen vor allem damit zu beschäftigen, sich gegenseitig umzubringen. In dem Moment stellt sich Frage nach dem Zweck der Organisation nicht mehr. Die Polizei existiert in dieser Welt nicht und es gibt einige hoffnungslos unglaubwürdige Actionszenen. Die Idee von Hallstatt als Killerstadt und Sitz des Bösewichts funktioniert gut. Aber ein von Eve in einer vollen Discothek ausgeführter Mord, der eine offensichtliche Reminiszenz an Luc Bessons „Nikita“ ist, funktioniert weniger gut. Aus einer unauffälligen Tat wird hier ein sich durch den gesamten Club ziehendes Gemetzel. Aber die Besucher tanzen munter weiter, als würden um sich schießende und schlagende Menschen zu einem normalen Discobesuch dazugehören, In „John Wick: Chapter 4“ wurde ein ähnlicher Kampf in einem berliner Nachtclub glaubwürdiger inszeniert.
Keanu Reeves ist in dem während dem dritten und vor dem vierten „John Wick“-Film spielendem Film „Ballerina“ mit zwei Auftritten, einer in der Ballettschule, einer an einem anderen Ort, dabei. Trotz einer gewissen Wichtigkeit für die Story reichen sie, kaum über die Länge eines größeren Cameos hinaus.
Das Ende von „Ballerina“ ist natürlich nicht das Ende der Welt von John Wick. Solange sich ein Publikum findet, werden die Macher weitermachen. Konkret sind aktuell – neben zahlreichen potentiellen Filmen, Serien und Crossovers – ein Film mit dem aus „John Wick: Chapter 4“ bekanntem blinden Killer Caine, ein Prequel-Film und ein fünfter „John Wick“-Film geplant. Denn – Überraschung! – John Wick ist am Ende von „John Wick 4“ doch nicht gestorben.
From the World of John Wick: Ballerina (From the World of John Wick: Ballerina, USA 2025)
Regie: Len Wiseman
Drehbuch: Shay Hatten
mit Ana de Armas, Gabriel Byrne, Anjelica Huston, Lance Reddick, Catalina Sandino Moreno, Norman Reedus, Ian McShane, Keanu Reeves
TV-Premiere. Das ist jetzt ziemlich Godard. Vor seinem Tod – ein assistierter Suizid am 13. September 2022 – arbeitete Jean-Luc Godard an seinem letzten Langfilmprojekt, das „Drehbuch“ heißen sollte. Er konnte es nicht mehr verwirklichen. Stattdessen beauftragte er seine Mitarbeiter Fabrice Aragno und Jean-Paul Battaggia mit der Fertigstellung des Kurzfilms „Scénario“, der aus den Teilen „DNA“ und „MRT“ besteht.
„DNA“ steht dabei für den Anfang und „MRT“ für das Ende des Lebens. Nachgedacht wird dabei im typischen Godard-Stil von assoziativ zusammengestellten Bildern und Texten. „Die Geschichte von ‚Drehbuch’“ ist der Versuch der Beteiligten, den zeitlichen Ablauf des Projekts nachzuzeichnen.
Anscheinend zeigt Arte Godards Kurzfilm „Scénarios“ und den ‚begleitenden‘ Film „Exposé du film annonce du film Scénario“.
Steven Spielberg, Hollywoods ewiges Wunderkind(Frankreich 2024)
Regie: Michaël Prazan
Drehbuch: Michaël Prazan
Fünfzigminütige Doku, bestehend aus bislang unveröffentlichtem Archivmaterial, Filmausschnitten, Making-ofs und Interviewauszügen, die ein Porträt des Regisseurs ergeben.
Richard Osman hat in unseren beiden Gesprächen über die geplante, von Steven Spielberg produzierte Verfilmung seines Bestsellers gesprochen und eine hochkarätige Besetzung versprochen.
Nun, er hat nicht zu viel versprochen.
Die Hauptrollen übernahmen Helen Mirren, Pierce Brosnan, Ben Kingsley und Celia Imrie. Weitere Rollen übernahmen Naomi Ackie, Daniel Mays, Tom Ellis, David Tennant, Paul Freeman, Jonathan Pryce und Richard E. Grant.
Chris Columbus, der Regisseur von u. a. „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“, „Harry Potter und der Stein der Weisen“, „Mrs. Doubtfire“, „Kevin – Allein in New York“ und „Kevin – Allein zu Haus“, führte die Regie.
Wie üblich bei Netflix-Filmen wird es keine Kinoauswertung geben. Leider (geschrieben mit britischem Understatement). Dort läuft er ab dem 28. August 2025.
Die Story des humoristischen Kriminalromans, der gleichzeitig der Auftakt einer Serie ist: in einer luxuriösen Seniorenresidenz treffen sich jeden Donnerstag vier Heimbewohner, unter anderem eine ehemalige Geheimagentin und ein früherer Gewerkschaftsführer, und versuchen ungelöste alte Verbrechen aufzuklären. Als vor ihrer Haustür ein Mord geschieht, beginnen sie mit der Mördersuche. Und stören dabei die Arbeit der Polizei.
Die Klapperschlange (Escape from New York, USA 1981)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle
USA, 1997: Manhattan wurde zum Gefängnis umfunktioniert, in dem Verbrecher den Ton angeben. Durch einen dummen Zufall muss das Flugzeug des US-Präsidenten in Manhattan notlanden. Da hat der Polizeichef eine geniale Idee: Er bietet dem rauhbeinigen Knacki Snake Plissken die Freiheit an, wenn er den US-Präsidenten lebendig aus Manhattan herausholt. Zur Motivationsförderung lässt er Plissken zwei Sprengkapseln implantiert.
Ein schön zynischer, dystpischer SF-Klassiker und ein John-Carpenter-Klassiker.
„einer der spannendsten Filme der letzten Jahre, sorgfältig inszeniert, wenn auch recht gewalttätig.“ (Fischer Film Almanach 1982)
mit Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkins
The Outsiders: The complete Novel (The Outsiders, USA 1983/2005)
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Kathleen Knutsen Rowell
LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)
Tulsa, Oklahoma, sechziger Jahre (mit fünfziger Jahre Feeling): Die proletarischen Greaser und die aus dem wohlhabenden Teil der Stadt stammenden Socs leben ihre Feindschaft immer wieder in Schlägereien aus. Als dabei einer der Socs zufällig stirbt, müssen zwei in die Tat involvierte Mitglieder der Greasers aus der Stadt flüchten.
Jugendrama, das damals bei der Kritik nicht gut ankam. Die längere „The complete Novel“-Fassung rehabilierte das aus heutiger Sicht sehr prominent besetzte, edel fotografierte Jugenddrama vollständig.
mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton
auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel) bzw. „Die Outsider“ (Kinotitel)
Oliver Stone, Regisseur der Kontroversen (Frankreich 2025)
Regie: Amine Mestari
Drehbuch: Amine Mestari
Brandneue 55-minütige Doku über Oliver Stone, dessen große Zeite in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war, als er den Vietnamkrieg aufarbeitete („Platoon“, „Geboren am 4. Juli“), die „Doors“ ins Kino schickte, uns die „Wall Street“ erklärte, den Mord an „JFK.“ aufklärte und die „Natural Born Killers“ losließ.
Davor, um 21.40 Uhr, zeigt Arte Stones Kriegsdrama „Geboren am 4. Juli“ über den Vietnamveteran Ron Kovic (im Film gespielt von Tom Cruise), der vom Kriegsbefürworter zum Kriegsgegner wurde.
Ein beliebter Sportlehrer in einem Nobelort in Florida weist die sexuellen Avancen einer reichen Schülerin zurück. Danach behauptet sie, er habe sie vergewaltigt. Die Polizei glaubt ihr nicht, bis eine zweite Schülerin den gleichen Vorwurf erhebt.
Und das ist nur eine der ersten überraschenden Wendungen in diesem kleinen Thriller, bei dem die Stars lustvoll ihr Image ausfüllen, gegen es anspielen und sich (und uns) letztendlich fast ständig belügen. Denn in „Wild Things“ ist, unter der Sonne Floridas, nichts so wie es scheint. Eine schöne „Sommernachtsfantasie“.
Mit Kevin Bacon, Matt Dillon, Neve Campbell, Theresa Russell, Denise Richards, Robert Wagner, Bill Murray
Touda lebt in der Provinz, ist alleinerziehende Mutter eines stummen Kindes und sie hat einen Traum: sie will eine Sheikha sein und so als traditionelle marokkanische Künstlerin mit ihren Liedern über starke und selbstbewusste Frauen die Menschen in großen und guten Locations begeistern.
Jetzt singt sie noch in billigen Provinz-Nachtclubs und sie wird in den ersten Minuten von Nabil Ayouchs Drama „Alle lieben Touba“ nach einem Auftritt vergewaltigt. Diese Vergewaltigung hat – und das ist eines der Probleme des Films – keinerlei Auswirkung auf die Geschichte. Es handelt sich nur um einen Schockmoment, der Interesse wecken soll.
Ein anderes Problem ist die Geschichte. Ayouch wechselt zwischen Toubas ausführlich gezeigten Gesangsnummern auf der Bühne und wenig informativen Szenen aus ihrem Leben. So plätschert die erste Stunde der Charakterstudie, bis zu ihrer Ankunft in Casablanca, ereignislos vor sich hin. Auf dem Weg nach Casablanca besucht Touda ihre Eltern und gibt ihren Sohn in deren Obhut. Sie will ihn später nachholen.
Und es gibt immer wieder ärgerliche Schlampereien im Drehbuch. So wird Toubas Sohn lange Zeit als taubstumm präsentiert. Aber er ist nur stumm. Sonst wäre ein Telefonat, bei dem sie mit ihm redet, er aber nicht antworten kann, vollkommen unsinnig. So will sie nach ihrer Ankunft in Casablanca zu einem legendären Theater gefahren werden und dort vorsingen. Dummerweise ist das Cabaret, wie ihr der Taxifahrer verrät, seit dreißig Jahren geschlossen. Umgekehrt hat sie eine Schule für ihren Sohn ausgesucht, die es gibt und in der sie auch – erfolglos – vorstellig wird. Beides, also das Wissen über eine Schule, die speziell für die Bedürfnisse ihres stummen Sohnes ausgerichtet ist, und die komplette Unwissenheit über ein seit Jahrzehnten geschlossenes Theater geht nicht. Weil dieses Theater für Sheikas der heilige Gral sein soll, sollte sie doch über das aktuelle Programm und die dort auftretenden Künstler informiert sein.
In Casablanca, immerhin ist bereits die erste Stunde des knapp hundertminütigen Films (ohne Abspann) rum, geht für Touba dann alles ziemlich schnell und mühelos von Auftritten in kleinen Bars, die sich nicht von den ihr bekannten Provinzbars unterscheiden, bis zu einem großen Auftritt in einem Luxushotel. Fast ist es, als ob die Stadt nur auf Touba gewartet hätte.
„Alle lieben Touba“ ist eine spannungsfrei vor sich hin plätschernde Charakterstudie, die uns wenig über den porträtierten Charakter verrät. Immerhin erfahren wir, dass es eine Kluft gibt zwischen ihrem Wunsch, eine ernste und ernstgenommene Künstlerin zu sein und der tristen Wirklichkeit, in der sie fröhliche Schlager für betrunkene Männer singt, die Sex haben wollen.
Vielleicht wäre ein Konzertfilm die bessere Wahl gewesen.
Alle lieben Touda (Everybody loves Touda, Frankreich/Marokko/Dänemark/Niederlande/Belgien 2024)
Regie: Nabil Ayouch
Drehbuch: Nabil Ayouch, Maryam Touzani
mit Nisrin Erradi, Joud Chamihy, El Moustafa Boutankite Jalila Tlemsi, Lahcen Razzougui
Düsterer Cop-Krimi über Gangkriminalität und ihre Bekämpfung in Los Angeles: Alonzo Harris zeigt Jake Hoyt am ersten Arbeitstag wie die Arbeit eines Undercover-Cop gegen Drogen- und Gangkriminalität abläuft. Dummerweise ist Harris selbst ein Gangster mit Dienstmarke, der nach dem Motto „Nur wenn du selbst wie ein Wolf bist, kannst du einen Wolf fangen“ arbeitet.
„Ein rasant und konsequent inszenierter Film voll Gewalt und Brutalität. Konsumierbar einerseits als zynisches Actionspektakel, das bloß altbekannte Genretypen weiterentwickelt, aber auch verstehbar als Spiegelung und Reflexion aktueller Debatten über Polizeimethoden, moralische Dilemmata und die Durchsetzbarkeit demokratischer Spielregeln gegenüber Clannormen, die sich freilich potenziellen Missverständnissen aussetzt.“ (Multimedia, 13. Dezember 2001)
Denzel Washington erhielt für seine Rolle als Cop Harris den Oscar für die beste Hauptrolle und einige weitere Preise. David Ayer schrieb danach den ähnlich gelagerten Cop-Thriller „Dark Blue“.
Die in „Training Day“ und „Dark Blue“ angesprochenen Themen werden in der grandiosen Cop-Serie „The Shield“ noch konsequenter und pessimistischer durchbuchstabiert.
Mit Denzel Washington, Ethan Hawke, Scott Glenn, Cliff Curtis, Dr. Dre, Snoop Dogg, Tom Berenger, Eva Mendes, Macy Gray
1930 arbeitet Antoine de Saint-Exupéry (Louis Garrel), der später den Kinderbuchklassiker „Der kleine Prinz“ schreibt, in Argentien als Pilot für den französischen Luftpostdienst. Seine und die Mission seiner Kollegen ist die pünktliche Zustellung der Post. Dabei zählt jede Minute. Die Dunkelheit ist, mangels der heute vorhandenen Technik, der Feind. Das Wetter ebenso und über die Anden können sie nicht fliegen, weil sie zu hoch für ihre Flugzeuge sind. Trotzdem versuchen Saint-Exupéry und sein bester Freund Henri Guillaumet (Vincent Cassel) es. Nach einer Idee von Saint-Exupéry, wie eine Andenüberquerung möglich sein könnte, versucht Guillaumet die Überquerung. Während des Flugs verschwindet er spurlos.
Saint-Exupéry sucht ihn. Er hat eine ungefähre Vorstellung von der von Guillaumet gewählten Flugroute und er weiß, dass Guillaumet einige Notlandeplätze hatte.
Gut, wer „Der kleine Prinz“ gelesen hat und sich ein wenig über die Hintergründe informierte, kann einige Verbindungen zwischen dem Buch und den von Pablo Agüero in „Saint-Exupéry – Die Geschichte vor dem kleinen Prinzen“ geschilderten Ereignissen ziehen. Diese Verbindungen sind allerdings sehr lose, fast schon willkürlich. Denn letztendlich schildert Agüero nur, wie ein Mann seinen in den Bergen verschollenen Freund sucht. Das ist eine klassische Abenteuergeschichte, die Agüero auch klassisch erzählt. Es gibt die tapferen Piloten, die Kollegen, die ängstlich wartende Frau des Verschollenen (Diane Kruger), während Saint-Exupérys Suche Begegnungen mit anderen Menschen und Tieren und natürlich einige schöne Landschaftsaufnahmen. Es gibt auch immer wieder so offensichtlich schlechte Trickaufnahmen, dass es nach Absicht aussieht. Denn das geht heute auch ohne ein Multi-Millionen-Dollar-Hollywood-Budget besser.
Und so ist „Saint-Exupéry“ kein irgendwie geartetes Biopic, sondern eine unterhaltsame, warmherzige, die Freundschaft zwischen Männern beschwörende Abenteuergeschichte, die in einigen Jahren im Nachmittagsprogramm (wenn es das dann noch gibt) gerne öfter angesehen werden kann.
Saint-Exupéry – Die Geschichte vor dem kleinen Prinzen(Saint-Ex, Frankreich 2024)
Nach dem 1991 spielenden Prolog dauert es einige Zeit, bis der titelgebende „Clown in a Cornfield“ wieder zuschlägt und sich durch die vergnügungssüchtige Jugend von Kettle Springs mordet. Dazu benutzt er munter alle Gegenstände, die in einer gut sortierten Scheune zu finden sind und die sich für einen Mord eignen.
Bis dahin führt Regisseur Eli Craig („Tucker and Dale vs Evil“) uns und die siebzehnjährige Großstadtpflanze Quinn Maybrook in das Leben in der Kleinstadt Kettle Springs ein. Sie ist gerade mit ihrem Vater, der die vakante Stelle des Dorfdoktors angenommen hat, nach Kettle Springs gezogen.
Der aus dem titelgebenden Maisfeld heraus mordende Clown, Frendo genannt, war vor Ewigkeiten das kindgerechte Werbegesicht der Baypen Corn Factory. Sie sorgte für Wohlstand. Heute ist dieser Wohlstand nur eine Erinnerung an bessere Zeiten. Kettle Springs ist, wie Quinn auf den ersten Blick feststellt, eine von Armut und Verfall gezeichnete kleine Gemeinde im Mittleren Westen. Sie will hier nur ihren Schulabschluss machen und dann sofort in Richtung College verschwinden.
Trotzdem befreundet sie sich schnell mit den sogenannten aufsässigen Jugendlichen des Dorfes. Sie lernt sie beim gemeinsamen Nachsitzen in der Schule kennen. Deren Protest äußerst sich vor allem in Saufgelagen bei einer an einem Maisfeld gelegenen Scheune, Sex und, auch in Kettle Springs ist das 21. Jahrhundert angekommen, drehen von Horrorvideos für ihren YouTube-Kanal.
Diese Einführung in das Leben in einem Provinzdorf, aus dem jeder so schnell wie möglich flüchtet, gelingt Craig ziemlich gut. Wenn Frendo dann die Kettensäge anwirft, gibt es auch einige blutige Morde – und natürlich etwas Rätselraten über Identität und Motiv des Täters.
Mit etwas über neunzig Minuten ist „Clown in a Cornfield“ ein angenehm kurzer und auch kurzweiliger, liebevoll gemachter Old-School-Slasher. Über weite Strecken ist die Handlung und die Abfolge der Mordopfer absolut vorhersehbar. Aber Craig erzählt sie konzentriert und mit einigen kleinen Variationen, die das Herz des Slasher-Fans erfreuen.
Craigs Film basiert auf Adam Cesares mit dem Bram Stoker Award als bester Jugendroman ausgezeichnetem Buch. Inzwischen veröffentlichte Cesare zwei weitere Horrorromane mit Frendo. Für Nachschub wäre also gesorgt.
Clown in a Cornfield(Clown in a Cornfield, USA 2025)
Regie: Eli Craig
Drehbuch: Carter Blanchard, Eli Craig
LV: Adam Cesare: Clown in a Cornfield, 2020 (Clown im Maisfeld)
mit Katie Douglas, Aaron Abrams, Carson MacCormac, Vincent Muller, Kevin Durand, Will Sasso
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage (Nachtrag, einige Maisfelder später)
Seinen ersten Auftritt hatte Clown Frendo in Adam Cesares „Clown im Maisfeld“. Der Jugendhorrorroman kam gut an. In Kritiken wurde die Sprache und die Retro-Slasher-Elemente (die wahrscheinlich nur ältere Semester sofort erkennen) gelobt. Cesare schrieb bislang zwei weitere Romane mit dem Horrorclown.
Frendos erster Auftritt, „Clown im Maisfeld“, wurde 2020 in der Kategorie ‚Bester Jugendroman‘ mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet.
Und weil Vergleiche zwischen Buch und Film und Hinweise auf die Story des zweiten und dritten Frendo-Romans massive Spoiler wären, lasse ich es dabei, mit einem angstvoll nach oben gereckten Daumen, bleiben. Denn wer sagt, dass Frendo nur in Maisfeldern zusticht?