TV-Tipp für den 18. Dezember: Poltergeist

Dezember 18, 2016

ZDFneo, 23.45

Poltergeist (USA 1982, Regie: Tobe Hooper)

Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor (nach einer Geschichte von Steven Spielberg)

Die Freelings ziehen in ein neues Haus, in dem unheimliche Dinge geschehen. Um die Geister zu bannen, rufen sie eine Parapsychologin, die die Poltergeister aus dem Haus vertreiben soll.

Tobe Hooper, geboren am 25. Januar 1943 in Austin, Texas, schrieb mit dem „Texas Chainsaw Massacre“ Horrorfilmgeschichte und inszenierte mit „Poltergeist“ seinen kommerziellsten Film (obwohl es Gerüchte gab, dass eigentlich Steven Spielberg inszenierte). Jedenfalls ist „Poltergeist“, der damals an der Kinokasse ein Erfolg war, ein Horrorfilmklassiker für fast die ganze Familie.

Der Film gewann den Saturn-Award der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films als bester Horrorfilm des Jahres. Hooper war als bester Regisseur nominiert.

mit Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Heather O’Rourke, Oliver Robbins, Dominique Dunne, Zelda Rubinstein

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Poltergeist“

Wikipedia über „Poltergeist“ (deutsch, englisch) und Tobe Hooper (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ (The Texas Chainsaw Massacre, USA 1974)

Meine Besprechung von Gil Kenans Remake „Poltergeist“ (Poltergeist, USA 2015)


TV-Tipp für den 17. Dezember: Hellboy 2 – Die goldene Armee

Dezember 17, 2016

ZDFneo, 22.05

Hellboy – Die goldene Arme (USA 2008, Regie: Guillermo del Toro)

Drehbuch: Guillermo del Toro

LV: Charakter von Mike Mignola

Zweiter Kinoauftritt von Hellboy. Dieses Mal muss er sich mit dem Elfenprinzen Nuada, der mal eben der gesamten Menschheit den Krieg erklärt hat, kloppen.

Vergnügliche Unterhaltung, die aber nicht so gut wie der erste Hellboy-Film ist.

Ein dritter Film ist immer noch geplant.

mit Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, Luke Goss, John Alexander, Anna Walton, John Hurt

Hinweise

Hellboy-Comic-Seite (oder Mike Mignolas Hellboy-Seite)

Amerikanische Hellboy-Film-Seite

Deutsche Hellboy-Film-Seite

Rotten Tomatoes über “Hellboy”

Wikipedia über „Hellboy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Crimson Peak“ (Crimson Peak, USA 2015)


DVD-Kritik: Oh, Jesus. „Left Behind – Vanished: Next Generation“ für den Weltuntergang

Dezember 16, 2016

Young-Adult-Dystopien, die nächste Runde. Wieder mit einer jungen Frau als Heldin, die mühelos taffe Kämpferin und fürsorgliche große Schwester ist.

Die 15-jährige Gabby lebt mit ihrer jüngeren Schwester Claire und ihrer Mutter in Chicago. Ihr Vater Eric Harlow lebt vor Chicago auf dem Land. Sie hat einen netten und äußerst rücksichtsvollen Freund und eigentlich ist alles in Ordnung, wenn nicht fünf Minuten nach dem Filmbeginn plötzlich Millionen Menschen verschwinden würden. Auch ihre Mutter. Die Verschwundenen lassen nur ihre Kleidung zurück (Kleiner Tipp: Immer frische Unterhosen anziehen!).

Weil die Großstadt, in der nach dem massenhaften Verschwinden von Menschen gerade Bürgerkrieg herrscht, machen Gabby, Claire, Gabbys Freund Josh und der Straßenjunge Flynn, der Claire rettete, sich auf den Weg zu Gabbys Vater. Sie finden ihn nicht, werden aber von Damon auf seiner Farm aufgenommen. Die wurde in den Tagen seit der Katastrophe zu einer Zufluchtsstätte für die Zurückgebliebenen. Jeder, der etwas zur Gemeinschaft beiträgt, ist in dieser Landkommune willkommen.

Dass Damons Farm nicht das erhoffte Paradies für die vier Jugendlichen ist, dürfte niemand überraschen. Sie bemerken es, als sie ein Gefängnis entdecken, in dem auch Eric Harlow festgehalten wird.

Left Behind – Vanished: Next Generation“ basiert lose auf den schon mehrfach verfilmten „Left Behind“-Romanen von Tim LaHaye (ein evangelikaler Pastor, religiöser Rechter und Unterstützer von George W. Bush und Mike Huckabee) und Jerry B. Jenkins, die auf Deutsch als „Finale – Die letzten Tage der Erde“ erschienen sind, besonders deren „Left Behind: The Kids“-Büchern. Sie sind geprägt von LaHayes evangelikalem Weltbild und einer vom Dispensationalismus beeinflussten Vorstellung von göttlichen Prüfungen und dem Ende der Welt, der Apokalypse. Danach kamen bei dem Verschwinden von Millionen von Menschen die wahren Gläubigen in den Himmel. Klingt irre, wird aber todernst erklärt und ist auch so gemeint. Diese Erklärung für die Katastrophe und die pathetischen Beschwörungen der Kraft des wahren Glaubens werden in dem Film immer wieder penetrant angesprochen. Schnell nerven sie ungefähr so sehr, wie die Werbepausen bei einem Spielfilm.

Larry A. McClean, der bislang vor allem Episoden für weitgehend unbekannte TV-Serien drehte, inszenierte den Film mit einem überschaubarem Budget mit unbekannten Schauspielern. Er wirkt durchgehend wie der wenig vielversprechende, mit einem Cliffhanger endende Auftakt einer kurzlebigen dystopischen TV-Serie. Und so etwas ähnliches planen die „Left Behind“-Macher auch. „Left Behind – Vanished: Next Generation“ soll der Auftakt einer siebenteiligen Serie sein.

Die Pläne ändern nichts daran, dass „Left Behind – Vanished: Next Generation“ ein in jeder Beziehung vorhersehbarer und verzichtbarer Film ist, der mit religiösem Gedöns nervt.

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Left Behind – Vanished: Next Generation (Left Behind – Vanished: Next Generation, USA 2016)

Regie: Larry A. McClean

Drehbuch: Kim Beyer-Johnson, Joan Considine Johnson

LV: Inspiriert von den „Left Behind“-Romanen von Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins

mit Amber Frank, Mason Dye, Dylan Sprayberry, Tom Everett Scott, Jackson Hurst

DVD

Eurovideo

Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Left Behind – Vanished: Next Generation“

Rotten Tomatoes über „Left Behind – Vanished: Next Generation“

Wikpedia über die „Left Behind“-Bücher (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. Dezember: Der Marathon-Mann

Dezember 16, 2016

3sat, 22.35

Der Marathon-Mann (USA 1976, Regie: John Schlesinger)

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Marathon-Mann“

Wikipedia über William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

IGN über William Goldman (18. Februar 2003)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)

William Goldman in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Naomi Watts ist „Shut in“. Aber wo?

Dezember 15, 2016

Naomi Watts wollte wieder einmal in einem Horrorfilm mitspielen – soweit man „Shut in“ einen Horrorfilm nennen kann. Doch dazu später mehr. Also nahm sie die Rolle der Kinderpsychologin Mary an, die in Neuengland in einem einsam im Wald gelegenem Anwesen, in dem sie auch ihre Praxis hat, lebt.

Vor einigen Monaten gab es einen schrecklichen Autounfall, bei dem ihr Mann starb und ihr Stiefsohn schwer verletzt überlebte. Seit dem Unfall pflegt sie ihren vollständig gelähmten, achtzehnjährigen Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton) in dem Haus.

Einer ihrer Patienten ist der taube, verhaltensauffällige Waisenjunge Tom (Jacob Tremblay).

An einem Winterabend steht er vor ihrer Haustür. Kurz darauf verschwindet das Kind und alle nehmen an, dass Tom sich im Wald verirrte und tot ist.

Seitdem hat Mary Visionen oder Alpträume oder etwas ganz anderes, in denen Tom auftaucht.

Regisseur Farren Blackburn (u. a. die TV-Serien „The Fades“ und „Daredevil“) will sich in seinem Spielfilmdebüt nicht entscheiden, welche Fährten er für die Zuschauer auslegen soll. Also ob er einen Thriller erzählen will, in dem Mary in den Wahnsinn getrieben wird oder ob er ein Drama erzählt, in dem sie von ihren Schuldkomplexen gequält (Mann tot, Sohn im Rollstuhl, Patient spurlos verschwunden), wahnsinnig wird oder ob er einen Horrorfilm erzählen will, in dem Mary von für sie von höchst realen Dämonen gequält wird. Jede Richtung ergäbe vielleicht keinen brillanten, aber in jedem Fall okayen Film. Blackburn schlägt allerdings keine Richtung ein und so ist „Shut in“ über weite Strecken ein Geisterhorrorfilm, der nicht ängstigen will und bei dem man sich fragt, was er erzählen will.

Im langen dritten Akt gibt es dann eine Auflösung, die hoffnungslos unglaubwürdig ist. Einerseits weil sie nicht vorbereitet wird, andererseits weil sie nicht funktioniert. Weder in der Realität, noch in der Filmrealität.

Shut in“ ist ein Film zum Vergessen. Trotzt Naomi Watts, Oliver Platt (als ihr Psychologe, der sie via Skype berät) und Jacob Tremblay, der allerdings schnell im Schnee verschwindet. Oder doch nicht.

shut-in-plakat

Shut in (Shut in, USA/Kanada/Frankreich 2016)

Regie: Farren Blackburn

Drehbuch: Christina Hodson

mit Naomi Watts, Oliver Platt, Jacob Tremblay, Charlie Heaton, David Cubitt, Clémentine Poidatz

Länge: 95 Minuten

FSK:ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Shut in“

Metacritic über „Shut in“

Rotten Tomatoes über „Shut in“

Wikipedia über „Shut in“

Meine Besprechung von Farren Blackburns „The Fades“ (The Fades, GB 2011)


TV-Tipp für den 15. Dezember: Bringing ot the Dead – Nächte der Erinnerung

Dezember 15, 2016

Kabel1, 23.25

Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung (USA 1999, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Joe Connelly: Bringing out the dead, 1998 (Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung)

Verfilmung des biographischen Romans von Joe Connelly über einen Notarztwagenfahrer, der in Hell’s Kitchen zu Beginn der neunziger Jahre zunehmend an seiner Arbeit und dem Sinn des Lebens zweifelt. Da werden, nicht nur weil das Team Martin Scorsese/Paul Schrader wieder zusammen ist, Erinnerungen an „Taxi Driver“ wach.

Eine feine, etwas unterschätzte Tour de force

mit Nicolas Cage, Patricia Arquette, John Goodman, Ving Rhames, Tom Sizemore, Marc Anthony, Nestor Serrano

Hinweise

Wikipedia über „Bringing out the dead“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “Bringing out the dead” von Paul Schrader

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Paul-Schrader-Verfilmung „Der Mann mit der Stahlkralle“ (Rolling Thunder, USA 1977)


Neu im Kino/Filmkritik: Rumms, bumms, gähn – „Rogue One: A Star Wars Story“

Dezember 14, 2016

Das soll ja wieder eine Besprechung sein, in der es für die Fans, die sich den Film eh ansehen werden, keine Spoiler gibt.

Allgemein bekannt ist, dass „Rogue One: A Star Wars Story“ ein Spin-Off ist, das außerhalb der bekannten „Star Wars“-Filme spielt, die die Geschichte der Familie Skywalker erzählen; dass „Rogue One“ vor „Krieg der Sterne“ (1977) spielt und dass erzählt wird, wie die Rebellen, Luke Skywalker und Prinzessin Leia Organa die Pläne für den Todesstern erhalten, den sie in „Krieg der Sterne“ vernichteten.

Bekannt ist außerdem, dass „Rogue One“ ein Einzelfilm sein wird. Ende November schloss Lucasfilm-Präsidentin Kathleen Kennedy in einem Interview definitiv aus, dass es weitere Filme mit der „Rogue One“-Heldin Jyn Erso geben werde. Das nährte sofort Spekulationen, dass sie und die gesamte „Rouge One“-Besatzung am Ende des Films sterben.

Und es ist bekannt, dass es umfangreiche Nachdrehs gab. „Bourne“-Autor Tony Gilroy wurde dafür als Script-Doctor und Autor engagiert. Aber, auch wenn Kritiker da sofort und oft zu recht massive Storyprobleme wittern, sagt das erst einmal nichts. Denn es kann sich auch einfach um das Beheben von Storylücken und Anschlussfehlern handeln und den Film wirklich besser machen.

Ein Grund scheidet allerdings als Grund für den Nachdreh aus: den Film humorvoller zu machen.

Regisseur Gareth Edwards („Monsters“, „Godzilla“) wollte einen Kriegsfilm drehen. Da ist Humor Mangelware. Auch in dem jetzt präsentierten Film, der die Geschichte von Jyn Erso (Felicity Jones), der Tochter von Galen Erso, dem Schöpfer des Todessterns, erzählt. Als Kind wurde sie von ihrem Vater getrennt.

Jetzt soll er eine Nachricht für sie haben. Sie macht sich mit einer kleinen Truppe ethnisch äußerst gemischter Rebellen und einem blinden Mönch auf die Suche nach der Botschaft, ihrem Vater und den Bauplänen.

Und eigentlich ist das genug Story für ein buntes, zweistündiges Weltraumabenteuer.

Eigentlich.

Denn „Rogue One“ ist ein erstaunlich und erschreckend schlechter Film. In den ersten Minuten werden auf einem halben Dutzend Planeten ein gutes Dutzend Charaktere eingeführt, ohne dass die Filmgeschichte in Gang kommt. Dabei wird Jyn Erso aus einem Gefängnis des Imperiums befreit. Warum und wie sie dahin kam, wird nie erklärt und ist auch für die Filmgeschichte vollkommen unerheblich. Danach wird eine furchtbar komplizierte Begründung, warum sie sich ins Abenteuer stürzt, herbeigeschrieben. Als hätte es nicht ein einfaches „Tochter will ihren Vater retten“ getan.

Ab da gibt es zahllose Anspielungen auf Kriegsfilme und Kriege, vor allem den Korea- und Vietnam-Krieg (wie wir ihn aus Filmen kennen) und den Afghanistan-Krieg (wie wir ihn aus den Nachrichten und Filmen kennen), ohne dass diese Anspielungen irgendwohin führen. Es sind einfach nur beliebig austauschbare Bilder, die in „Rogue One“ für nichts stehen. Sie haben keinerlei Bedeutung, machen aber, wenn den Gefangenen immer wieder ein Stoffsack über den Kopf gestülpt wird oder unsere Helden durch eine heilige Stadt laufen, die erkennbar vom alten Jerusalem, der Wüstenfestung Masada und dem Gewusel arabischer und afghanischer Städte inspiriert ist, bewusst, welche Chancen und erzählerische Möglichkeiten verpasst wurden zugunsten eines unwitzigen Witzes oder eines weiteren Action-Set-Pieces.

Dazwischen laufen ab und an Stars wie Mads Mikkelsen (dessen Auftritte als Galen Erso fast vollständig in den verschiedenen Trailer enthalten sind) und Forest Whitaker durch das Bild. Ben Mendelsohn hat als Direktor Orson Krennic, der Schöpfer des Todessterns und der Bösewicht des Films, mehr Leinwandzeit. Aber seine Rolle ist so schlecht geschriebenen, dass der sonst immer beeindruckende Mendelsohn seine blasseste Performance seit Ewigkeiten, wahrscheinlich sogar seit seinem Filmdebüt, abliefert. Trotzdem gelingt es ihm, Krennic so zu porträtieren, dass man mit ihm mitfühlt.

Darth Vader (im Original wieder von James Earl Jones gesprochen) taucht zwar auch auf, aber – wir reden hier von dem Darth Vader, der in „Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ dabei war – er wirkt wie ein Hänfling in einem viel zu großem Kostüm, kurz vor einer kleinen Tanznummer. Wohl niemals, abgesehen von „Spaceballs“ sah Darth Vader weniger bedrohlich aus.

Die „Star Wars“-Technik – die originale Trilogie entstand vor fast vierzig Jahren – wirkt inzwischen mit den großen Schalthebeln, schlechten Hologrammen und riesigen Datenträgern nur noch anachronistisch. Jyn Erso muss nämlich in der großen und epischen Schlussschlacht, die Pläne, die in einer buchgroßen Box enthalten sind, aus einem riesigen Datenschacht stehlen und, nun, in dieser Galaxie gibt es kein Internet und keine Cloud, in die man die Daten schnell uploaden könnte. In der Schlacht wird auch alles an Material und Menschen aufgeboten, was das Herz des „Star Wars“-Fans erfreut. Ohne Luke Skywalker, Han Solo und Chewbacca; – wobei, ich glaube, in einem Raumschiff kurz ein riesiges behaartes Wesen gesehen zu haben.

Aber all die prächtigen Landschaften – es wurde in Island, Jordanien, den Malediven und den Pinewood Studios gedreht -, die tollen Spezialeffekte und die vielen durchaus beeindruckenden Actionszenen sind machtlos gegen die banalen Dialoge (die man oft schon Minuten vorher sprechen kann), das schleppende Erzähltempo (immer wieder hätte man etliche Szenen mühelos kürzen können) und, das ist das größte Problem des Films, die skizzenhaften Charaktere, bei denen es, wie bei „Soldat Nummer 5“ und „Soldat Nummer 6“ egal ist, ob sie leben oder sterben. Dabei geht in einem Film nichts über eine große Sterbeszene, die uns unwillkürlich zum Taschentuch greifen lässt. Vor allem wenn der Charakter uns vorher durch seine Taten ans Herz gewachsen ist. Gerade bei einem Einzelfilm, der auch ohne das Wissen der anderen Filme und der „Star Wars“-Saga funktionieren muss, ist das besonders wichtig.

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Rogue One: A Star Wars Story (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Regie: Gareth Edwards

Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy (nach einer Geschichte von John Knoll und Gary Whitta, basierend auf Charaktere von George Lucas)

mit Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Riz Ahmed, Forest Whitaker, Jimmy Smits

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Der galaktische „Krieg der Sterne“-YouTube-Kanal

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Rogue One: A Star Wars Story“

Metacritic über „Rogue One: A Star Wars Story“

Rotten Tomatoes über „Rogue One: A Star Wars Story“

Wikipedia über „Rogue One: A Star Wars Story“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Godzilla“ (Godzilla, USA 2014)

Noch ein Hinweis

Im Mai, ziemlich pünktlich zum DVD-Start, erscheinen zwei Bücher, die vielleicht einige Storylücken erklären und Hintergründe vertiefen: einerseits der von Alexander Freed geschriebene Roman zum Film, der mit einigen Ergänzungen die Filmgeschichte nacherzählt; andererseits „Der Auslöser“ von James Luceno. Er erzählt, so die Verlagsankündigung, eine „bisher unbekannte Geschichte um eine Gruppe von Kämpfern und Kopfgeldjägern (…), die sich aufmacht, die Pläne des Todessterns zu stehlen.“ Das klingt jetzt nicht unbedingt nach der direkten Vorgeschichte zu „Rogue One“, sondern eher nach einem zünftigem Weltraumabenteuer, bei dem die Jungs keinen Erfolg haben dürfen. Denn dann gäbe es ja nicht die Geschichte von Jyn Erso und ihres dreckigen Dutzends.

Star Wars Rogue One von Alexander Freed

Alexander Freed: Rogue One – Eine Star Wars Story

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Penhaligon, 2017

400 Seiten

14,99 Euro

(angekündigt für den 22. Mai 2017)

Originalausgabe

Star Wars™ Rogue One

DelRey, New York 2017

Star WarsDer Ausloeser von James Luceno

James Luceno: Star Wars: Der Auslöser – A Rouge One Story

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Blanvalet, 2017

400 Seiten

13 Euro

(angekündigt für den 15. Mai 2017)

Originalausgabe

Star Wars™ Catalyst: A Rogue One Story

DelRey, New York 2016


TV-Tipp für den 14. Dezember: Minority Report

Dezember 14, 2016

Kabel 1, 20.15

Minority Report (USA 2002, Regie: Steven Spielberg)

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

Danach, um 23.05 Uhr, gibt es mit „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ einen weiteren Spielberg-Film.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo

Wiederholung: Donnerstag, 15. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Bonushinweis

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Am 18. Dezember wird Steven Spielberg siebzig Jahre. Für die TV-Sender ist das natürlich ein hochwillkommener Anlass, wieder einmal, eine Auswahl seiner bekannten Filme zu zeigen, wie „A. I. – Künstliche Intelligenz“ (Kabel 1, 8. Dezember, 20.15 Uhr), „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (Kabel 1, 12. Dezember, 20.15 Uhr), „Der Soldat James Ryan“ (Kabel 1, 12. Dezember, 22.35 Uhr), „Minority Report“ (Kabel 1, 14. Dezember, 20.15 Uhr), „Die Farbe Lila“ (Kabel 1, 15. Dezember, 20.15 Uhr), „Sugarland Express“ (ZDF, 18. Dezember, 01.45 Uhr) und „Terminal“ (Kabel 1, 21. Dezember, 20.15 Uhr).

Den Filmgenuss kann und sollte man mit Georg Seeßlens „Steven Spielberg und seine Filme“ vervollständigen. In der brandaktuellen Neuauflage seines Buches beschäftigt er sich, gewohnt wortgewaltig, gewohnt kundig, auf gut dreihundert, mit einigen Fotos illustrierten, engbedruckten Seiten mit all seinen Filmen von den Anfängen beim Fernsehen bis hin zum „Big Friendly Giant“. Er ordnet sie ein, stellt Querverbindungen her und lädt zum wiederholten Sehen der Filme ein.

Georg Seeßlen Steven Spielberg und seine Filme

(2., überarbeitete und aktualisierte Auflage)

Schüren Verlag, 2016

304 Seiten

29,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“(2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Detektive (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Western (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Abenteuer (Grundlagen des populären Films)“ (2011)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Thriller (Grundlagen des populären Films“ (2013)


Cover der Woche

Dezember 14, 2016

zuege-ins-jenseits


TV-Tipp für den 13. Dezember: Snowpiercer

Dezember 13, 2016

Pro7 Maxx, 22.20

Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Regie: Bong Joon-ho

Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson

LV: Jacques Lob/Benjamin Legrand/Jean-Marc Rochette: Le Transperceneige, 1984 (Schneekreuzer)

Nach der Klimakatastrophe ist die Erde ein Eisplanet. Ein Zug fährt ohne Unterbrechung um die Erde, versorgt sich autark und die Zugbewohner leben in einer radikalen Klassengesellschaft. Da entschließen sich die Unterdrückten, die in den hinteren Zugabteilen vegetieren, zum Aufstand. Ihr Ziel: der erste Wagon.

Satirischer Science-Fiction-Actionthriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Evans, Jamie Bell, John Hurt, Ed Harris, Tilda Swinton, Song Kang-ho, Ko Asung, Octavia Spencer, Ewan Bremner, Tómas Lemarquis

Wiederholung: Mittwoch, 14. Dezember, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Snowpiercer“
Moviepilot über „Snowpiercer“
Metacritic über „Snowpiercer“
Rotten Tomatoes über „Snowpiercer“
Wikipedia über „Snowpiercer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bong Joon-hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)


Marc-Oliver Bischoff besucht „Die Sippe“

Dezember 13, 2016

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Nach einem seltsamen Anruf verschwindet Katharina Hoffmanns Schwester Sara spurlos. Saras wenig hilfsbereiter Vorgesetzter behauptet, dass sie seit letzter Woche krank geschrieben geschrieben sei. Ihre Wohnung in Rostock ist verwaist. Eine Suche nach ihr in den städtischen Krankenhäusern und eine Vermisstenanzeige bei der Polizei bringen nichts. Laut ihrem Terminkalender hatte Sara, eine Gerichtsvollzieherin, am Tag vor ihrem Anruf bei Katharina einen Termin in Grantzow im Rechenbachhof, ein Biohof mit finanziellen Problemen.

Katharina fährt nach Grantzow und entdeckt ein lauschiges Dorf, das sich anscheinend gerade erfolgreich für einen „Unser Dorf soll schöner“-Wettbewerb bewirbt und in dem die Bewohner ein besonders positives Verhältnis zum deutschen Brauchtum haben. Aber eine Spur von ihrer Schwester entdeckt sie nicht; was auch daran liegt, dass sie die Dorfbewohner nicht mit Fragen nach ihrer Schwester belästigt.

Auf dem Cover von Marc-Oliver Bischoffs neuem Roman „Die Sippe“ steht „Kriminalroman“. Das bestimmt die Erwartungshaltung und die Blaupause für die Geschichte wird auch gleich mitgeliefert: die Protagonistin will ihre Schwester retten und sie wird dafür Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Sie kann jederzeit enttarnt werden. Ihre Schwester, falls sie noch lebt, kann jederzeit getötet werden. Und selbstverständlich hat sich die gesamte Gemeinde gegen sie verschworen.

Diese Erwartung nach einer spannenden, so ähnlich schon oft erzählten Geschichte ist dann auch das größte Problem des Romans. Bis weit über die Hälfte des Buches ist es egal, ob Sara in Grantzow verschwunden ist oder nicht. Katharina sieht sich um, befreundet sich mit den hilfsbereiten Bewohnern und findet die Gemeinschaft eigentlich ganz nett. Erst langsam wird deutlich, dass es sich um Völkische Siedler (bzw. [Neo-]Artamanen), mit Verbindungen zu Reichsbürgern und Nazis, handelt. Trotzdem überlegt Katharina, auf einem spärlich motiviertem Selbstfindungstrip, ob sie ein Teil dieser Gemeinschaft werden soll.

Der Krimiplot – also der Plot, in dem Katharina, gegen alle Widerstände, Himmel und Hölle in Bewegung setzen müsste, um ihre Schwester zu finden und zu retten – ist dagegen nicht existent. Das liegt auch daran, dass sie erst auf Seite 181 von LKA-Mann Max Klee gesagt bekommt, dass ihre Schwester wahrscheinlich in einem Haus in Grantzow ist. Ein richtiger Beweis ist das allerdings nicht. Den findet sie erst einige Seiten später. Trotzdem geht es ab da, immerhin hat der Roman nur etwas über dreihundert Seiten, relativ schnell, aber auch arg episodisch in Richtung Katastrophe. So rufen die Dörfler plötzlich die „Freie Reichsstadt Grantzow“ aus. Auf den letzten fünfzig Seiten läuft die aus heiterem Himmel kommende deutsche Version einer Belagerung à la Waco ab, während Friedrich-Glauser-Preisträger Bischoff noch schnell die Eckpunkte einer größeren Verschwörung skizziert, die, soweit sie überhaupt erkennbar wird, beliebig bis fragwürdig wirkt.

Dabei hätte „Die Sippe“ das Buch zu den aktuellen Schlagzeilen werden können. Vor allem in Ostdeutschland sind die Völkischen Siedler und Reichsbürger schon länger ein Problem und vor wenigen Wochen, am 19. Oktober 2016, erschoss ein Reichsbürger in Georgensgmünd einen Polizisten und verletzte drei weitere Beamte.

Das dreiseitige, von der Amadeu-Antonio-Stiftung geschriebene Nachwort über Völkische Siedler ist dagegen sehr lesenswert.

Marc-Oliver Bischoff: Die Sippe

grafit, 2016

320 Seiten

12 Euro

Hinweise

Homepage von Marc-Oliver Bischoff

Krimi-Couch über Marc-Oliver Bischoff


TV-Tipp für den 12. Dezember: Robin und Marian

Dezember 12, 2016

MDR, 23.05

Robin und Marian (USA 1976, Regie: Richard Lester)

Drehbuch: James Goldman

Nach zwanzig Jahren und zahllosen Kämpfen für seinen König kehrt Robin Hood nach Sherwood Forest zurück. Dort unterdrückt der Sheriff von Nottingham immer noch die arme Bevölkerung und Maid Marian, inzwischen Äbtissin, will erobert werden. Also machen Robin, der Sheriff und die Maid da weiter, wo sie vor zwanzig Jahren aufgehört haben.

Die Geschichte von Robin Hood ist bekannt. Aber Richard Lester, der bereits den drei Musketieren neue Nuancen hinzufügte, machte aus der altbekannten Geschichte einen Abgesang auf den Helden, der einige Jahre älter und zahlreiche Illusionen ärmer ist

„Es muss Richard Lester und seinem Drehbuchautor James Goldman diebisches Vergnügen bereitet haben, die bekannten Charaktere gegen den Strich zu inszenieren, ihnen ein gegenteiliges Image zu verpassen. (…) Der ungewönlichste aller Robin-Hood-Filme.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery)

Mit Sean Connery, Audrey Hepburn, Robert Shaw, Richard Harris, Nicol Williamson, Ian Holm

Hinweise:

Rotten Tomatoes über „Robin und Marian“

Wikipedia über „Robin und Marian“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Peter Tonguette) über Richard Lester

Turner Classic Movies (Eleanor Quin) über “Robin and Marian”

Ein Ausschnitt über das Drehbuchschreiben aus dem Vorwort von James Goldman aus dem publizierten Drehbuch “Robin and Marian”

Meine Besprechung von Richard Lesters „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)


TV-Tipp für den 11. Dezember: Der Leopard

Dezember 11, 2016

Arte, 20.15

Der Leopard (Italien 1962, Regie: Luchino Visconti)

Drehbuch: Suso Cecchi d’Amico, Pasquale Festa Campanile, Massimo Franciosa, Enrico Medioli, Luchino Vicsonti

LV: Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo, 1957 (Der Leopard, Il Gattopardo)

Ein Klassiker.

Und ehe ich jetzt ins Schwärmen gerate, verweise ich kühl auf meine ausführliche Besprechung des Films.

Arte zeigt heute, warum auch immer, eine ungefähr 165-minütige Fassung des Films (wahrscheinlich handelt es sich um die US-Fassung). Anschließend, um 23.00 Uhr, gibt es die einstündige Doku „Luchino Visconti, vom Film besessen“ (Frankreich 2015).

mit Burt Lancaster, Alain Delon, Claudia Cardinale, Paolo Stoppa, Serge Reggiani, Rina Morelli, Mario Girotti, Giuliano Gemma

Wiederholung: Freitag, 16. Dezember, 13.50 Uhr

Hinweise

Arte über „Der Leopard“

Rotten Tomatoes über „Der Leopard“

Wikipedia über „Der Leopard“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Dezember: Don’t look back

Dezember 10, 2016

3sat, 23.45

Don’t look back (USA 1967, Regie: D. A. Pennebaker)

Drehbuch: D. A. Pennebaker

D. A. Pennebakers selten gezeigte, inzwischen legendäre Doku über Bob Dylans 1965er Tour durch England, kurz bevor er den Folk an die Stromgitarre ankoppelte. Zum Entsetzen seiner damaligen Fans.

Der Film beschreibt die erste Auslandstournee des Musikers, eine Reise durch die Industriestädte Englands. Die faszinierend dichte Reportage vermittelt ein authentisches Porträt des Sängers, bietet aber keinen Schlüssel zum Verstehen seiner Persönlichkeit.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Bob Dylan, Albert Grossman, Bob Neuwirth, Joan Baez, Alan Price, Tito Burns, Donovan, Derroll Adams

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Don’t look back“

Wikipedia über „Don’t look back“ (deutsch, englisch)

Homepage von Bob Dylan


Neu im Kino/Filmkritik: „Elvis & Nixon“, „Salt and Fire“, Michael Shannon und Kevin Spacey, Michael Shannon und Veronica Ferres

Dezember 9, 2016

Wann schläft Michael Shannon eigentlich? Am 22. Dezember kommt der Arthouse-Thriller „Nocturnal Animals“ mit ihm in einer Nebenrolle in die Kinos. Vor einigen Monaten lieferte er ein „Midnight Special“ und diese Woche laufen zwei Filme mit ihm als Hauptdarsteller an. In „Elvis & Nixon“ spielt er Elvis Presley. In „Salt and Fire“, dem neuen Werner-Herzog-Film, spielt er den Entführer Matt Riley.

Er entführt Prof. Dr. Laura Sommerfeld (Veronika Ferres). Sie ist die Leiterin einer wissenschaftlichen Delegation. Im Auftrag der Vereinten Nationen sollen sie in Bolivien herausfinden, was und wer eine große Umweltkatastrophe auslöste, durch die sich der Salzsee Diablo Blanco unerbittlich ausdehnt. Sie glaubt, dass ein global agierender Konzern dafür verantwortlich ist. Riley ist der CEO dieser Firma.

Nachdem Werner Herzogs letzter Film „Königin der Wüste“ mit Nicole Kidman als Gertrude Bell nur 08/15-Hollywood-Schnulzenkino war, ist „Salt and Fire“ wieder ein richtiger Herzog-Film, der uns in eine fremde Landschaft entführt. Denn die zweite Hälfte des Films spielt auf dem Salzsee Diablo Blanco. Dort wird Sommerfeld mit zwei blinden, einheimischen Kindern auf einer kleinen Felseninsel ausgesetzt. Sie haben Lebensmittel für eine Woche. Sie können sich nicht miteinander verständigen. Und Sommerfeld hat keine Ahnung, warum sie zu der kleinen Felseninsel im Salzsee gebracht wurde.

Das ist, gedreht wurde in der riesigen Salzlandschaft der Salar de Uyuni in Bolivien, der visuell beeindruckendere Teil des betont eigenwilligen, aber letztendlich auch idiotischen Films. Denn Riley und seine Helfer führen die Entführung von Sommerfeld und ihrem Team professionell durch und auch in dem abgelegenem Haus, in dem sie gefangen gehalten werden, verhalten sie sich sehr vernünftig. Die Situation und auch die Machtspiele zwischen Geisel und Geiselnehmer schildert Herzog spannend. Auch die Gespräche zwischen Sommerfeld und Riley, der Philosophen zitiert, Weisheiten von sich gibt und an seiner Existenz und seinem Leben zweifelt, sind spannend, weil Riley die Erwartungen, die man an den Chef eines umweltzerstörenden Konzerns hat, unterläuft und er eher wie ein umweltschützender Philosoph wirkt.

Aber dann kommt die seltsame zweite Hälfte, in der man sich fragt, was Riley erreichen will. Denn der Ökoterrorist setzt die Person mitten in der Salzwüste aus, die schon aufgrund ihres Auftrages verpflichtet ist, sein Anliegen zu unterstützen. Und wenn er sie nicht wieder aus dieser Lage befreit, wird seine potentielle Verbündete sterben.

So hat „Salt and Fire“ zwar durchgehend den Herzog-Touch, aber der letztendlich interessant gescheiterte Film zerfällt in zwei Teile und hat, wenn man traditionelle Beurteilungsmaßstäbe anlegt, eine unglaubwürdige Geschichte. Herzog selbst nennt „Salt and Fire“ allerdings einen „Tagtraum, der den Regeln des Kinos nicht folgt“. Das verdeutlicht er schon in den ersten Minuten, wenn das Forscherteam entführt und dabei höflich wie Staatsgäste behandelt wird. Es ist ein gesittetes Theater, bei dem sich dann auch die Überraschung, wenn einer der Entführer, der zunächst im Rollstuhl saß, plötzlich steht, in Grenzen hält. Er ist nicht behindert; er hat nur manchmal keine Lust, alleine zu gehen. Und Herzog hat dieses Mal keine Lust, eine konventionelle Kinogeschichte zu erzählen.

Salt and Fire“ folgt eher einer Traumlogik und dem absurden Theater. Mit einprägsamen Bildern aus Bolivien, die man sich in einer Mischung aus Staunen und ungläubigem Kopfschütteln ansieht.

 

Unglaubwürdig, aber wahr (mehr oder weniger) ist die Geschichte von „Elvis & Nixon“. Am 21. Dezember 1970 traf sich US-Präsident Richard Nixon im Oval Office mit Elvis Presley. Von dem Treffen gibt es ein Bild, aber keinen Tonmitschnitt. Denn Nixon begann seine paranoide Alles-aufnehmen-Politik erst im Februar 1971.

Liza Johnson erzählt jetzt, schön pointiert, mit viel Zeitkolorit und liebevoll die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Politik und Pop, zwischen den ähnlich gestressten Helfern des Präsidenten und des Rockstars ausspielend, wie es zu dem Treffen kam. Denn Elvis Presley war von der Jugendkultur, der Gegenkultur, den Hippies und ihrem Drogenkonsum angeekelt. Er will etwas dagegen tun und möchte Nixon vorschlagen, dass er als Bundesagent für das Land arbeitet und undercover die kommunistische Gegenkultur und ihre Drogenringe infiltrieren möchte.

Nixon, hübsch grantig von Kevin Spacey gespielt, möchte sich allerdings nicht mit dem Entertainer treffen. Aber seine Tochter hätte gerne ein Autogramm.

Michael Shannon spielt Presley und bleibt dabei letztendlich immer Michael Shannon. Das liegt allerdings auch an den unzähligen Elvis-Imitatoren und den unzähligen bekannten Bildern von Elvis in seinen verschiedenen Lebensphasen und seinen vielen Spielfilmen, die immer wieder im Nachmittagsprogramm laufen. Da fällt in jeder Sekunde auf, dass Elvis Presley und Michael Shannon, der Elvis auf dem schmalen Grad zwischen Mensch und Parodie spielt, verschieden aussehen.

Ein viel größeres Problem von „Elvis & Nixon“ ist allerdings die eingesetzte Musik. Es gibt kein einziges Elvis-Lied (wobei seine für die Popgeschichte wichtigen Songs in den Fünfzigern erschienen und er damals, nach seiner Hollywood-Karriere, vor allem in Las Vegas live spielte und belanglosen Breitwand-Pop ablieferte). Stattdessen werden Songs von Blood, Sweat & Tears, Creedence Clearwater Revival und Otis Redding gespielt. Es sind heute immer noch coole Songs, die Elvis in dem Film eine vermeintliche Hipness verleihen, die er damals nicht hatte. Für die Jugendkultur war er ein Teil des verhassten Establishments – und seine Wunsch, als Undercover-Agent den Drogensumpf der Gegenkultur trockenzulegen, bestätigt ihre Einschätzung. Auch wenn Elvis‘ selbstgewählte Mission nie mehr als eine spinnerte Idee eines von der Welt abgehobenen Stars war.

Elvis & Nixon“ erzählt eine in jeder Beziehung unbedeutende Anekdote, die zu einem neunzigminütigem Spielfilm aufgeblasen wird und Elvis inszeniert, als sei er noch ein Teil des jugendlichen Aufbegehrens gegen die Gesellschaft.

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Salt and Fire (Salt and Fire, Deutschland/USA/Frankreich/Mexiko 2016)

Regie: Werner Herzog

Drehbuch: Werner Herzog

LV: Tom Bissell: Aral (Kurzgeschichte, erschienen in „God Lives in St. Petersburg: Short Stories“, 2006)

mit Veronica Ferres, Michael Shannon, Gael Garcia Bernal, Lawrence Krauss, Volker Michalowski, Danner Ignacio Marquez Arancibia, Gabriel Marquez Arancibia

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Salt and Fire“

Moviepilot über „Salt and Fire“

Metacritic über „Salt and Fire“

Rotten Tomatoes über „Salt and Fire“

Wikipedia über „Salt and Fire“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Königin der Wüste“ (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)

Werner Herzog in der Kriminalakte

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Elvis & Nixon (Elvis & Nixon, USA/Deutschland 2016)

Regie: Liza Johnson

Drehbuch: Joey Sagal, Hanala Sagal

mit Michael Shannon, Kevin Spacey, Alex Pettyfer, Johnny Knoxville, Colin Hanks, Evan Peters, Sky Ferreira, Tracy Letts

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Elvis & Nixon“

Metacritic über „Elvis & Nixon“

Rotten Tomatoes über „Elvis & Nixon“

Wikipedia über „Elvis & Nixon“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Das schöne Biopic „Jacques – Entdecker der Ozeane“ über Jacques-Yves Cousteau

Dezember 9, 2016

In seinem neuen Film „Jacques – Entdecker der Ozeane“ erzählt Jérôme Salle („Zulu“, die beiden Largo-Winch-Filme) die Lebensgeschichte von Jacques-Yves Costeau (1910 – 1997). Nach dem Unglückstod seines Sohnes Philippe (Pierre Niney) 1979 springt der Film zurück in die Vergangenheit. 1949 verbringt Jacques-Yves Costeau (Lambert Wilson), damals noch Mitglied der französischen Kriegsmarine, mit seiner Frau Simone (Audrey Tautou), ihren beiden Kindern Jean-Michel und Philippe und vielen Freunden glückliche Tage am Mittelmeer, das er in langen Tauchgängen erforscht.

Das Meer und das Tauchen sind seine Leidenschaften. Er will es erforschen und das Gesehene auf Film festhalten. Mit dem ausgemusterten Minensuchboot „Calypso“, das er mit seiner Familie und Männern, die in den nächsten Jahrzehnten zu engen Weggefährten wurden, herrichtete. Zunächst kommt das Geld aus der Erbschaft seiner Frau. Später von Sponsoren, einer Ölgesellschaft und seinen Filmen. Die Kinder werden auf’s Internat geschickt und später mehr oder weniger Teil des Costeauschen Familienunternehmens. Das ist immer von visionären Ideen und Projekten (die heute teils idiotisch sind) und Geldnot bestimmt. Und Costeau beginnt sich, mit Philippe, der zunächst eigene Wege beschreitet, für den Schutz der Umwelt zu engagieren.

Das erzählt Salle, der sein Biopic in Argentinien, Kroatien, Südafrika, auf den Bahamas und der Antarktis drehte, bildgewaltig über und unter Wasser, immer unterhaltsam und mit spürbarer Sympathie für Jacques Costeau und Philippe Costeau, dessen Sturm- und Drangjahren mit viel Sechziger-Jahre-Optik viel Zeit gewidmet wird. Deren Beziehung steht im Mittelpunkt des Jahrzehnte umspannenden Biopics, der alles erstaunlich konfliktfrei und oberflächlich schildert. Die dunklen und problematischen Seiten von Costeau werden zwar nicht verschwiegen, aber auch nicht weiter thematisiert. Denn die Ikone soll nicht beschädigt werden.

So ist „Jacques“ ein schöner Film, der nebenbei auch ein nostalgisch verklärter Aufruf zum Schutz der Umwelt ist.

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Jacques – Entdecker der Ozeane (L’Odyssée, Frankreich/Belgien 2016)

Regie: Jérôme Salle

Drehbuch: Jérôme Salle, Laurent Turner

LV: Jean-Michel Cousteau, Albert Falco: Capitaine De La Calypso, 1990

mit Lambert Wilson, Pierre Niney, Audrey Tautou, Laurent Lucas, Benjamin Lavernhe, Vincent Heneine, Thibault de Montalembert, Roger Van Hool, Chloe Hirschman, Adam Neill

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Französische Homepage zum Film

AlloCiné über „Jacques“

Moviepilot über „Jacques“

Rotten Tomatoes über „Jacques“

Wikipedia über „Jacques“ (englisch, französisch) und Jacques Costeau

Meine Besprechung von „Largo Winch – Tödliches Erbe“ (Largo Winch, Frankreich 2008)

Meine Besprechung von „Largo Winch II – Die Burma-Verschwörung“ (Largo Winch II, Frankreich/Belgien/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Jérôme Salles „Zulu“ (Zulu, Frankreich/Südafrika 2013) und der DVD


TV-Tipp für den 9. Dezember: Zwei rechnen ab

Dezember 9, 2016

3sat, 22.35

Zwei rechnen ab (USA 1957, Regie: John Sturges)

Drehbuch: Leon Uris (nach dem Zeitschriftenartikel von George Scullin)

Zum heutigen 100. Geburtstag von Kirk Douglas zeigt 3sat diesen immer wieder gern gesehenen Westernklassiker über US-Marshal Wyatt Earp (Burt Lancaster), Doc Holliday (Kirk Douglas) und die legendäre Schießerei am O. K. Corral.

Um 12.30 Uhr zeigt der MDR das selten gezeigte Westernabenteuer „Snowy River“ (Australien 1982) und die ARD, nach Mitternacht, um 01.15 Uhr den packenden Western „Mit stahlharter Faust“ (USA 1955); beide mit Kirk Douglas.

mit Burt Lancaster, Kirk Douglas, Rhonda Fleming, Jo Van Fleet, John Ireland, Frank Faylen, George Matthews, Earl Holliman, Dennis Hopper, DeForest Kelley, Lee Van Cleef

Hinweise

TCM über „Zwei rechnen ab“

Wikipedia über „Zwei rechnen ab“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Sturges‘ „Die 5 Geächteten“ (Hour of the Gun, USA 1967)

John Sturges in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Veranstalten Sie doch einmal eine richtige „Office Christmas Party“

Dezember 8, 2016

Jetzt ist wieder die Zeit für Weihnachtsfilme, mehr oder weniger feierlich, meistens weniger gelungen, oft schon an Silvester vergessen. „Office Christmas Party“, der neue Film von Josh Gordon und Will Speck (den Regisseuren von „Die Eisprinzen“ und „Umständlich verliebt“), gehört zu den weniger gelungenen. Trotz sympathischer Schauspieler, dem (ausgehend von der Erwartungshaltung) weitgehenden Verzicht auf Zoten und, für die Architekturjunkies, einem Büro-Set, das nach alten Plänen von Ludwig Mies van der Rohe gebaut und im Film großflächig zerstört wird.

In ihrer „Komödie“ (in der ich nicht einmal lachen musste) erzählen sie von der Weihnachtsfeier in der in Chicago ansässigen IT-Firma Zanotek. Clay Vanstone (T. J. Miller), der gute Filialleiter, richtet sie gegen den Willen seiner biestigen Schwester Carol (Jennifer Aniston), die Firmenchefin, aus, weil er es jedes Jahr tut, weil sie die Zweigstelle schließen will und weil er während der Feier einen potentiellen Großkunden überzeugen will, ihm einen großen Auftrag zu geben. Damit wäre dann die Schließung der Zweigstelle abgewendet und er hätte einen Grund, die Feier auszurichten, gegen den seine Schwester nichts sagen kann.

Selbstverständlich läuft die als Dekadenzfest ausgelegte Feier schnell aus dem Ruder. Allerdings nicht besonders witzig und auch ohne tiefere Erkenntnis oder Überraschungen. Die meiste Zeit hüpfen die Schauspieler quietschvergnügt durch das Bild und brüllen in Variationen „Party“ und „Sex“, während der frisch geschiedene, grundvernünftige, grundsympathische Josh Parker (Jason Bateman) endlich seine Liebe zu seiner ebenso sympathischen Untergebenen Tracey Hughes (Olivia Munn) erkennt. Sie programmiert auch gerade irgendein superrevolutionäres, firmenrettendes WLAN.

Bateman und Munn werden bei der Besetzungsliste an erster Stelle genannt, was sie damit zu den Hauptdarstellern und den Protagonisten des Films macht. Außerdem begleiten wir in den ersten Filmminuten Josh Parker vom Scheidungsanwalt zur Arbeit. Wenn „Office Christmas Party“ halbwegs stringent eine Story entwickelt hätte, würde sich der gesamte Film um sie drehen. So sind sie grundsympathische Charaktere, die man ohne große Probleme aus dem Film herausschreiben könnte. Miller böte sich als Partyveranstalter, der seine Firma retten will, da schon eher als Protagonist an. Aber im entscheidenden Moment liegt er im Krankenhaus. Und wenn dann IT-Spezialistin Hughes am Ende, wenn es in ganz Chicago kein Internet gibt, ihr WLAN-Programm schwuppdiwupp zum Laufen bringt, fragte ich mich, ob es wirklich nichts wichtigeres als ein ständig funktionierendes Internet geben soll.

Während sie immer wieder für längere Zeit die Party verlassen, läuft die Party, auch ohne sie, weiter und ein, zwei weitere Pärchen, meist gespielt von bekannten US-Comedy-Gesichtern, finden im Lauf der Weihnachtsfeier zueinander. Die wird natürlich mit reichlich Drogen (fest und flüssig) aufgepeppt. Aber das haben wir in „The Wolf of Wall Street“ pointierter, exzessiver und erkenntnisreicher gesehen.

Im Gegensatz zu einer echten Party hat die „Office Christmas Party“ zwei unbestreitbare Vorteile: nach der Party hat man keine Kopfschmerzen (außer man hat sich vorher mit alkoholischen Getränken versorgt) und schon während des Abspanns verblasst die Erinnerung an das Gesehene. „Office Christmas Party“ ist halt nur eine weitere zotige US-Komödie.

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Office Christmas Party (Office Christmas Party, USA 2016)

Regie: Josh Gordon, Will Speck

Drehbuch: Laura Solon, Dan Mazer

mit Jason Bateman, Olivia Munn, T. J. Miller, Jennifer Aniston, Kate McKinnon, Courtney B. Vance, Jillian Bell, Rob Corddry, Vanessa Bayer, Randall Park, Jamie Chung, Karan Soni

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Office Christmas Party“

Metacritic über „Office Christmas Party“

Rotten Tomatoes über „Office Christmas Party“

Wikipedia über „Office Christmas Party“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. Dezember: Nachtschicht: Blutige Stadt

Dezember 8, 2016

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Blutige Stadt (Deutschland 2009, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

In ihrem sechsten Einsatz jagt das Team des KDD (Kriminaldauerdienst, oder die Nachtschicht der Hamburger Polizei) einen Killer, der sich „Q“ nennt und als erstes einen türkischen Reiseunternehmer hinrichtet. Die Spur führt zum Revierleiter Neumann.

„Nachtschicht“ ist eine der wenigen Serien, für die sich die TV-Gebühren lohnen.

Mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Uwe Kockisch, Maja Maranow, Sibel Kekilli, Pierre Semmler, Simon Schwarz

Wiederholung: Freitag, 9. Dezember, 04.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia  über „Nachtschicht“

Lexikon   der deutschen  Krimi-Autoren über Lars Becker


Tödliche Weihnachten – in Romanen und Kurzgeschichten

Dezember 7, 2016

Weihnachten – auch bekannt als die Zeit, in der die Geschäfte brechend voll sind, in den Vorweihnachtstagen in den Zügen Sitzplätze Mangelware sind (es aber immer ein großer Spaß ist, zu beobachten, wie jemand seinen Sitzplatz in einem nicht vorhandenen Zug sucht) und ehrliche Geister mit meist grottenschlechten Weihnachtsfilmen gefoltert werden.

Es ist auch die Zeit, in der man sich mit einem Weihnachtskrimi an einen ruhigen Ort zurückziehen kann. Wer das allerdings nicht schon wieder mit Hercule Poirot oder Kommissar Maigret tun will, kann dies auch mit anderen Werken tun.

Den längsten Rückzug ermöglicht der von Otto Penzler herausgegebene Sammelband „Eine Leiche zum Advent“. 708 Seiten müssen erst einmal gelesen werden. Trotzdem hat der Lübbe-Verlag es geschafft, den großen Sammelband (19 x 5 x 23,4 cm, also so in Richtung Bildband gehend) so zu drucken, dass er angenehm leicht in der Hand liegt. Damit eignet er sich auch nicht als Schlagwaffe (diese Verwendung schlägt der Klappentexter, wahrscheinlich ein echter Scrooge, vor). Otto Penzler schlägt in seinem Vorwort vor, die Geschichten im trauten Kreis von Freunden und Verwandten vorzulesen. „Und falls irgendjemand diese nette, altmodische Aktivität nicht zu schätzen weiß…Nun, Sie können ihn immer noch umbringen.“

Über die Geschichten sagt Penzler: „viele Geschichten in dieser Anthologie [sind] nicht so einfach zu bekommen. Manche sind sogar nicht mehr erhältlich oder auch nur irgendwie auffindbar.“ Und was für die USA gilt, gilt für Deutschland noch mehr.

Für den Sammelband „Eine Leiche zum Advent“ suchte Penzler 49 Geschichten aus (im Original 59; der Verlust einiger Geschichten, u. a. von Agatha Christie, liegt wohl an der Rechtesituation), die er thematisch sortierte. Unter anderem in „Traditionelle Weihnachten“, „Lustige Weihnachten“, „Ein Sherlockianisches Weihnachten“, „Unheimliche Weihnachten“ „Moderne Weihnachten“ und „Klassische Weihnachten“. Es sind teils bekannte, teils ziemlich unbekannte Geschichten von, in der Reihenfolge ihres Auftretens, Peter Lovesey, Ellery Queen, Colin Dexter, Donald E. Westlake, Thomas Hardy, Edward D. Hoch, Arthur Conan Doyle, John D. MacDonald, Andrew Klavan, Max Allan Collins, Peter Robinson, Ed McBain, John Lutz, Sara Paretsky, Mary Higgins Clark, Isaac Asimov, Ed Gorman, G. K. Chesteron, Rex Stout, H. R. F. Keating, Robert Louis Stevenson, O. Henry, Edgar Wallace, undsoweiter. Teilweise mit vertraut-beliebten Charakteren, wie Sherlock Holmes, Father Brown und Nero Wolfe.

Allein schon die Namen verraten Krimifans, dass Krimikenner Penzler eine schöne, undogmatische Auswahl zwischen Tradition und Moderne zusammenstellte. Zu jeder Geschichte verfasste er, wie bei seinen anderen Anthologien, eine kurze Einführung über den Autor und sein Werk.

Da werden auch „die Mürrischsten – jene, die behaupten, sie könnten es gar nicht erwarten, dass die Feiertage vorbei sind“ (Penzler), um eine kleine Verlängerung der Weihnachtstage bitten. Immerhin müssen über siebenhundert, zweispaltig bedruckte Seiten (also viel Lesestoff) durchgearbeitet werden.

Für die schnelle Flucht auf die Toilette eignet sich Stuart MacBrides „Zwölf tödliche Gaben – Zwölf kurze Weihnachtskrimis“ mit 160 Seiten. Der schottische Hardboiled-Autor der dicken Logan-McRae-Thriller wählte dieses Mal die kurze Form in zwölf sehr lose miteinander zusammenhängenden Geschichten, in denen er auch etwas mit der Form experimentierte und die nicht unbedingt an und um Weihnachten spielen müssten. Denn die Anspielungen auf das Fest der Liebe sind überschaubar. ‚Liebe‘ gibt es allerdings viel in MacBrides Geschichten. Nur, und da wird der Geschlechtsverkehr dann zu einem Problem, normalerweise nicht mit dem Ehepartner.

Insgesamt ist „Zwölf tödliche Gaben“ ein Zwischenhappen, bei dem ich immer wieder den Eindruck hatte, dass MacBride in einigen Geschichten Szenen verarbeitete, die er aus einem seiner Romane entfernte. In anderen wird es etwas schnurrig. Aber dann gibt es auch noch die bitterbösen Geschichten, in denen Pädophile, Verbrecher und Polizisten sich das Leben schwer machen und oft auch töten.

Länger ist J. Jefferson Farjeons „Geheimnis in Weiß“, das man wohl eine Entdeckung nennen muss. Im Original erschien der Roman 1937. 2014 wurde er, mit einem Nachwort von Krimiautor Martin Edwards, in der Reihe British Library Crime Classics neu aufgelegt und jetzt erschien der Roman erstmals auf Deutsch.

In dem Roman beschließen vier Menschen, die sich zufällig am Vorweihnachtsabend in einem Zugabteil getroffen haben, nicht in dem im Schnee stecken gebliebenem Zug auf besseres Wetter zu warten. Sie wollen zum nächsten Bahnhof gehen, verlaufen sich und landen in einem Haus, in dem niemand ist, aber der Tisch gedeckt ist. Sie beschließen, zu bleiben und schnell beginnt, wie in einem Boulevardstück, ein flottes Auf- und Abtreten der beteiligten Personen, weiterer Reisenden und auch ein Mörder (der, nachdem ihm ein Mord im Zug vorgeworfen wird, schnell wieder verschwindet) gesellen sich zu ihnen und, wie bei einem Boulevardstück ist auch „Geheimnis in Weiß“ eine Übung in rasendem Stillstand. Denn der eine Mörder ist schnell bekannt; die anderen Morde geschehen außerhalb des Hauses, niemand von der zusammengewürfelten Reisegesellschaft ist in ernsthafter Gefahr oder ernsthaft eines Mordes verdächtig und, auch wenn die Geschichte in einem einsamen Landhaus, also dem typischen Rätselkrimisetting mit den auf den ersten Blick typischen Rätselkrimicharakteren, spielt, gibt es nichts zu rätseln.

So ist Farjeons Roman vor allem etwas für die Fans des klassischen englischen Kriminalromans, die wirklich jede echte und vermeintliche Lücke in ihrer Sammlung schließen müssen.

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Otto Penzler (Herausgeber): Eine Leiche zum Advent – Das große Buch der Weihnachtskrimis

(übersetzt von Stefan Bauer, Winfried Czech, Axel Franken, Stefanie Heinen, Daniela Jarzynka, Helmut W. Pesch, Barbara Röhl, Anna-Lena Römisch, Thomas Schichtel, Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher)

Lübbe, 2016

708 Seiten

25 Euro

Originalausgabe

The Big Book of Chistmas Mysteries

Vintage Books, 2013

Hinweis

Wikipedia über Otto Penzler

Zwoelf toedliche Gaben von Stuart MacBride

Stuart MacBride: Zwölf tödliche Gaben – Zwölf kurze Weihnachtskrimis

(übersetzt von Andreas Jäger)

Goldmann, 2016

160 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe: November 2013 als eBook

Originalausgabe

Twelve Days of Winter: Crime at Christmas

HarperCollins, 2011 (als ePub)

Hinweise

Homepage von Stuart MacBride

Wikipedia über Stuart MacBride (deutsch, englisch)

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J. Jefferson Farjeon: Geheimnis in Weiß – Eine weihnachtliche Kriminalgeschichte

(übersetzt von Eike Schönfeld, mit einem Nachwort von Martin Edwards)

Klett-Cotta, 2016

288 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Mystery in White

Wright & Brown, London, 1937

Hinweis

Wikipedia über J. Jefferson Farjeon