Arte, 22.10 Im Lauf der Zeit (Deutschland 1976, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
Das ist ein Blick in die Vergangenheit: an der deutsch-deutschen Grenze (!) fährt Bruno von Dorf zu Dorf, um in noch bestehenden kleinen Kinos (!) Projektoren (!) zu reparieren. Auf seiner Fahrt nimmt er Robert, den er bei einem missglückten Selbstmordversuch kennen lernte, mit.
Viel passiert nicht in Wenders während dem Dreh entstandenem Psychogramm der damals Dreißigjährigen (also der um 1945 geborenen) und trotzdem ist es ein wundervoller, entspannter SW-Film (Kamera: Robby Müller), der auch beim Publikum ankam und in einigen Kinos Kultstatus erlangte. Hm, dass einige Kinos einen Film immer wieder zeigen, ist wohl auch Vergangenheit.
Arte zeigt die 2014 restaurierte Fassung.
Mit Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, Lisa Kreuzer, Rudolf Schündler, Marquard Bohm, Dieter Traier, Franziska Stömmer Hinweise Arte über Wim Wenders und „Im Lauf der Zeit“ Filmportal über „Im Lauf der Zeit“
Wikipedia über „Im Lauf der Zeit“ (deutsch, englisch)
Arte, 20.15 Lockende Versuchung (USA 1956, Regie: William Wyler)
Drehbuch: Michael Wilson
LV: Jessamyn West: The Friendly Persuasion, 1945
Indiana, 1862/1863: eine friedfertige Quäkerfamilie muss sich den Auswirkungen des Amerikanischen Bürgerkriegs und damit auch der Gültigkeit ihrer Prinzipien stellen.
In Cannes erhielt der selten gezeigte und heute fast unbekannte Gary-Cooper-Film die Goldene Palme. Außerdem war er für sechs Oscars nominiert; unter anderem, neben dem James-Dean-Film „Giganten“, als bester Film. „In 80 Tagen um die Welt“ gewann diese Trophäe.
„’Friendly Persuasion‘, das Porträt einer Quäker-Familie während des Bürgerkrieges, gilt als Coopers zweitbeste Arbeit der fünfziger Jahre und war einer der am stürmischsten gefeierten Filme des Jahres 1956.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)
mit Gary Cooper, Dorothy McGuire, Anthony Perkins, Marjorie Main, Richard Eyer, Phyllis Love, Robert Middleton Wiederholungen
Mittwoch, 5. August, 13.55 Uhr
Donnerstag, 20. August, 13.50 Uhr Hinweise Arte über „Lockende Versuchung“ Rotten Tomatoes über „Lockende Versuchung“ Turner Classic Movies über „Lockende Versuchung“
Wikipedia über „Lockende Versuchung“ (deutsch, englisch)
Wenn man Naomi Kawases neuen Film „Still the Water“ als auch nur halbwegs stringent erzähltes Werk begreifen will, schwankt man zwischen Verzweiflung über die vielen ins Nichts führenden Andeutungen und Langeweile über die vielen rein beobachtenden Bilder, die nur eine illustrative und in ihren besten Momenten auch poetische Funktion haben.
Wenn man den Film allerdings als Meditation, als Angebot zum Träumen und Gedanken schweifen lassen begreift, dann hat der Film durchaus Qualitäten. Denn dann stört man sich auch nicht daran, dass die einzelnen Erzählstränge sich eher im Weg stehen, dass die zentrale Geschichte von den Nebengeschichten begraben wird, dass fast alles nur angedeutet wird (und ich als Westler die Andeutungen kaum verstehe, weshalb für mich ein Baum ein Baum und kein Symbol für irgendetwas anderes ist) und, was für mich das größte Problem ist, dass der Film mit der falschen Szene beginnt, die bei mir Erwartungen weckte, die nie eingelöst werden.
Das Mädchen Kyoko und der Junge Kaito leben auf der subtropischen japanischen Insel Amami-Oshima. Auf ihrem Weg zur Schule sehen sie, mit vielen anderen Schaulustigen, wie eine tätowierte Männerleiche aus dem Wasser geborgen wird. Offensichtlich wurde er ermordet. Und während nach den gängigen Erzählkonventionen dieser Mord den gesamten Film und damit auch die Handlungen der Charaktere beeinflussen würde, ist er Naomi Kawase ziemlich egal. Ihr geht es, und das ist der Hauptplot, um Kyoko und Kaito und ihre beginnende Liebe. Es geht ihr auch um deren Eltern. Kyokos Mutter ist eine im Sterben liegende Schamanin. Sie hat das Krankenhaus verlassen und wird von ihrem Mann liebevoll gepflegt. Sowieso verkörpet Kyokos Familie, mit ihrem kleinen Strandrestaurant, perfekt die Hippie-Idylle einer funktionierenden, mit sich und der Natur im Einklang lebenden Familie.
Kaito lebt seit Kurzem bei seiner Mutter. Sein Vater, den er auch einmal besucht, lebt in Tokio bei einem Mann. Ob zur Untermiete oder weil sie miteinander befreundet sind (was natürlich die Scheidung erklären würde), wird nicht klar. Aber er ist begeistert von dem freien Leben in der Großstadt. Kaito ist ein eher schüchterner Junge, der auch das seelische Gepäck eines Scheidungskindes mit sich herumträgt. Irgendwann vermutet Kaito sogar, dass seine Mutter den Toten kannte. Ihn vielleicht sogar ermordete, weil er vielleicht ihr Liebhaber war. Dieser Schwebezustand, diese teils rätselhaften, teils ins Nichts führenden Andeutungen durchziehen den ganzen Film, die ihn, wenn man Erklärungen möchte, zu einer frustrierenden und auch langweiligen Angelegenheit machen. Jedenfalls wenn man einen normalen narrativen Film und nicht eine Abfolge weitgehend interpretationsoffener Bilder sehen möchte.
„Still the Water“ ist eher ein Gedicht, das einen Aufgrund seiner Stimmungen verzaubern kann – was ihm in einigen, wenigen Momenten auch bei mir gelang – oder auch nicht.
LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)
2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.
Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.
mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf
Inzwischen haben ihre Freunde Kinder. Aber Josh Srebnick (Ben Stiller) und seine Frau Cornelia (Naomi Watts), Produzentin und Tochter eines erfolgreichen Dokumentarfilmers, fühlen sich noch nicht so alt. Sie sind ja in Brooklyn lebende Künstler. Er arbeitet seit zehn Jahren an seinem neuen Dokumentarfilm, einem mehrstündigem Opus über den linken Intellektuellen Ira Mandelstam, das zu komplex ist, um es in einem Halbsatz zu erklären. In jedem Fall soll der Film umfassend aufklären und die unverfälschte Wirklichkeit und Wahrheit zeigen. Wie in den Filmen der von ihm bewunderten Dokumentarfilmer Frederick Wiseman, die Maysles-Brüder und D. A. Pennebaker wird es in seinem Film keine Manipulation der Wirklichkeit geben.
Nebenbei unterrichtet er an einer Universität. Dort trifft er Jamie (Adam Driver), einen jungen Studenten, der ihn für seinen vorherigen Film bewundert. Josh genießt die für ihn ungewohnte Aufmerksamkeit und er ist auch fasziniert von Jamies jugendlicher Unbekümmertheit. Sie treffen sich öfter. Er nimmt auch seine anfangs skeptische Frau Cornelia mit zu den Treffen mit Jamie und seiner Freundin Darby (Amanda Seyfried). Die beiden Mittvierziger fühlen sich, angesteckt durch die Lebensfreude und das improvisierte Leben von Jamie und Darby, wieder jünger. Sie brechen aus ihrem schon seit Jahren in festen Bahnen verlaufendem Alltagsleben aus.
Noah Baumbach, der mit Ben Stiller bereits „Greenberg“ inszenierte, wollte mit seinem neuesten Film, nach „Frances Ha“, eine erwachsene Komödie drehen. Ein Film, wie er vor dreißig Jahren von Mike Nichols, Sydney Pollack oder Woody Allen inszeniert wurde. Und das gelang ihm. Auch wenn es mit einer Hip-Hop-Tanzeinlage von Naomi Watts und einer Teilnahme der Screbnicks bei einem Ayahuasca-Ritual, nebst Einnahme der sehr wirksamen Schamanendroge, arg in Richtung Slapstick und sichere Lacher geht, herrscht in „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ein stiller und lebensweiser Humor, der anhand seiner vier Protagonisten auch zeigt, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten Einstellungen veränderten. Immerhin gehören Josh und Cornelia noch zu der Generation, die ohne Internet aufwuchs, während Jamie und Darby mit ihm aufwuchsen.
Davon abgesehen prallen auch verschiedene Lebensstile und Anschauungen aufeinander, die es schon ewig gibt. Josh ist der Zauderer und Perfektionist mit einem hehren Kodex. Jamie der jugendlich-optimistische Macher, der allerdings auch alles seiner Karriere unterordnet, was zu Problemen mit seiner Frau Darby führt, die nicht nur sein Anhängsel sein will.
Etwas störend und letztendlich vollkommen überflüssig ist dagegen ein von Noah Baumbach breit eingeführter Krimi-Plot (Jamie nimmt Josh auch heimlich mit kleinen Kameras auf und es wird angedeutet, dass er Josh aus rein egoistischen Motiven angesprochen hat). Am Ende wird dieser Plot lässig beiseite gewischt. Auch weil er in seine Düsternis nicht zum restlichen Film passt, stört er eher die restliche Geschichte. Denn schon bei den Dreharbeiten für Jamies Dokumentarfilm, bei dem ihm Josh hilft, wird deutlich, dass Jamie nicht dem puristischen Ansatz von Josh folgt, sondern dass er die Wirklichkeit mindestens in Details manipuliert, wenn er so zu besseren Ergebnissen im Sinne einer dramatischen, spielfilmtauglichen Dramaturgie kommt.
Seit einigen Jahren, ziemlich genau seit dem an der Kinokasse enorm erfolgreichen Coen-Brothers-Film „True Grit“, erlebt der Western auch im Kino eine willkommene Renaissance. Denn die Weite der Landschaft entfaltet sich in seiner imposanten Größe nur auf einer Kinoleinwand, die nicht groß genug sein kann, während die Menschen auf Ameisengröße schrumpfen.
Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee), der Protagonist in John Macleans Spielfilmdebüt „Slow West“, ist ziemlich verloren im Wilden Westen. 1870 reiste der Sechzehnjähriger von Schottland allein in die USA. Er sucht, inzwischen in Colorado, seine erste Liebe Rose Ross. Er ist überzeugt, dass er sie und ihren Vater finden wird.
Zuerst findet ihn allerdings Silas Selleck (Michael Fassbender), ein Einzelgänger mit rätselhafter Vergangenheit, der ihm auch gleich das Leben rettet. Silas bietet Jay an, ihm bei der Suche nach Rose zu helfen. Er sagt ihm allerdings nicht, dass er Rose und ihren Vater sucht, weil auf sie ein erkleckliches Kopfgeld ausgesetzt ist und er hofft, mit dem Naivling die Gesuchten zu finden.
An diesem Kopfgeld sind auch andere Kopfgeldjäger interessiert. Unter anderem die Bande von Payne (Ben Mendelsohn), zu der Silas früher ebenfalls gehörte.
Gut, für Westernfans ist die Geschichte von „Slow West“ nicht gerade neu, aber der Western lebt ja auch zu einem großen Teil von Neuinterpretationen und Variationen bekannter Geschichten. Er ähnelt damit einem Country- oder Blues-Song, bei dem nach Bedarf Worte und Strophen geändert, eingefügt oder weggelassen werden können.
John Maclean, der vorher zwei Kurzfilme mit Michael Fassbender inszenierte, bekennt sich in seinem Film eindeutig zu dieser Tradition und zeichnet, wie eigentlicht alle neueren Western, ein unglamouröses Leben vom damaligen Leben, in dem ein Leben wenig zählte, und Menschen öfter verloren in der Landschaft stehen. Seien es eine Gruppe Bluessänger, die wie Straßenmusiker am Wegesrand singen (Für welches Publikum?) oder zwei Kinder, die vor einem Handelsposten auf ihre Eltern warten. Jay hat sie gerade im Handelsposten erschossen, nachdem sie den Ladenbesitzer erschossen hatten und auch Silas umbringen wollten. Die Beiden lassen die Kinder, wie räudige Hunde, am Wegrand stehen. Soll sich doch irgendjemand anderes in dieser menschenleeren Gegend um sie kümmern.
Auch beim Showdown setzt Maclean, wie während des gesamten, traditionsbewussten Films, eigene Akzente. So findet Jay zwar am Ende seine Geliebte, aber das Treffen und der Schusswechsel – es dürfte niemand überraschen, dass Rose und John Ross zur gleichen Zeit auch von mehreren Kopfgeldjägern gefunden werden – verläuft anders als erwartet.
„Slow West“ ist ein feiner Film. Auch wenn er neben Tommy Lee Jones‘ „The Homesman“ wie ein kleines B-Picture wirkt. Das liegt auch an der Länge. Immerhin dauert Macleans in Neuseeland im McKenzie Country gedrehter Film mit Abspann nur 84 Minuten. Das ist etwas länger als ein Budd-Boetticher-Western und die waren nur in punkto Kosten, Schauplätze und Anzahl der Schauspieler B-Pictures. Boettichers bittere Erkundungen der zerstörten Seelenlandschaften erwachsener, rachsüchtiger Männer richteten sich an ein erwachsenes Publikum. Bei Maclean wird der unwirtliche Wilde Westen durch die Augen eines verliebten Jungen gesehen. Das ist, auch wenn viele Männer sterben, ein gewaltiger Unterschied.
Michael Peña ist einer der Schauspieler, die ich immer gerne sehe (zuletzt in „Ant-Man“) und immer hoffe, dass er endlich auch mal eine Hauptrolle bekommt. Obwohl er in „End of Watch“ eine hatte und er auch in „Herz aus Stahl“ einer der Hauptdarsteller war – und es waren gute Filme. In „The Vatican Tapes“ hat er zwar eine Hauptrolle, aber auch er kann den Film nicht retten. Wahrscheinlich hätte niemand den Film retten können.
Mark Neveldine, der mit „Crank“ 2006 einen grandiosen Einstand hatte, an den er und sein Regie-Partner Brian Taylor, seitdem nicht mehr anknüpfen konnten, liefert jetzt in seinem ersten Spielfilm, den er alleine inszenierte, einen unglaublich langweiligen Exorzismus-Film ab.
Dieses Mal ist die Katholikin Angela Holmes (Olivia Taylor Dudley) von einem Dämon besessen. Pater Lozano (Michael Peña) glaubt, dass er ihr helfen kann. Als er erkennt, dass die junge Dame sich einen besonders fiesen Dämon eingehandelt hat, ruft er den Vatikan an. Denn dort gibt es eine Exorzismus-Sondereinheit, die viel zu tun hat, weil Katholiken ja ständig von Dämonen besessen sind.
„The Vatican Tapes“ ist einer der zahlreichen niedrig budgetierten Horrorfilme, die seit einiger Zeit wieder in unsere Kinos kommen und aufgrund ihrer geringen Kosten einen ziemlich garantierten Gewinn abwerfen. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn die hier erzählte Geschichte von Bessessenheit und Teufelsaustreibung nicht so lieb- und einfallslos bis hin zur wahrscheinlich langweiligsten Teufelsaustreibung der Filmgeschichte heruntergespult würde.
The Vatican Tapes (The Vatican Tapes, USA 2015)
Regie: Mark Neveldine
Drehbuch: Christopher Borrelli, Michael C. Martin (nach einer Geschichte von Chris Morgan und Christopher Borrelli)
mit Olivia Taylor Dudley, Michael Peña, Djimon Hounsou, Dougray Scott, Peter Andersson, Kathleen Robertson
Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.
Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.
mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken
Dass der „Polizeiruf 110“ der bessere „Tatort“ ist, wird niemand behaupten. Eher schon das Gegenteil und er war nach der Einheit ein Minigeschenk an die DDR. Denn dort gab es, als Alternativprogramm zum westdeutschen „Tatort“, den „Polizeiruf 110“, der Verbrechen sozialistisch aufklärte. Diese Piefigkeit bewahrte er sich. Einerseits. Andererseits wurde auch teilweise wild experimentiert und die aus München kommenden „Polizeirufe“ waren und sind immer einen Blick wert.
Einen Blick in die Vergangenheit gestattet die „Polizeiruf 110“-Box „Die Folgen des BR 2000 – 2003“, in denen Kommissar Jürgen Tauber ermittelte. Edgar Selge spielte den einarmigen Ermittler von 1998 bis 2009 in zwanzig Folgen. In der Box sind sechs Fälle enthalten und, auch wenn einige legendäre Folgen erst später liefen (wie „Der scharlachrote Engel“ und „Er sollte tot“, beide von Dominik Graf, beide mit mehreren Preisen ausgezeichnet), sind die hier gesammelten und ebenfalls ausgezeichneten Fälle ebenfalls, immer noch, einen Blick wert. „Gelobtes Land“ war für den Grimme-Preis nominiert; Nadeshda Brennicke erhielt für „Silikon Walli“ den Deutschen Fernsehpreis als beste Schauspielerin und Edgar Selge für „Tiefe Wunden“ und „Pech und Schwefel“ (ebenfalls von 2003, aber nicht in dieser Box enthalten) den Deutschen Fernsehpreis.
In der 3-DVD-Box sind enthalten: Verzeih‘ mir (Deutschland 2000)
Regie: Hartmut Griesmayr
Drehbuch: Horst Vocks
– Gelobtes Land (Deutschland 2001)
Regie: Peter Patzak
Drehbuch: Christian Limmer
– Fluch der guten Tat (Deutschland 2001)
Regie: Hans-Günther Bücking
Drehbuch: Peter Probst
– Um Kopf und Kragen (Deutschland 2002)
Regie: Peter Patzak
Drehbuch: Carolin Otto
– Silikon Walli (Deutschland 2002)
Regie: Manfred Stelzer
Drehbuch: Wolfgang Limmer
– Tiefe Wunden (Deutschland 2003)
Regie: Buddy Giovinazzo
Drehbuch: Christian Limmer
–
Die meisten Namen werden den Krimifans etwas sagen. Auch weil einige der Drehbuchautoren auch Romane veröffentlichten. Christian Jeltsch schrieb einige Jugendbücher; Wolfgang Limmer eher anekdotisches. Christian Limmer und Peter Probst schreiben inzwischen erfolgreich Kriminalromane. Horst Vocks schrieb auch einige Kriminalromane, aber bekannter ist er vor allem für seine Bücher für „Der Fahnder“ und mehrere „Tatorte“, die fast immer etwas mit Horst Schimanski zu tun hatten. Unter anderem „Duisburg Ruhrort“, „Der unsichtbare Gegner“, „Freunde“ und „Zahn um Zahn“, der auch erfolgreich im Kino lief (die Kritiker waren weniger begeistert). Später, für die Serie „Schimanski“ schrieb er auch mehrere Drehbücher. Angesichts dieser Vita fallen in „Verzeih‘ mir“, inszeniert von Routinier Hartmut Griesmayr, einige Dialoge arg hölzern aus. Aber der einarmige Kommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) darf einige herrliche Gemeinheiten absondern und seine Beziehung zur Kriminalpsychologin Dr. Sylvia Jansen (Gaby Dohm) ist angenehm erwachsen. Der Fall selbst – ein Automechaniker wird ermordet in einem verbrannten Auto gefunden; eine Mutter und ihre Tochter, die beide Bettgenossinen von ihm waren, verdächtigen sich gegenseitig des Mordes und das Organisierte Verbrechen, in Form von Autoschiebern, ist ebenfalls involviert – ist in Punkto Tätersuche nicht sonderlich kompliziert. Dafür gibt es eine interessante Familiengeschichte, die bis zum Kriegsende zurückreicht.
„Gelobtes Land“, der erste Auftritt von Taubers neuer Kollegin ‚Jo‘ Obermeier (Michaela May), Mutter, verheiratet mit einem türkischen Besitzer einer kleinen Autowerkstatt, ist ein gelungener Krimi über Asylbewerber und wie sie nach Deutschland kommen.
Peter Patzak, der seit „Kottan ermittelt“ im Pantheon des deutschsprachigen Kriminalfilms ist, inszenierte auch „Um Kopf und Kragen“. In dem Fall ermittelt Jo Obermaier undercover in einer Polizeistation. Eine Kollegin, die gemobbt wurde, soll sich umgebracht haben. Aber die Schwangere wurde ermordet. In einigen Szenen scheint der Geist von Kottan durch, aber insgesamt ist „Um Kopf und Kragen“ ein durch die hoffnungslos überbelichtete Inszenierung und die gewollt übertriebenen Darstellungen ein unansehbares Werk geworden.
In „Fluch der guten Tat“ wird ein Roma-Junge, der von einer Initiative für sozial schwache Kinder betreut wurde, ermordet. Tauber und Obermaier sehen sich bei der Initiative, die nicht nur von altruistischen Motiven getriebne ist, um.
„Silikon Walli“ und „Tiefe Wunden“ gehören zu den unbestrittenen Höhepunkten der Serie. In „Silikon Walli“ stirbt ein Busenwunder (nachdem ihre Oberweite mehrmals künstlich vergrößert wurde) eines unnatürlichen Todes – und Kommissar Tauber ist sehr fasziniert von den Gepflogenheiten des Sexgewerbes. Grandios!
Ebenfalls grandios ist „Tiefe Wunden“, inszeniert von Buddy Giovinazzo, der auch einige grandiose Noirs schrieb. Im Wald wird eine erschossene Goldschmiedin gefunden. In ihrer Hand hält sie einen Zigarillo, der Tauber an ein Gaunertrio, das er von früher kennt, erinnert. Entsprechend schnell führen die Ermittlungen in Taubers Vergangenheit und wir erfahren, wie er seinen Arm verlor.
Allein schon wegen der sechs „Polizeirufe“, die ein insgesamt erstaunlich hohes Niveau haben (eigentlich enttäuscht nur „Um Kopf und Kragen“) ist „Die Folgen des BR 2000 – 2003 – Box 2“ eine empfehlenswerte DVD-Box. Trotzdem ist es ärgerlich, dass es keine Untertitel und kein Bonusmaterial (Gab es wirklich kein Interview und keine Reportage in den TV-Archiven? Hätte man nicht ein „Making of“ machen können?) gibt.
Polizeiruf 110: Die Folgen des BR 2000 – 2003 (Box 2)
mit Edgar Selge (Kommissar Jürgen Tauber), Michaela May (Kommissarin Jo Obermeier), Gaby Dohm (Polizeipsychologin Dr. Sylvia Jansen), Tayfun Bademsoy (Tarik Yilmaz)
Gaststars: Karin Boyd, Dennenesch Zoudé, Matthias Koeberlin, Henning Baum, Heikko Deutschmann, Axel Hacke, Jacques Breuer, Nadeshda Brennicke, Bernd Tauber, Wanja Mues, Catherine Flemming, Thure Riefenstein
– DVD
Eurovideo
Bild: 1.78:1 (16:9 anamorph – mit zum Teil eigeschränkter Bild- und Tonqualität)
Ton: Deutsch (DD 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 503 Minuten (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise
Horst Vocks hat nach langem Schweigen einen neuen Roman veröffentlicht. Zusammen mit Elfi Hartenstein schrieb er den Krimi „Ausstieg“ über Kriminalhauptkommissar Lou Feldmann, der keinen Bock mehr hat und reihenweise Verbrecher laufen lässt, bis er sich entscheiden muss, ob er so weitermachen will.
Ist natürlich, weil die Geschichte in Berlin spielt und blinder Lokalpatriotismus alles schlägt, ein verdammt guter Krimi.
– Elfie Hartenstein/Horst Vocks: Ausstieg Pendragon, 2015 328 Seiten
12,99 Euro
Weil Wim Wenders am 14. August einen runden Geburtstag feiert, zeigt Arte einige seiner schönsten Filme. Heute läuft um 20.15 Uhr „Paris, Texas“, um 22.35 Uhr „Der amerikanische Freund“ und um 00.40 Uhr sein selten gezeigtes Doku-Essay „Tokyo-Ga“.
Arte, 22.35
Der amerikanische Freund (Deutschland/Frankreich 1976, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)
Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.
Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“
Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)
Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel
Über seinen Privatdetektiv Jack Taylor sagte Ken Bruen, die Fälle würden nicht wegen, sondern trotz ihm gelöst. Das gleiche hätte er über die Romane mit Inspector Brant, einer aus sieben, zwischen 1998 und 2007 erschienenen Romanen bestehende Serie von in London spielenden Polizeiromanen, sagen können. Denn Brant und seine Kollegen lösen die Fälle auch nicht aufgrund guter Polizeiarbeit. Die meiste Zeit sind sie mit Drogen, Alkohol, persönlichen Problemen und internen Feindseligkeiten beschäftigt, während die Ermittlungen sich meist als eine persönliche Vendetta gestalten, in der Recht und Gesetz manchmal benutzte Leitplanken sind, um ihre Aggressionen abzubauen. Das ist zwar formal immer noch von Ed McBain und seiner Serie um das 87. Polizeirevier beeinflusst, aber bei Ken Bruen liest sich das wie McBain auf Speed und mit einer Punkattitüde.
Jetzt, nachdem seine bekanntere Serie mit dem Galway-Privatdetektiv Jack Taylor seit einigen Jahren kontinuierlich übersetzt wird (wobei die Übersetzungen von Harry Rowohlt nicht unumstritten sind), und die Brant-Verfilmung „Blitz“ (mit Jason Statham) regelmäßig im Fernsehen läuft und auf DVD gut erhältlich ist, hat der Polar-Verlag einen ersten Brant-Roman veröffentlicht. Mit „Kaliber“ ist es der sechste Brant-Roman, in dem ein selbsternannter Manierenkiller die Londoner zu einem höflicheren Umgang miteinander erziehen will. Deshalb wendet er sich mit seiner Mission an die Öffentlichkeit. Er hat allerdings nicht mit Southeast-Sergeant Brant gerechnet. Der bittet eine Kollegin, der er vor kurzem geholfen hat (es war natürlich ein nicht ganz legaler Gefallen), darum, sich in der Öffentlichkeit möglichst unhöflich zu Benehmen. Sein ebenso einfacher wie bestechender Plan sieht vor, dass der Manierenkiller auf den Lockvogel hereinfällt und er ihn dann umbringen kann.
Daneben versucht Brant sich jetzt als Krimiautor. Sein Vorbild ist Ed McBain, von dem er alle Bücher hat. Seine Muse ist ein Kollege, den er unter Drogen setzt. Der Manierenkiller nennt sich – Ken Bruen geizt nie mit literarischen Verweisen – Ford. Nach Lou Ford, dem Ich-Erzähler in Jim Thompsons Noir-Klassiker „Der Mörder in mir“ (The Killer inside me, 1952 – Lesebefehl!). Aber er liest auch, wie er in seinem Tagebuch schreibt, die Herren Charles Willeford und Cornell Woolrich.
Langjährige Ken-Bruen-Fans werden „Kaliber“, wie seine anderen Romane an einem Abend lesen. Bruen verknappt seine Erzählung – in seinen Polizeiromanen jongliert er mit mehreren parallelen Plots – so sehr, dass fast nur noch die Pointe, die präzise Beobachtung, die sarkastische Bemerkung und die düstere, gegen alles und jeden austeilende Weltsicht übrigbleibt. Das verlangt einen aufmerksamen Leser, macht Spaß und steht in der Tradition von G. F. Newmans zwischen 1970 und 1974 im Original publizierter Bastard-Trilogie über den skrupellosen Scotland-Yard-Inspector Terry Sneed, der für seinen Aufstieg in einem korrupten System über Leichen geht und jede Dienstregel bricht. Diese umfassende Entmystifizierung des edlen britischen Polizisten erschienen erst in den Achtzigern auf Deusch bei Ullstein. James Ellroy ist ein aktuellerer und bekannterer Einfluss. Aber gegenüber Bruen erscheint Ellroy als verquast pompöser Erzähler. Während Ellroy hunderte Seiten braucht, um die Polizisten als Schweine zu zeigen, genügen Bruen – großzügig gelayoutet – knapp zweihundert Seiten um seine korrupten, rassistischen, homophoben und frauenfeindliche Beamte auf das Podest zu heben sie, die selbst all das sind, was sie ablehnen, herunterstoßen. Zum Vorbild taugt keiner und im wirklichen Leben möchte man ihnen auch nicht begegnen. Aber für einen Noir sind sie grandioser Stoff.
Uh, und noch eine erfreuliche Meldung: Max Fisher und Angela Petrakos erleben weitere Abenteuer. Ken Bruen und Jason Starr haben einen weiteren Noir mit ihnen geschrieben. „Pimp“ ist für März 2016 bei Hard Case Crime angekündigt. Wann und ob die deutsche Übersetzung erscheint ist unklar.
Ken Bruen: Kaliber (übersetzt von Karen Witthuhn) Polar, 2015 184 Seiten
12,90 Euro
– Originalausgabe
Calibre
St. Martin’s Minotaur, 2006
– Die Inspector-Brant-Ermittlungen
1. A White Arrest (1998)
2. Taming the Alien (1999)
3. The McDead (2000)
4. Blitz: or Brant Hits the Blues (2002)
5. Vixen (2003)
6. Calibre (2006)
7. Ammunition (2007)
–
Hinweise
Warren Schmidt ist ein verwitweter Pensionär, der sich jetzt in seinem Wohnmobil, quer durch die USA, auf den Weg zu seiner Tochter und ihrer Hochzeit macht. Denn ihm gefällt ihr Künftiger nicht.
Schönes, melancholisches Roadmovie, das natürlich ein Jack-Nicholson-Starvehikel ist, der hier einen absoluten Biedermann (Angestellter einer Versicherungsgesellschaft!) spielt.
mit Jack Nicholson, Kathy Bates, Hope Davis, Dermot Mulroney
Während in Frankreich demnächst die sechste Staffel von „Profiling Paris“ (Profilage) läuft, ist bei uns, nach der TV-Ausstrahlung, gerade die erste, aus sechs Episoden bestehende erste Staffel erschienen, in der sich das Team um Commandant Matthieu Pérac langsam an ihren Neuzugang, die Kriminalpsychologin Chloe´Saint-Laurent, gewöhnt. Denn sie hat einige Marotten, die ihre Mitmenschen irritieren und die immer wieder gegen jede Ermittlungsvorschrift und -routine verstoßen. So hat sie den absoluten Tunnelblick. Wenn sie etwas sieht oder bemerkt, vergisst sie alles andere, wozu auch der pflegliche Umgang mit Spuren am Tatort gehört. Und dann versetzt sie sich immer wieder bruchlos in die Psyche der Opfer oder des mutmaßlichen Täters und spricht dessen Gedanken in der Ich-Form aus. In der Serie wird ihr Ad-hoc-Profil auch sofort visualisiert. Sie ist fast die Psycho-Schwester von Adrian Monk (aus der Krimiserie „Monk“) und damit ein weiterer genialer, aber menschlich hoch problematischer und beziehungsgestörter Ermittler.
Ihre Kollegen sind ganz normale Polizisten, die zum normalen Personal einer Krimiserie gehören: eine taffe Polizistin, ein Computerexperte, ein Gerichtsmediziner und ein loyaler Vorgesetzter.
Die ersten sechs Fälle sind straff geplottete Rätselkrimis, in denen der Fall immer eindeutig im Vordergrund steht und jeder Fall hat, wie wir es aus US-Krimiserien gewohnt sind, mehrere überraschende Wendungen. Es geht um einen ermordeten Babysitter mit mehr falschen Identitäten als eine Katze Leben hat; um einen vergifteten Arzt und schäbige Geschäfte mit Krebspatienten; um einen ermordeten Anwalt und einen jungen Angeklagten, der sich unter falscher Identität in verschiedene Familien einschmeichelt; um die ermordete junge Frau eines Kunsthändlers und entsprechend verwickelte Familienbeziehungen; um einen bei einem Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft ermordeten altgedienten Aktivisten, der zuletzt einige seltsame Geschäfte tätigte; und um eine neue Spur zu einem vor sechs Monaten spurlos verschwundenem Teenager.
„Profiling Paris“ ist eine spannende, aber auch unauffällige Krimiserie, die sich gelungen an US-Vorbildern orientiert, diese mit einigen Paris-Bildern dekoriert und psychologisch interessante Täter und Opfer präsentiert.
Profiling Paris – Staffel 1(Profilage, Frankreich 2009)
Regie: Eric Summer
Drehbuch: Sophie Lebarbier (Episode 1, 3, 5), Fanny Robert (Episode 1, 3, 4, 5, 6),
Mathieu Missoffe (Episode 1, 2, 3, 4, 5, 6), Mathieu Granier (Episode 2), Robin Barataud (Episode 4), Jean Reynard (Episode 4)
Erfinder: Fanny Robert, Sophie Lebarbier
mit Guillaume Cramoisan (Matthieu Pérac), Odile Vuillemin (Chloé Saint-Laurent), Jean-Michel Martial (Grégoire Lamarck), Vanessa Valence (Frédérique ‚Fred‘ Kancel), Raphaël Ferret (Hippolyte de Courtène), Didier Ferrari (Der Doktor)
– DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 288 Minuten (6 x 48 Minuten) (2 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Französische Homepage zur Serie Fernsehserien über „Profiling Paris“
Wikipedia über „Profiling Paris“ (deutsch, französisch)
ZDF, 22.15 Good Kill – Tod aus der Luft(USA 2015, Regie: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
Ruhiges, äußerst intensives Drama über die Gewissenskonflikte von einem Ex-Kampfpiloten (Ethan Hawke), der jetzt Drohnenpilot ist und, wie viele Kollegen, seelische Probleme mit dem Töten per Drohne und seinem normalen Leben, nach Feierabend, in Las Vegas (das hätte Hollywood sich nicht besser ausdenken können: die echten Basen sind in der Nähe des Spielerparadieses) hat.
Das Drehbuch ist straff und facettenreich (auch wenn das Militär etwas nachdenklicher, selbtreflexiver und vernünftiger rüberkommt, als es wohl in der Realität der Fall ist), die Schauspieler überzeugend, und Andrew Niccol („Gattaca“, „Lord of War“, beide ebenfalls mit Hawke) zeigt nach dem Totalausfall „Seelen“, dass er nichts verlernt hat. Für einen Kinostart hat es trotzdem nicht gereicht und der Film (es ist der erste Spielfilm über den Drohnenkrieg) ist aufklärerisch im besten Sinne. Unbedingt sehenswert!
Anschließend, um 23.50 Uhr, läuft die okaye 45-minütige Doku „Drohnenkrieg – Tod aus der Luft“, die dem Film erstaunlich wenig hinzufügt.
Mit Ethan Hawke, Zoë Kravitz, January Jones, Bruce Greenwood, Jake Abel, Dylan Kenin Wiederholung: Mittwoch, 29. Juli, 01.50 Uhr (Taggenau!) Hinweise Moviepilot über „Good Kill“ Metacritic über „Good Kill“ Rotten Tomatoes über „Good Kill“ Wikipedia über „Good Kill“ Meine Besprechung von Andrew Niccols „Seelen“ (The Host, USA 2013) Andrew Niccol in der Kriminalakte
Arte, 20.15 Der scmale Grat(The Thin Red Line, USA 1998)
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
LV: James Jones: The Thin Red Line, 1962 (Insel der Verdammten)
Als der Film seine Premiere hatte, waren die Kritiker begeistert und er erhielt auf der Berlinale den Goldenen Bären. Nach zwanzig Jahren präsentierte Terrence Malick seinen dritten Spielfilm: ein meditatives Drama über den Kampf um die Pazifikinsel Guadalcanal, das souverän alle Erfordernisse des Kriegsfilms und Starkinos unterläuft und wahrscheinlich genau deswegen ein äußerst präzises Bild vom Krieg liefert.
Es war auch, obwohl ich verstehen kann, wenn Menschen „Der schmale Grat“ nicht mögen (nachdem wir den Film im Unikino gezeigt hatten, meinten einige, das sei der schlechteste Film, den sie jemals gesehen hatten), Malicks letzter wirklich guter Film.
Nachdem er in dreißig Jahren drei Klassiker drehte, gelang es ihm in fünfzehn Jahren mit drei Filmen seinen Ruf gründlich zu ruinieren. „The New World“ (USA 2005) hatte noch etwas, aber mit „The Tree of Life“ (USA 2011) und „To the Wonder“ (USA 2012) verabschiedete er sich endgültig von jeder erzählerischen Fessel zugunsten eines freien Assoziieren für eine überzeugte Gemeinschaft.
Sein nächster Film „Knight of Cups“ startet am 10. September und er hält die Qualität seiner vorherigen Filme. Aber er ist immerhin wenige religiös verbrämt und inzwischen wissen wir, was wir von einem Malick-Film erwarten können.
Laut IMDB hat Malick schon zwei weitere Filme in der Post-Produktion.
mit Sean Penn, Adrien Brody, Jim Caviezel, Ben Chaplin, George Clooney, John Cusack, Woody Harrelson, Elias Koteas, Jared Leto, Nick Nolte, John Savage, John Travolta, Nick Stahl, Miranda Otto
Hinweise Rotten Tomatoes über „Der schmale Grat“
Wikipedia über „Der schmale Grat“ (deutsch,englisch)
ZDFneo, 20.15 Der Dieb von Monte Carlo(Großbritannien/Kanada/Frankreich/Irland 2002, Regie: Neil Jordan)
Drehbuch: Neil Jordan (nach dem Film „Drei Uhr nachts“ von Jean-Pierre Melville)
Gentleman-Gauner, Spieler und Junkie Bob (Nick Nolte) lebt als Amerikaner in Nizza, versteht sich gut mit dem Polizeichef und er will das Casino ausrauben. Es soll sein letzter Coup werden.
Feines, sehr atmosphärisches Remake von Jean-Pierre Melvilles Gangsterfilmklassiker „Bob le Flambeur“ und einer der wenigen in jeder Beziehung großen Auftritte von Nick Nolte in diesem Jahrhundert.
Chris Menges war der Kameramann. Die Musik ist von Elliot Goldenthal. Die Kulisse ist Südfrankreich.
mit Nick Nolte, Tchéky Karyo, Nutsa Kukhianidze, Said Taghmaoui, Emir Kusturica, Ralph Fiennes
auch bekannt als „The good Thief“ (Kinotitel) Hinweise Rotten Tomatoes über „Der Dieb von Monte Carlo“
Wikipedia über „Der Dieb von Monte Carlo“ (deutsch, englisch) Meine Besprechung von Neil Jordans „Mona Lisa“ (Mona Lisa, Großbritannien 1986) Meine Besprechung von Neil Jordans „Die Fremde in dir“ (The Brave One, USA 2007)
Was hat sich der Autor bloß dabei gedacht? fragte ich mich während Anders Morgenthalers skandinavisch unterkühltem Krimidrama „Um jeden Preis“. Dabei störte mich nicht die in einige Bilder hineinkopierte Engelsgestalt mit ihren vulgärphilosophischen Gedanken. Das ist halt die innere Stimme der Protagonistin. Nein, es ist die zunehmend und in jeder Beziehung absurder werdende Handlung in der zweiten Filmhälfte, die nur noch von einem rudimentär skizziertem, an Zuschauerverachtung grenzendem Ende getoppt wird.
Dabei beginnt der Film gar nicht so schlecht. Kim Basinger, die sich in den vergangenen Jahren etwas vom Filmgeschäft zurückgezogen hat und nächstes Jahr in Shane Blacks Privatdetektivfilm „The Nice Guys“ (sehr hohe Erwartungen!) zu sehen sein wird, spielt in „Um jeden Preis“ die erfolgreiche Geschäftsfrau Maria, glücklich verheiratet mit Peter (Sebastian Schipper). Zu ihrem absoluten Glück fehlt ihr noch ein eigenes Kind. Dieser Kinderwunsch wurden in den vergangenen Jahren und nach mehreren Fehlgeburten zu einer Obsession. Als sie jetzt, nach einer weiteren Fehlgeburt bei der sie fast gestorben wäre, erfährt, dass die nächste Schwangerschaft für sie tödlich verfahren würde, erfährt sie von einem Verein, der Frauen in Not hilft, dass ihre LKWs durch Osteuropa eine Strecke fahren, an der viele Prostituierte am Straßenstrich stehen und dort sogar Babys verkauft würden.
Maria, die vernünftige Geschäftsfrau, beschließt ziemlich spät im Film (so ungefähr in der Mitte), ganz allein und ohne irgendjemand etwas davon zu sagen, dorthin zu fahren und sich von einer dieser Damen ein Kind zu besorgen. Wie ist ihr egal. Denn, so denkt sie sich, dem Baby wird es bei ihr besser gehen als bei der leiblichen Mutter.
Klingt idiotisch? Ist es auch und es wird noch idiotischer, wenn sie sich, begleitet von einem drogensüchtigem Zwerg, nach Babyhändlern und Prostituierten mit Kindern erkundigt und später ein Baby klaut – und annimmt, dass niemand nach dem Baby suchen wird und dass sie, nachdem sie wie ein Elefant im Porzellanladen nach einem Baby suchte, nicht die Hauptverdächtige sein wird.
Interessant ist, dass vor wenigen Wochen Susanne Bier in „Zweite Chance“ (DVD erscheint am 17. September) ein ähnlich absurdes Spiel mit vertauschten Babys veranstaltete, das aber immerhin erzählerisch überzeugen konnte. Auch weil sie sich mit der durch die Vertauschung der Babys entstehenden moralischen Fragen intensiv beschäftigte. Anders Morgenthaler belässt es, auch wenn man die erste Hälfte als Psychogramm einer Frau mit einem verzweifeltem Kinderwunsch deuten kann, letztendlich bei einer unglaubwürdigen, bestenfalls unfreiwillig komischen Kolportage.
Robert Beck (Christian Ulmen) ist Musiklehrer an einem Gymnasium und er ist schon seit Langem ziemlich frustiert von seiner Arbeit. Da bemerkt er das musikalische Talent des aus Litauen kommenden Rauli (gespielt von dem Argentinier Nahuel Pérez Biscayart, der wie ein französischer Chansonier aussieht). Beck erinnert sich an seine Jugend als Frontman der Rockband „Cash Punk“ und er beschließt, Rauli als Musiker aufzubauen. Er will ihm einen Plattenvertrag vermitteln. Bei einem so oft erwähnten Majorlabel, dass man schon nicht mehr von Schleichwerbung sprechen kann und sich spätestens nach der dritten Nennung des Labels fragt, warum Beck seinen begnadeten Schützling nur einem einzigen Label anbieten kann. Sowieso erfährt man in „Becks letzter Sommer“ nichts über das Musikgeschäft. Das wäre, wie man so schön sagt, ein anderer Film.
Außerdem verliebt Beck sich in die Kellnerin Lara (Friederike Becht), die in Italien eine Lehre als Schneiderin (ihr Zweitstudium!) beginnen möchte. Und sein seelisch labiler Nachbar Charlie (Eugene Boateng), den er noch aus „Cash Punk“-Tagen kennt, ist ein ständiger Gast in seiner lauschigen Studenbude.
Das plätschert, ziemlich konzentriert auf die Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen Beck und Rauli, so vor sich hin, bis in der Filmmitte Charlie behauptet, seine Mutter läge in Istanbul im Sterben. Beck, Rauli und Charlie machen sich im Auto auf den Weg von Berlin nach Istanbul und geraten dabei in eine blutige Drogenschmuggelgeschichte. Diese Hälfte zitiert dann die bekannten Gangsterfilmklischees, während die Geschichte zunehmend unplausibel wird. Zum Beispiel bringen sie den schwer verletzten Charlie nicht zu einem Arzt, sondern fahren fröhlich pfeifend weiter zu ihrem Reiseziel.
Um zu betonen, dass beide Filmhälften nichts miteinander zu tun haben, wird als Insert A- und B-Seite eingeblendet. So als sei ein Spielfilm eine LP, die man umdrehen muss. Ein Spielfilm ist aber, um im Bild zu bleiben, eine A- oder eine B-Seite, ein Song, ein Thema. Auch „Becks letzter Sommer“ hat ein Thema. Selbstfindung sagen die Macher und das stimmt schon. Aber es ist für Beck eine Selbstfindung in sicheren Gewässern. Immerhin hat er als Lehrer (sogar mit dem Posten als Korektor in Aussicht) eine gesicherte Existenz und als Single keine Verantwortung für einen anderen Menschen. Er könnte jederzeit die Koffer packen. Er könnte jederzeit neben seinem Brotjob jeden Abend als Musiker auftreten. Er hat höchstens einen liebevoll Scheinkonflikt zwischen seinen Träumen und der Wirklichkeit.
Auch die anderen Charaktere haben nur Scheinkonflikte, die ihre dramaturgische Funktion – nämlich die Probleme von Beck aus anderen Perspektiven zu beleuchten – nie ausfüllen.
Deshalb plätschert Frieder Wittichs Film, in der zweiten Hälfte zunehmend unplausibel, einfach so vor sich hin. Immer vermeidet er die nötigen Zuspitzungen, weil er sich nie für eine Geschichte und einen zentralen Konflikt entscheidet.
Und der Titel „Becks letzter Sommer“ täuscht eine Finalität vor, die der Film nicht einlöst. Auch niemals einlösen möchte. Denn, auch wenn ich ein anderes Ende bevorzugt und glaubwürdiger gefunden hätte, ist „Becks letzter Sommer“ ist sein letzter Sommer als Lehrer (mit Rückkehrgarantie?).
Dass der Film auf einem Roman basiert, in dem das scheinbar so alles steht (ich habe ihn nicht gelesen), ist egal. Denn bei einer Verfilmung muss die Romangeschichte dem anderen Medium angepasst und auch, wenn nötig, verändert werden. Dazu kann dann schon einmal ein großer Teil des Romans, wie bei der John-Irving-Verfilmung „The Door in the Floor – Die Tür der Versuchung“ (die nur das erste Drittel des Romans zeigt), wegfallen. Dem Film hat es nicht geschadet.