
Schon etwas älter, aber immer noch erhältlich und fast aktuell. Von Karismäkis Spielfilmen fehlt nur „Le Havre“.
Am Donnerstag startet sein neuer Film „Die andere Seite der Hoffnung“.

Schon etwas älter, aber immer noch erhältlich und fast aktuell. Von Karismäkis Spielfilmen fehlt nur „Le Havre“.
Am Donnerstag startet sein neuer Film „Die andere Seite der Hoffnung“.
BR, 22.30
Achternbusch (Deutschland 2008, Regie: Andreas Niessner)
Drehbuch: Andreas Niessner
Spielfilmlange Doku über den Schriftsteller, Autorenfilmer und Maler Herbert Achternbusch.
In der legendären Hanser-Filmreihe wird Achternbusch so vorgestellt: „Herbert Achternbusch, 1938 in München geboren, gehört nicht erst seit seinem Christus-Film Das Gespenst (1982), dem ersten Zensurfall des Neuen deutschen Films, zu den eigenwilligsten deutschen (bayerischen) Autorenfilmern. (…) Sein anarchisches, komisches, bajuwarisches und anstößiges Kino wurde zum dichtesten Zeugnis eines autobiographisch-poetischen Autorenfilms in Deutschland. Seine Vorbilder Groucho Marx, Karl Valentin, Jerry Lewis, John Ford und Yazujiro Ozu hat er, bis zur Kenntlichkeit einer eigenen kinematographischen Sprache, sich anverwandelt.“
Mit Herbert Achternbusch, Sepp Bierbichler, Margarethe von Trotta, Gabi Geist
Hinweise
Wikipedia über Herbert Achternbusch
Tagesspiegel: Interview mit Herbert Achternbusch (Juni 2008)
Süddeutsche Zeitung zum 70. von Herbert Achternbusch
Die Welt: Hans-Günter Pflaum über Herbert Achternbusch (17. November 2008)
ZDF, 20.15 (Nachtwiederholung um 02.30 Uhr)
Der gleiche Himmel – Teil 1 (Deutschland 2017)
Regie: Oliver Hirschbiegel
Drehbuch: Paula Milne
Berlin, 1974: Lars Weber (Tom Schilling) wird von der Stasi als Romeo-Agent nach West-Berlin geschickt. Er soll die vierzigjährige Alleinerziehende Lauren Faber (Sofia Helin, „Die Brücke“) verführen und wichtige Informationen über ihre Arbeit entlocken. Sie arbeitet als Analystin in der britisch-amerikanischen Abhörstation auf dem Teufelsberg.
Als sie in der Mitte der zweiten von drei Episoden einen tödlichen Schlaganfall hat, wird Webers Zielobjekt geändert. Jetzt soll er die ebenfalls auf dem Teufelsberg arbeitende US-Amerikanerin Sabine Cutter (Friederike Becht) verführen. Aber er und seine Auftraggeber ahnen nicht, wer Sabine Cutter ist.
Wir als Zuschauer haben dagegen schon ziemlich früh eine ziemlich genau Vorstellung davon und den entstehenden Konflikten, wenn Weber, Cutter und alle anderen das entdecken.
„Der gleiche Himmel“ ist eine Mischung aus Event-Produktion und Miniserie, je nach Rechnung als Dreiteiler (3 x 90 Minuten, im TV und auf DVD) oder als Sechsteiler (6 x 45 Minuten auf dem internationalen Markt und bei Netflix), deren Geschichte nach viereinhalb Stunden mitten in der Geschichte abbricht. Als habe man bei einem Agatha-Christie-Krimi nach dem Auffinden der Leiche oder eine Seite vor der Versammlung der Verdächtigen in einem Zimmer aufgehört; – oder, nein, weil „Der gleiche Himmel“ seine Geschichte sehr offen erzählt, wie ein James-Bond-Film, der nach der ersten Begegnung von James Bond mit dem Bösewicht einfach aufhört mit dem Kommentar: „Ach, eigentlich könnt ihr euch den Rest denken.“
Dieses offene Ende ist eine bodenlose Frechheit.
Der Weg bis zum Ende ist dabei gar nicht so schlecht. Oliver Hirschbiegel erzählt betulich eine Agentengeschichte mit viel Zeitkolorit und, immerhin muss die Geschichte auf 270 Minuten gestreckt werden und es werden nur die Fundamente für kommende Konflikte gelegt, vielen, vielen Nebengeschichten, die mit dem Auftrag von Lars Weber nichts zu tun haben und dessen Geschichte immer wieder in den Hintergrund verdrängen. Dafür ist Webers ganze Ostfamilie in verschiedene Geschichten verwickelt, die ein Best-of-DDR sind: es geht um Homosexualität, um den Bau eines Fluchttunnels (am Ende gibt es die Idee für eine andere Möglichkeit der Republikflucht), um eine potentielle Teilnehmerin an der Schwimmolympiade und damit verbundenes Doping, um Spitzelgeschichten, Verhöre im Stasi-Knast Hohenschönhausen und regimekonformen Schulunterricht. Alles das ist nicht uninteressant, aber für den Hauptplot überflüssig. Auch weil bis zum Ende der ersten Staffel (das ist die nicht offen ausgesprochene Idee der Macher) kein sich konflikthaft befruchtendes Verhältnis zwischen den Geschichten vorhanden ist.
Die Schauspieler holen oft Facetten aus den Rollen heraus, die die reinen Dialoge so nicht hergeben. Das gilt, zum Beispiel, für Ben Becker als Führungsoffizier von Lars Weber, der leicht zu einem kettenrauchendem Hardboiled-Proll-Klischeedetektiv hätte werden können. Er bringt auch etwas Humor in den gleichen Himmel. Oder für Jörg Schüttauf, der sein Leben lang für den Sozialismus kämpfte und dafür sein Umfeld ausspäht und ausspähen lässt. Oder für Anja Kling als vom Ehrgeiz zerfressene Mutter einer potentiellen Olympia-Teilnehmerin, die alles tun würde, damit ihre Tochter ihren Traum erfüllt – und sie die größere Wohnung bekommt.
Das wird durchgehend grundsolide präsentiert, aber mit einem Ende, das als Ende einer Miniserie in keinster Weise akzeptabel ist. Dass in der ZDF-Fassung am Ende in Schrifteinblendungen, die in der DVD-Fassung fehlen, die Geschichte weitererzählt wird, macht es nur noch schlimmer.
Das ZDF zeigt den zweiten Teil am Mittwoch, den 29. März, um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung um 01.30 Uhr) und den dritten Teil am Donnerstag, den 30. März, ebenfalls um 20.15 Uhr (Nachtwiederholung am Samstag, den 1. April, um 02.15 Uhr [Taggenau!]) .
Polyband veröffentlicht die DVD am Freitag, den 31. März. Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“ (9:11 Minuten), das Featurette „Die Musik zu ‚Der gleiche Himmel’“ (4:47 Minuten), „Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin“ (7:26 Minuten) und ein „Interview mit Autorin Paula Milne“ (9:52 Minuten). Sie sind fast auch online, z. B. auf der ZDF-Homepage, verfügbar und eher oberflächlich in dem erwartbaren Promo-Rahmen. Wobei das Interview mit Paula Milne etwas aus dem Rahmen fällt, weil Drehbuchautorinnen normalerweise nicht befragt werden. Mit Oliver Hirschbiegel wurde dagegen, obwohl er im „Making of“ und dem Musik-Featurette dabei ist, anscheinend kein längeres Interview geführt.
mit Tom Schilling, Friederike Becht, Sofia Helin, Ben Becker, Claudia Michelsen, Anja Kling, Stephanie Amarell, Muriel Wimmer, Jörg Schüttauf, Godehard Giese, Jascha Rust, Hannes Wegener, Steffi Kühnert, Daniel Zillmann
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DVD (erhältich ab dem 31. März)
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Making of, Die Musik zu „Der gleiche Himmel“, Interviews mit den Darstellern Tom Schilling, Friederike Becht und Sofia Helin, Interview mit Autorin Paula Milne
Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Der gleiche Himmel“
Wikipedia über „Der gleiche Himmel“ (deutsch, englisch)
Variety unterhält sich mit Oliver Hirschbiegel über die Serie
Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)
Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Elser“ (Deutschland 2015) (mit Interviews mit Oliver Hirschbiegel über den Film) (und der DVD)
Ein Arte-Themenabend
Arte, 20.15
Schwarzer Engel (Obsession, USA 1976)
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Paul Schrader (Nach einer Geschichte von Paul Schrader und Brian De Palma)
Sechzehn Jahre nach der Entführung von seiner Frau und Tochter, die dabei starben, entdeckt Michael Courtland in Florenz eine Frau, die die Zwillingsschwester seiner toten Frau könnte. Sie verlieben sich ineinander, heiraten und kurz vor der Hochzeit wird sie entführt. Courtland fragt sich, ob sich jetzt alles wiederholt.
Starkes Frühwerk von De Palma, das, wie viele seiner Filme, zahlreiche Vergleiche mit dem Werk von Alfred Hitchcock provozierte. Auch weil dieses Mal Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann („Vertigo – Aus dem Reich der Toten“) den Soundtrack komponierte und dafür posthum für den Soundtrack-Oscar nominiert wurde.
Die Story selbst; – nun ja, man sollte nicht zu viele Fragen stellen und sich dem Bilderrausch (Kamera: Vilmos Zsigmond) hingeben.
Danach drehte De Palma „Carrie – Das Satans jüngste Tochter“.
mit Cliff Robertson, Geneviève Bujold, John Lithgow, Sylvia ‚Kuumba‘ Williams, Wanda Blackman
Wiederholung: Dienstag, 4. April, 13.40 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Schwarzer Engel“
Wikipedia über „Schwarzer Engel“ (deutsch, englisch)
Arte, 21.50
Brian De Palma (De Palma, USA 2015)
Regie: Noah Baumbach, Jake Paltrow
Spielfilmlange Doku über Brian De Palma, in der der Regisseur ausführlich zu Wort kommt – und das ist gut so.
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Brian De Palma“
Wikipedia über „Brian De Palma“
Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Frances Ha“ (Frances Ha, USA 2012)
Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (While we’re young, USA 2014)
Meine Besprechung von Noah Baumbachs „Mistress America“ (Mistress America, USA 2015)
In die Sommerzeit mit
ARD, 23.55
Open Range – Weites Land (USA 2003, Regie.: Kevin Costner)
Drehbuch: Craig Storper
LV: Lauran Paine: The Open Range Man, 1990 (später auch „Open Range“)
Als der tyrannische Rancher Baxter die Herde der beiden seit Ewigkeiten zusammen reitenden Cowboys Spearman und Waite stehlen will, hat er sich mit den falschen angelegt.
Schöner Western, der angenehm altmodisch auf jeglichen modernen Schnickschnack verzichtet und ruhig seine Geschichte erzählt.
mit Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon, Michael Jeter, Diego Luna, James Russo, Kim Coates
Hinweise
Rotten Tomatoes über “Open Range”
Wikipedia über „Open Range“ (deutsch, englisch)

Libreville ist die Hauptstadt von Gabun, einem Land in Afrika, das eine französische Kolonie war, in Lambaréné Albert Schweitzer sein weltweit bekanntes Hospital hatte und der Äquator verläuft durch das dünn besiedelte Land.
„Libreville“ ist auch der Titel eines Kriminalromans von Janis Otsiemi, einem 1976 geborenem Gabuner, der bereits mehrere Kriminalromane schrieb, die alle noch nicht ins Deutsche übersetzt sind. Das sollte sich dringend ändern.
Die Geschichte spielt wenige Monate vor dem Tod das gabunischen Staatspräsidenten Omar Bongo, der das Land von 1967 bis zu seinem Tod am 8. Juni 2009 regierte.
Die Polizisten Pierre Koumba Owoula und Hervé Louis Boukinda Envame müssen den Mord an dem Journalisten Roger Missang aufklären. Ihr Chef möchte, dass sie den Fall schnell aufklären und so die Proteste von „Reporter ohne Grenzen“ schnell verstummen. Die beiden Ermittler vermuten, dass Missang aus politischen Gründen ermordet wurde. Ihre Einschätzung ändern sie, als sie erfahren, dass die Kugel, die sie bei Missang fanden, zu der Waffe gehört mit der vor fünf Jahren Pavel Kurka, der Sicherheitschef des Verteidigungsministers, erschossen wurde. Seitdem ist die Waffe verschwunden und der Täter läuft noch frei herum. Nach dieser Entdeckung wird auch dem Mordfall eine Staatsaffäre.
Neben der Mordermittlung müssen die beiden Polizisten mehrere kleinere Fälle aufklären und immer wieder helfen ihnen Zufälle, Glück, Spitzel und brutale Verhöre. Eine normale, westlich-zivilisierten Standards gehorchende Polizeiarbeit findet dagegen nicht statt. Die Korruption hat ein Ausmaß, das die gesamte Polizei und Verwaltung lahmlegt. Falls sie sowieso nicht schon latent arbeitsunfähig wäre. Immerhin funktionieren auf der Polizeistation die Schreibmaschinen aus der de-Gaulle-Zeit noch.
Janis Otsiemi erzählt das auf knapp zweihundert Seiten spannend und ohne Umwege. Dabei mimt er öfter den Erklärbär, der ein Publikum im Hinterkopf hat, das Libreville, Gabun und die dortigen Zustände nicht kennt.
„Libereville“ ist kein Rätselkrimi (außer natürlich dem Rätsel, wie die Beamten in dieser Umgebung überhaupt Ermittlungserfolge haben können), aber ein düsterer Polizeithriller, der einen Einblick in eine fremde Welt gibt, die man nicht besuchen möchte. Denn in Otsiemis Roman gibt es nur Verbrecher und mehr oder weniger korrupte Polizisten.
Abgerundet wird der Roman von einem aktuellen Interview, das Alf Mayer mit Otsiemi führte.
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Janis Otsiemi: Libreville – Ein Kriminalroman aus Gabun
(übersetzt von Caroline Gutberlet)
Polar Verlag, 2017
224 Seiten
14 Euro
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Originalausgabe
African Tabloid
Jigal, 2013
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Hinweise
Arte, 20.15
Banklady (Deutschland 2013)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Silber, Kai Hafemeister
Bonnie & Clyde in der deutschen Version.
Ein überraschend gelungener Gangsterfilm, der, mit viel Sixties-Flair, die vergessene Geschichte von Deutschlands erster Bankräuberin Gisela Werner erzählt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Heinz Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt, Heinz Struck
Hinweise
Film-Zeit über „Banklady“
Moviepilot über „Banklady“
Wikipedia über die echte Banklady Gisela Werler
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)
Jason, Kimberly, Billy, Trini und Zack sind fünf Jugendliche in der verschlafenen All-American-Kleinstadt Angel Grove. Teils waren sie schon immer die Außenseiter. Teils haben sie es sich dank unüberlegter Aktionen so in der Schule verscherzt, dass sie jetzt zu den Außenseitern gehören und gemeinsam Nachsitzen müssen.
In einem stillgelegten Bergwerk entdecken sie fünf leuchtende Münzen, die ihnen übermenschliche Kräfte verleihen. Kräfte die sie, wie ihnen Zordon (Bryan Cranston als körperloses Bewusstsein in der Matrix des Raumschiffes) und der Cyborg Alpha 5 (der Sidekick des Films) erklären, zum Wohl der Menschheit einsetzen müssen.
Als erstes müssen sie gegen Rita Repulsa (Elizabeth Banks) kämpfen, die die Erde vernichten will.
Bevor die Power Rangers sich mit ihr kloppen und dabei Angel Grove einer Grundsanierung unterziehen, müssen sie unter der Führung des weißen Jason zu einer schlagkräftigen Truppe werden.
„Powers Rangers“ ist der neue Kinofilm mit den bekannten Seriencharakteren, die 1993 bei Fox Kids ihren ersten Auftritt hatten und seitdem, bei verschiedenen Sendern, im Kino, als Game und als Spielzeug, eine wahre Geldquelle für ihren Erfinder Haim Saban sind. Die Kinderserie läuft immer noch im TV. In Deutschland lief die Serie zuerst bei RTL und Super RTL und inzwischen bei Nickelodeon.
Der Kinofilm, der ebenfalls ein jüngeres, eher vorpubertäres Publikum anvisiert, soll jetzt der Auftakt zu einer von der TV-Serie unabhängigen Serie von Kinofilmen sein.
Regisseur Dean Israelite („Project Almanac“) erzählt in seinem zweiten Spielfilm die Origin-Geschichte der Power Rangers recht flott, ohne spürbaren Längen und Überraschungen, aber mit einem humoristischen Unterton, der einem verrät, dass niemand den SF-Trashfilm hundertprozentig ernst nimmt. Besonders Elizabeth Banks hatte erkennbar ihren Spaß als Rita Repulsa. Sie ist eine egomanische Over-the-Top-Bösewichtin, die aus irgendeiner fernen Sagenwelt (oder dem letzten „Flash Gordon“-Film) stammt und die vor allem kleine Kinder als spärlich bekleidete böse Hexe etwas erschrecken will.
Die Power Rangers selbst sind eine bunte Truppe, die keine gesellschaftliche Gruppe vernachlässigt und die sogar – das muss gesagt werden, weil die Macher die Szene in Interviews schon betonen, Malaysia sich (wie schon bei „Die Schöne und das Biest“ [läuft jetzt ungekürzt]) überlegt, wie sie mit dieser Szene umgehen können und man sie leicht überhören kann – eine lesbische Superheldin haben. Das ist für einen Major-Superheldenfilm eine Sensation, die sich darin äußert, dass bei einem Lagerfeuergespräch Yellow Ranger Trini gefragt wird, ob sie nicht „boyfriend problems“ sondern „girlfriend problems“ habe.
So lobenswert es ist, Jugendlichen zu erklären, dass sie sich nicht für ihre Gefühle während der Pubertät schämen müssen, so klein ist dann der Halbsatz, dem man schnell überhören und nicht in seiner ganzen Bedeutung erfassen kann. Die anderen Power Ranger fragen akzeptieren ihre Antwort ohne Nachfragen oder Irritationen. Für den restlichen Film ist Trinis Antwort ebenfalls unwichtig.
Abgesehen von dieser Bemerkung bleibt im Superheldenkosmos dann doch alles beim alten. Immer noch wird die Gruppe von einem weißen Jungen, dem Star des Football Teams, angeführt. Seine Befehle werden von den anderen ohne Diskussion befolgt. Es gibt den Nerd, die Schulschönheit, den Draufgänger und die Beobachterin. Das unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung und Gruppendynamik dann kaum von der ebenso bunt zusammengesetzte Besatzung der Original-“Raumschiff Enterprise“-Serie aus den sechziger Jahren.
Fünfzig Jahre später könnte sich auch im Superheldengenre endlich einmal eine Superheldengruppe unter der Führung eines Nicht-Weißen, vielleicht sogar einer Frau, vielleicht sogar einer Lesbe, zusammenfinden. Das wäre dann einmal etwas wirklich Neues.
Das große Finale, bei dem Angel Grove zerstört wird, Blech auf Blech prallt, das wolkenkratzergroße Goldmonster Goldar und seine Herrin Rita Repulsa dazwischen stehen und die Power Rangers und ihre Zords (Mischwesen aus prähistorischen Tieren und Maschine) sie angreifen, sieht dann wie ein herzhaftes Verwenden der Reste und Storyboards aus dem letzten „Transformers“-Film aus.
Produzent Haim Saban hat mit „Power Rangers“ ähnlich langlebige Pläne. Im „Variety“ hat er schon fünf Fortsetzungen angekündigt, die dann bis ungefähr 2030 im Kino gezeigt werden. Es gäbe nämlich einen sechs Filme umspannenden Handlungsbogen.
Ob es dazu kommt, wird sich demnächst an der Kinokasse entscheiden.

Power Rangers (Power Rangers; Saban’s Power Rangers, USA 2017)
Regie: Dean Israelite
Drehbuch: John Gatins (nach einer Geschichte von Matt Sazama, Burk Sharpless, Michele Mulroney und Kieran Mulroney)
mit Dacre Montgomery, Naomi Scott, RJ Cyler, Becky G, Ludi Lin, Bill Hader, Bryan Cranston, Elizabeth Banks
Länge: 124 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Power Rangers“
Metacritic über „Power Rangers“
In naher Zukunft: die ISS-Raumstation im Erdorbit: ein sechsköpfiges internationales Forscherteam sucht nach außerirdischem Leben und findet es in einem Einzeller vom Mars. Er wächst. Er stirbt und wird mit Stromstößen wieder zum Leben erweckt. Als er sich dagegen wehrt, soll er flambiert werden, was dem Ding aus einer anderen Welt nicht gefällt.
Ab diesem Moment kämpft die Mannschaft des Raumschiffs um ihr Überleben und es hilft, wenn man sich nicht zu genau an Ridley Scotts SF-Horrorfilmklassiker „Alien“ erinnert. Denn Daniel Espinosa liefert letztendlich nur eine Variation des Films ab, die deshalb selten wirklich überrascht, aber dank der Schauspieler, dem Drehbuch, den Spezialeffekte und der ruhig schwebende Kamera gefällt, die in langen Einstellungen die schwerelos durch die Raumstation schwebenden Wissenschaftler begleitet.
Nachdem Espinosa in früheren Filmen, wie „Safe House“, die Wackelkamera und Sekundenschnitte zum nervigen Stilprinzip erhoben hatte, kehrt er in „Life“ endgültig zur traditionellen Inszenierung zurück. Es ist auch eine Inszenierung, die die Schauspieler, die Tricks und die Geschichte in den Mittelpunkt stellt.
Beginnen wir mit den Schauspielern: Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal und Rebecca Ferguson sind die bekannten Namen, die genau deshalb eine größere Chance haben, das Filmende zu erleben. Olga Dihovichnaya, Ariyon Bakare und Hiroyuki Sanada ergänzen die Raumschiffbesatzung, die aus der ganzen Welt stammt. Und nachdem das Alien, von den Wissenschaftlern Calvin genannt, das erste Besatzungsmitglied tötete, ist klar, dass nur ein Narr auf das Überleben einer bestimmten Person wetten würde. Aber jeder bekommt seine große Sterbeszene, in der er tapfer gegen Calvin kämpft. „Life“ ist halt ein Shocker, in dem die Besatzungsmitglieder nur zum Sterben auf der Station sind. Deshalb erfahren wir auch, abgesehen von einem Mitglied, nichts über sie, was über ihre Aufgabe an Bord hinausgeht.
Die Tricks konzentrieren sich auf das Alien und, im Gegensatz zu älteren SF-Filmen, in denen die Astronauten sich normal durch ihr Schiff bewegen, auf die Darstellung der Schwerelosigkeit. Von der ersten bis zur letzten Minute schweben die ISS-Besatzungsmitglieder schwerelos durch das Schiff, wenn sie nicht gerade in einer auf der Erde unmöglichen Position an den Computern arbeiten oder miteinander reden. Anfangs, wenn die Besatzungsmitglieder während einer Besprechung an der Wand und Decke der Station schweben, irritiert das noch etwas. Später nimmt man kaum noch wahr, dass in „Life“ durchgängig auf die traditionelle Zuweisung von ‚oben‘ und ‚unten‘ verzichtet wird.
Das Monster ist ein fast durchsichtiges, glibberiges Quallenwesen, das seine Opfer mit seinen Tentakeln umarmt, umhüllt, erstickt, penetriert und gerade wegen seiner Gestaltlosigkeit Urängste weckt. Es ist nicht die einen zerfetzende „Alien“-Kreatur, sondern mehr ein Nebel des Grauens, der überall und nirgends ist. Und der Reihe nach die Besatzung dezimiert, die sich entsprechend den Genrekonventionen verhalten.
Denn die hochintelligenten Wissenschaftler der ISS-Raumstation versuchen das Wesen genauso wie die Arbeiter auf der Nostromo in „Alien“ oder die Antarktisforscher in „Das Ding aus einer anderen Welt“ zu bekämpfen: mit nackter Gewalt und dem Ziel, das fremde, sie bedrohende, scheinbar unbesiegbare Wesen zu töten. Wobei in „Life“ die sechs Besatzungsmitglieder alle eine lakonischen Todesakzeptanz haben, in der jedes Mitglied in Gefahr und größter Not nicht an sich, sondern an die anderen denkt.
Diese Vorhersehbarkeit des Skripts ist dann auch das größte Problem von „Life“. Wir wissen zwar nicht, wer wann wie stirbt, aber wir wissen, dass die Besatzungsmitglieder der Reihe nach dezimiert werden. Inclusive einiger logischer Brüche (Wo ist das Alien? Wie kam es jetzt an diesen Ort?). Die „Deadpool“-Autoren Paul Wernick und Rhett Reese belassen es in ihrer Geschichte dann auch beim kunstvollen Ausfüllen der bekannten Formel, ohne ihr noch eine zusätzliche Dimension zu geben.

Life (Life, USA 2017)
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Paul Wernick, Rhett Reese
mit Jake Gyllenhaal, Ryan Reynolds, Rebecca Ferguson, Olga Dihovichnaya, Ariyon Bakare, Hiroyuki Sanada
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Wikipedia über „Life“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“
Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)
Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Kind 44“ (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)
2001 war Christian Züberts Debütfilm „Lammbock“ mit über 900.000 Zuschauern ein Überraschungserfolg. Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz kifften sich durch den Tag, redeten, redeten und verkauften etwas Gras. Als Tarnung hatten sie einem Pizza-Lieferservice, den es so nur in Filmen gibt.
Jetzt kehrt Zübert mit „Lommbock“ in diese Welt zurück. Die Jungs und Mädels aus dem ersten Film sind wieder dabei. Die Pizza mit Drogen-Spezialbelag ebenso. Auch wenn Kai (Moritz Bleibtreu) aus dem damaligen Pizza-Lieferservice „Lammbock“ den Asia-Lieferservice „Lommbock“ machte, indem er das Schild austauschte. Er hat eine feste Freundin und versucht ihren pubertierenden Sohn zu erziehen.
Stefan (Lucas Gregorowicz) steht in Dubai kurz vor seiner Hochzeit mit der Tochter eines schwerreichen Scheichs und der Eröffnung einer von der Familie der Braut finanzierten urigen Karibik-Strandbar; – auf dem Dach eines Hochhauses und in Übereinstimmung mit den dortigen Gepflogenheiten und Gesetzen. Vor der Hochzeit muss er, nach fünfzehn Jahren, schnell zurück in die alte Heimat, um sich dort auf dem Amt seine amtlich beglaubigte Geburtsurkunde ausstellen zu lassen.
Nach der Ankunft in Würzburg geht dann alles schief und „Lommbock“ wird endgültig zu einer Wiederholung von „Lammbock“ mit kleinsten Variationen, die „Lommbock“ zu einem etwas besseren Film machen. Denn jetzt hängen die Charaktere nicht mehr vollkommen im luftleeren Raum. Sie haben wenigstens einen Hauch von Biographie und sozialer Erdung. Sie haben sich in den vergangenen Jahren auch etwas verändert. Die einzelnen Szenen und Witze sind etwas pointierter; wobei Moritz Bleibtreus endlose pseudotiefsinnigen, absurd-abstrusen Weltbetrachtungen immer noch grandios sind. Im Rahmen des Kifferhumors, der mal wieder Programm ist und der immer noch deutlich von Kevin Smiths „Clerks“ und seinen entsprechenden Folgefilmen inspiriert ist.
Auf eine tragfähige Geschichte wurde, wie schon bei „Lammbock“, zugunsten einer vor sich hinplätschernden Nummernrevue verzichtet. Auch der Humor bewegt sich durchgehend auf dem unwitzigen, peinlich bemühten „Lammbock“-Niveau. Nur dass es dieses Mal auch um Salafisten, YouPorn, Kindererziehung und drogenfreie Urinproben geht.
Insofern funktioniert „Lommbock“ vor allem als rundherum ambitionsloser Fan-Service.

Lommbock (Deutschland 2017
Regie: Christian Zübert
Drehbuch: Christian Zübert
mit Lucas Gregorowicz, Moritz Bleibtreu, Louis Hofmann, Mavie Hörbiger, Alexandra Neldel, Wotan Wilke Möhring, Antoine Monot Jr., Melanie Winiger, Dar Salim
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Meine Besprechung von Christian Züberts „Ein Atem“ (Deutschland 2015)
Weil die Erstausstrahlung am 27. März 1977 war:
NDR, 23.30
Tatort: Reifezeugnis (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld
Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.
Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.
Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)
Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)
Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.
mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen
Hinweise
Jeder glaubt, dass er einzigartig sei. Aber ein Blick in verschiedene Statistiken zeigt, dass man dann doch nicht so einzigartig ist. Es kann auch passieren, dass man in einer Menschenmenge jemand sieht, der einem auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht. Normalerweise ist das kein großes Drama.
Für Sarah Manning ist die erste Begegnung mit ihrem ‚Zwilling‘ schon unangenehmer. Denn ihr ‚Zwilling‘ springt vor einen fahrenden Zug.
In der ersten Staffel der grandiosen Science-Fiction-TV-Serie „Orphan Black“ nahm die Teilzeit-Mutter, Betrügerin und kleine Drogenhändlerin Sarah Manning dann, in der Hoffnung auf etwas Geld, die Identität der Toten an. Schnell erfuhr sie, dass die tote Polizistin ihr nicht zufällig zum Verwechseln ähnlich sah. Sie ist ein Klon und es gibt noch über zwei Dutzend Klone von ihr, die irgendwo auf der Welt herumlaufen. Mit einigen ihrer Klonschwestern will sie herausfinden, wer sie warum erzeugte und jetzt töten will.
Inzwischen ist die vierte Staffel der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten BBC-America-Serie auf DVD erschienen. Sie beginnt mit einer fast die gesamte erste Folge einnehmenden Rückblende, in der wir mehr über die Ereignisse erfahren, die zum Suizid der Kriminalpolizistin Beth Childs führten. Dieser Plot wird in der vierten Staffel immer wieder aufgenommen, während im Hauptplot Sarah versucht herauszufinden, was die Neolution plant. Sie experimentiert inzwischen mit biotechnischen Implantate und leitet eine Geburtsklinik, die einwandfreie Babys garantiert.
Nach der hoffnungslos vergurkten dritten Staffel, die in ihren zahllosen Subplots ertrank, ohne den Hauptplot erkennbar zu befruchten, haben die „Orphan Black“-Macher sich jetzt wieder auf die Sarah-Klone konzentriert. Die männlichen Castor-Klone, die Teil eines geheimen Militärprojektes waren/sind, wurden ersatzlos aus der Geschichte gestrichen. Nur ein Castor-Klon, der nie Teil des Militärprojekts war, ist Teil der Geschichte der vierten Staffel. Er pflegt auf einer Insel Sarahs skrupellose Klonschwester Rachel, die sich langsam von ihren Verletzungen erholt und eine wichtige Position bei den Neolutionisten übernehmen möchte.
Die vierte Staffel konzentriert sich – und das ist gut so – auf Machtkämpfe innerhalb der Neolution, den damit zusammenhängenden geheimen Forschungen und, auf der Seite von Sarah und ihren Klon-Schwestern, auf ihre Versuche, mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden und die Angriffe der Neolution zu überleben. Die hat anscheinend überall Verbündete.
Auch durch die Rückblenden tauchen in der vierten Staffel viele altbekannte, teils schon verstorbene Charaktere, wie Dyad-Chef und bekennender Neolutionist Aldous Leekie, wieder auf.
Im Mittelpunkt der Serie steht immer und in fast jeder Szene Hauptdarstellerin Tatiana Maslany, die alle weiblichen Klone spielt; teilweise in der gleichen Szene. Mit ihrem facettenreichen Spiel (und Kleidung und Frisur) porträtiert sie die verschiedenen Klone so unterschiedlich, dass man sie nicht miteinander verwechselt und sie immer als individuelle Charaktere begreift. Das gilt natürlich auch für die neuen Sarah-Klone.
Die Serie selbst entwickelt in der vierten, teils sehr elliptisch erzählten Staffel wieder den Sog, den man aus den ersten beiden Staffeln kennt, in denen sich die Geschichte unerbittlich fortbewegte. Deshalb sollte man sich vor der vierten Staffel auch die erste und zweite Staffel ansehen. Die dritte Staffel, so meine derzeitige Meinung, kann man dagegen getrost ignorieren.
Die finale fünfte, wieder aus zehn Episoden bestehende Staffel wird in Kanada und den USA ab dem 10. Juni 2017 ausgestrahlt. Ein deutscher Sendetermin steht noch nicht fest.
Das Bonusmaterial ist dieses Mal mit einer Stunde Laufzeit deutlich umfangreicher als bei den vorherigen Staffeln ausgefallen. Es ist, mit ganz wenigen Überschneidungen (insgesamt zwei, drei Minuten), unterteilt in drei längere Features und zehn kurze Featurettes, in den über bestimmte Details jeder Episode gesprochen wird und in denen wichtige Details der Handlung verraten werden.

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 4 (Orphan Black, Kanada 2016)
Regie: John Fawcett, Ken Girotti, Peter Stebbins, David Wellington, Grant Harvey, David Frazee, Aaron Morton
Drehbuch: Graeme Manson, Russ Cochrane, Aubrey Nealon, Alex Levine, Kate Melville, Chris Roberts, Nikolijne Troubetzkoy, Peter Mohan
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena/Elizabeth ‚Beth‘ Childs/Krystal Goderitch/Veera ‚M. K.‘ Suominen), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Ari Millen (Ira), Skyler Wexler (Kira Manning), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), James Frain (Ferdinand Chevalier), Rosemary Dunsmore (Susan Duncan), Lauren Hammersley (Adele), Alison Steadman (Kendall Malone), Jessalyn Wanlin (Evie Cho), Gord Rand (Detective Duko), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie)
–
DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial (60 Minuten): Back to the Beginning, Body Horror, Closer Looks
Länge: 420 Minuten (10 x 42 Minuten, 3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
BBC America über “Orphan Black”
Moviepilot über “Orphan Black”
Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)
Arte, 20.15
Der Mann ohne Vergangenheit (Finlannd/Deutschland/Frankreich 2002, Regie: Aki Kaurismäki)
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.
Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.
„Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)
„eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.
Auftakt einer Aki-Kaurismäki-Filmreihe, die gut als Einstimmung zu seinem neuen Film „Die andere Seite der Hoffnung“ (Kinostart: 30. März, – Jubelkriitk zum Filmstart) dienen kann.
mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä
Hinweise
Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)
3sat über “Der Mann ohne Vergangenheit”
Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)
Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)
Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Le Havre“ (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)

Damals, 1984, schrieb der Heyne-Verlag „Die Erziehung des Patrick Silver“ sei der abschließende Band der Isaac-Sidel-Trilogie.
Heute halten wir den zwölften Roman mit Isaac Sidel in den Händen. „Winterwarnung“ (Winter Warning, 2016) erschien vor einigen Tagen bei Diaphanes und der New Yorker Cop Sidel ist inzwischen Präsident der USA.
Arte, 20.15
Themenabend: Europa , was nun?
Wenige Tage vor dem Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957, dem Grundstein der heutigen Europäischen Union, informiert Arte an einem langen Abend darüber. Los geht’s um 20.15 Uhr mit der spielfilmlangen Doku „Kampf um Europa“ (Deutschland 2017) über die aktuellen Probleme der EU, dann folgt ein kurzes Gespräch mit Jean Quatremer, um 22.00 Uhr die knapp einstündige Doku „Am Anfang waren’s sechs: Die Römischen Verträge“ (Frankreich 2016) und um 22.55 Uhr, zum Abschluss des Themenabends, ein kurzes Gespräch mit Sandro Gozi.

Martin Scorseses Anfang März in unseren Kinos gestartete Verfilmung „Silence“ von Shusaku Endos Roman „Schweigen“ ist eine gute Gelegenheit, diesen in Japan 1966 und 1977 erstmals auf Deutsch erschienen Roman zu lesen. Vor zwei Jahren überarbeitete die damalige Übersetzerin Ruth Linhart für eine Neuveröffentlichung ihre alte Übersetzung. Der Septime Verlag ergänzte den Roman um ein Vorwort von Martin Scorsese und ein Nachwort von William Johnson, dem Übersetzer der englischen Ausgabe. In seinem Nachwort geht Johnson auch auf die historischen Hintergründe und die japanische Kultur ein.
Endo (1923 – 1996) erzählt in „Schweigen“ die Geschichte von Pater Sebastiao Rodrigues. Der Jesuit reist 1638 mit seinem Glaubensbruder Francisco Garpe nach Japan. Sie wollen die Gerüchte, die sie nicht glauben, überprüfen, nach denen der hochgeschätzte Pater Ferreira von seinem Glauben abgeschworen und zum Buddhismus konvertierte. Zu dieser Zeit wurden in Japan Christen verfolgt und das Land schottete sich immer mehr ab.
Als Rodrigues verhaftet wird, steht er vor der Frage, wie stark sein Glaube ist – und ob ihm sein Glaube den richtigen Weg weist.
Dieser Gewissenskonflikt steht im Mittelpunkt des Romans und der Verfilmung, die der Geschichte, teilweise bis in die Dialoge, ziemlich genau folgt. Allerdings verengt Scorseses Film das moralische Dilemma schon in den ersten Minuten mit Bildern von Folterungen, die Ferreira ansehen muss, auf die Frage, wie viele Gläubige der Geistliche leiden und sterben lässt, bis er dem Glauben öffentlich abschwört und so das Leid der Gläubigen beendet. Von dieser bildgewaltigen Verengung und der inzwischen für uns (also normal gläubige Christen) offensichtlichen Antwort, in dieser Situation von dem Glauben abzuschwören (und ihn privat vor den Augen Gottes weiterzupraktizieren) erholt sich der Film nie. Letztendlich hat Scorsese in diesem Moment schon die Frage seiner Geschichte beantwortet.
Im Roman ist Rodrigues auch mit dieser Frage konfrontiert. Denn der japanische Beamte Inoue stellt alle Pfarrer, die er verhört, vor diese Wahl.
Aber der Roman ist vielfältiger. Er verortet die Geschichte erkennbar an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit und spricht dabei auch die politischen und ökonomischen Hintergründe an. Der Konflikt zwischen der japanischen und der europäischen Kultur, dem Christentum und dem Buddhismus und die damit zusammenhängende individuelle Glaubenskrise von Rodrigues werden, auch wenn man über den Buddhismus wenig bis nichts erfährt, facettenreicher behandelt.
So fragt Rodrigues sich, ob sie den Japanern die Botschaft des Christentums bringen sollen. Er sieht die gläubigen Bauern, die für ihren Glauben getötet werden. Er fragt sich, warum Gott dem schweigend zusieht. Für Rodrigues ist das Schweigen Gottes ein großes Problem. Das Schweigen bedeutet auch, dass Gott ihm keine Antwort auf seine Fragen und keine Handlungsanweisung gibt.
Dieser Ruf nach einer Antwort Gottes und Rodrigues‘ Verzweiflung über das Schweigen Gottes sind natürlich auch ein Hinweis auf seine Art des Glaubens und auch die Schwäche seines Glaubens.
Am Ende steht Rodrigues, der sich und seinen Leidensweg immer wieder mit der Geschichte von Jesus Christus vergleicht, vor der Frage – und das ist eine Umformulierung der von Inoue gestellten Frage – ob er sich, wie Jesus, für die Gläubigen opfern oder ob er seinen Glauben über ihr Leid stellt. Jesus starb, wie bekannt, am Kreuz. Rodrigues würde, indem er seinem Glauben öffentlich abschwört und zum Buddhismus konvertiert, in die Fußstapfen von Jesus treten. So erklärt es jedenfalls Ferreira, der auch betont, dass Japan ein Sumpf sei, der unempfänglich für das Christentum sei.
Dieser Glaubenskonflikt spielt sich oft im Kopf von Padre Rodrigues ab. In einem Roman ist das kein Problem. Ein Roman kann über Seiten nur die Gedanken eines Menschen wiedergeben, ohne dass es langweilig wird. Gleichzeitig kann man die moralischen, philosophischen und religiösen Fragen und Thesen immer wieder nachlesen und in Ruhe über sie nachdenken.
Im Film muss in diesen Momenten mit einem Voice-Over gearbeitet werden. Das Stilmittel kann gut funktionieren. Scorsese hat es in seinen früheren Filmen oft und gekonnt eingesetzt. Es ist allerdings auch ein allgemein ungeliebtes, weil unfilmisches Stilmittel. Eine andere Möglichkeit ist es, dem Protagonisten einen Freund zur Seite zu stellen, mit dem er über seine Probleme und Gewissenskonflikte offen reden kann. Dafür hätte Scorsese sich allerdings von dem Text des Romans lösen müssen.
Ein weiterer Vorteil des Romans ist, dass die Momente, in denen Rodrigues sich mit Jesus vergleicht und er die Gemeinsamkeiten von seinem Leidensweg und dem von Jesus betont, niemals den Kitsch- und Fremdschämfaktor des Films haben. Wenn Rodrigues im Film im Wasser sein Spiegelbild ansieht, das zu dem Gesicht von Jesus wird, ist das unerträglicher Jesuskitsch. Im Roman ist es ein Satz, der die tiefe Verbundenheit von Rodrigues mit Jesus betont; – falls er nicht schon im Hungerdelirium ist.
„Schweigen“ ist ein lesenswerter, zum Nachdenken anregender Roman. Im Gegensatz zur Verfilmung.
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Shusaku Endo: Schweigen
(überarbeitete Neuübersetzung, aus dem Japanischen von Ruth Linhart, mit einem Vorwort von Martin Scorsese und einem Nachwort von William Johnson)
Septime Verlag, 2015
312 Seiten
22,90 Euro
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Originalausgabe
Chinmoku
Verlag Shinchosha, Tokio, 1966
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Die aktuelle Verfilmung
Silence (Silence, USA 2016)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Jay Cocks, Martin Scorsese
LV: Shusaku Endo: Chinmoku, 1966 (Schweigen)
mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yosuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin’ya Tsukamoto, Issey Ogata, Nana Komatsu, Ryo Kase
Länge: 162 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Die erste Verfilmung
Chinmoku (Japan 1971)
Regisseur: Masahiro Shinoda
Drehbuch: Shûsaku Endô, Masahiro Shinoda
mit David Lampson, Don Kenny, Tetsurô Tanba, Mako Iwamatsu
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Silence“
Wikipedia über „Silence“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)
Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)
Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)
Arte, 20.15
Der Fall Serrano (Mort d’un pourri, Frankreich 1977)
Regie: Georges Lautner
Drehuch: Georges Lautner
LV: Raf Vallet (Pseudonym von Jean Laborde): Mort d‘ un pourri, 1972
Ein Mann sucht die Mörder eines befreundeten Abgeordneten, und entdeckt ein übermächtiges System von Korruption und anderer Verbrechen.
Spannender Politthriller
Und jetzt einige weitere Stimmen:
„Hervorragend besetzter, leicht zynisch gefärbter Kriminalfilm.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Mehr Unterhaltungs- und Actionfilm als echter Polit-Thriller, mehr Kult des Delon-Mythos als Kreation einer glaubhaften Hauptfigur.“ (Horst Schäfer/Wolfgang Schwarzer: Von ‚Che‘ bis ‚Z‘ – Polit-Thriller im Kino, 1991)
„die politisch interessante Ebene des Zusammenspiels von Gewalt, Korruption und Politik wird einer auf spektakuläre Action-Höhepunkte hin inszenierten Dramaturgie geopfert.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)
Als Vorlage für den Film diente auch die Affäre De Broglie. Der Provinzbürgermeister und Abgeordnete wurde am 24. Dezember 1976 ermordet. Bei den Untersuchungen wurden seine Beziehungen zu einer Gruppe von Politikern und Wirtschaftsbossen bekannt. Mit seiner Ermordung sollte ein Mitwisser beseitigt werden. Der Täter wurde nicht gefunden.
Georges Lautner ist vor allem für seine Jean-Paul Belmondo-Vehikel, wie „Der Windhund“, „Der Puppenspieler“ und „Der Profi“ bekannt.
Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte „Die Hölle von Algier“ (Frankreich/Italien 1964, Regie: Alain Cavalier). Ebenfalls mit Alain Delon. Ebenfalls sehenswert.
mit Alain Delon, Ornella Muti, Mireille Darc, Stéphane Audran, Klaus Kinski, Maurice Ronet
Wiederholungen
Freitag, 24. März, 13.35 Uhr
Montag, 27. März, 13.35 Uhr
Hinweise
Arte über Alain Delon und das heutige Abendprogramm
Rotten Tomatoes über „Der Fall Serrano“
Wikipedia über „Der Fall Serrano“ (deutsch, englisch, französisch)
Arte, 22.55
Rosso – Farbe des Todes (Profondo Rosso, Italien 1975)
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento, Bernardino Zapponi
Ein englischer Jazzpianist (David Hemmings) beobachtet in Rom den Mord an einer deutschen Hellseherin. Mit einer Journalistin begibt er sich auf die Mörderjagd.
TV-Premiere von „Profondo Rosso“, einem Film aus Dario Argentos Hochphase, der bei uns mit den üblichen Zensurproblemen zu kämpfen hatte. Der 126/130-minütige Film hatte erst 1991 auf VHS als 99-minütiger, ab 18 Jahren freigegebener Film seine Deutschlandpremiere. Es kann sein, dass Arte eine minimal gekürzte Fassung oder sogar die Originalfassung zeigt.
„Mythischer Thriller, der durch seine zuweilen befremdliche Farbdramaturgie für Fans des Genres von Interesse ist; dieser formale Aspekt kann jedoch die substanzielle Inhaltslosigkeit des Films nicht überdecken.“ (Lexikon des internationalen Films; – was für solche Filme schon eine beängstigend positive Kritik ist)
„der erste Film von Argento, bei dem es überhaupt keinen Sinn mehr macht, zwischen Form und Inhalt, Text und Subtext zu trennen, bei dem sich alles ineinanderfaltet wie bei einem besonders raffinierten geometrischen Puzzle. (…) ‚Profondo Ross‘ ist ein zutiefst merkwürdiger Film.“ (Oliver Nöding, in Michael Flintrop/Marcus Stiglegger, Hrsg.: Dario Argento – Anatomie der Angst)
mit David Hemmings, Daria Nicolodi, Gabriele Lavia, Macha Méril, Clara Calamai
auch bekannt als „Deep Red“
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Profondo Rosso“
Wikipedia über „Profondo Rosso“ (deutsch, englisch, italienisch)
Meine Besprechung von Dario Argentos „Dario Argentos Dracula“ (Dracula 3D, Italien 2012)
Ab und zu wird Mark Millars „Wolverine: Old Man Logan“ als Inspiration für den neuen Wolverine-Film „Logan“ genannt. Meistens wird dabei betont, dass es sich wirklich nur um eine Inspiration handele und man eigentlich nichts aus dem Comic übernommen habe. Ihr merkt: ich habe nicht einmal „Vorlage“ geschrieben, weil James Mangold in seinem grandiosen Film von Mark Millars Comic nur die Idee eines älteren, vulgo sterblichen Wolverine übernommen hat und anschließend eine vollkommen andere Geschichte erzählt.
Mark Millar hat bei seiner Rückkehr in die Welt von Wolverine eine Welt erfunden, in der vor fünfzig Jahren die Superschurken die Superhelden besiegten. Anschließend teilten sie die USA untereinander auf. Logan, wie Wolverine lieber genannt wird, hat sich danach zurückgezogen. Seine Krallen will er nie wieder ausfahren.
Inzwischen lebt er friedlich als Bauer mit seiner Familie in Sacramento, Kalifornien, und zahlt der Hulk-Gang regelmäßig die Pacht.
Als er mit ihr im Rückstand ist, nimmt er das finanziell einträglich Angebot von seinem blinden Freund Hawkeye an, mit ihm quer durch die USA zu fahren und ein Paket abzuliefern.
Gemeinsam treten sie die gefährliche Reise an, bei der sie auch etlichen altbekannten Marvel-Charakteren begegnen.
Und in Sacramento quälen die Hulks Logans Familie.
„Wolverine: Old Man Logan“, gezeichnet von Steve McNiven, liefert ziemlich genau das, was man von dem Autor von „Wanted“, „Kick-Ass“ und „Kingsman: The Secret Service“ (um den bekannteren Filmtitel zu nennen) erwartet: viel schwarzer Humor, eine angenehme Respektlosigkeit vor den Superhelden-Konventionen, popkulturelle Anspielungen und brachiale Gewalt. Die Geschichte selbst ist schon allein durch einige kleine Änderungen gegenüber den Genrekonventionen oder einen gewagten Mix bekannter Themen, Geschichten und Figuren ungewöhnlich. In „Wolverine: Old Man Logan“ ist es die Sterblichkeit des zum Pazifisten gewordenen Helden und die Welt, in der er lebt. Sie ist eine Mischung aus postapokalyptischer „Mad Max“-Welt und klassischem Western. Auch die eine Hälfte der Story, in der Logan sich gegen den bösen Landbesitzer wehrt, scheint direkt aus einem Western geklaut zu sein. Die andere, in der Logan und Hawkeye als Buddys durch die USA fahren ist dann ein klassisches Road-Movie mit einer Ware, die alle haben wollen.
Und insgesamt ist die Geschichte mit dem alten Logan ein blutig-witziger Thriller.
2015 startete Marvel eine „Old Man Logan“-Serie. Die ersten Geschichten wurden von Brian Michael Bendis und Jeff Lemire geschrieben und sind bereits auf Deutsch erschienen.

Mark Millar (Autor)/Steve McNiven (Zeichner): Wolverine: Old Man Logan
(übersetzt von Jürgen Petz)
Panini, 2017
220 Seiten
19,99 Euro
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Originalausgabe
Old Man Logan
Wolverine ‚# 60 – # 72, Wolverine: Old Man Logan Giant Size 1
Marvel, 2008/2009
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Die „Verfilmung“
Logan – The Wolverine (Logan, USA 2017)
Regie: James Mangold
Drehbuch: Scott Frank, James Mangold, Michael Green (nach einer Geschichte von James Mangold)
mit Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Richard E. Grant, Boyd Holbrook, Stephen Merchant, Elizabeth Rodriguez, Eriq La Salle
Länge: 138 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Wikipedia über „Logan“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von James Mangolds “Wolverine – Weg des Kriegers” (The Wolverine, USA 2013)
Meine Besprechung von James Mangolds „Logan – The Wolverine“ (Logan, USA 2017)
Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)
Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”
Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)