Ein Gespräch mit und über die Polizeibeauftragten von Berlin und Brandenburg

Oktober 14, 2024

In meinem anderen Leben führte ich vor einigen Tagen ein ausführliches Gespräch mit den Polizeibeauftragten von Brandenburg (Inka Gossmann-Reetz) und Berlin (Dr. Alexander Oerke) und Prof. Dr. Hartmut Aden (Professor für Öffentliches Recht, Europarecht, Politik- und Verwaltungswissenschaft an der HWR Berlin) über die Institution der Polizeibeauftragten, ihre Umsetzung in Berlin und Brandenburg und ihre Möglichkeiten und Grenzen:

Polizeibeauftragte in Berlin und Brandenburg: Ein Erfolgsmodell? – HU-BB-Gespräch mit Hartmut Aden, Inka Gossmann-Reetz und Alexander Oerke

Seit 2022 gibt es in Berlin einen Bürger- und Polizeibeauftragte. In Brandenburg gibt es seit 2023 eine Beauftragte für Polizeiangelegenheiten. Damit setzten die benachbarten Bundesländer, unabhängig voneinander und gegen den Widerstand der Polizeigewerkschaften, eine seit Jahrzehnten von Bürgerrechtlern und zivilgesellschaftlichen Gruppen erhobene Forderung um. Seitdem legten sie ihre ersten Jahresberichte vor und es kann gefragt werden, wie sehr sich die damaligen Hoffnungen und Befürchtungen an die Stelle erfüllten.

In diesem HU-BB-Gespräch sprechen wir über die unterschiedlichen Anforderungen, die an unabhängige Polizeibeauftragte gestellt werden, über die bisheriger Arbeit der Polizeibeauftragten in Berlin und Brandenburg, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in ihrer Arbeit und wie sie die Arbeit der Polizei verbessern wollen. Es geht um die Fehlerkultur innerhalb der Polizei, Konflikte bei Versammlungen, wer sich bei ihnen meldet, wie die Polizeibeauftragten versuchen Konflikte zu lösen, wie sie strukturelle Veränderungen in der Polizei verschen anzustoßen und wie sie mit Widerständen innerhalb der Polizei umgehen.

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Darüber sprechen wir mit

Prof. Dr. Harmut Aden

Professor für Öffentliches Recht, Europarecht, Politik- und Verwaltungswissenschaft an der HWR Berlin (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin), Gründungsmitglied des Forschungsinstituts für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS) der HWR Berlin

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Inka Gossmann-Reetz

Die Beauftragte für Polizeiangelegenheiten des Landes Brandenburg (seit 22. März 2023)

Davor war sie für die SPD Abgeordnete im Landtag von Brandenburg. 2014 und 2019 erlangte sie das Direktmandat im Landtagswahlkreis Oberhavel II.

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Dr. Alexander Oerke

Der Bürger- und Polizeibeauftragte des Landes Berlin (seit 1. August 2022) (Landesbehörde seit 23. Februar 2023)

Davor war er Verwaltungsrichter und stellvertretender Vorsitzender des 1. Senats des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg (OVG).

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Moderation: Axel Bussmer, Landesgeschäftsführung Humanistische Union – Landesverband Berlin-Brandenburg

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Das Gespräch fand am 10. Oktober 2024 statt.

Im Bild Alexander Oerke (oben links), Axel Bussmer (oben rechts), Hartmut Aden (unten links), Inka Gossmann-Reetz (unten rechts)

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Ausgewählte weiterführende Informationen

Hartmut Aden/Alexander Bosch: Unabhängige Polizeibeauftragte in Deutschland – auf dem Weg zum Standard? (in vorgänge237/238, April 2023)

Die Beauftragte für Polizeiangelegenheiten des Landes Brandenburg: Tätigkeitsbericht 2023

Der Bürger- und Polizeibeauftragte des Landes Berlin: Tätigkeitsbericht 2023

Im August 2020 sprachen wir im Rahmen eines HU-BB-Gesprächs mit Benedikt Lux (Sprecher für Inneres der Abgeordnetenhausfraktion von Bündnis 90/Die Grünen), Norbert Cioma (Landesvorsitzender Gewerkschaft der Polizei – Landesverband Berlin) und Lukas Theune (Rechtsanwalt, Geschäftsführer RAV) über den Gesetzesentwurf für eine unabhängige Polizei- und Bürgerbeauftragte in Berlin


TV-Tipp für den 14. Oktober: François-Truffaut-Abend: Das Geheimnis der falschen Braut/Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent

Oktober 13, 2024

François Truffaut (6. Februar 1932 in Paris -21. Oktober 1984 in Neuilly-sur-Seine)

Arte, 20.15

Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississipi, Frankreich/Italien 1969)

Regie: François Truffaut

Drehbuch: François Truffaut

LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)

Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.

Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet, Nelly Borgeaud, Marcel Berbert

Wiederholung: Mittwoch, 16. Oktober, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Geheimnis der falschen Braut“

Wikipedia über „Das Geheimnis der falschen Braut“ (deutsch, englisch, französisch) und Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Arte, 22.15

Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent (Les deux Anglaises et le Continent, Frankreich 1971)

Regie: François Truffaut

Drehbuch: François Truffaut, Jean Gruault

LV: Henri-Pierre Roché: Les Deux Anglaises et le Continent, 1956 (Die beiden Engländerinnnen und der Kontinent)

Um die Jahrhundertwende: der Franzose Claude Rox (Jean-Pierre Léaud) verliebt sich in die Engländerin Anne Brown (Kika Markham). Die hält Claude für den idealen Mann für ihre Schwester Muriel (Stacey Tendeter). Das ist der Beginn einer sich über Jahre erstreckenden (Liebes)beziehung.

Von Henri-Pierre Roché verfilmte François Truffaut bereits sehr erfolgreich „Jules und Jim“. Während in dem Film eine Frau zwischen zwei Männern stand, steht dieses Mal ein Mann zwischen zwei Frauen.

Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Ästhetisch sorgfältig komponierter und psychologisch vielschichtiger Film, der die Vielfalt der Gefühle schildert und Ursachen spürbar werden lässt, die diese Menschen zu einer dauerhafen Beziehung unfähig macht. Ein Diskurs über die Unmöglichkeit absoluter Liebe, die eine ebenso verlockende und zerstörerische Utopie darstellt.“

Arte zeigt die von Truffaut kurz vor seinem Tod am 21. Oktober 1984 erstellte Langfassung des Films, die gut zwanzig Minuten rekonstruiertes Material enthält und nach Meinung der Kritiker besser als die ursprüngliche Kinofassung ist.

Mit Jean-Pierre Léaud, Kika Markham, Stacey Tendeter, Sylvia Marriott, Marie Mansart, Philippe Léotard, Mark Peterson, Irène Tunc (ihre letzte Filmrolle), Georges Delerue

Hinweise

AlloCiné über „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“

Rotten Tomatoes über „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“

Wikipedia über „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“ (deutsch, englisch, französisch)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


TV-Tipp für den 13. Oktober: K-19: Showdown in der Tiefe

Oktober 12, 2024

Arte, 20.15

K-19: Showdown in der Tiefe (K-19: The Widowmaker, USA/Großbritannien/Deutschland 2002)

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Christopher Kyle (nach einer Geschichte von Louis Nowra)

1961, während des Kalten Kriegs schlägt der Atomreaktor des sowjetischen Atom-U-Boots K-19 vor der US-Ostküste leck. Können die Soldaten ohne die Hilfe der US-Amerikaner das Leck reparieren, überleben und einen Dritten Weltkrieg verhindern?

Heldentum unter Wasser gibt es in Kathryn Bigelows von wahren Ereignissen inspiriertem U-Boot-Thriller reichlich. Action auch. Trotzdem gehört „K-19“ nicht zu ihren besten Filmen. Sie fügt dem Genre nicht Neues bei, sondern füllt einfach nur die Konventionen des U-Boot-Thrillers aus. Kompetent, aber auch vorhersehbar bis zum letzten Atemzug.

Im Anschluss, um 22.25 Uhr, zeigt Arte die brandneue fünfzigminütige Doku „Kathryn Bigelow – Hollywood unter Adrenalin“.

Mit Harrison Ford, Liam Neeson, Peter Sarsgaard, Joss Ackland, John Shrapnel, Donald Sumpter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „K-19“

Wikipedia über „K-19“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Detroit“ (Detroit, USA 2017) und der DVD


TV-Tipp für den 12. Oktober: Gänsehaut

Oktober 11, 2024

Super RTL, 20.15

Gänsehaut (Goosebumps, USA 2015)

Regie: Rob Letterman

Drehbuch: Darren Lemke (nach einer Geschichte von Scott Alexander und Larry Karaszewski)

LV: Charaktere von R. L. Stine

Buch zum Film: R. L. Stine: Goosebumps The Movie: The Movie Novel, 2015 (Gänsehaut – Das Buch zum Film)

Zach, der gerade mit seiner Mutter von der Großstadt in die Kleinstadt gezogen ist, verguckt sich sofort in das Nachbarmädchen Hannah. Aber ihr unhöflicher Vater verbietet ihr den Umgang mit Zach. Als Zach und sein Schulfreund Champ kurz darauf, aufgeschreckt durch seltsame Ereignisse, in das Nachbarhaus einbrechen, entdecken sie einen Schrank voller Bücher von R. L. Stine. Sie öffnen eines der Bücher und all die Monster, die R. L. Stine in seine Bücher verbannte, brechen aus. Zach, Champ, Hannah und ihr Vater, R. L. Stine höchstpersönlich, versuchen, das Schlimmste zu verhindern.

„Gänsehaut“ ist eine sehr unterhaltsame Gruselkomödie für ein jüngeres Publikum, eine Liebeserklärung an die klassischen Horror- und Monsterfilme und auch eine kleine Meditation über die Arbeit eines Horrorschriftstellers, garniert mit einigen gut platzierten Witzen, die vor allem Erwachsene verstehen.

Mehr in meiner ausführlichen Filmbesprechung.

mit Jack Black, Dylan Minnette, Odeya Rush, Amy Ryan, Ryan Lee, Jillian Bell, R. L. Stine (Cameo)

Hinweise

Moviepilot über “Gänsehaut”

Metacritic über „Gänsehaut“

Rotten Tomatoes über „Gänsehaut“

Wikipedia über „Gänsehaut“ (deutsch, englisch) und R. L. Stine (deutsch, englisch)

Homepage von R. L. Stine

Meine Besprechung von Rob Lettermans „Gänsehaut“ (Goosebumps, USA 2015)

Meine Besprechung von R. L. Stines Filmroman „Gänsehaut“ (Goosebumps, 2015)

Meine Besprechung von Ari Sandels „Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween“ (Goosebumps 2: Haunted Halloween, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Bertrand Bonellos verrätselten Science-Fiction-Film „The Beast“

Oktober 11, 2024

The Beast“, der neue Film von Bertrand Bonello (Nocturna) ist kein leichter Film, aber ein faszinierender und auch zäher Film, in dem sich erst gegen Ende alles so halbwegs zusammenfügt. Es ist eine sich Zeit nehmende Arthaus-Literaturverfilmung, die ihre besten Momente hat, wenn sie zu einem Slow-Mo-Arthaus-David-Lynch-Film mit etwas David-Cronenberg-Body-Horror wird.

Wobei Bonello von Henry James‘ Kurzgeschichte „Das Tier im Dschungel“ nur einen Teil der Idee übernimmt und dann diese und das Ende bis zur Unkenntlichkeit verändert. Bonello sagt, sein Film sei „frei nach“. Aber eigentlich führt der Hinweis auf die Literaturvorlage mehr in die Irre als dass er hilft.

Das war vor einem Jahr bei Patric Chihas überzeugender Interpretation der Geschichte anders. In „Das Tier im Dschungel“ (La bête dans la jungle, Frankreich/Belgien/Österreich 2023) verlegte er die sich über Jahrzehnte erstreckende Geschichte in die jüngere Vergangenheit nach Paris in eine Discothek. Am Ende konnte man darüber nachdenken, ob man jetzt leben oder auf ein irgendwann in der Zukunft liegendes großes, das eigene Leben veränderndes Ereignis warten möchte.

In Bonellos Film geht es um Gabrielle (Léa Seydoux). 2044 begibt sie sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit. Dabei soll eine die Gesellschaft kontrollierende Künstliche Intelligenz ihre DNA von überflüssigen Gefühlen und Ängsten reinigen. Auf ihrer Reise, die sie vor allem in die Jahre 1910 und 2014 führt, trifft sie immer wieder Louis (George MacKay). Zu ihm hat sie eine besondere Verbindung irgendwo zwischen Liebe und absoluter Geistesverwandschaft.

1910 ist sie in Paris eine Konzertpianistin, die auf den geheimnisvollen Louis trifft. Sie scheint den charmanten Mann von früher zu kennen. Auch wenn sie sich gut verstehen, sind sie unsicher darüber, woher sie sich kennen.

Während diese ‚Vergangenheit‘ ein typisches Kostümdrama ist, ist die 2014 in Los Angeles spielende, deutlich von David Lynch inspirierte ‚Vergangenheit‘ wesentlich interessanter. Gabrielle ist ein Fotomodel, das in Hollywood Karriere machen will. Sie hütet das Haus eines vermögenden Mannes, der sie immer wieder anruft, wenn in seinem Haus ein Alarm ausgelöst wird oder etwas Ungewöhnliches passierte. Louis ist ein prototypischer Incel. Der junge Mann postet Online-Videos über sein Leben. Der Endzwanziger ist noch Jungfrau und hasst alle Frauen, weil sie keinen Sex mit ihm haben wollen. Deshalb will er Gabrielle, mit der er sich noch nicht einmal unterhalten hat, umbringen.

Eingebettet sind diese Erinnerungen an frühere Leben, die auch falsche Erinnerungen oder pure Fantasiegebilde sein können, in eine in der Filmgegenwart (2044) spielenden Rahmengeschichte, die einen ordentlichen David-Cronenberg-Body-Horror-Touch hat.

Auf jeder Zeitebene, am wenigsten in der 1910 spielenden Erinnerung, gelingen Bonello mit minimalen Mitteln beeindruckend beunruhigende Bilder. Manchmal genügt eben ein Hollywood-Anwesen mit riesigen Fenstern und einer einsamen Frau oder ein leeres Tanzlokal mit einem höflichem Barkeeper. Manchmal sind es Bildaussetzer und ruckelige Wiederholungen, manchmal Greenscreen-Aufnahmen, in die irgendwann verschiedene Monster hineinkopiert werden.

Wie das alles miteinander zusammen hängt, bleibt sehr lange absolut rätselhaft. Entsprechend zäh wirkt „The Beast“ über weite Strecken. Über epische 146 Minuten mäandert der sich im Kopf der Protagonistin abspielende Film mit durchaus starken Bildern, Szenen und Subplots, aber auch viel Leerlauf vor sich hin.

Als Cyberspace-Science-Fiction-Film, sozusagen als „Matrix“ ohne Action, hat er beim Entwerfen seiner zukünftigen Welt, bei der unklar ist, ob es eine Dystopie, eine Utopie oder nur ein Blick in Gabrielles Kopf ist, seine Momente und eine interessante, wenn auch rätselhafte Auflösung.

Wenn nur der Weg zum Ende nicht so lang wäre.

The Beast (La bête, Frankreich 2023)

Regie: Bertrand Bonello

Drehbuch: Bertrand Bonello (basierend auf einem Treatment von Bertrand Bonello, Benjamin Charbit und Guillaume Bréaud)

LV: Henry James: The Beast in the Jungle, 1903 (Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in dem Sammelband „The Better Sort“)

mit Léa Seydoux, George MacKay, Guslagie Malanda, Dasha Nekrasova, Martin Scali, Elina Löwensohn, Marta Hoskins, Julia Faure, Kester Lovelace, Félicien Pinot, Laurent Lacotte

Länge: 146 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Beast“

AlloCiné über „The Beast“

Metacritic über „The Beast“

Rotten Tomatoes über „The Beast“

Wikipedia über „The Beast“ (deutsch, englisch, französisch)

und dann muss Herr Bonello noch über andere Filme sprechen


TV-Tipp für den 11. Oktober: Töte Amigo

Oktober 10, 2024

BR, 00.40

Töte Amigo (Quien Sabe?, Italien 1966)

Regie: Damiano Damiani

Drehbuch: Salvatore Laurani, Franco Solinas

Während der Revolution in Mexiko kämpfen ein Gringo, ein Banditenanführer und ein General mit- und gegeneinander um, nun, verschiedene Dinge.

Der Italowestern (und Politthriller) „Töte Amigo“ ist kraftvoll, kurzweilig, mit burlesken Übertreibungen, sehr unterhaltsam und brutal. Dass die Geschichte eher grob gestrickt ist, stört dabei kaum.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Gian Maria Volonté, Lou Castel, Klaus Kinski, Martine Beswick, Jaime Fernadez, Andrea Checchi

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Töte Amigo“

Wikipedia über „Töte Amigo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Damiano Damianis „Töte Amigo“ (Quien Sabe?, Italien 1966)

Mein Nachruf auf Damiano Damiani (23. Juli 1922 – 7. März 2013)

Damiano Damiani in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Luis „Buñuel – Filmemacher des Surrealismus“

Oktober 10, 2024

Ein verzichtbarer Film. Jedenfalls wenn man erwartet, viel über Luis Buñuel, sein Leben, sein Denken, sein Werk und den Surrealismus zu erfahren. Sicher, das alles spricht Buñuel-Experte Javier Espada in seinem Dokumentarfilm „Buñuel – Filmemacher des Surrealismus“ an. Er leitete von seiner Gründung im Jahr 2000 bis 2016 das Centro Buñuel de Calanda (CBC). Er gestaltete den Inhalt der Dauerausstellung des Museums, kuratierte weitere Buñuel-Ausstellungen, mitverantwortete als Co-Regisseur mehrere Dokumentarfilme über Buñuel und schrieb Texte und Bücher über ihn. Auf den ersten Blick könnte es also keinen besseren Regisseur für diesen Film geben.

Das ist leider ein Irrtum.

Chronologisch geht es in „Buñuel – Filmemacher des Surrealismus“ einmal durch Buñuels Leben. Dazwischen streut Espada beliebig, vollkommen willkürlich und ohne Erklärung kurze Auschnitte aus Buñuels Filmen ein. Über die Filme erfahren wir nichts. Über Buñuels Denken und den Surrealismus eigentlich auch nichts. Und warum Alfred Hitchcock Buñuel den besten Regisseur der Welt nannte, können wir nach diesem Film noch nicht einmal erahnen.

Entsprechend ratlos dürften Menschen, die nichts über Buñuel wissen, beim Ansehen des Dokumentarfilms sein.

Die anderen – wozu ich gehöre – können die Bilder aus Buñuels Filmen zum Anlass nehmen, sich mal wieder seine Filme anzusehen. Aber dafür brauchen sie diesen Film nicht. Da genügt die Frage: Sollen wir uns wieder sein Debüt „Ein andalusischer Hund“ oder seinen letzten Film „ Dieses obskure Objekt der Begierde“ oder einen Film dazwischen ansehen?

Buñuel – Filmemacher des Surrealismus (Buñuel, un cineasta surrealista, Spanien 2021)

Regie: Javier Espada

Drehbuch: Javier Espada

Länge: 83 Minuten

FSK: –

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Buñuel – Filmemacher des Surrealismus“

Rotten Tomatoes über „Buñuel – Filmemacher des Surrealismus“

Wikipedia über Luis Buñuel (deutsch, englisch)

Es begann mit einem Kurzfilm (den es auf YouTube mit anderen Tonspuren und möglicherweise auch in besserer Bildqualität gibt):


Neu im Kino/Filmkritik: Über die Doku „Super/Man: The Christopher Reeve Story“

Oktober 10, 2024

1978 wurde Christopher Reeve mit seinem zweiten Spielfilm zum Superstar. Danach war er Superman. In dem Moment war seine Karriere als Schauspieler vorbei. Mit keinem seiner anderen Filme konnte er an den Erfolg von „Superman“ anknüpfen. Das Publikum wollte ihn nur als Clark Kent sehen.

1995 brach er sich bei einem Cross-Country-Reitturnier, als er von seinem Pferd stürzte, zwei Halswirbel. Der passionierte Sportler war vom Hals abwärts querschnittgelähmt. Seitdem war sein Leben, abgesehen von wenigen Filmauftritten, wie der Hauptrolle in dem Alfred-Hitchcock-Remake „Das Fenster zum Hof“ (Rear Window), geprägt von seiner Rehabilitation und der Arbeit in der von ihm und seiner Frau gegründeten Christopher and Dana Reeve Foundation.

Am 10. Oktober 2004 starb der am 25. September 1952 geborene Schauspieler mit 52 Jahren.

In ihrem Dokumentarfilm „Super/Man: The Christopher Reeve Story“ schildern Ian Bonhôte und Peter Ettedgui Reeves Leben auf zwei Zeitebenen. Einmal geht es um Reeves Karriere als Schauspieler und, vor allem, als Superman. In vier Spielfilmen spielte er den Comic-Superhelden. In dem zweiten Erzählstrang geht es um seinen Kampf gegen seine Lähmung, den damit verbundenen Einschränkungen und seiner Lobbyarbeit für Behinderte und die Forschung, um sein und ihr Leben zu verbessern.

Dafür konnte das Regieduo auch auf von Reeve und seiner Familie aufgenommene Heimvideos zurückgreifen.

Das alles montierten sie, mit Statements von Reeves Familie und Schauspielkollegen und historischen Aufnahmen, zu einem süffigen Dokumentarfilm, der gut gemacht und informativ ist. Jedenfalls wenn man wenig über Reeve weiß.

Ihr von der Machart her konventioneller Film ist eine etwas oberflächliche Doku, die bei ihrem Überblick über Reeves Leben vieles anspricht, dann aber nicht weiter vertieft. Das gilt für seine lebenslange Freundschaft zu Robin Williams. Sie lernten sich in den frühen siebziger Jahren während ihres Schauspielstudiums an der Juilliard School kennen. In „Super/Man“ irrlichtert Williams wie ein sich wichtig machender Clown durch den Film. Das gilt für Reeves Stiftung und ihre Arbeit. Im Film wirkt sie wie herkömmliche Lobby-Organisation für die Belange von Querschnittgelähmten. Dabei ist sie durch ihren Einsatz für die Forschung viel mehr.

Dafür geben Bonhôte und Ettedgui neben Christopher Reeves öffentlichem Leben als Hollywood-Star auch einen Einblick in sein Privatleben und den Zusammenhalt der Familie Reeve. Dieser Teil dürfte auch für die Fans von Superman Reeve neu sein; – neben den bislang unveröffentlichten Privataufnahmen.

Super/Man: The Christopher Reeve Story (Super/Man: The Christopher Reeve Story, USA 2024)

Regie: Ian Bonhôte, Peter Ettedgui

Drehbuch: Peter Ettedgui, Ian Bonhôte (Co-Autor), Otto Burnham (Co-Autor)

mit (teils nur Archivaufnahmen) Christopher Reeve, Dana Reeve, Matthew Reeve, Will Reeve, Alexandra Reeve Givens, Robin Williams, Susan Sarandon, Glenn Close, Richard Donner

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Super/Man: The Christopher Reeve Story“

Metacritic über „Super/Man: The Christopher Reeve Story“

Rotten Tomatoes über „Super/Man: The Christopher Reeve Story“

Wikipedia über „Super/Man: The Christopher Reeve Story“


Neu im Kino/Filmkritik: Über „Thelma – Rache war nie süßer“

Oktober 10, 2024

Thelma Potts (June Squibb) ist 93 Jahre alt und noch sehr fit für ihr Alter. Trotzdem fällt sie auf einen Betrüger herein. Er behauptet am Telefon, ihr über alles geliebter Enkel Daniel zu sein und dass er dringend Geld braucht. Panisch schickt Thelma ihm das Geld per Post zu. Nur um kurz darauf festzustellen, dass sie betrogen wurde. Die Polizei ist keine große Hilfe. Solche Betrüger gäbe es, so erklärt der hilfsbereite Beamte Thelma und ihrer Familie, öfter und normalerweise würden sie nicht bestraft werden.

Stinksauer beginnt Thelma in ihrer Heimatstadt in Los Angeles auf eigene Faust den Verbrecher zu suchen. Dabei hilft ihr ihr alter Freund Ben (Richard Roundtree). Verfolgt werden sie von Thelmas TochterGail (Parker Posey) und ihrem Schwiegersohn Alan (Clark Gregg). Zwischen ihnen steht Daniel (Fred Hechinger).

Thelma – Rache war nie süßer“ ist eine ihrer Heldin angemessen langsam erzählte harmlos-nette Krimikomödie. Der Humor entsteht aus der sorgfältig konstruierten Geschichte und der Diskrepanz zwischen dem, was Thelma und Ben in ihrem Alter noch tun können, und was wir aus Actionfilmen kennen. Die Schauspieler sind erwartbar gut. Störend und unpassend zur vorherigen Geschichte ist das Ende, in dem Thelma die Bösewichter für ihre Taten bestraft.

Josh Margolin wählte für sein Spielfilmdebüt das 2.39:1-Bildformat, das nur auf einer großen Kinoleinwand seine volle Pracht entfalten kann.

Sein Spielfilmdebüt ist der vorletzte Film von „Shaft“ Richard Roundtree. Er starb am 24. Oktober 2023 in Los Angeles. Sein letzter Film wird Greg Pritikins noch nicht veröffentlichter Kurzfilm „Swedish Erotica (a comedy)“ sein.

Thelma – Rache war nie süßer (Thelma, USA 2024)

Regie: Josh Margolin

Drehbuch: Josh Margolin

mit June Squibb, Fred Hechinger, Parker Posey, Clark Gregg, Richard Roundtree, Malcolm McDowell, Chase Kim, Aidan Fiske

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Thelma“

Metacritic über „Thelma“

Rotten Tomatoes über „Thelma“

Wikipedia über „Thelma“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 10. Oktober: Public Enemies

Oktober 9, 2024

RBB, 20.15

Public Enemies (Public Enemies, USA 2009)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Ronan Bennett, Ann Biderman, Michael Mann

LV: Bryan Burrough: Public Enemies, 2004

Melvin Purvis (Christian Bale) jagt John Dillinger (Johnny Depp).

Die Version von Michael Mann.

Da waren meine Erwartungen entsprechend hoch – und sie wurden enttäuscht. Denn im Vergleich zu „Dillinger“ von John Milius mit Warren Oates als John Dillinger und Ben Johnson als Melvin Purvis ist Manns Version doch ein eher laues Lüftchen mit Starpower und einer die Atmosphäre zerstörenden Digitalkamera (wobei das allerdings auch am Kino gelegen haben kann. Denn ein Kumpel meinte, er hätte eine Vorführung gesehen, bei der Mann die Technik überwachte und die Bilder seien grandios gewesen).

„spannende Genre-Bricolage“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy Crudup, Stephen Dorff, James Russo, Rory Cochrane, Channing Tatum, Diana Krall

Wiederholung: Freitag, 11. Oktober, 23.30 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Public Enemies“

Wikipedia über „Public Enemies“ (deutsch, englisch)

Vanity Fair: Bryan Burrough beim Dreh von „Public Enemies“ (9. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough sieht Johnny Depp sterben (4. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über die geplante Verfilmung von „Public Enemies“ (7. März 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über den Drehstart von „Public Enemies“ (6. März 2008)

„Public Enemies“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Oktober: Es war einmal in Amerika

Oktober 8, 2024

Heute gibt es den 215-minütigen Film ohne Werbepausen

ZDFneo, 23.15

Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America, USA/Italien 1984)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini, Sergio Leone, Stuart Kaminsky (zusätzliche Dialoge), Ernesto Gastaldi (ungenannt)

LV: Harry Grey: The Hoods, 1952

Buch zum Film: Lee Hays: Once Upon a Time in America, 1984 (Es war einmal in Amerika)

Kamera: Tonino Delli Colli

Musik: Ennio Morricone

Ein grandioses Gangsterdrama: die Geschichte von Freundschaft und Verrat – erzählt in wunderschönen Bildern und in einer komplexen Struktur, die lose auf dem autobiographischen Buch von Harry Grey basiert. Leone meinte, im Drehbuch seien nur zehn bis zwanzig Prozent des Buches enthalten.

Mit Robert de Niro, James Woods, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Elizabeth McGovern

Antiquarischer Buchtipp: Zum Filmstart erschien im Bastei-Lübbe-Verlag das Buch zum Film mit Hays’ Roman, vielen Filmbildern (SW und Farbe), einem Sergio-Leone-Porträt von Andreas Kern und einem Text von Leone über den Film. So machen „Bücher zum Film“ Spaß.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Es war einmal in Amerika“

Wikipedia über “Es war einmal in Amerika” (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Oktober 8, 2024

Viele Jahre standen seine Schmöker in jedem Bücherschrank.

 


TV-Tipp für den 8. Oktober: Source Code

Oktober 7, 2024

Tele 5, 20.15

Source Code (Source Code, USA 2011)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Ben Ripley

Colter Stevens versucht einen Anschlag auf einen fahrenden Zug zu verhindern. Nach acht Minuten ist er tot. Danach wird er wieder wach im Zug und er hat wieder acht Minuten Zeit, den Attentäter zu finden.

Die Prämisse ist eine äußerst fiese Abwandlung des Murmeltier-Tags. Das Ergebnis ist ein äußerst spannender, um nicht zu sagen bombiger Thriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Danach: DRANBLEIBEN für den „Nightcrawler“, ein weiterer ausgezeichneter Film mit Jake Gyllenhaal.

mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright, Michael Arden, Cas Anvar

Wiederholung: Mittwoch, 9. Oktober, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Source Code“

Wikipedia über „Source Code“ (deutsch, englisch)

Script Shadow redet mit Drehbuchautor Ben Ripley über „Source Code“ (9. Februar 2010)

We got this covered redet mit Ben Ripley über „Source Code“ (20. März 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Warcraft: The Beginning“ (Warcraft: The Beginning, USA 2016)


TV-Tipp für den 7. Oktober: Winterschläfer

Oktober 6, 2024

Arte, 20.15

Winterschläfer (Deutschland 1997)

Regie: Tom Tykwer

Drehbuch: Tom Tykwer, Anne-Françoise Pyszora

Kurz nach Weihnachten sind vier aus der Stadt kommende Mittdreißiger und ein älterer Bergbauer in einer Hütte in Berchtesgadener Land eingeschneit (jaaa, damals gab es noch Schnee im Winter). Das komplizierte Beziehungs- und Liebesgeflecht läuft nach einem tödlichen Autounfall endgültig aus dem Ruder.

Selten gezeigter zweiter Spielfilm von Tom Tykwer. Der große Durchbruch kam mit „Lola rennt“, seinem dritten Spielfilm.

eine faszinierende Winterreise…Auch formal eine sehenswerte Ballade der einsamen Eingeschneiten“ (Fischer Film Almanach 1998)

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die brandneue, gut einstündige Doku „Ulrich Matthes – Leidenschaft und Haltung“.

Mit Ulrich Matthes, Heino Ferch, Floriane Daniel, Marie-Lou Sellem, Josef Bierbichler, Sebastian Schipper, Saskia Vester, Laura Tonke

Hinweise

Filmportal über „Winterschläfer“

Rotten Tomatoes über „Winterschläfer“

Wikipedia über „Winterschläfer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Tykwer/Lana & Andy Wachowski „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Tom Tykwers Dave-Eggers-Verfilmung „Ein Hologramm für den König“ (Deutschland/Großbritannien 2016)


TV-Tipp für den 6. Oktober: Deepwater Horizon

Oktober 5, 2024

Sat.1, 22.10

Deepwater Horizon (Deepwater Horizon, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand

LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)

Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die darauf folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Stella Allen, Chris Ashworth

Wiederholung: Montag, 7. Oktober, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Deepwater Horizon“

Metacritic über „Deepwater Horizon“

Rotten Tomatoes über „Deepwater Horizon“

Wikipedia über „Deepwater Horizon“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Deepwater Horizon“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Peter Bergs „Mile 22“ (Mile 22, USA 2018)


TV-Tipp für den 5. Oktober: Columbo: Blumen des Bösen

Oktober 4, 2024

Sat.1 Gold, 17.00 Uhr

Columbo: Blumen des Bösen (The Greenhouse Jungle, USA 1972)

Regie: Boris Sagal

Drehbuch: Jonathan Latimer

Onkel Jarvis, Orchideenzüchter und Verwalter des Familienvermögens, schlägt dem in finanziellen Nöten steckenden Playboy Goodland eine fingierte Entführung vor. Aber Goodland bleibt für immer verschwunden. Oder wird Columbo ihn finden?

Diese natürlich äußerst gelungene Columbo-Folge (Plot gut, Dialoge gut, Schauspieler dito) ist das letzte Drehbuch des, mit einem ordentlichem Comedy-Anteils, Hardboiled-Autors Joseph Latimer. Er schrieb auch Drehbücher für die langlebige Perry Mason-Serie mit Raymond Burr und, davor, die Noirs „The Glass Key“ (1942) und „The Big Clock“ (1948).

Eine Frage hätte ich noch.“ – „Ja, danach werden weitere klassische Fälle mit ihnen gezeigt. Um 18.30 Uhr und um 00.55 Uhr ‚Étude in Schwarz‘ (1972), um 20.15 Uhr ‚Wenn der Eismann kommt‘ (1972), um 21.45 Uhr ‚Alter schützt vor Torheit nicht‘ (1972) und um 23.40 Uhr ‚Blumen des Bösen‘ (1972). Sitzen bleiben lohnt sich.“

Mit Peter Falk, Ray Milland, Bob Dishy, Bradford Dillman, Sandra Smith

Hinweise

Krimi-Couch über Jonathan Latimer

Mystery File (John Fraser sehr ausführlich) über John Latimer

Thrilling Detective über Jonathan Latimer

Wikipedia über Jonathan Latimer (deutsch, englisch), „Columbo“ (deutsch, englisch) und diesen Fall (deutsch, englisch)

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Peter Falk

 


Die Krimibestenliste Oktober 2024

Oktober 4, 2024

Neuer Monat, neue Krimibestenliste, wie gewohnt präsentiert von Deutschlandfunk Kultur:

1 (2) Tana French: Feuerjagd

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Fischer, 525 Seiten, 25 Euro

2 (9) Jake Lamar: Das schwarze Chamäleon

Aus dem Englischen von Robert Brack

Edition Nautilus, 326 Seiten, 22 Euro

3 (–) Boston Teran: Gärten der Trauer

Aus dem Englischen von Jakob Vandenberg

Elsinor, 243 Seiten, 24 Euro

4 (6) Leye Adenle: Zügel der Macht

Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer

Interkontinental, 358 Seiten, 24,50 Euro

5 (7) James Kestrel: Bis in alle Endlichkeit

Aus dem Englischen von Stefan Lux

Suhrkamp, 432 Seiten, 16,99 Euro

6 (–) Giancarlo De Cataldo: Schwarz wie das Herz

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl

Folio, 253 Seiten, 22 Euro

7 (4) Jochen Brunow: Die Chinesin

ars vivendi, 296 Seiten, 18 Euro

8 (–) Alan Parks: Die April-Toten

Aus dem Englischen von Conny Lösch

Polar, 444 Seiten, 26 Euro

9 (–) Matthias Wittekindt: Hinterm Deich

Kampa, 302 Seiten, 19,90 Euro

10 (–) Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt

Pendragon, 290 Seiten, 20 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Unter anderem Boston Teran und Alan Parks liegen auf meinem Zu-Lesen-Stapel.

Boston Terans noch nicht übersetztes Debüt „God is a bullet“ (1999) überzeugte mich vor Ewigkeiten nur so halb.

Alan Parks erhielt bereits den McIlvanney Prize und den Edgar Award. Nominiert war er für den Theakston Old Peculier Crime Novel of the Year, den CWA Ian Fleming Steel Dagger und den Macavity Award. Der vierte Harry-McCoy-Krimi „Die April-Toten“ war seine zweite Nominierung für den McIlvanney Prize. Die ersten drei Harry-McCoy-Romane erschienen bei Heyne und sind noch erhältlich.

 


Neu im Kino/Filmkritik: Wer war John „Cranko“?

Oktober 4, 2024

John Cranko war von 1961 bis bis zu seinem Tod am 26. Juni 1973 Direktor des Stuttgarter Balletts.

In diesen Jahren transformierte er ein Provinzensemble zu einer international anerkannte und bewunderten Compagnie. Sie revolutionierten das Ballett.

In seinem dritten Spielfilm erzählt Joachim A. Lang, mit Sam Riley in der Hauptrolle und Mitgliedern des Ensembles des Stuttgarter Balletts, Crankos Geschichte in Stuttgart nach. Dabei bedient er sich dem aus seinen beiden vorherigen Filmen „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ und „Führer und Verführer“ bekanntem Prinzip, nur verbürgte Aussagen zu einer Collage zusammenzufügen. In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ war das Ergebnis grandios. In „Führer und Verführer“ enttäuschte es. In „Cranko“ überzeugt es wieder; – auch wenn Lang sich dieses Mal offensichtliche Freiheiten nimmt.

Er verbindet, sehr gelungen, Crankos Biographie mit Tanzsequenzen, die sich teilweise in Crankos Kopf abspielen und seinen Denkprozess verdeutlichen. Er erzählt von Crankos Problemen als Künstler bei der Verwirklichung seiner Vision und seinem chaotischem Privatleben. So nahm der am 15. August 1927 in Rustenburg, Südafrika, geborene Cranko die Stelle in Stuttgart nur an, weil er in London an einem absoluten Tiefpunkt angelangt war. Dort durfte er wegen seiner Homosexualität nicht mehr arbeiten. Auch in Stuttgart lebte der Künstler offen schwul, hatte zahlreiche Liebschaften und pflegte einen in jeder Beziehung unkonventionellen Lebens- und Arbeitsstil. So lehnte er, damals noch unerhörter als heute, ein eigenes Büro ab und machte die Kantine zu seinem Büro.

Cranko“ ist ein auch für Nicht-Ballettfans sehenswerter Film, der einen auf unterhaltsame Weise klüger macht.

Cranko (Deutschland 2024)

Regie: Joachim A. Lang

Drehbuch: Joachim A. Lang

mit Sam Riley, Max Schimmelpfennig, Hanns Zischler, Lucas Gregorowicz, Louis Nitsche, Marcus Calvin, Sascha Göppel, Stefan Weinert, Elisa Badenes, Jason Reilly, Marti Paixà, Rocio Aleman, Friedemann Vogel, Henrick Erikson

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Cranko“

Moviepilot über „Cranko“

Wikipedia über John Cranko (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Joachim A. Langs „Führer und Verführer“ (Deutschland 2024)


TV-Tipp für den 4. Oktober: Der vermessene Mensch

Oktober 3, 2024

Arte, 20.15

Der vermessene Mensch (Deutschland 2023)

Regie: Lars Kraume

Drehbuch: Lars Kraume

Als der Ethnololgie-Doktorand Alexander Hoffmann 1896 im Rahmen der Völkerschau bemerkt, dass die Herero nicht so dumm sind, wie sie es nach der herrschenden Rassentheorie sein sollten, macht er sich, getrieben von wissenschaftlicher Neugier, auf den Weg in die deutsche Kolonie in Südwestafrika. Dort gerät er in den Krieg zwischen der deutschen Kolonialmacht und den Hereros und Nama.

TV-Premiere. Packendes Drama über ein immer noch weitgehend ignoriertes unrühmliches Kapitel der deutschen Geschichte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Leonard Scheicher, Girley Charlene Jazama, Peter Simonischek, Corinna Kirchhoff, Anton Paulus, Leo Meier, Sven Schelker, Max Koch, Ludger Bökelmann, Alexander Radszun, Michael Schenk, Tilo Werner

Wiederholung: ZDF, Montag, 7. Oktober, 20.15 Uhr (mit der 45-minütigen Doku „Der vermessene Mensch – Die Dokumentation“ im Anschluss um 22.00 Uhr)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Der vermessene Mensch“

Moviepilot über „Der vermessene Mensch“

Rotten Tomatoes über „Der vermessene Mensch“ (aktuell noch keine Kritik)

Wikipedia über „Der vermessene Mensch“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Der vermessene Mensch“

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (Deutschland 2015), mein Interview mit Lars Kraume zum Film und die DVD-Besprechung

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Familienfest“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Das schweigende Klassenzimmer“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Der vermessene Mensch“ (Deutschland 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Harley Quinn und der „Joker: Folie à Deux“

Oktober 3, 2024

Vor fünf Jahren war „Joker“ ein überraschend erfolgreicher Film. Er wurde von der Kritik und dem Publikum abgefeiert, erhielt in Venedig den Goldenen Löwen und spielte weltweit über eine Milliarde US-Dollar ein. Das war angesichts seines R-Rating (also „nicht jugendfrei“) ein sensationelles Ergebnis. Und weil „Joker“ mit einem Budget von irgendetwas zwischen 55 und 70 Millionen US-Dollar äußerst günstig war, war eine Fortsetzung schnell beschlossen. Diese soll jetzt erstaunliche 190 bis 200 Millionen Dollar gekostet haben. Dabei spielt die Geschichte fast ausschließlich an drei Orten: einem Gefängnis, einem Gerichtssaal und, für die zahlreichen Musik-Nummern, die aus dem Film ein Musical machen, einer stilisierten Bühne.

In „Joker“ bringt der erfolglose, nicht witzige Comedian Arthur Fleck sechs Menschen um. Die Morde an drei Yuppies in der U-Bahn und an TV-Talkmaster Murray Franklin vor laufender Kamera machen den zunehmend geistig verwirrten Fleck berühmt. Er wird immer mehr zum Joker, einem Chaos stiftendem Bösen Clown und Erzfeind von Batman, der im ersten „Joker“-Film und auch in der Fortsetzung nicht auftaucht.

Der in Gotham City (aka New York) spielende Film war eine unübersehbare Liebeserklärung an Martin Scorseses „Taxi Driver“ und, noch mehr, „King of Comedy“. Todd Phillips Gotham sieht wie New York in den siebziger Jahren aus. Wirklich gepackt hat mich diese von sich und ihrer eigenen Bedeutung masslos überzeugte Origin-Story nie.

Joker: Folie à Deux“ erzählt die Geschichte von Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) nahtlos weiter. Seit ungefähr zwei Jahren sitzt er in der psychiatrischen Anstalt Arkham, die schon in den fünfziger Jahren eine hoffnungslos heruntergekommene, versiffte Gefängnisklinik gewesen wäre. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Anwältin versucht ihn auf den anstehenden Gerichtsprozess vorzubereiten. Sie möchte auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren.

Zur gleichen Zeit lernt Fleck in der Anstalt während eines Chorsingens ‚Harley Quinn‘ Lee Quinzel (Lady Gaga) kennen. Sie behauptet, sein größter Fan zu sein. Sie verlieben sich ineinander.

Während der Gerichtsverhandlung, die fast die gesamte zweite Hälfte des Films einnimmt, feuert Fleck seine Anwältin und übernimmt seine Verteidigung – in der Maske des Jokers.

Das klingt doch ganz gut. Aber „Folie à deux“ ist mehr die Idee von einem Film als ein echter Film.

Todd Phillips erzählt Flecks Geschichte als Musical. Die meisten Gesangsnummern, die einen großen Teil des Films einnehmen, spielen sich in seinem Kopf ab. Sie kommentieren die Ereignisse und imaginieren gemeinsame Auftritte von ihm mit Harley Quinn als singendes Liebespaar mit mörderischen Tendenzen. Sie singen bekannte Songs, die sich nicht von vor sechzig, siebzig Jahren aufgenommenem klassischen Big-Band-Jazz unterscheiden.

Während „Folie à deux“ einerseits Flecks Geschichte weitererzählt, wiederholt er die Struktur des ersten „Joker“-Films erstaunlich genau. Allerdings verzichten die Macher dieses Mal auf die offensichtlichen politischen Anspielungen und die damit verbundene krude politische Botschaft. In „Folie à deux“ dreht sich alles um Flecks Leiden in Arkham, sein Auftreten vor Gericht, wo er stolz den der Anklage bislang unbekannten Mord an seiner Mutter gesteht, und seine Beziehung zu Lee Quinzel, die sein größter Fan ist. Vor Gericht treten dann auch einige aus dem ersten Film bekannte Figuren als Zeugen der Anklage wieder auf.

Eine irgendwie eine packende Geschichte ergibt sich aus diesen hübsch hintereinander drapierten Szenen nicht. Eigentlich wiederholen sie nur den ersten Film noch einmal. Mit kleinen Variationen in einer anderen Umgebung und einem etwas anderem Ende.

Arthur Fleck ist, auch wenn „Joker“ seine Origin-Story erzählte und er jetzt der Joker sein sollte, immer noch nicht der Joker, sondern Arthur Fleck, ein Geisteskranker mit einer gespaltenen Persönlichkeit. Er ist ein leidender Mann, der von allen herumgestoßen wird. Nur in wenigen Momenten des Films, vor allem wenn er sich vor Gericht in eigener Sache verteidigt und dabei alles tut, um eine möglichst hohe Strafe zu erhalten, ist Fleck der Joker. Also, er trägt die Maske des Jokers.

Das Ende ist dann ‚mutig‘ oder ‚konsequent‘; ich kann jedenfalls sehr gut mit diesem Ende leben. Wenn nur der Weg dorthin unterhaltsamer (und kürzer) gewesen wäre.

Joker: Folie à Deux (Joker: Folie à Deux, USA 2024)

Regie: Todd Phillips

Drehbuch: Scott Silver, Todd Phillips (basierend auf der DC-Comics-Figur)

mit Joaquin Phoenix, Lady Gaga, Brendan Gleeson, Catherine Keener, Zazie Beetz, Steve Coogan, Harry Lawtey, Leigh Gill, Ken Leung, Jacob Lofland, Bill Smitrovich

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Joker: Folie à Deux“

Metacritic über „Joker: Folie à Deux“

Rotten Tomatoes über „Joker: Folie à Deux“

Wikipedia über „Joker: Folie à Deux“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Phillips‘ „War Dogs“ (War Dogs, USA 2016)

Meine Besprechung von Todd Phillips‘ „Joker“ (Joker, USA 2019)